„Die Knochenuhren“ von David Mitchell – Cloud Atlas 2.0?

Buch: „Die Knochenuhren“ (2016)

Autor: David Mitchell

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Gebunden, 810 Seiten

Der Autor: David Mitchell ist ein 1969 in Southport, Lancaster, geborener britischer Schriftsteller. Er studierte an der University of Kent Englisch und Amerikanische Literatur und und erhielt den M.A. in Komparatistik. Nach seinem Studium war er unter anderem als Lehrer auf Sizilien und an der Universität Hiroshima in Japan tätig.

Mitchell begann seine literarische Karriere mit seinem 1999 erschienen Erstlingsroman „Ghostwritten“. Im Jahr 2004 erschien sein bislang wohl bekanntester Roman „Cloud Atlas“ (dt. „Der Wolkenatlas“). Dieser wurde im Jahr 2012 von Tom Tykwer und Lana und Lilly Wachowski verfilmt.

Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im irischen Clonakilty.

Das Buch: 1984: Die 15 Jahre alte Holly Sykes hat sich unsterblich in den 24-jährigen Vinny verliebt. Ihre Mutter ist von der Liason ihrer Tochter naturgemäß nur wenig begeistert. Es kommt zum Streit und schließlich beschließt Holly, ihre Sachen zu packen und zu Vinny zu ziehen.

Dort angekommen erwischt sie ihn mit ihrer besten Freundin Stella im Bett. Holly ist am Boden zerstört und weiß nicht, wo sie hin soll. Nur eines steht für sie fest: Sie kann nicht in ihr Elternhaus zurück, diese Genugtuung gönnt sie ihrer Mutter nicht.

Auf ihrem ziellosen Streifzug trifft sie auf die Anglerin Esther Little, eine folgenschwere Begegnung für Holly. Denn bereits kurz danach hört sie die mittlerweile vergessenen Stimmen ihrer Kindheit wieder und sie hat Visionen und Halluzinationen. Erst Jahrezehnte später versteht Holly, dass sie durch diese Begegnung zu einer wichtigen Figur im Machtkampf zwischen zwei Gruppen Unsterblicher geworden ist…

Fazit: Sollte der bayrische Verfassungsschutz irgendwann einmal den Beschluss fassen, mich angesichts meiner immer wiederkehrenden Kritik an führenden CSU-Politikern auf einer einsamen Insel auszusetzten, damit der Seehofer Horst seine Ruhe vor mir hat, und sollte besagter Verfassungsschutz mir die Gnade gewähren, mir genau eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller auszusuchen, von dem ich das Gesamtwerk mit auf die Insel nehmen dürfte – ich würde mich vermutlich für David Michell entscheiden. Bei keinem anderen mir bekannten Schriftsteller ist der „Wiederlesewert“ der Bücher meiner Meinung nach so hoch wie bei Mitchell. Bücher wie „Cloud Atlas“ oder eben „Die Knochenuhren“ kann man wahrscheinlich viele Male lesen und würde immer wieder etwas Neues in ihnen entdecken.

Allerdings führt Mitchells Erzählstruktur auch dazu, dass eine Rezension seiner Bücher für mich ähnlich schwierig ist, als würde man mich bitten, eine sinnvolle Zusammenfassung von „Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“ zu schreiben: „And now for something completely different..:“ Ich versuche es dennoch.

Wie bereits erwähnt, lernt der Leser zu Beginn die 15-jährige Holly Sykes kennen. Und er verfolgt Holly Leben in sechs großen Kapiteln bis hin ins Jahr 2043. Diese sechs Kapitel erzählen alle ihre eigene Geschichte – z.B. über Hollys Ehemann und seine Zeit als Kriegberichterstatter im Irak – und sind trotzdem im Rahmen der Handlung miteinander verknüpft, mit Holly als tragenden verbindenden Element.

Eine ähnliche Art der Erzählstruktur kennt der geneigte Leser bereits von „Cloud Atlas“. Und diese Struktur erfordert vom Leser große Aufmerksamkeit, denn immer wieder werden Ereignisse und Personen aus früheren Kapiteln wieder erwähnt und wer nicht aufpasst, der verliert dann vielleicht schon mal den Zusammenhang aus den Augen. Unter anderem deshalb haben Mitchells Bücher für mich auch einen so hohen Wiederlesewert, denn was man beim ersten Lesen übersehen hat, erschließt sich einem dann eben beim zweiten Durchgang. Wie in „Cloud Atlas“ schafft es der Autor also auch in „Die Knochenuhren“, ein filigranes und weitläufiges Handlungsgebilde zu errichten. Und nicht nur das: Er schafft es auch, Figuren aus seinem im Jahr 1799 spielenden Roman „Die 1000 Herbste des Jakob de Zoet“ in seinen aktuellen Roman einzubauen!

Bezüglich des Aufbaus des Romans kann man Mitchell also keinerlei Vorwürfe machen. Selbst wenn man den Eindruck hat, das alles so schon zu kennen, macht es Spaß zu lesen, wie im Laufe der Kapitel ein Handlungsrädchen ins andere greift.

Auch stilistisch ist der Autor meiner Meinung nach über jeden Zweifel erhaben. Seine Protagonisten der einzelnen Kapitel haben jeweils ihre ganz eigenen Erzählart, lediglich zwei davon ähneln sich meiner Meinung nach zu sehr. Auch wenn das schon fast wieder passt, denn auch charakterlich sind sie sich recht ähnlich. Darüber hinaus erfreut Mitchell den Leser in regelmäßigen Abständen mit Sätzen wie: „Bis zum letzten Satz hatte er sich wacker geschlagen, aber wenn du einem rachgierigen Einhorn den blanken Arsch präsentierst, reduziert sich die Anzahl der möglichen Szenarien auf eins.“ (S. 149) Ich find´s komisch! 😉 Also, kurz gesagt, auch Mitchells Stil ist einer der Gründe, warum man ein Buch wie „Die Knochenuhren“ mit einem Umfang von immerhin gut 800 Seiten durchgehend mit Freude lesen kann.

