06 – Der Termin | Adventüden — Irgendwas ist immer

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

in aller mir zur Verfügung stehenden Bescheidenheit weise ich darauf hin, dass bei der geschätzten Kollegin und Etüdenorganisatorin Christiane heute mein Beitrag zu den Adventüden erschienen ist. Ein herzliches Dankeschön, liebe Christiane, für die Organisation der ganzen Aktion. Nebenbei sei mir noch gestattet, zu erwähnen, wie großartig ich doch den Begriff „Adventüden“ finde. :-)

Wer also wissen will, welchem Unbill sich der heute zelebrierte Süßigkeitenlieferant manchmal ausgesetzt sieht und warum durchaus die Möglichkeit besteht, dass alle Kalenderhersteller des Landes ihre gesamte Produktion für 2020 wegwerfen und neu produzieren müssen, schaut mal dort vorbei. Ich würde mich freuen.

Gehabt euch wohl.

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen. Der Termin (fraggle, reisswolfblog) »Ah, der 15-Uhr-Termin! Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lübke, Prokurator, Geschäftsführer und Personaler der Fate LLP, mit Sitz in der Hölle und im Besitz von Herrn S. Atan, der leider verhindert ist, weswegen ich dieses Einstellungsgespräch mit Ihnen […]

über 06 – Der Termin | Adventüden — Irgendwas ist immer

Prangenten e.V. prangert an: Mangelndes Sprach – und Demokratieverständnis

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die Stammleserschaft weiß es längst, den anderen sei es hier nochmal gesagt, nämlich, dass der geschätzte Bloggerkollege René und ich vor ziemlich genau einem Jahr – genau eine Woche fehlt übrigens noch zum einjährigen Jubiläum – den non-profit-Haufen „Prangenten e.V.“ hochgezogen haben, mit dem Ziel, alles was es landauf, landab anzuprangern gibt, auch anzuprangern. Anfänglich zugegebenermaßen ins Leben gerufen, um selbiges eher mit einem Augenzwinkern zu tun, nehme ich mir in jüngerer Vergangenheit die Freiheit heraus, verstärkt Dinge anzuprangern, die mir tatsächlich ernstlich auf den, sagen wir vorsichtig Keks gehen. Auch heute wieder:

 

Wer aufmerksam die Medien verfolgt, dem wird vielleicht schon bekannt sein, dass der MDR jüngst Uwe Steimle gefeuert hat. Vor dem Hintergrund der Ewigkeit und der Sinnlosigkeit allen irdischen Seins könnte man das mit der Nichtbeachtung strafen, die dieser Sachverhalt eigentlich verdient hat, wenn da nicht Steimles Reaktion wäre, die eigentlich nicht unwidersprochen bleiben darf.

Was war nun im Einzelnen passiert?

Uwe Steimle ist Schauspieler, Kabarattist, wenn man den Begriff wohlwollend auslegt, und Satiriker, zumindest selbsternannter. Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit als Ermittler im „Polizeiruf 110“. Als 2008 bekannt wurde, dass die Reihe mit Steimle nicht fortgesetzt werden soll, vergriff sich der Schauspieler erstmalig im Ton und sprach von „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“. Er forderte sogar eine Art Sondersendung am Sonntagabend, in der er mit dem damaligen ARD-Programmdirektor über das Thema diskutieren wollte. Eine völlig angemessene Reaktion, schließlich fordere ich meinen Chef auch immer auf, sich mit mir auf dem Marktplatz auf Apfelsinenkisten zu stellen, und es auszudiskutieren, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Gleich, nachdem ich ihm vorgeworfen habe, mich mundtot zu machen …

Auch in der Folge hat sich Steimle häufig diskussionswürdig verhalten, bezeichnete beispielsweise den jetzigen Außenminister Maas, den man auch gar nicht mögen muss, als „Arsch“ und „Flachzange“, weil dieser es doch tatsächlich gewagt hatte, etwas Negatives über die Pegidioten und deren peinliche Veranstaltungen zu sagen. Er verbreite falsche Gerüchte über Flüchtlinge und verglich die Rassisten von „Revolution Chemnitz“ mit der Olsen-Bande.

Während dieser Zeit stand Steimles Haus- und Hofsender, der MDR, immer hinter seinem Künstler, egal, wie streitbar er auch war.

Nun aber hat Steimle vor einigen Wochen der Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die sogar von der „Welt“ – und das will was heißen – schon vor 10 Jahren als „Sprachrohr der Neuen Rechten“ bezeichnet wurde, ein Interview gegeben, in dem er – die Lektüre des Interviews empfehle ich übrigens, allerdings nur unter vorheriger Einrichtung von Sicherheitmaßnahmen, wie einem Eimer, einer Tüte oder einem sonstigen Behältnis, welches für die Aufnahme des Mageninhaltd geeignet erscheint – unter anderem Dinge gesagt hat wie

„(…) glauben Sie zum Beispiel bitte nicht, wir hätten einen staatsfernen Rundfunk!“

denn

„Inzwischen weiß jeder, daß etwa Atlantikbrücke-Mitglied Claus Kleber der Karl-Eduard von Schnitzler der BRD ist, zusammen mit seiner Marionetta Slomka.“

Auch da gab es seitens des Senders lediglich einen obligatorischen Schuss vor den Bug.

