abc.Etüden KW 15/16 VI

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nein, mangelnde Produktivität bezüglich der von Christiane organisierten abc.Etüden kann man mir im Moment wirklich nicht vorwerfen. Und da sich mir gerade die Gelegenheit kurzer Prokrastination bietet, nutze ich selbige zu einem kleinen Laune-Verderber in Etüden-Form. Muss auch mal sein. Die Wortspende kommt übrigens von Veronika.

 

 

Die beiden Jungen, etwa 15 Jahre alt, sitzen an der Bushaltestelle und warten auf den Bus. Einer der beiden spielt ein kurzweiliges Handyspiel, der andere surft ziellos durchs Internet.

Etwa drei Meter entfernt steht ein älterer Herr – die 80 hat er wohl schon deutlich überschritten -, modisch gekleidet mit Stoffhose und kurzärmligem Hemd, und trägt augenscheinlich einen Beutel mit Tulpenzwiebeln.

„Ey, heute ist Internationaler Tag des Tattoos“, sagt der Internet-Surfer.

„Echt?“ erwidert sein Freund. „Ich wollte mir ja auch immer schon mal ein Tattoo stechen lassen. Aber meine Mutter erlaubt es nicht.“

„Meine auch nicht. Aber sobald ich 18 bin, mache ich das. Voll groß, nur um meine Mutter zu ärgern.“

Die beiden lachen, der ältere Herr wirkt etwas nervös und verschränkt die Unterarme vor der Brust.

Der Blick des Handy-Spielers fällt auf den älteren Herrn und auf dessen Unterarme.

„Krass. Sie haben ja auch ein Tattoo. Darf ich mal sehen?“

„Lieber nicht!“, gibt der Man einsilbig zurück.

„Och, bitte!“ bettelt der Junge.

Der ältere Herr flucht innerlich und gibt dann nach.

„Krass. Das sind ja Zahlen. Ist das so was wie ein Code?“ fragt der Junge.

„Gewissermaßen. Ihr habt beide keine Ahnung, was diese Tätowierung bedeutet?“, fragt er und bezieht den Internet-Surfer in das Gespräch ein.

„Nö!“, antworten beide wie aus einem Mund. „Was soll denn das sein?“ fragt der Spieler.

Der Mann seufzt.

„Wie alt seid ihr beide denn?“

„15!“

„Na, dann …“, sagt der ältere Herr, lässt seine Erinnerungen auferstehen und beginnt zu erzählen.

Kurz danach kommt der Bus an der Haltestelle ein. Niemand steigt an dieser Haltstelle ein.

 

256 Wörter.

 

Den Anlass zu dieser Etüde gab die fälschlicherweise verbreitete Information, dass heute der „Internationale Tag des Tattoos“ sei. Dieser ist allerdings nicht am 17.04., sondern am 14.07., aber das sei hier nur am Rande erwähnt.

Spontan musste ich bei dieser Meldung an ein gestern gelesenes Interview in der „Zeit“ mit Gabriel Bach, dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt im Prozess gegen Adolf Eichmann denken. Ein Interview, dessen Lektüre ich übrigens jedem wärmstens empfehle, auch wenn man viele Dinge liest, die man besser nie erfahren hätte. Oder gerade deswegen. Ein Interview, das ich, im PDF-Format auf USB-Sticks gezogen, jedem „Vogelschiss“-Politiker sowie dessen Entourage ans Ohrläppchen tackern möchte. Aber alles, was Spaß macht, ist ja leider verboten.

Im Zusammenhang damit kramte mein Gedächtnis die Information aus dem Jahr 2017 hervor, dass laut Angaben des „Spiegel“ nur noch 47 Prozent der Schüler zwischen 14 und 16 wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg war. Ich bin im mathematischen Bereich nicht sonderlich gut, aber wenn mich nicht alles täuscht, sind 47 Prozent weniger als die Hälfte. Wie man das findet, überlasse ich jedem Einzelnen.

Von da an jedenfalls war es nicht mehr weit, bis zur Etüde.

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„Dir auf der Spur“ von Mark Edwards – Was lange währt …

Buch: „Dir auf der Spur“

Autor: Mark Edwards

Verlag: Edition M

Ausgabe: Taschenbuch, 411 Seiten

Der Autor: Mark Edwards ist ein Meister des psychologischen Thrillers. Er ist beeinflusst durch Autoren wie Stephen King, Ira Levin, Ruth Rendell, Ian McEwan, Val McDermid und Donna Tartt.
Zurzeit ist er hauptberuflich als Schriftsteller tätig. Davor hat er zum Beispiel Kundenbeschwerden bei einer Eisenbahngesellschaft angenommen, Englisch in Japan gelehrt und auch als Marketing-Direktor gearbeitet.
Er lebt mit seiner Freundin, drei Kindern und einer Katze in den West Midlands. (Quelle: Amazon)

Das Buch: Es sollte die letzte Reise ihres Lebens werden, das letzte Abenteuer, bevor Daniel und Laura eine Familie gründen wollten. Doch im Nachtzug durch Rumänien werden sie bestohlen und an einem entlegenen Bahnhof ausgesetzt. Mitten im Nirgendwo gelangen sie zu einem verfallenen Haus. Was sie darin entdecken, lässt ihr Blut gefrieren …

Zurück in London schwören sie sich, dass sie niemals darüber reden werden, was in jener Nacht passiert ist. Doch das Erlebte ist zu schrecklich, um es zu vergessen. Schlimmer noch: Das Grauen scheint ihnen dicht auf den Fersen zu sein. In Daniels Wohnung wird eingebrochen, Freunde sterben auf mysteriöse Weise. Und damit fängt der Albtraum gerade erst an. (Quelle: Klappentext)

Fazit: Dass ich „Dir auf der Spur“ überhaupt in Händen hielt, ist das Ergebnis einer längerfristigen Geschichte voller Schwierigkeiten, die in voller Länge hier überhaupt nicht rekapituliert werden soll. Es sei nur so viel gesagt: Ursprünglich hatte ich das Buch bei einer Verlosung im Blog von Myna mal gewonnen, es kam nur leider nie bei mir an. Und weder Myna noch ich konnten etwas dafür. Letzten Endes ist es nur Mynas Beharrlichkeit, Einsatz und Engagement zu verdanken, dass es Edwards Thriller zu mir geschafft hat. Daher an dieser Stelle ein ganz, ganz herzliches Dankeschön!

