abc.Etüden KW 21/22 I

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

spricht etwas dagegen, eine neue Woche mit einer neuen Etüde zu starten? Ich denke nicht. Die Etüden werden von Christiane geleitet, die Wortspende kommt in beiden anstehen Wochen vom Team dergl.

 

„Hallo …?“

„Huuuääää …“

„Ähm, hallo …?“

„Öööörks …“

„Wo steckst Du denn? Und vor allem: Was tust Du?“

“ Ich bin im Bad. Ich muss kotzen!“

„Oh, das, äh, tut mir leid. Soll ich Deine Haare festhalten?“

„Arschloch!“

„Entschuldigung! Darf ich reinkommen?“

„Ja, sicher!“

„Oh, Du siehst übel aus, als wärst Du in einem Malkasten voller Deckweiß gefallen! Was ist passiert?“

„Na, eigentlich wollte ich nur einen Beitrag über Strache in Österreich schreiben …“

„Aber …?“

„Aber immer, wenn ich damit angefangen habe, musste ich so lachen, dass ich den Bildschirm nicht mehr erkennen konnte.“

„Alter, in Österreich gibt es Neuwahlen, eine schwere Regierungskrise – da gibt es nichts zu lachen.“

„Findest Du? Also, wenn die freie Presse mit ihrer Berichterstattung einen Politiker torpediert, dessen Partei zahlreiche Versuche unternommen hat, auf eben diese freie Presse Einfluss zu nehmen – man denke da an Kickls Mails an die Polizeidienststellen 2018, die Posse um den Journalisten Armin Wolf neulich oder eben Straches Video -, dann entbehrt das nicht einer gewissen Komik.“

„So gesehen… – Und Du musstest so lachen, dass Du kotzen musstest?“

„Nein, das kam später, der Prozess war eher gleitend. Nachdem ich also merkte, dass das mit Strache nichts wird, habe ich einen Artikel über die Verunstaltung von AfD-Plakaten gelesen, über die diese Partei natürlich rechtschaffen empört ist.“

„Und dann musstest Du kotzen!“

„Exakt!“

„Wieso? Was steht denn auf diesen Plakaten so?“

„Unter anderem: „Geht’s noch, Brüssel? – EU-Steuer verhindern!“

„Klingt nach „Bild“ – außerdem: welche EU-Steuer?“

„Ja, das weiß ich doch auch nicht! Oder her: „Jeden reinlassen? Geht’s noch, Brüssel?“

„Aber jeder …“

„Egal! Oder hier: „Europa bracht Vaterländer“!

„Oha – was glaubt denn die AfD, aus was Europa besteht?“

„Ich weiß es nicht! Hier: „Für ein Europa der Freiheit!“

„Die Freiheit, dass jeder wieder einzeln für sich machen darf, was er will!?“

„Exakt!“

„Lass mich mal vorbei – schnell!“

„Wieso!“

„Huuuääää …“

„Na, siehste …!?“

 

300 Wörter.

 

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31 Kommentare zu „abc.Etüden KW 21/22 I

  1. Bei den Plakaten wird mir auch schlecht. Ich versuche ja immernoch die Grammatik von „Für ein Europa der Freiheit“ mit der deutschen abzugleichen.
    Highlight vor 2 Jahren war aber „Luther würde NPD wählen“. Nuja man kann sich über beide Parteien und deren Artverwandten wohl stundenlang aufregen.
    Trotzdem wieder ein toller Text.
    Grüße, Katharina

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    1. Warum sollte eine Partei wie diese auch die deutsche Sprache beherrschen? :-) Und ich finde es schon sehr bezeichnend, wenn diese andere Partei ihren Standpunkt mit dem angeblichen Standpunkt eines Menschen von vor 500 Jahren vergleicht … ;-)

      Vielen Dank fürs Lesen!

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  2. In Ulm haben sie – also, „sie“, du weißt schon – einen Spitzenkandidaten, mit dem sich doch sicher jeder identifizieren kann. Früher NPD, hat er zwei Banken und einen Sex Shop (oder war’s umgekehrt?) bewaffnet überfallen, wie er seinerzeit sagte, wollte er das Geld nicht für sich, sondern für die „rechte“ Sache. Also quasi ein Wohltäter. Oder so.

