„Seht, was ich getan habe“ von Sarah Schmidt – „Lizzie Borden took an axe …“

Buch: „Seht, was ich getan habe“

Autorin: Sarah Schmidt

Verlag: Pendo

Ausgabe: Hardcover, 382 Seiten

Die Autorin: Nach ihrem Master of Arts in Kreatives Schreiben begann Sarah Schmidt als Bibliothekarin zu arbeiten. Dabei stieß sie 2005 auf die Geschichte von Lizzie Borden, die sie seither nicht wieder losließ. Ihre leidenschaftliche Suche nach den Hintergründen der Mordfälle brachte sie sogar dazu, mehrere Nächte im Haus der Bordens, das heute ein Bed & Breakfast ist, zu verbringen. »Seht, was ich getan habe« ist ihr Romandebüt, das international hoch angesehen wurde. Sarah Schmidt lebt mit ihrer Familie in Melbourne. (Quelle: Pendo)

Das Buch: »Vater ist tot!« Zutiefst verstört starrt Lizzie Borden ihren Vater an, der blutüberströmt auf dem Sofa liegt. Auch ihre Stiefmutter wird tot aufgefunden – ebenfalls hingerichtet mit einer Axt. Eindeutige Spuren sind an jenem schicksalhaften Morgen des 4. August 1892 kaum auszumachen, dafür häufen sich die Fragen. Denn während die Nachbarn in Fall River, Massachusetts, nicht begreifen, wie einer so angesehenen Familie etwas derart Grausames zustoßen kann, erzählen diejenigen, die den Bordens wirklich nahestehen, eine ganz andere Geschichte: von einem jähzornigen Vater, einer boshaften Stiefmutter und zwei vereinsamten Schwestern. Schnell erklärt die Polizei Lizzie zur Hauptverdächtigen, deren Erinnerung jedoch lückenhaft ist. Wo war sie zum Zeitpunkt der Morde? Saß sie wie so oft unter den Birnbäumen und träumte vor sich hin? Oder ist sie doch verantwortlich für diesen Albtraum? (Quelle: Pendo)

Fazit: Ungeklärte Mordfälle, die Geschichte gemacht haben – eben die Geschehnisse rund um Lizzie Borden oder auch die Morde in Hinterkaifeck 1922, um mal bekannte Beispiele zu nennen -, üben auf mich, ebenso wie sogenannte „true-crime“-Sendungen, eine seltsame Faszination aus. Welcher Art von Dachschaden ich diesen leicht morbiden Spleen zu verdanken habe, kann ich nicht sagen, ich weiß nur, dass er dazu führt, dass ich an Büchern wie „Seht, was ich getan habe“ nicht einfach so vorbei gehen kann.

Viel ist bereits geschrieben worden über die Ereignisse im August 1892, und von fundierten, gut recherchierten Sachbüchern bis hin zu hanebüchenem Blödsinn scheint alles dabei zu sein, was das Herz begehrt.

Die Autorin Sarah Schmidt hat sich entschieden, in ihrem Buch die damals beteiligten Personen selbst zu Wort kommen zu lassen. So erzählt sie die Geschichte abwechselnd aus Lizzies Sicht, sowie aus der ihrer Schwester Emma, der Haushälterin Bridget und des zwielichtigen Benjamin.

Und alle diese Protagonisten hatten mehr oder weniger gute Gründe, das Ehepaar Borden umzubringen.

Emma Borden fühlte sich im Vergleich zu ihrer Schwester vom Vater und der Stiefmutter benachteiligt, stellte sogar ihr eigenes Leben hintan, um sich um das Wohlergehen ihrer Schwester zu kümmern, was ihr von ihrem Vater nie gedankt wird.

Bridget möchte die Familie eigenlich seit geraumer Zeit verlassen, weil sie es im Hause Borden unheimlich findet und sie mit der Familie nicht gerade gut zurecht kommt. Kurz bevor sie ihren Plan allerdings in die Tat umsetzen kann, konfisziert Abby Borden, Lizzies und Emmas Stiefmutter, ihre Ersparnisse, womit sich Bridget gezwungen sieht, zu bleiben. War das der Auslöser für einen Doppelmord?

Benjamin wird von Emmas und Lizzies Onkel, dem Bruder ihrer leiblichen Mutter, dafür engagiert, den Eheleuten Borden ins Gewissen zu reden. Ihm passt es nicht, wie die Beiden mit den Schwestern umgehen. Ging bei diesem „ins Gewissen reden“ einiges schief und lief es letztlich aus dem Ruder?

Und letztlich wäre da noch Lizzie. Am Tattag brachte ihr Vater ihre von ihr sehr geliebten Tauben um. War das der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte?

Die Autorin schafft es, den unterschiedlichen Erzählperspektiven auch unterschiedliche Erzählstimmen zu geben, so dass eigentlich immer gut ersichtlich ist, aus wessen Sicht das Kapitel gerade erzählt wird.

Insbesondere der Stil, in dem Lizzies Kapitel gehalten sind, hat es mir dabei angetan. Auch wenn ich gerade diese Kapitel als vergleichweise schwierig zu lesen empfand. Aber Sarah Schmidt macht schon allein stilistisch deutlich, dass bei Lizzie im Kopf eindeutig irgendwas nicht rund laufen kann, sei es durch zahlreiche kursiv gedruckte Einschübe, die einerseits Lizzies Gedanken verkörpern könnten, sich andererseits aber auch so lesen, als würde Lizzie Stimmen hören – und zwar keine von der harmlosen Art, die nur unschuldig die Melodie von „Tetris“ summen. Sei es aber auch durch die schwer nachvollziehbaren Handlungen, die sie ihre Protagonistin ausführen lässt. So steht Lizzie kurz nachdem sie ihren übel zugerichteten toten Vater gefunden hat, erst mal in der Haustür und lächelt angesichts der vorbeiflanierenden Menschen sowie des fröhlichen Vogelgezwitschers, bevor sie eine Birne isst. Natürlich, wer würde in dieser Situation nicht genau so reagieren? Übrigens werden in „Seht, was ich getan habe“ auffallend viele Birnen gegessen! Ich habe keine Ahnung, welchen Zweck dieses Motiv verfolgt, aber irgendeinen muss es haben …

Neben dem überzeugenden Stil ist es vor allem die düstere, gruselige Atmosphäre, die sich durch dieses Buch zieht, und die es so lesenswert macht. Sich dabei immer wieder bewusst zu machen, dass es sich dabei um Ereignisse handelt, die so, oder zumindest sehr ähnlich, tatsächlich passiert sind, verstärkt diese Atmosphäre noch.

Bezüglich der gerade erwähnten Ereignisse scheint es übrigens, als hätte sich Sarah Schmidt – zumindest soweit ich das beurteilen kann – erfreulich nah an die historischen Tatsachen gehalten. Lediglich zu der Konfiszierung von Bridgets Ersparnissen bzw. der Figur des Benjamin konnte ich keine weiteren Informationen finden. Es mag also sein, dass diese beiden Komponenten aus dramaturgischen Gründen eingefüht worden, was ich außerordentlich verzeihlich finde.

Wer einen gewissen Hand zu gruseligen Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, hat, dem kann ich „Seht, was ich getan habe“ wärmstens empfehlen. Alle anderen verpassen eben etwas!

Und ich denke jetzt noch ein bisschen über Bridget nach, die zum Zeitpunkt der Morde zwar im Hause war, allerdings nicht das Geringste gehört haben will … Hmmm …

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Kennen Sie diesen Mann?“ von Carl Frode Tiller, ein Buch, von dem ich noch nicht im Ansatz weiß, wie ich darüber schreiben soll.

 

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Freitagsfragen # 32

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Schönen guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

die Woche neigt sich dem Ende zu (yay!), was gleichbedeutend damit ist, dass eine neue Ausgabe der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog ihrer Beantwortung harren. Nein, harrt, Ausgabe, Singular. Gehen wir ohne weitere Vorreden in medias res. Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Wie vertreibst Du Dir die Zeit auf langen Reisen?

Auf diese Frage eine spontane Antwort zu haben, würde implizieren, dass ich gelegentlich solche langen Reisen antrete, was nicht der Fall ist. Es ist schon ein Ereignis geradezu weltumspannender Bedeutung, wenn ich überhaupt mal mein schönstes Bundeland der Welt verlasse.

Aber gesetzt den Fall, ich würde eine lange Reise antreten, dann hinge die Wahl meines Zeitvertreibs – fürchterliches Wort! – von der Wahl des Fortbewegungsmittels ab. Wäre ich auf einer langen Autofahrt, dann würde ich mir wahrscheinlich mit Freude die Umgebung ansehen, in die es mich verschlägt, vielleicht auch gelegentlich etwas lesen.

