Rückblick? Nö!

Lieber Leser und Innen,

vielerorts veröffentlichen Menschen zu dieser Zeit des Jahres einen Rückblick auf das nun fast vergangene Jahr 2016. Blogger und Innen tun das. Das Fernsehen tut das, z. B. in Gestalt von ZDF und RTL – wobei ich immer der Meinung war und bin, dass die Rückblicke im Fernsehen zu früh gesendet werden, weil man dann halt doch das eine oder andere dort nicht mehr erfasst bzw. erfassen kann, was dann aber auch im nächsten Jahresrückblick nicht mehr auftaucht. Ich hätte da auch in diesem Jahr Beispiele…

Ich verzichte an dieser Stelle auf einen solchen Rückblick. Wer den möchte, kann sich ja durch meine Rezensionen des letzten Jahres klicken, ein bisschen Eigenleistung muss auch dabei sein! 🙂

Vielmehr möchte nur kurz die Gelegenheit nutzen, – trotz meiner vorübergehenden Blogpause, die auch noch eine ganze Weile anhalten wird, wenn ich berücksichtige, dass ich mich schon seit Anfang des Monats durch den etwa 800-seitigen historischen Roman „Risiko“ von Steffen Kopetzky arbeite (Spoiler: gutes Buch!) – meiner Leserschaft einen möglichst guten Rutsch in ein hoffentlich besseres Jahr 2017 zu wünschen.

Dass 2016 ein schlechtes Jahr war, machen viele Menschen ja daran fest, dass es so ein ungewohnt hohes Prominentensterben gegeben habe. Ich persönlich – auch wenn ich Carrie Fisher für mich persönlich gerne noch eine ganze Weile behalten hätte, (und da sind wir thematisch wieder am Ende des ersten Absatzes – es soll mal keiner sagen, meine Texte hätten keine inhaltliche Struktur 🙂 ) mache die Tatsache, dass 2016 ein beschissenes nicht so gutes Jahr war, eher an der weltpolitischen Entwicklung fest. Das ist aber wieder ein anderes Thema, das einer genaueren Einlassung bedarf, die an dieser Stelle aber zu weit führen dürfte.

Daher fasse ich mich kurz und wiederhole mich:

Ich wünsche euch allseits einen guten Rutsch und hoffe auf ein für euch, für mich, für alle besseres Jahr 2017! Habt eine schöne Party, aber übertreibt es nicht! 🙂

Bis bald!

P. S.: Wem die Zeit bis zu meiner Blog-Rückkehr zu lange dauern sollte – und ich bilde mir ein, dass es da bestimmt entsprechende Menschen gibt 😉 – dem oder der sei angeraten, sich mit älteren Rezensionen über Wasser zu halten. Es gibt deren 117, da ist bestimmt etwas dabei! 🙂

Blogpause

Um einen Buchblog zu betreiben, braucht man eigentlich nicht viel. Man benötigt einerseits Bücher und andererseits Zeit und Muße sie zu lesen, fertig. Jetzt herrscht bei mir gerade wirklich alles andere als ein eklatanter Mangel an Büchern. Ich habe im Gegenteil eher das diffuse Gefühl, dass mein SuB vorwurfsvoll zurückstarrt, wenn ich ihn schuldgeplagt und eingeschüchtert anstarre, und er mich dabei ebenso vorwurfsvoll anschweigt.

Das derzeitige Problem liegt da schon eindeutig eher in der fehlenden Zeit und Muße zur Lektüre. In dieser Zeit des Jahres bin ich mit schöner Regelmäßigkeit, also auch diesmal, vollauf damit beschäftigt, zwischen Dauerdunkelheit, Glöckchengebimmel und nervenzerfetzenden WHAM!-Songs nicht zuerst die Nerven und dann den Verstand zu verlieren. Sich dann ruhig und entspannt der Lektüre eines Buches zu widmen, fällt mir da zugegebenermaßen eher schwer.

Aber auch ohne die vor uns liegenden, mir Sodbrennen verursachenden, Festtage gestaltet sich das Lesen gerade als eher schwierig, erfordern im Moment doch so einige Dinge meine Aufmerksamkeit, die halt auch schlicht wichtiger sind als das neue Buch von XY.

