Freitagsfragen #21: Denn so viel Zeit muss sein!

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, ich hatte kürzlich verkündet, eine unfreiwillige Blogpause einlegen zu müssen und daran hat sich auch grundsätzlich erst mal wenig geändert. Also, eigentlich eher nichts. Also, so gar nichts, quasi…

Meine Beiträge dauernd an irgendwelchen anderen Rechnern, die nicht die meinen sind, zu schreiben, ist nicht so wirklich praktikabel, aber für die Freitagsfragen im Brüllmausblog, da kann man das schon mal machen!

Dennoch bemühe ich mich, ganz entgegen meiner Natur, mich heute mal kurz zu fassen. Die heutigen Fragen lauten:

1.) Führst Du Selbstgespräche?

2.) Was war Deine größte Jugendsünde?

3.) Wie geht es Dir?

4.) Die Wahl der Qual: Einen Monat lang nicht waschen oder einen Monat lang kein Internet?

 

Antwort zu 1.) Gelegentlich. Momentan beschränkt sich das aber größtenteils auf Flüche. ;-) Dabei können Selbstgespräche – jedenfalls nach Meinung des Fachblatts „Apothekenumschau“ – sogar motivieren oder beruhigen. Da ich derzeit weder sonderlich motiviert und schon gar nicht in irgendeiner Weise beruhigt bin, sollte ich das mal probieren. Vielleicht aber wenigstens nicht im öffentlichen Raum…

Antwort zu 2.) Wie vermutlich so ziemliche jede/r habe auch ich in meiner Jugendzeit so manche Dinge getan, die sich rückblickend nicht gerade durch außergewöhnliche Weisheit auszeichnen oder die man im Nachhinein gerne ungeschehen machen würde. Ich kann mich da im Moment aber nicht an eine bestimmte „Jugendsünde“ erinnern.

Antwort zu 3.) Beschissen, danke der Nachfrage! ;-) Nun, ich habe ja kürzlich erst die Unbill des Schicksals beschrieben, mit denen ich mich derzeit auseinandergesetzt sehe. Zumindest den zu vernachlässigenden Teil davon, den ich hier beschreiben würde. Und bis vor Kurzem habe ich das auch noch relativ gut ertragen. Seit Anfang der Woche befinde ich mich aber deutlich im Sinkflug, der heute früh in einem unerwarteten Aufschlag endete. Da ich natürlich keine genauen Arbeitsinterna im Internet verbreite, sei nur gesagt: Entgegen der eigentlichen Planungen könnte es doch sein, dass ich im Dezember unfreiwillig einen Monat frei habe. Nicht, dass ich etwas gegen freie Tage einzuwenden hätte, gerne auch 31 davon, aber die damit verbundenen finanziellen Einbußen kann ich im Moment, man ahnt es, so gar nicht gebrauchen. Den behördlichen Kram erst recht nicht!

Kurz gesagt: Ich befinde mich also angesichts dessen, was mir das Leben gerade vor die Füße wirft fast in der Phase des resignierten, hysterischen Kicherns. Als anschauliches Beispiel dafür sei hier Tom Hanks angegeben, der im Film „Geschenkt ist noch zu teuer“ angesichts einer im Boden versinkenden Badewanne ähnlich reagiert. Ich hoffe, der Link ist der richtige und funktioniert, manchmal funktioniert das hier nicht und nachprüfen geht gerade nicht. Alternativ kann man „Tom Hanks Badewanne“ googeln.

Antwort zu 4.) Welch passende Frage! Nun, fast eine Woche ohne (eigenes) Internet  habe ich ja schon überstanden und ich nehme an, drei weitere Wochen werden da sicher hinzukommen. Ich gehe davon aus, dass ich das auch überstehe. Einen Monat lang nicht waschen, würde ich dagegen kaum ertragen. Und mein Umfeld wohl auch nicht. Also nehme ich den Monat ohne Internet!

 

Das war´s schon, ich muss jetzt noch ein bisschen produktiv sein!

Gehabt euch wohl!

Ungeplante Blogpause – vermutlich…

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

meine treue Leserschaft weiß, dass ich kürzlich im Rahmen der Rezension zu Hakan Nessers Krimi „Der Fall Kallmann“ meinen Unmut über allerlei mehr oder weniger defekte Gerätschaften – von Unterhaltungselektronik über Kommunikationsgeräte bis hin zu Fortbewegungsmitteln – geäußert habe. Wer es noch nicht weiß, dem sei gesagt: Ich äußerte kürzlich im Rahmen meiner Rezension zu Hakan Nessers Krimi „Der Fall Kallmann“ meinen Unmut über allerlei mehr oder weniger defekte Gerätschaften – von Unterhaltungselektronik über Kommunikationsgeräte bis hin zu Fortbewegungsmitteln.

Im Zuge dieser Unmutsäußerung thematisierte ich auch die vermeintliche Fehlfunktion meines Monitors. Nun, nach verstärkter Frequentierung einer handelsüblichen Suchmaschine aufgrund eines akuten Anfalls von „jetzt-habe-ich-aber-die-Schnauze-voll“ am Samstagabend stand ganz plötzlich die Möglichkeit im Raume, dass der Monitor voll funktionsfähig sein dürfte, dass aber stattdessen meine Grafikkarte auf dem direkten Wege ins Elektronik-Nirvana sein könnte. Ich verwies diese Möglichkeit umgehend des Raumes, in dem sie stand, nichtsdestotrotz schien sie sich kurz darauf zu bewahrheiten: Mein PC warf mir plötzlich eine kryptische Fehlermeldung entgegen, die vom Informationsgehalt nicht wesentlich oberhalb von „Schwerer Ausnahmefehler an Adresse 08/15“ lag und es folgte ein „black screen of death“, in dem sinngemäß nur die kurze Mitteilung stand, mein PC würde eine Hardwareüberprüfung durchführen…

„Aha. Na, lass den mal machen…“ ging mir durch den Kopf, weswegen ich Noob nicht die Taste zum Abbruch des Vorgangs gedrückt habe. Tja, um es kurz zu machen: Aus dieser Hardwareüberprüfung ist der PC bislang nicht wieder herausgekommen…

Stuuuundenlang habe ich einem lustigen aus Punkten bestehenden Windows-10-Kreis dabei zugesehen, wie er sich bewegte. Mehr passierte bislang nicht…

Wenn alles klappt, schaut am Dienstag mal der PC-Doktor meines Vertrauen drüber. Ich fürchte, er wird meine Vermutung hinsichtlich der abgerauchten Grafikkarte bestätigen. Sollte das der Fall sein, tja, dann weiß ich auch noch nicht so ganz genau, was ich dann tun soll. Für eine neue fehlt mir zur Zeit schlicht das Geld. Ha, „zur Zeit“, ja, genau…

Jedenfalls, solltet ihr in nächster Zeit weniger von mir lesen, wisst ihr nun, woran es liegt.

Und falls jemand zufälligerweise eine derzeit nicht benötigte funktionsfähige Grafikkarte herumliegen hat, die idealerweise oberhalb der R9 380 Nitro OC liegt, die mir nun augenscheinlich abgeraucht ist: Die nehme ich! ;-)

Ich wünsche allseits einen schöneren Wochenstart als ich ihn habe…

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen #20

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Freitag, durch den ich mich auf Reserve laufend quälen werde, um dann in ein vermutlich sehr schönes Wochenende zu starten, bedeutet auch neue Freitagsfragen im Brüllmausblog.

Legen wir los, die Fragen lauten:

1.) Wenn Du frühstückst: direkt nach dem Aufstehen oder erst später?
2.) Kannst Du gut entspannen?
3.) Was tust Du, wenn Dir jemand richtig auf den Geist geht?
4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber auf ewig allein oder täglich umgeben von Nervensägen?

