Hoo, hoo, hoo…

Liebe Leserinnen und Leser,

bis zur nächsten Rezension wird es wohl noch ein paar Tage dauern. Das liegt einerseits daran, dass wirklich gute Bücher in meinem SUB momentan wohl Mangelware sind. Jedenfalls ist derzeit kein Buch dieses Stapels in der Lage gewesen, mich längerfristig in seinen Bann zu ziehen.

Andererseits liegt das zugegebenermaßen auch einfach an meiner akuten Unlust! 😉 Erfahrungsgemäß weiß ich, dass sich das mit Ablauf der vor uns liegenden Festtage schlagartig ändern müsste. Und dann gibts auch wieder eine Rezension, aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr. Ich werde mich bemühen.

Bis es soweit ist, wünsche ich Euch allen schöne Feiertage und ein frohes und vor allem besinnliches und stressfreies Weihnachtsfest.

„Dark Places“ von Gillian Flynn – Düster, aber gut!

Buch: „Dark Places“

Autorin: Gillian Flynn

Verlag: Fischer Scherz

Ausgabe: Broschiert, 461 Seiten

Die Autorin: Gillian Flynn wurde 1971 in Kansas City, Missouri, geboren und ist eine erfolgreiche amerikanische Schriftstellerin. Bereits mit Ihrem Debüt „Sharp Objects“ aus dem Jahr 2006, das hierzulande unerklärlicherweise unter dem Namen „Cry Baby – Scharfe Schnitte“ erscheint, gewann sie einige kleinere Preise. Mit ihrem zweiten Buch, „Dark Places“ wurde sie einer breiteren Öffentlicheit bekannt. Auch hier konnten die deutschen Übersetzer nicht widerstehen und verpassten ihm sicherheitshalber mal einen deutschen Untertitel: „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“. Das klingt für mich alles immer ein bisschen nach Sat 1 – FilmFilm, aber sei es drum. Spätestens mit ihrem dritten Roman „Gone Girl“ (deutsch: „Gone Girl – Das perfekte Opfer…), dessen Verfilmung mit Ben Affleck, Neil Patrick Harris u. a. bereits in den deutschen Kinos lief, gelang Gillian Flynn auch in Deutschland der Durchbruch.

Das Buch: Libby Day ist Anfang 30 und hat in Ihrem Leben bereits einiges durchgemacht. Als sie 7 Jahre alt war, wurde fast ihre gesamte Familie umgebracht, ihre Mutter Patty ebenso wie ihre Schwestern Michelle und Debby. Libby kann entkommen. Ihr älterer Bruder Ben wird für die Morde verantwortlich gemacht, landet vor Gericht und wird verurteilt, auch aufgrund der Aussage von Libby, die ihn in der Nacht gehört und gesehen haben will. So ein Schicksal hinterlässt Spuren: Libby trinkt, ist depressiv, antriebslos, bekommt kleinste Kleinigkeiten nicht hin, ist kleptomanisch veranlagt und alles in allem ziemlich verkorkst. Nachdem ihr mit Beginn ihrer Volljährigkeit eine große Spendensumme ausgezahlt wurde, bestand für sie aber auch nie die Notwendigkeit, ihrem Leben eine bestimmte Richtung zu geben. Die finanzielle Sicherheit führte dazu, dass Libby einfach in den Tag hinein lebt. Umso größer ist ihr Ärger, als ihr Vermögensverwalter ihr mitteilt, dass das Geld mittlerweile fast aufgebraucht ist, und es nun zeitnah vorbei sein wird mit „dolce vita“ und Libby in Zukunft doch tatsächlich gezwungen sein wird, zu arbeiten. Brrrr… Na, das kommt für Libby doch überhaupt nicht infrage…

Da trifft es sich dann umso besser, dass ihr der junge Lyle begegnet, Mitglied des sogenannten Kill-Clubs, einer ziemlich schrägen Vereinigung von Leuten, die sich mit berühmten Serienmördern, unaufgeklärten Morden oder auch zu Unrecht inhaftierten Mördern beschäftigt. Libby erklärt sich bereit, dort vorbei zu kommen – gegen Bezahlung natürlich. Am Versammlungsort wird sie dann mit den anderen Mitgliedern des Clubs konfrontiert, die alle der Meinung sind, dass ihr Bruder Ben zu Unrecht im Gefängnis sitzt und Libby damals ihre Aussage mehr oder weniger in den Mund gelegt bekam. Sichtlich aufgebracht verlässt sie die Veranstaltung. Dann beginnt sie aber dennoch nachzudenken: Denn so richtig gesehen hat sie ihren Bruder damals ja eigentlich nicht… Und die Stimme, die sie in der Mordnacht gehört hat, ja zugegeben, die könnte auch von jemand anderem sein.

