„Ritter dunklen Rufs“ von David Gemmell – Eigentlich nicht gut …

Buch: „Ritter dunklen Rufs“

Autor: David Gemmell

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 511 Seiten

Der Autor: David Gemmell war ein 1948 in London geborener englischer Autor. Nach einem eher unrühmlichen Abgang von der Schule – man warf Gemmell unerlaubtes Glücksspiel vor – und diversen daran anschließenden Aushilfstätigkeiten war er als freiberuflicher Journalist für verschiedene Tageszeitungen tätig.

In den 70ern befasste er sich mit Fantasy-Literatur, schrieb auch einen ersten Roman, der allerdings nie veröffentlicht wurde, weil Gemmell selbst ihn für zu schlecht hielt.

Ab 1986 war er dennoch ausschließlich als Autor tätig. Als sein bekanntestes Werk gilt die „Drenai“-Saga, welche aus elf Bänden besteht,

Gemmell starb am 28. Juli 2006 infolge einer Bypass-Operation.

Das Buch: Einst waren die neun Ritter der Gabala strahlende Verfechter der Gerechtigkeit. Doch in ihrem Stolz sind sie dem Bösen verfallen und terrorisieren nun das Reich. Nur Manannan, der schwächste von ihnen, glaubt noch an ihre alten Werte. Ausgerechnet seine Feigheit hat ihn vor der Finsternis bewahrt. Um seinen alten Gefährten entgegenzutreten, will er eine neue Gabala gründen. Doch als zukünftige Ritter stehen ihm nur Diebe, Mörder und Ausgestoßene zur Verfügung. Manannan weiß, dass er keine Chance hat. Und dennoch muss er es versuchen! (Quelle: Random House)

Fazit: Manchmal steht man so am Grabbeltisch der preisreduzierten Mängelexemplare und greift nichtsahnend zu einem großartigen Buch. Manchmal aber auch zu unheimlichem Mist. Und manchmal, ja, manchmal sogar zu beidem gleichzeitig. Ein Beispiel für Letzteres ist „Ritter dunklen Rufs“.

In der ersten Ausgabe erschien „Ritter dunklen Rufs“, – was im Übrigen dankenswerterweise mal eine halbwegs adäquate Übersetzung des englischen Originaltitels „Knights of Dark Renown“ ist, was, wie wir alle wissen, in Zeiten sinnfreier Untertitel keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt – in der deutschen Version bereits 1991. Es mag sein, dass dieses Buch damals – nur wenige Jahre nach der Zeichentrickserie „Masters of the Universe“, hach, was habe ich die geliebt – ganz gut funktioniert hat. Heute tut es das für mich eher nicht.

Dabei macht Gemmell gar nicht viel verkehrt. Sein Buch lebt lange Zeit davon, dass die Geschehnisse aus Sicht einer größeren Zahl an Hauptfiguren erzählt wird. Die Wechsel der Erzähler und der entsprechenden Szenarien sorgen für eine Dynamik, die lange Zeit gut trägt. Schade, dass dann aber im Laufe der Handlung alle Protagonisten, und seien sie auch noch so weit voneinander entfernt, plötzlich auf traumwandlerische Weise und ohne genauere Erklärung, zusammenfinden, damit die Handlung weitergehen kann.

Auch die Charaktere sind gar nicht mal so verkehrt, auch wenn sie teilweise den Charme einer „He-Man“-Folge verbreiten. Manche wirken wie Robin Hood für Arme, beispielsweise Llaw Gyffes, ja, mit Doppel-L, andere wie die verzweifelte rettungsbedürftige Prinzessin aus klischeehaften Fantasy-Schnulzen, aber dennoch kann man sich mit den meisten Figuren anfreunden.

Stilistisch kann man da schon mehr meckern. Ohne genau begründen zu können, woran es liegt, las sich „Ritter dunklen Rufes“ für mich, als würde man einen ganz schlechten Schwarzenegger-Film der 80er verschriftlichen. „Phantom-Kommando“ oder so. Das Buch bietet der Leserschaft keinerlei Schwierigkeiten, was ich zuallererst positiv herausheben möchte, überfällt den Leser aber plakativ mit seiner nicht sonderlich kreativen „Message“, die da sinngemäß lautet, dass das Böse nur dann böse ist, wenn man den entsprechenden Standpunkt hat, aus anderer Sicht aber eben nicht. Hach, wie im richtigen Leben, in dem gerade zuhauf Diplomaten ausgewiesen werden. :-)

Diese Message, die dem Leser mit der Subtilität eines Dampfhammers präsentiert wird, ist es aber, die mir die Lektüre dieses Romans verleidet hat.

Und das fand ich eigentlich schade. Trotz aller Schwächen habe ich „Ritter dunklen Rufs“ nämlich recht gerne gelesen. Klar, verstärktes genervtes Augenrollen konnte ich nicht vermeiden, aber so als Fantasy-Roman für zwischendurch taugt das Buch allemal. Obwohl es Vampire enthält …

Mittelfristig wird „Ritter dunklen Rufs“ aber meine einzige Erfahrung mit David Gemmell und seinen Büchern bleiben.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein Reif von Bronze“ von Stephan M. Rother. Die Fortsetzung von „Ein Reif von Eisen“ und so etwas wie mein Heiliger Gral der Fantasy-Literatur, neben den „Drachenlanze“- und „DSA“-Romanen.

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„Artemis“ von Andy Weir – Watney 2.0?

Buch: „Artemis“

Autor: Andy Weir

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 431 Seiten

Der Autor: Andy Weir wurde bereits im Alter von 15 Jahren von einem Labor als Programmierer angestellt und arbeitet seitdem als Softwareentwickler. Er bezeichnet sich selbst als „lifelong space nerd“ und beschäftigt sich hobbymäßig mit Physik, der Geschichte der bemannten Raumfahrt und ähnlichem.

Bereits 2009 stellte Weir die ersten Kapitel seines Debütromans „Der Marsianer“ ins Netz. Die Resonanz lag weit jenseits jeglicher Erwartungen, sodass sich schließlich auch ein Verlag fand, um die Printausgabe unter die Leute zu bringen.

Im Jahr 2015 wurde „Der Marsianer“ erfolgreich von Ridley Scott mit Matt Damon als Mark Watney verfilmt. Sogar mir gefiel die filmische Umsetzung ausnehmend gut, in erster Linie wegen der überzeugenden Leistung von Matt Damon (und Kate Mara, und Jessica Chestain), für die er zu Recht den „Golden Globe“ erhielt.

Nun ließ Weir mit „Artemis“ seinen zweiten Roman folgen, der diesmal auf dem Mond angesiedelt ist.

Das Buch: Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer.Und verdammt ungemütlich, wenn man kein Millionär ist. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. Doch die Sache geht schief, und dann wird auch noch ihr Auftraggeber ermordet. Plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht, als das Schicksal von Artemis selbst. (Quelle: Random House)

Fazit: Wenn man ein derartig erfolgreiches Romandebüt wie „Der Marsianer“ geschrieben hat, das dann auch noch so erfolgreich verfilmt wurde, obwohl man den Film für die deutsche Version mit dem schwachsinnigen und überflüssigen Untertitel „Rettet Mark Watney“ versehen hat, dann steht man wahrscheinlich unter einem ziemlichen Druck, wenn man seit zweites Buch schreibt. Merkt man „Artemis“ diesen Druck an? Ja und nein!

Man merkt, dass Weir vieles so macht, bzw. machen wollte, wie in seinem ersten Roman. Safety first. Da wären zum Einen die detaillierten Beschreibungen technischer und naturwissenschaftlicher Vorgänge. Ich persönlich hatte damit in „Der Marsianer“ wenig bis gar keine Probleme, vor allem auch deswegen, weil ich ohnehin selten nachvollziehen oder gar überprüfen konnte, was mir der Autor da erzählen will, was aber weniger der mangelnden Erklärungsfähigkeit Weirs anzukreiden ist, sondern eher meinem beklagenswerten Kenntnisstand im Bereich der Naturwissenschaften. Wer diese Schilderungen aber schon in Weirs Erstling störend fand, der könnte auch mit „Artemis“ ein Problem haben, auch wenn diese Schilderungen diesmal etwas dosierter eingesetzt werden.

