Happy birthday tooo meeeeee… – Ein Jahr reisswolfblog!

Seid gegrüßt, liebe Leserinnen und Leser!

Ja, man glaubt es kaum, aber es ist wirklich wahr: Heute vor einem Jahr erblickte mein Blog das Licht der Welt. Kinder, wie die Zeit vergeht!

So ein Jahrestag ist ein perfekter Zeitpunkt, um ein wenig zurückzuschauen, ein Zwischenfazit zu ziehen, auch nach vorne zu blicken und sicherlich, um auch einmal „Danke“ zu sagen.

Wenn ich also nun so zurückschaue und mir überlege, was sich so im letzten Jahr alles geändert hat, komme ich zu dem Schluss: Sooo viel war das gar nicht. In Dresden und anderswo ziehen unter dem Deckmantel des „Das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen“ immer noch Tausende von *** (setzt ein beliebiges Schimpfwort im Plural ein) durch die Straßen, Angie ist immer noch Kanzlerin und Werder ist wieder im Tabellenkeller, während der FC Bayern einsam seine Kreise zieht. Alles wie gehabt also. Ich gebe allerdings die Hoffnung nicht auf, dass sich an diesen Dingen etwas ändert. 😉 Nun, das soll uns aber jetzt an dieser Stelle nicht weiter beschäftigen.

Schauen wie lieber auf das erste Jahr meines Blogs zurück: Im Laufe dieses Jahres wurden 58 Bücher von mir rezensiert. Damit habe ich das von mir selbst gesteckte Ziel, eine Rezension pro Woche zu schaffen, ganz gut erfüllt. Diese 58 Bücher hatten eine Gesamtseitenzahl von 27.719, wenn Excel sich nicht verzählt hat! Schön wäre es durchaus, wenn sich auch meine Besucherzahlen in diesen Regionen bewegen würden. Ohne Twitter oder Facebook zu nutzen, ist das allerdings wohl eher utopisch. Aber wenn sich die Zahl meiner Leser erst in solchen Regionen bewegen würde, würde mein Blog wahrscheinlich in Windeseile um die Welt gehen, geradezu viral, jeder würde über meine Rezensionen sprechen, ich müsste Interviews beim Jauch geben, Denis Scheck würde mich zu „Druckfrisch“ einladen, Verlage würden sich um meine Autobiografie prügeln, die als Zeitung bezeichnete Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben würde eine Homestory über mich machen, ich würde Millionen scheffeln, mir sinnlose Dinge kaufen, meine Persönlichkeit würde sich verändern… – DAS kann keiner wollen! 😉

Und da meine geneigten Leser das wissen und solches Schicksal von mir fernhalten wollen, pendelten sich die Besucherzahlen auf konstant niedrigem Niveau ein. Aber auch hier gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich daran etwas ändert!

Da ich nun schon bei meinen Besuchern bin, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen, die im Verlauf dieses Jahres etwas von mir gelesen haben, zu bedanken. Ein ganz besonderes Dankeschön geht dabei an den harten Kern meiner Leserschaft, die Angesprochenen wissen dann schon Bescheid! 😉 Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Blog ohne diese Handvoll Leute schon längst aufgegeben hätte. Also, wie gesagt, vielen Dank!

Tja, wie geht´s nun in Zukunft weiter? Etwa so:

Anlässlich meines Blog-Geburtstages wollte ich erst eine signierte Erstausgabe aller Teile von Stephen Kings „Der dunkle Turm“ verlosen – aber wer will sowas schon!? 😉 Stattdessen habe ich meine Lieblingsleser und Innen gebeten, mir ein Buch zu nennen, das sie gerne von mir rezensiert hätten. In naher Zukunft werde ich also eine Reihe von „Wunschrezensionen“ schreiben. Welche das sind, wird natürlich vorher nicht verraten! Die Reihenfolge der Rezensionen hat übrigens nichts mit meiner Sympathie gegenüber den entsprechenden Personen zu tun, sondern die Reihenfolge ermittelt sich durch ein fürchterlich kompliziertes Berechnungsverfahren, in das solche Dinge einfließen wie: Seitenzahl des Buches, Datum der Verfügbarkeit des Buches durch den Rezensenten, Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex sowie des Zinsniveaus, Deutung des Vogelflugs diverser Zugvögelarten, und…, nun…, also, wie gesagt, fürchterlich kompliziert das Ganze! 😉 Jedenfalls wünsche ich euch damit viel Vergnügen.