Ich bin ja in letzter Zeit ein wenig vom Thriller-Genre abgekommen, weil es mir zunehmend zu blutig und gewalttätig wurde. Und auch Edwards Thriller hat es diesbezüglich in einigen Szenen in sich. Wer Charaktere erwartet, die Blumengirlanden tragen und Kumbaya singend ums Feuer tanzen, ist hier falsch. Dennoch setzt der Autor solche Szenen eher dosiert ein. Viel mehr gelingt es Mark Edwards, Spannung durch seine Erwählweise zu erzeugen. Wenn die Protagonisten Laura und Daniel, zusammen mit der rumänischen Zufallsbekanntschaft Alina, fernab von allem durch dunkle rumänische Wälder streifen, dann weht ein Hauch von „Blairwitch Project“ durch das Buch. Und insbesondere das achte Kapitel gefiel mir in erzählerischer Hinsicht besonders gut, was vor dem Hintergrund, dass es lediglich 49 Wörter und 7 Zeilen umfasst, seltsam klingen mag, dessen bin ich mir bewusst. Kurz gesagt, die Spannung in seinem Roman ist in erster Linie überwiegend psychologischer Natur.

Die beiden Protagonisten Laura und Daniel gewinnen keine Literaturpreise, aber sie erfüllen ihren Zweck. Wenn der Bezug, den der Leser zu Charakteren aufbaut, ein Qualitätskriterium darstellt, dann muss gesagt sein, dass ich diesen Bezug aber allerhöchstens zu Daniel aufbauen konnte. Sowohl seine Handlungen als auch eine gewisse Entwicklung im Buch sind nachvollziehbar. Er stellt sich den traumatischen Erlebnissen, die beide durchgemacht haben und beginnt eine Therapie.

Laura dagegen driftet sehr bald in einen zombieartigen „Ich-sehe-tote-Menschen“-Modus ab, der zwar gruselig, aber eben auch ein wenig befremdlich wirkt.

Die Handlung ist eine dieser Handlungen, die einen für den Moment gut unterhält, von der man aber in 12 Monaten auf keinen Fall mehr sagen könnte, worin sie bestand. Und das ist auch gar nicht schlimm. Ein Thriller sollte in erster Linie spannend sein und das ist „Dir auf der Spur“ auch. Darüber hinaus kann das Buch mit der einen oder anderen wirklich, wirklich unerwarteten Wendung überzeugen, ohne es im Stile eines Sebastian Fitzek am Ende nochmal übertreiben zu müssen. Bei allem Respekt vor Herrn Fitzek.

Sollte also irgendwann im nächsten Jahr mal mein Blick auf dieses Buch fallen, werde ich mit Sicherheit nicht mehr wissen, worum genau es darin nun ging. Aber für den Moment hat es mir gut gefallen, weil es halt einfach das richtige Buch für den richtigen Augenblick war. Und das ist doch auch schon mal etwas.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ich bringe Dir die Nacht“ von Catherine Ryan Howard.

abc.Etüden KW 15/16 V

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich halte mich mal wieder nicht lange mit Vorreden auf. Verantwortlich für die Etüden ist Christiane, die mir immer besser gefallende Wortspende kommt von Veronika. Auf geht’s.

 

„Du bist immer noch schlecht drauf?“

„Schon wieder!“

„Aber diesmal hat es mit Tulpenzwiebeln zu tun?“

„Sei nicht albern. Nein, mit Notre-Dame.“

„Oh ja, schlimme Sache.“

„Stimmt, aber irgendwann wird das Gebäude auferstehen aus Ruinen – hat woanders auch geklappt. Aber es ist nicht nur der Brand als solcher, der mich beschäftigt.“

„Nämlich was noch?“

„Der Brand konnte quasi live auf den YouTube-Kanälen etlicher Fernsehsender verfolgt werden.“

„Na ja, das ist Live-Berichterstattung.“

„Ja, aber in den USA wurden bei den Livestreams „Information Panels“ eingeblendet.“

„Und das sind …“

„Das hat YouTube vor nicht allzu langer Zeit eingeführt: Wenn jemand ein Video sucht, zu dem viele Falschmeldungen im Umlauf sind, dann blendet YouTube in den „Information Panels“ Hinweise darauf ein und verlinkt mit – mehr oder weniger – verlässlichen Informationsquellen. Und im „Information Panel“ zum Notre-Dame-Brand nahm das „Panel“ Bezug auf die Anschläge vom 11. September.“

„Eiiiii …“

„Japp.“

„Mit anderen Worten, YouTube hielt die Livebilder möglicherweise für den Bestandteil einer Desinformationskampagne?“

„Möglicherweise, ja.“

„Das ist … eiiii…“

„Tja, für den Algorithmus sind, so war zu lesen, zwei Türme wohl in erster Linie zwei Türme. Und ob die in den USA, Frankreich oder Mittelerde stehen, macht da wohl kaum einen Unterschied.“

