„Under Ground“ von S. L. Grey – Der Letzte macht die Tür zu

Buch: „Under Ground“

Autor: S. L. Grey

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 384 Seiten

Der Autor: S. L. Grey ist das gemeinsame Pseudonym der beiden Autoren Sarah Lotz und Louis Greenberg.

Die Drehbuchautorin und Schriftstellerin Sarah Lotz hat eine Vorliebe für das Makabre sowie für Pseudonyme. So schreibt sie neben der Zusammenarbeit mit Greenberg zusammen mit ihrer Tochter unter dem Pseudonym Lily Herne an der „Yound-Adult“ Zombie-Reihe „Deadlands“ sowie schrullige Erotik-Romane als Helena S. Paige, zusammen mit den Autorinnen Helen Moffett und Paige Nick.

Sarah Lotz lebt in Kapstadt, Südafrika.

Louis Greenberg ist ein in Johannesburg geborener Autor und Verleger. Er studierte Geschichtswissenschaften und Englisch und schrieb seine Masterarbeit über „sex and family in modern American vampire fiction“. Später ließ er seine Doktorarbeit zum Thema „post-religious apocalyptic fiction“ folgen. Greenberg war viele Jahre als Buchhändler und Verleger tätig, bevor er sich selbst dem Schreiben widmete. Er lebt derzeit in England.

Zusammen veröffentlichten die beiden Autoren bislang die „Downside-Trilogie“ bestehend aus „The Mall“ – hier veröffentlich unter dem naheliegenden Titel „Labyrinth der Puppen“ – sowie „The Ward“ und „The New Girl“, beide wohl noch nicht auf deutsch erschienen. Anschließend folgten die Romane „Under Ground“ sowie „The Apartment“.

Das Buch: Im asiatischen Raum bricht ein tödliches Virus aus. Rasch verbreitet es sich, und auch in den USA sind bald die ersten Todesopfer zu verzeichnen. Nun schlägt die Stunde von Greg Fuller. In weiser Voraussicht hat Fuller für viel Geld eine in den 80er-Jahren errichtete, aber nie vollendete, unterirdische Atomschutzanlage erworben, sie ausgebaut und verkauft jetzt die einzelnen Wohneinheiten für horrende Preise an die, die sie sich leisten können und auf der Flucht vor dem Virus sind.

Und zu Beginn geht auch alles gut. Die Bewohner reisen an, machen es sich im Rahmen der Möglichkeiten in ihren Unterkünften gemütlich, die Stimmung ist gelöst, die meterdicke, bombensichere Stahltür zur Außenwelt wird geschlossen.

Damit jedoch beginnen die Probleme. Denn kurz darauf wird Greg Fuller tot im untersten Geschoss der Anlage aufgefunden. Er wurde offensichtlich ermordet. Und damit nicht genug. Fuller hat es auch noch versäumt, den Bewohnern den Code mitzuteilen, mit dem sich die schwere Tür nach draußen wieder öffnen lässt. Die Bewohner der Anlage sind also eingeschlossen. Mit begrenzten Lebensmitteln. Und mit dem Mörder von Greg Fuller.

Die anfänglich entspannte Atmosphäre verschärft sich und nach und nach treten die Schattenseiten der Menschen zum Vorschein.

Fazit: Der Einstieg in „Under Ground“ fällt nicht so ganz leicht. Die Autoren lassen die 32 Kapitel ihres Romans durch mehrere der 16 Bewohner der unterirdischen Anlage erzählen. Die Sprünge von Erzähler zu Erzähler, sowie die Tatsache, dass mehr als ein Bewohner als Ich-Erzähler agiert, sorgten bei mir auf den ersten Seiten für leichte Schwierigkeiten.

Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase aber stellte das kein Problem mehr dar, auch weil die Autoren ihre Figuren stilistisch ausreichend voneinander abheben, damit man weiß, wer da jetzt berichtet. Na, und, zugegeben, außerdem tragen die Kapitel jeweils den Namen des Erzählers bzw. der Erzählerin als Überschrift…

Nach diesen leichten Einstiegsschwierigkeiten ging es aber positiv weiter. Ich gewöhnte mich an die Charaktere, wusste irgendwann genau, wer jetzt wer war und zu wem gehörte. Und irgendwann fragte ich mich, ob ich angesichts der Charaktere weinen oder lachen sollte. Denn sie wirken alle sehr, sehr überzeichnet und vor allem wie ein Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft auf maximal möglichem Klischee-Level. So besteht die Gruppe beispielsweise aus religiösen Fundamentalisten, MMO-Nerds asiatischer Abstammung, schießwütigen, patriotischen Rednecks und versnobbten Yuppies. Hm, „Nerds“, „Rednecks“, „versnobbt“, „Yuppies“ – angesichts des letzten Satzes sollte ich meinen Angliszismen-Filter mal neu justieren. Irgendwie ist dessen usability lame! DA! !Es ist schon wieder passiert… Egal!

Nun, jedenfalls kann man diese bewusst überzeichneten Charaktere natürlich kritisieren, aber sie passen so hervorragend in die Geschichte und den Handlungsrahmen von „Under Ground“, dass ich mich dann doch für das Lachen entschieden habe. In einem solchen gewählten Szenario sind solche Figuren die genau richtige Wahl!

Und die Geschichte nimmt im Laufe der Zeit auch Fahrt auf. Nach dem Mord an Fuller macht sich Misstrauen unter den Bewohnern breit, schließlich muss der Mörder noch in der Anlage sein. Trotzdem sind sie gezwungen, halbwegs zusammenzuarbeiten, wenn sie eine Chance haben wollen, den Bunker jemals wieder lebend zu verlassen. Diese ambivalente Situation der Charaktere wird gut herübergebracht und auch die Spannung kommt nicht zu kurz, besonders im späteren Verlauf der Geschichte, über den ich natürlich leider nichts sagen kann, ohne zu spoilern.

„Under Ground“ liest sich wie eine Mischung aus einem Agatha-Christie-Roman wie „Mord im Orientexpress“ und einem dystopischen Thriller mit klaustrophobischer, psychologischer Spannung und einem sehr guten Schluss. Für jeden, der etwas aus der Kategorie „Mal-was-ganz-anderes“ lesen möchte, eine absolute Kaufempfehlung!

Darüber hinaus haben die beiden Autoren meinen Dank verdient, weil sie trotz ihrer Begeisterung für Zombies und Vampire auf beides verzichtet haben – habe ich doch aufgrund der inflationären – und häufig nicht fachgerechten – Verwendung beider Spezies in den letzen Jahren ein Problem mit ihnen. 😉

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Into the Water“ von Paula Hawkins.

 

Freitagsfragen #4

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Freitag, eine neue Runde Freitagsfragen, eine vom Brüllmausblog begonnene Aktion. Vielen Dank dafür. Auch diesmal gilt: Mitmachen ist erlaubt und erwünscht. Und schon gehts los! Die heutigen Fragen lauten:

  1. Wie sieht für Dich der perfekte Urlaub aus?
  2. Dir wird ein Ladengeschäft überlassen – was verkaufst Du?
  3. Wofür verwendest Du zu viel Zeit?
  4. Die Wahl der Qual: Jeden Tag ein paar kleine Steinchen im Schuh oder Spinat zwischen den Zähnen?

 

Antwort zu 1:

Das Reisen in ferne Gefilde liegt mir relativ, nun ja, fern eben. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern aus diversen anderen Beweggründen. Mein perfekter Urlaub findet also schon mal zu Hause statt. Und ein, zwei andere Parameter müssten auch stimmen. Kurz: Mein perfekter Urlaub findet zu Hause bei strahlendem Sonnenschein statt, während bundesweit die gesamte Telekommunikation vollständig zusammengebrochen ist, ich also keinerlei Störungen durch Handy, Festnetz, PC oder sonst etwas zu befürchten hätte.

