Freitagsfragen # 61

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog gehen in ihre einundsechzigste Runde. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist Dein Geheimtipp gegen Erkältung?

Ich bin erfreulich selten erkältet, meine Tipps halten sich deshalb in Grenzen. Bettruhe, viel Flüssigkeit und, je nach Aufmerksamkeitsgrad des Erkrankten, ein Buch wären Dinge, die ich empfehlen könnte. So außergewöhnlich sind die jetzt aber nicht.

Hm, ich überlege gerade, ob das mit den seltenen Erkältungen auch auf andere Personen zutrifft. Sehen wir mal nach:

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der „Fate LLP“. Aus dem Büro des Eigentümers und Geschäftsführers S. Atan dringen Klänge von Arthur Brown in ohrenbetäubender Lautstärke. Der Chef des Unternehmens hat ganz offensichtlich etwas zu feiern.

„I AM THE GOD OF HELLFIRE! AND I BRING YOU!
FIRE! DADADAAA! I´LL TAKE YOU TO BURN …“

grölt der Geschäftsführer und hüpft Luftgitarre spielend im Stile von Angus Young einbeinig über den schmucklosen Schamottesteinboden. Ein Kunststück, das aufgrund der geringeren Traktion von Klauenfüßen nicht zu unterschätzen ist.

„FIRE! I´LL TAKE YOU TO LEARN“

Dann plötzlich verstummt die Musik. S. Atan verharrt, in Luftgitarrenpose, mit einem Bein in der Luft, und sieht sich irritiert im Raum um.

„Hallo, Chef! Was, ähm, was machen Sie da?“

„LÜBKE? Ernsthaft, jetzt? Sie passen nicht genug auf, es steht nämlich im Einleitungstext: Ich habe „ganz offensichtlich etwas zu feiern“! Abgesehen davon: Das hier ist nie passiert!“

„Geht klar, Chef!“

„Gegenfrage, Lübke: Was machen SIE eigentlich HIER? Ich kann mich nicht entsinnen, Sie gerufen zu haben!?“

„Ich möchte mich krank melden, Chef, ich habe mich erkältet …“

„Sie haben WAS? Sich erkältet? Hier? Scheiße, Mann, Lübke, das hier ist die Hölle! Hier ist es extrem warm – auch wenn man zugeben muss, dass es wenigstens eine trockene Hitze ist.“

„Wie auch immer, Chef, so bin ich nicht arbeitsfähig.“

„Papperlapapp, Lübke. Stellen Sie sich nicht so an. Machen Sie sich ein Schwitzbad, dann kommt das ganz schnell wieder in Ordnung. Außerdem gibt es etwas zu feiern. Setzen Sie sich, nehmen Sie sich etwas zu trinken, es ist alles da: Schierker Feuerstein, Basaltsfeuer, Feuerzangenbowle …“

„Was feiern wir denn?“

„Ah, jetzt kommen Sie zum Kern der Sache. Wir feiern, dass es anderen Menschen schlechter geht als Ihnen und es niemand mitbekommt. Nehmen wir nur mal hier diesen Reisswolfblog-Spinner.“,

plaudert S. Atan freundlich vor sich hin und greift sich eine Akte.

„Seit Einstellung dieses neuen Sachbearbeiters, dieses, na, Dingens, wie hieß er noch, Lübke?

„Vlad Tepes, Chef.“

„Wie auch immer. Jedenfalls seit Einstellung dieses Typen läuft die Berabeitung der Akte wie am Schnürchen. Nehmen Sie nur mal seine Mobilitätssituation. Sein Auto ist hin, ein Familienmitglied springt ein. Guess what? Dessen Auto ist jetzt auch hin. Der Reisswolfblog-Spinner musste in dieser Woche mehrfach mit seinem Chef mitfahren! ICH KRIEG MICH NICHT MEHR EIN!“

freut sich S. Atan und bricht in derart diabolisches Gelächter aus, dass mehrere Etagen höher einige antike, griechische Säulen bedenklich ins Wanken geraten.

„Und dann das, was diese Woche noch so passiert ist. Das alles hat dem Reisswolfblog-Spinner – mutmaßlich auch seinem Blutdruck – wieder schwer zu schaffen gemacht. Vor allem deswegen, weil es niemand mitzubekommen scheint. Und das, Lübke, das spielt uns in die Karten, aber dazu später. Jedenfalls, warum hat das niemand mitbekommen? Weil sich die ganze Medienlandschaft landauf, landab scheinbar nur noch um diesen Verfasssungshoschi gekümmert hat!“

„Hans-Georg Maaßen?“

„Ich bleibe bei Verfassungshoschi, ich hab seinen Namen in den letzten Wochen zu oft gehört. Und so geht es eben auch anderen. Einerseits führt das dann zu einer Situation wie am, lassen Sie mich lügen, ich glaube es war Mittwoch, als Frau Lufen in diesem unsäglichen Sat 1-Frühstücksgedöns …“

„Sie sehen sich das Frühprogramm von Sat 1 an?“

SCHNAUZE, LÜBKE! Jedenfalls, da fragt die doch tatsächlich sinngemäß: „Warum sollte mich das interessieren? Gibt es nicht Wichtigeres, womit man sich beschäftigen könnte?“ Alter! Klar, Frau Lufen, wenn Ihnen scheißegal ist, wer in Deutschland für die Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zuständig ist, dann kann einem das egal sein. Dann kann man aber auch gleich den Höcke auf den Posten setzen!“

„Chef, ich …“

„Schnauze, Lübke, jetzt rede ich. Und das dauert noch ´ne Weile, nehmen Sie sich noch etwas zu trinken. Jedenfalls, das, was die da bei Sat 1 machten, war journalistischer Whataboutism. Das muss man erst mal auf die Reihe kriegen! Den Leuten das Gefühl geben, dass die Kanzlerin, der Innenminister und die SPD-Vorsitzende die Einzigen sind, die irgendwie regieren, oder was immer die da oben auch machen und wenn die sich mal zwei Wochen über eine Personalie streiten, dann steht alles still. Das stimmt doch so einfach nicht!“

„Mag sein, Chef, aber ich erinnere daran, dass Sie auch über diesen Maaßen geschimpft haben.“

„Ja, habe ich. Und zwar aus einem einfachen Grund. Weil der Mann einfach kurz und bündig aus seinem Amt hätte entfernt werden müssen. Und zwar nicht, um befördert zu werden, verdammte Axt. Fragen Sie mal den Reisswolfblog-Spinner. Wenn der das neue Monatsgehalt von diesem Verfassungshoschi mit seinem eigenen Jahresgehalt vergleicht, kriegt er Schnappatmung.“

„Der arbeitet auch nur 30 Stunden …“

„Ach, papperlapapp. Aber da wir schon bei dem Reisswolfblog-Typen sind: Wissen Sie, was ihn am meisten am Verfassungsschutzhoschi aufgeregt hat? Dass das ganze Thema von der Wahrnehmung anderer Dinge ablenkt. Und zwar besser, als eine Fußball-WM das jemals könnte. Ich persönlich, ich finde das großartig! Hier sehen Sie sich mal die Zeitungen der letzten Woche an:

Am letzten Wochenende Berichterstattung über den Bau des größten türkischen Flughafens. 40.000 Menschen arbeiten da. Und das, wie man hört,  unter teils menschenunwürdigen Bedingungen und Sicherheitsvorkehrungen. Angeblich 300 Tote in den letzten vier Jahren Bauzeit. Aber die begehren nur sehr selten auf. Warum? Weil viele Immigranten unter den Arbeitern sind, die Angst haben den Job zu verlieren und ausgewiesen zu werden.

Nun haben sie aber doch mal gestreikt. Und was ist passiert? Man ist mit Wasserwerfern angerückt und hat Türen von Unterkünften eingetreten und 500 Leute festgenommen. 500!

„Ja, aber wenn die nicht arbeiten …“

„Scheiße, Lübke, sogar beim ersten Streik der Weltgeschichte ist man anders vorgegangen. Beim Streik von Deir el-Medineh im Jahre 1159 vor, ähm, vor …“

„Vor was, Chef?“

„Na, vor dem dessen Name hier nicht genannt werden soll!“

„Horst Seehofer?“

„Werden Sie nicht albern, Lübke! Jedenfalls, damals haben die Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Und was haben Sie bekommen?“

„Schläge?“

„Nein, Brot! Schläge bekamen Sie über 3.000 Jahre später in der Türkei. Wie die Zivilisation doch voranschreitet …

Oder hier: Nachrichten vom Dienstag. 10.000 Tote Rohingya im letzten Jahr bei der Vertreibung von 750.000 Menschen aus Myanmar nach Bangladesch! Sagen die Vereinten Nationen. Diese sehen Kriterien zur Einstufung als Völkermord erfüllt. Das interessiert hier aber keine Sau! Sind ja auch Musl…“

„Chef, bitte! Man hat ja auch seine eigenen Prob …“

„Ja, sicher hat man seine eigenen Probleme, aber wenn man sich medial zwei Wochen nur mit dem Fehlverhalten eines einzelnen Beamten beschäftigt, hat man aber auch gar nicht mehr die Muße, sich um andere Probleme zu kümmern.“

„Irgendwie klingt das auch nach whataboutism. Und Sie klingen, wie dieser Reisswolfblog-Spinner selbst.“

„Papperlapapp! Ich wiederhole: ICH freue mich darüber. Und es ist kein whataboutism, weil der Spinner ja nicht sagt, man solle sich lieber um andere Dinge kümmern, sondern nur, dass die Wahnehmung für andere Dinge erschwert wird. Beispielsweise die Entwicklung der Migration. Alle freuen sich, weil die Zuwanderungszahlen sich wieder auf dem Stand von vor 2015 einpendeln, aber niemand fragt, warum das so ist. Na, unter anderem deshalb, weil die EU-Grenze jetzt quasi zwischen Algerien und Niger liegt. Es gab früher eine  Unzahl an Menschen aus dem Niger, die in Algerien gearbeitet haben. Bei einem Monatseinkommen von 27,80 € im Monat, das man im Niger hat, würde ich so etwas auch tun.

