„Teufelsengel“ von Monika Feth – Fremdsprachen schaden nichts

Buch: „Teufelsengel“ (2009, Auflage 2011)

Autorin: Monika Feth

Verlag: cbt

Ausgabe: Taschenbuch, 410 Seiten

Die Autorin: Monika Feth, geboren 1951 in Hagen, ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Sie studierte Germanistik und Anglistik in Bonn. Danach arbeitete sie unter anderem für Zeitungen und Rundfunk. Bereits 1980 erschien ihr erstes Buch „Examen“. Neben ihren Romanen schreibt sie auch Bilderbücher, Kinder- und Vorlesebücher sowie Jugendromane. Alles in allem bis heute ca. 30 Stück, die in 14 Sprachen übersetzt wurden.

Das Buch: Romy Berner ist 18 Jahre jung, motiviert, ambitioniert und außerdem Volontärin bei der Zeitschrift „KölnJournal“. Nachdem im Großraum Köln innerhalb weniger Monate 4 Menschen ermordet aufgefunden wurden, erwacht Romys Spürsinn. Sie vermutet einen Zusammenhang zwischen den Taten, auch wenn die Polizei diesen bestreitet. Gregory Chaucer, ihr Chefredakteur, erlaubt ihr, in dieser Sache zu recherchieren. Einige Zeit später kommt Romy einer geheimnisvollen Bruderschaft auf die Spur, die alles tut, um ihre abtrünnigen Mitglieder zum Schweigen zu bringen.

Fazit:…von der Autorin der Erdbeerpflücker-Bestseller„, prangt es dem Leser von der Rückseite des Buches entgegen. Hätte es mir zu denken geben sollen, dass ich von diesen „Erdbeerpflücker-Bestsellern“ niemals in meinem Leben gehört habe? Ja, das hätte es! Hat es das aber? Nein, das hat es nicht, also bin ich mal wieder selbst schuld…

Im Grunde genommen habe ich mit der Zusammenfassung des Buches bereits den gesamten Inhalt verraten. Und genialerweise tut der Verlag das mit seinem Klappentext auch! Da erfährt man, dass vier Menschen ermordet wurden. Und man erfährt von einer geheimnisvollen Bruderschaft. „Die Jünger schrecken vor keinem Mittel zurück, sich die Mitglieder ihrer Gemeinschaft gefügig zu machen“, heißt es da. Wer sich dann 3,7 Sekunden Zeit nimmt, darüber nachzudenken, kommt noch vor dem Lesen des ersten Satzes zu dem Schluss:“Hmm, na ja, dann wollten die 4 Toten wohl alle nicht mehr in dieser Bruderschaft mitspielen. Und deswegen wurden sie umgebracht. Und dann kommt diese Romy und überführt die bösen Jungs!“

Bingo!!! Genau das isses!!! Mehr passiert in diesem Roman nicht!!! Alles andere es schmückendes und sinnfreies Beiwerk.

Normalerweise müsste ich mich jetzt entschuldigen, weil ich Euch die Spannung genommen habe, aber der Roman hat ja eh keine, also sei´s drum! Nun, der Reihe nach:

Bereits bei den Charakteren greift Frau Feth teilweise arg daneben. Romy selbst ist ja noch irgendwie erträglich. Gut, sie ist schon extremst ehrgeizig und vermittelt unterschwellig den Eindruck, dauernd die Welt verbessern zu wollen. Aber ich kann sie ertragen. Und das kann man nicht von allen Charakteren behaupten, denn:

Ihr Freund nervt da schon bedeutend mehr. Der Jungspund befindet sich in einer Findungsphase. Seine Eltern sind seiner Meinung nach auf „völlig vorgefertigten Pfaden“ unterwegs. Er selbst sagt von sich aber, dass er „auf der Suche war, dass er Verschiedenes ausprobieren musste, um zu erkennen, welcher Weg ihn zum Ziel führte und an welches Ziel er überhaupt gelangen wollte.“ Nicht, dass er dieses Ziel mittlerweile gefunden hätte, gerade erst hat er eine Banklehre geschmissen… Gut, das spricht vielleicht wieder für ihn, aber dieses betont Unangepasste, das der Junge an sich hat, wirkt schon sehr, sehr gezwungen. Dieser klischeemäßige Rebell für Arme, der ging mir ganz gehörig auf den Zeiger. Da entwickelt sich bei mir spontan der Drang, dem Jüngling zu sagen: „Min Jung, sett di hen un hör mal ´n beten to, ick vertell di nu mol dat wohr Leven!“ (Ich kann nicht nur Phrasen-Latein! 😉 )

