„Untreue“ von Paulo Coelho – Fremdgehen salonfähig?

Buch: „Untreue“ (2014)

Autor: Paulo Coelho

Verlag: Diogenes

Ausgabe: Taschenbuch, 315 Seiten

Der Autor: Paulo Coelho ist ein 1947 in Rio de Janeiro geborener brasilianischer Schriftsteller. In einem religiös geprägten Haushalt aufgewachsen, beschließt Coelho nach der Schule, Jura zu studieren. Dieses Studium unterbrach er zwischenzeitlich für eine zweijährige Weltreise. Durch seine anschließende Tätigkeit als Theater- und Drehbuchautor, seinen Drogenkonsum sowie seine Ablehnung gegenüber den Eltern zweifeln diese an seinem Geisteszustand und lassen ihn insgesamt dreimal in die psychiatrische Anstalt „Casa de Saúde Dr. Eiras“ einweisen.  Die Erlebnisse dort verarbeitet Coelho in seinem Roman „Veronika beschließt zu sterben“.

Die weitere Lebensgeschichte Coelhos ist zu umfang- und abwechslungsreich, als dass ich sie hier in ein paar Zeilen angemessen wiedergeben könnte. Daher beschränke ich mich auf sein literarisches Werk:

Coelhos erfolgreichster Roman ist bislang „Der Alchimist“, welcher in 80 Sprachen übersetzt und über 83 Millionen Mal verkauft wurde. Insgesamt verkauften sich seine Bücher über 210 Millionen Mal.

Zwischenzeitlich stellte der Autor seine Bücher online kostenlos zur Verfügung, ein vermeintliches Desaster für die Verlage, die ihr Aufbegehren dagegen erst einstellten, als sich herausstellte, dass dadurch mehr seiner Bücher verkauft wurden.

Als Information am Rande: 2014 wurde ein Asteroid nach Paulo Coelho benannt.

Das Buch: Linda ist Journalistin, 31 Jahre alt, hübsch, gut situiert, verheiratet und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Schweiz. Und im Grunde könnte Linda mit sich und ihrem Leben zufrieden sein. Ist sie aber nicht. Denn nach einem Interview mit einem Schriftsteller, dessen Maxime es ist „voller Leidenschaft zu leben, auch wenn es gefährlich ist, denn man weiß nie, wohin das führt.“ (S.8), ist für Linda nichts mehr so, wie es vorher war.

Plötzlich stellt sie sich die Frage: Ist das alles? Geht das jetzt immer so weiter? Aus Angst vor einem Leben voller Monotonie und Langeweile droht Linda, in Depressionen zu versinken.

Um der Monotonie einerseits und den Depressionen andererseits zu entgehen, stürzt sich Lisa kopfüber in eine Affäre mit ihrer alten Jugendliebe Jacob und setzt dabei das Glück ihrer Familie aufs Spiel.

Fazit: 1998 hat sich Paulo Coelho mit „Veronika beschließt zu sterben“ in die Top Ten meiner Lieblingsbücher geschrieben. Daher lasse ich diesem imposanten ersten Leseeindruck in regelmäßigen Abständen weitere Bücher von Coelho folgen, im vorliegenden Fall eben „Untreue“.

Coelhos Bücher sehen sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, sie seien monothematisch, beschäftigen sie sich doch immer wieder mit Sinnsuche und Selbstfindung. Das stimmt vielleicht sogar, aber wenn man, wie Coelho, gleichbleibende Themen gut verarbeitet, dann ist diese Monothematik meiner Meinung nach durchaus legitim.

Über den Stil Coelhos schrieb ich an anderer Stelle einmal „es macht jederzeit Spaß, ihn zu lesen“. Das gilt auch für „Untreue“. Der Autor verzichtet darauf, seine Sätze unnötig zu verkomplizieren und an kleine stilistische Eigenheiten, wie die, in Dialogen nur die Äußerungen von Lisas Gesprächspartnern in Anführungsstriche zu setzen, während Lisas eigene Sätze ohne diese auskommen müssen, hat man sich schnell gewöhnt. Und angesichts der Tatsache, dass der Roman in der Schweiz spielt, lässt es sich der Autor nicht nehmen, einige Äußerungen über die Schweizer zu tätigen, die man wohlwollend als charmante Seitenhiebe verstehen kann. Zwar behauptet er nicht, dass die Schweiz nur deswegen neutral sei, weil man dort einfach noch nicht wisse, auf wessen Seite Chuck Norris steht, nein, er behauptet eher, dass sich die Schweizer nicht dafür interessieren, „ob ein Politiker eine Geliebte hat, Bordelle besucht oder ein Coming-out hat. Wir wollen nur, dass er tut, wofür er gewählt wurde, und sein Budget nicht überzieht, damit wir in Frieden leben können. (S. 33)

Im späteren Verlauf der Handlung stellt Coelho übrigens die These auf, dass statistisch gesehen, einer von sieben Schweizern eine außereheliche Affäre hat. Das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert so stehen…

Aber auch sich selbst nimmt der Autor nicht aus, wenn es um Seitenhiebe geht. So schreibt er über Personen, die sich als Ratgeber über das Leben betrachten – und als solchen kann man Paulo Coelho ja durchaus auch selbst zählen: „Vielleicht aber sind diese Weisen (…) selber noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und benutzen uns als Versuchskaninchen, um zu sehen, wie wir reagieren. (S. 23)

Ein Buch wie „Untreue“, dessen Handlung sich im Wesentlichen mit der Entwicklung der Protagonistin beschäftigt, braucht starke Hauptfiguren. Und mit Lisa ist Paulo Coelho glücklicherweise eine solche gelungen. Wobei ich durchaus zugebe, dass ich Lisas Treiben – und nein, das ist kein schlüpfriger Wortwitz – über weite Strecken vollkommen unverständlich gegenübergestanden habe. Kurzzeitig habe ich mich sogar gefragt, ob der Autor mit „Untreue“ Werbung für Affären machen oder dem Leser vermitteln will, dass Seitensprünge schon okay sind, da die Hauptsache ja wohl ist, dass man selbst glücklich ist. Dem ist natürlich nicht so! Aber die Geschehnisse rund um Lisas Selbstfindung kann und sollte man kontrovers betrachten. Und zu einer kontroversen Handlung passt eben auch eine Protagonistin, an der sich der Leser auch mal metaphorisch reiben kann. In sich ist die Charakterzeichnung also vollkommen stimmig.

Wer sich gerne mit Büchern zum Thema Sinnsuche und Selbstfindung beschäftigt, der kann bei „Untreue“ bedenkenlos zugreifen. Und wer an sich mit den Büchern von Coelho etwas anfangen kann, wem also beispielsweise „11 Minuten“ gefallen hat, erst recht.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Wahrscheinlich „Des Teufels Gebetbuch“ von Markus Heitz. Oder vielleicht „Germany 2064“ von Martin Walker. Oder aber doch schon Carlos Ruiz Zafón. Auf jeden Fall eines davon… 😉

Buchdate #4: Zwischen Ratlosigkeit und Lektürevorschlägen

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Es ist mal wieder soweit: wortgeflumselkritzelkram und Zeilenende laden zum Buchdate #4. Thema dieser Ausgabe soll „moderne Klassiker“ sein. Warum auch immer!? Wäre ich egozentrischer, dann würde ich vermutlich die Behauptung aufstellen, dass sich die beiden Initiatoren das absichtlich ausgedacht haben, um mich zu ärgern. Glücklicherweise liegt mir jegliche Egozentrik fern… 😉 An dieser Stelle einen lieben Dank an die beiden Organisatoren!

Und Zeilenende organisiert das Ganze nicht nur mit, er ist diesmal auch dafür zuständig, mir Büchervorschläge zukommen zu lassen und hat das auch gleich getan. Wie der geneigte Leser in diesem Beitrag nachlesen kann, sind Zeilenendes Vorschläge:

Arthur Schnitzler – Spiel im Morgengrauen

Franz Kafka – Die Verwandlung

sowie

John Wyndham – Die Triffids

Nun, meine anfängliche mit einer Schockstarre einhergehende Totalverzweiflung hat sich mittlerweile immerhin gegeben und sich wenigstens zu einer umfassenden Ratlosigkeit gewandelt. Ich schätze, ich nehme mir noch so ein paar Tage Zeit, bis ich mich unter den genannten Kandidaten entscheide. 😉

Meine Wenigkeit hat diesmal die Ehre, seestern12 von seesternsbuecher drei Vorschläge zum Buchdate zu unterbreiten. Damit ich damit nicht völlig falsch liege, hat seestern12 folgende wichtige Informationen preisgegeben:

Meine letzten drei Bücher:
Jane Austens Geheimnis
Die weite Welt des Daniel Ascher
Widerfahrnis

Gut, von „Jane Austens Geheimnis“ habe ich sogar schon gehört. Gelesen habe ich es aber nicht. Aus Gründen. „Die weite Welt des Daniel Ascher“ ist mir dagegen gänzlich unbekannt. Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ ist mir auch nur wegen des Deutschen Buchpreises 2016 ein Begriff, gelesen habe ich es nicht. Kurz: Das Auswahlverfahren für meine Vorschläge wird nicht einfacher…

 

Lieblings-Genre:
Krimis (gerne Erstlingswerke aber nichts ala Rita Falk..)
Zeitgenössissches
Jugendfantasy

Ja, damit kann ich arbeiten. Bei Krimis bin ich auch oft zu Hause und „Zeitgenössisches“ ist ein weites Feld. Lediglich bei der Jugendfantasy bin ich nicht so bewandert. Fällt „Bartimäus“ oder „Eragon“ darunter? Ersteres habe ich wenigstens gelesen.

Meine drei Lieblingsautoren
Milan Kundera
Nicholas Barreau
M.C. Beaton

Hier sieht es wieder so ähnlich aus, wie bei den drei zuletzt gelesenen Büchern. Von Milan Kundera kenne ich leider nur „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“. Ja, ich weiß, Asche auf mein Haupt, der Mann soll tolle Bücher geschrieben haben. Das zutiefst deprimierende „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ allerdings hat mich so dermaßen geärgert und heruntergezogen, dass ich dieses Buch bestenfalls als bedeutungslos bezeichnen möchte.

Dass ich Nicholas Barreau nicht kenne, erschließt sich sehr schnell. Bücher wie „Du findest mich am Ende der Welt“ sind gänzlich außerhalb meines literarischen Radars.

Für M. C. Beaton gilt das selbe.

Was ich nicht lesen will:
Horror und SciFi
Und nichts ala Game of Thrones.. (ich habe es versucht aber es nichts für mich)

DAS macht es jetzt wirklich nicht einfacher, denn ich hatte ein paar Bücher im Kopf, die durchaus infrage gekommen wären, aber…ich…was?…Tschuldigung, einen Moment, bitte –

Was ist denn, Mr. King? Oder darf ich Stephen sagen? Nicht? Gut, also  Mr. King! Was ist denn, ich schreibe gerade den Beitrag für das Buchdate?! Was? Nein, ich kann diesmal keines ihrer Bücher empfehlen! Warum nicht? Na, seestern12 mag keinen Horror! 

Ja, ich weiß, dass ich Ihnen in Aussicht gestellt hatte, eines Ihrer Bücher zu empfehlen, schließlich kann man Ihre Bücher durchaus als „moderne Klassiker“ bezeichnen. Ja, mir tut es ja auch leid, aber was soll ich denn Ihrer Meinung nach jetzt machen? 

