Freitagsfragen #82

Freitagsfragen Frühling

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

pünktlich zum Start in den Freitag starten auch die Freitagsfragen im Brüllmausblog durch in ihre 81. Ausgabe. Kinder, wie die Zeit vergeht …

Schreiten wir zur Tat, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was hast Du neulich Neues gelernt?

Och, das kommt ganz darauf an, wie man „neulich“ definiert. Wenn ich das zeitlich etwas großzügiger definiere, dann kann ich sagen: ziemlich viel! Ich lerne ja gerne Neues.

Neue Worte zum Beispiel. So habe ich in jüngerer Vergangenheit die Worte „Kokille“ und „rektifizieren“ gelernt. Angesichts der Fachspezifizierung des ersten Wortes, konnte ich damit leben, es nicht zu kennen, meine Unkenntnis zu Letzterem wundert mich schon eher. Ich könnte jetzt übrigens sicherlich beide Begriffe erläutern, verweise diesbezüglich aber auf die Suchmaschine eures Vertrauens. Oder Google.

Ich habe auch gelernt, dass es in jüngerer Vergangenheit eine steigende Zahl eigentlich ernstzunehmender Politiker gibt, deren Meinungen und Äußerungen mich zunehmend irritieren. Über Seehofer – wobei man sich in dem Zusammenhang das Adjektiv „ernstzunehmend“ wegdenken muss – schrieb ich gestern erst. Aber auch Ex-Bundespräsident Gauck irritierte mich kürzlich zutiefst, mit seinem Anliegen, man müsse mit Leuten vom rechten politischen Rand einfach mehr diskutieren und sie, sinngemäß, argumentativ stellen und überzeugen. Dabei übersieht Herr Gauck meiner Meinung nach den Denkfehler bzw. das Problem, dass die erwähnte Gegenseite ja eben oft gar nicht an einer entsprechenden Diskussion interessiert ist, und sich daher, wenn doch mal eine stattfindet, in erster Linie damit beschäftigt, das Gegenüber zu diskreditieren und die Argumente anzuzweifeln, um dann ihrereseits Quellen zweifelhaften Ursprungs zu zitieren. Mit einer Person vom rechten politischen Rand zu diskutieren ist also, um mal diesen alten Spruch zu zitieren, ungefähr so sinnvoll, wie der Versuch, mit einer Taube Schach zu spielen: Egal, wie gut Du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen. Daher gilt, zumindest für mich, sowohl für die Diskussion als auch für das Schachspiel: Warum sollte ich das tun?

Ich habe auch gelernt, dass mit BMW jetzt ein renommierter, deutscher Autokonzern mit dem ebenso renommierten Filmkomponisten Hans Zimmer zusammenarbeitet. Dessen Aufgabe besteht, vereinfachend gesagt, darin, Sounds für E-Autos zu komponieren. Denn die Dinger sind ja – zumindest bis zu einer gewissen Geschwindigkeit – vergleichsweise flüsterleise. Wohlgemerkt, BMW macht das – soweit ich das verstanden habe – nicht aus Sicherheitsbedenken, sondern weil der Wegfall des Motorengeräuschs das Fahrgefühl beeinträchtigen könnte …

Man denkt bei BMW also nicht: „Wir sorgen uns um unaufmerksame Mofafahrer, die gerade „Harry Potter: Wizards Unite“ spielen, während sie sich über ihre AirPods mit „Rammstein“ beschallen, weil die Gefahr besteht, dass sie unsere flüsterleisen Motoren überhören und umgeputzt werden, bevor sie wissen, wieso.“, sondern man denkt bei BMW: „Die Fahrer unserer PS-Panzer sind es gewöhnt, so ein richtig geiles Motorengeräusch zu haben und könnten das total doof finden, wenn das plötzlich fehlt. Deswegen soll ihnen auch in Zukunft ermöglicht werden, aus einer Reihe von Möglichkeiten, den satten Sound zu wählen, der ihnen das Fahren unser Elektro-Panzer mit der Reichweite eines siechen Eichhörnchens mit Lungensteckschuss erträglich gestaltet.“

Wenn also in der Gegend rund um Jamel in Zukunft die Klänge von „Stukas“ und „MP43“ die ländliche Idylle stören: Keine Sorge, das sind nur BMW.

2.) Wo findet man Dich an heißen Sommertagen?

Das kommt darauf an, wie heiß es ist. Im Normalfall findet man mich dann oft draußen im heimischen Garten, irgendwo, wo Schatten ist. Meistens mit einem Buch in der Hand. Wenn es aber so richtig, richtig heiß ist, dann habe ich dazu auch keinen Nerv mehr und halte mich lieber drinnen auf.

3.) Welchen Film muss man unbedingt gesehen haben?

Oh, da bin ich – der ich im Kino in den letzten Jahren allenfalls „Star Wars“ und „Peter-Jackson-verfilmt-etwas-von-Tolkien“ gesehen habe, genau der richtige Ansprechpartner. Außerdem zeichnen sich Filme, die man unbedingt gesehen haben muss, dadurch aus, dass sie viele eben schon gesehen haben, Geheimtipps darf man von mir also nicht erwarten. Wobei, ein Film der Kategorie „unbedingt ansehen“, den man vielleicht nicht (mehr) sofort auf Schirm hat, fällt mir dann doch ein: „Amistad“.

4.) Die Wahl der Qual: Zum Geburtstag mit unpassenden Geschenken überhäuft werden oder gar keine bekommen?

Och, ich bekomme lieber gar keine Geschenke als solche, mit denen ich nichts anfangen kann. Davon hat schließlich weder der Beschenkte, noch der Beschenkende etwas.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

 

 

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abc.Etüden KW 25/26 II

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ohne große Vorrede geht es in die zweite Etüde, welche von Christiane organisiert und von Viola und ihrem Blog viola-et-cetera mit einer Wortspende versorgt werden.