Wäre ich länger im Zug unterwegs, würde ich fast ausschließlich lesen, denn die Umgebung an Bahnschienen ist nur selten einer genaueren Betrachtung würdig.

Und sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ich im Flieger unterwegs wäre, würde ich mir von den freundlichen Flugbegleiterinnen den mit gigantischem Abstand hochprozentigsten Alkohol, der sich an Bord finden lässt, kredenzen lassen, um den Rest dieses Horroszenarios bis zur Ankunft am Zielflughafen in seeligem – nein seligem, ein „e“ – Schlummer zu verbringen.

2.) Ist Essen für Dich Genuss oder eine Notwendigkeit?

Auch hier kann ich nur sagen: Das kommt darauf an! Sollte ich irgendwo zum Essen eingeladen sein, wo etwas auf dem Speiseplan steht, dass auf meiner Beliebtheitsskala eher weit unten rangiert, dann wäre es wohl eher eine Notwendigkeit. Wenigstens habe ich im Laufe der Zeit gelernt, mit so etwas souverän umzugehen. Das war mal anders! Zu Kindergartenzeiten beispielsweise wurde uns Jungspunden mal Leber kredenzt. Bäh! (Kann mal so was als Erzieher bzw. Erzieherin heute eigentlich noch machen, ohne sich anschließend mit entrüsteten Eltern auseinandersetzen zu müssen?) Und, man darf nicht vergessen, wir schrieben die frühen 80er, man war noch fern von dem, was man heute so despektierlich „Kuschelpädagogik“ nennt, und es galt noch die Maxime: „Das wird aufgegessen!“ Nun, das tat ich auch. Ich überzeugte die Erzieherinnen allerdings schon kurz darauf außerordentlich unsubtil davon, mich fürderhin nicht mehr zum Verzehr von Innereien zu nötigen …

In über 99 % aller Fälle ist Essen für mich allerdings schon reiner Genuss!

3.) Was liest, schaust oder hörst Du aktuell?

Ich habe es im Laufe der Woche geschafft, eine Leseflaute ungeahnten Ausmaßes zu umschiffen. Und ich lese auch nach langer Zeit mal wieder mehrere Bücher parallel. Im Einzelnen sind das „Kennen Sie diesen Mann?“ von Carl Frode Tiller, „Die Blausteinkriege II“ von T. S. Orgel und „Lubetkins Erbe“ von Marina Lewycka. Anschließend warten schon „Die Blausteinkriege III“, „Augustus“ von John Williams und „Der Kaffeedieb“ von Tom Hillenbrand auf mich …

Was das schauen bzw. hören angeht, kann ich nichts Besonderes vermelden. Abgesen von Nachrichtensendungen, Sportübertragungen und gelegentlich einer Folge von „Wer wird Millionär?“ ist mein Fernsehkonsum praktisch gleich null. Eigentlich sehe ich mir auch ganz gerne mal gute Filme an, egal ob im Kino oder TV, das macht alleine allerdings nur eingeschränkt Spaß, weswegen ich es auch nur eingeschränkt praktiziere. 🙂

4.) Die Wahl der Qual: Bis 40°C frieren oder sogar bei -10°C noch schwitzen?

Die Kälte-Fraktion wird mir entgegenhalten, dass man, wenn man friert, immer die Möglichkeit hat, noch eine und noch eine Schicht Kleidung überzuziehen, während dieser Technik im umgekehrten Sinne bei Hitze irgendwann natürliche Grenzen gesetzt sind bzw. gesetzt sein sollten. Und dennoch: Mir ist lieber zu warm, als zu kalt, ich schwitze also gerne schon bei -10° C.

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, damit entlasse ich euch in euer wohlverdientes Wochenende und wünsche allseits ein schönes solches.

Gehabt euch wohl

 

 

„Fremd“ von Ursuals Poznanski und Arno Strobel – Die Faszination der Redundanz

Buch: „Fremd“

Autoren: Ursula Poznanski, Arno Strobel

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 393 Seiten

Die Autoren: Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem fulminanten Erfolg ihrer Jugendbücher „Erebos“ und „Saeculum“ landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller „Fünf“ auf den Bestsellerlisten. Bei Wunderlich folgten „Blinde Vögel“, „Stimmen“ und „Schatten“; gemeinsam mit Arno Strobel „Fremd“ und „Anonym“. Inzwischen widmet sich Ursula Poznanski ganz dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. (Quelle: Rowohlt)

Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, studierte Informationstechnologie und arbeitete lange bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Im Alter von fast vierzig Jahren begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die er in Internetforen veröffentlichte, bevor er sich an seinen ersten Roman heranwagte. Mit seinen Psychothrillern erklomm Strobel die Bestsellerlisten. Gemeinsam mit Ursula Poznanski schrieb er für Wunderlich „Fremd“ und „Anonym“. Arno Strobel lebt in der Nähe von Trier. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen … (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Zugegeben, meine Erfahrung hinsichtlich Büchern von Autoren-Duos ist recht überschaubar. Und wenn, dann waren diese Erfahrungen selten erbaulich. So habe ich einige Bücher von Lee Child und Douglas Preston gelesen, die aber in meinem persönlichen Orkus des Vergessens untergegangen sind. Und ja, auch von Iny Klocke und Elmar Wohlrath habe ich ein oder zwei Bücher gelesen, hierbei wäre allerdings jede weitere Wort eines zu viel. Und meine letzte Erfahrung im Bereich Autoren-Duos wird wohl „Abgeschnitten“ von den Herren Fitzek und Tsokos gewesen sein, das ich mindestens für überflüssig halte, trotz meiner sonstigen Begeisterung für den Herrn Fitzek.

Trotz dieser Vorbelastung stürzte ich mich wohlgemut in die Lektüre von „Fremd“. Und siehe da: Es hat sich gelohnt!

Die Autoren erzählen die Geschichte kapitelweise abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten Joanna bzw. Erik. Diese Art der Vorgehensweise führte zu Beginn des Buches zu einem Effekt, der mich anfangs irritiert hat. Man erlebt nämlich – logischerweise – die selbe Szene zweimal, ohne dass in der zweiten Schilderung sonderlich neue Erkenntnisse auf die Leser warten. Bald kamen erste Zweifel auf, ob diese Art der sich immer wiederholenden Ezählung auf lange Sicht nicht ermüden und langweilen würde. Im Laufe der Zeit erweist sie sich aber als durchaus zweckmäßig und spannend, z. B. als in einem aus Eriks Sicht erzählten Kapitel Joanna ein Telefongespäch führt, man die Äußerungen ihres Gesprächspartners aber erst im folgenden, aus ihrer Sicht erzählten Kapitel erfährt. Ihr könnt mir folgen?

Insgesamt geht der Stil, in dem „Fremd“ gehalten ist, nicht nur aufgrund der Erzählweise vollkommen in Ordnung. Die Autoren schreiben erfreulich schnörkellos und kommen ohne abenteuerliche Satzkonstruktionen aus. Damit wird der Stil auch dem im Laufe der Handlung anziehenden Tempo des Buches gerecht.

Die Charaktere bleiben ein wenig hinter der Qualität des Stils zurück, und das obwohl sich die Autoren auf ein recht überschaubares Figuren-Ensemble beschränken. Weder die Neben- noch die Hauptfiguren sind außerordentlich genau gekennzeichnet. Das stört aber eigentlich nicht weiter, wir haben hier schließlich einen Thriller vorliegen, erfahrungsgemäß kommt es hier in erster Linie auf die Geschehnisse, die Handlung selbst an. Und so ist es hier eben auch.

Und an eben dieser Handlung gibt es nur wenig auszusetzen. Poznanski und Strobel entfalten ein spannendes Szenario, das die Leser eine Weile im Dunkeln lässt, hinsichtlich der Frage, was das alles soll und wohin das alles führt. Bis ungefähr zur Hälfte des Buches kann man nach Herzenslust mitraten, wer denn nun als Antagonist auftaucht. Dann aber wird – bemerkenswert früh und bemerkenswert deutlich – klar geschildert, wer denn nun „die Bösen“ sind. Das tut der Spannung aber bemerkenswerterweise keinen Abbruch, so dass mich die Handlung eigentlich vollkommen überzeugt zurücklässt. Eigentlich. Denn da wäre ja noch das Ende. Darüber kann ich natürlich nicht ins Detail gehen, belasse es daher bei kryptischen Andeutungen, indem ich sage, dass das „Wie“ bezüglich der Ereignisse – bspw. hinsichtlich Joannas augenscheinlichem Gedächtnisverlust – gut und plausibel erklärt wird, das „Warum“, das dahintersteckt, mir jedoch ein „Och nöööö …!“ entlockte. Aber das, da bin ich mir recht sicher, wird nur mein subjektiver Eindruck sein, während der überwiegende Teil der Leserschaft damit kein Problem haben dürfte.