Dazu brauche ich dann noch einen oder zwei Stapel ungelesene Bücher sowie eine erlesene Auswahl an Heiß- und/oder Kaltgetränken – schon kann der Urlaub beginnen! Schade, dass meine freie Woche heute schon wieder an ihrem Ende angelangt ist. 😉

Antwort zu 2:

Die Antwort ist ebenso einfach wie langweilig: Bücher! Wenn jemand etwas verkauft, dann sollte er sich idealerweise auch mit dem, was er verkauft, auskennen. Zugegeben, eine Idealvorstellung, die in der Realität nicht gar so häufig vorkommt. Tja, und wenn es etwas gibt, womit ich mich auskenne – jedenfalls behaupte ich dreist, das zu tun – dann sind es Bücher. Und wie ich bereits bei den letzten Freitagsfragen sinngemäß schrieb: Das wollte ich sowieso immer schon mal machen! 😉

Antwort zu 3:

Ich bin nach wie vor passionierter PC-Spieler. Während mich dieser Umstand vor so 10 Jahren nicht im Geringsten gestört hätte – vor 10 Jahren wäre demnach auch die Beantwortung nach dem perfekten Urlaub anders ausgefallen -, beginnen mich die unzähligen Stunden, die man in dieses zeitintensive Hobby investieren kann, zunehmend zu stören. Schließlich könnte man in dieser Zeit auch etwas anderes machen, vielleicht sogar etwas Sinnvolles…

Die Angewohnheit der modernen Software-Industrie, ihre Produkte zunehmend unter dem Motto „umfangreicher, weiter, länger“ zu produzieren, tut dann noch sein Übriges. Und doch versenke ich von Zeit zu Zeit immer noch Stunden in diese eigentlich sinnfreie Tätigkeit. Angeblich geht es in dieser Hinsicht aber nicht nur mir so.

Ähnlich verhält es sich mit dem sinnlosen Surfen durchs Internet. Mal will eben nur mal seine Mails checken, oder was auch immer, und schwupps, schon ist es draußen wieder dunkel.

Antwort zu 4:

Auch da fällt mir die Antwort leicht: Ich entscheide mich für den Spinat zwischen den Zähnen. Einmal, weil die tägliche Fortbewegung mit Steinen im Schuh mittelfristig gesundheitliche Probleme verursachen könnte und zum zweiten, weil ich darauf baue, dass es freundliche Mitmenschen gibt, die mir bezüglich des Spinats mitteilen: „Sie haben da was!“

 

Ich wünsche allseits noch ein schönes Wochenende!

Bis denn!

„Ostfriesen Killer“ von Klaus-Peter Wolf – Lokalkolorit

Buch: Ostfriesen Killer

Autor: Klaus-Peter Wolf

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Klaus-Peter Wolf ist ein 1954 in Gelsenkirchen geborener deutscher Drehbuchautor und Schriftsteller. Nach seinem Schulabschluss leistete Wolf den Zivildienst ab und begann recht früh mit dem Schreiben, sodass er im Alter von 25 Jahren bereits stattliche zehn veröffentlichte Bücher vorweisen konnte.

Wolfs Vita kann man durchaus als sehr spannend bezeichnen, sie ist allerdings auch zu abwechslungs- und umfangreich, um sie hier in ein paar Zeilen angemessen wiederzugeben. Als Beispiele seien hier nur seine Zeit in Nicaragua während des Contra-Kriegs oder auch seine Teilnahme an einem Runden Tisch in Moskau zum Thema Weltfrieden genannt, an dem unter anderem auch Hanna Schygulla, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt sowie Norman Mailer teilnahmen.

Wolfs literarisches Werk ist ebenfalls sehr umfangreich, es umfasst allein etwa drei Dutzend Kinder- und Jugendbücher, sowie zahlreiche Romane und Drehbücher. Seine Reihe der Ostfriesen-Krimis begann Wolf im Jahr 2007 mit „Ostfriesen Killer“. Die Reihe umfasst mittlerweile elf Krimis von denen sich die ersten 10 über 4 Millionen Mal verkauften.

Zusammen mit seiner Frau, der Liedermacherin Bettina Göschl, lebt Wolf in Norden, Ostfriesland.

Das Buch: Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen macht schlimme Zeiten durch. Ihr Mann hat eine Affäre, wird von ihr zur Rede gestellt und verlässt sie daraufhin kurz danach zusammen mit dem gemeinsamen Sohn.

Als wäre das noch nicht genug, muss Klaasen auch noch in einem Mordfall ermitteln: Ulf Speicher, der Vorsitzende des „Regenbogen-Vereins“, eines Vereins zur Betreuung Behinderter, wird während eines One-Night-Stands in seiner Wohnung erschossen. Klaasen und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel,

Erst als ein zweites Mitglied des Vereins ermordet wird, zeigen sich erste Zusammenhänge. Klaasen ermittelt innerhalb des Vereins und in dessen Umfeld und schließlich stellt sich heraus, dass nicht alles eitel Sonnenschein im Regenbogen-Verein war. Neben Animositäten der Vereinsmitglieder untereinander gibt es auch zahlreiche andere Menschen, die dem Verein negativ gegenüberstehen und für die Taten infrage kommen.

Und schließlich gerät Ann Kathrin Klaasen selbst ins Visier des Täters.

Fazit: Bereits vor geraumer Zeit wurde ich von einer ganz zauberhaften Person auf Klaus-Peter Wolfs Krimireihe aufmerksam gemacht, verbunden mit dem Wunsch, sie doch mal zu lesen und darüber zu schreiben. Gesagt, getan.

„Ostfriesen Killer“ überzeugt in erster Linie im Bereich der Handlung sowie der Schilderung des norddeutschen Lokalkolrits, weist aber abgesehen davon einige Schwächen auf, die ich teilweise nicht mal genauer begründen kann, es ist halt einfach mein Eindruck.

Der Einstieg in das Buch gelingt ziemlich gut. Im späteren Verlauf aber empfand ich den Stil des Buches phasenweise irgendwie als holperig, was ich, wie eben erwähnt, nicht genau begründen kann. Dennoch hat das meinen Lesefluss gestört.

Die Handlung allerdings bietet keinen großen Anlass zur Kritik. Das Buch bleibt bis zum Ende spannend. Es wartet zwar nicht mit spektakulären Plottwists auf, dafür ist die Lösung des Falles aber herrlich unvorhersehbar. Zumindest für mich.

Den größten Kritikpunkt sehe ich im Bereich der Charaktere. Ann Kathrin Klaasen vernachlässigt durch ihren Beruf die Familie, was ihren Mann dazu veranlasst, eine Affäre mit einer jüngeren Frau zu beginnen. Da sich ihr Sohn ebenfalls vernachlässigt fühlt, verlässt er Klaasen mit seinem Vater.

Die Probleme, die die Hauptkommissarin mit dieser Situation hat, werden in der Folge auch anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Und dennoch erinnerte mich die Protagonistin viel zu sehr an diese desillusionierten Ermittler mit zerrütteten Familienverhältnissen, die man in skandinavischen Krimis so häufig findet. Und mit diesen Ermittlerfiguren habe ich langsam so meine Probleme. Einmal, nur einmal, möchte ich erleben, dass die leitende Ermittlerin oder der leitende Ermittler in stabilen Verhältnissen lebt, vielleicht sogar glücklich ist. Es mag ja durchaus sein, dass ein Job in der Mordkommission das Privatleben belastet, aber die permanente Verwendung der Kombination belastender Job + vernachlässigte Familie wirkt einfach nicht sonderlich abwechslungsreich.

Auch ein zwei andere Charaktere stören mich empfindlich. Der zuständige Staatsanwalt geht nach dem zweiten Mord doch tatsächlich von einem „Sniper“ aus, der Norddeutschlands Tiefebene unsicher macht. Dabei wurde das zweite Opfer nicht mal erschossen! In dieser Hinsicht stellt sich der Mann also schon irgendwo zwischen grenzdämlich und grenznaiv an.

Dazu verleitet wird der Mann allerdings von der einzigen Figur im Buch, die ich noch schlimmer fand. Klaasens Kollege Rupert startet auf dem Arbeitsrechner doch tatsächlich einen „Shooter“ – mutmaßlich „Counter-Strike“, es wird nicht namentlich genannt – um darauf hinzudeuten, dass auch jemand nach Spielen eines solchen Shooters durchgedreht sein könnte.

„Das ist doch nur ein Spiel.“

„Ja. Für Zigtausende. Und dann dreht einer durch und macht Ernst.“ (S. 79)

In der Folge ist dann von „Trainingslager und Inspiration zugleich“ die Rede. *seufz* Da werden übelste Erinnerungen an die „Killerspiel-Debatte“ wach, als sich Menschen wie Beckstein und Stoiber als Verteidiger des wahren Blödsinns aufspielten und pauschal sowie bar jeder Sachkenntnis Verbote jedweder Art forderten. Erinnerungen an den selbsternannten „Experten“ Christian Pfeiffer, der seinerzeit gravitätisch vor sich hinsalbadernd angeblich wissenschaftlich belegte Halbwahrheiten herausblubberte – und das bis heute tut.