 

„Na, über wen ärgern wir uns denn heute?“

„Seehofer, die trübe Tasse!“

„Oooh, den hattest Du schon lange nicht mehr! Gab der keinen Anlass mehr, sich aufzuregen?“

„Oooh – doch! Aber wenn ich das immer täte, wenn es angebracht wäre, dann würde ich so viel Magentabletten schlucken, dass ich mir schon lange die Hüfte gebrochen hätte.“

„Aber jetzt geht es nicht anders?“

„Jetzt geht es nicht anders! Ich kann mir nicht helfen.“

„Weil?“

„Nee, wieso, das hat nichts mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten zu tun.“

„Nein, ich meine: Warum geht es nicht anders?“

„Ach so! Na, Seehofer hat im Zusammenhang mit dem Mord an Herrn Lübcke  sinngemäß gesagt, dass zu den bisherigen Gefahren etwa durch islamistischen Terror jetzt der Rechtsterrorismus als „große Gefahr“ hinzugekommen sei.“

„Jetzt?“

„Ja, jetzt?“

„Ja, wo war Herr Seehofer denn dann in den Vorjahren? Beispielsweise in 2015 und 2016, als es laut BKA jeweils um die 1.000 Anschläge auf Asylunterkünfte gab?“

„Ja, eben, das frage ich mich auch. Das war aber wohl kein rechter Terror …“

„Ach was!?“

„Tja …“

„Also, nochmal zum Mitschreiben: Der Mensch, der die Migration als „die Mutter aller Probleme“ ausgemacht hat und sich permanent rhetorisch benommen hat, wie in der Schweinebucht, wundert sich jetzt, wenn so etwas passiert?“

„Japp! Und er fügt hinzu: „Ich möchte nicht behaupten, dass alles Menschenmögliche getan wurde.“

„Ach was!? Da stellt sich doch spontan die Frage nach dem „Warum?“. Ich meine, ist das nicht eigentlich sein Job!?“

„Ja, schon, aber – hach, was sollen wir machen? Ich hoffe einfach auf so eine Art „Bobby-Ewing-unter-der-Dusche-Moment“.“

„Inwiefern?“

„Na, insofern als ich irgendwann wach werde …“

„… und Horst Seehofer bei Dir unter der Dusche steht?“

„Neien! Insofern, als ich irgendwann wach werde und sich herausstellt, dass alles ein Traum war.“

„JA! Vielleicht ist Seehofer ja ein verwunschener, fachkompetenter Politiker und wir müssen ihn einfach nur froschkönigmäßig an …“

„Nein!“

 

300 Worte

 

 

 

 

„Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ von Joël Dicker – Das. Soll. So.

Buch: „Das Verschwinden de Stephanie Mailer“

Autor: Joël Dicker

Verlag: Piper

Ausgabe: Hardcover, 670 Seiten

Der Autor: Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Seine Bücher »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« und »Die Geschichte der Baltimores« wurden weltweite Bestseller und über sechs Millionen Mal verkauft. Für »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert«, das in Frankreich zur literarischen Sensation des Jahres 2012 wurde und dessen Übersetzungsrechte mittlerweile schon in über 30 Sprachen verkauft wurden, erhielt Dicker den Grand Prix du Roman der Académie Française sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Mit »Das Verschwinden der Stephanie Mailer« konnte er an seine Erfolge anknüpfen und schaffte es ebenfalls auf die Bestsellerlisten. (Quelle: Piper)

Das Buch: Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau …  (Quelle: Piper)

Fazit: Zu den ersten Büchern, über die ich in meinem Blog schrieb, gehörte „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“. Dieser Roman ließ mich voller Begeisterung zurück und auch Dickers Nachfolgeroman „Die Geschichte der Baltimores“ überzeugte mich in jeder Hinsicht. Und sein neuestes Werk kann da in jeder Hinsicht mithalten.

Dabei ist mir vollkommen bewusst, dass es an „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ einiges zu kritisieren gäbe. Schon „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ zeichnete sich, nach Aussage der Buchhändlerin meines Vertrauens, dadurch aus, dass es „ein paar Längen“ gehabt habe. Und an „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ kritisierte die geschätzte Bloggerkollegin Andrea in ihrer übrigens sehr lesenswerten, weil unterhaltsamen, Rezension vor einiger Zeit insbesondere die Charakterzeichnung.

All das mag richtig sein, kommen wir aber zuerst mal zu den Dingen die ganz unzweifelhaft wirklich richtig gut sind. Das gilt beispielsweise für den Stil sowie den Aufbau des Romans. Dicker beherrscht es meisterhaft, zwischen zahlreichen Personen und Zeitebenen zu wechseln, ohne dass das für den Leser im Chaos endet, und diese Handlungsstränge letztlich zu einem überzeugenden Ganzen zusammenzufügen.

Sein Stil wirkt schnörkellos, ohne zu unterfordern. Er verzichtet also weitgehend auf komplizierte Satzkonstruktionen und unnötig elaborierte Sprache, was dahingehend hilfreich ist, als es dazu beiträgt, dass man den Roman in einem überschaubaren Zeitraum lesen kann. Und das wiederum ist hilfreich, damit das oben erwähnte Chaos ausbleibt.

Die Handlung war für mich eine reine Freude: spannend, abwechslungs- und wendungsreich, auch wenn ich mir bei einem zentralen Punkt der Story beharrlich die Frage stellte: „Wieso kommt da bloß keiner drauf?“ Aber Bestandteile der Handlung vorauszuahnen, war für mich noch nie ein Ärgernis, sofern der Rest stimmt. Und das tut er.

Gut, man muss hinsichtlich der Handlung einiges als gegeben akzeptieren, was vielleicht skurril anmuten mag. So geht es unter anderem um eine alte Prophezeiung, bei der ein Theaterstück eine Rolle spielt. Nun ja, die Prophezeiungen, die ich so kenne, thematisieren in erster Linie irgendwelche Auserwählten sowie die Rettung der Welt – wahlweise auch ihren Untergang. Aber so ist das hier wenigstens mal eine willkommene Abwechslung.

