abc.Etüden KW 21/22 V

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auf mehrfach geäußerten Wunsch einiger Leserinnen und Leser folgt hier nun eine Art Fortsetzung zu der gestrigen Etüde. Die Etüden werden von Christiane geleitet und noch bis Ende der Woche von der Wortspende des Teams dergl unterstützt.

 

„Na, was macht Dein Gedichtzyklus?“

„Wächst und gedeiht. Ich habe beschlossen, ihn nicht nur der SPD zu widmen, sondern mich auch anderen Parteien zuzuwenden. Hier, eines der Kapitel nenne ich „Sachsens Malkasten – ist braun das bessere rot?““

„Ich frage mich, ob der Titel Sinn ergibt … – Und, was steht so in diesem Kapitel?“

„Hier, zu bekannter Melodie:

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, …“

„Oha – Heinrich Heine indahouse?“

„Ich habe Dir gestern schon gesagt, Du sollst mich nicht unterbrechen!“

„Sorry – weiter!

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so stinkwütend bin,
die Sachsen wähl´n Leute wie Meuthen,
die Demokratie ist bald hin.“

„Sehr schön!“

„Ja, oder!? Zweite Strophe:

„Die Luft ist kühl und es dunkelt,
auch in Bra-ha-handenburg,…

„Bra-ha-handenburg?

„Versmaß, Melodie, Du Penner!“

„Okay …“

„Die Luft ist kühl und es dunkelt,
auch in Bra-ha-handenburg,
die Wahl ist vorbei und man munkelt,
braun wählt dort auch der Chirurg.“

„Nett …“

„Dritte Strophe:

„Die schönste Jungfrau sitzet …“

„Bitte lass es nicht um Beatrix von Storch gehen, bitte, bitte, bitte …“

„Noch eine Unterbrechung und Du kriegst eine gefenstert, klar!?“

Also:

„Die schönste Jungfrau sitzet,
im ZDF und spricht, horch,
ihr debiles Grinsen blitzet,
das ist die Beatrix von …“

„DAS kannst Du jetzt nicht bringen!“

„Ist ja auch noch „work in Proress.“ Vierte bis sechste Strophe:

Sie kämmt sich mit goldenem Kamme,
sie und der Meuthen sind froh,
zieh´n Wähler an, wie ein Schwamme,
dass nasse Haha-zwei-oooh.

Der Schiffer im kleinen Schiffe,
der hats noch gar nicht kapiert;
der macht sich gar keinen Begriffe,
dass mit braun er sich selbst torpediert.

Ich glaube, die Wellen verschlingen,
am Ende sanft gleitend auch ihn,
doch bis dahin werden wir singen,
und blicken schadfreudig nach Wien.“

„Schadfreudig?“

„Nennen wir es einen Neologismus um des Versmaßes Willen?“

„Okay! Morgen dann die FDP?“

„5,4 % – das lohnt sich nicht!“

 

300 Worte.

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abc-Etüden KW 21/22 IV

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Wochenanfang, eine neue Etüde. Für die Etüden zeichnet Christiane verantwortlich, für die Wortspende das Team dergl.

 

„Was schreibste diesmal?“

„Ich beginne einen Gedichtzyklus!“

„Aha – und der Anlass?“

„Nun, die Sozialdemokratie, wie wir sie kennen, ist offensichtlich tot …“

„Zu behaupten, die Sozialdemokratie zu kennen, ist eine mutige These. Die SPD kennt sich doch selbst nicht mehr.“

„… und aus diesem Grunde veröffentliche ich bald den Gedichtband „Malkasten ohne rot – Ein Abgesang“. Soll ich Dir was vorlesen …?“

„Ich … kann es kaum erwarten …“

„Hier, das heißt: „Er kam, sah und verschwand wieder!“

Es war einmal der Martin Schulz,
sprach von Gerechtigkeit, „Deus lo vults“ …

„Vults …?“

„Ich bin kein Lateiner. Außerdem war das wegen des Reims. Unterbrich mich nicht!“

„Tschuldigung …“

„Es war einmal der Martin Schulz
sprach von Gerechtigkeit, „Deus lo vults“
und wollte geh´n in Opposition,
´ne gut´ Idee war das nun schon.

Dann kam jedoch die FDP
und wollt´regieren, ja, nee, doch, nee
deshalb gab´s bald, man ahnt es schon,
statt Oppos- nun Koalition.

Der Schulz der ging, es kam der Scholz…“

„Kommt jetzt was mit „Deus lo volts“ hau ich Dir aufs Maul!“

„Ich sagte: Unterbrich mich nicht! Weiter im Text:

Der Schulz, der ging, es kam der Scholz,
schlug sich schon ziemlich bald ins Holz,
und dann, schon recht am Grund des Tales,
da kam dann die Andrea Nahles.

Kam, die Partei nun zu sanieren,
nicht, um sie zu torpedieren,
doch schon bei der nächsten Wahl, es
wendet man sich ab von Nahles.

