Freitagsfragen # 16

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Woche biegt auf die Zielgerade ein, meine geistigen Fähigkeiten auch. Aber zwischen mir und einem sonnigen Wochenende, an dem ich endlich mal diesen Robotham-Roman zu Ende lesen möchte, stehen noch die Qual der Erwerbstätigkeit und die Freude der Freitagsfragen, die im Brüllmausblog gestellt wurden. Letzteren widme ich mich latürnich zuerst.

1.) Es ist Freitag der 13.: Bist Du abergläubisch?

2.) Kannst Du verzeihen?

3.) Der Nachbar, der seinen Hamster nach dem Urlaub nicht mehr zurück haben möchte, hat Entscheidungsbefugnis über Deinen Arbeitsplatz. Wie reagierst Du unter dieser Prämisse?

4.) Die Wahl der Qual: Wissen wie Du stirbst oder wissen wann Du stirbst?

 

Antwort zu 1.) Nein, eigentlich nicht. Eigentlich ohne eigentlich. Also nein. Et kütt wie et kütt, wie man in einer launigen Region des Landes sagt. Ich glaube, für den großen Masterplan des Universums – welcher auch immer das sein möge – ist es völlig unerheblich, ob ich morgens immer mit dem selben Fuß zuerst aufstehe oder ob ich Salz über die Schulter werfe, nachdem ich, Schnalz- und Klacklaute von mir gebend, um den Tisch getanzt habe.

Obwohl, einmal hatte ich einen Anflug von Aberglauben: Man schenkte mir seinerzeit ein Werder-Trikot – welches kürzlich durch eine neueres ersetzt wurde, weil ich in ersterem mittlerweile aussah wie eine Presswurst, obwohl wahrscheinlich sogar Ailton da noch reinpassen würde. Das gedenke ich jetzt aber nicht näher zu thematisieren. Beim nächsten Spieltag habe ich das Ding spaßeshalber einfach mal zum gemeinsamen Fußball gucken im kleinen Kreis angezogen, in der Hoffnung, damit den Ausgang positiv zu beeinflussen – das Ergebnis war eine Klatsche apokalyptischen Ausmaßes für meinen heißgeliebten SV Werder. Daher habe ich das Teil beim darauffolgenden Nordderby im Schrank gelassen, weil es seine „Voodoo-Kräfte verloren“ habe, wie ich sagte und das Derby ohne Trikot „nur besser laufen“ könne. Nun, auch das Nordderby verlief erfolglos. Damit war für mich oben erwähnte kölsche Weisheit erwiesen und die bestätigte meine eigentliche Einstellung zum Aberglauben.

 

Antwort zu 2.) Das kommt ganz darauf an, wem ich etwas zu verzeihen hätte. Verzeihe ich Dobrindt seinen Maut-Murks? Niemals! Verzeihe ich Seehofer seine Obergrenze, die nicht mehr Obergrenze heißt? Noch viel niemalser! Verzeihe ich der bundesdeutschen Historie die Entstehung der CSU allgemein? Ha, Gelächter Komma großes!

Aber mal im Ernst: Ich vermute, dass ich ziemlich gut Dinge verzeihen kann. Und eine Vermutung ist das deshalb, weil mir partout nichts einfallen will, was ich mal zu verzeihen gehabt hätte. Auch weil „verzeihen“ so bedeutungsschwer klingt. So als würde man nicht mal eben: „Schon okay!“ sagen, sondern eher gravitätisch „Ego te absolvo!“ Und mir will wirklich nicht einfallen, wann das schon mal der Fall gewesen wäre.

Das nehme ich mal als weiteren Beweis für das charakterlich und auch ansonsten unfassbar hohe Niveau meines näheren Umfeldes. 🙂

 

Antwort zu 3.) Oha! Wer meine letzten Freitagsfragen gelesen hat, weiß ja, dass der Hamster in meinem Szenario im Rahmen der Dreharbeiten für meine Verfilmung des Videospiels „Maniac Mansion“ Bekanntschaft mit der Mikrowelle gemacht hat. Und so etwas geht ja selten gut aus. Also, für den Hamster. Hab ich gehört. Nicht, dass ich das ausprobieren würde. Es wurde mir zugetragen.

Nun, da der Hamster – nennen wir ihn spaßigerweise „Sparky“ – da Sparky also nun im Haustierhimmel weilt und mit Lassie, Fury und Black Beauty Doppelkopf spielt, steht zu befürchten, dass mein Nachbar ob dieser Nachricht nicht erfreut sein wird. Auch wenn sein Interesse an Sparky offensichtlich überschaubar war, er hat ihn ja schließlich nicht wieder abgeholt.

Dennoch dürfte sich das mittelfristig negativ auf meinen Arbeitsplatz auswirken…

Aaaber: Das macht mir so gar nichts aus! Meine Verfilmung von „Maniac Mansion“ wird nämlich ein gigantischer Kassenschlager. Mit einem Teil des Umsatzes drehe ich im Anschluss eine Spiele-Verfilmung von „Asteroids“ – für die ich extra Uwe Boll einstelle, damit ich am Set jemanden habe, der mir Kaffee bringt. „Asteroids“ wird noch ein sehr viel größerer Erfolg und bringt mir den wohlverdienten Stern am „walk of fame“. Aber dann lege ich erst so richtig los: Mein dreiteiliges Epos „Pong!“ hebt das Medium Kinofilm auf ein völlig neues Level, bringt George Lucas dazu, mir ein dreistelliges Milliarden-Angebot für die diesbezüglichen Rechte zu machen und katapultiert mich in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt spontan an die Spitze, mit einem Vermögen, das höher ist, als das von Jeff Bezos, Bill Gates und Amancio Ortega zusammengerechnet!

Und dann, ja, dann kaufe ich den Laden, in dem ich bisher angestellt war und habe dadurch Einfluss auf den Arbeitsplatz meines Nachbarn. So herum wird nämlich ein Schuh draus! Sollte mein Nachbar den Arbeitsplatz wechseln: Kein Problem, den Laden kaufe ich auch! Er wechselt zu „Apple“? Kaufe ich! Er arbeitet bei „Google“? Kein Ding, kaufe ich!

Um es mal mit den sympathischen Worten von Marko Arnautovic zu sagen: „Ich kann Dein Leben kaufen!“

Muhahahaha! (An dieser Stelle bitte größenwahnsinniges, diabolisches Gelächter vorstellen)

 

Antwort zu 4.) Du liebe Güte! Kann ich mich nicht lieber wieder zwischen kalten Füßen oder Schniefnase entscheiden? Ich halte es diesbezüglich nämlich mit Woody Allen, der gesagt haben soll: “ Meine Einstellung zum Tod hat sich auch im höheren Alter nicht verändert: Ich lehne ihn weiter vollumfänglich ab!“ Nein? Na gut!

Ich denke, zu wissen, wann ich sterbe, würde mich auf direktem Weg in den Wahnsinn treiben. Gehen Sie nicht über Los, ziehen sie keine 4.000 Euro ein. Wenn mir jemand nachweisen könnte: „Am soundsovielten überfährt Dich ein unaufmerksamer Pokemon Go-Spieler mit seinem Mofa!“, dann wäre es dahin mit meiner geistigen Gesundheit.

Da ziehe ich es also vor, lieber zu wissen, wie. Mein Tipp wäre ja irgendein Vertreter aus der lustigen Familie der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sind ja derzeit stark im Kommen. Schaun mer mal, dann sehn mer schon!

Viel mehr Gedanken als um das wann und wie mache ich mir um die Zeit davor, insbesondere im fortgeschrittenen Alter. Und nicht nur meinetwegen, sondern auch hinsichtlich meiner Eltern. Stichwort „Pflegenotstand“. Der muss ja irgendwie ähnlich überraschend über das Land gekommen sein, wie Weihnachten und die AfD. Irgendwann mal muss die Kanzlerin an einem Dienstag Morgen aufgestanden sein, und schwupps, aus heiterem Himmel hatten wir einen Pflegenotstand. Anders kann ich mir den nicht erklären. Die handelnden Personen können ja wohl kaum sehenden Auges in einen solchen hineingestolpert sein…

Gut, jetzt kann ich noch darüber scherzen. Gerade gestern erst war ich mit einem Freund gleichen Alters in einem Fachmarkt für Raumgestaltung. Es sollten Teppiche inspiziert werden. Ins Auge stach förmlich ein Teppich, den ich mal euphemistisch als „altmodisch“ bezeichnen würde.

Er: „Na, der Teppich spricht uns wahrscheinlich erst in 20 Jahren an.“

Ich: „In 20 Jahren spricht mich höchstens mein Zivi an und fragt mich, ob ich noch Nachtisch möchte!“

🙂

 

Das war es dann auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und ein entspanntes Wochenende!

Gehabt euch wohl!