„Eiiii…“

„Das sagtest Du schon. Eigentlich würde ich es ganz kurzweilig finden, wenn ich nicht wüsste, dass ähnliche Algorithmen schon in naher Zukunft darüber entscheiden sollen, was wir hochladen dürfen und was nicht. Fünf bis zehn Jahre, so sagt der Sportsfreund Zuckerberg im letzten Jahr, dürfte es wohl noch dauern, bis ein Algorithmus wirksam „fake news“ erkennt. Die Urheberrechtsrichtlinie der EU muss aber innerhalb der nächsten zwei Jahre in nationales Recht gegossen werden. Und wenn wir mal davon ausgehen, dass die zuständigen Algorithmen ähnlich leistungsstark bis humorvoll sind, wie dieser hier, dann …“

„… leben wir in interessanten Zeiten.“

„Verstehst Du jetzt, warum ich nicht gut gelaunt bin?“

„Ja.“

 

abc.Etüden KW 15/16 IV

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mein katastrophales Zeitmanagement – sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt von Management sprechen kann – lässt derzeit weiterhin keine neuen Rezensionen zu. Aber Etüden gehen ja eigentlich immer und geben mir außerdem die Gelegenheit, immer mal wieder über das aktuelle Tagesgeschehen zu mäkeln. Das tue ich ja gerne und exakt dafür scheine ich das Format gerade zu entdecken. :-) Verantwortlich für die Ausrichtung der Etüden zeichnet weiterhin Christiane, die Wortspende für den Rest der Woche kommt von Veronika.

 

„Was ist Dir denn passiert? Du siehst aus, als hättest Du eine Tulpenzwiebel verschluckt.“

„Das sagst Du nur, damit es im Text steht!“

„Stimmt, aber fand die Idee ganz kurzweilig.“

„Du tust es schon wieder!“

„Mensch, es wird Zeit, das Deine Laune aufersteht …“

„Und wieder! Lass das!“

„Na gut – aber mal ernsthaft: Was ist los?“

„Ich ärgere mich, das ist los.“

„Hat denn die Idee mit Eschweiler in London nicht geklappt?“

„Nicht so wirklich. Als ich anrief, war er von der Idee nicht begeistert. Also bin ich hingefahren und …“

„Ja?“

„Na, die einstweilige Anordnung hängt da eingerahmt an der Wand. Ich darf mich Herrn Eschweiler nicht mehr auf weniger als 100 Meter nähern. Hör auf zu lachen!“

„Entschuldige – und das beschäftigt Dich also?“

„Weniger. Mich beschäftigt eher, dass das Verfassungsgericht heute über das Wahlrecht von betreuten Behinderten schon zur Europawahl entscheidet.“

„Ja, aber das ist doch eigentlich eine gute Sache. Uneigentlich auch.“

„Natürlich, aber offensichtlich sieht das nicht jeder so. Hier, auf der Website des MDR fragt jemand, ob es denn verfassungskonform sei, dass die Betreuer nun „de facto“ zwei oder mehr Stimmen hätten. Das lasse man sich „auch nicht wegargumentieren“.“

„Hart.“

„Japp. Der Nächste stellt die Vermutung an, dass durchaus klar sei, dass die Stimmen der über 80.000 Betroffenen wohl an die Parteien gehen, die den entsprechenden Antrag gestellt haben und fordert deshalb „internationale Wahlbeobachter“.“

„Ich …“

„Oder hier, sinngemäß, in der „Zeit„: Leicht zu beeinflussende Menschen sollten nicht wählen dürfen!“

„Ha! Andererseits –  dann hätte die AfD kaum Stimmen …“

„Mich kotzt das nur noch an. Da bekommt eine ganze Gruppe von Menschen ein Grundrecht zugesprochen und andere Menschen meckern auf die ekelhafteste Art darüber, obwohl es sie weder betrifft, noch einschränkt noch sonst was.“

„Tja …“

„Weißt Du, manchmal glaube ich, das Leben könnte ganz schön sein – wenn da nicht die Menschen wären.

 

300 Worte.

 

 

 

Freitagsfragen # 77

Freitagsfragen Frühling.jpg

Yaaaaay!

Ähm, ich meinte: Hallo, liebe Leserinnen und Leser!

Wobei, nein, eigentlich meinte ich tatsächlich: Yaaaaay!

Die Freitagsfragen im Brüllmausblog drehen nach einer kurzen diesbezüglichen Durststrecke eine neue Runde. An dieser Stelle ein Hoch auf und einen herzlichen Dank an die eifrige Freitagsfragenspenderin. „Freitagsfragenspenderin“ gibt übrigens bei „Scrabble“ 34 Punkte, was gemessen an der Wortlänge etwas wenig erscheint. Fragt nicht. Lassen wir das.

Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Gehst Du gerne in Museen?

Darauf kann ich nur wieder mit dem typischen „Das kommt darauf an“ antworten.

Es gibt Museen, die würde ich gerne besuchen. Nur leider gibt es dir hier in meiner heimischen Pampa nicht.

Das einzige Museum meiner kleinen Heimatstadt ist ein „Museum für Bergbau- und Stadtgeschichte“, weil man hier, man glaubt es kaum, in der Zeit zwischen etwa 1386 und 1960 (nur um meiner Eigenschaft als verhinderter Historiker mal wieder nachzugehen und damit ihr hier auch endlich mal was lernt) Bergbau, sprich Kohleförderung, betrieben hat.

Angesichts des fast schon erotischen Verhältnisses, das unser Verkehrsminister Scheuer zu den fossilen Brennstoffen und – vor allem – zu ihren Erzeugerfirmen hat, erwarte ich auch quasi stündlich, dass man die Förderung hier wieder aufnimmt. Spätestens jedenfalls dann, wenn man so etwas wie ein Fracking-Verfahren für Kohle entwickelt hat. Und das kann nicht mehr lange dauern.