Zum Anderen wäre da die Hauptfigur. „Der Marsianer“ lebte zu großen Teilen von seinem überzeugenden Protagonisten Mark Watney. Und irgendwie kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Autor versucht hat, diesen Protagonisten für „Artemis“ in einen weiblichen Körper zu verpflanzen und ihn bzw. sie auf dem Mond anzusiedeln. Auch Jazz Bashara ist die Coolness in Person und nie um einen dummen Spruch verlegen. Sie ist so ziemlich das, was Gillian Flynn in „Gone Girl“ als „Cool Girl“ bezeichnet hat, mit der Erläuterung:

„She´s a cool girl. Being the Cool Girl means I am a hot, brilliant, funny woman who adores football, poker, dirty jokes, and burping, who plays video games, drinks cheap beer, loves threesomes and anal sex, and jams hot dogs and hamburgers into her mouth like she´s hosting the world´s biggest culinary gang bang while somehow maintaining a size 2, because Cool Girls are above all hot. (…)“

Dass dieser Frauentyp eigentlich nicht existiert, muss nicht extra gesagt werden, wiewohl ich es beklagenswert finde. :-) Aber in „Artemis“ existiert er eben doch in Person von Jazz Bashara. Und wenn diese Person, mit der die Leserschaft ja den Großteil der Zeit verbringen muss, dann ein wenig so ist wie Sandra Bullock in „Miss Undercover“ vor ihrer Transformation zu Gracie Lou Freebush, dann wird das einzelne Leser sicherlich nerven. Ich persönlich kam mit Jazz aber ausgesprochen gut zurecht, obwohl, oder gerade weil, sie beispielsweise über den Geschmack eines Scotchs sagt: „Es schmeckte wie Satans brennende Rosette.“, nur um an den Barkeeper gewandt hinzuzufügen: „Billy, ich habe schon angenehmere Sachen geschluckt, die aus Menschen herausgekommen sind.“ (beides Seite 55). :-)

Aber auch abseits der Hauptfigur hat Weir ausgesprochen sympathische, teils verschrobene Charaktere erschaffen, die in der überwiegenden Mehrzahl überzeugend herüberkommen.

Über die Handlung möchte ich inhaltlich eigentlich nicht mehr viel sagen, weil die Zusammenfassung schon mehr als ausreichend ist. Aber sie überzeugt ebenfalls, legt im späteren Verlauf noch an Spannung und Tempo zu, auch wenn die Protagonistin angesichts der für sie alles andere als zufriedenstellend laufenden Ereignisse vorübergehend ihren infantilen Humor teilweise einbüßt. :-) Weir gelingt es also nicht nur, eine Handlung zu schreiben, die sich hunderte von Seiten darum dreht, wie man einen Astronauten vom Mars bekommt, sondern auch eine, die deutlich mehr Komplexität aufweist. Sicherlich, die eine oder andere überraschende Wendung ist im Vorfeld zu erahnen, nichtsdestotrotz macht „Artemis“ über die gesamte Länge Spaß.

Ich jedenfalls habe „Artemis“ nach der Lektüre mit nicht wenig Bedauern zur Seite gelegt, zu sehr habe ich mich an die eher speziellen Charaktere gewöhnt und zu sehr hatte mich die Geschichte insgesamt überzeugt. Schade, dass es bis zu Weirs nächstem Ausflug in den Weltraum noch eine Weile dauern wird. Aber bis dahin schafft er es bestimmt, ein wenig mehr Abwechslung in seine Hauptfiguren zu bekommen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ritter dunklen Rufes“ von David A. Gemmell.

Freitagsfragen #37

Freitagsfragen_Logo

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nun, da mich die Woche eingesogen, durchgekaut, als ungenießbar empfunden und wieder ausgespuckt hat, nur um diesen Vorgang ab dem kommenden Montag erneut in dieser Reihenfolge durchzuführen, nun also habe ich ein wenig Zeit, von der ich mindestens 48 Stunden für absolutes Nichtstun verwenden werde und etwas davon auch für die Beantwortung der aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog.

Die aktuellen Fragen und dazugehörigen Antworten lauten:

1.) Welche beiden Film- oder Seriencharaktere würdest Du tauschen, um den komischsten Plot zu erhalten?

Oha, meine Paradedisziplin: Filme und Serien! Nein, mal wirklich, es gibt wenig Bereiche, in denen ich kompetenzbefreiter bin als bei Filmen und Serien.

Wenn ich die letzten zehn von mir gesehenen Kino-Filme auslisten sollte, dann bestünde die Liste zu mehr als der Hälfte aus „Star Wars“- und „Hobbit“-Filmen. Ich gehe sogar so wenig ins Kino, dass es vielleicht der letzte Teil von „Der Herr der Ringe“ noch in diese Liste schaffen würde. Und „Rango“, den habe ich vor Jahren im Rahmen einer im Nachhinein nicht mehr erklärlichen Spontanhandlung gesehen. Der war gut, erreichte aber zu meinem Leidwesen nicht ansatzweise den finanziellen Erfolg der Genre-Größen aus den letzten Jahren.

Vieles im Bereich „Film“ geht also an mir vorbei. Zwei zauberhafte Menschen wollen mich beispielsweise schon seit langer Zeit überreden, gemeinsam die „Guardians of the Galaxy“-Filme anzusehen, aber bei Dingen wie Waschbären mit Wumme steige ich für gewöhnlich aus.

Mit einer anderen ganz zauberhaften Person habe ich lange Jahre regelmäßig Filme aus dem Horror-Genre gesehen. Aber irgendwie nahm das ab, als ich bei so etwas wie einem „Jump-Scare“ im Film „Katakomben“, der – man glaubt es kaum – in den Katakomben von Paris spielt, mit einem quietschenden „Uääh“, für das sich jedes sechsjährige Kind geschämt hätte, höher vom Sofa aufsprang als der Fußballer Naldo beim Kopfball … Ich stelle da aber keinen Kausalzusammenhang her.

Und auch was Serien angeht, bin ich eher ahnungslos. Große Serien der letzten Jahre wie „The Walking Dead“ oder „House of Cards“ gingen nicht nur an mir vorbei, sondern das sogar vollumfänglich. Auch früher war ich schon kein Serien-Fan, das beste an „Akte X“ war Gillian Anderson und „Lost“ habe ich wahrscheinlich nie verstanden.

Seit ich sogar von „Game of Thrones“ Staffeln verpasst habe, steht für mich fest, das Serien nicht für mich geschaffen sind. Ich sehe sowieso selten fern und ich könnte es überhaupt nicht leiden, an Tag X um die Zeit Y vor dem Fernseher sitzen zu müssen, weil dann Serie Z läuft.

Wenn ich überhaupt Serien verfolge, dann Comedy-Serien, und auch das wird zunehmend weniger. Hm, ist „zunehmend weniger“ nicht irgendwie sinnfrei? Egal!

Na, um die Frage zu beantworten, weiche ich dann auch mal in eben diesen Bereich aus, in dem ich wenigstens etwas Kenntnisse aufweise, indem ich sage:

Mich hätte das Ergebnis interessiert, das man gehabt hätte, wenn bei „How I met your mother“ Cobie Smulders und Neil Patrick Haris die Rollen getauscht hätte. Dann hätte man einerseits eine homosexuelle Beziehung zwischen „Ted Mosby“ und „Barney Stinson“ gehabt und andererseits wäre „Robin Scherbatzy“ ein promiskuitives Miststück, das reihenweise Männer flachlegt …

Ich schätze, die eine Hälfte der potentiellen Zielgruppe hätte die Serie dann mit Desinteresse gestraft, die andere hätte einen medialen Shitstorm intiiert. Aber wer weiß das schon so genau?