Angesichts dieser Reaktion stellt der Schauspieler in einem weiteren Interview, diesmal bei der „Neuen Thüringer Zeitung“ klar, er sei „entsetzt und traurig“, dass sich der Sender nicht schützend vor ihn stelle.

Nachdem also Steimle seinem eigenen Haus- und Hofsender, genauer gesagt seinem Arbeitgeber (!), mangelnde Staatsferne vorgeworfen hat, und dann noch beleidigt darüber war, dass man ihm dafür nicht huldigt, war für den Sender jetzt der Ofen aus: Steimle wird gefeuert, seine aktuelle Sendereihe im nächsten Jahr nicht fortgesetzt.

Der Schauspieler zeigt nach dieser Reaktion, dass er das Beleidigtsein aber noch viel besser beherrscht, sagt er doch zu seinem Rauswurf:

„Ich wurde entfernt, das ist eindeutig Berufsverbot, Zensur ersten Grades!“

und

„Eine Demokratie, die der freien Meinungsäußerung keinen Raum lässt, muss sich fragen lassen, ob sie noch eine Demokratie ist“

Berufsverbot, Zensur, Meinungsfreiheit:  Steimle braucht nur zwei Sätze, um zu verdeutlichen, dass er drei  wichtige bis tragende Begriffe unseres Grundgesetzes nicht begriffen hat.

Ein Rauswurf bei einem Arbeitgeber IST kein Berufsverbot, es ist ein Rauswurf, mehr nicht. Und im vorliegenden Fall auch noch mehr als gerechtfertigt. Wenn ich in meinem Büro aufspringe und lauthals „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle, wird mein Arbeitgeber sicherlich auch erst mal irritiert sein, belässt es aber, falls ich ganz viel Glück habe, dabei, weil er meint, dass ich vielleicht Montag habe oder es allgemein gerade nicht so leicht oder was auch immer. Wenn ich ihn aber dann zum Mitsingen auffordere, er das nicht tut, und ich meinen Unmut darüber äußere, ihn in der Folge meinetwegen als illoyalen, blöden Sack beschimpfe, dann, ja dann verliere ich wohl meinen Job. Das bedeutet aber nicht, dass man mir verbietet, weiterzuziehen und zu versuchen, meinen Job ein paar Häuser weiter fortzusetzen. Bis ich dann wieder „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle …

Wenn mir mein Arbeitgeber in diesem, zugegeben, abstrusen Szenario, allerdings kurzerhand verbietet, weiter Siegerkranz-Lieder zu singen, ist das genausowenig Zensur, wie es das ist, wenn der MDR seine Arbeit mit ihm beendet. Das ist eine reine Personalentscheidung, sicherlich auch eine wirtschaftliche, hat aber mit einer Zensur nicht das Geringste zu tun. Genauso wie ich als Arbeitnehmer das Recht habe, mich bei jedem Arbeitgeber der Welt zu bewerben, so hat der Arbeitgeber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn tätig ist.

Und was die Meinungsfreiheit angeht, so findet sich auf der Facebook-Seite des Schauspielers ein Bild mit der Text:

„Solidarität mit Uwe Steimle -„Steimles Welt“ wurde eingestellt. Teile dieses Bild, wenn auch DU der Meinung bist, dass das eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist“.

Ich werde aufgefordert, meine Meinung (!) darüber abzugeben, ob  man die Meinungsfreiheit einschränkt … – kannste Dir nich ausdenken, so was …! In einer Welt, in der gerichtlich festgestellt wurde, dass Frau Künast sich online aufs Übelste beleidigen lassen muss, wir behauptet, dass der „Meinungsfreiheit keinen Raum“ gelassen wird. Kannste Dir ebenfalls nich ausdenken, so was …!

Nein, was Menschen wie Steimle, der noch 2009 für „Die Linke“ Mitglied der Bundesversammlung war, in der Zwischenzeit also eine bemerkenswert lange Strecke in der deutschen Parteienlandschaft zurückgelegt haben muss, beklagen, hat mit mangelnder Meinungsfreiheit nichts zu tun.

Das, was Leute wie Steimle wollen, ist, rassistischen Unfug absondern zu dürfen. Und das, was Menschen wie Steimle fordern, ist, dass ihr rassistischer Unfug nicht nur unwidersprochen bleibt, nein, sie wollen dafür auch noch Zustimmung, wollen auch noch Lob dafür bekommen.

Das sag ich mal spontan: Nö!

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

 

abc.Etüden KW 47/48 V

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, als die Wortspende von Red Skies over Paradise kam, hätte ich nicht gedacht, dass diese zu fünf Etüden führt – Etüden, die übrigens, wie immer, von Christiane geleitet werden -, denn …, also, mal ehrlich: „Unbehaustheit“!? :-) Aber nun isses halt so, deswegen folgt nun die mutmaßlich vorerst letzte Etüde.