Und das Beste: Der Junge ist sogar so unangepasst, dass ihm auch sein Name missfällt. Seine erste Freundin verpasst ihm spontan den Namen Calypso, bei dem er verbleibt! Warum-auch-immer! Ein großes Online-Lexikon mit „W“ sagt dazu: „Calypso“ steht für:

– eine weibliche Gestalt der griechischen Mythologie (eine Meernymphe und Tochter des Titanen Atlas übrigens, nur damit ihr auch etwas lernt)

– eine antike griechische Malerin (Sie hat u. a. das „Bildnis eines alten Mannes“ gemalt. Aha…)

– einen Tanz und eine Musikrichtung (2/4-taktiger synkopierter Rhythmus, jaha!)

– einen Saturnmond (ich werde jetzt NICHT die 61 anderen bekannten Saturnmonde aufzählen!)

– ein internationales eTicketing-System –

ein Insektizid der Bayer AG mit dem Wirkstoff Thiacloprid (kein Witz!)

– das Calypsotief ist die tiefste Stelle des Meeres (Sehr sinnig, siehe griechische Mythologie, Meernymphe)

– eine Orchideengattung (auch Norne genannt)

– eine Unterwasserkamera

– diverse Schiffe

Da stellte sich mir doch die Frage, wonach die junge Dame den Jüngling denn nun benannt hat!? Gut, ich lasse die Blume durchgehen, notfalls. Vielleicht auch den Tanz. Da hätte er dann noch Glück gehabt, „Tarantella“ oder „Quadrille“ oder „Polka“ wären deutlich schlimmer gewesen…

Das Insektenvernichtungsmittel habe ich einfach mal ausgeschlossen…

Und irgendwann, in den Tiefen des Netzes, bekommt man die Information, das „Kalypso“, mit K, auf griechisch „versteckt“ oder „Verstecker“ heißt. Oha, Frau Feth, da verleihen sie einer Figur mittels eines Namens eine Tiefe, die diese gar nicht hat! Und von ihren Lesern erwarten sie Kenntnisse in der griechischen Sprache? Interessant…

Um mich nicht zu lange mit den vergeigten Charakteren aufzuhalten, sei hier nur noch einer erwähnt: Der große, böse Anführer der Bruderschaft, die sich „Die Getreuen“ nennt. Er nennt sich selbst Vero. Nun, zumindest hier gibt es in puncto Namen keinerlei Zweideutigkeiten. „Vero“ bedeutet im Lateinischen unter anderem soviel wie „Die Wahrheit sagen“. Womit Frau Feth ihrem Leser Kenntnisse einer zweiten Fremdsprache abverlangt…

Besagtem Vero missfällt die gesamte aktuelle katholische Kirche. Er propagiert eine Rückbesinnung auf das Wort und die Werte Jesu. So weit so gut. Allerdings neigt er ebenso dazu, unliebsam gewordene Mitmenschen aus dem Weg zu räumen. Was sich aus meiner Sicht nicht mit dem eben erwähnten Wort und den Werten Jesu verträgt. Der Mann geht als religiöser  und gewalttätiger Hardliner durch, gegen den die Borgia-Päpste nebst Familie harmlos wie eine Krabbelgruppe erscheinen. Sinn- und hoffnungslos übertrieben!