Und auch hinsichtlich der Charaktere könnte man die Einschätzung der oben erwähnten Bloggerkollegin teilen, die da sinngemäß sagte, dass diese teils völlig überzeichnet seien. Ja, dem kann man erst mal nicht widersprechen. Es sei denn, man vertritt meine Auffassung, denn ich sage: Das soll so! Sowohl, was die seltsame Theaterstück-Prophezeiung angeht, als auch die überzeichneten Charaktere.

Dicker verfolgt in seinen Büchern nämlich immer auch einen satirischen Ansatz, den hoffentlich nicht nur ich sehe. Ganz besonders deutlich kommt dieser Ansatz in der erwähnten Prophezeiung zum Tragen oder auch in der nahezu unfassbaren Figur des Kirk Harvey, der ehemals Polizeichef war und sich nunmehr für einen begnadeten Theaterregisseur hält, ein Genie geradezu.

Hier wird deutlich, wie augenzwinkernd Dicker damit umgeht, dass sich der Literaturbetrieb, der kulturelle Sektor allgemein, sich als wesentlich wichtiger nimmt, als sie das für viele tatsächlich sind. Um sich ein Bild davon zu machen, wie – in der Tat – überzeichnet er ist: Mich erinnerte er ein bisschen an Don Schnulze, der gerade versucht, ein Lied über Nepomuk auf seinem Pony zu komponieren. „Sesamstraße“ – die Älteren werden sich erinnern. Da passt es dann auch, dass er klischeehaft nach einem cholerischen Ausbruch ausruft: „Ich werde es nie schaffen! NIE!“ Don Schnulze ist mit „Niemals werde ich das schaffen, auch nicht mit Nudeln!“ davon nur unwesentlich entfernt. :-)

Kurz gesagt: Alle, die schon positive Erfahrungen mit Dickers Romanen gemacht haben, können auch bei „Das Verschwinden der Staphenie Mailer“ unbesorgt zugreifen. Und alle anderen eigentlich auch. Merkt euch einfach, wann immer ihr auf Stellen stoßt, die euch irritieren: Das. Soll. So. ;-)

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Tyll“ von Daniel Kehlmann.

abc.Etüden KW 25/26 I

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sehr spontan gibt es von mir heute die erste Etüde für die Kalenderwochen 25 und 26. Die Etüden werden von Christiane geleitet, die Wortspende kommt von Viola und ihrem Blog viola-et-cetera.

 

„Du solltest mal dringend etwas zur Entspannung tun, Du wirkst schon wieder wütend …“

„Ich wirke nicht nur so, ich bin es. Sogar so, dass ich irgendetwas an die Wand werfen könnte.“

„Tja, nie hat man einen Frosch, wenn man mal einen braucht …“

„Bitte?“

„Na, „Froschkönig“, anyone?“

„Verstehe ich nicht …“

„Keinerlei klassische Bildung mehr, das junge Gemüse –  was ist denn nun Grund für deine Wut!?“

„Kennst Du Udo Hemmelgarn?“

„Nö – müsste ich!?“

„Bundestagsabgeordneter von der AfD.“

„Ach, dann weiß ich, warum ich den nicht kenne. Was ist denn mit dem?“

„Der hat sich – in bester Tradition seiner, na, nennen wir sie mal wohlwollend „Partei“ – ein wenig im Ton vergriffen. Jetzt sollte man meinen, dass es Ereignisse gibt, bei denen man sich nicht im Ton vergreifen kann, weil man dazu entweder seine Anteilnahme äußert oder, verdammt nochmal, einfach die Fresse hält. Im vorliegenden Fall ging es um den Absturz der beiden Tornados.“

„Schlimme Geschichte.“

„Zweifellos. Aber hier, lies mal, was Hemmelgarn dazu twittert.“

“ „Jetzt haben wir noch ein taugliches Flugzeug. Das ´Gute´ daran ist, das es in Zukunft keine weiteren Zusammenstösse in der Luft geben wird. ;-)“  – Aaalter!“

„Ja, oder!? Kurz darauf wurde der Tweet wieder gelöscht. Ein typischer Fall von mausgerutscht. Wie trüb im Hirn muss es bei dem sein?“

„Manchen ist doch echt nicht zu helfen!

„Stimmt! Und seine Ausrede, die …“

„… ist mir egal! Mal abgesehen davon: Mit dieser Orthografie schafft es der Scherge in den Bundestag?“ Ein „dass“-Fehler, „Stöße“ mit Doppel-S.“

„Tja, als AfDler sollte er eigentlich Fachmann für das Doppel-S …“

„Uuuuh …“

„Ach, ist doch so. Ich kann Dir gar nicht sagen, was ich mit manchen Leuten machen möchte …“

„Wieso denn nicht? Mir sind doch unter uns!?

„Da bin ich mir nicht so sicher. Manchmal habe ich das Gefühl, jemand hört uns zu und schreibt mit.“

„Ach, Du bist paranoid.“

 

300 Worte

 

Freitagsfragen #81

Freitagsfragen Frühling

Guten Morgen, liebe Leserschaft,

nach einer kurzen Urlaubswoche, die sich in erster Linie dadurch auszeichnete, dass ich mir – wie das ja häufig so ist – eine leichte Erkältung zugezogen habe – und ja, ich erwarte Bedauern, sonst würde ich das an dieser Stelle gar nicht erwähnen – starte ich nun gleich wieder in den Ernst des Lebens. Angesichts der bevorstehenden Temperaturen wäre es vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Teil des Urlaubs, den ich nicht mit der Erkältung verbrachte – erwähnte ich die eigentlich schon? – damit vertändelt wurde, wichtige Dinge zu erledigen, die nunmehr erledigt sind, was bedeutet, dass ich mich jetzt eigentlich wirklich dem süßen Nichtstun ergeben könnte, klüger gewesen, mir in dieser Woche auch Urlaub zu nehmen, aber hey …

Bevor ich mich allerdings nun wieder ins Tagwerk stürze, widme ich mich der aktuellen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog, die sich kürzlich, von mir weitgehend unbemerkt, in die Blogosphäre geschlichen haben.

