„Risiko“ von Steffen Kopetzky – Opulent

Buch: „Risiko“

Autor: Steffen Kopetzky

Verlag: Heine

Ausgabe: Taschenbuch, 733 Seiten

Der Autor: Steffen Kopetzky, geboren 1971, ist Verfasser zahlreicher preisgekrönter Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Von 2002 bis 2008 war er künstlerischer Leiter der Theater-Biennale Bonn. Er lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen an der Ilm. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Geheimexpedition des Deutschen Reichs an den Hindukusch: Nach einem Plan des Orientkenners Freiherr Max von Oppenheim ziehen zur Zeit des Ersten Weltkriegs sechzig Mann mit der Bagdadbahn, zu Pferd und auf Kamelen 5000 Kilometer durch Wüsten und Gebirge. Das Ziel: den Emir von Afghanistan und die Stämme der Paschtunen im Namen des Islam zum Angriff auf Britisch- Indien zu bewegen. (Quelle: Heyne)

Fazit: Nach Hohlbeins „Mörderhotel“ folgt nun mit Kopetzkys „Risiko“ schon wieder eine Rezension über ein auf historischen Tatsachen beruhendes Buch. Den historischen Hintergrund bildet diesmal die sogenannte „Niedermayer-Hentig-Expedition“, die im Jahr 1914 nach Afghanistan aufbrach, um dort den Emir Habibullah auf Seiten der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg zu ziehen.

„Mich hat dieses Buch in einen regelrechten Leserausch versetzt“, urteilt Denis Scheck über „Risiko“. Und auch wenn ich beileibe nicht immer die Meinung des Herrn Scheck teile, hier hat er vollumfänglich recht, denn mir ging es ähnlich. Gut, ich habe für „Risiko“ drei Anläufe gebraucht, weil immer etwas dazwischenkam. Meistens Bücher. Aber wenn man erst mal in diesem Buch drin ist, kann man sich ihm nur schwer entziehen.

Dabei erzählt Kopetzky seine Geschichte in jeder Hinsicht ausufernd. Der kurze und auf das Nötigste eingedampfte Erzählstil eines Ferdinand von Schirach – der hier nur exemplarisch genannt sei, weil er mir als stilistischer Gegenentwurf spontan einfiel – ist die Sache des Herrn Kopetzky nicht. Dabei bleibt sein Roman dennoch erstaunlich unkompliziert lesbar. Man merkt dem Autor aber durchaus eine gewisse Freude am Fabulieren an.

In einem historischen Roman, der zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielt, bietet es sich an, eine Reihe von berühmten Persönlichkeiten auftreten zu lassen. Und das tut Kopetzky natürlich auch. So taucht beispielsweise Alois Musil auf, Großcousin des Schriftstellers Robert Musil. Auch Albert Camus bekommt einen Auftritt, allerdings ohne Sprechrolle, im Jahr 1914 war er noch sehr klein, der Albert. Die Sprechrolle bekommt dafür sein Vater Lucien. Und auch der spätere Großadmiral Dönitz spielt für die Handlung eine nicht unerhebliche Rolle. Neben den berühmten Persönlichkeiten jener Zeit, lässt der Autor auch die passende zeitgenössische Literatur einfließen, indem er seine Hauptfigur Sebastian Stichnote Bücher wie „Der Tunnel“ von Bernhard Kellermann, „Auf zwei Planeten“ von Kurd Lasswitz oder den unvermeidbaren „Tod in Venedig“ von Thomas Mann lesen lässt.

Überhaupt, diese Hauptfigur. Im Rahmen der Expeditionsteilnehmer ist Sebastian Stichnote meines Wissens die so ziemlich einzige tragende Figur, die rein fiktiv ist. Und man muss ihn gern haben, den Stichnote. Er wirkt authentisch, macht im Verlauf des Buches durchaus eine gewisse Entwicklung durch und man nimmt als Leser Anteil an seinem Schicksal. Mehr kann man von einem Protagonisten eigentlich nicht wollen.

Bei den Nebenfiguren ist mir mit Arjona ausgerechnet die einzige Frau, die im Roman eine nennenswerte Rolle spielt – naturgemäß ist der Roman aufgrund seines Handlungsrahmens eher arm an Frauen – negativ aufgefallen. Dabei weiß ich noch nicht mal genau, was sie mir getan hat, aber irgendwie fand ich keinen Bezug zu ihr. Und auf die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen ihr und Sebastian hätte ich auch guten Gewissens verzichten können. Hinsichtlich der Nebenfiguren sticht vor allem der für die „NZZ“ schreibende Journalist Zickler heraus, dem der Autor meiner Meinung nach gerne mal einen ganzen Roman hätte widmen können.

Die Expedition selbst beginnt innerhalb der Handlung erst nach einigen hundert Seiten. Vorher erlebt der Leser an Stichnotes Seite den Beginn des Ersten Weltkriegs, an dem der Protagonist an Bord der „SMS Breslau“ zusammen mit der „SMS Goeben“ so einigen Anteil hat. Und auch sonst hat es Kopetzky bei der Schilderung der Geschehnisse nicht eilig. Er schweift gerne ab, beschreibt Nebenschauplätze und vermeintliche Nebensächlichkeiten. Das alles fügt sich aber zu einem großartigen Gesamtbild zusammen. Man muss als Leser eben etwas Zeit und Geduld aufwenden, wird dann aber mit einem der besten historischen Romane belohnt, die ich seit langer Zeit gelesen habe.

Kurz: Für jemanden, der gerne historische Romane liest, allgemein historisch interessiert ist, der gewisse Grundkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Ersten Weltkriegs mitbringt, vielleicht schon mal etwas von der Schlacht von Gallipoli gehört hat und der sich nicht scheut, Bücher mit einem Umfang von mehr als 700 Seiten zu lesen – für Leser wie mich also – ist „Risiko“ ein großer Wurf. Alle anderen sollten vielleicht besser die Finger davon lassen.

Abschließend sei gesagt, dass das namensgebende Spiel „Risiko“ übrigens auch im Buch auftaucht. Das schenke ich mir an dieser Stelle aber – ebenso, wie einige andere Dinge, über die ich noch schreiben wollte -, weil ich dann anfange, mich im Detail mit der historischen Korrektheit der geschilderten Ereignisse zu befassen. Und das würde dann einerseits den Rahmen sprengen und hätte andererseits für meine treue Leserschaft nur einen ausgesprochen begrenzten Mehrwert. :-)

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Hatte ich eigentlich schon über den zweiten Teil von „Die Blausteinkriege“ geschrieben …? Dann tue ich das wohl bald einmal. Oder über Schätzings „Die Tyrannei des Schmetterlings“. Man wird sehen.

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Freitagsfragen #48

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ja, ich habe es geschafft! Also, noch nicht, denn ich schaffe noch. Aber gleich, da werde ich es geschafft haben. Werden. Oder so. Kurz gesagt: In dieser Woche gelingt mir die pünktliche Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog! Um es mit den Worten von Eric Allan Kramer, besser bekannt als „Little John“ aus „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen zu sagen“: „Bin ich gut? Ich bin gut!“ :-)

Auch diese Woche werde ich in Bälde geschafft haben. Es war eine gute Woche und es war eine schlechte Woche, es gabe gute Begebenheiten und es gab schlechte Begebenheiten, wodurch sich im gewogenen Durchschnitt absolute Mittelmäßigkeit ergibt. Aber hey, wenigstens hat die WM angefangen! :-)

Mittelmäßigkeit – hey, was ´ne Überleitung – befürchte ich auch für meine heutigen Antworten auf die Freitagsfragen. Üblicherweise springt mich – im übertragenen Sinne – immer mindestens eine der Fragen sofort an, was darin resultiert, dass ich fast umgehend weiß, was ich dazu schreiben werde. Heute ist das irgendwie nicht der Fall.

Abgesehen davon weise ich darauf hin, dass ich momentan „home office“ betreibe, was zumindest gestern allerdings irgendwie mehr „home“ als „office“ war, was bedeutet, dass ich heute viel zu tun habe. Und das wiederum bedeutet: Ich werde mich kurzfassen! Was? Hat da jemand gelacht? Ich kann das, wenn ich will! :-)

Schreiten wir zur Tat, die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Stehst Du für Dich ein?