Ein Shooter als Trainingslager für tatsächliche Morde… Das ist ungefähr so hilfreich wie eine Runde „Monopoly“ für eine Karriere im Immobilienhandel. Oder eine Runde „Fifa 2017“ für eine Bewerbung als Stürmer beim FC Bayern München – oder einem richtigen Fußballverein. Oder eine Runde „Total War: Warhammer“, um mittels einer Armee von Vampirfürsten die Weltherrschaft an sich zu reißen…

Aber lassen wir das, ich schweife ab, und echauffiere mich schon wieder. Zugegeben, das Buch erschien erstmals 2007, als die unsägliche Debatte mal wieder hochkochte, ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn man diesen Abschnitt zwischenzeitlich mal „rausgepatcht“ hätte. Sei´s drum.

Der langen Rede kurzer Sinn: Trotz einiger Stärken wollte der Funke bei „Ostfriesen Killer“ nicht so wirklich überspringen. Dennoch werde ich mal an der Serie dranbleiben, denn wenn eine Krimi-Reihe mittlerweile elf Teile hat und sich millionenfach verkauft, dann muss sie ja über einige Qualität verfügen, die sich mir vielleicht einfach nicht erschlossen hat. Vielleicht habe ich beim nächsten Versuch mehr Glück.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Under Ground“ von S.L. Grey

“ Die letzten Tage der Nacht“ von Graham Moore – Der Letzte macht das Licht aus

Buch: „Die letzten Tage der Nacht“

Autor: Graham Moore

Verlag: Eichborn

Ausgabe: Hardcover, 461 Seiten

Der Autor: Graham Moore, 1981 in Chicago, Illinois, USA, geboren, ist ein amerikanischer Drehbuchautor und Schriftsteller. Moore schloss sein Studium an der University of Chicago Laboratory School 1999 ab. Einem anschließenden Studium der Religionswissenschaften an der Columbia University folgte eine Tätigkeit als Toningenieur, bevor er sich komplett auf das Schreiben konzentrierte.

Er verfasste ein Drehbuch für die Serie „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ sowie den Deütroman „The Sherlockian“, der 2010 veröffentlicht wurde.

Größere Bekanntheit erlangte Moore spätestens mit seinem Drehbuch für den Film „The Imitation Game“, das er bereits 2011 verfasst und das 2014 mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley in den Hauptrollen verfilmt wurde.

Moores Drehbuch wurde für den Golden Globe nominiert und gewann einen Oscar.

Der Autor lebt heute in Los Angeles.

Das Buch: USA, 1888: Paul Cravath ist ein junger Anwalt, der vor einer großen Zukunft stehen könnte. Als Bester seines Universitäts-Abschlussjahrgangs bekommt er eine Anstellung in der renommierten Anwaltskanzlei Carter, Hornblower & Burne. Kurz darauf entzweien sich die Firmengründer und Pauls Chef Mr. Carter betreibt fortan mit einem Kollegen die Kanzlei Carter, Hughes & Cravath. Plötzlich ist Paul in seinen jungen Jahren bereits Teilhaber.

Dann passiert das, was Pauls Karriere einen entscheidenden Schub geben oder sie bereits ganz zu Beginn vernichten könnte: Er wird vom Industriellen und Erfinder George Westinghouse kontaktiert. Westinghouse steht im juristischen Clinch mit Thomas Alva Edison, dem weltbekannten Erfinder der Glühbirne. Denn Westinghouse produziert ebenfalls Glühbirnen und wird darauf von Edison verklagt – dreihundertzwölfmal! Und Paul soll den Industriellen juristisch vertreten.

Es entbrennt ein wahrer „Stromkrieg“ zwischen den beiden Erfindern, der ein für alle mal klären soll, wer die Glühbirne wirklich erfunden hat.

Fazit: Da mir gerade keine weitschweifige Einleitung einfällt, kann ich auch direkt damit herausrücken, dass ich „Die letzten Tage der Nacht“ in so vielen Bereichen loben kann, dass das Buch für mich eines der Lesehighlights des bisherigen Jahres war!

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte wird von Graham Moore mittels eines auktorialen Erzählers in 72 zumeist recht kurzen Kapiteln erzählt. Die Kapitel wiederum werden von Zitaten berühmter Erfinder, Philosophen oder IT-Größen wie Alexander Graham Bell, Karl Popper oder Steve Jobs eingeleitet. Die Zitate sind in ihrer Mehrzahl zwar recht unterhaltsam, unterbrechen aber aufgrund der Kürze der Kapitel, zumindest in meiner Wahrnehmung, immer wieder unangenehm den Lesefluss. Das ist aber auch so ziemlich das einzige, was mich an „Die letzten Tage der Nacht“ gestört hat.

Moore erzählt seine Geschichte in einem lebhaften, bildhaften Stil, der intensive Bilder vor dem inneren Auge der Leser erscheinen lässt. Zusätzlich dazu kann „Die letzten Tage der Nacht“ durch sehr gut geschriebene Dialoge überzeugen. Hier blitzt eindeutig Moores Tätigkeit als Drehbuchautor hervor.

Unter anderem die Dialoge sind es auch, die die Charaktere so nachvollziehbar und detailiert gezeichnet erscheinen lassen. Sei es der manchmal ernste, manchmal zynische, sarkastische, manchmal auch humorvolle George Westinghouse („Etwas in mir empfindet fast ein gewisses Maß an Befriedigung, dass Sie mich endlich um etwas naturwissenschaftliche Bildung bitten. Aber der Großteil von mir will einfach nur, dass Sie den Mund halten!“, S. 76) oder auch der verschrobene Nikola Tesla, der in seiner holprigen Art zu reden irgendwie an „Asterix bei den Briten“ erinnert („Mr. Paul Cravath, es ist erfreulich, Sie zu visagieren.“ S. 339), Moores Charaktere hinterlassen durch die Bank einen sympathischen Eindruck, selbst, wenn sie es nicht mal sind.

Auch an der Handlung habe ich nichts zu kritisieren. Die Schilderung der Geschehnisse rund um die beiden Erfinder-Giganten überzeugt auf ganzer Linie. Darüber hinaus ist mir in Romanen, die auf historischen Tatsachen beruhen, eigentlich immer wichtig, dass diese gut recherchiert sind. Und soweit ich das, nach ausgiebigem Googeln im Anschluss an die Lektüre, beurteilen kann, sind sie es. In seiner Detailtreue erinnert Moores Buch ein wenig an – das übrigens ebenfalls sehr empfehlenswerte – „Intrige“ von Robert Harris. Außerdem ist es immer ein gutes Zeichen, wenn ich nach dem Lesen eines historischen Romans zu googeln beginne. 🙂

„Die letzten Tage der Nacht“ kann man guten Gewissens als eine Mischung aus John Grisham und Frank Schätzing bezeichnen. Allerdings ohne so trocken wie der Erstgenannte oder so dozierend und weitschweifig wie Letzterer zu sein. Im Grunde verbindet Moore das Beste dieser beiden Autoren und macht es zu etwas sehr überzeugendem Eigenen.

Klare Leseempfehlung!

Wie bereits weiter oben erwähnt, merkt man dem Buch die Drehbuchautorentätigkeit des Schriftstellers an. Und auch dieses Buch könnte man sehr, sehr gut verfilmen. Mir schwebt eine Verfilmung mit Eddie Redmayne als Paul Cravath, Anthony Hopkins als George Westinghouse und Benedict Cumberbatch in der Rolle des wunderlichen Nikola Tesla vor. In der Nebenrolle der Agnes Huntington könnte ich mir Josefine Preuß gut vorstellen. Einmal, damit ich, als jemand der die Handlung des Films schon kennt, trotzdem einen Grund habe, ihn mir anzusehen. 😉 Und zum Zweiten, damit die Gute mal von diesem grausligen Sat1-Film-Film-Mittelalter-Gedöns wegkommt. 🙂 Alternativ würde ich mich mit Sophie Turner oder Jennifer Lawrence aber auch zufrieden geben…

Man darf gespannt sein…

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 10 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ostfriesen-Killer“ von Klaus-Peter Wolf.

Freitagsfragen #3

Die Freitagsfragen im Brüllmausblog gehen in die dritte Runde. Und ich gehe mit. Herzlichen Dank an die Initiatorin dieser Aktion. Die heutigen Fragen lauten:

  1. Gibt es etwas, das Du unbedingt noch ändern, erledigen oder gerade rücken willst?
  2. Welche Angewohnheit magst Du an Dir? Was würdest Du Dir dagegen gerne abgewöhnen?
  3. Was würdest Du mit einem 10 Millionen Euro Gewinn machen?
  4. Die Wahl der Qual: jeden Tag einen laut quietschenden Einkaufswagen vor sich herschieben oder jeden Tag nasse Socken bekommen?