Schließlich wird ja, wann immer man auf Themen wie Klimawandel und erneuerbare Energien kommt, darauf hingewiesen, dass man doch auch bitte an die Arbeitsplatzsicherheit der in der Braunkohleförderung Beschäftigten denken müsse, meistens mit der Dramatik einer Helen Lovejoy aus dem „Simpsons“, die da sagte: „Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?

Tja, nur ist es mittlerweile ja glücklicherweise so, dass diese Kinder selbständig denken und deshalb auf die Straße gehen. Auch weil sie wissen, dass die Zahl der in der Braunkohleförderung und -veredelung Beschäftigen von etwa 13.700 im Jahr 2010 auf etwa 12.900 im Jahr 2016 gefallen ist (Angaben von „Spiegel Online„), während die Anzahl der im Bereich Photovoltaik Beschäftigten im selben Zeitraum von etwa 133.000 auf etwa 32.000 zurückgegangen ist (Angaben von „statista„)

Aber hey, man muss halt Prioritäten setzen …

Hach, von Museen zur Klimapolitik, das muss man mir erst mal nachmachen. Zurück zu den Museen:

Dann gibt es da noch Museen, die einfach außerhalb meines Interessengebietes liegen. So habe ich beispielsweise mal im Hamburger „Museum für Kunst und Gewerbe“ einen Einkaufswagen gesehen, den man aufgeschnitten und auf eine Spanplatte genagelt hatte. Das war dann Kunst … Und so etwas erschließt sich mir halt einfach nicht, dafür reicht mein intellektueller Horizont nicht aus.

Ohnehin habe ich keinen großen Bezug zur bildenden Kunst. Ich kann anerkennen, dass diese eine sehr viel unmittelbarere Reaktion beim Betrachter hervorruft als es beispielsweise die Literatur könnte, weil der Aspekt des Lesens und Verstehens wegfällt, es kommt nur leider vor, dass manche Kunstwerke so gar keine Reaktion bei mir hervorrufen. Oder bestenfalls befremdliche Irritation. Wobei eine ganz, ganz zauberhafte Person mal sinngemäß gesagt hat, dass das auch wieder eine Form von Reaktion sei, das entsprechende Kunstwerk somit seine Aufgabe erfüllt habe.

Bleiben letztlich die Museen mit Inhalten, die mich interessieren würden. Jedenfalls theoretisch. Malerei zu Beispiel. Da kehren wir aber wieder zum Ausgangspunkt zurück. So etwas gibt’s hier nicht.

2.) Sofern Du bei guter Gesundheit bist, wie möchtest Du im Rentenalter leben?

In Hugh Hefners „Playboy Mansion“! :-) Ach, WIE lautete die Frage, nicht WO …

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung der jüngeren bis mittleren Vergangenheit habe ich die revolutionäre Erkenntnis gewonnen, dass Gesundheit als solche ein fragiles Gut ist, das es zu bewahren gilt und für das man dankbar sein sollte, so lange man es hat, denn ohne entsprechende Gesundheit ist alles Mist. Insofern denke ich gar nicht so weit.

Mir würde es reichen, wenn es im Rentenalter noch gedruckte Bücher gäbe, damit man mich nicht auf meine alten Tage noch zu einem dieser Reader zwingt. Das wäre fatal!

3.) Welche „kleinen Dinge“, Gefälligkeiten, Aufmerksamkeiten sind Dir in einer Partnerschaft wichtig und welche gibst Du?

All die Dinge, die ich in jedem zwischenmenschlichen Verhältnis außerhalb von Partnerschaften auch als wichtig erachten würde. Eines dieser Dinge steckt schon in der Ausgangsfrage: Aufmerksamkeit!

Das mag banal klingen, aber ich finde es wichtig, beispielsweise in Gesprächen, dem, was mein Gegenüber sagt, eine gewisse Aufmerksamkeit entgegenzubringen, ohne mir während der Hälfte des Gesagten bereits Gedanken darüber zu machen, was ich denn nun gleich sagen könnte. Und ich kenne durchaus Menschen, denen ich ansehe, dass ich Aufmerksamkeit gerade schwindet, eben weil sie sich bereits mit ihrem nächsten Gesprächsbeitrag beschäftigen.

4.) Die Wahl der Qual: Ins schwarze Loch fallen oder von der Erdkante rutschen?

Erdkante? Wo soll die sein, kurz hinter Olpe im Sauerland? :-)

Nun, da ich davon ausgehe, dass mit dem schwarzen Loch das astronomische gemeint ist und nicht das emotionale, in das man ja durchaus auch mal gelegentlich fallen kann, würde ich das schwarze Loch wählen, weil durchaus mal spannend wäre, zu erfahren, was sich hinter dem Ereignishorizont befindet. Okay, das würde ich nicht mal ansatzweise überleben, aber hey: Take it for the Team!

Auch wenn das emotionale schwarze Loch gemeint ist, würde ich dieses der Erdkante übrigens vorziehen.

Echt mal: Erdkante!

:-)

 

Damit wünsche ich allseits einen schönen Restfreitag.

Gehabt euch wohl.

abc.Etüden KW 15/16 III

Guten Morgen. liebe Leserinnen und Leser,

angeregt von, sagen wir tagesaktuellen Ereignissen, konnte ich nicht umhin, eine weitere Etüde zusammenzuklöppeln. Die Wortspende für die weiterhin von Christiane organisierten Etüden stammt natürlich wieder von Veronika.

