„Das böse Buch“ von Kai Erik – Alles, nur nicht böse!

Buch: „Das böse Buch“

Autor: Kai Erik

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 383 Seiten

Der Autor: Kai Erik ist ein 1982 im finnischen Esse geborener Schriftsteller, Comedian und Kolumnist. „Das böse Buch“ ist Eriks dritter Roman, mit dem er erstmals auch außerhalb seines Heimatlandes für Aufsehen sorgte.

Das Buch: Kann ein Buch böse sein? Oh ja! Leander Granlunds Gedichte haben bisher jedem Unglück gebracht, der mit ihnen in Berührung kam. Mickel Backman ist daher zu Tode erschrocken, als ihn ein Student in einer Vorlesung auf das ominöse Manuskript anspricht. Es ist offenbar aufgetaucht – und hat den Studenten in eine tiefe Depression gestürzt. Auch Mickel Backmans Leben gerät aus den Fugen, weil die Erinnerung an ein schlimmes Unglück zurückkehrt. Damals, als das Buch von ahnungslosen Menschen gelesen wurde…

(Quelle: Lübbe)

Fazit: Ich habe aus unerfindlichen Gründen eine Vorliebe für Bahnhofsbuchhandlungen. Wann immer sich die Möglichkeit ergibt und ich noch etwas Zeit bis zum Anschlusszug habe, stöbere ich ein wenig in einer solchen. Bei meinem letzten Besuch las ich mich ein bisschen durch die Titel der „Mord-und-Totschlag-Abteilung“, wo sich Bücher fanden wie „Der Tag an dem Du stirbst“, „Und morgen bist Du tot“, „Wenn er mich findet, bin ich tot“, „Die Stille vor dem Tod“ oder auch „Ich töte Dich“. Ich befand mich also offensichtlich im El Dorado des morbiden Literatur-Schwachsinns.

Und da fasste ich einen Entschluss, der da ungefähr lautete: „Ich kaufe jetzt unter diesen ganzen bescheuerten Titeln genau das Buch mit dem für mich bescheuertsten Titel von allen!“ Gesagt – getan, die Wahl fiel auf „Das böse Buch“. Ich war mir ziemlich sicher, hier einen erneuten Übersetzungslapsus seitens des Lübbe-Verlags vor mir zu haben, der dem Versuch geschuldet ist, das Buch für den deutschen Markt kompatibler zu machen, damit es sich besser in o.g. Titel einreiht. Allerdings heißt der Roman im Original „Onda boken“, was, wenn ich richtig liege, ziemlich genau das selbe bedeutet. Sei´s drum.

Zumindest der Klappentext las sich schon einmal gar nicht so schlecht und vermittelte mir den Eindruck, es mit einer Handlung zu tun zu haben, die an den Roman und die dazugehörige Verfilmung „The Ring“ erinnert. Leider täuschte dieser Eindruck auf ganzer Linie.

Dabei gelingt der Einstieg in das Buch sogar recht gut: Während einer Vorlesung an der Uni kommt das Gespräch auf das unveröffentlichte Werk des Schriftstellers Leander Granlund. Der Student Pasi Maars möchte über ihn seine Seminararbeit schreiben. Und nicht nur durch die übernervöse Reaktion des Dozenten Mickel Backman ist sofort die Neugier des Lesers geweckt: Was hat es mit Granlunds Werk und dem ominösen Manuskript auf sich?

Leider verlässt der Autor an dieser Stelle längerfristig diesen Handlungsstrang und beschäftigt sich mit allerlei anderen Dingen. Tatsächlich wird Granlunds Manuskript auf den ersten ungefähr 200 Seiten nur etwa dreimal erwähnt! Stattdessen berichtet Kai Erik in der Zwischenzeit detailliert über die privaten Probleme von Backman. Darüber hinaus begleitet der Leser in dieser Zeit den Studenten Pasi und seinen Kumpel Calle bei diversen Sauftouren und Drogenexzessen. Diese Vorgehensweise ist in erster Linie eines: hochgradig langweilig!

Erst nach etwa zwei Dritteln der Handlung konzentriert sich Kai Erik wieder auf das ursprüngliche Thema, die Handlung zieht deutlich an Tempo an, in Rückblenden werden dem Leser endlich Antworten auf Fragen gegeben, die dieser schon auf Seite 22 hatte. Letztlich führt er das Ganze auch zu einem zufriedenstellenden Ende. Aber bis zu diesem hat „Das böse Buch“ leider eine große Menge Potenzial verschenkt, denn bis zum Schluss wird nicht klar, was es denn nun sein will. Ein Horror-Thriller? Dafür fehlt zu viel. In erster Linie Spannung! Ein Roman über Depressionen und/oder Suizid? Dafür geht er nicht tief genug in die Thematik. Ja, selbst eine Art coming-of-age-Geschichte aus der Sicht des Studenten Calle könnte „Das böse Buch“ sein. Letztlich ist es von allem ein bisschen und nichts davon richtig.

Wenn die Geschichte wenigstens erinnerungswürdige Charaktere hätte. Aber auch da sieht es eher düster aus. Mickel Backman hat im Laufe seines Lebens so einiges durchgemacht und nie geschafft, ein paar Begebenheiten wirklich zu verarbeiten. Das klingt nach tragischem Schicksal, letztlich wirkt Backman aber wie ein rückgratloser Jammerlappen.

Pasi Maars könnte der spannendste Charakter des Buches sein, bleibt aber leider der blasseste. Klar wird, dass seine Beschäftigung mit Granlunds Werk sich nicht positiv auf seine Psyche auswirkt, aber welcher Mensch Pasi vorher war, ob er früher schon Erfahrungen mit Depressionen hatte – oder ob sie weniger im Gegenstand seiner Seminararbeit und mehr in seinem regelmäßigen Drogen- und Alkoholkonsum begründet liegen – all das bleibt im Dunkeln.

Der Student Calle ist unter den wenigen wichtigen Charakteren des Buches noch das größte Ärgernis. Er ist etwa 27 Jahre alt und studiert seit Jahren sinnlos durch die Gegend. Er hat kein Ziel und kann sich einfach nicht für eine Fachrichtung entscheiden. Als ihm aber aufgrund seiner fehlenden Leistungsnachweise – die wiederum ein Resultat seines mangelnden Engagements sind – die finanziellen Leistungen gestrichen werden, da setzt er sich nicht etwa hin und überlegt, in welche Richtung er sein Studium denn nun lenken könnte und wie er schnellstmöglich die geforderten Nachweise nachholen kann. Nein, Calle weist die Schuld an dieser Entwicklung von sich und schiebt sie den bösen Menschen zu, die ihm die Bezüge gestrichen haben: „Aber die Macht hatte ja schon immer gerne die Dinge bestimmt und reguliert, an denen sie selbst keinen Anteil hatte.“ (S. 91). Ach ja, und er beginnt, Bücher aus der Universitätsbibliothek zu stehlen und zu verkaufen! Weil das ja auch viel einfacher ist, als ein ernsthaftes Studium…

Dafür habe ich wenigstens recht wenig am Stil Eriks auszusetzen. Zuweilen rutscht die Sprache in einzelnen Sätzen aber ins Derbe bis Vulgäre ab. Damit hätte ich eigentlich keine Probleme, wenn es sich nahtlos in den restlichen Text einfügen würde. So aber wirkt es ein bisschen arg bemüht. Letztlich ist das aber noch das geringste Problem, das „Das böse Buch“ hat.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ulldart – Die komplette Saga 1“ von Markus Heitz.

 

Freitagsfragen #9

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon wieder Freitag, was einerseits bedeutet, dass das Wochenende vor der Tür steht – welches ich angesichts der Wettervorhersage für die heimischen Breiten im Idealfall größtenteils lesend verbringen werde -, andererseits bedeutet der Freitag auch eine neue Runde Freitagsfragen im Brüllmausblog. Auf geht’s, die heutigen Fragen lauten:

1. Ein Fremder bittet Dich auf der Straße um einen Rat. Was tust Du?

2. Ein Dir lieber Freund bittet Dich um eine größere Summe Geld. Gibst Du sie ihm?

3. Du bist zu einem Talentwettbewerb eingeladen. Was führst Du vor?

4. Die Wahl der Qual: eine dicke Erkältung pünktlich zum Urlaub oder einen fetten Pickel auf der Stirn vor einem wichtigen Termin?

Antwort zu 1: Das kommt darauf an. Und zwar einerseits auf meine Tagesform, Wenn ich mir vorstelle, dass mich nach einer durchwachten Nacht an einem regnerischen Montagmorgen ein Wildfremder auf der Straße und der Suche nach Erleuchtung anspricht, dann könnte es sein, dass ich ihn bestenfalls ignoriere, im schlechtesten Fall aber eine Antwort entgegenzische, gegen die „Schleich Di“ noch freundlich ist, was sich ja ohnehin, wie ich kürzlich gelernt habe, ins Hochdeutsche etwa mit „Bitte entfernen Sie sich“ übersetzen lässt. 😉

Nehmen wir aber mal an, ich hätte einen guten Tag. Auch dann lautete die Antwort: Das kommt darauf an. Und zwar darauf, um welche Art Rat es sich handelt. Ich bilde mir ein, dass ich die Menschen meines Umfeldes zwar durchaus an  meiner Meinung zu verschiedensten Themen teilhaben lasse, sofern ich diesbezüglich überhaupt eine habe, Ratschläge wiederum verteile ich dagegen relativ selten und nur auf Anfrage. Für mich gilt: Auch Ratschläge sind Schläge. Und selbst wenn man mich in einer Sache um Rat bittet, kommt es darauf an, ob ich mich mit der Materie auskenne.