Übrigens: Auch von „How I met your mother“ habe ich die letzte Staffel bis heute nicht gesehen. Pro7 hatte seinerzeit die geniale Idee, die einzelnen Folgen an Tagen auszustrahlen, an denen Fußballspiele stattfinden und die Wiederholung der Folgen sehr bald in den Vormittag verlegt. Genialer Schachzug! Aber was will man schon von einem Sender erwarten, der kürzlich erst anhand des Spiels „Fortnite“ eine neue Killerspiel-Debatte vom Zaun brechen wollte …

2.) Was würdest Du schaffen, um als vorgetäuschter Künstler in einer Kunstausstellung gezeigt zu werden?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe!? Wenn ich etwas schaffe, dann bin ich doch im Prinzip schon Künstler, oder nicht!? Über den künstlerischen Wert des Schaffens ließe sich dann ja wieder streiten …

Aber gut, sollte ich etwas schaffen müssen, das auch auf Kunstausstellungen gezeigt würde, dann würde ich mir die von Konrad Kujau gefälschten Hitler-Tagebücher beschaffen, die belanglosesten, banalsten und lächerlichsten Stellen ausschneiden und in einem reinweißen Raum an willkürlichen Stellen an die Wand tackern!

Warum?

Ich habe keine Ahnung, aber mir fiel gerade nichts Seltsameres ein, aber bis zur hypothetischen Kunstausstellung bleibt bestimmt noch genügend Zeit, um sich irgendeine Begründung einfallen zu lassen, die ganz dolle edgy ist!

3.) Wenn Geld und Barrieren kein Problem darstellten, welchen Beruf würdest Du ausüben?

Da ich die Frage schon öfter ähnlich beantwortet habe, fasse ich mich kurz: Eine Buchhandlung!

4.) Die Wahl der Qual: von Läusen befallen werden oder eine Rede vor schlechtem Publikum halten?

Bitte? Ich würde jederzeit eine Rede vor noch so schlechtem Publikum halten, bevor ich mich stattdessen von irgendwelchen Viechzeugs befallen lasse!

 

Das war es schon wieder für heute. Ich wünsche noch einen schönen restlichen Freitag und ein hoffentlich schönes, entspanntes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

 

„Der Reporter“ von John Katzenbach – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Buch: „Der Reporter“

Autor: John Katzenbach

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 427 Seiten

Der Autor: John Katzenbach, geboren 1950 in Princeton, New Jersey, ist ein amerikanischer Thriller-Autor. Er ist der Sohn einer Psychoanalytikerin und eines früheren US-Justizministers und war vor seiner Autorentätigkeit Gerichtsreporter für zwei amerikanische Zeitungen.

Bereits mit seinem Debüt „Das mörderische Paradies“ – später als „Der Reporter“ veröffentlicht – konnte er große Erfolge verbuchen und wurde für den „Edgar Award“ nominiert. Auch viele seiner nachfolgenden Werke, beispielsweise „Die Anstalt“ oder „Der Patient“ wurden zu Bestsellern. Insgesamt hat Katzenbach bislang 16 Romane veröffentlicht.

Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Amherst, Massachusetts.

Das Buch: Malcolm Anderson ist Polizeireporter in Miami, abgebrüht, mit allen Wassern gewaschen. Zunächst ist die ermordete junge Frau nur eine weitere gute Story. Doch alles wird anders, als der Mörder ihn anruft: Der Killer mag Andersons Storys, stellt weitere Morde in Aussicht und will ihm exklusiv Auskunft geben. Und er macht seine Ankündigung wahr. In den folgenden Wochen gibt es weitere Opfer, und jedes Mal bekommt Anderson einen Anruf. Er lässt sich auf das Spiel ein, macht durch seine Reportagen Schlagzeilen, erlangt Ruhm – und bemerkt nicht, dass er genau deshalb das nächste Opfer des Killers werden könnte … (Quelle: Droemer-Knaur)

Fazit: Ich bin bekennender Katzenbach-Fan! Nichtsdestotrotz versuche ich bei Rezensionen zu seinen Büchern so objektiv wie möglich zu sein, was nicht nur deswegen schwierig ist, weil ich bekennender Katzenbach-Fan bin, sondern vor allem deshalb, weil jede Rezension im Grunde genommen ein Stück weit subjektiv ist. Dennoch unternehme ich erneut den Versuch größtmöglicher Objektivität:

Es gibt so Dinge im Verlagswesen, die ich zwar von der Intention her verstehe, die ich aber nicht gut finden muss. Zum Einen neigen Verlage dazu, von einem plötzlich berühmt gewordenen Schriftsteller resp. Schiftstellerin alles zu veröffentlichen, was diese Person bis zur plötzlichen Berühmtheit geschrieben hat. Meine Befürchtung zum Beispiel ist, dass man sehr bald alle Einkaufszettel, To-do-Listen und angefangene Sudokus von George R. R. Martin wird lesen können.

Zum Zweiten neigen Verlage dazu, bereits erschienene Bücher mit neuem Titel wieder zu veröffentlichen, wenn der Autor, resp. die Autorin, den Verlag gewechselt hat. Ein Paradebeispiel hierfür bleibt für mich immer noch die Veröffentlichung des ehemals „Das Haus des Dädalus“ genannten Buches des von mir unermesslich geschätzten Kai Meyer – erwähnte ich eigentlich, dass ich mir kürzlich eines von nur 333 signierten Exemplaren eben dieses Buches gesichert habe und mich deswegen latent dekadent fühle? – unter dem neuem und völlig schwachsinnigen Titel „Die Vatikan-Verschwörung“.

Und zum Dritten sind da Neuauflagen, die den Anschein erwecken, es handele sich um eine Neuerscheinung. Gerade mit Katzenbach bin ich diesbezüglich schon mal ordentlich auf, äh, das Gesicht gefallen, weil ich mir ein mir bereits bekanntes Buch kaufte, welches unter neuem Titel – siehe oben – erschienen ist. Und im vorliegenden Fall war der Sachverhalt so ähnlich, unterschied sich aber wenigstens dahingehend von meiner vorherigen Erfahrung, dass ich bereits wusste, dass es sich um eine Neuauflage handelt, denn „Der Reporter“ ist eigentlich Katzenbachs Romandebüt.

Nun habe ich noch nichts zum vorliegenden Buch gesagt und werde das auch weiterhin hinausschieben, indem ich erst mal Denis Scheck zu Wort kommen lasse. Ich mag nämlich Denis Scheck. Ich habe bis heute aufgrund seiner Meinung von einer Lektüre von Jussi Adler-Olsens Thrillern abgesehen, weil diese, so Scheck, „so spannend wie eine vierundzwanzigstündige Live-Übertragung der WM im Pfahlsitzen“ seien, wiewohl mir zwischendurch von anderer Seite geraten wurde, den Versuch der Lektüre trotzdem zu unternehmen. An anderer Stelle bin ich weniger seiner Meinung, so hat er in einem Interview kürzlich verkündet, er würde lieber erneut eine Muschelvergiftung durchleiden, anstelle der Lektüre eines weiteren Buchs von Fitzek oder Ceolho! Nun, man darf ja auch unterschiedlicher Meinung sein …

Jedenfalls hat Herr Scheck in besagtem Interview sinngemäß auch gesagt, dass ein gutes Buch die Sicht des Lesers auf die Welt ändert und dass man ein gutes Buch niemals als der Mensch verlässt, der die erste Seite aufgeschlagen hat. Abgesehen davon, dass ich das fast schon poetisch finde, kommen wir damit nach langer Vorrede zu Katzenbachs „Der Reporter“, das eben ein genau solches Buch ist. Gehen wir also in medias res:

Ich mag keinen Sensations-Journalismus! Und wenn die papierne Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben, die von vielen fälschlicherweise als „Zeitung“ bezeichnet wird, titelt „Schließt ihn endlich für immer weg!“ unter Abdruck eines Fotos und des Klarnamens oder wenn Sendungen – auch des ÖR – am Vorabend von einem „Familiendrama“ berichten und sich Nachbarn in das Kamerabild drängen, um zu sagen, dass der Mörder von nebenan eigentlich „immer freundlich“ gewesen sei und man „nie gedacht“ habe, dass der sowas tut, allein um seine vermeintlichen 15 Minuten Ruhm zu haben, dann finde ich das, mit Verlaub, zum Kotzen!

Und genau um so etwas geht es in „Der Reporter“.