In fernerer Zukunft werde ich möglicherweise wieder die eine oder andere eher kosmetische Veränderung an meinem Blog vornehmen, ich habe da so ein, zwei Ideen. Prinzipiell geht´s aber weiter wie bisher, nur mit dem Ziel, im zweiten Jahr des Bestehens ein breiteres Publikum zu erreichen. Solltet ihr der Meinung sein, mich beim Erreichen dieses Ziels dadurch unterstützen zu müssen, dass ihr meinen Blog in diversen sozialen Netzwerken postet, Werbezettel an Litfasssäulen pappt, Telefonrundrufe startet, im Gespräch mit Freunden und Verwandten nur noch und ausschließlich von meinem Blog redet oder durch ähnlich seltsames Verhalten – ich halte euch nicht auf! 😉

Nun wünsche ich allseits noch einen schönen Abend und entlasse euch mit zwei Weisheiten in den selben:

„Auch das schlechteste Buch hat eine gute Seite: Die letzte!“  John James Osborne

„Sich das Lesen zur Gewohnheit machen heißt, sich einen Ort zu schaffen, in den man sich vor fast allem Elend des Lebens zurückziehen kann.“ William Somerset Maugham

Bis bald,

euer reisswolf

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„Blindwütig“ von Dean Koontz – Weltfremde Albernheiten

Buch: „Blindwütig“ (2012)

Autor: Dean Koontz

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 432 Seiten

Der Autor: Dean Koontz ist ein 1945 in Everett, Pennsylvania, geborener amerikanischer Schriftsteller. Bereits im Alter von acht Jahren schrieb er seine ersten Kurzgeschichten und verkaufte sie an Freunde und Verwandte. 1965 gewann er mit einer Kurzgeschichte einen Preis bei einem Schreibwettbewerb einer Tageszeitung.

Der erste wirkliche Erfolg stellte sich allerdings erst 1981 mit „Flüstern in der Nacht“ ein, als er es erstmals auf die Bestsellerliste der „New York Times“ schaffte.

Nach eigener Aussage arbeitet Koontz bis zu 14 Stunden täglich und etwa 70 – 80 Stunden in der Woche an seinen Büchern. Das erklärt wenigstens teilweise, dass er es geschafft hat, bis heute über 70 Bücher zu veröffentlichen. Seine Werke wurden bislang in 38 Sprachen übersetzt und mehr als 400 Millionen Mal verkauft. Pro Jahr kommen ca. 17 Millionen weitere verkaufte Exemplare dazu.

Das Buch: Cubby Greenwich ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Seine Frau Penny lebt als Kinderbuchautorin ebenfalls vom Schreiben. Zusammen mit ihrem sechsjährigen hochbegabten Sohn Milo und dem Hund Lassie lebt die Familie ein ruhiges, beschauliches Leben.

Dann ändert sich jedoch alles. Cubbys neuestes Werk „One O´Clock Jump“ wird von Shearman Waxx rezensiert, einem der renommiertesten aber auch gnadenlosesten Literaturkritiker der Gegenwart. Und Waxx zerreißt Cubbys Buch förmlich in der Luft.

Cubby beschließt anfangs, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Schließlich jedoch kann er der Versuchung nicht widerstehen, in Waxx´ Stammlokal zu gehen, um wenigstens einen Blick auf den Menschen zu werfen, der da so gedankenlos Cubbys Buch verrissen hat.

Dabei gerät er kurz mit dem Kritiker aneinander. Und dem gefällt das überhaupt nicht. Er zischt Cubby das Wort „Verdammnis“ entgegen und verschwindet, nur um kurz danach wieder aufzutauchen – in Cubbys Haus. Von da an macht der Kritiker der Familie Greenwich das Leben dermaßen zur Hölle, dass sie gezwungen wird, das Haus zu verlassen und sich auf die Flucht zu begeben.

Aber Shearman Waxx folgt ihnen…

Fazit: Gerade überkommt mich wieder mal der Gedanke, als Fazit lediglich zu schreiben: „NEIN! Einfach nur: NEIN!“. Denn dabei könnte man es im Großen und Ganzen belassen. Aber ich versuche dann wohl doch, die Gründe für meinen Unmut genauer darzustellen.

Ich habe dieses Buch aufgrund seiner eigentlich recht spannenden Rahmenhandlung ziemlich zügig gelesen – und frage mich nun ernsthaft, warum nur! Die Geschichte, die mich entfernt an Stephen Kings „Misery“ erinnerte, bietet wirklich genug Möglichkeiten, einen hochspannenden Thriller zu erzählen. Warum Mr. Koontz sich dagegen entschieden hat, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Dabei geht das Ganze eigentlich recht gut los. Koontz beschreibt Cubby Greenwichs Geschichte aus der Ich-Perspektive und auf eine launige und sehr humorvolle Art. Das gefiel mir eine Weile ganz gut. Ab dem Punkt, an dem die vermeintlich dramatische Handlung einsetzt, sollte es mit dem humorigen Stil aber dann auch vorbei sein, sollte man meinen. Aber nicht mit Dean Koontz! Seine Charaktere, dieses amerikanische Vorzeige-Ehepaar mit dem ätzenden Klugscheißerkind, das einem nach sehr kurzer Zeit fürchterlich auf den Geist geht, seine Charaktere also, können mit sämtlicher Unbill der Welt konfrontiert werden, trotzdem kann man sicher sein, dass sie sich „spaßige“ Wortgefechte liefern! Man kann ihnen sogar ihr Haus in die Luft sprengen, Cubby Familie reagiert relativ gefasst. Reeespekt!