Bitte? Ja, ich weiß, dass sie auch Bücher geschrieben haben, die nicht unbedingt ins Horrorgenre…Was? „Der dunkle Turm“? Mr. King, ich bitte Sie!

Nein, also, um es kurz zu machen, diesmal wird es nichts mit einem ihrer Bücher, Mr. King. Ich muss Sie jetzt auch bitten zu gehen. Und nehmen Sie George R. R. Martin mit! Wo? Na, der sitzt nebenan und unterhält sich mit der Dreiergruppe, die sich für Mary Shelley, Bram Stoker und Douglas Adams hält. Teilen Sie denen bitte auch mit, dass die für heute raus sind, danke!

Und noch etwas: Rufen Sie mich nicht an, ICH rufe SIE an!

Entschuldigung, ich wurde abgelenkt. Wo war ich? Ach ja, also, ich hatte so einige Bücher im Kopf, dadurch dass sowohl Horror als auch SciFi als auch „Game of Thrones“ wegfallen, sah ich mich genötigt, mir etwas ganz anderes einfallen zu lassen.

Ich würde gerne mal wieder einen Klassiker lesen, Berührungsängste habe ich keine.

Na, das ist doch mal gut! 😉

Gut, gehen wir also in medias res und kommen zu meinen Vorschlägen:

1. Schuld und Sühne – Fjodor Dostojewski

Es muss vor so drei oder vier Jahren gewesen sein, als ich so etwas wie eine „russische Phase“ in meinem Leseverhalten hatte. Dabei las ich, neben Puschkin, Solschenizyn und anderen Autoren eben auch Dostojewskis „Schuld und Sühne“. Die Erlebnisse des Jura-Studenten und Mörders Raskolnikow sind mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Und mit einigem Wohlwollen könnte man das Buch gerade noch ins Krimigenre einordnen.

2. Der Richter und sein Henker – Friedrich Dürrenmatt

Eines der wenigen Beispiele für positive Schullektüre. Der alternde und kranke Kriminalkommissar Bärlach will den Mord an seinem Mitarbeiter Schmied aufklären. Ins Visier der Ermittlungen gerät der Lobbyist Gastmann, der vor Jahrzehnten bereits mit Bärlach gewettet hat, er könne ein Verbrechen begehen, dass er, Bärlach, ihm nicht nachweisen könne. Ich entsinne mich noch, damals völlig perplex darüber gewesen zu sein, in der Schule ein Buch zu lesen, das mir doch tatsächlich gefiel!

3. Das Parfum – Patrick Süßkind

Jean-Baptiste Grenouille, ein Protagonistenname, so schön, wie das ganze Buch!  Der mit einem einzigartigen Geruchssinn ausgestattete Protagonist geht im Paris des 18. Jahrhunderts bei einem bekannten Parfumeur in die Lehre. Im Laufe der Jahre vervollkommnet er seine Kenntnisse, aber der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist schmal. Auch „Das Parfum“ kann man als Kriminalroman lesen, wenn man möchte, darüber hinaus fällt es mit seinem Erscheinungsjahr 1985 aus meiner Sicht noch unter „Zeitgenössisches“.

Nun denn, seestern12, wähle weise. Solltest Du aber zum Eindruck gelangen, dass alle drei Vorschläge großer Mist sein sollten, dann lass mich das kurz wissen. Ich bin mir sicher, ich hätte da auch noch einen Plan C in der Schublade! 🙂

„Das Buch der Spiegel“ von E. O. Chirovici – Falsche Fährten

Buch: „Das Buch der Spiegel“ (2017)

Autor: E. O. Chirovici

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Hardcover, 382 Seiten

Der Autor: E. O. Chirovici stammt aus einer Familie rumänischer, ungarischer und deutscher Herkunft. Er wuchs im kleinen rumänischen Städtchen Fagaras an der Grenze zu den Karpaten auf. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb Chirovici erste Geschichten.

Im Jahr 1989 wurde seine erste Kurzgeschichte veröffentlicht, 1991 erschien sein Debütroman „Masacrul“. Chirovicis Erstlingswerk wurde in Rumänien ein großer Erfolg, dem er kurz darauf den Politthriller „Comando pentru general“ folgen ließ.

Nach 15 in Rumänien veröffentlichten Büchern verließ der Autor seine Heimat und ging ins Ausland.

Seit 2013 ist er hauptberuflich als Autor tätig und lebt abwechselnd in Reading und New York. „Das Buch der Spiegel“ ist Chirovicis erster Roman, den er in englischer Sprache verfasste.

Das Buch: Der Literaturagent Peter Katz bekommt unaufgefordert ein Manuskript des Autors Richard Flynn zugeschickt. Darin schildert Flynn die Ereignisse rund um die Ermordung des Psychologie-Professors Joseph Wieder in den 80er-Jahren. Der Mord wurde nie aufgklärt.

Flynn deutet in seinem Manuskript an, die Hintergründe der Bluttat aufzudecken und den Täter zu nennen. Der Text bricht jedoch viel früher ab.

Der Literaturagent Katz ist begeistert von Flynns Manuskript und versucht – leider erfolglos – ihn zu kontaktieren. Kurz darauf erfährt er, dass der Autor einem Krebsleiden erlegen ist.

Katz jedoch möchte die Chance auf einen Bestseller nicht so einfach aufgeben und beginnt, sich auf die Suche nach dem restlichen Manuskript sowie den darin erwähnten Personen zu machen. Kurz darauf verstrickt er sich in einem Dschungel gegensätzlicher Behauptungen, Darstellungen und Sichtweisen.

Fazit: Ursprünglich wollte ich ja als nächstes „Untreu“ von Paulo Coelho rezensieren, aber aus aktuellem Anlass – will sagen: weil mir dieses Buch in der Buchhandlung ins Auge sprang – habe ich doch erst „Das Buch der Spiegel“ vorgezogen. Angesichts einer Fülle von Neuerscheinungen der Marke „Pflichtkauf“ in den letzten Tagen (Chirovici, Heitz, Fitzek, Ruiz Zafón – unfassbar!), wird sich Herr Coelho vielleicht auch noch ein Weilchen gedulden müssen. Mal sehen, jetzt aber erst mal zu „Das Buch der Spiegel“:

E.O. Chirovici hat seinen Roman sowohl hinsichtlich des Stils als auch bezüglich der äußeren Form gut aufgebaut. Die Handlung von „Das Buch der Spiegel“ ist in vier Abschnitte unterteilt. Im ersten erfährt der Leser den Inhalt des Manuskripts von Richard Flynn sowie etwas über die Bemühungen des Literaturagenten Katz, an weitere Informationen zu kommen. Teil zwei wird aus der Sicht von John Keller erzählt, einem Journalisten, der von Katz mit weiteren Recherchen beauftragt wurde. Protagonist des dritten Teils ist der Ex-Polizist Roy Freeman, der damals mit den Ermittlungen im Mordfall Wieder betraut war. Die Handlung schließt mit einem kurzen Epilog.

Alle diese Abschnitte weisen ausreichend sprachliche Unterschiede auf, um die Unterteilung auch in dieser Hinsicht für den Leser deutlich zu machen.

Der Stil des Buches erinnerte mich irgendwie an „typisch amerikanische“ Romane, ohne jetzt detailiert begründen zu können, woher der Eindruck stammt, oder womit sich Chrirovicis Roman vergleichen ließe. Jedenfalls schafft es der Autor, den Leser bereits mit dem auf der ersten Seite beginnenden Anschreiben, das Flynns Text beigefügt war, in seinen Bann zu ziehen, verrät es doch bereits viel über die Person Richard Flynn. Und spätestens bei der Lektüre des eigentlichen Manuskripts ist der Leser ähnlich begeistert wie der Literaturagent und ähnlich ärgerlich, als dieses fast mittendrin abbricht.

Chirovici hält sich nicht übermäßig mit der Schilderung seiner Charaktere auf, er wählt den viel besseren Weg, seine handelnden Personen durch andere Charaktere schildern zu lassen. So werden beispielsweise im Rahmen der Handlung zwei damalige Kollegen des Psychologie-Professors Wieder befragt und beide zeichnen ein völlig gegensätzliches Bild von ihm. Auch bei den übrigen handelnden Personen ist man sich bezüglich ihres Wesens nie wirklich sicher, ob der Eindruck, den man sich als Leser von ihnen gemacht hat, nun so stimmt, oder nicht.

Dieses Muster der gegensätzlichen Schilderung der Charaktere behält der Autor auch hinsichtlich der Handlung bei. Da widersprechen sich beispielsweise die Aussagen von Zeugen quasi diametral.  Da werden durch Chirovici Fährten gelegt, die der Leser hoffnungsvoll verfolgt, nur um irgendwann zu bemerken, dass diese im Nichts versanden. Regelmäßig hat man als Leser das Gefühl: „Ja, jetzt habe ich die Lösung!“, nur um kurz darauf festzustellen, dass die folgenden Informationen so gar nicht zu dieser Lösung passen wollen und einzugestehen: „Na gut, ich habe die Lösung nicht!“

E.O. Chirovici ist mit „Das Buch der Spiegel“ ein ausgesprochen gut konstruierter Spannungsroman gelungen. Und „konstruiert“ hat in diesem Zusammenhang keine negative Bedeutung. Auch abseits der Geschehnisse hinsichtlich des Manuskripts und des Mordes bietet der Roman dem Leser genügend Ansätze, sich noch längere Zeit gedanklich damit zu beschäftigen, so z. B mit der im Roman thematisierten Frage, inwieweit wir unseren Erinnerungen vertrauen können bzw. wie diese manipulierbar sind.

Ich für meinen Teil hoffe, dass der Autor diesem Roman möglichst bald weitere folgen lässt!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Des Teufels Gebetbuch“ von Markus Heitz. Es sei denn, ich schiebe Paulo Coelho doch noch dazwischen. Also, sein Buch.

„Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau – Szenen einer Ehe

Buch: „Die Glücklichen“ (2017)

Autorin: Kristine Bilkau

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 301 Seiten

Die Autorin: Kristine Bilkau, 1974 geboren, ist eine deutsche Autorin.  Sie war 2008 Finalistin des Literaturwettbewerbs Open Mike in Berlin und 2009 Stipendiatin der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. 2010 erhielt sie das Stipendium des Künstlerdorfes Schöppingen und 2013 nahm sie an der Bayerischen Akademie des Schreibens des Literaturhauses München teil.

Sie arbeitet als Journalistin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Ihr erster Roman „Die Glücklichen“ wurde vom Feuilleton gefeiert und mit dem Franz-Tumler-Preis, dem Klaus-Michael-Kühne-Preis und dem Hamburg Förderpreis für Literatur ausgezeichnet.

(Quelle: btb Verlag, Klappentext)

Das Buch: Isabell und ihr Mann Georg leben zusammen mit dem wenigen Monate alten Sohn Matti ein zufriedenes Leben. Isabell verdient ihr Geld als Cellistin in einem kleinen Orchester, Georg ist Journalist.

Dann aber tauchen dunkle Wolken am Ehehimmel auf: In einer Atmosphäre von Stress und Überforderung beginnen Isabells Hände beim Cello spielen zu zittern. Ihr Spiel wird ungenauer, schließlich fällt das auch den Kollegen auf. Da sich trotz aller Bemühungen keine Besserung einstellen will, steht schließlich ihre berufliche Zukunft als Musikerin auf der Kippe.

Und auch Georg bleibt nicht vom Schicksal verschont. Die Krise der Print-Medien ereilt auch seine Zeitung. Sie wird an einen ausländischen Investor verkauft und Georg verliert seinen Job. Das vor kurzem noch gutsituierte Paar muss nun sehen, wie sie über die Runden kommen. Das wirkt sich auch auf ihr gemeinsames Zusammenleben aus.