Wenn der Fremde also einen Rat bezüglich seines Physikstudiums benötigen würde, müsste ich achselzuckend meine Kompetenzlosigkeit eingestehen. Sollte ich ihn aber in der Frage beraten, oder er sich „Episode VII“ oder „Rogue One“ ansehen sollte, würde ich längerfristig vor mich hin monologisieren.

Kurz: Situationsabhängig ist jede Reaktion meinerseits denkbar, von einem längeren Vortrag, der das Leben des Fremden nachhaltig und positiv verändern würde, bis hin zu: „Ich gebe Ihnen den guten Rat, ganz, ganz schnell zu verschwinden!“

Antwort zu 2: Das kommt darauf an. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mal in den Besitz einer größeren Summe Geldes gelange, tendiert ohnehin gegen null, aber gehen wir einfach mal davon aus, ich hätte diese Summe und ein mir lieber Freund würde mich darum bitten.

Dann würde ich mein – irgendwie ja auch berechtigtes – Interesse daran äußern, wozu diese Summe denn verwendet werden soll. Sollte das Geld dafür gedacht sein, es in Las Vegas auf den Kopf zu hauen, hätte sich das Gespräch an dieser Stelle erledigt. Auch für den Einbau eines dieser dynamischen Blinker, die ich kürzlich vor allem an höherpreisigen Audis gesehen habe und die so ein bisschen an K.I.T.T. erinnern – die Älteren werden sich erinnern -, würde ich nur ungern aufkommen, so unfassbar cool ich die Dinger auch finde. 🙂

Sollte die Summe aber schlicht für die Überbrückung einer momentanen Notsituation gedacht sein, dann würde ich sie dem besagten Freund natürlich geben.

Kurz: Die Einstellung „Bei Geld hört die Freundschaft auf“ ist mir ziemlich fremd.

Antwort zu 3: Das kommt darauf an. Nehmen wir mal an, ich hätte mir vor der Veranstaltung aufgrund eines gewissen Lampenfiebers ein wenig Mut angetrunken und wäre so etwa semi-hacke, dann würde ich vermutlich singen! Solange, bis der Laden leer ist. Also etwa 23 Sekunden. Ich würde es auch schneller schaffen, aber erfahrungsgemäß bilden sich immer Staus an den Ausgängen…

Nehmen wir aber mal an, ich hätte kein Lampenfieber und wäre daher nüchtern. Dann müsste ich tief in mich gehen und nachdenken. Denn ich bin vielleicht nicht talentfrei, beherrsche aber nur wenig, was des Vorführens wert wäre. Eine musikalische Darbietung vielleicht, da vokale Darbietungen ja schon nicht zu meinen Kernkompetenzen gehören!? Hmmm, ich habe zwar jahrelang Klavier gespielt, das allerdings bemerkenswert schlecht, wie die Besucher verschiedener „Vorspielabende“, die in den 80ern und 90ern an der Musikschule stattfanden, wahrscheinlich heute noch bestätigen würden. Weitere Instrumente beherrsche ich schon gar nicht, die musikalische Darbietung fällt also auch aus.

Ich hab´s! Ich würde wahrscheinlich eine Lesung durchführen. Je, genau, lesen kann ich! Das beweist alleine schon der dritte Platz damals im Vorlesewettbewerb der sechsten Klasse, der den Grundstein für allen später noch folgenden Ruhm und Reichtum gelegt hat! Den Wettbewerb gewonnen hat damals übrigens eine Schülerin, deren Mutter in der Jury saß… Ich hätte doch die Wahlbeobachter der OSZE einschalten sollen! Ja, der Stachel sitzt tief… 😉

Kurz: Ich würde also eine Lesung des Werkes des weltberühmten noch lebenden Gegenwartslyrikers Lothar Frohwein durchführen. Meine Wahl fiele da in erster Linie auf den Vortag seines Gedichts „Melusine“, gefolgt von einigen Kapiteln aus seinem Trauerspiel „Goethe in Halberstadt“.

Antwort zu 4: Auch hier gilt: Das kommt darauf an. Beispielsweise auf die Art des Termins. Handelt es sich um ein Date mit der Frau meiner Träume? Dann nehme ich die Erkältung! Ist es ein beruflicher Termin, mit Menschen, die mir wurscht sind. Dann lieber den Pickel.

So, verehrte Leserschaft, das soll es gewesen sein. Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und später dann einen guten Start in ein hoffentlich schönes, erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Der Sündenfall von Wilmslow“ von David Lagercrantz – Ungreifbarer Alan

Buch: „Der Sündenfall von Wilmslow“

Autor: David Lagercrantz

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 464 Seiten

Der Autor: David Lagercrantz, geboren 1962, ist ein anerkannter schwedischer Autor und Journalist, der dokumentargeschichtliche Romane und Biografien über schwedische Erfinder und andere gesellschaftliche Größen verfasst hat, bevor er sich der Belletristik zugewandt hat. »Der Sündenfall von Wilmslow« wurde von der schwedischen Kritik überschwänglich aufgenommen. Deutschen Lesern ist Lagercrantz durch die Biografie „Ich bin Zlatan“ ein Begriff. Lagercrantz macht zurzeit als Autor des vierten Teils von Stieg Larssons „Millenium“-Serie Furore. (Quelle: Piper)

Das Buch: England, 1954, der kalte Krieg hält die Welt in seinem eisernen Griff – und im kleinen Städtchen Wilmslow wird ein Mann tot aufgefunden. Es ist der Mathematiker Alan Turing, neben seinem Bett liegt ein mit Zyankali versetzter Apfel, alles deutet auf Selbstmord hin. Hat Turing die Repressionen nicht mehr ertragen, unter denen er als Homosexueller zu leiden hatte? Oder hat sein Tod doch etwas mit seiner Arbeit für den Geheimdienst während des Zweiten Weltkriegs zu tun? Der junge Detective Sergeant Leonard Corell, selbst einst ein vielversprechender Mathematiker, hegt den Verdacht, dass höhere Mächte ihre Finger im Spiel haben. Gegen Widerstände beginnt er, die Teile eines Puzzles zusammenzusetzen, das vielleicht eines der am besten gehüteten Geheimnisse des Kriegs offenbart. (Quelle: Piper)

Fazit: Vor einigen Wochen ergab sich für mich die Gelegenheit, den Film „The Imitation Game“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen. Ich bin nicht der Welt größter Kinogänger, weswegen ich in schöner Regelmäßigkeit Filme im Kino verpasse, die mich eigentlich interessiert hätten. Aus diesem und anderen Gründen: Ein Hoch auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen! 🙂

Da mir der Film und dessen Thema außerordentlich gut gefiel, war ich umso erfreuter, als mir in der Buchhandlung meines Vertrauens „Der Sündenfall von Wilmslow“ in die Hände fiel. So ganz wollte der Funke aber leider nicht überspringen.

Das Positive zuerst: Mit Detective Sergeant Leonard Corell ist Lagercrantz ein in jeder Hinsicht überzeugender Protagonist gelungen. Zwar wirkt auch er ähnlich frustriert und desillusioniert, wie so mancher Ermittler in skandinavischen Krimis, die ich häufig genau dafür kritisiere. Aber in Corells Fall hat seine Frustration Gründe. Und diese legt der Autor dem Leser auch detailiert dar. So hasst der Detective Sergeant seinen Job eigentlich abgrundtief, hatte er doch ursprünglich ganz andere Ambitionen. Ähnlich wie Turing selbst hatte Corell in seiner Jugendzeit ein großes Talent zur Mathematik. In diesem Bereich sah er auch seine Zukunft. Dann jedoch kam alles anders. Warum es anders kam, und welche Auswirkungen das auf die Zukunft des jungen Mannes hatte, das erklärt der Autor in Rückblicken auf Corells Kindheit und Jugend. Diese detaillierte Art der Darstellung wünschte ich mir öfter.

