Runde 3 der Seppo Blog-Auszeichnung 2016: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Antke Gegenstände in Koffer, Radio,Foto,Telefon

Vor geraumer Zeit startete der von mir sehr geschätzte Seppo die „Seppo Blog-Auszeichnung“ 2016. 112 Teilnehmer hatte der Wettbewerb zu Beginn. Da ich gerne weiterhin dabei wäre, gibt es hier nun meinen Teilnahmebeitrag für Runde 3. Wie die Aufgabe in dieser Runde aussieht, kann hier nochmal nachgelesen werden.

Oder hier:

„Fotografiert Eure Lieblings-Reisetasche oder -koffer. Dieses Foto soll das Beitragsbild des Artikels werden. Denn auch für Runde 3 muss die Aufgabe innerhalb eines publizierten Artikels in Eurem Blog erfüllt werden.

Fügt dem (fiktiven!) Koffer einen (nicht zwei, sondern einen!) Gegenstand hinzu, mit dem Ihr etwas verbindet (nein, kein Kabel!). Schreibt, warum Ihr diese Gegenstände, auch die oben gelisteten, mitnehmt und vor allem: wohin mitnehmt! Das ist ein Ort Eurer Wahl und es muss nicht die klassische einsame Insel sein. Ein Ort, der für Euch steht. Ob es ein Frauen- oder Baumhaus ist, ein Museum oder eine Industrieruine, oder ob es sich um ein fernes Land oder Rutztekostan handelt – lasst Euren Gedanken uneingeschränkten Lauf, der Ort kann auch fiktiv sein.

Schreibt, was sich in dem geheimnisvollen Kästchen befindet. Das ist nicht der Gegenstand, den ihr dem Koffer hinzufügt. Es ist somit ein weiterer Gegenstand.

An jenem Ort trefft Ihr nun eine Person. Eurer Wahl. Es können Menschen aus Eurem Leben sein, aber auch zeitgeschichtliche Persönlichkeiten. Menschen auf jeden Fall, denen Ihr etwas zu sagen habt. Sprecht mit Ihnen! Bei mir wäre es wohl Adolf Hitler. Ihr habt da freie Auswahl. Es gibt sehr viele Menschen. Und es gab noch mehr.

Übergebt diesem Menschen nun den Gegenstand aus dem geheimnisvollen Kästchen. Und sagt ihm, warum er diesen Gegenstand verdient hat.

Alles sich daraus Ergebende ist Eurer Phantasie überlassen. Verabschiedet die Person oder beginnt ein neues Leben mit ihr an jenem Ort oder was auch immer. Denn auch darum geht es beim Schreiben: um das Ausleben dessen, was im Kopf geschieht.“

Gut, ich gebe zu, im Foto-Bereich habe ich das Regelwerk ein wenig, sagen wir, gebeugt. Oder auch großzügig ausgelegt. Das ist nicht wirklich mein Koffer. Ohnehin wäre es auch eher auf „meine Jutetasche“ hinausgelaufen. Mein diesbezüglicher Versuch scheiterte aber an der Technik und meinem Unvermögen. Aber: Alle Blogger sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen. Daher gibt es halt alternativ obiges schönes Foto. Ich bin mir sicher, dass der unvergleichliche Seppo – er sei gepriesen! – in seiner endlosen Güte und erstaunlichen Gnade nichts dagegen hat! 😉

Der kleine fellige Freund, der da gerade dem Koffer entsteigen will, das ist übrigens Ceallach! Ceallach O´Bär, ein Cousin von Zeilenendes Gesprächspartner in philosphischen Angelegenheiten, Seamus O´Bär. Ceallach war jahrelang im Dschungel verschollen und wurde dort auf einer guatemaltekischen Chiliplantage unter fragwürdigen Bedingungen zur Feldarbeit gezwungen. Wie er von dort in den Koffer kam –  er will partout nicht darüber reden. Vielleicht entlockt ihm Seamus ja einmal die Geschehnisse. Im Übrigen leitet sich „Ceallach“ entweder vom altirischen Wort für „Kampf“ ab oder von „ceall“ (Kirche), bekannt durch den heiligen Kilian, einem irischen Missionar in Franken im 7. Jahrhundert. Ja, zu der Zeit brauchte man da unten noch Missionare! Hätte man gewusst, dass das in Teilen dieses Gebiets langfristig zur CSU führt,…  Nun, all das soll uns nun an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren, denn…

…Seppo hat ja einen Koffer gepackt. Und darin befinden sich:

  • ein Nasenhaartrimmer
  • eine Duftkerze
  • eine Tür
  • ein „H&M“-Katalog
  • ein Zylinder
  • ein Volleyball-Schläger
  • eine Landkarte von Tasmanien
  • ein geheimnisvolles Kästchen“

Mein zusätzlich eingepackter Gegenstand ist der Roman „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell. Wozu ich die anderen Sachen brauche, und was in dem geheimnisvollen Kästchen ist, dazu später…

Ich nehme also den Koffer mit und reise an einen Ort meiner Wahl. Und die fiele auf einen möglichst abgeschiedenen Ort in der unendlichen, kanadischen Weite. Und dort würde ich mich dann einer intensiven sowie mehrfachen Lektüre des mitgebrachten Mitchell-Romans widmen, da es einerseits eines der Bücher ist, die man, meiner Meinung nach, unzählige Male lesen kann und trotzdem noch etwas Neues entdeckt. Dieses dient mir dort andererseits unter anderem aber auch als Inspiration, denn…

… ich werde dort, in der kanadischen Unendlichkeit, einen revolutionären, auf persönliche Erlebnisse basierenden, sechsteiligen „coming-of-age“-Roman schreiben. Teil 1, „Ja, und nun?“, wird die Leser erstmals aufhorchen lassen. Teil 2, „Ich hatte aber was anderes bestellt!“, wird bereits ein weltweiter Bestseller und Teil 3 ,„Keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte“, wird Iny Lorentz spontan dazu bewegen, nie wieder Bücher zu schreiben. Damit hätte ich der Menschheit bereits einen großen Dienst erwiesen und könnte mich entspannt zurücklehnen. Aber: weit gefehlt.

Die Fortsetzung der Ereignisse hängt stark davon ab, ob ich mich für die egoistische oder die altruistische Version entscheide…

Nehmen wir an, ich würde die egoistische Version wählen. Dann würde ich meinen Agenten darum bitten, ein abendliches Dinner bei Kerzenschein – und, nein, dafür brauche ich nicht die Duftkerze aus dem Koffer – mit Alexandra Maria Lara zu organisieren. Diese könnte, geblendet von meinem unendlichen Ruhm und Reichtum, gar nicht anders als zusagen. Natürlich. Ich würde meinen „H&M“-Katalog aus dem Koffer nehmen, und das mit gigantischem Abstand schärfste dort aufzufindene Abendkleid bestellen, per Express-Lieferung, manchmal muss das sein. Und nein, nicht für mich.

Abends, beim Dinner, würde ich dann bei Kerzenschein das Abendkleid überreichen und das geheimnisvolle Kästchen öffnen. Und es enthält…den Hope-Diamanten! Wie ich in den Besitz des selben gekommen bin, soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Nur so viel: Sollte euch jemand nach mir fragen, dann habt ihr mich nicht gesehen, in Ordnung!? Besagten Diamanten würde ich Alexandra dann zum Geschenk machen und sie zum wiederholten Male darauf aufmerksam machen, dass Sam Riley echt nicht der richtige Typ für sie ist. Und dann würden wir Hand in Hand in Richtung Sonnenuntergang flanieren.

So sehr mir dieses Szenario auch gefällt, ich schätze, ich würde mich für die altruistische Version entscheiden, die sieht wie folgt aus:

Immer noch wäre ich durch meine drei Romane weltbekannt und reich. Und ich würde gerade an der Fortsetzung, Teil vier, „Wie ich wurde, was andere aus mir machten“, schreiben. Ich hätte einen findigen Agenten, einen Hope-Diamanten, eine Menge Geld und ein Security-Team. Und dann würde ich aktiv werden:

Ich würde die Rechner von Österreichs Innenminister Sobotka, dem polnischen Staatschef Duda und ganz besonders den von Viktor Orbán hacken. Ja, rechtlich fragwürdig, aber für die gute Sache, hey… Ich würde daür sorgen, dass die drei Herrschaften regelmäßig gestellte Informationen über ein angebliches neues und revolutionäres Filmfestival zum Thema „Europäischer Film im Ausland“ in der Nähe meiner kanadischen Einöde bekommen. Schließlich, wenn die Herren von der Veranstaltung schon ganz begeistert sind und sich wundern, warum niemand in ihrem Umfeld darüber spricht, dann würde ich an alle drei Einladungen verschicken. „Das Komitee hat beschlossen, Sie zum Jurymitglied zu ernennen, etc…“

Freudig würden die Herrschaften anreisen und ich würde Herrn Orban auf seinem Hotelzimmer besuchen und mit ihm sprechen:

„Guten Abend, Herr Orban. Freut mich fast, Sie kennenzulernen!“

„Guten Abend, weltbekannter Autor dieses erstaunlichen „coming-of-age“-Mehrteilers.“

„Herr Orban, wir müssen reden! Hier, ich habe hier den Hope-Diamanten. Der gehört Ihnen, ich schenke Ihnen das Ding! Bis zu 250 Mio. Dollar wert, über 222 Mio. Euro! Den können Sie haben, wenn Sie mir versprechen, dass Sie bitte, bitte, auch Flüchtlinge aufnehmen, und auch ihre polnischen, österreichischen und sonstigen Kollegen in der Region davon überzeugen, ja!?“

„222 Millionen Euro? Was soll ich damit?“

„Herr Orban, mit dem Verkauf allein dieses Dingens da könnten Sie jedem syrischen Flüchtling umgerechnet etwa 45 Euro in die Hand drücken! Das wäre doch sinnvoll! Rechnerisch hat unsere Regierung dagegen im letzten Jahr fast 160 Hope-Diamanten in Rüstungsausgaben investiert…“

„Das Problem ist kein europäisches Problem. Das Problem ist ein deutsches Problem.“ (03. September 2015)

„Irrtum, Herr Orban, das ist weder ein europäisches, noch ein deutsches oder ein ungarisches Problem! Die Einzigen, die ein Problem haben, sind die Flüchtlinge! Denen helfen auch keine Zäune!“

„Viele sagen, dass Zäune keine gute Lösung seien, weil dann alle einen Zaun bauen müssten. Aber genau das ist die Lösung.“ (21. September 2015)

„Hören Sie sich eigentlich selbst zu, Herr Orban? Abschottung kann keine Lösung sein, auch Sie sollten sich Ihrer Verantwortung bewusst sein und Flüchtlinge aufnehmen!“

„Das werden wir mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, zu verhindern wissen!“

“ Jetzt haben Sie gerade den österreichischen Innenminister Sobotka zitiert…“

„Verzeihung!“

„Jetzt mal im Ernst! Ich bin Protestant, aber wenn Papst Franziskus vom „“Traum eines neuen europäischen Humanismus“ aus christlichen Wurzeln“ spricht, dann spricht er mir aus der Seele! Ihnen nicht?“

„Niemand kann verlangen, dass Ungarn sich ändert.“ (07. September 2015)

„Na, die Griechen würden das aber anders sehen! Da wären die Leute aber schwer begeistert, wenn Sie ihnen ein paar Flüchtlinge abnehmen würden. Viele verlangen das auch!“

„Wenn Griechenland seine Außengrenzen nicht schützt, müssen wir es tun. Ungarn grenzt nicht an Syrien. In Griechenland sind die Flüchtlinge bereits in Sicherheit. Hier in Ungarn betrachten wie sie nicht mehr als Flüchtlinge. (26. Juni und 11. September 2015)

„Nicht mal die Griechen sind in Griechenland in Sicherheit, verdammt. Zumindest nicht in wirtschaftlicher! Der genialen, experimentellen Austeritätspolitik der EU sei Dank!“

„Nun, wie dem auch sei. „Die Ungarn haben entschieden“, dass sie keine illegalen Einwanderer haben wollen und hierbei „den geistigen Amoklauf der europäischen Linken nicht teilen““ (25. Juli 2015)

„Den geistigen Amok…, nun, Herr Orban, ich denke, wir kommen wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Dennoch, vielen Dank, wir sehen uns morgen zur Preisverleihung!“

Am Abend des folgenden Tages würde ich vor dem Kino stehen, in dem die fingierte Preisverleihung stattfinden wird. Über dem Eingang hängt der Zylinder aus meinem Koffer. In Gold. Die vermeintliche Trophäe des Abends.

Bevor die Vorführung beginnt, müssten noch einige Vorkehrungen getroffen werden: Ich müsste den Nasenhaartrimmer umbauen, um ihn später anders zu nutzen. Den genauen Hergang erspare ich euch, der wäre nur von Ingenieuren entsprechender Fachrichtungen zu erfassen. Darüber hinaus müsste die Tür aus dem Koffer an eine willkürlich gewählte Stelle der massiven Außenwände des Kinosaals montiert werden.