 

Antwort zu 1.) Für gewöhnlich verschwinde ich morgens als erstes im Bad, um mich in einen, im Rahmen meiner Möglichkeiten, tageslichttauglichen Zustand zu versetzen, meine Motivation fröhlich winkend am Badezimmerfenster vorbeiflanieren zu sehen und mich mittels dezibellastigen Konsums meines bevorzugten Radiosenders in einen Zustand zu bringen, der dem Wachsein wenigstens nahe kommt.

Heute Morgen hat das nicht so gut geklappt, weil der Radiosender außer „Midnight Oil“, einer offensichtlich neuen Single von „Kid Rock“ und irgendetwas sehr Poplastigem, das mich zum Abschalten des Radios animierte, nichts zu bieten hatte. Erst später übernahmen „The Proclaimers“ die Aufgabe des musikalischen Aufweckens in hinreichender Weise, so dass ich jetzt zumindest weiß, wie ich heiße, wo ich bin und wo ich wohne.

Jedenfalls, das Frühstück kommt dann irgendwann anschließend.

 

Antwort zu 2.) Jein. So lange das Leben zufriedenstellend und ohne Komplikationen verläuft – also so etwa 16 Minuten im Jahr – kann ich ganz gut abschalten und entspannen. Dann gibt es Phasen, wo mir das dann nicht mehr so leicht fällt. Aber hey, dafür gibt es ja Bücher! Damit geht es dann auch wieder ganz gut. Und dann wieder gibt es Phasen, in denen ich gedanklich eigentlich permanent mit Dingen beschäftigt bin, die entweder im Argen liegen oder dringend zu erledigen sind, oder beides. So wie in den letzten, na, sagen wir, etwa vier Wochen. Und in den nächsten zwei bis zum Monatsende… ;-)

Ich habe es sogar mal im Rahmen einer Fortbildung – oder zumindest dem, was meine persönlichen Freunde vom JobCenter für eine Fortbildung hielten, was ich an dieser Stelle aber nicht weiter thematisieren möchte, weil das genug Stoff für einen eigenen Beitrag gäbe, ach, was sage ich, mindestens zwei, nein, eine Reihe, ein ganzes Epos geradezu; dennoch sei an dieser Stelle die Frage in den Raum geworfen, wer eigentlich die Menschen zertifiziert, die im Auftrag des JobCenters Zertifikate an Fortbildungsträger vergeben, aber hey, lassen wir das – im Rahmen dieser Fortbildung also versuchte ich es sogar mal mit, äh, Muskelentspannungsdings, ähm, autogenem Training?, mir fällt der Fachterminus dafür gerade nicht ein, es ist schließlich Freitag.  Jedenfalls machte ich die Erfahrung, dass das so gar nichts für mich ist. Es mag für viele Leute funktionieren, wenn ihnen eine Stimme vom Band wiederholt sagt, dass jetzt ihr rechter Arm schwer wird. Ich allerdings höre der Stimme vom Band zu sehr zu, inhaltlich gesehen. Wenn die Stimme beispielsweise sagt: „Ihr rechter Arm wird ganz schwer. Gaaanz, gaaanz schwer. Sie sind ganz entspannt. Ihr rechter Arm wird ganz schwer. Sie merken, wie die Entspannung durch ihren Arm fließt. Ihr rechter Arm wird ganz…“, dann möchte ich zurück brüllen: „Alter, das hast Du schon gesagt!“ Wenn man sich öfter wiederholt als Hakan Nesser, nervt mich das.

Na, vielleicht sind gängige Entspannungstechniken nichts für mich. Auch wenn ich diesbezüglich nie über den o.g. Versuch herausgekommen bin.

 

 

Antwort zu 3.) Bei dieser Frage fasse ich mich mal kurz und sage: Ich ertrage es still und heimlich. Falls sich die Möglichkeit bietet, entfleuche ich der Situation. Sollte es eine dieser Person ureigene Eigenschaft sein, mir auf den Geist zu gehen, so ist davon auszugehen, dass ich den Kontakt zu besagter Person auf ein unausweichliches Minimum beschränke.

 

Antwort zu 4.) Hmmm, täglich umgeben von Nervensägen zu sein, würde sich wahrscheinlich mittelfristig nicht gut auf meine Psyche auswirken. In dem Zusammenhang fällt mir dieses schöne Zitat ein:

„Before you diagnose yourself with depression or low self-esteem, first make sure that you are not, in fact, surrounded by assholes.“

Das soll angeblich William Ford Gibson gesagt haben, ein amerikanischer Science-Fiction-Autor.

Nun, also, dauerhafte Anwesenheit von Nervensägen täte mir wahrscheinlich nicht gut. Andererseits bin ich, wie wir ja unlängst erfahren haben, in der Lage so etwas still und heimlich zu ertragen. Und Nervensägen sind wenigstens immer noch Menschen – die man sich, genug Ausdauer vorausgesetzt, im Laufe der Zeit ja vielleicht so erziehen kann, wie man sie gerne hätte. Soll ja Menschen geben, die so etwas tun… ;-)

Dauerhaftes Alleinsein halte ich dagegen für schlicht unerträglich. Ja, ich bin zwischendurch gern allein, weil ich weiß, dass ich mich dann in bester Gesellschaft befinde *hüstel*, aber daraus einen Dauerzustand zu machen!? Nein!

 

So weit, so gut, ich wünsche euch allseits noch einen schönen Freitag und einen anschließenden Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser – Zzzzzzz…

Buch: „Der Fall Kallmann“

Autor: Hakan Nesser

Verlag: btb

Ausgabe: Hardcover, 570 Seiten

Der Autor: Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland. (Quelle: btb)

Das Buch: Wer war Eugen Kallmann? Warum musste der beliebte Gesamtschullehrer in der beschaulichen schwedischen Kleinstadt sterben? Wirklich nur ein Unglücksfall, wie die Polizei behauptet? Als sein Nachfolger im Schwedischunterricht, Leon Berger, nach der langen Sommerpause seinen Dienst antritt, findet er im Pult unter Kallmanns Sachen eine Reihe von Tagebüchern, die sich als eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit entpuppen und ihn schon bald daran zweifeln lassen, dass sein Vorgänger tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn in seinen Einträgen behauptet Kallmann unter anderem, er würde die Gabe besitzen, in den Augen anderer Menschen erkennen zu können, ob sie gemordet haben. Und er scheint in den letzten Monaten seines Lebens einem nie entdeckten und nie gesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein. Leon Berger will den Fall Kallmann lösen – seine privaten Ermittlungen setzen etwas in Gang, das schließlich die ganze Kleinstadt erschüttert. (Quelle: btb)

Fazit: Es gibt so Dinge, die nerven mich. Beispielsweise die Bedienung der neuesten Firefox-Version. Oder, dass mein Handy gerade lustige Fehlermeldungen hinsichtlich einer – übrigens gar nicht existenten – SD-Karte von sich gibt. Oder, dass meine Schreibtischlampe in die Ewigen Jagdgründe der Leuchtmittel eingegangen ist, mutmaßlich, um dort mit vorsintflutlichen 100-Watt-Lampen oder quecksilberhaltigem Energiespargedöns „Dr. Bibber“ zu spielen und sich nebenbei über in der angrenzenden Abteilung untergebrachte Plasma-Fernseher lustig zu machen. Oder, dass mein Auto kürzlich beim Starten ausging, zwei Vorgänge, die sich nicht gut vertragen und die angesichts einer anschließend auf 0:00 h gestellten Uhr mittelfristig auch nichts Gutes hoffen lassen, sondern eher meiner Befürchtung Vorschub leisten, mein Auto könnte zeitnah das schon erlittene bzw. bald zu befürchtende Schicksal meiner Schreibtischlampe oder meines Handys teilen. Oder, dass ich vorhin den PC einschaltete, nur um zu bemerken, dass ich wohl in absehbarer Zeit einen neuen Monitor brauche, weil diese putzigen Schlieren, die der gerade macht, definitiv neu sind und nicht ab Werk geplant sein können.