 

„Na, Du schüttelst mit dem Kopf? Bist Du einfach nur schwermütig oder regt Dich etwas auf!?“

„Letzteres …“

„Nämlich?“

„Na, das hier: In Hannover hat eine Wohnungsgenossenschaft …“

„Oh, wir haben wieder das Thema Unbehaustheit?“

„Nein, lass mich ausreden. Also, da hat eine Wohnungsgenossenschaft die Fenster zweier homosexueller Mieter pink anstreichen lassen …“

„WHAT!? Ist doch nicht …“

„Japp. Die beiden sind ein Paar, durften aber schon beim Einzug 2008 den Mietvertrag nicht gemeinsam unterschreiben, es musste mit einem der beiden offiziell eine Untervermietung – inklusive der entsprechenden Zuschläge – vereinbart werden.“

„Alter, das kann nicht Dein …“

„Warte, kommt noch besser. Also, die Genossenschaft wollte nun im Rahmen einer Modernisierung an allen ihren Gebäuden in der Gegend die Fenster austauschen lassen. Nur diese beiden haben sich dagegen gewehrt.“

„Aha. Und dann?“

„Na ja, dann … hat die Wohnungsgenossenschaft deren Fensterrahmen pink streichen lassen.“

„Unfassbar!“

„Japp, ebenso wie Äußerungen der Genossenschaft: Dass die beiden homosexuell seien, habe man erst im Rahmen des Gerichtsverfahrens erfahren.“

„Die wohnen seit 2008 da? So gut kennen Vermieter heute ihre Mieter …“

„Japp. Und außerdem seien die Fenster nicht pink, sondern erdbeerfarben …“

„Und, sind sie!?“

„Ich wills mal so sagen: Das ist die pinkfarbenste Erdbeerfarbe, die ich je gesehen habe …“

„Was ´ne Unverschämtheit! Was haschen die denn in dem Laden?“

„Ich hab keine Ahnung.“

„Und, wie ging die Sache aus?“

„Na, beide haben vor Gericht im Rahmen eines Vergleichs 1.000 Euro bekommen, ausdrücklich auch für die von ihnen empfundene Diskriminierung.“

„Na, wenigstens das.“

„Trotzdem. Muss an der Gegend liegen: Die angrenzende Landeskirche kann sich bis heute nicht dazu durchringen, die Ehe für alle auch im Rahmen einer gewöhnlichen Trauung durchzusetzen, sondern mittels einer „nicht-öffentlichen Segnung“.“

„Ha, dann heißt es zur Silberhochzeit: „Kannst Du Dich noch erinnern? Damals? Nur Du, ich und der Pastor …““

„Tja, ich schätze, in einigen Bereichen haben wir noch einen langen Weg vor uns … “

 

300 Worte.

„Das geschwärzte Notizbuch“ von Nicolás Giacobone

Buch: „Das geschwärzte Notizbuch“

Autor: Nicolás Giacobone

Verlag: Heyne

Ausgabe: Hardcover, 304 Seiten

Der Autor:Nicolás Giacobone, geboren 1975 in Buenos Aires, schrieb die Drehbücher für Filme wie »Biutiful« und »Birdman«. Für Letzteren wurde er 2015 mit einem Golden Globe sowie dem Oscar in der Kategorie »Bestes Originaldrehbuch« ausgezeichnet. »Das geschwärzte Notizbuch« ist sein erster Roman. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Um das perfekte Drehbuch zu bekommen, entführt der manisch brillante Regisseur Santiago den renommierten Autor Pablo. Er sperrt ihn ein. Fünf Jahre lang. In einem kargen dunklen Raum. Nichts soll Pablo vom Schreiben ablenken. Ein Meisterwerk entsteht. Und eine von Abhängigkeit, Abscheu und Faszination geprägte Beziehung zweier genialer Künstler. (Quelle: Heyne)

Fazit: Hach, wie fange ich nur an, dieses Buch in Worte zu fassen? Der Drehbuchautor Pablo steht in Giacobones erstem Roman „Das geschwärzte Notizbuch“ vor einer ganz ähnlichen Frage, wie ich jetzt – nur mit dem Unterschied, dass mich niemand eingesperrt hat.

Für Pablo gilt das durchaus, denn der, ja, sagen wir ruhig salopp durchgeknallte Regisseur Santiago ist auf Pablos Talent aufmerksam geworden, träumt davon, DEN großen Film zu produzieren, der die Welt des Films für alle Zeiten verändern wird, kidnappt Pablo und sperrt ihn im Keller ein, auf dass er, Pablo, dort Drehbücher verfasse. Seit fünf Jahren sitzt der junge Autor zum Beginn der Handlung nun schon dort. In der Zwischenzeit sind bereits zwei Drehbücher entstanden, aus denen ihrerseits nun wieder zwei erfolgreiche Filme entstanden sind. Aber das reicht Santiago nicht. Er möchte nichts anderes als ein revolutionäres Meisterwerk aus Pablos Feder. Ein drittes Drehbuch, eines, das alles verändern soll.

In seiner Einsamkeit beginnt Pablo, unbemerkt von Santiago, ein Notizbuch mit seinen Gedanken zu füllen. Und Gedanken sind nicht immer stringent oder aufeinander aufbauend. Und genau so liest sich „Das geschwärzte Notizbuch“ auch. „Das was Sie hier lesen (falls es Sie überhaupt gibt), sind nichts weiter als durchgestrichene Seiten, ein in aller Eile geschriebener Text in einem Schulheft der Marke Rivadavia, das ich in Buenos Aires gekauft habe“, schreibt Pablo dann auch auf Seite 7 dazu.