Dann gehts los! Orban, Duda und Sobotka betreten den Saal. Und wundern sich über die Leere auf den anderen Sitzen. Die wird aber erstmal mit Sicherheitsbedenken begründet. Dann wird, unbemerkt von unseren drei Ehrengästen, der Sitzbereich mit einem Draht eingezäunt, der wiederum mit dem umgebauten Nasenhaartrimmer verbunden wird. Fertig ist der elektrische Zaun! Nichts schlimmes, nur etwas das ein wenig „aua“ macht. Und was die Flucht von Rindern verhindert, sollte für diese drei auch ausreichen…

Kurz bevor die Filmvorführung beginnt, verteilt sich meine Security an den Ausgängen. Angeführt wird die Truppe von einem Berg von Mann, in seiner Freizeit begeisterter Volleballspieler, in seiner Arbeitszeit begeisterter Schläger. Man nennt ihn liebevoll den „Volleyball-Schläger“.

Dann beginnt die Vorführung, und zeigt…

…einen dreistündigen Zusammenschnitt der im Internet derzeit verfügbaren Videos aus Aleppo und Umgebung. Zur Entspannung gibt es fünf Minuten dauernde Einblendungen von Kämpfen in Afghanistan, welches man ja auch nach Steffen Seibert nicht „pauschal als Bürgerkriegsland bezeichnen“ könne…

Meine Security wird dafür sorgen, dass die Herrschaften auch fein sitzen bleiben. Sollte doch jemand entkommen, scheitert er an der falschen Tür (was ich in meiner Vorstellung sehr komisch finde)  muss  zur Strafe das Kleid von Alexandra Maria Lara anziehen und sich wieder setzen. Nach dreimaligem Durchlauf der Bilder – in der Zwischenzeit würde ich die Duftkerze anzünden, weil geschlossene Räume und verbrauchte Luft, und so – dürfen sich die Herrschaften erheben und ich führe mein Gespräch mit Herrn Orban nochmal. Ich bin mir sicher, er wäre etwas zugänglicher!

Falls die Herrschaften immer noch renitent sein sollten, sehe ich mich genötigt, ihren Flieger in die Heimat umleiten zu lassen. Nach Australien. 75 Km von Hobart entfernt lasse ich sie dann raus. Aber ich bin ja kein Unmensch – Sie bekommen die Landkarte von Tasmanien aus meinem Koffer.

Ich jedenfalls reise dann, in der Überzeugung, alles in meiner Macht Stehende getan zu haben, wieder nach Kanada und beschäftige mich mit Teil fünf meiner Roman-Reihe: „Von hier an blöd“.

 

„Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ von Milan Kundera – Wohlformulierte Tristesse

Buch: „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ (2016)

Autor: Milan Kundera

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 140 Seiten

Der Autor: Milan Kundera ist ein 1929 in Brünn geborener tschechisch-französischer Schriftsteller. Bereits seit den 50er-Jahren betätigt sich Kundera literarisch. 1975 verließ er sein Heimatland, wanderte nach Frankreich aus und wurde dort Dozent an der Universität Rennes.

1984 erschien der Roman, der Kundera weltberühmt machen sollte: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Über 14 Jahre nach seinem letzten Roman „Die Unwissenheit“ erschien nun „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“.

Das Buch: Vier Freunde treffen sich bei einer Pariser Party wieder. Dort plaudern sie über Gott und die Welt, über Stalins Witze, junge Frauen, den Tod und das Vergessen, über Kaliningrad, Kant, Hegel und Schopenhauer.

„Was bleibt von uns, wenn wir mal tot sind, fragen sich die Freunde und stoßen auf die Bedeutungslosigkeit des Seins an“. (Klappentext)

Fazit: Milan Kundera war mir, das gebe ich peinlich berührt zu, bislang kein Begriff. Natürlich hatte ich schon mal etwas von „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gehört, aber sowohl der Roman als auch die entsprechende Verfilmung gingen bislang immer an mir vorbei. So konnte ich also völlig unbelastet zu diesem schmalen Bändchen greifen. Die Last, die fühlte ich erst nach der Lektüre…

„Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ nennt sich selbst einen Roman, obwohl es vom Umfang her eher eine Novelle darstellt. Ich appelliere daher an alle Literaturwissenschaftler der Welt, in Zukunft alle weiteren Kriterien, die für die Bestimmung eines Textes als Novelle oder Roman wichtig sind, zu streichen, und Texte, die eine Wortzahl unterhalb von x haben, nicht mehr als Roman zu bezeichnen. Ein Roman ist Roman ist ein Roman! „Das Fest der Bedeutungslosigkeiten“ ist eher eine Aneinanderreihung von blitzlichtartig beleuchteten Szenen überschaubaren Umfangs. Sei´s drum, fangen wir beim Anfang an.