 

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„Küstenfluch“ von Hendrik Berg – Stimmungsvoll, aber…

Buch: „Der Küstenfluch“

Autor: Hendrik Berg

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 316 Seiten

Der Autor: Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln. (Quelle: Goldmann)

Das Buch: Als ein Orkan über Nordfriesland hinwegfegt, taucht ein rostiges Schiffswrack im Wattenmeer auf – und plötzlich häufen sich mysteriöse Todesfälle an der Küste. Der Bauer Jessen ist eines der Opfer. Doch war sein Tod ein Unfall oder Mord? Und was hat es mit Jessens kleinem Neffen Jan auf sich, der von furchtbaren Albträumen heimgesucht wird? Kommissar Theo Krumme ermittelt zusammen mit einer jungen Kollegin und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten in der Familie. Dann verschwindet Jan, der sich von dem Schiffswrack magisch angezogen fühlte – und seine Spur führt direkt ins Watt… (Quelle: Goldmann)

Fazit: Wer öfter eine meiner Rezensionen liest, der weiß, dass ich in regelmäßigen Abständen über Aufkleber auf Büchern meckere, vorzugsweise über solche mit eher sinnfreien Aufschriften wie „Vom Autor von…“. Häufig unterstelle ich den Verlagen, die deutsche Leserschaft für zu dusselig zu halten, sich einen Autorennamen merken zu können.

Erinnert mich bei Gelegenheit daran, das nie wieder zu tun! 🙂

Denn im vorliegenden Fall gilt: Wo sind diese bescheuerten Aufkleber, wenn man sie mal braucht? Zur Erklärung sei gesagt, dass ich vor etwas über zweieinhalb Jahren eine Rezension des Buches „Das Küstengrab“ des Schriftstellers Eric Berg schrieb. Aufgrund des selben Nachnamens, einer ähnlichen Gestaltung sowie des ähnlichen Buchtitels – das machen Autoren und Verlage nämlich auch so, sie geben den einzelnen Teilen einer Krimireihe möglichst ähnlich klingende Titel, weil sie die deutsche Leserschaft für zu dusselig… – lassen wir das – war ich also der Meinung, ein Buch des o.g. Autoren Eric Berg erstanden zu haben. Dem war aber nicht so. Glücklicherweise war „Küstenfluch“ dennoch kein kompletter Fehlgriff.

„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Krimi rund um den Kommissar Theo Krumme. Den einstigen Berliner hat es mittlerweile in den hohen Norden verschlagen, wo er versucht, sich langsam einzuleben und mit der eher einsilbigen Bevölkerung zurecht zu kommen. Da ich die ersten beiden Bücher nicht kenne, ist es mir nicht möglich, die Entwicklung von Theo Krumme genauer zu beurteilen, aber wenn ich mich nur auf „Küstenfluch“ beschränke, muss ich sagen: Ich mag ihn! Der Gute hat es nicht leicht in der norddeutschen Tiefebene, hat noch recht wenig soziale Kontakte, muss dafür aber regelmäßig den Avancen seiner Vermieterin entfleuchen. Krumme ist ein Charakter, wie ich ihn mir in einem solchen Krimi wünsche.

Leider gilt das nicht für die weiteren Charaktere. Da findet sich ein zum Beispiel der Betriebshelfer – früher hätte man „Knecht“ gesagt – Harke, der davon überzeugt ist, in Kontakt mit einem Hausgeist namens Nis zu stehen. Da hätte man zum Anderen den achtjährigen Jan, der von düsteren Vorahnungen geplagt ist und in Alpträumen, ja, man könnte sagen „Visionen“ hat.

Das was für diese beiden exemplarischen Charaktere gilt, das gilt auch ebenso für die Handlung: Das war mir irgendwie alles zu mystisch angehaucht. So etwas kann ich eher verzeihen, wenn ich Bücher von Aaronovitch lese – was ich nicht tue – aber in einem ansonsten eher bodenständigen Krimi mit nordeutschem Schauplatz und Charme, da wirkt das Ganze irgendwie eher deplaziert. Vielleicht war der Autor der Meinung, diesen mystischen Einschlag einbauen zu müssen, die eigentliche Krimihandlung abseits davon empfand ich nämlich auch als nicht unbedingt fesselnd.

Dennoch: Schreiben kann Hendrik Berg. Der Autor vermittelt sehr stimmtig die raue Atmosphäre des Nordens, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit des Bauernhofs vom Mordopfer Jessen. Auch die recht launigen Passagen, in denen der Autor die Eingewöhnungsschwierigkeiten des Komissars beschreibt, haben mir gut gefallen.

Letztlich ist „Küstenfluch“ ein Buch, das für mich an seinen allzu seltsamen Charakteren und der überschaubaren Geschichte scheitert. Sollte ich bei einem Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens also das nächste Mal über den Namen Berg stolpern, werde ich mich vorher nochmal genau vergewissern, um welchen es sich denn jetzt handelt.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Im finsteren Eis“ von  Bracken MacLeod

„Origin“ von Dan Brown – Langdon # 5

Buch: „Origin“

Autor: Dan Brown

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Hardcover, 670 Seiten

Der Autor: Dan Brown, Jahrgang 1964, sollte man nun wirklich nicht mehr vorstellen müssen. Seit seinem Debütroman „Diabolus“, spätestens aber seit der Erfindung der Hauptfigur Robert Langdon und den Romanen „Illuminati“, „Sakrileg“, „Das verlorene Symbol“ und „Inferno“ ist Dan Brown bei der weltweiten Leserschaft so bekannt wie ein bunter Hund. Jetzt erschien mit „Origin“ der fünfte Teil der Robert-Langdon-Reihe.

Das Buch: Robert Langdon ist einer der Gäste, die sich im Guggenheim-Museum in Bilbao versammelt haben, um einem großen Event beizuwohnen – der Enthüllung einer Entdeckung, die „das Antlitz der Wissenschaft für imer verändern wird“. Der Ausrichter des Events ist kein Geringerer als Edmond Kirsch, Milliardär und Zukunftsforscher, der durch seine verblüffenden Hightech-Erfindungen und verwegenen Vorhersagen zu weltweiter Berühmtheit gelangt ist. Kirsch, zwei Jahrzehnte zuvor einer der ersten Studenten Langdons an der Harvard University, steht im Begriff, einen erstaunlichen Durchbruch zu enthüllen – einen Durchbruch, der zwei der fundamentalsten Fragen der menschlichen Existenz beantwortet.

Edmond Kirschs Präsentation fesselt sein Publikum vom ersten Augenblick an, und ist weitaus kontroverser als Langdon es sich jemals vorgestellt hätte. Doch noch bevor Kirsch seine Entdeckung preisgeben kann, endet das Event im Chaos, und die geniale Erkenntnis droht für immer verloren zu gehen. Zutiefst erschüttert – und selbst in unmittelbarer Gefahr – sieht sich Langdon gezwungen, aus Bilbao zu flüchten. Begleitet wird er dabei von Ambra Vidal, der Direktorin des Museums, die mit Kirsch an der Gestaltung des Events gearbeitet hat. Gemeinsam fliehen sie beiden nach Barcelona, und es beginnt die gefahrvolle Suche nach einem kryptischen Passwort, das Kirschs Geheimnis offenbaren soll. (Quelle: Klappentext)

Fazit: Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, Dan Brown habe seit dem ersten Teil der Robert-Langdon-Reihe eigentlich das selbe Buch – mit geringfügigen Änderungen am Inhalt – fünfmal geschrieben und mit jeweils anderem Titel verkauft. Und so ganz aus der Luft gegriffen ist diese Kritik ja auch gar nicht. Für manch einen tritt einfach das Schema, nach dem Browns Romane geschrieben sind, zu deutlich zutage. Dass die Hauptfigur immer Robert Langdon ist: Geschenkt, das haben Buchreihen nun mal so an sich. Dass diese Hauptfigur in der Rahmenhandlung dann aber immer an der Seite einer wunderschönen jungen Frau atemlos durch verschiedene Sehenswürdigkeiten der Weltgeschichte hetzt, dabei Codes knackt und Symbole deutet, um Geheimnisse der Menschheit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, die in häufigen Fällen „die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern“ werden – hach, ich liebe diese Phrase -, das fällt schon deutlicher auf.

Und wenn man ganz ehrlich ist, so muss man sagen, dass Brown auch in seinem neuesten Buch nur wenig von diesem Schema abweicht. Das alles ist in erster Linie aber mal eines: Mir völlig egal! Bücher wiederholt auf die selbe Art und Weise zu schreiben, muss ja auch nichts Schlechtes sein. Schließlich hat auch die Band „Rammstein“ – überspitzt gesagt – in den letzten 20 Jahren aus den immer wieder selben acht Tönen und nur lediglich 17 unterschiedlichen Wörtern ganze sechs erfolgreiche Alben gemacht!