Daher: Klare Leseempfehlung!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Seht, was ich getan habe“ von Sarah Schmidt. Ein Buch über die Geschehnisse rund um Lizzie Borden. Das dürfte spannend werden. Hoffe ich …

„Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten“ von Becky Chambers – Die 53 Weisen

Buch: „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“

Autorin: Becky Chambers

Verlag: Fischer Tor

Ausgabe: Taschenbuch, 543 Seiten

Die Autorin: Becky Chambers ist eine amerikanische Science-Fiction-Autorin. Sie wuchs als Tochter einer Astrobiologin und eines Luft- und Raumfahrttechnikers in Kalifornien auf und war zwischen 2010 und 2014 als freie Redakteurin für Magazine wie „The Mary Sue“ oder „Tor.com“ tätig. Ihren ersten Roman „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ brachte sie im Jahr 2014 zunächst im Selbstverlag heraus. 2015 nahmen sich Verlage in den USA und in Großbritannien ihres Romans an, hierzulande erschien er 2016.

Mit „Zwischen zwei Sternen“ wurde 2018 die Fortsetzung zu „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ veröffentlicht.

Das Buch: Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Koch, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens. (Quelle: Fischer Tor)

 

Angesichts der Tatsache, dass über das vergangene Wochenende auch noch eine leichte Erkältung hinzukam, um meiner angegriffenen Gesundheit den Rest zu geben und ich daher bis Ende der Woche krankgeschrieben bin, verfestigt sich mein Eindruck, dass mich 2018 einfach großzügig durchkauen und dann irgendwann ausspucken möchte. Es kaut noch. Man könnte auch sagen, 2018 ist die metaphorische Katze und ich die in die Ecke gedrängte, verletzte Maus, mit der es nun möglichst grausam zu spielen gilt …

Angesichts dieser Tatsachen ergäbe sich für mich aber auch die Gelegenheit, mich morgen mit „Kingdom Come: Deliverance“ zu versorgen und den Rest der Woche ins virtuelle böhmische Mittelalter abzutauchen. Da hierzu aber die Mittel fehlen (#dreckskarre), bleibt mir nichts anderes übrig, als mich alternativ meinen Büchern zuzuwenden.

Und in der Tat habe ich am Wochenende mal wieder Zeit und Muße zum Lesen gefunden. Gut, die Zeit hatte ohnehin, die Muße musste ich aber wirklich erst finden, was mir ohne die tatkräftige Mithilfe einer unfassbar zauberhaften Person wohl nicht gelungen wäre, weswegen besagter Person an dieser Stelle mein Dank gilt! (Huhu! 😉 )

Genug von mir, kommen wir zu Becky Chambers und ihrem Roman. Dabei handelt es sich übrigens um ein Geschenk einer anderen ganz zauberhaften Person. Und zwar zum Geburtstag. Wer weiß, dass dieser mein Geburtstag im Sommer ist, erahnt, wie lange „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ nun schon bei mir herumlag. Hätte ich es nur früher gelesen …

Chambers siedelt ihre Geschichte in der fernen Zukunft an. Die Menschheit hat es geschafft, die Erde vollumfänglich unbewohnbar zu machen. Die Reichen siedeln der Einfachheit halber auf den Mars um. Die, denen diese Möglichkeit nicht offensteht, brechen einfach mit allen anderen Leidensgenossen in einer großen Flotte mit unbekanntem Ziel auf und verlassen den Planeten.

Schließlich wird diese „Exodaner-Flotte“ in die „Galaktische Union“ (GU) aufgenommen. Und für genau diese GU ist Captain Ashby mit seiner Crew an Bord der „Wayfarer“ tätig. Und wir begleiten die Crew bei ihrem Auftrag, dem „langen Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“. Dabei lernt der Leser die teils skurrile Crew kennen, die für mich einen Gutteil des Lesevergnügens ausmachte. Sei es der schräge Mechaniker Jenks, der in eine KI verliebt ist, oder die ausgeflippte Mechanikerin Kizzy, die mich immer irgendwie ein bisschen an Abby aus „Navy CIS“ erinnerte – was ich positiv verstanden wissen möchte.

Das Erzähltempo ist dabei eher gemächlich, allerdings ohne, dass der Roman irgendwann mal langweilig würde. Ohnehin verzichtet die Autorin auf solche Dinge wie die in diesem Genre so häufig auftauchenden Raumschlachten oder übertriebene Action voller Michael-Bay-Momente.

Chambers legt den Fokus eher auf andere Dinge, wie die Frage nach dem Umgang miteinander. Dadurch, dass schon die Crew der Wayfarer so unterschiedlich wie nur möglich ist, und man im Laufe der Handlung weiteren eher verhaltensoriginellen Personen begegnet, ergibt sich eine Chande, die die Autorin ergreift: Sie beschäftigt sich in ihrem Roman häufig mit Toleranz, damit, den anderen einfach so sein zu lassen, wie er ist, auch wenn ich sie oder ihn nicht verstehe.

Das tut Chambers noch nicht mal sonderlich subtil, der moralisch erhobene Zeigefinger ist durchaus auffällig. Allerdings stört er nicht. Im Gegenteil, „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ erzeugt ein wohliges Gefühl von „Es könnte alles so einfach sein“. Es ist durchaus ein Wohlfühl-Buch.

Nachdem ich den Roman durchgelesen hatte, fiel es mir tatsächlich ungewöhnlich schwer, ihn wegzulegen. Zu sehr hat mir die Zeit an Bord der „Wayfarer“ gefallen, zu sehr habe ich mich an die skurrilen bis durchgeknallten Charaktere inner- und außerhalb der Crew gewöhnt. Umso schöner, dass die Fortsetzung „Zwischen zwei Sternen“ bereits erschienen ist und sehr bald bei mir einziehen wird.

Dass ich diese Fortsetzung überhaupt lesen darf, habe ich 53 mir völlig unbekannten Menschen zu verdanken. Als Chambers während der Entstehung ihres Romans nämlich in finanzielle Schieflage geriet und sich gezwungen sah, ihr Projekt – immer wenn ich „Projekt“ schreibe, erwarte ich, im nächsten Moment, von einem „Hornbach“-Hooligan verdroschen zu werden – auf Eis zu legen, startete sie eine Kampagne auf Kickstarter. Und die Zuwendungen von 53 weisen Menschen reichten aus, um den Roman zu beenden. Denen gebührt mein Dank, auch wenn sie es nie erfahren.

Der langen Rede kurzer Sinn: Lesen!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 10 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Fremd“ von Ursula Poznanski und Arno Strobel.

 

Freitagsfragen #31 im rage mode

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Liebe Leserinnen und Leser,

ihr, die ihr eintretet und einen launigen Beitrag erwartet, lasst alle Hoffnung fahren!

Irgendein Vollidiot – bei genauerem Nachdenken war ich es selbst – hat unter Verfolgung seiner Agenda und in offensichtlicher geistiger Umnachtung vor Wochen beharrlich behauptet, das Jahr 2018 werde besser als sein Vorgänger. Es werde sogar „toll“ oder „prima“, behauptete besagter Vollidiot, also ich.

Am Arsch!

Warum der Wunsch wohl der Vater des Gedankens bei dieser Einschätzung war, lässt sich schon daran sehen, dass die nun bald vergangene Woche es spielend auf einen guten Top-Ten-Platz in meiner „Liste der beschissensten Wochen meines Lebens“ schafft, so ich denn eine solche hätte.

Nicht nur, dass sich mein Auto seit Wochen beharrlich weigert, wunschgemäß zu funktionieren. Ich habe in den vergangenen gut 5 Wochen etwa 300 Euro in die Karre investiert (Batterie, Zündkerzen, Fehlerspeicher auslesen), was nicht nach viel klingt – für ein Auto mit EZ von 2001 -, für mich aber viel ist. Und in den nächsten Tagen wird da nochmal einiges hinzukommen, für Zündkabel bzw. Zündspule. Bleibt nur zu hoffen, dass die Dreckskarre dieses wunderbare Fahrzeug dann wieder rund läuft. Falls nicht, ist es ein größeres – also konstenintensiveres – Problem, welches in der Konsequenz bedeuten würde, dass ich die Kiste gleich ganz stehen lassen kann. Das wiederum hätte das weitgehende Ende meiner Mobilität zur Folge, was eine absolut gruselige Vorstellung ist, die mich durchaus beschäftigt.