 

 

„Worüber lachst Du?“

„Na hier!“, sagte er und deutete auf die Zeitung. „Sehr kurzweilige Unterhaltung.“

„Tulpenzwiebeln im Sonderangebot? Hmm, wer kauft denn zu dieser Zeit …?“

„Nicht da, weiter oben!“

„Ach, das Latexkleid von Dorothee Bär. Also ich finde ja, wer´s tragen kann …“

„Nein, verdammt, hier! Verlängerung für den Brexit bis zum 31. Oktober!“

„Ach so – ja, und?“

„Und? Am 31. Oktober werden die Briten fast dreieinhalb Jahre Zeit gehabt haben, ihren Austritt zu bewerkstelligen. Im ähnlichen Zeitraum zwischen 2004 und 2007 sind im Rahmen der beiden Ost-Erweiterungen ganze zwölf Staaten in die EU eingetreten. Und ein einzelnes Land schafft im selben Zeitraum nicht den Austritt?“

„Zumindest haben Sie in der EU Humor …“

„Wieso?“

„Na, wenn die Briten an diesem Datum wirklich austreten, bekommt „Reformationstag“ für die EU eine ganz andere Bedeutung …“

„Das stimmt natürlich. Aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Im schlimmsten Fall wird Großbritannien nach dem 31. Oktober immer noch drin sein und als eine Art EU-Zombie auferstehen.“

„Ebenfalls passend – am 31. Oktober ist auch Halloween …“

„Wohl wahr. Aber mal im Ernst – das ist doch politische Prokrastination, was die Briten da treiben. Das Parlament sagt immer nur, was es nicht will.“

„Tja, und nun?“

„Schicken wir Walter Eschweiler als Attaché des deutschen Botschafters nach London ins Parlament!“

„Bitte? Ja, und dann?“

„Dann wird er die Abgeordneten im Parlament fragen: „Wollt ihr einen geordneten Brexit? – „Neeeein!“

„Ich ahne, worauf das hinausläuft …“

„Wollt ihr einen harten Brexit? „Neeeein!“

„…“

„Wollt ihr ein neues Referendum?“ „Neeeein!“

„…“

„Wollt ihr in der EU-bleiben?“ „Neeeein“

„Und dann wird er sie fragen, was sie dann wollen?“

„Exakt: „Was wollt ihr dann?“

„Lass mich raten: Maoam?“

„Genau! Und dann verteilt der die Bonbons.“

„Die Lösung für einen schnellen Brexit ist also ein Maoam verteilender Eschweiler?“

„Genau so ist es!“

„Du hast nicht sonderlich gut geschlafen, oder?“

„Nein.“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 15/16 II

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

da mir gerade keine auch nur ansatzweise vernünftige Einleitung einfällt, starte ich gleich in die nächste Etüde, von Christiane organisiert und von Veronika mit den oben stehenden Worten ausgestattet.

 

300!, schoss es ihm sofort durch den Kopf, als er auf seiner Pritsche erwachte. Gemeint war nicht der Film – wie sehr er sich wünschte, alles wäre nur ein Film -, sondern die Anzahl der Tage, die er jetzt schon in diesem Knast verbrachte. Immer noch ohne Anklage, immer noch ohne Aussicht auf Freiheit. Pah, Freiheit! dachte er, es wird sich mehr wie auferstehen anfühlen, wenn ich hier rauskomme.

Von seinem vergitterten Fenster hatte er einen guten Blick auf den kleinen Bereich mit Blumenbeeten, den die Insassen dort angelegt hatten. Im Herbst hatte er von hier dabei zugesehen, wie dort die Tulpenzwiebeln gesetzt wurden, jetzt konnte er bereits die Blüten betrachten.

Die Riegel seiner Zellentür wurden zurückgeschoben, die Tür öffnete sich, sein Anwalt betrat den Raum.

„Mein liebster Talar-Träger, wie geht es Ihnen?“

„Das wollte ich eigentlich Sie fragen!?“

„Na, als kurzweilig würde ich meinen Aufenthalt nicht gerade bezeichnen. Gibt es Neuigkeiten? Einen medialen Aufschrei? Demos zu meiner Befreiung?“

„Na, Demos ja, aber …“

„Gegen was?“

„Den Klimawandel.“

„Löblich.“

„Für freies Internet.“

„Hätte ich jetzt auch gerne.“

„Für bezahlbare Mieten.“

„Ha, ich wohne gerade umsonst.“

„Und zur Verhinderung des Brexits.“

„Die sind immer noch nicht ausgetreten?“

„Jetzt mal Spaß beiseite. Natürlich verhandeln die Regierungen weiterhin im Hintergrund, aber für Ihre Freilassung sieht es derzeit schlecht aus. Das Thema ist weit aus dem Fokus geraten. Um genau zu sein, existiert es in der öffentlichen Wahrnehmung momentan nicht mehr.“

„Aber diese Deutschen hat man auch freigelassen. Die Dingens und den Bummens.“

„Ich weiß, aber das waren Journalisten. Sehen Sie es realistisch: Sie sind Blogger, keine Sau kennt Sie!“

„Na, herzlichen Dank!“

„Ist doch so. Ich rufe heute nochmal beim Auswärtigen Amt und der Staatsanwaltschaft an. Dann sehen wir weiter. Okay?“

„Okay. Danke.“

Sein Anwalt ging, die Tür schloss sich, wurde verriegelt. Und er war wieder allein.

 

300 Worte

 

Nach Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ sitzen derzeit weltweit nicht nur 168 Journalisten in Haft, sondern auch 152 Blogger und Bürgerjournalisten.

 

abc.Etüden KW 15/16

abc.etüden 2019 15+16 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

vor mir steht eine dieser Wochen, die so voll gepackt sind, dass man sich hinterher immer fragt, wie es dazu kommen konnte. Für Rezensionen wird – zumindest Stand jetzt – wohl frühestens am Ende der Woche Zeit sein. Aber Etüden – für die Christiane verantwortlich zeichnet -, die gehen eigentlich immer. Und da die fleißigen Etüdenschreiber gerade von Veronika mit einer neuen Wortspende ausgerüstet wurden, spricht nichts mehr dagegen, sofort loszulegen.