Und letztlich, das möchte ich gar nicht verhehlen, fiel es mir bereits in jüngerer Vergangenheit immer schwerer, mich „aufzuraffen“ und mal wieder etwas zu schreiben. Beim Blick auf die vergangene Zeit seit meinem letzten Beitrag, überkam mich immer wieder der Gedanke: „Jetzt musst Du aber bald wirklich mal wieder etwas schreiben!“ Wirklich?  Muss ich das? So sollte das eigentlich ja nicht sein. Denn ehrlich gesagt, wollte ich nie bloggen müssen, ich wollte immer nur bloggen wollen!

Tja, und was macht man da, wenn man entdeckt, dass das so ist? Man atmet durch, geht einen Schritt zurück und sagt: „Ach, macht erst mal ohne mich weiter!“ Und das tue ich jetzt auch. Deswegen geht mein Blog in eine wahrscheinlich kurze und nichtsdestotrotz bitter notwendige Pause.

Ich schätze, dass ich euch Ende Januar wieder mit neuen Beiträgen beglücken werde. Vielleicht auch vorher, sollte mich die derzeit flöten gegangene Begeisterung wieder packen. Ich wünsche allseits erholsame und harmonische Weihnachtstage und auch schon mal einen guten Rutsch in Jahr 2017, das mit dem aktuellen hoffentlich möglichst wenig gemein haben wird. Bis dahin, gehabt euch wohl und bleibt mir gewogen!

 

„Die Rückkehr“ von Peter Georgas-Frey – Von Nebenfiguren und Showdowns

Buch: „Die Rückkehr“ (2016)

Autor: Peter Georgas-Frey

Ausgabe: Taschenbuch, 462 Seiten

Verlag: Selbstverlag

Der Autor: Peter Georgas-Frey ist ein 1970 geborener Autor, der mit seiner Familie seit 1999 am schönen Bodensee lebt. Er veröffentlichte bereits Erzählungen und Gedichte wie „Als Paolos Hände reden lernten“, „Soantà“ und „Zeitspuren“ sowie den Roman „Die Revolte“.

Wer mehr über den Autor und seine Bücher erfahren möchte, dem sei der Besuch seines sehr lesenswerten Blogs „literaturfrey“ empfohlen. Wer das nicht möchte, dem sei ein dortiger Besuch ebenfalls empfohlen!

Übrigens erscheint in Kürze, demnächst, sehr bald Georgas-Freys neues Buch „Sontland“. Nur so als Tipp. 😉

Das Buch: Die Ereignisse von „Die Rückkehr“ setzen zeitlich 3 Monate nach der Heimkehr der Aurumer zu ihrem Heimatplaneten ein. Allen verbliebenen Aurumern ist die Heimreise gelungen, nur deren Anführer Chronos sowie die aufsässige Apate sind auf der Erde geblieben. Beide sitzen in Hochsicherheitsgefängnissen, Chronos in den USA, Apate in China.

Auf dem Heimatplaneten der Aurumer machen sich die Heimkehrer daran, technologische Mittel zu schaffen, um auch Chronos und Apate heimzuholen. Noch bevor diese Technik ausgiebig getestet wurde, macht sich Apates Bruder Wodan diese zunutze, bemächtigt sich auf der Erde des Körpers von Arthur Davis und macht sich auf die Suche nach seiner Schwester.

Die Aurumer ihrerseits schicken nun Baldur, Höd und Arun auf die Erde, um Chronos aus dem Gefängnis zu befreien und ihm sowie Apate die Rückkehr nach Aurum zu ermöglichen.

Natürlich haben nicht nur die Aurumer selbst ein Interesse an Chronos und Apate. Sowohl die USA, als auch Russland, China und weitere Nationen möchten die Rückreise der verbliebenen Aurumer verhindern. Auch Karl und Dana – alte Bekannte aus „Die Heimkehr“ – werden wieder in die Geschehnisse verwickelt. Und schließlich tritt eine mächtige aber weitgehend unbekannte Organisation auf den Plan, die im Hinblickk auf die Aurumer ganz eigene Ziele verfolgt.

Fazit: Nachdem ich mich literarisch in jüngerer Vegangenheit tagelang durch das eisige Sibirien gekämpft habe, auf der Suche nach der verlorenen Spannung und Handlung, war „Die Rückkehr“ das erhoffte Kontrastprogramm. Die Fortsetzung von „Die Heimkehr“ tut das, was eine gute Forsetzung tun sollte. Sie bügelt die eine oder andere Schwäche des Vorgängers aus und führt dessen Stärken weiter.