Gut, nach einer gewissen Zeit habe ich dann als Leser begriffen, dass Familie Greenwich in ihrer eigenen kleinen Märchenwelt lebt und verbuchte das Ganze unter: „Die sind eben so!“ Daher hab ich beschlossen, die skurrilen Charaktere skurrile Charaktere sein zu lassen und mich auf die Story zu konzentrieren. Denn „durchgeknallter Kritiker jagt Familie durch die USA“, das hat ja Potenzial. Und eine ganze Weile kann Dean Koontz die Spannung der Handlung auch aufrecht halten, so dass man die seltsamen Personen schon fast vergessen hat.

Dann jedoch, zum Ende des Buches, dann versaut er es wieder! Nachdem Waxx seine auserkorenen Stalking-Opfer über knappe 400 Seiten verfolgt hat, man sich als Leser fragt, wie der das schaftt, immer wieder zu wissen, wo die Greenwichs sind und in kürzester Zeit dort aufzutauchen, bereitet man sich innerlich auf einen furiosen Showdown vor. Was man stattdessen bekommt ist eigentlich nur seltsames Zeug, bis hin zu Hunden, die die Grenzen der Physik aushebeln. Die Begründung für den Hass den Waxx auf Cubby hat, ist absolut, ich möchte dieses schöne Wort mal benutzen, hanebüchen.

Letztlich gibt es für mich zwei mögliche Theorien, die die Entstehung dieses Buches hinlänglich erklären könnten:

Erstens: Es handelt sich um eine Satire. Dann habe ich das Buch nicht begriffen, was ich durchaus nicht ausschließen möchte. In diesem Fall wäre es aber nett gewesen, den Leser darauf vorzubereiten. Und weder Klappentext noch Covergestaltung tun dies hinreichend. Oooder,

zweitens: Wenn man es, so wie Dean Koontz ganz zweifellos, als Schriftsteller „geschafft“ hat und lange im Geschäft ist, dann wird es nachvollziehbarerweise von Buch zu Buch schwerer, gleichbleibende Qualität abzuliefern. Andererseits hat man sich auch eine gewisse Narrenfreiheit erarbeitet. Und die kommt hier, meine ich, deutlich zum Tragen. „Blindwütig“ erweckt den Anschein, als habe Mr. Koontz gedacht: „Hmmm, mal schauen, ob ich meine Leser gigantisch verkaspern kann und sie trotzdem mein Buch kaufen…“

So wie bei der Lektüre von „Blindwütig“ würde ich mich fühlen, wenn die „Rolling Stones“ Hape Kerkelings „Hurz“ aufführen würden, oder „Aerosmith“ mit Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ den Madison Square Garden rocken: Sehr irritiert, mit dem latenten Gefühl, verarscht zu werden. Nee, Mr. Koontz, das war nix!

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 2 von 10 Punkten

Stil: 3,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung:  4,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Schaun mer mal… 😉

„Der Circle“ von Dave Eggers – Zuckerbergs feuchter Traum

Buch: „Der Circle“ (2015)

Autor: Dave Eggers

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Ausgabe: Taschenbuch, 558 Seiten

Der Autor: Dave Eggers ist ein amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Herausgeber mehrerer Literaturzeitschriften. Er kam 1970 als Sohn einer Lehrerin und eines Rechtsanwalts in Boston zur Welt und wuchs in Lake Forest, Illinois, auf. Er studierte an der University of Illinois und gründete das Literaturmagazin „Might“ sowie das Verlagshaus „McSweeneys“.

Bereits sein erster Roman, “ A Heartbreaking Work of Staggering Genius“ (dt.: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität) wurde ein großer Erfolg und für den Pulitzer Preis nominiert. Eggers Romandebüt enthält autobiografische Züge und behandelt unter anderem die Situation des Schriftstellers nach dem Krebstod seiner Eltern, als der damals 22-jährige Eggers plötzlich für seinen kleinen Bruder sorgen musste.

Mittlerweile hat Eggers mehrere Drehbücher sowie zwölf Romane und Erzählungen verfasst.

Der Schriftsteller lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kinder in der San Francisco Bay Area.

Das Buch: Mae Holland hat das große Los gezogen. Nachdem sie 18 Monate lang einen stupiden Job bei den Strom- und Gaswerken durchlitten hat, bekommt sie durch die Vermittlung ihrer ehemaligen Studienfreundin Annie die Chance, beim „Circle“ zu arbeiten, einem Internetkonzern aus Kalifornien. Der „Circle“ hat die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt, indem er Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, mit der man im Netz einfach alles erledigen kann, wodurch niemand mehr gezwungen ist, sich unzählige Nicknames oder Passwörter zu merken. Als Bedingung gilt allerdings, dass man sich mit seinen echten Daten registrieren muss. Der „Circle“ möchte durch den Wegfall der Anonymität völlige Transparenz im Internet erreichen und erhofft sich einen spürbaren Rückgang von Schmutz und Kriminalität im Netz.