Libby beginnt, die Vergangenheit aufzuarbeiten und das Rätsel um den Mörder ihrer Familie zu lüften…

Fazit: Falls jemand einen Roman voller fröhlicher Menschen sucht, ist er bei „Dark Places“ am völlig falschen Platz, sozusagen. Irgendwie stehen praktisch alle Beteiligten eher auf der Schattenseite des Lebens. Libbys Vater, Runner, hat einst mitgeholfen, die Farm finanziell vor die Wand zu fahren, machte sich dann aber aus dem Staub und verließ die Familie. Seitdem versinkt er in einer Mischung aus Alkohol und Selbstmitleid.

Libbys Mutter, Patty, ist eigentlich schwer depressiv und mit der Versorgung ihrer vier Kinder mehr als völlig überfordert. Aber sie kann sich halt einfach nicht aufraffen, einen Strich zu machen, die Farm zu verkaufen und die Lebenssituation so für alle zu verbessern

Michelle, Libbys große Schwester, ist ein intrigantes kleines Biest, das darauf erpicht ist, Geheimnisse ihrer Geschwister zu erfahren, um sie damit zu erpressen.

Ihr großer Bruder Ben möchte eigentlich gerne zu den coolen Kids gehören, wirkt aber auf diese eher wie eine widerstandslose Lachnummer. Und auch seine – im Gegensatz zur Familie Day – finanziell auf Rosen gebettete Freundin Diondra leidet unter der Nichtbeachtung durch ihre Eltern und flüchtet sich, mit gerade mal 17 Jahren, in Alkohol, Drogen und Schwangerschaft.

Dies alles vermittelt eine wirklich düstere Stimmung, die ich schon in „Gone Girl“ so empfunden habe. Insofern ist das Buch jetzt vielleicht nicht unbedingt etwas für den trüben Dezembernachmittag – aber es ist wirklich gut!

Erzählerisch wechseln sich die Kapitel über Libbys heutige Spurensuche mit Rückblenden-Kapiteln ab, in denen man erfährt, was sich in den letzten 24 Stunden vor den Morden zugetragen hat. Das ist nicht innovativ, das ist aber spannend, weil es die Möglichkeit für den einen oder anderen Cliffhanger bietet. Gillian Flynns Stil ist dabei einfach gehalten, er ist dem Milieu, in dem sich die Figuren befinden, angemessen.

Die Charaktere und deren Psyche werden erfreulich detailliert und für einen „einfachen“ Thriller unheimlich gut beschrieben. Auch wenn sich eigentlich keine Figur findet, die man als Leser spontan mögen kann. Gerade Libby macht es einem da nicht leicht, ich konnte und kann sie bis jetzt wirklich überhaupt nicht leiden!  Dennoch erfüllen die Charaktere eines der wichtigsten Kriterien, die Personen in solchen Büchern meiner Meinung nach erfüllen sollten: Sie wirken authentisch!

Auch wenn „Dark Places“ nicht unbedingt ein „Wohlfühl-Buch“ ist, es ist ein wirklich gelungener Roman. Mir fallen spontan mehrere meiner Leser und Innen ein, die diesen Thriller durchaus mögen dürften. Mir jedenfalls hat es sehr gut gefallen und mir wird nichts anderes übrig bleiben, als ziemlich bald auch „Cry Baby“ zu lesen. 😉

Wertung: 8,5 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Teufelsengel“ von Monika Feth. Ein deutscher Thriller. Sagt mir nichts, schaun mer mal!

„Im Wald der stummen Schreie“ von Jean-Christophe Grangé – Nur nicht nachdenken…

Buch: Im Wald der stummen Schreie

Autor: Jean Christophe Grangé

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 541 Seiten

Der Autor: Jean-Christophe Grangé, Jahrgang 1961, ist ein französischer Schriftsteller und freier Journalist. Er hat bereits 10 Romane veröffentlicht, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Mehrere wurden auch verfilmt, am bekanntesten dürfte „Die purpurnen Flüsse“ sein.