Daraus, dass sich Lagercrantz so viel mit seinem Protagonisten beschäftigt sowie aus der Ausgangssituation des Romans entsteht aber ein ganz anderes Problem. Der eigentliche Hauptdarsteller des Buches ist ja Alan Turing, nur ist dieser zu Beginn des Romans bereits tot. Der Versuch einer Charakterisierung des Wissenschaftlers erfolgt daher in Gesprächen zwischen Corell und einigen von Turings Weggefährten. Dabei gelingt aber eben nicht das, was beispielsweise Regisseur Morten Tyldum bzw. insbesondere Benedict Cumberbatch in „The Imitation Game“ gelingt, nämlich, mir das Gefühl zu vermitteln, was für eine Person Turing war – auch wenn Vergleiche zwischen Büchern und Filmen grundsätzlich hinken. In „Der Sündenfall von Wilmslow“ dagegen bleibt die eigentliche Hauptperson Alan Turing seltsam konturlos, irgendwie diffus. Besser wäre es meiner Meinung nach gewesen, den berühmten Mathematiker selbst auftreten zu lassen. Aber der ist ja nun, wir erinnern uns, bereits auf Seite eins tot. Lagercrantz hat sich zu diesem anderen Ansatz ganz bewusst entschieden, denn, wie er im Nachwort schreibt: „Ich fand bedauerlich wenig über sein Seelenleben. Im Unterschied zu so vielen Autoren hatte er seine Gefühle nicht in langen Briefen verströmt. Er blieb eine schwer zu greifende Gestalt (…) „ich benötigte einen Doktor Watson, der ihn von außen sah(…)“ (Seite 453).So verständlich dieser Ansatz auch ist: Auch durch den Einsatz seines Doktor Watson in Person von Detective Sergeant Corell, bleibt Turing für mich auch nach diesem Roman das, was er für Lagercrantz vorher schon war: „eine schwer zu greifende Gestalt“.

Auch inhaltlich überzeugt der Roman nicht vollständig. Der Autor hat hier das Problem, das man immer hat, wenn man Romane schreibt, die auf tatsächlichen Ereignissen beruhen: Wie erzeuge ich Spannung für die Leser, die sich mit der Materie bereits auskennen? Robert Harris zum Beispiel gelingt das in Büchern wie „Enigma“ oder ganz besonders „Intrige“ wirklich hervorragend. Selbst wenn einem die historischen Begebenheiten im Detail geläufig sind, ist Harris in der Lage, für ausreichend Spannung zu sorgen, um den Leser nicht zu langweilen. Lagercrantz gelingt das leider nicht. Auf Dauer ist es sogar irgendwann störend, wenn Corell versucht, Turings Rolle im Bletchley Park während des Zweiten Weltkriegs zu recherchieren. Seine Fortschritte macht er dabei mit der Geschwindigkeit einer Kontinentalplatte, was für den Leser ermüdender ist, als für den Protagonisten selbst.

Dass dieser Haupthandlungsstrang nicht zündet, ist umso ärgerlicher, als dass „Der Sündenfall von Wilmslow“ über ein, zwei wirklich überzeugende Nebenhandlungen verfügt. Zum Einen sei da nochmal die oben erwähnte Lebensgeschichte des Ermittlers genannt, zum Anderen das Thema des Umgangs mit Homosexualität in den 50ern, die zu dieser Zeit noch strafbar war und „therapiert“ werden musste. So hat man im Fall Turing „gnädigerweise“ von einer Gefängnisstrafe abgesehen, wenn er sich einer Hormontherapie unterzieht. Die Folgen daraus: Turing wächst der Ansatz einer weiblichen Brust, mögliche weitere Folgen sind seine schweren Depressionen, die möglicherweise zum Selbstmord geführt haben. Zur Homosexualität hat Corell eine Einstellung, die kaum von der seiner Zeitgenossen abweicht. Dass sich seine diesbezügliche Haltung im Verlauf der Handlung ein wenig ändert, wird zwar erklärt, allerdings ein wenig zu plakativ, da hätte ich mir seitens des Autors weniger klischeehafte Ideen gewünscht. Insgesamt weiß aber auch dieser Handlungsstrang leider mehr zu überzeugen als die eigentliche Haupthandlung.

Auch in stilistischer Hinsicht wurde ich mit dem Roman nicht warm. „Sperrig“ und „spröde“ sind zwei Begriffe, die den Stil des Buches über weite Strecken gut beschreiben würden.

Abschließend kann ich also für mich festhalten, dass ich auf weitere Bücher des Schriftstellers verzichten werde. Wer sich aber mit dem Gedanken trägt, einmal etwas von ihm zu lesen und wer vielleicht noch dazu die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson kennt, dem sei gesagt, dass die Taschenbuchausgabe seines Romans „Verschwörung“ am 14.08.2017 erscheint.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das böse Buch“ von Kai Erik. Ich habe mich beim Buchkauf für das Buch mit dem dümmsten verfügbaren Titel entschieden.

Bis es soweit ist, werde ich mich erstmal damit beschäftigen, meinen Schreibtisch zu desinfizieren, abzuschleifen und mit Leinöl zu imprägnieren. Ich war nämlich eben gezwungen, ein Waldeidechsenweibchen einzufangen, dass es sich zwischen Monitor, Schreibtischlampe und externer Festplatte gemütlich gemacht hatte! Als ich seiner ansichtig wurde, reagierte ich mit der mir innewohnenden Souveränität: Ich rief laut „Wuäääh“ und rollte mit dem Schreibtischstuhl reflexartig etwa 478 Meter nach hinten. Kurz hatte ich die Hoffnung, dass sich jemand einen Spaß mit mir erlaubt hätte, und mir so ein Scherzartikel-Gummi-Gecko-Ding dorthin gelegt hat. Bei näherer Betrachtung des possierlichen Tierchens schlug dieses jedoch die Augen auf. Scherzartikel tun so etwas nicht. Nun, wie auch immer, jetzt ist das Tierchen wieder in Freiheit und ich habe das dringende Bedürfnis, mich abzukärchern! Die geneigte Leserschaft erkennt: Eidechsen, eigentlich Reptilien im Allgemeinen, sind nicht so meins! 🙂

„Die Gestirne“ von Eleanor Catton – Ein literarischer Stern

Buch: „Die Gestirne“

Autorin: Eleanor Catton

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 1038 Seiten

Die Autorin: Eleanor Catton ist eine 1985 in Kanada geborene neuseeländische Schriftstellerin. Sie studierte Englisch an der University of Canterbury und anschließend Kreatives Schreiben an der Victoria University of Wellington.

Im Jahr 2008 erschien mit „The Rehearsal“ ihr Romandebüt. Für die 2010 veröffentlichte deutsche Ausgabe übersetzte man den Titel völlig logisch mit „Die Anatomie des Erwachens“…

Für ihren im Jahr 2013 veröffentlichten zweiten Roman „Die Gestirne“ erhielt die junge Autorin den begehrten Booker Prize. Eleanor Catton lebt in Auckland und unterrichtet Kreatives Schreiben am Manukau Institute of Technology.

Das Buch: In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond.

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst. (Quelle: btb)

Fazit: Ein diesem immerhin über 1.000 Seiten umfassenden Roman angemessenes Fazit würde meinen Blog nahe an die Grenzen seiner Speicherkapazität bringen. Daher bemühe ich mich um Kürze und darum, dennoch alles Wichtige zu erwähnen.

Der Einstieg in „Die Gestirne“ fiel mir, wie ich zugeben muss, etwas schwer. Cattons Schreibstil ist außerordentlich schön, manchmal aber eben auch etwas weitschweifig. So wird zu Beginn umfassend das emotionale Innenleben des Protagonisten Walter Moody beschrieben, und ich dachte mir nach ein einigen Seiten:“Ob das jetzt wohl immer so weiter geht…?“ Ja, das tut es, und auf diesen weitschweifigen Stil muss man sich einlassen. Wenn man das tut, steht einem großartigen Lesevergnügen aber nichts mehr im Wege.

Cattons Stil bietet, neben der sprachlichen Schönheit, durchaus auch weitere Vorteile. Die Geschehnisse rund um die ungelösten Verbrechen werden von einigen der o. g. zwölf Männer nacheinander erzählt. Die jeweiligen Schilderungen der Erzähler leitet Catton durch eine intensive Beschreibung der Charaktere, deren Wesen und Hintergrund ein. Die einzelnen Erzählungen lässt die Autorin auf schon fast filmische Art ineinander übergehen, indem sie sinngemäß schreibt „verlassen wird nun Charakter X und wenden uns Charakter Y zu, der zum selben Zeitpunkt, an dem X an den Klippen steht…“ usw. Ich für meinen Teil hatte in solchen Momenten schon fast „Star Wars“-ähnliche Szenenwechsel vor Augen.

Die Charakterisierung der einzelnen Personen findet, wie erwähnt, im Rahmen von deren Erzählungen statt. Das hat zwar den Vorteil, dass man gleich zu Beginn der jeweiligen Erzählung das Gefühl hat, den Charakter in- und auswendig zu kennen, im Laufe der Zeit bleibt allein durch diese komprimierte Art der Charakterisierung und den großen Umfang des Romans aber so einiges auf der Strecke. Trotzdem finde ich, dass man in diesem Bereich nicht vieles besser machen kann, als die Autorin es tut.

