Freitagsfragen # 67

Freitagsfragen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hurra, die deutschen Kicker haben 3:0 gewonnen. Allerdings passierte das von mir weitgehend unbemerkt. Bin ich der Einzige, bei dem sich mittlerweile so eine Art Übersättigung in Sachen Länderspiele einstellt? Mal ganz abgesehen davon, dass sie den ganz normalen Bundesliga-Rhythmus eines Fußballfans aufs Unangenehmste durcheinanderbringen. Gut, nach Einführung weiterer semi-sinnvoller Wettbewerbe spielt man jetzt nicht mehr gegen Samoa und Lesotho, sondern gegen Frankreich und die Niederlande, das Grundproblem bleibt aber bestehen.

Aber so hat jeder eben irgendwas, wovon er zu viel hat. Bei mir sind das Länderspiele, bei der AfD sind es teilweise illegale Spenden unbekannter Herkunft, was soll´s!? Wovon ich jedoch niemals zu viel haben kann – und man beachte diese Hammer-Überleitung – sind die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Sehnst Du Dich nach Deiner Schulzeit zurück?

Nein, heute nicht mehr. In den ersten Jahren nach dem Schulabschluss war das noch anders. Da befand ich mich in der Ausbildung in dem, was man so freie Wirtschaft nennt, und musste mich auf eine Art behandeln lassen, für die ich meine Lehrer einige Jahre zuvor noch verklagt hätte. Aber so weit, Lehrer zu verklagen, war die Gesellschaft damals noch nicht, das wurde erst knappe 20 Jahre später modern. Getreu dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ *würg*, habe ich das dann schweigend durchgezogen, aber in der Zeit war schon des Wunsch da, einfach wieder zur Schule gehen zu dürfen.

Heute ist das anders. Zwar behaupte ich nach wie vor, dass meine drei Oberstufenjahre die geilste Zeit meines Lebens waren, aber zurück möchte ich dahin trotzdem nicht. Ich meine, wir reden hier von einer Zeit in der „La Bouche“ mit „Be My Lover“, „Los del Río“ mit „Macarena“, „Bellini“ mit „Samba De Janeiro“ oder „Loona“ mit „Bailando“ in den Charts waren – in diese Zeit KANN niemand zurückwollen!

Erschreckenderweise reden wir auch von der Zeit, in der mich „Witt/Heppner“ mit „Die Flut“ beschallt haben – kann das so lange her sein!?

2.) Probierst Du gerne neue Dinge aus oder hältst Du Dich an die, die Du schon kennst und kannst?

Wenn ich permanent neue Dinge ausprobiere, gehöre ich vielleicht bald in die Riege der selbsternannten Universalgelehrten, die alles ein bisschen, aber nichts richtig können, dafür aber zu allem eine Meinung und etwas zu sagen haben und deshalb nie die Schnauze halten können oder wollen. Ein Menschenschlag, der mir sehr suspekt ist.

Ich stehe da eher auf dem Standpunkt, dass ich mich auf das besinne, was ich wirklich kann. Zu allem anderen halte ich dann den Mund.

Wobei ich aber natürlich nicht grundsätzlich ausschließe, mich mit etwas Neuem zu beschäftigen, wenn mich ein entsprechendes Thema wirklich begeistert. Vorschläge werden dankend entgegengenommen. ;-)

3.) Wenn Du einen Film schreiben solltest, wovon handelte er?

Da fielen mir mehrere Möglichkeiten ein. Ich könnte eine Polit-Doku über die AfD machen, die sich allerdings vermutlich keine Sau ansehen würden. Vor allem nicht die, die sie sich ansehen sollten. Das wäre vermutlich verlorene Liebesmüh.

Ich könnte auch einen John-Grisham-Gedächtnis-Gerichtsthriller machen, der dann aber zwingend Jack Nicholson, Tom Cruise und den Satz: „Sie können die Wahrheit doch gar nicht ertragen!“ beinhalten müsste. Ich mag solche Filme, irgendwo zwischen „Matlock“, „Die Firma“, „Eine Frage der Ehre“ und „Amistad“. Davon gab es in den letzten 15 Jahren eindeutig zu wenig.

Sehr viel wahrscheinlicher würde ich aber ein CGI-Lens-Flare-Michael-Bay-J-J-Abrams-Bombast-Fantasy-Epos drehen, das Peter Jackson dazu bringen würde, sich mit einer Flasche Jack Daniels in der Zimmerecke zusammenzurollen und im Stile des Comicbuchverkäufers Jeff Albertson aus den „Simpsons“ zu jammern: „Oh nein, ich habe mein Leben vertan!“

Ich wüsste auch schon, wie die Handlung abläuft, in welcher Welt er spielt, welche Figuren dabei sind, und so weiter und so fort. Eigentlich bräuchte ich jetzt nur noch jemanden, der es aufschreibt …

4.) Die Wahl der Qual: die einzige betrunkene Person auf einer Party sein oder die einzig nüchterne?

Vor 20 Jahren hätte ich vermutlich geantwortet: „Scheiß drauf, ich bin lieber der einzige Betrunkene!“, heute sieht das etwas anders aus. Da bin ich dann doch lieber der einzige Nüchterne. Erfahrungsgemäß – denn das kam schon öfter vor – ist das zwar auch nur schwer erträglich – spätestens dann, wenn mein Umfeld anfängt, Unfug zu reden -, aber der Vorteil des Nüchternseins wäre in dem Fall ja der, dass ich einfach nach Haus fahren kann, wenn ich die Nase voll habe.

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, das war es auch schon wieder.

Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein schönes Wochenende und muss jetzt noch allerlei produktive Dinge tun – und versuchen, „Bailando“ wieder aus dem Kopf zu bekommen …

Gehabt euch wohl!

 

 

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„Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg – Abbitte

Buch: „Die Vergessenen“

Autorin: Ellen Sandberg

Verlag: Penguin

Ausgabe: Taschenbuch, 509 Seiten

Die Autorin: Ellen Sandberg ist das Pseudonym einer erfolgreichen Münchner Autorin, deren Kriminalromane regelmäßig auf der Bestsellerliste stehen. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit dem groß angelegten Spannungs- und Familienroman »Die Vergessenen« schlägt sie einen neuen schriftstellerischen Weg ein und widmet sich dabei einem Thema, das ihr ein persönliches Anliegen ist: den Verbrechen der jüngeren Vergangenheit und der Notwendigkeit, diese nicht zu vergessen. (Quelle: Penguin)

Das Buch; 1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, dass Landmanns Arbeit das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.

2013. In München lebt ein Mann für besondere Aufträge, Manolis Lefteris. Als er geheimnisvolle Akten aufspüren soll, die sich im Besitz einer alten Dame befinden, hält er das für reine Routine. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat … (Quelle: Penguin)

Fazit: Nach gut 50 Seiten stand für mich eindeutig fest: Ich würde dieses Buch abgrundtief verabscheuen! Ich würde den Verriss meines Lebens schreiben. Ich würde den Umfang meiner Rechtschutzversicherung überprüfen, um für die Folgen gewappnet zu sein. Doch dann kam irgendwie alles anders …

Zu Anfang allerdings hat die Autorin sich tatsächlich Mühe gegeben, mich größtmöglich zu ärgern, beispielsweise mit ihrem Protagonisten Manolis Lefteris, mit dem ich übrigens über die ganze Strecke des Buches nicht warm geworden bin. Aus familiären Gründen, die genauer zu erwähnen jetzt zu weit führen würde, hat Lefteris kein Vertrauen mehr in Staat und Justiz. Und das äußert er auch – andauernd. „Sie ist nicht blind. Sie urteilt ohne Ansehen der Person. Das bedeutet die Augenbinde.“, sagt seine Schwester auf Seite 13 über die Justiz. Darauf Manolis: „Aber nicht ohne den Einfluss der Mächtigen.“ Gähn …

Und da er nun diese Meinung vertritt, handelt er nur ganz konsequent, indem er das Recht und Gesetz selbst in die Hand nimmt – er wird Auftragskiller. Gut, nur im Falle von freigesprochenen Straftätern, die seiner Meinung aber trotzdem schuld sind, aber hey … Na, und manchmal belässt er es ja auch bei Observierungen.