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Welches Tier oder welche Pflanze sollte Deiner Meinung nach umbenannt werden? Welchen Namen würdest Du geben?

Öfter werden neuentdeckte Tierarten ja nach Personen benannt. Und so verwundert es nicht, dass es drei Käferarten gibt, die die Namen „Agathidium bushi“, „Agathidium cheneyi“ und „Agathidium rumsfeldi“ tragen. Benannt wurden diese possierlichen Tierchen, man ahnt es, nach dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, dessen Vizepräsidenten Dick Cheney und dem damaligen Verteidigungsminister Rumsfeld, der, das sei an dieser Stelle gerne nochmal gesagt, den meiner Meinung nach treffendsten Nachnamen hat, den man als amerikanischer Verteidigungsminister haben kann – aber lassen wir das.

Nun verhält es sich so, dass diese drei Tierchen innerhalb der Gattung „Agathidium“ zu der Unterart der „Schwammkäfer“ zählen und im Englischen auch als „Slime mold beetles“ – zu deutsch: „Schleimpilzkäfer“ – bezeichnet werden.

Wie kann man nun derart respektlos sein, drei Käfer, die sich von Schleimpilzen ernähren, nach diesen drei integren Personen zu benennen? Personen, die uns den Irakkrieg, den Afghanistankrieg, den „Patriot Act“ oder „Guantanamo“ geschenkt haben … – hm, nee, wobei: Passt schon!

Ich würde mich wahrscheinlich dafür entscheiden, das Schnabeltier umzubenennen. Schon Terry Pratchett schrieb darüber:

“ Vielleicht finden wir auch heraus, warum das Schnabeltier.*“

Um diesem Satz die Fußnote folgen zu lassen:

„* Nicht etwa, warum es etwas ist. Einfach nur, warum es existiert.“

Meiner Meinung nach entstand das Schnabeltier am sechsten Tag der Schöpfung kurz nach 18 Uhr und Gottes drittem Feierabendbierchen. Der lacht sicherlich jetzt noch. Und andere Tiere lachen sicherlich auch. Über das Schnabeltier. Und das kann man doch so nicht stehenlassen.

Kurz: Erster Umbenennungskandidat wäre das Schnabeltier. Wie es zukünftig heißen könnte, darüber denke ich noch nach …

 

2.) Was hat Dir an Museen immer gut gefallen, was hat Dich angesprochen?

Ich bin ja  – ich erwähnte das schon mal anlässlich anderer Freitagsfragen – kein eifriger Museumsgänger. Und wenn, dann würde ich in erster Linie nur solche Museen besuchen, in denen es Exponate zu bestaunen gibt, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, weil es unter anderem das ist, was mich daran fasziniert. Die Geschichte hinter den ausgestellten Dingen und die Vorstellung, dass diese Dinge schon seit teils langer Zeit kultureller Bestandteil der Menschheit sind.

 

3.) Wie lernst Du am besten neue Dinge? Bist Du eher visuell, haptisch, akustisch veranlagt oder hast ganz andere Lernmethoden?

Ich verschriftliche gerne Dinge. Wen wundert´s!? Ich kann mir aber tatsächlich Dinge am besten merken, wenn ich sie mir aufgeschrieben und dann eingeprägt habe.

 

4.) Die Wahl der „Qual“: Wenige gute Freunde aber alle wohnen weit weg, oder viele lose Bekanntschaften in Deiner näheren Umgebung?

Lose Bekanntschaften sind die Graupensuppe oder der Steckrübeneintopf unter den sozialen Beziehungen. Man nimmt sie eben hin, wenn es nichts anderes gibt. Für mich ist das aber eher nichts, daher würde ich mich für wenige gute Freunde in weiterer Entfernung entscheiden. Da sich ein nicht unwichtiger Bestandteil meines Freundeskreises ohnehin bereits in weiter Ferne befindet („Shaaaame! Shaaaame! Shaaaame!“ *dingdong*), müsste ich mich nicht mal umgewöhnen.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen guten Wochenstart, einen funktionierenden Ventilator, ausreichende Getränkevorräte und einen stabilen Kreislauf.

Gehabt euch wohl!

„Der Verfolger“ von John Katzenbach

Buch: „Der Verfolger“

Autor: John Katzenbach

Verlag: Droemer Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 492 Seiten

Der Autor: John Katzenbach, geboren 1950, war ursprünglich Gerichtsreporter für den »Miami Herald« und die »Miami News«. Bei Droemer Knaur sind inzwischen zahlreiche Kriminalromane von ihm erschienen, darunter die Bestseller »Die Anstalt«, »Der Patient«, »Der Professor« und »Der Psychiater«. Zweimal war Katzenbach für den Edgar Award nominiert. Er lebt mit seiner Familie in Amherst im Westen des US-Bundesstaates Massachusetts. (Quelle: Droemer Knaur)

Das Buch: Fünf Jahre lang hatte er geglaubt, er wäre diesem perfiden Killer endgültig entkommen. „Rumpelstilzchen“ hatte sich der Mann genannt, den er bei einer Schießerei auf Leben und Tod schließlich erledigt hatte. Vermeintlich.
Denn wie aus dem Nichts taucht in der Praxis des Psychiaters Dr. Frederick Starks in Miami auf einmal genau dieser Killer auf. Und seine Drohung ist unmissverständlich: Wenn Starks ihm nicht helfe, den Unbekannten aufzuspüren und zu töten, der seit einiger Zeit ihn und seinen Bruder, einen erfolgreichen Anwalt, mit Morddrohungen überziehe, werde er ihn umbringen. Dem Psychiater bleibt keine Wahl. Unversehens findet er sich in ein albtraumhaftes Katz-und-Maus-Spiel verstrickt, in dem alle Beteiligten, auch er selbst, nur die Auslöschung ihres Widersachers im Sinn haben. Nichts ist, wie es scheint, bei dieser mörderischen Verfolgungsjagd, Starks‘ Leben steht auf Messers Schneide … (Quelle: Droemer Knaur)