Und diese Art des teils abschweifenden, teils sprunghaften Erzählens, die hat durchaus ihren Reiz und, vor dem Hintergrund des Handlungsrahmens, eben ihre Logik. Als weiteres Beispiel dafür, dass Giacobone ein geschickter Erzähler ist, sei hier genannt, dass es ihm gelingt, die Monotonie im Leben seines Protagonisten durch die Verwendung der immer gleichen Formulierungen zu veranschaulichen, beispielsweise in Form des täglichen Besuchs von Regisseur Santiago, der den Keller immer „mit seinem Stuhl, einer Tasse Kaffe, einem Teller mit Obst und den ausgedruckten Szenen“ (Seite 7) betritt. Auch die gelegentlich vorkommenden zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln, Abstände, in denen irgendetwas passiert sein muss, verdeutlichen Pablos Situation sehr treffend, der in sein Notizbuch eben nur dann schreiben kann, wenn er Zeit und Gelegenheit dazu hat und sich halbwegs sicher sein kann, nicht ertappt zu werden.

Ich könnte noch weitere Beispiele anbringen, belasse es aber dabei zu sagen, dass Giacobones Romandeüt erzählerisch und stilistisch auf ganzer Ebene überzeugt.

Die Anzahl der handelnden Personen wiederum hält sich in argen Grenzen und beschränkt sich im Wesentlichen auf die genannten Protagonisten sowie die Haushälterin Norma. Hier ähnelt das Buch eher einem Kammerspiel, was es um so wichtiger macht, dass die wenigen Charaktere überzeugen können. Und das können sie.

Wenn man, das sei mir gestattet, Norma mal außer Acht lässt, bleiben zwei Hauptfiguren, die sich sehr ähnlich und dennoch völlig unterschiedlich sind. Beide leben für den Film. Dementsprechend oft wird über Filme, Regisseure und Drehbuchautoren gesprochen, was den Reiz des Buches für größere Cineasten als ich einer bin, durchaus nochmal erhöhen dürfte.

Segenswerterweise wird aber am häufigsten auf den Film „Amadeus“ Bezug genommen, zu dem Peter Schaffer das Drehbuch schrieb – von Schaffer weiß Protagonist Pablo übrigens genausowenig, dass er bereits verstorben ist, wie er das auch von Prince nicht weiß, was nicht verwundern wird, da er ja, wir erinnern uns, im Keller eingesperrt ist – und den ich mehrfach gesehen habe und der darüber hinaus wohl tatsächlich einer des besten Filme in der Geschichte des Films sein dürfte, was im Übrigen eine unwiderlegbare Tatsache und keine Diskussionsgrundlage ist, weswegen sich eine diesbezügliche Diskussion erübrigt.

Es gelingt Giacobone, seine Leser teilhaben zu lassen am Leid seines eingesperrten Protagonisten angesichts dessen Freiheitsberaubung. Das allerdings, ohne übermäßig auf die Tränendrüse zu drücken, sondern eher, indem Pablo immer wieder unvermittelt einzelne entsprechende Sätze und Passagen einstreut, beispielsweise darüber, von seiner Mutter und seinen Freunden getrennt zu sein, wodurch sie eine umso größere Wirkung erzielen. Es gelingt Giacobone aber auch, die Leidenschaft zu vermitteln, die Pablo trotz seiner Lage in seine Arbeit investiert – denn eigentlich kann er nichts anderes – sowie die Verzweiflung, wenn es diesbezüglich mal nicht so läuft, mutmaßlich, weil beide Hauptfiguren zwar etwas Revolutionäres schaffen wollen, sich beim Entstehungsprozess aber an jahrtausendealten Dogmen eines Aristoteles festklammern.

Santiago wiederum ist die Leidenschaft für den Film ebenso anzumerken, naturgemäß aber eher in einem ungesunden Maße. Im Grunde wird der Regisseur über die gesamte Lektüre als der Irre dargestellt, der er ist. Wenn ich so überlege, ist das einzige wirklich Sinnvolle, das Santiago auf über 300 Seiten von sich gibt, seine Äußerung über das Internet, in der er sinngemäß darauf hinweist, dass das Internet den Menschen unendliche Freiheiten gibt und eben diesen Menschen nichts anderes einfällt, als diese Freiheit dazu zu nutzen, zu allem ihre Meinung und ihren Hass abzusondern.

Und inhaltlich? Tja, inhaltlich möchte ich über „Das geschwärzte Notizbuch“ gar nicht so viel sagen, weil ich Gefahr laufe sonst zu viel zu verraten.

Insgesamt ist „Das geschwärzte Notizbuch“ ein spannendes, nahe am Psychodrama liegendes Kammerspiel, eine Abrechnung mit der Welt des Films, den Drehbuchautoren, den Regisseuren, aber auch dem Publikum, das es von Besuchen von Shakespeare-Stücken im Theater über Fellini-Filme hin zu „Police Academy 7“, „Fast & Furios 9“ und 23 Marvel-Filmen geschafft hat – was ich ganz wertfrei verstanden wissen möchte.

Ein starkes, sehr lesenswertes Romandebüt.

Ich danke dem Bloggerportal sowie dem Heyne Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung naturgemäß nicht.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demächst in diesem Blog: Ich habe keine Ahnung.