Nicht, dass ich mir irgendwas vom oben genannten derzeit leisten könnte. Nicht, dass ich mir überhaupt derzeit irgendwas leisten könnte. Wobei, die Schreibtischlampe zu ersetzen, dass bekomme ich vielleicht noch hin. Und Firefox ist kostenlos…

Wer jetzt meint, das alles – so tragisch es auch sein möchte – habe doch nun gar nichts mit Hakan Nesser und seinem Krimi „Der Fall Kallmann“ zu tun, der irrt. Dieses Buch nervte mich nämlich auch! Wer daraus wiederum schlussfolgert, dass ich meinen Frust jetzt an diesem unbescholtenen schwedischen Schriftsteller und seinem Buch auslasse, der irrt ebenfalls. Wobei, ich könnte, wenn ich wollte… ;-)

Man muss Nesser zugute halten, dass „Der Fall Kallmann“ in manchen Bereichen durchaus punkten kann. So habe ich in stilistischer Sicht nicht viel zu meckern. Der Autor teilt seine Handlung in vom Umfang her überschaubare Kapitel ein, die von unterschiedlichen Personen im Stile von Tagebuchaufzeichnungen erzählt werden. Der Autor gibt den einzelnen Erzählern eine ganz individuelle Erzählstimme, so dass  beispielsweise die 15 Jahre alte Schülerin schon anhand des Stils gut vom Lehrer einer neunten Klasse unterschieden werden konnte. Das alles ist gut gemacht, und bietet eigentlich wenig Anlass zur Kritik und doch ist gerade die Einteilung in unterschiedliche Erzähler für mich das größte Ärgernis an „Der Fall Kallmann“, birgt diese Vorgehensweise doch ein hohes Risiko für Wiederholungen.

Und genau diese Wiederholungen sind es, die meinen Lesefluss nach einiger Zeit fast vollständig zum Erliegen gebracht haben. Andauernd wurden die selben Begebenheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln wiedergegeben. Das kann man ja machen, aber dann sollten die unterschiedlichen Blickwinkel dem Leser auch unterschiedliche Erkenntnisse bringen, hier ist das allerdings außerordentlich selten der Fall.

Zusätzlich zu dieser Erzählweise gesellt sich dann noch eine äußerst behäbige Handlung. Schon in der Ankündigung zu dieser Rezension schrieb ich, dass sich die Handlung mit der Geschwindigkeit eines hufkranken, schwedischen Elchs durch die Gegend mäandert. Dieser Eindruck hat sich auch im letzten Viertel des Buches nicht mehr gegeben. Die Handlung hat über weite Strecken die Behändigkeit eines auf Grund gelaufenen Öltankers.

Das alles ist vor allem eines: außerordentlich schade! Denn eine Geschichte um einen unter unklaren Umständen zu Tode gekommenen Lehrer, dessen Vergangenheit und Todesumstände von einer Handvoll Schüler und Lehrer aufgedeckt werden sollen, die hätte eigentlich Potential gehabt. Und manchmal kommt dann halt schon Spannung auf, wenn ein Charakter alte Tagebüchers des toten Kallmann liest und man sich fragt, welche der Informationen in diesen Tagebüchern Wahrheit und welche Fiktion sind. Dann aber redet besagter Charakter, nennen wir ihn A, mit Charakter B über die Tagebücher und fragt nach dessen Meinung. Im nächsten Kapitel wird dann aus der Sicht von B über die Tagebücher geredet und beide, A und B, reden in diesem Kapitel mit Charakter C über die Tagebücher und seine Meinung. Und im folgenden Kapitel wird dann auch der Sicht von C… – das ist alles etwas vereinfacht dargestellt, aber im Grunde verdeutlicht das die Erzählweise recht anschaulich. Jede vielleicht zwischendurch mal aufgekommene Dynamik in der Handlung verlässt so das Buch und geht lieber auf das Sonnendeck des auf Grund gelaufenen Öltankers.

Nicht unterschlagen möchte ich, dass „Der Fall Kallmann“ möglicherweise gut funktioniert, wenn man das Buch weniger als Krimi liest, sondern mehr als einen Roman über die Gesellschaft und die Politik im Schweden der 90er, denn gewisse Passagen, die sich mit dem Aufkommen der rechtspopulistischen „Neuen Demokratie“ befassen, gefielen mir sogar sehr gut! Das ist aber auch nur so eine Vermutung, denn um das angemessen beurteilen zu können, kenne ich mich mit den dortigen Verhältnissen zu dieser Zeit, ehrlich gesagt, zu wenig aus.

Tja, eines der größten Mysterien meiner Leseleidenschaft – nämlich warum ich so selten wirklich begeistert bin von Krimis, die nördlich von Dänemark entstanden sind – ist um ein Kapitel reicher…

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein Reif von Eisen“ von Stephan M. Rother. Endlich wieder Fantasy! Ich hoffe, mein Eindruck aus den ersten 100 Seiten bestätigt sich auch am Ende des Buches…

2 in 1 – Awards

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe Award-Nominierungen bekommen. Die geschätzten Kolleginnen wortgeflumselkritzelkram und vro haben mir heute Morgen ihre Nominierungen zukommen lassen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an beide.

Ursprünglich war das hier ja mal ein Buchblog. Ja, das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Da macht man sich heute gar keinen Begriff mehr von. Wie das war. Damals…

In letzter Zeit hat das Aufkommen der Award- und sonstiger Beiträge, die deutlich von meiner ursprünglichen Intention abweichen, deutlich zugenommen, so dass ich davon eigentlich erst mal Abstand nehmen wollte – von den Freitagsfragen mal abgesehen.

Aber, na gut, eine Ausnahme mache ich für die beiden eingangs erwähnten ausgesprochen sympathischen Zeitgenossinnen noch. Ich nehme mir dabei aber heraus, das Regelwerk ein wenig zu, na, sagen wir mal, zu beugen. So werde ich nicht für beide Nominierungen einen einzelnen Beitrag verfassen, sondern das Ganze im Rahmen eines „2-in-1-one-size-fits-all“-Beitrages zusammenfassen. Prozessoptimierung und so!

Darüber hinaus werde ich auf weitere Nominierungen verzichten. Gut, das habe ich eigentlich schon öfter bis fast immer getan, wollte es aber nur nochmal explizit erwähnt haben.

Schreiten wir zur Tat und beginnen mit der Nominierung von wortgeflumselkritzelkram (ha, erstmals am heutigen Tag ohne Vertipper geschrieben!) zum

BLOGGER RECOGNITION AWARD

 

DIE REGELN

1. Bedanke dich bei demjenigen, der dich nominiert hat und verlinke ihn.
2. Schreibe einen Beitrag um deinen Award zu präsentieren.
3. Erzähle kurz, wie du mit dem Bloggen angefangen hast.
4. Gib zwei Ratschläge für neue Blogger.
5. Nominiere 15 andere Blogger für diesen Award.
6. Kommentiere auf den nominierten Blogs, lass die jeweiligen Personen wissen, dass du sie nominiert hast, und verlinke deinen Beitrag zum Award.

