„Die Oger“ von Stephan Russbült – Na gut, dann eben Oger!

Buch: „Die Oger“ (2011)

Autor: Stephan Russbült

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 494 Seiten

Der Autor: Stephan Russbült, geboren 1966, ist ein deutscher Fantasy-Autor. Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann studierte er BWL und ist als leitender Angestellter tätig. Sein Entschluss, Fantasy-Romane zu schreiben, entstand durch seine langjährige Begeisterung für „Pen and Paper“-Rollenspiele.

Seinem Debütroman „Die Oger“ ließ Russbült mittlerweile mit „Der Rubin der Oger“ und „Blutiger Winter“ zwei weitere Romane um seinen Protagonisten, den Oger Mogda, folgen. Ingesamt veröffentlichte der Autor bislang 8 Romane bzw. Novellen, zuletzt erschien „Lord Limbus“.

Russbült lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im nahe des Nordostseekanals gelegenen Breiholz.

Das Buch: Mogda ist ein Oger. Wie alle Oger, ist auch er ein eher schlichtes Gemüt, dessen einzige Gedanken sich praktisch ausschließlich darum drehen, woher die nächste Mahlzeit zu bekommen ist. Besagte Mahlzeit in Form eines Schafes stiehlt sich Mogda unbedachterweise aus der Herde eines Magiers. Der unweigerlich folgende Disput ist allerdings eher von kurzer Dauer: Der Magier wird Opfer seines eigenen Blitzzaubers und segnet spektakulär glühend das Zeitliche.

Mogda nimmt dem verblichenen Magier ein Amulett ab und legt es sich selbst um. Dadurch erlangt der Oger etwas ihm vorher völlig Unbekanntes: Intelligenz.

Er beschließt, im Turm des Magiers einzuziehen und es sich gemütlich zu machen.  Stattdessen wird er jedoch gezwungen, einen Trupp Orks und Kriegsoger zu begleiten, die auf Befehl der sogenannten „Meister“ ausrücken, um das Land Nelbor mit Krieg zu überziehen. Mogdar jedoch hat andere Pläne.

Fazit: Im Rahmen der Wunschrezensionen anlässlich meines Blog-Geburtstages im Oktober, hat eine ganz zauberhafte Person mit Hilfe der zu ihr gehörenden ebenso zauberhaften Person beschlossen, ich möge „Die Oger“ rezensieren. Vielen Dank dafür!

Im Laufe der letzten gefühlten 10 Jahre ist es in Fantasy-Kreisen Mode geworden, Bücherreihen über so ziemlich alle Fantasy-Geschöpfe zu schreiben, die nicht bei drei in den Schatten von Mordor verschwunden sind. Auch Stephan Russbült hatte eine entsprechende Idee. Irgendwie kann ich mir aber kaum vorstellen, dass Oger seine erste Wahl gewesen sein sollen… Ich habe eher folgenden fiktiven Dialog zwischen Stephan Russbült und einem Freund im Kopf:

„Hey, habe ich Dir schon gesagt, dass ich einen Fantasy-Roman schreibe?“

„Echt? Finde ich gut! Wie soll er denn heißen?

„Die Zwerge!“

„Äääähm, eher nicht! Gibt es schon! Schon mal was von Markus Heitz gehört? Ich schätze, der hätte was dagegen!“

„Ach, verdammt, stimmt ja! Wie konnte ich das vergessen? Hmmm, mit ein paar Veränderungen in der Story klappt das Buch auch mit Elfen! Also: „Die Elfen“?“

„Ungünstig! Bernhard Hennen war schneller!“

„Oh, richtig! Na, der schreibt aber auch schneller, als man lesen kann. Nuuun, dann vielleicht, äääähm, „Die Orks“?

„Nope! Stan Nicholls!“

„Mist! Okay, ähm, „Die Trolle“ oder vielleicht, ääähm, „Die Goblins“?

„Tut mir leid, aber: Christoph Hardebusch hat sich mit den Trollen beschäftigt, Jim C. Hines mit den Goblins.“

„Jemand hat ein Buch über Goblins geschrieben??? Okay, dann, tja, was bleibt denn dann noch…?“

„Oger!“

„Och, nöööö!“

Da sich der Autor aber im Fantasy-Genre auskennt, gehe ich vielleicht doch davon aus, dass er sich freiwillig für Oger entschieden hat.