Fazit: Der Einstieg in diesen Debütroman fiel mir aus im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbaren Gründen recht schwer. Wie gut, dass ich dann doch noch hinein gefunden habe, denn „Die Glücklichen“ wird eine ganze Weile bei mir nachklingen.

Kristin Bilkau entwirft das Portrait zweier Menschen, sie in den Dreißigern, er 42 Jahre alt, die sich innerhalb kurzer Zeit zweimal mit einer gänzlich neuen Lebenssituation zurecht finden müssen. Erst wird der Sohn Matti geboren und der Alltag der beiden berufstätigen Menschen muss generalstabsmäßg geplant werden: Sobald Georg von der Arbeit kommt, ist er für den kleinen Matti zuständig, weil Isabell sich dann für die abendlichen Konzerte fertig machen muss. Nach einiger Eingewöhnungszeit – und der einen oder anderen Fluchtphantasie von Isabell – klappt das ganz gut.

Dann jedoch bricht auch noch das wirtschaftliche Fundament weg, auf dem die beiden mit ihrem Sohn ihr Leben eingerichtet haben. Und das führt zu Problemen. Denn einerseits haben beide ganz unterschiedliche Arten, mit der Situation umzugehen und das Problem zu lösen und andererseits sind sie beide jetzt plötzlich den ganzen Tag zu Hause – und beginnen, sich auf den Geist zu gehen.

Das Umfeld in dem sich das junge Paar üblicherweise befindet, tut sein Übriges, um die Situation zu verschärfen, haben sowohl Isabell als auch Georg doch das Gefühl, mitleidig beäugt zu werden, angesichts dessen, was sie für ihr eigenes Scheitern halten. „Auf dem Heimweg schaut er wieder in die Fenster der anderen. Regalwände voller Bücher, offene Küchen, die bunten Vorhänge der Kinderzimmer. Das eigene Leben in den fremden Wohnzimmern erkennen. Doch die gesicherten Existenzen mit ihren geschmackvollen Wandfarben sage alle: Wir können, du nicht.“, heißt es da zum Beispiel.

Mit Isabell und Georg hat Bilkau zwei komplexe Charaktere geschaffen, die im Gedächtnis bleiben, und die man als Leser oftmals einfach nur mal am Kragen schütteln will, weil sie aneinander vorbei reden. Oder noch schlimmer: Weil sie gar nicht reden, sondern sich fälschlicherweise einbilden, zu wissen, was der jeweils andere über sie denkt! Denn viele der Schwierigkeiten, denen sich das junge Paar ausgesetzt sieht, resultieren schlicht aus mangelnder Kommunikation.

Bilkaus Schreibstil mag anfangs gewöhnungsbedüftig wirken, so ist der Einstieg in das Buch relativ dialogarm, die Sätze manchmal recht lang. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, dann weiß „Die Glücklichen“ stilistisch voll zu überzeugen, denn der Schreibstil ist vielleicht gewöhnungbedürftig, aber eben auch schön.

Kristine Bilkau hat mit „Die Glücklichen“ ein Buch über die Generation geschrieben, über die Martin Schulz kürzlich sinngemäß gesagt hat, sie sei die Generation, die sich einerseits um ihre noch im Elternhaus lebenden Kinder kümmern müsse und andererseits bereits um die in die Jahre gekommenen Eltern. Über eine Generation, die vor allem eines nicht darf: Scheitern! Eine Generation, deren Vertreter in der Grundschule schon Druck vermittelt bekamen, damit sie später aufs Gymnasium gehen können. Eine Generation, für die der Druck dort weiterging, damit sie später auch einen Studienplatz bekommen. Eine Generation, die sich mit verkürzten Studiengängen und den entsprechenden Auswirkungen in physischer und psychischer Hinsicht auseinandersetzen musste. Eine Generation, deren Vertreter dann schließlich auf dem Arbeitsmarkt landeten, in dem es vor prekären Arbeitsverhältnissen nur so wimmelt und von denen sie, wenn sie Glück hatten, eines ergattern konnten. Andernfalls gehörten sie von da an eben zur Generation Praktikum.

Bilkau tut das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Sie wertet nicht, sie beschreibt nur. Und genau das ist es wohl, was die starke Wirkung des Buches ausmacht. Ein sehr gelungener Debütroman!

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 9,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Anspruch: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich schwanke noch zwischen „Untreue“ von Paulo Coelho und „Inselgrab“ von Johan Theorin. Eines davon wird es wohl werden.

 

„Good as Gone“ von Amy Gentry – Mehr vom selben?

Buch: „Good as Gone“ (2017)

Autorin: Amy Gentry

Verlag: C. Bertelsmann

Ausgabe: Taschenbuch, 317 Seiten

Die Autorin: Amy Gentry hat ihr Studium an der Universität von Chicago mit einem PhD abgeschlossen und lebt in Austin, Texas, wo sie Englische Literatur an einer Highschool unterrichtet. Gleichzeitig arbeitet sie als freie Literaturkritikerin für die Los Angeles Review of Books und Chicago Tribune. „Good as gone“ ist ihr erster Roman, der noch vor Erscheinen für riesiges Aufsehen sorgte und in über 200 Länder verkauft wurde. (Quelle: Klappentext, C. Bertelsmann)

Das Buch: Das Ehepaar Anna und Tom führt mit seinen Töchtern Julie und Jane ein glückliches Leben. Bis zu der verhängnisvollen Nacht vor acht Jahren, als die damals 13 Jahre alte Julie von einem Unbekannten entführt wurde. Ihre Schwester Jane, damals erst zehn Jahre alt, kann von einem Versteck im Wandschrank aus die Entführung beobachten, alarmiert allerdings erst Stunden später ihre Eltern, nachdem sie aus ihrer Schockstarre erwacht ist. Alle Bemühungen der Eltern und der Polizei, das junge Mädchen wieder zu finden, schlagen fehl.

Jetzt, acht Jahre später, steht Julie, mittlerweile 21 Jahre alt, wieder vor der Tür ihres Elternhauses. Die wieder vereinte Familie ist so glücklich, wie sie nur sein kann. Wenn da nicht diese leisen Zweifel wären… Ist diese Person wirklich ihre Tochter? Und wenn ja, warum lügt sie, was ihre Therapietermine angeht? Und warum verschweigt sie, dass sie ein Handy besitzt?

Schließlich meldet sich der Privatdetektiv Alex Mercado bei Anna, um ihre Zweifel weiter zu befeuern, behauptet er doch, dass es sich bei „Julie“ auch um jemand ganz anderen handeln könne. Anna will der Wahrheit auf den Grund gehen.

Fazit: Reden wir mal über Büchergestaltung, genauer gesagt, über Covergestaltung. Mir leuchtet durchaus ein, wenn man die Bücher einer Autorin oder eines Autors alle auf eine ähnliche Art und Weise gestaltet, Stichwort Wiedererkennungswert. Wenn man aber die Cover verschiedener Autorinnen ganz ähnlich gestaltet, führt das zu Komplikationen und, im schlechtesten Fall, zu unerwünschten Nebeneffekten. So dachte ich im vorliegenden Fall aus einiger Entfernung, bei „Good as Gone“ handele es sich um einen neuen Roman von Gillian Flynn, ähnelt das Cover doch sehr dem von Büchern wie „Gone Girl“. Vom Titel ganz zu schweigen. Auch Ähnlichkeiten mit „Girl on the train“ sind durchaus vorhanden.

Das mag ja bei einigen Lesern und Innen dazu führen, dass sie sagen: „Oh, das siehr aus wie XY, das muss gut sein, das nehme ich!“ Ich dachte bei mir eher so etwas wie: „Boah, puh, das sieht aus, als hätte ich es schon mehrfach gelesen. Aber ich nehme es trotzdem mit, und sei es nur, um mal wieder einen zünftigen Verriss schreiben zu können!“ Im schlechtesten Fall hätte ich es aber ob seiner Gestaltung einfach im Regal stehen lassen. Inwiefern diese Gestaltung also glücklich gewählt ist, sei mal dahingestellt.

Wenn man durch die das Cover eines Buches Vergleiche zu anderen Autorinnen quasi herausfordert, muss sich das Buch diesen Vergleichen dann aber auch stellen – und schneidet dabei nicht wirklich gut ab.

Nehmen wir da mal als Bespiel die Charaktere. Die, meiner Meinung nach, größte Stärke von Gillian Flynn, neben der Erzeugung düsterer Grundstimmung, ist ihre Charakterzeichnung. Und wenn man „Girl on the train“ von Paula Hawkins nicht mag, so muss man der Autorin doch eines lassen: Sie entwirft – abseits der Handlung – auf sehr gelungene Art und Weise das schonungslose Portrait einer alkoholkranken Frau. Vergleichen mit diesen beiden Autorinnen bieten die Charaktere von Gentry relativ wenig. Lediglich Anna lernt der Leser wirklich besser kennen, alle weiteren Charaktere bleiben recht blass.

Sieht man sich den Stil des Buches an, so fallen zweierlei Dinge auf. Erstens: Auch das können oben erwähnte Autorinnen besser. Und zweitens: Die Erzählstruktur gliedert sich in Kapitel auf, die abwechselnd die aktuellen Ereignisse einerseits und Julies Erlebnisse andererseits erzählen. Letztere von der Gegenwart ausgehend immer weiter in die Vergangenheit reichend. Auch diese Erzählstruktur gab es in ähnlicher Form von o.g. Damen bereits. Im Laufe der Lektüre beschlich mich die Vermutung, dass Amy Gentry von Flynn und Hawkins abgeschrieben hat – oder zumindest im selben Workshop gesessen hat.

Auch die Handlung hat mich leider nicht vollends überzeugt, was ich aber nicht an Dingen wie Logiklöchern oder ähnlichem festmachen kann, sondern einfach daran, dass das mein subjektiver Eindruck ist. Näher gehe ich auf die Handlung aber nicht ein, die Gefahr zu spoilern ist schon immens groß!

Kurz: So für zwischendurch kann man an „Good as Gone“ bestimmt sein Vergnügen haben. Der überschaubare Umfang mit 317 recht groß geschriebenen Seiten fördert das auch sicherlich. Im Vergleich mit z. B. Gillian Flynn bleibt es aber deutlich auf der Strecke. (Ich mag Gillian Flynn, merkt man das? ;-)) Darüber hinaus habe ich das Szenario „Verschwundes Kind kehrt zurück“ in Anita Terpstras „Anders“ bereits deutlich besser gelesen.

Ich für mich habe jedenfalls gelernt, dass ich bei Büchern, von denen es heißt, dass sie „noch vor Erscheinen für riesiges Aufsehen“ sorgten und „in 20 Länder verkauft“ wurden, in Zukunft noch skeptischer sein werde.

Gesamtwertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Tja, so genau weiß ich das nicht. Vielleicht endlich „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau. Vielleicht auch etwas anderes. Mal sehen, wozu ich so Lust habe.

„Butcher´s Crossing“ von John Williams – Entschleunigung

Buch: „Butcher´s Crossing“ (2016)

Autor: John Williams

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 365 Seiten

Der Autor:  John Williams war ein 1922 in Clarksville, Texas, geborener amerikanischer Autor und Herausgeber.Er wuchs im ländlichen Texas auf, seine Großeltern waren Farmer.