Das Buch: Jeanne Korowa, Mitte 30, ist Ermittlungsrichterin in Frankreich. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen, ihres rasanten beruflichen Aufstiegs liegt bei Jeanne im privaten Bereich einiges im Argen. Jeanne ist vollkommen unfreiwillig Single, nachdem sich Thomas, ihre letzte Liebschaft, von dem sie sich bereits mehrfach getrennt hatte, einfach nicht mehr meldet.

Beruflich sind bei Jeanne in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Aber die Fälle, wegen der sie Ermittlungsrichterin geworden ist, werden immer an männliche Kollegen vergeben. Jeanne aber möchte eigentlich die richtig bösen Jungs fangen, Gewalttäter jeder Art etc.
Als ihr Kollege Taine ihr anbietet, ihn bei seinen Ermittlungen zu einem Ritualmord zu begleiten, sagt Jeanne deshalb begeistert zu. Am Tatort bietet sich ihnen ein grauenhaftes Bild. Eine junge Frau wurde auf blutigste Art und Weise getötet und zerteilt. Die Spuren deuten auf einen Täter hin, der sich nackt und auf allen vieren bewegt…

Kurz darauf folgen die Opfer Nr. 2 und 3. Die Vorgehensweise ist gleich, zwischen den Opfern scheint es aber keinerlei Verbindungen zu geben. Dann erhält Jeanne abends einen Anruf von Taine, er habe endlich den Zusammenhang gefunden, sagt er, und sie möge schnell herkommen. Als sie an seiner Wohnung ankommt, steht diese aber in Flammen und Taine kommt bei dem Brand um. Jeanne, die offiziell in diesem Fall gar nicht ermitteln darf, sieht sich gezwungen, alleine weiter zu machen, um dem Mörder das Handwerk zu legen. Ihr Weg führt sie dabei bis in den argentinischen „Wald der Seelen“…

Fazit: Ich habe in der Zusammenfassung des Buches bereits vieles weg gelassen, denn würde ich näher ins Detail gehen, hätte ich schnell das ganze Buch erzählt…“Im Wald der stummen Schreie“ ist meine erste Erfahrung mit den Werken von Grangé, auch die Verfilmung von „Die purpurnen Flüsse“ verpasse ich regelmäßig. Ich denke, es wird auf längere Sicht auch die letzte bleiben.Zuviel an diesem Roman ist mir sauer aufgestoßen.

Die Hauptfigur Jeanne Korowa ist zickig, desillusioniert und voll bis obenhin mit Antidepressiva. Aber ich mag sie! Als sie sich zu Beginn des Buches mit einem Fall von Waffenschmuggel beschäftigen muss, der inhaltlich übrigens viiiel spannender gewesen wäre, als die wirkliche Geschichte, habe ich schon zaghaft auf eine Verfilmung gehofft. Vielleicht mit Audrey Fleurot („Ziemlich beste Freunde“) in der Hauptrolle. Das würde von der Beschreibung her passen und, ja zugegeben, das hätte dem Rezensenten wohl gefallen, aaaaaber:

Dann beschäftigt sich die Gute eben leider nur noch mit der Mordermittlung und legt dabei eine Eiseskälte an den Tatorten an den Tag, die ich schwer nachvollziehen kann. Gut, sie ist Ermittlungsrichterin und hat wahrscheinlich schon viel Schlimmes gesehen. Aber wenn ein Mörder ein Opfer zerlegt, um es dann zu einer Art „Homo Tetris“ wieder zusammen zu setzen, dann ist das wahrscheinlich mehr, als die meisten ertragen können. Jeanne Korowa wird einmal kurz schwindelig, das war´s.