Nachdem Stil und Charaktere meine Zustimmung finden, bleibt die Handlung als solche. Und auch hier kann ich kaum etwas kritisieren. Zwar scheint die Autorin nach ihrem 400 Seiten starken Debüt den Gedanken gehabt  zu haben: „Jetzt beweise ich den Leuten mal, dass ich auch so richtig umfangreich kann“, aber dennoch ist meiner Meinung nach keine dieser 1038 Seiten überflüssig, die Handlung bleibt durchgehend spannend und komplex. Man merkt der Autorin an, dass sie Spaß am Erzählen, am Fabulieren hat.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist, dass sich mir die Namensgebung des Romans, die Fixierung auf Gestirne – in der Personenübersicht werden Charaktere mit Sternen, andere mit Planeten gleichgesetzt – nicht wirklich erschlossen hat. Gut, bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Kapitel in ihrer Länge abnehmen. Das zweite hat nur noch etwa die Hälfte des Umfangs des ersten, das dritte nur noch etwa die Hälfte des Umfangs des zweiten usw. Mit viel Wohlwollen kann man das ja mit Mondphasen gleichsetzen. Was das Ganze ansonsten mit Astronomie und Astrologie zu tun hat – keine Ahnung.

Dabei möchte ich es auch schon bewenden lassen, auch und weil ich vor Beginn meiner Rezension eine Rezension in der „Welt“ gelesen habe, die mich ein wenig demoralisiert hat. Einmal, weil sie ungleich besser geschrieben ist und zweitens, weil sie offensichtlich meine Begeisterung für „Die Gestirne“ nicht teilt. Und außerdem, weil dort ein Feuilletonist den Eindruck vermittelt, er halte sich für ganz was Dolles und müsse das jetzt mal beweisen, indem er einen preisgekrönten Roman schlecht schreibt. Aber das ist natürlich nur meine Eindruck. Wer sich also eine Gegenmeinung verschaffen möchte, der möge dort nachlesen.

Ich, für meinen Teil, bleibe bei meiner Meinung: „Die Gestirne“ ist eines der bisherigen Handvoll Lese-Highlights des Jahres. Es ist eindringlich, wunderbar geschrieben und in erzählerischer Hinsicht meisterhaft!

P.S. Bei solchen Wälzern, die auch in der deutschen Übersetzung sprachlich anspruchsvoll wirken, ist es angebracht, ein Wort über den Übersetzer – im vorliegenden Fall die Übersetzerin – zu verlieren: Melanie Walz hat einen hervorragenden Job gemacht! Ihre Art, „Die Gestirne“ zu übersetzen, erinnerte mich immer wieder dunkel an „Lemprières Wörterbuch“ – an dem ich, wie ich zugeben muss, auf ganzer Linie gescheitert bin, trotz mehrfacher Versuche. Und siehe da, später stellte sich heraus: Melanie Walz hat auch „Lemprières Wörterbuch“ übersetzt – ein Zeichen dafür, dass mein Sprachgefühl doch noch nicht ganz tot ist. 🙂

Wertung

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9,5 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Sündenfall von Wilmslow“ von David Lagercrantz.

 

 

Freitagsfragen # 8

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die nächste Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog steht an. Da lasse ich mich doch nicht lange bitten. Heute harren folgende Fragen ihrer Beantwortung:

1. Du gründest eine Partei. Wofür steht sie, was macht sie aus und was unterscheidet sie von anderen Parteien?

2. Welches Lied macht Dich glücklich?

3. Was war das beste Essen, an das Du Dich erinnern kannst?

 

Antwort zu 1.:

Schwierige Frage. Zwar bin ich durchaus ein politisch interessierter Mensch, aber ich denke, aus den verschiedensten Gründen würde ich eigentlich davon absehen, eine Partei zu gründen.

Zum Einen informierte mich die Tageszeitung von heute – die Älteren erklären den Jüngeren bitte, was das ist – darüber, dass im schönsten Bundesland der Welt – also, Niedersachsen natürlich – bei der bevorstehenden Bundestagswahl ganze 18 Parteien zur Wahl stehen werden. Selbst wenn man den ganzen Parteien, die schon per Namensgebung einen eher monothematischen Eindruck machen, vielleicht kritisch gegenübersteht, sollte da trotzdem für Jeden irgendwas dabei sein.

Darüber hinaus scheint es innerhalb einer Partei aus der Mode gekommen zu sein, unterschiedliche Meinungen zu haben und diese auch zu vertreten. Man orientiert sich einfach an der von der Parteispitze geäußerten Meinung zum Thema XY, Stichwort Fraktionszwang. Ich würde also meine Parteimitglieder unterschwellig ihrer Meinung berauben, was sich schwerlich mit meinem Gewissen vereinbaren ließe.

Und letztlich diese ganzen Verpflichtungen! Sitzungen, Parteitage, Eröffnungen von Schützenfesten und Baumärkten – nein, das wäre nichts für mich.

Sollte ich aber dennoch irgendwann mal eine Partei gründen, läge die Ursache dafür genau darin begründet, in der auch die Ursache für mein politisches Interesse begründet liegt: In meiner Fähigkeit, mich grenzenlos aufzuregen! Meine Partei würde sich in programmatischer Hinsicht also in erster Linie mit Dingen beschäftigen über die ich mich aufrege. Als da wären (ein nur sehr kurzer Auszug, dessen, was anzuführen ich in der Lage wäre):

  • Ich rege mich immer noch darüber auf, das Bildungspolitik Ländersache ist. Und dass man das Studienmodell hierzulande zugunsten eines anderen aufgegeben hat, das sich in erster Linie durch fancy Bezeichnungen für state-of-the-art-Abschlüsse und die Verkürzung der Studienzeiten auszeichnet. Damit man als Studentin oder Student bloß nicht mehr in die Verlegenheit kommt, außeruniversitäres Leben kennen zu lernen. Damit man möglichst frühzeitig lernt, mit Druck umzugehen. Damit man der Wirtschaft möglichst früh zur Verfügung steht. Damit – ach, lassen wir das.
  • Ich rege mich auch immer noch über die Entwicklung im Bereich der Pflegeberufe auf. Oben erwähnte Tageszeitung enthielt einen Artikel, aus dem hervorging, dass in Kliniken verstärkt Zeitarbeitskräfte tätig seien. Und dass in der Pflege tätige Festangestellte zunehmend ihre Jobs kündigten, um als Zeitarbeitskraft tätig zu sein. Die Vorteile dabei sind schlicht: In der Pflege finden die Zeitarbeitskräfte immer einen Job, sparen sich den betrieblichen Druck, weil sie nach ihrer kurzen Anstellung eh wieder weg sind und sie werden in vielen Fällen auch noch besser bezahlt als die Stammbelegschaft. Irgendwas läuft doch da verkehrt.
  • Eine weitere Fehlentwicklung in Pflege- und Sozialpolitik hat Frau Nahles mit ihrem Bundesteilhabegesetz und dem Pflegestärkungsgesetz 3 – muhaha, „Stärkung“ – eingeleitet. Eine Auswirkung dieses Gesetzes ist in meiner heimischen Pampa fast vor der Haustür zu finden. Dort hat die Paritätische Lebenshilfe seit geraumer Zeit ein Gebäude für mehrere Millionen Euro hochgezogen, in dem unter anderem 15 oder 16 behinderte Menschen im Rahmen einer betreuten WG einziehen sollten. Dafür waren Zuschüsse des Landes eingeplant, weil diese Einrichtung sonst nicht zu finanzieren ist. Nun aber haben sich Juristen der Lebenshilfe mit den Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes – oder wie ich es mittlerweile nenne: „Die Goldene Bulle der Sozialpolitik“ – auseinandergesetzt und sind dabei auf Probleme gestoßen. Es kann nämlich sein, dass diese WG-Unterbringung seitens der zuständigen Behörde aufgrund des hohen Pflegebedarfs der WG-Bewohner mit einer Heimunterbringung gleichgesetzt werden kann bzw. als solche angesehen wird. Und dafür gibt es dann eben keine Zuschüsse. In anderen Bundesländern hat es schon einige Einrichtungen gleicher Art gegeben, denen in diesem Jahr aus eben diesem Grund die Zuschüsse von heute auf morgen gestrichen wurden. Das geplante Projekt geht also nicht an den Start, die eine Hälfte der potenziellen WG-Bewohner wohnen weiterhin zu Hause bei den Eltern, die andere Hälfte bleibt in Heimunterbringung. Eine klassische lose-lose-situation. Außer für die Behörde natürlich…
  • Und, wie Otto Walkes immer so schön sagte: „Ein´ hab´ ich noch!“. Ich rege mich in letzter Zeit auch wieder zunehmend über das Politikersprech auf. Vorhin, zum Beispiel, da wurde ein CDU-Mitglied zum Thema der Fahrverbote in Stuttgart befragt und sagte, dass es sich dabei nicht um „Fahrverbote“ handele, sondern um „innerstädtische Durchfahrtsbeschränkungen“. In solchen Momenten möchte ich den Fernseher einwerfen! Generell habe ich nichts gegen virtuosen Umgang mit unserer schönen Sprache, im Gegenteil. Aber irgendwann ist es doch mal gut. Da man aber den rhetorisch geschulten Politikern nicht vorschreiben kann, wie sie zu reden haben, könnte man aber trotzdem an anderer Stelle ansetzen. Beispielsweise bei Behördenschreiben und Antragsformularen. Manche Behördenschreiben und nahezu alle mir bekannten Antragsformulare sind dermaßen kryptisch für den Otto-Normal-Sprachverwender formuliert, dass es mir eine wahre Freude wäre, das alles mal auf Normalniveau „einzudeutschen“. Darüber hinaus erschließt sich mir auch nicht, warum man eine Einkommensteuererklärung online ausfüllen kann – ja, muss – und dabei in den Genuss einer derart detailierten Hilfefunktion kommt, dass jeder mäßig begabte Golden Retriever diese ausfüllen könnte – sofern nicht 5-7 Einkunftsarten darin vorkommen -, dass man seinen ALG-II-Antrag aber auf Papier unter Zuhilfenahme unzähliger „Ausfüllhinweise“ – die praktischerweise ähnlich kryptisch wie das Formular geschrieben sind und im Umfang sämtlichen deutschen Steuergesetzen nur unwesentlich nachstehen – auszufüllen hat.