Schwierige Frage. Ich erwähne gelegentlich, dass ich eher der indifferente Typ bin. Wenn ich aber davon überzeugt bin, dass das, was ich mache oder denke richtig ist und es mir wichtig genug ist, dass eine Diskussion darüber überhaupt lohnt, dann ja.

2.) Bist Du schon einmal alleine verreist?

Ich gehe ja nicht mal alleine ins Kino! Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass viele für mich potenziell interessante Filme an mir vorüberziehen. Meistens sehe ich mir die Filme noch nicht mal anschließend im Fernsehen an, denn Filme alleine im Fernsehen zu sehen, ist genau so ätzend, wie alleine ins Kino zu gehen.

Aber zurück zum Thema: Verreisen ist an sich nicht so mein Ding. Aus Gründen. Als ich zum letzten Mal verreist war, war die D-Mark noch gängiges Zahlungsmittel. :-) Und alleine würde ich das erst recht nicht tun, das stelle ich mir eher frustrierend vor.

Wenn ich so etwas täte, dann nur, indem ich mich für 6-12 Monate in eine kanadische Blockhütte zurückziehe, um dort den ersten, großen deutschen Vorkriegsroman zu schreiben …

3.) Was war die beste Entscheidung, die Du bisher getroffen hast?

Hm, ich lamentiere eher gelegentlich darüber, dass die großen, bedeutsamen Entscheidungen in meinem Leben eher unbedacht, falsch oder schlichtweg dämlich waren. Was vermutlich dazu führte, dass ich der Entscheidungsneurotiker wurde, der ich heute bin. ;-) Entscheidungen zu treffen, fällt mir tatsächlich schwer. Man muss mir beispielweise im Restaurant nur eine Speisekarte in die Hand drücken, um mich für eine Dreiviertelstunde zu beschäftigen. In der Zwischenzeit könnte mein Gegenüber auch kurz weg gehen, einen Spaziergang machen oder einmal durch die Stadt fahren, mir würde es nicht auffallen. ;-)

Daher weiß ich nicht, ob ich so etwas wie die beste Entscheidung schon getroffen habe. Gute habe ich dagegen schon mehrfach getroffen. So kann ich mich beispielsweise nicht genug dafür beglückwünschen, meine Unterschrift unter meinen aktuellen Arbeitsvertrag gesetzt zu haben, auch wenn ich das mal anders gesehen habe.

Die eigentlich besten Entscheidungen sind aber wohl die, die – manchmal erst über fünf Ecken – dazu geführt haben, dass die mir nahestehenden zauberhaften Personen in mein Leben getreten sind, die mir heute selbiges bereichern. Exemplarisch – derlei Beispiele gäbe es noch mehrere – sei da mal eine „Tanz in den Mai“-Feier in der ersten Hälfte der 90er erwähnt, zu der ich eigentlich gar nicht hingehen wollte, ohne die ich aber eine mir heute sehr nahestehende Person niemals näher kennengelernt hätte.

4.) Die Wahl der Qual: Für ein Jahr ohne Waschmaschine oder ohne Warmwasser zum Baden/ Duschen?

Angesichts der Tatsache, dass es im Jahr 2016 330.000 Stromsperrungen in Deutschland gab, neben 44.000 Gas-Sperrungen im Jahr 2015, fürchte ich, dass es weit mehr Menschen gibt, die sich tatsächlich mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen, als uns lieb sein könnte. Wenigstens die Sperrungen von Wasser sind etwas erschwert, wenn auch nicht unmöglich. Das muss man sich mal vorstellen: Wir leben in einem Land, in dem es möglich ist, die Menschen schon bei einem Abschlagsrückstand von über 100 Euro ihrer Energie-Grundversorgung zu berauben! Ich finds gruselig!

Und bevor jemand die „Die-sind-alle-selber-schuld“-Karte zieht: Ich habe mal in einer Schuldnerberatung gearbeitet, ich weiß, dass nicht wenige Menschen Mitschuld an ihrer Strom- oder Gas-Abschaltung tragen, weil es Mittel und Wege und – mit Glück! – Hilfe gibt, diese abzuwenden. Aber ich weiß auch, was es nervlich mit jemandem macht, wenn man finanziell so, mit Verlaub, tief in der Scheiße steckt, dass man nicht mal mehr das Nötigste bezahlen kann und nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Ach, ich echauffiere mich schon wieder. Und komme außerdem von der Beantwortung der Frage ab.

Ich höre die ersten schon murmeln: „Er wollte sich kurz fassen!“

Daher: Ich denke, Not macht erfinderisch, man würde also wohl beides Szenarien überstehen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich Ersteres nehmen. Was spricht dagegen, mal wieder mit Waschbrett und Kernseife ans Weserufer zu gehen? ;-) Außerdem kann man Kleidung nachkaufen.

 

 

Das war es auch schon wieder, werte Leserschaft. Ich werde mich jetzt meinem Tagwerk zuwenden, bevor ich mich anschließend mit voller, nein, vollster Aufmerksamkeit für den Rest des Tages der WM zuwende.

Gehabt euch wohl!

 

„Mörderhotel“ von Wolfgang Hohlbein –

Buch: „Mörderhotel“

Autor: Wolfgang Hohlbein

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 847 Seiten

Der Autor: Wolfgang Hohlbein, am 15. August 1953 in Weimar geboren, lebt mit seiner Frau Heike und seinen sechs Kindern, umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere, in der Nähe von Neuss. Mitte der fünfziger Jahre kam Hohlbeins Familie in den Westen und schlug ihr Domizil in Krefeld auf. In Krefeld absolvierte Wolfgang Hohlbein seine Schule und später eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zeitweise hielt er sich durch Nebenjobs, wie etwa als Nachtwächter, über Wasser.

Laut einer Aufstellung in Focus (Nr. 40, November 2006) liegt die Gesamtauflage von Wolfgang Hohlbein bei 35 Millionen Exemplaren. Er ist damit „einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart“. Der Wegbereiter neuer deutscher Phantastik und Fantasy wurde bislang in 34 Sprachen übersetzt. Er hat bereits 160 Romane verfasst, den überwiegenden Teil alleine, etliche Kinder- und Jugendbücher gemeinsam mit seiner Frau Heike und einige wenige Erwachsenenromane mit Co-Autoren.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen hat Wolfgang Hohlbein erhalten. Vom „Preis der Leseratten“ 1983 bis zum „Bester Autor National“ Deutscher Phantastik-Preis 2004, dem „Sondermann-Preis“ auf der Buchmesse 2005 und dem „Nyctalus“ im November 2005.

Inzwischen fördert Hohlbein auf verschiedene Weise selbst Nachwuchstalente.

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Chicago, 1893. Die neunzehnte Weltausstellung öffnet ihre Tore. Millionen Besucher strömen in die Stadt und suchen ein Hotel. Herman Webster Mudgett besitzt ein solches. Es ist eines der erstaunlichsten Häuser am Platz: Es hat Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer. Viele Menschen gingen in dieses Hotel. Nur wenige verließen es wieder. Zumindest lebend …

(Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Nach über zwei Monaten ohne Rezension wird es Zeit, dass mein Blog mal zu seinem „Kerngeschäft“ zurückkehrt. Einmal, weil ich wieder viel Lust dazu habe und zum Zweiten, weil mein Hang zur Benutzung von Post-Its genau so begrenzt ist, wie meine Gedächtniskapazität und bevor etwas in Vergessenheit herät, sollte man es lieber aufschreiben.

Kommen wir also zu Hohlbeins „Mörderhotel“.

Ich habe ja – irgendwann erwähnte ich das bereits – einen gewissen Hang zum „True Crime“-Genre. Wann immer ich also, Filme, Serien oder Dokumentationen sehe, die reale Verbrechen zum Inhalt haben, interessiert mich das. Das kann man übrigens gerne spleenig finden, weil es das ist. Und so sah ich, irgendwann vor ein paar Jahren, eine Dokumentation über Herman Webster Mudgett, dem Mann, der sein Hotel zur Zeit der Weltausstellung 1893 zu einer wahren Todesfalle ausgebaut hat. Entsprechend begeistert war ich, als mir dieses Thema in Buchform in Hohlbeins „Mörderhotel“ begegnete.