Die Kfz-Problematik wäre für mich auch sicherlich einfacher zu verarbeiten, wenn ich auch nur etwas mehr Ahnung von der Funktionsweise eines Verbrennungsmotors hätte. 🙂 Meine Kenntnis diesbezüglich beschränkt sich allerdings lediglich darauf, Gerätschaften bedienen zu können, die einen solchen enthalten. Hätte ich eine umfangreichere Kenntnis, könnte ich mir die Frage, ob ich mit dem Auto überhaupt noch guten Gewissens unterwegs sein kann, nämlich leichter selbst beantworten, denn hier gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Als Querschnitt lässt sich aber feststellen, dass die Antwort auf diese Frage umso entspannter ausfällt, je fachkundiger der Befragte ist. Und spätestens seit mein Vater am Mittwoch sagte: „Sicher kannste fahren!“ tue ich auch das auch relativ entspannt, zumal ja Rettung naht.

Sehr viel nerviger ist da schon meine angeschlagene Gesundheit. Die Details erspare ich uns allen, ich beschränke mich darauf, zu sagen, dass ich aufgrund eigener, jahrelanger leidvoller Erfahrung in der Lage wäre, einen Medizin-Bestseller mit dem Titel „Bakterien aller Länder, vereinigt Euch oder Die lustige Welt der Harnwegsinfekte“ zu schreiben. Vielleicht noch mit dem Untertitel „Don´t Panic!“. 😉

Aufgrund dieser altbekannten Thematik war ich nun bei meinem Hausarzt in Behandlung. Gestern erwies sich jedoch, dass durchaus die Zweitmeinung eines dafür spezialisierten Facharztes hilfreich sein könnte, an den man mich dann letztlich heute morgen überwies. Die Gründe und Details erspare ich euch auch hier, möchte aber nur erwähnen, dass die vergangenen 24 Stunden nicht ganz komisch waren, führten sie mich doch über den Platz der Verwirrung an die Kreuzung des Zweifels, wo ich augenscheinlich falsch abgebogen bin, fand ich mich doch daraufhin in der Allee der Unsicherheit wieder, welche direkt in das Tal der Angst führte, aus dem es nur einen Ausweg in Richtung des Plateaus der Panik gab, wovon es auch durch die Schlucht der Schlaflosigkeit kein Entrinnen gab, war selbige doch nichts als ein getarnter Kreisverkehr, der immer wieder zum Ausgangspunkt zurückführte.

Ja, ich bin ein Poet! 🙂

Gut, heute stellte sich heraus, das alles nicht soooo schlimm ist, aber darum gehts nicht, es geht um den Ablauf der Arztsuche. Ich wurde also an den Facharzt überwiesen – und, liebe Männer, solltet ihr mal an einen Arzt der diesbezüglichen Fachrichtung überwiesen werden und ist die Überweisung nicht absolut alternativlos, dann: Lauft! Nehmt die Beine in die Hand und lauft! Lauft, so weit euch eure Füße tragen! Lauft, und bleibt erst in einer Gegend stehen, in der ihr Straßenschilder seht, deren Sprache ihr nicht versteht! Vielleicht seid ihr dann in Sicherheit … – , der praktischerweise direkt gegenüber logiert. Nur leider: Der war gar nicht da!

Da war nur die Sprechstundenhilfe, welche „dusselige Trulla“ zu nennen ich im Weiteren durchaus in Erwägung ziehe, die mir eben sagte, dass der Arzt nicht da sei. Dann besaß sie die Chuzpe, mir zu sagen, ich „hätte eben anrufen sollen“, dann hätte ich „das schon vorher gewusst“. Ja, klar, hätte ich gemacht, wenn es sich um etwas Planbares gehandelt hätte. Man stelle sich vor, man kommt mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus und da heißt es: „Ja, nein, also Kardiologen und Chirurgen sind derzeit alle im Urlaub. Und die für Reanimation Zuständigen sind auf ´ner Fortbildung! Hätten Se sich halt vorher ´n Termin geben lassen …“

Nun, sei es wie es sei. Sie nannte mir zwei Alternativen, eine weiter entfernt, eine etwas näher, aber in einer Gegend, in der ich geografisch und hinsichtlich meiner Ortskundigkeit absolut verloren bin. Ich fuhr also nochmal nach Hause, um bei der entfernteren Alternative anzurufen und ggf. nach dem Weg zu fragen. Fun fact: Da war auch niemand!

Nun, dachte ich mir, fährste doch einfach mal ins neue Krankenhaus, welches in der heimischen Pampa für so viel Aufregung gesorgt hat, weil drei Krankenhäuser zu diesem einen zusammengelegt wurden, was für die Leute aus der Peripherie des Landkreises einiges Ungemach bedeutet. Dort sagte man mir, man habe dort gar nicht die entsprechende Fachrichtung und schickte mich wieder weg. Erstmals wurde ich so etwas wie wütend. Obwohl ich augenscheinlich meinen Humor nicht verlor, so war ich doch in der Lage, der Radiomoderatorin zu antworten, wiewohl sie mich nicht hörte.

Sie: „Liebe Leute in X, Y oder Z, oder wo immer ihr steckt, wir wünschen euch einen schönen Freitag!“

Ich: „Wo ich stecke? In der Scheiße, verdammt!“

🙂

Na, geholfen hat mir letztlich Google. Eine Fachpraxis, die die dusselige Trulla natürlich nicht erwähnte, befand sich gerade mal sechs Kilometer entfernt, wo man sich rührend um mich kümmerte („Machen Sie sich auf den Weg, die anderen können warten!“) 🙂 , sodass ich mich jetzt schon wesentlich entspannter fühle. Nichtsdestotrotz balanciere ich gerade auf dem feinen Grat der Belastbarkeitsgrenze und hoffe, nicht hintenüber zu fallen.

Nun, nach diesen diversen Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden, ist es vielleicht an der Zeit, zu den eigentlichen Freitagsfragen zu kommen, die im Brüllmausblog gestellt werden. Fragen und Antworten lauten:

1.) Was löst in Dir Begeisterung aus?

Ärztinnen und Ärzte, mit den dazugehörigen Arzthelferinnen und allen anderen, die vergleichbar tätig sind. Und nein, das meine ich angesichts oben genannter Äußerungen gar nicht sarkastisch. Stellt euch mal vor, es gäbe sie nicht, diese so despektierlich bisweilen „Halbgötter in Weiß“ genannten Menschen. Das Leben wäre ein sehr viel unschöneres, weil kürzeres! Und wenn man Berichte sieht, in denen zwei Kinderärzte für Städte mit mehreren Zehntausend Einwohnern zuständig sind, dann weiß man: Wer heute ernsthaft Medizin studiert, muss Idealist sein. Ober bekloppt …

2.) Worüber werden Dich junge Menschen ausfragen, wenn Du alt bist?

Wie war das damals, als im dritten Jahrzehnt des Jahrtausends alles den Bach runterging? Und warum hat niemand was dagegen getan? Und war Alice Weidel als Reichskanzlerin wirklich so schlimm?

3.) Welches große Tier wäre wohl am niedlichsten, schrumpfte man es auf Katzengröße?

Pferde. In Originalgröße habe ich vor den possierlichen Tierchen einen gewissen Respekt, aber in Katzengröße: Her damit! 🙂

4.) Die Wahl der Qual: Shirts sind grundlegend 2 Größen zu weit oder eine Größe zu klein?

Wenn mir etwas zu klein ist, dann sehe ich darin aus wie eine Presswurst, das will niemand sehen. Daher nehme ich die Shirts in zwei Größen zu weit.

Nun denn, liebe Leserinnen und Leser, wo immer ihr steckt, ob in Stuttgart, dem Rheinland, Österreich oder dem United Kingdom, ich wünsche euch einen schönen Freitag! 😉

Gehabt euch wohl!

 

Freitagsfragen #30

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Wunderschönen guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

da hat man sich gerade schweren Herzens damit arrangiert, am Montag Morgen doch aufzustehen, und ehe man sich´s versieht, ist schon wieder Freitag! Es in meinem Fall übrigens der Freitag vor einem langen Wochenende, denn meine Wenigkeit hat am Montag frei! Super Bowl LII, baby!  😉 Hach, was wäre ich jetzt gerne da statt hier. Was kann es Schöneres geben, als bei etwa – 16° C in Minneapolis ein paar Dutzend Bekloppten dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig umhauen! 🙂

Da ich aber hier bin, statt dort, kann ich mich auch genauso gut mit den Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog beschäftigen. Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Kommst Du gut mit Schlafmangel zurecht? Wie kämpfst Du gegen die Müdigkeit an?