 

Ach ja, was lernen wir daraus: Zu Politik sollte man mich nicht befragen, weil man sonst Zeuge eines ausschweifenden Antwortversuches werden könnte…

 

Antwort zu 2:

Die meisten Sachen, die heutzutage im Radio gespielt werden, machen mich eher aggressiv. So leitet Lady Gaga ihre Lieder manchmal durch Worte(?) ein, die ich allerhöchstens von mir gebe, wenn ich mich nach durchzechter Nacht übergebe. „Ro mah ro-mah-mah, Gaga oh-la-la!“ und solche Weisheiten. Bei Sean Paul denke ich mir ebenfalls häufig: „Mach mal ´n Satz draus, Alter!“. Und ob ich bei Pharrell Williams „Happy“ freundlich mitwippe oder das Autoradio durch das geschlossene Fenster werfe, hängt ganz entschieden von meiner Tagesform ab.

Einzelne Songs, die mich in gute Stimmung versetzen, sind daher fast ausschließlich älteren Datums. Da wären solche Nummern zu nennen wie „Mr. Jones“ von den „Counting Crows“, „Higher“ von „Creed“, „Alive“ von Pearl Jam oder „Parade“ von „Matchbox Twenty“.

Antwort zu 3:

Essen ist für mich ein ziemlich vergängliches Vergnügen. Ich merke mir also so etwas selten über einen längeren Zeitraum und Sätze wie: „Weißt Du noch, dieser Nudelauflauf ´86 bei Giacomo?“ wird man von mir nicht hören. Aber ich befinde mich in der glücklichen Lage, eine ganz zauberhafte Person zu kennen, die in der Lage ist, ganz fantastische Rumpsteaks und eine Reihe anderer kulinarischer Wunder zu zaubern, ich schätze mal, dass eines davon die Antwort auf diese Frage wäre, ohne jetzt ein Einzelbeispiel nennen zu können.

Das war es auch schon wieder. Gehabt euch wohl!

 

„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek – Spannung und Fäkalwitze

Buch: „Passagier 23“

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Sebastian Fitzek, 1971 in Berlin geboren, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der letzten Jahre. Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt mittlerweile bei rund 6 Millionen verkaufter Bücher weltweit.

Nach seinem Abitur studierte Fitzek Tiermedizin, wechselte allerdings später zu Jura. Dieses Studium beendete er 1996 mit einer Doktorarbeit zum Thema „Urheberrecht“. Anfang der 2000er begann Fitzek, Bücher zu schreiben. Sein erstes Buch, „Die Therapie“, wurde bereits ein großer Erfolg, trotz einer bescheidenen Erstauflage von gerade mal 4.000 Stück. Mittlerweile hat Fitzek 13 Psychothriller veröffentlicht und zu weiteren 5 Büchern Kurzgeschichten beigetragen.

Das Buch: Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt …

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm… (Quelle: Knaur)

Fazit: Ich gebe zu, ich habe eine seltsame Angewohnheit! Jetzt werden alle, die mich persönlich kennen und hier lesen, auflachen und sagen: „Ja, sicher: eine!“  Daher muss ich präzisieren und sagen: Was den Kauf von Büchern angeht, habe ich eine seltsame Angewohnheit. Und zwar verhält es sich so, dass ich von meinen Lieblingsautoren und Autorinnen – exemplarisch seien hier mal Katzenbach, Eschbach, Mitchell und eben Fitzek genannt – ungerne alle bereits erschienenen Bücher besitze. Viel lieber ist mir, wenn es da noch ein oder zwei Bücher gibt, die ich noch nicht kenne.

Das Ganze hat den einfachen Hintergrund, dass ich dann jederzeit so etwas sagen könnte wie: „Ach, mir wäre mal wieder nach Eschbach!“ Und dann könnte ich losziehen und mir das noch fehlende Buch kaufen. Wenn ich aber eben schon alle erschienenen Bücher kenne, wäre ich in diesem Fall gezwungen, auf die Veröffentlichung eines neuen Buches zu warten. Ein grausamer Zustand!

So geht es mir eben auch mit Sebastian Fitzek. Daher scheute ich lange vor dem Kauf von „Passagier 23“ zurück, weil ich eben alle anderen Thriller – Bücher, die in Zusammenarbeit mit anderen Autoren entstanden sind, mal ausgenommen – von ihm schon kenne. Trotzdem konnte ich irgendwann nicht widerstehen und griff zu „Passagier 23“. Und das war – so viel kann ich vorwegnehmen – eine ausgesprochen gute Entscheidung.

Und das, obwohl ich bei „Passagier 23“ durchaus das Eine oder Andere zu kritisieren habe. Am wenigsten trifft das noch auf den Stil zu. Zwar wird Fitzek wohl nicht mehr der größte Stilist der Literaturgeschichte werden, der mit eloquenten, ausgefeilten Satzkonstruktionen nur so um sich wirft, aber so wirklich notwendig ist das ja auch nicht. Manchmal driftet „Passagier 23“ zwar arg ins Umgangssprachliche ab, aber damit kann ich umgehen. Die gewohnt kurzen Kapitel erzeugen den selben Effekt wie eine Partie „Civilization“, bei der man trotz vorgerückter Stunde sagt: „Ach komm, eine Runde noch!“, nur um kurz danach erstaunt festzustellen, dass draußen bereits die Sonne aufgeht. Fans von Sid Meier werden wissen, was ich meine. Und so geht es dem Leser auch hier. Immer wieder unterbricht Fitzek seine kurzen Kapitel an einer Stelle, die einen verleitet, eben „nur noch das nächste Kapitel“ weiter zu lesen. Bis zum Morgengrauen…

Im Bereich der Charaktere bietet sich da schon mehr Ansatz zur Kritik. So halte ich den Protagonisten Martin Schwartz zwar im Grunde genommen durchaus für gelungen, seine selbstzerstörische Art und seine – mit Verlaub – „scheißegal-Einstellung“ allerdings empfinde ich schon irgendwie deutlich überzeichnet, auch wenn diese mit seiner Lebensgeschichte und seinem Gefühl, nicht mehr wirklich etwas zu verlieren zu haben, erklärt wird. Trotzdem konnte mich Fitzek mit seinem Protagonisten weitgehend überzeugen, ich nahm durchaus Anteil an seinem Schicksal. Die Nebenfiguren gefallen mir ebenfalls – mit einer verheerenden Ausnahme, zu der ich Herrn Fitzek gerne mal befragen würde: An Bord der „Sultan of the Seas“ befindet sich nämlich unter anderem Gerlinde Dobkowitz, eine ältere Dame, so möchte ich sie mal nennen. Diese weit über 70 Jahre alte Frau zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, des Öfteren mehr oder weniger unangebrachte Fäkalwitze und ähnlichen Unsinn von sich zu geben. Gut, in Fitzeks Büchern tauchen öfter mal eher seltsame Charaktere auf, Gerlinde Dobkowitz ist aber schlicht und einfach wirklich zu viel des Guten.

Die Handlung wiederum überzeugt mich voll und ganz. Ich gehe sogar soweit, dass sich diese in meiner persönlichen Rangliste der Fitzek-Bücher gleich nach „Die Therapie“ und „Der Seelenbrecher“ einreiht. Sie überzeugt durch anhaltende Spannung und ist sowohl tempo- als auch wendungsreich. Bis, ja, bis zum Schluss, als eigentlich alles schon geklärt ist, Herr Fitzek aber wohl meinte, er müsste noch einen obendrauf setzen und die Mutter aller überraschenden Wendungen einbauen. Das war dann aber eben auch zu viel des Guten und ohne diesen Abschluss hätte mir „Passagier 23“ noch besser gefallen.

Trotz und alledem: Ein richtig gutes Buch!