Punkt 1.) Erledigt

Punkt 2.) Ich bin gerade im Begriff, dies zu tun…

Punkt 3.) Das habe ich zwar schon mal getan – auch so ein unerwünschter Nebeneffekt häufiger Awards: Man erzählt immer das selbe! -, tue es aber gerne wieder. Ich habe mich innerhalb weniger Minuten in einer Art Übersprungshandlung zum bloggen entschlossen. Immer schon habe ich gerne über die Bücher gesprochen, die ich gelesen habe. Wenn sie es denn wert waren, darüber zu sprechen. Da das aber mehr in Richtung Erlebnisbericht denn Diskussion ging, weil meine Gesprächspartner die betreffenden Bücher häufig nicht gelesen hatten, blieb eine Diskussion dazu oftmals aus. Auch weil meine Gegenüber häufig so einen seltsam leeren Blick bekamen, der mir signalisierte, dass ich ein wenig zu oft über mein Hobby sprach…

Was lag da näher, als meine Meinung einer Menge mir völlig unbekannter Menschen im Internet kundzutun? ;-)

Punkt 4.) Auch Ratschläge sind Schläge, daher vermeide ich die grundlose Verbreitung solcher Ratschläge eigentlich. Sollte ich aber Ratschläge geben müssen, wären die vermutlich:

„Such Dir etwas anderes!“ und
„Geh mal wieder vor die Tür!“ ;-)

Nein, natürlich nicht!

Ich würde wahrscheinlich einfach dazu raten, seinen Blog genau so umzusetzen, wie man es für richtig hält, gleichzeitig aber auch Kritik gegenüber offen zu sein. Auch weil die unter Bloggern so konstruktiv geäußert wird, wie sonst wohl nirgendwo im Internet. Zum Zweiten würde ich dringend dazu raten, eine Pause einzulegen und seine Arbeitsweise zu überdenken, sobald man merkt, dass bloggen beginnt, in Stress auszuarten. Erfahrungsgemäß geht das nämlich vielen Bloggern und Innen im Laufe der Zeit so.

Punkt 5.) Fällt aus, ich erwähnte es eingangs.

Punkt 6.) Fällt aus wegen Punkt 5.

 

So viel dazu, kommen wir zur zweiten Nominierung, nämlich der von vro für den

mystery-blogger-award-logo

Die Idee zum Mystery Blogger Award stammt von der Bloggerin Okoto Oke Enigma. Klickt den Link an, so könnt Ihr alles über den Mystery Blogger Award im Originaltext nachlesen.

The Rules of the Award

  • Put the award logo/image on your blog.
    Stelle das Logo in deinen Blogbeitrag. ✔
  • List the rules.
    Liste die Regeln auf. ✔
  • Thank whoever nominated you and provide a link to their blog.
    Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei. ✔
  • Mention the creator of the award and provide a link as well.
    Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei. ✔
  • Tell your readers 3 things about yourself.
    Erzähle den Lesern drei (geheime) Dinge über dich. ✔
  • Answer the 5 questions posed by the person which has nominated you.
    Beantworte die 5 Fragen, die dir von der Person, die dich nominiert hat, gestellt wurden. ✔
  • You have to nominate 10–20 people.
    Nominiere 10 bis 20 Personen. ✔
  • Notify your nominees by commenting on their blog.
    Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst. ✔
  • Ask your nominees any 5 questions of your choice; with one weird or funny question (specify)
    Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein. ✔
  • Share a link to your best post(s).
    Teile einen Link zu deinen besten Posts. 

 

Also:

Logo? Check!
Auflistung der Regeln? Check!
Der nominierenden Person gedankt? Check!
Urheberin des Awards mit Link? Check!

Drei (geheime) Dinge über mich? Hmmm, ich versuche eigentlich zu vermeiden, geheime Dinge im Internet zu veröffentlichen, das widerspräche diametral der ihnen innewohnenden Eigenschaft, geheim zu sein. Aber wir wollen mal sehen, was sich machen lässt:

Erstens: Eine zwar nicht geheime, aber weltexklusive, Information, die noch nicht mal mein Umfeld persönliches Umfeld erreicht hat, lasse ich euch zuerst zukommen: Mein Arbeitgeber hat mir heute verkündet, dass mein am Ende des Monats auslaufender Vertrag verlängert wird. Stellt euch das personifizierte „Im-Kreis-grinsen“ vor. :-)

Zweitens: Ich rätsele immer noch, ob das in meiner Kaffeetasse heute früh ein bisschen Kaffeepulver oder doch eher ein Kleinstlebewesen war…

Drittens: Ich war noch nie auf irgendeiner Buchmesse, was ungefähr so ist, als würde Sebastian Vettel verkünden, er habe keinen Führerschein…

So viel dazu, also: Drei Dinge über mich? Check!

Fünf gestellte Fragen beantworten? Nun denn, die Fragen lauten:

  • Hast du ein Lieblingszitat? Warum magst du ausgerechnet dieses so gern?

Eigentlich habe ich so etwas nicht. Gut, ich erwähnte schon mal, dass ich den Satz:

„Schützt die Bäume, esst mehr Biber!“

seit Ewigkeiten ganz putzig finde. Ich prognostiziere übrigens, dass ich in zehn Jahren für die Veröffentlichung dieses Satzes einen fürchterlichen Shitstorm ernten würde.

Abgesehen davon wird man in den Büchern von David Mitchell recht häufig fündig, wenn man etwas zum Zitieren sucht. Beispielsweise:

„Zuweilen flitzt das flauschige Kaninchen Fassungslosigkeit so rasant um die Kurve, dass der Windhund Sprache perplex in der Startbox sitzen bleibt.“

 

  • Was bringt dich zum Lachen?

Recht vieles eigentlich. Loriot. Mel-Brooks-Filme. Situationskomik der Sorte „Man muss dabei gewesen sein“.

Spannenderweise finde ich, dass Humor in Büchern für mich häufig erstaunlich schlecht funktioniert – David Safier bspw. -, von Ausnahmen wie Terry Pratchett oder Horst Evers mal abgesehen.

 

  • Kannst du manchmal nicht schlafen? Und was tust du dann?

Aber natürlich kommt das vor. Was ich dann tue? Wach sein! ;-) Na, eigentlich gehöre ich zu der Fraktion, die sich einerseits darüber ärgert, nicht schlafen zu können, aber andererseits genau das doch noch über einen sehr langen Zeitraum versucht. Morgens ärgere ich mich dann, dass ich das so lange versucht habe und nicht einfach aufgestanden bin. Da dann Ärger in Ärger übergeht, brauche ich mich wenigstens nicht umgewöhnen…

 

  • Niemand ist eine Insel. Zusammen sind wir weniger allein. – Sicher kennst du diese Buchtitel. Aber stimmt das auch?

Johannes Mario Simmel und Anna Gavalda. Na ja… Den ersten Titel kannte ich in der Tat nicht, was sich aber dadurch erklärt, dass er von Simmel ist. Simmel! Und auch zu Gavalda hatte ich lange keinen Bezug, weil Buchtitel wie „Nur wer fällt, lernt fliegen“ oder „Das Wetter ist schön, das Leben auch“ einen intensiven Würgereflex bei mir hervorrufen. „Zusammen ist man weniger allein“ ist allerdings ein schönes Buch!

Nun, jedenfalls denke ich, dass das schon stimmt. Der Mensch ist wohl nicht zum allein leben gemacht. Natürlich kann sich jeder freiwillig zu einer Insel erklären. Manchmal ist mir das auch sehr wichtig. Macht man das allerdings zu einem Dauerzustand, braucht man sich nicht wundern, wenn keine Urlauber mehr am eigenen Strand auftauchen und man schließlich beginnt, mit Volleybällen zu sprechen.

 

  • Du kannst die Zeit zurückdrehen. Einmal nur. Und eine Entscheidung rückgängig machen. Bedenke, dass sich damit die Zukunft, also deine heutige Gegenwart ändert. Würdest du es tun?

Aber natürlich! Mir würde da auch nicht nur eine Entscheidung einfallen. Ich beneide Menschen, die in mittlerem bis hohen Alter sagen können: „Ich würde alles nochmal ganz genau so machen!“ Ich glaube, diesen Menschen kein Wort, aber ich beneide sie! ;-)

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch ein schönes Bergfest oder einen erträglichen Mittelfinger-Mittwoch, je nachdem,  wie euer Tag so verläuft.