 

Antwort zu 1: Ich denke und denke und denke – und doch will mir irgendwie nichts einfallen. Gerade zu rücken habe ich nach eigener Auffassung nichts. Falls das jemand anders sieht, möge sie oder er sich melden oder fortan für immer schweigen. 🙂

Auch zu erledigen gäbe es momentan nichts. Mir würden zwar zahlreiche Menschen des aktuellen Weltgeschehens einfallen, die ich gerne erledigt sähe, aber „etwas“ erledigen muss ich gerade nicht.

Ändern würde ich dagegen schon gern das eine oder andere, aber einerseits gehe ich diesbezüglich nicht ins Detail und andererseits scheitern diese potenziellen – seit wann empfiehlt der Duden eigentlich „potenziell“ als Schreibweise statt „potentiell“? Oder war das schon immer so? Ich bin verwirrt und bitte diesbezüglich um Aufklärung – diese potenziellen Änderungen also scheitern andererseits an meiner realistischen Einschätzung von Wunsch und Wirklichkeit.

Antwort zu 2: Also, in Wochen wie dieser mag ich an mir vor allem meine Fähigkeit, morgens aufzustehen und meinem Tagwerk nachzugehen und eben nicht dem Drang nachzugeben, stattdessen doch lieber zwecks Frustabbau plündernd und brandschatzend durch die norddeutsche Tiefebene zu ziehen. 🙂 Ihr merkt, diese Woche ist noch nicht so die meine. Aber lassen wir das.

Wenn ich eine Angewohnheit an mir mag, dann die, dass ich von mir behaupte, dass man mich jederzeit kontaktieren kann, wenn man mal einen Rat, ein offenes Ohr oder auch ein mehrstündiges Parkuhrartiges Schweigen braucht, während man sich ausheult.

Hmmm, und welche Angewohnheit würde ich mir gerne abgewöhnen? Sagen wir mal so: Ich bin ein ausgesprochen diplomatischer Mensch, man könnte es auch indifferent nennen. Es soll Menschen geben, die davon nur so semi-begeistert sind. Ich könnte also darüber nachdenken, zukünftig mal deutlicher meine Meinung zu sagen und zu vertreten anstelle von „mir egal“ oder „mach, wie Du denkst“. Aber wenn man damit einmal angefangen hat… 😉

Antwort zu 3: Meine erste Amtshandlung wäre die Renovierung des Wohnhauses. Anschließend würde ich jemanden einstellen, der sich regelmäßig um den Garten kümmert.

Mit dem verbliebenen Geld würde ich das Büro meines Chefs betreten, mich ihm gegenüber in den Stuhl fläzen, die Beine auf den Tisch legen und sagen: „Hömma, min Jung, wat willste denn für den Schuppen haben?“ Ich würde ihm sogar erlauben, weiter da zu arbeiten. 😉

Oder aber ich eröffne mit dem Geld meine eigene gut gehende Buchhandlung. Irgendwie wollte ich das immer schon mal machen. Und da mir die Qualifikation fehlt, um auf andere Weise im Buchhandel zu landen, mache ich es dann eben so! 😉

Ooooder aber ich nehme die dritte Möglichkeit: In der jüngeren und auch schon älteren Vergangenheit haben immer häufiger Menschen im persönlichen Gespräch oder über einen Kommentar in meinem Blog vorgeschlagen, ich solle doch mal ein Buch schreiben. 10 Millionen Euro dürften mir die finanzielle Sicherheit geben, die ich bräuchte, um das dann auch wirklich in Ruhe zu tun – alternativ starte ich wahrscheinlich aus Verzweiflung irgendwann eine crowdfunding-Kampagne dafür. 🙂

Antwort zu 4: Da fällt mir die Wahl doch ausgesprochen leicht. Ich nehme die nassen Socken. Quietschende Geräusche in Verbindung mit Einkaufen – nee, das ertrage ich nicht, das ist doch eher eine Maßnahme für den Strafvollzug! 🙂

 

Auch heute gilt wieder: Wer bei den Freitagsfragen mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen. Ein Link auf den Brüllmausblog wäre dann nett.

Kommt gut ins Wochenende und gehabt Euch wohl!

 

„Warum liest Du?“ – Fragen und Antworten

Hallo, lieber Leserinnen und Leser,

abseits des „Kerngeschäfts“ meines Blogs, den Buchrezensionen, gehört die Beantwortung von Fragen aller Art zu meinen bevorzugten Beschäftigungen. Wenn sich diese Fragen dann auch noch auf mein Lieblingshobby, das Lesen, beziehen – umso besser.

Dementsprechend erfreut war ich also, als ich durch einen Beitrag des geschätzten Lu von finbarsgift auf eine von Tobi, seines Zeichens verantwortlich für den Blog Lesestunden, ins Leben gerufene Aktion aufmerksam wurde. Spontan entschloss ich mich, die dort gestellten 30 Fragen zu beantworten und schreite nunmehr umgehend zur Tat:

Warum liest du?

Das in nur wenigen Sätzen zu beantworten, grenzt an Unmöglichkeit, weil mir schlicht unzählige Gründe dafür einfallen. Es bildet, erweitert den Horizont, regt die Fantasie an. Der für mich wichtigste Grund ist allerdings, dass Lesen existentiell für mein Seelenheil ist. Denn Lesen – mit Abstrichen noch Musik hören – ist so ziemlich die einzige Tätigkeit, bei der ich in der Lage bin, vollständig abzuschalten. Und dass das von Zeit zu Zeit hilfreich bis notwendig sein kann, wird wohl kaum jemand bestreiten. 🙂

Was liest du? Welche Genres bevorzugst du? Liest du auch Klassiker?

Einfacher wäre, zu beantworten, was ich nicht lese. So kommen mir – der eingeweihte Leser weiß das längst – beispielsweise Iny Lorentz und Diana Gabaldon nicht ins Haus. 🙂

Abgesehen davon ist mein Interessengebiet weit gefächert, verändert sich aber im Laufe der Jahre. Auch, weil sich die Genres selbst verändern.

Das Thriller-Genre, so ist mein Eindruck, war vor 10 Jahren noch nicht so blutrünstig wie heute und beinhaltete weniger sinnlose Gewaltorgien, Ritualmorde und Serienmörder. Dass man in diesem Bereich psychologische Spannung gegen Effekthascherei eingetauscht hat, finde ich schon schade.

Das Genre des historischen Romans leidet unter Iny Lorentz, das Fantasy-Genre unter der Autoren-Eigenart nur „Epen“ oder „Zyklen“ mit mindestens 392 Teilen veröffentlichen zu können. Und unter Stephenie Meyers Vampiren. Oder dem, was sie dafür hält…

Hach, vielleicht war früher doch alles besser… 😉

Kurz, müsste ich mich für Lieblingsgenres entscheiden, wären das wohl Krimis und Fantasy.

Welche Autoren favorisierst du? Oder hast du keine bevorzugten Autoren?

Doch, doch, ich habe schon bevorzugte Autoren, von denen ich mehr oder weniger ungesehen Bücher kaufe. Allen voran der bereits erwähnte David Mitchell. Aber auch John Boyne oder der geniale Joel Dicker gehören dazu. Weiter wären noch Andreas Eschbach, Tana French, Paulo Coelho, John Katzenbach, Gillian Flynn, Michael Peinkofer und viele, viele andere zu nennen.

 Wo liest du überall? Nur Zuhause, nur in der S-Bahn, überall, …?

Ich habe zwar in fast jeder Lebenslage ein Buch dabei, um auf Cafébesuche, Zugfahrten und Wartezimmer angemessen vorbereitet zu sein, aber eigentlich lese ich tatsächlich am liebsten fast ausschließlich zu Hause.

 Liest du viel oder wenig? Wie viel Zeit verbringst du in der Woche mit Lesen? Wie viele Bücher liest du im Schnitt pro Monat/Jahr? Machst du auch längere Lesepausen?

Nun, ob ich viel oder wenig lese, hängt ganz davon ab, womit man das vergleicht. 🙂 Erfahrungsgemäß lese ich etwa ein Buch pro Woche, also gute 50 im Jahr. Wie viel Zeit das in der Woche ausmacht, ist ganz unterschiedlich, das können mal 0, mal unzählige Stunden sein. Und ja, Lesepausen kommen vor, momentan mehr, als mir lieb ist, aber nach einer gewissen Zeit reagiere ich auf diese Pausen damit, dass ich eher unleidig werde…

 Liest du schnell oder langsam? Wie viele Seiten liest du ungefähr in einer Stunde?