Auch bei ihren weiteren Ermittlungen begegnet sie immer wieder Mord und Totschlag und Leichen. Während Indiana Jones sich schon weinend in Fötushaltung in einer Zimmerecke verkrochen hätte, marschiert Jeanne durch alle Unbill des Schicksal wie weiland Milla Jovovich durch „Resident Evil“. Nur ohne Zombies und Waffen. Naja, fast…

Im Bereich der Handlung hat sich Grangé wirklich viel einfallen lassen. Man erfährt Wissenswertes über Autismus, die Bücher von Freud, Anthropologie, die Geschichte Nicaraguas und Argentiniens usw… Falls jetzt jemand argumentieren sollte, dass es zwischen diesen Themen doch gar keinen Zusammenhang gibt – Grangé findet einen… Dabei bleibt es dann nicht aus, dass sich die eine oder andere Logikfrage stellt oder einige Passagen wirklich arg konstruiert erscheinen. „Da stapft die durch den südamerikanischen Dschungel, meilenweit niemand, aber sie trifft zufällig jemand, der ihr weiterhelfen kann, der zufällig auch genau an diesem Tag an dieser Stelle ist…“ So etwas ging mir öfter durch den Kopf…

Das Ganze gipfelt dann in einem ziemlich skurrilen Showdown und auch wenn ich über die Wendung hinsichtlich des Täters am Ende des Buches durchaus überrascht war, so reißt das in der Gesamtheit nichts raus.

Letztlich möchte ich noch festhalten, dass mir das Buch auch schlichtweg zu blutig ist. Ich möchte nichts über ausgeweidete Leichen lesen, deren Blut man trinkt und denen man die Gliedmaßen abtrennt; das alles im romantischen Licht des in Brand gesteckten Fetts der Bauchlappen!!! Ihr versteht… Ich finde, das muss halt nicht sein. Ein bekannter Cartoonist hat mal sinngemäß gesagt: „Kein Gag wird besser durch HD!“, und kein Buch wird besser dadurch, dass man die Opfer möglichst spektakulär ins Jenseits befördert!

Fazit: 6 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Dark Places“ von Gyllian Flynn („Gone Girl“). Hübsche Autorin! Hübsches Buch? Wir werden sehen…

„Hotline“ von Jutta Maria Herrmann – Bei Anruf Mord

Buch: Hotline

Autorin: Jutta Maria Herrmann

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 331 Seiten

Die Autorin: Die gebürtige Saarländerin Jutta Maria Herrmann zog nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin in den 80ern nach Berlin und studierte dort Germanistik und Filmwissenschaften. Nach Tätigkeiten als Buchhändlerin, Putzfrau, Sekretärin, Synchrondrehbuch-Autorin und Veranstalterin von Punk-Konzerten ist Jutta Maria Herrmann derzeit bei einer Tageszeitung als Redaktionsassistentin beschäftigt. Sie lebt vor den Toren Berlins und ist mit dem Schriftsteller Thomas Nommensen verheiratet. „Hotline“ ist ihr erster Psychothriller.

Das Buch: Chris hat eine Geschäftsidee: Zusammen mit seinen Freunden Rick, Konrad und dessen Freundin Paula ruft er die sogenannte „Beicht-Hotline“ ins Leben, eine Art Telefonseelsorge. Dort kann jeder anrufen und sich von der Seele reden, was immer ihn belastet. Egal, ob es sich um Einsamkeit, Streit mit dem Nachbarn oder ein begangenes Verbechen handelt. Sollte Letzteres der Fall sein, gilt bei der „Beicht-Hotline“ die Maxime: „Keine Polizei – never ever!“. Denn wenn jemand ein Verbrechen gesteht, so ist es ja schon passiert und es ist die Aufgabe der Polizei, es aufzuklären, jedoch nicht die Aufgabe der „Beicht-Hotline“. So sieht es jedenfalls Chris…

Bald darauf jedoch nimmt Rick den Anruf einer jungen Frau entgegen. Sie kündigt im Gespräch an, ein Kleinkind auf einem nahegelegenen Friedhof zu begraben. Ein lebendiges Kleinkind! Rick kümmert sich nicht mehr um die Maxime der Hotline und verständigt die Polizei. Da die Beamten aber nichts tun können, wird Rick selber tätig. Zusammen mit Paula sucht er auf dem Friedhof nach der Frau. Letztlich stellt sich jedoch heraus, dass sie nur eine lebensgroße Puppe begraben hat. Alle halten den Anruf für einen makaberen Scherz und die Anruferin für eine ziemlich schräge Spinnerin.