Gehabt euch wohl!

 

 

 

 

 

 

„Die Kinder“ von Wulf Dorn – Gebt den Kindern das Kommando!

Buch: „Die Kinder“

Autor: Wulf Dorn

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 318 Seiten

Der Autor: Wulf Dorn, Jahrgang 1969, arbeitete zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman »Trigger« gelang ihm ein Sensationserfolg. Seitdem stehen seine Bücher auf internationalen Bestsellerlisten und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den französischen »Prix Polar«. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn. (Quelle: Heyne)

Fazit: Nachdem die Passempfänger der Washington Redskins am Sonntag Abend nach relativ kurzer Zeit beschlossen, ihre Arbeit weitestgehend einzustellen, habe ich wiederum nach nur unwesentlich längerer Zeit beschlossen, ihnen und ihren Teamkollegen den Großteil meiner Aufmerksamkeit zu entziehen und diese stattdessen Wulf Dorn und seinem Thriller „Die Kinder“ zu widmen. Durch die – übrigens vermeidbare – Niederlage der Redskins, die Tatsache, dass es sich bei diesem Thriller um ein ziemlich gutes Buch handelt, sowie den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich es auf diese Weise geschafft habe, endlich mal wieder ein Buch durchzulesen, ergibt sich für mich eine klassische win-win-win-Situation. :-)

Wulf Dorn hält sich nicht lange mit Vorreden auf und lässt den Leser direkt mit hohem Tempo in seinen Thriller einsteigen: Patrick Landers ist auf der Landstraße unterwegs, als er an einem Unfallort vorbeifährt. Im demolierten Auto findet er seine Schwägerin vor – und im Kofferaum eine Leiche. Im Anschluss fährt Dorn die Schlagzahl ein wenig zurück und lässt seine Protagonisten Laura Schrader im Gespräch mit dem Psychologen Winter ihre skurrile Geschichte erzählen. Mehr zum Inhalt sei an dieser Stelle nicht gesagt, um mich nicht unnötig einem Spoiler-Vorwurf auszusetzen.

Dorn erzählt die Geschichte um Laura und die namensgebenden Kinder auf sehr überzeugende Weise. Er versteht es, eine – für mich – wirklich gruselige Stimmung und düstere Bilder zu erzeugen, die auch über die ganze Länge des Buches beibehalten werden. Unterbrochen wird die Handlung von kurzen Einschüben, die die Geschichte einzelner Kinder irgendwo auf der Welt erzählen. Diese kurzen Einschübe erzielen ihre Wirkung vor allem daraus, dass sie auf wahren Begebenheiten beruhen. So lassen die Geschichten über Kinderprostitution in Kambodscha, kleine Jungen in Terrorcamps im Irak oder müllsammelnde Elfjährige in Ghana den Leser immer wieder schaudern, auch wenn sich erst spät – vielleicht sogar zu spät – herausstellt, in welchem Zusammenhang diese Zwischenspiele überhaupt mit der eigentlichen Handlung stehen.

Den moralischen Zeigefinger, der sich in diesem Zusammenhang anbietet, beschränkt Dorn auf ein Minimum, lediglich die Werbebranche, die Menschen Dinge verkaufen will, die diese nicht brauchen, bekommt in Verbindung mit einer leisen Kapitalismuskritik ihr Fett weg.

Auf ein Minimum beschränkt Dorn auch die Darstellung seiner Charaktere. An sich ist die Gruppe an handelnden Personen zahlenmäßig recht überschaubar gestaltet, dennoch erfährt man nicht mehr als unbedingt nötig über Dorns Figuren. Es gibt Genres, in denen ich das deutlich kritisieren würde, aber wenn man berücksichtigt, dass „Die Kinder“ ein Thriller mit gerade mal 318 Seiten Umfang ist, der seine Prioritäten deutlich anders setzt, dann stört diese rudimentäre Ausarbeitung eigentlich kaum.

Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Thriller auf der düsteren Atmosphäre und einer Handlung, die den Leser lange im Unklaren lässt, wohin das Ganze denn nun führen soll. Und als solcher funktioniert „Die Kinder“ ziemlich gut! Dass mich der Thriller irgendwie an „Die Kinder des Zorns“ und diverse andere Horrofilme erinnert, tut der Sache keinen Abbruch.

Wer einen kurzweiligen Thriller lesen möchte, der – über weite Strecken – ohne bluttriefende Gewaltorgien auskommt und stattdessen mit Spannung und Atmosphäre punktet, liegt mit „Die Kinder“ genau richtig.

Werdenden Müttern respektive Vätern würde ich allerdings nicht unbedingt zu diesem Thriller raten. Und auch ich bin nach der Lektüre ungewöhnlich froh, keine Kinder zu haben. Ich würde meinen potenziellen Nachwuchs jetzt mit ganz anderen Augen betrachten. Und mit Misstrauen…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser, wenn ich mich denn mal entschließen könnte, diesen Krimi, dessen Handlung sich mit der Geschwindigkeit eines hufkranken schwedischen Elchs durch die Gegend mäandert, durchzulesen. Vielleicht aber auch „Konklave“ von Robert Harris. Ooooder es geht mit „Die Königschroniken – Ein Reif von Eisen“ von Stephan M. Rother mal wieder ins Fantasy-Genre. Schaun mer mal!

 

 

„Wenn ich Dich hole“ von Anja Goerz – Folgenschwerer Einstieg

Buch: „Wenn ich Dich hole“

Autorin: Anja Goerz

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 251 Seiten

Die Autorin: Anja Goerz ist eine deutsche Radiomoderatorin und Autorin. Sie begann ihre berufliche Laufbahn mit einem Praktikum und einer anschließenden Ausbildung bei „Radio Schleswig-Holstein“. In den folgenden Jahren war sie unter anderem für „N-Joy“, „Sat. 1“, „Radio eins“, „NDR 2“ und „Bremen Zwei“ tätig.

Neben ihren Radiomoderationen betätigt sich Goerz auch schriftstellerisch, so erschien 2014 der „Spiegel“-Sachbuch-Bestseller „Der Osten ist ein Gefühl“. In diesem Jahr veröffentlichte sie mit „Wenn ich Dich hole“ ihren ersten Thriller.

Das Buch: Bendix Steensen sitzt fest. Wegen einer Unwetterwarnung sind in Heathrow sämtliche Flüge gestrichen. Die Anrufe seines neunjährigen Sohnes Lewe aus ihrem Haus in Niebüll werden immer panischer: Seit Stunden sind seine Mutter und seine Oma nun schon fort, am Handy meldet sich niemand, der Schneesturm da draußen macht ihm Angst – und plötzlich glaubt er, in dem abgelegenen Haus nicht mehr alleine zu sein. „Wann kommst Du nach Hause, Papa?“, hört Bendix noch, dann reißt die Verbindung ab. Er alarmiert die örtliche Polizei, doch ist sich nicht sicher, ob sie ihn ernst nimmt. Wo ist verdammt nochmal sein Frau? Was hat das alles zu bedeuten? Unterdessen haben Bendix´ Frau Insa und seine Mutter einen ganz anderen Kampf zu kämpfen. Und Lewe ist tatsächlich nicht mehr allein. Für Bendix beginnt eine atemlose Reise durch das Schneechaos nach Nordfriesland … (Quelle: Klappentext)

Fazit: In regelmäßigen Abständen passiert es doch tatsächlich mal, dass ich bei Gewinnspielen von Bloggerkolleginnen und -kollegen etwas gewinne. So war das auch bei „Wenn ich Dich hole“. Dieser Gewinn wurde mir von Susanne, die ihres Zeichens für den Blog „Wortgestalten“ verantwortlich zeichnet – schaut dort mal rein, es lohnt sich! -, zugeschickt. Deshalb an dieser Stelle nochmal ein ganz liebes Dankeschön an Susanne!