Eigentlich gibt es in diesem Roman nur eine Sache, die ich massiv zu kritisieren habe: Mitchell hat neben seinen einzelnen Kapitelhandlungen, die unter anderen solche Dinge wie den Irakkrieg, die britische Politik der Thatcher-Ära oder die ökologische und politische Entwicklung auf Mutter Erde in der nahen Zukunft zum Thema haben, den Entschluss gefasst, eine in den Fantasy-Bereich abdriftende Handlung rund um zwei konkurrierende Gruppen von Unsterblichen zu entwickeln. Ganze vier Kapitel taucht diese Handlung aber eigentlich immer nur am Rande auf, der Leser wird mit kryptischen Andeutungen konfrontiert, die erst mal keinen Sinn ergeben. Erst in Kapitel fünf beschließt der Autor, den Leser vollumfänglich aufzuklären, was es mit dieser ganzen Unsterblichkeitsangelegenheit auf sich hat, inklusive eines actionreichen Showdowns. Eine bessere Verteilung dieses Handlungsstranges hätte mir als Leser besser gefallen. Noch besser hätte mir gefallen, er hätte diesen ganzen Fantasy-Kappes weg gelassen. So entsteht der Eindruck, als habe Mitchell eigentlich zwei verschiedene Bücher schreiben wollen, die aber beide für sich genommen nicht ausreichend getragen hätten und sich deshalb entschlossen, beide zusammenzuführen. Ein meiner Meinung nach nicht wirklich guter Entschluss.

Dennoch ist „Die Knochenuhren“ letztlich (fast) genau das, was ich mir von Mitchells neuem Roman versprochen habe: Ein angenehm zu lesender Roman mit vielschichtiger Handlung, den man immer und immer wieder lesen kann.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein Buchladen zum Verlieben“ von Katarina Bivald.

 

Zeilenendes Stöckchen – So etwas geNerd sich doch nicht!

Der von mir sehr geschätzte Zeilenende hat mich in seinem Blog kürzlich mit einem Stöckchen und den dazugehörigen Fragen beworfen. Während ich Ersteres aufgrund langjähriger Erfahrung kunstvoll aus der Luft gefangen habe, drohe ich bei der Beantwortung letzterer bis jetzt grandios zu scheitern, versuche es aber dennoch. Inhaltlich bezieht sich das Ganze diesmal auf das Nerdtum. Da mich der werte Zeilenende für einen der „sechs größten Nerds“ unter seinen Followern hält – was ich angesichts seiner positiven Definition des Wortes einfach durchgehen lasse – lag der Stöckchen-Wurf wohl nahe. 😉

Ich bedanke mich für die damit zusammenhängende Ehre! Wiewohl ich gestehe, kurz versucht gewesen zu sein, selbige angesichts Zeilenendes Ablehnung bezüglich des gerade in unserem schönen Nachbarland mit der diffizilen Sprache stattfindenden sportlichen Großereignisses abzulehnen. 😛 Die kurz darauf geäußerte Ablehnung gegen Elfen jedoch hat mich wieder vollumfänglich und mehr als versöhnt! 😉

Schreiten wir also zur Tat!

1. Welche Superheldenfäigkeit hättest Du gerne?

Gut, ich gestehe! Ich gestehe, von Superhelden und den damit zusammenhängenden Universen, ihren Superkräften, den Filmen, von Marvel, DC und Astro City (das habe ich gegoogelt) keine, aber auch wirklich nicht die geringste, Ahnung zu haben.

Meine Erfahrung diesbezüglich beschränkt sich auf sehr wenige Filme, an denen ich meistens irgendwie nicht vorbeikam. Ich habe zum Beispiel „X-Men“ gesehen, jaha. Und ich gestehe, ich fand ihn fürchterlich langweilig. Jaaa, teert mich, federt mich, tragt mich auf Bahnschienen aus der Stadt, aber ich kann´s nicht ändern. Wobei, im neuen „X-Men:Apocalypse“ spielt Sophie Turner mit… Sollte ich mir den also doch einmal ansehen, ist das meine Begründung. 😉

Ich habe auch mal „Spiderman“ gesehen, Teil 1 – frage mich allerdings bis heute, warum nur.

Und „Iron Man“ habe ich auch mal gesehen, wiederum Teil 1. Den fand ich gut. Aber ich mag vieles, was Robert Downey Jr. macht.

Oh, und ich habe damals „The Dark Knight“ gesehen. Den fand ich wirklich sehr gut, nicht zuletzt wegen Heath Ledger.

Sonst, tja, sonst bin ich in dem Bereich total blank! Also musste zur Beantwortung der Frage eine umfassende Recherche erfolgen. Und nein, ich habe jetzt nicht alles von A wie „All Star Squadron“ oder „Aquaman“ bis Z wie „Zatanna“ gegoogelt und einer genaueren Betrachtung unterzogen. Ich habe mich auf das Wesentliche beschränkt und komme dabei auf: Thor!

Laut „superhelden-universum.de“ ist der Gutste nämlich sehr robust gegen schwere Verletzungen und Krankheiten, und vor allem: Er altert nur sehr langsam. Also, das fände ich schon erstrebenswert. Älter werden, mit allem was damit an negativen Dingen verbunden ist, machte mir nämlich spätestens seit meinem 21. Geburtstag nicht mehr so dolle viel Spaß. Und 21 ist auch schon wieder laaaange her. Wenn ich heute so auf meinen Personalausweis sehe… – oh, mein Personalausweis ist abgelaufen. Ich muss weg!