Jetzt werden Arbeiter zu Hunderten bzw. Tausenden eingesammelt, zusammen mit Menschen aus allen möglichen Staaten, die wirklich nach Europa wollten und werden in den Niger zurückgebracht. Allerdings nur die, die auch die Staatsangehörigkeit des Niger vorweisen können. Die anderen werden im Grenzgebiet Algerien/Niger ausgesetzt und müssen laufen. Mehrere Kilometer durch die Wüste, 15 bis 20 sagt man. Es soll zahlreiche Tote in der Vergangenheit auf diesen Märschen gegeben haben.

Und die EU zahlt dafür teuer Geld!

Aber wissen Sie was, Lübke?“

„Was denn, Chef?“

„Ich finde das super! Die Menschheit geht nämlich vor die Hunde. Und dann schlägt unsere Stunde. Wir werden die Weltherrschaft an uns reißen und dann hat der, dessen Name hier nicht gesagt werden darf …

„Markus Söder?“

„SCHNAUZE, LÜBKE! Wo war ich? Ach ja: Dann hat der, dessen Name hier nicht genannt werden darf endlich ausgedient und ein neues Zeitalter bricht an. Und die ersten Anzeichen dafür kann man schon statistisch nachweisen. Hier, eine Studie des Allenbach-Instituts über die Deutschen zwischen 30 und 59 Jahren. Demnach ist bei denen das Vertrauen in die politische Stabilität Deutschlands in den letzten drei Jahren von 49 auf 27 Prozent eingebrochen.“

„Ich finde schon 49 nicht viel …“

„Eben. Aber Prozentwerte sind immer relativ. Im Wahlkreis des Reisswolfblog-Spinners beispielsweise waren kürzlich Landratswahlen. Es gab nur einen Kandidaten und die Wahlbeteiligung lag unter 23 %. Das hat ein lokaler Politiker sinngemäß als erfreuliche Wahlbeteiligung bezeichnet!“

„Oha…“

„So isses! Jedenfalls laut dieser Umfrage bezeichnen zwei Drittel der Gruppe den gesellschaftlichen Zusammenhalt als schwach oder sehr schwach, die Gesellschaft sei insgesamt materialistischer, egoistischer und intoleranter geworden. Und DA müssen wir ansetzen, Lübke. DEN Eindruck müssen wir verstärken. Bis die Anhänger der einfachen Wahrheiten, die Demagogen und die „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber“-Typen gewonnen haben, denn dann Lübke, dann gewinnen auch wir.

Und DAS, das feiere ich schon mal Lübke!“

„Hmmm…“

„Was denn, Lübke?“

„Stand heute nichts Interessantes in der Zeitung?“

„Doch, Ernie und Bert, die …“

„Nicht DAS!

„Na gut, dannn … ach so, ja, hier: „Maroon 5“ soll die Halbzeitshow beim Super Bowl spielen! „Maroon 5“!!! Hätte es nicht etwas mit ein WENIG mehr Wumms sein können?

„Megadeth!“

„Ja, zum Beispiel. Dave Mustaine ist genau die Art von Drecksack, die unserer Sache helfen könnte. Und jetzt raus, Lübke. Nehmen Sie ein Schwitzbad, dann sind sie bald wieder in Ordnung!“

Lübke verlässt den Raum und drückt im Vorbeigehen auf „Play“, S Atan beginnt wieder zu grölen.

„DAS IST WAHNSINN! WARUM SCHICKST DU MICH IN DIE HÖLLE? HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE!“

 

2.) Was hat Deinen Lieblingslehrer oder Deine Lieblingslehrerin ausgemacht?

Meine Lieblingslehrer waren in erster Linie mein LK-Lehrer in Geschichte und Deutsch, sowie meine Gemeinschaftskundelehrerin in der Oberstufe. Ersterer hatte eine besondere Art von Humor, manchmal etwas bösartig, aber immer brüllend komisch. Zweiterer hat es mit einer insgesamt guten Auswahl an Literatur in der Oberstufe geschafft – trotz Christa Wolf -, meine Leidenschaft fürs Lesen noch zu verstärken und Letztere war zwar im menschlichen Umgang etwas schwierig, hat mir aber beigebracht, dass es immer mindestens zwei Sichtweisen auf einen Sachverhalt gibt und dass man skeptisch werden sollte, wenn jemand simple Lösungen für komplexe Probleme präsentiert.

3.) Denkst Du bereits über Weihnachtsgeschenke nach?

Ich denke im Allgemeinen so etwa in den Nachmittagsstunden des 23.12. eines jeden Jahres über Geschenke nach. Gut, ganz so schlimm ist es nicht, aber ich bin trotzdem immer eher spät dran. Ich bin auch kein guter Schenker, es sei denn, ich bin der Meinung, mir ist etwas wirklich Gutes eingefallen, was ungefähr alle fünf Jahre der Fall ist.

4.) Die Wahl der Qual: Mit etwas Peinlichem in die Lokalzeitung kommen oder von allen zum Geburtstag vergessen werden?

Ich bin zwar gerne auf Geburtstagen, allerdings nur, wenn es nicht mein eigener ist. Insofern würde ich mir zwar sicherlich Fragen stellen, aber hätte auch nichts dagegen, wenn man diesen Tag einfach mal ganz normal verbringen könnte. Peinlichkeiten in der Öffentlichkeit verbreitet sehen ist eher nicht so meins. Andererseits: Wer liest heuzutage schon noch Tageszeitungen! ;-) Ach, ich nehme mal beides.

 

Das war es auch schon wieder, liebe Leserinnen und Leser,

ich wünsche noch einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein augenscheinlich herbstliches Wochenende. Und bevor jetzt jemand sagt: „Ach, wir hatten aber auch lang genug Sommer jetzt!“ – Nein, hatten wir nicht! :-)

Gehabt euch wohl!

„Operation Zagreb“ von Philip Kerr – Long time no see

Buch: Operation Zagreb

Autor: Philip Kerr

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Taschenbuch, 508 Seiten

Der Autor: Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren. 1989 erschien sein erster Roman «Feuer in Berlin». Aus dem Debüt entwickelte sich die Serie um den Privatdetektiv Bernhard Gunther. Diese Reihe führte Kerr mit «Das Janus-Projekt», «Das letzte Experiment», «Die Adlon-Verschwörung», «Mission Walhalla», «Böhmisches Blut», «Wolfshunger», «Operation Zagreb» und «Kalter Frieden» fort. Für «Die Adlon-Verschwörung» gewann Philip Kerr den weltweit höchstdotierten Krimipreis der spanischen Mediengruppe RBA und den renommierten Ellis-Peters-Award. Seit 2004 schrieb er als P. B. Kerr an der Fantasy-Kinderbuch-Serie «Die Kinder des Dschinn» und eroberte damit auch das jugendliche Publikum.

Philip Kerr starb am 23. März 2018 in London. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: Sommer 1942: Bernie Gunther arbeitet wieder im Polizeipräsidium am Alex in Berlin. Im Windschatten des Krieges fühlen sich die Verbrecher sicher, und Bernie hat besonders viel zu tun. Ein Befehl von Propagandaminister Goebbels zwingt ihn, in geheimer Mission nach Zagreb zu reisen. Er soll den Vater von Goebbelsʼ Lieblingsschauspielerin Dalia Dresner finden – einen brutalen Schlächter, der sich der rechtsextremen Ustascha angeschlossen hat. Doch dann verschwindet Dalia selbst, und Bernie muss sie unbedingt wiederfinden. Denn der Propagandaminister erträgt es nicht, wenn etwas nicht seinem Willen gehorcht … (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Lang, lang ist es her, seit ich Philip Kerrs „Berlin-Trilogie“ gelesen habe, in der zum ersten Mal Kerrs Protagonist Bernhard „Bernie“ Gunther auftauchte. Ich erinnere mich, diesen Dreiteiler absolut großartig gefunden zu haben. Dennoch verlor ich das Schaffen des britischen Schriftstellers für viele Jahre weitgehend aus den Augen. Erst mit „Die Hand Gottes“ – eine Art Fußball-Krimi – hatte ich ihn wieder auf dem Schirm. Und das wiederum hätte ich mir durchaus ersparen können, weil das so ziemlich einzige Highlight des Buches ein Gag war, in dem Kerr Sokrates´ Leeren des Schierlingsbechers mit einem verschossen Elfmeter von Olympiakos in Verbindung bringt, aber das zu erklären würde jetzt zu weit führen …

Nun stolperte ich unlängst mit „Operation Zagreb“ aber doch mal wieder über eines seiner Bücher und habe den Kauf desselben nicht eine Sekunde bereut.

Eigentlich gibt es in jedem Bereich etwas, wofür man den Schriftsteller loben kann. Beispielsweise für seine Charaktere, allen voran natürlich seinen Protagonisten Bernie Gunther, der ein Wunderwerk an Zynismus und Sarkasmus darstellt, mir damit aber, anders als – ja, ich muss es erneut erwähnen – skandinavische Ermittler nicht auf die Nerven geht. Gunther lebt und arbeitet in einem Umfeld – Deutschland zum Zeitpunkt des Zweiten Weltkriegs – in dem einem mittelfristig wohl nichts anderes übrig bleibt, als Zyniker zu werden.

Und dieser Bernie Gunther ist es auch, durch den Philip Kerr es beeindruckend schafft, in seiner Handlung einen Mittelweg aus Dramatik und Humor zu finden. Natürlich enthält der Roman reihenweise Szenen, die nichts für Zartbesaitete sind, ohne die erzählte Gewalt allerdings zu zelebrieren oder als Mittel zum Zweck einzusetzen. Wenn man bedenkt, in welchem Handlungsrahmen der Autor seinen Roman spielen lässt, dann ist selbiger noch vergleichsweise unblutig. Na ja, fast.