Mae ist Feuer und Flamme für ihre neue Tätigkeit in der „Customer Experience“. Obwohl an ihrem Arbeitsplatz die unpersönliche, hektische Atmosphäre eines modernen Callcenters herrscht und ihre Arbeitsbelastung permant ansteigt, ist sie mit Begeisterung bei der Sache.

Der „Circle“ arbeitet derweil am großen Ziel des Unternehmens, der totalen Überwachung der Menschheit. Das alles natürlich nur zum Wohl der Menschen… So sollen Kinder Sender eingesetzt bekommen, mit denen man jederzeit ihren Aufenthaltsort feststellen kann – natürlich nur, um sie vor Entführungen zu schützen. Kleine Minikameras werden zu Zehntausenden überall auf der Welt installiert – natürlich nur, um die Kriminalitätsrate zu senken, usw.

Mae macht das alles unwidersprochen mit. Erst als sie den attraktiven Kalden kennenlernt, scheint ihr Weltbild ins Wanken zu geraten.

Fazit: Aufgrund seiner Thematik wird dieses Buch häufig mit „1984“ von George Orwell oder mit „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley verglichen. Die Meinungen, ob der „Circle“ mit den beiden großen Vorbildern mithalten kann, gehen weit auseinander. Da ich zu meiner Schande eingestehen muss, weder das eine noch das andere Buch gelesen zu haben, kann ich mir darüber kein Urteil erlauben. Aber vielleicht ist das auch wieder ganz gut so, ermöglicht es mir doch, weitgehend unvoreingenommen an das Buch heranzugehen.

Zu Beginn von „Der Circle“ wird Maes Arbeitsplatz und ihre Tätigkeit detailliert beschrieben. Immer und immer wieder. Dieser zähe Einstieg hat mich ernsthaft daran zweifeln lassen, ob ich dieses Buch in einem annehmbaren Zeitraum zu Ende lesen würde. Dann wurde aber glücklicherweise alles besser, sodass ich mich am Ende des Buches eher fragte, ob ich überhaupt negative Gesichtspunkte anführen könnte, vom Einstieg mal abgesehen.

Aber natürlich hat auch „Der Circle“ seine Schwächen. So sind z. B. die Charaktere sind nicht besonders tiefgründig und hinterlassen keinen wirklich guten Eindruck:

Mae unterstützt die Machenschaften des „Circle“ vollkommen unreflektiert. Als Leser habe ich mich darüber mehrfach aufgeregt. Aber ein junger Mensch, der mehr oder weniger orientierungslos im Leben ist und dann in einem an Scientology erinnernden Konzern landet, in dem er das Gefühl hat, dass man ihn nur dort versteht und nur dort alles gut ist, der handelt eben vielleicht auch nicht immer rational. Dennoch wird Mae ziemlich einseitig als eine dem Herdentrieb folgende, völlig willenlose Person dargestellt. Etwas differenzierter wäre da schön gewesen.

Sämtliche weiteren Nebenfiguren kann man, tja, eigentlich getrost ignorieren. Lediglich Maes Ex-Freund Mercer, der sich vehement gegen ihre Tätigkeit ausspricht, darauf hinweist, dass sie nur noch an ihrem Handy tippt und generell das System des „Circle“ verurteilt, ist noch eine Erwähnung wert. Mercer kann man wenigstens ernst nehmen.

Der Schreibstil gefällt da schon etwas besser als die Charaktere, ohne allerdings die Sprache neu zu erfinden.

Sämtliche möglichen Schwachpunkte in diesen Bereichen sind aber in diesem Fall vor allem eines: Sie sind mir vollkommen egal! Denn die durchaus vorhandenen Unzulänglichkeiten von „Der Circle“ verblassen deutlich gegen den größten Pluspunkt des Buches, gegen die Story. Die immer neuen, immer skurriler werdenden Ideen des „Circle“ regen durchaus zum Nachdenken an. Angefangen bei Trackern die in Kinder implantiert werden sollen, bis hin zum Wahlrecht, das vom Bestehen eines „Circle“-Accounts abhängig gemacht werden soll. Sind solche Dinge tatsächlich denkbar? Und wenn ja, wann? Und wie weit sind wir auf dem Weg dahin schon vorangeschritten?

Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan der Zeitschrift „Brigitte“ bin, möchte ich sie heute doch einmal abschließend zu Wort kommen lassen. Dort wird über „Der Circle“ geschrieben: „So unterhaltsam, spannend und hochrelevant, dass man sein Smartphone leicht angewidert in die Ecke pfeffert und stattdessen mal wieder mit Buch ins Bett geht.“

Dem ist nichts hinzuzufügen! Also: Lesen!