2. Gibt es etwas im Leben, das du bereust?

Gute Frage! Bereuen ist, denke ich, das falsche Wort. Es gab halt Situationen im Leben, in denen ich die falsche Entscheidung getroffen habe. Meine berufliche Laufbahn gehört dazu. Ausbildung gefolgt von Studium war die falsche Reihenfolge, umgekehrt hätte es Sinn ergeben. Ärgert mich das im Nachhinein? Aber sicher! Bereue ich diese Entscheidungen? Nicht wirklich! Es bringt ja doch nichts!

Darüber hinaus weiß man ohnehin nicht, wofür ein erstmal als negativ wahrgenommenes Ereignis im Laufe der Zeit vielleicht so gut sein kann. Ich zum Beispiel hatte im zehnten Schuljahr eine Vertragsverlängerung. Ich meide die Formulierung „sitzen bleiben“, weil das so negativ klingt, und nutze ersatzweise „Vertragsverlängerung“. Für mich war das damals ein existentielles Problem und ein mittlerer Weltuntergang. Jahrzehnte später stelle ich fest, dass ich nur durch dieses Ereignis den einen oder anderen ganz zauberhaften Menschen kennengelernt habe, der/die mein Leben bis heute bereichert. Was ist dagegen schon ein „verlorenes“ Schuljahr!?

Also, nein, ich bereue eher selten, aber ich ärgere mich viel! 😉

3. Wie würdest du dich stylen, wenn es keine gesellschaftlichen Normen und „Vorgaben“ gäbe? Oder bist du da jetzt schon so frei?

Ich würde mich genau so „stylen“ (arrrrgh, Anglizismus!) wie jetzt, weil ich mich gemeinhin in den Klamotten wohlfühle, in denen ich so herumlaufe. Ich wüsste jetzt nicht, was ich daran groß ändern sollte.

Zugegeben, ich würde vermutlich aus reiner Faulheit auf eine regelmäßige Rasur verzichten, was vielleicht zu einer glänzenden Karriere als viertes Mitglied von ZZ-Top führen könnte, aber sonst bliebe alles beim alten.

4. Du bist ein Fußboden. Wie fühlst Du Dich dabei?

Übergangen? Keine Ahnung! Aus welcher Schauspielschule ist die Frage denn geklaut? Nun, ich denke, ich würde mich nicht besonders wohlfühlen. Gut, ich dürfte den ganzen Tag liegen, das ist ein großes Plus! Aber dauernd würden Menschen auf mir rumtrampeln! Und ja, ich weiß, es gibt keinen Fetisch den es nicht gibt, und sicherlich können sich einige Menschen dafür begeistern, wenn man mit Schuhen – vorzugsweise Stilettos oder so- über sie drüberläuft. Mir persönlich ist das aber eher fremd, deshalb wäre mein Leben als Fußboden ein eher trauriges.

5. Hast Du ein Vorbild? Wenn ja, welches?

Horst Seehofer? XD (Wer mich kennt, weiß, dass das schlimmster Sarkasmus war, wer es nicht tut, für den schreibe ich es dazu 😉 )

Vorbilder in dem Sinne habe ich eigentlich nicht. Aber es gibt Menschen, denen gegenüber ich einen besonderen Respekt empfinde und die mein Leben bis zu einem gewissen Punkt beeinflusst haben. Mein Großvater mütterlicherseits ist einer davon und – auch wenn das vielleicht ungewöhnlich klingt – mein Klavierlehrer von vor etwa 20 Jahren der andere. (Ja, ich habe mal Klavier gespielt. Mit mäßiger Begeisterung und noch weniger Talent. Aber darum geht es nicht.)

Beide gehörten der Kriegsgeneration an und haben mich mit dem, was sie erzählt und getan haben, entscheidend geprägt, schätze ich.

6. Bist du stolz auf Dich?

Sobald mir einfällt, weswegen ich das sein sollte – vielleicht. Bis dahin – eher nicht.

Gut, einen Anflug von Stolz empfinde ich vielleicht angesichts der Tatsache, dass es mir gelungen ist, noch immer nicht den Verstand zu verlieren. Auch wenn es in den letzten Wochen Momente gab, in denen ich daran zweifeln wollte.

So zum Beispiel der Morgen, als ich in der Arbeit am Rechner saß – und mein Passwort vergessen hatte. Also, nicht das ganze Passwort, nur die ersten beiden Stellen. Aber die waren weg. Also, so ganz weg. Nichts mit „warte, ich hab´s gleich, es liegt mir auf der Zunge“, nein, weg, einfach weg. Ein ganz ekelhaftes Gefühl, kann ich nur sagen. Auch wenn sich das Problem relativ schnell lösen ließ, woraufhin ich mir schwor, besagtes Passwort nieeemals wieder zu vergessen.

Oder der Tag in der vorletzten Woche, als ich – wieder bei der Arbeit – in Aktenordnern auf der Suche nach einem ganz bestimmten Sachverhalt war, zu dem ich mir am Vortag auch Notizen gemacht hatte. Doch sowohl die Unterlagen zum Sachverhalt, als auch meine Notizen waren was? Richtig! Weg! Nach etwa 45 Minuten intensiver Suche und wachsenden Zweifeln an der eigenen Zurechnungsfähigkeit stellte sich heraus, dass ich in den falschen Ordnern gesucht hatte…

Oder der Freitag letzter Woche, als ich auf dem Weg – ja – zur Arbeit am Kreisel stand, durch den gerade eine junge, auffallend hübsche Frau fuhr, die mir freudig zuwinkte. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mir das täglich passiert. Umso schöner fände ich es, wenn mir mein Gedächtnis, zum Geier, endlich mal sagen würde wer das war! Nun verhält es sich ja so, dass der weibliche Teil meines Freundeskreises ausnahmslos aus geradezu unfassbar hübschen Frauen besteht – was ein glücklicher Zufall sein muss, und überhaupt nichts mit mir zu tun haben kann. Aber zu denen gehörte die Dame im Kreisel nicht, das wäre mir aufgefallen. Seit einer Woche beschäftigt mich das…