Hohlbein teilt seine Handlung in Kapitel auf, die sich unregelmäßig abwechselnd mit Herman Webster Mudgetts Vergangenheit bis zum 1893 einerseits beschäftigen und andererseits mit den aktuellen Geschehnissen des Jahres 1893 in dem die junge Arlis Christen in Chicago ankommt, die nach ihrer Schwester sucht, welche für Mudgett gearbeitet haben soll und von der Arlis schon länger kein Lebenszeichen mehr bekommen hat. Zusammen mit Mudgetts Freund Henry Howard Holmes sowie dem Versicherungsdetektiv Geyer versucht sie, die Spur ihrer Schwester aufzunehmen.

Während der Lektüre fiel mir wieder einmal das auf, was mir eigentlich immer auffällt, wenn ich Hohlbein lese, nämlich dass er wohl nicht mehr der größte Stilist auf Gottes weiter Erde werden wird. Aber er schreibt so, dass man als Leser an keiner Stelle vor Problemen steht, man Sätze nicht wiederholt lesen muss, um deren Bedeutung zu erfassen. Und das finde ich völlig in Ordnung so, wären verschachtelte Sätze bis zur Unkenntlichkeit der Satzbedeutung und geschliffenste, hochgestochene Formulierungen für das Genre, in dem Hohlbein sich umtut, doch eigentlich auch völlig fehl am Platze. Und nein, damit habe ich nichts gegen das Genre gesagt. Vom stilistischen Standpunkt her, geht „Mörderhotel“ also vollstens in Ordnung.

Auch die Charaktere haben es mir angetan. Ich beschwere mich ja häufiger über die „Bösen“ in Büchern, habe hier aber recht wenig Grund dazu. Zwar erfindet der Autor mit seinem Mudgett das Schurken-Rad auch nicht neu, aber dadurch, dass er ihm in zahlreichen Rückblenden ein Gesicht, eine detaillierte Geschichte gibt, hebt sich Mudgett doch vom sonstigen Einheitsbrei ab.

Auch der Versicherungsdetektiv Geyer kann bei mir punkten. Irgendwie wirkt er auf mich wie eine Mischung aus Columbo und Hercule Poirot, aber das wird ein sehr subjektiver und exklusiver Eindruck sein, den ich da habe. :-)

Auch an Arlis – obwohl ich sie etwas zickig fand – und Peitzel, Mudgetts Assistenten, habe ich wenig zu kritisieren.

Die Handlung hat Hohlbein gut konstruiert und zusammengefügt. Manche Szenen in der Gegenwart erhalten erst durch – teilweise viel später – eingestreute Rückblenden ihre genaue Bedeutung oder ihren genauen Sinn bzw. verdeutlichen den Hergang der Ereignisse. Dadurch hat der Leser (generisches Maskulinum) häufig Aha-Erlebnisse, die die Lektüre deutlich unterhaltsamer machen.

Letztlich bleibt ein spannendes Buch, dass sich trotz seines Umfangs recht schnell lesen lässt und über (fast) die volle Distanz gut unterhalten kann. Fast. Denn da sind wir schon bei einem von nur zwei Kritikpunkten, die ich anzubringen habe: „Mörderhotel“ ist einfach zu lang. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal über ein Buch sage. Aber es enthält Szenen, die dem Buch bzw. dem Handlungsrahmen möglicherweise mehr Tiefe, mehr Farbe verleihen sollten, beispielsweise im „Ferris wheel“. Allerdings tragen die, in einem ansonsten recht handlungsgetriebenen Buch, kaum zur Geschichte bei. Man hätte sie also entweder deutlich kürzen, wahlweise aber auch in Einzelfällen einfach ganz weglassen können, ohne dass ich das Gefühl bekommen hätte, dass da jetzt etwas fehlt.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Tatsache, dass man am besten ohne Vorkenntnisse der historischen Begebenheiten an dieses Buch herangeht, denn wenn man sich mit der Thematik auskennt, dann funktioniert die eine große Überraschung des Buches nicht, der große Plottwist ist also für die Katz. Robert Harris bespielsweise schaffte es seinerzeit mit „Intrige“, einen Roman zu schreiben, der auch dann spannend blieb, wenn man sich mit der Thematik auskannte. Hohlbein schafft das nur bedingt. Gern gelesen habe ich „Mörderhotel“ allerdings trotzdem.

Da wir in sensiblen Zeiten leben, möchte ich abschließend aber noch erwähnen, dass man dieses Buch lieber an sich vorbeiziehen lässt, wenn man Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung – abgeschnittene Gliedmaßen, gekochte Leichen und ähnliche Späße – hat. In dem Fall sollte man aber generell vom Werk Wolfgang Hohlbeins Abstand nehmen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Risiko“ von Steffen Kopetzky.

Freitagsfragen # 47 zum Wochenstart

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, was die Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog angeht, zeichne ich mich in letzter Zeit nicht sonderlich durch Pünktlichkeit aus. Die heutige Verspätung ist einerseits der doch recht späten Veröffentlichung der aktuellen Ausgabe geschuldet und zum anderen meinem Vorsatz, am nunmehr schon hinter uns liegenden Wochenende mal gar nichts zu machen. Also, so überhaupt nichts. Das war auch dringend nötig, um mich von der mistigen letzten Woche zu erholen und auf die aktuelle mistige Woche vorzubereiten. :-)

Aber genug der Vorrede, gehen wir nun frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Man möchte einen achten Wochentag einführen und hat Dich beauftragt, Dir Gedanken darum zu machen. Wie soll er heißen, was macht ihn aus, diesen neuen Wochentag?

Mein zusätzlicher Tag würde sich zwischen Sonntag und Montag einsortieren und man würde ihn ganz simpel „Feiertag“ nennen. Die meisten Leute hätten an diesem Tag frei, die Geschäfte wären geschlossen und der Begriff „verlängertes Wochenende“ würde langsam aus dem Sprachgebrauch verschwinden, weil man ab sofort ja immer ein verlängertes Wochenende hätte.

Zusätzlich dazu würde ich alle gesetzlichen Feiertage in allen Bundesländern streichen. Somit müsste ich mich nicht mehr damit rumärgern, dass beispielsweise Bayern mehr Feiertage hat als Niedersachsen. Von den lokalen Feiertagen ganz zu schweigen, wenn man in, was weiß ich, Unterschleißheim den Ortsheiligen Sankt Ignazius von Feldmoching-Hasenbergl feiert, weil jener im Jahre des Herrn 843 an einem sonnigen Freitag auf dem Weg zum Fischmarkt die Katze „Betsy“ der Äbtissin Gundlinde von Oberpetting vom Baum gerettet hat.

2.) Zuhause ist…

… ein Begriff, dessen Bedeutung uns Herr Seehofer sicherlich im Rahmen eines von seinem Heimatministerium entworfenen 11-Punkte-Plans bald erläutern wird. Sicherlich enthält dieser 11-Punkte-Plan auch eine „Obergrenze“ für die Anzahl der Menschen, die gleichzeitig zu Hause sein dürfen. Die AfD wird den 11-Punkte-Plan reflexartig als „Vogelschiss“ bezeichnen, bevor man sich dort bewusst wird, dass man mit dem Innenminister eigentlich weitgehend einer Meinung ist.

Lassen wir das.

Zu Hause ist eigentlich grundsätzlich da, wo ich mich gerade am wohlsten fühle. Dass kann tatsächlich „zu Hause“ in seiner Wortbedeutung sein, es gibt aber auch eine Reihe von Personen, an deren Heimstatt ich mich ebenfalls „ganz wie zu Hause“ fühle.

3.) Hast Du Angst vorm Älterwerden?

Jein. Grundsätzlich ist älter werden ja nichts Schlechtes. Die Alternative wäre ja halt, nicht mehr älter zu werden. Und das muss ja nicht sein. Nein, ich hätte im Gegenteil nichts dagegen, außerordentlich langlebig zu sein. Wie ich am Freitag gesehen bzw. erfahren habe, war Chewbacca schon 190 Jahre alt, als er zum ersten Mal den „Millenium Falcon“ geflogen ist. Und so etwas würde ich für mich durchaus auch erstrebenswert finden. Einerseits hätte ich dann noch so etwa 150 Jahre Zeit, mir meine Flugangst abzugewöhnen und die Wissenschaft andererseits hätte noch 150 Jahre Zeit, Raumfahrzeuge für interstellare Reisen zu entwickeln. Und dann schaffe ich den Kossal-Flug in unter 11 Parsec.