 

„Mama, wach werden!“

„Was?“ fragte sie verwirrt. Eben noch war sie, gemütlich im Gartenstuhl sitzend, in einen Krimi vertieft, der eigentlich ganz kurzweilig war. Dennoch musste sie eingeschlafen sein. Das Buch lag neben ihr im Staub.

„Essen ist fertig. Ich hab gekocht.“, sagte ihre kleine Tochter voller Begeisterung.

„Was?, entfuhr es ihr. Schon stand sie senkrecht, vor ihrem inneren Auge Bilder ihres brennenden Hauses, in Brand gesetzt durch einen von einem Kleinkind unsachgemäß benutzten Herd. Aber nein, kein Rauch, keine Sirenen. Ihr Kreislauf quittierte die plötzliche Belastung mit einem leichten Schwindel.

„Komm, Mama!“ sagte ihre Tochter und zog an ihrer Hand. Hinter der Kleinen stand der große Spielzeugherd auf dem Rasen. Das Teil war gar nicht so günstig gewesen, wurde im Gegensatz zum noch sehr viel teureren Teleskop ihres älteren Sohnes, das nach einmaliger Benutzung auf dem Dachboden verstaubte – ebenso wie ein Metallbaukasten und unzählige andere Dinge, die er so „uuunbedingt“ haben wollte und an denen er rasch das Interesse verloren hatte – aber wenigstens genutzt. Ihr grauste es jetzt schon davor, dass er irgendwann ein Haustier haben wollen würde …

„Ach sooo, Du hast gekocht“, schnaufte sie erleichtert durch. „Du hast gekocht. Schön, mein Schatz, was gibt es denn?“

„Tulpenzwiebeln!“

„Bitte? Aber Tulpenzwiebeln kann man doch nicht …“

Die Kleine nahm begeistert den Deckel vom größten Topf. Ja, das darin war eindeutig eine Zwiebel. Und … Blütenblätter? In düsterer Vorahnung wanderte ihr Blick durch den Garten, wo eigentlich die Tulpen in voller Pracht stehen sollten. Sollten! Was geblieben war, waren vereinzelt stehende Stängel, die man ihres Blütenkleides beraubt hatte. Mit Verwunderung – und ein bisschen Stolz – stellte sie fest, dass sich die Kleine tatsächlich nur an den Tulpen bedient, die anderen Blumen aber unversehrt gelassen hatte. Vielleicht war sie die geborene Botanikerin.

Tja, dann werde ich wohl ein Jahr warten müssen, bis meine Tulpen mit Blüten wieder auferstehen“, dachte sie amüsiert, beugte sich über den Topf, fächelte sich den vermeintlichen Duft des Tulpenzwiebel-Gerichts zu und machte in bester Biolek-Manier: „Mmmmmmmh!“

 

„Der Babylon-Kult“ von Tom Knox – „I Can’t Believe It’s A Law Firm“ oder Ein unfassbar indyotisches Buch

Buch: „Der Babylon-Kult“

Autor: Tom Knox

Verlag: Hoffmann und Campe

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Tom Knox (eigentlich Sean Thomas) wurde 1963 in England geboren. Als Journalist für die Times, den Guardian sowie die Daily Mail hat er die ganze Welt bereist. 2007 wurde er von der Sunday Times zum Reisejournalisten des Jahres gewählt. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Thriller, Genesis Secret, und landete damit einen großen internationalen Erfolg. Darauf folgte Cagot und Bibel der Toten. Wenn Tom Knox nicht auf Reisen ist, lebt er in London. (Quelle: Hoffmann und Campe)

Das Buch: Wer dachte, schon alles über die Templer zu wissen, wird hier eines Besseren belehrt. Mysteriöse Selbstmorde stellen die Londoner Polizei vor ein Rätsel. Haben sich die Menschen im Rausch selbst verstümmelt? Wurden sie dazu gezwungen? Journalist Adam Blackwood recherchiert zeitgleich zum Tod des berühmten Templer-Forschers Archibald McLintock. Gemeinsam mit dessen Tochter Nina reist Blackwood auf den Spuren des Historikers zu sämtlichen Templerhochburgen und entdeckt dabei ein brutales Ritual: den Babylon-Kult. Ähnelt er nur zufällig dem Ritus einer prekolumbianischen Zivilisation in Lateinamerika? (Quelle: Hoffmann und Campe)

Fazit: Eigentlich sollten hier an dieser Stelle ja erst die Rezensionen anderer Bücher Priorität haben. Auf die hatte ich aber im Einzelfall gerade keine Lust oder aber habe sie schlicht noch nicht durchgelesen. Wir haben schließlich DFB-Pokal-Woche und ich muss bis zum Start von Staffel 8 von „Game of Thrones“ noch etwa die halbe Staffel 6 sowie die ganze Staffel 7 nachholen (Wer mich fragt: „Bist Du schon an der Stelle, wo …?“ zieht sich meinen zeitlich unlimitierten Zorn zu!), wie also sollte man da noch ausreichend Zeit fürs Lesen finden!?

Aus diesem Grund beschäftige ich mich heute erst mal mit „Der Babylon-Kult“ von Tom Knox. Und aus dem, dass ich diese Rezension dann hinter mich gebracht habe und dieses Buch schnellstmöglich vergessen kann …

Selten, ganz, ganz selten gibt es die Situation, dass ich schon beim Kauf eines Buches weiß, dass es sich dabei um ziemlichen Mist handeln dürfte. Dennoch kaufe ich solche Bücher manchmal. Eine Handlung, der wohl der selbe Impuls zugrunde liegt, durch den man mit der Zunge überprüft, ob der Zahn noch schmerzt. Man weiß, dass es eine dumme Idee ist, man tut es trotzdem. Fast vier Jahre hat das Buch jetzt auf meinem Stapel ungelesener Bücher verbracht und war diversen Leseversuchen ausgesetzt, denen es sich erfolgreich widersetzt hat. Hätte ich es doch nur dort liegenlassen. Oder im Garten vergraben.