Die Myriaden an allerhöchstens mittelmäßigen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, haben mich in Verbindung mit dem grauen November und dem, was mir sonnigere Gemüter, als ich es bin, weiterhin beharrlich euphemistisch als „Wetter“ verkaufen wollen, was außerdem doch so schön gemütlich sei, weil es doch die Gelegenheit biete, sich mit Heißgetränken versorgt und in eine Decke gewickelt mit einem Buch aufs Sofa zu verziehen – eine Sicht der Dinge, die für mich doch verdächtig nahe an Unfug liegt, worüber man aber eigentlich gar nicht diskutieren kann, weil das Wetter des Einen eben die traurige, nasskalte Tristesse des anderen ist – wie kriege ich diesen „Satz“ bloß zu einem vernünftigen Ende? – jene Bücher und das „Wetter“ also haben mich momentan in etwas hineinmanövriert, dass ich im Brustton der Überzeugung als „Mutter der Leseflauten“ bezeichnen möchte, was sich beispielsweise dahingehend äußert, dass ich seit geschlagenen zwei Wochen in einem Nesser-Krimi herumblättere und mich mit der Geschwindigkeit der Kontinentaldrift durch „Die Kinder“ von Wulf Dorn kämpfe, weil ich mich alle zehn Seiten frage, was ich da gelesen habe, weil ich dann doch wieder irgendwie andere Dinge im Kopf habe, die eine dauerhafte Konzentration mindestens erschweren. Punkt, hurra! :-)

Leider konnte diese Leseflaute auch durch „Wenn ich Dich hole“ nicht beendet werden, auch wenn das Buch durchaus so seine Stärken hat, denen aber eine fundamentale Schwäche gegenübersteht, zu der ich später komme.

In stilistischer Hinsicht beispielsweise gefällt mir „Wenn ich Dich hole“ durchaus. Das Buch ist zwar manchmal in einem arg umgangssprachlichen Ton gehalten, der mir nicht ganz so zugesagt hat, der Lesbarkeit des Textes tut das allerdings natürlich wieder gut. Sprachlich wird also niemand überfordert, außerdem enthält das Buch auf Seite 215 den wunderschönen Satz: „Die Rothaarige hatte ganz offensichtlich einen schlimmen Schaden.“ :-) Und ja, hat sie!

Auch die Figuren sind in der Überzahl gut gestaltet. Mich ließen Bendix´ Ehefrau Insa und seine Mutter zwar aus unerfindlichen Gründen seltsam kalt. Andererseits ist Bendix gut gelungen, seine Verzweiflung angesichts einer Situation, in der man einfach mal so gar nichts Sinnvolles tun kann, wird nachvollziehbar rübergebracht. Und mittels einer Reihe von Rückblenden wird auch plausibel erklärt, warum die oben genannte Rothaarige mit dem schlimmen Schaden eben diesen schlimmen Schaden hat. Auch der kleine Lewe überzeugt wenigstens insoweit, dass man als Leser mit ihm mitfiebern und – leiden kann.

Auf die Handlung und dadurch unmittelbar auf die Spannung des Thrillers wirkt sich allerdings leider die eingangs erwähnte Schwäche des Buches aus, nämlich der Prolog. In diesem wird leider schon so viel verraten, dass man sich die Handlung, wenn man schon mal in der Bibel das 1. Buch der Könige und dort wiederum im Kapitel drei die Verse 16 – 28 gelesen hat – und ja, das musste ich googeln -, wenigstens in groben Zügen vorstellen kann. Entsprechende Spannung oder Aha-Momente, wenn man beispielsweise mittels der Rückblenden neue Informationen über die Charaktere bekommt, bleiben somit leider weitgehend aus, weil man sich das alles so oder so ähnlich schon gedacht hat. Dass der Prolog so viel verrät, ist umso bemerkenswerter, da er gerade mal aus 88 Wörtern besteht. Und ja, das habe ich  gezählt. Und ja, ich habe zu viel Zeit. Ich lese schließlich weniger, da bietet sich schon mal die Gelegenheit, stattdessen Wörter zu zählen…

Abschließend kann man also sagen, dass Anja Goerz kein schlechtes Buch geschrieben hat, das aber deutlich besser sein könnte, wenn sie den Prolog weggelassen hätte. Auch, weil er eigentlich noch nicht mal relevant für das Buch ist, „Wenn ich Dich hole“ wäre also auch sehr gut ohne ihn ausgekommen. Den wesentlich wichtigeren Epilog hätte man dann eben einfach als normales, wenn auch sehr kurzes, letztes Kapitel einbinden können. Schade!

So, und bevor ich mir nachher in aller Ruhe den Sieg der Washington Redskins ansehe, werde ich jetzt versuchen, mich doch noch ein bisschen den Herren Nesser und/oder Dorn zu widmen. Das kann doch nicht so schwer sein…

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser oooder „Die Kinder“ von Wulf Dorn. Wenn ich eins von beiden dann doch mal irgendwann schaffe. „Demnächst“ kann also diesmal ein dehnbarer Begriff sein…

Freitagsfragen #19

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Freitag – yay – bedeutet meistens neue Freitagsfragen im Brüllmausblog. So auch diesmal – nochmal yay.

Die heutigen Fragen lauten:

1.) In welchen Punkten gleichst Du Deinen Eltern?

2.) Kannst Du gut vorlesen?

3.) Welche Tageszeit ist Dir am liebsten?

4.) Die Wahl der Qual: Würdest Du lieber 4 Jahre lang ins Gefängnis gehen für etwas, das Du nicht getan hast oder mit etwas Schlimmen davonkommen, jedoch immer mit der Angst leben, dass Du erwischt wirst?

 

Antwort zu 1.) Ich gleiche meinem Vater vermutlich in gar keinem Punkt. Zugegeben, man sagt mir in optischer Hinsicht eine gewisse Ähnlichkeit zu meinem Vater nach, aber das soll ja vorkommen.

Hmm, wenn ich so genauer nachdenke: Meine Angewohnheit, 98 % aller anderen Verkehrsteilnehmer für komplette Volltrottel zu halten, habe ich definitiv nicht von meiner Mutter. Vielleicht ist das noch ein Punkt, in dem ich meinem Vater gleiche. Um das zu beurteilen, fahre ich aber schon seit langer Zeit entschieden zu wenig mit ihm mit.

Vor dem Hintergrund, dass ich ansonsten nicht zu cholerischen Ausbrüchen neige, sei mir diese Angewohnheit übrigens gegönnt. Denn, ernsthaft, wenn jemand, so wie gestern, mit seinem SUV – ein Fahrzeugtyp, den ich im Übrigen für völlig verzichtbar halte, weil man auf einen X5 mit Allradantrieb, 3 Litern Hubraum, über 300 PS und einem Verbrauch von geschätzten sechs Milliarden Litern auf 100 Kilometern im Stadtverkehr sehr gut verzichten kann, es sei denn, man hat einen Arbeitsplatz in den höheren Lagen eines beliebigen Mittelgebirges – wenn also jemand schon so einen Panzer fährt, und sich dann dennoch mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne durch einen Kreisel quält, so dass ich kurz davon ausging, die ältere Dame mit ihrem Rollator auf dem Bürgersteig würde spaßeshalber zu einem Überholvorgang ansetzen, dann, ja, dann kann das schon mal meinen Unmut hervorrufen.

Wenn jemand, so wie vorhin, vor mir fährt als würde er gerade den „Schneewalzer“ hören, was für mich nur den Schluss zulässt, dass da jemand entweder sehr übermütig oder aber hackedicht unterwegs ist, während der hinter mir fahrende Sportsfreund – ein weiterer SUV, diesmal VW – das Wort „Abstand“ offensichtlich aus seinem Sprachgebrauch gestrichen hat, dann, ja, dann kann auch das meinen Unmut hervorrufen.