Williams meldete sich 1942 freiwillig zum Militär. In den folgenden zweieinhalb Jahren, die er in Indien und Burma verbrachte, entstand sein erster Roman „Nothing But the Night“, der 1948 veröffentlicht wurde.Im Folgejahr erschien der Gedichtband „The Broken Landscape“.

Im Anschluss an den Krieg schloss Williams ein Studium der Englischen Literatur ab, promovierte 1954 und erhielt ein Jahr später eine Assistenzprofessur an der Universität Denver. Dort lehrte er 30 Jahre lang.

Nach einem zweiten Gedichtband erschien 1965 sein College-Roman „Stoner“. Den größten literarischen Erfolg hatte Williams jedoch mit seinem nächsten und letzten Roman „Augustus“, welcher 1973 den „National Book Award“ für Belletristik erhielt.

Die letzten 35 Jahre seines Lebens war Williams mit seiner vierten Ehefrau verheiratet.

Er starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

Das Buch: USA, um 1870: Der 23 Jahre alte Will Andrews fühlt sich vom Trubel, den Menschen und der Enge in seiner Heimatstadt Boston zunehmend gestört. Daher entscheidet sich der Harvard-Student, eine Reise gen Westen zu beginnen und Kontakt zu einem ehemaligen Bekannten seines Vaters aufzunehmen. Diesen findet er nach einiger Suche in der kleinen Stadt Butcher´s Crossing in Kansas.

Nach kurzer Eingewöhnungszeit in dem beschaulichen Städtchen, fasst Andrews den Entschluss, an der Seite des Büffeljägers Miller nach Colorado aufzubrechen und dort auf Büffeljagd zu gehen. Fred Schneider, der für das Häuten der erlegten Büffel zuständig ist, sowie Charley Hoge, eine Art „Mädchen für alles“, komplettieren die Vierergruppe, die schließlich nach Westen aufbricht.

Es beginnen eine Reise und ein Abenteuer, die den jungen Will für immer verändern werden.

Fazit: Es gibt Bücher, die liest man genau zur richtigen Zeit. „Mögest Du in interessanten Zeiten leben“ soll ja angeblich ein chinesischer Fluch sein, der auf irgendeinen britischen Botschafter mit schwierigem Namen zurückgeht. Und wenn man das tut, also, „in interessanten Zeiten leben“, dann ist „Butcher´s Crossing“ genau die richtige Lektüre. Jedenfalls die erste Hälfte des Buches, denn die wirkt durchaus beruhigend und entschleunigend, ohne langweilig zu sein. Die zweite Hälfte hat andere Qualitäten.

Zu Beginn des Buches erfährt der Leser einiges über die Person Will Andrews und über seine Motivation, nach Butcher´s Crossing zu kommen. Der junge Mann ist gestresst – so würde man das heute nennen – von der hektischen Lebensart in seiner Heimatstadt und hat den diffusen Gedanken, dass da doch irgendwie noch mehr sein muss im Leben. Was auch immer dieses „mehr“ bedeuten mag. Inspiriert von Gemälden in seinem Elternhaus, die die unberührten Weiten des Westens zeigen, bricht der junge Mann schließlich voller Motivation auf.

Und man kann ihn gern haben, den jungen Andrews, denn von der zunehmenden Hektik des Lebens hat sich wohl fast jeder schon mal überfordert gefühlt und ebenso irgendwann mal morgens nach dem Aufwachen den Gedanken gehabt: „Geht das jetzt immer so weiter?“ So geht es Andrews eben auch. Will Andrews ist nachvollziehbar gestaltet und vor allem führt Williams dem Leser die persönliche Entwicklung seines Protagonisten derart gekonnt vor Augen, dass es eine Freude ist.

Überhaupt besticht „Butcher´s Crossing“ durch eine gelungene Charakterzeichnung. Dadurch dass sich Williams auf – im Wesentlichen – nur vier Personen beschränkt, fällt das vielleicht auch leichter. So fiel mir gelegentlich die Widersprüchlichkeit des fanatischen Jägers Miller auf, der zwar einerseits unzählige Büffel ohne mit der Wimper zu zucken erschießt, der aber andererseits beklagt, was mit den Überresten der erlegten Büffel passiert, nämlich dass „die Weißen“ sich die Knochen schnappen würden, „nur“ um daraus Dünger zu machen, während die Indianer – und da ließ sich eine gewisse Wertschätzung herauslesen – wenigstens das ganze Tier verarbeiten und daraus eine Fülle von Gegenständen herstellen. An anderer Stelle wieder urteilt er über „Flussindianer“, es lohne sich nicht mal, sie über den Haufen zu schießen…

Ebenfalls gefallen hat mir Charley Hoge, auch wenn ich während des ganzen Buches vor meinem inneren Auge eine Art Sam Hawkens hatte, nur mit weniger Humor, dafür aber mit Whiskey und Bibel.

Ich habe bereits bei „Stoner“ den Stil von John Williams gelobt und tue es bei „Butcher´s Crossing“ gerne wieder, denn Williams scheint immer einen Stil zu finden, der zur jeweiligen Handlung passt. War „Stoner“ eher in einem zur Hauptfigur passenden zurückhaltenden und unkomplizierten Stil gehalten, so besticht der Stil in „Butcher´s Crossing“ – vor allem in der ersten Hälfte – durch wirklich schöne Beschreibungen der Vegetation, der Lichtstimmungen, der Natur im allgemeinen Halt. Und das vermittelt eben genau diesen beruhigenden Effekt, den Andrews sich von seiner Reise verspricht.

In der zweiten Hälfte fällt das ein wenig weg, dafür kommt aber deutlich Bewegung in die Handlung.

Überhaupt: die Handlung! Williams beschreibt die Geschehnisse um den kleinen Jagdtrupp sehr eindrücklich. So wird auch die Büffeljagd in allen unästhetischen Details geschildert. Das lässt sich relativ gut verkraften, aber für Tierschützer und arg Zartbesaitete ist das eher nichts. Zumal zwischendurch auch noch eher derbe Rituale nach dem Ausweiden eines Büffels beschrieben werden, die an die Ernährungsgewohnheiten von Hannibal Lecter erinnern – nur ohne Chianti!

Es mag sein, dass „Butcher´s Crossing“ keinen immens hohen Spannungsbogen oder nervenaufreibenden Action-Anteil hat – obwohl ich dieser Einschätzung deutlich widersprechen würde – aber im Zentrum der Handlung steht halt einfach die persönliche Entwicklung des Protagonisten. Und die ist, ich erwähnte es, hervorragend wiedergegeben.

„Williams´ schmales Werk erlangte erst postum Weltruhm“ heißt es in der Verlagsinformation. Und das ist wirklich sehr, sehr schade. Die Entscheidung vergangener Lesegenerationen, seine Bücher zu seinen Lebzeiten weitgehend zu verschmähen, war meiner Meinung nach ähnlich weise, wie die Entscheidung von „Decca Records“, die Beatles abzulehnen!

Wenn Holger Kreitling in seiner Rezension zu „Butcher´s Crossing“ in „Die Welt“ schreibt: „Go Buchladen, junger Leser, go Buchladen!“, dann empfinde ich das zwar als sprachlichen Fehdehandschuh mir gegenüber, aber Unrecht hat der Mann nicht! Ein wirklich tolles Buch!

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „“Good as gone“ von Any Gentry.

Buchdate #3: „Der Finne“ von Taavi Soininvaara – Finnische Schnitzeljagd

Im Rahmen des nunmehr dritten von wortgeflumselkritzelkram und Zeilenende ins Leben gerufenen Buchdates, habe ich von Li vom Blog „Lebenslichtpfade“ drei Buchvorschläge bekommen, von denen ich mir einen aussuchen durfte, um anschließend eine Rezension zu verfassen. Die drei Vorschläge waren:

1.Die dunkelbunten Farben des Steampunk – Anthologie aus dem Art Skript Verlag

2. Dastan, Rebellion der Engel – Stefanie Bender

3. Der Finne – Taavi Soininvaara

Ich lese eigentlich überaus gerne Fantasy-Romane, die Entscheidung zugunsten eines der ersten beiden Vorschläge hätten sich da sicherlich angeboten.

Tragischerweise sind Cyber- und Steampunk die so ziemlich einzigen Bereiche innerhalb der Fantasy, mit denen ich nichts anfangen kann. Somit schied der erste Vorschlag aus.

Und Engel kommen in meiner Liste der unbeliebtesten Fantasy-Geschöpfe direkt hinter im Sonnenlicht glänzenden Vampiren. Daher schied auch der zweite Vorschlag aus.

Aber da gab es ja noch einen dritten Vorschlag, auf den die Wahl dann gefallen ist. Also: Los gehts!

Buch: „Der Finne“ (2011)

Autor: Taavi Soininvaara

Verlag: atb

Ausgabe: Taaschenbuch, 498 Seiten

Der Autor: Taavi Soininvaara ist ein 1966 in Imatra, Finnland, geborener Krimi-Autor. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften war er als Wirtschaftsanwalt tätig. Er begann 1997 mit dem Schreiben und veröffentlichte im Jahr 2000 seinen Debütroman „Finnisches Blut“. Der riesige Erfolg des Buches ermöglichte es ihm, ab dem Jahr 2001 jegliche andere berufliche Tätigkeit an den Nagel zu hängen und hauptberuflich zu schreiben.

Die Krimireihe um seinen Ermittler Arto Ratamo umfasst bislang zwölf Bücher, von denen zehn auch in deutscher Übersetzung erhältlich sind. Neben der Arto-Ratamo-Reihe schreibt der Autor auch an der „Mundus-Novus-Serie“, die bereits vier Bände umfasst.

Das Buch: Der über 80 Jahre alte Otto Forsman befindet sich in heller Aufregung. Nach Jahrzehnten des unbehelligten Untertauchens, scheint man ihm jetzt doch auf die Schliche gekommen zu sein. Denn Forsman hütet seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein einzigartiges Geheimnis: Nur er kennt den Aufenthaltsort eines Buches, das unter dem Namen „Schwert des Marschalls“ bekannt ist. Darin enthalten sind Informationen, die den gesamten russischen Staat zum Einsturz bringen können.

Forsman hat keine Wahl, er muss fliehen, sich erneut verstecken und sich dann ruhig verhalten. Vorher aber lässt seinem Sohn Eerik eine Nachricht zukommen: Eerik soll das „Schwert des Marschalls“ finden und erneut verstecken, bevor Forsmans Verfolger in dessen Besitz geraten können.

Kurz darauf macht sich Eerik Sutela in Begleitung von Arto Ratamo, Mitarbeiter des finnischen Nachrichtendienstes SUPO, sowie ihrer Führerin Taru Otsamo auf den Weg, das „Schwert des Maschalls“ zu finden. Ihnen im Nacken sitzen bereits der russische Geheimdienst FSB, die russisch-othodoxe Kirche sowie ein Profikiller.

Fazit: Eigentlich hatte ich in der Vergangenheit ja so meine Probleme mit skandinavischen Krimis. Und ja, ich weiß, dass im geografischen Sinne nur der Nordwesten Finnlands zu Skandinavien gehört, aber der Einfachheit halber sei mir diese Vereinfachung gestattet.

Jedenfalls, zu oft warteten diese Krimis mit desillusionierten, schlechtgelaunten Ermittlern mittleren bis gesetzteren Alters und Handlungen auf, die ebenfalls meist recht düster waren. Meine Theorie ist ja, dass das mit der Lichtmenge in den nordeuropäischen Staaten zusammenhängt, das weiter auszuführen, würde mich aber doch zu weit vom Thema abkommen lassen. 😉

„Der Finne“ macht in dieser Hinsicht einiges besser, wenn auch nicht alles.

Der Stil des Buches passt sich der temporeichen Geschichte an. Die von einem allwissenden Erzähler berichtete Handlung wird in kurze Kapitel unterteilt, bei denen ständig Schauplatz und handelnde Personen wechseln. Eigentlich gibt es aus meiner Sicht hinsichtlich des Stils nur zwei Negativpunkte. Einen, für den der Autor etwas kann und einen, für den er nichts kann. Der für den er nichts kann, ist folgender: Meine letzte Rezension eines finnischen Buches trug die Überschrift „Ich kaufe ein ä!“, womit ich nachvollziehbarerweise auf die Angewohnheit der finnischen Sprache hinweisen wollte, eigentlich unpassende Buchstabenreihenfolgen mit exzessiver Umlaut-Verwendung für Namen von Orten und Personen zu benutzen. Mit den Namen der handelnden Personen hatte ich in „Der Finne“ etwas mehr Glück, aber wenn der Lesefluss öfter unterbrochen wird, weil etwa ein Park „Vuorimiehenpuistikko“ heißt – von unzähligen Straßennamen jetzt mal abgesehen -, dann macht mich das fertig! 😉 Ich bin für die finnische Sprache wohl nicht geschaffen! Aber, wie gesagt, dafür kann der Autor ja nichts.

Der stilistische Negativpunkt, für den der Autor etwas kann, ergibt sich durch die Chraktere. Wenn man jetzt mal von Arto Ratamo absieht, bleiben die Charaktere insgesamt eher blass. Die meisten, und da kommen wir zum stilistischen Aspekt, zeichnen sich nur durch eine oder zwei sich ständig wiederholende Angewohnheiten aus. So zweifelt Ratamo ständig den Geisteszustand des alten Otto Forsman an. Irgendwann hat man das als Leser aber auch einmal begriffen, ohne dass man es wieder und wieder erwähnen muss. Als weiteres Beispiel sei ein FSB-Beamter genannt, dessen größter Wunsch es ist, ein schöneres, größeres Haus zu bekommen, das er in greifbare Nähe gerückt sieht, sollte es ihm gelingen, die Ermittlungen zum „Schwert des Marschalls“ erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Auch das wird wieder und wieder erwähnt.

Dazu kommen noch der Konsum von Nikotinkaugummis, Zigaretten und Migränetabletten, dem unsere Dreiergruppe Ratamo, Sutela und Otsamo immer und immer wieder nachgeben. Während Ratamo seine Kaugummis ja noch zu gönnen sind, wirkt es schon irgendwie irritierend, wenn sich Otsamo auf anderthalb Seiten drei Kippen ansteckt. Und den übermäßigen Konsum der Migränetabletten durch Sutela würde ich im allerbesten Fall als kontraproduktiv bezeichnen. Aber auch diese Angewohnheiten werden eben immer und immer wiederholt. Schade eigentlich, denn wenn man diese Eigenheit des Autors zur Wiederholung etwas zusammengestrichen hätte, würde sich „Der Finne“ noch wesentlich flüssiger lesen lassen. „Vuorimiehenpuistikko“ hin oder her! 😉

Neben dem grundsoliden Stil und den leider überschaubaren Charakteren, kann das Buch vor allem im Bereich der Handlung punkten. Durch die oben erwähnte Erzählweise bleibt das Tempo der Erzählung so hoch wie das der Handlung und ich als Leser freute mich, den drei Protagonisten auf der Suche nach dem geheimnisvollen Buch von Hinweis zu Hinweis zu folgen. Diese Art der Schnitzeljagd erinnert im besten Sinne an die Bücher von Dan Brown. Und die mag ich gerne, auch wenn Dan Brown seit geraumer Zeit eigentlich immer das selbe Buch schreibt. 😉 Daher gibt es insgesamt für „Der Finne“ von mir auch einen klares: Daumen hoch! Vielen Dank an Li für den Vorschlag!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere 6 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Wahrscheinlich „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau. Oder doch lieber „Butcher´s Crossing“ von John Williams? Na, eines von beiden jedenfalls.

Herzkramen – elfmalelf

Hallo, liebe Leute,

in regelmäßigen Abständen lassen sich Blogger und Innen kreative Variationen zum „Liebster Award“ einfallen. Im vorliegenden Fall tat das Random Randomsen mit dem „Herzkramen“. Freundlicherweise wurde ich auch gleich dafür nominiert. An dieser Stelle vielen, herzlichen Dank dafür!

Beim „Herzkramen“ geht es darum, zu elf Oberbegriffen elf Assoziationen zu finden. Das kann in Form einzelner Stichworte oder ganzer Sätze erfolgen, je nachdem, was man beim Kramen im Herzen so zu Tage födert. Das muss auch nicht sonderlich strukturiert sein. Und wird es vermutlich auch nicht. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, habe ich noch nicht die geringste Ahnung, wo mich das hinführt. Aber schauen wir einfach mal:

I • Blog

  • Mein Blog entstand aus einer fixen Idee. Da es sich um eine fixe Idee handelte, musste diese sofort in die Tat umgesetzt werden, ohne jegliche Kenntnisse der Materie. Da es mir an Kenntnissen mangelte, habe ich mich in der Folge für das simpelste und am einfachsten zu beherrschende Layout entschieden, das bei WordPress zu finden war. Ich feiere diese Entscheidung noch heute!
  • Zu meiner ersten veröffentlichten Rezension von John Grishams „Home run“ habe ich noch heute ein ganz besonderes Verhältnis. Nicht, weil sie so gut ist, sondern einfach, weil sie die erste ist.
  • Zu zwei, drei anderen in der Anfangszeit erschienenen Rezensionen habe ich ein deutlich schlechteres Verhältnis und würde diese heute niemals wieder so schreiben. Mit der Zeit habe ich nämlich gelernt: Man kann Verrisse auch subtiler schreiben, als ich das anfangs tat. Ich hoffe bis heute, dass mir die eine oder andere Autorin nicht doch noch ein dreiköpfiges sonnenbebrilltes Schlägerkommando im Kühlschrankformat vorbeischickt.
  • Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn meine Beiträge nur im Reader gelesen und dann „geliket“ werden. Auf diese Weise tauchen die Leser nämlich in der Statistik nicht auf und manchmal hat das zur Folge, dass ein Beitrag mehr „Likes“ als Aufrufe hat…
  • Ich habe an sich zu den Statistiken von WordPress ein eher gespaltenes Verhältnis, habe ich sie doch im Verdacht, immer mal wieder nicht so ganz korrekt zu sein. Trotz meiner ureigenen Abneigung gegen Zahlen, bin ich in der Lage, Zahlen zu addieren. Und meine addierten Zahlen weichen immer öfter von denen ab, die WordPress so ermittelt hat.
  • Eine der angenehmsten Erfahrung, die ich in der „Blogosphäre“ – welch fürchterliches Wort – so gemacht habe, ist die der Art des Umgangs von Bloggerinnen und Bloggern untereinander. Wer sich mal länger als fünf Minuten in einer beliebigen Kommentarsektion einer beliebigen Internetseite aufgehalten hat, weiß, wie sehr der Umgangston unter Bloggern davon abweicht, im positiven Sinne.
  • Meine Lieblingsrezension ist wohl nach wie vor die über „Das Kind, das nachts die Sonne fand„. Einfach, weil ich beim Schreiben der selben einen Mordsspaß hatte. Beim Lesen des Buches eher weniger.
  • Die Anzahl meiner Follower wächst zu meinem endlosen Erstaunen weiter beständig. Bei gleichbleibender Entwicklung kann ich mich mit meiner Gefolgschaft bald zu den Thermopylen aufmachen, um sie gegen Xerxes zu verteidigen.
  • Ich denke immer wieder darüber nach, einen zweiten Blog zu starten, der sich inhaltlich nicht nur mit Büchern beschäftigt. Allein, weil auf der Welt zu viel passiert, zu dem ich auch etwas zu sagen hätte, was aber in Buchrezensionen nur schwer untergebracht werden kann.
  • Immer, wenn ich darüber nachdenke, fällt mir ein, wie viel Zeit so ein Blog verschlingt und nehme von diesem Vorhaben wieder Abstand.
  • Außerhalb jeglicher Vorstellungskraft lag für mich auch, welch großen Zeitaufwand das Lesen anderer Blogs darstellt. Auch wenn diese Zeit natürlich gut investiert ist.

II • Sprache

  • „They tried to teach me French, but they failed!“ Der Satz ist leider nicht von mir, aber er trifft meine Fremdsprachenkenntnisse recht gut.
  • Ich war und bin ein eiserner Verfechter der Nutzung des Genitivs. Auch die nebenbei hingesagte Bemerkung meines damaligen Deutschlehrers: „Ach, wissen Sie, der Genitiv ist eigentlich für´n Arsch!“ hat daran nichts geändert.
  • Ich war lange Jahre klugscheißerisch veranlagt, was die deutsche Sprache angeht. Will sagen: Ich habe Menschen meines näheren Umfeldes häufig verbessert, wenn dort Fehler gemacht wurden. Ein eher unangenehmer Wesenszug, wenn man mal darüber nachdenkt. Heute tue ich das nicht mehr. Besagte Menschen meines näheren Umfeldes geben mir aber auch keinen Grund mehr dazu. Dann hat es also doch etwas gebracht! 😉
  • So richtig ablegen konnte ich diese erwähnte Eigenschaft allerdings nie. Wenn man sich, wie bereits oben erwähnt, mal in einer Kommentarsektion einer beliebigen Internetseite aufhält, dann empfinde ich es einfach nur noch als tieftraurig, was viele Menschen dort mit der deutschen Sprache anstellen. An die konsequente Nichtanwendung von Groß- und Kleinschreibung habe ich mich ja schon fast gewöhnt, aber wenn jemand dauerhaft Dativ und Akkusativ nicht auseinanderhalten kann oder Halbsätze mit „weil“ einleitet (weil, das ist falsch!), dann überkommt mich auch da der Drang, helfend einzugreifen. Alternativ möchte ich mich dann auch einfach nur mit einer Gänsefeder blenden, um mich anschließend mittels eines Füllers von Lamy selbst zu entleiben!
  • Gestern war übrigens „Internationaler Tag der Muttersprache“.
  • Es gibt eine Reihe von deutschen Wörtern, für die es in anderen Sprachen keine Entsprechung gibt, also keine wörtliche Übersetzung. In manchen Fällen wurden diese Worte auch einfach 1:1 in den englischen bzw. amerikanischen Sprachschatz übertragen. Wörter ohne wörtliche Übersetzung sind z. B.: Weltschmerz, Zugzwang, Luftschloss, Torschlusspanik, Fremdschämen, Schadenfreude, Fernweh, Ohrwurm, lebensmüde, Erklärungsnot, Schnapsidee, Fingerspitzengefühl, Kopfkino oder auch Feierabend. Praktischerweise habe ich diese Information gerade der heutigen Tageszeitung entnommen. Für die Jüngeren: „Tageszeitung“, das ist so etwas wie ein analoger News-Feed. 😉
  • Ich hasse Anglizismen!
  • Ich würde gerne Plattdeutsch beherrschen. Ich verstehe es weitestgehend, spreche aber nur in auswendig gelernten Phrasen. Wahrscheinlich hat meine Oma väterlicherseits eine intensivere Beschäftigung mit dieser Sprache verhindert. Häufig, wenn ich in meiner Kindheit dort zu Besuch war, sprach sie mit ihren Bekannten platt – während ich dabeisaß und kein Wort verstand. Das fand ich doof und das führte irgendwann in eine Protesthaltung dieser Sprache gegenüber. Aus heutiger Sicht schade eigentlich
  • Mit anderen Dialekten habe ich in mehreren Fällen so meine Probleme. Da gibt es den einen oder anderen, den ich gar nicht so gut hören kann. Und nein, ich werde jetzt keine Beispiele nennen.
  • Noch heute denke ich darüber nach, ob ich nicht besser doch Latein als zweite Fremdsprache in der Schule hätte nehmen sollen. Langfristig hätte das keinen Unterschied gemacht. Und doch…
  • Wenn ich mich so an meine Deutschlehrerin der Klasse 7 und 8 zurück erinnere, ist es eigentlich ein Wunder, dass ich so ein gutes Verhältnis zu unserer schönen Sprache entwickelt habe. Ich erinnere mich, dass sie mich einmal mit hochrotem Kopf anfuhr: „Das heißt „Wie bitte“!“
  • Ich hätte auf ihre von mir nicht vernommene Frage aber auch nicht mit „Hä?“ antworten sollen…

III • Orte

  • Ich bin in den nun schon fast vier Dekaden meines Lebens (auweia!) noch nicht einmal umgezogen.
  • Wenn man sich in meinem kleinen Dorf mal umschaut, stellt sich bezüglich des nicht erfolgten Umzugs unweigerlich die Frage nach dem „Warum“!
  • Halt, doch, einmal umgezogen bin ich doch. Wenigstens so halb. Damals, zum Studienbeginn. Nach Hannover, Stadtteil Limmer. Wer gerne in einer Umgebung wohnt, in der er es nicht weiter als maximal 100 Meter bis zum nächsten Kiosk und/oder zur nächsten Trinkhalle hat, der ist dort gut aufgehoben.
  • Wenn ich so nachdenke, fällt mir auf, dass ich in meinem Leben doch erstaunlich wenig rumgekommen bin.
  • Stade ist schön! Wer sich mal in der Nähe dieser Perle des Alten Landes aufhält, dem sei ein Besuch der selben ausdrücklich empfohlen!
  • Das genaue Gegenteil dieser Perle ist wahrscheinlich Bochum-Riemke! Ich hatte einmal das seltene Vergnügen durch diesen Bochumer Stadtteil zu fahren. Oder besser: gefahren zu werden. Daher hatte ich auch Gelegenheit, mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Das hätte ich lieber gelassen, denn diese Umgebung zog mich stimmungsmäßig tatsächlich runter. Auch die auf dem Bürgersteig laufenden Bochum-Riemker vermittelten den Eindruck, als hätte der VfL gerade 0:15 verloren, den Verein aufgelöst und einen Schuldenberg von 250 Millionen hinterlassen, der jetzt von allen Bochumern zu gleichen Teil zu bezahlen ist. Seid mir nicht böse, liebe Leute aus Bochum-Riemke, aber bei euch war es deprimierend.
  • Ich würde gerne mal nach Irland fahren.
  • Wahlweise auch in einen anderen Teil der englischsprachigen Inseln Europas.
  • Kroatien käme auch in Frage, ich war seit fast 30 Jahren nicht da. In meiner Erinnerung war es ganz schön.
  • Regelmäßig besuchter Urlaubsort in Kroatien war damals Senj. Dort wurde übrigens „Die rote Zora“ gedreht. Die Älteren werden sich erinnern…
  • Wenn es schon um Orte geht, dann darf ein ganz bestimmter nicht unterschlagen werden, nämlich das Weserstadion in der mit gigantischen Abstand schönsten Hansestadt der Welt. Auch da war ich schon lang nicht mehr. Aber letztes Jahr wenigstens in der Nähe.

IV • Pflanzen

  • Ich habe von Pflanzen nicht die geringste Ahnung. Und ich habe selten so untertrieben!
  • Dennoch habe auch ich Lieblingsblumen: Strelitzien!
  • Ich habe davon Abstand genommen, zu Muttertagen Orchideen zu organisieren. Meine Mutter hat zwar durchaus einen grünen Daumen, aber wenn sie eine Pflanzenart mit absoluter Sicherheit in Rekordzeit vom Leben zum Tode befördert, dann sind das Orchideen. Der Grund dafür ist bis heute unklar.
  • Orchideen musste ich infolgedessen also anderweitig verschenken und tat das vor geraumer Zeit an eine ganz zauberhafte Person. Diese Orchidee zeichnete sich durch außerordentliche Langlebigkeit aus. Vielleicht gibt es sie noch heute, ich muss bei Gelegenheit mal nachfragen
  • Kürzlich wollte ich im Blumenfachhandel Christrosen erwerben. Erst am Eingang fiel mir ein, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wie die Dinger aussehen! Also habe ich mir alle Pflanzen vor der Tür im Detail angesehen, schließlich aber mit den Schultern gezuckt und das Geschäft betreten. Auf meine Frage nach den Christrosen hieß es: „Die stehen doch draußen!“ Aha… Wie gesagt: Ich habe von Pflanzen nicht die geringste Ahnung.
  • Meine erste Amtshandlung in der Ausbildung damals war es, den Ficus benjamini in die ewigen Jagdgründe der Zimmerpflanzen zu gießen. Mein damaliger Chef: „Das hat er nicht verdient!“
  • Der Kirschbaum in unserem Garten macht mir Sorgen. Auch ohne Kenntnisse über Pflanzen kann der Laie erkennen, das der Baum von einer schnurgeraden, senkrechten Haltung deutlich abweicht…
  • Mir graut davor, dass besagter Kirschbaum das Schicksal unseres Walnussbaums teilt, der durch den Orkan „Kyrill“ umfiel – glücklichweise in die „richtige“ Richtung.
  • Warum verschenkt man eigentlich üblicherweise immer eine ungerade Anzahl Blumen?
  • Warum verschenkt man überhaupt Schnittblumen, wenn die nach ein paar Tagen sowieso hinüber sind, je nach Blume aber richtig teuer sein können?

V • Tiere

  • Ich bin eher der Hunde- als der Katzentyp.
  • Dennoch war mein letztes Haustier eine Katze. Ich bedauere heute noch, dass sich mein Namensvorschlag „Tigerkatzitatzi“ nicht durchgesetzt hat.
  • Da besagte Katze ganz plötzlich die Nahrungsaufnahme verweigerte, rapide abbaute und innerhalb von 48 Stunden tot war, verdächtige ich heute noch den Nachbarn, Gift gestreut zu haben. Möglicherweise, um Mäuse und größeres Nagegetier von seinem Grundstück zu beseitigen. Beweisen konnte man das nie.
  • Mein erstes Haustier war ein Hund, der mich quasi von Geburt an bis fast zu meinem 18. Geburtstag begleitet hat. Kein Wunder, dass ich eher der Hundetyp bin, oder!?
  • Dennoch weiß ich die beruhigende Wirkung einer schnurrenden Katze zu schätzen.
  • Und dennoch wiederum hätte ich, sollte ich mal wieder ein Haustier haben, lieber eines, das mir das Gefühl vermittelt, es freue sich, wenn ich nach Hause komme, als eines, das mal eben beiläufig ein Auge öffnet und dann weiter pennt.
  • In meiner Kindheit hatten wir einen Nymphensittich. Er hieß „Schmidtchen“ nach „Schmidtchen Schleicher“ – auch da werden sich die Älteren erinnern. Außer, wenn er nervte, dann hieß er „Schmidt“. Irgendwann einmal war der hiesige Pastor zu Besuch, um ein Gespräch zwecks meiner Konfirmation zu führen. Der Pastor hieß Schmidt. Der Pastor wollte nach erfolgtem Gespräch gerade das Haus verlassen, was den Nymphensittich veranlasste, einen Mordsrabbatz zu machen. Woraufhin er von mir mit den laut gerufenen Worten: „Ach, Schmidt, halt die Klappe!“ zur Räson gerufen wurde. Nachdem meine Eltern den Gast hinausbegleitet hatten, blickte ich in ihre hochroten und sichtlich peinlich berührten Gesichter. Ich allerdings war mir keiner Schuld bewusst, war mir der Name des Pastors doch tatsächlich unbekannt…
  • Im Kindergarten nahm ich am „therapeutischen Reiten“ teil – ich habe es gehasst!
  • Das „therapeutische Reiten“ heißt meiner Meinung nach nicht so, weil es therapierend wirkt, sondern weil man danach eine solche braucht!
  • In der Berufsschule hatten wir als Ziel für einen Ausflugstag mal zwei Alternativen zur Auswahl: den Zoo Hannover oder die Börse! Jetzt habe ich einen Ausbildungsberuf ergriffen, der seltsamerweise eher eine Frauendomäne ist. So saßen auch in unserer Berufsschulklasse etwa 20 Mädels und 4 Jungs. Ratet, wie das Abstimmungsergebnis ausfiel…
  • Beim anschließenden Zoobesuch – in der Liste der langweiligsten Stunden meines Lebens auf einem guten mittleren Platz – stürmte ein Klassenkamerad am Gehege mit den Erdmännchen an mir vorbei und rief begeistert „Tiiiimon!“. Mittlerweile habe ich diesen peinlichen Moment fast verdrängt. Hakuna matata!

VI • Musik

  • Ich habe etwa 10 Jahre meines Lebens Klavier gespielt bzw. Unterricht gehabt.
  • Wenn man diese Zeitspanne berücksichtigt, muss man konstatieren, dass ich am Ende dieser Spanne immer noch bemerkenswert schlecht war!
  • Warum mussten wir in der Schule in den Klassen 5 und 6 eigentlich mit Blockflötenunterricht gequält werden? Und müssen das die Kids von heute auch noch?
  • Warum haben wir uns in späteren Jahren im Rahmen des Musikunterrichts eigentlich fast ausschließlich mit klassischer Musik auseinandersetzen müssen. Modest Mussorgsky – „Bilder einer Ausstellung“. Yay!
  • Und was, um alles in der Welt, hatte Schönbergs „Zwölftonmusik“ auf dem Lehrplan zu suchen? Schönberg habe ich bis heute nicht begriffen!
  • Und warum schleppt man einen ganzen Musik-Grundkurs in eine Wagner-Oper!? Wagner! Wagner, der Untergang eines jeden entspannenden Rezitativs! Wagner, der Vertoner einer jeglichen Textzeile, und sei sie noch so banal: „Mein Tuch!“ Wagner, den Komponisten, der Opern über gefühlte vier Stunden hinzieht! Nein, er und ich, wir werden keine Freunde mehr…
  • Warum habe ich nach allen diesen Erfahrungen eigentlich kein musikalisches Trauma davon getragen?
  • Bin ich der Einzige, der so ziemlich alles, was so an „aktueller“ Musik im handelsüblichen Radio kommt, für völlig verzichtbar hält?
  • Wenn ich meinen Musikgeschmack von heute mit dem von vor, sagen wir, 30 Jahren vergleiche, dann sind die Unterschiede erschreckend groß. Damals habe ich noch „Roxette“ gehört und mit ein paar Kumpels in einer Playback-Band Songs von „Europe“ nachgespielt! (Machen die Kids von heute sowas auch noch?) Peinlich eigentlich… Obwohl, „Europe“ kann man heute noch hören, die klingen heute nämlich, im Gegensatz zu „Roxette“ deutlich anders als noch vor 30 Jahren.
  • Was macht eigentlich Hans Liberg?
  • Und als abschließende Frage dieser ganzen Fragen: Warum kennt hierzulande kaum jemand meine Lieblingsband „Matchbox Twenty“?

VII • Literatur

  • Meine Begeisterung für Literatur begann offentlich schon sehr früh: Ich hatte – die näheren Umstände sind egal – als Kleinkind zur Beschäftigung ein Büchlein in der Hand, in dem sich hauptsächlich Bilder und nur wenige geschriebene Sätze befanden – und die kannte ich ohnehin auswendig. Was ich nicht auswendig kannte, war der Titel des Buches, warum auch immer. Um den in Erfahrung zu bringen – ich konnte es ja selbst noch nicht lesen – griff ich zu einer völlig nachvollziehbaren Maßnahme: Ich fing an zu plärren! Und zwar so sehr, dass die Menschen, in deren Obhut ich mich befand, meine Mutter kontaktierten, die, sichtlich peinlich berührt, das Problem eruierte und löste. Woraufhin ich wieder sehr friedlich war.
  • Ich halte „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf für ein nach wie vor unlesbares Buch! Mein LK-Lehrer drückte es uns damals für die Abi-Vorklausur auf. Und fand sich kurz darauf fast mit Fackeln und Forken konfrontiert!
  • Auch Iny Lorentz und Diana Gabaldon sind unlesbar!
  • Ich hatte schon öfter eine Diskussion darüber, deshalb stelle ich bei dieser Gelegenheit nochmals klar: „Die Leiden des jungen Werthers“ ist ein tolles Buch!
  • Mein Lieblingsautor ist und bleibt David Mitchell! Wer so schöne Sätze schreibt, wie z. B.: „Zuweilen flitzt das flauschige Kaninchen Fassungslosigkeit so rasant um die Ecke, dass der Windhund Sprache perplex in der Startbox sitzen bleibt.“, der muss gut sein! 🙂
  • Mein wirklich intensiver Einstieg in die Literatur begann wahrscheinlich mit „Die weißen Kundschafter“ von Anna Müller-Tannewitz. Zu diesem Zeitpunkt habe ich Sachen wie „TKKG“ oder „Die drei ???“ gelesen, aber das genannte Buch hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und den Grundstein für vieles andere gelegt!
  • Warum ist der Anteil an blutiger „Mord-und-Totschlag-Literatur“ in den letzten Jahren eigentlich so angestiegen?
  • Wo ist der gute, alte „Whodunit-Krimi“ hin?
  • Ich hasse eBook-Reader!
  • Die Menge an guten Neuerscheinungen im ersten Quartal überfordert mich! Kai Meyer, Sebastian Fitzek, Carlos Ruiz Zafón… Auf Zafón freue ich mich irgendwie am meisten!
  • Hoffentlich kommt mein Buch für das „Buchdate #3“ noch rechtzeitig an! Meine erste und letze Erfahrung mit „reBuy“!

VIII • Bildende Kunst

  • Meine Kenntnisse in der bildenden Kunst unterbieten meine Kenntnisse bezüglich der Pflanzen noch deutlich!
  • Gerade vorhin erst habe ich mich diesbezüglich als Banause bezeichnet!
  • Gerade vorhin erst habe ich anhand eines Werkes von Peter Lenk auch bewiesen ein diesbezüglicher Banause zu sein!
  • Ich habe die „Fettecke“ heute noch nicht begriffen!
  • Irgendwann war ich mal in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe. Dort hatte jemand einen Einkaufswagen aufgetrennt und die einzelnen Metallteile irgendwie an einer Spanplatte befestigt.
  • Auch das habe ich bis heute nicht begriffen!
  • Wenn ich überhaupt etwas für bildende Kunst übrig habe, dann im Bereich der Malerei
  • Auch da gibt es aber massive Unterschiede! Während Picasso auf mich eher befremdlich wirkt, kann ich mich stundenlang mit Rembrandts Nachtwache oder Bildern von Waterhouse beschäftigen.
  • Mein Lieblingsgemälde ist übrigens „La surprise“ von Claude Marie Dubufe.
  • Ach ja, vor Bildern von M.C. Escher kann ich auch eine Weile verbringen – bekomme dann aber Kopfschmerzen.
  • Ich habe den Kunstunterricht zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgewählt! 🙂

IX • Technik

  • Ja, ich wusste, dass noch eine Kategorie kommt, in der ich noch weniger Kenntnisse aufweise als in „Pflanzen“ und „Bildende Kunst“.
  • Ich bin wirklich talentfrei, was Technik angeht. Ob es sich da um mechanische, elektrische, elektronische Technik oder Verbrennungsmotoren handelt – ich habe davon keine Ahnung. Aber eine Meinung, ja, die habe ich!
  • So gehört der Buchdruck zu  den, meiner Meinung nach, wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Auch wenn er letztlich zu Büchern von Dieter Bohlen führte.
  • Auch der PC als solcher ist eine gute Idee. Auch wenn Thomas Watson von IBM im Jahre 1943 einen maximalen Bedarf von fünf Computern weltweit gesehen hat…
  • eBook-Reader dagegen sind eine schlechte Idee. Und ja, ich weiß, dass ich das weiter oben bereits sinngemäß erwähnt habe! Es gibt Dinge, die kann man nicht oft genug wiederholen!
  • Hat nicht irgendjemand mal bewiesen, ob das mit Archimedes und seinem Spiegel geklappt hat?
  • Wo ist eigentlich „Betamax“?
  • Oder „Video 2000“?
  • Oder die „Mini-Disc“?
  • Und warum habe ich eigentlich das Gefühl, dass es sich heutzutage bei „Technik“ nur noch um Unterhaltungselektronik handelt? Irgendwie sehe ich keine neue Erfindung von den Ausmaßen eines Herzschrittmachers o. ä.! Mag sein, dass es die gibt, aber die gehen dann irgendwie bei diesem ganzen „Das-neue-iphoneX- ist – 0,3mm-dünner“-Hype unter!
  • Warum campen Menschen vor Läden, wenn ein neues iphone rauskommt!? Es ist ein Telefon, verdammt, keine mobile Raketenabschussbasis! Obwohl, vielleicht kommt das noch…

X • Lebensmittel

  • Hier verfalle ich jetzt mal in eine Art Steno, also: Haferflocken – schlecht!
  • Müsli im Allgemeinen – schlecht!
  • Innereien wie Leber o. ä. – un-fass-bar schlecht!
  • Obst in seiner ganzen Form – wenns muss
  • Gemüse – geht in jeder Form
  • Nudelauflauf – jaha!
  • griechisches Essen jedweder Art – jahaha!
  • Frittenbude – manchmal
  • Mäcces – selten, obwohl in der Nähe
  • Rumpsteak – Es gibt nichts Besseres!
  • Sieht man mir meine Ernährungsgewohnheiten an? Ein bisschen! Die diesbezügliche Entwicklung schiebe ich aber auch gerne mal aufs Alter. 🙂

XI • Sinneseindrücke

  • Hier beschränke ich mich auch mal auf Kurzformen, deshalb.: Der Geruch des Strandes in Senj.
  • Die Akkustik im Weserstadion
  • Das vorhin gehörte Intro von Bon Jovis „Runaway“. Das brauche ich als Klingelton!
  • Der Geruch eines schon seit langer Zeit im Regal stehenden Buches
  • Die Haptik des selben Buches
  • Matchbox Twenty in jeder Lebenslage
  • Das Rauschen des Meeres in St. Peter-Ording
  • Filme mit Alexandra Maria Lara
  • Die beginnenden Windböen des angesagten Sturms, die um das Fenster heulen
  • Das dazugehörige Regen, der schon den ganzen Tag nicht aufhören möchte
  • Der Weckton meines Handys, den ich morgen früh wieder hören muss.

So, liebe Leser und Innen, wer das Ganze bis hier hin gelesen hat, dem/der gebührt mein Dank und Respekt!  😉 Ich jedenfalls werde es angesichts des besagten Klingeltons und der über 3.000 geschriebenen Worte damit bewenden lassen, ich bin dann jetzt doch ein wenig groggy! Vielen Dank nochmal an Random Randomsen!

„Wohin der Wind uns weht“João Ricardo Pedro – Literarischer Fado

Buch: „Wohin der Wind uns weht“ (2014)

Autor: João Ricardo Pedro

Verlag: Suhrkamp

Ausgabe: Hardcover, 229 Seiten

Der Autor: João Ricardo Pedro ist ein 1973 in der Nähe von Lissabon geborener portugiesischer Autor. Nach seinem Ingenieursstudium war er einige Zeit in der Telekommunikationsbranche tätig und verlor schließlich im Zuge der Wirtschaftskrise seinen Arbeitsplatz.

Pedro machte aus der Not eine Tugend und nutzte die ihm nun zur Verfügung stehende Zeit, um sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen und mit dem Schreiben zu beginnen. Sein erster Roman „Wohin der Wind uns weht“, erschien im portugiesischen Original bereits 2012 und wurde ein Überraschungserfolg, der unter anderem den „Prémio LeYa“ bekam, eine der einflussreichsten Literaturauszeichnungen Portugals.

Das Buch: „Dem Pianisten Duarte fallen die vergilbten Briefe seines Großvaters in die Hände. Und was mit der zaghaften Lektüre der eigenen Familiengeschichte beginnt, verwandelt sich augenblicklich in Duartes drängende Suche nach einer Heimat – für sich, seine Musik und seine Erinnerungen.“ So jedenfalls die Inhaltsangabe auf dem Buchrrücken…

Fazit: „Wohin der Wind uns weht“ fand seinen Weg zu mir über die liebe Steffi, ihrerseits verantwortlich für den Blog „Nur Lesen ist schöner“. Bei ihr fand das Buch keinen Anklang und drohte, ausgemustert zu werden und vor einer ungewissen Zukunft zu stehen. Also habe ich mich ganz selbstlos bereit erklärt, Pedros Erstlingswerk bei mir aufzunehmen. 😉 Zusätzlich zum Buch gab es noch eine Postkarte und ein putziges Leseezeichen dazu. Vielen lieben Dank, Steffi! Und nun, in medias res.

Manchmal bin ich mir nicht so ganz sicher, ob die Menschen, die in den Verlagen für die Ausarbeitung der Inhaltsangaben zuständig sind, die betreffenden Bücher auch wirklich gelesen haben. In diesem Fall erschien mir das eher nicht so. Und unpassende Inhaltsangaben gehören – neben der Eigenschaft der Verlage, die meisten Bücher anzupreisen als handele es sich um den Heiligen Gral der Literaturgeschichte – eher zu den größeren Ärgernissen, denen man sich beim Buchkauf ausgesetzt sieht. Aber sei´s drum.