Aber nichts davon setzte meinem Verstand so zu, wie der Ausgang des britischen Referendums heute morgen! Ich versteh´s einfach nicht. Aber okay, ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten – in unterschiedlicher Ausprägung – schon für Sachsen, Polen, Ungarn, Österreich und einige andere fremdgeschämt, da kriege ich das mit den Briten auch noch hin…

7. Welche spitzohrigen, fiktiven Wesen sind dir am liebsten?

Nun, Elfen, Elben oder Albae sind es definitiv schon mal nicht! Die braucht wirklich niemand! Ich erlaube mir mal, den werten Zeilenende zu zitieren: „Wer ist denn auf die bescheuerte Idee gekommen, Elfen zu erfinden?!“

Ansonsten gibt es da ja nicht so wahnsinnig viel.

Hobbits fand ich nie so wirklich spannend.

Romulaner kann ich als jemand, der Star-Trek-mäßig nicht nennenswert über TNG und – das völlig verkannte – DS 9 herausgekommen ist, auch nicht wirklich anführen.

Orks? Nein!

Tja, also eigentlich sind mir ja von allen fiktiven Wesen seit jeher die Zwerge die liebsten, spätestens seit ich vor ca. 25 Jahren „Die Chronik der Drachenlanze“ gelesen habe. Aber spitze Ohren haben die jetzt nur bedingt…

Oooh, ich weiß es: Kender! Jawohl! Spannender und vielschichtiger als der gemeinhin träge Hobbit, unterhaltsamer als die eher humorlosen Orks und Romulaner, und weit, weit, weeeeit weniger überflüssig als Elfen, Elben, Albae! Ja, Kender ist ´ne gute Wahl!

8. Welches Geek-Artefakt würdest  du gerne besitzen?

Zuerst einmal hätte ich gerne die Fähigkeit, den Begriff „Geek-Artefakt“ zu verstehen…! Die jungen Leute von heute reden irgendwie so komisch… Sie sagen „re-readen“, wenn sie einfach ein Buch nochmal lesen. Sie „canceln“ ihre Termine, anstatt sie abzusagen. Sie „chillen“ anstatt sich auszuruhen. Und sie treffen sich auch nicht mehr an einem bestimmten Ort, sondern an einer „location“.

Immer wenn jemand so etwas sagt, fühle ich mich ganz, ganz müde. Und alt. Und spießig. Und ich fühle den Drang, diesem jemand einen Duden ans Ohr zu tackern! Aber selbst der ist schon voller Angliszismen. Hach, ich kämpfe gegen Windmühlen…

Wo war ich? Ach ja, Geek-Artefakte? Darf ich darunter Merchandising-Zeugs verstehen, oder wie!? So wie „Der Eine Ring“ für zu Hause? Oder die Collector´s Edition von „Total War: Warhammer“?

Falls meine Interpretation richtig ist, dannnnn…fällt mir nicht wirklich etwas ein, was ich diesbezüglich besitzen müsste. Wobei – Tauriels Dolche würde ich nehmen. Aber auch nur unter der Voraussetzung, dass Evangeline Lilly sie mir persönlich vorbeibringt… 😉

9. Welche griechische Gottheit wärst Du am liebsten?

Hmmm, Zeus? Nein, Führungsrollen und Größenwahn liegen mir nicht!

Dionysos? Nein, blöde Idee, ganz, ganz blöde Idee!

Ares? Ich bin eher harmoniebedürftig und konfliktscheu, das passt irgendwie auch nicht…

Hermes? Der ist als Götterbote dauernd unterwegs, das ist mir viel zu anstrengend!

Apollon! Zuständig für Licht, Heilung, Frühling, sittliche Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs. Ich denke, das könnte ich! Und in den Bereich „sittliche Reinheit und Mäßigung“ kann ich mich ja reinarbeiten…

Außerdem hat der Gute ´ne Menge Groupies!

Kreusa (eigentlich mit diesem „Doppelpunkt“ über dem „e“, für den ich irgendwie zu blöd bin): Hatte ein eher unfreiwilliges Stelldichein mit Apollon in einer Höhle nahe der Akropolis.

Rhoio: Sie wurde von Apollon schwanger und zum Lohn dafür in eine Kiste gesperrt und ins Meer geworfen! Rhoio hat es aber überstanden.

Kyrene: Kyrene war so eine Art „Brienne von Tarth“ der griechischem Mythologie. Apollon beobachtete sie beim Kampf mit einem Löwen, entführte sie und heiratete sie in Nordafrika. Tja, so kann es gehen.

Koronis: Koronis war von Apollon schwanger, entschied sich aber dennoch gegen ihn und wollte lieber mit König Ischys zusammenleben. Das hätte sie mal besser lassen sollen! Denn Apollon, der kleine Chelm, ist ein Widerporst. Den versetzt man nicht so einfach. Er beschwert sich beleidigt bei seiner Schwester Artemis, die daraufhin Koronis´ Leben mittels Einsatzes eines ganzen Arsenals voller Pfeile ein Ende setzt. Das hätte er auch selbst machen können, der Apollon!

Chione: Neben Apollon hatte Chione auch etwas mit Hermes. Und zwar in derselben Nacht! Das Interesse der beiden Götter an ihrer Person muss ihr zu Kopf gestiegen sein, rühmte sie sich doch kurz darauf, schöner als die Göttin Artemis zu sein. Das hätte sie mal lieber lassen sollen! Denn als Artemis das hörte, setzte sie Chiones Leben mittels Einsatzes eines ganzen Arsenals voller Pfeile…, ihr wisst schon.

