abc.Etüden KW 19/20 IV

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich die Blogosphäre nachher mit einer neuen Rezension beglücken, vermutlich wird das einerseits aber an der mangelnden Zeit scheitern, andererseits bietet sich mir momentan fast jeden Tag ein neuer Aufhänger, eine weitere Etüde zu schreiben. Das könnte ich aus Bloggersicht als recht komfortable Situation empfinden – wenn es nicht so traurig wäre …

Die Etüden werden federführend von Christiane geleitet, die Wortspende für den Rest der Woche kommt von Katha kritzelt.

Legen wir los:

 

„Du schreibst schon wieder …“ *seufzt*

„Ja, aber diesmal ist es wirklich, wirklich wichtig!“

„Ich traue mich kaum zu fragen, aber: Womit bringst Du Dich diesmal in Schwierigkeiten?“

„Ich arbeite an einer bundesdeutschen Version der „Zehn Gebote der Zuwanderung“, die jetzt in Niederösterreich für Asylbewerber gelten bzw. an diese vermittelt werden sollen.“

„Ja, so was in der Art hatte ich befürchtet. Abgesehen davon, dass das kurios und latent blasphemisch klingt: Was steht denn in Deiner Version drin?“

„Ach, das meiste übernehme ich so ähnlich aus dem Original. Beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache.“

„Hmmm – ich verstehe den tieferen Sinn dahinter, aber: Solange Muttersprachler weiterhin „wie“ und „als“ verwechseln, keinen Unterschied zwischen „seid“ und „seit“ kennen, „denn“ und „weil“ nicht richtig verwenden und weiter beharrlich „Standard“ mit t am Ende schreiben, sollte man vorsichtig sein, was man von Migranten fordert …“

„Punkt zwei: die Aufforderung, Gesetze einzuhalten.“

„Aha – und konsequenterweise werden straffällig gewordene Deutsche dann ausgebürgert …?“

„Ähm, nein …“

„Dachte ich mir. Wie geht’s weiter?“

„Tiere sollen vor unnötigem Leid geschützt werden!“

„Löblich, aber: Hast Du kürzlich mal die Bilder aus deutschen Schlachthöfen gesehen, in denen man Tieren gewerbsmäßig unnötig Leid zufügte?“

„Ähm, nein …“

„Weiter im Text!“

„Orientierung der Kindererziehung an deutschen Werten …“

„Lügde!“

„Achtung der Religionsfreiheit …“

„Pegida!“

„Dankbarkeit gegenüber Deutschland …“

„Oh bitte! Wie genau stellst Du Dir das vor?“

„Soweit bin ich noch nicht …“

„Ja, ganz offensichtlich. Mach mal Platz da. Oder noch besser: Geh weg und repariere Dein Fahrrad, das Katzenauge ist hin. Außerdem balancierst Du mit dem Pamphlet hier an einer Strafanzeige entlang.“

„Und was machst Du?“

„Ich setze jetzt einen 10-Punkte-Plan für Demokratien auf:

Punkt 1: Niemand darf einfordern, wozu er nicht selbst willens und in der Lage ist.
Punkt 2: Niemand darf wegen seiner Herkunft unter Generalverdacht gestellt werden. Punkt 3: Am 26.05. ist Europawahl.
Punkt 4:  Hmmm…“

„Ich geh´ dann mal …“

„Okay …!“

 

 

300 Worte

P.S.: Interessant ist die Resonanz auf den Vorschlag der oben genannten „10 Gebote“ – so gibt es beispielsweise auf der Seite des „Focus“ – ich wollte dieses Medium eigentlich aus guten Gründen meiden – zum jetzigen Zeitpunkt 26 Kommentare und praktisch ausnahmslos halten alle diese 10 Gebote für eine gaaaanz tolle Idee. Ironischerweise sind dort tatsächlich Menschen dabei, die „wie“ und „als“ nicht auseinanderhalten können, die „Standard“ mit t am Ende schreiben und die über Menschen schreiben „dehnen wir versuchen zu helfen(…) – „dehnen“ kenne ich in erster Linie aus dem Sportbereich. Diese Kommentare sind also entweder Realsatire – oder aber sie bestärken mich in meinen Vorurteilen … ;-)

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24 Kommentare zu „abc.Etüden KW 19/20 IV

  1. Ich als Niederösterreicherin muss mich fremdschämen …😞
    Aber wie unser Herr Bundespräsident gestern sagte: „So sind wir nicht.“
    (Jedenfalls nicht alle.)
    Und die Regierung hat sich selbst abgeschossen. Neuwahlen also. Ach, das ist alles so ein Kasperltheater…😞
    Sprachlose Grüsse,
    Veronika