Das Problem, das ich mit Manolis habe, ist, dass sich dieser vollkommen empathiebefreite, durchgeknallte Mensch damit auch noch völlig im Recht fühlt. Zitieren wir dazu nochmal seine Schwester auf Seite 19. „Das Recht des Stärkeren ist nicht Gesetz.“ Darauf Manolis: „Natürlich ist es das. Der Stärkere und Anpassungsfähigere überlebt, das nennt man Evolution.“ Ich bin also der Stärkere und Anpassungsfähigere, wenn ich einem beliebigen Mitmenschen mittels Verwendung einer Schusswaffe das Licht auspuste. Aha.

Dabei wäre Manolis in jungen Jahren selbst einmal ein Fall für die Justiz gewesen. Er hat nämlich einmal einen Menschen getötet, während er damit gleichzeitig einen anderen gerettet hat. Manolis entzieht sich aber der Justiz, der Gerettete zeigt sich, insbesondere finanziell, höchst erkenntlich, was zur Folge hat, dass Manolis Jahre später ein gutsituiertes Leben führen kann. „Ohne ihn, der ihn unter seine Fittiche genommen hatte und in gewisser Weise die Vaterstelle bei ihm vertrat, hätte er weder seine Wut in den Griff bekommen, noch die schönen Seiten des Lebens entdeckt und gelernt, sie zu genießen. Malerei, Musik, das Theater, gutes Essen, Literatur.“ (Seite 34) Hach, wie gut dieser gebildete Feingeist doch seine Wut in den Griff bekommen hat … Nochmal: der Mann ist ein Killer! Punkt, aus, Ende!

Aber Manolis ist nicht der einzige Charakter, der mir sauer aufstieß. Irgendwie machte sich nach kurzer Zeit der Eindruck breit, als sei jeder männliche Charakter in diesem Buch eine außerordentliche Flitzpiepe und als handele es sich bei „Die Vergessenen“ um ein Emanzipationspamphlet.

Da wäre beispielsweise der Chefredakteur einer großen Zeitung. Im Vorstellungsgespräch mit einer jungen Frau kommt man angesichts eines Bildes der Callas auf das Thema Gesang und die junge Frau sagt: „Für die Bühne reicht es bei mir nicht. Nur für die Dusche.“ Darauf der Chefredakteur: „Ach? Da wäre man ja gerne mal dabei.“ Oh, bitte! Wen soll dieser Charakter darstellen? Rainer „Herrenwitz“ Brüderle?

Als die junge Frau nach dem – erfolglosen – Gespräch nach Hause kommt, fügt sie sich in ihr Schicksal, stattdessen Chefredakteurin bei der Frauenzeitschrift zu werden, für die sie bereits arbeitet. Dort wartet dann ihr Freund, der es wagt, sie darauf aufmerksam zu machen, dass damit ihre Träume platzen könnten, wieder im „ernsthaften“ Journalismus zu landen – ein Gedankengang, den die junge Frau selbst vorher laaang und breit gewälzt hat. Und nur dafür macht sie ihm dann a) eine Szene und b) ihn zur Minna.

Das war dann endgültig der Punkt,  an dem ich mich fragte: „Können die Männer in diesem Buch auch nur überhaupt irgendwas richtig machen?“ Und es war auch der Punkt, an dem ich begann, vieles andere auf die Goldwaage zu legen. Beispielsweise die Tatsache, dass Manolis in seiner Jugend wegen „zwei Polen“ die „Autos verschoben“ (S.36) in Konflikt mit dem Gesetz kommt.  Wie klischeehaft. Oder die Tatsache, dass Manolis seinen späteren Wohltäter aus den Händen eines Kerls „vom Typ Tschetschenen-Inkasso“ (S. 38) befreit. Die Frage trat in den Raum, ob jetzt wohl alle Bösewichte des Buches einen osteuropäischen oder russischen Background bekamen und was das überhaupt sollte.

Dann jedoch, kurz bevor ich begann, die Geduld mit Ellen Sandbergs Roman zu verlieren, glückte der Autorin auf bemerkenswerte Art und Weise eine 180-Grad-Wende. Passenderweise gerade mit ihrer Handlung.

Klar, mit den Charakteren würde ich nicht mehr warm werden und wurde ich durch die Bank auch nicht – zumindest was den Handlungsstrang in der Gegenwart betraf. Und stilistisch bewegt sich Ellen Sandberg auf gutem, angenehm zu lesenden Niveau, jedoch ohne, dass mir der Stil als Alleinstellungsmerkmal im Gedächtnis bleiben würde.

Aber diese Geschichte!

Naturgemäß kann ich leider nicht viel über die Handlung verraten, was meine Zeilen überwiegend doch wie einen Verriss wirken lassen könnte, was sie aber gar nicht sein sollen. Nur so viel: Sandberg greift ein Thema auf, das in der Aufarbeitung der deutschen Geschichte viel zu wenig Beachtung fand. Ein Thema, das mir naturgemäß am Herzen liegt. Ein Thema, das berührt und zu Herzen geht. Und sie tut das dermaßen gut, eindringlich, spannend und in sich schlüssig, dass ich nur sagen kann:

Lest dieses Buch! Ganz ehrlich!

Wertung:

Handlung: 10 von 10 Punkten

Charaktere: 5,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Weltenfinder“ von Bernd Perplies.

 

Freitagsfragen # 66

Freitagsfragen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

bezüglich der aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog bin ich erneut leicht im Verzug, deswegen geht es jetzt ganz flugs ohne weitere Vorrede an Fragen und Antworten, welche diesmal lauten:

1.) Erledigst Du Aufgaben sofort oder schiebst Du sie vor Dir her?

Das kommt ganz entschieden auf die Aufgabe an. Wenn die Aufgabe lautet: „Nimm Dir eine Tüte Chips und setze Dich vor den Fernseher, um Dir ein Spiel der Washington Redskins anzusehen!“, dann mache ich das für gewöhnlich sofort.

Da ich aber davon ausgehe, dass es um eher unangenehme Aufgaben geht, lautet die Antwort in diesem Fall: Ich schiebe solche Aufgaben gerne vor mir her. Sehr gerne. Und lange. Sehr lange. Ich hätte schon längst den schwarzen Gürtel in Prokrastination, wenn es so etwas geben würde.

Dass das nicht unbedingt eine gute Idee ist, wusste ich schon zu Schulzeiten, was mich nicht davon abgehalten hat, das Lernen für Matheklausuren dennoch so lange hinauszuschieben, bis man den „Jetzt-isses-auch-egal-„-Zeitpunkt erreicht hat. Die Ergebnisse waren dann auch entsprechend. Wobei man fairerweise sagen muss, dass diese Ergebnisse nach intensivem Lernen auch nicht besser gewesen wären …

Und im Grunde ist Prokrastination ja auch eine dumme Idee. So musste ich in diesem Jahr beispielsweise die Erfahrung machen, dass man auch bei Behörden offensichtlich gerne prokrastiniert, wenn es um die Erledigung eines Antrages geht. Für besagten Antrag hatte die Behörde gemäß SGB irgendwas eigentlich 6 Wochen Zeit. Von der Antragstellung bis zum Bescheid vergingen aber über drei Monate, was weitere Schwierigkeiten aufwarf. Zumal man sich jetzt an den Inhalt des Bescheides auch nur so semi-gebunden fühlt, seitens der Behörde. Aber das soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Wenn ich so nachdenke, komme ich zum Schluss, dass es wohl nur einen Bereich gibt, in dem Prokrastination offensichtlich funktioniert: in der Politik! Schon Helmut Kohl hat auf diese Weise mehrere Jahre ein Land regiert. Oder regieren lassen. Oder so.

In der Frage nach deutschen Reparationszahlungen nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Prokrastination auch bewährt …

Und es ist offensichtlich eine Auswirkung der Prokrastination des Staates, wenn im Jahre des Herren 2018 Menschen im Alter von 94 Jahren wegen ihrer Vergangenheit als KZ-Aufseher angehlagt werden – was grundsätzlich natürlich zu begrüßen ist-, weil der Staat und die Justiz in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich gerade irgendwie anders beschäftigt waren als mit der juristischen Aufarbeitung der Vergangenheit. Tetris spielen. Oder so.