Kurze Zeit später allerdings ruft diese schräge Spinnerin erneut an und verkündet, dass das nur der Anfang gewesen sei und es jetzt erst richtig losgehe, denn: „Jemand von Ihnen hat Schuld auf sich geladen. Schwere Schuld. Und dafür müssen Sie jetzt alle büßen…“

Fazit: Also, ich würde ja fürchterlich gerne einen erneuten launigen Verriss über ein Buch schreiben, dass mir meilenweit sonstwo vorbei geht, aber das geht in diesem Fall nicht! Das Erstlingswerk von Frau Herrmann ist nämlich ganz anständig gelungen!

Jutta Maria Herrmann nimmt sich Zeit für ihre Hauptfiguren und deren Schicksal. Sie könnte vermutlich jede x-beliebige Frage über Chris, Rick, Konrad und Paula beantworten, während andere Autoren ja nicht mal die Namen ihrer Protagonisten kennen. 😉 Alle vier kommen ausgesprochen symphatisch und glaubwürdig rüber. Dabei fällt auf, dass bei allen irgendetwas im Argen liegt: Chris hat einen drogensüchtigen Bruder, Ricks Schwester ist vor Jahren spurlos verschwunden, seine Mutter driftet geistig immer mehr ab und verliert den Bezug zur Realität, Konrad muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass seine Mutter mit Mitte 40 nochmal schwanger geworden ist usw.! Das alles erschien mir in dieser Häufigkeit erst irgendwie übertrieben, aber, nee, eigentlich nicht, es hat ja tatsächlich fast jeder so sein Päckchen zu tragen. In jedem Fall ist es eine ziemlich beachtliche Leistung, auf gerade mal 331 Seiten so genau auf seine Charaktere einzugehen, ohne dabei die Haupthandlung aus den Augen zu verlieren.

Auch unhaltlich ist „Hotline“ recht solide. Zwar steht für den aufmerksamen Leser relativ schnell fest, wer denn nun die geheimnisvolle Anruferin ist, die für die Unruhe sorgt. Und auch das „Warum“ ist nach einiger Zeit mehr oder weniger geklärt. Dennoch ist die Autorin in der Lage, mich am Ende des Buches doch nochmal zu überraschen. Und nirgendwo in einem Buch sind Überraschungen so gut aufgehoben wie am Ende!

Insgesamt kommt die Handlung zwar nicht an Genre-Größen wie Sebastian Fitzek heran, aber ein kurzweiliges, unterhaltsames Buch ist „Hotline“ allemal! Umso mehr, da es Herrmanns erstes Buch ist!

Wertung: 7 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich habe mich mal entschieden, am Ende jeder Rezension anzukündigen, was als nächstes kommt. Nur, damit Ihr schon mal wisst, ob Ihr Euch drauf freuen könnt oder mich getrost ein paar Tage ignoriert, weil es Euch nicht interessiert. 😉

Also: Demächst gibt es an dieser Stelle aller Voraussicht nach „Im Wald der stummen Schreie“ von Jean-Christophe Grangé („Die purpurnen Flüsse“). Der Titel klingt doch schon mal gut!? Ihr dürft gespannt sein, ich bin es auch! 😉

„Spuren im Sumpf“ von Regine Mädje – Biederes Lokalkolorit

Buch: Spuren im Sumpf

Autorin: Regine Mädje

Verlag:CW Niemeyer

Ausgabe: Taschenbuch, 395 Seiten

Die Autorin: Regine Mädje, Jahrgang 1964, wurde in Berlin geboren, studierte Landschaftsplanung und arbeitete mehrere Jahre als Diplom-Ingenieurin. Nach ihrem Umzug nach Bückeburg und der Gründung einer Familie beschäftigte sie sich verstärkt mit dem Schreiben. „Spuren im Sumpf“ ist nach „Licht im Mausoleum“ ihr zweiter Roman.

Das Buch: Gianna Cordwitz wird tot in einem Tümpel auf einer Weide für Wasserbüffel aufgefunden. Die Bückeburger Polizisten Kai Müller und Fanny Reichert beginnen, unterstützt durch ihren Nienburger Chef Heinrich Weber, zu ermitteln. Ist Giannas Mann der Täter, dem sie offensichtlich Hörner aufgesetzt hat? (Achtung, Wortwitz: Wasserbüffel/Hörner! 😉 ) Oder ist der Mörder in Giannas Familie zu suchen, die ein dunkles Geheimnis verbirgt?