Denn selten lag ich mit meiner Einschätzung so richtig, wie bei Tom Knox´ „Der Baylon-Kult“. Aber beginnen wir mit dem Positiven.

Das Paradoxe an Knox´ Roman ist, dass er eigentlich wirklich gut geschrieben ist. Rasant und temporeich, zwar ohne den Leser zu überfordern, aber dennoch nicht gänzlich anspruchslos und insgesamt so, wie ich es von einem Abenteuerroman erwarten darf, der seinerseits erwartet, gelesen zu werden.

Auch die Figuren sind – obwohl nicht sonderlich vielschichtig – eigentlich ganz gut getroffen. Zumindest den Protagonisten Adam Blackwood, ein Journalist, der vor dem Hintergrund des Printmedien-Niedergangs seinen Job verloren hat, mag ich recht gerne.

Alles in Allem hat „Der Babylon-Kult“ also gute Voraussetzungen, ein gutes Buch zu sein. Wäre da nicht diese Handlung! Selbige ist von vorne bis hinten hanebüchen, ein riesengroßer Unfug, eigentlich nahe dran an einer Frechheit und verströmt den Hauch eines ganz, ganz miesen Indiana-Jones-Films.

Da schneiden sich also Menschen die Gliedmaßen ab. Einer sogar seinen Kopf, mittels einer Kettensäge. Ich wüsste zu gerne, ob das funktioniert, möchte aber niemanden zu Feldversuchen anregen …

Auf der Suche nach dem Grund dafür landen die Protagonisten inhaltlich sehr bald bei den Templern und stellen die Vermutung auf, diese könnten eine Form der Hypnose erfunden haben, die sie in eine Art Raserei versetzt und diese, die Hypnose, könnte nun erneut unter den Menschen gelandet sein. So ungefähr auf diesem Level bewegen wir uns inhaltlich, nur um mal ein Beispiel geliefert zu haben. Schon sehr schnell fragt man sich als Leser, was um alles in der Welt das soll. Und bis zum Ende wird man diese Frage auch nicht mehr los. Theorien von Templern in Südamerika machen die Runde und, ach, das würde jetzt zu weit führen, es ist und bleibt Murks.

Neben der eigentlich fast indiskutablen Handlung würzt Knox seinen Roman noch mit Zutaten, die er doch lieber weggelassen hätte. Spätestens hier fragt man sich, ob überhaupt ein Lektor in den Entstehungsprozess des Buches involviert war. Augenscheinlich dachte sich Knox, dass zum Indy-Charme seines Buches auch diverse Nazi-Vergleiche passen würden, auch wenn hier niemand die Bundeslade sucht. Jemand in einem Ledermantel wird vom Protagonisten aufgrund seiner Kleidung mit einem Gestapo-Offizier verglichen. Und als Jessica eine indianische Opferstätte von vor einigen Jahrhunderten findet, erinnern sie die Skelette an die Leichen der Kinder der Eheleute Goebbels. Anders als den indianischen Kinderopfern hat man denen aber, so weit ich weiß, nicht die Brustbeine demoliert, um die Herzen zu entfernen. Was diese ganzen Nazi-Vergleiche, von denen es noch eine Reihe mehr gibt, sollen, erschließt sich mir nicht und wird wohl auf ewig das Geheimnis des Autors bleiben.

Aber damit nicht genug. Wir erinnern uns nochmal an einen Teil des Inhalts: Templer, Hypnose, Raserei, ja!? So weit, so gut. Nun rekapitulieren die Protagonisten irgendwann natürlich auch den Prozess gegen die Templer. Diesen wurde unter anderem vorgeworfen. sich mit ihrem Gelübde der Homosexualität zu verpflichten. Dieser Anklagepunkt wird seitens der Protagonisten offensichtlich unwidersprochen als Fakt angesehen. So wundert dann auch nicht, dass sie die Theorie aufstellen, dass sich die Templer mittels ihrer Hypnose in eine „homoerotische Raserei“ (ich zitiere!) hineingesteigert hätten. Ich gebe zu, diese Stelle ließ mich mit einer gewissen Fassungslosigkeit nahe am hysterischen Kichern zurück.

Apropos Theorie: Auch Jessica vertritt eine, sagen wir mal spannende Theorie. Sie und Adam stützen nunmehr also offensichtlich offiziell die These „Alle Templer waren schwul!“ und sie, also Jessica, macht sich so ihre Gedanken dazu und sagt sinngemäß, dass die Templer ja auch einsam und allein in ihren Templerburgen, weit abgeschieden von allem, und ohne Frauen saßen und schlussfolgert: „Kein Wunder, wenn man so wird.“

„So“. Und „wird“. Man wird also so

Wenn ich mich mit dem männlichen Teil meines Freundeskreises nun für, sagen wir, 12 Monate in eine einsame Berghütte zurückziehe, wonach ich nicht das geringste Bedürfnis verspüre, aber nehmen wir das für mein Gedankenkonstrukt einfach mal an, dann bedeutet das in der Denke von Jessica, dass wir nach Ablauf dieser Zeit alle homosexuelle Beziehungen miteinander haben werden? Ich denke nicht! Es besteht vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns gegenseitig erschlagen haben, mehr aber auch nicht.

Und spätestens an diesem Punkt ist es dann eigentlich auch mal Zeit, das Weltbild, das Knox da vermittelt, zu hinterfragen. Und auch nochmal die Frage aufzuwerfen, ob dieses Machwerk tatsächlich durch ein Lektorat gegangen ist. Und wenn ja, ob die dafür verantwortlichen, handelnden Personen vielleicht betrunken waren.