Und bevor jemand fragt: Ja, ich war Freitag im Kino. :-)

Aber mal im Ernst, mehr Sorgen als vor dem Älterwerden an sich habe ich vor den Auswirkungen des selben.

4.) Die Wahl der Qual: Hättest Du lieber farbwechselnde Haut, die Deine Emotionen anzeigt wie ein Gefühlsring oder dass Dir Tattoos auf der Haut auftauchen, die Deine Gedanken verbildlichen?

Hui, schöne Frage! :-)

Ich schätze, ich würde mich für den Farbenwechsel entscheiden. Dass die Menschen wissen, was ich denke, das möchte ich nicht. Sollte jemand angesichts meiner – mutmaßlich tiefroten – Hautfarbe bemerken, dass ich höchstgradig in Rage bin und dieser Jemand Gefahr läuft, gleich aufs Maul zu kriegen, das könnte dagegen hilfreich sein. Für beide Seiten. :-)

 

Das war es auch schon wieder.

Ich wünsche allseits eine schöne, nicht zu stressige Woche.

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen # 46

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, habe ich gesagt, dass ganz, ganz schnell Freitag sein wird? Habe ich es gesagt? Und schon ist er da!

Wer nicht mehr da ist – also „da“ sind sie schon noch, Personenpermanenz und so, aber hier vor Ort sind sie nicht mehr -, das sind die Westfalen. Und der Wasserhahn funktioniert auch wieder mit einer zufriedenstellenden Temperatur. Außerdem ist in wenigen Stunden Wochenende, das ich damit einläuten werde, mir „Slade House“ von David Mitchell aus der Buchhandlung meines Vertrauens abzuholen, sofern die überaktiven Straßenbauplaner dieser Stadt es irgendwie zulassen, einen Parkplatz in angemessener Entfernung zu besagter Buchhandlung zu bekommen. Man wird sehen.

Alles das ist Grund genug, mich nun in relativer Freitagsentspannung der neuen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog zu widmen. Übrigens, wie oben zu sehen ist, mit neuem Logo! Ich mochte das alte Logo, aber Veränderungen sollen von Zeit zu Zeit ja gut sein und auch „Malibu Stacy“ brauchte schließlich irgendwann einen neuen Hut.

Die aktuellen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist etwas, das Du an anderen Generationen nicht verstehst oder nachvollziehen kannst?

Sollte ich ältere Generationen kritisieren, könnte mir das als Respektlosigkeit ausgelegt werden, bei Kritik an der jüngeren Generation könnte man mir unterstellen, dass ich der Meinung unterliege, dass früher alles besser gewesen sei. Beides stimmt nicht, so viel kann ich vorweg sagen.

Was die ältere Generation angeht, so habe ich da weniger zu kritisieren, als ich eigentlich dachte. Eigentlich wollte ich auf die Artikel von vor etwa einem Monat verweisen, nach denen die Zustimmung junger Europäer zwischen 16 und 26 Jahren so hoch ist wie letztmals – überspitzt gesagt – nach dem Kartoffelkrieg 1778/1779. Der älteren Generation haben wir dagegen den Brexit zu verdanken, 63 % der 65 Jahre alten und älteren Briten haben sich dafür entschieden. Gut, das lag auch daran, dass die Jüngeren gedacht haben: „Wird schon passen, da muss ich nicht hingehen!“ Aber das ist wieder ein anderes Thema.

In Deutschland, so dachte ich, würde der Anteil der AfD-Wähler auch eher im höheren Altersspektrum zu finden sein. Die Statistik spricht aber dagegen, die höchsten Wähleranteile hatte diese, nennen wir sie wohlwollend „Partei“, sogar unter den 35 bis 44 Jahren alten Menschen, also quasi „meiner“ Generation. Ich nehme das mit Verwunderung zur Kenntnis, kann bezüglich „meiner“ Generation aber nur sagen: Ich war es nicht!

Auch bei diesen „besorgten Bürgern“ der Pegida-Aufmärsche, so dachte ich, hätte ich in erster Linie ältere Menschen erblickt. Und in der Tat gibt es eine Studie aus dem Jahr 2016, wonach über die Hälfte der Pegida-Anhänger 56 Jahre alt und älter sein soll. Der Haken dabei: Die Studie ist nicht repräsentativ. Also lässt sich mein Eindruck wieder nicht verifizieren.

Was sich aber verifizieren lässt, ist, dass der Anteil der konservativen Wählerschaft von CDU/CSU mit zunehmendem Alter ansteigt. Aber dafür kann ich ja niemanden kritisieren, das muss jeder selbst wissen, vielleicht denke ich in 25 Jahren ähnlich und wähle auch die …, nein, warte, ich kann es doch ausschließen! :-)

Kurz: Mal eben googeln kann den persönlichen Eindruck revidieren, womit mir eigentlich nur bleibt, dass ich der älteren (britischen) Generation den Brexit in die Schuhe schieben kann. „Unserer“ älteren Generation kann ich so ziemlich gar nichts in die Schuhe schieben. Ich bin desillusioniert.

Bezüglich der jüngeren Generation gibt es natürlich auch das Eine oder Andere, was ich nicht nachvollziehen kann:

Sie geht, nach meinem Eindruck, wenn es gegen etwas, was sie betrifft, zu protestieren gilt, kaum noch auf die Straße. Und wenn doch, dann macht sie Hamburg kaputt, was ich nicht mal im weitesten Sinne als Protest verstanden wissen möchte.

Über den Umgang mit Sprache, insbesondere im Internet, lohnt es sich wohl kaum noch, zu lamentieren, aber wenn ich Dinge lese wie – sinngemäß – „was wilstn du alda hier is das internet hier daaf jeder schreiben wiea will“, dann möchte ich reflexartig entgegenbrüllen: „Verflucht, nein! Orthografie und Interpunktion gelten auch im Internet!“ Ich vermute allerdings, dass es sich bei diesen Sprachmisshandlern um Einzelfälle handelt. Viele Einzelfälle. Viele, viele Einzelfälle. Aber eben Einzelfälle. Vermute ich.

Was mich aber am meisten besorgt, ist, dass es in meiner Wahrnehmung den Anschein hat, als würde man meiner Nachfolgegeneration und noch jüngeren Vertretern mit Vehemenz jegliche Eigenverantwortung abtrainieren. Das wiederum ist aber eben ein Problem der zugehörigen Elterngeneration, also im weiteren Sinne meiner eigenen. Klar sollte niemand seinem Kind sagen: „Nein, Ben, Du kannst nicht Präsident werden, Du bist zu blöd dafür!“ und kein Vater wird beim Elternsprechtag sagen: „Mein Sohn ist nicht faul – der ist nur dumm!“ Aber es kann eben auch nicht jeder eine hochbegabte „special snowflake“ sein. Wenn man das aber von seinem Kind annimmt, unterliegt selbiges einem (Leistungs-)Druck, dem es kaum gerecht werden kann. Und wenn es dann in der Schule leitungsmäßig auf die Schnauze fällt, was ist dann? Dann müssen Andere daran schuld sein, vorzugsweise Lehrer und Innen. Was macht man dann? Man klagt gegen Schulnoten! Hätte ich das meinen Eltern vorgeschlagen, würden die sich noch heute, über 20 Jahre später, die Lachtränen aus dem Gesicht wischen. In anderen Elternhäusern hätte man – was damals schon genau so indiskutabel war, wie heute und vor zwei Generationen ! – vielleicht noch eine getäfelt gekriegt.

Heute dagegen sind Klagen gegen Schulnoten salonfähig geworden. Was lernt das Kind daraus? Dass andere Menschen für sein eigenes Handeln verantwortlich sind!

Hach ja, ich habe schon öfter, nein, oft darüber geschrieben, werde aber nicht müde, es immer wieder und wieder zu tun. :-)

Hm, als ich so über diese Frage 1.) nachdachte, war mein Gedankenkonstrukt im Kopf irgendwie viel strukturierter als das, was jetzt hier steht. Aber sei es dumm. Dennoch: Spannende Frage!

2.) Reparieren oder neukaufen?