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    1. Eurem Bundespräsidenten glaube ich diesen Ausspruch sogar, bei anderen führenden Politikern hätte ich da mehr Schwierigkeiten. ;-)

      Solange das Kasperltheater zu einem guten Ende führt, darf man zufrieden sein. Der Umgang der FPÖ mit dem Journalisten Wolf einerseits und die Posse um Strache andererseits – die ich im Grunde unfassbar komisch finde ;-) – andererseits, müssten den Menschen eigentlich deutlich vor Augen geführt haben, wes Geistes Kind sie sind. Ob sich das in der folgenden Wahl niederschlägt kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe es aber!

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      1. Ich hoffe es auch. Wie du sagst, der Umgang mit Journalist Armin Wolf ist unsagbar. Und was Kickl so unternimmt, kann einem Angst machen.

        War es Charlie Chaplin, der sagte: Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, dann gib ihm Macht!

        Ich sehe im Moment eigentlich keine Partei, der ich Regierungsqualitäten zusprechen könnte. Es ist leider so, dass ich genau weiß, wen ich nicht wählen werde. Aber wen dann wählen?

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  2. Über diese Meldung bin ich auch gestolpert, habe aber vermieden, die Kommentare zu lesen.
    Das mit der Sprache erheitert mich auch immer wieder. Am besten finde ich ja immer Rechtschreibfehler auf Demoschildern insbesondere Rechten. Da hatte mal einer Volk mit F geschrieben. Irgendwie tragikkomisch.
    Grüße, Katharina

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    1. Ich nehme mir ja auch immer mal wieder vor, die Kommentare zu ignorieren, aber zwischendurch schadet es nicht, sich mit diesen auseinanderzusetzen, damit man sich wirklich vor Augen halten kann, dass diese Menschen, die teilweise eine wirklich menschenverachtende „Meinung“ vertreten, nicht nur virtuell existent, sondern wirklich irgendwo da draußen sind.

      „Volk“ mit F ist schon wieder so geil, da geht wenig drüber. :-) Ich fand es damals bezeichnend, als die Pegidioten einen Galgen für Sigmar Gabriel herumtrugen, diesen – also den Galgen – aber fälschlicherweise mit „Siegmar“ Gabriel beschrifteten. Diese Herrschaften sind entweder sogar zu blöd oder zu faul, die richtige Schreibweise ihres Feinbildes zu googeln! :-)

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  3. Mein Freund war ja selbst mal Zuwanderer in NÖ, wenn auch kein Asylbewerber. Als EU-Mitglied, und das sind auch Duisburger Hafenkinder, darf man ja auch ohne Asyl in Ö wohnhaft werden, wobei ich mich aktuell frage, warum man das wollen sollte.
    Als ich ihn einst dort besuchte, sprach uns in einem Beisl ein Einheimischer an. Bis heute weiß ich nicht, ob er Deutsch sprach, ich verstand nicht ein Wort. Könnte natürlich auch am zuvor exzessiven Alkoholgenuss des Betreffenden gelegen haben.
    Jedenfalls das Gebot „Du sollst die deutsche Sprache lernen“ finde ich nach dieser Erfahrung lustig. Die Gebote „Du sollst die österreichischen Gesetze befolgen“ und „Du sollst Konflikte gewaltfrei lösen“ halte ich für selbstverständlich (das zweite sollte in erstgenannten inkludiert sein, oder? Ich kenne jetzt die österreichischen Gesetze nicht so.).
    Interessant finde ich wiederum, daß es angeblich keine Sanktionen geben solle, wenn sich jemand nicht an die Regeln halte (gerade in einem Artikel dazu gelesen). Das halte ich gerade im Hinblick auf die im letzten Absatz zitierten „Gebote“ für fragwürdig.