Damit der Leser nicht gänzlich in Schwermut versinkt, springt immer wieder Bernie Gunther in die Bresche. Nun muss man dessen Humor natürlich mögen. Wenn er beispielsweise zu einem Autoren aus der Schweiz, der von sich behauptet, eigentlich immer an irgendeinem Buch zu schreiben, sinngemäß sagt, dass das gut sei, denn Deutschland benötige ja gerade einen stetigen Nachschub an Büchern, schließlich verbrenne man die hierzulande im Moment so gerne, dann finde ich das persönlich komisch, kann aber verstehen, wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Wer diese Art mag, für den dürfte Gunther so eine Art Nonplusultra der Ermittlerfiguren darstellen.

Die Handlung ist zwar teils komplex, dürfte aber niemanden überfordern. Ich habe mich eine ganze Weile gefragt, wie denn nun ein bestimmter Handlungsstrang mit dem Gesamtkonstrukt zusammenhängt, aber das ist genau genommen kein schlechtes Zeichen. Viel in dieser Handlung lebt, weiter oben erwähnte ich das schon, von der Stimmung, die der Roman verbreitet. Und diese erinnert über weite Strecken an Romane, die Krimifachleute wahrscheinlich „Roman Noir“, „hardboiled“, „Noir Fiction“ oder etwas Ähnliches nennen würden. Und auch da gilt: Das muss man mögen. Mein persönlicher Geschmack ist das Genre eigentlich gar nicht, hier hat es für mich aber dankenswerterweise funktioniert.

Inhaltlich möchte ich über die Handlung gar nicht so viel sagen. Unter anderem, weil es mir augenscheinlich auch nicht gelingen würde, das ohne nennenswerte Spoiler zu tun …

Deshalb belassen wir es bei: Wer tragikomische Krimis mag, die vielleicht manchmal etwas düster erscheinen und mit einem einem Protagonisten aufwarten, der laut „Spiegel“ „einen der schillerndsten Helden der Krimiliteratur“ darstellen und wer dazu noch ein wenig historisches Interesse mitbringt, der liegt mit „Operation Zagreb“ ziemlich richtig.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stimmung: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Erbe der Sterne“ von James P. Hogan. Endlich mal wieder Science-Fiction.

„Der Hirte“ von Ingar Johnsrud – Keep it simple, stupid!

Buch: „Der Hirte“

Autor: Ingar Johnsrud

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Paperback, 510 Seiten

Der Autor: Ingar Johnsrud, Jahrgang 1974, wuchs in Holmestrand auf. Er studierte Film- und Medienwissenschaften und arbeitete fünfzehn Jahre als Journalist bei einem der größten norwegischen Medienunternehmen. Sein erster Thriller, »Der Hirte«, wurde als bestes Krimidebüt für den Maurits Hansen Prisen nominiert und eroberte international die Bestsellerlisten. (Quelle: Blanvalet)

Das Buch: Die Tochter der einflussreichen Politikerin Kari Lise Wetre wird vermisst – ein Routinefall für Hauptkommissar Fredrik Beier. Doch kurz darauf wird Beier nach Solro beordert, einem alten Hof vor den Toren Oslos. Fünf Männer wurden auf dem Sitz der christlichen Sekte »Gottes Licht« grausam getötet. Das Gelände des Hofs ist ausgestattet wie ein Hochsicherheitstrakt, und im Keller des Gebäudes stoßen die Ermittler auf ein Labor, das auf erschreckende Experimente hinweist. Von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur, unter ihnen die vermisste Annette Wetre …(Quelle: Blanvalet)

Fazit: Der von mir insbesondere wegen seines Buches „Blackout“ geschätzte Autor Marc Elsberg sagt über „Der Hirte“:

„Der cleverste Skandinavier, den ich seit Jahren gelesen habe.“

Und das „Stavanger Aftenbladet“ urteilt gar:

„Wenn „Der Hirte“ auf seinen Höhepunkt zuläuft, sollte man die Zähne zusammenbeißen und sich konzentrieren. Johnsrud beherrscht sein Handwerk auf beeindruckende Weise“.

Das kann man nun sicherlich so sehen – muss man aber nicht. Ob es sich dabei um den „cleversten Skandinavier“ handelt, mag ich nicht beurteilen, allerdings sei mir gestattet, zu erwähnen, dass aus meiner Sicht – nichts für ungut, liebe Skandinavier – die diesbezügliche Messlatte auch nicht sooo hoch liegt.

Aber versuchen wir mal kurz, sachlich zu werden.

Als ich zu „Der Hirte“ griff, vermutete ich, eine Handlung vor mir zu haben, die im weitesten Sinne an die spinnerten „Branch Davidians“ um ihren Oberhoschi David Koresh erinnert  – die Älteren werden sich an den Sturm auf das Sektenhauptquartier durch das FBI erinnern. Leider bekam ich noch viel mehr. Leider deshalb, weil auch für „Der Hirte“ die Maxime geholfen hätte: „Weniger ist mehr.“

Die Probleme, die ich mit „Der Hirte“ hatte, liegen zumindest nicht im stilistischen Bereich. Johnsrud schreibt gefällig, überfordert die Leserschaft nicht, die Dialoge wirken nicht aufgesetzt, im Grunde ist in diesem Bereich also alles in Ordnung. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass es einige Szenen expliziter Gewaltdarstellungen gibt, die nichts für Zartbesaitete sind, was ich nicht als Triggerwarnung verstanden wissen möchte, weil ich nichts von Triggerwarnungen halte. Mir geht es eher darum, dass ich wenig Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung habe, wenn ein Buch das konsequent durchzieht. Dann kann ich anschließend wenigstens sagen: „Das ist mir zu heftig, aber wer es mag …“. In „Der Hirte“ allerdings wirken diese Szenen aufgesetzt, billig, überflüssig sowie – und das ist das Schlimmste – effektheischend. Das ist das eigentliche Problem, das ich damit habe.

Abseits des Stils gefällt mir eigentlich auch die Form, in der Johnsrud seinen Thriller erzählt. In regelmäßigen Rückblenden schildert er Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus, die – und das ist kein Spoiler – ihre Folgen bis in unsere Zeit und die Ermittlungen von Hauptkommissar Beier haben. Allerdings beginnt schon damit die zentrale Schwierigkeit des Buches. Dazu später mehr.

Hinsichtlich der Charaktere dürfte es klar sein, dass wir als ermittelnden Hauptkommissar und Protagonisten keinen jungen, enthusiastischen, idealistischen, freundlichen und allgemein mit sich und der Welt im Reinen befindlichen Morgenmenschen mit Hang zur guten Laune haben, schließlich handelt es sich um einen skandinavischen Thriller. Aber insgesamt wirkt Fredrik Beier sogar noch  ganz überzeugend, auch wenn er nicht wirklich das Zeug zum Sympathieträger hat. Sehr gut gefallen hat mir dagegen seine Kollegin Kafa Iqbal. Eine Einschätzung, die ich mit dem Autoren teile, der über diese Figur sagt: „Als junge Muslima in einer männlich dominierten Polizeiwelt mit einem Background beim Nachrichtendienst stellt sowohl ihr Privat- als auch ihr Berufsleben ein Minenfeld aus Verpflichtungen, Erwartungen und Enttäuschungen dar. Sie ist eine starke Figur, die letztendlich weiß, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen kann.“ (Quelle: Blanvalet) Besser hätte ich es selbst nicht zusammenfassen können.

Kommen wir nun zum eigentlichen Problem des Buches, nämlich zum Plot, wie man heute so unschön neudeutsch sagt. Johnsruds Thriller beinhaltet eine Unmenge an Themen: Die Rassenideologie der Nazizeit, Experimente an Menschen, Terrorismus und Islamismus, Ränke innerhalb der Polizeibehörde, Sektenkulte und was weiß ich sonst nicht noch alles. Und dabei verliert der Leser sehr leicht den eigentlichen roten Faden aus den Augen, fragt sich, wie das Ganze denn nun zusammenhängen soll, bekommt eine Reihe offener Fragen nicht beantwortet – was mit Müh und Not noch damit begründet werden kann, dass es sich bei „Der Hirte“ um den ersten Teil einer Trilogie handelt -, und bleibt letztlich im Dickicht der Handlungsstränge und angeschnittenen Themen hängen auf der Suche nach einem Ausweg.

Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen und insgesamt ist diese überladene Handlung auch der Grund, warum ich die Reihe um Hauptkommissar Beier mit Sicherheit nicht weiter verfolgen werden.

Wertung:

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Handlung: 5 von 10 Punkten

Spannung: 5,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Operation Zagreb“ von Philipp Kerr.

Freitagsfragen #60

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

das Wochenende steht kurz bevor, die Freitagsfragen im Brüllmausblog harren ihrer Beantwortung. Gehen wir also gleich in medias res.

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Worüber denkst Du zur Zeit oft nach?

Über vieles, aber in erster Linie darüber, wie es dazu kommen konnte, dass mein Jahr 2018 fast in jeglicher Hinsicht und über weite Strecken beschissen ist. Ich habe da so eine Theorie:

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“. Der Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan, von seiner Belegschaft hinter seinem Rücken liebevoll „Horny“ genannt, hat seine Klauenfüße entspannt auf seinem Schreibtisch drapiert und blättert amüsiert durch eine Akte.

„LÜBKE!“

Das speichelleckende, schlüpfrige Scheißerchen namens Lübke, das in der „Fate LLP“ den Posten des Assistenten der Geschäftsführung und des Prokuristen inne hat, betritt wuselnd das Büro seines Chefs.