Nein, komme ich nicht! So habe ich diese Woche – ganz im Gegensatz zur letzten – bemerkenswert schlecht geschlafen. Und wenn ich dann mal geschlafen habe, habe ich – insbesondere letzte Nacht – wirres Zeug geträumt.

Bekämpft wird das Ganze natürlich in erster Linie mit Kaffee. Und mit der Hoffnung, dass das Radio vernünftige Musik spielt. Denn die kann durchaus motivierende Wirkung auf mich haben. „Volbeat“ kann ich in dem Zusammenhang empfehlen. Musik, die in ihrer Einfachheit so großartig ist, dass sie von mir gerne als „akustisches Mana“ bezeichnet wird.

Es gibt aber so Tage – heute ist so einer – da hilft das alles nicht, weil man schon nach kurzer Zeit das diffuse Gefühl bekommt, dass Schlafmangel nicht das einzige Ungemach ist, das man an diesem Tage ertragen muss:

Man steigt ins Auto und denkt sich: „Ach ja, ich muss ja noch tanken!“ Bei der Ankunft an der Tankstelle spielt das Radio „Lola Montez“ von „Volbeat“. Da aber die Zeit fehlt, sich das in Ruhe anzuhören, beginnt man erstmals zu grummeln. Dieses Grummeln verstärkt sich, als der Blick auf den Preis von 1,45 €/Liter fällt. Man spekuliert, ob vielleicht Saudi-Arabien im Meer versunken ist, ohne dass man selbst davon gehört hat. Oder ob möglicherweise ein neuer arabischer Frühling die weltweite Erdöl-Produktion lahmgelegt hat. Man denkt ganz plötzlich ganz anders über Fahrverbote, denn bei Preisen nahe 1,50  € wirken diese sich schließlich positiv auf den Geldbeutel aus …

Beim Verlassen der Tanke hat man das Pech, sich hinter einem weißen Astra wieder in den Straßenverkehr einzugliedern, dessen Fahrerin oder Fahrer mit 50 km/h offensichtlich nur eine Geschwindigkeit kennt – und diese auch auf der ganzen Strecke, ungeachtet unterschiedlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen, durchhält! Erste Gewaltfantasien brechen sich Bahn …

Am Kreisel schließlich ist man erleichtert, dass der Astra eine andere Ausfahrt nimmt. Noch während dieser Erleichterung ist man allerdings gezwungen, veritabel in die Eisen zu gehen, weil die Dame, die da plötzlich aus dem Nichts auftaucht, eher damit beschäftigt ist, ihren wahrscheinlich aus der Hunde-Geriatrie entwendeten Teckel über die Straße zu schleifen, als damit, sich Gedanken darüber zu machen, dass sie während dieses Schleifvorgangs bereits mitten auf der Straße steht! Sie wird noch jetzt nicht die geringste Vorstellung haben, wie nah sie davor war, ihr Leben fürderhin als Kühlerfigur zu fristen. Ja, Fußgänger legen im Straßenverkehr häufig ein bemerkenswertes Gottvertrauen an den Tag.

Man kommt am Zielort an, verrichtet die notwendigen Dinge und klickt dabei beinahe eine „Werden Sie mit Bitcoins total dolle reich!“-Mail an, womit man sich den berechtigten Unmut aller anderen Anwesenden zugezogen hätte. Man grummelt lauter. Man denkt darüber nach, sich über vermeintlich sexistische Gedichte an Uni-Wänden zu beschweren.

Man beginnt einen Blogbeitrag …

2.) Es gibt Wiedergeburt und weil Du der 300 Milliardendste Gestorbene bist, darfst Du Dir aussuchen, als was Du wiedergeboren wirst. Was wird es sein?

Ach was, macht man das im Himmel – in den ich selbstredend komme – so? Gibt’s da auch Zehnerkarten und muss man seine Postleitzahl angeben?

Na, also erst mal würde ich es ja vorziehen, nicht zu den 300 Milliarden zu gehören. Und am besten auch nicht zu den nächsten. Mein persönliches Ableben lehne ich nämlich weiterhin vollumfänglich ab! Tja, aber sollte es mal so sein, dann würde ich vorziehen, als eine möglichst langlebiges Wesen wiedergeboren zu werden. Vielleicht als eine Riesenschildkröte? Die Antwort mit der Schildkröte habe ich übrigens schon als Kind, mit eben dem Argument der Langlebigkeit, gegeben, als es darum ging, welches Tier man gerne wäre, wenn man denn eines wäre.

Wobei, zu der Schildkröte gäbe es durchaus Alternativen. So soll der Riesenschwamm Anoxycalyx joubini bereits 10.000 Jahre alt sein. Eine Koralle der Gattung Leiphates bringt es immerhin auch auf über 4.000 Jahre. In beiden Fällen käme man aber so wenig rum …

Ha, ich habs: Turritopsis dornii! Ja, das isses!

 

3.) Sammelst und benutzt Du Gutscheine, Rabattcoupons und dergleichen?

Nein, überhaupt nicht.

4.) Die Wahl der Qual: ständig an Papier schneiden oder ständig etwas ins Auge bekommen?

Ich finde beides beschissen! 🙂 Aber da sich am Papier zu schneiden oft unverhältnismäßig weh tun kann, nehme ich die Sache mit den Augen.

 

Das war´s auch schon wieder, geneigte Leserschaft, ich wende mich jetzt produktiven Dingen zu. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

Kurzrezension „Die Chronik der Drachenlanze 2: Drachenjäger“ – Dungeons & Dragons

Vor nun schon etwas über zwei Jahren unternahm ich das, was jüngere Semester so völlig unnötig als einen „re-read“ bezeichnen würden: Ich las – etwa 25 Jahre nach der erstmaligen Lektüre – noch einmal den ersten Teil der „Chronik der Drachenlanze„, um der Frage nachzugehen, ob mir die Reihe auch heute noch gefallen würde. Und siehe da: Sie tat es! Flugs wurden die nächsten beiden Teile organisiert, dennoch geriet das Ganze sehr bald wieder ins Stocken.

Nachdem ich nun aber – die aufmerksame Leserschaft vermag sich vielleicht noch zu erinnern – zu Weihnachten ganze 18(!) Bücher aus dem „Drachenlanze“-Zyklus von einer ganz zauberhaften Person geschenkt bekommen habe, wird es Zeit, sich weiter mit dieser Reihe zu befassen.

Eigentlich könnte ich mich also monatelang in meinen Lektüren und Rezensionen nur auf die „Drachenlanze“ beschränken, aber das geht natürlich nicht. Also, es ginge, aber – nein. Da die Bücher allerdings dennoch gelesen und besprochen werden wollen, habe ich mich entschlossen, sie im Rahmen von – mehr oder weniger – Kurzrezensionen in meinen Blog einzubinden.

Da es sich beim vorliegenden Buch bereits um den zweiten Teil handelt, gilt natürlich: Der nachfolgende Text kann Spuren von Spoilern enthalten!

 

Buch: „Die Chronik der Drachenlanze 2: Drachenjäger“

Autoren: Margaret Weis und Tracy Hickman

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 218 Seiten

Die Autoren: Margaret Weis ist eine 1948 in Independence, Missouri, USA, geborene Fantasy- und Science-Fiction-Autorin. Weis studierte Literatur und Kreatives Schreiben in Columbia und arbeitete im Anschluss 13 Jahre lang im Herald Publishing House. Zu dieser Zeit schrieb sie auch ihr erstes Buch über die Brüder Frank und Jesse James. Durch einen beruflichen Wechsel zu TSR („Tactical Studios Rules“) lernte sie Tracy Hickman kennen und verfasste mit ihm die Drachenlanze-Romane und andere Fantasy-Zyklen.

Tracy Hickman, 1955 in Salt Lake City, Utah, USA, geboren, ist ein amerikanischer Fantasy-Autor und Co-Autor diverser Fantasy-Rollenspiel-Publikationen. 1974 schloss Hickman die High School ab. 1975 unternahm der Mormone eine zweijährige Missionarstätigkeit für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Hawaii und Indonesien. Anschließend war er in unterschiedlichen Jobs tätig, so z. B. als Theatermanager oder Glasarbeiter. 1984 begann er für TSR zu arbeiten und lernte so Maragaret Weis kennen. Hickman lebt in St. George, Utah.