Strafen wir also die eingangs erwähnte Kritik mit der Nichtbeachtung, die sie verdient und kommen zu Browns neuestem Werk „Origins“.

Edmond Kirsch trifft zu Beginn des Buches auf drei führende Geistliche aus Christentum, Judentum und Islam, um ihnen die Präsentation zu zeigen, die im Rahmen des oben erwähnten Events gezeigt werden soll. Die Reaktion der Geistlichen, die teilweise in eine tiefe Sinnkrise gestürzt werden, sorgt beim Leser schon frühzeitig für Spannung, der ja nun wissen will, was da gezeigt wurde.

Aber auch während der anschließenden Präsentation wird der Leser im Unklaren gelassen. Diese Präsentation ist allerdings schon dadurch außerordentlich unterhaltsam, dass Brown seinen Edmond Kirsch sich in unglaublich zynischer und abwertender Weise über Religionen jeglicher Natur äußern lässt. In diesem Moment dachte ich: „Wenn er so weiter schreibt, kann er sich schon mal Tipps von Salman Rushdie holen…“ Aber nein, ganz so böse geht es dann doch nicht weiter.

Aber spannend, ja, spannend bleibt es durchaus. Für mein persönliches Empfinden schwächelt das Buch etwa in der Mitte ein bisschen, weil dort recht häufig die Architektur im Allgemeinen und die Bauwerke von Antoni Gaudi im Speziellen thematisiert werden. Das ist alles recht informativ und wird dem Leser auf eine Weise nahegebracht, die an Frank Schätzing erinnert – nur mit dem Unterschied, dass sich Brown auf etwa ein Zehntel der Erklärungen beschränkt, die Schätzing dem Leser vorgesetzt hätte -, nur leider habe ich nicht den geringsten Bezug zu Architektur, weswegen „Origin“ in dieser Phase die eine oder andere Länge hatte. Das ist aber eben ein rein subjektiver Eindruck.

In der Folge der Präsentation beginnt dann das, was die geneigte Leserschaft schon aus Browns anderen Büchern kennt: Eine Schnitzeljagd an der Seite einer schönen Begleiterin, diesmal durch das nächtliche Bilbao und Barcelona. Auffällig ist dabei, dass die Zeit, in der Brown seine Romane spielen lässt, anscheinend immer kürzer wird. Musste Browns Protagonist in früheren Büchern teils quer durch die Weltgeschichte reisen, beschränkt sich der Autor in „Origin“ lediglich auf Bilbao und Barcelona und die Geschehnisse finden in nur einer einzigen Nacht statt.

Ebenso wie die Schnitzeljagd obligatorisch für seine Bücher ist, so sind es auch die Charaktere. Auch in „Origin“ findet man wieder die schöne Frau an Langdons Seite, intrigante Geistliche sowie böse Schergen, die im Auftrage der intriganten Geistlichen unterwegs sind. Eine genauere Erläuterung der Charaktere erübrigt sich da eigentlich. Mit einer Ausnahme: In „Origin“ lässt Brown die KI „Winston“ auftauchen, und diese KI hebt sich deutlich von allem ab, was man in der Langdon-Reihe bislang sonst so finden konnte. Ich hatte anfangs meine Schwierigkeiten mit Winston, denn ich bin zwar kein Experte für KI, meine aber zu glauben, dass der derzeitige Stand der Technik in diesem Bereich von Winston so weit entfernt ist wie die Erfindung des Rechenschiebers von der Entdeckung der Gravitationswellen, aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, dann hat diese Figur durchaus ihren Reiz.

Kurz: Dan Brown macht das meiste wie immer, weniges anders und alles insgesamt ziemlich gut! Nachdem „Das verlorene Symbol“ mein persönlicher Tiefpunkt der Langdon-Reihe war – ich verglich dieses Buch einmal despektierlich mit der gänzlich spannungsentladenen und zu Recht in Vergessenheit geratenen TV-Sendung „Deutschlands beste Bäcker“, was gemein war, aber ich stehe dazu – und es mit „Inferno“ wieder deutlich aufwärts ging, hat der Autor einen erneuten Schritt nach vorne gemacht und mich mit „Origin“ rundum gut unterhalten. Wer also die Bücher von Dan Brown mag, macht auch mit dem fünften Teil der Reihe nichts verkehrt.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Küstenfluch“ von Hendrik Berg.

Freitagsfragen # 15

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

da Steam in meinem Account zur Zeit augenscheinlich existenzielle Updates durchführt, ergibt sich mir dadurch – frei nach dem Motto „Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit“ – die Gelegenheit, mich mit den heutigen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog zu beschäftigen. Ein herzliches Dankeschön an die Fragenstellerin.

Die Fragen lauten:

1.) Wie hast Du Deine Schulzeit in Erinnerung?

2.) Ein Freund borgt Dir 200€ für Lottotickets. Du gewinnst 200.000€. Wie viel gibst Du dem Freund zurück?

3.) Du passt eine Woche lang auf den Hamster Deines Nachbarn auf, während dieser im Urlaub ist. Als er zurück kommt beschließt er, den Hamster nicht mehr zurückhaben zu wollen. Was tust Du?

4.) Die Wahl der Qual: Ein ewiges Bedürfnis zu niesen haben aber nicht können oder auf ewig Schluckauf haben.

 

Antwort zu 1.) Nun, das hängt sehr davon ab, welchen Teil der Schulzeit man genau betrachtet. In der Grundschule war nicht alles einfach – insbesondere der Matheunterricht – aber eigentlich waren diese vier Jahre vollkommen in Ordnung.

In der Orientierungsstufe – ein possierlicher Begriff für eine Erfindung der Bildungspolitik, die es in Niedersachsen zu meiner Zeit noch gab – die Erfindung, nicht die Bildungspolitik – die man besser mit „zweijähriges Zwischenparken des Kindes unter der zwingenden Vorraussetzung des Auseinanderreißens einer jeden Klasse, bis sich Lehrer, Eltern und Kinder für eine bestimmte Schulform entschieden haben“ hätte bezeichnen können – in dieser Zeit also, da war eigentlich auch alles in Ordnung – bis auf den Matheunterricht.

Die ersten Jahre am Gymnasium waren dann nicht mehr so prickelnd. Einerseits hatte ich in dieser Zeit andere Dinge im Kopf, als dass ich mich intensiv mit ernsthaftem Unterricht – oder gar Mathe – hätte auseinandersetzen können, andererseits passte die Zusammenstellung der Leute innerhalb der Klasse einfach nicht. Zugegeben, die Umgangsformen der Kids – Opa erzählt jetzt mal von früher –  waren damals zwar wesentlich oberhalb dessen, wozu ein heute 14 Jahre alter „Overwatch“-Spieler im Internet in der Lage ist, aber auch damals galt schon: Kinder können grausam sein! Wenn man Glück hatte, war man nicht selbst die Zielscheibe. Aber selbst dann war man noch nicht zwingend aus dem Schneider. Merke: Wenn Du merkst, dass jemand gemobbt wird, und Du Dich ganz bewusst auf dessen Seite stellst, dann muss Dir bewusst sein, dass Du damit selber zur Zielscheibe wirst. Rückblickend bin ich damit recht souverän umgegangen. Wirklich cool war´s allerdings nicht. Aber immer noch besser als Mathe!

In der zehnten Klasse bekam ich dann sehr zu meinem Glück – damals hielt ich es für eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes – das Angebot meiner Schule zu einer einjährigen Vertragsverlängerung. Ich hatte weder Grund noch überhaupt die Möglichkeit, dieses Angebot abzulehnen. Ab da hatte ich die vier bestern Schuljahre meiner gesamten Schulzeit.

 

Antwort zu 2.) Tja, jetzt könnte ich eine halbe Ewigkeit die Rechtslage für  diesen Fall recherchieren, oder ich könnte mich lange über meinen moralischen Kompass auslassen und ob ich mich dazu verpflichtet fühle, mehr als 200 Euro zurück zu geben. Ich ziehe mich aber anders aus der Affäre, indem ich sage: Weder wäre ich so dreist, noch wäre irgendeine/r meiner Freundinnen und Freunde so blitzdumm, mir 200 € fürs Lottspielen zu leihen! Was käme denn danach? „Ey, haste mal 200 Euro für die Kneipe?“ Nee, nee, mit sowas fangen wir gar nicht erst an. Wenn, nein, falls ich mir mal Geld leihe, dann nur, wenn ich in einem temporären Engpass oder in einer ernstlichen Notlage bin. Und selbst dann…

 

Antwort 3.) In jüngerer Vergangenheit gab es bereits jede Menge bescheuerte Videospiel-Verfilmungen, als Paradebeispiel sei da einmal „Angry Birds“ genannt. In naher bis ferner Zukunft sind meines Wissens Verfilmungen von „Minecraft“, „Pokemon Go“ und „Tetris“ (sic!) geplant. Diese Information reicht meiner Meinung nach vollkommen aus, um dem Menschen an sich den selbsternannten Status als „Krone der Schöpfung“ abzuerkennen und ihn – nebst einer saftigen Vertragsstrafe – einem beliebigen anderen Lebewesen zuzuerkennen, meinetwegen dem Schnabeltier.