Man sagt, dass ich recht schnell lese. Wie viele Seiten das in einer Stunde sind, hängt natürlich in erster Linie – welch Erkenntnis – von der Schriftgröße ab. Darüber hinaus spielen Stil und Inhalt eine Rolle. So liest sich ein seichter Fantasy-Roman sicherlich schneller als „Der Archipel Gulag“. Genaue Schätzungen kann ich hinsichtlich der Seitenzahlen aber nicht liefern.

 Wie viele Bücher liest du in der Regel gleichzeitig?

Das ist auch etwas, was sich im Laufe der Jahre stark geändert hat. Während ich früher 5, 6 oder 7 und mehr Bücher gleichzeitig lesen konnte, würde mich das heute heillos überfordern, weil ich permanent Probleme hätte, wieder in die Handlung zu finden. Ich lese momentan drei Bücher gleichzeitig, das reicht mir völlig.

 Welche Formate bevorzugst du? Taschenbücher, gebundene Bücher, broschierte Bücher, Prunkausgaben?

Ich bevorzuge in erster Linie Taschenbücher. Das hat auch einen ganz simplen, plausiblen Grund, nämlich den finanziellen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte ich mich zwei Wochen lang darüber geärgert, mehr als 20 Euro für zwei Taschenbücher ausgegeben zu haben, obwohl eines für gut 10 doch auch gereicht hätte. Und solche Zeiten können ja jederzeit wiederkommen. Insofern bin ich ganz zufrieden, von Haus aus eher sparsam konditioniert zu sein. Was angesichts meines SuB irgendwie albern klingt…

 Legst du Wert auf eine hochwertige Verarbeitung deiner Bücher? Spielt die Optik des Buches eine Rolle für dich?

Die Verarbeitung ist mir nur insofern wichtig, dass ein Buch halt nicht während des Lesens auseinanderfallen sollte, alles weitere ist mir wurscht. Die Optik wiederum spielt durchaus eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. So lese ich zwar Bücher aus dem Diogenes-Verlag, finde deren Gestaltung allerdings ganz fürchterlich. Somit habe ich auch bislang z.B. von den Büchern von Benedict Wells Abstand genommen, weil ich die Cover so unsagbar kitschig finde. Er wird´s verschmerzen können.

 Liest du auch Ebooks? Wenn ja wie oft und welche Bücher?

Ob ich auch was lese? Ebooks? Sind das nicht diese pelzigen Zweibeiner aus dem Star-Wars-Universum? Spaß beiseite, nein, ich lese keine Ebooks, ich bin da etwas altmodisch. Außerdem weiß ich aufgrund meines „Steam“-Accounts, dass sich auf meinem Reader bald unzählige Bücher tummeln würden, die halt mal günstig waren, die ich aber niemals, nie nicht lesen werde. So etwas stresst mich. 🙂

Wo versorgst du dich mit neuen Büchern? Beim Buchhändler ums Eck? In der Bibliothek? Aus dem Bücherbus?

Ich versorge mich seit Ewigkeiten schon fast ausschließlich in der Buchhandlung meines Vertrauens mit neuen Büchern. Seltener stehe ich auch mal am Grabbeltisch für die „preisreduzierten Mängelexemplare“. Ganz selten, also ganz, ganz selten, praktisch ganz, ganz, ganz selten – und dennoch zu oft – kommt dieser Onlineversandhandel mit A zum Einsatz.

 Kaufst du auch gebrauchte Bücher?

Eigentlich nicht. Also, eigentlich ohne eigentlich. Also, nein.

 Wieviel bist du bereit für ein gutes Buch auszugeben?

Wie gut ist gut? 🙂 Nun, dass ich eher den Sparsamkeitsgedanken hege, erwähnte ich ja. Wie viel ich aber im Einzelnen ausgeben wolle würde, hängt sehr vom Buch ab. Ich würde zwar eine Prunkausgabe von David Mitchells Gesamtwerk einen Kleinkredit aufnehmen, aber niemals eine dreistellige Summe für einen Bildband hinblättern. Auch, weil ich keinen Bezug zu Bildbänden habe. 🙂

 Verleihst du Bücher? Wenn ja an wen und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Ja, das tue ich. Allerdings ganz selten und nur an einen ganz kleinen Kreis von so etwa drei Leuten. Ich bin da etwas… eigen. 🙂

 Wie viele Bücher hast du im Schnitt auf deinem Stapel ungelesener Bücher? (Alternativ: wie viele Regale ungelesener Bücher hast du?)

Ich habe noch keine genaue Zählung durchgeführt, aber eine fundierte Schätzung hat ergeben, dass mein SuB bereits vor einiger Zeit den dreistelligen Bereich erreicht hat. Im Moment wird der Bestand irgendwo zwischen 110 und 130 liegen, was mich in mehr als einer Hinsicht stört.

 Wo bei dir Zuhause hast du überall Bücher?

Regale, Bett, Couch, Fußboden, Fensterbank, Schreibtisch, Obergeschoss usw. usf.

 Wie sortierst du deine Bücher im Regal?

Sortieren? Muhahahaha, der war gut. Eigentlich sortiere ich da gar nichts. Und wenn, dann aus, um Platz für andere zu schaffen. Ich bin da eher der Anhänger des organisierten Chaos´.

 Was nutzt du als Lesezeichen? Oder knickst du die Seiten ein?

Ob ich… ob ich… Seiten… ein… Ob-ich-Seiten-einknicke? Hat mal jemand ´ne Plastiktüte für meine Atmung? Seiten einknicken, wie barbarisch! Wer Buchseiten einknickt, der knickt auch… nein, Moment, das ging irgendwie anders. Jedenfalls, als Lesezeichen nutze ich in erster Linie dafür vorgesehene Lesezeichen. Alternativ vielleicht noch Schmierzettel oder ähnliches. Seiten einknicken…pffff…

 Wenn du mit dem Lesen pausierst, liest du dann das Kapitel immer zu Ende oder hörst du auch mal mittendrin auf?

Das hat man ja manchmal gar nicht so unter Kontrolle. Wenn also gerade das Telefon klingelt, lese ich nicht erst noch zu Ende. Wenn ich es mir aber aussuchen kann, lese ich das Kapitel – oder zumindest einen Absatz – noch zu Ende.

 Worauf achtest du beim Kauf eines Buchs? Was für Kriterien muss ein Buch erfüllen, damit du es dir kaufst? Spielt der Verlag eine Rolle?

Entweder mir gefallen andere Bücher der Autorin bzw. des Autors. Oder mir gefällt der Klappentext. Oder beides. Wenn dann noch das Cover passt, ist es gut. Letzteres allein ist allerdings nur selten ausschlaggebend.

 Wirfst du Bücher in den Müll?

Ob ich…ob ich…Bücher…in den…in den Müll…Ob-ich-Bücher-in-den-Müll-werfe? Das wird ja immer schlimmer! Nein! NEIN! NEIEN! Das tue ich nicht! Nicht mal der „Wanderhure“ würde ich so etwas antun.

Wie belesen ist dein Bekannten- und Freundeskreis?

Sehr!

Kennst du Menschen, die kein Buch besitzen?

Nein! Gibt es Menschen, die kein Buch besitzen? Und wenn ja, was stimmt mit denen nicht. 😉

Was für eine Rolle spielen Bücher in deinem Berufsleben?

Wenn mein Berufsleben ansatzweise so aussähe, wie ich es mir vor Jahren so vorgestellt habe, wäre die Rolle der Bücher eine sehr große. So sieht es aber nicht aus, dementsprechend spielen Bücher, abseits von Fachliteratur, keine Rolle in meinem Beruf.

 Brichst du Bücher ab, wenn dir der Inhalt nicht zusagt?

Nur ganz selten. Ja, Stephen King, ich sehe Dich und Dein „Needful Things“ an! Ansonsten neige ich dazu, mich auch durch das schlimmste Buch noch zu quälen. Keinen Ahnung, warum,  vielleicht, weil ich´s bezahlt habe… 😉

Bittet man dich im Freundes- und Bekanntenkreis um Buchtipps?