Dass Proktrastinieren in der Politik manchmal eine gute Idee sein kann, merkt man auch an anderen Beispielen. So hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die ungarische Regierung ihre Entscheidung, Obdachlosigkeit für illegal zu erklären und Obdachlose auf diese Weise zuhauf in die Wälder zu vertreiben oder nach dreimaliger Verwarnung einfach wegzusperren, bis auf den Sanktnimmerleinstag verschoben hätte.

Oder nehmen wir die CDU und ihre Suche nach einer/einem neuen Vorsitzenden. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer sich offen gegen die Ehe für alle aussprechenden Kramp-Karrenbauer, Jens „Hartz-IV-ist-keine-Armut“ Spahn oder Friedrich „BlackRock“ Merz, dann sollte ich darüber nachdenken, diese Wahl ebenfalls bis auf den besagten Sanktnimmerleinstag zu verschieben, in der Hoffnung, dass bis dahin doch noch ein erträglicher Kandidat aus der Hecke gesprungen kommt. Oder es sich wenigstens Armin Laschet nochmal anders überlegt.

2.) Wie motivierst Du Dich zu unangenehmen Erledigungen?

Ja, gar nicht, das ist ja das Problem! ;-) Nein, mal ehrlich, mich dazu zu motivieren, unangenehme Dinge zu erledigen, gehört wahrlich nicht zu meinen großen Stärken. Wenn ich solche Erledigungen dann angehe, dann passiert das meistens aus einer Art „Ich-mach-das-jetzt“-Übersprungshandlung. Manchmal auch durch sanften Druck anderer Personen. Nur leider verabscheue ich es eigentlich abgrundtief, wenn mir Menschen ungefragt sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Hach, es ist schon manchmal schwierig.

3.) Sagst Du Deinen Mitmenschen lieber, was Du Dir zum Geburtstag wünschst, oder lässt Du Dich lieber überraschen?

Das kommt entschieden auf den Schenkenden an. Es gibt Menschen, vorzugsweise aus dem familiären Hintergrund, die mir ohne Anregung meinerseits Dinge schenken, die sie begründen mit „Ich habe mir gedacht, das könntest Du gut gebrauchen!“ Meistens ist das falsch gedacht. So weiß ich heute noch nicht, was ich eigentlich mit den Kopfhörern machen soll, die ich vor Jahren bekommen habe.

Es gibt aber auch Menschen, denen lasse ich in dieser Frage gerne völlig freie Hand und kann mich in der Mehrzahl darauf verlassen, etwas zu bekommen, über das ich mich freue.

Sollte ich selbst der Schenkende sein, bin ich übrigens sehr froh, wenn jemand ganz deutlich äußert, was er oder sie sich wünscht, denn ich bin ein unfassbar schlechter Geschenke-Schenker. Manchmal habe ich Geistesblitze, dann fällt mir auch etwas Sinnvolles ein, manchmal verschenke ich auch wert- und nutzlosen Tand mit der Begründung: „Ich habe mir gedacht, das könntest Du gut gebrauchen!“. Ich bin offensichtlich genetisch  vorbelastet.

Ach, und da wir ja bei Geschenken sind und ich diese Anekdote unmöglich für mich behalten kann: Bücher in öffentlichen Bücherschränken sind ja auch irgendwie Geschenke. An andere, unbekannte Leser eben. Wer aber auf die Idee gekommen ist, im öffentlichen Bücherschrank im E-Center das Buch „Rechtschreibung und Zeichensetzung“ von Karl Dieter Bünting und Dorothea Ader aus dem Jahre 1993 (!) zu hinterlegen, hat entweder eine sehr feinsinnige Art von Humor oder ist schlicht gemein. :-)

4.) Die Wahl der Qual: Eine schlaflose Nacht haben oder einen Tag verschlafen, an dem Du eigentlich viel vor hattest?

Erfahrungen mit schlaflosen Nächten hatte ich in der Vergangenheit zur Genüge. Daher verschlafe ich lieber den Tag. Einerseits schlafe ich gerne, andererseits gibt es wenig, das ich nicht auch noch am Folgetag erledigen könnte.

 

So weit, so gut, ich wünsche allseits noch einen erholsamen Restsonntag.

Gehabt euch wohl!

„Es ist an der Zeit, dass Männer auch Frauen lesen“

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen erschien in der Online-Ausgabe der „Welt“ ein Artikel der nigerianischen Schriftstellerin Chimananda Ngozie Adichie, Autorin des mehrfach preisgekrönten Romans „Americanah“. Darin beschreibt Adichie Episoden aus ihrer Vergangenheit in Nigeria und schlägt anhand der geschilderten Begebenheiten den thematischen Bogen zur Rolle und Bedeutung der Frau in der Literatur. Die Lektüre des Artikels kann ich wärmstens empfehlen, weil ich solche Texte als wichtig empfinde.

Leider ist mir der Text an einigen Stellen sauer aufgestoßen, was den Gesamteindruck etwas trübt. So beginnt der Artikel mit dem Satz: „Aus Studien wissen wir, dass Frauen Bücher von Männern und von Frauen lesen. Männer lesen nur Bücher, die auch von Männern geschrieben wurden.“ Mein Blick fällt auf das von mir vor einiger Zeit gelesene „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg und ich denke mir: „Das stimmt doch so nicht!“ Und siehe da, mehrere Absätze später heißt es: „(…) denn aus Studien wissen wir, dass Frauen Bücher von Männern und von Frauen lesen, dass Männer jedoch primär Bücher lesen, die auch von Männern geschrieben wurden.“ „Primär“, nicht „nur“! Ist ja nicht so, als ob das irgendwie wichtig wäre oder gar eine unterschiedliche Bedeutung hätte …

An anderer Stelle geht die Autorin von der Prämisse aus, dass die Zustände in Nigeria (für die Nichtleser des Artikels: unter anderem wurde Adichie nach einem Priesterwechsel von einer in diesem Zusammenhang installierten, selbsternannten Tugendpolizei aufgrund ihrer Kleidung der Zutritt zur Kirche verwehrt.) in ähnlicher Form überall auf der Welt herrschen, „diese Bestrebungen, Frauen die Autonomie im Umgang mit ihrem eigenen Körper zu verweigern, die gibt es überall auf der Welt.“ heißt es da. Als Beispiel führt sie „die Frau im Westen, die als Schlampe bezeichnet wird, einfach weil sie ein sexuelles Wesen ist“ an.

Da sich mir als Mann eine Beurteilung dieser Textstelle eigentlich verbietet, belasse ich es dabei, die Frage in den Raum zu werfen, ob Frauen hier tatsächlich den Eindruck haben, dass es diese „Bestrebungen“ gibt!? Und „Bestrebungen“ verstehe ich als gesamtgesellschaftliche Bestrebungen. Falls die Antwort also „ja“ lautet, fände ich das ziemlich gruselig. Wobei es durchaus Beispiele gibt, die auf diese Bestrebungen hindeuten, hier sei nur mal die Katholische Kirche und ihr Einfluss auf gläubige Christen genannt, wenn es um die Frage der Verhütung geht.

Und wenn wir von Verhütung mal zu Kindern kommen, scheint es auch da gesamtgesellschaftliche Meinungen zu geben, die es der Frau von heute erschweren, es überhaupt noch irgendwie richtig zu machen: Hat eine Frau in einem bestimmten Alter noch keine Kinder, muss etwas mit ihr nicht stimmen. Hat eine Frau in einem bestimmten Alter aber „zu viele“ Kinder, stimmt mit ihr auch etwas nicht. Hat eine Frau dann ein Kind und geht relativ schnell wieder arbeiten, ist sie eine Rabenmutter. Hat sie ein Kind und geht nicht wieder arbeiten, ist sie faul, asozial und lebt auf Kosten des Staates. Und einen Mann würde man niemals fragen, wie er es schafft, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Nun, wie gesagt, einer Bewertung enthalte ich mich weitgehend, sehe aber durchaus Hinweise, dass die Behauptungen der Autorin nicht aus der Luft gegriffen sind.