Aber sei es, wie es sei, es scheint also, als wäre der Bedarf an Videospiel-Verfilmungen noch nicht gedeckt. Und da ich nun schon mal einen Hamster habe, würde ich auf den Zug aufspringen und eine Verfilmung von „Maniac Mansion“ machen. Den Uneingeweihten sei gesagt, dass es sich dabei um ein sogenanntes „point&click“-Adventure aus den 80ern handelt. Und darin gab es eine Szene mit einem Hamster. Und einer Mikrowelle…

Gemach, gemach! Bevor ihr mich jetzt mit virtuellen Fackeln und Forken durch das Internet treibt: Nein, so etwas würde ich natürlich nicht tun!

Mit nicht wieder abgeholten Tieren habe ich allerdings durchaus schon mal Erfahrungen gesammelt: Mein Bruder erklärte sich, irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er, bereit, auf einen Nymphensittich aufzupassen, während sein Besitzer ins Krankenhaus musste. Nach diesem Krankenhausaufenthalt wurde der Vogel jedoch nie wieder abgeholt, auch wenn dem Besitzer das durchaus möglich gewesen wäre. Die Erfahrung aus der Geschichte: Nymphensittiche können sehr alt werden und sind sehr, sehr laut!

 

Antwort zu 4.) Das ist tatsächlich eine ziemlich fiese Auswahl! Aber ich glaube, dauernder Schluckauf würde mich in meinem Leben noch mehr einschränken als die erste Möglichkeit, also nehme ich das niesen. Oder das nicht niesen. Ich befürchte allerdings, dass mich das nach kurzer Zeit zu einem cholerischen Misanthropen machen würde.

 

Und schon sind wir wieder durch mit den Freitagsfragen. Ich wünsche allseits ein schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

 

Die „Sparschwein-Challenge“ – Ein dritter Überblick

sparschwein

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

heimlich, still und leise, sowie von mir weitgehend unbemerkt, hat sich das vierte Quartal des Jahres angeschlichen, um mich hinterrücks zu überraschen. Das vierte Quartal wird von einem Gutteil der Menschen ja allenthalben gelobt, ja teils gar sehnsüchtig erwartet, hat es doch diesen heimeligen, gemütlichen Herbst im Gepäck, bei dem es sich so gut mit einer Tasse Tee und in einer Decke eingewickelt auf dem Sofa lesen lässt…

Ich persönlich verabscheue den Herbst mit aller mir gerade zur Verfügung stehenden Inbrunst. Er ist kalt, ungemütlich, – „usselig“ sagt man in nahegelegenen Regionen des Landes -,  bringt so etwas wie gestern mit, das ich nur schwerlich und sehr euphemistisch noch als „Wetter“ bezeichnen würde, und – was das Wichtigste ist – auf ihn folgt der Winter und Weihnachten. Und beides verabscheue ich mit noch viel größerer Inbrunst. Aber ach, so ist es jetzt nun mal. Und da ich in absehbarer Zeit wahrscheinlich kein gemütliches Strandhaus in südlichen Gefilden gewinne, muss ich mich jetzt auch daran gewöhnen, damit umzugehen. Bis das geschafft ist, betrauere ich noch ein wenig den in diesem Jahr allzu früh dahingeschiedenen Sommer!

Das vierte Quartal bedeutet aber auch, dass ein neuer Überblick bezüglich der „Sparschwein-Challenge“ fällig ist, zu deren Teilnahme ich mich zu Beginn des Jahres in einem Anfall geistiger Umnachtung bereit erklärt habe, da ich solche Veranstaltungen für gewöhnlich meide. Diese hier hat aber einen sinnvollen Hintergrund, daher habe ich mal eine gütige Ausnahme gemacht.

Das in seiner Komplexität überschaubare Regularium der „Challenge“ ist schnell erläutert: Für jedes gelesene Buch wandert ein Geldbetrag in ein Sparschwein, die Höhe des Betrages hängt von der Verweildauer des Buches auf dem Stapel ungelesener Bücher ab. Bei bis zu zwei Monaten Verweildauer wandert ein Euro in das Sparschwein. Bücher, die schon länger als zwei Monate ungelesen herumlagen, schlagen mit zwei Euro zu Buche und Bücher, die bereits seit zwei Jahren darauf warten, gelesen zu werden, bringen drei Euro. Zum Ende des Jahres wird dann Kassensturz gemacht und mit dem erlesenen Betrag kann dann verfahren werden, wie es beliebt.

Nun denn, sehen wir uns den Stand der Dinge an:

Januar 2017:

„Gefrorener Schrei“ – Tana French –  1 Euro

„Finderlohn“ – Stephen King –  1 Euro

„Die Blausteinkriege I“ – T. S. Orgel – 1 Euro

Februar 2017:

„Die Suche“ – Nick Louth – 2 Euro

„Tiefe Narbe“ – Arno Strobel – 1 Euro

„Wohin der Wind uns weht“ – Joao Ricardo Pedro – 1 Euro

März 2017:

„Der Finne“ – Taavi Soininvaara – 1 Euro

„Butcher´s Crossing“ – John Williams – 2 Euro

„Good as Gone“ – Amy Gentry – 1 Euro

„Die Glücklichen“ – Kritine Bilkau – 1 Euro

„Das Buch der Spiegel“ – E. O. Chirovici – 1 Euro

„Untreue“ – Paulo Coelho – 2 Euro

April 2017:

„Des Teufels Gebetbuch“ – Markus Heitz – 1 Euro

„Die Grausamen“ – John Katzenbach – 1 Euro

„Auerhaus“ – Bov Bjerg – 1 Euro

„Spiel im Morgengrauen“ – Arthur Schnitzler – 1 Euro

„Die Triffids“ – John Wyndham – 1 Euro

„Die Verwandlung“ – Franz Kafka – 1 Euro

Mai 2017:

„Nullnummer“ – Umberto Eco – 1 Euro

„Die letzten Tage der Nacht“ – Graham Moore – 1 Euro

„Ostfriesen-Killer“ von Klaus-Peter Wolf – 1 Euro

„Under Ground“ – S. L. Grey – 2 Euro

Juni 2017:

„Natchez Burning“ – Greg Iles – 2 Euro (abgebrochen; zählt trotzdem!)

„Into the Water“ – Paula Hawkins – 1 Euro

„Die Krone der Sterne“ – Kai Meyer – 2 Euro

„Der Schneegänger“ -Elisabeth Herrmann – 1 Euro

„Das Geheimnis des Poeten“ – Guido Dieckmann – 2 Euro

„Passagier 23“ – Sebastian Fitzek – 1 Euro

„Die Gestirne“ – Eleanor Catton – 2 Euro

„Die Anatomie des Teufels“ – Jordi Llobregat – 1 Euro

Juli 2017:

„Das Walmesser“ – C.R. Neilson – 1 Euro

August 2017:

„Der Sündenfall von Wilmslow“ – David Lagercrantz – 1 Euro

„Das böse Buch“ – Kai Erik – 1 Euro

„Ulldart – Die komplette Saga I“ – 2 Euro

„Niemandsland“  – Philip Dröge – 1 Euro

„Das Genie“ – Klaus Cäsar Zehrer – 1 Euro

September 2017

„Spectrum“ – Ethan Cross – 1 Euro

„Die Spur der Bücher“ – Kai Meyer – 1 Euro

„Der letzte Verrat“ – Nicola Moriarty – 1 Euro

„Der Präsident“ – Sam Bourne – 1 Euro

„Alles so hell da vorn – Monika Geier – 2 Euro

 

Also müssten sich in meiner Spareule jetzt 51 € befinden. Das wird beizeiten überprüft. Ich könnte diese Statistik jetzt analysieren, könnte euch erläutern, dass die überschaubare Statistik für den Juli daran liegt, dass in besagtem Monat fast nur Rezensionen zu Büchern erschienen sind, die bereits im Juni gelesen wurden und daher auch dort erfasst worden. Aber zur Statistik-Analyse habe ich eigentlich gerade keine Lust! 😉

Bleibt mir nur, euch allseits noch einen schönen Freitag und anschließend einen guten Start in ein hoffentlich, im wahrsten Wortsinne, sturmfreies Wochenende zu wünschen!

Gehabt euch wohl!