Gelegentlich, aber eher selten. Es besteht die Gefahr, dass ich dann ins Dozieren gerate, das will wohl niemand riskieren…

Wenn deine Bücher plötzlich alle verloren gehen (z.B. Feuer, Hochwasser, böse Fee, …), welche drei Bücher würdest du dir sofort neu bestellen?

„Der Wolkenatlas“ – David Mitchell

„Veronika beschließt zu sterben“ – Paulo Coelho

„Das Haus des Dädalus“ – Kai Meyer

 Gehören ein Heißgetränk und Kekse zum Leseabend?

Ich bin eher weniger der Gebäcktyp, bei Keksen bin ich also raus. Ein Heißgetränk dagegen kann durchaus hilfreich sein, sofern es Koffein enthält.

 Hörst du während dem Lesen Musik, oder muss bei dir völlige Stille herrschen?

Ich ertrage während des Lesens jegliche Art von Geräuschen, von Bundestagsdebatten bis Baustellenlärm, aber Musik, nein, das geht nicht, beides zusammen kann mein Hirn nicht verarbeiten.

 Liest du Bücher mehrmals? Wenn ja welche und warum?

Die von mir mehrfach gelesenen Bücher kann ich wahrscheinlich noch an zwei Händen abzählen, also eher nein.

 Markierst du dir Stellen in einem Buch? Wenn ja wie?

Das tue ich erst, seit ich blogge. Meistens kommen dabei Bleistift, oder Post-It oder beides zum Einsatz.

 

So, das soll es mal wieder gewesen sein. Ich wünsche allseits noch ein schönes Bergfest!

Gehabt Euch wohl!

 

„Nullnummer“ von Umberto Eco – Ein Hoch auf die Pressefreiheit

Buch: „Nullnummer“

Autor: Umberto Eco

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 231 Seiten

Der Autor: Umberto Eco war ein 1932 in, im Piemont gelegenen, Alessandria geborener Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und Semiotiker.

Er wuchs in einer kleinbürgerlichen Familie als Sohn eines Buchhalters auf und begann 1948 ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte, wiewohl ihn sein Vater gerne als Rechtsanwalt gesehen hätte. Sein erstes Buch, bei dem es sich um eine erweiterte Fassung seiner Dissertation handelte, erschien im Jahr 1956. Während dieser Zeit war Eco für den italienischen Fernsehsender RAI tätig.

Weltweit bekannt wurde Eco jedoch erst mit dem 1982 erschienenen „Der Name der Rose“. Auch die folgenden Romane wurden in der Mehrzahl Bestseller, so dass es nicht verwundert, dass Eco der weltweiten Leserschaft in erster Linie wegen seiner Romane im Gedächtnis geblieben ist, obwohl der Italiener auch zahlreiche philosophische, literatur- oder kulturkritische Schriften verfasste.

Eco erhielt seine 39. und letzte Ehrendoktorwürde im Jahr 2014 und verstarb am 19. Februar 2016 in Mailand.

Das Buch: Italien, 1992: Der Commendatore Vimercate möchte eine Zeitung produzieren und beauftragt den Journalisten Simei mit der Umsetzung dieses Wunsches. Der einzige Haken an der Sache: Diese Zeitung soll nie erscheinen, sondern nur Testexemplare, sogenannte „Nullnummern“ erstellen. Mit diesen Nullnummern, die teils pikante Details, teils bloße Mutmaßungen über Mitglieder der gehobenen Gesellschaft enthalten, möchte Vimercate Druck auf diese gehobene Gesellschaft ausüben, zu der er gerne Zutritt hätte.

Simei wiederum beauftragt den Journalisten Colonna, über die auf ein Jahr angelegte Tätigkeit ein Buch zu schreiben, für das er Colonna fürstlich entlohnen will und das ihn, Simei, als redlichen, strebsamen Journalisten darstellen soll, der am Nichterscheinen der Zeitung keine Schuld trägt und für den wahrheitsgetreuer Journalismus an oberster Stelle steht.

Colonna nimmt den Auftrag an, nicht ahnend, dass er sich damit in Gefahr begibt.

Fazit: Meine Erfahrungen mit den Romanen von Umberto Eco sind unterschiedlichster Natur. So habe ich – das muss ich zu meiner Schande eingestehen – niemals „Der Name der Rose“ gelesen, bin an „Das Foucaultsche Pendel“ auf die schlimmstmögliche Art gescheitert, hatte dafür aber meinen Spaß mit „Baudolino“ und empfehle „Der Friedhof in Prag“ heute noch jedem, der es nicht wissen will.

Insofern war ich gespannt, wie mir der neueste, und tragischerweise letzte, Roman von Eco gefallen würde. Viel Licht und nur wenig Schatten, könnte ich sagen, würde ich mich kurz fassen wollen. Ich gehe dann aber doch noch ein wenig ins Detail.

Eco schafft es auf überzeugende Weise, eine spannende Krimihandlung – die teilweise etwas abstrus wirkt, was aber gewollt ist – mit einer bitterbösen Medienkritik zu verbinden. Die Krimihandlung befasst sich in erster Linie mit der Aufdeckung der „stay behind“-Organisation „Gladio“ im Jahr 1990, die Colonnas Zeitungskollege Braggadocio mit einer wilden Verschörungstheorie über das mögliche Überleben Mussolinis nach dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringt.

Die Verschörungstheorie ist nicht neu, wird aber von Braggadocio in sich schlüssig dargestellt und sorgte nur selten für Kopfschütteln, Lächeln oder ein Hochziehen der Augenbrauen meinerseits. Und das lag dann zugegebenermaßen wohl meistens an der Tatsache, dass ich generell kein Fan von Verschwörungstheorien bin.

Die Geschehnisse um „Gladio“ wiederum sorgten bei mir für verstärktes googlen, weil ich einerseits zum Zeitpunkt der Aufdeckung dieser Angelegenheit in einem Alter war, in dem man sich eher weniger mit italienischer Politk beschäftigt – obwohl ich da ganz dunkel noch etwas im Hinterkopf hatte – und weil ich andererseits gerne weiß, ob historische Begebenheiten gut recherchiert sind. Sie sind es, meiner Meinung nach. Unfassbar, dass man von den damaligen Begebenheiten heute kaum noch etwas mitbekommt!

Die oben erwähnte Medienkritik kommt in erster Linie, natürlich, durch die Schilderung der Entstehung der Nullnummern zum Vorschein. Da wird die in den Zeitungsartikeln verwendete Sprache soweit heruntergebrochen, dass sie auch der größte Depp verstehen kann, da werden Dossiers mit pikanten Informationen über Prominente angelegt, um im richtigen Augenblick damit Druck auf diese Prominenten auszuüben und sie vielleicht doch zu einem Interview zu überzeugen, und da werden Sachverhalte sehr tendenziös dargestellt.

Dieser Handlungsstrang bereitete mir ähnlich viel Vergnügen, habe ich mir doch mal sagen lassen, dass man auch in deutschen Boulevardblättern – vorzugsweise in dem von mir gerne als „Rohstoffverschwendung“ bezeichneten mit den vier großen Buchstaben – auf erschreckend ähnliche Weise verfährt, und das nicht erst seit gestern. Ich bin aber weit entfernt davon, das als Tatsache zu bezeichnen, ich habe das nur gehört… 😉

Diese Handlungsstränge füllt Eco mit einer Reihe Charaktere, die zwar nicht umwerfend detailliert geschildert sind – wie auch, auf gerade mal 231 Seiten – die man aber alle eigentlich sehr gerne haben muss. Also, vom Commendatore Vimercate mal abgesehen, der in der eigentlichen Handlung gar nicht persönlich auftaucht, und mit dem Eco niemand anderen als Berlusconi gemeint haben wird.

Aber Colonna zum Beispiel, der sich und sein bisheriges Schaffen eigentlich als gescheitert ansieht, ist ein ziemlich guter Protagonist. Auch wenn seine Meinung über den Kollegen Simei eher negativ ist, wenn er über ihn behauptet: „In seinem Genre ist er ein Gott. Und sein Genre ist Scheiße.“ (S.58) 🙂 Auch besagter Simei oder Colonnas spätere Freundin Maia sind gut getroffen.

Der für mich überzeugendste Charakter ist aber der Verschwörungstheoretiker Braggadocio, der von sich behauptet: „Wenn man der einzige ist, der die Wahrheit erfasst hat, kann sich einem der Kopf drehen.“ Ich persönlich bin ja der Meinung, dass man, wenn man der Meinung ist, zu einem Sachverhalt als einziger die volle, unumstößliche Wahrheit zu kennen, zu einem guten Arzt gehen sollte.