Nun geht sie aber dazu über, zu behaupten, dass dieser Einfluss auf die Autonomie der Frau auch in der Literatur gelte, „in der von Autorinnen erwartet wird, dass sie ihre weiblichen Protagonisten „liebenswürdig“ machen, als könne sich die ganze Menschlichkeit einer weiblichen Person nur dann entfalten, wenn sie sich in den sorgsam gesteckten Grenzen einer Vorstellung von LIEBENSWÜRDIGKEIT abspielt.“

Und auch da sage ich wieder: Das stimmt doch so nicht! Wer das behauptet, hat nie Bücher von Tana French oder Gillian Flynn gelesen, in denen weibliche Protagonistinnen in der Mehrzahl alles Mögliche sind, aber „liebenswürdig“ zählt nun wirklich nicht dazu. Auch Tanja Kinkel hat in ihren älteren Werken Protagonistinnen geschaffen, die man, wollte man nach Schubladen suchen, guten Gewissens in die Kategorie „starke Frau“ einordnen kann, aber so richtig „liebenswürdig“ fand ich beispielsweise Eleonore von Aquitanien jetzt nicht so wirklich. Als letztes Gegenbeispiel seien hier die weiblichen Figuren in Naomi Aldermans „Die Gabe“ genannt. Wer dort eine liebenswürdige Figur findet, hat ein anderes Buch gelesen.

Letztlich mündet Adichies Artikel dann in dem Aufruf: „Es ist an der Zeit, dass Männer auch Frauen lesen.“

Ich persönlich finde ja, dass es an der Zeit ist, dass Männer als auch Frauen die Bücher lesen, die sie lesen wollen. Und dass es völlig unerheblich ist, ob diese dann von einer Frau, einem Mann, einem Leguan oder einer KI geschrieben wurden. Dass es völlig unerheblich ist, ob es sich dabei um Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, um dadaistische Gedichte von Kurt Schwitters oder das Telefonbuch von Olpe im Sauerland handelt.

Aber unabhängig von den zwei, drei Schwierigkeiten, die ich mit dem, wie erwähnt, sehr lesenswerten Artikel habe, muss die Grundfrage dahinter, nämlich die Bedeutung der Frauen in der Literatur, natürlich gestellt werden, heutzutage noch viel eher als beispielsweise vor 20, 50 oder gar 100 Jahren.

Ich habe pflichtschuldigst mal gezählt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ziemlich genau 25 % Prozent der von mir rezensierten Bücher von Frauen geschrieben wurden. Ich gebe zu, dass mich die Zahl negativ überrascht hat, denn intuitiv bin ich von etwa einem Drittel ausgegangen. Noch überraschter war ich von einem Artikel der Schriftstellerin Nina George, aus dem hervorgeht, dass ich mit diesen 25 % noch über dem Durchschnitt bin, welcher in Literaturblogs bei gerade mal 19 % läge, bei Bloggerinnen bei 40 %. Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass ich mit meinen 25 % sogar noch sehr viel deutlicher über dem Schnitt meiner männlichen Kollegen liege. Ich erwarte Applaus! :-)

Woran liegt es nun aber, dass Männer sich offensichtlich wenig mit Büchern von Autorinnen auseinandersetzen? Kann und muss man dagegen etwas tun? Und wenn ja, was?

Glücklicherweise wird niemand von mir eine wissenschaftliche Analyse verlangen, die zu erbringen ich auch gar nicht in der Lage, oder gar willens, wäre. Nina George hat das schon weit besser getan, als ich das je könnte. Ich muss das Ganze also aus meinem eigenen, kleinen Mikrokosmos betrachten.

Das Wichtigste, was man zur Antwort auf die o.g. Fragen heranziehen könnte, wäre eine Statistik, aus der überhaupt der Anteil an Frauen in der Literatur hervorgeht. Nur: So etwas scheint es, zumindest für den deutschssprachigen Raum, nicht zu geben. Das hilft also nicht weiter.

Vielleicht hat es mit der Art der Literatur zu tun? Wenn ich eine Bücherei betrete, gibt es ganze Bücherreihen, die mir alleine durch ihre äußere Gestaltung klarmachen: „Wir sind nichts für Dich!“ Als Beispiel seien hier einmal – und das ist völlig wertfrei vom Inhalt gemeint – die Bücher von Sophie Kinsella genannt, die für mich optisch einen Albtraum in pink darstellen. Um solche Bücher mache ich dann eben auch einen großen Bogen, weil es den Anschein von Kitsch erweckt. Und mit Kitsch kann ich nun mal nichts anfangen.

Nina George mutmaßt „Mitunter ist es auch Feigheit vor dem Gefühl. Dieses tief sitzende Unbehagen, sich mit komplexer Emotionalität auseinanderzusetzen, die nicht distanziert und analytisch erzählt wird (…) , aber das trifft es, zumindest für mich persönlich nicht. Außerdem mag ich diesen nur semi-unterschwelligen Vorwurf nicht. Ich habe kein Problem damit, mich mit „komplexer Emotionalität“ auseinanderzusetzen, nur weil ich Diana Gabaldon oder Jojo Moyes nicht mag. Ich kann auch die deutsche Sprache in ihrer geschriebenen Form lieben und trotzdem die Bücher von Thomas Mann verabscheuen. Nein, Gabaldon und Moyes treffen nur einfach nicht meinen Geschmack, das hat nichts mit „Feigheit vor dem Gefühl“ zu tun. Ich habe seinerzeit sogar „P.S. Ich liebe Dich“ gelesen und es für großartig befunden. So!  :-) Nur mit dem gleichnamigen Film konnte ich nicht umgehen, weil Hilary Swank die selbe deutsche Synchronstimme hat wie Bart Simpson, was mich schwer irritiert hat. ;-) Aber das führt jetzt zu weit vom Thema weg …

Aber auch wenn man diese „Frauenliteratur“ (Fun Fact: Wenn man bei Google „deutsche Autorinnen 19. Jahrhundert“ als Suchbegriff eingibt, ist das oberste Suchergebnis der Wikipedia-Eintrag zu „Frauenliteratur“ – denkt mal drüber nach …) meidet, so erklärt das nicht die weiter oben erwähnten lediglichen 19 % an in Literaturblogs veröffentlichten Rezensionen zu Büchern, die von Frauen geschrieben wurden. Denn eigentlich ist der Anteil an Autorinnen insbesondere im Bereich der U-Literatur wesentlich höher, als er das in der E-Literatur ist. Diese Zahlen sollten sich dann aber auch in den Rezensionen widerspiegeln – tun sie aber nicht.

Letztlich weiß ich – natürlich – schlicht nicht, woran es liegt, dass Männer bzw. Blogger sich so wenig mit Büchern von Autorinnen beschäftigen, habe aber eine ganz faszinierende Theorie:

Sie lesen diese Bücher durchaus, würden aber nie, nie, niemals zugeben, das getan zu haben oder gar freiwillig darüber reden oder schreiben! :-)

Apropos zugeben, ich muss auch zugeben, dass ich den Anteil – zumindest, wenn es um Unterhaltungsliteratur geht – nicht schlimm finde. Denn letztlich kann ich mich nur dahingehend wiederholen, dass doch bitte jeder das lesen soll, was er will.

Im Elfenbeinturm der gehobenen Literatur sieht die Sache schon wieder ganz anders aus, was man schnell bemerken kann, wenn man Jury-Zusammensetzungen, Nominierungen und Preisträger betrachtet. Aber damit beschäftige ich mich vielleicht mal in einem anderen Beitrag …

 

Freitagsfragen # 65

Freitagsfragen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

man glaubt es kaum, wie ein einziger Feiertag – in manchen, diesbezüglich großzügiger ausgestatteten Gegenden sogar zwei – das Zeitgefühl so durcheinanderbringen kann. Und ich hätte auch nichts dagegen gehabt, selbiges durch einen zweiten Feiertag in dieser Woche vollends aus der Spur zu tragen. Aber in Niedersachsen ist man genügsam, bedankt sich freundlich bei Landesvater Weil für die Wiedereinführung des Reformationstages – wer hier „Halloween“ sagt, fliegt raus – und hadert weiterhin damit, dass die Bayern vier Feiertage mehr haben, weil man dort schon frei hat, weil – wie ich öfter sinngemäß sage – der heilige Sankt Blasius von Pumpernudl im Jahre des Herren 973 an einem Dienstag Vormittag die Katze der Äbtissin Berta vom Orden der Faulenzerinnen vom Baum gerettet hat.

Aber weg von Feier- und hin zu Freitagen und den damit zusammenhängenden Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Die heutigen Fragen und (für meine Verhältnisse recht kurzen) Antworten lauten:

1.) Machst Du Komplimente? Wann bekommt jemand ein Kompliment von Dir?