Diese Wahl birgt allerdings, für mich, ein Problem. Oger sind nunmal wirklich nicht sonderlich intelligent, was sich eben auch in ihren verbalen Fähigkeiten widerspiegelt. Eine ganze Weile habe ich überlegt, an wen mich die Dialoge der beschränkten Hünen mit ihren nur rudimentär vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten erinnern. Erst dachte ich an Yoda, lag da aber knapp daneben. Nein, die Dialoge erinnerten mich an den großen Rhetoriker und Philosophen Jar Jar Binks aus „Star Wars“, der unser aller Leben einerseits mit tiefgründigen Aphorismen wie „Am Anfang, Tag richtig klasse mit deftig Happi-Happi-Frühstück“ oder der philosphischen Frage „Werse duse denn?“ bereichert hat, andererseits aber auch die Frage beim Kino-Zuschauer aufwarf, warum er seiner Ankündigung „Wirse hier drin sterben!“ nicht endlich entsprechende Taten folgen ließ…

Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ich mochte es nicht. Vielleicht hatte ich die Assoziation mit Jar Jar Binks aber exklusiv, ich weiß es nicht.

Wenn ich diesen Kritikpunkt allerdings unberücksichtigt lasse, dann hat Stephan Russbült einen richtig guten Fantasy-Roman geschrieben. Die in verschiedene Stränge aufgeteilte Handlung ist erfreulich unvorhersehbar und entspricht nicht dem altbekannten „Typ-trägt-magisches-Artefakt-zur-Rettung-der-Welt-durch-Kontinent-Schema“.

Auch die Charaktere wissen zu überzeugen. Mogda ist ein sympathischer Typ, außerdem schafft es der Autor, auch den anderen Ogern, trotz aller intellektuellen Mängel derselben, eine ganz indviduelle Persönlichkeit zu geben. Man muss sie einfach gern haben, die großen Deppen! 😉

Zu den Sympathiewerten für die Charaktere trägt auch Russbülts Stil bei. Der Leser wird mit, für ein Fantasy-Buch, ungewohntem Humor durch das Buch geführt. Auch das gefiel mir ziemlich gut.

Alles in allem ist „Die Oger“ für jeden Fantasy-Fan, der mal ein etwas „anderes“ Buch lesen möchte, sehr zu empfehlen. Auch wenn ich selbst die weiteren Abenteuer Mogdas wohl ungelesen an mir vorüber ziehen lassen werde. 😉

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Bevor es hier demnächst mit der vorerst vorletzten Wunschrezension weitergeht, steht erstmal „Cry Baby“ von Gillian Flynn auf dem Plan.

„Und Gott sprach: Du musst mir helfen!“ von Hans Rath – Zwischen Reinkarnation und Rhesusaffe

Buch: „Und Gott sprach: Du musst mir helfen!“ (2015)

Autor: Hans Rath

Verlag: Wunderlich

Ausgabe: Taschenbuch, 283 Seiten

 

Der Autor: Hans Rath ist ein 1965 im niederrheinischen Straelen geborener Autor und Drehbuchautor.

Aufgrund seiner Untauglichkeit für Landwirtschaft und Gartenbau, den Hauptwirtschaftszweigen seiner Heimatregion, sah er sich gezwungen, als Alternative aufs Gymnasium zu gehen und im Anschluss an das Abitur Philosophie, Germanistik und Psychologie in Bonn zu studieren. 😉

Nach Tätigkeiten als Tankwart, Bauarbeiter, Bühnentechniker sowie Theaterkritiker und Drehbuchlektor entschloss sich Rath, nach einem mehrjährigen Ausflug in den Journalismus, zu einer Laufbahn als freier Autor.

Resultat dieses Entschlusses sind mittlerweile neun erschienene Bücher, zu den bekanntesten zählen sicherlich „Man tut, was man kann“, „Da muss man durch“ und „Was will man mehr“.