„Ja, Chef?“

„Lübke, ich bin stolz auf Sie! Der neue Sachbearbeiter dieses Reisswolfblog-Spinners scheint ein Meister seines Fachs zu sein. Was natürlich auch auf mich zurückfällt. „Holen Sie mir den Lutz Bachmann“, habe ich gesagt. Und zack, kaum ist er da, läuft die Bearbeitung auf Hochtouren! Bin ich gut? Ich bin gut!“

„Mit Verlaub, Chef, aber der neue Bearbeiter der Akte ist nicht Lutz Bachmann …“

„WAS? Aber ich habe Ihnen doch gesagt …“

„Ich weiß, was Sie gesagt haben, Chef, aber Bachmann war halt einfach nicht zu kriegen.“

„WARUM?“

„Nun, in erster Linie, weil er noch lebt! Wie ich Ihnen letzte Woche sagte, verstößt das gegen unsere Einstellungskriterien …“

„Ja, aber haben wir in Sachen Ableben von Personen nicht ein gewisses Mitspracherecht? Ich dachte, Sie hätten da was in die Wege geleitet!?“

„Leider nein, Chef. Oder besser: nicht mehr. Sie erinnern sich an das vermehrte Musiker-Sterben aus 2016? Das hat man uns übel genommen. Unter anderem wegen Hagen Liebing übrigens hat auch dieser Reisswolfblog-Spinner seinerzeit gemeckert …“

„Ach, der meckert eigentlich immer. Der kann immer nur meckern, meckern und meckern … Weiter, Lübke!“

„Na, jedenfalls wegen dieser Angelegenheit wurde uns die Kompetenz in der Sache Ableben entzogen und outgesourct.“

„Entzogen? Von wem?“

„Na, von ihm …“ murmelt Lübke schüchtern.

„Hä?“

„Na, von iiihiiim!“, murmelt Lübke nachdrücklicher und deutet mit dem Zeigefinger nach oben.

„Ach, Du lieber Gott, ähm, ich meine … von IHM also. Hm, tja, ähm, ähm –  DARF der das?

„Eindeutig ja, Chef“

„Verdammt!“

„Japp! Na, wie dem auch sei, Bachmann war also nicht zu kriegen, aber wir haben einen guten Ersatz. Tepes heißt der Mann, Vlad Tepes. In Fachkreisen auch bekannt als „Der Pfähler“.

„Klingt verheißungsvoll, Lübke. Mir gefällt Ihre Art zu denken. Schicken Sie mir den Mann mal rein.“

Lübke verlässt den Raum und fällt auf dem Gang mit einem eher unsouveränen „Wuuuääää“ über den vom bisherigen Sachbearbeiter und jetzigen externen Mitarbeiter Pacelli geschwungenen Wischmob, da dieser gerade feucht durchwischt. Kurz danach betritt Vlad Tepes den Raum.

„Ja, Meister?“

„Sie sind also dieser „Pfähler“? Gute Arbeit, junger Mann, gute Arbeit. Wie Sie ihrem ersten Kunden, diesem Reisswolfblog-Spinner, die Woche versaut haben: unvergleichlich. Ich könnte mich beömmeln! Sie haben es doch tatsächlich geschafft, das ohnehin schon recht defekte Auto unseres Kunden durch einen augenscheinlichen Komplettschaden der Automatik-Gangschaltung völlig unbrauchbar zu machen. So kriegt er die Mühle nicht einen Zentimeter bewegt, geschweige denn nur einen Cent Kohle dafür. Nicht schlecht, das wäre nicht mal mir eingefallen. Und wie ich heute morgen dabei zusehen durfte, wie unser Kunde verzweifelt sein Portemonnaie gesucht hat, das passenderweise gerade verschwunden ist, nachdem er nochmal Geld vom Automaten geholt hat, das vergesse ich so schnell nicht! Wo ist das Portemonnaie eigentlich, Tepes?“

„Betriebsgeheimnis“, grinst Tepes, woraufhin beide in gehässiges Gelächter ausbrechen.

„Und dann die politischen Dinge der letzten Zeit, die unserem Kunden schwer auf der Seele liegen. Ganz großes Kino, Tepes!“

„Das war ich nicht, Meister, das war Franz Josef Strauß.“

„Ach was? Na, das hätte ich mir denken können, dass Sie noch nicht so weit sind. Orientieren Sie sich ein bisschen an diesem Strass, da können Sie noch etwas lernen.“

„Strauß, Meister.“

„Wie auch immer. Jedenfalls, dass man in Deutschland jetzt unter einem Verfassungsschutzpräsidenten leiden muss, der in typischer AfD-Manier Dinge kommentiert, ohne jegliche Sachkenntnis in der Angelegenheit zu haben, den Rechten das Wort redet und Verschwörungstheorien vermutet, das hat dieser Struff …“

„Strauß, Meister.“

„Wie auch immer. Jedenfalls, das hat der gut eingefädelt. Unseren Kunden regt das fürchterlich auf. Ebenso wie die Tatsache, dass man seit über einer Woche über das Wort „Hetzjagd“ diskutiert, ohne sich zumindest darauf zu verständigen, dass Menschen gejagt wurden. Der Innenminister, der sich öffentlich über jeden straffälligen Ausländer freue, weil er ihn dann ausweisen könne, war schon fast ein Meisterstück zur Verschlechterung des Blutdrucks unseres Kunden. Als dann aber noch die „Welt“ dazu schrieb:

„Irgendjemand hat sich offenbar die Mühe gemacht, die 40-minütige Bierzeltrede noch einmal nachzuhören, um die Worte des Parteivorsitzenden auf die Goldwaage zu legen. Dabei ist man dann auf einen Satz gestoßen, der vermeintlich ein gestörtes Verhältnis des Ministers zum Rechtsstaat ausdrückt und ihm ein menschenverachtendes Gedankengut unterstellt.“

und weiter

Was Seehofer meinte, aber nicht grammatikalisch richtig, dafür aber rhetorisch verunglückt sagte, war damals jedem, der vor Ort dabei war (wie der Autor und viele andere Journalisten regionaler und überregionaler Medien), klar. Keiner empörte sich damals. Und man kann davon ausgehen, dass gerade bei dieser Passage der Rede, bei der es um einen heftig diskutierten Abschiebefall ging, besonders genau hingehört wurde.

Wer aber etwas mit Absicht falsch verstehen will, kann sich natürlich auch mit Redeschnipseln begnügen. In diesem Fall sind die Vorwürfe an den CSU-Chef nicht fair.

hat es unseren Kunden aber fast aus den Socken gehauen. „Goldwaage“, „vermeintlich“, „unterstellt“, „mit Absicht falsch verstehen“, ja, leck mich am Arsch, dieser Typ hat öffentlich Straftaten gutgeheißen, wer hat denn die „Welt“ dazu gebracht, so eine Scheiße zu schreiben?

„Ich meine, dass das unser Mitarbeiter Rudolf Augstein war, der hat das in Absprache mit Franz Josef Strauß …“

„Die beiden arbeiten ZUSAMMEN?“

„Ja, sicher.“

„Ich werde verrückt, dass ich das noch erleben darf. Na, jedenfalls, gute Arbeit, Tepes. Machen Sie weiter so! Wegtreten!“

Der Pfähler verlässt das Büro, während draußen ein Typ mit weißem Kragen und geschultertem Wischmob an der Tür vorbeiläuft.

„Das war doch dieser Dings, dieser …, Dingens – Pacelli…??? LÜÜÜÜÜBKÄÄÄÄÄÄÄ!“

 

2.) Bist Du gedanklich schon bereit für den Herbst oder hängst Du noch dem Sommer nach?

Ich bin nie bereit für den Herbst, ich halte alle Jahreszeiten außer Frühling und Sommer für völlig verzichtbar. Ich bin aber guten Mutes, dass der Herbst dieses Jahr etwas weniger grau und trist ausfällt als sonst. Wahrscheinlich habe ich Vlad Tepes mit dieser Hoffnungsäußerung aber auf Ideen gebracht.

 

3.) Hast Du Dich mit Artikel 13 befasst? Was denkst Du darüber?

Ich habe davon natürlich das Eine oder Andere mitbekommen, bin aber nicht so drin im Thema, als dass ich mich darüber wirklich fundiert äußern könnte.

Ich denke, man muss abwarten, wie sich das Ganze jetzt entwickelt und welche Auswirkungen es letztlich hat.

Es ist zwar wünschenswert, dass Kreativschaffende auch entlohnt werden, wenn man – beispielsweise – ihre Texte verwendet und verbreitet. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das Geld auch bei den Kreativschaffenden ankommt. Und ob nicht im Zweifel irgendein Uploadfilter verhindert, dass man entsprechende Textstellen verwendet, womit der eigentliche Text gar keine Verbreitung mehr fände.

Wie gesagt, man muss abwarten, wie sich das in der Praxis auswirkt. Wahrscheinlich wird alles, ähnlich der DSGVO, nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird.

 

4.) Die Wahl der Qual: Völlig ideenlos sein oder vor Ideen strotzen, aber keine umsetzen können?

Da bin ich lieber ideenlos, dann brauche ich mich nicht umgewöhnen.

 

 

Das war es auch schon wieder. Allseits noch einen schönen Restfreitag und ein schönes Wochenende.

Gehabt Euch wohl.