Eindeutig reparieren! Oder besser: reparieren lassen! Meine Einstellung dazu hat einen ganz einfachen Hintergrund, nämlich den finanziellen. So lange sich etwas günstig und mit wenig Aufwand reparieren lässt, warum sollte ich mir etwas Neues kaufen? Ich hatte noch Ewigkeiten einen Röhrenfernseher, als die schon lange nicht mehr produziert worden sind und ich war zufrieden damit.

Was bringen mir vier Kilometer Bildschirmdiagonale, wenn das Programm doch weiterhin das selbe ist? „Die Helene Fischer-Show“ auf Großbildleinwand bleibt eben immer noch „Die Helene Fischer-Show“!

Im Zusammenhang mit dieser Frage fällt mir gerade die sogenannte „Abwrackprämie“ von 2009 ein. Man bekam damals doch tatsächlich Geld, wenn man seinen völlig funktionsfähigen fahrbaren Untersatz verschrottete, um einen neuen zu kaufen. Ökologischer Irrsinn! Das sollte aber u. a. die Schadstoffemissionen senken – 9 Jahre später gibt es die ersten Fahrverbote für Diesel …

Zur Senkung von Schadstoffemissionen hätte ich persönlich eine wirklich waghalsige Idee: Vielleicht sollten sich die Ingenieure der Autohersteller einfach mal hinsetzen und darüber nachdenken, wie sie Motoren herstellen, die auch ohne Software-Beschiss die Grenzwerte einhalten!?

3.) Meer oder Berge?

Eindeutig Meer! Es geht nichts über einen Besuch an der Nordsee, unabhängig vom Wetter. Ich nehme aber auch gerne jedes andere Meer.

4.) Die Wahl der Qual: Jede Woche in eine andere Stadt umziehen müssen oder niemals die Stadt verlassen können, in der Du geboren wurdest?

Das ist diesmal ganz einfach: Ich nehme Letzteres! Ich wohne – von einem kurzen Intermezzo abgesehen – schon mein ganzes Leben hier, bin hier also groß geworden. Wobei… groß…, sagen wir lieber, ich bin hier aufgewachsen. Na ja, gewachsen… sagen wir, ich bin hier älter geworden!

 

So weit, so gut, werte Leserschaft. Ich wünsche allseits einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

Zur Vollständigkeit: Freitagsfragen # 44

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

in insgesamt sechs Bundesländern – und in zwei zusätzlichen partiell – ist heute Feiertag. In Niedersachsen dagegen natürlich wieder nicht. Diesbezüglich ist man in unserem schönen Bundesland arg benachteiligt, was ich hiermit anprangere! Und wenn man dagegen etwas tun möchte, und anregt, den Reformationstag als Feiertag wieder einzuführen, dann regt sich Widerstand, weil Luther mal vor 500 Jahren dumme Dinge gesagt hat. *seufz* Heute gibt es Twitter, wo gewisse Menschen so etwas täglich tun – allerdings gibt es in deren Namen auch keinen Feiertag. Noch nicht!

Und nicht nur das! Dadurch, dass im angrenzenden Nordrhein-Westfalen heute Feiertag ist, fluten die sonst dort ansässigen Menschen meine heimischen Gefilde. Das vermittelt so ein bisschen den Eindruck, als würde man die Nordrhein-Westfalen unter Strafvollzugsbedingungen halten und selbige sich freuen, dass sie heute Freigang haben, welchen sie möglichst weit entfernt von der JVA NRW verbringen wollen. Man weiß es nicht.

Nur damit wir uns nicht missverstehen: Es sind nicht die Nordrhein-Westfalen und Innen, die mir heute auf den Keks gehen, ich komme mit ausnahmslos allen mir bekannten Exemplaren dieses sympathischen Menschenschlags gut, teilweise bestens, aus. Es sind ihre Autos, die mich heute stören! Mein aktueller straßennaher Standort verhindert vollkommen ein Öffnen des Fensters, sollte ich nicht vorhaben, aufgrund der Geräuschkulisse zeitnah durchzudrehen, was für heute eigentlich nicht mehr auf der Tagesordnung stand. Was das bei diesen Temperaturen bedeutet, brauche ich nicht explizit zu erklären.

Apropos Temperaturen, ich hätte nicht übel Lust, herauszufinden, welcher ausgewachsene Volltrottel auf die Idee gekommen ist, den Wasserhahn im Bad – von mir unbemerkt – auf heiß zu drehen. Auf ganz heiß! Auf heißheiß! Ob da der Wunsch dahinterstand, sich die Hände zu kochen – warum auch immer – oder ob irgendwelche masochistischen Spielarten dahinterstanden – ich weiß es nicht. Ich habe da schon einen Verdächtigen in, äh, Verdacht, den ich gerade gerne mit den blasenwerfenden Resten meiner Gliedmaßen würgen möchte. Ach, ich verliere mich in Destruktivität und bin geneigt, ein Zitat von Christian Tramitz mit dem Wort „Gesamtsituation“ anzubringen, aber lassen wir das.

Wie dem auch sei, mit der Beantwortung der folgenden, eigentlich schon vor Pfingsten gestellten, Freitagsfragen  aus dem Brüllmausblog habe ich meinen diesbezüglichen Rückstand tatsächlich aufgeholt und kann mich dann morgen, falls ich es schaffe, der aktuellen Ausgabe widmen. Fragen und Antworten lauten:

1.) Wenn Du nicht schlafen müsstest, was würdest Du mit der Extrazeit machen?

Für mich geht die Frage ja schon von einer falschen Annahme aus, nämlich der, dass ich schlafen müsste. Nein, ich darf schlafen! Ganz im Ernst: Schlafen ist doch toll! Ist schon mal jemand im Schlaf mit Helene-Fischer-Musik gequält worden, was zur Zeit immer noch bei jeder sich bietenden öffentlichen Veranstaltung notwendig zu sein scheint? Nein! Es sei denn, man hat Albträume …

Hat schon mal jemand im Schlaf Rechnungen bekommen oder begleichen müssen? Nein!

Hat schon mal jemand im Schlaf stundenlang im Stau gestanden? Nein!

Deren Beispiele gäbe es viele. So lange ich schlafe, kann mir kein Ungemach entstehen, ergo – oder „ergalso“, wie Malmsheimer sagen würde – schlafe ich gerne.

Außerdem bietet der Schlaf den Vorteil des Träumens. Mir persönlich passieren in Träumen häufig spannendere Sachen als im realen Leben. Kürzlich habe ich beispielsweise von Telekinese geträumt, was die Traumdeutung – mit der ich mich nicht die Bohne auskenne – dahingehend interpretiert, dass das die Sehnsucht des Träumenden nach Anerkennung und Bestätigung seiner Person und seiner Fähigkeiten darstellt.

Also los: Bestätigt mich gefälligst! ;-)

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn ich nicht schlafen müsste, würde ich freiwillig schlafen!

2.) Welchen fiktionalen Ort würdest Du gern einmal besuchen?

Hm, das galaktische Reich von Tiamande aus Kai Meyers „Die Krone der Sterne“ stelle ich mir ganz spannend vor. Allein, um mal zu sehen, ob das alles wirklich so aussieht, wie ich mir das vorstelle.

Alternativ könnte ich auch ins fiktive Konstanz des Jahres 1410 reisen, um Iny Lorentz´ Wanderhure Marie Schärer auf Knien anzubetteln, doch den Magister Ruppertus Splendidus zu heiraten, dann wäre der weltweiten Leserschaft alles Folgende möglicherweise erspart geblieben.

3.) Könntest Du jede beliebige Aktivität in einen Olympischen Sport verwandeln, worin läge Deine größte Chance eine Medaille zu gewinnen?

Schlafen hatten wir schon. Lesen wäre auch nicht so kreativ als Antwort.

Sagen wir mal: Wenn es olympische Wettbewerbe in Diplomatie gäbe, könnte ich vorne mit dabei sein. Manche Leute verwechseln meine diplomatische Art mit Indifferenz, was natürlich eine eklatante Fehleinschätzung darstellt.