Oh, aber ja doch. Und sogar recht gerne. Und ich meine das dann auch immer so, wie ich das sage, um mal recht frei Nena zu zitieren. Es gibt Zeitgenossen, in erster Linie aus meinem persönlichen Umfeld, die dann davon ausgehen, dass ein wie auch immer geartetes Kompliment darin begründet liegt, dass ich der entsprechenden Person gegenüber im positiven Sinne voreingenommen bin. Wahlweise auch darin, dass ich einfach keine Ahnung habe. :-) An dieser Stelle sei gesagt: Das stimmt nicht!

Tja, wann bekommt jemand ein Kompliment von mir? Immer dann, wenn, objektiv gesehen, ein Anlass dazu besteht. Oder wenn mir danach ist. Oder beides.

2.) Sprichst Du fremde Menschen an?

Nein. Im Grunde meines Herzens bin ich schüchtern. ;-) Eigentlich würde mir auch gar kein Grund einfallen, wildfremde Menschen anzusprechen. Deswegen bin ich nicht gerne bei Festivitäten jeglicher Art, bei denen ich außer den Gastgebern niemanden kenne.

Ich gehe aber davon aus, dass ich im Notfall durchaus fremde Menschen ansprechen würde. Falls ich also mal in einer mir unbekannten Gegend neben meinem mit laufendem Motor und offenen Türen dort stehenden Auto weinend im Straßengraben sitze, weil mein Navi kaputt und mein Handy ohne Empfang ist und ich den verfluchten, patentgefalteten Falk-Plan nicht auseinanderbekomme – dann ist es ziemlich sicher, dass der nächstbeste Unbekannte von mir angesprochen wird.

3.) Hast Du einmal an einem Wettbewerb teilgenommen?

Das kommt darauf an. Zählt die Jobsuche als Wettbewerb? Irgendwie schon, oder!? Dann natürlich ja. Und den letzten diesbezüglichen Wettbewerb habe ich glücklicherweise gewonnen. Ich habe auch schon Jobsuche-Wettbewerbe gewonnen, die ich, rückblickend betrachtet, lieber verloren hätte, aber das ist ein anderes Thema.

Ansonsten bin ich eher nicht so der Wettbewerbstyp und kann eigentlich nur auf den Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen im Jahre Neunzehnhundertirgendwas verweisen, bei dem ich einen skandalösen dritten Platz belegt habe. Ich werde nicht müde, dieses Ergebnis anzuprangern.

4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber allwissend oder alles fühlend?

Ich glaube, wäre ich alles fühlend, würde sich meine Psyche sehr bald in Wohlgefallen auflösen. Da ziehe ich es doch lieber vor, allwissend zu sein. Ich neige ohnehin dazu, manchmal ein Klugscheißer zu sein, da passt das ganz gut.

Ich stelle mir das auch super vor: Die Menschheit würde mir ein Monument errichten, in dem ich residiere und gelegentlich Hof halte. Ich hätte einen Assistenten namens Lübke. Man würde mir Opfer darbringen. Und irgendwann würde ich der Menschheit kundtun, dass die Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest tatsächlich „42“ ist. Ach, herrlich.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

Freitagfragen zum Wochenstart

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Beantwortung der Freitagsfragen im Brüllmausblog ist eigentlich eine Art festes Freitagsritual. Nur am letzten Freitag – da hatte ich irgendwie keine Lust. Und am Samstag auch nicht. Und gestern schon mal gar nicht. Also dann eben heute, zum Wochenstart.

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was war diese Woche richtig gut?

Nun, wie gesagt, eigentlich hätte ich die Freitagsfragen ja schon am Freitag beantwortet. Da ich das heute erst tue, muss ich natürlich auch das vergangene Wochenende für die Beantwortung berücksichtigen und kann daher sagen: Mir diese Frage in einer Woche zu stellen, in der mein heißgeliebter SV Werder mit 2:6 zu Hause gegen die Pillendreher aus Vizekusen eingegangen ist, ist mal mindestens mutig!

Aber stellen wir uns mal vor, ich hätte diese Frage am letzten Freitag beantwortet, dann hätte ich die Woche Revue passieren lassen und hätte geantwortet: „Eigentlich nix!“ Dann wiederum hätte ich mir gedacht, dass das ja eigentlich gar nicht sein kann und dass man sich ja auch über die kleinen Dinge im Leben freuen soll, hätte die Frage unter diesem Gesichtspunkt erneut betrachtet und dann geantwortet: „Nee, eigentlich wirklich nix!“

Dann wiederum wäre mir eingefallen, dass das so tatsächlich nicht stimmt, denn zwei gute Dinge gab es in der letzten Woche schon. Als da wären ein spontaner Abend in netter Runde am letzten Mittwoch sowie ein schönes, wenn auch viel zu kurzes Telefongespräch am letzten Freitag.

Ich hätte auch nichts dagegen, wenn die folgende Woche aus fünf solcher Abende und mindestens fünf dieser Telefongespräche bestünde, aber das wird wohl nichts. Wenn die folgende Woche rum ist, mache ich redensartlich drei Kreuze.

Schon der heutige Morgen deutete an, dass die Folgewoche nicht in die Liste meiner Lieblingswochen eingehen würde, wenn ich denn eine solche hätte:

Es ist drei Uhr früh am Montag Morgen. Eigentlich könnte ich noch ein paar Stunden schlafen – wenn ich es denn könnte. Stattdessen geht mein Hirn schon mal die anstehende Woche durch. Irgendwann war ich dann so von mir genervt, dass ich schon mal aufstand und den Fernseher anwarf, auf der Suche nach den Nachrichten. Auf dem Weg dorthin präsentiert mir ein unbedeutender Sender sein Programm für den November, das ein Mann anpreist, mit den Formulierungen „gegen den Herbstblues“ und „dunkle Herbsttage gibt es bei uns nicht!“. Ich sehe aus dem Fenster in die Dunkelheit und fühle mich bemüßigt, die ersten Worte des Tages zu sprechen: „Ach, Schnauze, Du Penner!“

Dann schalte ich weiter und komme an einem Werbespot vorbei, in dem ein mir bislang unbekannter Anbieter von – ganz offensichtlich – Autoversicherungen nervtötende Darsteller etwas von „Für meine Autoooversicheruuuuung …“ singen lässt. Erste Gewaltfantasien brechen sich Bahn, auch weil man Gewaltfantasien mittlerweile mit „f“ schreibt.

Kurz danach bin ich dann im Nachrichtensender angekommen und muss gleich zu Beginn das Gesicht von Jörg Meuthen ertragen, der davon redet, seine AfD werde, wie bisher, weiterhin „gute und konstruktive Oppositionsarbeit“ machen. Ich möchte lachen, fürchte aber, dass er das ernst meint.

Reflexartig schalte ich um, auch weil mir einfällt, dass ich den Nachrichtensendern „n-tv“ und „Welt“ nicht sonderlich viel Liebe entgegenbringe. Bei den Sendern des ÖR angekommen, ist das Bild des Schreckens ähnlich, nur etwas anders. Man thematisiert, dass die AfD in Hessen etwas über 13 % erreicht habe

– bei der Gelegenheit: Herzlichen Glückwunsch dazu, liebe Hessen – *slow clap*

und blendet eine Rede des hessischen AfD-Kandidaten Rainer Rahn ein. Urplötzlich fährt es mir kalt den Rücken runter: Sekundenlang habe ich, Rahns angesichtig, die Vermutung, Jürgen Möllemann sei von den Toten auferstanden und habe sich Rudi Völlers Frisur geklaut. Aber es ist nicht Möllemann, es ist Rahn.

Kurz danach geht es thematisch nach Brasilien, wo bewiesen wird, dass die Menschen auch andernorts in der Lage sind, Idioten zu wählen.

Resigniert schalte ich den Fernseher wieder aus und starre weiter aus dem Fenster. Das Gefühl macht sich breit, es mit keiner guten Woche zu tun zu haben. Nicht nur, dass mein Körper mir auf mittlerweile gleich zwei Arten zu verstehen gibt, dass er unter Stress-Dauerbeschuss steht und mein Immunsystem erschossen werden müsste, wenn es ein Pferd wäre, steht die folgende Woche auch unter dem Einfluss diverser Termine, auf die ich gerne verzichten möchte, bei denen Abwesenheit allerdings keine Option ist, und der Tatsache, dass im Laufe der Woche der November beginnt. Und der November und ich, wir sind keine so guten Freunde. Aber hey, „dunkle Herbsttage gibt es bei uns nicht!“ Am Arsch!