Den einen oder anderen seiner „Jünger“ macht er mit Tee gefügig…! Mit TEE!!! Gut, da ist dann irgendwas reingemischt, das erfährt man, man erfährt nur weder, was, noch, wo er das Zeug her hat bzw. wie er da herankommt. Rezeptfrei gibt´s das bestimmt nicht… Man stelle sich vor, er betritt, frei nach Loriot, eine Apotheke, und sagt: „Mein Name ist Vero, ich kaufe hier ein! Und ich brauche etwas, was ich meinen Jüngern in den Tee mischen kann, um sie gefügig zu machen! Also wohlan, Schergin der Pharmaindustrie, eile, und hole das Gewünschte!“ Eher unwahrscheinlich…

Über den Inhalt als solchen brauche ich ja nicht mehr viele Worte verlieren. Alles dazu wurde ja bereits eingangs erwähnt.

Tjaaa, gibt´s denn da so gar nichts Gutes an diesem Buch? Doch, den Stil! Monika Feth kann relativ gut schreiben, was vielleicht auch diese ominösen „Erdbeerpflücker-Bestseller“ erklärt. Nur leider: Schlechter Stil kann eine gute Handlung versauen, guter Stil kann eine schlechte Handlung aber leider nicht komplett kompensieren.

Unfassbarerweise gibt es über die junge Volontärin Romy und den Polizisten Bert Melzig (den ich komplett unerwähnt gelassen habe, weil man ihn komplett unerwähnt lassen kann) bereits ein weiteres Buch! Das allerdings werde ich NICHT lesen!!! Versprochen!!!

Wertung:

Handlung: 4 von 10 Punkten

Charaktere: 3 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 2 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 4,725 Punkte

Demnächst in diesem Blog: Ich habe meinen SUB mal komplett durchmischt. Zutage kam „Kein Friede den Toten“ von Harlan Coben. Seine Bücher haben mich schon des Öfteren begeistert, ich hoffe, „Kein Friede den Toten“ tut es auch…

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„Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zafón – Concordia lumine maior

Buch: „Der Mitternachtspalast“ (1994, Auflage 2014)

Autor: Carlos Ruiz Zafón

Verlag: S. Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 332 Seiten

Der Autor: Carlos Ruiz Zafón, geboren 1964 in Barcelona, ist ein spanischer Schriftsteller. Nach einer Tätigkeit bei einer Werbeagentur verlegte sich Zafón 1994 aufs Schreiben. Neben seinen Romanen schreibt er Drehbücher und ist als Journalist für zwei Tageszeitungen tätig. Hierzulande wurde Zafón vor allem durch seine Romane zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ bekannt: „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“.

Das Buch: Kalkutta 1916: Leutnant Peake irrt nachts durch die Stadt, auf der Flucht vor mehreren Verfolgern, die es auf sein Leben abgesehen haben. Und vor allem auf das der zwei kleinen Babys, die Peake in Sicherheit zu bringen versucht. Endlich erreicht er das Haus von Aryami Bosé, der Großmutter der beiden Kleinen. Er muss ihr ausrichten, dass für Aryamis Tochter, die Frau die Leutnant Peake innig geliebt hat, jede Hilfe zu spät gekommen ist. Nun sollen wenigstens die Kinder gerettet werden. Da der Vater der Kinder ebenfalls tot ist, entscheidet Aryami, den Jungen ins Waisenhaus zu geben und das Mädchen selbst groß zu ziehen.

16 Jahre später. Ben ist im Waisenhaus groß geworden. Dort hat er mit seinen Freunden Isobel, Roshan, Siraj, Michael, Seth und Ian die „Chowbar Society“ gegründet, die sich häufig heimlich in einer verlassenen Ruine, dem „Mitternachtspalast“ trifft. Eine Art Club, dessen Gründung vor allem zwei Gründe hat: Erstens, jedem der Mitglieder „die Hilfe, den Schutz und die bedingungslose Unterstützung der anderen zuzusichern, unter allen Umständen, jeder Gefahr und Widrigkeit zum Trotz“. Und zweitens, „um das Wissen zu teilen, das jeder von uns erwarb, und es für den anderen zur Verfügung zu stellen, so dass wir für den Tag gewappnet wären, an dem jeder von uns sich alleine der Welt stellen muss“. Und dieser Tag liegt nicht mehr fern für Ben und seine Freunde, denn wer 16 Jahre alt wird, der muss das Waisenhaus bald verlassen..