 

 

Jetzt kommt Werbung – aber nur kurz

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der aufmerksame Teil meiner getreuen Leserschaft – also alle – dürfte den geschätzten Kollegen René bereits als Mastermind hinter unserem gemeinsamen non-profit-Haufen-Projekt „Prangenten e.V.“ kennen. Was dagegen nicht allen meiner getreuen Leserschaft aufgefallen sein dürfte, ist, dass der geschätzte Kollege die Literaturlandschaft um ein nennenswertes Werk bereichert hat.

Denn René hat eine Geschichte geschrieben. Eine kurze. Weswegen man sie Kurzgeschichte nennt. Und diese wiederum gibt es unter dem eingängen, nicht im Geringsten sperrigen Titel

Last Christmas beginnt in Berlin schon im Juli: Doch dieses Jahr wird alles anders …

nun bei Amazon in eBook-Form zu erhaschen. Nennenswert in diesem Zusammenhang ist übrigens auch, dass es diese Geschichte beim großen A – für das ich sonst erfahrungsgemäß keine Werbung mache – bis einschließlich morgen kostenlos gibt. Für lau. Für umme. Für noppes. Unentgeltlich.

Weswegen ich jeder und jedem einzelnen meiner getreuen Leserschaft anraten möchte, sich mit dieser Geschichte mal zu befassen. Denn die kann sich durchaus lesen lassen! Ich meine, natürlich kann sie sich lesen lassen: Bei Amazon halt, bis morgen kostenlos übrigens, aber ich meinte das natürlich qualitativ und abseits des reinen Lesevorgangs.

Oh, und wenn man schon mal da ist, also beim großen A, dann kann man auch gleich Renés kleines Buch in seinen Einkauf mit einbeziehen. Das ist dann zwar nicht kostenlos, aber immer noch günstiger als eine Ausgabe einer aktuellen Tageszeitung. Und die Älteren erklären den Jüngeren jetzt bitte, was eine Tageszeitung ist.

Ich würde mich darüber hinaus übrigens freuen, wenn ihr nach erfolgter Lektüre eure hoffentliche Begeisterung in Wortform gießt und diese dann, versehen mit einer angemessen hohen Anzahl an Sternen beim großen A zurücklasst.

Und während ihr euch jetzt hoffentlich der vergnüglichen Lektüre hingebt, versuche ich, angesichts der Tatsache, dass heute Tag der E-Gitarre ist, George Michaels Musik gewordenes Verbrechen gegen die Menschlichkeit wieder aus dem Ohr zu bekommen.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und allseits ein frohes Bergfest.

Gehabt euch wohl!

abc.Etüden KW 47/48 IV

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

bevor sich die handelsüblichen Ausgaben der von Christiane geleiteten Etüden in eine Winterpause verziehen, folgt hier zur Wortspende von Red Skies over Paradise noch eine letzte Etüde. Oder eine vorletzte. Oder so …

 

„Sag mal, kann es sein, dass die Landwirte landauf und landab unter allgemeiner Unbehaustheit leiden?“

„Wieso?“

„Na, weil sie, nach diversen anderen Städten, mittlerweile marodierend durch Berlin ziehen.“

„Die marodieren nicht, die protestieren!“

„Schon wieder!? Wieder gegen das Wetter?“

„Hach ja, das war witzig, oder!? Die einzige Berufsgruppe, die eine Entschädigung wegen schlechten Wetters bekommt! Ich sehe schon eine unheilige Allianz aus Eisdielen und Freibadbetreibern nach dem nächsten verregneten Sommer mit Fackeln und Forken vor dem Wirtschaftsmin…“

„Du übertreibst.“

„Ja, aber ist doch so. Und jetzt wehrt man sich gegen Umweltschutzmaßnahmen. Ist auch böse dieser Umweltschutz!“

„Na, der geht den Bauern eben zu schnell und zu weit.“

„Na, das verstehe ich natürlich. Warten wir doch einfach mit der Umsetzung der Maßnahmen bis zur völligen Nitratverseuchung des Bodens und dem gänzlichen Aussterben aller Insekten, dann geht bestimmt noch was.“

„Sarkasmus ist selten hilfreich. Du bringst den Bauern genau die fehlende Wertschätzung entgegen, die sie derzeit beklagen.“

„Oooch, schwermütige Bauern! Soll ich jetzt wöchentlich durchs Dorf gehen und den Landwirten meinen Respekt aussprechen?“

„Nein, aber … die Bauern fühlen sich verantwortlich gemacht für …“

„Alter, wir leben in Zeiten, wo dauernd Berufsgruppen für etwas verantwortlich gemacht werden: Erzieher, Lehrerinnen, Pflegekräfte … – und ja, das ist Scheiße. Dennoch …“

„Ich habs verstanden! Meinst Du also, die Bauern haben keinen Grund zur Klage?“

„Doch! Aber hier passiert endlich das, was allen Industriezweigen auferlegt werden sollte: Der Bund macht strikte Vorgaben, die müssen eingehalten werden, bumms, aus, fertig. Dass die Industrie, und nichts anderes ist Landwirtschaft, dann meckert, ist normal. Und mehr passiert hier nicht. Es geht nur darum, Aufmerksamkeit zu erhaschen.“