So hat mir auch in der Fortsetzung der gewählte Stil ziemlich gut gefallen. Die Sätze sind kurz, knapp, prägnant. Diese Art des Erzählens passt, wie ich bereits in meiner Rezension zu „Die Heimkehr“ schrieb, sehr gut zu den kurzen Kapiteln und den damit verbundenen Orts- und Charakterwechseln. Auf diese Art behält der Leser immer den Überblick, komplizierte Satzkonstruktionen Thomas Mannschen Ausmaßes wären da eher hinderlich.

Bei den Charakteren werden gleich zwei kleinere Kritikpunkte ausgebügelt, die ich bei „Die Heimkehr“ noch geäußert habe. Fiel es mir durch die doppelte Namensgebung der Aurumer – einmal der tatsächliche aurumische Name, einmal der ihrer irdischen Existenz –  im Vorgänger noch teils schwer, die Aurumer richtig zuzuordnen, so tauchte dieses Problem in der Fortsetzung nicht mehr auf. Erstens, weil – ganz einfach – weniger Aurumer in der Handlung auftauchen und zweitens, weil der Autor für die auf die Erde geschickten Baldur, Höd und Arun angenehmerweise praktisch ausschließlich deren aurumische Namen verwendet.

Der zweite Kritikpunkt bezog sich darauf, dass ich mir die eine oder andere etwas detailliertere Charakterzeichnung gewünscht hätte. Und auch hier macht „Die Rückkehr“ Fortschritte. So erfährt man deutlich genauer etwas über Chronos´ Gedankenwelt hinsichtlich dessen, was die Aurumer mit der Erde und den Menschen so angestellt haben. Und auch Apate hat für mich jetzt etwas mehr Tiefe, auch wenn sie immer noch das selbe intrigante Mistst…, ähm, die selbe manipulative Person ist, wie im Vorgänger.

Hinsichtlich der Nebenfiguren finde ich es erfreulich, dass deutlich weniger von ihnen in bester Markus-Heitz-Manier mal eben um die Ecke gebracht wurden, sobald man sie nicht mehr brauchte. Die Nebenfiguren können also durchatmen. Jedenfalls bis zum Showdown am Ende. 😉

Lediglich mit der Figur des Wodan hatte ich so meine Probleme, greift der Autor hier doch wirklich tief, tief in die Mottenkiste der nordischen Mythologie. Ich sage nur „Hugin und Munin“, der Autor weiß dann schon Bescheid. 😉 Allerdings war das auch schon wieder irgendwie komisch.

Die Handlung selbst verläuft in ähnlich hohem Tempo wie im Vorgänger, ist durchgehend spannend und wird zu einem überzeugenden Ende geführt. Ein Ende übrigens, das durchaus noch die eine oder andere Frage offen lässt, und das deshalb ermöglicht, eine weitere Fortsetzung folgen zu lassen. Vielleicht „Die Wiederkehr“, oder so!? Ich wäre jedenfalls dafür!

Kurz, wer einen leicht zu lesenden temporeichen und spannungsgeladenen Roman sucht, der liegt mit „Die Rückkehr“ richtig.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Tjaaaa, also, ab einer gewissen Größe ist ein SuB für einen Entscheidungsneurotiker wie mich die wahre Hölle. Bei der Frage, was ich denn als nächstes lese, kam ich auch nach ausgiebigster Bedenkzeit noch zu keinem genauen Entschluss. Ihr werdet euch also genau so überraschen lassen müssen wie ich…

„Der Rabe“ von Lionel Davidson – Der Spion, der in die Kälte ging

Buch: „Der Rabe“

Autor: Lionel Davidson

Verlag: Penguin

Ausgabe: Taschenbuch, 670 Seiten

Der Autor: Lionel Davidson war ein 1922 im englischen Hull geborener britischer Schriftsteller. Nach dem Abruch seiner Schullaufbahn arbeitete er als Laufbursche für „The Spectator“, später beim Pressedienst Keystone.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Davidson in der U-Boot-Marine diente, schlug er eine Laufbahn als selbständiger Berichterstatter ein, die ihn quer durch Europa führte. Bei diesen Reisen kam dem Schriftsteller zum ersten Mal der Gedanke, Bücher zu schreiben.