„Alles so hell da vorne“ von Monika Geier –

Buch: „Alles so hell da vorne“

Autorin: Monika Geier

Verlag: Ariadne

Ausgabe: Taschenbuch, 412 Seiten

Die Autorin: Monika Geier, Jahrgang 1970, wurde in Ludwigshafen geboren. Nach dem Abitur folgte eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Für ihr Deüt „Wie könnt ihr schlafen“ wurde sie mit dem Marlowe geehrt. Inzwischen ist sie Diplomingenierin für Architektur, Mutter von drei Jungs, freie Künstlerin und Schriftstellerin. (Quelle: Klappentext)

Das Buch: In einem Frankfurter Bordell wird ein Polizist von einer jungen Prostiuierten erschossen. Einerseits war der Beamte nicht aus beruflichen Gründen, sondern zu seinem Privatvergnügen vor Ort, andererseits gehörte er zur Polizei Kaiserslautern und war ein Kollege von Teilzeit-Kriminalkommissarin Bettina Boll. Daher wird Boll mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt, um sich mit dem Fall zu befassen.

Doch damit nicht genug. Die entflohene Mörderin betritt kurze Zeit später die Schule eines kleinen Dorfes und erschießt vor Dutzenden von Zeugen den Schuldirektor.

Bettina Boll ermittelt in einem verstörenden Umfeld von sehr jungen Prostituierten, um heraus zu bekommen, was es mit der jungen Mörderin und ihren Beweggründen auf sich hat.

Und nebenbei, ja, so nebenbei versucht sie auch noch, ein geerbtes Haus zu verkaufen und sich um ihre Kinder zu kümmern.

Fazit: Die liebe Christina zeichnet nicht nur für den Blog „Die dunklen Felle“ verantwortlich – den ich nicht nur den Liebhabern guter Krimalliteratur wärmstens empfehlen kann -, sondern ist darüber hinaus auch noch eine ganz sympathische Zeitgenossin. Und zwischendurch gibt es bei ihr sogar etwas zu gewinnen. Und da ich eindeutig in die Kategorie „Ich-gewinne-nie-etwas“ gehöre, nehme ich bei solchen Auslosungen mittlerweile ziemlich schmerzfrei teil. Und siehe da: Ich habe doch tatsächlich etwas gewonnen, nämlich „Alles so hell da vorne“ von Monika Geier. An dieser Stelle nochmal einen lieben Dank an Christina!

Zugegeben, der Gewinn des besagten Buches liegt jetzt schon eine Weile zurück. Mehrere Monate, um genau zu sein. Und ich könnte jetzt so etwas schreiben wie, „Ich kam einfach vorher nicht dazu, es zu lesen!“, was aber schlicht gelogen wäre,  denn ich habe in der Zwischenzeit einfach nur andere Bücher gelesen. 🙂

Jetzt griff ich aber endlich zu diesem Krimi und habe die selbe Erfahrung gemacht, wie bei vielen anderen Büchern, die länger bei mir herumlagen: Ich hätte es schon längst lesen sollen!

Der Einstieg fiel mir, um ehrlich zu sein, allerdings nicht gerade leicht. Wenn die Protagonistin auf den ersten zwei Seiten ihre Gedanken in einer Art innerem Monolog einer Eibe mitteilt, dann muss ich das vielleicht nicht verstehen. Aber schon da machte sich die Befürchtung breit: „Oha, geht das jetzt in diesem Stil so weiter?“ Nein, natürlich nicht!

Im Gegenteil, stilistisch läuft die Autorin zu hoher Form auf. So schafft sie es, die eigentlich recht düstere Handlung immer wieder mit eher heiteren Passagen aufzulockern, die ihren ganz eigenen Charme haben, beispielsweise wenn Boll ihr unbekannten Kollegen einer fremden Dienststelle zugewiesen wird, um Ermittlungen zu starten, diese Kollegen aber den halben Vormittag erst mal lang und breit über die praktikabelste Art der Essensbeschaffung für die Mittagspause philosphieren. Und dabei findet Monika Geier in jeder Passage den entsprechenden passenden Ton.

Den passenden Ton legt die Autorin auch ihren Charakteren in den Mund. Die eben erwähnten Polizeikollegen überzeugen mit ihrer pfälzischen Mundart – die glücklicherweise auch für mich als norddeutschem Torfkopf gut zu verstehen war-, die beiden jungen Prostituierten Olga und Nini mit einer Sprache, die zwar authentisch sein mag, die mich aber immer wieder schaudern ließ und den Drang auslöste, einen Duden zu überreichen. Oder wenigstens eine Tageszeitung. Mit den Worten: „Fangt damit erst mal an!“ Aber auch die beiden Mädels muss man als Leser nach einer gewissen Zeit irgendwie gern haben.

Das größte Plus im Bereich der Charaktere ist aber die Protagonistin, Bettina Boll, Polizeikommissarin in Teilzeit. Sie hebt sich sehr angenehm von den oft bemühten alokolkranken Ermittlern mit zerütteter Familie ab. Und dabei läuft auch nicht alles glatt in ihrem Leben. Den Job, die Kinder und den Hausverkauf unter einen Hut zu bekommen, stellt sie vor sichtliche Probleme und macht sie nur umso menschlicher. Warum sie ihren beiden Kindern bei jeder sich bietenden Gelegenheit allerdings Pizza, Fast Food und Ähnliches vorsetzt, das wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht erfährt man das ja auch, wenn man die vorherigen Bände der Reihe gelesen hat, was ich nicht habe, aber ernsthaft zu tun in Betracht ziehe.

Zumindest wenn Geier auch in den anderen Büchern solche spannenden Handlungen ersonnen hat. Sogar die Nebenhandlung hat ihren Reiz: Bei der Besichtigung des geerbten Hauses stellt sich heraus, dass dort eine verschlossene Tür in einen nicht verzeichneten Raum führt. Die Nebenschauplatz um die Frage, was sich hinter dieser Tür verbirgt, macht beinahe genau so viel Spaß wie die eigentliche Handlung. Und eigentlich weisen beide Handlungen Parallelen auf. Auch bei der eingangs erwähnten Mörderin stößt Boll im übertragenen Sinn auf verschlossene Türen, als sie versucht, hinter die Person zu blicken, die die Mörderin zu sein vorgibt. Vielleicht überinterpretiere ich das aber auch…

Der langen Rede kurzer Sinn: Liebhabern von gut geschriebenen Krimis mit außergewöhnlichen Charakteren kann ich nur empfehlen, bei „Alles so hell da vorn“ zuzugreifen. Denn ich teile Christinas Meinung, „dass unbedingt mehr Leute Monika Geier lesen sollten“.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Küstenfluch“ von Hendrik Berg ooooder, wenn ich mein Lesetempo halte, „Origin“ von Dan Brown.

Freitagsfragen # 14

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

zum Schreiben von Rezensionen verspüre ich gerade nicht den geringsten Drang. Aber die Freitagsfragen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Besagte Freitagsfragen gehen heute übrigens bereits in die 14. Runde! Tempus fugit, könnte man sagen.

Nun denn, los gehts! Die heutigen Fragen lauten:

1.) Wie stellst Du Dir das Leben in 50 Jahren vor?

2.) Wie alt fühlst Du Dich?

3.) Was gibt Dir in schweren Zeiten Halt?

4.) Die Wahl der Qual: Lieber ein Date mit jemandem, der niemals lacht oder mit jemandem, der keine Konversation aufrecht erhalten kann?

Antwort zu 1.) Das Leben allgemein oder mein eigenes? Also, hinsichtlich meines eigenen will ich doch davon ausgehen, dass ich in 50 Jahren ganz gemütlich auf einer Wolke sitzend vollkommen entspannt die Spiele des SV Werder ansehen kann. Irgendwann zwischen „frohlocken“ und „Hosianna singen“, wird dafür schon Zeit sein…

Dort werde ich dann mit den geflügelten Fachkräften darüber fachsimpeln, dass die Bayern im Jahre 2017 niemals ihren Trainer entlassen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass sie damit eine Wachablösung an der Spitze des deutschen Fußballs zugunsten des SV Werder einleiten, der in den folgenden 50 Jahren 38 Meister- und 22 internationale Titel einfährt.

Alternativ hätte ich aber auch nichts dagegen, wenn ich in 50 Jahren Hugh Hefners Imperium übernommen hätte und an der Seite der Enkeltochter von Jennifer Lawrence oder der von Kat Dennings – oder beiden – das Leben genießen würde.

Wie ich mir das Leben allgemein in 50 Jahren vorstelle, hängt ganz entschieden von meiner Tagesform ab. Hätte ich eine gute Woche gehabt und heute eine entsprechende Laune, würde ich mich wahrscheinlich auf sowas beschränken wie: „Och, das wird schon!“ Da das nicht der Fall ist, ist meine Vorstellung eine etwas andere, nämlich folgende:

„Meine sehr verehrten Zuschauer, es ist Donnerstag, der 29. September 2067, sie sehen die Nachrichten im EDM, dem „Einzigen Deutschen Medium“, mein Name ist Heiner Bremer.