Zu Beginn des Buches treffen sich Ramon, einer der oben erwähnten vier Freunde, und d´Alambert, ein ehemaliger Arbeitskollege, durch Zufall im Park. Und schon dort wird deutlich, mit welch seltsamen Figuren Kundera seine Leser konfrontiert. D´Alambert behauptet von sich, an Krebs erkrankt zu sein und ergötzt sich an der Sorge seines Gegenübers köstlich. „Die Betretenheit auf dem Gesicht seines Gegenübers gefiel ihm (…)“ heißt es da auf Seite 18. „Ohne es zu wissen, warum, freute ihn sein erfundener Krebs.“ (Seite 20) Na, Prost Mahlzeit!

Auch die anderen Charaktere sind eher unkonventionell, so beschäftigt sich Alain zum Beispiel intensiv mit der erotischen Bedeutung der Zuschaustellung des Nabels junger Mädchens mittels bauchfreier Bekleidung. Ich gebe zu, das ist ein Bestandteil des Buches, den ich auch jetzt noch nicht begriffen habe!

Aber kommen wir weg von den Charakteren, mit denen sich der Autor auf gerade einmal 140 Seiten ohnehin nicht intensiver beschäftigen kann. (Gerade geht mir durch den Kopf: 140 Seiten; man könnte sagen, „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ ist die Twitter-Version eines Romans… – egal)

Auch die Handlung des Buches ist naturgemäß überschaubar, darauf kommt es hier aber auch überhaupt nicht an. Es gibt unzählige gute Bücher oder Filme, deren Handlung alles andere als abendfüllend ist. Man nehme nur einmal den Film“Before sunrise“ – Ethan Hawke und Julie Delpy reden, fertig ist die Handlung. Grandios ist der Film dennoch!

Dass „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ alles andere als grandios ist, liegt eher daran dass es bewusst schwermütig und zynisch ist. Es wirkt, als habe sich ein erfolgreicher aber mittlerweile schwer verbitterter Schriftsteller im Herbst seines Lebens hingesetzt, um eine Abrechnung mit den Menschen und dem Leben zu schreiben, die man auch hätte nennen können: „Und wenn schon! Ist doch eh alles egal!“ Ich weiß nicht, ob das tatsächlich die Intention des Autors war, weil ich ihn nicht persönlich kenne und das daher weder beurteilen kann oder will. Ich kann nur beschreiben, welchen Eindruck, das Buch bei mir hinterlässt.

Auf diese „egal“-Erkenntnis läuft es in Kunderas Buch heraus, wenn seine Charaktere behaupten: „Wir haben seit langem begriffen, dass es nicht mehr möglich ist, diese Welt umzustürzen oder neu zu gestalten oder ihr unseliges Vorwärtsrennen aufzuhalten.“ (Seite 94) . Es klingt auch nicht positiver, wenn sie behaupten: „Der Mensch ist nichts als Einsamkeit. (…) Eine von Einsamkeiten umgebene Einsamkeit.“ (Seite 79) Letztlich gipfelt das Ganze in: „(…) die Bedeutungslosigkeit, mein Freund, ist die Essenz der Existenz.  Sie ist überall und immer bei uns. Sie ist dort gegenwärtig, wo niemand sie sehen will: in den Greueln, in den blutigen Kämpfen, im schlimmsten Unglück.“ (Seite 137)

Würde ich zur Polemik neigen, würde ich den Vorschlag machen, dass Kundera doch mal die Menschen in Aleppo persönlich vor Ort fragt, ob sie ihr dortiges Leben und Sterben als bedeutungslos empfinden…

Einzig positiv hervorzuheben ist der Stil des Buches, letztlich auch ein Verdienst der Übersetzerin Uli Aumüller, der dafür ein Lob gebührt.

Natürlich möchte ich, wie immer, nicht ausschließen, dass ich das Buch und die Intention des Autors schlicht nicht begriffen habe, aber…

…wissen Sie was, Herr Kundera? Es ist doch völlig bedeutungslos, ob ich Ihr Buch verstanden habe oder nicht. Es ist auch völlig bedeutungslos, ob es mir gefällt. Es ist sogar bedeutungslos, ob ich diese Rezension weiterführe, oder etwa nicht!? Also belasse ich es doch einfach dabei!

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Anspruch:  7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6, 5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Falls ich morgen früh nicht einfach im Bett bleibe und das bei meinem Chef damit begründe, dass meine Anwesenheit ohnehin bedeutungslos sei, dann gibt es hier bald „Loney“ von Andrew Michael Hurley. Vorher werde ich mir noch etwas aus den Fingern saugen aber noch einen fundierten, durchdachten, komplexen und literarisch anspruchsvollen Beitrag für die 3. Runde der „Seppo Blog-Auszeichnung 2016“ verfassen, um die in Bälde – in zu baldiger Bälde, meiner Meinung nach – ablaufende Teilnahmefrist nicht zu verpassen.