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog:

„Der kretische Gast“ von Klaus Modick oooder „Blindwütig“ von Dean Koontz

„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan – Große Erwartungen

Buch: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ (2015)

Autor: Robin Sloan

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 429 Seiten

Der Autor: Robin Sloan ist ein 1979 in der Nähe von Detroit geborener amerikanischer Autor und Wirtschaftsinformatiker. Er studierte an der Michigan State University Wirtschaftswissenschaften und war Mitbegründer eines Literaturmagazins namens „Oats“. Er arbeitete nach seinem Studium unter anderem für den Fernsehsender „Current TV“, die Online-Plattform „Poynter“ und für „Twitter“.

„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist Sloans erster Roman, der in den USA bereits 2012 veröffentlicht und  ein Bestseller wurde.

Sloan lebt in San Francisco.

Das Buch: Nach seinem Studium an der Kunstakademie findet Clay Jannon einen Job als Designer bei „NewBagel“, einem von zwei Ex-Googlern gegründeten angehenden Bagel-Imperium. Von der Gestaltung der Speisekarten bis hin zur Internetpräsenz liegt alles in Clays Verantwortungsbereich. Dann jedoch schlägt die Rezession unbarmherzig zu. „NewBagel“ muss schließen, Clay verliert seinen Job, darf aber zumindest das Firmen MacBook und den Twitter-Account @NewBagel behalten…

Bei seiner erneuten Jobsuche kommt Clay an einer Buchhandlung vorbei, die damit wirbt, 24 Stunden am Tag geöffnet zu haben – und die eine Aushilfe für die Nachtschicht sucht. Er bekommt den Job. Von nun an arbeitet er von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in der „Buchhandlung Penumbra“.

Bereits relativ schnell wird Clay Jannon klar, dass irgendwas an dieser Buchhandlung nicht stimmt. Im vorderen Bereich des Ladens sind die Bücher untergebracht, die wirklich verkauft werden. Der nächtliche Umsatz mit diesen Büchern reicht allerdings hinten und vorne nicht, um auch nur Clays Lohn zahlen zu können.

Im hinteren Bereich befinden sich die „Ladenhüter“ wie Clay sie nennt. Bücher, von deren Autoren er niemals gehört hat, und in einer Aufmachung, die auf Unikate und/oder im Selbstverlag erschienene Werke hindeutet. Diese „Ladenhüter“ werden nicht verkauft, sondern verliehen. Häufig kommen kauzige Gestalten um einerseits einen Ladenhüter zurückzubringen und einen anderen neu auszuleihen.

Schließlich stellt sich heraus, dass diese kauzigen Gestalten versuchen, einen jahrhundertealten Code zu entschlüsseln, der sich in den Ladenhütern versteckt. Ein Code, der letztlich zur Unsterblichkeit führen soll…

Fazit: Eigentlich bin ich niemand, der ein Buch wegen des Covers kauft. Oder, sagen wir, nicht nur wegen des Covers. In diesem Fall war das anders: Wenn ein Buchtitel, so wie hier, das Wort „Buchhandlung“ enthält und auf dem Cover ein Bücherregal abgebildet ist, dann braucht man mir dieses Werk nicht mehr groß anzupreisen. Ich verfalle dann ganz von selbst in den „Shut-up-and-take-my-money“-Modus. Erwartet habe ich allerdings etwas ganz anderes…

Der Beginn des Buches lässt sich so gut wie erhofft an. Sloan hat eine lockere Schreibe und sein Protagonist Clay war mir von der ersten Seite an sympathisch. Nachdem sich herausstellt, dass ein jahrhundertealter Orden an der Entschlüsselung eines Codes arbeitet und auch Clay beschließt, sich daran zu beteiligen, verspricht das Buch eine geheimnisvolle Spannung. Nur leider biegt die Handlung an diesem Punkt irgendwie falsch ab…

Clay verliebt sich in die attraktive Kat und gemeinsam arbeiten beide an der Entschlüsselung der Codes. Kat jedoch arbeitet bei Google, daher findet die Arbeit am Code nicht in Kellern bei Kerzenschein unter Verwendung von Bleiftift und Papier statt, sondern am Monitor unter Verwendung von 3-D-Modellen, Grafik-Engines und Quellcodes. Spätestens hier stellt sich heraus: Wer ein bibliophiles Werk erwartet hat, der liegt mit „Die Buchhandlung des Mr. Penumbra“ gänzlich falsch. Es richtet sich eher an die Generaton Google. Folglich stellt Clay nach einer Erläuterung seines 3-D-Modells der Bibliothek klar: „Wen das jetzt beeindruckt, der ist über dreißig.“ (S. 59)

Im Laufe der Geschichte versäumt es der Autor dann auch nicht, Kats Arbeitsplatz, also Google, detailliert zu schildern. Dabei drängte sich mir als Leser dann irgendwann der Gedanke auf, bei „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ handele es sich um eine als Roman getarnte und von Sundar Pichai (CEO bei Google) in Auftrag gegebene Werbebroschüre für den Internetriesen. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Bevor aber der Eindruck entsteht, bei Robin Sloans Romandebüt würde es sich um ein schlechtes Buch handeln: Nein, das ist es wahrlich nicht. Ich hatte eben nur, wie eingangs erwähnt, eine andere Erwartungshaltung. Sloanes Schreibstil und seine Hauptfigur haben mich dennoch zum weiterlesen animiert und sollte ich dann irgendwann einmal über einen weiteren Roman dieses Autors stolpern, werde ich ihn sicherlich auch lesen. Allerdings würde ich mich freuen, wenn der nächste Roman nicht als Mogelpackung daherkommt.