Nun müsste man doch endlich gleitend,
die möglich Wählerschar erweitend …“

Weiter bin ich noch nicht. Was sagst Du?“

„Gar nicht so verkehrt. Sag mal, sitzt denn die Schlappe der SPD so tief?“

„Eigentlich nicht. Aber wenn von den unter 30-jährigen nur noch etwa 10 Prozent SPD, dafür aber nahezu ein Drittel grün wählen …“

„Hättest Du doch auch machen können!“

„Erstens: Ich bin nicht unter 30.“

„Und zweitens?“

„Zweitens kann ich mir die Grünen nicht leisten!“

 

300 Worte.

 

abc.Etüden KW 21/22 III

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich mag ja eigentlich keine Songtexte bzw. Liedzitate in im weitesten Sinne literarischen Texten jedweder Art. Irgendwie wirkt das auf mich immer deplatziert. „Deplatziert“ mit „tz“ – ich verfluche Dich, Rechtschreibreform, Du bildungspolitischer Präventivschlag der 90er.

Wie auch immer. Umso mehr mag es erstaunen, dass vorhin in mir die Frage heranreifte, ob ich wohl in der Lage sein möge, einen Text zu verfassen, der zur Hälfte – und Hälfte möchte ich in diesem Zusammenhang nicht als mathematisch exakten Begriff verstanden wissen – nur aus Songtextschnipseln der Songs besteht, die heute morgen in den beiden Radiosendern meines Vertrauens gespielt wurden.

Man möge den folgenden Text einfach irgendwo zwischen Spielerei und Fingerübung ohne tieferen Sinn einordnen.

Die Etüden werden von Christiane geleitet, die Wortspende kommt vom Team dergl.

 

„Hey! Na, wie sieht es aus?“

„Can you take me higher? To the place where blind men see!“

„Es geht gleitend in Wahnsinn?“

„Dirty Livin …“

„Was ´n los?

„Things were never easy for me, peace of mind was hard to find.“

„Interpretiere ich das dahingehend richtig, dass es Dir nicht so richtig dolle gut geht`?“

„And I needed a place where I could hide, somewhere I could call mine.“

„Da weiß ich aber etwas Besseres, als sich hier zu vergraben: Wir könnten uns im Pub breitmachen. Pun intended.“

„Tonight we drink to youth?“

„Genau so sieht es aus, Alter!“

„Mental wounds still screaming …“

„Ja, ich weiß, Keule. Aber das gibt sich – vertrau mir! Also: Auf geht´s!“

 

*mehrere Stunden sowie dunkle irische Biere später*

 

„Sieh mal da, am Nebentisch – ich glaube, die, die wie direkt ausm Malkasten wirkt, hat ein Auge auf Dich geworfen.“

„Hello! Is it me you´re looking for?“

„Ich fass es nicht, das funktioniert! Sie kommt rüber.“

„Hey, na!? Wie heißt Du? Darf ich Dich aufn Bier einladen?“

„Keep your drink, just give me the Money, It’s just you and your hand tonight!“

„Alter, WAS!? Spinnst Du? So kann man eine Anmache auch torpedieren. Mit Dir ist wirklich nichts anzufangen heute. Vielleicht sollten wir nach Hause gehen, wir können sowieso nicht ewig bleiben.“

„There´s no surprise I won´t be here tomorrow!“

„Natürlich nicht, der Laden macht ja auch irgendwann dicht. Ach, was soll´s eine Runde geht noch. Warte hier!“

*weitere Stunden und Biere später, diesmal in der Gosse vor der Kneipe*

„I just died in your arms tonight!“

„Quatsch, ich war Dir beim Reihern behilflich. Und hör endlich auf damit!“

„Okay! Was jetzt?“

„So if by the time the bar closes, and you feel like fallin´ down, I´ll carry you home tonight.“

 

 

300 Worte

Im Übrigen dürfte damit erwiesen sein, dass man in jeder Lebenslage nicht um die passenden Worte verlegen sein muss, so lange man ein ausreichend großes Textrepertoire der heutigen Populärmusik besitzt. :-)

In den Text geschafft haben es – in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Creed – Higher
KISS – Dirty Livin´
Phil Collins – No son of mine
Incubus – Love hurts
Ozzy Osbourne – Crazy Train
Lionel Richie – Hello
P!nk – U and ur hand
Daughtry – No surprise
Cutting Crew – I jusr died in your arms tonight
Fun – Tonight

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass nur sieben der genannten zehn Songs im Radio kamen, der Rest (Incubus, Richie und Fun) musste aus dramaturgischen Gründen rein bzw. weil der Text so schön passte. ;-)

Bands, die es nicht in den Text geschafft haben: Danko Jones, Manfred Manns Earthband, Scorpions und – natürlich – Rammstein. :-)