Hans Rath lebt mit der Schauspielerin Michaela Wiebusch und dem gemeinsamen Sohn Matti in Berlin

Das Buch: Als der Psychotherapeut Jakob Jakobi auf dem Weihnachtsmarkt von zwei zwielichtigen Kerlen in Nikolausverkleidung überfallen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Überfall der Grundstein dafür sein soll, Jakobs Leben mächtig durcheinander zu bringen.

Als er sich kurz nach dem Überfall mit seiner geschiedenen Frau trifft, traut Jakob seinen Augen nicht. Er ist der felsenfesten Überzeugung, in einer vorbeifahrenden Straßenbahn Abel Baumann gesehen zu haben. Einen ehemaligen Patienten, der von Jakob wegen einer schweren schizophrenen Psychose behandelt wurde – Abel Baumann hielt sich für Gott. Darüber hinaus ist Baumann seit nunmehr vier Jahren tot!

Kaum hat sich Jakobi vom Schreck erholt, sieht er seinen ehemaligen Patienten schon wieder, diesmal in einem vorbeifahrenden Taxi!

Jakobi reicht es. Er geht nach Hause um sich unter Zuhilfenahme einer Flasche Rotweins zu entspannen.

Am nächsten Morgen macht sich Jakobi auf den Weg in seine Praxis. Als er die Haustür öffnet, steht davor der quicklebendige Abel Baumann und lädt ihn zum Frühstück ein. Denn davon, dass er Gott höchstpersönlich ist, davon ist Baumann immer noch überzeugt. Und er hat große Dinge mit Jakob Jakobi vor. Dinge, die man am besten beim Essen bespricht: Abel Baumann will den Menschen erneut die frohe Botschaft verkünden und ihnen neue Zehn Gebote bringen. Und er ernennt Jakobi zu seinem neuen Messias! Einige Jünger hat er ihm auch schon mitgebracht. Unter anderem die beiden Nikolausräuber vom Weihnachtsmarkt…

Fazit: Ursprünglich habe ich mir „Und Gott sprach: Du musst mir helfen!“ gekauft, um damit ein bisschen gegen das tägliche Novembergrau da draußen anzulesen. Dieses Grau, das von dem symphatischen Menschen im ZDF morgens unverständlicherweise, aber dafür beharrlich und grenzenlos euphemistisch weiterhin“Wetter“ genannt wird, obwohl mir eher der Begriff „Zustand“ einfällt. Statt „und jetzt die Wetteraussichten…“, wäre „und jetzt die Zustandsbeschreibung für morgen, Samstag, den 28. November von Benjamin Stöwe“ doch irgendwie passender!

Nun, das mit dem „dagegen anlesen“ hat nicht so ganz geklappt, weil ich andere Erwartungen an dieses Buch hatte. Aber das ist ja mein Problem. Ein gutes Buch ist „Und Gott sprach: Du musst mit helfen!“ nämlich allemal.

Der bemitleidenswerte Jakob Jakobi gerät von einer skurrilen Situation in die nächste. Kaum lernt er beispielsweise die junge Studentin Jannika kennen, die gut und gerne Jakobs Tochter sein könnte, schon befindet er sich mit der überzeugten Veganerin und ihren Freunden auf einer Hühnerrettungsmission. Kaum ist das gut überstanden, wird ein Rhesusäffchen aus einer Forschungsstation gestohlen. Der telepathiebegabte Affe heißt Pasternak und wohnt fortan beim angehenden Messias Jakobi.

Auf diese Art und Weise führt Rath seinen Protagonisten humorvoll durch die Geschehnisse. So weit, so gut.

Auf der anderen Seite lässt es sich der Autor nicht nehmen, auch ernstere Themen in seinem Buch anzusprechen. Mal harmloser, indem missionierende Veganer sehr überzeichnet dargestellt werden, mal auch direkter, so unter anderem zu den Themen Armut und Rechtsradikalismus.

Trotz des in diesen Passagen deutlich erkennbaren erhobenen Zeigefingers, der mich zugegebenermaßen etwas gestört hat, schafft es der Autor,  einerseits den humorvollen Grundton beizubehalten und andererseits den Leser dennoch zum Nachdenken anzuregen. Würde man zugunsten eines reinen „Gute-Laune-Buchs“ diese Abschnitte weglassen, dann würde „Und Gott sprach:Du musst mir helfen!“ in seiner Gesamtheit nicht mehr funktionieren.