Daphne: Durch Eros´ Eingreifen verguckt sich Apollon über alle Maßen in Daphne. Die ist davon allerdings so wenig begeistert, dass sie ihren Vater um Hilfe bittet. Dieser lässt ihre Glieder erstarren, schließlich verwandelt sich Daphne in einen Lorbeerbaum. Falls ihr einen Lorbeerbaum im Garten habt und mit euren Pflanzen sprecht: Daphne ist ein schöner Name! 😉

Dryope: Um sich ihr zu nähern, verwandelte sich Apollon erst in eine Schildkröte und dann in eine Schlange. Was tut man nicht alles!? Über Dryopes weiteres Schicksal gibt es unterschiedliche Angaben. Ich persönlich möchte ja glauben, dass sie im Anschluss an die Begegnung mit Apollon eine Herrenboutique in Wuppertal oder ein Zoofachgeschäft in Athen eröffnet hat.

Kalliope: Muse der epischen Dichtung und weiseste der klassischen neun Musen. Nicht, mehr, nicht weniger.

Kassandra: Tja, Kassandra, hätte man ihr mal geglaubt! Apollon verlieh ihr die Sehergabe, sie verschmähte ihn aber dennoch. Aber Apollon, der Chelm, ist, wie gesagt, ein Widerporst. Zur Strafe sorgt er dafür, dass niemand Kassandras Weissagungen glaubt. Die Nummer mit dem Trojanischen Pferd hat also im Grunde nur geklappt, weil Apollon beleidigt war.

Manto: Sie war die Tochter der blinden Sehers Teiresias. Den kennt man unter anderem von Sophokles. Ober eben auch nicht. Sie brachte einen Sohn mit dem putzigen Namen Mopsos zur Welt. Das arme, arme Kind! Was haben sich die Eltern bei der Namensgebung bloß gedacht…? Mopsos…

Urania: Lateinisch: Die Strahlende! Nein, billiger Scherz am Rande. Auch mit ihr hat Apollon zwei Kinder. Um Alimente mussten sich griechische Götter offensichtlich keine Gedanken machen…

Thalia: Gründete neben Dryopes Zoofachgeschäft eine Buchhandlung, welche heute der Ursprung einer ganzen Kette…nein! Thalia gebar dem Apollon die Korybanten. Die Korybanten waren Priester, die sich selbst kastrierten, um ihrer Göttin Cybele näher zu sein… Jetzt kenne ich Cybele nicht persönlich, wage aber zu beweifeln, dass sich dieses priesterliche Opfer wirklich lohnt. Aber wer bin ich, das zu verurteilen. Wer´s mag…

Nun, ziemlich beeindruckend, wie viele Damen der Gute da unter einen Hut kriegen muss. das könnte mir gefallen! 😉

10. Was ist dein Lieblingsparasit?

Zur Beantwortung dieser Frage bieten sich polemische Witze über führende Persönlichkeiten der bayrischen Regierung an, und ich bin versucht, einige davon zu machen – aber ich will nicht verklagt werden. 😉

Es mag erstaunen, dass ich mir die Frage nach einem Lieblingsparasiten noch niemals gestellt habe. Dennoch war eine Antwort realtiv schnell gefunden. Die Mistel! Und nicht, dass mir jetzt irgendwelche studierten Biologen kommen, mit dem Einwand, dass es sich aufgrund der Fähigkeit der Mistel zur Photosynthese bei dieser nur um einen Halbparasiten handelt. Das sind naturwissenschaftliche Spitzfindigkeiten! 🙂

Warum jetzt die Mistel? Nun, sie hängt in luftiger Höhe im Baum, hat somit einen guten Überblick über das Gesamtbild. Dabei sieht sie – verglichen mit „Giardia intestinalis“ , Nematoden oder Varroamilben“ – erstaunlich hübsch aus. Darüber hinaus kann man – wenn auch zweifelhafte – Medikamente aus der Mistel herstellen, was sie bezüglich der Nützlichkeit ebenfalls von den eben erwähnten tierischen Vertretern abhebt.

Und: Man küsst sich unter ihr! Ja, nicht jeder Brauch, der aus unerfindlichen Gründen aus den USA hier herüberschwappt, ist schlecht. Dennoch, merke: Am 31.10. ist Reformationstag, nicht Halloween! 😉

Nun gut, das soll es dann vorerst gewesen sein. Ich danke dem lieben Zeilenende nochmal für das Stöckchen, verzichte aber darauf, es weiter zu werfen, auch weil das zuletzt von mir geworfene noch im Flug befindlich ist.

Ich wünsche allseits noch einen schönen Abend und mache mich jetzt von dannen. Wer weiß, vielleicht begegnet mir heute Abend ja noch irgendwo eine junge Dame, die gerade mit einem Löwen kämpft… 😉

 

„Fermats letzer Satz“ von Simon Singh – Alles Skalar oder Die Vollkommenheit der 496

Buch: „Fermats letzer Satz“ (1997)

Autor: Simon Singh

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 353 Seiten (2015)

Der Autor: Simon Singh, Jahrgang 1964, ist ein Wissenschaftsjournalist, Autor und Produzent. Nach seinem Studium der Physik arbeitete er als Produzent für die BBC. 1997 veröffentlichte Singh sein erstes Buch „Fermats letzter Satz“, eines der wenigen Bücher über Mathematik, die zum Bestseller wurden.