Entgegen meinen Gewohnheiten möchte ich diese Rezension einmal mit meinem Lieblingszitat aus „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ abschließen: „Kat hat sich eine New York Times gekauft, aber nicht herausbekommen, wie man sie bedient, darum fummelt sie an ihrem Handy herum.“ (S. 158) 😉

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Humor: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Circle“ von Dave Eggers.

„Der Hof“ von Simon Beckett – Kommt da noch was…?

Buch: „Der Hof“ (2014)

Autor: Simon Beckett

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 458 Seiten

Der Autor: Simon Beckett ist ein 1960 in Sheffield, Großbritannien, geborener englischer Autor und Journalist. Nach seinem Master of Arts der englischen Sprache war er einige Jahre als Immobilienhändler tätig. Anschließend ging er als Spanisch- und Englischlehrer nach Spanien. Auch Tätigkeiten als Hausmeister und Schlagzeuger stehen bereits in seinem Lebenslauf. Seit 1992 arbeitete er als freiberuflicher Journalist und schrieb unter anderem für „The Times“, „The Independent on sunday“ und „The Observer“.

Im Rahmen journalistischer Recherchen bekam er die Chance, die sogenannte „Body Farm“ zu besuchen, eine wissenschaftliche Einrichtung der University of Tennessee, in der postmortale Veränderungen an Menschen, sprich: Verwesungsprozesse an Leichen, erforscht werden. Ein gut gemeinter Rat: Was immer ihr tut, googelt NICHT „body farm“, nach Ansicht einiger Fotos ist der Tag gelaufen, wirklich! Ich mein´s nur gut!

Dieser Besuch jedenfalls inspirierte ihn zu seinen Romanen um den Forensiker David Hunter. Mich hätte diese Erfahrung lediglich dazu inspiriert, mich ausgiebig zu übergeben und anschließend monatelang Albträume zu haben…

Seit 1994 hat Beckett insgesamt 10 Romane veröffentlicht, fünf davon im Rahmen seiner David-Hunter-Reihe. Seine Bücher wurden bislang über 8 Millionen Mal verkauft und in insgesamt 29 Sprachen übersetzt.

Beckett ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Hilary in Sheffield.

Das Buch: Inmitten eines brütend heißen Sommers kommt Sean in Frankreich an. Kurz bevor sein Auto endgültig den Geist aufgibt, lässt er es einfach in einem kleinen Wäldchen stehen, nimmt seinen Rucksack, und geht zu Fuß weiter. Plötzlich durchfährt ein glühender Schmerz sein Bein. Sean ist in ein Fangeisen getreten. Sämtliche Versuche, die Falle wieder loszuwerden, scheitern, die Metallzacken sitzen zu tief im Fuß. Frustriert gibt Sean auf und bereitet sich darauf vor, unter Schmerzen die Nacht an Ort und Stelle zu verbringen. Am nächsten Morgen hat Sean Fieber, sein Fuß ist entzündet. Irgendwann verliert er das Bewusstsein und erwacht Tage später auf dem Dachboden einer Scheune.

Er befindet sich auf dem Bauernhof von Arnaud, der dort mit seinen Töchtern Mathilde und Gretchen sowie Mathildes kleinem Sohn Michel wohnt. Bereits nach kurzer Zeit bemerkt Sean, dass irgendwas an dieser Familie und diesem Hof nicht stimmt. Warum schließen ihn seine Gastgeber nachts auf dem Dachboden ein? Wo ist der Vater von Mathildes Sohn? Warum sind die Menschen im Dorf zu schlecht auf Arnaud zu sprechen?

Nach einiger Zeit der Genesung macht ihm Arnaud ein Angebot: Sean kann weiter am Hof bleiben, wenn er dafür einige anfallende Arbeiten erledigt. Allen voran die mittendrin abgebrochenen Ausbesserungsarbeiten an den Mauern des Bauernhauses. Sean erklärt sich dazu bereit, nichtsahnend, wohin ihn diese Entscheidung führen wird. Allerdings weiß er auch nicht, wo er sonst hin sollte, denn Sean ist ebenfalls kein Unschuldslamm und auf der Flucht vor der englischen Polizei.

Fazit: Zu Beginn seiner Danksagung weist Beckett darauf hin, dass er für den Roman „Der Hof“, selbst für seine Verhältnisse, ungewöhnlich lang gebraucht habe. Da stellt sich mir sofort die Frage: Aber warum denn nur? Mit Recherchen kann er die Zeit nicht verbracht haben, für „Der Hof“ gibt es nichts zu recherchieren. Und die Geschichte selbst ist weder so sonderlich vielschichtig noch so spannend, als dass man daran endlos hätte feilen müssen. Um es also vorweg zu nehmen: „Der Hof“ hat mich mächtig enttäuscht.