„Freiheit der Schmetterlinge“ von Susan Mennings – Er kriegt sie, er kriegt sie nicht, er kriegt sie…

Buch: „Freiheit der Schmetterlinge“ (2015)

Autorin: Susanne Mennings

Verlag: Selbstverlag

Ausgabe: Taschenbuch, 432 Seiten

Die Autorin: Susan Mennings ist eine 1965 in Hamburg geborene Autorin. Nach eigener Aussage ist Schreiben für sie „nicht nur Berufung, sondern Leidenschaft“. Aus dieser Leidenschaft enstanden die Thriller „Duft der Angst“ und „Sommernachtsgrauen“, bevor sie mit „Freiheit der Schmetterlinge“ den ersten Band einer Trilogie schrieb, dem mit „Rückkehr der Schmetterlinge“ bald der nächste Teil folgte. Der Abschluss der Trilogie befindet sich derzeit in der Endphase seines Entstehens und wird hoffentlich zeitnah veröffentlicht.

Wer mehr über Susan Mennings und ihre Bücher erfahren möchte, dem sei ein Besuch ihres sehr lesenswerten Blogs „Thrillerbraut“ empfohlen.

Das Buch: Tief unterhalb des Alpen-Bergmassivs lebt in einem großen Höhlensystem das Volk der Pleberosso. Sie werden angeführt von den Farletti, einer Gruppe magisch begabter Frauen und Männer, die unter anderen für die Versorgung der Pleberosso zuständig sind.

Nun aber ist der Fortbestand des ganzen Volkes in Gefahr, denn aus ungeklärten Gründen werden seit geraumer Zeit keine weiblichen Farletti mehr geboren. Über kurz oder lang wären somit alle dem Untergang geweiht. Daher beschließen die Farletti, einen der ihren, Tomasio, damit zu beauftragen, an die Oberfläche zu gehen, und sich auf die Suche nach einer vor etwa 30 Jahren aus der Welt der Pleberosso geflohenen Farletti  zu machen, die dort, an der Oberfläche,  bereits ein Kind geboren hat. Und dieses Kind könnte den Fortbestand des Höhlenvolkes sichern.

Vor Tomasio wurde bereits dessen Bruder Lorenzo mit dieser Aufgabe betraut, machte sich aber ebenfalls aus dem Staub und verfolgt seither seine ganz eigenen Ziele. Und es sieht so aus, als wäre Lorenzo seinem Bruder immer einen Schritt voraus bei der Suche nach dem Kind.

Marisa ist Ende zwanzig und hat, wie fast der gesamte Rest der Menschheit, von der Existenz der Pleberosso nicht die geringste Ahnung. Auch von vielen anderen Dingen nicht. Sie führt ein Leben als persönliche Assistentin eines Hamburger Geschäftsmanns und abseits ihres beruflichen Dasein kann man ihr Leben bestenfalls wohlwollend als unspektakulär bezeichnen.

Nie hätte sie sich träumen lassen, welche Fähigkeiten sie als Kind der entflohenen Farletti besitzt. Und auch nicht, in welche Gefahr sie ihre Herkunft bringt.

Fazit: Nachdem ich eine Weile den Blog von Susan Mennings verfolgt und dabei den Eindruck gewonnen hatte, es mit einem grundsympathischen Wesen zu tun zu haben, reifte der Entschluss, sich auch einmal näher mit ihren Büchern zu beschäftigen. Gesagt, getan!

Den Reiz des Buches machte für mich die Mischung aus Fantasy-Elementen und der Realität aus. Hinsichtlich der Fantasy-Elemente hätte ich mir noch ein wenig mehr Informationen über den Hintergrund der Pleberosso gewünscht. Die Beschreibung des Volkes, das in utopiaähnlichen Zuständen lebt und sich den lieben langen Tag dem Müßiggang hingeben kann, dessen Zusammenleben aber bei genauerer Betrachtung weit davon entfernt ist, perfekt zu sein, diese Beschreibung war nämlich sehr spannend.