„Die Hauptstadt“ von Robert Menasse

Buch: Die Hauptstadt

Autor: Robert Menasse

Verlag: Suhrkamp

Ausgabe: Taschenbuch, 459 Seiten

Der Autor: Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den »Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb«. Menasse lehrte anschließend sechs Jahre – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über: Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. (Quelle: Suhrkamp)

Das Buch: Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. (Quelle: Suhrkamp)

Fazit: Es kommt selten vor, dass ich Bücher lese, die für den Deutschen Buchpreis nominiert sind. Noch viel seltener kommt es vor, dass ich Bücher lese, die diesen sogar gewonnen haben. Aber hey, bald sind ja Europawahlen – ich erwähne das gelegentlich … – da kann man ja mal ein wenig von seinen Gewohnheiten abrücken. Ehrlicherweise habe ich die Hauptstadt auch nicht aus Anlass der Europawahlen gelesen, sondern schon vor geraumer Zeit, weswegen ich mich vergleichsweise kurz fassen werde.

„Da läuft ein Schwein!“ – was spontan klingt wie ein subtiler Ablenkungsversuch von HC Strache auf der Suche nach seiner Unschuld, ist nichts anderes als der erste Satz von Menasses Roman rund um die geplanten Feierlichkeiten zum Jubiläum der Europäischen Kommission. Was folgt, ist ein teils surrealer Ritt durch verschiedenste Themen und Handlungsstränge, in denen der Autor nicht nur die Probleme, die zwangsläufig bei einer Einrichtung wie der EU auftauchen, thematisiert, sondern sich eben auch auf das besinnt, was die EU sein soll und auf das, was sie bringen soll – auch wenn er mit seinen offensichtlichen Forderungen zur Zukunft Europas als einem einheitlichen Staat ein bisschen über das Ziel hinausschießt. Zumindest aus meiner Sicht.

Und es ist höchstvergnüglich zu lesen, was Herr Menasse da zu Papier gebracht hat. In erster Linie stellt der Autor natürlich seine Geschichte in den Vordergrund, bevölkert diese allerdings mit Figuren, die erstaunlich gut im Gedächtnis bleiben. Auch weil sie nicht nur als bloße Transporteure der Ereignisse wirken, sondern in der Mehrzahl eine Geschichte haben, sowie Sorgen und Nöte. Als Beispiel darf hier mal Martin Susman genannt werden, seines Zeichens depressionsgeplagter Beamter bei der EU. Zu Beginn des Romans schreibt Menasse über Susman, der gerade Senf auf einem Teller anstarrt, während in der Pfanne eine Wurst verbrennt:

„Das Anstarren von Senf auf einem Teller, während in der Pfanne eine Wurst verbrennt, ist in der Fachliteratur noch nicht als eindeutiges und typisches Symptom für eine Depression beschrieben worden – dennoch können wir es als solches interpretieren. (S. 18)

Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich tagelang selbst feiern würde, wenn mir auch nur einmal ein solcher Satz gelänge, macht er hoffentlich deutlich, dass bei aller Tragik, mit der seine Charaktere gelegentlich komfrontiert werden, immer auch ein Hauch subtiler Humor durchkommt.

Auch Menasses übrige Charaktere, beispielsweise ein Brüderpaar, von denen der eine für die EU und der andere für die Agrarlobby arbeitet, wissen zu überzeugen.

Die Geschichte selbst, ich erwähnte das schon kurz, ist phasenweise skurril, wenn beispielsweise mordende katholische Geistliche durch die Gegend ziehen, als wären sie auf Seite 38 eines Dan-Brown-Thrillers falsch abgebogen und in Brüssel gelandet. Insgesamt verbindet der Autor die Fäden seines Buches aber so überzeugend zu einem Gesamtwerk, dass man es eben auch wegen der Geschichte, rein aus Unterhaltungszwecken, und nicht nur wegen derdarin nur wenig subtil transportierten Botschaft lesen kann.

Das alles vermag der Autor auch noch auf einem stilistisch recht hohen Niveau zu vollbringen, ohne dass deswegen die Lesbarkeit des Textes leidet.

Insgesamt war „Die Hauptstadt“ für mich ein geradezu außergewöhnlich großes Lesevergnügen, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Vielleiht sollte ich doch öfter Bücher lesen, die für den Deutschen Buchpreis nominiert wurden. Oder ihn gewonnen haben.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Anspruch: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Krokodilwächter“ von Katrine Engberg. Das war eigentlich schon für heute vorgesehen, aber irgendwie hat sich Herr Menasse vorgedrängelt …

abc.Etüden KW 21/22 II

 

Gute Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die aktuellen Etüden drehen bei mir eine zweite Runde, die insbesondere deshalb für mich spannend ist, weil ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht die geringste Ahnung habe, wie ich die zu nutzenden Worte denn sinnvoll einfügen könnte. Wir werden sehen. Die Etüden werden von Christiane organisiert, die aktuelle Wortspende stammt vom Team dergl.