Ehrlich, wäre ich im diplomatischen Dienst der USA oder Nordkorea tätig, dann … hätten sich die beiden Kollegen schon längst die Hand gereicht, es wären geradezu familiäre Bande geknüpft worden, später hätte man die Regierungschefs der Türkei, Russlands, Syriens und aller anderen Länder dazu geholt, hätte Blumen gestreut, sich gemeinschaftlich die Kante gegeben und „Give Peace a Chance“ gesungen. Die Religionsführer aller großen und kleineren Religionen würden sich dazugesellen, zu der Erkenntnis kommen, dass wir ja irgendwie doch alle Menschen sind und es eigentlich gar keinen Sinn ergibt, sich dauernd gegenseitig umzunieten.

Dann

Oh, ich muss eingenickt sein. Na, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

In der Realität würde mein Szenario wahrscheinlich so ausgehen, dass man vereinbart, alle Atomwaffen der Welt in einer gigantischen Raumfähre Richtung Alpha Centauri zu schicken, welche dann beim Start explodiert, womit irgendwie auch wieder nichts gewonnen wäre.

4.) Die Wahl der Qual: Doppelt so schnell blinzeln wie normal oder jeweils für 5 Minuten nicht blinzeln müssen, dafür jedoch alle 5 Minuten für 10 Sekunden die Augen schließen müssen?

Ersteres stelle ich mir sehr anstrengend und nervig vor. Daher nehme ich Letzteres, das kann man auch besser kaschieren.

 

Das war es auch schon wieder, geneigte Leserschaft. Ich wünsche allseits noch einen schon Feier- oder sonstigen Tag.

Und ich, ich werde jetzt todesmutig ein Fenster öffnen …

Gehabt euch wohl!

 

Schon wieder Freitag! Nicht? Egal: Freitagsfragen #45

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

in Blog-Angelegenheiten komme ich gerade zu nichts, weil mich andere Dinge in Beschlag nehmen, unter anderem Papierkram, dessen Umfang den Bestand der antiken Bibliothek von Alexandria bei Weitem übersteigt – vermutlich. Es ist auch nicht so, dass sich nicht bereits fünf gelesene Bücher bei mir stapeln und auf eine Rezension warten, die praktisch alle zur Kategorie „Wälzer“ gehören, weswegen es auch noch nicht sechs oder mehr sind, u. a. der neue Schätzing-Roman, ich wollte es nur mal gesagt haben, aber ich komme zwar dazu, diese Bücher zu lesen, aber nicht dazu, über sie auch zu schreiben.

Aber nicht nur hinsichtlich neuer Beiträge sollte ich mich meinem Blog zeitnah mal widmen, aber auch dafür reicht gerade die Zeit nicht. Es ist also Geduld gefragt. So what! OMG, ich verfalle schon ins Englische. OMG, ich benutze „OMG“! Wahrscheinlich ist mein Hirn durch die Hitze bereits arg angeschlagen. Überhaupt, diese Hitze! Diese Hitze lähmt mich ein wenig, was der Erledigung der o.g. Dinge zusätzlich im Wege steht. Und dass ich mich gestern mehrere Stunden in Ken Follett gekrallt habe – bildlich gesprochen -, war auch eher hinderlich.

Nun, wie dem auch sei, da mein literarischer Content (DA! Schon wieder!) derzeit auf Eis liegt (der Glückliche!), widme ich mich aber wenigstens bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Und da ja bald schon wieder Freitag ist – doch, doch, wartet ab, das geht rasend schnell -, und dann eine weitere Ausgabe auf mich zukommt, widme ich mich erst mal den von mir versäumten Ausgaben, diesmal der von letztem Freitag. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was würdest Du Dein 10 Jahre älteres Ich fragen, wenn Du könntest?

Na, wahrscheinlich so etwas wie:

„Wie kommt es, dass Du immer noch so unfassbar gut aussiehst?“

oder:

„Wie verkaufen sich Deine Bücher!“

oder

„Wie läuft Deine Ehe mit Alexandra Maria Lara?

Nein!

Wahrscheinlich würde ich voller Besorgnis fragen:

„Sag mal, ist der Seehofer noch Innenminister? Und welche Ministerien gehören der AfD?“

2.) Was tust Du, wenn Du warten musst? (Auf den Bus, auf eine Verabredung etc.)

Ich starre! Dabei vermeide ich aber einerseits, auf Menschen zu starren – wobei ich das vorhin tatsächlich getan habe, ohne es längere Zeit selbst zu bemerken, was mir ein wenig unangenehm war, aber es gibt offensichtlich Menschen, die sind (m)eines bewundernden Anstarrens wert, aber lassen wir das, das gehört jetzt nicht hierher – andererseits starre ich auch nicht auf den allgegenwärtigen elektronischen Begleiter, wie das die meisten meiner Mitmenschen tun. Nein, ich starre, ganz analog, auf Buchseiten.

Tatsächlich habe ich praktisch immer etwas zu lesen dabei, denn warten gehört außerdem zu den Dingen, mit denen ich so gar nichts anfangen kann.

3.) Auf welchen Aspekt des Erwachsenseins hast Du Dich als Kind gefreut, der sich als doch nicht so großartig herausstellte?

Länger aufbleiben dürfen! Ich kann mich erinnern, meinen Eltern das eine oder andere Mal die Erlaubnis herausgenörgelt zu haben, noch die zweite Halbzeit eines Fußball-Länderspiels ansehen zu dürfen.

Jahrzehnte später hat sich herausgestellt, wozu länger aufbleiben dürfen führt: Zu Schlafmangel! Und Schlafmangel wird eindeutig unterbewertet! Schlafmangel ist mein Erzfeind! Und gerade heute kämpfe ich wieder mit ihm. Er führt etwa 3:0, aber wir befinden uns auch noch in der ersten Halbzeit …

4.) Die Wahl der Qual: Während eines wichtigen, ernsten Termins einen Lachanfall bekommen oder lauten Schluckauf in der leisen Bibliothek?

Erfahrungsgemäß empfinde ich Schluckauf als recht unangenehm und ich erinnere mich an so zwei-, dreimal als ich selbigen über einen recht langen Zeitraum hatte, was irgendwann nicht gut fürs Nervenkostüm ist. Außerdem weiß ich bis heute nicht, wie man ihn aktiv beenden kann. Wirksame Vorschläge werden dankend entgegengenommen.

Ein Lachanfall dagegen ist gut fürs Immunsystem und irgendwann müssen wahrscheinlich alle mit lachen, was den Rest des Termins zu einem Selbstläufer machen dürfte.

 

So, das war es für heute. Ich wünsche euch allseits einen schönen restlichen Dienstag.

Gehabt euch wohl!

 

Freitagsfragen ausm Urlaub # 42

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich gebe zu, am vergangenen Freitag die aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog verpasst zu haben. Wobei „verpasst“ nicht das richtige Wort ist, ich habe sie eher ausgelassen. Zum Einen, weil ich ohnehin schon Freitagsfragen während meiner kurzen Blog-Abwesenheit verpasst habe, die es nachzuholen gilt, zum Anderen, weil ich im vollen Bewusstsein der Tatsache, ein sehr, sehr anstrengendes, wenn auch schönes Pfingstwochenende vor – mittlerweile hinter – mir zu haben, mich einfach mal nicht mit bloggen beschäftigt habe.

Nun aber habe ich Zeit und Muße, mich – wenigstens in Kurzform – mit den Freitagsfragen auseinanderzusetzen, denn: Ich habe in dieser Woche Urlaub! Yay! Im Grunde genommen fünf Tage voller Nichtstun! Wer mich in dieser Zeit anruft – ein paar zauberhafte Personen sind davon explizit ausgenommen (quod erat demonstrandum) -, muss sich nicht wundern, wenn er oder sie sich meinen Unmut zuzieht, wenn er oder oder sie etwas von mir möchte. – Ich gendere schon wieder, warum tue ich sowas!? ;-)

Der lange Rede kurzer Sinn: Los geht es mit den Freitagsfragen, allerdings denen vom 04. Mai 2018, die vom letzten Freitag versuche ich irgendwann bis zum nächsten Freitag dazwischenzuschieben. :-)

1.) Was kannst Du sehr gut?

Das sollen, ehrlich gesagt, andere beurteilen. Ich gehöre zu den Menschen, die von sich behaupten, vieles ein bisschen, aber nichts richtig zu können. Ich würde das auch gerne näher ausführen, eigentlich ist mit dem zweiten Satz aber schon alles gesagt.