1960 erschien sein erster Spionageroman „Die Nacht des Wenzel“. Im Laufe seines weiteren Schaffens schrieb er noch einen Abenteuerroman, zwei Kinderbücher und eine Reihe weiterer Spionageromane, die ihm insgesamt dreimal den „Gold Dagger“ einbrachten.

2001 erhielt er den „Diamond Dagger“ für sein Lebenswerk. Am 21. Oktober 2009 verstarb Davidson in London.

Das Buch: In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts leitet der Forscher Rogatschow eine streng geheime Forschungsstation in den eisigen Weiten Sibiriens. Niemand, der dort arbeitet, darf die Station je wieder verlassen.

Schließlich jedoch sieht Rogatschow ein, dass die Welt von dem, was in der Forschungsstation vor sich geht, und von den dortigen Forschungen erfahren muss. Also schickt er verschlüsselte Botschaften an einen Mann, dem er zutraut, ihm helfen zu können: Dr. Johnny Porter, Mikrobiologe und Sprachgenie. Der junge Mann macht sich auf die gefährliche Reise nach Sibirien.

Fazit: Eigentlich wollte ich als Überschrift ein Zitat aus „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe nehmen: Deep into the darkness peering, long I stood there, wondering, fearing,…“. Denn obwohl Poes „Der Rabe“ mit dem von Davidson sonst nicht das Geringste gemein hat, lässt sich mit dieser Zeile, die sich ungefähr übersetzen lässt mit „Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend …“, in etwa das, ähm, Wohlbefinden beschreiben, das ich bei der Lektüre des Buches empfand.

Schon seit längerer Zeit lag kein Buch mehr so weit entfernt von meinen Erwartungen wie dieses. Als ich die Inhaltsangabe las, dachte ich, bei „Der Rabe“ handele es sich um eine Art Wissenschaftsthriller im Stile von Tanja Kinkels „Götterdämmerung“ – ein sehr lesenswertes Buch, übrigens, wenn auch schon älter, oder vielleicht auch um eine Geschichte, die an Justin Cronins „Der Übergang“ erinnert. Vielleicht auch an den Film „Outbreak“, oder von mir aus, wenn es sein muss, „Alien vs. Predator“. Irgendwie sowas eben. Weit gefehlt. Davidson geht andere Wege. Und er geht sie seeehr, seeehr langsam.

Das Buch beginnt mit den o.g. Hilferufen des Wissenschaftlers Rogatschow. Daraufhin beginnt der Geheimdienst zu ermitteln. Und Davidson beschreibt diese Ermittlungen sehr detailliert. Und er tut das sehr, sehr langsam! Die Herkunft des Zigarettenpapiers, auf dem die Botschaften eingraviert sind, wird ermittelt, und die Art und Weise, wie es in die sibirische Forschungsstation gelangt und wieder herausgekommen sein könnte. Es werden ewig lang Schifffahrtrouten abgeglichen. Seitenweise beschäftigt man sich mit den Aufbauten eines Trampschiffs und dem darauf befindlichen Derrick. Nein, das hat nichts mit Horst Tappert und Fritz Wepper zu tun! Ein Derrick ist so etwas wie ein Schwergutkran, glaube ich. Diese Information habe ich mir zu einem Zeitpunkt ergoogelt, als mich „Der Rabe“ schon nicht mehr im Geringsten interessiert hat…

Nachdem die Ermittlungen größtenteils abgeschlossen sind, wird der Mann kontaktiert, an den Rogatschows Botschaften gerichtet sind: Dr. Johnny Porter. Ein junger Mikrobiologe indianischer Abstammung, der ein absolutes Sprachgenie ist und sogar diverse Idiome der unterschiedlichen sibirischen Stämme beherrscht. Oder sie mal eben in wenigen Wochen lernt. Wahlweise auch koreanische Dialekte. Zu Johnny komme ich noch…

Jener Dr. Porter jedenfalls wird also losgeschickt und Davidson beschreibt die Reise. Und er tut das sehr, sehr langsam! Der langen Rede kurzer Sinn: Erst auf Seite 382, nach über der Hälfte des Buches, betritt Dr. Porter erstmals den Boden der geheimen Station und man hat als Leser Hoffnung, dass man nun endlich erfährt, was denn da nun los ist. Dumm nur, dass mich das zu diesem Zeitpunkt eben nicht mehr interessierte.