 

„Guten Morgen.“

„Morgen.“

„Und, was steht so in der Zeitung?“

„Der amerikanische Präsident – weiter in den Wahnsinn gleitend – untersagt Google die Zusammenarbeit mit Huawei. Offiziell sollen amerikanische Nutzer damit vorm Ausspähen ihrer Daten geschützt werden.“

„Hat ihm jemand gesagt, dass Google praktisch dasselbe macht, nur in besser und mehr?“

„Ich kenne die genaue Argumentation des Präsidenten nicht, aber ich nehme einfach mal an, Datendiebstahl als Geschäftsmodell ist offensichtlich okay …“

„Aha …“

„Oh, apropos Daten: Solltest Du zeitnah auf den Mars wollen, dann geht das schon recht bald. Also, zumindest mehr oder weniger. Im übertragenen Sinne, quasi. Auf einer entsprechenden Internetseite kann man seinen Vor- und Nachnamen eintragen und der kommt dann auf einen Mikrochip und fliegt mit dem nächsten Mars-Rover ins All. Das hat man im letzten Jahr schon so ähnlich gemacht.“

„Und was soll das Ganze?“

„Also, meine Theorie ist ja, dass eine geheime Weltregierung Kontakt zu extraterrestrischen Lebensformen aufgenommen hat und der Mars dabei als so eine Art Briefkasten fungiert. Und jetzt beginnt man Handelbeziehungen. Und mit Daten kann man ja Geld verdienen. Diese Namen sind also nichts anderes, als die bunten Glasperlen und der andere Tand, mit dem die Konquistadoren  vor 500 Jahren …“

„Nein!“

„Nein? Also, ich finde meine Theorie sehr schlüssig!“

„Nein!“

„Na gut …“

„Was noch?“

„Oh, hier: Nachdem sich die FPÖ mittels des Herrn Strache selbst aus der Regierung und der damit zusammenhängenden Verantwortung torpediert hat, steht einerseits die Frage im Raum, wie der österreichische Nationalrat in Zukunft aussieht …“

„…bunt wie ein Malkasten fände ich schön – nur so als Statement.“

„… und andererseits hat der noch amtierende Bundeskanzler Kurz angekündigt, die Ministerposten der zurücktretenden FPÖ-Minister durch Experten ersetzen zu wollen …“

„Moment mal …“

„Ja, das habe ich mir auch gedacht …“

„Also, wenn da jetzt Experten im Amt sitzen sollen…“

„Ja, dann stellt sich die Frage …“

„Wer saß da vorher…?“

 

300 Worte

 

abc.Etüden KW 21/22 I

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

spricht etwas dagegen, eine neue Woche mit einer neuen Etüde zu starten? Ich denke nicht. Die Etüden werden von Christiane geleitet, die Wortspende kommt in beiden anstehen Wochen vom Team dergl.

 

„Hallo …?“

„Huuuääää …“

„Ähm, hallo …?“

„Öööörks …“

„Wo steckst Du denn? Und vor allem: Was tust Du?“

“ Ich bin im Bad. Ich muss kotzen!“

„Oh, das, äh, tut mir leid. Soll ich Deine Haare festhalten?“

„Arschloch!“

„Entschuldigung! Darf ich reinkommen?“

„Ja, sicher!“

„Oh, Du siehst übel aus, als wärst Du in einem Malkasten voller Deckweiß gefallen! Was ist passiert?“

„Na, eigentlich wollte ich nur einen Beitrag über Strache in Österreich schreiben …“

„Aber …?“

„Aber immer, wenn ich damit angefangen habe, musste ich so lachen, dass ich den Bildschirm nicht mehr erkennen konnte.“

„Alter, in Österreich gibt es Neuwahlen, eine schwere Regierungskrise – da gibt es nichts zu lachen.“

„Findest Du? Also, wenn die freie Presse mit ihrer Berichterstattung einen Politiker torpediert, dessen Partei zahlreiche Versuche unternommen hat, auf eben diese freie Presse Einfluss zu nehmen – man denke da an Kickls Mails an die Polizeidienststellen 2018, die Posse um den Journalisten Armin Wolf neulich oder eben Straches Video -, dann entbehrt das nicht einer gewissen Komik.“

„So gesehen… – Und Du musstest so lachen, dass Du kotzen musstest?“

„Nein, das kam später, der Prozess war eher gleitend. Nachdem ich also merkte, dass das mit Strache nichts wird, habe ich einen Artikel über die Verunstaltung von AfD-Plakaten gelesen, über die diese Partei natürlich rechtschaffen empört ist.“

„Und dann musstest Du kotzen!“

„Exakt!“

„Wieso? Was steht denn auf diesen Plakaten so?“

„Unter anderem: „Geht’s noch, Brüssel? – EU-Steuer verhindern!“

„Klingt nach „Bild“ – außerdem: welche EU-Steuer?“

„Ja, das weiß ich doch auch nicht! Oder her: „Jeden reinlassen? Geht’s noch, Brüssel?“

„Aber jeder …“

„Egal! Oder hier: „Europa bracht Vaterländer“!