Also hat Hans Rath mit seinem Buch einiges richtig gemacht. Sogar so richtig, dass es bereits der dritte Teil der Geschehnisse um den Psychotherapeuten Jakobi ist. Da man die Geschichte aber ohne Schwierigkeiten auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten beiden Teilen lesen kann, kann man jedem Leser, der mal wieder „ein Buch für zwischendurch“ sucht, nur raten, zuzugreifen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

stil: 7,5 von 10 Punkten

Humor: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: In hoffentlich naher Zukunft folgt hier eine weitere Wunschrezension, zu der ich, wie üblich, vorher nichts verrate. Außer vielleicht, dass es sich um das Fantasy-Genre handelt. 😉

„Das Joshua-Profil“ von Sebastian Fitzek – Der Wunschrezensionen zweiter Teil

Buch: „Das Joshua-Profil“ (2015)

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Gebunden, 430 Seiten

Der Autor: Sebastian Fitzek, 1971 in Berlin geboren, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der letzten Jahre. Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt mittlerweile bei rund 6 Millionen verkaufter Bücher weltweit.

Nach seinem Abitur studierte Fitzek Tiermedizin, wechselte allerdings später zu Jura. Dieses Studium beendete er 1996 mit einer Doktorarbeit zum Thema „Urheberrecht“. Anfang der 2000er begann Fitzek, Bücher zu schreiben. Sein erstes Buch, „Die Therapie“, wurde bereits ein großer Erfolg, trotz einer bescheidenen Erstauflage von gerade mal 4.000 Stück. Mittlerweile hat Fitzek 13 Psychothriller veröffentlicht und zu weiteren 5 Büchern Kurzgeschichten beigetragen.

Fitzek lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin.

Das Buch: Max Rhode ist ein recht erfolgloser Schriftsteller. Nach seinem Erstlingswerk „Die Blutschule“ kann er mit seinen folgenden Büchern nicht an den großen Erfolg seines Debüts anknüpfen. Auch in seiner Ehe kriselt es bedenklich, sein Bruder Cosmo befindet sich seit Jahren in der Sicherungsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt zur Behandlung seiner pädophilen Neigungen – nein, das Leben macht es Max Rhode nicht sonderlich einfach. Lediglich seine Pflegetochter Jola ist für ihn ein Grund zur Freude. Doch Jola gerät in Gefahr.

Während einer gemeinsamen Autofahrt mit seiner Tochter bekommt Max den Anruf eines im Sterben liegenden fremden Mannes. Dieser bittet ihn, möglichst schnell zu ihm ins Krankenhaus zu kommen. Max glaubt erst an eine Verwechslung, aber der Mann scheint ihn zu kennen und so siegt letzlich die Neugier vor der Vernunft. Im Krankenhaus angekommen, redet der Mann scheinbar wirres Zeug, etwa, dass Joshua ihn, also Max, ausgewählt habe. Dass Joshua ihn besser kenne als er selbst und dass er, Max, auf keinen Fall straffällig werden dürfe. Max tut das Gerede als verwirrtes Geschwafel ab. Er kennt schließlich keinen Joshua, wer soll das schon sein?

Als Max wieder auf dem Parkplatz des Krankenhauses ankommt, ist seine Tochter Jola verschwunden! Er sucht panisch die Umgebung ab, schließlich wird Jola bewusstlos in der Pathologie gefunden, sie wurde betäubt.

Einige Monate später: Das kurzzeitige Verschwinden Jolas hat Konsequenzen: Max´ Ehefrau zieht aus. Und plötzlich steht eine Frau vom Jugendamt vor der Tür, die Max mitteilt, dass man seine Pflegetochter aufgrund der jüngsten Ereignisse wieder in ihre leibliche Familie zurück holen will. Um das zu verhindern, flüchtet er mit Jola im Auto. Kurz darauf kracht jedoch ein anderes Fahrzeug in ihr Auto. Max erwacht im Krankenhaus. Dort muss er erfahren, dass Jola schon wieder verschwunden ist. Und man verdächtigt Max selbst, etwas damit zu tun zu haben. Er flüchtet aus dem Krankenhaus, und macht sich auf die Suche nach seiner Tochter.