„Aber wenigstens die Sorge vor glyphosatverseuchten Importen aus Südamerika ist doch berechtigt, oder!?“

„Darüber können wir diskutieren, wenn die EU ihre Lebensmittelexporte nach Afrika einschränkt und dort heimischen Bauern das Leben schwer macht. Oder gar Importe subventioniert!“

 

300 Wörter.

 

 

„Das Päckchen“ von Franz Hohler

Buch: „Das Päckchen“

Autor: Franz Hohler

Verlag: Luchterhand

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag. (Quelle: Luchterhand)

Das Buch: Als er gerade dienstlich in Bern ist, erreicht den Zürcher Bibliothekar Ernst ein offensichtlich irregeleiteter Anruf. Am anderen Ende der Leitung ist eine ihm unbekannte Frau, die ihn anfleht, umgehend zu ihr zu kommen. Aus einer Augenblickslaune heraus begibt sich Ernst zu der nahe gelegenen Adresse. Dort erwartet ihn eine alte Frau und drückt ihm ein Päckchen in die Hand mit der Bitte, es zu verwahren, damit es nicht in falsche Hände gerate. Zu seiner eigenen Verblüffung kommt Ernst der Bitte nach. Als er das Päckchen bei sich zu Hause öffnet, entdeckt er eine alte Handschrift, die er als ein Exemplar des „Abrogans“ erkennt, eines lateinisch-althochdeutschen Wörterbuchs, das als ältestes deutschsprachiges Buch überhaupt gilt. Sollte es sogar das bisher verschollene Original sein? Was, fragt sich Ernst, hat es mit diesem Fund auf sich? Und was soll er jetzt am besten tun … (Quelle: Luchterhand)

Fazit: Als der Bibliothekar Ernst am Bahnhof den Anruf einer ihm unbekannten Frau entgegennimmt, beginnt damit eine Reihe von Ereignissen und Zufällen, mit denen er so selbst nicht gerechnet hätte. Und ich auch nicht, weswegen es in Summe für mich auch der Zufälle und Konstruktionen zuviel waren, und ja, ich bin mir durchaus bewusst, dass das Absicht gewesen sein könnte.

Hohler teilt seinen Roman in zwei Handlungsstränge. Während wir in der Gegenwart Ernst bei seiner Suche nach den Hintergründen des „Abrogans“ begleiten dürfen, befasst sich der zweite, im 8. Jahrhundert spielende, Handlungsstrang mit der Entstehung des Werkes durch den Scriptoren Haimo.

Hohler bedient sich dabei eines vergleichsweise ruhigen, unaufgeregten Erzählstils, der durchaus zu gefallen wusste, inbesondere insofern, als sich der in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang sprachlich teils deutlich von dem in der Gegenwart unterscheidet.

Leider ist der Erzählstil, den ich tatsächlich sehr genossen habe, der einzige Gesichtspunkt an Hohlers Buch, der mir so richtig gut gefallen hat.

Die Charaktere dagegen sind in beiden Handlungssträngen ausgesprochen klischeebehaftet. Ernst und seine Frau sind beide in den 40ern, beide als Bibliothekar bzw. Bibliothekarin tätig und in ihrer biederen Spießigkeit genau so, wie man sich im Klischee Bibliothekare vorstellt. Sie führen ein gemeinsames Leben fernab jeglicher Spannung, schlafen in getrennten Zimmern und treffen sich nur gelegentlich in einem davon zu einem „feurigen Abend“.

Auch der zweite Handlungsstrang kommt nicht ohne Klischees aus, selbst wenn diese sich hier weniger auf die Figuren, sondern mehr auf den Handlungsrahmen beziehen. So fehlen in Hohlers Mittelalter auch keine sündigen Mönche, Aussätzige und ähnliche Zutaten.

Dabei funktioniert das Zusammenspiel der beiden Handlungsstränge durchaus und hier kommt auch positiv zum Tragen, dass Hohler sich vergleichsweise kurz fasst. Während Dan Brown aus der Gegenwartshandlung einen 600-Seiten-Thriller gemacht hätte, so würde Iny Lorentz den zweiten Teil im Rahmen eines ebenfalls 600 Seiten umfassenden Kitsch-Epos verarbeiten. Hohler dagegen kommt mit gut 200 Seiten aus.

Nur leider kranken diese gut 200 Seiten unter anderem an diversen Situationen, die wirklich überkonstruiert wirken, beispielsweise als in einer Szene im ansonsten menschenleeren Gebirge zufällig zwei Personen anwesend sind, die Ernst aus unangenehmer Lage helfen können – und die dieser auch noch kennt. Und diese gut 200 Seiten kranken zudem an einer Charakterdarstellung, die wenig nachvollziehbar erscheint, was bereits ganz zu Beginn zu sehen ist, wenn jemand, der so ein routiniertes, durchstruktiertes Leben wie Ernst führt, plötzlich mit wildfremden Menschen telefoniert, ohne klarzustellen, dass es sich bei ihm nicht um den angenommenen Gesprächspartner handelt, diese Menschen dann auch noch besucht und obendrein später wieder kommt, nur um dort abzuwaschen. Dass ein Charakter wie Ernst sich dann auch noch genötigt sieht, darum ein kompliziertes Lügengebilde zu stricken, passt ebenfalls meines Erachtens nicht ins Bild.