2.) Was kannst Du nicht so gut, tust es aber trotzdem?

Meinen Job! ;-) Nein, ganz ehrlich, es kommt mitunter vor, dass ich wirklich diesen Eindruck habe. Mein Job besteht im Kern daraus, die Fehler anderer Menschen aufzuspüren und lasst Euch gesagt sein: Die Fülle an Möglichkeiten für besagte Fehler ist unerschöpflich. Und da kommt bisweilen der Gedanke: „Was mache ich hier eigentlich?“ auf.

3.) Schläfst Du gut?

Gelegentlich. ;-) Nein, mal ohne Kappes – also Unsinn -, im Grunde schlafe ich meistens ganz gut. Tue ich das nicht, gibt es dafür meistens Gründe.

4.) Die Wahl der Qual: mit Eiswasser die Zähne putzen oder mit viel zu heißem Wasser duschen müssen?

Du liebe Güte, wes Geistes entspringt diese Folter-Frage!? ;-) Nun, eigentlich habe ich es ja lieber zu warm als zu kalt, das gilt allerdings in erster Linie für Lufttemperaturen. Zu heißes, nein, viel zu heißes Wasser hat dagegen eher den Charme von Guantanamo, daher nehme ich mit freudigen die einwöchige Verwendung des Eiswassers.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch eine schöne Restwoche.

Gehabt euch wohl!

 

Freitagsfragen # 43 am Brückentag

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich heute einen Brückentag habe? Ich wollte es nur mal gesagt haben …

Dass ich trotzdem erst in den Nachmittagsstunden dazu komme, die aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog zu beantworten, dazu später mehr, oder, wie der Physiklehrer Bömmel aus der „Feuerzangenbowle“ gesagt hätte: „Dat krieje mer später!“

Vorher sei erwähnt, dass die Freitagsfragen, auch von mir gänzlich unbemerkt, da es ja noch keine 52 Ausgaben gibt, bereits am 28. April heimlich, still und leise ihren ersten Geburtstag feiern konnten. Von mir daher einen herzlichen Glückwunsch an nickel, die sich seit nunmehr über einem Jahr immer wieder aufs Neue die schönen Fragen ausdenkt!

Dass ich also erst in den Nachmittagsstunden dazu komme, die aktuellen Freitagsfragen zu beantworten, liegt mitnichten am hierzulande so weit verbreiteten Brauch, sich am gestrigen Feiertag – der eigentlich, für die Jüngeren sei das hier nochmal erwähnt, Christi Himmelfahrt heißt und nicht „Vattatach“, auch an „Halloween“ ist nicht eigentlich „Halloween“ sondern „Reformationstag“, aber was solls – bis zum Verlust der Muttersprache und anschließender Bewusstlosigkeit die Kante zu geben.

Nicht, dass ich grundsätzlich etwas dagegen hätte, mir von Zeit zu Zeit mal einen zünftig hinter die Binde zu kippen. Veranstaltungen aber, deren eigentliches und einziges Ziel dieses hinter die Binde kippen ist, sind mir allerdings zunehmend suspekt. Vermutlich würde ich auch niemals zum Oktoberfest in München gehen, selbst wenn ich nebenan wohnen würde.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich altersmäig zunehmend von der offensichtlichen Zielgruppe dieses landesweiten Besäufnisses entferne. In meiner persönlichen Wahrnehmung liegt das nicht ausschließlich daran, dass ich selbst älter werde, sondern die Teilnehmer und Innen dieser vermeintlichen Mordsgaudi, die in den allermeisten Fällen aber doch schon mittags um 12 im Tiefschlaf auf irgendeiner Wiese endet, sind irgendwie jünger geworden. Viele der hier gestern vorbeiflanierenden Partygäste schienen mir gerade mal so etwa 14 Jahre alt gewesen zu sein. Hätte ich mich im entsprechenden Alter mit einem Bollerwagen und diversen Alkholika auf den Weg ins alkoholinduzierte Nirwana begeben, wäre ich von meinen Eltern schwer gemaßregelt worden. Vorher und hinterher!  Die special snowflakes von gestern durften das aber offensichtlich.

Damit will ich gar nicht den Eindruck erwecken, als würde ich bedeutungsschwer „O tempora, o mores“ deklamieren und den Verfall der Sitten beklagen, ich bin einfach nur irritiert.

Nun, sei es, wie es sei, selbst wenn ich gestern den Entschluss gefasst hätte, mein Hirn auf die stille Treppe und meine Leber mit schwerem Knockout auf den Ringboden zu befördern, wäre daraus nichts geworden.

Spontan waren gestern nämlich Instandhaltungsmaßnahmen am heimischen Domizil zu bewerkstelligen. Müßig zu erwähnen, dass solche Sachen vorzugsweise am Wochenende oder eben an Feiertagen passieren, wenn kein Handwerker landauf, landab seinem Tagwerk nachgeht und die, die es doch tun, Zuschläge verlangen, die das Bruttoinlandsprodukt Liechtensteins übersteigen.

Besagte Instandhaltungsmaßnahmen zogen sich auch heute noch hin, sind nunmehr aber mit Erfolg beendet. Analog zum Betreuungsgeld, das man ja, sofern mein Kenntnisstand noch den aktuellen Tatsachen entspricht, bekommt, wenn man auf einen Kindergarten- oder Kindertagesstättenplatz verzichtet, denke ich nun darüber nach, die gestern und heute absolvierten Arbeitsstunden dem örtlichen Handwerker in Rechnung zu stellen, schließlich habe ich auf seine Dienste verzichtet. Das mag jetzt so klingen, als hätte dieses Ansinnen keine Aussicht auf Erfolg, das liegt vermutlich eher daran, dass es eben noch niemand versucht hat. Zur Schaffung eines Präzedenzfalls könnte ich ein Crowdfunding starten. Diesbezügliche Gedanken sind noch nicht abgeschlossen …

Nun war das oben Genannte nicht das einzige Ungemach, denn heute morgen musste ich auch noch telefonieren. Man kennt das ja, wenn man einen Tag frei hat, erledigt man das, wofür man ansonsten keine Zeit hat. In meinem Fall waren das eben diverse Telefonate, insbesondere mit Behörden.

Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie sehr ich Warteschleifen verabscheue! Die erste Warteschleife beschallte mich mit Musik, deren Lautstärke geeignet war, sofort – quasi instant, wie man so schön neudeutsch sagt – einen Tinnitus zu verursachen, dessen Ausmaße in der Geschichte der Medizin seinesgleichen sucht. Oder aber eine spontane Straßenparty des gesamten Ortsteils zu veranstalten.

Die zweite wiederum war deutlich angenehmer, begann nur leider gefühlt alle 15 Sekunden von vorne, was auf Dauer ungefähr so anstrengend war, wie sich etwa 36 Stunden am Stück „Twisted Nerve“ anzuhören. Dazu kam – ich befand mich gut 10 Minuten in besagter Warteschleife! -, dass alle etwa 3 Minuten eine Stimme erklang, die mir freundlich mitteilte, ich solle nicht auflegen, man werde sich gleich um mich kümmern. „Verdammte Axt, warum sollte ich auflegen, ich habe euch doch angerufen, will also etwas von euch!“ schoß mir sinngemäß durch den Kopf. Den freundlichen Hinweis der Stimme, ich könne auch zu anderen Zeiten anrufen übersetzte ich mit: „Alter, hier ist gerade telefonische rush-hour, verbale crunch-time, quasi! Geh doch nochmal in Dich und überlege, ob es wirklich, wirklich, wirklich niemand anderen gibt, den Du mit Deinem belangslosen Mist behelligen kannst, hier nervst Du nämlich gerade kolossal!“

Insgesamt verbrachte ich heute morgen dann mehr Zeit in Warteschleifen als im Telefongespräch. Den Verantwortlichen sei an dieser Stelle gesagt, dass ich diese Zeit nie wieder kriege!

Wo war ich? Ach ja, Freitagsfragen! Schreiten wir zur Tat, Fragen und Antworten lauten:

1.) Was wäre das am wenigsten geeignete Essen, das man pürieren und durch den Strohhalm essen könnte?