„Oha – was glaubt denn die AfD, aus was Europa besteht?“

„Ich weiß es nicht! Hier: „Für ein Europa der Freiheit!“

„Die Freiheit, dass jeder wieder einzeln für sich machen darf, was er will!?“

„Exakt!“

„Lass mich mal vorbei – schnell!“

„Wieso!“

„Huuuääää …“

„Na, siehste …!?“

 

300 Wörter.

 

„Auris“ von Vincent Kliesch

Buch: Auris

Autor: Vincent Kliesch

Verlag: Droemer Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 352 Seiten

Der Autor: Vincent Kliesch wurde in Berlin-Zehlendorf geboren, wo er bis heute lebt. Im Jahre 2010 startete er mit dem Bestseller »Die Reinheit des Todes« seine erste erfolgreiche Thriller-Serie, weitere folgten. Mit »Auris« schrieb er den Roman zu einer Hörspiel-Idee seines Freundes Sebastian Fitzek. (Quelle: Droemer Knaur)

Das Buch: Matthias Hegel, genannt „Auris“ (= lat.: das Ohr), ist ein akustischer Profiler. Die Stimme eines Täters genügt ihm. um Herkunft, Aussehen und Psyche zu ermitteln – und um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe überführt werden. Doch nun sitzt der rennomierte Professor wegen eines Mordes in Haft, den er selbst gestanden hat.

Die junge True-Crime-Podcasterin Julia Ansorge hat ernste Zweifel an seiner Schuld und will einen Justizirrtum aufklären. Doch als sie zu tief in Hegels rätselthaftem Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in Todesgefahr, sondern auch den Menschen, der ihr am wichtigsten ist …

Fazit: Reden wir mal über Marketing und Klappentexte: Hätten auf Klieschs Thriller nicht die Worte „nach einer Idee von Sebastian Fitzek“ gestanden, dann hätte ich es mir wohl kaum gekauft. Insofern hatten diese Worte genau den Effekt, den sie haben sollten, schließlich habe ich „Auris“ ja gekauft.

Sie hatten aber noch eine ganz andere Wirkung auf mich. „Nach einer Idee von Sebastian Fitzek“ ließ in mir nämlich die Vermutung reifen, dass es sich dabei um eine Idee handelt, die Herr Fitzek selbst als zu schwach empfindet, als dass sie eine gesamte Handlung tragen könnte, sonst hätte er das Buch wohl schon längst selbst geschrieben. Ein bisschen erinnerte mich das an neue Musikalben längst verstorbener Musiker, die nur zustande kommen, weil raffgierige Erben in den Schubladen des Verstorbenen noch musikalische Versatzstücke, sowie Songs finden, die der Künstler eigentlich als nicht gut genug aussortiert hat, und diese dann irgendwie zu einem Album zusammengeschustert werden.

Glücklicherweise begegnet Herr Fitzek diesen Gedanken bereits in einem Vorwort, in der er sich zur Entstehungsgeschichte von „Auris“ äußert, welches übrigens mit dem Satz „Der Tag, an dem er zweimal starb, hatte gerade erst begonnen.“ anfängt – einem Satz, der nicht das Geringste mit der Handlung zu tun hat, sondern nur die Funktion hatte, Aufmerksamkeit zu erzeugen – ebenso wie der Aufdruck „nach einer Idee usw.“.

Eine eigenlich charmante Idee, so ein Vorwortbeginn, zumal mich der eigentliche Buchtext tatsächlich schon beinahe mit dem ersten Satz verloren hätte:

„Das Sonnenlicht fiel aus einem kinderbuchblauen Himmel auf die Ziegeldächer der Spandauer Neubausiedlung und ließ die Tragödie, die sich im Inneren des Einfamilienhauses abspielte, noch schrecklicher erscheinen. (S.9)

Kinderbuchblau? Ernsthaft?

In der Folge spart sich Vincent Kliesch derartige stilistische Unnötigkeiten allerdings glücklicherweise. Insgesamt fällt „Auris“ stilistisch an keiner weiteren Stelle negativ auf. Dass ich mit seinem Thriller nicht wirklich warm wurde, hat in erster Linie andere Gründe.

Da wären beispielsweise die Charaktere. Keinem der beiden Protagonisten, weder Matthias Hegel noch Jula Ansorge, gelingt es, mich wirklich zu erreichen. Wenigstens erinnert Hegel als jemand, der vom Knast heraus Tipps an Jula gibt, auf lässige Art an Hannibal Lector, wenn man sich den Serienmörder-Aspekt wegdenkt.

Insgesamt wirkt Hegel aber viel zu undurchsichtig, als dass man groß mit ihm mitfühlen kann. Und später, wenn man ein wenig seiner Lebensgeschichte und Hintergründe kennt, da ist es dann zu spät, da ist er mir bereits egal.