Den Interessierten sei gesagt, dass bereits am 25.10.2017 Fitzeks neues Buch „Flugangst 7a“ erscheint. Für mich, der noch nie freiwillig geflogen ist und im unwahrscheinlichen Falle eines irgendwie gewonnenen USA-Urlaubs die Option „schwimmen“ ernsthaft in Betracht zieht, ist das eigentlich wieder ein Pflichtkauf. Aber dann stünde ich ja wieder vor dem eingangs geschilderten Problem…

Hach, das Leben kann manchmal wirklich schwierig sein! 😉

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

Buch-Date # 5: „Das Walmesser“ von C.R. Neilson

 

Hallo, liebe Leserinnen  und Leser,

mit einer leichten Verspätung aufgrund widriger Umstände, die ich zu entschuldigen bitte – die Verspätung, nicht die Umstände – gibts zur fünften Ausgabe des Buch-Dates nun auch meine Rezension. Während ich meinerseits die Ehre hatte, dem lieben Zeilenende einige Lektüre-Vorschläge zu machen, kamen die Vorschläge für mich diesmal zu meiner großen Freude von wortgeflumselkritzelkram, der ich an dieser Stelle nochmal dafür danke und herzliche Grüße in das aktuelle Urlaubsdomizil sende. 🙂

Zur Wahl standen für mich diesmal nicht nur drei, sondern sogar vier Bücher, wortgeflumselkritzelkram hat nämlich zusätzlich noch eine Art Zusatzjoker aus dem Hut gezaubert. Erfreulicherweise orientieren sich die Vorschläge ausschließlich an meinen literarischen Vorlieben – und deren genauem Gegenteil. Die Vorschläge lauteten im einzelnen:

„Das Walmesser“ von C.R. Neilson, ein auf den Färöer-Inseln spielender Krimi.

„Gefährtin des Lichts“ von Barbara Hanley, ein Fantasy-Roman rund um die Geschichtsstudentin Gil, die plötzlich in die Rettung des Fantasy-Reichs Darwarth involviert wird.

„Das Elfenportal“ von Herbie Brannan, ein Fantasy-Roman in dem der junge Henry im Garten den auf Schmetterlingsgröße geschrumpften Pyrgus Malvae findet. Zusammen stellen sich die beiden der Bedrohung durch den Dämonenfürsten

und schließlich der Zusatzjoker, „Der Jäger der Nacht“ von Andrew Fukuda. Ein Vampirbuch! Ja, genau! 🙂

Rollen wir das Feld hinsichtlich meiner Entscheidungsfindung mal von hinten auf:

Den Vorschlag „Der Jäger der Nacht“ habe ich wohl ausschließlich meiner wiederholt geäußerten Abneigung gegenüber der Darstellung der Spezies Vampir in der modernen Fantasy- und/oder Thriller-Literatur zu verdanken. JA, ich gebe zu, ich bin in diesem Bereich etwas dogmatisch. Unter dem Oberbegriff „Vampir“ lasse ich nur durchgehen: Erstens Bram Stoker, zweitens Brad Pitt und Tom Cruise sowie drittens Kate Beckinsale. Und Letztere erscheint in dieser Auflistung ausschließlich aus ästhetischen Gründen…

Jedenfalls, vor diesem Hintergrund war dieser Vorschlag recht schnell aus der Verlosung verschwunden. Dass es zusätzlich noch unter Jugendliteratur läuft, tat das sein Übriges.

„Das Elfenportal“ hatte im Grunde genommen ähnliche Probleme, in die engere Wahl zu kommen, denn: Ja, ich halte moderne Vampire in der Fantasy-Literatur für völlig verzichtbar. Leider folgen aber in meiner persönlichen Abneigungsrangliste umgehend Elfen jedweder Couleur. Ob Tolkien, Hennen oder wer auch immer, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle. Unabhängig davon sprach gegen „Das Elfenportal“ aber auch, dass es ein Jugendbuch sowie ein Mehrteiler ist und die Inhaltsangabe insgesamt etwas zu brav und niedlich für mich klingt. Die Elfen waren also auch draußen.

„Die Gefährtin des Lichts“ erschien eigentlich recht interessant und kam in die engere Wahl. Letztlich habe ich mich aber dann doch dagegen entschieden, weil ich es irgendwie nicht mag, wenn Fantasy-Romane teilweise in der realen Welt spielen oder die Protagonistin plötzlich in eine Fantasy-Welt versetzt wird, z. B. durch Kleiderschränke oder was auch immer. Man ersetze die Fantasy-Welt durch Schottland und hat einen handelsüblichen Diana-Gabaldon-Roman. Brrrrr… 🙂 Jedenfalls, die reale Welt hat aus meiner Sicht nichts in Fantasy-Büchern verloren. Das ist bei mir so eine Immersions-Sache. 🙂

Da blieb also noch „Das Walmesser“ welches glücklicherweise auch meine vollste Zustimmung fand. Schreiten wir also zur Tat und begeben uns auf eine weite Reise in den hohen Norden:

Buch: „Das Walmesser“

Autor: C. R. Neilson

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 510 Seiten

Der Autor: C. R. Neilson ist das Psedonym des schottischen Schriftstellers Craig Robertson, geboren am 22.04.1962 in Dunfermline, Schottland.

Craig Robertson kann auf eine 20-jährige Karriere als Journalist bei der Glasgow Sunday Post zurückblicken. Er hat drei Prime Minister interviewt, berichtete über 9/11, Dunblane, das Verschwinden von Madeleine McCann, war der Erste, der Susan Boyle interviewte, verbrachte Zeit in einer Todeszelle in den USA und verteilte Medikamente gegen Polio in Indien. Sein erster Roman Und Rache solltst du nehmen erschien 2011. „Das Walmesser“ wurde im englischen Original im Jahr 2014 veröffentlicht. (Quelle: Heyne)

Das Buch:  Der Schotte John Callum reist auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit auf die Färöer-Inseln, um dort in Ruhe einen Neuanfang zu starten. Er lebt sich langsam ein, gewöhnt sich an das raue Leben auf den Inseln und bändelt schließlich sogar mit einer jungen Inselbewohnerin an.

Nach einer durchzechten Nacht ändert sich alles. Callum wird morgens wach und findet sich auf dem Hafengelände wieder. Er kann sich an den Vorabend nur noch teilweise erinnern. Benommen wankt er nach Hause, greift in seine Jackentasche und damit in die Klinge eines „Grindaknívur“, eines traditionell zum Schneiden von Walfleisch genutzten Messers. Auf der Klinge befindet sich Blut. Aber es ist nicht sein eigenes.

Als kurz danach die Runde macht, dass ein allseits bekannter Färinger erstochen wurde, muss sich Callum die Frage stellen, ob er vielleicht einen Mord begangen hat.

Fazit: Der Einstieg in „Das Walmesser“ gelingt C.R. Neilson wesentlich leichter und besser als mir der Einstieg in diese Rezension. Ich hoffe dennoch, dass ich all das, was ich zu diesem Roman zu sagen habe, in eine halbwegs strukturierte Form bekomme.

Der Einstieg also. Neilson schildert die Ereignisse in „Das Walmesser“ durch seinen Protagonisten und beginnt mit dessen Flug auf die Färöer-Inseln. Dabei zeichnet sich Callum gelegentlich durch eine Art trockenen sakastischen Witz aus, der mir ausgesprochen gut gefiel, der aber leider im Laufe der Handlung vollkommen auf der Strecke bleibt. Und das ist leider nicht der einzige, aber der unwichtigste Punkt, der mir hinsichtlich seiner Charakterentwicklung unangenehm aufgefallen ist. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass Callum Schottland aus gutem Grund verlassen hat. Er floh vor Schwierigkeiten, in die er aufgrund seines aufbrausenden Wesens geraten ist. Eigentlich doch Grund genug, es fortan besser zu machen. Aber er macht es nicht besser. Im Verlauf des Buches hätte ich ihm gerne ein Anti-Aggressions-Training empfohlen.

Auch weitere Aspekte seines Handelns konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Dem Einen oder Anderen wird es schon mal passiert sein, am Morgen nach einer durchzechten Nacht einen „Filmriss“ gehabt zu haben. Eine wohl sehr unangenehme Situation, muss man seinen am Vorabend anwesenden Freunden doch glauben, wenn sie einem erzählen, dass man in der Kneipe im Baströckchen gewandet und Konfetti werfend zu Musik von Helene Fischer auf der Theke getanzt hat – man weiß es schließlich nicht besser. Eine normale Reaktion wäre, sich zumindest vorzunehmen, so etwas in der Folge nicht wieder passieren zu lassen. Umso schlimmer wäre es doch, wenn da anstelle des erwähnten Baströckchen-Tanzes ein möglicher Mord im Raume stünde. Ich würde als erste Amtshandlung die berühmten Worte „Nie wieder Alkohol“ von mir geben, Callum bechert aber fröhlich weiter.

Darüber hinaus ist Callum nicht der einzige Charakter, mit dem ich so meine Probleme habe. Die meisten zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie fast alle die gleiche Angewohnheit haben, zu der ich später komme. Lediglich Callums Freundin Karis ist ein wirklich spannender, vielschichtiger Charakter.

In stilistischer Hinsicht sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Neilsons großartige Beschreibungen der Natur und der Landschaft auf den Inseln vermitteln intensive Bilder vor dem inneren Auge des Lesers und erweckte in mir fast schon den Wunsch, diesem rauen Landstrich selbst einen Besuch abzustatten. Ja, es muss wirklich schön sein da oben. Auch sonst ist dem Autoren in diesem Bereich wenig bis nichts vorzuwerfen. Die durch seine Schilderungen erzeugt raue Atmosphäre überträgt sich auch auf die Handlung und zieht sich gekonnt durch den ganzen Roman.