Berlin: Der Große Gauleiter Alexander III. hat die Bevölkerung erneut angemahnt, an den Feierlichkeiten zugunsten des morgigen „Pegida-Gedenktages“ teilzunehmen. Alexander III. sagte wörtlich: „Diese tapferen Männer und Frauen, die damals auf die Straße gingen,  haben es mit ihrem aufopferungsvollen Kampf vor nunmehr über 50 Jahren geschafft, uns vom Joch der Demokratie, der Bevormundung durch die EU und letztlich von der EU selbst zu befreien. Sie haben es uns ermöglicht, durch unseren erfolgreichen Wahlkampf unter dem Motto “ § 1: Jeder macht seins!“ im Jahre 2033 alleinverantwortlich für die Politik in unserem Lande zu sein. Dieses selbstlose Handeln vedient unseren vollen Respekt. Daher fordere ich Sie auf, an diesem schönen Gedenktag Bestandteil unserer Feierlichkeiten zu sein.“

Alexander III. teilte weiter mit, dass alle Arbeiter in Deutschland für morgen von ihrer Tätigkeit freigestellt werden. Das gilt auch für die Arbeitskräfte aus den Protektoraten Polen, Dänemark und Holland.

Karlsruhe: Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot des „Christopher Street Day“ bestätigt. Wie der vorsitzende Richter betonte: „Der deutsche Bürger hat verdient, von derlei Absonderlichkeiten verschont zu bleiben. So eine Veranstaltung hat in unserer heutigen Gesellschaft einfach keinen Platz mehr!“ Das Urteil im Verfahren über die Abschaffung der Inklusion soll am nächsten Montag erfolgen.

Menlo Park, Kalifornien, USA: Der Facebook-Vorsitzende Max Zuckerberg hat, ebenso wie sein Vater und Ehrenvorsitzende Mark Zuckerberg, die Proteste gegen Facebook zurückgewiesen. Die Proteste waren aufgekommen, nachdem Zuckerberg verkündete, im Einklang mit der US-Regierung beschlossen zu haben, den Zugang zu Krankenversicherung und Wahlrecht in den USA von einem Facebook-Account abhängig zu machen. Zuckerberg wörtlich: „Wer nicht bereit ist, am social life teilzunehmen, dem sollte auch nicht die Möglichkeit gegeben werden, am politischen Leben teilzunehmen oder gar dem Staat durch teure medizinische Behandlungskosten auf der Tasche zu liegen.“. Sollte Zuckerbergs Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, drohen die Gegner dieses Plans mit einer Klage vor dem Supreme Court, die allerdings nach Expertenmeinungen nur geringe Erfolgschancen hat.“

Saarbrücken: Der Bau der Mauer an der deutsch-französischen Grenze geht gut voran. Die automatisierten Arbeitskräfte, die die deutsche Regierung von Intel erworben hat, erweisen sich als eine gute Investition. Der Fortschritt des Mauerbaus – nach dem deutsch-französischen Krieg 2064-2065 in beiderseitigen Einvernehmen beschlossen – geht weit schneller voran als geplant und könnte schon bis Mitte des nächsten Jahres beendet sein.

Moskau: Die russische Armee hat die teilautonomen russischen Teilrepubliken Ukraine, Estland, Lettland und Litauen besetzt. Dort hat es in den vergangenen Wochen immer wieder vereinzelte Aufstände gegeben. Der russische Präsident Putin hat bezüglich dieses Vorgehens die volle Unterstützung unseres Großen Gauleiters Alexander der III., der zu diesem Thema sagte: „Wir werden diese Angelegenheit und das weitere Vorgehen in einer Woche beim 115. Geburtstag des russischen Präsidenten besprechen.“

Südostasien: Aus der nach dem kurzen amerikanisch-koreanischen Atomkrieg 2025 zur Sperrzone erklärten koreanischen Halbinsel kommt es in jüngerer Vergangenheit immer häufiger zu Übergriffen auf das chinesische Staatsgebiet durch sogenannte „Mutanten“. Diese scheinbar immer zahlreicher werdenden menschenähnlichen Wesen sind möglicherweise das Resultat des Atomkriegs, der mit der Auslöschung Nord- und Südkoreas endete und für den die US-Regierung nach wie vor jede Verantwortung von sich weist.

Abschließend das Wetter: Der deutsche Wetterdienst teilt mit, dass die Hurrikan-Serie in Deutschland langsam zu Ende geht. Der Große Gauleiter betont in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklung des Wetters in den letzten Jahren weiterhin nichts mit dem sogenannten Klimawandel zu tun hat. Dieser Auffassung sei auch sein Amtskollege US-Präsident Barron William Trump.

Damit verabschiede ich mich von Ihnen und wünsche Ihnen noch eine gute Nacht.“

 

Antwort zu 2.) Ich bin ein vierzigjähriger männlicher Single, wie alt soll ich mich schon fühlen? Irgendwo zwischen „prä-final“ und „jetzt is´ eh wurscht“?! 🙂

Nein, mal im Ernst. Ich glaube, ich fühle mich so, wie man sich in meinem Alter eben fühlt. Einerseits sehe ich vieles entspannter als noch vor 20 Jahren, andererseits gibt es Situationen, in denen ich noch genau so unsouverän bin wie vor 20 Jahren – was mich ärgert. Und ich glaube, die selbe Antwort würde ich in 20 Jahren auch wieder geben.

 

Antwort zu 3.) In erster Linie gibt es da einen elitären Kreis von so 2-3 Leuten, denen ich jederzeit mein Leid klagen kann. Häufig passiert das auch nur aus dem Grund, eben klagen zu wollen, Lösungsansätze folgen dann später. 😉 Dieser elitäre Kreis hilft jedenfalls in schweren Zeiten enorm.

Falls auch das nicht hilft, versuche ich, mich mit dem „Es-ist-nur-eine-Phase“-Gedanken über Wasser zu halten. Sich das zu verdeutlichen, dass sowohl schlechte als auch gute Zeiten immer nur eine Phase sind, entspannt doch ungemein, wenn man das mal verinnerlicht hat. Mal schauen, wann das bei mir sein wird… 🙂

Falls aber auch das nichts hilft, suhle ich mich halt einfach eine Weile in meinem Leid und konsumiere Songs mit Textstellen wie:

„It seems no one can help me now

I´m in too deep

There´s no way out

This time I had really led myself astray“

Lief heute morgen im Radio. Na, wer weiß es? Na? Naaaaa? 😉

 

Antwort zu 4.) Menschen, die nicht lachen, sind mir suspekt. Menschen, die keine Konversation aufrecht erhalten können, sind dagegen vielleicht einfach nur schüchtern. Und das ist nicht schlimm. Dafür rede ich umso lieber. Gerne auch über mich. Gerne auch ausufernd. Ich entscheide mich also für das Date mit einer Frau, die keine Konversation aufrecht erhalten kann.

Interessant wäre dann die Antwort meines Dates auf die Frage: Lieber ein Date mit jemandem, der pausenlos über sich selbst quatscht oder mit jemandem, der auch mal in der Lage ist, die Schnauze zu halten? 😉

 

Das war´s auch schon wieder.

Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen # 13

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mit einer neuen Runde der Freitagsfragen im Brüllmausblog starte ich in diesen schönen Freitag, dem angeblich so ein, zwei weitere Tage folgen sollen, die man guten Gewissens als Spätsommer bezeichnen könnte. Grund genug für mich, zu sagen: Ich hab´s ja gesagt! 🙂 Jetzt mag man einwenden, dass heute ja bereits kalendarischer Herbstanfang ist, dieser Einwand würde von mir aber geflissentlich ignoriert.

Legen wir los, die heutigen Fragen lauten:

1.) Wie viele Jahre schon dauert Deine längste Freundschaft?

2.) Gilt für Dich die Redensart „Eine Hand wäscht die andere“?

3.) Könntest Du ein Jahr ohne andere Menschen aushalten?

4.) Die Wahl der Qual: Die Zahnpasta fällt ständig von der Zahnbürste oder komplexe, unmerkbare neue Passwörter ausdenken müssen?

 

Antwort zu 1.) Meine langjährigste Freundschaft dauert jetzt 33 Jahre und 21 Tage. Die zweitlängste besteht seit 27 Jahren und einem Monat, die drittlängste hält seit 25 Jahren, 4 Monaten und 21 Tagen. Ja, ich kann mir so etwas merken. 😉 Und da gibt es Menschen, die Probleme haben, ihren eigenen Hochzeitstag im Kopf zu behalten, pah! Ich gebe aber zu, dass ich für die beiden Erstgenannten googeln musste, nur die Dritte habe ich jederzeit im Kopf.