Abseits der der Handlung und der Chraktere ist auch der Stil überzeugend. Man merkt, dass man einen Eco liest. Das geht mir nur bei ganz wenigen Autoren so und das ist sicherlich auch ein Verdienst des Übersetzers Burkhart Kroeber, dem an dieser Stelle ein Lob dafür gebührt.

Inwieweit es sinnvoll war, in Zeiten, in denen es hierzulande immer mehr gesellschaftsfähig erscheint, „Lügenpresse“ zu brüllen, einen Roman über die manipulativen Möglichkeiten der Medien zu schreiben, sei mal dahingestellt. Auch wenn sich Eco mit seiner Kritik naturgemäß auf Italien beschränkt.

Lesenswert ist „Nullnummer“ dennoch in jeder Hinsicht. Wer sich bisher nicht an das Werk des großen italienischen Schriftstellers herangewagt hat, findet mit „Nullnummer“ einen überzeugenden Einsteiger.Und irgendwann lese ich dann auch noch einmal „Das Foucaultsche Pendel“, ohne daran zu scheitern, versprochen…

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die letzten Tage der Nacht“ von Graham Moore.

Freitagsfragen #2

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

auch in dieser Woche werden im Brüllmausblog wieder die „Freitagsfragen“ gestellt und auch diese Woche widme ich mich wieder deren Beantwortung. Ich halte mich heute gar nicht mit langen Vorreden auf und komme gleich zu den heutigen Fragen, die da lauten:

  1. Was hoffst Du, einmal geschenkt zu bekommen?
  2. Zum Neujahr ist es Brauch, aber etwas vornehmen kann man sich auch zwischendurch. Welche guten Vorsätze stellst Du Dir für nächste Woche?
  3. Was erhoffst Du Dir für’s Alter?
  4. Die Wahl der Qual: in die Sahara ziehen oder an den Nordpol auswandern?

 

Antwort zu 1:

Die schönsten Geschenke sind eigentlich die immateriellen. Und nein, das ist keine Phrase. So bin ich im Grunde schon zufrieden, wenn mir der kleine, elitäre Kreis der mir sehr nahe stehenden Personen Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Im Grunde hoffe ich also, beides auch weiterhin zu bekommen. Außerdem werde ich unleidig, wenn man mir eins davon längerfristig vorenthält. 😉

Abgesehen davon sind die schönsten Geschenke die, die man sich niemals selbst kaufen würde. So hätte ich schon gerne so etwas wie den Bildband „Die Welt von Eis und Feuer“ sowie die Landkartensammlung „Die Länder von Eis und Feuer“. Beides sind Dinge, die die Welt nicht braucht und kosten zusammen knapp 70 €, ich käme im Leben nicht auf die Idee, eine solche Summe für solches Gedöns auszugeben oder mir das zu entsprechenden Anlässen zu wünschen.

Hmmm, nach längerem Nachdenken: Wer gerade 3.000 € zur Verfügung  hat, kann mir aber natürlich auch gerne den „HP Omen X“-PC schenken, muss dann aber damit rechnen, dass ich umgehend das Bloggen einstelle und mich fortan nur noch in virtuellen Welten bewege. 🙂

Antwort zu 2:

Generell habe ich keine guten Vorsätze. Hätte ich einen, würde der für die nächste Woche darin bestehen, wieder mehr zu lesen und zu schreiben. Gerade das Lesen kam in den letzten Wochen zu kurz, wenn man mal meinen Lesemarathon des letzten Wochenendes angesichts des Buch-Dates außer Acht lässt. Die äußeren Umstände und die einschüchternde Wirkung meines SuB ließen nichts anderes zu.

Antwort zu 3:

Was ich mir fürs Alter erhoffe? Also, Reichtum schon mal sicherlich nicht, ich kenne meine wiederkehrende Renten-Information zu gut… Auch Peter-Fox-ähnliche Gartenpartys unter Orangenbäumen mit 100 Cricket spielenden Enkeln sind eher unwahrscheinlich. Tja, was also dann!? Nun, langandauernde Gesundheit wäre schön. Die würde mir nämlich möglichst langfristig ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Und ein selbstbestimmtes Leben ist nach Frau Nahles´ Bundesteilhabegesetz ja keine Selbstverständlichkeit mehr, wie wir wissen.

Antwort zu 4:

Die Wahl zwischen Nordpol und Sahara fällt mir doch sehr einfach, denn mir ist lieber zu warm als zu kalt. Ich halte schon den Winter in unseren Breitengraden mit Schnee, Kälte und Dunkelheit für eine völlig verzichtbare Jahreszeit. Insofern wäre es eine recht dumme Idee, einen mehrmonatigen Winter mit Schnee, Kälte und Dunkelheit einzutauschen gegen einen ganzjährigen Winter mit noch mehr Schnee, Kälte und Dunkelheit.

 

Das soll es an dieser Stelle gewesen sein. Auch diesmal gilt: Wer die Freitagsfragen ebenfalls beantworten möchte, kann das gerne tun. Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag.

Bis denn!

Buchdate #4: „Die Verwandlung“ von Franz Kafka – Tod eines Handlungsreisenden

Buchdate

Moderne Klassiker und ich, wir führen eine Art friedlicher Koexistenz. Die tun mir nichts, ich tue denen nichts. Mein Problem in dieser Hinsicht ist eigentlich nur, dass ich zwar gerne lese, aber eben ausschließlich aus Unterhaltungsgründen. Bei Klassikern, ob modern oder nicht, geht es aber eben häufig um „die Aussage“, die ein Buch hat. Oder, nein, heute heißt das „Message“. Das Buch muss also eine „Message“ haben. Ich für meinen Teil habe eben irgendwie keinen Drang dazu, mir nach der Lektüre eines Buches die Frage zu stellen: „Was will mir der Autor damit sagen?“ Ich stehe eher auf dem Standpunkt, dass der Autor schließlich x Seiten zur Verfügung gehabt hat, mir zu sagen, was er damit sagen will. Ist ihm das gelungen, ist alles gut! Ist ihm das nicht gelungen, wird es aus meiner Sicht eher problematisch. Diese Herangehensweise hat bereits mein Deutsch-LK-Lehrer bemerkt, der sinngemäß – allerdings an alle Anwesenden gerichtet – sagte: „Wenn Sie nur aus Spaß an der Freude lesen, gehen Sie um Himmels Willen nicht Germanistik studieren!“ Als ich das später – mit einer Verzögerung von einigen Jahren – tatsächlich doch tat, wusste ich a) was er meinte und b) dass er recht hatte…

Was macht man aber nun, wenn man vor diesem Hintergrund – in einem Anfall geistiger Umnachtung – sich für die vierte Ausgabe des Buchdates angemeldet hat, die eben genau dieses Motto hat: Moderne Klassiker!?

Gut, ja, zuerst einmal in Panik geraten. Natürlich. Dann wartet man die Vorschläge ab, die mir in dieser Ausgabe des Buch-Dates der unermesslich geschätzte Kollege Zeilenende hat zukommen lassen (übrigens in einem, wie ich finde, in jeder Hinsicht denkwürdigen Beitrag!). Zeilenende hat sich tragischerweise gegen die Empfehlung dreier Romane von Jules Verne entschieden, die bei mir Freudentränen ausgelöst hätten, stattdessen kamen in die Verlosung:

Arthur Schnitzler – Spiel im Morgengrauen

Franz Kafka – Die Verwandlung

John Wyndham – Die Triffids

Die Vorschläge trieben mir zwar ebenfalls Tränen in die Augen, allerdings eher weniger freudeninduzierte.

Nachdem man also in Panik geraten ist, gerät man nach den Vorschlägen nochmals in Panik und arbeitet sich dann über Schockstarre in tiefe Ratlosigkeit vor. Dort angekommen, beschließt man als Entscheidungsneurotiker – ein Vorgang, der in seiner Tragweite und Komplexität für jeden Nicht-Entscheidungsneurotiker kaum mehr zu erfassen ist – sich alle drei Bücher zu organisieren und zu lesen. Und das tat ich nunmehr.

Schnitzlers subtile Warnung vor den Gefahren des Glücksspiels und Mahnung vor der übersteigerten Bedeutung des Geldes habe ich also gelesen, sie dann aber in die Schublade „ganz okay“ eingeordnet. Über Bücher zu schreiben, die ich „ganz okay“ finde, ist für mich allerdings unsagbar schwierig. Im Falle von Schnitzler könnte ich noch nicht einmal 300 Worte über das schöne Cover verlieren, weil es eine Reclam-Ausgabe war… Schnitzler war also raus.