Das Buch: Mit dem Satz des Pythagoras, a²+b²=c², sind schon Generationen von Schülern im Rahmen ihres Mathematikunterrichtes konfrontiert worden. Pierre de Fermat (1607-1665) beschäfigte sich ebenfalls damit. Und in diesem Zusammenhang stellte er die Behauptung auf, dass es zwar für den oben genannten Satz Lösungen gibt, aber eben nicht für a³+b³=c³ und jede weitere Potenz die größer als 2 ist. An den Rand seines Exemplars der „Arithmetica“ des Diophantos von Alexandria notierte er handschriftlich „Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis entdeckt, doch ist dieser Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen.“ Seitdem haben sich über drei Jahrhunderte unzählige Mathematiker die Zähne daran ausgebissen, den Beweis für Fermats Großen Satz zu erbringen.

Simon Singh beschreibt in seinem Sachbuch den langen Weg des Mathematikers Andrew Wiles, sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen und Fermats Großen Satz zu beweisen und liefert nebenbei einen – auch für Laien wie mich – lesenswerten Überblick über die Geschichte der Mathematik.

Fazit: Diese Rezension – wobei ich das hier eher „Erfahrungsbericht“ nennen möchte -, überhaupt erstmal meine vorhergehende Lektüre des Buches, hat seinen Ursprung in einem – übrigens überaus lesenwerten – Beitrag von Finbar in seinem Blog „finbarsgift„, in dem die Mathematik doch tatsächlich als „Die Königin der Wissenschaften“ bezeichnet wurde. Für mich als halbstudierter Geisteswissenschaftler Grund genug, das in Zweifel zu ziehen und als eher individuelle Sichtweise darzustellen. 😉

Im Zuge des unweigerlich folgenden anregenden Gedankenaustausches habe ich mich – aus im Nachhinein  nicht mehr genau nachvollziehbaren Gründen – geraume Zeit mit einem Mathematik-Zeitungsartikel, einem entsprechenden Essay von Enzensberger und vier oder fünf mathematischen Fragen, wie dem Vier-Farben-Problem oder der Methode des unendlichen Abstiegs beschäftigt – wobei ich von letzteren wenige teilweise, die meisten jedoch vollumfänglich nicht verstanden habe. Im Rahmen dieser Beschäftigung wurde das Buch „Fermats letzter Satz“ erwähnt, das ich mir spontan in einer – verglichen mit seinem sonstigen Handeln – Art von Übersprungshandlung einfach mal bestellt habe. Auch das ist im Nachhinein nicht mehr plausibel erklärbar, ich würde die Begründung aber sehr nah in der Nachbarschaft vollständiger geistiger Umnachtung ansiedeln.

Nun ist es ja nicht so, dass ich sonderlich arithmophobisch unterwegs wäre – angesichts meines SuB steht viel mehr die Frage nach einer latenten Abibliophobie im Raum – aber Zahlen und die Mathematik sind halt nicht meine Welt. Wobei sich in diesem Zusammenhang angesichts meines derzeitigen sehr zahlenlastigen Berufes durchaus die Frage stellt, wann um alles in der Welt ich in meinem Berufsleben falsch abgebogen bin. Das soll uns an dieser Stelle jetzt aber einfach nicht weiter interessieren.

Simon Singh beginnt seine Reise durch die Mathematik auf dem Weg zu Fermat auf, auch für den Laien, recht moderate Weise. Mit Pythagoras, von dem wir, wie vorhin festgestellt, ja nun alle mehr oder weniger häufig schon gehört haben. „Unnötiges“ Beiwerk, wie z.B. den Beweis dieses Satzes, verfrachtet der Autor in den Anhang, um den Lesefluss nicht zu stören, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Für den Lesefluss und die Beweise. Denn der Beweis für den Satz des Pythagoras wurde zumindest mir in meiner Schulzeit, so weit ich mich erinnern kann, immer vorenthalten. Meistens mit der Begründung :“Das ist halt so!“. Leistungskursler hörten bei Fragen nach Beweisen gerüchteweise häufig:“Das kriegen sie an der Uni!“ Fragten die ehemaligen Leistungskursler an der Uni dann nach Beweisen, hieß es angeblich, das sei „trivial“ und bedürfe keiner weiteren Einlassung. Wobei ich das natürlich nur aus zweiter Hand weiß. Jedenfalls, der fehlende Beweis für diverse Sätze, sowie eine ebenso fehlende Begründung, wofür dieses oder jenes denn nun gut sei, waren grundliegende Probleme meines Matheunterrichts. Neben der Mathelehrerin, die in Klasse 8 und 9 stumpf „Merksätze“ abfragte, ungeachtet der Frage, ob man diese nun verstanden hatte und damit etwas anfangen konnte oder eben nicht… Aber weg von meinem persönlichen Leidensweg und wieder hin zu Singh.

Über Pythagoras spannt der Autor den Bogen über verschiedenste Mathematiker wie Euler und Gauß sowie andere dem Laien weitgehend unbekannte Koryphäen ihres Fachs. Alle diese Mathematiker haben auf die eine oder andere Weise einen Beitrag geleistet, den Andrew Wiles bei seiner Arbeit benötigte.

Hier fügt Singh häufig Kurzbiografien oder Anekdoten über besagte Mathematiker ein, die die Materie für mich als geschichtsinteressierten Menschen ungemein auflockerten und mich davon abhielten, „Fermats letzter Satz“ in die Ecke zu legen und beharrlich zu behaupten, ich habe es niemals rezensieren wollen…

Nun stellt sich die Frage, ob ich die Materie denn nun, abseits der Anekdoten und Kurzbiografien, vollumfänglich verstanden habe!? Nein, sicherlich nicht! Und würde ich das Gegenteil behaupten, würden Menschen, die mich kennen, mich vollkommen zu Recht der Lüge bezichtigen! Denn spätestens, wenn das Buch in den Bereich der Modulformen oder der Taniyama-Shimura-Vermutung (das musste ich gerade nachschlagen) einbiegt, war es schon nicht mehr ganz so einfach, zu folgen. Dennoch hatte ich über die gesamte Länge des Buches das Gefühl, wenigstens so eine grobe Ahnung zu haben, worum es da nun geht. Das kann man von meinem Matheunterricht der Klasse 12 in grauer Vorzeit so nicht behaupten!