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    1. Gerade bezüglich der Vorgabe zur deutschen Sprache greift oftmals das Sprichwort mit dem Glashaus und den Steinen. ;-)

      Dass man Gesetze zu befolgen hat und Konflikte möglichst gewaltfrei lösen sollte, versteht sich in der Tat von selbst. Es ist absolut unnötig, die Meinung zu propagieren,es sei nötig, eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe nochmals explizit darauf hinzuweisen, und sie damit unter Generalverdacht zu stellen. Und „unnötig“ ist gerade das freundlichste Wort, das mir hierzu einfiel. :-)

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  4. Und um deinen Tag zu verschönern: Dein Beitrag wird mir im Reader angezeigt :-) (ich hatte erst überlegt, ob ich dich direkt ärgern soll, mit so Aussagen wie „das erste mal seid langer Zeit ….“ oder „… dehn WP funktionier wieder….“ aber ich wollte dir ja den Tag verschönern ….. ;-)

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    1. Yaaaay! ;-)

      Obwohl ich ja weiß, dass Du der Orthografie mächtig bist, hätte ich Dich für „dehn Wp funktionier wieder“ schwer gemaßregelt. ;-) Bleibt zu hoffen, dass der Tag, vielleicht die Woche, wirklich schön wird. Momentan ist noch mächtig Luft nach oben …

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      1. Ach, Orthografie ebenso wie sonstiges geht bei mir tatsächlich meist nach Gefühl und da ich nicht „Schreiben nach Hören“ gelernt habe, funktioniert das meistens (leider nicht immer) recht gut :-)
        Ich bitte aber ausdrücklich um Maßregelung – finde ich einfach wichtig!

        Luft nach oben hätte ich auch noch. Lass uns mal kurz zusammen eine Runde jammern ;-)

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        1. Mit dem Wunsch nach Maßregelung stehst Du in diesem Zusammenhang recht einsam da. Die meisten – zumindest außerhalb der Blogosphäre – reagieren mit „Rechtschreib-Nazi!“ ;-)

          Okay, dann jammern in 3…2…1…

          Wuuäääähhh … ;-)

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  5. Ein Nachbarsjunge sagte noch als Jugendlicher anstatt „weil“ immer „warum“. An dem Punkt endeten meine Beobachtungen seines auch sonst merkwürdigen Sprachverhaltens, das ich keinem der mir bekannten Dialekte zuordnen konnte. Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass er/die gesamte Familie ein sehr unsoziales Verhalten an den Tag legte. Er ist Lehrer geworden.

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    1. Über „Er ist Lehrer geworden.“ könnte man herzlich lachen, wenn es nicht so traurig wäre. :-)

      Dass man „warum“ anstelle von „weil“ verwendet, ist mir allerdings auch neu. Eine erste Recherche ergab auch keinen sinnvollen Hintergrund. :-)

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      1. Habe bis heute keine logische Erklärung, auch nicht in Fremdsprachen gefunden, obwohl mich solche Zusammenhänge interessieren. Z. B. kenne ich u. a. mitholen und Ich hab kalt aus deutsch-französichen Grenzregionen.
        Übrigens wiesen diese Eltern die Kinder an, sich gegenseitig zu verraten – gegen Geld. Ich weiß schon, warum ich seit Jahren eine psychologische Eignungs-Überprüfung vor dem Lehrerstudim fordere – nicht nur vor diesem.

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      1. Ich kenne sie alle!! :) Meine ganz besondere Begeisterung gilt aber der Verwechslung von „seid“ und „seit“. Politisch inkorrekt denke ich mir: dafür muss man richtig dumm sein. Einen schönen Tag wünsche ich dir trotzdem.

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  6. Ja, äh, Wahl. Genau. Meine über 90-jährige Nachbarin macht zum ersten Mal in ihrem ziemlich langen Leben Briefwahl und wenn die das kann, hat niemand ein Argument das nicht zu tun. *geht Wahlbrief in Tasche packen, kommt nachher am Briefkasten vorbei*

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  7. „Womit bringst du dich diesmal in Schwierigkeiten?“ 😀
    Hervorragend, wenn es nicht so tragisch wäre. Amüsieren tu ich mich trotzdem.
    Und jawohl: Am 26.5. ist Europawahl. Kann man nicht oft genug wiederholen.
    Dein Ping ist übrigens da. Und da ich mich heute früh selbst verlinkt hatte und das auch geklappt hat, scheint mir das Problem auf dem Rückzug zu sein. Wenigstens was.
    Komm gut in die neue Woche!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, „tragisch“ trifft es ganz gut, leider.

      Aber hey, gut zu wissen, dass WP seinen Job wieder macht. Mal schauen, wie lange dieser Zustand anhält … ;-)

      Was die Woche angeht, so wird diese wohl eine sein, bei der ich froh bin, wenn sie vorbei ist. Zwar werde ich heute wohl einen schönen Abend haben, sofern nichts dazwischenkommt, alles andere wird aber wahrscheinlich nicht so prickelnd. Nun, wir werden sehen. Ich danke Dir jedenfalls und wünsche Dir auch einen guten Wochenstart.

      Gefällt 1 Person

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