2.) Hast Du ein Testament oder planst, eines zu verfassen?

Muhahahahahahah! :-) Nein, mal ernsthaft: Ich habe keines. Das hat den einfachen Grund, dass ich nichts zu vererben habe. Ich besitze schlicht praktisch nichts. Okay, wenn alles gut läuft, könnte ich im Laufe der Woche Eigentümer eines neuen Autos sein – sollte das innerhalb der nächsten Tage nicht der Fall sein, denke ich ernsthaft darüber nach, mein kaputtes jetziges Auto, notfalls selbst, zu reparieren, nur um damit dann mit dem fröhlichen Ausruf „Hier ist Jacky!“ in den Eingangsbereich des Autohändlers zu scheppern. Ich schwanke noch in meiner Beurteilung, ob das eine gute Idee ist.

Jedenfalls, abgesehen davon ist mein wertvollster Besitz wahrscheinlich schon mein PC, der vor vier Jahren mit viel gutem Willen als Mittelklasse-PC durchging. Möglicherweise ist schon der Inhalt meines Steam-Accounts mehr wert als der PC.

Also kurz: Ich habe keines, weil ich keines brauche.

3.) Wie erklärst Du Dir Verschwörungstheorien?

Gute Frage! Ich frage mich auch immer wieder, warum es bestimmten Menschen offensichtlich einfacher fällt, komplizierte Gedankenkonstrukte eher glauben zu können als die offensichtliche Wahrheit.

Das fängt schon bei den „Lügenpresse“-Schreihälsen und ihrem Verhältnis zu den Medien an. Ich war kürzlich Teilnehmer einer in einem Kommentarbereich geführten Diskussion über den Rundfunkbeitrag. Und dort tauchten besagte Schreihälse zu zuhauf auf. Nichts scheint Volkes Seele übrigens so sehr zum Kochen zu bringen wie dieser Rundfunkbeitrag. Man könnte den Deutschen morgen Bier und Benzin verbieten, die Wut darauf wäre weniger groß als die über die Beibehaltung des Rundfunkbeitrags.

Nicht selten ist in diesem Zusammenhang dann von „Staatsmedien“ die Rede. Ich wünsche diesen Menschen dann immer, dass sie nicht mal in einem Staat leben müssen, in dem es wirklich Staatsmedien gibt. Wenn ich mir zum Beispiel diese putzige nordkoreanische Nachrichtensprecherin ansehe, die während ihrer Moderation immer irgendwie auf und ab wippt, als würde sie gerade mindestens auf einem Massagekissen, möglicherweise aber auch, mit Verlaub, auf einem Dildo sitzen und die dann Berichte ansagt, in denen gezeigt wird, wie überzeugend wirkende nordkoreanische Jubelperser zum Ausdruck bringen, wie lieb sie Kim Jong-un doch haben, dann brauche ich keine Koreanisch-Kenntnisse um zu begreifen, dass der Beitrag nicht unter dem Titel „Kim Jong-un ist doof!“ steht. Aber sobald wir die AfD in der Regierungsverantwortung haben, werden wir ähnliche Bilder auch hier sehen können …

Klar kann und soll man mediale Berichterstattung kritisch sehen – man darf zum Beispiel fragen, warum gewählte Präsidenten im Duktus der Medien, sofern sie, also die Präsidenten, jetzt nicht unbedingt lupenreine Demokraten zu sein scheinen, umgehend in „Machthaber“ umbenannt werden – aber den ÖR zu unterstellen, wissentlich Lügen zu verbreiten – wobei natürlich alles eine Lüge darstellt, was nicht sofort ins Weltbild der „Lügenpresse“-Schreier passt -, ist schon hart.

Was mich an diesen Menschen, insgesamt an Anhängern diverser Verschwörungstheorien, am meisten aufregt, ist deren oft überhebliche Arroganz, mit der sie den Eindruck erwecken, sie allein seien im Besitz der alleinigen, allgemeingültigen Wahrheit und alle, die im Hirn noch rund laufen, seien einer „Gehirnwäsche“ unterzogen worden, und würden schon noch „aufwachen“, sobald sie nur „besser informiert“ seien.

4.) Die Wahl der Qual: Einen Monat ohne Internet oder umziehen müssen?

Da wähle ich doch ganz eindeutig den Monat ohne Internet. Ein nicht unwesentlicher – oder sagen wir besser „nicht unwichtiger“ – Teil meines persönlichen Umfeldes hat es im Laufe der letzten Jahre vorgezogen, aus der Gegend wegzuziehen, allerdings geografisch so ungünstig, dass ein Umzug in eine Richtung umgehend eine Distanzvergrößerung in mehrere andere Richtungen bedeuten würde, ich wüsste also gar nicht, wo ich hinziehen sollte. Deshalb nehme ich lieber den Monat ohne Internet.

 

Das war es auch schon wieder, liebe Leserinnen und Leser. Ich werde jetzt einen erneuten Versuch unternehmen, den Marienkäfer zu retten, den offensichtlich jemand in meinem Büro übers Wochenende eingesperrt hat. Der erste Versuch glückte nicht, erzeugte nur den Ausruf meines mich am geöffneten Fenster stehend sehenden Chefs: „Tun Sie es nicht, Sie sind doch noch so jung und das Leben ist so schön!“ :-)

In diesem Sinne:

Gehabt euch wohl!

 

Wem der große Wurf gelungen, mische seinen Jubel ein: Marrakesch-Richtlinie umgesetzt

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

bevor es jemand sagt: Mir ist völlig bewusst, dass die Überschrift eine Verkürzung von Schillers Original darstellt. Aus, sagen wir mal hochtrabend – denn wenn andere hochtrabend können, kann ich das auch, dazu später mehr -, dramaturgischen Gründen war diese Verkürzung notwendig. Ich bin mir sicher, good old Schiller hätte nichts dagegen.

Vor knapp zwei Wochen schrieb ich einen Beitrag über die Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie und der Kritik an der selben. Bis zum 11. Oktober hätte die Bundesrepublik eigentlich Zeit gehabt, die Richtlinie in nationales Recht zu gießen. Aber Dinge, die entweder gut werden sollen oder aber für den Großteil der Bevölkerung augenscheinlich jetzt nicht soooo wichtig sind, nehmen ja gerne mal etwas mehr Zeit in Anspruch. Deshalb hat der Bundestag den Gesetzentwurf zur Marrakesch-Richtlinie erst am vergangenen Donnerstag umgesetzt. Um 22:30 Uhr (!) begann der Austausch im Parlament um die Ausgestaltung der Richtlinie, was meine – völlig aus der Luft gegriffene – Vermutung zulässt, man habe diesen Tagesordnungspunkt so lange nach hinten verschoben, bis jeder ernsthafte parlamentarische Widerstand zu diesem Zeitpunkt schon sanft entschlummert ist.

Nun aber ist sie umgesetzt, die Marrakesch Richtlinie. Die ursprüngliche Fassung wurde nochmals überarbeitet, die eigentlichen Streitpunkte – nämlich, dass das Gesetzt nicht für eine ausreichend große Personengruppe greift – man also weiterhin einfach die „falsche“ Behinderung haben kann -, sowie insbesondere die Vergütungspflicht, die (Blinden-)Bibliotheken auferlegt wurden, wenn sie barrierefreie Ausgaben literarischer Werke erstellen – sind allerdings immer noch enthalten. Vielen Dank für nichts, möchte man da mal ganz unsachlich einwerfen.

Faszinierend zu sehen ist, wie unterschiedlich das Ergebnis denn nun betrachtet wird. Zum Einen wäre da die Tatsache, dass, neben den Regierungsparteien, auch die AfD für den Entwurf gestimmt hat. Ich persönlich hätte mir ja die Frage gestellt, was an einem Entwurf – insbesondere wenn es um Fragen bezüglich der Behindertenrechte geht, denn ich erinnere mich noch lebhaft an die Anfrage der AfD aus dem April hinsichtlich des Zusammenhangs von Behinderungen, Migration und Inzucht – wohl nicht stimmt, wenn dieser die Zustimmung der AfD findet, und ob man diesem dann nicht instinktiv ablehnend gegenüberstehen und ihn nochmals überarbeiten sollte. Hat man bei den Regierungsparteien aber nicht getan.