Letztlich hat Singh ein Buch geschrieben, dass inhaltlich – wenigstens in seinen Grundzügen – nachvollziehbar bleibt, wenn man das was man nicht verstanden hat, mit der Begründung meiner Mathelehrer abtut:“Das ist halt so!“ Wer sich nicht scheut, mal über den Tellerrand seines Interessengebietes zu schauen, und wer bereit ist, ein wenig Zeit und Nachdenken in das Gelesene zu investieren, dem kann ich „Fermats letzter Satz“ wirklich empfehlen. Es ist allemal besser als das von mir leidenschaftlich verabscheute „Das Theorem des Papageis“ von Denis Guedj!

Dennoch hatte ich nach einem Wochenende voller Mathematik und der dazugehörigen Formeln den inneren Wunsch, mich mit beispielweise einem Heinrich-Heine-Gedichtband ins Bett zu verkriechen, denn so etwas wie

Saphire sind die Augen dein,
Die lieblichen, die süßen.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Den sie mit Liebe grüßen.

Dein Herz, es ist ein Diamant,
Der edle Lichter sprühet.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Für den es liebend glühet.

Rubinen sind die Lippen dein,
Man kann nicht schönre sehen.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Dem sie die Liebe gestehen.

O, kennt ich nur den glücklichen Mann,
O, daß ich ihn nur fände,
So recht allein im grünen Wald,
Sein Glück hätt bald ein Ende.

(Heinrich Heine)

liegt mir einfach mehr als

a³+b³=c³

🙂

Einen herzlichen Dank nochmal an Finbar für die Erweiterung meines Horizonts, auch wenn ich vieles des Gelernten allzu früh wieder vergessen werde.

Gesamtwertung: 7,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: “ Die Knochenuhren“ von David Mitchell.

„Vergiftet“ von Thomas Enger – Ein Königreich für die Olsen-Bande

Buch: „Vergiftet“ (2013)

Autor: Thomas Enger

Verlag: blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 456 Seiten

Der Autor: Thomas Enger ist ein 1973 in Oslo geborener norwegischer Schriftsteller. Als Kind einer Physiotherapeutin und eines Lehrers für Englisch und Französisch wurde ihm beigebracht, Körper und Geist in gutem Zustand zu halten. Also verbrachte er seine Kindheit und Jugend mit lesen und einer Leidenschaft für Fußball, die ihn als aktiven Spieler immerhin bis in die dritte norwegische Liga brachte.

Nach seinem Schulabschluss und dem Militärdienst – den Enger nach eigenen Angaben größtenteils damit verbrachte, im Dienstzimmer Metallica zu hören- studierte er Sport und Geschichte, bevor er für Nettavisen tätig wurde, eine seit 1997 bestehende norwegische Internetzeitung.

Im Anschluss an diese Tätigkeit fand Enger endlich die Zeit, seinen langgehegten Wunsch, ein Buch zu schreiben, in die Tat umzusetzen. Im Jahr 2011 erschien „Sterblich“ und wurde zu einem großen Erfolg, der in über 20 Länder verkauft wurde. Daher setzte Enger die seine Serie um den Journalisten Henning Juul mit „Vergiftet“ und „Verleumdet“ fort. Letztlich soll die Serie sechs Teile umfassen.

Enger lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Oslo.

Das Buch: Tore Pulli hat ein Problem. Als er spätabends am vereinbarten Treffpunkt zu einem klärenden Gespräch mit Jocke Brolenius eintrifft, ist Brolenius schon vor Ort – allerdings liegt er mausetot in einer Blutlache! Neben dem Toten findet Pulli seinen eigenen Schlagring, den er in seinen Zeiten als Geldeintreiber als Arbeitsgerät benutzt hat, nun aber schon seit geraumer Zeit im Wortsinne an den Nagel gehängt hat, an der Wand in seinem Büro. Will ihm irgendjemand einen Mord anhängen?

Tore Pulli ruft die Polizei, schließlich hat er nichts getan und ist davon überzeugt, dass die Polizeibeamten das auch so sehen. Sehen sie nicht – und wenig später wird Pulli wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Währenddessen versucht der Online-Journalist Henning Juul, langsam wieder zurück ins normale Leben zu finden. Vor einigen Jahren gab es in Juuls Wohnung einen Brand. Im Feuer kam Juuls kleiner Sohn Jonas um Leben. Seitdem hat Henning den diffusen Verdacht, bei dem Feuer könnte es sich nicht um einen Unfall, sondern um Brandstiftung gehandelt haben. Schon mehr als einmal war er mit seinen Recherchen maßgeblich daran beteiligt, den einen oder anderen Verbecher hinter Gitter zu schicken. Wollte sich einer dieser Kriminellen an ihm rächen? Henning Juul stellt Nachforschungen an, bleibt aber ohne Erfolg.

Dann bekommt er einen Telefonanruf. Am anderen Ende der Leitung ist Tore Pulli. Dieser behauptet trotz seiner Verurteilung weiterhin standhaft, unschuldig zu sein und macht Juul ein verlockendes Angebot: Juul soll für Pulli herausfinden, wer ihn hereingelegt hat und dafür verantwortlich ist, dass er nun im Knast sitzt. Als Gegenleistung würde Pulli ihm alles verraten, was er über den Brand in Juuls Wohnung weiß. Und er weiß angeblich viel!

Ohne noch groß darüber nachzudenken, beginnt Henning mit Nachforschungen im Umfeld des Inhaftierten. Und bringt sich damit in tödliche Gefahr.