Fazit: Menschen, die gerne lesen, machen – so jedenfalls meine These –  früher oder später alle unabhängig voneinander die eine oder andere gleiche Erfahrung durch, beispielsweise folgende: Irgendwann hat man eine gewisse Anzahl an Autorinnen und Autoren – nennen wir diese meinetwegen der Einfachheit halber „Lieblingsautoren“ – von denen man jede Neuerscheinung blind kauft, ohne sich vorher auch nur im Ansatz mit dem Inhalt eines neues Buches zu beschäftigen.

Und jahrelang geht das auch meistens gut. Irgendwann dann aber hat man eine dieser Neuerscheinungen in der Hand und denkt sich nach der Lektüre: „Hm, irgendwie ist das nichts mehr für mich.“ Meistens wird dieser Eindruck von folgenden Büchern untermauert – die man sich aber natürlich wieder blind gekauft hat, weil Schaden nur selten klug macht.

Auch ich habe diese Erfahrung bei verschiedenen Autoren gemacht. Bei Kai Meyer ging mir das beispielsweise so. Oder bei Sebastian Fitzek, dessen Bücher ich weiterhin recht gerne lese, der mich aber nie wieder so überzeugt hat, wie mit seinem Debüt „Die Therapie“. Und so – jedenfalls fürchte ich das nach der Lektüre von „Der Verfolger“ – geht es mir wohl auch so langsam mit den Büchern von John Katzenbach.

Zugegeben, in der Vergangenheit hat Katzenbach mehr als nur einen Roman geschrieben, die ich der Kategorie „großartig“ zuordnen würde, als das wären „Der Reporter“, „Die Anstalt“ oder „Das Tribunal“ – Letzteres übrigens unbedingt lesen – in den letzten Jahren jedoch war ein eindeutiger Abwärtstrend meiner Zufriedenheit mit Katzenbachs Bücher zu beobachten. Schon „Der Wolf“ konnte mich nicht überzeugen, „Der Psychiater“ hat mich phasenweise schwer genervt und „Die Grausamen“ hat mich nur vorübergehend mit Katzenbach versöhnt, auch weil er mit diesem Buch auf Krimi- statt auf Thriller-Pfaden wandelt.

Somit war es nur folgerichtig, dass ich mit „Der Verfolger“ nun leider überhaupt nicht zurecht kam. Dabei ist einiges im Katzenbachs neuestem Psychothriller gar nicht mal so verkehrt. Die Figuren zum Beispiel. Dr. Frederick „Ricky“ Starks war schon in „Der Patient“ ein recht gut gelungener Protagonist, der kein Musterbeispiel an detaillierter Ausarbeitung darstellt, der aber wenigstens sympathisch rüberkommt und damit eines der Kriterien erfüllt, die so ein Protagonist im Bereich Pyschothriller meiner Meinung nach haben muss, nämlich, dass man mit ihm mitfiebern kann.

Das gilt naturgemäß für die Antagonisten deutlich weniger, deren Mastermind, in „Der Patient“ noch als „Rumpelstilzchen“ bekannt, wirkt sogar ein wenig überzeichnet, ein wenig zu irre. Aber gut, wer braucht in Psychothrillern auch zerebral rund laufende Antagonisten …?

Auch in stilistischer Hinsicht unterscheidet sich Katzenbachs neuestes Buch nicht nennenswert von seinen anderen Büchern, zumindest denen neueren Datums. Daher gibt es in diesem Bereich auch wenig zu meckern, „Der Verfolger“ lässt sich angenehm lesen.

Leider scheitert das Buch – und zwar in vollem Umfang – an der Handlung, die derartig an den Haaren herbeigezogen wirkt, dass es irgendwie traurig ist, wenn man sich vor Augen hält, zu welchen spannenden Plots der Autor sonst in der Lage ist. Ich habe nichts gegen überraschende Wendungen, aber vieles in „Der Verfolger“ ist schlichtweg nicht „überrschend“ sondern einfach „unglaubwürdig“. Und wenn man im Laufe der Buches dauernd auf Ereignisse stößt, die einem ob ihrer überkonstruierten Aberwitzigkeit nur noch ein resigniertes, sarkastisches „Ja, sicher!“ entlocken, dann läuft irgendwas grundverkehrt.

Kurz: Das war nix mit dem neuen Katzenbach. Und ich hätte gewarnt sein müssen. Denn ich habe schon vor der Lektüre Rezensionen gelesenen, die genau die selben Dinge bemängeln wie ich auch. Aber wie gesagt: Schaden macht nur selten klug.

Wertung:

Handlung: 3,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 4 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Verschwinden der Stephenie Mailer“ von Joël Dicker.

„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg

Buch: „Krokodilwächter“

Autorin: Katrine Engberg

Verlag: Diogenes

Ausgabe: Taschenbuch, 504 Seiten

Die Autorin: Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, arbeitet für Fernsehen und Theater und ist als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin landesweit bekannt. Mit ›Krokodilwächter‹ hat sie in der Welt des skandinavischen Thrillers debütiert. ›Blutmond‹ ist der zweite Fall für Kørner und Werner. Sie lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen. (Quelle: Diogenes)

Das Buch: Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet?
Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter. (Quelle: Diogenes)

Fazit: Meine Einstellung zu Krimis und Thrillern, die nördlich von Flensburg spielen, ist der aufmerksamen Leserschaft hinlänglich bekannt, und muss an dieser Stelle nicht erneut erwähnt werden. Hinsichtlich meiner Beratungsresistenz, die dazu führt, dass ich mir trotzdem immer und immer wieder Krimis und Thriller, auf die genau das zutrifft, kaufe, halten wir es der Einfachheit halber genauso.