Außerdem habe ich – und das ist ganz allein mein Problem, andere mögen das anders sehen – schon ein Problem mit seinem beruflichen Hintergrund als „akustischer Profiler“. Das mag es geben, auf intensive Recherche habe ich verzichtet, und glaube daher den Autoren und nehme es als gegeben an, dennoch wirken die Beispiele, in denen Hegel sein Können zeigt, auf mich irgendwie albern. Dass Hegel nicht auch die Sockenfarbe von Verdächtigen an deren Stimme erraten kann, wundert mich. Überspitzt – und etwas unfair – formuliert könnte ich sagen, Hegel erinnerte mich immer ein bisschen an eine Mischung aus Winnetou und Lassie und man wartet förmlich darauf, dass er das Ohr auf den Boden legt, um die Ankunft der Postkutsche anzukündigen. Nichts für ungut, Herr Kliesch! Oder „No offense!“, wie meine Nachfolgegneration sagen würde.

Jula Ansorge ist mir als Person etwas weniger egal, allerdings nur unwesentlich. Ihre Beharrlichkeit hinsichtlich der Recherche im Fall Hegel imponiert, ihre Motive diesbezüglich kann man allerdings hinterfragen, was schon mal dazu führt, dass Jula Ansorge eine spannende Figur sein könnte. Könnte, denn Klieschs Protagonistin leidet in erster Linie unter einem Problem, nämlich, dass man als Leser im Laufe der Handlung Dinge über sich ergehen lassen und als gegeben ansehen muss, die man einfach nicht unwidersprochen lassen kann, wenn man auch nur halbwegs mit Aufmerksamkeit und Nutzung seines Hirns liest.

Nun findet einiges von dem, was ich inhaltlich zu kritisieren hätte, so etwa gegen bzw. kurz nach Seite 40 statt, insofern könnten Informationen dazu bereits als Spoiler gelten, weswegen ich mich dazu schweren Herzens ausschweige. Nur so viel sei gesagt: Ich bin nicht gerade zartbesaitet, halte unter anderem auch Triggerwarnungen – ohne darüber eine Grundsatzdiskussion starten zu wollen – für ziemlichen Unfug, aber: Eine Vergewaltigung als Aufhänger für eine Geschichte halte ich für gänzlich unnötig, wenn diese Geschichte sich nicht ausgiebig damit beschäftigt, sondern sie eben nur den Ursprung für weitere Ereignisse darstellt. Das hätte man klüger lösen können, nein, müssen.

In der Folge verhält sich Jula dermaßen irrational – übrigens auch diverse Nebencharaktere wie beispielsweise ein Polizist, sowie Julas Programmchefin des Radiosenders, für den sie arbeitet -, dass sie so um Seite 40 bereits dermaßen viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, was auf so wenigen Seiten eine Leistung ist, dass sie mir als Person auch nicht wirklich nahekommt.

Diese Dinge, die Interaktion der Charaktere untereinander, beispielweise eben zwischen Jula und den erwähnten Nebencharakteren, ist so fernab jeglicher Realität, dass es als Leser schwerfällt, das einfach unwidersprochen hinzunehmen. Dazu kommt noch der eigentliche Handlungsrahmen, der zwar ansprechend konstruiert, allerdings eine Nummer obendrüber ist, sprich schon zu konstruiert wirkt.

Und dann, nach etwa 350 Seiten gesteht man sich ein, dass man schon bessere – allerdings natürlich auch schon viel schlechtere – Bücher gelesen hat, fragt sich aber schon, ob da nicht noch ein Handlungsstrang offen war, nur um dann in die Mutter aller Cliffhanger zu fallen. Natürlich, das passiert nur unaufmerksamen Leuten wie mir, die den Klappentext nicht ordentlich gelesen habe, denn dort waren vermeintlich nur Informationen über die Protagonisten festgehalten, die ich nun auf den folgenden gut 350 Seiten ja ohnehin kennenzulernen glaubte, weshalb ich diesen Text ignoriert habe. Hätte ich das mal nicht getan, denn ganz unten steht dort: „Der Auftakt zu einer neuen Bestseller-Reihe (…)“

Mal ganz davon abgesehen, dass es schon recht mutig ist, bei der Erstauflage des ersten Buches eines Mehrteilers von einer „Bestseller-Reihe“ zu sprechen: Hätte man diese Information nicht vorne auf das Cover tackern können? Vielleicht so etwas unterhalb von „nach einer Idee von Sebastian Fitzek“? Platz wäre da nämlich gewesen! Und da ich verhältnismäßig wenige Mehrteiler lese, hätte ich es mir vielleicht ja doch nochmal überlegt, mit dem Kauf des Buches …

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Krokodilwächter“ von Katrine Engberg.

abc.Etüden KW 19/20 VI

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

„Ein´ hab ich noch!“, wie Otto Walkes sagen würde. :-)

Bevor es losgeht, sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass sie Etüden von Christiane geleitet werden, die Wortspende kommt von Katha kritzelt.