Fazit: Regionale Krimis gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Da gibt es gute Beispiele, wie die Krimis von Nané Lénard aus dem Weserbergland oder die genialen „Hinterm-Deich-Krimis“ aus Husum von Hannes Nygaard. (Übrigens, wieder Wortwitz: Sand am Meer/Hinterm-Deich-Krimis! Okay, ich lasse es sein…) Dem gegenüber gibt es aber leider auch solche Krimis, wie dieser von Regine Mädje:

Dieses Buch hat mich beim Lesen teilweise fürchterlich geärgert. Nicht, weil es so schlecht ist, das möchte ich ausdrücklich betonen, sondern weil es unheimlich viel Potenzial leichtfertig verschenkt, durch Schwächen im Schreibstil und in der äußeren Aufmachung. Die Handlung als solche kann man durchaus als gut durchdacht, in sich logisch und relativ spannend beschreiben. Die Schwächen setzen aber schon bei den Hauptfiguren ein. So sehr sich Mädje auch mit ihnen und ihrer Geschichte beschäftigt, teilweise mehr als mit der Haupthandlung, so bleiben sie ingesamt doch blass, relativ langweilig und irgendwie seltsam. Auch die Dialoge sind nicht wirklich die Stärke von Frau Mädje. Als anschauliches Beispiel dafür soll hier ein kurzer Dialog zwischen dem Polizisten Kai und seiner Freundin Amalia dienen. Sie arbeitet auf dem Auenhof und erzählt darüber.

Sie: „Beim Möhrenputzen haben die anderen mir erzählt, was alles in den letzten 20 Jahren auf dem Hof gestrandet ist: Ziegen, Schafe, Kaninchen, Katzen, Enten, ein Hund, ein Esel und ein Pferd.“

Er: „Auch ein Elefant?“

Sie lacht: „Würde man aufgrund der Größe wohl eher bei der Polizei abgeben.“

Er: „Und die ist nicht zuständig. So was Großes passt nicht durch unsere Eingangstür!“

Die beiden amüsieren sich darüber köstlich… Verständlich, denn: Was-für-ein-Brüller! 😉 Nee, jetzt mal im Ernst, vielleicht liegt es an meinem mangelnden Humor, aber zum Lachen ist dieser Dialog doch nur in einem skurrilen Jane-Austen-Schäfchenwolken-Universum von 1804, oder!? Ganz ehrlich, ich fand meine Billig-Gags zu Beginn dieser Rezension besser! Jedenfalls, in diesem Stil sind die Dialoge weitgehend gehalten. Vielleicht kann man darüber geteilter Meinung sein, mir gefällt das nicht.

Stil, Dialoge und Hauptfiguren sind nicht die einzigen Schwächen des Buches. So tauchen hier und da immer wieder mehr oder weniger seltsame Fehler auf:

Begleiten wir unser oben genanntes Pärchen noch ein wenig. Kurz nach diesem denkwürdigen Dialog streifen sie etwas durch die heimische Gemarkung und nähern sich dem Tatort. In der Nähe liegt jemand auf einem Feld flach auf dem Boden und wird von unseren zwei Hübschen aus einiger Entfernung erst für tot gehalten. Dann jedoch springt er auf und flüchtet. Was folgt ist der Satz: „Ganz schön lebendig, der vermeidliche Tote.“ Vermeidlich??? Wie „vermeidbar“??? Oder wie, oder was??? Nun, vermutlich meint Frau Mädje „vermeintlich“! Aber dann soll sie es doch auch schreiben. Und auch wenn der Verlag CW Niemeyer ein kleiner Verlag ist, so muss es doch auch dort einen Lektor geben, dem so etwas auffällt!!!

Schreiten wir in der Handlung voran: Kai ist bei der Vernehmung eines Verdächtigen. Dieser bedankt sich bei seinem Schwiegersohn für den bereitgestellten Kaffee und sagt: „Ich danke dir, Achim.“ Wenig Fehlerpotenzial eigentlich, oder!? Nun, besagter Achim heißt aber auf den vorhergehenden 118 sowie auf allen folgenden Seiten „Arnim“!!! Frau Mädje kennt die Namen ihrer eigenen Hauptfiguren nicht!!! Und auch hier wurde von ihr und dem Lektor im Duett gepennt.