Denn manchmal, ja, manchmal, da ist dann eben doch ein Buch wie „Krokodilwächter“ dabei, bei dem ich nach Beendigung der Lektüre überrascht feststelle: „Eigentlich war das ziemlich gut!“

Dass Engbergs Debüt gut bei mir ankam, hat mehrere Gründe. Zum Einen wären da die Figuren. Zugegeben, hätte sich Engberg bei ihren Ermittlern nur auf Jeppe Kørner beschränkt, hätte ich mit hochrotem Kopf gerufen: „Seht ihr!? Ich fühle meine voreingenommene, vorurteilsbehaftete Weltsicht hinsichtlich Krimis und Thrillern, die nördlich von Flensburg spielen, bestätigt!“, auch wenn mir niemand dabei zugehört hätte. Denn Jeppe Kørner ist eigentlich nur wieder eine dieser typischen skandinavischen Polizei-Figuren, die dauergenervt sind, zerrüttete Familienverhältnisse haben oder zu viel Alkohol oder sonstwas konsumieren.

Nun ist da aber noch Anette Werner, die den genauen Gegenentwurf darstellt: Stabile Beziehung, mit beiden Beinen fest im Leben und insgesamt doch sehr zufrieden. „Halleluja!“, hätte ich – ebenfalls wieder nur für mich – ausrufen können, angesichts einer Figur, die – man glaubt es nicht – doch tatsächlich zufrieden ist. Also genau das, was ich für Charaktere des Genres immer gefordert habe.

Jetzt muss man zugeben, dass beide Figuren für sich alleine eher langweilig wären, aber das Zusammenspiel zwischen Jeppe Kørner und Anette Werner, das passt hervorragend. Sie sind sich nicht immer grün, haben gelegentlich auch mal Meinungsverschiedenheiten, kommen aber insgesamt gut miteinander aus und erinnerten mich ein bisschen an Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer aus dem Wiener „Tatort“ – nur mit dem Unterschied, dass ich als Nordlicht bei Engbergs Buch keinerlei sprachliche Verständnisprobleme habe.

Die Handlung – die ich selbst übrigens schon vor etwa zwanzig Jahren – in ganz ähnlicher Form – als Idee für eine Kurzgeschichte im Kopf hatte, die dann, wie alle meine anderen literarischen Highlights auch, nie das Licht der Welt erblickte und hier eigentlich nur erwähnt wird, damit ich es mal erwähnt habe -, die Handlung also kann qualitativ mit den Charakteren problemlos mithalten. Sie ist durchaus komplex, allerdings ohne, dass man den Überblick verliert und beinhaltet immer wieder Wendungen, die mich als Leser meine Meinung hinsichtlich der Täterschaft mehrmals überdenken ließen. Dass ich dann doch recht schnell die richtige Lösung in diesem Bereich hatte, tat der Spannung keinerlei Abbruch.

Wenn man dem Buch überhaupt einen Vorwurf machen wollen würde, dann liegt dieser im stilistischen Bereich. Zwar schreibt Engberg durchgehend gut, so sind beispielsweise die Dialoge recht lebensnah gehalten, allerdings dürfte es Leser geben, die Engbergs Art zu erzählen als etwas zu ausufernd empfinden. Und in der Tat hätten es ein paar Seiten weniger auch getan. Wobei ich damit naturgemäß weniger Probleme habe, es aber nicht unerwähnt lassen wollte.

Insgesamt bleibt ein sehr überzeugendes Krimi-Debüt – egal, wie beharrlich Diogenes auch das Wort „Thriller“ auf das Buch drucken mag -, das mit seinen Charakteren und seiner spannenden Handlung punktet, und das – abgesehen von der Schilderung des Mordgeschehens und des Tatorts, was aber wenigstens nicht effektheischend wirkt – erfreulich unblutig ist.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Verfolger“ von John Katzenbach.

 

abc.Etüden KW 23/24 V

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zwischen mir und einem schönen Wochenende sowie sich einer daran anschließenden ganzen Woche Urlaub steht nur noch der Rest von heute. Und eine weitere Etüde. Die Etüden werden von Christiane geleitet. Die Wortspende kommt von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten.

 

„Hoch die Hände, Woch…“

„Schnauze!“

„Ui, wieder verengte Pupillen? Was ist passiert?“

„Einmal, nur einmal möchte ich erleben, dass es in Justiz oder Politik eine Abweichung von der üblichen Vorgehensweise gibt. Aber nein, es bleibt alles beim alten. Deshalb leben wir jetzt auch in einem Land, in dem Küken schreddern weiterhin erlaubt, aber „Containern“ weiterhin verboten bleibt.“

„Du …“

„Man darf also weiter Küken töten, muss aber sofort damit aufhören, sobald es andere technische Möglichkeiten gibt – wann immer das sein mag.“

„Also …“

„Und die Medien behaupten dann, das Gericht habe den Geflügelproduzenten eine Frist zur Abkehr von der bisherigen Praxis gesetzt. Überraschung: Eine Frist ohne Nennung eines entsprechenden Termins IST keine Frist, das ist höchstens eine Absichtserklärung.“

„Aber …“

„Stell Dir das mal auf Deinem nächsten Einkommensteuerbescheid vor: „Nachzahlung zahlbar möglichst sofort – oder aber, wann immer es Ihnen möglich ist. Wir bitten untertänigst um Entschuldigung für Ihre Unannehmlichkeiten. Ihr Finanzamt.“ Das wird wohl nicht passieren.“

„Jetzt aber ich: Wirst Du Dich jetzt zum Umweltschützer aufschwingen? Du isst doch selbst Fleisch!“