 

„Nachts in meinem Haus“ von Sabine Thiesler – Leider vorhersehbar

Buch: „Nachts in meinem Haus“

Autorin: Sabine Thiesler

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 528 Seiten

Die Autorin: Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman »Der Kindersammler« stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern »Hexenkind«, »Die Totengräberin«, »Der Menschenräuber«, »Nachtprinzessin«, »Bewusstlos«, »Versunken«, »Und draußen stirbt ein Vogel« und zuletzt: »Nachts in meinem Haus«. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Tom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . . (Quelle: Heyne)

Fazit: Manchmal soll es halt nicht sein. So in etwa könnte man meinen Eindruck von Sabine Thieslers „Nachts in meinem Haus“ zusammenfassen. Wobei man nach über 500 Seiten konstatieren muss: Die Autorin kann schreiben, zumindest in stilistischer Hinsicht, auch wenn die Dialoge manchmal eher Augenrollen verursachen. Auch die am Ende des Buches abgedruckte Leseprobe ihres Romans „Zeckenbiss“ verstärkt den Eindruck, ein Buch einer eigentlich fähigen Autorin vor sich zu haben und macht durchaus neugierig. „Nachts in meinem Haus“ allerdings konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen.

Beginnen wir mit dem Positiven, mit dem Stil. Thiesler schreibt sehr lesbar, was jetzt vielleicht despektierlich klingen mag, aber eher so gemeint ist, dass man ohne große Schwierigkeiten schnell im Text vorankommt. Insbesondere bei den Eindrücken, die die Autorin der Leserschaft dabei aus der Toskana vermittelt, läuft sie zu größerer Form auf. Aber der Stil gehört ja nun auch nicht zu den Schwierigkeiten, die ich mit dem Buch hatte, die liegen eher in anderen Bereichen.

Die Charaktere wirkten auf mich leider eher wie Stereotype, das gilt insbesondere für das Umfeld von Tom und seiner Frau Charlotte, die allesamt gutsituiert und insgesamt recht schwer verdaulich sind. Dass keiner dabei ist, inklusive des Protagonisten, den man so richtig sympathisch finden kann, stört dabei weniger. Mehr schon, dass sie einfach nicht überzeugen, sie sind da, sie sind mir nur mehr oder weniger egal. Sei es der Hotelier Wolfgang, der stets laut und meistens alkoholisiert ist, seine Frau Marlene, die äußerst harmoniebdürftig ist und die der Geschichte einen massiven Kinnhaken versetzen wird, der selbige arg in die Kitschecke taumeln lässt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Handlung allerdings schon so weit fortgeschritten, dass es für den Leser keinen SInn mehr ergibt, das Handtuch zu werfen.

Und hier, in dieser Handlung, steckt das meiste Problempotenziel von „Nachts in meinem Haus“. Leider, leider war nahezu die gesamte Handlung für mich mehr oder weniger vorhersehbar. Und ich – ich erwähne das öfter, ich weiß – bin nicht gut in so etwas! In Sekundenbruchteilen weiß der Leser, was das „Schreckliche“ sein wird, das laut Klappentext zu Beginn des Buches passiert und auch die weitere Handlung wich nur in Nebensächlichkeiten von dem ab, was ich mir so vorgestellt hatte.

Überhaupt: Nebensächlichkeiten! Die Autorin verliert sich ständig in selbigen. So wird im kleinen toskanischen Bergdorf eine eher einsiedlerische Figur eingeführt, die Voodoo-ähnliches Zeugs betreibt, die aber vor allem für die eigentliche Handlung überhaupt keine weitere Relevanz hat. Der Leser muss sich aber dennoch eine Weile mit ihr beschäftigen und stellt sich unweigerlich die Frage, was diese Figur denn nun soll. Darstellen, dass man sich in einem wirklich ganz dolle rückständigen Bergdorf befindet, wo man noch Voodo betreibt? Vierhundert Einwohner, fünf Nachnamen, so in etwa?

Eine weitere Nebenhandlung sind die Geschehnisse rund um den italienischen Polizisten Donato. Dass der über weite Strecken hinsichtlich seiner Ermittlungen eher so wirkt wie ein Dorfdepp, ist eine Sache. Eine ganz andere ist es, dass Donatos Lebensgeschichte rund um seine verstorbene Mutter, sein verfallendes Haus und seine fremdgehende Frau sehr viel Platz einnimmt und völlig von der eigenen Geschichte ablenkt.

Insgesamt wirkt die Handlung auch leider viel zu konstruiert – was man schon daran erkennen kann, dass ich recht gut erraten habe, wie sie verläuft – und so als würde sie einfach so hintereinanderweg erzählt, während die Autorin nur einzelne Punkte der Handlung abhakt. Flucht in die Toskana – Check! Voodoo-Tante einführen – Check! Donatos Lebensgeschichte erzählen – Check! Mich in unnötigen Nebenhandlungen verlieren, um Tiefe vorzugaukeln – Check! Usw. usf.

Ich hoffe, man merkt mir an, dass ich „Nachts in meinem Haus“ wirklich mögen wollte und ich es außerordentlich schade finde, dass das letztlich nicht der Fall ist. Aber um wirklich gut zu sein, macht es zu viel verkehrt.

Kurz, die Autorin kann gut und szenisch erzählen, man merkt ihr den Hintergrund als Drehbuch-Schreiberin an. Dafür hakt es – seltsamerweise – bei den Dialogen und den Charakteren sowie an vielen kleinen Stellen der überschaubaren Handlung, was einem ungetrübten Ledevergnügen in Summe letztlich entgegensteht.

Und doch wird mich all das nicht davon abhalten, nochmal ein weiteres Buch von Sabine Thiesler zu lesen, sollte es sich ergeben. Einmal danebenliegen kann man schließlich immer.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Spannung: 5,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Hirte“ von Ingar Johnsrud.

„Breaking News“ von Frank Schätzing – 2 in 1 oder Die Mutter aller Fake News

Buch: „Breaking News“

Autor: Frank Schätzing

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Ausgabe: Hardcover, 965 Seiten

Der Autor: Frank Schätzing, geboren 1957 in Köln, veröffentlichte 1995 den historischen Roman »Tod und Teufel«, der zunächst zum regionalen, später bundesweit zum Bestseller avancierte. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen sowie dem Thriller »Lautlos« erschien im Frühjahr 2004 der Roman »Der Schwarm«, der seit Erscheinen eine Gesamtauflage von 4,5 Millionen Exemplaren erreicht hat und weltweit in 27 Sprachen übersetzt wurde. Es folgten die internationalen Bestseller »Limit« (2009) und »Breaking News« (2014). Im Frühjahr 2018 erschien Frank Schätzings neuer Thriller »Die Tyrannei des Schmetterlings«. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln. (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Das Buch: Tom Hagen, gefeierter Star unter den Krisenberichterstattern, ist nicht zimperlich, wenn es um eine gute Story geht. Die Länder des Nahen Ostens sind sein Spezialgebiet, seine Reportagen Berichte aus der Hölle. Doch in Afghanistan verlässt ihn sein Glück. Eine nächtliche Geiselbefreiung endet im Desaster. Hagens Ruf ist ruiniert, verzweifelt kämpft er um sein Comeback. Drei Jahre später bietet sich die Gelegenheit in Tel Aviv, als ihm Daten des israelischen Inlandgeheimdienstes zugespielt werden. Hagen ergreift die Chance – und setzt ungewollt eine tödliche Kettenreaktion in Gang…

Breaking News ist ein mitreißender Thriller vor dem Hintergrund einer epischen Saga. Zwei Familien wandern Ende der zwanziger Jahre nach Palästina ein, in eine von Legenden, Kämpfen und Hoffnungen beherrschte neue Welt, wo Juden, Araber und britische Kolonialherren erbittert um die Vorherrschaft ringen. Bis in die Gegenwart, über Generationen hinweg, spiegeln und prägen beide Familien Israels atemlose Entwicklung.

Als Hagen in der jungen Ärztin Yael Kahn eine unerwartete Verbündete findet, erkennt er, dass auch sein Schicksal eng mit der Geschichte des Landes verbunden ist. Doch mit Yael an seiner Seite gehen die Probleme erst richtig los. (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Fazit: Hand aufs Herz: Wer innerhalb meiner Leserschaft wäre in der Lage, ad hoc, kurz und verständlich innerhalb von, sagen wir, drei Minuten die Ursachen, Anfänge sowie den Verlauf des Nahostkonfliktes rund um Israel zu erläutern? Ja, so ähnlich ging es mir auch. Man weiß zwar einiges, aber so wirklich detailliert erklären, wie es zu der aktuellen Situation gekommen ist, hätte mich überfordert.

Wie gut, dass seinerzeit Herr Schätzing mit seinen „Breaking News“ daherkam. Denn, ich gestehe, ich bin schon gerne umfassend informiert und zumindest bei den Krisenherden und bewaffneten Konflikten, von denen ich regelmäßig höre und von denen regelmäßig berichtet wird, weiß ich gerne, worum es da eigentlich geht. Tragischerweise wird auf der Welt weiterhin an zu vielen Stellen geschossen – etwa 20 Kriege und 385 bewaffnete Konflikte im Jahr 2017 zählte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung nach Angaben der „FAZ“ vom Februar 2018 -, als dass man wirklich über alle und alles fundiert informiert sein könnte. Angesichts solcher Zahlen habe ich ja fast schon ein gutes Gewissen angesichts der Tatsache, mittlerweile mehr oder weniger aufgegeben zu haben, zu verstehen, welche und wie viele Gruppen in Syrien gerade auf welche anderen schießen. Fast.

Aber nun war ja Herr Schätzing angetreten, um wenigstens meine teilweise Unkenntnis bezüglich des Nahostkonflikts zu beseitigen. Und das hat er eindrucksvoll geschafft.

Über die komplizierte Autor-Leser-Beziehung, die mich mit Frank Schätzing verbindet, habe ich kürzlich erst angesichts der Rezension zu seinem neuesten Buch „Die Tyrannei des Schmetterlings“ berichtet und möchte das gar nicht erneut runterbeten. Nur eine Ursache für diese komplizierte Beziehung sei an dieser Stelle nochmals genannt, nämlich, dass Schätzings Bücher manchmal einfach zu lang sind. Angesichts dieser dicken Wälzer denkt man sich vielleicht noch: „Na, dann wird das Buch aber eine entsprechende Schriftgröße haben!“, schlägt das Buch auf und haucht angesichts der winzigen Lettern nur ein überraschtes: „Oh …!“

Das Problem ist nur: Hier ging es nicht kürzer!