Fazit: Ein ganz zauberhafter Mensch, der gleichzeitig Leser meines Blogs ist, ließ mir bei der zweiten Wunschrezension anlässlich meines kürzlich gefeierten Blog-Jubiläums die Wahl zwischen gleich drei Vorschlägen. An dieser Stelle herzlichen Dank! Zu den Vorschlägen gehörte unter anderem „irgendwas von Fitzek“. Und „wie´s der Beelzebub will“, um es mal mit den Worten von Jochen Malmsheimer zu sagen, hat eben jener Herr Fitzek gerade ein neues Buch veröffentlicht. Da fiel mir die Wahl dann nicht mehr sonderlich schwer. 😉

Nachdem ich die 430 Seiten durchgelesen hatte, war ich zugegebenermaßen ziemlich erleichtert. Und zwar nicht, weil „Das Joshua-Profil“ so schlecht wäre, nein, sondern weil es Herr Fitzek nach geraumer Zeit endlich mal wieder geschafft hat, mich mit einem seiner Bücher vollends zu überzeugen!

Fitzek erzählt die Geschichte anfangs aus der Sicht von Max, später wird die Handlung auch aus der Sicht von Jola, Cosmo und anderen geschildert. Dabei schafft es der Autor häufig, für ihn schon fast typisch, die einzelnen Kapitel an Stellen zu beenden, die dazu führen, dass man als Leser unbedingt noch EIN Kapitel weiter lesen muss, um zu wissen, wie es denn weiter geht. Und dann noch eins…, und noch eins…!

Dieser „Fitzek-Effekt“, so möchte ich das mal nennen, wird noch dadurch verstärkt, dass der Autor ein unheimliches Erzähltempo an den Tag legt. Der Leser hat eigentlich kaum eine Möglichkeit, mal kurz durchzuschnaufen. All das gefällt mir ausnehmend gut.

Stilistisch und bezüglich der Ausarbeitung der Charaktere unterscheidet sich „Das Joshua-Profil“ in absolut nichts von anderen Fitzek-Büchern. Und das ist auch gut so. Der Autor hat seinen eigenen Stil, man merkt, dass man ein Fitzek-Buch liest.

Und endlich habe ich auch mal im Bereich der Handlung wenig zu meckern. Gut, ja, auch in „Das Joshua-Profil“ gibt es Passagen, die etwas sehr konstruiert wirken. Und über die eine oder andere Stelle darf man vielleicht auch nicht genauer nachdenken. Wer das doch tut, ist halt selbst schuld. 😉 Dafür hat sich der Autor ein wirklich spannendes Thema ausgesucht, auf das einzugehen ich aus Gründen der Spoilergefahr verzichten werde, und spinnt eine spannende „Was-wäre-wenn“-Geschichte drumherum.

Darüber hinaus hatte bis jetzt jedes Buch von Sebastian Fitzek so seine kleinen Besonderheiten. In „Splitter“ z.B. war eine Telefonnummer handschriftlich vermerkt. Rief man diese an, so hörte man den Hilferuf einer Protagonistin des Buches. In anderen Büchern fand sich mal ein Post-It-Zettel mit einer Art Zugangscode, mal wurden Internetadressen angegeben, die tatsächlich funktionierten. Auch für das „Joshua-Protokoll“ hat sich Fitzek etwas ausgedacht. Denn vor nicht allzu langer Zeit erschien tatsächlich das Buch „Die Blutschule“ von einem gewissen Max Rhode. Wer das wohl wirklich geschrieben hat? 😉 Eine nette Idee des Herrn Fitzek. Wenn ich mal Zeit habe, hole ich die entsprechende Lektüre nach. Vielleicht gefällt mir „Das Joshua-Protokoll“ dann noch besser!?