„Ja, und!? Ich fahre auch ein Auto, und darf gleichzeitig den Diesel-Beschiss der Autoindustrie anprangern. Es kotzt mich so an, dass anscheinend allenthalben gefordert wird, dass man nur gegen etwas sein darf, wenn man selbst lebt wie ein selbstversorgender Einsiedler in einem Bunker aus nachwachsenden Rohstoffen.“

„Aber …“

„Und immer wieder wird die Verantwortung des einzelnen Menschen hervorgehoben, jeder müsse sein Konsumverhalten …“

„Aber das stimmt doch!“

„Ja, na sicher stimmt das! Aber die Industrie darf währenddessen weiter schalten und walten, oder was!? Die tun immer so, als würden Klimaschutzmaßnahmen direkt und unabwendbar in die Pleite der Firmen führen. Stattdessen kauft man sich dann Emissionszertifikate! Kein, Wunder – ist ja auch billiger! Dabei haben beide Seiten einen Teil der Verantwortung und sollten dieser auch nachkommen!“

„Ich glaube, ich …“

„Hiergeblieben! Ich bin noch nicht fertig, verstanden!?“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 23/24 IV

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

aus gegebenen Anlässen gibt es heute noch eine weitere Etüde. Diese werden von Christiane organisiert, noch bis Ende der Woche kommt die Wortspende von Werner Kastens´ Blog Mit Worten Gedanken horten.

 

„Na? Du wirkst … irritiert!“

„Weil ich es bin!“

„Weshalb?“

„Als ich heute morgen durch die Gegend fuhr, stand da in der Stadt jemand am Straßenrand in so einem, sagen wir mal „Ganzkörperanzug“. In grün. Hellgrün. So in Richtung neongrün.“

„Ungewöhnlich!“

„In der Tat! Ich habe schon Pferde an Bushaltestellen stehen sehen, aber das …“

„Seltsam …“

„Allerdings. Sei es drum, eigentlich wollte ich etwas anderes thematisieren.“

„Nämlich?“

„Twitter, Meinungsfreiheit und Mimosen!“

„Klingt nach ´nem tollen Buchtitel. Also, worum geht´s?“

„Kennst Du Ralph Ruthe?“

„Den Witzbildmaler? Klar – netter Kerl!“

„Kennst Du auch Ulf Poschardt?“

„Wen?“

„Chefredakteur der „Welt“.“

„Oh – nein, kenne ich nicht, die „Welt“ lese ich nicht, die ist mir zu … zu …“

„Ja, ich weiß, mir auch. Nun, jedenfalls twitterte besagter Poschardt wörtlich: „Das linksliberale Establishment ist 2019 vor allem linksautoritär #r2g#verbote#staatsglaube.“

„Hoppla?“

„Jau, offensichtlich eine Reaktion auf die Kolumne von Mely Kiyak in der „Zeit“, die sinngemäß meint, dass Verbote an sich keine so dumme Idee seien, da die Menschen sich schließlich nicht von selbst ändern würden.“

„Und dann?“

„Daraufhin twitterte Ralph Ruthe: „Ein bisschen noch, Ulle, und Du trägst eine Hundekrawatte.“ “

„Hundekrawatte?“

„Na, wie Gauland eben!“

„Oh! Witzig!“

„Ja, schon! Nur eben das sah der Poschardt wohl anders und hat den Ruthe jetzt geblockt.“

„Was? Ey, wenn ich jeden meiden würde, dessen Weltsicht eine Abweichung von meiner Meinung darstellt, dann wäre es wohl unabwendbar, dass ich sehr bald eine verengte Weltsicht hätte!“

„Japp, aber Ulrich Schulte von der „taz“ springt Poschardt bei uns twittert, es gäbe dort „keine Diskurspflicht“.

„Das mag ja sein, kein Diskurs führt aber die Plattform Twitter ad absurdum. Diskurs ist immer besser, als mimosenhaft eingeschnappt zu sein. Hätte man AKK, die zur Meinungsfreiheit wohl das selbe Verhältnis hat, wie Uli Hoeneß, nach dem Rezo-Video auch mal sagen sollen.“

„Wenigstens hat sie nicht mit dem Grundgesetz rumgefuchtelt …“

 

300 Worte.

„Der kretische Gast“ von Klaus Modick

Buch: Der kretische Gast

Autor: Klaus Modick

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 456 Seiten

Der Autor: Klaus Modick, geboren 1951, studierte in Hamburg Germanistik, Geschichte und Pädagogik, promovierte mit einer Arbeit über Lion Feuchtwanger und arbeitete danach unter anderem als Lehrbeauftragter und Werbetexter. Seit 1984 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer und lebt nach einigen Auslandsaufenthalten und Dozenturen wieder in seiner Geburtsstadt Oldenburg. Für sein umfangreiches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Nicolas-Born-Preis und der Bettina-von-Arnim-Preis. Zudem war er Stipendiat der Villa Massimo. Er veröffentlichte eine Vielzahl von Romanen, darunter »Der kretische Gast«, »Die Schatten der Ideen« und »Sunset«. (Quelle: Piper)

Das Buch: 1943: Der deutsche Archäologe Johann Martens soll im Auftrag der Wehrmacht die Kunstschätze der besetzten Insel katalogisiern. Der Einheimische Andreas wird zu seinem Fahrer und Führer, doch verbindet beide bald mehr. Die Lebensart der Kreter und noch mehr Andreas´ schöne Tochter Eleni schlagen Martens immer mehr in den Bann. Als die Deutschen eine Razzia planen, muss sich Johann entscheiden, wofür er steht. (Klappentext)

Fazit: Wer öfter bei mir liest, dem wird aufgefallen sein, dass mir das Verfassen längerer Texte, insbesondere in Rezensionsform, derzeit nicht gut von der Hand geht. Manchmal aber bedarf es nur eines kleinen Anstoßes in die richtige Richtung, in meinem Fall in Form einer Rezension des Buches „Oliven zum Frühstück“ von der wohl geschätztesten aller Bloggerkolleginnen in ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram, den fehlerfrei schreiben zu können ich mich mittlerweile rühmen darf.