Denn im Grunde genommen erzählt Schätzing in seinem Buch zwei Geschichten in einer. Zum Einen wären da die Geschehnisse rund um den Journalisten Tom Hagen, der sich mit der Behauptung, im Besitz von Informationen aus dem Kreis des israelischen Geheimdienstes zu sein, in ernste Schwierigkeiten bringt. Zum Anderen beschreibt Schätzing den Lebensweg des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon.

Mögen die Charaktere rund um Sharon auch fiktiv sein, sein Lebensweg und die wichtigen Stationen in der Geschichte Israels, die Schätzing beschreibt, sind es nicht. Und gerade deshalb hat mir dieser Teil des Buches besonders viel Freude gemacht, weil man einfach erstaunlich viel lernt. Oder bereits Vergessenes rekapituliert. So hatte ich, wie ich zu meiner Schande eigestehen musste, noch nie von der israelischen Journalistin Anat Kam (wahlweise „Kamm“) gehört, die als „Whistleblower“ von sich reden machte, als sie streng geheime Unterlagen über die illegale Tötung dreier Palästinenser durch israelische Soldaten an einen Journalisten weitergab, teilweise noch bevor die uns heute geläufigen „Whistleblower“ auf der Leinwand der Zeitgeschichte auftauchten.

Schade, dass mir Schätzing nicht auch noch das Phänomen „Whistleblower“ erklären kann. Wenn ich beispielsweise glaubhafte Beweise dafür habe, dass mein Nachbar plündernd und brandschatzend mittels Waffengewalt durch die hiesige Fußgängerzone ziehen möchte – ein rein fiktives Szenario, wiewohl ich nicht verhehlen möchte, der Meinung zu sein, dass mein Nachbar tatsächlich einen veritablen Schatten hat – und ich das dann der Polizei melde, bin ich Held, erscheine in der Lokalpresse und alle lieben mich. Habe ich dagegen glaubhafte Beweise dafür, dass der Staat – im Fall Anat Kam in Form des Militärs – illegale Machenschaften betreibt, und leite diese an die Presse weiter, muss ich mich vor Gericht wegen Hochverrats verantworten. Ich verstehs nicht. Aber lassen wir das.

Abseits der Ariel-Sharon-Handlung weiß auch die um Tom Hagen voll zu überzeugen. Schon der einleitende Satz

„Unterwegs in einem Toyota Land Cruiser, sieben Uhr morgens, Sack überm Kopf, unter der Kinnlade zugebunden.“

verdeutlicht, dass der Autor den Leser nicht auf einen Trip in ein literarisches Wohlfühl-Ressort mitnimmt. Schätzing spart sich die teils schwülstige Ausdrucksweise, die beispielsweise sein neuestes Buch „Die Tyrannei des Schmetterlings“ auszeichnet, erzählt knapp, prägnant und eindrücklich. Die Handlung bietet Spannung und Tempo und somit genau das, was man von einem Politthriller erwartet.

Eher unerwartet ist glücklicherweise die Hauptfigur Tom Hagen. In Büchern wie „Breaking News“ befürchtet man einen Protagonisten wie Jack Reacher oder Jack Ryan. Testosteron auf zwei Beinen eben. Bei allem Respekt vor Lee Child und Tom Clancy. Tom Hagen weist zwar auch Züge von beiden auf, unterscheidet sich in der Summe aber dennoch glücklicherweise deutlich von ihnen.

Tja, rückblickend habe ich also weder an der Handlung, noch an den Charakteren oder am Schreibstil groß etwas zu meckern. Daraus resultiert auch, dass „Breaking News“ – nur für mich, natürlich – Schätzings zweitbestes Buch ist. Und ein sehr wichtiges, lehrreiches noch dazu.

Kurz gesagt, wer Schätzings Bücher mag, bislang aber noch um „Breaking News“ herumgelaufen ist, kann bedenkenlos zugreifen. Und alle anderen, die einen tempo- und lehrreichen Politthriller zu schätzen wissen und sich vor knapp 1.000 Seiten nicht scheue,n ebenso.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Nachts in meinem Haus“ von Sabine Thiesler.

Freitagsfragen #59

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mit Ablauf des heutigen Tages geht mein Urlaub zu Ende, was in Verbindung mit einer eher semi-zufriedenstellenden Nacht und der damit zusammenhängenden leichten Übermüdung zu einer angenehmen Zündschnur-Verfassung führt, welche mich allerdings nicht davon abhält, die aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog zu beantworten.

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Ein fünfjähriges Kind fragt Dich, warum der Niagarafall so hoch ist. Was antwortest Du?

An Tagen wie heute würde ich wahrscheinlich antworten: „Frag Deine Eltern!“ ;-)

Jedenfalls, wenn Kinder schon wissbegierig sind, dann haben sie auch eine vernünftige Antwort verdient. Und falls man die Antwort nicht weiß, kann man sie sich heute ja ziemlich zügig ergoogeln. Ich würde also die Antwort geben:

„Die Niagara-Fälle entstanden vor etwa 12.000 Jahren während der letzten Eiszeit. Du weißt, was eine Eiszeit ist? Nein? Kein Problem, das erkläre ich Dir gleich. Jedenfalls gab es da, wo die Niagara-Fälle heute liegen, fünf große Seen. Und die gibt es da auch heute noch. Einer davon heißt Erie-See. Und wenn dieser See damals, zum Beispiel durch Regen, übergelaufen ist, dann floss das Wasser an einer bestimmten Stelle ab. Daraus entwickelte sich in Laufe der Zeit ein Fluss, der heißt Niagara-River. Und das Wasser das durch diesen Fluss floss, ist auf Dauer ziemlich schwer. Deshalb drückte es auf den Boden. Und ganz tief unten in der Erde gibt es bei den Niagara-Fällen eine Gesteinsschicht, die das Gewicht des Wassers auf Dauer nicht aushält und die dadurch kaputt geht. Und wenn das passiert, sackt der Boden ein ganzes Stück ab und es entsteht ein Wasserfall. Das passiert da übrigens heute noch.  Jedes Jahr bricht ein weiteres Stück Erde ab, mit einer Länge von ungefähr 1,80 Meter, also etwa so groß wie Dein Papa.“

Dann würde ich noch kurz eine Zeichnung von Gesteinsschichten machen, und wenn meine Ausführungen verstanden worden sind, würde das auf ein sehr verständiges Kind hindeuten. :-)

Gleichzeitig bedeutet meine ernsthaftere Herangehensweise natürlich das Aus für solche kreativen Antworten wie:

„Damit das Wasser die Aussicht genießen kann.“
„Weil das Wasser damit seine Höhenangst bekämpft.“
„Weil die Menschen einen Wasserfall brauchten, da sie dort eine Regenbogen-Versuchsstation aufgebaut haben.“
„Weil die dort siedelnden Mohawk-Indianer eine natürliche Unisex-Dusche mit Massageeffekt brauchten.“
„Weil das Universum nach einem magischen Plan funktionert, nach dem zwar die 42 die Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest darstellt, der Niagara-Fluss aber 57 Kilometer lang ist und während die Quersumme von 42 lediglich sechs ist, ist die Quersumme von 57 zwölf also doppelt so groß und … hörst Du mir noch zu?“

2.) Was hat diese Woche gut geklappt?

Eigentlich hat in dieser Woche so ziemlich gar nichts gut geklappt. Manches davon erhielt dann doch noch eine positive Wendung, manches nicht und insgesamt war es nicht so ganz meine Woche. Das ist aber wahrscheinlich der Ausgleich für meine erste Urlaubswoche, die paradiesisch war und mich in einen zen-buddhistischen Entspannungszustand geführt hat – von dem allerdings nicht viel geblieben ist.

Ich stelle mir das folgendermaßen vor:

Wie befinden uns in der Hölle. Dort ist der Firmensitz der „Fate LLP“. Früher nannte man den Laden „Schickal KGaA“, aber die zunehmende Verdenglischung in der Wirtschaft griff schließlich auch auf die Hölle über. Man munkelt sogar, sie hätte dort ihren Ursprung …

Dort sitzt nun also der Eigentümer und Geschäftsführer der „Fate LLP“, nennen wir ihn S. Atan, und blättert durch seine Unterlagen. Plötzlich läuft er rot an und brüllt:

„Welcher Idiot war das!?“

„Tschuldigung, was Chef?“

„Ah, Lübke, gut, dass Sie da sind. Hier, ich habe gerade die Schicksalsakte von diesem Typen hier in der Hand, dieser Typ, der sich dauernd über das Leben, das Universum und den ganzen Rest beklagt und diesen kleinen, belanglosen Blog betreibt, diesen … wie hieß das Ding noch?“

„Reisswolfblog, Chef?“, fragt Lübke nach einem Blick über die knochige Schulter seines Chefs.

„Ja, richtig. Der Typ. Hier steht, der hatte in der letzten Kalenderwoche eine gute Woche. Eine gute, verdammt! Er bezeichnet sie sogar als, ich zitiere, „paradiesisch“. Was ist denn da schief gelaufen? Oder, um auf Ausgangsfrage zurückzukommen: Welcher Idiot war das?“

„Ich verstehe nicht, Chef. Was ist daran so schlimm? Wir haben doch immer Fälle, in denen wir Leuten eine gute Woche bescheren. Der deutsche Innenminister zum Beispiel, der …“

„Schnauze, Lübke! Kommen Sie mir nicht mit dem. Einmal habe ich den Kerl zum Essen eingeladen, nur einmal und der blubbert mich stundenlang voll, mit seinen Referenzen und seiner harten Linie, weil der offensichtlich glaubte, es sei ein Bewerbungsbespräch. Welcher Idiot mir den Termin wieder reingedrückt hat, wird noch rauszufinden sein. Jedenfalls, diese Mutter aller Probleme will ich in meiner Firma nicht haben, der ist selbst mir zu hart! Wo war ich?