Katzenbach beschränkt die handelnden Personen auf ein Minimum, manche haben nicht mal Namen, wie beispielsweise „der Chefredakteur“. Und bezüglich des Hintergrunds der Charaktere fasst sich Katzenbach ebenfalls kurz. Lediglich Malcolm Anderson, seine Freundin sowie sein Kollege Porter werden überhaupt näher charakterisiert. Das finde ich persönlich aber nicht schlimm, weil das, was man erfährt, erstens absolut ausreichend und zweitens absolut stimmig ist.

Auch im Stil kann ich Katzenbach, bzw. seinen Übersetzern Anke und Eberhard Kreutzer – ein Hoch auf beide! – absolut nichts vorwerfen. „Der Reporter“ liest sich so, wie sich ein Thriller lesen sollte, die Dialoge haben meiner Meinung nach sogar Filmreife. Richtig, richtig gut!

Bleibt noch die Handlung selbst. Und das was darüber hinaus geht. Die Handlung, die für sich schon mehr als gut ist, wird von der Wirkung des Textes noch in den Schatten gestellt. Wenn die Reporter sich an Tatorten tummeln, schamlos Fotos von Mordopfern schießen und mit ihrer Berichterstattung der Mordserie vielleicht überhaupt erst Vorschub geben, dann regt das zum Denken an.

Die handelnden Personen hinterfragen sich durchaus auch, wenn auch selten. Sie kommen aber meistens sinngemäß zu dem Schluss, dass das doch alle so machen würden. Tja, so ein das haben alle anderen auch so gemacht, was ich explizit nicht als Zitat verstanden haben will, hat Frank Plasberg bezüglich der Geschehnisse in Gladbeck auch gesagt. Ich glaube nicht, dass es das besser macht. Und ich glaube nicht, dass eine solche Berichterstattung heute nicht mehr passieren würde. Wahrscheinlich wären aber heute weniger Journalisten am Start, sondern mehr Privatpersonen, die die Geschehnisse über diverse Hetzwerke live verbreiten würden.

Hach, jetzt habe ich vergleichsweise wenig über „Der Reporter“ gesprochen. Dabei lohnt es sich doch so sehr! Mich zumindest hat es nicht als den Menschen verlassen, als der ich die Lektüre begonnen habe. Und das ist für einen Thriller doch schon mal eine beachtliche Leistung!? Unbedingt lesen!

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Spannung: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich bin in der gruseligerweise schon morgen anfangenden Woche beruflich arg eingespannt, wahrscheinlich sogar ohne Internet-Anbindung, was meines Erachtens ein schwerer Verstoß gegen diverse Menschenrechte darstellt. Sollte ich also in der Zwischenzeit Zeit für das Lesen finden, was ich spontan als unwahrscheinlich bezeichnen würde, dann gäbe es bald „Schwarzer Sold“ von Adrian Selby. Es ist mal wieder Zeit für Fantasy!

Freitagsfragen #36

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Guten Morgen, werte Leserschaft,

ein neuer Freitag, eine neue Runde Freitagsfragen im Brüllmausblog. Wenden wir uns ohne lange Vorrede – ja, so etwas kann ich! – den Fragen und Antworten zu, welche da heute lauten:

1.) Womit fühlst Du Dich wohler: einer geplanten täglichen Routine oder der Freiheit und Spontaneität des laissez-faire?

Wer mich näher kennt, weiß genau, dass ich eine geplante tägliche Routine sehr zu schätzen weiß. Jegliche ungeplante Abweichung davon ist per se böse. ;-) Das war übrigens mal etwas anders. So mit Anfang  20, nach dem Schulabschluss und mitten in einer Ausbildung, die sich vom Wohlfühlfaktor nur unwesentlich oberhalb eines beliebigen von Dantes Höllenkreisen bewegte, habe ich mich durchaus gefragt, ob das jetzt immer so weiter geht. Schlafen, arbeiten, notwendige Dinge erledigen, da capo al fine. Und ich bin mir sicher, das ich nicht der Einzige bin, dem es im Laufe seines Lebens mal so ging.

2.) Fürchtest Du Dich vor dem Tod?

Huch, so persönlich heute? Normalerweise müsste ich die diesbezügliche Antwort mit dem Hinweis „So etwas geht niemanden etwas an!“ verweigern. Außerdem ist die Frage unpräzise. Wessen Tod? Meinen eigenen? Den von jemand anderem? Den in Großbuchstaben sprechenden von Terry Pratchett? Nun, zumindest Letzterer scheint eigentlich ein ganz entspannter Geselle zu sein. Auch wenn mir lieber wäre, er würde Terry Pratchett wieder hergeben …

Jedenfalls, einerseits ist es auffällig, wie oft diese, oder thematisch ähnliche, Fragen an Blogger gestellt werden. Dieses Thema scheint die Menschen also doch umzutreiben.

Und andererseits antworte ich auf solche Fragen meistens mit Zitaten. So hat – das erwähne ich öfter – Woody Allen, von dem man ansonsten halten mag, was man will, sinngemäß gesagt: „Meine Einstellung zum Tod hat sich auch in höherem Alter nicht verändert: Ich lehne ihn weiter vollumfänglich ab!“ Ein sehr geschätzter Bloggerkollege hat zu einer solchen Frage mal sinngemäß geschrieben, dass der Gedanke an die eigene physische Nicht-Existenz eigentlich für jeden ein bisschen gruselig sein sollte.

Und so wie diese beiden Herren sehe ich das auch. Um die Frage also konkret zu beantworten: Ja, durchaus, allerdings weniger vor meinem eigenen.

3.) Verbringst Du Qualitätszeit mit Dir selbst?

Zunächst mal weiß ich die Vermeidung der Verwendung eines Anglizismus in der Fragestellung zu schätzen! (Wobei dieser Einstiegssatz irgendwie an die Art von Sebastian Kurz erinnert, Fragen zu beantworten, aber sei´s drum, wenigstens rede ich nicht über die Balkan-Route.)

Und ja, ich verbringe durchaus Qualitätszeit mit mir. Wichtig dafür ist meines Erachtens, dass man auch halbwegs gut mit sich klarkommt. Und das tue ich.

Wäre ich zum Beispiel, ich weiß nicht, Jens Spahn vielleicht, dann käme ich mit mir so gar nicht zurecht. Mal wirklich, was sich unser angehender Gesundheitsminister da verbal vor einigen Tagen geleistet hat, wurde in den letzten Jahren eigentlich nur noch von Westerwelles „spätrömischer Dekadenz“ sowie jedem einzelnen Satz Sarrazins unterboten.

Ich möchte mich auch gar nicht mit den einzelnen Äußerungen an sich beschäftigen, wobei ich gute Lust hätte, Herrn Spahn meine Verachtung bezüglich jeder seiner Behauptungen ins Gesicht zu schleudern.

Mir geht es eher um drei Dinge.

Erstens finde ich es fürchterlich, mit welcher Selbstsicherheit, Gewissheit, von mir aus auch Arroganz, Menschen wie Spahn der Meinung sind, die Lebensrealität von ALG-II-Empfängern einschätzen zu können. Auch und gerade weil die eigene Lebensrealität von Herrn Spahn und Co. sich eben so deutlich von der des durchschnittlichen Leistungsempfängers unterscheidet.

Zum Zweiten geht es mir massiv auf den Geist, wie nachhaltig es die papierne Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben sowie diverse Privatsender es geschafft haben – mit tendenziöser Berichterstattung ebenso wie durch Dauerberieselung mit den Prekariatsvoyeurismus bedienenden „Doku“-Sendungen – das Bild des herkömmlichen ALG-II-Empfängers nachhaltig zu beschädigen.

Entgegen der Meinung eines gewissen Teils der Bevölkerung ist eben nicht jeder Langzeitarbeitslose dumm, faul, alkoholabhängig und Kettenraucher! Nein, man kann langzeitarbeitslos und intelligent, interessiert, aufgeschlossen, fleißig und vieles mehr gleichzeitig sein.