Es geht aber noch weiter mit Kai und seiner Amalia. Die Beiden streiten sich, weil er zu viel arbeitet und sich niiiiiemals richtig um sie kümmert. Nein, wie schrecklich…! Als er zu Hause ankommt, steht der CD-Player auf einem Stuhl und auf Pause. Nach Drücken des Wiedergabeknopfes ertönt laut Frau Mädje das Lied „Muss erst noch kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko. Nettes Statement von unserer Amalia. Dennoch: Im Lied heißt es: …“nur“ noch kurz die Welt retten! „Nur“, Regine, nicht „erst“.

Und einen habe ich noch! Da wir gerade bei Bendzko sind. Kai führt ein Gespräch mit seiner Kollegin Fanny und selbige erwähnt ein anderes Lied von Bendzko, das da heißen soll: „Ich finde die Worte nicht“. Und spätestens da ist mir der Geduldsfaden gerissen. DAS LIED HEIßT „WENN WORTE MEINE SPRACHE WÄREN“, VERDAMMT NOCHMAL! HAST DU DAS BEGRIFFEN, MÄDJE!!!??? COMPRENDE???? UND SOWAS WEIß ICH, OHNE BENDZKO-EXPERTE ZU SEIN, MENSCH!!!!!

Entschuldigung, ich beruhige mich schon wieder…

Nun, auch wenn es sich bei den erwähnten Beispielen um Kleinigkeiten handeln mag, so haben sie meine Lesefreude doch erheblich getrübt.

Eigentlich ist Regine Mädje offensichtlich in der Lage, sich spannende Geschichten auszudenken. Sie muss sich nur jemanden suchen, der sie für sie aufschreibt…

Dass sie im Nachwort schreibt „Alles was an Fehlern im Roman auftaucht, geht auf meine Kappe. Meist dient es der inneren Logik und Spannung im Geschehen des Krimis. Ansonsten ist es der Zerstreutheit der Autorin geschuldet.“, hätte mich ja fast besänftigt. Aber eben nur fast.

Fazit: 5 von möglichen 10 Punkten. 4 für die Geschichte und einer weil ich so böse zu Frau Mädje bin.

„Adieu, Sir Merivel“ von Rose Tremain – Ja, genau, adieu…

Buch: Adieu, Sir Merivel

Autorin: Rose Tremain

Verlag: insel

Ausgabe, Taschenbuch, 446 Seiten

Die Autorin: Rose Tremain, Jahrgang 1943, ist eine englische Schriftstellerin. Sie hat bereits 15 Romane und Erzählungen sowie Hörspiele und Drehbücher geschrieben. Rose Tremain lebt in London und Norfolk.

Das Buch: Sir Robert Merivel, 57 Jahre alt, ist Arzt und Lebemann sowie Günstling des Königs Charles II. von England. Gemeinsam mit seiner Tochter Margaret, seinem alten Diener Will und mehreren Hausangestellten lebt Merivel in seinem Anwesen Bidnold. Merivel befindet sich in einer mittelschweren Lebenskrise, bringt kaum Energie für irgendetwas auf und denkt viel über den Tod nach. Um sich aus seiner düsteren Lethargie zu lösen, ringt er sich mit Hilfe seiner Tochter Margaret dazu durch, England für eine Weile zu verlassen, um nach Frankreich zu reisen. Dort, am Hofe des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles, möchte Merivel für einige Zeit als Arzt in den Diensten des französischen Königs tätig sein. Ausgerüstet mit einem Empfehlungsschreiben von Charles II. macht sich Merivel auf den Weg.

Die Dinge in Frankreich entwickeln sich allerdings anders als geplant, die gewünschte Anstellung kommt nicht zustande. Wenigstens lernt Sir Robert dort die attraktive Louise de Flamanille kennen…

Das Fazit: Nun, eigentlich bin ich ja selbst schuld. Im Gespräch mit der Buchhändlerin meines Vertrauens, meiner Meinung nach die Beste ihres Fachs, erwähnte ich, ich könne ja „mal wieder einen historischen Roman“ lesen, vorzugsweise „mit nicht soviel Mord und Totschlag“. Tja, und genau das habe ich bekommen, „Die ich rief, die Geister, Werd´ ich nun nicht los…“ (Mir war gerade nach Goethe)

Wenn man Rosamunde-Pilcher-Bücher mit Fahrstuhlmusik und der Zeitansage kreuzt, dann kommt ungefähr „Adieu, Sir Merivel“ dabei heraus. Eigentlich ist das Buch gar nicht so schlecht, es ist eben nur erschreckend unaufregend. Wer es ein wenig mit dem Kreislauf hat, für den ist das genau die richtige Lektüre.