Eigentlich ist meiner Meinung nach kein Essen zum Pürieren und durch den Strohhalm essen geeignet. Wenn ich im Fernsehen immer Köche – dort übrigens immer als „Profi-Köche“ bezeichnet, was für mich die Frage aufwirft, ob es auch „Profi-Fliesenleger“ oder „Profi-Tischler“ gibt, denn Handwerk ist Handwerk – sehe, die eine veritable Suppe zusammenkochen, aus 72 verschiedenen Zutaten mit einem Wareneinsatz von 249 Euro pro Portion, nur damit diese dann „schön durchpassiert“ oder „schön gemixt“ wird, dann blutet mir das Herz. Diese Leute möchte ich dann immer mit meiner Schnabeltasse bewerfen!

Wenn ich mir aber partout etwas aussuchen soll, dann muss ich als bekennender Fleischesser …

*shitstorm incoming in 3…,2…,1…*

… natürlich sagen, dass quasi jede Art von Fleischgerichten ganz besonders ungeeignet für den barbarischen Vorgang des Pürierens ist.

2.) Was muss dringend modernisiert werden?

Warteschleifen! Wenn ich bemerke, dass ich am Telefon einen größeren Ansturm habe, als meine Mitarbeiter in adäquater Zeit bewältigen können, sollte ich personell aufstocken. Dass man das offensichtlich nicht tut, nirgendwo, irritiert mich.

Ansonsten fallen mir viele Dinge für Modernisierungen ein. Schulen zum Beispiel. Eigentlich das ganze Schulsystem. Dass in der Hinsicht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, erschließt sich mir nicht. Aber das ist ein weites Feld und würde zu weit führen.

Was noch? Hm, das Bundesteilhabegesetz, die DSGVO, das Steuerrecht, der tote blonde Iltis auf dem Haupte von Donald J. Trump und vieles, vieles mehr.

3.) Welche ungewöhnlichen Orte hast Du besucht?

Darüber habe ich jetzt lange nachgedacht, mir fällt aber keine wirkliche Antwort ein. Der alte Mann verlässt ja kaum noch das Bundesland. *seufz*

4.) Die Wahl der Qual: Einen komplett zufällig gewählten neuen Kreis aus Freunden und Familie oder einen zufälligen neuen Namen, Job und Wohnort?

Einen neuen Freundeskreis? Ich habe Jahrzehnte für meinen jetzigen gebraucht, den ich für nichts und niemanden in der Welt eintauschen würde. Weder im Ganzen, noch was einzelne Personen angeht. Lieber habe ich einen neuen Namen oder ziehe nach Bielefeld oder gehe in ein Zeugenschutzprogramm oder was auch immer!

 

Das wars!

Ich wünsche allseits schon mal einen guten Start in ein schönes Wochenende. Und sollten sich HSV-Fans unter meiner Leserschaft befinden: Alles wird gut! :-)

Gehabt euch wohl!

Mittwochsfragen # 41 am Freitag – oder so …

Freitagsfragen_Logo

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

wie bereits gestern erwähnt, habe ich mit vorgenommen, die während meiner Abwesenheit stattgefundenen Freitagsfragen nachzuholen, einfach der Vollständigkeit halber. Deshalb folgen nunmehr die Fragen, die im Brüllmausblog am 27.04.2018 gestellt wurden, nebst den dazugehörigen Antworten. Die Fragen lauten:

1.) Kannst Du gut erklären?

In der Berufsschule – in grauer Vorzeit, als in weiten Teilen des Landes noch vorzugsweise mit D-Mark bezahlt wurde -, sagte mein AWL-Lehrer immer sinngemäß: „In der Allgemeinen Wirtschaftslehre ist die Antwort auf fast jede Frage zunächst mal „Das kommt darauf an“!“ Und so verhält es sich gefühlt auch mit den Freitagsfragen, da gilt das nämlich auch sehr häufig.

Und so lautet eben auch hier die Antwort: Das kommt darauf an! Und zwar auf das Themengebiet einerseits – in beispielsweise die Literatur betreffenden Fragen bin ich naturgemäß etwas besser als in solchen zur Astrophysik – und andererseits auf den, dem ich etwas erkläre. Das stoischste Gemüt und die ausgefeiltesten rhetorischen Fähigkeiten, gepaart mit einer unglaublichen Gabe, andere Menschen zu motivieren, bringt nichts, wenn das Gegenüber Dich ansieht, wie Beatrix von Storch ein komplexes Uhrwerk.

Allgemein glaube ich allerdings schon, dass ich Dinge gut erklären kann. Wenn ich mich – zumindest nach meiner eigenen Selbstwahrnehmung – mit einem Thema besonders gut auskenne, besteht sogar die Gefahr, dass ich ins Dozieren gerate und mich in endlosen Monologen verliere, während das Gegenüber langsam abdriftet und sich eine gewisse Leere ins Gesicht schleicht, die man ebenfalls von Frau von Storch kennt.

2.) Bist Du geduldig?

Muhahaha ….

Nein! Wobei – eigentlich könnte man auch hier sagen: Das kommt darauf an! Im Umgang mit Menschen beispielsweise halte ich mich für sehr geduldig. In anderen Bereichen allerdings weniger. Das Verkabeln eines PCs? Die Hölle! Das Anschließen einer Stereo-Anlage? Potenzielle Ursache für einen mittelschweren Blutrausch! Im Grunde bin ich bei allem, was mit Kabeln, oder aber einem Verbrennungsmotor ausgestattet ist, ebenso kompetenzlos wie ungeduldig. Diese Geräte müssen nach dem Anschließen bzw. Starten funktionieren. Tun sie es nicht, verliere ich seeehr bald die Fassung. Für „plug and pray“ statt „plug and play“ ist mein Nervenkostüm nicht ausgelegt!

Sagt man heute eigentlich noch Stereo-Anlage?

3.) Dein Chef möchte, dass Du Dir 20 Stunden Deiner Arbeitszeit des nächsten Monats nimmst, um etwas Neues zu erlernen. Was lernst Du?

Ich setze jetzt einfach mal voraus, dass das, was ich in diesen 20 Stunden lerne, nichts mit meiner jetzigen Tätigkeit zu tun haben muss, ja!?

Dann gibt es da mehrere Möglichkeiten.

Vielleicht würde ich einen Mechatroniker-Crashkurs machen, um zu verhindern, dass ich in Zukunft durch stümperhafte Mechaniker erneut gezwungen bin, ein Auto zu Grabe zu tragen. Und ein bisschen selbst an seinem Fortbewegungsmittel schrauben können, schadet ja eigentlich nie.

Oder aber ich würde mich nochmal in die Uni setzen, um mir ein paar Geschichte-Vorlesungen zu bisher vernachlässigten Themengebieten zu gönnen. Mittelalterliche Landesgeschichte. Renaissance. Irgendwie so was. Einfach nur aus Interesse.

Oooder aber, ich belege einen Crash-Kurs im Bereich Kreatives Schreiben, mache mich dann auf, um mit meinem rudimentären Rüstzeug den epochalen Roman „Friss meine Shorts“ zu Papier zu bringen, kaufe vom Erlös die Werkstatt des oben erwähnten stümperhaften Mechanikers, nur um sie sofort zu schließen und alle Mitarbeiter zu entlassen, bis eben auf den besagten Mechaniker, den ich in die Werkstatt verfrachte, wo er fürderhin für alle Zeiten zu verbleiben hat, was ich dadurch gewährleiste, dass ich ihm mein Auto in den Weg stelle; in etwa 3.000 Jahren werden Archäologen Aufzeichnungen finden, die sie in den Bereich der Mythologie verweisen, und die die Strafe des armen Mechanikers zum Thema haben, der für alle Zeiten versucht, ein Auto aus der Garage zu schieben, dass ihm aber immer wieder kurz vorm Ziel entgleitet, sodass er wieder von vorne anfangen muss.

4.) Die Wahl der Qual: Quälende Müdigkeit während eines wichtigen Termins oder stündlich aufwachen während der nächsten Nacht?

Da ziehe ich doch lieber das stündliche Aufwachen vor. Darin habe ich in der jüngeren Vergangenheit, und auch sonst immer mal wieder, genügend Erfahrungen gesammelt, um den folgenden Tag trotz allem halbwegs schadlos zu überstehen.

 

Das soll es an dieser Stelle gewesen sein. Ich wünsche allseits noch ein schönes „Bergfest“.

Gehabt euch wohl.