Das Buch: Die sechs Freunde haben nur eine Möglichkeit, Krynn vor dem Untergang zu retten – sie müssen in die Festung von Lord Verminaard dringen, des Herrn der Dracvhen. Um den Weg bestreiten zu können, wollen Sie in der Stadt Solace Proviant fassen. Doch Solace wurde von den Drachen überfallen und in Brand gesetzt; die Bewohner wurden versklavt und zur Arbeit in den Minen gezwungen. Als die sechs in die Stadt kommen, werden sie von den Drachen gefangen genommen. Ein grausiges Schicksal droht ihnen. (Quelle: Klappentext)

Fazit: In Teil zwei ihrer Reihe macht das Autorenduo wenig anders und vieles richtig. Schon von Beginn an lebt die „Drachenlanze“-Reihe nicht nur von der actionlastigen Handlung, sondern auch und besonders von ihren Charakteren. Die Risse zwischen einzelnen Personen in der Gruppe werden tiefer. Als später der Mensch Eben und der Elf Gilthanas zur Gruppe stoßen, wird die Stimmung noch schlechter, weil die einen den Menschen, die anderen den Elfen für einen Verräter halten.

Dabei wird – wie schon in Teil 1 – immer wieder nur in kurzen Andeutungen auf die Vergangenheit einzelner Protagonisten – inbesondere die des Halb-Elfs Tanis, des Magiers Raistlin sowie dessen Bruder Caramon – eingegangen. Wohl selten hat ein Autoren-Duo so dermaßen unsubtil auf „Prequels“ hingeschrieben. 🙂

Bei den Nebencharakteren fallen insbesondere die liebenswerten und teilweise seltsamen und/oder verrückten Personen auf, die sich Weis und Hicks da haben einfallen lassen, seien es die Gossenzwerge Bupu aus Teil 1 sowie Sestun aus Teil 2 oder auch der, sagen wir, verhaltensoriginelle betagte Magier Fizban, der Bäume beschuldigt, sich ihm in den Weg gestellt zu haben und der in jeder passenden, vor allem aber in jeder unpassenden Situation den Drang zu verspüren scheint, eine Feuerkugel zu erzeugen.

Hatten im ersten Teil noch nahezu sämtliche Fantasy-Geschöpfe der gesamten Literaturgeschichte einen zumindest kurzen Auftritt, beschränkt sich das Autoren-Duo segenswerterweise in Teil 2 im Wesentlichen auf die Gruppe selbst und natürlich auf die namensgebenden Drachen. „Drachenjäger“ ist im Übrigen das einzige mir bislang untergekommen Fantasy-Buch, das einen Drachen mit Trauma enthält …

Und eine Schnecke. Also, keine von diesen kleinen aus dem Garten, sondern die große, böse, fiese, gefährliche Endgegner-Variante. Das wäre jetzt nicht unbedingt meine Wahl gewesen, wirkt das possierliche Tierchen doch irgendwie weniger gefährlich, sondern viel mehr seltsam. In einer Szene setzt dieses Tier übrigens zum Sprung (sic!) an! Ich war in Bio nie gut, aber: Springende Schnecken?

Von solchen Einzelheiten abgesehen ist aber auch der zweite Teil ein absolut rundes Leseerlebnis. Er bietet spannende Charaktere und eine ebensolche Handlung, Action, ein bisschen Romantik, und, ja, auch ein bisschen Purity-Ring-Kitsch. Insbesondere zum Ende hin. Aber da muss man durch!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich wollte eigentlich schon länger „Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten“ rezensiert haben, dazu müsste ich es allerdings erst mal zu Ende lesen. Das dürfte aber in Kürze der Fall sein …

Freitagsfragen am Samstag reloaded

Freitagsfragen_Logo

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

angesichts der Tatsache, dass ich aufgrund einer betriebsinternen frühmorgendlichen Festivität (am Wochenende!), von der ich praktisch gerade erst nach Hause gekommen bin und auf die ich gut und gerne hätte verzichten können, in Verbindung mit der schon in ziemlicher Bälde beginnenden Fußball-Übertragung sowie einer anschließenden weiteren Festivität, diesmal aber privater Natur, ist meine Zeit eigentlich recht knapp bemessen, wenn man berücksichtigt, dass ich mich jetzt auch noch den Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog widmen möchte, die sehr zu meiner Freude doch noch gestellt wurden. Daher fasse ich mich heute mal wieder ungewöhnlich kurz. Die heutige Fragen und Antworten lauten:

1.) Wenn Du einmal an Deine kindlichen Vorstellungen von Deinem Leben als Erwachsener denkst: was trifft zu und was ist anders?

Eigentlich trifft von dem, was ich mir als Kind und auch als älterer Teenager von meinem Leben vorgestellt habe, so gut wie nichts zu. Allerdings bin ich über den Punkt, an dem mich diese Erkenntnis sehr gestört hat, auch schon einige Zeit hinaus. Ich habe mich also damit arrangiert – #derzugistabgefahren ;-). Und es könnte durchaus schlimmer sein. Abgesehen davon fände ich es aus heutiger Sicht auch ziemlich gruselig, wenn das Leben ausschließlich nach den eigenen Vorstellungen verlaufen würde.

2.) Letzte Woche hast Du Deinen Schuhkarton für die Weltraummission gepackt, du bleibst 3 Jahre auf der ISS. Morgen geht’s los. Mit wem verbringst Du den letzten Abend?

Na, wenn es nach mit geht, dann mit Alexandra Maria Lara. 🙂

Nein, ich würde den letzten Abend im Kreise meiner Freunde – an dieser Stelle immer nur als die „zauberhaften Personen“ bezeichnet, die sie sind – verbringen, und wir würden es nochmal richtig krachen lassen. Spätestens beim Raketenstart am nächsten Morgen dürfte mir sowieso kotzübel sein, dann darf man vorher auch nochmal etwas über die Stränge schlagen.

Moment mal, wieso bleibe ich eigentlich 3 Jahre da oben? Bin ich irgendwie auf der Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden, oder habe sonst etwas Schlimmes gemacht? Den Rekord für den längsten Aufenthalt am Stück auf der ISS halten nämlich der Russe Mikhail Tyurin und der US-Amerikaner Michael Lopez-Alegria mit jeweils gerade mal 215 Tagen!

3 Jahre da oben übersteht doch kein Mensch! Aber hey, zumindest ist mir damit eine Erwähnung in den Geschichtsbüchern sicher. Und irgendwann in 20 Jahren läuft bei n-tv eine Doku über mich, in der ehemalige Astronauten-Kollegen über mich Dinge sagen wie: „Ja, das war schon ein verrückter Hund! Wir alle, die NASA, die Ärzte, wir Kollegen, wir alle haben ihm gesagt, dass das keine gute Idee mit dem dreijährigen Aufenthalt ist. Aber hey, er hat es durchgezogen. Gut, er hatte anschließend nur noch die zerebralen Fähigkeiten von Wirsing, aber ja, er hat es durchgezogen!“

3.) Kennst Du Deine Familiengeschichte?

Nein, leider nicht. Ich bezweifele ohnehin, dass sich dort irgendwo bekannte Philosophen oder begnadete Musiker finden ließen, aber etwas mehr wüsste ich schon gerne. Leider habe ich bereits meine Großeltern mütter- und väterlicherseits nur jeweils zur Hälfte kennengelernt bzw. kennenlernen dürfen. Ich spiele aber immer mal wieder mit dem Gedanken, zumindest die Geschichte der Familie meiner Mutter etwas genauer zu beleuchten. Zumal ich weiß, dass sie daran auch Interesse hätte. Wahrscheinlich ist das aber entweder seeeehr zeitaufwändig oder aber seeeehr, seeehr teuer. Ich könnte mal ein Crwodfunding starten …

4.) Die Wahl der Qual: Selber Unrecht erfahren und nichts dagegen tun können ODER einem guten Freund Unrecht zufügen, der jedoch den Absender nicht weiß?

Wer um alles in der Welt entscheidet sich denn da für Letzteres? Ich würde jederzeit meine Kraft dem Wohle meiner Freunde widmen, ihren Nutzen mehren und Schaden von ihnen abwenden. Ich sollte eine Art Amtseid daraus machen …

Daher würde ich mich natürlich selbstlos dafür entscheiden, selbst Unrecht zu erfahren. Ein bisschen mehr oder weniger ist doch irgendwann auch egal!

 

Nun denn, meine lieben Leserinnen und Leser, wenn ich den weiteren Verlauf meines Tages auch nur ansatzweise pünktlich bestreiten möchte, muss ich gleich los. Dehalb: Ich wünsche allseits ein schönes Wochenende, bis demnächst und

gehabt euch wohl!