Dabei passiert wirklich viel: Sir Robert Merivel reist nach Paris, muss dort in Ermangelung einer angemessenen Unterkunft in einer Dachkammer in Versailles logieren und sich den wenigen Platz mit einem holländischen Uhrmacher teilen. Zum König wird er dennoch nicht vorgelassen… Dafür lernt er Louise de Flamanville kennen und wohnt einige Zeit bei ihr. Leider ist die Gute verheiratet. Als ihr Mann zurück kommt, naht der Abschied. Dennoch verabredet man sich zu einem Treffen in der Schweiz für den nächsten Sommer, den Louise dort bei ihrem Vater verbringen möchte.

Wieder in England angekommen, muss sich Merivel jedoch erstmal um seine an Typhus erkrankte Tochter kümmern, wochenlang. Dann kommt der König zu Besuch nach Bidnold und… na, und so weiter halt.

Dauernd passiert irgendwas, spannend ist das alles aber leider nicht wirklich.

Auch die Hauptfigur, Sir Robert Merivel, ist eigentlich gut gestaltet. Ein Mann Ende 50, der sich so langsam fragt, was er in seinem Leben eigentlich wirklich Vernünftiges vollbracht hat und der sich Gedanken über sein baldiges Ableben macht. Ein Mann voller Lethargie, der dazu neigt, Probleme auszusitzen. Auf der anderen Seite aber auch ein Mann, der in der Lage ist, den König immer gut zu unterhalten und zum lachen zu bringen. Gut, er ist schließlich auch finanziell von ihm abhängig, und wird sich schon allein deswegen dementsprechend bemühen… Jedenfalls, insgesamt ist Rose Tremain mit Merivel wirklich eine gute, symphatische, glaubwürdige Hauptfigur gelungen.

Auch der Stil des Buches ist eigentlich sehr schön. Insgesamt in einem leicht antiquierten Stil gehalten, der äußerst passend für das England des ausgehenden 17. Jahrhunderts daher kommt, pendelt das Buch sprachlich zwischen leicht gestelzt einerseits und recht derb auf der anderen Seite, je nachdem, in welchem Umfeld Merivel sich gerade aufhält. Ja, Rose Tremain kann durchaus schreiben.

Und eigentlich könnte ich bei dieser Rezension auch noch viel weiter in die Tiefe gehen, um auf der Deutungsebene das Verhältnis mehrerer Hauptfiguren zum Tod zu vergleichen oder das Abhängigkeitsverhältnis von Merivel zu seinem König mit dem Abhängigkeitsverhältnis der Angestellten auf Bidnold zu Merivel in Relation zu setzen – dazu habe ich aber schlicht keine Lust! Schließlich hatte R. Tremain auch keine Lust, einen spannenden Roman zu schreiben. Das hat sie jetzt davon! 😉

Tja, eine Rezension voller „eigentlich“ weil es eigentlich ein recht gutes Buch sein könnte, wenn es denn so etwas wie einen Spannungsbogen enthielte. Darüber hinaus hätte es sicherlich zum Verständnis des Buches beigetragen, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, dass es sich um die Fortsetzung des Romans „Zeit der Sinnlichkeit“ handelt, seinerzeit mit Robert Downey jr., Meg Ryan u.a. verfilmt, die Älteren werden sich erinnern. („Zeit der Sinnlichkeit“ – allein dieser Titel…brrr…) Nun, ich wusste es nicht! Aber dafür kann Rose Tremain gar nichts!

Ich weiß noch nicht genau, was ich ales Nächstes rezensieren werde, aber eines weiß ich: Es wird ein Buch sein, das ein wenig mehr „Action“ enthält…

Fazit: 6, 5 von 10 möglichen Punkten