Ich möchte nicht abstreiten, dass es Menschen gibt, die mit „Der Babylon-Kult“ ihren Spaß haben können. Wenn man ebenfalls betrunken ist. Oder wenn man sich in eine Art fatalistischen Humor flüchtet beispielsweise. Oder wenn man Filme wie „Mega Shark vs. Crocosaurus“ mag. Alle anderen lassen lieber die Finger von diesem Machwerk.

Passend zu „I Can’t Believe It’s A Law Firm“, der Aufschrift auf dem Werbeschild für die Anwaltskanzlei von Lionel Hutz aus den „Simpsons“ kann ich abschließend jedenfalls sagen: Ich kann nicht glauben, dass dieses Buch wirklich veröffentlicht wurde!

Wertung:

Handlung: 1,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 2 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 4,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich habe noch keine Ahnung. :-)

 

Extraetüden – Big Brother ist watching you V

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die abc.Etüden drehen eine Extrarunde. Üblicherweise werden die vorgegebenen Begriffe für die Etüden alle zwei Wochen ausgetauscht. In Monaten, die fünf Sonntage haben, gibt es zusätzlich eine Extraetüde, bei der es gilt sich aus den sechs Begriffen der Vorwochen fünf auszusuchen und sie in einen Text von maximal 500 Wörtern einzubauen. So weit das Prozedere, welches mir in der weitschweifigen Art, die man mir manchmal nachsagt, eigentlich entgegenkommen müsste. Wir werden sehen. Die Etüden werden weiterhin von Christiane ausgerichtet, die Wortspenden stammen von Natalie und Rina. Schreiten wir zur Tat. Ach, und wen das irrationale Verlangen überkommt, die bisherigen Teile meines Machwerks, das ich mal wohlwollend Fortsetzungsgeschichte nennen möchte, lesen zu wollen, der kann das hier, hier, hier und hier tun.

 

Er wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Verwirrt und mit hämmernden Kopfschmerzen befand er sich in diesem schmucklosen Verhörraum mit Linoleum-Charme, vor sich einen grenzwertig widerlichen Café Mocha aus dem Automaten, und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Er versuchte, sich zu erinnern: Kaum war er, mehr als betrunken, zu Hause angekommen, schon hatte man ihn überwältigt, gefesselt, eine Art Jutesack über den Kopf gezogen und in einen Lieferwagen verfrachtet. Der Geruch des Jutesacks – eine Mischung aus Schweiß und Erbrochenem – biss ihm auch jetzt noch in der Nase. Asiaten waren es gewesen, Chinesen, wenn er sich nicht irrte, auch wenn er die Sprache nicht beherrschte.

„Ich hab es doch gewusst!“ hatte er ins Dunkel des Lieferwagens geflucht, überzeugt davon, dass sein letztes Stündlein geschlagen hätte.

Dann war alles ganz schnell gegangen. Er meinte Schüsse gehört zu haben, dann geriet das Fahrzeug in Schieflage und er wurde durch die Gegend geschleudert. Alles andere als weich war er gegen das Fahrzeugdach geprallt und hatte kurzzeitig das Bewusstsein verloren.

Dann wurde die Heckklappe des Wagens geöffnet und andere Männer – eindeutig keine Chinesen – hatten ihn, wenigstens ohne Fesseln und Jutesack, auf den Rücksitz eines Kombis verfrachtet. Durch fiesen Nieselregen waren sie quer durch die Stadt zu diesem Gebäude gefahren – und hier saß er nun, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung, was abgelaufen war.

Die Tür öffnete sich und ein Mann in tadellosem, sichtbar teuren Anzug betrat den Raum.

„Schönen guten Tag. Koslowski, BND. Wie geht es Ihnen?“

„Beschissen. Sagten Sie BND?“

„Allerdings.“

„Okay – was läuft hier?“

„Die Kurzfassung?“

„Ja.“

„Wir hatten die Befürchtung, Doppelagenten des amerikanischen und chinesischen Geheimdienstes in unseren Reihen zu haben. Diesen Leuten haben wir die Information zukommen lassen, wir hätten eine weit effektivere Überwachungssoftware entwickelt als die jemals hatten. Ab da lief alles wie geplant: Beide Geheimdienste brachten die Software in ihren Besitz und nutzen sie seitdem.“

„Ich verstehe nicht – wo ist da der Vorteil für Sie?“

„Nun, ganz einfach: Die Software funktioniert nicht! Eigentlich sollte sie keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Eigentlich. In ihrem Fall aber …“

„In meinem Fall was?“

„… hat die Überwachung ihrer Texte zum Ergebnis geführt, dass Sie in ihnen zur Ermordung des amerikanischen und des chinesischen Präsidenten aufrufen! Kein Wunder, dass da die Geheimdienste steil gehen, oder!?“

„Ich bin das Opfer einer Fehlfunktion geworden?“

„Exakt!“

„Ich werde Sie verklagen, verdammte Scheiße!“

„Nein, das werden Sie nicht tun. Was Sie tun werden, ist, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben. Diese ganze Geschichte ist nie passiert. Dafür zahlt Ihnen der BND eine angemessene Entschädigung – ist schon auf ihrem Konto – und sie können gehen. Schmidt fährt Sie nach Hause. Schönen Tag noch. Und nichts für ungut.“

***

Sechs Wochen später am Berliner Flughafen BER. Das Funkgerät des Chevy Tahoe knistert, dann ist die Stimme des Chefs zu vernehmen.

„Zentrale an Petersen!“

„Hier Peterson, was gibt’s ?“

„Irgendwelche besonderen Vorkommnisse?“

„Nein, Sir. Hier passiert nichts. Nie! Hier wird NIE etwas passieren!!!“

„Na, vielleicht doch, vielleicht ja später: Sie schieben heute nämlich Doppelschicht. Wir hören uns dann morgen. Immer locker bleiben, ja!?“

 

 

500 Worte