Die genannten Zeiträume deuten vor allem auf eines hin: Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu seyn – der muss sich in meinem Fall darauf einstellen, dass sich daran so schnell nicht wieder etwas ändert. Ich sage öfter: „Ich bin wie die Cholera, man wird mich einfach nicht los!“, allerdings würde ich diesen bösen, bösen Satz niemals in der Öffentlichkeit von mir geben…

Jedenfalls, was Freundschaften angeht, bin ich also relativ treu. Das bedeutet aber auch, das man mir schon schlimmes Ungemach zufügen muss, damit ich eine Freundschaft auf den Prüfstand stelle. Sollte man mir also einen Lungensteckschuss zufügen, um mich sodann in tiefdunkler Nacht und bei strömendem Regen mit gehässigem Gelächter im Straßengraben abzukippen und mit qualmenden Reifen die heimische Gemarkung fürderhin auf ewig zu verlassen, dann, ja, dann könnte man sich durchaus meinen Unmut zuziehen. Alles, was weniger schlimm ist, lässt sich besprechen.

Antwort zu 2.) Nein, eigentlich nicht. Ich mag diese Redensart nicht wirklich, weil sie die Ansicht vermittelt, dass für jede gute Tat eine Gegenleistung notwendig ist und/oder eingefordert werden kann. Wenn jemand von mir Unterstützung benötigt, die ich in der Lage bin, zu geben, dann schaue ich nicht erst in das Gefälligkeitenkonto der Person und sage: „Ja, nee, das geht jetzt nicht! Aus meinen Unterlagen geht hervor, dass ich Dir viermal geholfen habe, Du mir aber nur dreimal. Kurz: Du bist eigentlich dran!“

Andererseits: Sollte mir jemand Unterstützung verwehren, die ich umgekehrt aber schon häufig gegeben hätte, fände ich das durchaus etwas befremdlich und würde vielleicht so etwas sagen wie: „Aber ich hab Dir doch auch…“

Ach, ich weiß es nicht. Es ist Freitag und es ist noch früh. Zerebral laufe ich also auf Reserve.

Antwort zu 3.) Das kommt ganz auf die anderen Menschen an. Ein Jahr lang ohne Beatrix von Storch oder Erika Steinbach sehen zu müssen? Es wäre ein Fest, das unterschreibe ich sofort. Aber das wird wahrscheinlich nicht gemeint sein…

Ein Jahr lang ohne Menschen. Also, so ohne alle, ja!? Quasi eine Art „Cast Away“ in der niedersächsischen Pampa? Hmm, das käme auf einen Versuch an. Ich könnte Tom Hanks kontaktieren, der mich dann im Rahmen eines Bootcamps auf diese Situation… – Moment, Tom Hanks musste für „Cast Away“ 25 Kilo abnehmen! Nee, das kommt gar nicht infrage!

Dann also lieber so eine Art „I Am Legend“ in der niedersächsischen Pampa! Hat auch einen viel höheren Coolness-Faktor! Dafür könnte ich dann Will Smith kontaktieren – ich kenne ja Hanks und Smith recht gut durch Willis und Affleck, ich wollte es nur nochmal erwähnt haben – der mich dann ebenfalls in einem Bootcamp auf die Situation vorbereitet. Übungseinheiten: Montag bis Mittwoch Schäferhund-Dressur, Donnerstag bis Samstag Umgang mit der Wumme (nicht, dass ich die bräuchte, aber das hat sich Will Smith wahrscheinlich auch gedacht), Sonntag strategische Kriegsführung anhand der VR-Version von „Resident Evil 7“. Besonders die Sonntage werde ich verabscheuen!

Ach, lassen wir das!

Nein, mal im Ernst. Ein Jahr lang ohne Menschen würde ich im Leben nicht aushalten. Ich wüsste auch nicht, wer das überhaupt aushalten sollte. Klar, auch ich habe Phasen, in denen ich mir sage: „Jetzt lasst mich alle mal in Frieden, ich muss mal eine Weile mein eigenes Ding machen!“. Selbst wenn das eigene Ding darin besteht, gar nichts zu machen. Aber über einen so langen Zeitraum? Nääää! Selbst Menschen in Einzelhaft bekommen von Zeit zu Zeit andere Menschen zu Gesicht!

Antwort zu 4.) Öffnung der Zahnpastatube in den Mund – drücken – drücken einstellen – Zahnpastatube aus dem Mund entfernen und verschließen – Zahnbürste zum Einsatz kommen lassen – Problem gelöst!

Auch wenn ich bei Passwörtern kreativer bin als „12345“ oder „Hallo“, verabscheue ich es, mir dauernd neue Passwörter ausdenken zu müssen. Und da es für das Zahnpastaproblem eine praktikable Lösung gibt, entscheide ich mich dafür!

 

Das wär´s auch schon, liebe Leserinnen und Leser! Ich wünsche allseits noch einen schönen Herbstanfang!

Gehabt euch wohl!

„Der Präsident“ von Sam Bourne – Erschreckend aktuell

Buch: „Der Präsident“

Autor: Sam Bourne

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 477 Seiten

Der Autor: Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Nach Stationen u.a. bei der BBC, der Washington Post, der New York Times, Newsweek und der Los Angeles Times, arbeitet er heute überwiegend als Redakteur und Kolumnist beim Guardian. Er schreibt regelmäßige Beiträge für die New York Times Review of Books und den Jewish Chronicle. Zudem präsentiert er die wöchentliche Radiosendung The Long View bei BBC Radio 4. Freedland ist Autor diverser Sachbücher und Thriller. Mit seinem Thrillerdebüt Die Gerechten war er monatelang Nummer 1 der Sunday-Times-Bestsellerliste mit über einer halben Million verkaufter Exemplare. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA zeigt sich, wen sich die Amerikaner da in dieses prestigeträchtge Amt geholt haben, als der neue Präsident mitten in der Nacht aufgrund einer unfreundlich formulierten „Verlautbarung“ aus Pjöngjang einen cholerischen Anfall bekommt und verlangt, in die Kommandozentrale des Pentagons durchgestellt zu werden. Er will den Angriff auf Nordkorea und China mittels des gesamten amerikanischen Atomwaffenarsenals befehlen – was nichts anderes als den Untergang für den Großteil der Menschheit bedeuten würde.

In quasi letzter Sekunde kann die Situation entschärft werden, der Präsident beruhigt sich. Doch für die Minister Kassian und Bruton ist klar: So kann es nicht weitergehen! Sie loten die Möglichkeiten aus, den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Man könnte medizinische Gründe anführen und ihn für unzurechnungsfähig erklären lassen. Man könnte ihn aber auch…

Maggie Costello ist seit Jahren Mitarbeiterin im Weißen Haus, steht dem Präsidenten aber ebenfalls mit tiefer Abneigung gegenüber. Nachdem der Leibarzt des Präsidenten tot aufgefunden wird,  soll sie im Auftrag des Präsidentenberaters Crawford „Mac“ McNamara Nachforschungen anstellen und gerät dabei Plänen für ein Attentat auf den Präsidenten auf die Spur. Soll sie schweigen und damit dazu beitragen, die Welt vom cholerischen Tyrannen zu befreien oder soll sie die Pläne vereiteln?

Fazit: Nein, ich werde mich jetzt nicht zu Donald J. Trump oder der Politik der USA äußern. Das wäre zu einfach, zu ausschweifend und würde wahrscheinlich eine vollkommen niveaulose Richtung einschlagen. Dass die derzeitige weltpolitische Lage – in der gefühlt zweimal pro Woche ein nordkoreanischer Marschflugkörper über den Pazifik fliegt und der amerikanische Präsident die Segnungen des Mediums Twitter für sich entdeckt hat, weil man für 140 Zeichen nicht lange nachdenken muss  – die Hauptursache für mich war, diesen Roman zu lesen, das gebe ich gerne zu.

Sam Bourne hält sich bei manchen seiner handelnden Personen sehr nah an die tatsächlich existierenden „Vorbilder“. Auch wenn auf 477 Seiten nicht einmal der Name des Präsidenten genannt ist, so weiß man doch, wen der Autor damit meint. Der Präsidentenberater McNamara wiederum erinnert den kundigen Leser an Steve Bannon – auch wenn der unter dem „hire & fire“ -Präsidenten schon wieder Geschichte ist; ein Schicksal, dass er mit den Herren Priebus, Spicer oder Flynn teilt, die aber wiederum allesamt wenigstens länger durchgehalten haben als Anthony Scaramucci…

Das Problem der auf realen Personen beruhenden Charaktere ist nur, dass sie deutlich überzeichnet sind. Ich gebe allerdings zu, dass das durchaus so gewollt sein kann, denn „Der Präsident“ trägt eindeutig auch satirische Züge. Aber wenn ein Präsidentenberater im Weißen Haus derartig sexistisch, rassistisch und ekelhaft herumprollt, wie das McNamara tut, dann ist das vielleicht doch schon etwas zu viel des Guten.