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Bevor es an dieser Stelle mit einer weiteren Wunschrezension weitergeht, schiebe ich kurz die Rezension eines ebenfalls kurzen Buchs dazwischen. Demnächst gibt es „Und Gott sprach: Du musst mir helfen“ von Hans Rath.

„Layers“ von Ursula Poznanski – Wunschrezension Nummer 1

Buch: „Layers“ (2015)

Autorin: Ursula Poznanski

Verlag: Loewe

Ausgabe: Broschiert, 445 Seiten

Die Autorin: Ursula Poznanski ist eine 1968 in Wien geborene Schriftstelleriin. Nach ihrem Abitur studierte sie Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften und Theaterwissenschaften, schloss allerdings keinen dieser Studiengänge ab. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2000 wurde sie auf einen Drehbuchwettbewerb des ORF aufmerksam. Sie nahm daran teil, und auch wenn sie nicht zu den Gewinnern gehörte, so ließ sie das Schreiben doch nie wieder los.

2003 erschien mit „Buchstabendschungel“ ihr erstes Kinderbuch. Einige Kinderbücher und Kinderkrimis später erschien dann 2010 mit „Erebos“ ihr erster Thriller – und wurde umgehend mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ ausgezeichnet. Darauf folgten mehrere Thriller für Jugendliche und Erwachsene sowie mit der „Eleria-Trilogie“ ein Science-Fiction-Dreiteiler.

Poznanski lebt mit ihrer Familie im Süden Wiens.

Das Buch: Der 17-jährige Dorian ist von zu Hause ausgerissen und lebt seit einiger Zeit auf der Straße. Der frühe Tod seiner Mutter sowie die ständigen Schläge seines Vaters machen es dem Jungen unmöglich, weiter zu Hause zu leben. Und auch wenn Dorian sein früheres Leben vermisst, auch und vor allem die Schule, so kommt er doch in seinem neuen Leben recht gut klar. Lediglich mit Emil, einem weiteren Obdachlosen, hat er regelmäßig Ärger.

Eines Nachts erwacht Dorian und bemerkt den Geruch von Blut. Neben ihm liegt Emil tot in einer Blutlache, Dorians Taschenmesser direkt daneben auf dem Boden. Dorian jedoch kann sich an nichts erinnern. Hat er den Obdachlosen umgebracht?

Gerade als er Hals über Kopf fliehen will, registriert Dorian hinter sich einen Passanten. Der Mann spricht ihn an und erklärt, dass er zwar nur zufällig an dieser Stelle vorbeikomme, er Dorian in seiner Situation aber sicherlich helfen könne, da er für eine Organisation tätig sei, die jugendliche Obdachlose von der Straße hole.

Dankbar und in Ermangelung anderer Alternativen nimmt der Junge die Hilfe an. Kurz darauf befindet er sich in der Villa von Raoul Bornheim. Dort wohnen noch zahlreiche weitere Jugendliche, die alle eine mehr oder weniger schwierige Vergangenheit hinter sich haben. In Bornheims Villa bekommen sie eine schulische Ausbildung und sollen auf ein geregeltes Leben vorbereitet werden. Aber der exzentrische Bornheim erwartet dafür auch Gegenleistungen, so müssen die Jugendlichen z.B. regelmäßig stundenlang Flugblätter für Bornheims wohltätige Organisation verteilen.

Nach einiger Zeit dieses Flugblattverteilens wird Dorian praktisch „befördert“. Im Auftrag Bornheims soll er jetzt verpackte Gegenstände bei bestimmten Personen abliefern. Einzige Bedingungen: Er muss das Paket persönlich beim Empfänger abgeben, darf nicht gehen, bevor er diese Aufgabe erfüllt hat und er darf keine Fragen beantworten.