Fazit: Tja, skandinavische Krimis und ich, wir werden einfach keine Freunde mehr, fürchte ich. Wobei – das klingt jetzt schon wieder negativer als es soll. „Vergiftet“ hat durchaus seine guten Seiten.

Die Geschichte hinter der Geschichte , nämlich Juuls Ermittlungen rund um den Brand und den Tod seines kleinen Sohnes, zieht sich schon seit Teil eins durch die Serie von Thomas Enger und hat durchaus ihren Reiz. Diese Hintergrundgeschichte ist allerdings auch schon fast der einzige Aspekt, der mich dazu bringen würde, die anderen Teile auch zu lesen. Die Ermittlung im Fall Tore Pulli dagegen, die ja eigentlich im Vordergrund steht, bietet dagegen eher durchschnittliche Krimi-Hausmannskost. Dem aufmerksamen Leser erschließt sich die Lösung des Falles sehr viel früher als Henning Juul, was auf lange Sicht etwas nervtötend wird.

Die durchschnittliche Krimi-Hausmannskost zeigt sich auch bei den Charakteren – mit einer rühmlichen Ausnahme. Thorleif Brenden wird von bösen Buben erpresst und gezwungen, eine Straftat zu begehen, andernfalls würde seiner Familie etwas geschehen. Der Zwiespalt in dem sich Brenden befindet, sein moralisches Dilemma, seine Verzweiflung und Angst, all das wird sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Für den Rest der Charaktere gilt allerdings das eingangs Gesagte.

Diesen nur teilweise vorhandenen Stärken stehen aber einige Dinge gegenüber, die das Buch zwischenzeitlich zum Ärgernis machten. Da werden Zeitungsartikel wiedergegeben, die den Eindruck erwecken, als hätte Thomas Enger nie einen solchen Artikel gelesen oder gar geschrieben. Und das als ehemaliger Online-Jounalist. Zum Beispiel wird über die kriminelle Vergangenheit Pullis berichtet und ein ganzer Absatz beschäftigt sich damit, dass er besonders bekannt war für seine Angewohnheit, seinen Kontrahenten den Kiefer zu brechen, bekannt als „Pulli-Bruch“…Also, ich weiß ja nicht… Das wäre so, als hätte man irgendwo über Frank Hanebuth ganze Absätze darüber gelesen, dass der zu seinen Hells-Angels-Zeiten gerne den linken Jab geschlagen hätte! Okay, der „Pulli-Bruch“ ist gewissermaßen relevant für die Geschichte, aber das hätte man irgendwie ungekünstelter einbringen können.

Oder die Stelle an der Henning Juul in den vor Jahren ausrangierten Schreibtischen der Redaktion etwas sucht. Praktischerweise wurden die nach der letzten Renovierung alle im Keller gelagert, mit alten PCs und sonstigem Bürokram. Wird das in euren Büros auch so gemacht? Klar, wer hat bei einem defekten PC an seinem Arbeitsplatz nicht schon mal gedacht: „Ha, ich wusste doch, dass es sich lohnen würde, den 286er von 1990 auszubewahren!“? Also, meiner Meinung nach wird altes Mobiliar entweder verschrottet oder verkauft, aber…

Eine ganz besondere Freude für mich waren die polizeilichen Ermittlungen. Ohne zu viel zu verraten, aber: Es gerät jemand in Verdacht, weil am Ort eines Verbrechens ein Fußabdruck der Größe X in einem Blumenbeet gefunden wird. Vor der Wohnungstür des Verdächtigen finden die Ermittler Erde und der Verdächtige hat die Schuhgröße X. Also, wird er verhaftet! Ja, nee, is klar! Man könnte natürlich auch Abgüsse der Fußspuren machen, um Dinge wie Profil oder ähnliches zu vergleichen. Oder gar eine chemische Analyse der Erde im Blumenbeet und der vor der Wohnungstür. Ohne diese Dinge wäre im Grunde genommen jeder Norweger verdächtig, der Schuhgröße X hat und gerade mit Gartenarbeit beschäftigt war. Das wäre das selbe als würde man bei Ermittlungen sagen:

„Gut, Fakt ist, dass das Opfer vor drei Tagen von einem roten VW Golf überfahren wurde…!

„Da! Da hinten fährt ein roter Golf!“

„Dass muss er sein! Ihm nach!“

Oder die mutmaßliche Tatwaffe: Der Verdächtige besitzt eine Waffe gleichen Kalibers, die „vermutlich am Vortag abgefeuert“ wurde. Ballistische Tests? Verlgeiche mit den Projektilen am Tatort? Fehlanzeige! Also, sollte jemand Kriminaltechniker und Experte im Bereich der Ballistik sein, würde ich das berufliche Umfeld nicht nach Norwegen verlegen. Dort verzichtet man auf solche Nebensächlichkeiten!

Sehr lange nachgedacht habe ich übrigens über eine Textstelle, in der über einen Kriminellen behauptet wird, „er vergisst auch nie, das Unvorhersehbare einzuplanen.“ Ist das tiefgründig oder Unfug? Ich bin für Letzteres! Ich bin kein Experte in Sachen Logik, aber wenn etwas unvorhersehbar ist, dann kann ich es nicht einplanen. Alles was ich einplanen kann hingegen, ist dagegen per se nicht unvorhersehbar.

Nun, die oben angeführten Beispiele – es hätte noch weitere gegeben – haben mir die Lektüre des Buches phasenweise mächtig verdorben. Falls ich doch nochmal über ein Buch von Enger stolpere, dann lese ich es nur wegen der Hintergrundgeschichte.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Fermats letzter Satz“ von Simon Singh. Eigentlich mehr ein Sachbuch als ein Roman. Es geht um Mathematik. Jaaahaa, Mathematik! Wer mich kennt, der wird sich jetzt entweder die Augen reiben oder lachen. Vielleicht auch beides nacheinander.  😉