Sunshine Blogger Award

sunshine blogger award

Schönen guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die geschätzte Bloggerkollegin Myna Kaltschnee hat unlängst eine Nominierung zum Sunshine Blogger Award erhalten. Und zugegeben, sie hat mich nicht direkt nominiert, eine Teilnahme aber jedem freigestellt. Und ja, zugegeben, ich wollte derlei Teilnahmen ja auf ein Minimum beschränken, in diesem Fall sprechen aber gleich zwei Gründe dagegen:

Erstens finde ich die von Myna gestellten Fragen sehr spannend – vielen Dank dafür. Und zweitens habe ich gerade seltsamerweise Zeit. Und wenn ich um diese Zeit irgendetwas nicht haben sollte, dann Zeit. Nun habe ich diese Zeit aber. Und was macht der passionierte Blogger mit unerwarteter Zeit? Richtig, er bloggt! Also, es wird Zeit, legen wir los. Oh, halt, nein, ein wenig Zeit widmen wir noch dem wie üblich überschaubaren Regularium des Sunshine Blogger Awards:

– Danke dem Blogger, der dich getaggt hat in markiere ihn mit seinem Link
– Beantworte die 11 Fragen, die der Blogger Dir gestellt hat.
– Nominiere 11 neue Blogger für den Award und stelle 11 Fragen
– Liste die Regeln auf
Wer seit längerem bei mir liest, der weiß, dass ich für gewöhnlich davon absehe, andere Blogger zu nominieren. So verfahre ich auch heute. Warum müssen es eigentlich auch gleich immer elf oder ähnlich viele sein? Da würde ich einerseits bei den Nominierungen bald wieder von vorne beginnen und andererseits damit, den Leuten auf die Nerven zu gehen. Nominierungen fallen also aus, wer sich aber inspiriert fühlt, Mynas Fragen zu beantworten, der möge das – mit einem kurzen Link zu ihrem – übrigens sehr lesenswerten – Blog – tun. Hach, ich liebe sinnfreie Halbgeviertstriche. 😉
Schreiten wir zur Tat:

1. Welches Buch hat Dich als letztes so richtig enttäuscht?

Hmmm, da muss ich intensiv nachdenken. So richtig enttäuscht bin ich eigentlich selten, denn natürlich meide ich tunlichst Bücher, bei denen ich vorher erahne, dass sie nicht so ganz meinen Geschmack treffen könnten. „Konklave“ von Robert Harris war eine leichte Enttäuschung für mich, allerdings ohne ein schlechtes Buch zu sein, nur waren Harris´ andere Bücher so, so viel besser. „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser war schon eine etwas größere.
Um ein Buch zu finden, das eine richtige Enttäuschung für mich war, muss ich schon länger zurückgehen: „Die Todesliste“ von Frederick Forsyth. Ein Buch, so dumm wie sein Titel. Voll von dumpfen, unreflektierten, gewaltverherrlichenden Patriotismus. Ein Buch, das so richtig zum Kotzen war. Ich glaube, es ist auch das bis heute von mir am schlechtesten bewertete Buch sein Beginn meines Blogs. Aber das Schreiben der Rezension war pure Freude. 🙂

2. Wenn Du frei entscheiden dürftest, wer den Nobelpreis erhält – wen würdest Du wählen?

Zum Wohle der Allgemeinheit müsste ich mich eigentlich für Haruki Murakami entscheiden, der von gefühlten Myriaden von Lesern und Innen immer wieder für diesen Preis ins Spiel gebracht wird. Dieser aller Leser und Innen liebe Seelen hätten dann Ruh´. Vielleicht ist genau das der Grund, warum das Komitee (ein „m“? Faszinierend …) sich immer wieder bockig dagegen entscheidet und stattdessen mir oft gänzlich unbekannte Menschen auszeichnet. Oder Musiker …
Wenn ich aber wirklich gänzlich frei entscheiden dürfte, dann kann es da nur einen geben: David Mitchell!

3. Was würdest Du tun, wenn Du einen Tag lang Bundeskanzler/in sein dürftest?

Momentan wäre ich ja eher geschäftsführender Bundeskanzler. Daher würde ich sofort und sogleich sämtliche Koalitionsverhandlungen abbrechen und den Bundespräsidenten bitten, mich im Bundestag zur Wahl vorzuschlagen. Und dann würde ich eine Minderheitsregierung anführen. Das hätte so viele Vorteile:
Die SPD wäre in der Opposition, wo sie eigentlich für vier Jahre mal gut aufgehoben wäre, um zu zeigen, dass sie noch Sozialdemokratie kann. Auch auf die Gefahr hin, dass die Wähler ihnen den „Voogääl!“ zeigen. Darüber hinaus wäre damit die AfD nicht mehr die größte Oppositionspartei. Ey, jetzt mal ehrlich, die AfD ist Stand jetzt die größte Oppositionspartei! Was läuft da bloß verkehrt? Damit könnte man diese Herrschaften dann auch wieder aus diversen Ausschüssen rausekeln. Hach, ich fände das so schön …
Das klingt alles nach ziemlich viel für einen Tag als Bundeskanzler, aber hey, wir leben im 21. Jahrhundert, da geht all das ziemlich schnell. Wenn man denn will …

4. Bloggst Du frei nach Schnauze, wann immer Du Lust dazu hast oder hast  Du einen Plan für Deinen Blog?

Irgendwo dazwischen. Ich habe zwar schon grob im Kopf, wann ich was schreiben möchte, einen Plan mache ich aber nicht. Das liegt auch daran, dass ich Planänderungen verabscheue! Wenn mir dann also etwas meinen Plan durchkreuzen würde, würde mich das viel zu sehr ärgern.

5. Was war das Tollste, was Du Danke Deines Blogs bisher erlebt hast? Zum Beispiel ein Interview, ein Kommentar, ein Besuch als akkreditierter Fachbesucher auf der LBM/FBM, ein Bloggertreffen, etc.?

Das Tollste am bloggen allgemein – und nein, das ist keine Schleimerei –  ist die „Community“ und der Austausch mit selbiger. Ich bin, wie wohl die meisten, nicht nur in Bloggerkreisen unterwegs, weiß daher, dass der freundliche, respektvolle Umgang unter Bloggern nicht gerade die Regel im Internet ist. Keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Schließlich gehen die Menschen im echten Leben doch auch freundlich und respek…, oh, warte …
Für das Tollste, was mir persönlich passiert ist, muss ich noch nicht mal sehr lange zurückdenken. Kurz vor Weihnachten bekam ich eine Mail eines recht bekannten deutschen Autoren, der meine Rezension auf seiner Facebook-Seite verlinkte und der sich extra nochmal die Mühe machte, mir per Mail zu antworten, um sich für meine Rezension zu bedanken, als ihm bewusst wurde, dass ich die sozialen Hetzwerke ja meide. Es war mir ein inneres Blumenpflücken! 🙂

6. Was würdest Du tun, wenn Du für einen Tag das andere Geschlecht annehmen könntest?

Ähm, ich weiß nicht. Ich würde wahrscheinlich angesichts der plötzlichen Komplexität meiner Hirntätigkeit völlig überfordert sein. 🙂 Ach, ich denke, ich würde einfach das tun, was ich jeden Tag tue: Ich versuche, die Weltherrschaft an mich zu reißen!

7. Sushi, Burger oder Pizza – wofür würdest Du Dich spontan entscheiden?

Sushi? Roher Fisch? Ernsthaft? Näääää! Meine Wahl fiele auf Burger oder Pizza. Allerdings käme das ganz auf die Pizza an. Schließlich gibt es auch da außerordentlich gewöhnungsbedürftige Kreationen mit Ananas oder Pfirsich oder gar Banane und so Zeugs. *örks* Im schlimmsten Fall wäre da noch fragwürdigstes Meeresgetier mit einer Vielzahl von Beinen oder gar ganz ohne solche drauf. Also, nach genauerem Nachdenken: Burger! Damit kann man eigentlich wenig verkehrt machen.

8. Welches Buch hat Dich zuletzt vom Hocker gehauen?

Das kürzlich von mir rezensierte „Bei diesem Regen“ von Annemarie Schwarzenbach zumindest mal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Umgehauen“ haben mich im letzten Jahr vor allem zwei Bücher. Erstens „Die Gestirne“ von Eleanor Catton und zweitens – und ich werde nicht aufhören, dieses Buch lobzupreisen – „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer. Augenscheinlich habe ich gerade bei diesem Buch vergessen, es in meiner Genre-Liste zu verlinken, merke ich gerade …

 

9. Wie lange gibt es Deinen Blog schon?

Seit exakt drei Jahren, drei Monaten und vier Tagen.