 

„Du lächselst? Kurios! Jetzt sag mir nicht, dass irgendetwas Positives passiert ist!“

„Ach, Gott, nein – wo denkst Du hin!? Das letzte Positive war das Sonderangebot für die Fahrrad-Katzenaugen im Laden. Nein – ich amüsiere mich nur.“

„Worüber?“

„Darüber, dass die deutsche Sprache so schön ist.“

„Inwiefern?“

„Na, gestern zappe ich so durch die Programme und bleibe kurz an einem Bericht über die Hochzeitskorsos auf Autobahnen hängen …“

„Okay …“

„Und da wies ein Polizeibeamter darauf hin, dass die zu diesem Zweck durchgeführte Absperrung der Autobahn durch die Autos der Hochzeitsgäste gefährlich sei. Diese Erkenntnis, so sinngemäß weiter, sei auch „bildungsneutral“.

„Aha …“

„Verstehste? „Bildungsneutral!“ – ist doch geil!“

„Denn das bedeutet …?“

„Na vorsichtig formuliert bedeutet das im genannten Fall: „Für die Erkenntnis, dass das gefährlich ist, muss man kein Genie sein!“ Böse formuliert in etwa: „Das müsstest Du auch dann begreifen, wenn Du der dümmste Dorftrottel in der Geschichte der Menschheit wärst!“

„Verstehe … – also etwas, das auch der amerikanische Präs…“

„Ach komm, der Gag ist billig!“

„Verzeihung …“

„Bisher war ja „verhaltensoriginell“ mein Lieblingswort im Bereich dessen, was ich mal als Wortschöpfungen bezeichnen möchte.“

„Und natürlich Behördendeutsch!“

„Ja, Behördendeutsch, da gibt es so schöne Sachen. Ein „zufälliger Untergang“ bezeichnet zum Beispiel nichts anderes als den Verlust einer Sache.“

„Aha …“

„Oder – schon recht alt – den im Preis eines Flugtickets enthaltenen Betrag für die Sicherheitskontrollen nennt man „Fummelgebühr“!“

„…“

„Aber auch sonst ist die Welt voll schöner Begriffe. Es gibt sogar ganze Internetseiten, die sich mit Neologismen beschäftigen.“

„Und da findet man dann was?“

„Beispielsweise den Begriff „Mettflix“!“

„Bitte was?“

„Ja, für so eine Art Kundenkarte an der Fleischtheke …“

„Oh, bitte!“

„Oder hier: „Erlebnisdusche“ – gibt es wirklich.

„…“

„“Spaßbad“ – damit man weiß, dass da keine Trauerfeiern stattfinden …“

„Bis sich Dein Verstand wieder ausbalanciert hat, gehe ich mal mit den Worten einer meiner Lieblingsformulierungen: „Ich muss weg, ich krieg noch Beton“!“

 

300 Worte.

 

abc.Etüden KW 19/20 V

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

für Rezensionen fehlt derzeit leider Zeit und Muße, Anlass für weitere Etüden scheint es aber momentan reichlich zu geben. Für die Etüden zeichnet Christiane verantwortlich, die Wortspende kommt weiterhin von Katha kritzelt.

 

„Oh, Du schreibst nicht, Du schraubst!?“

„Es ist Zeit für die Fahrradwartung, da lag mehr im Argen als nur das Katzenauge.“

„Und danach?“

„Fahre ich damit irgendwohin, wo es keine deutschen Parteien gibt.“

„Weil?“

„Die SPD schlägt vor, Klima-Schatzbriefe auszugeben, um die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen zu decken.“

„Und?“

„Bin ich der Einzige, der es verwerflich findet, dass Menschen jetzt mit der Beseitigung von Klimaschäden Geld verdienen sollen, die sie selbst mit verursacht haben?“

„Aber irgendwer muss es ja finanzieren …“

„Monsanto verliert gerade gefühlt eine 72 Stunden einen Schadenersatzprozess, Googles Mutterkonzern Alphabet hat in 2018 mehr Strafen in der EU als weltweit Steuern gezahlt, dazu noch die Strafen der Autoindustrie – warum nimmt man nicht auch dieses Geld? Und wenn man den Energieerzeugern die Kosten für die Atommüllentsorgung aufs Auge drücken würde, weil sie den, verdammt nochmal, verursacht haben, dann hätte man schon weitere 6 Milliarden Euro. Stattdessen balanciert die Welt am Untergang.“

„Nur …“

„Genau: nur! Nur gibt es Menschen, denen ist das mit dem Klimaschutz nicht so wichtig – beispielsweise den Mittelstands-Hoschi Lindemann. Der hält den Kohleausstieg erst 2038 ernsthaft für etwas Gutes. Und er verweist auf den Welt-Anteil Deutschlands am CO2-Ausstoß, weswegen es jetzt gar nichts brächte, wenn Deutschland den weiter runterfährt. Da müsse ganz Europa handeln …“