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    1. „Die“ haben den tatsächlich aufgestellt? Hm, tja, da gibt es dann ja nur zwei Möglichkeiten bezüglich der potenziellen Wählerschaft: Entweder, denen sind solche „Nebensächlichkeiten“ wie bewaffnete Raubüberfalle egal, oder sie wissen schlicht nichts davon. Ich weiß gerade nicht, was ich schlimmer finde …

      Gefällt 1 Person

    1. Du wirst es nicht glauben, aber: Das hatte ich tatsächlich ursprünglich heute vor! ;-) Dann kamen mir aber die Politiker unseres schönen Nachbarlands dazwischen. Und morgen ist das Thema ESC schon wieder veraltet. Hach, schade irgendwie …

      Ich verfluche Dich, HC Strache! ;-)

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  3. Ich habe erst mal gelacht beim Lesen. Dann habe ich darüber nachgedacht, ob ich mir nicht doch eine fotografische Sammlung von blauen Plakaten zulegen soll, und mich zugunsten meiner Gemütsruhe dagegen entschieden. Schließlich bin ich wieder bei deiner Etüde und „Verdammt, das ist nicht lustig, da kann man nur drüber lachen!“ gelandet. Tja. Und jetzt?
    Schön, dass du Lust hast, darüber zu schreiben. Sehr geschickt, das mit dem „gleitend“.
    Liebe Grüße
    Christiane ;-)

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  4. Am besten gefällt mir an der Sache, dass die Kronenzeitung – das österreichische Boulevardblatt mit enormer Auflage – so empört ist, dass Strache davon sprach, sie an die „Oligarchin“ zu übergeben, dass sie seit Bekanntwerden des Videos unzählige Anti-Strache-Sonderseiten hervorgebracht hat und dass sogar recht üble Schmierer dieses Blattes plötzlich empörte Demokraten sind ……

    Gefällt 3 Personen

    1. Das geht aber doch auch nicht, dass es plötzlich das eigene Blatt betrifft – andere ja, aber doch bitte nicht das eigene. ;-)

      Mich würde in diesem Zusammenhang ja mal interessieren, wie die Kronenzeitung die Ereignisse um Armin Wolf kommentiert hat …

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      1. Erstaunlicherweise recht neutral. Vilimski ist nicht einmal bei der Kronenzeitung ein Sympathieträger.
        Besonders empört hat bei der Krone das „zack zack“ mit dem Strache etliche Journalisten austauschen wollte :)

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        1. Ich kenne mich – das muss ich zugeben – in der österreichischen Medienlandschaft zu wenig aus, weswegen ich den Vilimski auch nur aus dieser Geschichte kenne – das reicht aber, um zu verstehen, warum man ihn nicht unbedingt für einen Sympathieträger hält. :-)

          Über die Kronenzeitung bzw. ihre Ausrichtung weiß ich leider auch zu wenig – mir fällt gerade auf, dass ich mich wirklich erstmals ernsthaft mir der Medienlandschaft des schönen Nachbarlandes beschäftige ;-) -, hätte aber gedacht, dass deren Berichterstattung mittlerweile weitgehend FPÖ-unkritisch wäre, insofern überrascht mich das Austauschvorhaben des Herrn Strache auch. :-)

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          1. Naja, ich wiederum bin keine Expertin in der deutschen Medienlandschaft, aber ich kann doch sagen, dass die Krone zwar ein Boulevardblatt ist und einige üble Schreiberlinge hat, dass es aber durchaus auch einige einigermaßen erstzunehmende Kolumnen gibt und eine einigermaßen gefächerte Berichterstattung. Man kann sie nicht mit dem absoluten schwarzen Loch einer BILD vergleichen. Dafür haben wir ein Blatt mit dem genialen Namen „Österreich“, das sich wirklich auf einem geistigen Niveau im 25. Untergeschoss befindet. Dieses Blatt ist aber nicht besonders rechts nur besonders simpel

            Gefällt 1 Person

      1. So, da bin ich wieder. Impfverbot für Pekannüsse ist auch nicht schlecht ;) Wir haben hier ein großes AfD-Plakat „Eines ist sicher: Die Grenzen sind es nicht.“ oder so, hängt *leider* zu hoch um es zu verunglimpfen.

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          1. Wahrscheinlich ist das ein Code dafür, dass Ha, ha, wir tanzen euch allen auf der Nase rum und wenn ihr uns dafür in die Schranken weist, heulen wir rum, ihr hättet unsere Freiheit beschnitten, so demokratisch könnt ihr also gar nicht sein… Hat schon seine Perfidität.

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          2. Das ist exakt die Vorgehensweise dieser… nennen wir sie wohlwollend Menschen. Und das geht mir mächtig auf den Geist.

            Schon jetzt sind wieder zuhauf Kommentare zu lesen, in denen man beklagt, wie unfassbar fies man Herrn Strache doch in eine Falle hat laufen lassen …

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