Würde man das Bild, das die Medien in den letzten 16 Jahren von ALG-II-Empfängern gezeichnet haben, einer beliebigen Bevölkerungsgruppe überstülpen – Frauen, Männer, Flüchtlinge, Klavierstimmer – wäre der Aufschrei, zu Recht, gigantisch! Bezüglich der ALG-II-Empfänger darf man so ein Bild zeichnen, während der Aufschrei ausbleibt. Man hat halt keine Lobby!

Drittens ist es für mich auffällig, wie ausgeklügelt es die Politik in den letzten Jahren geschafft hat, dass sich die relativ Mittellosen untereinander an die Gurgel gehen, anstatt sich zusammenzutun und Änderungen einzufordern. Wer wenig hat, meckert über die, die weniger haben, die, die weniger haben über die, die nichts haben:

Die im ausgeprägt vorhandenen Niedriglohnsektor Beschäftigten schimpfen auf die ALG-II-Empfänger, weil sie, die Beschäftigten, arbeiten gehen und dennoch nur marginal mehr nach Hause bringen als Arbeitslose.

ALG-II-Empfänger schimpfen auf Flüchtlinge, weil die ja „alles bekommen“, man selbst aber den Antrag für einen neuen Herd abgelehnt bekommt.

Viel sinniger wäre es wirklich, sich zusammenzutun und gemeinsam Druck auf die Entscheidungsträger in der Politik auszuüben. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben. „Proximus sum egomet mihi“, wusste schon Publius Terentius Afer. Daran hat sich in den letzten 2.000 Jahren wohl nicht viel geändert.

Übrigens: Laut „Focus“ – auch vom „Focus“ kann man halten, was man will – stimmen übrigens über 63 % der FDP-Wähler Spahns Aussagen zu. Da sind wir wieder bei Lebensrealitäten …

Ach, ich beschließe den Herrn Spahn, seine Aussagen und alles, was damit zusammenhängt, einfach mal mit Humor zu nehmen. An anderer Stelle schrieb kürzlich jemand sinngemäß: „Es hat auch seine Vorteile, was der Herr Spahn da gesagt hat: Es macht einem nämlich deutlich, dass es immer noch genug Gründe gibt, die CDU mit Leidenschaft zu verabscheuen!“ :-)

Ich bin vom Thema abgekommen? Mir egal! :-)

4.) Die Wahl der Qual: Haarverlust oder Zahnausfall?

Ich bin Kassenpatient! Und nach meinen Äußerungen zu Herrn Spahn bezahlt mir keine Kasse der Welt mehr einen Zahnersatz! ;-) Ich nehme daher den Haarverlust.

 

Das war es auch schon wieder, liebe Leserinnen und Leser. Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und ein anschließendes erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Schlüssel 17“ von Marc Raabe – Coolio?

Buch: „Schlüssel 17“

Autor: Marc Raabe

Verlag: Ullstein

Ausgabe: Taschenbuch, 512 Seiten

Der Autor: Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion. Seine beiden Thriller Schnitt und Schock waren viele Wochen auf der Bestsellerliste. Marc Raabe lebt mit seiner Familie in Köln. (Quelle: Ullstein)

Das Buch: In der Kuppel des Berliner Doms hängt eine grausam zugerichtete Tote mit schwarzen Flügeln: Es ist die prominente Dompfarrerin Dr. Brigitte Riss. Um den Hals trägt sie einen Schlüssel. In den Griff ist die Zahl 17 geritzt. Tom Babylon vom LKA will diesen Fall um jeden Preis. Denn mit diesem Schlüssel verschwand vor vielen Jahren seine kleine Schwester Viola. Doch Tom bekommt eine unliebsame Partnerin für die Ermittlungen. Die Psychologin Sita Johanns fragt sich schon bald, wer in diesem Fall mehr zu verbergen hat: Tom oder der Mörder, der sie beide erbarmungslos vor sich hertreibt. (Quelle: Ullstein)

Fazit: Im Grunde müsste ich mich zu Beginn eigentlich erst mal in aller Form bei Kai Meyer dafür entschuldigen, dass ich schon wieder nicht sein neues Buch rezensiere. Da mir aber nach Science-Fiction im Allgemeinen und Space Opera im Speziellen nicht so der Sinn steht, verschiebt sich das alles ein wenig. Ich bin sicher, Herr Meyer wird es verschmerzen.

Ich könnte auch alternativ zu Beginn über den fürchterlichen „Spiegel-Bestseller“-Aufkleber wettern, der sich da quer über das ansonsten in schwarz und silber gehaltene Cover zieht, was einerseits unnötig und andererseits farblich absolut unpassend ist.

Ich könnte mich aber auch einfach mit Marc Raabes neuem Buch beschäftigen.

Der Autor teilt seinen Thriller in 28 Kapitel größtenteils überschaubarer Länge zuzüglich Prolog und Epilog. Zu Beginn der Handlung wechseln sich heutige Abschnitte ab mit solchen, in denen Geschehnisse von 1998 geschildert werden, die ihre Auswirkungen bis in die aktuelle Handlung zeigen. Diese Rückblicke werden mit der Zeit seltener und finden im letzten Viertel des Buches gar nicht mehr statt.

Die heutigen Ereignisse erzählt Raabe aus der Sicht wechselnder Personen, häufig jedoch aus der seiner Protagonisten Tom Babylon und Sita Johanns.

Sprachlich bewegt sich der Autor dabei auf sicherem, soliden Terrain. Ich meine mich zwar daran zu erinnern, dass etwas an einer Stelle „Sinn macht“, statt „Sinn hat“ oder „ergibt“, aber wenn das das einzige Negative ist – in einer Zeit, in Leute dauernd „etwas wegmachen“ statt „wettmachen“, „ästhetische Öle“ kaufen wollen, Buchbesprechungen beharrlich „Rezessionen“ und Dreiteiler gänzlich beratungsresistent „Triologien“ nennen – das mir über gut 500 Seiten aufgefallen ist, dann ist das wohl Jammern auf ungewöhnlich hohem Niveau. :-) Kurz gesagt, gibt es stilistisch und hinsichtlich des Aufbaus des Thrillers wenig Grund zur Klage.

Auch über Raabes Figuren kann ich nicht meckern. Gut, sein Protagonist hat traumatische Erfahrungen hinter sich, balanciert immer gerade so auf dem Grat der Dienstunfähigkeit entlang, verstößt regelmäßig gegen polizeiliche Ermittlungsgrundsätze und hat aufgrund seines Jobs und der damit verbundenen immensen Belastung Schwierigkeiten mit seiner Frau. Alles das unterscheidet ihn nicht wirklich von den Ermittlerfiguren skandinavischer Herkunft, die ich so abscheulich finde. Der große Unterschied ist, dass man Marc Raabe seinen Protagonisten wirklich abnimmt.

Tom Babylon wird als nachvollziehbar handelnder und denkender und vor allem auch mitfühlender Mensch dargestellt. Zum Beispiel – und jetzt kommt ein kleiner Spoiler; wer selbigen vermeiden möchte, überspringt den Rest des Absatzes – als im Laufe der Handlung während einer Schießerei eine junge Polizistin zu Tode kommt. Obwohl diese Figur eigentlich nichts wirklich Wichtiges zur Handlung beizutragen hatte, und Myriaden von Schriftstellern vielleicht so beiläufig mit einer getöteten Nebenfigur umgehen, wie man mit einer getöteten Nebenfigur eben umgeht, schafft der Autor es, diesem Charakter ein Gesicht zu verleihen, den Leser dazu zu bringen, über diese kaum bekannte Person nachzudenken. Für mich einer der ganz großen, atmosphärischen Momente in „Schlüssel 17“.

Und auch Tom Babylons „Sidekick“, so möchte ich sie mal nennen, die Psychologin Sita Johanns ist gut gelungen. Auch sie hat ein eher schweres Schicksal hinter sich, was in Verbindung mit dem ebenfalls gebeutelten Babylon fast schon ein wenig zu viel des Guten ist. Aber eben nur fast. Sita ist ebenfalls ein glaubwürdiger Charakter, über den man gerne mehr erfahren möchte.