Und manchmal bedarf es auch eines kleinen Anstoßes, wenn es um die Lektüre eines Buches geht. Wohl kaum ein sich in meinem Besitz befindlicher Roman hat mehr Zeit auf meinen Stapeln ungelesener Bücher verbracht als Klaus Modicks „Der kretische Gast“. Rückblickend völlig zu unrecht.

Modick teilt seinen Roman in zwölf große Kapitel ein, die abwechselnd zur Zeit der deutschen Besatzung von Kreta und dann an selber Stelle in den 70er Jahren spielen. Diese großen Kapitel sind ihrerseits in Unterabschnitte überschaubarer Länge unterteilt und aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten Johann Martens und Lukas Hollbach erzählt.

Mag der äußere Aufbau des Romans somit auch vergleichsweise konventionell erscheinen, ist der Stil des Romans besonders hervorzuheben. Modick versteht es, einerseits Dinge wie Kriegsverbrechen der Wehrmacht auf deutliche, eindringliche aber nicht reißerische Art darzustellen und zu thematisieren, widmet sich aber dann andererseits immer wieder auch der Schönheit Kretas, der Landschaft und Natur, aber auch der teils eher verschrobenen Bevölkerung. Insbesondere steht hier die Frage im Raum, ob man dort wirklich so unfassbar viel Raki trinkt … Ein bisschen fühlte ich mich – und das bitte ich als Kompliment zu verstehen – an „Asterix auf Korsika“ erinnert. Tja, Insulaner eben. ;-)

Trotz aller düsteren Passagen in der Handlung schimmert also immer das Schöne an der Insel und am Leben als solches durch. Für mich war das einer der Punkte, die mich trotz allen geschilderten Grauens immer wieder zum Weiterlesen animiert haben. Das, und die Tatsache, dass ich immer, wenn ich die Lektüre unterbrochen habe, beim späteren Einstieg immer ganz genau wusste, wo ich inhaltlich war. Das schafft durchaus nicht jeder Autor, manchmal muss man, je nach Länge der Lektürepause, einige Seiten wiederholen, um wieder reinzukommen. Hier nicht – ich mache dafür in erster Linie Modicks bildhafte und szenische Erzählweise verantwortlich.

Der Protagonist Martens hatte bereits nach wenigen Seiten meine Sympathie und verlor diese über die gesamte Distanz des Romans nie wieder. Zu Beginn ist Martens noch im Archäologischen Institut tätig, und wäre wohl auch ganz froh, wenn man ihn einfach in Ruhe ließe, denn ein überzeugter Nazi, das ist er wahrlich nicht. Er sieht aber andererseits auch die Beeinträchtigung seiner Arbeit eben durch diese Nazis, die in jedem noch so unbedeutenden archäologischen Fund augenscheinlich einen Beweis für die Herrschaft der arischen Rasse sehen wollen.

Und da kommt es ihm andererseits nun wieder recht gelegen, als er die Aufgabe zugeteilt bekommt, nach Kreta zu reisen, um Kunstschätze zu katalogisieren. Einerseits ist Kreta zu diesem Zeitpunkt für die deutschen Besatzer ein vergleichsweise ruhiger Ort, an der Ostfront hätte man es zum gleichen Zeitpunkt bedeutend schlechter. Zum anderen: Wann bietet sich schon mal die Chance, griechische Kunstschätze zu katalogisieren!? Nur: Martens weiß, dass diese Katalogisierung lediglich zum Raub der entsprechenden Stücke führt.

Im Grunde ist Martens eine Figur, die sich dauernd in einem Gewissenskonflikt befindet: Nach Kreta reisen oder nicht? Die Katalogisierungsarbeiten korrekt durchführen oder nicht? Er ist aber auch eine Figur, die eine dauernde Entwicklung durchmacht und insbesondere das ist es, was ihn so spannend macht.

Der 70er-Jahre-Protagonist Lukas Hollbach fällt da im Vergleich etwas ab. Nichtsdestotrotz ist auch er überzeugend gestaltet, ein typischer Vertreter einer noch vergleichsweise rebellischen Studentengeneration, der sich auf die Suche nach der Vergangenheit macht. Mir ist bewusst, dass Modick die Figur Lukas Hollbach offensichtlich brauchte, um den Roman inhaltlich „rund“ zu machen, der zentrale Charakter bleibt jedoch Martens.

Nachdem ich schon Stil und Charaktere gelobt habe, mag es kaum verwundern, dass es auch inhaltlich kaum einen Grund zu Klage gibt. Modick erzählt eine Geschichte um Schuld, um Verantwortung, auch sich selbst gegenüber. Eine Geschichte, die angesichts der geschilderten Kriegsverbrechen auch heute noch topaktuell ist. Und zwar immer dann, wenn Griechenland die Bundesregierung angesichts solcher Geschehnisse wie dem Massaker von Distomo zur Zahlung von Reparationen auffordert. Ich persönlich kann diese Forderungen gut nachvollziehen und bin deswegen dann immer unangenehm berührt, lege gedanklich die Hände auf die Ohren und mache laut „LALALAAA“, bis der Tag vorbei und das Thema wieder in Vergessenheit geraten ist. Tragischerweise macht die Bundesregierung offenbar dasselbe. „“Dieses Kapitel ist für uns rechtlich und politisch abgeschlossen.“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert schon 2015. Wie irgendein Kabarettist mal sinngemäß sagte: „“Steffen seibert“ ist ein kompletter Satz …“

Aber ich schweife ab …

Kurz gesagt: Mit „Der kretische Gast“ hat Modick einen atmosphärisch dichten, zum Nachdenken anregenden aber nie unnötig ins Drama kippenden Roman geschrieben, den ich gerade bei den ansteigenden Temparaturen wärmstens empfehlen kann.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten