Freitagsfragen #55

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, war das mal eine beschissene Woche bis jetzt, oder was!? Also, für mich, bei Euch kann ich das nicht beurteilen. Ich für meinen Teil kränkele seit einigen Tagen ein wenig, habe in den letzten Nächten zum Gotterbarmen schlecht geschlafen und wenn überhaupt, dann quälte mich mein im freien Fall befindliches Hirn mit Albträumen. Insbesondere letztere habe ich ja gerne mal.

Dementsprechend habe ich bei einem Blick in den Spiegel heute morgen auch konstatieren müssen, dass ich aussehe, wie nach einem mehrwöchigen Aufenthalt im Hotel Guantanamo. Nach diesem Schrecken schaltete ich dann kurz, um die Nachrichten zu sehen, den Fernseher ein und wurde nichtsahnend mit einem debilen „Nimm 2“-Werbespot und dem völlig bescheuerten Liedtext „Das macht Plopp, das macht macht Plopp, ja, das macht Plopp-Plopp-Plopp“ gefoltert, was in mir den Wunsch auslöste, den Fernseher in seine kleinsten Bestandteile zu zerlegen. Wahlweise auch die Werbeschaffenden. Ich bin augenscheinlich etwas dünnhäutig heute, man könnte auch sagen, ich bestehe nur aus Zündschnur.

Dazu passt auch, dass ich die ganze Woche keine einzige Seite gelesen habe, was erfahrungsgemäß ein schlechtes Zeichen ist. Immerhin diesen Umstand gedenke ich nachher zu beseitigen und wenn ich mich dazu zwingen muss. Alles andere ergibt sich dann schon. Ich werde also das Wochenende ab dem heutigen Nachmittag vollständig und unter Ausschluss aller sozialen Kontakte lesend im Garten verbringen und diesen Platz nur für das Allernötigste verlassen, wenn überhaupt.

Wer versucht, mich in dieser Zeit zu erreichen, muss damit rechnen, angesichts dieses Versuchs bei mir auf wenig Gegenliebe zu stoßen, um das mal vorsichtig zu formlieren. Das gilt natürlich ausdrücklich nicht für so etwa eine Handvoll lieber Menschen, die wissen das aber auch.

Sollte ich dann im Laufe des Wochenendes auch mal die eine oder andere Stunde Schlaf bekommen, könnte es sein, dass ich bis Sonntag in den zenbuddhistischen Ruhezustand zurückgefunden habe, der mir eigen ist. Man darf gespannt sein.

Vorher gibt es noch die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Fragen und Antworten lauten:

1.) Was verbindest Du mit den 90ern?

Schule und schlechte Musik. Natürlich, in den 90ern gab es auch Bands wie Nirvana, Aerosmith oder Pearl Jam, die – nur mal exemplarisch genannt – die Fahne des guten Musikgeschmacks hochhielten.

Man musste sich in den 90ern aber auch mit „Musik“ von Dr. Alban, Haddaway, Marusha, Wigfield oder Snap! beschallen lassen. Und das war schon ziemlich nervig. Insgesamt stelle ich aber fest, dass ich das, was damals so im Radio lief, weniger ätzend fand als das, was dort heute läuft. Klar, „heavy rotation“ gab es damals auch schon. Trotzdem konnte es damals passieren, dass morgens mein Radiowecker ansprang und recht erträgliche Musik spielte, was schon mal den Effekt hatte, dass ich wieder eingeschlafen bin und deswegen fast zu spät zur Schule kam. Um dem entgegenzuwirken, habe ich den genialen Plan ersonnen, meinen Radiowecker auf den Sender „NDR 1 – Radio Niedersachsen“ umzustellen, der – vorzugsweise bei der älteren Generation beliebt – damals schon gruseligste deutsche Schlager spielte, irgendwo so zwischen „Mein Freund, der Baum“ und „Zigneunerjunge“. Hm, ist Letzteres eigentlich schon auf dem Index? Jedenfalls, wenn man dann morgens damit geweckt wurde, dass Nana Mouskouri einem ihr „Weiße Rosen aus Athen“ entgegenplärrte, dann MUSSTE man aufstehen, um den Wecker auszumachen, somit war die Gefahr des Wiedereinschlafens gebannt. Ich habe diesen Plan allerdings nach wenigen Wochen aufgegeben, weil er nicht gut für mein Nervenkostüm war …

Und dann war in den 90ern ja noch die Schule. Rückblickend betrachtet waren die Jahre von 95 bis zum meinem Abschluss 98 die besten, die ich hatte. Schon nach dem Abi habe ich damals prophetisch geäußert: „Eigentlich kann es von jetzt an nur schwieriger werden.“ Ich hatte recht. ;-)

2.) Welche Staatsform wäre die beste, falls die deutsche Demokratie zerbrechen würde?

Wenn man sieht, welche unverändert hohen Umfragewerte die AfD hat, könnte man glauben, dass die Leute die Demokratie gar nicht wollen. 17 %, nach Umfragen von INSA oder auch Infratest dimap von vor ein paar Tagen. Ich sehe so etwas ja mit Erstaunen und Unwohlsein, auch weil ich es halt einfach nicht begreife.

Als in Rostock-Lichtenhagen 1992 – ha, das hätte ich auch unter Frage 1 schreiben können – Molotowcocktails auf ein von Vietnamesen bewohntes Wohnheim flogen, während bis zu 3.000 Zuschauer teils applaudiert haben,  im Deutschland-Trikot den Hitler-Gruß zeigten und die Arbeiten der Rettungskräfte behinderten, da war ich 15 und mein idealisiertes, jugendliches Weltbild löste sich im Rauch des Sonnenblumenhauses auf. Ich konnte damals schon nicht begreifen, wie man so dumm sein kann. Wie dumm man sein muss, um wirklich auch gar nichts aus der Geschichte gelernt zu haben.

So etwa 23 Jahre später flogen wieder Brandsätze auf Flüchtlingsunterkünfte und statt sich angesichts dieser Taten kollektiv zu schämen, haben 17 % der Wähler nichts anderes zu tun, als durch die Abgabe ihrer Stimme zu signalisieren, dass solcher Fremdenhass wieder gesellschaftsfähig geworden ist? Unfassbar eigentlich!

Egal, ob die AfD eine Anfrage an die Bundesregierung stellt, die einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Behinderungen impliziert, ob Frau von Stroch mal wieder „von der Maus abgerutscht“ ist oder Herr Gauland in einem Anfall geistiger Umnachtung  das wahrlich dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte als „Vogelschiss“ bezeichnet: Solche Leute kann doch niemand wählen, der bei klarem Verstand ist!

Aber je nun, die Leute tun es halt. Vielleicht, weil die Menschen die Demokratie für eine Art Grundrecht halten. Das ist sie nicht. Und wenn sich die jetztige Entwicklung so fortsetzt, wird sie möglicherweise irgendwann mal Geschichte sein. Ich tippe ja darauf, dass das Ganze mit einer Regierungskoalition zwischen CSU und AfD in Bayern seinen Anfang nimmt, vielleicht noch nicht im Oktober, aber dann halt in ein paar Jahren.

Ob es dann ohne die Demokratie besser wird, das wage ich arg zu bezweifeln. Klar, eine Monarchie unter meiner Führung würde das Land deutlich nach vorne bringen, ob es aber dazu kommt …

Ich persönlich hoffe, dass die Menschen hier die Demokratie nicht zu Grabe tragen. Denn eine bessere Staatsform gibt es meines Erachtens nicht.

3.) Was war Dein liebstes Schulfach und warum?

Geschichte, Deutsch und Sozialkunde, in dieser Reihenfolge. Geschichte, weil mich historische Zusammenhänge schon immer interessiert haben und Geschichte auch immer so ein bisschen Eskapismus bedeutet, wenn man sich intensiv mit der Zeit von früher beschäftigt.

Deutsch mochte ich immer schon gerne, aber erst in der Oberstufe wurde es zu einem meiner Lieblingsfächer. Was zum Einen am Kursleiter zum Anderen an den gelesenen Büchern lag. Gut, wir mussten uns auch mit den Kommunikationstheorien von Friedemann Schulz von Thun und dem Buch „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf befassen und heutige Schülergenerationen würden wohl gegen beides vor Gericht klagen, aber wir durften eben auch Süßkinds „Das Parfüm“ lesen, uns mit Wedekinds „Frühlingserwachen“ befassen, in das eine Mitschülerin einen großartigen Kommentar als Gedächtnisstütze für die Klausur schrieb, den ich hier aber unmöglich wiedergeben kann, und wie betrauerten „Die Leiden des jungen Werther“, auch wenn es Menschen geben soll, die mit Letzterem nicht viel anfangen können, eine Einstellung, der ich absolutes Unverständnis entgegenbringe.

Und Sozialkunde mochte ich, weil ich bei der Lehrerin in der Oberstufe am meisten fürs Leben gelernt habe. Sie soll zwar mal gerüchtemäßig einem anderen Kurs die Worte: „Ich finde Euch alle zum Kotzen!“ entgegengezischt haben, aber ich persönlich konnte mich nicht beklagen. ;-)

4.) Die Wahl der Qual: Das Abendessen mit Freunden ungenießbar verkochen oder mit Fremden gezwungen sein etwas zu essen, das Dir nicht schmeckt?

Dann verkoche ich doch lieber das Abendessen. Warum sollte ich mit Menschen, die ich nicht kenne, etwas essen, das ich nicht mag? Bei einem verkochten Abendessen kann man sich immer noch eine Pizza bestellen.

 

Das war es auch schon wieder!

ich wünsche allseits einen guten Start in ein schönes Wochenende, bei dem ich, wenn ich mir etwas wünschen dürfte, gerne Temperaturen von maximal 25 Grad hätte, die Hitze macht mich nämlich langsam fertig.

Gehabt euch wohl!

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Sue Klebold – A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy — wortmagieblog

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

dass ich mich gerade in einer längerfristigen Rezensionspause befinde, bedeutet natürlich nicht, dass ich keine anderen Blogs und Texte lese. Und manchmal, ja, manchmal stolpert man im wahrsten Sinne über Texte, bei denen man sich denkt: „So gut hätte ich das nie gekonnt!“ Und so geht es mir auch beim hier vorliegenden aus dem „wortmagieblog„. Und der Name ist durchaus Programm: Die Tatsache, dass man so schreiben kann, lässt mich durchaus ein wenig neiderfüllt zurück. ;-) Der langen Rede kurzer Sinn: Im reisswolfblog gibt es eine Premiere, denn ich reblogge etwas. Ich hoffe, dass das technisch auch so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, da meine Erfahrung diesbezüglich sehr nahe in der Gegend von null tendiert. Nun, wie dem auch sei, jedenfalls ist besagter Text aus dem wortmagieblog ein ganz wunderbarer, ein langer, ein nicht einfacher, einer, bei dem man wohl durchaus mal schlucken muss, aber dennoch – oder gerade deswegen – einer der sich zu rebloggen lohnt, was hiermit geschieht (hoffentlich ;-) )

 

Am 20. April 1999 um 11:19 Uhr betraten Eric David Harris und Dylan Bennet Klebold die Columbine High-School in Colorado durch den Westeingang und eröffneten das Feuer. Sie trugen je zwei Schusswaffen, schwarze Trenchcoats, schwarze Hosen und eigens für den Anlass bedruckte T-Shirts. Erics Brust zierte der Schriftzug „Natural Selection“; auf Dylans Shirt prangte das […]

über Sue Klebold – A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy — wortmagieblog

Freitagsfragen #54

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

man glaubt es kaum, aber es ist schon wieder Freitag, was gleichbedeutend ist mit einer neuen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog. Gehen wir also gleich frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk. Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was liest oder schaust Du aktuell?

Ich habe gerade heute in den frühen Morgenstunden die letzten Seiten von Frank Schätzings „Breaking News“ gelesen. Eine Art literarische Orientierungshilfe zum Verständnis des Nahostkonflikts rund um Israel. Hat mir gut gefallen, ich werde berichten. Irgendwann.

„Breaking News“ lag jetzt seit etwa vier Jahren auf meinen SuB (Plural) herum, da wurde es langsam mal Zeit, dass es gelesen wird. Damals habe ich zwei Versuche unternommen, bin aber immer so in der Gegend um Seite 300 gescheitert.

Was eine frühere Lektüre des Buches verhindert hat, ist eine Eigenschaft, die es mit den meisten anderen Büchern auf meinen SuB (Plural) teilt: Es hat unheimlich viele Seiten, nämlich nahezu 1.000! Nur, weil ich gerade eine Rezensionspause mache, habe ich überhaupt zu diesem Schätzing gegriffen, sonst hätte ich mir sicherlich ein kürzeres Buch ausgesucht, weil ich ja immer im Hinterkopf habe, dass irgendwann auch die nächste Rezension geschrieben werden muss und man für 1.000 Seiten halt einfach viel zu lange braucht usw. usf.

Kaum macht man mal eine Pause und denkt überhaupt nicht – na ja: kaum – darüber nach, was und wann man über ein Buch schreibt, schon macht man die interessante Erfahrung, dass man, also ich, fernab dieser Gedanken, in der Lage bin, besagte knapp 1.000 Seiten in der Zeit zwischen letztem Sonntag und heute zu lesen. Ich sollte also öfter und länger Rezensionspause machen, meine SuB (Plural) wüssten es zu schätzen …

Mal schauen, womit ich mich danach beschäftige. Über 850 Seiten Gablé? Knapp 800 Seiten Glavinic? Über 900 Seiten Zafón? Hätte ich alles im Angebot. Vielleicht auch „Krieg und Frieden“ oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“? Man wird sehen …

2.) Braucht unsere Gesellschaft Quoten für Frauen, Behinderte, etc.?

Das dürfte, für mich,  eine der bisher spannendsten Fragen in der Geschichte der Freitagsfragen sein, die eigentlich umfangreicher Beantwortung bedarf – und mit der man sich recht schnell auf recht dünnes Eis begeben kann.

Nehmen wir mal die Quote für behinderte Arbeitnehmer in Unternehmen. Ab 20 Mitarbeitern muss ein Unternehmen 5 % der Arbeitsplätze, nach Adam Riese und Eva Zwerg also einen von 20, mit einem behinderten Mitarbeiter besetzen. So weit, so gut. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Grundsätzlich finde ich – aus persönlichen, egoistischen Motiven – eine solche Regelung erst mal begrüßenswert.

In der Praxis – ich kann hier nur auf eigene Erfahrungen zurückgreifen – verhindern die Regelungen zur Einstellung behinderter Mitarbeiter aber auch oftmals eben diese Einstellung. Im gefährlichen Halbwissen der Arbeitgeber geistern dann solche Begriffe wie „erweiterter Kündigungsschutz“ herum, verbunden mit der Sorge, einen einmal eingestellten, behinderten Mitarbeiter nie wieder loszuwerden. Was im Übrigen tatsächlich nicht wesentlich schwieriger ist, als es das bei nichtbehinderten Mitarbeitern wäre.

Das führt dann dazu, dass die Unternehmen doch lieber die Ausgleichsabgabe zahlen. Allein in Berlin – andere Zahlen habe ich gerade nicht – haben Arbeitgeber im Jahr 2017 34,9 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen gezahlt, ein Plus von 4, 6 Millionen im Vergleich zum Jahr 2016. Offensichtlich ziehen es viele Arbeitgeber also vor, sich mit dieser Ausgleichsabgabe von der Verpflichtung zur Einstellung behinderter Mitarbeiter freizukaufen, auch wenn die Zahlung dieser sie mitnichten von der weiter bestehenden Einstellungsverpflichtung befreit.

Dieser Eindruck wird auch von den Zahlen des DGB gestützt, auf die ich mich jetzt auch einmal stütze. Demnach beträgt der Anteil an behinderten Arbeitnehmern in Unternehmen, die zur Einstellung solcher verpflichtet sind, seit Jahren im Schnitt etwa 4,7 %. Öffentliche Arbeitgeber können dabei eine Quote von 6,6 % vorweisen, in der freien Wirtschaft liegt sie bei 4,1 %. Ein Viertel aller dazu verpflichteten Unternehmen beschäftigt nicht einen einzigen behinderten Mitarbeiter. (Zahlen des DGB vom 09.03.2018).

Gleichzeitig lag die Arbeitslosenquote bei erwerbsfähigen behinderten Menschen im Jahr 2016 mit 12,4 % weit über der der Nichtbehinderten (7,8 % im Jahr 2016).

Diese 5-%-Quote ist also im Prinzip gut gemeint, wirft aber Fragen und Probleme auf, im Wesentlichen zwei, zum zweiten komme ich später. Das erste Problem ist ein mathematisches. Mit durchschnittlich 4,7% ist die vorgeschriebene Quote im bundesweiten Schnitt fast erfüllt, was ja erst mal respektabel ist. Und dennoch beträgt die Arbeitslosenquote über 12 %. Nehmen wir jetzt mal den wünschenswerten Fall an, dass jeder Betrieb die 5-%-Quote vollumfänglich erfüllt, dann würden von den erwähnten 12 % aber immer noch genug Menschen übrig bleiben, deren Einstellungschancen ab Erfüllung der Quote ins Bodenlose sinkt, denn freiwillig würden wohl nur wenige Betriebe zusätzliche behinderte Arbeitnehmer einstellen.

Was nun Frauenquoten auf dem Arbeitsmarkt angeht, so sind diese mit weniger Problemen und Fallstricken verbunden als das bei den behinderten Menschen der Fall ist. Und auch hier finde ich, sind solche Regelungen erst mal zu begrüßen.

Allerdings gebe ich zu, als das Gesetz für eine höhere Frauenquote in Führungspositionen verabschiedet wurde, hätte ich, mit Verlaub, im Strahl kotzen können! Da wurde ein Gesetz verabschiedet, das etwa 150 Firmen bundesweit dazu verpflichtet, 30 % ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen oder diese andernfalls unbesetzt zu lassen.

Dafür brauchte es ein Gesetz? Für eine Arbeitsplatzanzahl, die sich irgendwo im zweistelligen Bereich befinden dürfte? Ich gebe zu, dass ich das aus meiner männlichen Sicht nicht verstehen konnte.

Mal ehrlich, liebe Frauen, ist DAS wirklich die vorherrschende Schwierigkeit, mit denen ihr am Arbeitsmarkt konfrontiert werdet? Dass es für Euch schwieriger ist, einen Aufsichtsratsposten bei VW zu ergattern, als es das für Kerle ist?

Ist ein drängenderes Problem nicht weiterhin die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Tätigkeit? Oder vielleicht die Tatsache, dass die Hälfte aller derzeitigen RentnerInnen weniger als 800 € im Monat haben, wobei sich diese Personengruppe wohl in Zukunft noch vergrößern und sich, sind wir nochmals ehrlich, wohl zu nicht unerheblichen Teilen aus teilzeitbeschäftigten und/oder alleinerziehenden Frauen zusammensetzen wird? Und bei all diesen Schwierigkeiten brauchen wir eine Regelung für eine Handvoll Frauen, nur damit die ein – mindestens – sechsstelliges Jahresgehalt bekommen? Ich brech ab!

Ja, man mag mir „whataboutism“ unterstellen, obwohl es a) keiner ist und b) mir diese Unterstellung scheißegal wäre.

Darüber birgt die Frauenquote, ebenso wie die Quote zur Einstellung behinderter Mitarbeiter und Innen – ich wies weiter oben darauf hin -, ein weiteres Problem. Im Zweifelsfall ist durch jegliche Quotenregelung nämlich nicht garantiert, dass die oder der jeweils für die Stelle am besten geeignete MitarbeiterIn den Job bekommt, sondern die oder derjenige, der oder die der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin noch zur Erfüllung einer entsprechenden Quote braucht. Auch wenn es heißt „bei gleicher Qualifikation … bla“.

Übrigens, Exkurs: Wer sich ernsthaft mit der Abschaffung des generischen Maskulinums beschäftigt, der möge sich diesen letzten Absatz nochmal durchlesen und sich ernsthaft die Frage stellen: Will ich SOLCHE Texte? ;-)

Genug der Worte.

Kurz: Quoten sind im Grunde keine schlechte Idee, haben aber mit Schwierigkeiten zu kämpfen, für die es weiterhin Lösungen zu finden gilt.

3.) Was hast Du heute noch vor?

Im nahe gelegenen Mittelzentrum findet heute eine Veranstaltung kulinarischer Natur statt, welche ich frequentieren werde, weil man mich mit gutem Essen immer begeistern kann. Vorher werde ich mir noch überlegen, welchem literarischen Werk ich meine nächste Aufmerksamkeit schenke, was gut eine Stunde in Anspruch nehmen dürfte. Die Entscheidungsfindung, nicht die Afmerksamkeit. ;-)

4.) Die Wahl der Qual: der Flug wird vor dem lange ersehnten Urlaub gecancelt oder Du steckst im Urlaubsland fest?

Da fällt mir die Wahl wieder leicht: Ich nehme den gecancelten – warum muss man ihn „canceln“, kann man den nicht einfach „absagen“? – Flug, ich habe nämlich ohnehin Flugangst und würde stattdessen einen Last-Minute-Urlaub buchen, der mit vernünftigen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

 

So weit, so gut, liebe Leserschaft, ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein weiteres sonniges und, ähm, angenehm warmes Wochenende!

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen # 53

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wie kürzlich erwähnt, habe ich mir vorgenommen, meine eigentliche Blogpause regelmäßig durch die Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog zu unterbrechen – praktisch so eine Art alternierendes Blog-Fasten. Die mehrtägige Verspätung wurde übrigens von Sonne sowie Benjamin Montferrat aka Stephan M. Rother bzw. dessen Buch „Der Turm der Welt“ verursacht. Ich werde berichten – irgendwann.

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Hast Du Dir einmal ein Theaterstück angeschaut? Welches war es?

Ich bin so überhaupt nicht der Theater-Typ. Ich habe es im Laufe der Zeit auf diverse Opern und einige Musicals geschafft, aber Theaterstücke – nee, nicht meine Welt. Ich meine mich erinnern zu können, zu Schulzeiten mal Borcherts „Draußen vor der Tür“ als Theaterstück gesehen zu haben. Auf Videokassette, wir hatten ja nichts. Das Stück selbst hat mir naturgemäß besser gefallen, als die Viedeoaufzeichnung von Mozarts Zauberflöte auf schwedisch mit englischen Untertiteln, von der unser Musiklehrer der Meinung war, er müsse sie uns zeigen.

Kurz: Theater und ich sind nicht wirklich kompatibel.

2.) Kann man mit Dir Pferde stehlen?

Das weiß ich nicht, ich habe das nie probiert. Im sportlichen Bereich bin ich ja eher schlecht und Pferde sind schon ziemlich schnell. Und Fluchttiere zudem. Und die meisten dürften gar nicht gestohlen werden wollen. Fraglich, ob man da eines dieser Tiere überhaupt habhaft würde. Und illegal wäre es ja auch noch.

Ja, is´ ja gut, ich ich höre schon auf. :-)

Ob man mit mir Pferde stehlen kann, hängt von der Bedeutung dieser Redewendung ab. Wenn damit gemeint ist, ob man sich auf mich verlassen kann, dann lautet die Antwort: eher ja. Wenn damit allerdings gemeint ist, dass man mit mir auch mal etwas Verrücktes, Außergewöhnliches und, vor allem, akut Spotanes machen kann, dann lautet die Antwort: definitiv nein. Ich bin staatlich geprüfter Bedenkenträger, derartiges Handeln ist mir fremd.

3.) Kannst Du gut lügen?

Ja!

Na gut, das war jetzt eine Lüge. :-)

Ich kann zwar behaupten, schon mal im Leben in Situationen gewesen zu sein, in der ich es für nötig hielt, die Wahrheit ein wenig zu beugen und das auch meist ohne, dass man mir auf die Schliche kam bzw. ohne die daraus resultierenden Folgen, allerdings tue ich das eigentlich nicht gerne und bin daher nicht ausreichend in Übung, um feststellen zu können, ob ich wirklich gut lügen kann.

Die Ausnahme bildet natürlich die kleine, sogenannte Notlüge, ohne die unser gemeinsames Miteinander aus meiner Sicht gar nicht möglich wäre, weil ansonsten alles nur in einem Hauen und Stechen und anschließendem Tal der Tränen enden würde. Wer diese Ansicht anzweifelt, möge mal versuchen, auf Notlügen zu verzichten.

4.) Die Wahl der Qual: ab heute auf Salz oder auf Zucker in allen Lebensmitteln verzichten?

Selten fiel mir die Beantwortung der vierten Frage so leicht: Ich verzichte lieber auf Zucker. Ich halte die Geschmacksrichtung süß für völlig überbewertet und könnte ohne Probleme drauf verzichten. Salzentzug dagegen würde ich im Bezug auf meine Person als barbarischen Akt empfinden.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen schönen Wochenstart.

Gehabt euch wohl!

Ach was solls, einer geht noch: Freitagsfragen #52

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

der Teil meiner Leserschaft, dessen Kurzzeitgedächtnis gut funktioniert, was auf – das setzte ich jetzt mal voraus – so ziemlich alle zutrifft, wird sich erinnern, dass ich erst kürzlich – so vor etwa vier Stunden – eine Blogpause verkündet habe, an der sich grundsätzlich, natürlich, auch erst mal nichts geändert hat. Aaaaber: Heute ist ja Freitag! Und da gibt es die Freitagsfragen im Brüllmausblog. Und die, ja, die mache ich tatsächlich ziemlich gerne, nach wie vor. Und ich habe mir sagen lassen, dass es Menschen gibt, die meine diesbezüglichen Beiträge auch recht gerne lesen, why ever. :-)

Darüber hinaus hatten wir heute im Büro einen quasi technischen Totalausfall, der sinnvolles Arbeiten weitgehend verhindert, der nicht mal einen home-office-Einsatz technisch möglich macht und der deswegen im verordneten Abfeiern von Überstunden endete, weil dieses Problem erst am Montag beseitigt sein wird. Ergo: Ich habe Zeit. :-)

Ich denke in der Tat auch gerade darüber nach, trotz meiner Blogpause, weiterhin die Freitagsfragen zu beantworten. „Hm, ist das nicht inkonsequent?“, wird sich ein Teil meiner geschätzten Leserschaft fragen, „eine Blogpause zu machen und trotzdem Beiträge zu schreiben?“. Nö, man macht einfach das, was man (noch) gerne tut und lässt den Teil weg, den man nicht mehr so gerne tut, das ist total konsequent! :-) Über den Begriff „Blogpause“ kann man dann gerne diskutieren. :-)

Außerdem, und das muss an dieser Stelle nochmal gesagt werden, gibt sich nickel schon seit geraumer Zeit viel Mühe mit den Freitagsfragen – lasst Euch mal 208 Fragen für 52 Ausgaben der Freitagsfragen einfallen – da habe ich mir gefälligst auch Mühe mit der Beantwortung zu geben. :-)

Nun, wie auch immer, taten wir zu Schreit, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Kannst Du Dich anderen gut anvertrauen?

Jein. Also, manchmal vertraue ich mich – ich erwähnte das erst heute morgen – ja sogar meiner gesamten Leserschaft an, was mich dann doch ein wenig stört. Abgesehen davon beschränkt sich meine Fähigkeit, mich anderen Menschen anzuvertrauen, lediglich auf eine Handvoll Personen, die eben mein Vertrauen genießen – gut, ob sie es „genießen“, weiß ich nicht -, und denen ich Dinge anvertraue, die andere nichts angehen.

Aber manchmal

Argh: „Ihr PC wird durch Datenmüll ausgebremst*, verdammte Axt, wie ich Pop-Up-Fenster verabscheue! Ich sach Euch gleich mal, wo Ihr Euch Euren „Datenmüll“ hinstecken könnt …

manchmal also vertraue ich auch Menschen wesentlich mehr Dinge an, als ich eigentlich möchte. Gerade heute morgen hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin, bei dem ich mir anschließend dachte: „Warum erzähl ich der das? Ich kann sie nicht mal gut leiden, auch wenn sie offensichtlich gerade Kreide gefressen hat!“ :-)

Kurz: Ich vertraue mich eigentlich recht wenigen Menschen an, manchmal geht es aber mit mir durch. :-)

2.) Führst Du Tagebuch? Warum/ warum nicht?

Ich habe mal Tagebuch geführt. Da muss ich so etwa 15 gewesen sein. Und das habe ich sogar noch! Das, was da drinsteht, ist fürchterlich! Und das ist sogar noch eine Beleidigung des Wortes „fürchterlich“, es ist mehr als nur das. Ich könnte daraus jetzt zitieren, aber dann sind wir wieder bei Frage eins. Nein, das lassen wir mal schön bleiben, das behalte ich dann doch lieber für mich.

Erschreckend, mit was man sich mit 15 so beschäftigt …

3.) Was fandest Du als Kind am Erwachsensein toll, was sich als gar nicht so toll herausstellte?

Lange aufbleiben! Das fand ich damals immer super. Ins Bett gehen war eher nicht so meins. Schlaf an sich fand ich offensichtlich völlig überbewertet. Eltern mit Kindern werden es wissen, wie es ist, wenn der Stöpsel am Wochenende früh ins Elternschlafzimmer trampelt, weil er nicht mehr schlafen kann oder möchte und jetzt gefälligst bespaßt werden möchte. Und so war ich auch …

Heute könnte ich gerne so etwa 20 Stunden am Tag schlafen. Zum Beispiel jetZzzZzzZzz …

4.) Die Wahl der Qual: Einen Shitstorm auslösen oder völlig von der Internetwelt ignoriert werden?