Zu Beginn des Buches baut Beckett eine subtile, atmosphärische Spannung auf. Der verletzte Sean befindet sich auf einem Hof, auf dem offenbar nicht alles mit rechten Dingen zugeht und wo ziemlich verschrobene Menschen leben:

Arnaud, der Besitzer des Hofes und Vater von Mathilde und Gretchen, der seinen Grund und Boden mit Fangeisen und Schusswaffen verteidigt und sich völlig im Recht fühlt.

Gretchen, ein vorlautes junges Mädchen mit einem Hang zu spontanen Wut- und Gewaltausbrüchen, ohne sich später daran erinnern zu können, sowie wohl auch einem Hang zur Promiskuität. (Jedenfalls, sobald sich auf dem abgelegenen Gehöft mal die Gelegenheit dazu bietet)

Georges, der für Arnaud die Schweine hütet und sich für nichts, aber auch wirklich nichts anderes auf der Welt zu interessieren scheint.

Einzig Mathilde, Arnauds ältere Tochter, vermittelt so etwas wie Normalität.

Seans Ausgangsposition, verletzt und nahezu bewegungsunfähig inmitten von Menschen, die alle nicht so wirklich rund laufen, sorgt, wie gesagt, für eine subtile Spannung und düstere Stimmung, die an Stephen Kings „Misery“ erinnert – nur eben ohne Schriftsteller und Kathy Bates, dafür aber mit Bauernhof. Das war es aber leider auch schon. Auf etwa 400 Seiten passiert in der Folge erstmal nahezu nichts. Und zum Ende hin werden alle „Geheimnisse“, die der Hof und seine Bewohner zu verbergen hatten, dem Leser innerhalb von gerade mal guten 30 Seiten vor die Füße geworfen. Schade nur, dass man als halbwegs des Denkens fähiger Leser diese Geheimnisse zu großen Teilen bereits selbst erraten konnte.

Nein, dieses Buch von Simon Beckett weiß leider weder durch seine eindimensionalen Figuren noch durch seine schwache Handlung zu überzeugen. Einzig der Stil und die diffuse Hoffnung, dass die Handlung bald richtig beginnen möge, konnten mich dazu motivieren, es zügig zu lesen. Und kaum beginnt die Handlung richtig, ist sie auch schon vorbei…

Der schon erwähnte Stephen King hätte an seinen guten Tagen eine höchstens 100 Seiten umfassende und sehr spannende Geschichte aus „Der Hof“ gemacht. (Gut, an schlechten Tagen hätte er daraus ein Epos mit 12 Bänden und 24000 Seiten sowie einer Art Cameo-Auftritt des Mannes in Schwarz gemacht…) Und auch Beckett hätte es gut getan, wenn er den Umfang des Romans einfach ein wenig eingedampft hätte.

Die lange Zeit, die er für das Buch gebraucht hat, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass er monatelang darüber nachgedacht hat, wie ,zum Geier, er daraus bitte eine spannende Geschichte machen soll. Und kaum ist es ihm eingefallen, nahte auch schon der Abgabetermin, so dass er eben noch schnell 30 Seiten hingeschludert hat. Aber das ist nur meine Theorie…

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 5,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan. Ein Romandebüt.

„Um Leben und Tod“ von Michael Robotham – Schnörkelloser Thriller

Buch: „Um Leben und Tod“ (2015)

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 475 Seiten

Der Autor: Michael Robotham, geboren 1960 in New South Wales, ist ein australischer Schriftsteller. Er arbeitete in Sydney als Journalist und ging später nach London, wo er unter anderem für „The Daily Telegraph“, „Daily Mail“ und „Sunday Times“ schrieb. 1993 verabschiedete er sich vom Jounalistendasein und schrieb stattdessen als Ghostwriter Biografien für Prominente, unter anderem für Geri Halliwell. Die Älteren werden sich erinnern: Spice Girls, „Girl Power“ und so! Na ja… Durch den Erfolg der von ihm verfassten Biografien ermutigt, entschloss sich Robotham zum Wechsel in die fiktive Literatur. Im Jahr 2005 erschien sein erster Roman „Adrenalin“ (engl. „The suspect“) und wurde ein großer Erfolg. Seitdem erschienen noch neun weitere Romane, häufig mit dem Psychologen Joe O´Loughlin und dem Detective Inspector Vincent Ruiz als Protagonisten. Diese beiden tauchen in „Um Leben und Tod“ allerdings nicht auf.

Robotham lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Avalon bei Sydney.