Bei einer dieser Lieferungen geht jedoch etwas schief. Dorian öffnet das Paket, das er eigentlich ausliefern sollte – und steckt plötzlich bis zum Hals in Schwierigkeiten…

Fazit: Eine ganz zauberhafte Person und Leserin meines Blogs wurde durch eine Leseprobe auf „Layers“ aufmerksam und bekundete Interesse an nähreren Informationen im Allgemeinen und meiner Meinung im Speziellen. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Als ich Buchtitel und Autorenname las, sagte mir das erstmal nichts. Dann fiel mein Blick auf das bei mir im Schrank stehende „Erebos“ und ich dachte: „Ach, DIE! Na-tür-lich!“ 😉

Im vollen Bewusstsein, dass es sich bei „Layers“ um einen Jugendthriller handelt, stürzte ich, der das Jugendalter schon mehrfach hinter sich hat, mich auf das Buch. Ganz zu Beginn überzeugte mich erstmal die äußere Aufmachung des Buches, die mehrfach ausklappbare erste Seite bildet praktisch ein Fenster im Fenster im Fenster usw. Hübsch gestaltet. Derart erfreut ging es nun an den Text.

Und auch der konnte mich anfangs überzeugen. Nach dem rasanten Einstieg findet sich Dorian in Bornheims Villa wieder. Der Leser erfährt etwas über die Villa und ihre Bewohner und über die täglichen Abläufe und hat immer irgendwie das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Schließlich hat auch Dorian dieses Gefühl und stellt Nachforschungen an. Aber noch bevor seine oder des Lesers Fragen beantwortet werden, bekommt er eine neue Tätigkeit, die neue Fragen aufwirft: Pakete ausliefern. Was ist da drin, warum die seltsame Art der Übergabe?

Ab dem Moment, in dem Dorian eines dieser Pakete öffnet, schwächelt „Layers“ allerdings deutlich. Denn von nun an ist er gezwungen zu fliehen. Und er tut das auch – knapp 300 Seiten lang. Gefühlt seitenweise geht es nur darum, in welche Richtung mit welcher S-Bahn geflohen werden muss und wo sich die Möglichkeit eines Schlafplatzes bietet. Die Handlung beginnt arg zäh zu werden, leider.

Auch die Chraktere bleiben im besten Fall blass. Dorian selbst ist dabei noch ein Paradebeispiel. Anfangs mochte ich den Jungen ganz gerne. Im Verlauf der Geschichte entwickelt er sich aber in eine für mich nicht nachvollziehbare Richtung. Ich meine, der junge Mann war ein guter Schüler und schafft es im Alter von gerade mal 17 Jahren, auf der Straße zurecht zu kommen, der muss also eigentlich ein helles Köpfchen sein. In der Villa allerdings tut Dorian alles, was man ihm aufträgt, ohne das auch nur irgendwie zu hinterfragen. Natürlich hat er Angst, wieder auf der Straße zu landen, falls er sich Anordnungen widersetzt, aber trotzdem: Spätestens wenn´s um die Überbringung seltsamer Päckchen geht, würde man doch vielleicht Zweifel haben und einige Widerworte von sich geben. Dorian tut das nicht! Wenn es in die Handlung gepasst hätte, dann hätte man ihm auch einen bis oben hin gefüllten Drogenkoffer in die Hand drücken und in den Flieger nach Malaysia setzen können, mit den Worten: „Da sind, ähm, Medikamente drin! Die gibst Du am Flughafen dem dicken Mann mit der Augenklappe. Und falls jemand Fragen stellt: Du hast uns nie gesehen…!“ Dorian wäre ohne Weiteres geflogen…

Die blassen Charaktere und der nachlassende Spannungsbogen tun der eigentlich recht spannenden Geschichte keinen Gefallen. Vielleicht wären ein paar Seiten weniger hier hilfreich gewesen. Oder man hätte sich bei gleichbleibendem Umfang mehr mit den Charakteren befassen und sie nachvollziehbarer gestalten müssen.

Letztlich führt die Autorin die Geschichte, nach einem zugegeben seeehr skurrilen Showdown, wenigstens zu einem recht überzeugenden Ende.

Mehr als ein durchschnittlicher Jugendthriller ist Frau Poznanski damit leider nicht gelungen. Ich würde meinen geneigten Lesern da eher zu „Erebos“ raten, das hat mich seinerzeit wirklich begeistert. Ich könnte es eigentlich nochmal lesen…

Wertung:

Handlung: 7 von Punkten

Charaktere: 5,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Logischerweise Wunschrezension Nr. 2 – Um welches Buch es sich dabei handelt, wird natürlich nicht verraten.