Besagte Handlung bietet eigentlich auch wenig Ansatz zur Kritik, lediglich eine Sache ist mir aufgefallen. Es mag nur mir so gehen, aber bereits beim Lesen stolperte ich über ein bis zwei Textstellen, die für die Lösung des Mordfalls von elementarer Wichtigkeit sind und die dem Leser irgendwie schon plakativ vor die Füße geworfen werden, damit er oder sie es ja nicht übersehe. Das hätte mich allerdings deutlich mehr enttäuscht, wenn der Autor da am Ende nicht doch noch diesen unvorhergesehenen Story-Twist eingebaut hätte…

Mein größter Kritikpunkt betrifft eine Sache, die sich sehr auffällig durch den ganzen Roman zieht: Es wird unheimlich viel getrunken! Eigentlich muss man sagen: Es wird dauernd gesoffen! Und das ist auch das, was, wie oben erwähnt, erschreckend viele Charaktere miteinander gemeinsam haben. Callums Freundin Karis: säuft! Callums Kumpel Tummas Barthel: säuft! Callum selbst: Sorgt dafür, dass der durchschnittliche Alkoholverbrauch auf den Inseln sprunghaft ansteigt. Ja, sogar die eingeflogenen dänische Frau von der Spurensicherung kippt sich einen in die Rübe.

Jetzt mag es ja sein – ich kann das nicht beurteilen -, dass man auf den Färöer-Inseln überdurchschnittlich viel trinkt. Möglicherweise ist das auch eine Angewohnheit, um 300 Regentage im Jahr und gelegentliche händisch durchgeführte Massaker an Grindwalen angemessen zu verarbeiten. Aber die Art und Weise, wie sich diese Sauferei durch das Buch zieht – völlig unwidersprochen und als völlig normales Handeln dargestellt -, nee, Mr Neilson, das geht so nicht!

Wertung:

Handlung: 8 bon 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

 

„Die Anatomie des Teufels“ – Vergleiche und ihre Auswirkungen

Buch: „Die Anatomie des Teufels“

Autor: Jordi Llobregat

Verlag: blanvalet

Ausgabe Paperback, 608 Seiten

Der Autor: Jordi Llobregat interessiert sich leidenschaftlich für Geschichte, im Besonderen für die Entwicklung von Städten. Neben dem Schreiben arbeitet er in einer Firma, die sich mit Stadtentwicklung befasst. Außerdem ist er der Direktor des Noir-Fiction-Festivals Valencia Negra. Er hat bereits mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht und ist Mitglied der Autorengruppe El Cuaderno Rojo. Llobregat lebt in Valencia, hatte aber zu Barcelona schon immer eine enge Verbindung, da seine Familie mütterlicherseits dort ihre Wurzeln hat. »Die Anatomie des Teufels« ist sein erster Roman. (Quelle: blanvalet)

Das Buch: 1888: Der junge Gelehrte Daniel Amat führt in London, fernab seiner spanischen Heimat, ein beschauliches Leben. Er ist Dozent an der Universität und mit der Tochter des Rektors verlobt. Die Hochzeit steht kurz bevor.

Da erreicht ihn eine Depesche aus Barcelona, die ihn vom Tod seines Vaters informiert. Schockiert reist Daniel nach Spanien ab, um sich dort um die Nachlassangelegenheiten zu kümmern. Nach der Beerdigung wird er vom Journalisten Bernat Fleixa angesprochen. Fleixa ist davon überzeugt, dass Amats Vater einem Mord zum Opfer gefallen ist.

Zusammen beginnen die Beiden, dieser Vermutung auf den Grund zu gehen. Und als Amat ein Notizbuch seines Vaters in die Hand fällt, das auf ein altes Manuskript verweist und und in Barcelona immer häufiger Frauenleichen aufgefunden werden, stellt sich Daniel die Frage, ob sein Vater einem Mörder auf den Fersen war.

Fazit: Die spanische „El Periodico“ findet: „Die Fans von Carlos Ruiz Zafón werden den Roman von Jordi Llobregat lieben.“ Das möchte ich gar nicht mal kategorisch ausschließlich. Ich frage mich nur immer, ob diese Vergleiche zu bekannten Schriftstellern und/oder Bestseller-Autoren sein müssen. Und welche Gründe zu Vergleichen wie diesem führen.

Gut, beide Autoren sind Spanier. Vor dem Hintergrund könnte man Llobregat aber auch mit Miguel de Cervantes vergleichen. Ja, die Bücher beider Autoren spielen in Barcelona. Vor diesem Hintergrund würde sich aber ein Vergleich mit Jürgen Benvenuti ebenso gut anbieten. Und selbst in der Kategorie „spanischer Schriftsteller, dessen Bücher in Barcelona spielen“ könnte man andere Vergleiche heranziehen, namentlich beispielsweise zu Jaume Cabré oder Ildefonso Falcones.

Natürlich ist mir klar, was man damit bezweckt. Man will mit dem großen Namen punkten und im Idealfall die Leserschaft des berühmten Vorbildes dazu bringen, auch dieses Buch zu lesen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass damit Erwartungen geweckt werden, die nur selten auch in vollem Umfang erfüllt werden.

Dabei gibt sich Llobregat redlich Mühe und hat wirklich kein schlechtes Buch abgeliefert. Der Einstieg gelingt schnell und ehe man sichs versieht, ist der Leser mittendrin in dieser düsteren Geschichte rund um einen Serienmörder in Barcelona. Das ist sicher auch  Llobregats Stil geschuldet, der sich in erster Linie durch gut geschriebene Dialoge und seine phasenweise bildhafte Sprache auszeichnet. Seine Schilderungen des Kanalsystems Barcelonas erinnerten mich irgendwie entfernt an das Reich des „Phantoms der Oper“, tief unter der Pariser Oper. Und ich meine das Buch, nicht das Musical. 🙂 Sehr lesenswert übrigens!

Diese Assoziation hatte ich zwar wahrscheinlich exklusiv, trotzdem entstand dadurch beim Lesen eine ganz besondere Atmosphäre.

Leider kann Llobregats Roman die Stärken in Stil und Atmosphäre in anderen Bereichen nicht ganz erreichen. So gelingt ihm mit Bernat Fleixa zwar ein denkwürdiger Charakter, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist und auch der Protagonist Amat weiß wenigstens noch in Teilen zu überzeugen.

Die weiteren Charaktere bleiben leider aber eher blass und ein oder zwei handelnde Personen scheinen mir nur eingeführt worden zu sein, um so etwas wie eine überraschende Wendung oder ein emotionales Drama einbauen zu können. Funktioniert hat das bei mir leider nicht so richtig gut.

Bleibt letztlich noch die Geschichte selbst. Diese gliedert sich in zwei Stränge auf, Während sich der Autor einerseits mit den Ermittlungen des Duos beschäftigt, wird im anderen die Hintergrundgeschichte von Daniel Amat näher beleuchtet und irgendwann erklärt, warum der junge Mann möglichst weg von seiner Heimat gegangen ist. Diese beiden Stränge werden dann im Verlauf der Geschichte völlig logisch zusammengeführt.

Hinsichtlich des Endes möchte ich zwar nicht spoilern, kann aber sagen, dass „völlig logisch“ auch hierfür gilt. Im Grunde ist das Ende sogar so logisch, dass ich mich gefragt habe, wie ich darauf nicht kommen konnte… Aber im Raten von Handlungsverläufen bin ich ja ohnehin eher schlecht. Der größte Kritikpunkt bezüglich des Endes ist aber, dass es einem als passionierter Leser sicherlich schon mal hier oder dort in recht ähnlicher Form begegnet ist. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Was bleibt, ist ein grundsolider historischer Thriller, der ohne allzu viel Blutvergießen auskommt, und den man Liebhabern des Genres guten Gewissens empfehlen kann. Geblieben ist aber auch ein (wieder mal) unsinniger Vergleich, der mich kurz glauben ließ, den Heiligen Gral der spanischen Literatur in den Händen zu halten. Und das ist „Die Anatomie des Teufels“ dann doch eher nicht.

Übrigens, irgendwie erinnern mich solche Vergleiche immer an das von mir bei Kino-Trailern leidenschaftlich verabscheute „Von den Machern von…“. Was soll mir das sagen? Als ob das ein Qualitätsmerkmal wäre. Wenn es in der nächsten Kino-Vorschau heißt „Von den Machern von „Der Herr der Ringe“ kommt ab Donnerstag im Kino: „Minesweeper – Der Film““, dann weiß ich, dass ich mir das trotzdem nicht antun muss. 🙂

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

Freitagsfragen #7 mit leichter Verspätung

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

in meiner Abwesenheit scheint es lediglich eine weitere Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog gegeben zu haben. Das wiederum gibt mir die Gelegenheit, ganz entspannt meinen Rückstand aufzuholen die Beantwortung dieser Ausgabe heute nachzuholen. Passenderweise ist heute wenigstens Freitag. 🙂

Schreiten wir also nunmehr zur Tat.