„…weil das in der Vergangenheit ja so gut geklappt hat? Kurios!“

„Japp – und außerdem hält er den Emissionshandel für eine gute Sache.“

„Der mit den Zertifikaten, die billiger sind als Klimaschutzmaßnahmen, weswegen niemand Geld in die Maßnahmen, aber gerne in die Zertifikate investiert? Der, der theoretisch dazu führen kann, dass Deutschland irgendwann CO2-frei ist, deswegen alle Zertifikate meinetwegen nach Frankreich verkauft, die dort dann erheblich mehr CO2 produzieren dürfen und man in der Endbilanz bezüglich CO2 eine Änderung von null hat?“

„Genau! Oh, und die FDP …“

„Warte hier …“

„Wo willst Du hin?“

„Mein Fahrrad holen – ich komme mit!“

abc.Etüden KW 19/20 IV

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich die Blogosphäre nachher mit einer neuen Rezension beglücken, vermutlich wird das einerseits aber an der mangelnden Zeit scheitern, andererseits bietet sich mir momentan fast jeden Tag ein neuer Aufhänger, eine weitere Etüde zu schreiben. Das könnte ich aus Bloggersicht als recht komfortable Situation empfinden – wenn es nicht so traurig wäre …

Die Etüden werden federführend von Christiane geleitet, die Wortspende für den Rest der Woche kommt von Katha kritzelt.

Legen wir los:

 

„Du schreibst schon wieder …“ *seufzt*

„Ja, aber diesmal ist es wirklich, wirklich wichtig!“

„Ich traue mich kaum zu fragen, aber: Womit bringst Du Dich diesmal in Schwierigkeiten?“

„Ich arbeite an einer bundesdeutschen Version der „Zehn Gebote der Zuwanderung“, die jetzt in Niederösterreich für Asylbewerber gelten bzw. an diese vermittelt werden sollen.“

„Ja, so was in der Art hatte ich befürchtet. Abgesehen davon, dass das kurios und latent blasphemisch klingt: Was steht denn in Deiner Version drin?“

„Ach, das meiste übernehme ich so ähnlich aus dem Original. Beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache.“

„Hmmm – ich verstehe den tieferen Sinn dahinter, aber: Solange Muttersprachler weiterhin „wie“ und „als“ verwechseln, keinen Unterschied zwischen „seid“ und „seit“ kennen, „denn“ und „weil“ nicht richtig verwenden und weiter beharrlich „Standard“ mit t am Ende schreiben, sollte man vorsichtig sein, was man von Migranten fordert …“

„Punkt zwei: die Aufforderung, Gesetze einzuhalten.“

„Aha – und konsequenterweise werden straffällig gewordene Deutsche dann ausgebürgert …?“

„Ähm, nein …“

„Dachte ich mir. Wie geht’s weiter?“

„Tiere sollen vor unnötigem Leid geschützt werden!“

„Löblich, aber: Hast Du kürzlich mal die Bilder aus deutschen Schlachthöfen gesehen, in denen man Tieren gewerbsmäßig unnötig Leid zufügte?“

„Ähm, nein …“

„Weiter im Text!“

„Orientierung der Kindererziehung an deutschen Werten …“

„Lügde!“

„Achtung der Religionsfreiheit …“

„Pegida!“

„Dankbarkeit gegenüber Deutschland …“

„Oh bitte! Wie genau stellst Du Dir das vor?“

„Soweit bin ich noch nicht …“

„Ja, ganz offensichtlich. Mach mal Platz da. Oder noch besser: Geh weg und repariere Dein Fahrrad, das Katzenauge ist hin. Außerdem balancierst Du mit dem Pamphlet hier an einer Strafanzeige entlang.“

„Und was machst Du?“

„Ich setze jetzt einen 10-Punkte-Plan für Demokratien auf:

Punkt 1: Niemand darf einfordern, wozu er nicht selbst willens und in der Lage ist.
Punkt 2: Niemand darf wegen seiner Herkunft unter Generalverdacht gestellt werden. Punkt 3: Am 26.05. ist Europawahl.
Punkt 4:  Hmmm…“

„Ich geh´ dann mal …“

„Okay …!“

 

 

300 Worte

P.S.: Interessant ist die Resonanz auf den Vorschlag der oben genannten „10 Gebote“ – so gibt es beispielsweise auf der Seite des „Focus“ – ich wollte dieses Medium eigentlich aus guten Gründen meiden – zum jetzigen Zeitpunkt 26 Kommentare und praktisch ausnahmslos halten alle diese 10 Gebote für eine gaaaanz tolle Idee. Ironischerweise sind dort tatsächlich Menschen dabei, die „wie“ und „als“ nicht auseinanderhalten können, die „Standard“ mit t am Ende schreiben und die über Menschen schreiben „dehnen wir versuchen zu helfen(…) – „dehnen“ kenne ich in erster Linie aus dem Sportbereich. Diese Kommentare sind also entweder Realsatire – oder aber sie bestärken mich in meinen Vorurteilen … ;-)