Nach nicht mal 100 Seiten hat Johnny die Station auch schon wieder verlassen, und macht sich auf den Weg quer durch Sibirien. Und Lionel Davidson beschreibt auch diese Phase des Buches sehr detailiert. Und sehr, sehr,… na, ihr wisst schon!

Kurz gesagt, die gesamte Handlung verläuft auf arg überschaubarem Niveau und erinnert phasenweise mehr an einen Reisebericht als einen Thriller.

Die Protagonisten, einerseits Dr. Johnny Porter, andererseits die Sanitätsoffizierin Tanja, mit der Porter ein Verhältnis beginnt, enttäuschen mich ebenso auf ganzer Linie. Porter kann alles, tut alles, hat niemals größere Zweifel an seinem Handeln. Und seine Palette an Emotionen ist ungefähr so abwechslungsreich wie das Testbild nach der Nationalhymne (die Älteren werden sich erinnern). Auf über 600 Seiten erfährt der Leser wirklich null über das Seelenleben der Dr. Porter! Man nehme Ivan Drago und denke sich dessen Humor weg, fertig ist Dr. Johnny Porter…

Seine Freundin Tanja könnte noch ganz glaubhaft, sogar sympathisch, erscheinen, wäre da nicht ihre spätere Entwicklung. Über einen langen Zeitraum lässt Tanja angesichts ihrer dienstlichen Stellung die Männer vor Ort nach ihrer Pfeife tanzen. Diese selbstbewusste starke Frau, die sich in einer rauhen Umgebung und einem männerdominierten Arbeitsumfeld durchbeisst, verkommt aber später zu einem labilen, schwachen Liebchen, das sich an ihren großen, starken, ach so maskulinen Begleiter hängt.

Seite 509:

„Wenn Du schon fort sein solltest – lässt Du mir ein Zeichen zurück?“

„Ja, ich lasse Dir ein Zeichen.“

„Lieblings, liebster Schatz, sag, dass es kein Abschied für immer ist!“

„Kein Abschied für immer.“

„Ich liebe Dich für immer und alle Zeiten, mein wunderbarer Geliebter. Weißt Du das? Sag, dass Du es weißt.“

 

Nun, während ich mich übergebe, könnt ihr zwischenzeitlich raten, wer in dieser Szene Johnny und wer Tanja war. 😉

Wieder da! 🙂 Tja, mit solchen Szenen schaffen es Tanja und ihr Schöpfer Lionel Davidson spielend, Jahrezehnte der Emanzipation mit Füßen zu treten.

Aber da ich mich, auch bei Büchern, die mich so ärgern, wie das hier vorliegende, eigentlich immer bemühe, auch die positiven Aspekte herauszustellen, möchte ich das natürlich auch in diesem Fall tun. So bleibt der Schreibstil Davidsons als positiver Aspekt. So belanglos und langatmig ich die Handlung auch fand, wenigstens ist sie gut geschrieben. Und bei „Der Rabe“ handelt es sich um eine Neuauflage eines Buches, das bereits im Jahr 1994 erschienen ist. Es kann sein, dass man Spionageromane damals eben so unaufgeregt erzählt hat, ich kann mich nicht erinnern. Ich könnte jetzt alte Bücher von Tom Clancy oder John le Carré herauskramen und Vergleiche anstellen, werde das allerdings sicherlich nicht tun. 😉

Überhaupt erinnert das gesamte Buch, der Stil, die Charaktere, letztlich auch die Handlung an die Spionageromane solcher Autoren wie John le Carré, Tom Clancy oder Frederick Forsyth. Wer an diesem Genre Spaß hat, der wird sicherlich auch mit „Der Rabe“ Spaß haben und den möchte ich ihm auch gar nicht nehmen. Ich allerdings hatte keinen.

Vielleicht kommt das ja noch im Nachhinein!? Wenn auch sehr, sehr langsam. Wer weiß?

Wertung:

Handlung: 4 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 4,5 von 10 Punkten

Spannung: 3 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog:

„Die Rückkehr“ von Peter Georgas-Frey