Ha, gerade heute früh schrieb ich drüber, wie sich das (erhöhte) Ignorieren der Internetwelt so auf mich auswirkt. Deshalb nehme ich lieber den Shitstorm. Ich musste etwas Ähnliches erst kürzlich an anderer Stelle über mich ergehen lassen, als ich mich allein wegen der Verwendung von Heinz-Ehrhardt-Zitaten als „Sexist“ beschimpfen lassen musste. Nein, ich habe es auch nicht verstanden. Allein das gibt aber meiner Meinung Vorschub, dass in Zeiten – meiner Meinung nach! – fast schon zwanghafter political correctness ein wenig Entspannung gut täte.

Ich würde allerdings nie irgendwie polemisieren oder provozieren, nur um einen Shitstorm zu erreichen.

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, damit verabschiede ich mich jetzt aber wirklich in die Pause. Mindestens bis nächsten Freitag … ;-)

Gehabt euch wohl!

Blogpause 2.0

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

obwohl, über das „Guten“ ließe sich streiten. Ich möchte eigentlich nur kurz erwähnen, dass ich mich erneut für eine Weile aus der Blogosphäre verabschiede, zumindest, was eigene Beiträge angeht. Lesen werde ich bei Euch weterhin. Ich bin wie die Cholera: Man wird mich einfach nicht los.! ;-)

Oh, war der jetzt eigentlich schon politisch unkorrekt? Ach, was solls!?

Gründe für meine Auszeit gibt es viele.

So habe ich, ja, zugegeben, zum wiederholten Male, den Kopf nicht frei genug, um sinnvoll und regelmäßig zu bloggen. Ich bin, was diesen Punkt angeht, auch schon mal recht freigiebig mit Informationen gewesen und habe mich hinterher immer darüber geärgert, dehalb gehe ich diesbezüglich heute nicht ins Detail. Eine Handvoll Eingeweihter weiß Bescheid, das muss reichen.

Zum Zweiten wäre da die Tatsache, dass ich momentan einfach keine Lust zum Bloggen habe. Beigetragen dazu hat, das gebe ich auch gerne zu, der Leserschwund der letzten Wochen. Man schreibt sich einen Wolf (pun intended), aber die Leser bleiben, bis auf einige treue Gefährten und Innen, aus. Das macht irgendwie keinen Spaß.

Darüber hinaus möchte ich auch endlich mal wieder ein Buch lesen, ohne Textstellen zu markieren, Post-Its zu benutzen und mir dauern während der Lektüre zu denken, was und wie ich darüber schreiben kann. Einfach nur lesen um des Lesens Willen.

Außerdem quäle ich mich gerade ernsthaft durch ein sehr, sehr schlechtes Buch – ein seeehr schlechtes! – nur, um mal wieder einen handfesten rant, oder ohne Angliszismus, einen Verriss zu schreiben und so frug ich mich dann gestern Abend: „Was tue ich mir hier eigentlich an?“

Deshalb mache ich mal eine Weile nichts. Das kann nur eine Woche sein, oder auch zwei. Oder einen Monat. Oder sechs. Oder wie lange auch immer. Sollte ich mein Tun ganz einstellen, werde ich es kundtun. Bis dahin: Nicht entfolgen! ;-)

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen #51

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe die gestrigen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog mitnichten vergessen, ich saß nur gestern schon recht früh am Rechner und, nun ja, zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine solchen, also dachte ich mir: „Ach, schreibste halt die für demnächst geplante (und von der Öffentlichkeit übrigens weitgehend unbeachtete – wie auch die davor, und die davor) Rezension.“ Gesagt, getan.

Später – eigentlich so ziemlich zeitgleich – kamen sie dann doch noch, die Freitagfragen. Da ich aber aus Prinzip keine zwei Beiträge pro Tag schreibe bzw. veröffentliche, mussten sie bis heute warten.

Genug der Vorrede, legen wir los. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Wenn es Warnhinweise für Menschen gäbe, wie lautete Deiner?

Oh, momentan müsste das eher eine Art Beipackzettel in 214 Sprachen und mit ca. 16.000 Seiten sein. Ich hatte bzw. habe eine Woche, in der ich quasi nur aus Zündschnur bestehe. Mich regen derzeit halt einfach viel zu viele Dinge auf. WordPress zum Beispiel. Entweder WordPress ist defekt oder aber die DSGVO hat die Blogosphäre tatsächlich dermaßen leergefegt, dass man in diesem Fall nur „Danke, Brüssel!“ sagen kann, wiewohl ich ansonsten bekennender Fan der EU bin, die ich für die beste Erfindung der Menschheit seit ´45 halte.

Und ich bin auch beileibe kein Zahlenmensch und die Statistik von WordPress war mir immer, nun ja, nicht egal, aber sie spielte eine untergeordnete Rolle. Wenn ich aber berücksichtige, dass ich in diesem gerade zur Hälfte vergangenen Monat bereits einen – mit diesem hier zwei – Beiträge mehr geschrieben habe als im gesamten Vormonat, und ich das dann in Relation zu den Aufrufzahlen setze, dann kann ich nur zu zwei Schlussfolgerungen kommen: Entweder ich kann nicht mehr halbwegs vernünftig schreiben oder aber WordPress ist defekt.

An dieser Stelle ein Dank an die verbliebene treue Leserschaft.

2.) Was lief in dieser Woche richtig gut?

Hätte ich diese Frage bis gestern Nachmittag beantworten müssen, hätte ich mit ziemlicher Sicherheit gesagt: „Eigentlich nix!“ Nun hatte ich mich aber für gestern Nachmittag bei einer ganz zauberhaften Person zum Kaffee eingeladen, die wiederum für die Anwesenheit einer ganz anderen sehr zauberhaften Person sorgte, deren Anwesenheit mir noch in der letzten Woche – wiewohl geplant – versagt blieb. Hach ja, schön war´s. *seufz*

3.) Was sollte ein Besucher Deiner Heimatstadt (oder einer Stadt Deiner Wahl, falls Du Deine Heimatstadt nicht preisgeben möchtest) unbedingt gesehen haben?

Ich wohne quasi mittig zwischen zwei Mittelzentren, deren Besuch ich jedem anraten würde. Da gibt es unter anderem schöne Bauwerke der Weserrennaissance und vieles andere zu bestaunen. Hier in meiner Stadt – da gibt es relativ wenig. Die Stiftskirche, in Teilen schon seit etwa 800 Jahren hier und mit immerhin fünf Giebeln über dem Seitenschiff, könnte man sich mal ansehen. Und im hiesigen Steinbruch gibt es immer wieder mal spannende Dinosaurier-Spuren zu betrachten, wer also Kinder, vermutlich vorzugsweise Jungs, in ihrer Dinosaurier-Phase hat, der käme auch auf seine Kosten. Ansonsten, würde ich spontan sagen, gibt es nix, da müsste man schon in die eingangs erwähnten Mittelzentren ausweichen.

4.) Die Wahl der Qual: Schlüssel oder Handy zuhause vergessen?

Handy! Den Schlüssel zu vergessen, kann sehr, sehr teuer werden. Schlüsseldienste sind in den allermeisten Fällen die Raubritter unserer Zeit. Abgesehen davon weiß ich aus eigener Erfahrung, vorzugsweise am Wochenende, wie entspannend es sein kann, sein Handy nicht dauernd um sich zu haben.

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, das war es auch schon wieder. Ich spiele ob der wenigen Stunden Schlafs in der letzten Nacht durchaus mit dem Gedanken, ein „Matchbox Twenty“-Album einzuwerfen um damit noch mal ein Stündchen wegzupennen, bis ich mich aber entschieden habe, wünsche ich schon mal ein schönes Wochenende und:

Gehabt euch wohl!