Auch bei den Nebenfiguren gibt es wenig zu kritisieren. Irritiert war ich erst über einen Charakter, der in Rückblenden an der Seite von Babylon geschildert wurde und der in Anlehnung an den damals berühmten Rapper „Coolio“ – was macht der eigentlich heute? – eben immer „coolio“ sagte, anstelle von „cool“. Das störte mich nur insofern, als dass dieser Charakter die Angewohnheit offensichtlich heute immer noch hat. Allerdings störte mich das nur so lange, bis mir nach längerem Nachdenken bewusst wurde, dass auch ich heute noch sehr, sehr gelegentlich „Coole Sache, Parker“ sage. Die Älteren werden sich erinnern, wenn nicht, ist es auch egal. :-)

Die Handlung ist ein komplexes puzzleartiges Konstrukt, bei dem ich den Eindruck hatte, dass jedes Einzelteil an genau der dafür vorgesehenen Stelle sitzt, bevor sich dann im Laufe der Zeit alles passend zusammenfügt. Das Mitraten hinsichtlich irgendeiner Täterschaft erübrigt sich allerdings meines Erachtens, man kommt sowieso nicht auf die richtige Lösung.

Alles in Allem gibt es also fast nichts auszusetzen am ersten Teil der Tom-Babylon-Reihe, die Raabe denn auch gekonnt mit einem großen Cliffhanger beendet, den ich etwas fies fand, weil ich bis zur letzten Seite keine Ahnung davon hatte, hier nur den ersten Teil einer Reihe zu lesen …

Der einzige Kritikpunkt liegt meiner Meinung nach im Einstieg in das Buch. Da wird eine Frau auf so äußerst blutige Art und Weise vom Leben zum Tode befördert und publikumswirksam ausgestellt, dass selbst Vlad III., seines Zeichens Woiwode des Fürstentums Walachei im 15. Jahrhundert, seine wahre Freude gehabt hätte. Ich persönlich verstehe ja immer noch nicht, warum man so etwas auf möglichst deftige Art – meistens um des reinen Effektes Willen – schildern muss, habe es aber aufgegeben, mich darüber aufzuregen. Außerdem bleibt festzuhalten, dass Jack Ketchum die ganze Szenerie wahrscheinlich noch erheblich drastischer geschildert hätte… Ich finde nur, dass „Schlüssel 17“ derartige Effekthascherei gar nicht nötig gehabt hätte.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Reporter“ von John Katzenbach.

 

 

Freitagsfragen # 35

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

im Brüllmausblog werden traditionell heute wieder die Freitagsfragen gestellt. Und ich bin natürlich wieder mit dabei. Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Bist Du interessiert an Wirtschaft und Politik?

Sehr! Wobei mein Interesse an der Politik größer ist, als das an der Wirtschaft. Kritiker werden einwenden, dass das Eine ja ohnehin nicht mehr ohne das Andere geht und angesichts der Tatsache, dass Mitte letzten Jahres immer noch mehr Lobbyisten als Bundestagsabgeordnete Zugang zum Reichstaggebäude hatten – insgesamt 706 im Mai 2017 – stimmt das wohl auch.

Oh, habe ich „Lobbyisten“ gesagt? Ich  meinte natürlich „Interessenvertreter von Verbänden“. Hach ist das schön, man kann mittlerweile alles so umformulieren, dass es positiv konnotiert ist – da fällt mir der „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ wieder ein …  Na, jedenfalls, „Lobbyist“ klingt böse, aber was soll an einem „Interessenvertreter“ schon verkehrt sein? Wie vertreten schließlich doch jeder unsere eigenen Interessen. Im Gegensatz zu uns wird auf die 706 oben genannten Interessenvertreter aber auch gehört …

Wirtschaft ist also das, was passiert, während man dabei steht und einwenden möchte, dass man ja eigentlich auch eine Meinung hat. Wirtschaft ist das, was dazu führt, dass unzählige Autobesitzer nach jetzigem Stand ihre Autos auf eigene Kosten updaten müssen, weil man unmöglich den dafür zur Kasse bitten kann, der beschissen hat und deswegen dafür verantwortlich ist.

Ach, lassen wir das, ich rege mich nur wieder auf!

An Politik, abzüglich des Einflusses der Wirtschaft auf selbige, bin ich allerdings deutlich mehr interessiert. Und ich würde mir wünschen, dass es mehr Leuten so ginge, wie mir. Man muss ja nicht jeden Namen kennen oder jedes Amt- ich habe letztens auch eine Viertelstunde gebraucht, bis mir der Name Katja Kipping eingefallen ist, nach einer Reihe von „Die Dings, die Dings, na, Mensch, die Dings…“ Aber ein gewisses grundliegendes Interesse kann ja nun nicht schaden.

Dann würden nämlich wahrscheinlich weniger Leute auf das Geschwafel von Frau Weidel und das Geseier von Herrn Gauland hereinfallen. Dann müsste Herr Poggenburg nicht zurücktreten, weil er am Aschermittwoch vor leerem Haus ohne Anwesenheit jeglicher Journalisten gesprochen hätte, man sein verwirrtes Gefasel somit also gar nicht in die Welt getreten hätte.

Aber „denen da oben“ eines auszuwischen scheint einfacher zu sein, als sich zu informieren …

2.) Selber kochen oder kochen lassen?

Unbedingt kochen lassen! Wer mich vertrauensvoll in die Küche lässt, damit ich dort selbst zu Werke gehe, würde mir wohl auch das Kommando über ein Atom-U-Boot oder die Leitung der NASA-Mars-Mission anvertrauen. Beides wären ganz schlechte Ideen, wenn auch die Auswirkungen weitreichender sein dürften, als das, was ich in der Küche verbrechen könnte.

3.) Bedeuten Dir Tage wie Mutter-/Vatertag, Männer-/Frauentag, Namenstage etc. etwas?

Also, vom Muttertag mal abgesehen: Nein, eigentlich nicht. Meinen eigenen Namenstag beispielsweise kenne ich gar nicht. Also, jetzt schon, ich habe gegoogelt.

Der Weltmännertag ist mir mehr als wurscht. Außerdem liegt selbiger mit dem 3. November ausgesprochen ungünstig. Denn allerorten wird an diesem Datum, völlig zu Recht, an den Kieler Matrosenaufstand 1918, der schließlich zur Novemberrevolution und in der Folge zum Sturz der Monarchie in Deutschland führte. Von Weltmännertag redet da niemand.

Wie sieht das mit dem Internationalen Tag der Frau aus? Nun, selbiger war, wie wir alle wissen, gestern, am 08. März. Schauen wir mal in die Geschichtsbücher, um zu überprüfen, was an diesem Tag sonst so passiert ist, wird relativ schnell klar, dass die Februarrevolution 1917 das bedeutendste Ereignis an diesem Tag gewesen sein dürfte. Gut, an diesem Tag haben die Bewohner Maltas auch über den Beitritt in die Europäische Union entschieden, aber sind wir – bei allem Respekt vor Malta – mal ehrlich: Die Februarrevolution hatte schon weitreichendere Folgen.

Nur: Über die spricht hierzulande kein Mensch!

Die Daten des Frauen- bzw. Männertags stellen also eine massive Benachteiligung der Männer dar, die ich anprangere und wegen der ich beantragen werde, den Internationalen Tag der Frau auf den 8. Mai zu verlegen.

So!

4.) Die Wahl der Qual: 3 Tage nicht schlafen können oder einen schönen Tag verpennen?

Drei Tage ohne Schlaf? Mir wäre ja schon alle drei Stunden nach einem Nickerchen! Nee, nee, drei Tage ohne Schlaf funktioniert nicht ohne Gefahr für Leib und Leben der Menschen in meinem Umfeld. Lieber verschlafe ich einen schönen Tag, der nächste kommt bestimmt!

So weit, so gut, geneigte Leserschaft. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende!

Gehabt euch wohl!