10. Welche/n Autor/in würdest Du gerne einmal treffen?

Hmm, ich stelle mir ein Gespräch mit Andreas Eschbach oder auch Frank Schätzing ganz spannend vor. Beide hätten bestimmt viel Interessantes zu erzählen. Oder vielleicht Kai Meyer? Dem hätte ich viel zu erzählen. Ach, nein, ich entscheide mich ganz anders, nämlich für Tanja Kinkel. Die macht zwar immer einen recht, sagen wir mal, vergeistigten Eindruck auf mich, aber ich könnte mit ihr stundenlang allein über „Unter dem Zwillingsstern“ reden. Notiz für mich: Dieses Buch mal wieder lesen!

11. Wenn Dein Haus abbrennen würde und Du drei Gegenstände retten könntest, welche wären das?

Ich würde mich erst mal selbst retten! 😉 Ansonsten würde ich mich in erster Linie auf Dinge beschränken, die man nicht von der Versicherung erstattet bekommt: Fotos, den gesammelten Briefwechsel mit einigen ganz zauberhaften Personen und zwei, drei meiner Werder-Devotionalien, die in vorliegender Form nur schwer bis gar nicht wieder zu beschaffen wären. Alternativ würde ich mich auch gegen Letztere entscheiden und stattdessen meinen ganzen persönlichen Papierkram mitnehmen, um mir die Lauferei und den Verwaltungskram zu ersparen, den man auf sich nehmen muss, um vom Führerschein bis zum Stammbuch alles wieder zu bekommen.
Das soll es auch schon gewesen sein. Nochmals lieben Dank an Myna für die spannenden Fragen. Ich wünsche allseits noch ein schönes Bergfest. Durchhalten, in gut 48 Stunden ist praktisch schon wieder Wochenende!
Gehabt euch wohl!

 

„Agathas Alibi“ von Andrew Wilson – Retro-Charme

Buch: „Agathas Alibi“

Autor: Andrew Wilson

Verlag: Pendo

Ausgabe: Hardcover, 380 Seiten

Der Autor: Andrew Wilson ist ein britischer Journalist. Er schreibt unter anderem für die Zeitungen Guardian, Daily Mail und Sunday Times und hat bereits zwei erfolgreiche Biografien über Patricia Highsmith, Sylvia Plath und Alexander McQueen veröffentlicht. Mit dem Leben und Werk von Agatha Christie setzt sich Wilson seit vielen Jahren auseinander. »Agathas Alibi« ist sein zweiter Roman. (Quelle: Pendo)

Das Buch: Im Dezember 1926 verschwindet Agatha Christie spurlos. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt, an der sich sogar Arthur Conan Doyle beteiligt. Doch Christie, deren jüngstes Buch »Alibi« gerade zum Welterfolg lanciert, bleibt verschwunden. Erst elf Tage später wird sie in einem Hotel gefunden, in das sie sich unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes einquartiert hat. Bis heute weiß niemand, was damals geschah. Was, wenn Christie an einen bösartigen Widersacher geraten ist? Was, wenn sie erpresst worden ist? Was, wenn die Königin der rätselhaften Morde selbst gezwungen worden ist, ein Verbrechen zu begehen? Auf intelligente und unterhaltsame Weise erzählt Andrew Wilson in einer Mischung aus Fakten und Fiktion von einem rätselhaften Fall, in dem die größte Krimiautorin der Welt selbst zur Protagonistin wird. (Quelle: Pendo)

Fazit: Kennt ihr das? Manchmal bekommt man so einen Anfall, der nur entfernt an Nostalgie erinnert und damit verbunden irgendwie Lust auf etwas Altes, etwas „von damals“. So habe ich heute zum Beispiel ein mir noch nicht näher erklärbares verstärktes Bedürfnis nach Punkmusik aus den 90ern. So etwas wie das hier. Oder das hier. Oder auch das hier.

Da ich aber nicht den ganzen Tag „WIZO“, „Lagwagon“ oder „No use for a name feat. Cinder Block“ hören kann – also, ich meine, ich könnte, nicht, dass wir uns falsch verstehen, aber … nein -, tue ich lieber etwas Sinnvolles und schreibe mal wieder eine Rezension. Und auch diese Rezension hat etwas mit so einem Retro-Anfall zu tun.

Vor einiger Zeit stieß ich beim Stöbern auf diversen Blogs – leider weiß ich überhaupt nicht mehr, wo – auf den Namen Agatha Christie. Und ich erinnerte mich, wie gerne ich ihre Bücher – im Besonderen die Poirot-Reihe – damals gelesen habe. Übrigens ebenfalls in den 90ern. Schnell reifte der Entschluss, mal wieder eines ihrer Bücher zu lesen. Sehr zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass meine Bestände an Christie-Krimis doch arg abgenommen haben. Hatte ich damals Ummengen an Büchern aus der „Goldmann rote Krimi“-Reihe von kurz nach dem Kartoffelkrieg, so war mir davon genau eines geblieben. Wo der Rest verblieben ist, entzieht sich bislang meiner Kenntnis.

Dann jedoch griff der Zufall ein – ausnahmsweise mal auf positive Art – und dieser führte dazu, dass mein suchender Blick in der Buchhandlung meines Vertrauens auf „Agathas Alibi“ fiel.

Nun habe ich das Buch bereits im Dezember gelesen, vor Weihnachten, lang vor Weihnachten, vor ziemlich langer Zeit also. Diese Zeit ist zumindest dann ziemlich lang, wenn man – wie ich – dazu neigt, sich während der Lektüre praktisch keinerlei Notizen zu machen. Ich merke mir während der Lektüre weitgehend, worauf ich eingehen möchte und das funktioniert auch meistens – dafür vergesse ich viel unwichtigere Dinge wie die rechtzeitige Abgabe meiner Steuererklärung. Es funktioniert allerdings nur über einen begrenzten Zeitraum und der ist, man ahnt es, eigentlich überschritten. Aber ich versuche, nach viel Text bar jeglichen sinnvollen Inhalts, dennoch mein Glück.

Ich mag historische (Kriminal-)Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Denn Agatha Christie verschwand tatsächlich im Jahr 1926 für mehrere Tage spurlos. Und die Umstände sind nach wie vor ungeklärt. Möglicherweise floh sie einfach vor einer Schreibblockkade und hat sich einfach ein paar Tage lang die Kante gegeben, was eine völlig aus der Luft gegriffene Spekulation meinerseits ist. Möglicherweise ist es aber auch genau so passiert, wie Andrew Wilson in „Agathas Alibi“ beschreibt.

Ich mag auch Romane, in denen historische Berühmtheiten auftauchen. Wenn eine solche historische Berühmtheit allerdings die Protagonistin ist und die Geschehnisse auch noch aus ihrer Sicht bzw. von ihr erzählt werden, dann habe ich damit ein größeres Problem. Meiner Meinung nach läuft man als Autor Gefahr, der Person nicht gerecht zu werden und im schlimmsten Fall sorgt man für die Wirkung, die Wilsons Agatha auf mich hatte: Sie nervte mich! Ja, ihre Ehe war in einer Krise und ja, sie war von ihrem letzten Buch alles andere als überzeugt und hatte sich bei ihrem nächsten festgefahren. Das verstehe ich alles. Aber irgendwie war mir die Gute etwas zu wehleidig, jammerig und immer an der Grenze zur Ohnmacht.

Der mit der Suche nach Christie beauftragte leitende Ermittler Kenward wird von Wilson mehr oder weniger als inkompetenter Trinker dargestellt. Ob er das war, entzieht sich meiner Kenntnis, aber mit seiner inkompetenten Art und seinem Beharren auf immer weitere Suchaktionen nervte auch er. Insgesamt gibt es im Bereich der Charaktere nur eine Person, die mir zusagte, über die zu sprechen sich aus Spoilergründen allerdings verbietet.

Auch inhaltlich hatte ich mir etwas mehr erhofft. Die eigentliche Rahmenhandlung ist von überschaubarer Spannung, enthält keine wirklichen Wendungen und kommt insgesamt recht unaufgeregt daher. Das mag Christies Originale gut widerspiegeln, waren auch das schließlich keine actiongeladenen Thriller modernster Machart, aber dennoch hätte man das Ganze doch irgendwie aufregender gestalten können, denn auregend bzw. spannend waren die Originale ja schon.

Wenigstens in stilistischer Hinsicht habe ich nichts zu meckern. Auch dieser erscheint mir an die Originale angelehnt, was ich viel passender finde, als das auch im Bereich der Handlung so zu handhaben. So findet sich beispielsweise auch der eine oder anachronistische Begriff in „Agathas Alibi“. Wilson Stil hat mich also vollkommen überzeugt.

Insgesamt reicht das aber nicht, um eine klare Leseempfehlung auszusprechen. Christie-Fans können zugreifen, alle anderen sind anderswo besser bedient.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ von Becky Chambers.