Wyndhams „Triffids“ habe ich ebenfalls gelesen, aber nach knapp der Hälfte bemerkt, dass mich das Buch irgendwie nicht „abholt“, wie man heute so schön sagt. Daher habe ich es auch nach besagter knapper Hälfte abgebrochen, ohne jetzt deutlich benennen zu können, was mich da nicht „abgeholt“ hat. Ich will aber nicht ausschließen, dass ich die zweite Hälfte in naher Zukunft nachhole und dann möglicherweise auch darüber schreibe – wenn ich mal ganz, ganz viel Zeit habe.

Damit fiel die Wahl also, und ich kann das selbst noch nicht so ganz glauben, auf „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, den mein offensichtlich in den 90ern steckengebliebenes Hirn übrigens beharrlich „Markus“ mit Vornamen nennen will, obwohl sich jener „Markus“ mit „v“ im Nachnamen schreibt, sich mit einer erstaunlichen Langlebigkeit im Musikfernsehen und der Abschiedsfloskel „Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen!“ einen Namen gemacht hat und mit dem Kafka Franz nicht das Geringste zu tun hat.

Kafka also. Ich erinnere mich, das Buch als Schullektüre gelesen zu haben. Oder besser: Ich musste es als Schullektüre lesen. Dass der eingangs erwähnte Kollege Zeilenende das Buch als Teenager gelesen – ich zitiere: Tatsächlich habe ich sie („Die Verwandlung“, Anm. d. Bloggers)  als Teenager zum ersten Mal gelesen – als Parabel auf die Pubertät. – und – für sich – verstanden hat, nötigt mir einen tiefen Respekt ab. Denn ich las das Buch ebenfalls als Teenager, meine Reaktion darauf würde meine Nachfolgegeneration aber mit den drei großen Buchstaben W, T und F beschreiben. Vielleicht war es also wirklich Zeit für einen zweiten Versuch mit Kafka, der übrigens – das kann ich vorwegnehmen – erstaunlich gut funktioniert hat.

Nun denn, in medias res, wie der Schotte sagt:

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“. Damit beginnt Kafkas „Verwandlung“. Samsa ist Handlungsreisender und seine gesamte Familie, sein Vater, seine Mutter, seine 17-jährige Schwester Grete, sind von seinem Einkommen aus dieser Tätigkeit abhängig. Auch ansonsten sind die Verhältnisse der Samsas nicht zum Jubeln. Gregors Vater ging mit einem Geschäft pleite und hat Schulden bei Gregors jetzigem Arbeitgeber. Gregor selbst versucht nun, diese getreulich abzuarbeiten, die Familie zu ernähren und für die Schwester, wenn möglich, ein Musikkonservatorium zu bezahlen. Schlecht, wenn man sich dann, vor diesem Hintergrund, von heute auf morgen in ein Insekt verwandelt! Das sieht auch Gregors Arbeitgeber so, der dann mal vorsorglich seinen Prokuristen losschickt, um zu ergründen, wieso denn dieser in fünf Jahren nie krank gewordene Arbeitnehmer plötzlich der Arbeit fernbleibt, Aber Gregor möchte ja gerne. Er ist – und das zieht sich durch das ganze Buch – geradezu unterwürfig, wenn es um seine Arbeit und seinen Arbeitgeber geht. Aber er kann einfach nicht mehr.

Und genau damit begebe ich mich jetzt mal in den von mir sonst so gescheuten Deutungs- und Interpretationsbereich. Denn wenn der geschätzte Zeilenende das Buch als „Parabel auf die Pubertät“ gelesen hat, dann ist okay, weil man – nach längerem Nachdenken meinerseits – das durchaus so machen kann. Mein Ansatz ist das aber nicht.

Mein Ansatz ist folgender: Man sagt im Allgemeinen, dass man das Werk eines Autors nicht unabhängig von seiner Situation und den Lebensumständen allgemein betrachten kann. Und das tue ich nun auch, lasse dabei aber das Verhältnis Kafkas zu seinem Vater außer Acht, welches ein nicht sonderlich gutes gewesen sein soll und das auch in der „Verwandlung“ durch die sehr herrisch daherkommende Figur des Vaters von Gregor Samsa zum Tragen kommt. Für mich ist viel mehr die berufliche Situation Gregors entscheidend.

Denn schon auf der zweiten Seite des Textes klagt er, also Gregor: „Ach Gott, was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt“. (S. 6) Er sieht aus dieser Situation allerdings keinen Ausweg, denn er ist „eine Kreatur des Chefs, ohne Rückgrat und Verstand.“ (S.7) Und im Grunde wird ihm sein Engagement für die Familie nur wenig gedankt. Seine Mutter sagt sogar auf Seite 13: „Ich ärgere mich schon fast, dass er abends niemals ausgeht; jetzt war er doch acht Tage in der Stadt, aber jeden Abend war er zu Hause.“ Tja, so etwas kann man vom heimatlichen Sofa aus gut behaupten.

Nun, der langen Rede kurzer Sinn: Aus meiner Sicht prangert Kafka natürlich in erster Linie seine eigene Situation an, wurde er doch zwischenzeitlich von seinem Vater genötigt, eine ungeliebte Tätigkeit in der Asbestfabrik seines, Franz´, Schwagers auszuüben. Aber er prangert eben auch die Situation der Arbeitnehmer an sich an. Und das tut er durchaus zu recht, wenn man bedenkt, dass die Wochenzeit eines Arbeiters zum Entstehungszeitpunkt der „Verwandlung“ etwa 57 Stunden betrug. Jeder VW-ler würde kündigen, wäre das heute noch so!

Insofern ist „Die Verwandlung“, wenn man sie denn so lesen will, auch heute noch erschreckend aktuell. Denn darüber, dass man sich hierzulande immer mehr in eine „Leistungsgesellschaft“ entwickelt, und dass die, die zur entsprechenden Leistung, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage sind, immer mehr Probleme bekommen, darüber braucht man ja eigentlich nicht zu diskutieren. Tatsächlich hat unser aller Innenminister Thomas „Wir sind nicht Burka“ de Mazière, dessen Teil-Antworten die Bevölkerung verunsichern würden, doch allen Ernstes einen 10-Punkte-Plan für die „Leitkultur“ – ein, wie ich finde, ziemlich widerlicher Begriff, der aber offensichtlich mittlerweile gesellschaftsfähig ist, während man Friedrich Merz seinerzeit noch fast – völlig zu recht – gesteinigt hat – entworfen, der unter anderem solche Dinge wie „Allgemeinbildung“ enthält und – und das ist wichtig – den „Leistungsgedanken“.

Während mich die Existenz des Nachmittagsprogramms der Privaten sowie die Tatsache, dass unsere geschätzte Kanzlerin vorhin wieder einen Hauptsatz mit „weil“ einläutete („weil, das ist so“), an der „Allgemeinbildung“ als Grundvoraussetzung des Deutschen zweifeln lässt, ist der Leistungsgedanke allgegenwärtig. Irgendjemand sollte Herrn de Maziére mal sagen, dass der permanente Druck, immer wieder nur leisten, leisten und leisten zu müssen, auch irgendwann mal kontraproduktiv sein kann. Depression, anyone?

Nun, der langen Rede nochmal kurzer Sinn: Wer sich bis jetzt gescheut hat, zu Kafka zu greifen, der kann das im Fall der „Verwandlung“ unbesorgt tun. Wenn man bereit ist, sich auf den  – übrigens ziemlich guten, wenn auch antiquierten, den ich vielleicht gerade deswegen gut finde – Stil einzulassen und während der Lektüre auch mal ein wenig über den gedanklichen Tellerrand zu schauen, dann bekommt man ein ziemlich eindrückliches Leseerlebnis!

In diesem Sinne: Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen!

P.S. Vielen herzlichen Dank an wortgeflumselkritzelkram und Zeilenende für die Organisation des Buch-Dates! Da „moderne Klassiker“ ja nun durch ist, besteht eine signifikante Chance, dass ich auch beim nächsten Mal dabei bin. Ich schlage als Motto „Fantasy“ oder „Krimi“ vor! 😉

P.P.S. Falls mir jemand die Entwicklung von Gregor Samsas Schwester Grete erläutern könnte, wäre ich sehr dankbar. Irgendwie hat sich mir die persönliche Wandlung der jungen Dame nicht erschlossen…

P.P.P.S. Wer alle Beiträge des Buch-Dates #4 lesen möchte, kann das hier tun.