Zum Zweiten ist da die öffentliche Wahrnehmung, beispielweise in der Presse, die bei dieser Thematik weiterhin eigentlich kaum stattfindet. Lediglich der „Spiegel“ schreibt hierzu einen Artikel. Oder zumindest etwas Ähnliches. 11 Zeilen, mehr nicht. Zur Kontroverse um die Richtlinie verliert der „Spiegel“ leider kein Wort. Wer jetzt nur diese 11 Zeilen liest, könnte glatt den Eindruck bekommen, die Umsetzung in der jetzigen Form wäre etwas Gutes. Sollte jetzt nochmal Widerstand gegen die Richtlinie aufkommen, könnten Leser dieses Artikel sich denken: „Was beschweren sich die Behinderten denn jetzt schon wieder? Der Zugang zur Literatur soll erleichtert werden, steht da!“

Die Sicht der Oppositionsparteien ist nun wieder eine andere. Dass „Die Linke“, namentlich in Person von Sören Pellmann, dem behindertenpolitischen Sprecher der Linksfaktion, not amused über den Ausgang ist, konnte man bereits bei „kobinet-Nachrichten“ nachlesen. Pellmanns Pendant bei den „Grünen“, Cornelia Rüffer, sieht das ähnlich und beklagt in erster Linie die verpassten Chancen, welche man mit der Umsetzung der Richtlinie gehabt hätte.

Eine ganz besondere Sicht der Dinge nimmt aber die SPD ein, die behauptet, mit der Umsetzung sei ein großer Wurf für die kulturelle Teilhabe von Menschen mit einer Seh- oder Lesebehinderung gelungen.“ Und da sind wir dann wieder bei „hochtrabend“. Wenn man seitens der SPD in diesem Zusammenhang von einem „großen Wurf“ spricht, dann hat das bei mir den selben Effekt, den es hat, wenn Kalle Rummenigge mit dem Grundgesetz wedelt und etwas von der „Würde des Menschen“ faselt, nämlich den, dass ich mich frage: „Geht es nicht vielleicht auch eine Nummer kleiner?“ Also, im Grunde genommen frage ich mich eher: „Habt ihr Lack gesoffen?“, aber wenn ich das äußere, wedelt der Kalle wieder mit dem Grundgesetz.

Wenn das, was da verabschiedet wurde, ein „großer Wurf“ ist, fragt man sich doch darüber hinaus, was ein „kleiner Wurf“ gewesen wäre? Gemeinschaftliches Vorlesen an jedem ersten Dienstag im Monat auf dem Marktplatz morgens zwischen 8:00 und 9:00 Uhr? Natürlich als „gepoolte“ Leistung!?

Zumindest gab es im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Richtlinie einen zusätzlichen „Entschließungsantrag“, der „Bund und Länder dazu auffordert, die finanzielle Förderung für ebendiese Bibliotheken zu erhöhen.“, wie es die SPD schreibt. Na, da werden sie auf Länderebene aber kuschen! Ich stelle mir gerade vor, wie „mein“ von mir ansonsten recht geschätzter Ministerpräsident Weil ein entsprechendes Schreiben von der Bundesregierung bekommt:

„Chef, der Bund fordert uns auf, die (Blinden-)Bibliotheken finanziell besser auszustatten!“

„Ähm, okay … – können die uns irgendwie dazu … na ja … zwingen?“

„Ich denke nicht.“

„Okay, dann legen Sie es auf Wiedervorlage, irgendwann so 2025.“

Eigentlich würde ich in diesem Zusammenhang gerne mal die Meinung der Kanzlerin hören. Aber die ist gerade damit beschäftigt, Ausnahmeregelungen hinsichtlich der Fahrverbote für Diesel zusammenzuklöppeln.

Merke: Barrierefreies Fahren für Diesel-Fahrzeuge kriegen wir schon irgendwie hin, barrierefreies Lesen augenscheinlich nicht!

Ja, das ist einerseits whataboutism, das wiederum ist andererseits mir aber auch völlig egal. :-)

Gehabt euch wohl.

 

Happy birthday toooo meeeee #4

Errungenschaft: 4. Jahrestag

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich könnte jetzt bedeutungsschwangeres Geschwafel voller Pathos von mir geben, während ihr euch bei der Lektüre „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss anhört. Ich könnte mich, und das ziehe ich eindeutig vor, aber auch kurz fassen, indem ich sage:

Heimlich, still und leise und von mir fast unbemerkt, ist mein Blog heute 4 (in Worten: vier) Jahre alt geworden. Einmal mehr vielen lieben Dank an alle, die mein Geschreibsel lesen, seien sie nun seit Anbeginn dabei, später dazugekommen oder mir noch gänzlich unbekannt.

Das war es auch schon.

Ich wünsche allseits ein schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl.

„Hell-Go-Land“ von Tim Erzberg – Whodunit

Buch: „Hell-Go-Land“

Autor: Tim Erzberg

Verlag: HarperCollins

Ausgabe: Taschenbuch, 350 Seiten

Der Autor: Kindesentzug, Körperverletzung, schwere Brandstiftung … Wer seit seiner Kindheit solche Erfahrungen gemacht hat, betrachtet die menschlichen Abgründe mit anderen Augen: Das Verbrechen ist keine andere Welt, es ist Teil des Normalen.
Tim Erzberg entschloss sich nach dem Jurastudium, Literaturagent zu werden. Er vertrat unter anderem den berühmtesten deutschen Strafverteidiger Rolf Bossi, und Zvi Aharoni, den Mann, der Adolf Eichmann aus Argentinien entführte, sowie mehrere ehemalige Geheimagenten.

Seine dunklen Erfahrungen verarbeitet Tim Erzberg in Geschichten, in denen es nicht einfach nur Gut und Böse gibt. (Quelle: HarperCollins)

Das Buch: Ein kaltblütiger Mörder, eine unerfahrene Polizistin, eine Insel voller Opfer. Ein roter Fels im sturmgepeitschten Meer. Darauf Deutschlands abgeschiedenster Polizeiposten. Hier ist ihre neue Dienststelle. Hier war ihr Zuhause. Bis der Albtraum über Anna Krüger hereinbrach. Kaum jemand weiß von ihrer Rückkehr nach Helgoland. Doch schon an ihrem ersten Arbeitstag erwartet sie eine grausame Überraschung, die Anna klarmacht, dass es keine Flucht vor der Vergangenheit gibt. Nicht für sie. Nicht an diesem Ort. (Quelle: HarperCollins)

Fazit: Die Lektüre von „Hell-Go-Land“ liegt für mich schon einige Wochen zurück, meine diesbezügliche Dokumentation ist beklagenswert und lückenhaft wie meine naturwissenschaftlich-mathematischen Kenntnisse und dennoch kann ich mich noch bemerkenswert gut an Erzbergs Krimi erinnern. Das spricht dafür, dass es sich dabei um ein gutes Buch handelt, und das ist es letztlich auch – bis auf eine Kleinigkeit, die allerdings persönlicher Natur ist. Dazu später mehr.

Schon der Einstieg in den Roman gelingt dem Autor sehr überzeugend. Direkt nach Annas Rückkehr nach Helgoland beginnt ein großer Sturm aufzuziehen. In nur wenigen Sätzen schildert Erzberg eindringlich die Urgewalten des Meeres und des Wetters, denen Deutschlands einzige Hochseeinsel ausgesetzt ist. Diese Schilderungen ziehen sich durch den ganzen Roman und sorgen für genau die Stimmung, die ein solcher Krimi braucht.

Zum Zweiten schafft Erzberg durch das Heraufziehen des mehrtägigen Sturms das Szenario eines handelsüblichen whodunit-Krimis, eines Genres, dem ich schon lange sehr zugetan bin.

Die handelnden Personen in „Hell-Go-Land“ sind ebenfalls gut gelungen. Insbesondere Anna Krüger ist eine authentische, zwar mit ihrer Vergangenheit handernde aber dennoch bodenständige Ermittlerfigur, die man eigentlich mögen muss. Auch über ihre Polizeikollegen sowie die meisten Nebenfiguren lässt sich eigentlich nicht viel Negatives sagen.