„Bei dem Typen mit der paradiesischen Woche und den belanglosen Blog?“

„Richtig! Also, wer ist der Sachbearbeiter in dieser Angelegenheit?“

Lübke breitet seinen faltbaren Monitor ungefragt auf dem Chefschreibtisch aus, summt vor sich hin und antwortet schließlich:

„Das müsste Pacelli sein …“

„Ach, Du liebe Zeit! Dieser erzkatholische, italienische Gutmensch? Was habe ich mir nur dabei gedacht, den einzustellen?“

„Sie werden sich erinnern, Chef, das passierte im Rahmen eines Personal-Austauschs mit der im Himmel befindlichen „Erlösung GmbH“. Wir haben denen dafür Genscher überlassen. Sie fanden das damals, ich zitiere „eine putzige Idee“, Chef!“

„Ja, großartig, das passiert bei übermäßigem Schwefelgenuss vor geschäftlichen Entscheidungen. Wahres Teufelszeug, das! Ähm …
Jedenfalls, holen Sie mir dies … PARCELLI!“,

brüllt S. Atan mitten in seinem Satz, als er den gesuchten Italiener an seinem Büro vorbeiflanieren sieht.

„Si, capo?“

„Pacelli, ist das Ihr Sachverhalt, bearbeiten Sie diesen Vorgang?“ fragt S. Atan unwirsch und wedelt vor Patschellis Nase mit der Akte herum.

„Si, capo!“

„Pacelli, was habe ich Ihnen zur Bearbeitung dieses Kunden gesagt?“

Sie sagten, „machen Sie ihm das Leben schwer, Pacelli. Dieser Kerl fand das Jahr 2017 schon  beschissen. Zeigen sie ihm, dass wir das noch viel besser können. Ich gebe Ihnen da völlig freie Hand!“.

„Und was haben Sie in dieser Angelegenheit zu sagen? Dieser Typ hatte eine gute Woche! Das verträgt sich nicht im Mindesten mit ihrem Arbeitsauftrag!“

„Aber ich habe halt gedacht …“

Sie haben gedacht, genau! Und da liegt das Problem! Sie sollen nicht denken!“

„Mit Verlaub, Chef …“, versucht Lübke die Situation zu entspannen.

„SCHNAUZE, LÜBKE!“ Und Sie, Pacelli, RAUS mit Ihnen, ich will Sie hier nicht mehr sehen. Sie sind gefeuert!“

„Aber …“

„RAUS!!!“

Pacelli verlässt mit hängendem Kopf das Büro

„So, Chef, und wer soll diese Akte jetzt weiter bearbeiten, nachdem Sie Pacelli gefeuert haben?“

„Was weiß ich? Vielleicht dieser Dings. Hier, dieser Dings. Wie heißt er denn gleich … Lutz Bachmann!!!“

„Mit Verlaub, Chef, aber der Bachmann lebt noch. Sie wissen, dass das gegen die Einstellungskriterien verstößt …“

„Ach papperlapapp, ich bin sicher, Sie werden dieses Problem lösen. Ich will, dass dieser Bachmann hier am Montag antritt. Da muss unser Kunde auch wieder zur Arbeit, das passt also ganz gut, bis dahin passiert sowieso nichts mehr. Und jetzt raus, Lübke, ich muss arbeiten!“

Lübke verlässt den Raum und murmelt:

„Sklaventreiber! Eines Tages werde ich ihn …“

„WAS WAR DAS?“

„Nichts“

„SCHNAUZE,  LÜBKE! RAUS!“

 

3.) Du sollst zwei historische Persönlichkeiten austauschen und somit den Lauf der Geschichte ändern. Wen wählst Du?

Heraklit und Adolf Hitler.

Möglicherweise hätte sich Letzerer dann, ebenso wie – der Legende nach – der griechische Philosoph schon in der Antike ein zurückgezogenes Leben in den Bergen geführt, sich aufgrund seiner rein pflanzlichen Nahrung die Wassersucht zugezogen und hätte sich dann, zum Versuche der Eigenbehandlung besagter Wassersucht unter einen Misthaufen gelegt, um dort zu Tode zu kommen. Damit wäre irgendwie allen gedient gewesen.

Herkalit wiederum hätte im letzten Jahrhundert dazu beitragen können, dass Deutschland immer noch das Land der Dichter und Denker wäre und nicht das Land von RTL II und Pegida.

Schade eigentlich, dass Geschichte nicht im Konjunktiv stattfindet …

4.) Die Wahl der Qual: Vergessen einzukaufen und alle Läden sind zu oder der Kühlschrank fällt aus und kann erst in 3 Wochen ersetzt werden?

Da vergesse ich doch lieber das Einkaufen. Das kann man am nächsten Tag immer noch erledigen. Ein über drei Monate ausgefallener Kühlschrank kann ein Desaster sein. Ich erinnere mich da an eine Geschichte mit den im Kühlschrank auf einem Sportgelände verstauten Resten eines Brathuhns, dem anschließenden unbedachten Ausschalten des Stroms über die Winterpause und dem Öffnen des Kühlschranks einige Monate später. Die Details erspare ich Euch …

 

Nun denn, das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein schönes Wochenende, an dem sich die momentan vorherrschenden Wolken möglichst bald in Wohlgefallen auflösen.

Gehabt Euch wohl!

„Der Turm der Welt“ von Benjamin Montferat – T minus 60 Stunden

Buch: „Der Turm der Welt“

Autor: Benjamin Montferat

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Hardcover, 697 Seiten

Der Autor: Benjamin Montferat ist das Pseudonym des deutschen Autors Stephan M. Rother. Rother, 1968 in Wittingen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie. 1997 erfolgte seine Graduierung zum Magister Artium. Seit Mitte der Neunziger trat Rother als “Magister Rother – Deutschlands erster, bester und einziger Standup Historian” auf den Bühnen Deutschlands auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich Rother auf das Schreiben verlegt, seither hat er 14 Romane veröffentlicht, die häufig im Mittelalter spielen. Der Autor lebt, nach eigener Aussage, mit seiner Frau und fünf Katzen “am Rande des Wahnsinns und der Lüneburger Heide”.

Das Buch: Die ganze Welt schaut auf Paris.
Oktober 1889: Die Pariser Weltausstellung geht dem Ende zu. Millionen von Menschen strömen in die Lichterstadt, um Zeuge des Spektakels zu werden. Die brisante internationale Lage scheint für einen Augenblick vergessen. Und doch würde gerade hier, im bunten Gewimmel der Nationen und Interessen, ein Funke genügen, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Ausgerechnet da werden zwei Ermittler des französischen Geheimdienstes tot aufgefunden – sie waren einer Verschwörung auf der Spur.
Was niemand weiß: Die Zukunft Europas ist mit dem Schicksal einiger Besucher der Ausstellung eng verknüpft: Eine französische Adelige – Königin der Pariser Salons – fürchtet um ihr Geheimnis: dessen Enttarnung würde weit mehr als nur einen gesellschaftlichen Skandal bedeuten. Ein deutscher Offizier, unterwegs in einer sehr persönlichen Agenda, wird zum Spielball der Großmächte. Ein junger Fotograf schließt einen folgenschweren Pakt, um das Herz seiner großen Liebe zu gewinnen. Ist die bildschöne Kurtisane in Wahrheit eine Spionin?
Schließlich versammelt sich alles, was Rang und Namen hat, an der Spitze des Eiffelturms, um das Abschlussfeuerwerk zu bestaunen. Wann wäre der Zeitpunkt für einen Anschlag besser gewählt, um die Welt im Chaos versinken zu lassen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: zu Lande, zu Wasser – und in der Luft … (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Vor etwas mehr als zwei Jahren las ich mit Begeisterung Montferats „Welt in Flammen“. Nach der Lektüre fiel mir auf, dass mit „Der Turm der Welt“ das nächste Buch des Autors schon in den Startlöchern stand. Die Wartezeit war schnell überbrückt und so holte ich mir besagtes Buch pünktlich zum Erscheinungstermin. Und dann passierte das, was einem bei Büchern mit einem Umfang von etwa 700 Seiten und einer gefühlten Schriftgröße 1 halt manchmal passiert: Es kommen andere Bücher dazwischen, die kürzer und schneller zu lesen sind, das eben erst erworbene Buch wandert auf dem Stapel ungelesener Bücher weiter nach unten, dann kommen wieder Bücher dazwischen, die kürzer und schneller zu lesen sind usw. Dann, irgendwann, widmet man sich doch endlich der Lektüre und stellt, wie so häufig, fest, dass man sie viel zu lange nach hinten verschoben hat. So auch hier.

Nun habe ich „Der Turm der Welt“ bereits vor meiner Blogpause in diesem Sommer gelesen und mein Gedächtnis ist naturgemäß begrenzt. Es kann also sein, dass ich mich ausnahmsweise etwas kürzer fasse und mich aus naheliegenden Gründen auf das Wesentliche beschränke.

Montferat führt zu Beginn seines Romans eine Fülle von Personen ein, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Paris weilen oder sich auf den Weg dahin machen. Erst im Laufe der Zeit wird dem Leser deutlich, was – von der Weltausstellung mal abgesehen – das verbindende Element der Figuren ist und wie sie zusammengeführt werden. Dabei schafft der Autor zwei Dinge ganz hervorragend: Zum Einen verliert man als Leser trotz einer nicht unerheblichen Anzahl an handelnden Personen nicht den Überblick, zum Anderen ist die Charaktergestaltung praktisch ausnahmslos gelungen, insbesondere die Hotelière Celeste Marêchal, sowie, natürlich, der Geheimdienstler Alain Marais, der sich vor geraumer Zeit eigentlich vom aktiven Dienst ab- und dafür dem intensiven Absinth-Genuss zugewandt hat. Ob ein solcher Absinth-Junkie tatsächlich in der Lage wäre, spontan wieder eine geheimdienstliche Mission durchzuführen, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Handlung beschränkt sich zeitlich auf 60 Stunden und vielleicht steht Marais bis zum Abschluss der Ereignisse noch so unter Strom, dass er noch nicht mit Entzug und ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. ;-) Ansonsten verbuche ich das halt unter „künstlerische Freiheit“.