Das Buch: Seit nunmehr 10 Jahren sitzt Audie Palmer im Gefängnis. Er wurde damals wegen eines bewaffneten Überfalls auf einen Geldtransporter verurteilt, bei dem vier Menschen ums Leben kamen und sieben Millionen Dollar spurlos verschwanden. Jeder Häftling geht davon aus, dass Audie weiß, wo sich das Geld befindet. Deshalb geht er im Gefängnis durch die Hölle. Die Mithäftlinge drangsalieren und schikanieren ihn, er wird verprügelt und mit dem Tode bedroht. Alles, damit er das Versteck der Beute verrät. Audie jedoch erträgt die Qualen stoisch und schweigt.

Nach 10 Jahren soll er endlich entlassen werden. Und was tut Audie? Wenige Stunden vor seiner offiziellen Entlassung bricht er aus dem Gefängnis aus! Die Aufregung ist groß, und niemand kann sich einen Reim darauf machen, was Audie Palmer vor hat.

Das FBI schaltet sich in den Fall ein und beauftragt Special Agent Desiree Furness damit, Palmer wieder einzufangen.

Aber nicht nur die Polizeibehörden haben ein Interesse daran, dass Audie wieder festgenommen wird. Zwielichtige Typen sorgen für die Freilassung von Moss Webster, Audies lebenslang inhaftierten Zellennachbarn. Moss wird eine Begnadigung in Aussicht gestellt, wenn er Audie Palmer vor Special Agent Furness findet.

Die Jagd auf Audie und die verschwundenen sieben Millionen Dollar beginnt…

Fazit: Im Gespräch mit der Buchhändlerin meines Vetrauen plauderten wir darüber, dass Frank Schätzings „Breaking News“ mittlerweile als Taschenbuch erschienen ist, ich aber mit Schrecken feststellen musste, dass ich die damals zum Veröffentlichungsdatum gekaufte gebundene Fassung noch immer nicht durchgelesen habe. Genau wie den Vorgänger „Limit“! Der Grund: Einfach zu viel Text! Und wenn ich das schon sage, dann muss das was heißen! Besagte Buchhändlerin reagierte umgehend, griff zu „Um Leben und Tod“ und sagte sinngemäß: „Dann sollten Sie das hier lesen, der hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf.“ Ja, sie hatte recht. Also, nun weg von Schätzing, hin zu Robotham:

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie die Bücher dieses Autors über zehn Jahre so völlig an mir vorbei gehen konnten. Ich sollte mich schämen, gelobe aber Besserung! 😉

Nach Audies Flucht teilt der Autor die Handlung in mehrere Stränge auf. So erfährt der Leser unter anderem in Rückblenden mehr über die Vergangenheit von Audie Palmer und stellt sich zunehmend deutlicher die Frage, wie aus diesem jungen, friedvollen Mann, der von seinem Zellennachbarn als „eine Mischung aus Gandalf und Yoda“ bezeichnet wird, ein verurteilter Schwerverbrecher werden konnte. Denn eigentlich ist Audie ein harmloser Mensch, der erfolgreich studiert und versucht, sich ein ebenso erfolgreiches Leben aufzubauen. Dann jedoch kommt alles anders. Mit Audie Palmer ist Robotham ein Protagonist gelungen, der zu Herzen geht und mit dem man mit leidet.

Er ist glücklicherweise nicht der einzige Charakter, der mich überzeugen konnte. Special Agent Desiree Furness gefällt mir ebenfalls. Mit gerade mal 1,50 m Größe muss sie öfter Sprüche über sich ergehen lassen wie: „Waren Sie nicht in „Herr der Ringe“? 😉 Desiree erträgt das alles mit Geduld und erfrischendem Sarkasmus.

Der Stil des Buches erinnerte mich durchgehend an Bücher von John Katzenbach. Wer weiß, dass ich so ziemlich alle Bücher von Katzenbach sehr gut finde, der kann erahnen, dass die Erzählweise dann ebenfalls meine völlige Zustimmung findet.

Neben diesen ganzen Pluspunkten kann „Um Leben und Tod“ besonders in der wichtigsten Kategorie punkten: Mit der Handlung. Zu den erwähnten Fragen des Lesers, wie Audie letztlich trotz seines soliden Lebenswandels im Gefängnis landen konnte, kommen im Laufe der Zeit eine Fülle weiterer Fragen: Was genau ist damals bei dem Raubüberfall eigentlich passiert? War Audie wirklich daran beteiligt? Und welche Rolle spielte sein Bruder Carl bei den Ereignissen? Und so weiter und so fort. Letztlich natürlich noch die Frage: Wohin ist das Geld verschwunden?

Während man im Laufe des Buches die Lösung auf einige dieser Fragen bereits erahnen kann, bleibt immer noch genug im Dunkel verborgen, um die Spannung bis zum Ende des Buches aufrecht zu erhalten.

Alles in allem: Von den Thrillern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ist „Um Leben und Tod“ einer der besseren.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Hof“ von Simon Beckett. Eigentlich hätte ich ja mal wieder Lust auf ein richtig schlechtes Buch, um es nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen zu können! 😉 „Der Hof“ wird aber wahrscheinlich kein solcher Kandidat sein. Beckett geht nämlich eigentlich immer! Wir werden sehen…