 

„Die Blausteinkriege III – Der verborgenen Turm“ von T.S. Orgel – Keine Gefangenen

Buch: „Die Blausteinkriege III –  Der verborgene Turm“

Autor: T.S. Orgel

Verlag: Heyne

Ausgabe: Broschiert, 638 Seiten

Die Autoren: Hinter dem Pseudonym T. S. Orgel stehen die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel. In einem anderen Leben sind sie als Grafikdesigner und Werbetexter beziehungsweise Verlagskaufmann beschäftigt, doch wenn beide zur Feder greifen, geht es in phantastische Welten. Nach einer Reihe von Kurzgeschichten und elektronischen Veröffentlichungen erschien 2012 ihr erster gemeinsamer Roman Orks vs. Zwerge, für den sie im Oktober 2013 den Deutschen Phantastik Preis für das beste deutschsprachige Debüt erhielten. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Im Kaiserreich Berun ist nichts mehr so, wie es war. In der Hauptstadt haben sich die Fürsten versammelt, um den anrückenden Kolnorern entgegenzutreten – umsonst. Es ist längst zu spät, der Feind ist bereits mitten unter ihnen. Sogar das Protektorat Macouban ist mittlerweile vollständig von den Hexern der Huacoun und ihren Vasallen besetzt. Allein Xari, Ordensritter Cunrad und die Schildbrecher stehen ihnen entgegen. Doch die Wahrheit ist noch viel schrecklicher. Denn während das Reich im Krieg versinkt, erwachen uralte Kräfte, und das Ende der Welt steht bevor … (Quelle: Heyne)

Fazit: Eingangs sei zur Sicherheit erwähnt, dass es sich bei „Die Blausteinkriege III – Der verborgene Turm“, der Titel impliziert es, um den dritten Teil einer Fantasy-Trilogie handelt. Insofern können in meiner Rezension mal wieder Spuren von Spoilern enthalten sein, auch wenn ich natürlich versuche, sie zu vermeiden.

Dass „Der verborgene Turm“ der Abschlussband einer Trilogie ist, merkt man dem Buch in mehrfacher Hinsicht deutlich an. Die Autoren lassen nur wenig so, wie es ist, machen vieles anders und drehen deutlich an der Action-Schraube.

Naturgemäß weitgehend unverändert ist der Stil des Buches. Sie schreiben weiterhin nicht sonderlich elaboriert, dafür aber sehr lesbar und bildhaft. Der unkomplizierte Schreibstil bedeutet auch, dass man zwischendurch durch Formulierungen wie „er flog irgendwo gegen“ – was ich als sprachlich holprig empfinde – durch muss, aber die Art in der die Brüder Tom und Stephan Orgel ihre Bücher verfasst haben, sollte dafür niemanden überfordern.Und außerdem sind wir hier nicht bei J. R.R. Tolkien. Auch ihren Sinn für Humor haben sich die Autoren im Abschlussband bewahrt. Auch wenn ich im Gegensatz zu den im zweiten Teil gefundenen Zitaten aus „Rambo III“ und „Fallout“ diesmal nur eines gefunden habe, nämlich ein sinngemäßes aus „Star Wars“ über „ein ganz mieses Gefühl“. :-)

Den Humor übertragen sie auch auf ihre Charaktere, was im dritten Teil der Trilogie ein eher überraschendes Problem für mich darstellte. In den ersten beiden Teilen bestach vor allem Marten – mit Abstrichen auch Danil – durch seine humorvolle, sarkastische, manchmal fatalistische Art. Nun haben die Autoren offensichtlich beschlossen, diesen Wesenszug auch auf andere Charaktere zu übertragen, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass in Teil III plötzlich mehrere Charaktere irgendwie geistreich und/oder witzig sein wollen oder sollen. Das mag ein persönlicher Eindruck sein, gestört hat es mich dennoch.

Allerdings habe ich bezüglich der Charaktere noch ein weiteres Problem. Wer schon mal eine Fantasy-Trilogie gelesen hat, der weiß, dass im Normalfall nicht alle der Charaktere auch das Ende des Buches erleben. Und es verhält sich hier – und nein, das ist kein Spoiler – natürlich auch nicht anders. Das ist auch völlig okay – wobei ich mit einer Personalentscheidung aus Teil II immer noch nicht zufrieden bin und bis Ende des dritten Teils vergeblich auf einen erst kürzlich schon beschriebenen „Bobby-Ewing-unter-der-Dusche“-Moment (die Älteren werden sich erinnern) gewartet habe, leider vergeblich – und das trägt auch zur Glaubwürdigkeit des Handlungsrahmens bei, wenn nicht alle zu Beginn vorhandenen Personen am Ende des Abschlussteils ein Happy End mit im Hintergrund tanzenden Weihnachtselfen feiern, aaaaber: Hier übertreiben die Autoren meines Erachtens ein wenig.

Keiner der Charaktere kann sich seines Lebens sicher sein, manche werden spektakulär, manche eher beiläufig aus der Geschichte verwiesen. Das Ganze las sich ein bisschen so, als hätten die Autoren ein von Gene Roddenberry und George R. R. Martin geleitetes Seminar mit dem Thema „Wie schreibe ich Figuren raus?“ besucht und sich dann sklavisch an das Gelernte gehalten.

Dabei können die Charaktere – zumindest bis zu ihrem umfreiwilligen Ableben – quasi ausnahmslos überzeugen, sogar mit Sara habe ich zu großen Teilen meinen Frieden gemacht, deren anfängliche Entwicklung vom unschuldigen Mädchen zur personifizierten Rachegöttin mir einfach zu schnell ging. Im Abschlussband wirkte sie auf mich deutlich menschlicher als in den ersten beiden Büchern. Dass sie sich hackedicht dem Mann in die Arme wirft, der sie zuvor sträflich verleugnet und hintergangen hat – geschenkt.

Auch im Bereich der Handlung machen die Brüder Orgel einiges anders. Das Herausschreiben der Charaktere deutet schon darauf hin: „Der verborgene Turm“ ist ein Action-Feuerwerk allererster Kajüte. Ein bisschen so, als hätte man sich an den ersten 20 Minuten von „Der Soldat James Ryan“ orientiert. Es gibt deutlich mehr Kämpfe, Schlachten, Tod, Blut und Innereien. Band III ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern deutlich grausamer. Nicht so grausam wie die Tatsache, dass heute das neue Album von Rick Astley erschienen ist – der Typ mit der Föhnwelle aus den 80ern, dessen Platten schneller abgespielt wie Kylie Minogue klangen – aber eben doch deutlich härter.

Mir persönlich machte das allerdings wenig aus, da ich der Meinung bin, dass ein solches Actionfeuerwerk genau das ist, was die „Blausteinkriege“-Reihe zu ihrem Abschluss gebraucht hat.

Abseits der Gewaltspirale kann die Handlung ebenfalls überzeugen, manche Geschehnisse erscheinen zwar arg zufällig und gewollt, beispielsweise, wenn mehrere für die weitere Handlung nicht unerhebliche Figuren mitten in der eisigen Einöde durch Zufall aufeinandertreffen, aber insgesamt kann ich mich nicht beschweren. Die einzelnen Handlungsstränge werden überzeugend miteinander verknüpft und führen zu einem Ende, … – über das ich natürlich nichts erzähle.