Gefallen hat mir Hohlers Buch im Grunde dennoch. Mutmaßlich, weil ich es nicht als Krimi, Thriller oder ähnliches gelesen bzw. begriffen habe, sondern als eine unaufgeregt aber schön erzählte Geschichte um Vergänglichkeit und wie Dinge, insbesondere hinsichtlich der Kunst, Ewigkeiten überdauern können, beispielhaft durch Hohler veranschaulicht anhand eines in Halberstadt gepielten Orgelstücks von John Caige, das durch die Anweisung „as slow as possible“ des Komponisten hinsichtlich des Tempos dazu führt, dass es seit 2001 gespielt und erst im Jahr 2640 beendet sein wird.

Wer das Buch allerdings in der Erwartung liest, einen Dan-Brown-ähnlichen Thriller in kurz in der Hand zu haben, der dürfte möglicherweise enttäuscht werden. So ganz hat zumindest mich persönlich „Das Päckchen“ nicht erreicht.

Ich danke dem Luchterhand Verlag und dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 4,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das geschwärzte Notizbuch“ von Nicolás Giacobone

 

abc.Etüden KW 47/48 III

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

dass mein Lesefluss derzeit eher einem Leserinnsal gleicht, erwähnte ich bereits. Das bedeutet aber ja nun nicht, dass ich nicht doch immer mal eine Etüde verfassen könnte, wenn mir etwas Entsprechendes einfällt. Ja, manchmal, so wie gestern, tue ich das ja sogar, wenn mir nichts einfällt. Wie auch immer, hinsichtlich der Etüden verweise ich auf Christiane, die Wortspende kommt vom Blog Red Skies over Paradise.

 

„Oh, Du renovierst?“

„Nö – ich baue nur die Fenster aus.“

„Ähm, um neue einzubauen, nehme ich an?“

„Nö, die sollen einfach nur raus, einfach nur weg.“

„Hast Du Lack gesoffen? Nur zur Info: Es ist arschkalt draußen! Unzählige Menschen leiden unter gänzlicher Unbehaustheit und Du demontierst Dir freiwillig die Bude!? Warum denn, was hast Du Dir … oh, mein Gott, nein, Du …, Du …“

„Was denn?“

„Du hascht wieder, oder!? Gib es zu!“

„Ach, Quatsch! Aber die Fenster machen mich nicht mehr glücklich, keines davon. Also müssen sie weg!

„Ich habe keine Ahnung,  was Du mir damit …“

„Na, weil ich doch gerade ausmiste, nach der Marie-Kondo-Methode. Verkürzt gesagt: Alles, was Dich nicht glücklich macht, muss weg. Deswegen danke ich den Fenstern gleich noch in einer kurzen Zeremonie für ihren Dienst und …“

„Ich bin mir sicher, dass sich Kondos Methode eher auf Dinge im Haus beschränkt und nicht auf elementare Gebäudeteile!“

„Meinst Du wirklich?“

„Irgendwie schon. Und wie gehts dann weiter?“

„Dann kaufe ich nur noch bewusst ein.“

„Vielleicht irgendwann auch neue Fenster?“

„Ja, vielleicht …“

„Dann vielleicht auch aus Marie Kondos Shop?“

„Oh, sie hat einen Shop?“

„Japp, darin verkauft sie Leuten, denen sie beigebracht hat, sich von ihrem Nippes zu trennen, neuen Nippes.“

„Aha …“

„Ja, hier, sieh mal: eine Duftkerze für 77,40 Euro. Oder die gut 50 Gramm Matcha-Tee für über 40 Tacken. Oder hier, mein Lieblingsprodukt: eine kleine Suppenkelle für 86,40 Euro!“

„Wahnsinn!“

„Ja, oder!?“

„So viele schöne Sachen!“

Was?“

„Da gibt es ja so viele schöne Sachen.“

„Hast Du mir nicht zugehört? Eine verdammte Suppenkelle für über 80 Tacken!“ Dafür kann ich mir sechseinhalb Mal Martin Suters „Lila, lila“ kaufen und hab mein Geld wesentlich besser angelegt! Meinst Du wirklich, Du bist weniger schwermütig, wenn Du diesen Tinnef kaufst?“

„Ja! Hier, halt mal das Fenster, ich muss shoppen!“

„Na, ob Du Kondo wirklich verstanden hast …?“

 

300 Worte. Blöde 300-Worte-Begrenzung! ;-9

abc.Etüden KW 47/48 II

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

in aller Kürze gibt es heute eine zweite der von Christiane geleiteten Etüden zur Wortspende von Red Skies over Paradise.