Wenn die freundlichen Abfallentsorgungstechniker mit ihrem Schlachtschiff in einer Kurve parken und die gegenüberliegende Fahrbahnseite parkende Autos beherbergt, so dass niemand, aber auch niemand, mehr vorwärts kommt, dann…

…ich schweife ab.

Jedenfalls, ich schätze, dass ich meiner Mutter in wesentlich mehr Punkten gleiche, ohne jetzt einzelne benennen zu  können oder zu wollen. Zwar gibt es Tausende Kleinigkeiten zu denen wir unterschiedliche Meinungen haben, aber insgesamt bin ich ihr schon deutlich ähnlicher als meinem Vater.

Und das trotz der Tatsache – und sind wir doch mal ehrlich, das ging uns allen so-, dass ich nie so werden wollte, wie meine Eltern. :-)

 

Antwort zu 2.) Zur Beantwortung dieser Frage verweise ich erneut voller berechtigte, Stolz auf meinen triumphalten zweiten Platz beim Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen und den damit zusammenhängenden unermesslichem Ruhm und Reichtum im Jahre…, nun, es ist lange her. Dieser zweite Platz war eigentlich ein erster, weil in der Jury die Mutter der Erstplatzierten saß, was ich nach wie vor anprangere, weil das ungefähr so ist, als würde man Hellmut Krug ein Schalke-Spiel pfeifen lassen…

Also, ja, ich denke schon, dass ich das kann. Auch wenn sich die Gelegenheit dazu eher selten bietet, weil ich keine Kinder habe, denen ich vorlesen könnte und die Leute im Zug immer so befremdlich reagieren, wenn ich beginne, ihnen vorzulesen… ;-)

 

Antwort zu 3.) Meine liebste Tageszeit ist von 0 Uhr am 01. April bis 24 Uhr am 31. Oktober. Alles, was zwischen dem 31.10. und dem 01.04. liegt, ist völlig verzichtbar. :-)

Eigentlich habe ich so etwas wie eine liebste Tageszeit nicht. Müsste ich mich allerdings entscheiden, fiele die Wahl auf 3 Uhr nachts. Einmal, weil ich da im Normalfall schlafe. Und sollte ich das wider Erwarten nicht tun, genieße ich wenigstens die vollumfängliche Stille, die um diese Zeit herrscht. Für die Großstädter unter euch, die in Städten leben, die niemals schlafen: Stille, das ist das völlige Ausbleiben von Geräuschen. Ja, klingt völlig verrückt, es gibt aber Gegenden, wo es das gibt, vorzugsweise hier auf dem platten Land, wie man so schön sagt.

 

Antwort zu 4.) Eigentlich würde ich da jetzt den Zusatzjoker ziehen und mit „Weder noch“. Ich würde sicherlich nicht freiwillig für vier Jahre in den Knast wandern, wenn ich unschuldig bin, warum sollte ich auch!? Andererseits liegt es aber auch weit außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass ich einmal etwas „Schlimmes“ tue. Daher schließe ich ebenso aus, mal in Angst leben zu müssen.

Sollte mein Nachbar – der hypothetische Freitagsfragen-Nachbar, mit dem Hamster, den dieser nie wieder haben wollte – allerdings mal herausfinden, dass sein Hamster Bekanntschaft mit meiner Mikrowelle gemacht hat, würde ich wahrscheinlich doch Hals über Kopf nach Chile auswandern und hoffen, dass er mich nie erwischt. Da sind schließlich schon ganz andere untergetaucht…

 

Nun denn, ich werde mich jetzt erst mal den notwendigen Tagwerk widmen, sowie dem Kaffee, der mir soeben in einer Weihnachtsmann-Tasse gebracht wurde. Eine eher mutige Entscheidung, mir so etwas hinzustellen…

Ich wünsche allseits einen schönen Freitag, an dem ja vielleicht doch nochmal irgendwann die Sonne aufgeht und ein erholsames anschließendes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Erlöse mich“ von Michael Robotham – Muss nich´

Buch: „Erlöse mich“

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 446 Seiten

Der Autor: Michael Robotham, geboren 1960 in New South Wales, ist ein australischer Schriftsteller. Er arbeitete in Sydney als Journalist und ging später nach London, wo er unter anderem für „The Daily Telegraph“, „Daily Mail“ und „Sunday Times“ schrieb. 1993 verabschiedete er sich vom Jounalistendasein und schrieb stattdessen als Ghostwriter Biografien für Prominente, unter anderem für Geri Halliwell. Die Älteren werden sich erinnern: Spice Girls, „Girl Power“ und so! Na ja… Durch den Erfolg der von ihm verfassten Biografien ermutigt, entschloss sich Robotham zum Wechsel in die fiktive Literatur. Im Jahr 2005 erschien sein erster Roman „Adrenalin“ (engl. „The suspect“) und wurde ein großer Erfolg. Seitdem erschienen noch neun weitere Romane, häufig mit dem Psychologen Joe O´Loughlin und dem Detective Inspector Vincent Ruiz als Protagonisten.

Das Buch: Seit ihr Mann Daniel vor einem Jahr spurlos verschwand, leidet Marnie Logan nicht nur unter der Ungewissheit, was mit Daniel geschehen ist, auch die finanziellen Nöte machen ihr zu schaffen. Immer wieder beschleicht sie die Angst, hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Deshalb sucht sie den Psychologen Joe O’Loughlin auf, der aber schnell den Verdacht hat, dass Marnie etwas verschweigt. Als ein Album mit Fotos alter Freunde entdeckt wird, das Daniel seiner Frau schenken wollte, kommt die grausame Geschichte dahinter heraus, die Joe zutiefst erschüttert. (Quelle: Goldmann)

Fazit: Unter normalen Umständen greife ich eigentlich nicht zu Büchern, die einen Titel tragen wie „Erlöse mich“, weil das irgendwie klingt, als würde ein präfinaler GI in einem zweitklassigen Antikriegsfilm einen letzten kitschbeladenen Dialog mit einem Kameraden führen, bevor er sein Leben aushaucht oder wie eine zwischen Buchdeckel gepresste bluttriefende Gewaltorgie. Da aber einerseits absehbar war, dass es sich bei „Erlöse mich“ weder um das Eine noch um das Andere handelt und ich andererseits vor geraumer Zeit bereits „Um Leben und Tod“ von Robotham gelesen habe, war das Risiko überschaubar.

So ganz zufrieden war ich mit meiner zweiten Erfahrung mit dem Werk des australischen Schriftstellers allerdings nicht. Das liegt weniger am durchaus überzeugenden Schreibstil, der mir mit seinen guten Dialogen und mit der Spannung, die Robotham bereits frühzeitig in seinem Psychthriller erzeugt gut gefallen hat. Schade, dass er diese Spannung nicht über einen längeren Zeitraum halten kann.

Zumindest die beiden ermittelnden Hauptfiguren joe O´Loughlin und Vincent Ruiz überzeugen ebenfalls. Man merkt, dass sich da zwei Charaktere schon länger kennen, die sich auch mal ohne große Worte verstehen. Schon nicht mehr so gut sieht das dann z. B. bei der Protagonistin Marnie Logan und ihren Kindern aus. Marnie selbst ist recht nichtssagend, auch ihr Handeln zu Beginn des Buches kann ich auch nach längerem Nachdenken nicht nachvollziehen, aber dazu später. Ihr junger Sohn Elijah – von dem so häufig festgestellt wird, dass er an einer Laktoseintoleranz leidet, dass es irgendwann störte und auch unfreiwillig komisch wirkte – ist bestenfalls als wunderlich zu bezeichnen und ihre Tochter ist zwar einerseits eine typische Teenie-Zicke, aber andererseits auch eigentlich ein ganz helles Köpfchen. Umso unverständlicher, dass sie im Laufe des Buches manchmal plötzlich auf eine naive bis blitzdumme Art handelt.