  1. Was bricht Dir das Herz?
  2. Worüber hast Du zuletzt herzhaft gelacht?
  3. Was hast Du im letzten Traum geträumt, an den Du Dich erinnern kannst?
  4. Die Wahl der Qual: Jeden Tag etwas essen müssen, das Du hasst oder täglich in einen Hundehaufen treten?

 

Antwort zu 1.:

Frauen! Regelmäßig! Immer und immer wieder! Und nachhaltig!

Nein, eigentlich nicht. 🙂 Irgendwie klingt die Frage danach, was mir das Herz bricht, auch reichlich pathetisch, oder!? Ich meine, verschiedenste Dinge, Ereignisse, Personen erzeugen bei mir schon bestimmte Reaktionen. So sorgen schwarze Blöcke in Hamburg bei mir für Wut, Frauke Petry für Übelkeit und die Transferpolitik des SV Werder Bremen für Unverständnis – aber mir fiele jetzt kein Szenario ein, bei dem ich sagen würde, dass ich fürchte, dass mir dadurch „das Herz gebrochen“ würde.

Antwort zu 2:

Wenn ich so darüber nachdenke, komme ich zum Schluss, dass ich momentan vergleichsweise wenig lache. Das muss am Wetter liegen…

Den letzten herzhaften Lacher erzeugte heute Morgen ein Satz aus einem Beitrag von Nom in ihrem Blog „Bücher verschlingen„, der da lautete: „32 Tage wohnt der Junge, der Adonis aussehen lässt, als sei er ein Häufchen mumifizierter Parmesan, neben mir.“

„ein Häufchen mumifizierter Parmesan“! 🙂

Antwort zu 3.:

Ich konnte mich in jüngeren Jahren irgendwie besser an meine Träume erinnern als heutzutage. Der letzte Traum, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, war einer aus der letzten Woche, in dem ich von einem Wirbelsturm geträumt habe, der sich durch die Skyline einer mir unbekannten Großstadt pflügte und sich dabei auf mich zu bewegte! Das war eher nicht so erhebend. Also, erhebend war er schon, schließlich erhob ich mich sehr bald danach freiwillig aus dem Bett, aber schön halt, nee, schön war das nicht.

Die im Bereich der Traumdeutung kundige, ausgesprochen sympathische Blogger-Kollegin Tally teilte mir diesbezüglich mit, dass es sich dabei um den „worst case“ in der Traumdeutung handele. Ja, super!

Seitdem warte ich eigentlich darauf, das irgendwas Existenzbedrohendes passiert…

Antwort zu 4.:

Momentan wäre ich über das Eine ebenso wenig begeistert wie über das Andere. Pünktlich zum Wochenendbeginn hat sich nämlich die ordnungsgemäße Funktion meines Verdauungstrakts unerlaubt von der Truppe entfernt. Will sagen: Mir ist unter anderem ein bisschen kodderig heute. Und die Vorstellung, in dieser Situation irgendetwas essen zu müssen, was ich nicht mag, behagt mir genau so wenig, wie das eklige Szenario eines Tritts in Hundehaufen.

Na, wenigstens sorgt mein mangelndes Wohlbefinden wohl dafür, dass ich mich in Bälde aufs Sofa zurückziehe, um dort ein möglichst unaufgeregtes Wochenende mit dem einen oder anderen Buch zu verbringen. Wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Was es übrigens selten tut!

Wie dem auch sei, generell würde ich mich in dieser Frage wohl für den Hundehaufen entscheiden. Essen bedeutet nämlich zu großen Teilen Lebensqualität, und wenn man die mir nähme, indem man mich mittags mit Kutteln, Kalbsbries oder Spargel dauerfolterte – nein, das wäre nicht so schön.

 

Das war´s auch schon wieder. Gehabt euch wohl!

 

 

Die „Sparschwein-Challenge“ – Ein zweiter Überblick

sparschwein

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nachdem ich mich zu Beginn des Jahres – trotz meiner sonstigen Abneigung gegen solche Aktionen – bereit erklärt habe, an einer „Challenge“ teilzunehmen, in diesem Fall der „Sparschwein-Challenge“, wird es Zeit für einen Überblick über das erste Halbjahr.

Das recht überschaubare Regelwerk besagt eigentlich nur, dass für jedes gelesene Buch im Jahr 2017 Geld in ein Sparschwein wandert, und zwar in unterschiedlichen Abstufungen, je nach Aufenthaltsdauer beim Leser. Sprich: Ein Buch welches sich weniger als zwei Monate in meinem Besitz befindet, schlägt mit einem Euro zu Buche. Bücher, die sich schon länger als zwei Monate auf meinen SuB (Plural) tummeln, bringen zwei Euro für das Schwein. Und Bücher, die schon seit mindestens zwei Jahren herumliegen, ohne gelesen worden zu sein, sind drei Euro wert. Mit der erlesenen Summe – in diesem Zusammenhang bekommt „erlesen“ eine völlig neue Bedeutung – kann dann am Jahresende nach Gutdünken verfahren werden.

Schauen wir also mal, wie hoch der Geldbestand sein müsste, der sich Ende Juni in meiner Spar-Eule befunden haben sollte:

Januar 2017:

„Gefrorener Schrei“ – Tana French –  1 Euro

„Finderlohn“ – Stephen King –  1 Euro

„Die Blausteinkriege I“ – T. S. Orgel – 1 Euro

Februar 2017:

„Die Suche“ – Nick Louth – 2 Euro

„Tiefe Narbe“ – Arno Strobel – 1 Euro

„Wohin der Wind uns weht“ – Joao Ricardo Pedro – 1 Euro

März 2017:

„Der Finne“ – Taavi Soininvaara – 1 Euro

„Butcher´s Crossing“ – John Williams – 2 Euro

„Good as Gone“ – Amy Gentry – 1 Euro

„Die Glücklichen“ – Kritine Bilkau – 1 Euro

„Das Buch der Spiegel“ – E. O. Chirovici – 1 Euro

„Untreue“ – Paulo Coelho – 2 Euro

April 2017:

„Des Teufels Gebetbuch“ – Markus Heitz – 1 Euro

„Die Grausamen“ – John Katzenbach – 1 Euro

„Auerhaus“ – Bov Bjerg – 1 Euro

„Spiel im Morgengrauen“ – Arthur Schnitzler – 1 Euro

„Die Triffids“ – John Wyndham – 1 Euro

„Die Verwandlung“ – Franz Kafka – 1 Euro

Mai 2017:

„Nullnummer“ – Umberto Eco – 1 Euro

„Die letzten Tage der Nacht“ – Graham Moore – 1 Euro

„Ostfriesen-Killer“ von Klaus-Peter Wolf – 1 Euro

„Under Ground“ – S. L. Grey – 2 Euro

Juni 2017:

„Natchez Burning“ – Greg Iles – 2 Euro (abgebrochen; zählt trotzdem!)

„Into the Water“ – Paula Hawkins – 1 Euro

„Die Krone der Sterne“ – Kai Meyer – 2 Euro

„Der Schneegänger“ -Elisabeth Herrmann – 1 Euro

„Das Geheimnis des Poeten“ – Guido Dieckmann – 2 Euro

„Passagier 23“ – Sebastian Fitzek – 1 Euro

„Die Gestirne“ – Eleanor Catton – 2 Euro

„Die Anatomie des Teufels“ – Jordi Llobregat – 1 Euro

In summa sollten sich also nun 38 Euro in meiner Spar-Eule befinden, sofern ich mich nicht verzählt habe. Ich werde das bei nächster Gelegenheit mal überprüfen. Was lernen wir, sprich: ich, also aus diesem Betrag? In erster Linie fiel mir ein Satz ein aus einem alten Werbespot für, ich glaube, Tütensuppen, in dem es hieß: „Ich dachte, da wär mehr drin!“ Und so dachte ich auch im Bezug auf die Sparschwein-Challenge, dass in der Zwischenzeit mehr zusammengekommen sein müsste als „nur“ 39 Euro. Wenn ich das aber aufs Jahr hochrechne, ist das eigentlich ganz okay, denke ich.

Ansonsten lässt sich aus dieser Lese-Liste folgern:

Mit über 1.000 Seiten gehört im zweiten Quartal nur „Die Gestirne“ zu der Kategorie „Wälzer“. Die anderen Bücher haben einen vergleichsweise überschaubaren Umfang. Da ich aber gerne Wälzer kaufe, ergibt sich daraus ein Problem. Ich parke diese Wälzer dann auf meinen SuB (Plural), wo sie verbleiben, während ich aktuellere, weniger umfangreiche Bücher lese. Für Bücher, die in die Kategorie „Wälzer“ fallen und auf meinen SuB landen, gilt daher frei nach Dante: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“

Hinsichtlich der Verwendung des am Jahresende angesammelten Geldes habe ich schon die eine oder andere Idee, wer aber einen anderen sinnvollen Vorschlag hat, darf diesen gerne äußern! 🙂

Gehabt euch wohl!