„Die Gabe“ von Naomi Alderman – Als Gott den Mann schuf, übte sie nur …

Buch: „Die Gabe“

Autorin: Naomi Alderman

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 464 Seiten

Die Autorin: Naomi Alderman ist in London aufgewachsen und studierte in Oxford und an der University of East Anglia. Sie stellt bei BBC Radio 4 „Science Stories“ vor und ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Bath Spa Universität. Als Autorin wurde sie bereits mehrfach mit Preisen für junge Autoren ausgezeichnet. Für Die Gabe wurde ihr der renommierten Baileys Women’s Prize for Fiction verliehen. Naomi Alderman lebt in London. (Quelle: Random House)

Das Buch: Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird. (Quelle: Random House)

Fazit: Als unlängst ein – zumindest aus meiner Sicht – sprachlich doch recht unverfängliches Gedicht von Eugen Gomringer an der Wand einer Berliner Hochschule wegen des Vorwurfs des vermeintlichen Sexismus übermalt wurde, war ich, zugegeben, etwas irritiert.

Als vor etwa zwei Wochen eine Frau gegen das Fehlen der weiblichen Anrede auf Überweisungsträgern klagte, war ich, zugeben, eher genervt amüsiert. Nicht, weil ich gegen weibliche Anreden auf Überweisungsträgern und sonstigen Formularen bin, sondern u.a. weil ich nicht unbedingt den Weg der Klage gewählt hätte.

Als ich aber heute Morgen in der Zeitung von den Plänen der Gleichstellungsbeauftragten des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring las, die Nationalhymne „gendern“ zu wollen, hätte ich doch beinahe meine Kaffeetasse fallen lassen. Dass Frau Rose-Möhring ihren intern per E-Mail eingebrachten Vorschlag, statt „Vaterland“ „Heimatland“ und statt „brüderlich“ „couragiert“ zu benutzen, mit einem „Täte doch gar nicht weh, oder!?“ abschloss – zu dem ich mir irgendwie das affektierte, überhebliche Grinsen von Frauke Petry vorstellte -, machte sie in meinen Augen nicht sympathischer.

Nein, es täte sicherlich nicht weh – zumindest das „Vaterland“ zu streichen – das „brüderlich“ durch „couragiert“ zu ersetzen, täte mir mehr weh, auch weil die Bedeutung eine andere wäre. Aber eine Gegenfrage muss auch erlaubt sein: Hätte es wehgetan, einmal, nur ein einziges Mal etwas so zu lassen, wie es ist?

Vor meinem inneren Auge sehe ich morgens aufgeregte Sprachwächter-Thinktanks (oho, ein Anglizismus!) an Konferenztischen unter dem Vorsitz von Frau Rose-Möhring zusammensitzen, auf der Suche nach dem nächsten wehrlosen Text, den man sprachlich dem Erdboden gleichmachen kann. Eine eigene Version von Rilkes „Der Panther“ hat sich Frau Rose-Möhring ja bereits einfallen lassen, die kreativerweise „Die Pantherin“ heißt, jetzt ist halt das „Lied der Deutschen“ dran. Nächste Woche vielleicht Schillers „An die Freude“? Wäre interessant zu wissen, wie das in der gegenderten Version klingen würde …

Dabei ist mir vollkommen bewusst, dass man solche Textänderungen bereits beispielsweise in Kanada oder bei der Bundeshymne Österreichs vorgenommen hat, ohne dass dort das Chaos ausgebrochen ist. Aber dennoch: Gäbe es als Gleichstellungsbeauftragte nicht drängendere Themen? Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit? Generell Gleichberechtigung für Frauen am Arbeitsmarkt? Man könnte sich auch mal mit umfassenden Änderungen der Rente beschäftigen, deren System Jahrzehnte alt ist und auf einem Weltbild beruht – der Mann geht arbeiten, die Frau hütet die Kinder, beide bleiben ein Leben lang verheiratet -, das heute einfach nicht mehr der Lebensrealität entspricht? Ob Frau Rose-Möhrung weiß, was eine Frau heutzutage an Rente bekommt, die zwei Kinder großgezogen hat, regelmäßig „nur“ halbtags beschäftigt war und sich in einem Alter hat scheiden lassen, in dem es schwer war, auf dem Arbeitsmarkt im Rahmen einer Vollzeitstelle überhaupt wieder Fuß zu fassen? Ich könnte es ihr sagen: Einen Scheiß, mit Verlaub!

Stattdessen könnte man sich aber eben auch mit der Entwicklung einer absolut keimfreien Sprache beschäftigen. Umgekehrt fordere ich dann halt auch, dass ich England nicht mehr das „Mutterland des Fußballs“ nennen muss, dass keine „Tochtergesellschaften“ mehr gegründet werden dürfen, oder dass sich die Fraunhofer-Gesellschaft dich bitte in „Menschnhofer-Gesellschaft“ umbenennt! Und kommt mir nicht damit, dass diese Gesellschaft sprachlich nichts mit Frauen zu tun hat, sondern nach Joseph von Fraunhofer benannt ist, sonst komme ich der Gleichstellungsbeauftragten damit, dass „couragiert“ französischen Ursprungs ist!

Wahlweise könnte ich ihr auch vorschlagen, „Das Lied der Deutschen“ einfach auf die zweite Strophe auszudehnen, die enthält schließlich „Deutsche Frauen“  und – ach, komm, lass´!

Kommen wir stattdessen nach dieser langen, nun ich möchte es mal wohlwollend „Einleitung“ nennen zum eigentlichen Grund, meines Geschreibsels, nämlich zum Roman „Die Gabe“ von Naomi Alderman.

5.000 Jahre nach unserer Zeitrechnung beginnt das Buch mit einem Briefwechsel zwischen den Autoren Neil und Naomi. Neil hat ein Buch geschrieben, indem er thematisiert, wie es zu dem „Tag der Mädchen“ kam und dazu, dass in der Folge nahezu alle Frauen über die „Gabe“ verfügten, die dazu führte, aus unserer patriarchalischen Gesellschaft der Jetzt-Zeit in eine matriarchalische zu gelangen.

Neils Buch macht dann den eigentlichen Text von „Die Gabe“ aus. Dabei wird die Handlung aus der Sicht von fünf unterschiedlichen Hauptfiguren geschrieben. Die einzelnen Kapitel sind in der Länge überschaubar und lassen sich aufgrund des schnörkellosen unkomplizierten Stils schnell weglesen. Etwa in der Mitte des Buches bricht Alderman die Struktur ihres Romans etwas auf, indem Chat-Protokolle, Archivdokumente und Ähnliches abgedruckt ist. Das soll dem Roman offenkundig etwas Authentizität verleihen, was aus meiner Sicht nicht so wirklich gut gelingt, die entsprechenden Abschnitte haben mir aber dennoch gut gefallen. Kurz danach nimmt Alderman die angestammte Struktur wieder auf und behält sie bis zum Schluss bei. Lediglich die Kapitel werden zum Ende hin kürzer, was das zunehmende Tempo der Geschichte gut verdeutlicht.

Die Protagonisten werden sicherlich von der einen oder anderen Leserin bzw. dem einen oder anderen Leser kritisch beäugt, weil man ihnen vorwirft, dass man sie nicht sympathisch finden und nur bedingt mit ihnen mitfiebern kann. Und das stimmt auch. Lediglich der Journalist Tunde taugt als Sympathieträger, alle anderen – übrigens ausnahmslos weiblichen ( ich wollt´s nur gesagt haben) – Charaktere sind entweder von Anfang an verabscheuungswürdig oder entwickeln sich im Laufe der Handlung dazu. Exemplarisch sei da die Politikerin Margot erwähnt, die auf Seite 99 sagt: „Die Fähigkeit, Schmerzen zuzufügen, ist eine ganz besondere Art von Reichtum.“

Mir persönlich ist ja immer relativ egal, ob ich mit einem Protagonisten mitfühlen kann, ob ich ihn sympathisch finde, so lange er – ja, oder sie – gut gezeichnet ist und nachvollziehbares Handeln an den Tag legt. Und das ist in „Die Gabe“ eigentlich für fast alles handelnden Personen der Fall, lediglich eine Nebenfigur, die später Staatspräsidentin der Republik Moldau wird, erinnert im Laufe ihrer Entwicklung irgendwie an den späten Adolf Hitler. Und schon der frühe lief ja nicht rund, wie wir alle wissen. Will sagen: Diese Figur wirkt deutlich überzeichnet, hier hat Naomi Alderman den Bogen ein wenig überspannt.