Es sei übrigens noch gesagt, dass ich eigentlich fast nie auf Cover oder sonstige Gestaltung eines Buches eingehe – und wenn ich es doch tue, spricht es meistens nicht für das Buch („wenigstens war das Cover hübsch“) – weil ich finde, dass so etwas absolut null über das Buch aussagt und ich, nur als Beispiel, auch nicht die wunderschöne rot-weiße Tischdekoration des italienischen Restaurants um die Ecke loben würde, wenn ich mir dort eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hätte. In diesem Fall muss ich es aber doch tun, denn alle drei Teile sind optisch wunderbar gestaltet und auch haptisch ein Erlebnis. Ein Hoch auf den für die Covergestaltung verantwortlichen Franz Vohwinkel!

Abschließend sei gesagt: Wer mal wieder eine deutsche Fantasy-Trilogie lesen möchte, die mit einem ungewöhnlichen Handlungsrahmen, einer spannenden Handlung, weitgehend überzeugenden und teils verschrobenen Charakteren und einem sehr lesbaren Stil aufwartet, der ist bei „Die Blausteinkriege“ an der richtigen Adresse.

Wertung:

Handlung: 8,5

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Vor dem Fall“ von Noah Hawley.

„Projekt Epilog“ von Peter Georgas-Frey – Rasanter Abschluss

Buch: „Projekt Epilog“

Autor: Peter Georgas-Frey

Verlag: Selbstverlag

Ausgabe: Taschenbuch, 423 Seiten

Der Autor: Peter Georgas-Frey ist ein 1970 geborener Autor, der mit seiner Familie seit 1999 am schönen Bodensee lebt. Er veröffentlichte bereits Erzählungen und Gedichte wie „Als Paolos Hände reden lernten“, „Soantà“ und „Zeitspuren“ sowie den Roman „Die Revolte“.

Wer mehr über den Autor und seine Bücher erfahren möchte, dem sei der Besuch seines sehr lesenswerten Blogs „literaturfrey“ empfohlen. Wer das nicht möchte, dem sei ein dortiger Besuch ebenfalls empfohlen!

Das Buch: Bei „Projekt Epilog“ handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie, die mit „Die Heimkehr“ begonnen und mit „Die Rückkehr“ fortgesetzt wurde, insofern können Inhaltsangabe und Rezension Spuren von Spoilern enthalten.

Wer übernimmt die Macht? Nach der vergeblichen Rettungsaktion der Aurumer scheint es, als sie ihre Geschichte auf der Erde beendet. Ist das so? Ist Chronos tot? Was wurde aus Apate? Kann der „Club“ die Macht an sich reißen, da das Machtgeflecht der Aurumer zerstört ist? Oder übernimmt Präsident Loosvelt die Führung der Welt?

Zwei Jahre stellt niemand Fragen, bis Winslow Peck einen Auftrag erhält. (Quelle: Klappentext)

Fazit: Einer der schönsten Nebeneffekte am Bloggen an sich ist meiner Meinung nach, dass man früher oder später auf ganz zauberhafte Menschen trifft, in diesem Fall auf den sympathischen Zeitgenossen Peter Georgas-Frey, seines Zeichens Autor und Blogger – oder umgekehrt – dessen Blog und literarisches Schaffen ich nun schon eine ganze Weile verfolge. An dieser Stelle, lieber Peter, meinen herzlichsten Dank für das Übersenden des Rezensionsexemplars.

Der Einstieg in den dritten Teil der Trilogie um die außerirdischen Aurumer gelingt, insbesondere aufgrund des zu Beginn eingefügten Rückblicks auf die ersten beiden Teile, problemlos. Durch den Rückblick ist es meiner Meinung nach auch möglich, den Abschluss der Trilogie zu lesen und zu verstehen, wenn man die ersten beiden Teile nicht gelesen hat. Naturgemäß muss ich von solch absonderlichem Tun – dem Lesen eines Trilogie-Abschlusses ohne Kenntnis der anderen Teile – allerdings abraten und dementsprechend der möglicherweise noch unkundigen Leserschaft zuraten, sich erst mit den ersten beiden Teilen zu beschäftigen.

Bereits der zweite Teil hat mir im Vergleich zum ersten besser gefallen und diese Entwicklung setzt sich glücklicherweise fort, „Projekt Epilog“ ist meiner Meinung nach der beste der drei Teile.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es nichts zu kritisieren gäbe. So werde ich mit der Namensgebung einiger Charaktere einfach nicht warm. Berühmte Persönlichkeiten weichen mit ihrem Namen nur unwesentlich von realen Vorbildern ab, so gibt es beispielsweise den Präsidenten Loosvelt oder die Wirtschaftsgrößen Dezos und Rusk. Das kann man machen und irgendwann hätte ich mich auch daran gewöhnt, mein Problem ist nur, dass es nicht konsequent durchgezogen wurde, denn, nur als eines von mehreren anführbaren Beispielen, der kurz erwähnte „Whistleblower“ Edward Snowden wird namentlich nicht verfremdet. So ganz nachvollziehen konnte ich das nicht.

Positiv dagegen zu erwähnen sind die Charaktere. Hatte ich zu Beginn des Dreiteilers noch so meine Probleme mit den meisten von ihnen, weil ich mir einfach mehr diesbezügliche Tiefe gewünscht hätte, so kann ich bei „Projekt Epilog“ nicht mehr viel meckern. Insbesondere die Agentin Rosenblum hat es mir angetan. Speziell herauszuheben ist in diesem Bereich aber Apate, die im Laufe der Zeit doch eine sehr überraschende aber auch nachvollziehbare Entwicklung durchmacht, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Auch wenn ich sie im Grunde meines Herzens immer noch für ein intrigantes Miststück halte …

Stilistisch fügt sich „Projekt Epilog“ gut in die Reihe ein. Die Handlung umfasst einen Zeitraum von etwa einem Monat und wird vom Autor in relativ kurzen Kapiteln und in meist kurzen, knappen und prägnanten Sätzen erzählt. Ein bisschen erinnert das an die Erzählweise von Ferdinand von Schirach, nur in gut und ohne den offensichtlichen Zwang, Hauptsatz an Hauptsatz reihen zu müssen. Dabei zieht das Tempo im Vergleich zu den Vorgängern nochmals deutlich an, was mir ebenfalls gut gefiel. Erwähnen muss ich allerdings so ein oder zwei Wort-, Komma- oder Kasus-Stolperer, über die ich aber insgesamt großzügig hinweggelesen habe. ;-)

Eindeutig im Vordergrund steht allerdings erneut die Geschichte. Die Ausgangslage nach Band 2 bietet die Möglichkeit, die Handlung aus Sicht der unterschiedlichsten Interessengruppen zu schildern, wovon der Autor natürlich auch Gebrauch macht, ohne, dass der Leser hier den Überblick verliert. Die Handlung überzeugt durch Spannung und, wie eben schon erwähnt, durch hohes Tempo und hat mich im Vergleich zu den ersten beiden Büchern am besten unterhalten.

Darüber hinaus bot sie für mich immer wieder Anlass, verschiedenste Schauplätze oder andere, manchmal nur nebenbei erwähnte Dinge zu googeln. So weiß ich mittlerweile viel mehr über, beispielsweise, das „Newspaper Rock State Historic Monument“ oder das „Camp Century“.

Abschließend bleibt also festzuhalten, dass der dritte Teil der Aurumer-Trilogie der beste der drei Teile ist, die Trilogie mit „Projekt Epilog“ einen würdigen Abschluss erhalten hat und ich nur empfehlen kann, sich der Trilogie zuzuwenden.

Während der zweite Teil nur so nach einer Fortsetzung schrie, fürchte ich, dass die Handlung mit „Projekt Epilog“ tatsächlich auserzählt ist, es sei denn, der Autor lässt sich noch einen „Bobby-Ewing-unter-der-Dusche“-Kniff einfallen. Allein, mir fehlt der Glaube, denn eigentlich wurden alle Fragen beantwortet.