Nicht verschwiegen werden darf, dass es zum Ende des Buches allerdings eine Personalentscheidung des Autors gibt, die bei mir so gar nicht auf Zustimmung trifft. Aber so überhaupt nicht! Nicht. Im. Geringsten. Allerdings ist das erst recht künstlerische Freiheit. Und dennoch…

Ich wollte es nur gesagt haben.

Auch stilistisch kann ich dem Autor nichts vorwerfen. Vielmehr gelingt es ihm, eine solche Atmosphäre zu erschaffen und so bildhaft zu erzählen, dass man meint, selbst durch die Straßen von Paris im vorletzten Jahrhundert zu streifen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass der Autor seine Geschehnisse zwar im sowohl im zeitlichen als auch im räumlichen Umfeld der Pariser Weltausstellung spielen lässt, die Weltausstellung aber nicht unnötig in den Vordergrund stellt. Es wäre ein Leichtes gewesen, all die technischen Neuheiten und Wunder in Schätzingschem Umfang zu schildern, so wie das etwa Wolfgang Hohlbein in nicht ganz Schätzingschem Umfang in „Mörderhotel“ tut, auch wenn das natürlich ein anderes Genre ist. Das wäre aber in erster Linie deplatziert und in zweiter ermüdend gewesen. Ja, zwischendurch muss man auch mal das lobend erwähnen, was ein Autor weglässt. :-)

Inhaltlich hat „Der Turm der Welt“ trotz seiner über einen sehr überschaubaren Zeitraum spielenden Handlung nicht ganz das Tempo, das „Welt in Flammen“ auszeichnete, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, die verschiedenen Figuren erst einmal in die Handlung einführen zu müsssen. Abgesehen davon gibt es keinen weiteren Grund zur Klage, „Der Turm der Welt“ ist ein spannender, facettenreicher Agenten-Thriller, den man jedem, der atmosphärische Spannungsromane im historischen Handlungsrahmen mag, empfehlen kann.

Mir bleibt nun, die nächsten zweieinhalb Monate sehnsüchtig bis zum Erscheinen des dritten Teils von Rothers „Königschroniken“-Trilogie zu warten. Wahrscheinlich überbrücke ich die Zeit mit seinem Buch „Die Prophezeihung des magischen Steins“. Auch wenn darin Spitzohren, vulgo Elfen, auftauchen …

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Breaking News“ von Frank Schätzing.

Die nachfolgenden Freitagsfragen #58 verschoben sich um etwa zwei Tage

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Hallo, werte Leserschaft,

die Tatsache, dass ich derzeit Urlaub habe, hält mich mitnichten vom Bloggen ab. Dieser Urlaub hält mich nur davon ab, außer Lesen und gelegentlich am PC zu daddeln überhaupt irgendetwas zu tun, geschweige denn etwas Sinnvolles oder gar Produktives. Nun mag es sicherlich Menschen geben, die einwenden würden, dass genau darin die Sinnhaftigkeit eines Urlaubs liegt. Und besagte Menschen hätten damit meine uneingeschränkte Sympathie, denn im Grunde sehe ich das genau so und habe deshalb mit meinem eher gemächlichen Lebenswandel nicht das geringste Problem.

Deshalb habe ich mir für die Freitagsfragen im Brüllmausblog auch ein wenig Zeit gelassen.

Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist Deine größte Herausforderung?

Ach, das kommt darauf an. An schlechten Tagen würde ich behaupten, meine größte Herausforderung ist das Leben, das Universum und der ganze Rest.

An Tagen wie heute lautet die Antwort aber anders. So ist eine kleine Herausforderung im Moment, sich gedanklich nicht damit zu beschäftigen, dass die Hälfte meines Urlaubs schon vorbei ist.

Die wesentlich größere Herausforderung besteht für mich, das gebe ich zu, darin, durch die Vorkommnisse in Chemnitz kein Magengeschwür zu entwickeln. Angesichts dessen, was dort vor sich ging und geht fühle ich mich wieder wie mein 15-jähriges Ich, das 1992 vorm Fernseher die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen verfolgte und die Welt nicht mehr verstand. Und auch jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr.

„Wenn eine solche Tötungstat passiert, ist es normal, dass Menschen ausrasten“, hat Herr Gauland der „Welt“ gesagt. Der sächsische AfD-Abgeordnete Frohmeier – dessen Name gleich wieder im Orkus des Vergessens verschwinden möge, so wie er in dem Loch, aus dem er hervorgekrochen kam – twitterte: „Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach!“

Diesen beiden, und allen anderen, die meinen, diese Vorfälle irgendwie rechtfertigen zu müssen, kann man nur entgegenhalten: Wenn sich mehrere Tausend Menschen in der Stadt zusammenrotten und ein nicht unwesentlicher Teil davon anfängt, Ausländer und andere, die vermeintlich fremdländisch aussehen, durch die Stadt zu jagen, dann ist das nicht „einfach“, dann ist das um Himmels Willen nicht „normal“ und es ist, drecksverfluchte Scheiße nochmal, sicherlich kein Bürgerschutz! Nein, wenn Menschen ausländischer Herkunft durch die Stadt gejagt werden, und das Ganze sicherlich nicht mir dem Ziel, sie freundschaftlich auf ein Getränk einzuladen, dann hat das Züge eines Pogroms!

Hach, es gibt in diesem Zusammenhang so vieles, über das ich mich noch aufregen könnte:

Wenn ein Innenminister vier (?) Tage braucht, um endlich am Ort des Geschehens aufzutauchen, um dann dazu aufzufordern, sich deutlich von Rechtsextremen abzugrenzen, dann ist das fast Realsatire. Der bayrische Innenminister Hermann hat gestern fünf Stunden gebraucht, um am Ort des Großbrandes in einer Raffinerie aufzutauchen. Und wer weiß, wie meine Meinung zur CSU sonst so ist, wird begreifen, wie verzweifelt ich sein muss, wenn ich einen CSUler als positives Beispiel heranziehe.

Wenn bei den segenswerterweise mittlerweile stattfindenen Gegendemos konsequent weniger Teilnehmer anwesend sind, als bei dem wütenden Mob, dann macht mich das traurig.

Wenn es offensichtlich Mitarbeiter in den Justizbehörden Sachsens gibt, die es mit den Grundsätzen des Rechtsstaates – ha, Rechtsstaat bekommt gerade eine völlig neue Bedeutung – nicht ganz so genau nehmen, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Wenn ich mit ansehen muss, wie diese „besorgten Bürger“ fleißig Deutschlandfahnen mit zu ihren Kundgebungen nehmen, weil sie annehmen, sie seien „das Volk“, dann macht mich das wütend.

Wenn weder unser Bundesinnenminister noch unser Bundesjustizminister am Orte des Geschehens aufschlagen, dann macht mich das fassunglos. Geschickt hat man stattdessen, bei allem Respekt, die Bundesfamilienministerin Giffey. Wenigstens hat man auf gemeinschaftliches „Kumbaya“-Singen verzichtet.

Wenn die „besorgten Bürger“ für sich in Anspruch nehmen, man müsse ihre gefühlte Realität und ihre gefühlten Ängste ernst nehmen, dann bringt mich das zum Lachen. Wenn ich in einer gefühlten Realität lebe, wäre aus meiner Sicht eher der Besuch eines Facharztes angebracht.

Wenn eine neue Umfrage vor drei Tagen zu dem Ergebnis kommt, dass die AfD, wären jetzt in Sachsen Wahlen, was glücklicherweise erst in einem Jahr der Fall sein und in der Folge wohl zur ersten AfD-Regierungsverantwortung in Deutschland führen wird, auf ganze 25 % käme, dann halte ich es mit Volker Kauder, der gesagt hat, die AfD-Wähler müssten sich schon fragen lassen: „Schämen Sie sich nicht, einer solchen Partei die Stimme zu geben?“

Aber hey, liebe AfD-Wähler, also ihr Rechtsradikale und Nazis, denn mit Eurer Stimme für die AfD seid ihr mindestens das Eine, vielleicht aber sogar das Andere, ihr braucht euch gar nicht zu schämen. Ich tue das für euch!

2.) Was ist Deine größte Sünde?

Ach, was bedeutet schon Sünde? Das kommt doch immer auf die Betrachtungsweise an. Aber wäre ich katholisch, was ich nicht bin, und würde ich gelegentlich zur Beichte gehen, müsste ich dort wohl regelmäßig erwähnen, dass ich bei Fußballübertragungen vor dem Fernseher regelmäßig mit dem lauten Zuruf: „Hau ihn um!“ einen beliebigen Spieler dazu auffordere, einen Bayern-Spieler umzukloppen… So etwas macht man nicht! Wobei: Augen auf bei der Vereinswahl! ;-)

3.) Was ist Dein größter Erfolg?

Ach, da bin ich mal ganz bescheiden und sage: Das sollen Andere beurteilen!

4.) Die Wahl der Qual: Zu kleine Schuhe die drücken oder zu große Hosen die rutschen?

Schmerzen an den Füßen ertrage ich erstaunlich gut, sehe in „baggy trousers“ aber wohl noch bescheuerter aus als in kurzen Hosen, deshalb nehme ich die zu kleinen Schuhe.

 

Nun verabschiede ich mich in den Restsonntag.

Gehabt euch wohl.