Der böse Antagonist wiederum überzeugt mich ebenfalls nicht wirklich, vor allem nicht, als der Leser erfährt, warum dieser Mensch denn nicht so ganz rund läuft. Die Begründung, warum in der Psyche dieses Menschen so einiges aus dem Ruder gelaufen ist, ist – ohne zu viel zu verraten – dermaßen ausgelutscht und überstrapaziert, dass ich nur noch resigniert die Augen verdrehen konnte.

Neben diesen unzugänglichen Figuren konnte ich auch mit der Handlung nicht viel anfangen, schon mit der Ausgangssituation zu Beginn nicht. Marnies Mann ist also von heute auf morgen verschwunden und niemand weiß, wo er ist. Was er Marnie hinterlassen hat, sind eine Menge Spielschulden bei einem ortsansässigen Kriminellen, die nun, nach dessen Meinung, auf Marnie übergegangen sind. Die wiederum geht aber nicht zur Polizei oder ähnliches, nein, Marnie geht im Auftrag dieses Kriminellen lieber anschaffen! Ich persönlich würde ja lieber in ein Zeugenschutzprogramm als anschaffen gehen, aber vielleicht habe ich da andere Maßstäbe als die Protagonistin.

Davon abgesehen plätschert die Handlung dieses Psychothrillers so dahin. Da hilft auch nicht, dass der Autor einem seiner Charaktere plötzlich eine psychische Erkrankung andichten möchte, die sogar nach Aussage des Roman-Psychologen in Romanen öfter vorkommt als in der Realität.

Nein, „Erlöse mich“ war über weite Strecken einfach mal ein Fehlgriff für mich, was bedeutet, dass ich meinem Instinkt hinsichtlich – meiner Meinung nach – bescheuerter Buchtitel vielleicht doch eher vertrauen sollte.

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Wenn ich Dich hole“ von Anja Goerz.

 

Freitagsfragen # 18

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sehr zu meiner Freude gibt es zum Ausklang dieser gnädigerweise kurzen Woche eine weitere Ausgabe der Freitagsfragen, proudly presented by Brüllmausblog. Ohne große Vorrede stürze ich mich mal in die Fragen, die heute lauten:

1.) Unabhängig vom jetzigen Partner: Würdest Du es (noch) einmal mit Deiner Jugendliebe probieren?

2.) Kannst Du Streit gut aushalten?

3.) Worauf verwendest Du viel Zeit?

4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber berühmt während Deines Lebens aber vergessen nach Deinem Tod oder unbekannt während Du lebst und unvergessen nachdem Du stirbst?

 

Antwort zu 1.)

Ich bin eigentlich staatlich zertifizierter Single und kann mir eigentlich im Moment nicht vorstellen, mit überhaupt irgendwem überhaupt irgendwas zu probieren, aber: Das könnte ich mir tatsächlich durchaus vorstellen, wenn ich die Frage auf eine zugegeben recht frühe Jugendliebe beziehe, die ich übrigens dafür verantwortlich mache, dass ich heute noch bei der Haarfarbe rot umgehend in ein – abhängig von der Art des Rottons – variables Stadium der Willenlosigkeit gerate.

Aber wie das damals halt so war, man wechselte die Schule und verlor sich aus den Augen. Auch, weil das Ganze für mich wohl eher weniger ernsthaft war als für sie – wie ich mehrere Jahrzehnte später erfahren habe: Vor einigen Jahren begegnete ein Freund von mir der jungen Dame zufällig bei einer Veranstaltung. Man kam ins Gespräch, dabei erkundigte sie sich nach mir und meinte beiläufig, dass sie sich durchaus hätte vorstellen können, heute noch mit mir zusammen zu sein…

Wenn es einen Moment in meinem Leben gab, in dem ich buchstäblich sprachlos war, dann war es dieser!

Tja, hätte sie das doch nur damals schon gesagt! Ich betone ja immer wieder: Mädels, wenn ihr wollt, dass Männer wissen, was ihr denkt, dann sagt es ihnen. Vertraut nicht darauf, dass uns Andeutungen reichen, um zu erahnen, was ihr denkt. Wir können das nicht!

Antwort zu 2.)

Über das Thema könnte ich wahrscheinlich wissenschaftliche Arbeiten schreiben, die höchsten Standards genügen würden, ohne jemals Psychologie studiert zu haben…

Kurz gesagt: Nein, das kann ich nicht! Nicht im Geringsten!

Einerseits, weil es prägt, wenn man in jungen Jahren mitbekommt, wie sich zwei Menschen jeden Tag aufs Neue in die Haare kriegen. Andererseits, weil mir einfach nicht einleuchten will, warum sich Menschen nicht einfach vertragen können. Klar, Diskussionen, unterschiedliche Standpunkte und Meinungen, alles das ist wichtig. Mir erschließt sich nur nicht, warum man darüber nicht einfach vernünftig reden kann. Sobald jemand laut wird, steige ich aus. Unter anderem deswegen gehe ich in den meisten Fällen den Weg der größtmöglichen Indifferenz, was nicht immer auf Gegenliebe stößt. Das bedeutet übrigens nicht, dass ich nicht auch laut werden kann – allerdings immer als Zweiter. ;-)

Hach ja, ich wäre der perfekte Paartherapeut! Nach einer halben Stunde Gezänk würde ich dem Paar: „Verdammte Hacke, jetzt vertragt euch endlich!“ entgegenbrüllen. Nach einer weiteren halben Stunde Gezänk würde ich die Tür abschließen und schreien: „Ihr kommt hier erst wieder raus, wenn ihr vernünftig miteinander redet!“ Und nochmal zwei bis drei Stunden später würden die beiden Hand in Hand und „Imagine“ singend hüpfenderweise meine Praxis verlassen. Ja, ich wäre richtig gut in dem Job! :-)

 

Antwort zu 3.)

Die meiste Zeit verbringe ich statistisch gesehen wahrscheinlich bei der Arbeit. Irgendwas habe ich falsch gemacht…

Abseits der Arbeit verbringe ich viel Zeit mit bloggen, lesen, Baseball und – der wichtigste Punkt – im Gespräch mit und/oder in Anwesenheit von einer Handvoll ganz zauberhafter Personen. An schlechten Tagen wird meine Zeit damit verschwindet, über Dinge nachzudenken, die im hellen Lichte betrachtet die Gedanken nicht wert sind, aber wer kennt das nicht!?

 

Antwort zu 4.)

Im ersten Moment dachte ich, das sei mir recht egal, in beiden Szenarien bin ich schließlich tot, was ich im Übrigen alles andere als erstrebenswert finde.

Bei genauerer Betrachtung würde ich es aber vorziehen, bis zu meinem Ableben gänzlich unbekannt zu sein. Ich würde nämlich gerne auch in Zukunft noch in Ruhe meine Bücher kaufen, ohne kreischende Teenies oder nervige Autogrammjäger um mich herum zu haben.

Nein, da wäre es mir schon lieber, man würde nach meinem Dahinscheiden in meinem Schreibtisch meinen umfassenden Briefwechsel mit den Größen des Hollywood-Business, wie beispielsweise Jennifer Lawrence, Kat Dennings, Matt Damon, Bruce Willis, Tom Hanks und Will Smith finden, der dann posthum in einem Gesamtband herausgebracht wird und mir ebenso viel Ruhm und Ehre einbringt, wie das neben dem Briefwechsel befindliche Manuskript des großen Gesellschaftsromans des 21. Jahrhunderts, den ich nie veröffentlicht habe. Das Nobelpreis-Komitee wird deshalb seine Statuten verändern, um mir posthum den Nobelpreis für Literatur verleihen zu können!

 

Das war´s dann auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!