Nun, alle, bis auf eine, nämlich die Frage, wie sich 341 Einwohner auf 525 Haushalte verteilen … ;-)

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Blausteinkriege III“ von T.S. Orgel.

„Slade House“ von David Mitchell – Der literarische Querverweis

Buch: „Slade House“

Autor: David Mitchell

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Hardcover

Der Autor: David Mitchell ist ein 1969 in Southport, Lancaster, geborener britischer Schriftsteller. Er studierte an der University of Kent Englisch und Amerikanische Literatur und und erhielt den M.A. in Komparatistik. Nach seinem Studium war er unter anderem als Lehrer auf Sizilien und an der Universität Hiroshima in Japan tätig.

Mitchell begann seine literarische Karriere mit seinem 1999 erschienen Erstlingsroman „Ghostwritten“. Im Jahr 2004 erschien sein bislang wohl bekanntester Roman „Cloud Atlas“ (dt. „Der Wolkenatlas“). Dieser wurde im Jahr 2012 von Tom Tykwer und Lana und Lilly Wachowski verfilmt.

Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im irischen Clonakilty.

Das Buch: Geh die Slade Alley hinunter – schmal, feucht und leicht zu verfehlen, selbst wenn du sie suchst. Finde das kleine schwarze Eisentor in der Mauer zur Rechten. Keine Klinke, kein Schlüsselloch, aber wenn du es berührst, schwingt es auf. Tritt in den sonnendurchfluteten Garten eines alten Hauses, das dort unpassend wirkt: zu nobel für die schäbige Nachbarschaft, irgendwie zu groß für das Grundstück. Ein Fremder begrüßt dich und führt dich hinein. Zunächst möchtest du gar nicht mehr fort. Dann merkst du, dass du es nicht mehr kannst. Denn alle neun Jahre, am letzten Sonntag im Oktober, wird ein „Gast“ ins Slade House eingeladen. Doch warum wurde er oder sie ausgewählt, von wem und zu welchem Zweck? Die Antwort findet sich dort am hinteren Ende des Flurs, oben am Absatz der Treppe. (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Vor einigen Jahren las ich erstmals nichtsahnend Mitchells „Der Wolkenatlas“ – und war schlichtweg begeistert. Zu erleben, wie kunstvoll der Autor die einzelnen Abschnitte seines Romans ineinander verschachtelte und miteinander verwob, war eine gänzlich neue Erfahrung für mich. Flugs war der Entschluss gefasst, sich auch mit den anderen Büchern des Schriftstellers zu befassen, weshalb ich mittlerweile blind zu jeder Neuerscheinung Mitchells greife, so nun eben auch zu „Slade House“.

Mit seinem neuen Roman hat der Autor eine Art, nun, man könnte es „Prequel“ nennen, wenn man wollte, was ich nicht will, man könnte es auch „Vorgeschichte“ nennen, wenn das denn sachlich richtig wäre – sagen wir einfach, mit seinem neuen Roman hat der Autor ein inhaltlich mit seinem 2016 erschienenen „Die Knochenuhren“ zusammenhängendes Buch geschrieben.

Jetzt weiß ich es: Spin-off! Ja, so etwas heißt heute Spin-off!

Wenn man über Mitchell-Romane schreibt, dann muss man für gewöhnlich einige Worte über deren äußere Form verlieren und das ist auch bei „Slade House“ nicht anders. Der Autor teilt seinen Roman in fünf Abschnitte ein. Jeder dieser Abschnitte hat seinen eigenen Protagonisten und spielt im Abstand von neun Jahren, beginnend 1979.

Naturgemäß bauen die Abschnitte inhaltlich aufeinander auf, so begleitet man im ersten Kapitel beispielsweise den jungen Nathan und seine Mutter und im zweiten den Polizisten Gordon Edmonds, der sich neun Jahre später auf die Suche nach dem verschwundenen Nathan und dessen Mutter macht usw.

Neu ist diese Art des, sagen wir mal, ineinander verschachtelten Aufbaus nicht, im Grunde genommen ist dieser Aufbau sogar charakteristisch für Mitchells Bücher, ich gebe aber zu, davon wohl nie genug bekommen zu können. Darüber hinaus nimmt Mitchell in seinen Büchern häufig Bezug auf seine anderen Werke. So erinnere ich mich noch lebhaft an den Moment, in dem mir in „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ ein inhaltlicher Querverweise zu „Der Wolkenatlas“ auffiel. Ich erinnere mich ebenso, das ganz fantastisch und irgendwie ein bisschen gruselig gefunden zu haben. Die Querverweise in „Slade House“ sind dagegen eindeutiger und augenfälliger. Mitchell vertieft darin die Hintergrundgeschichte rund um die in „Die Knochenuhren“ beschriebenen Anachoreten. Allerdings, jedenfalls nehme ich das an, funktioniert „Slade House“ auch gut, wenn man das Buch, auf das es Bezug nimmt, nicht gelesen hat.

Bei einem Umfang von gerade mal etwa 240 Seiten sollte man annehmen, dass Mitchell kein Raum blieb, um wirklich erinnerungsürdige Charaktere zu entwickeln. Und in gewisser Weise stimmt das auch, nämlich in der Hinsicht, dass man sich an keine Charaktere gewöhnen kann und sollte, und dementsprechend mittelfristig vielleicht die Erinnerung an sie schwerfällt. Dennoch schafft es der Autor, trotz des begrenzten Umfangs des Buches, in nur wenigen Sätzen den gesamten Mikrokosmos, in dem sich seine Figuren bewegen, zu beschreiben. So erfährt man beispielsweise beinahe nebenbei, dass Nathans Mutter sich Valiumtabletten einwirft, an denen der Junge sich auch ganz gerne bedient, dass ein Vater bzw. Ehemann nicht vorhanden zu sein scheint, die als Pianistin tätige Mutter derzeit ohne Job ist und also die Lebensumstände von Mutter und Sohn alles andere als rosig sind.

Inhaltlich kann ich natürlich nicht viel verraten, weil jedes Wort zu viel dem Buch gänzlich den Reiz nehmen würde. Ich kann nur sagen, dass der Leser dem Geheimnis rund um das „Slade House“ Abschnitt für Abschnitt näher kommt, ähnlich einer Matrjoschka, und das, ja, das macht wirklich Spaß.

Bleibt nur zu hoffen, dass Mitchell schon sehr bald wieder einen weiteren Roman schreibt, dann gerne wieder mit etwas größerem Umfang. Aber das Schreibtempo des amerikanischen Schriftstellers, hach … In der Zeit, in der Mitchell zwei Romane veröffentlicht, veröffentlich James Patterson, bei allem Respekt, etwa 38, aber der hat auch bis zu sieben Co-Autoren. Vielleicht sollte Mitchell darüber auch mal nachdenken. Wobei, besser nicht. Dann warte ich lieber. Und seine Bücher „Number 9 Dream“ und „Der dreizehnte Monat“ habe ich schließlich, in weiser Voraussicht, auch noch nicht gelesen. Damit lässt sich die Wartezeit wohl überbrücken. Dennoch: Sieh zu, David!

Ach, bevor ich es vergesse: Falls jemand „Slade House“ schon gelesen hat und mir das Motiv des in jedem Kapitel kurz auftauchenden Joggers in schwarz-oranger Kleidung erklären könnte, wäre ich sehr begeistert. Mir ist es aufgefallen, aber begriffen habe ich es nicht. :-)

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Aufbau und Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Projekt Epilog“ von Peter Georgas-Frey.