Die Authentizität, die für die Hauptfigur gilt, gilt auch für die Dialoge, die lebensecht und ungekünstelt daherkommen.

Und im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass auch die Handlung sehr gut konstruiert ist, die Aufklärung der Geschehnisse in sich logisch und nachvollziehbar und durchgehend spannend, wenn – und da kommen wir zur eingangs erwähnten Kleinigkeit – wenn es Einem nicht so ergeht, wie mir: Wohl noch nie hatte ich für mich die Frage nach dem Täter, der Täterin, den Tätern, den Täterinnen oder den Täterinnen und Tätern (habe ich noch eine mögliche Konstellation vergessen? Ich will ja nicht zu viel verraten.) so früh geklärt! Das wird Zufall sein, weil ich nicht gut darin bin, aber ich hatte eine Vermutung hinsichtlich Motiv und Personalie und wurde darin letztendlich bestätigt. Das wiederum sorgte auch für eine ganz andere Wahrnehmung beim Lesen, weil man dauernd abklärt, ob die eigene Vermutung mit neu hinzugekommenen Informationen übereinstimmt.

Da ich aber ausschließe, dass es der Mehrheit der Leserschaft so ergeht wie mir, kann ich Erzbergs „Hell-Go-Land“ wärmstens empfehlen. Ein Buch, das perfekt zu den nun bald anbrechenden regnerischen Herbsttagen passt. Die muss es ja schließlich geben, irgendwann wird es schon regnen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Hexenmacht – Die Krone der Sterne II“ von Kai Meyer.

Wie man erfolgreich Leser vergrault: Deutschland und barrierefreies Lesen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

wenn eine Literaturkritikerin die Leserinnen und Leser in Deutschland unterschwellig beleidigt – wie in meinem gestrigen Beitrag zu lesen war -, dann ist das eine Sache. Dass der aufmerksame Beobachter derzeit betrachten kann, dass es Gruppen von Lesern gibt, denen von staatlicher Seite Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wenn es um den Zugang zu Literatur geht, ist nochmal eine ganz andere.

Reden wir also mal über die Marrakesch-Richtlinie. Die was? Die Marrakesch-Richtlinie! Ohne mit Gesetzestexten, Paragrafen und Fachchinesisch um mich zu werfen, versuche ich den Inhalt der Richtlinie mal vereinfachend runterzubrechen:

Die Marrakesch-Richtlinie sieht vor, lese- oder sehbehinderten Menschen den Zugang zur Literatur zu vereinfachen bzw. überhaupt erst zu ermöglichen. So soll es (Blinden-)Bibliotheken beispielsweise ermöglicht werden, Hörbuch- oder Brailleschriftausgaben von Büchern zu erstellen – das Ganze, ohne den Urheber befragen zu müssen – und diese dann lese- oder sehbehinderten Menschen zur Verfügung zu stellen. Angesichts der Tatsache, dass nach Angaben der Bundesregierung nur etwa 5 % der weltweit veröffentlichten Werke der Literatur in barrierefreier Form vorliegen, ist das ein hehres Ziel.

Der entsprechende Vertrag wurde 2013 ausgehandelt, trat 2016 in Kraft, wurde schließlich auch von Deutschland unterschrieben und nunmehr EU-weit ratifiziert. Bis zum 11. Oktober (also morgen!) hat die Bundesregierung nun noch Zeit, die Richtlinie entsprechend umzusetzen.

Und da liegt nun der sprichwörtliche Hase im Pfeffer, wer auch immer ihn dort hingelegt hat.

Schon im August berichtete aerzteblatt.de – ein von mir ansonsten eher selten frequentiertes Medium -, dass, laut eines Berichts der Internationalen Bibliotheksvereinigung, Deutschland bislang EU-weites Schlusslicht sei, wenn es um die Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie gehe.

Angesichts des Standes der Umsetzung der Inklusion an Schulen wundert mich das kaum. Seinerzeit hat man – meines Wissens 2009 – die entsprechende Behindertenrechtskonvention unterzeichnet, die Frage nach der Umsetzung der Inklusion aber erst mal nach hinten verschoben, dann weiter nach hinten und dann mit einem freundschaftlichen „Ihr macht das schon!“ an die Schulen selbst weitergereicht.

Und so etwas ärgert mich. Mich ärgert auch, dass das Durchwinken des Bundesteilhabegesetzes (ein Wort, das nicht mal die Rechtschreibprüfung erkennt – nur so nebenbei …)  im letzten Jahr von der Masse der Bevölkerung weitgehend unbemerkt geschehen ist. Klar, es betrifft die meisten Menschen ja auch nicht. Jedenfalls heute nicht. Morgen könnte das schon der Fall sein. So weit denkt aber niemand. Andererseits rufen gefühlt jeden zweiten Dienstag Leute bei Experten an, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftauchen und Fragen der Menschen zu den Themen Testament, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht beantworten, weil die Menschen offensichtlich im Hinterkopf haben, dass ihnen ja mal was passieren könnte. Das muss ich nicht verstehen …

Aber kommen wir wieder zurück zur Marrakesch-Richtlinie. Der Knackpunkt bei der Diskussion ist nun folgender:

Der Zugang zu Werken der Literatur für lese – und sehbehinderte Menschen soll auch nach dem Willen der Bundesregierung vereinfacht werden. (Blinden-)Bibliotheken dürfen also in Zukunft barrierefreie Formate von Texten erstellen und diese auch weltweit mit anderen Einrichtungen austauschen, wie es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz heißt. Das Problem liegt in dem diesen Ausführungen folgenden Satz: „Zugleich sind Nutzungen durch befugte Stellen auf Grundlage des neuen Rechts angemessen zu vergüten, damit die Rechtsinhaber einen finanziellen Ausgleich erhalten.“

Die Einhaltung dieser Vergütung durch das Deutsche Patent- und Markenamt soll „nicht im Gesetz, sondern in einer gesonderten Rechtsverordnung geregelt werden.“ Was im Klartext bedeutet: Noch mehr Bürokratie und noch mehr Kosten. Nicht nur der Behindertenbeauftrage Jürgen Dusel ist not amused, wie auch bei kobinet-nachrichten.org zu lesen war.

Es ist ja nicht so, dass Bibliotheken finanziell auf Rosen gebettet sind. Sollte dem doch so sein, bitte ich um Benachrichtigung und Korrektur. In der Konsequenz bedeutet das nun also, dass die (Blinden-)Bibliotheken ihrer Kundschaft barrierefreie Formate zukommen lassen dürfen, dieses aber wohl in der Zukunft aus finanziellen Gründen nicht können, womit sich für die Zielgruppe effektiv mal gar nichts ändert. Und wenn, dann nicht zum Positiven, sofern die (Blinden-)Bibliotheken in Zukunft möglicherweise auch für ihren schon vorhandenen Bestand zahlen sollen, wobei das eine reine Mutmaßung meinerseits ist.

Ich stelle mir das zukünftig folgendermaßen vor:

„Guten Tag, ich hätte gerne das Berliner Architekten- und Baukammergesetz in Brailleschrift.“

„Hammwa nich!“

„Ja, aber, es gibt doch die Marrakesch-Richtlinie – könnten sie da nicht eine barrierefreie Ausgabe erstellen!? Ich brauche die wirklich dringend.“

„Dürfen wa, könn wa aba nich – is zu teuer!“

 

Ich würde ja zu gerne mal wissen, um welche Summen es da geht, die den Rechtsinhabern entgingen und ob sie wirklich am Hungertuch nagen würden, wenn ihnen die Nutzungsentgelte fehlen würden. Ich habe leise Zweifel …

Bereits 2001 hat man in Großbritannien den Eintritt für alle Museen des Landes gestrichen, den Zugang also kostenlos gestaltet. Das ist eine Art Zugangserleichterung zur Kultur durch den Staat, für den sich die „Dancing Queen“ Theresa May zu recht feiern lassen könnte und der ihr berechtigten Grund zum Tanzen gäbe, wenn sie denn an dieser Entscheidung beteiligt gewesen wäre. Hierzulande erschwert man Menschen, die in der allermeisten Fällen ganz andere Schwierigkeiten haben, den Zugang zur Literatur durch Gesetzgebung, die eigentlich eine Vereinfachung darstellen sollte.

Nein, ich muss es wirklich nicht verstehen.

 

Gehabt euch wohl!