Stattdessen bewegt sich die Handlung weg von den Höhlensystemen und hin zur Oberfläche und Tomasios Suche nach Marisa. Und diese Suche hat es in sich, die Autorin nimmt den Leser auf eine Reise von Hamburg nach New York, Monaco und Venedig. Recht rasant geht es manchmal von Schauplatz zu Schauplatz, so dass ich mich ein-, zweimal fragte: „Wie? Die sind jetzt wieder in New York?“ Dies ist aber ausschließlich dem Leser anzukreiden und nicht der Autorin. 😉

Im Laufe der Handlung beschlich mich allerdings das Gefühl, nicht so ganz Teil der Zielgruppe des Buches zu sein, so war es mir dann mit Fortschreiten der Ereignisse auch irgendwann ein bisschen sehr viel Herzschmerz und Sex. Wobei gegen Sex als solchem natürlich erstmal nichts einzuwenden ist. Dennoch hat mich „Freiheit der Schmetterlinge“ mit seiner Handlung unterwegs an keiner Stelle verloren, und das können wahrlich nicht alle Bücher von sich behaupten.

In stilistischer Hinsicht gibt es meiner Meinung nach überhaupt keinen Grund zur Klage. Ich mag die Floskel nicht, dass sich ein Buch „flüssig lesen ließ“, hier trifft sie aber in positiver Weise voll zu. Zu den positiven stilistischen Eigenheiten gehört zum Beispiel, dass die Autorin einigen Figuren eine ganz eigene Art zu sprechen gibt -beispielswiese ein eher umgangssprachlicher Ton mit verschluckten Konsonanten am Wortende, was zur Charakterisierung beiträgt und es dem Leser einfacher macht, zu behalten, mit welchem Charakter er es hier zu tun hat.

Überhaupt, die Charaktere! Meiner Meinung nach liegt darin die große Stärke des Buches. Abseits der Protagonisten wissen auch Nebenfiguren durch ihre genaue Ausarbeitung zu begeistern, beispielsweise Steve, der Sohn von Marisas Arbeitgeber. Dem jungen Mann möchte man als Leser abwechselnd auf die Schulter klopfen und kurz danach doch wieder auf den Hinterkopf schlagen! Oder der undurchsichtige Benny, der dem Protagonisten Lorenzo zu Diensten ist, den er stets mit „mein Meister“ anspricht. Auch der seltener auftretende Carl Fischer, Marisas Arbeitgeber, gefiel mir. Allerdings irritierte mich die Eigenheit, Carl Fischer während des gesamten Romans beharrlich und durchgehend „Carl Fischer“ zu nennen. Nicht zur Abwechslung mal „Carl“, „Herr Fischer“, „Herr und Meister“ oder sonst etwas – immer „Carl Fischer“. Nun – vielleicht kann mir das die Autorin ja mal genauer erläutern. 😉

Abschließend kann ich sagen, dass ich gerne wissen will, wie es mit Marisa, Steve und den anderen so weiter geht – und mehr kann man doch vom ersten Teil einer Trilogie nicht verlangen, oder!? Band zwei liegt bereits auf meinem SuB und wartet. 🙂

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich werde mich gleich ein wenig mit der Lektüre von Milan Kunderas neuem Buch „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ befassen. Da es sich dabei um ein recht schmales Bändchen handelt, ist mit einer baldigen Rezension zu rechnen. Vorher, vorher muss ich mir jetzt aber erst unbedingt nochmal das neue „Schandmaul“-Album anhören. 😉 Bis demnächst

Ein Stöckchen? Nun, ich bin so Frey!

Ja, in Ordnung, ich gebe zu, ich habe ein wenig geschummelt:

Der sehr geschätzte Blogger-Kollege Peter Georgas-Frey hat kürzlich im Rahmen der Weitergabe eines „Liebster-Award“-Stöckchens alle Leser nominiert, die seinen Beitrag vom Vortag „geliked“ haben. Besagter Beitrag ging allerdings an mir vorbei. Da das vorgegebene Regelwerk jedoch nicht festlegte, wann der Beitrag „geliked“ werden musste, holte ich das einfach nach, und fühlte mich daher berechtigt und bemächtigt, die elf gestellten Fragen zu beantworten. 😉

Im Übrigen lese ich zur Zeit Peters Bücher „Die Heimkehr“ und „Die Rückkehr“, da passt so ein Stöckchen doch auch zeitlich ganz gut. Die entsprechenden Rezensionen gibt es übrigens auch bald zu lesen.

Die Regeln des „Liebster-Awards“ lauten:

•Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel.
•Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
•Nominiere zwischen 2 und 11 Blogger für den Liebster Award. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.
•Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
•Schreibe diese Regeln in deinen Liebster-Award-Blog-Artikel.
•Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

Nun denn! Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns auch endlich Taten sehn.