Fado, so habe ich mal an anderer Stelle sinngemäßg gelesen, Fado sei der in Tonleitern gepresste Weltschmerz Portugals. Wenn man diese Definition auf Bücher überträgt, dann ist „Wohin der Wind uns weht“ eine Art literarischer Fado. Pedro beschreibt die Geschehnisse einer Familie über drei Generationen hinweg. Dabei schadet es übrigens nicht, sich ein wenig mit der Geschichte Portugals der letzten Jahrzehnte auszukennen. Wer das, so wie ich, nicht tut, dem bleibt vielleicht der eine oder andere Zusammenhang verschlossen oder offene Fragen unbeantwortet. Aber immerhin hatte das bei mir den Effekt, dass ich im Anschluss an die Lektüre meine Lücken bezüglich solcher Dinge wie der „Nelkenrevolution“ umgehend geschlossen habe. 🙂

Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht der junge Duarte, Sohn von Antonio Mendes und Enkel von Doktor Augusto Mendes. Der Leser begleitet den jungen Duarte, seines Zeichens ein begnadeter Pianist, durch verschiedene Stationen und Begebenheiten seines Lebens. Die einzelnen Episoden werden zwar durchaus chronologisch fortlaufend erzählt, eine eigentliche Handlung im herkömmlichen Sinne ist daraus allerdings nur schwer abzuleiten. Auf Seite 172 schreibt der Autor über ein Bild von Bruegel: „Es war ein Bild, dessen größte Schwierigkeit für den Betrachter (…) darin lag, entscheiden zu müssen, wo er hinsah oder wo er bei den vielen abgebildeten scheinbar unzusammenhängenden Situationen zu sehen anfing. Natürlich konnte man auch nur eine Gesamtidee bei der Betrachtung suchen, den sogenannten plastischen Effekt. Doch dann hätte man sicherlich ein Werk ohne jede Bedeutung oder, noch bedauerlicher, ein Werk ohne jeglichen erzählbaren Inhalt vor sich gehabt.“ Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor an dieser Stelle nicht nur besagtes Bild, sondern auch seinen ganzen Roman beschrieben hat, und das übrigens besser, als ich das je könnte.

An der Seite Duartes erfährt der Leser Details über seine, Duartes, Familie und deren Schicksale. Und dabei geht es nur selten wirklich fröhlich zu. Und wenn doch, dann nur, um anschließend noch größeres Unglück folgen zu lassen. „Wohin der Wind uns weht“ ist dabei in einem stilistisch herausragenden und dennoch durchgehend melancholischen Ton gehalten. Nur selten blitzt so etwas wie Humor durch, etwa wenn sich Augusto Mendes und sein Freund Policarpo während einer Autofahrt unterhalten: „Soll das Europa sein, Augusto? Das zivilisierte Europa Newtons, Laviosiers und Descartes?“ Woraufhin Duartes Großvater antwortete: „Den Straßen nach zu urteilen ist es höchstens das von Kaiser Augustus.“ (S. 44). Oder etwa, wenn beschrieben wird, welcher Art die Gäste eines Hotels sind: „(…) hinkende Fußballspieler, Prostituierte ohne Kunden, feige Stierkämpfer, taube Musiker, bankrotte Bankiers, farbenblinde Maler, Schriftsteller.“ (S.51) Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen… 😉

Abseits dieser wenigen Stellen ist Pedros Erstlingswerk allerdings, wie beschrieben, durchgehend schwermütig. Das gilt, neben der Handlung, auch für die Figuren des Romans. Duartes Mutter ist überzeugte Kommunistin und sieht Ende der 80er ihre Ideale in Gefahr. Sein Vater war Soldat im Portugiesischen Kolonialkrieg und brachte aus Angola in erster Linie ein ausgewachsenes Trauma mit nach Hause, das nie wirklich aufgearbeitet wurde. Und auch Duarte selbst ist kein wirklich fröhlicher Zeitgenosse. So hat er zwar ein einmaliges Talent zum Klavier spielen, schränkt sich aber in der Wahl der von ihm gespielten Komponisten immer weiter ein und hört irgendwann ganz mit dem Klavier spielen auf. Warum, bleibt auch am Ende des Buches weitgehend unbeantwortet.

Die Tragik in der Handlung und den Figuren verhinderten aber nicht, dass „Wohin der Wind uns weht“ einen wirklichen Lesegenuss für mich darstellte. Nach kurzer Zeit hatte ich mich darauf eingestellt, dass es sich bei Pedros Erstling nicht um ein Wohlfühlbuch handelt und konnte mich vollständig auf das einlassen, was mir der Autor erzählen wollte. Dazu trägt sicherlich auch der beeindruckende Stil des Autor bei. Auch wenn Textstellen, an denen er detailliert dutzendfach die erworbenen Produkte nach einem Einkauf aufzählt, sicherlich irgendwie befremdlich wirken. Ich bin mir sicher, dass der Autor mir damit etwas sagen will, ich weiß nur noch nicht, was. 😉

Kurz: „Wohin der Wind uns weht“ ist sicherlich nicht für jeden Leser geeignet. Wer sich von schwermütigen Handlungen, die Gewalt, Krankheiten und sehr häufig den Tod thematisieren, eher runterziehen lässt, sollte Pedro vielleicht meiden. Wer aber keinen konkreten Spannungsbogen und Handlungsverlauf an sich braucht, und bereit ist, sich auf Stil und Inhalt einzulassen, dem dürfte das Buch gefallen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Anspruch: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Demnächst gibt es hier die Rezension zu „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau, wahrscheinlich noch vor dem Buchdate. Sonst halt eben erst die Rezension zum Buchdate #3, am 01.03.2017. Darüber hinaus habe ich vom geschätzten Random Randomsen unlängst ein Stöckchen zugeworfen bekommen, mit dem ich mich zeitnah auseinandersetzen werde. Also: Schaun mer mal!

„Tiefe Narbe“ von Arno Strobel – Rasanter Auftakt

Buch: „Tiefe Narbe“ (2017)

Autor: Arno Strobel

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 364 Seiten

Der Autor: Arno Strobel ist ein 1962 in Saarlouis geborener deutscher Schriftsteller. Strobel studierte Versorgungstechnik und Informationstechnologie und war einige Jahre als IT-Unternehmensberater tätig. Anschließend arbeitete er in Luxemburg im Bereich Internet und Intranet bei einer großen deutschen Bank.

Strobel begann als eine Art Spätberufener erst mit fast 40 Jahren mit dem Schreiben, er schrieb Kurzgeschichten für Internetforen. Diese fanden immer häufiger den Weg in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien,  so reifte der Entschluss, einen ersten Roman zu schreiben.

Nachdem er von den zwanzig größten Verlagen Deutschlands ausschließlich Absagen bekam, gründete Strobel mit zwei Freunden trotzig einen Verlag und verlegte seinen Erstlingsroman „Magus – Dir Bruderschaft“ in einer Auflage von 1.000 Stück selbst. Durch glückliche Fügung gelangte er damit schließlich doch in das Visier der Verlage und entschied sich im Jahr 2014, hauptberuflich als Autor tätig zu sein.

Strobel veröffentlichte bisher 12 Bücher, dazu zwei Jugendbücher und eine Reihe Kurzgeschichten.

Der Autor lebt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Trier.

Das Buch: Auf dem Düsseldorfer Polizeipräsidium taucht ein über und über mit Blut verschmutzter Mann auf. Er kann sich nicht erinnern, was ihm seit dem Vorabend passiert ist. Schnell ist einerseits geklärt, dass es sich bei ihm um den Journalisten Harry Passeck handelt und andererseits, dass es sich bei dem Blut nicht um sein eigenes handelt, sondern um das der seit zwei Jahren verschwundenen Schauspielerin Dagmar Martiny.

Hat Passeck die junge Frau ermordet? Und wenn ja, wo hat Dagmar Martiny die letzten zwei Jahre gesteckt?

Max Bischoff, ein junger Kriminalbeamter, der noch recht neu bei der Mordkommission ist, und sein erfahrener Kollege Horst Böhmer beginnen mit den Ermittlungen.

Als kurz darauf eine zweite Frauenleiche am Rheinufer gefunden wird, ist für die Ermittler klar, dass dieser Fall wesentlich schwieriger zu lösen sein wird, als anfangs gedacht.

Fazit: Vor ein paar Jahren las ich Strobels Buch „Das Skript“ – und muss gestehen, dass ich es wirklich grenzwertig widerlich fand. Gerne hätte ich dem Autor damals die Frage gestellt, mit der sich Sebastian Fitzek nach eigener Aussage so häufig konfrontiert sieht, nämlich: „Wie muss man drauf sein, um so etwas zu schreiben?“

Aber nach Abstand von einigen Jahren dachte ich, ich könnte doch mal wieder zugreifen. Und ich muss zugeben, dass ich über weite Strecken positiv überrascht war. Wenn man mal von einer Ausnahme absieht, zu der ich später komme.

Strobel erzählt die Geschehnisse, indem er abwechselnd die Ermittlungen beschreibt und dazwischen in kursiv geschriebenen Kapiteln die Gedankenwelt des Täters wiedergibt. Diese Vorgehensweise transportiert die Spannung sehr gut, auch wenn die kursiven Kapitel schon nach kurzer Zeit für deutliches Unwohlsein meinerseits sorgten… Ebenso wie die Erzählweise überzeugt der Stil des Buches. In diesem Zusammenhang sind die, meiner Meinung nach, wirklich sehr gut gelungenen Dialoge besonders hervorzuheben.

Auch an das Ermittlerduo Bischoff und Böhmer hatte ich mich sehr schnell gewöhnt. Die Konstellation aus Neuling und Veteran wird von Strobel gut umgesetzt. Der junge Max Bischoff musste sich im Zuge seiner Ausbildung mit einer Reihe moderner Ermittlungsmethoden befassen, über die sich Böhmer regelmäßig abfällig und belustigt äußert. Er, Böhmer, verlässt sich da eher auf Dinge wie Instinkt und Spürnase. Die diesbezüglichen verbalen Scharmützel verwendet Strobel glücklicherweise just ab dem Moment seltener, als sie begannen, mir ein wenig auf den Geist zu gehen. Lediglich über die Hintergrundgeschichte der beiden Kriminalbeamten hätte ich gerne noch ein wenig mehr erfahren, auch wenn es hier bei Max Bischoff durchaus schon erste Einblicke gibt. Da der Autor aus den Erlebnissen von Bischoff allerdings eine Trilogie macht, erfährt der Leser in den folgenden Büchern hier sicher mehr.

Auch hinsichtlich der Handlung habe ich wenig auszusetzen. „Tiefe Narbe“ ist hochspannend und temporeich, lediglich das Ende kommt für mich ein wenig zu abrupt. Zwar springt Bischoff jetzt nicht plötzlich drei Seiten vor Schluss mit einem „Heureka“ aus der Badewanne, um anschließend nackt auf die Staße zu rennen und den bösen kursiv denkenden Menschen zur Strecke zu bringen, dennoch hätte sich der Autor hier vielleicht ein wenig mehr Zeit nehmen können. Das ist allerdings Leiden auf recht hohem Niveau.

Das einzige Manko des Buches ist rein persönlicher Natur. So wie „Das Skript“ fand ich eben auch „Tiefe Narbe“ grenzwertig widerlich! Das ist aber sicherlich Geschmackssache. Ich würde mir halt mal wieder ein Buch im Thriller-Genre wünschen, in dem die Mordopfer nicht auf möglichst blutige und ekelhafte Weise vom Leben zum Tode befördert werden. Da muss es doch Alternativen geben. Warum wird ein Mordopfer nicht mal mit einem Mähdrescher… – blödes Beispiel. Na dann eben, was ist denn aus dem guten, alten Giftmord à la Agatha Christie geworden? So etwas scheint heute nicht mehr spektakulär genung zu sein, stattdessen muss es blutig und eklig zugehen. Aber wie gesagt, das ist Geschmackssache.

Wer damit, im Gegensatz zu mir, eher kein Problem hat, und wer vielleicht ohnehin schon Bücher von Strobel mit Freude gelesen hat, der kann auch mit „Tiefe Narbe“ nichts verkehrt machen!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Berg“ von Dan Simmons. Momentan bin ich bei Seite 166 dieses 766 Seiten starken Wälzers angelangt. Man könnte also sagen, ich habe es gerade erst ins erste Basislager am Fuße des Berges geschafft. Das könnte also noch ein Weilchen dauern. 😉