„Na, was machst Du?“

„Ich schreibe eine Etüde!“

„Yaaay, Metaebene! Und, worüber? Wieder über „Unbehaustheit“? Krasses Wort, oder!? Wer sich so was nur einfallen lässt …“

„Ey, Mann, das Wort kannst Du doch nicht sagen!“

„Was? Unbehausheit?“

„Nein, verdammt: Metaebene! Ein Text, der eine Metaebene darstellt, muss doch nicht erwähnen, dass er eine Metaebene darstellt. So ein Text muss mit derselben lässigen Selbstverständlichkeit verfasst sein, mit der man sich im Stau eine dieser Hirschhausen-Clownsnasen aufsetzt, ohne nach links und rechts zu sehen, um die Reaktion der anderen zu beobachten, ein Text wie dieser muss …“

„So was tust Du?“

„Unterbrich mich nicht! Jedenfalls, in einem Text der eine Metaebene darstellt, kannst Du doch den Leser nicht so mit der Nase auf die offensichtlichste Eigenschaft des Textes stoßen, wie einen Hund mit der Nase auf seine in der Wohnung verteilten, vor sich hin müffelnden Hinterlassenschaften!“

„Wer macht denn so was?“

„Ach, in den 80ern gab es Menschen, die hielten das für Hundeerziehung. Ist doch auch egal … Jedenfalls, was sollen denn die Leser denken, die glauben doch, ich hielte sie für blöd, wenn ich solcherlei „Hilfestellungen“ gebe.“

„Na, die glauben auch seit gestern, Du wärst schwermütig und würdest haschen!“

„Eins davon stimmt ja auch!“

„Ähm …“

„Nicht das!“

„Wenn Du das sagst …“

„So kann ich nicht arbeiten!“

„Ach, stell Dich nicht so …“

„Geh mir aus der Sonne!“

„Sonne? Wo?“

„Verschwinde einfach!“

„Ich?“

„Tu quoque, Brute, fili mi! Hau ab!“

„Ist. Ja. Gut. Meine Fresse, da will man jemanden aufmuntern, fragt ganz nett und freundlich, was er so macht und wird dann nur dumm angemacht. Ich habe ja keine Ahnung, womit ich das ver…“

„DU. BIST. NOCH. HIIIEEER!“

„Ich geh ja schon …“

„Mein Text, mein armer Text – ich hatte so eine schöne Etüden-Idee und jetzt steht da was von Hundekacke!“

„Damit hast Du aber angef …“

„Aaaaaargh …“

 

300 Worte, die, zumindest gedanklich, heute früh so gegen 4 Uhr entstanden, als ich zum wiederholten Male nicht schlafen konnte, was, wenn wir ehrlich sind, diesen Text auch nicht hinreichend erklärt …

 

 

abc.Etüden KW 47/48 I

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

angesichts der Tatsache, dass sich mein derzeitiger Lesefluss vergleichen lässt mit der Umsetzung einer beliebigen Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag durch die GroKo, wird es bis zur nächsten Rezension noch etwas dauern. Vertreiben wir uns daher die Zeit mit einer bis mehreren der von Christiane organsierten Etüden. Die Wortspende stammt diesmal vom Blog Red Skies over Paradise.

 

„Na, wie isses?“

„Beschissen! Hast Du kürzlich mal aus dem Fenster gesehen? Gestern wurde es den ganzen Tag nicht richtig hell. Und heute? Dasselbe in grau! Kann man sich nur noch schön haschen!“

„Ist auch keine Lösung.“

„Auch wahr …“

„Außerdem ist das eine Einstellungssache. Karl Valentin hat mal gesagt: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem!“

„Boah, ja, das kann ich ja haben, diese pathologisch-fröhlichen Kalenderspruch-Klugscheißer! Alter, ich habe schon Leuten für weniger aufs Maul …“

„Heeey, so schwermütig? Ist doch nur Wetter!“

„Es ist eben nicht nur das Wetter! Heute mal Nachrichten gesehen? Belagerung einer Uni in Hongkong, Wetterchaos im Österreich, die Bundesregierung gibt der Windenergie den Gnadenschuss, Donald Trump findet Siedlungsbau in annektierten Gebieten toll, die AfD präsentiert auf 127 Seiten eine „Studie“, die primär das fragwürdige Weltbild ihrer fragwürdigen Wählerschaft bekräftigt, in Brasilien wurde im letzten Jahr so viel Regenwald abgeholzt wie seit 11 Jahren nicht mehr, in der Ostukraine …

„Da wird noch geschossen?“

„Ja sicher, es sagt einem nur keiner mehr. Und letztlich: Weltweit findet der „World´s Big Sleepout“ statt, um auf die Unbehaustheit vieler Menschen hinzuweisen.“

„Die was?“

„Na, die Obdachlosigkeit! Während es 2006 noch etwa 256.000 Obdachlose in Deutschland gab, waren es im Jahr 2016 schon etwa 860.000 Menschen, Tendenz steigend. Bald könnte die Millionengrenze geknackt sein, das muss man sich mal vorstellen!“

„2016, ja!? Hast Du keine neueren Zahlen?“

„Nope, insbesondere vonseiten der CDU gibt es immer wieder Einwände gegen eine statistische Erfassung, diese sei „nicht machbar“ oder schlicht „zu teuer“ …“

„Alter, was, „zu teuer“?“

„Japp!“

„Könnte es unter Umständen sein, nur so vielleicht, eventuell, möglicherweise, dass man seitens der Politik kein Interesse daran hat, die Zahlen zu erheben, weil man das Problem, sagen wir, unter den Teppich kehren möchte …?“

„Das könnte natürlich sein …“

„Hm, wofür steht nochmal das C in CDU?“

 

300 Worte. Der ursprüngliche Text musste um etwa 50 Worte gekürzt werden, was dann passiert, wenn man nicht zählen kann …