Die rein fiktiven Charaktere haben mich mehr überzeugt. Lediglich, dass die Minister Kassian und Bruton bei ihrem Versuch einen Staatsstreich zu planen quasi dauerhaft mit der Verfassung herumfuchteln, mit der das ja alles in Einklang gebracht werden müsse, wirkt etwas scheinheilig, haben die USA doch sonst eher weniger Probleme damit, Regierungen zu stürzen oder stürzen zu lassen. Nur eben in anderen Ländern. Ach, ich wollte mich ja gar nicht zur Politik der USA äußern…

Stilistisch habe ich an „Der Präsident“ wenig auszusetzen. Bourne erzählt spannend und temporeich, die überschaubaren Kapitellängen sind für das Tempo ebenfalls hilfreich.

Im Vordergrund des Buches steht allerdings, wie könnte es anders sein, diese bemerkenswerte „was-wäre-wenn“-Handlung. Eine Handlung die durchweg spannend ist, die den Leser aber auch dazu bringt, sich seine eigenen Gedanken zu machen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Über die Folgen, die ein solches Szenario hätte. Über die eigenen moralischen Grundsätze, den eigenen moralischen Kompass. Schließlich habe ich selbst schon mal gesagt: „Wo ist John Wilkes Booth, wenn man ihn mal braucht?“, wollte damit allerdings auch nur einen billigen Scherz machen. Kam nicht gut an…

Wer ein actionlastiges Buch erwartet, das man vielleicht mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmen könnte, der liegt bei „Der Präsident“ grundfalsch. Wer aber ein zwischen Politsatire und Thriller changierendes Lesevergnügen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Alles so hell da vorn“ von Monika Geier.

 

Freitagsfragen #12

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

schon wieder ist eine Woche fast vorbei. Hartnäckig hält sich bei mir die Hoffnung auf drei, vier Tage die man guten Gewissens als „Spätsommer“ bezeichnen könnte. Bis die es aber geschafft haben, sich gegen das, was sich da draußen euphemistisch „Wetter“ nennt, durchzusetzen, beschäftige ich mich mit der nächsten Ausgabe der „Freitagsfragen“ im Brüllmausblog. Die heutigen Fragen lauten:

1.) Ein Meteorit fällt vom Himmel und löscht in einer Stunde alles Leben auf der Erde aus. Was tust Du?

2.) Ein Nachbar, mit dem du außer „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ nie Worte gewechselt hast, bittet Dich um Hilfe: Er hat sich das Bein gebrochen und kann für die nächsten Wochen weder einkaufen noch den Haushalt schmeißen und hat sonst niemanden, der ihm helfen kann. Wie reagierst Du?

3.) Ein Komitee tritt an Dich heran: Du sollst den tollsten Menschen des Jahres bestimmen, der mit 100.000€ und ein bisschen Medienrummel mit 3 Interviews und einer Sondersendung inklusive Danksagung des Bundespräsidenten geehrt wird. Wer ist Dein Mensch des Jahres?

4.) Die Wahl der Qual: Ständig im Satz unterbrochen werden oder nach einer Umsortierung der Wohnung durch einen Fremden nichts mehr wiederfinden?

Antwort zu 1: Was ich tue? Meine Steuerklärung ausfüllen! Zu den Klängen von „How far we´ve come“ von „Matchbox Twenty“. Nimm das, Meteorit! Du bringst mich nicht aus der Ruhe! „I´m waking up at the start of the end of the world…“  *lalalaaa*

Nein! Natürlich nicht!

Sich in einer solchen Situation mit finanz- und verwaltungstechnischen Notwendigkeiten zu befassen, wäre ja seltsam. Ich nutze die verbleibende Stunde gänzlich anders:

Während die ganze Menschheit händeringend und Hilfe rufend im Kreis läuft – eine Handlungsweise die noch nie hilfreich für die Lösung eines Problems war -, bleibe ich ruhig und besonnen. Zuerst rufe ich mal meine guten Freunde Bruce Willis und Ben Affleck an – wir haben sowieso schon wieder viel zu lange nicht geplaudert – und schildere ihnen die Situation, auch wenn selbige den beiden bereits bekannt sein dürfte. Dann bitte ich sie schlicht, sich um die Angelegenheit zu kümmern, schließlich haben die Jungs das schon mal erfolgreich getan. Gut, die Vorlaufzeit ist diesmal vielleicht etwas kurz, aber es sind ja auch fast 20 Jahre nach deren letzter Weltenrettung vergangen, mittlerweile geht so etwas schneller.

Bruce sträubt sich ein wenig – was vielleicht verständlich ist -, aber letztlich erkläre ich ihm, dass man bei der Rettung der ganzen Menschheit keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen kann. Während sich die Herren um das Problem kümmern, flirte ich ein bisschen mit Liv Tyler, während im Hintergrund leise Musik von „Aerosmith“ läuft.

Später dann, Wochen und Monate nach der erneuten erfolgreichen Weltenrettung, dringt in die Öffentlichkeit durch, dass Willis und Affleck nur die Ausführenden eines ausgeklügelten Plans eines genialen Masterminds, also mir,  waren. Dass in der Folge dann Straßen, Plätze, Gebirgszüge, Weltwunder, Raumsonden, Himmelskörper und extraterrestrische Kolonien nach mir benannt werden, nehme ich ebenso zu ruhig und besonnen zur Kenntnis wie die Verleihung der Ehrendoktorwürde aller 9.516 weltweit vorhandenen Universitäten und meine Wahl in das Bundespräsidentenamt – dafür braucht es nicht mal mehr eine Grundgesetzänderung, weil ich dafür erschreckenderweise mittlerweile alt genug bin.

Nach Ablauf meiner Amtszeit wird mir der Trubel allerdings doch zu viel, weswegen ich, in der Hoffnung, dort meine Ruhe zu haben, nach Pitcairn auswandere. Vorher mache ich noch meine Steuererklärung.

Antwort zu 2: Das ist mal eine Frage, die direkt aus meinem Leben gegriffen zu sein scheint. Denn zu meinem Nachbarn sage ich noch nicht mal „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“. Das liegt einerseits daran, dass der Herr ein nicht sonderlich diskussionsfreudiger oder gar frustrationstoleranter, dafür aber recht cholerischer Spinner ist. Zweitens ist er im Besitz einer Wumme. Die Kombination „cholerischer Spinner“ + „Wumme“ ist keine gute! Grund genug, den Kontakt – und damit das Risiko, über den Haufen geschossen zu werden – auf ein notwendiges Minimum zu beschränken.

Insofern würde ich möglicherweise von seinem Beinbruch erfahren, aber wohl eher weniger davon, dass er sonst niemanden hat, der ihm helfen könnte. Erführe ich allerdings davon, bestünde theoretisch sogar die Möglichkeit, dass ich ihm anböte, zu hülfen, äh, helfen. Vielleicht. Sehr vielleicht.

Antwort zu 3.: Zugegeben, ich kenne in meinem Umfeld die eine oder andere Person, die das Geld und die damit verbundene Ehrung durchaus verdient hätte. Ich bezeichne die mir nahestehendsten Menschen innerhalb dieses Blogs allerdings immer nur kryptisch als die „zauberhaften Personen“, die sie sind, gedenke jetzt aber nicht, eine einzelne davon näher zu beschreiben oder gar an das Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Abseits der mir nahestehenden Menschen fällt mir gerade aber auch spontan niemand ein, der eine solche Ehrung verdient hätte. Ich bin sogar eher der Ansicht, dass die Anzahl der weltweiten Idioten in den letzten Jahren geradezu sprunghaft angestiegen ist.

Also, würde ich für die Ehrung und das Preisgeld einfach mal ganz unbescheiden mich selbst ins Spiel bringen, auch wenn ich mich im Rahmen meines Bundespräsidentenamtes selbst ehren müsste Aber hey, was Napoleon konnte…!

Was denn? Ich habe gerade die Menschheit gerettet, schon vergessen!? Okay, und Affleck. Und Willis. Wo immer der auch sein möge, der hat nach der zweiten Weltenrettung nie wieder angerufen. Und Affleck spricht nicht drüber. Ach, dem geht’s bestimmt gut…

Antwort zu 4.: Auch die Frage scheint direkt meinem Leben zu entstammen. Denn erstens verabscheue ich es zutiefst, unterbrochen zu werden. Wirklich, es macht mich rasend! Andererseits finde auch ohne Einfluss eines Fremden selten Sachen wieder, das bin ich also gewöhnt. In Anbetracht dieser Tatsachen entscheide ich mich also für Letzteres, auch wenn mir der Gedanke, eine mir fremde Person könnte meine Sachen durchwühlen, irgendwie unangenehm ist.

 

Soviel zu den heutigen Freitagsfragen. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start ins Wochenende.

Gehabt euch wohl!