Die Geschichte selbst kann nach einer gewissen Anfangsphase – man muss sich an das Szenario, dass Frauen jetzt ganz plötzlich in der Lage sind, Blitze zu verschießen und auch sonst allerlei Unfug mit ihren elektrischen Fähigkeiten zu machen, erst gewöhnen – durchgehend überzeugen und wird im Laufe der Handlung zunehmend besser und überzeugender. Dabei hat Alderman weniger den moralischen Zeigefinger erhoben, als man es vielleicht erwarten könnte. Und sie verbreitet auch keine sensationellen neuen Erkenntnisse. Nein, aber sie führt einen interessanten Perpektivwechsel durch, indem sie die Frauen zum starken Geschlecht macht und dann darüber sinniert, wozu so etwas weltweit denn führen könnte. Und das macht durchaus Spaß zu lesen.

Andernorts habe ich gelesen, dass man Aldermans „Die Gabe“ wohl weniger aufmerksam betrachten würde, wenn die Veröffentlichung nicht zu Zeiten von #metoo (und nervtötenden Gender-Diskussionen…) erfolgt wäre. Das halte ich, mit Verlaub, für Unsinn, denn ein Buch wie dieses war eigentlich schon längst überfällig und hätte schon vor 20 Jahren funktioniert.

Ein guter, lesenswerter Roman!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Kreativität: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Eigentlich war Kai Meyer schon vor Naomi Alderman eingeplant, aber Dinge ändern sich. Demnächst gibt es aber wirklich „Die Krone der Sterne: Hexenmacht“.

Freitagsfragen #34

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Einen schönen guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auch heute gibt es wieder die Freitagsfragen im Brüllmausblog, auch wenn die aus Zeitgründen etwas kürzer ausfallen als sonst. Die Fragen, nicht die Antworten. Obwohl, vielleicht doch, man wird sehen. Inwieweit die Antworten auf die heutigen Fragen einen wirklichen Erkenntnisgewinn für meine Leserschaft darstellen, wird man auch sehen.

1.) Chips oder Schokolade?

Chips! Eindeutig Chips! Es ist nicht so, dass ich überhaupt keine Schokolade mag, auch wenn sich meine Vorlieben diesbezüglich im Wesentlichen auf Zartbitter- und Chili-Schokolade beschränken, aber meine Affinität zu Chips bzw. salzigem Knabberkram allgemein ist ungleich größer.

Ich kenne auch nicht das Gefühl des „Ich muss jetzt unbedingt Schokolade essen!“, wohingegen mir der Gedanke „Chips wären jetzt das Richtige!“ nicht fremd ist. Die lösen zwar auch keine Probleme, aber das tun Äpfel ja ebenfalls nicht.

Chips mögen ernährungswissenschaftlich zwar Mist sein, das ist mir persönlich aber, wie so vieles andere, vollkommen egal.

2.) Tee oder Kaffee?

In den Wochen vor Weihnachten ist mein Teekonsum gegenüber sonst sprunghaft angestiegen, ansonsten beschränke ich mich aber fast ausschließlich auf Kaffee.

Merke: Dieser spricht sich übrigens mit Betonung auf dem „a“, ich kriege immer wieder die Krise, wenn – insbesondere Werbetreibende in Radio und Fernsehen – mir das Zeug als Kaffeeeee, verkaufen wollen! Wenn man es auf dem „ee“ betont, handelt es sich um ein „Café“, also quasi um ein Kaffeehaus, ein Gaststätte, in der Heißgetränke serviert werden. Das musste wieder mal gesagt werden!

Bezüglich dieses Heißgetränks muss ich persönlich allerdings aufpassen, es mengenmäßig nicht zu übertreiben. Ansonsten verabschiedet sich mein Kreislauf nämlich in Höhen, in denen er nichts verloren hat. Ich wundere mich nach wie vor, wie Menschen literweise Kaffee in sich reinschütten können, ohne diese Probleme zu bekommen.

Nur wenn es sich um Instant-Kaffee handelt, vertrage ich auch mal eine Tasse mehr.

Instant-Kaffee mag zwar ernährungswissenschaftlich Mist sein, das ist mir persönlich aber, wie so vieles andere, vollkommen egal.

3.) Großraumdisko oder Kneipe?

Kneipe! Und zwar aus drei Gründen.

Erstens bin ich lieber in kleiner Gesellschaft, als in großer. Wenn ich also die Wahl habe, treffe ich mich lieber mit einer Person, als mit vielen. Das geht in einer Kneipe einfach besser. Denn:

Zweitens ist es mir in einer Großraumdisko zu laut. Immer schon gewesen. Darüber hinaus schrammt die dort gespielte Musik zumeist nur knapp an der Grenze des für mich Erträglichen vorbei. Und tanzen gehört nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen, ich habe daher schon in den 90ern mehr als Jackenaufpasser getaugt.

Lebhaft erinnere ich mich an einen Diskobesuch, es muss ziemlich genau Mitte der 90er gewesen sein. Aus den Boxen dringt ohrenbetäubender Lärm, der von vielen der sonstigen Anwesenden offensichtlich als Musik definiert und identifiziert wird. Eine mir unbekannte Stimme brüllt: „Hyper, hyper …“ aus den Lautsprechern, woraufhin ich dem rechts neben mir sitzenden Kumpel, der augenscheinlich schon auf dem Weg zur Tanzfläche ist, eine berechtigte sowie verwirrte Frage stelle.

Ich: „Wat is dat denn?“

Er: „Kennste nich´? Dat is „Hyper, hyper“!“

Ich: „Tschuldigung, WAT is dat?“

Er: „Na, „Hyper, hyper“ eben! Von „Scooter“!“

Ich: „Wat soll dat denn heißen?“

Er: „Dat is´ doch scheißegal, dat is´geil!“

Ich: „Ich geh´ mir noch ´n Bier holen …“

Beide gehen ab, der eine zur Tanzfläche, der andere zur Theke, denn: Nee, dat ist nich geil! War es nicht, isses nicht und wird es nie sein!

Drittens: In einer Kneipe ist die Auswahl an alkoholischen Getränken ungleich größer und zugleich günstiger.

Alkoholische Getränke mögen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zwar Mist sein, gelegentlich ist mir das persönlich aber, wie so vieles, vollkommen egal.

4.) Die Wahl der Qual: Eingeschneit in den Sibirischen Bergen oder ausgesetzt in der Sahara?

Ich nehme aus zwei Gründen die Sahara.

Erstens, ich erwähne das häufiger, weil mir lieber zu warm ist als zu kalt.

Und zweitens: Wenn man mich in den Bergen Sibiriens auffindet und sich die russischen Behörden mit mir beschäftigen, werden sie mich gründlichst durchleuchten. Und ich bin mir sicher, irgendwann einmal etwas über Herrn Putin in meinem Blog geschrieben zu haben …

Über den sich auch Wladimir Kaminer wundert, dass er, Putin, nun bald schon zum vierten Mal zur Wahl des Präsidenten antritt, obwohl die russische Verfassung eigentlich nur zwei Amtszeiten vorsieht. Wobei hintereinander hier das Zauberwort ist, zwei Amtszeiten hintereinander. Sollte er nun wiedergewählt werden, woran ja nun keinerlei ernsthafter Zweifel besteht, hat er es in seinen dann insgesamt vier Amtszeiten, die ja nun mittlerweile auch sechs statt vier Jahre lang sind, auf satte 20 Jahre Präsidentschaft gebracht. Sogar ganze Hundertschaften an Monarchen hatten im Laufe der Geschichte kürzere Amtszeiten. Na, und außerdem hat er dann ja nochmal sechs Jahre, um die Verfassung auf „vier Amtszeiten hintereinander“ ändern zu lassen, von denen dann jede einzelne acht Jahre dauert. Man darf gespannt sein …

Jedenfalls, sollte man mich dort also durchleuchten, käme man vielleicht noch auf den Gedanken, mir regierungskritische Äußerungen vorzuwerfen und mich niemals wieder rauszulassen. Deshalb: Sahara!

 

Damit lasse ich es heute dann mal bewenden. Ich wünsche Euch einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende!

Gehabt euch wohl!