Dann plötzlich tauchen die Verfolger von einst wieder auf und bringen Aryami und ihre Enkelin Sheere erneut in Gefahr. Die beiden begeben sich ins Waisenhaus, denn Aryami möchte erfahren, ob auch Ben bedroht wird. Dabei lernen sich die beiden Zwillinge erstmals kennen. Nach kurzer Zeit erfahren sie, dass sie Bruder und Schwester sind – und sie erfahren mehr über die Geschichte ihrer Familie und die Bedrohung der sie ausgesetzt sind. Um sich ihren Feinden in den Weg zu stellen, begeben sie sich bis in die Ruinen des ausgebrannten Bahnhofs „Jheeter´s Gate“…

Fazit: Ja, ich gebs ja zu: Ich mag lateinische Überschriften für meine Rezensionen. Ich habe keine Ahnung, wieso… Aber kommen wir zum Buch:

Zu Beginn seiner literarischen Karriere hat C. R. Zafón verstärkt Jugendbücher geschrieben. Das hätte ich mal wissen müssen. Dann wäre ich entweder mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen oder hätte es vielleicht ganz im Regal stehen lassen…

Seinerzeit bin ich freundlicher- und glücklicherweise von einer ganz zauberhaften Person auf Zafón aufmerksam gemacht worden und habe daher „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ gelesen. Zwei wirklich, wirklich schöne Bücher. Damit kann „Der Mitternachtspalast“ leider nicht mithalten. Allerdings scheitert das Buch zugegenermaßen für mich eher an meiner Erwartungshaltung als an mangelnder Qualität.

Die Geschichte um die beiden Zwillinge Ben und Sheere sowie ihre Freunde ist düster und geheimnisvoll. Eine Geschichte, die mich sicherlich begeistert hätte – wenn ich ein paar Dutzend Jahre jünger wäre. Ben und Sheere tauchen im Laufe der Geschichte tief in das dunkle Geheimnis ihrer Familie ein und erfahren, wer ihnen da nach dem Leben trachtet, und warum. Dennoch erinnerte mich das Ganze irgendwie an „5 Freunde“, und das KANN nicht im Sinne des Autors gewesen sein! Von Zeit zu Zeit merkt man auch, dass Zafón mehr schreiben kann ( und vielleicht gerne auch mehr geschrieben hätte) als „nur“ so etwas wie ein Jugendbuch: Wenn zum Beispiel unser Protagonist Ben meint, Schach sei die zweitunsinnigste Art, die menschliche Intelligenz zu vergeuden, die Philosophie jedoch die unsinnigste, dann regt das doch fast schon an, darüber nachzudenken. (Und sobald ich das tue, sehe ich mich gezwungen, Ben in beiden Fällen vehement zu widersprechen!)

Somit sind wir dann auch schon bei den Charakteren. Alle haben sie irgendwie unterschiedliche Talente. Isobel plant eine Karriere als Schauspielerin und wirkt sehr überzeugend auf ihre Mitmenschen, Roshan ist lange Jahre in den Straßen Kalkuttas aufgewachsen und kann sehr schnell laufen und hat ein Talent zum Schlösser knacken, Siraj ist asthmatisch, dafür aber sehr intelligent und so weiter und so würg. Wie in einer Boyband: Der Schöne, der Kluge, der Introvertierte, usw…

Seine Stärken hat das Buch eindeutig im stilistischen Bereich. Damit hat es Zafón geschafft, dass ich es trotz aller „5 Freunde Atmosphäre“ gerne gelesen habe. Aber im Vergleich lagen auch da  „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ noch weilenweit vorne.

Nun, alles in allem ein Buch, das man am besten mit „ganz nett“ in seiner positiven Bedeutung beschreiben kann.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Teufelsengel“ von Monika Feth. Ein Buch, dessen Rezension ich bereits im Dezember mal angekündigt hatte, bevor diverse Weihnachtsgeschenke für eine Planänderung sorgten. Ich fürchte, ich habe es zu recht verschoben…