1. Nur WordPress oder auch andere soziale Netzwerke?

Nur WordPress, ganz eindeutig nur WordPress! Entgegen meiner sonstigen Persönlichkeit, bin ich im Bereich „social media“ vollkommen konservativ. Ich brauche das tatsächlich alles nicht! Den Sinn von Facebook habe ich irgendwie nie begriffen. Gut, es ergibt Sinn, wenn es darum geht, dass sich Menschen innerhalb kürzester Zeit zu wirklich sinnvollen Aktionen z.B humanitärer Art absprechen. Aber sonst…?

Twitter meide ich ebenso. Das liegt einerseits – zumindest in meiner eigenen, subjektiven Wahrnehmung – daran, dass ich andere Menschen nur sehr dosiert an meiner Meinung teilhaben lasse, sofern sie nicht danach gefragt haben – abgesehen natürlich von den Inhalten meines Blogs. Und andererseits liegt es sicherlich noch mehr an der Begrenzung auf 140 Zeichen. Nur ganz selten waren die Größen der Menschheitsgeschichte in der Lage, ihre revolutionären Gedanken auf 140 Zeichen zu beschränken. Man stelle sich vor, der Mathematiker Pierre de Fermat hätte zum Beweis seines „Großen Fermatschen Satzes“ twittern müssen: „Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis entdeckt, für den der Platz bei Twitter aber leider nicht ausreicht!“ 😉

Ein weiteres Problem, dass ich mit social media habe, ist die Art und Weise, wie dort mit meinen Daten umgegangen wird. Jaaa, ich weiß, ein alter Hut. Aber trotzdem: Ich nutze kein WhatsApp oder Facebook! WhatsApp wiederum überträgt aber seit kurzer Zeit, soweit ich weiß, die Telefonnummern des Nutzers an Facebook. Und meines Wissens nicht nur die, sondern auch die aller Kontakte im Telefonbuch. So könnte es also theoretisch dazu kommen, dass Facebook über Dritte in den Besitz meiner Telefonnummer durch WhatsApp kommt, obwohl ich beides nicht nutze! Und sowas regt mich auf! 😉

Natürlich, durch Nutzung von Amazon, Steam, PayPal und weiß-der-Geier-was-sonst-noch haue ich schon genug persönliche Daten in die unendlichen Weiten des Internets, aber irgendwo hört´s dann auch mal auf!

2. Bloggst Du täglich oder nach Laune?

Nach Laune! Da meine Beiträge fast ausschließlich aus Buchrezensionen bestehen, ist tägliches Bloggen für mich nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Sollte ich es irgendwann einmal schaffen, täglich eine Rezension zu veröffentlichen, dann läuft irgendwas verkehrt. 😉

Allerdings trage ich mich mit dem Gedanken, meinen Blog um eine noch nicht näher definierte Rubrik noch unbekannten Namens zu erweitern, die nichts mit Literatur zu tun hat und es mir ermöglicht, doch mal etwas zu dem ein oder anderen aktuellen Thema zu sagen, das mir möglicherweise unter den Nägeln brennt, denn deren gäbe es viele. Vielleicht eröffne ich auch mal irgendwann einen Zweitblog, mal schauen.

3. Wie retten wir die Welt?

Das kommt darauf an, ob man „Welt“ als den Planeten Erde definiert oder als das komplizierte globale Konstrukt aus, soweit ich weiß, knapp 200 Staaten. Für beide habe ich keine adäquate Lösung. Hätte ich sie, säße ich jetzt nicht hier, sondern in den Zentren der Macht, welche immer das sein mögen!

Sollte der Planet Erde gemeint sein, dann habe ich diesbezüglich das diffuse Gefühl, dass sich dieser über kurz oder lang selbst helfen wird. Irgendwann wird dann halt doch der Zeitpunkt kommen, an dem Gas, Öl, Kohle und andere Ressourcen zur Neige gehen. Und da die Menscheit seit Generationen nach dem „Das-wird-sicherlich-nicht-zu-unseren-Lebzeiten-passieren-„Prinzip agiert, mich unbestritten eingeschlossen, besteht irgendwie nicht genug Interesse, sich technologisch auf diese Situation vorzubereiten. Wahrscheinlich ist damit nicht mehr genug Geld zu verdienen… Und spätestens ab dem Punkt, an dem die Ressourcen verschwunden sind und die Menschheit erstaunt feststellt, dass kein Auto ohne Benzin oder Diesel und kein Containerschiff ohne Schweröl fährt und dass kein Flugzeug ohne Kerosin abhebt, spätestens dann wird sich die Lebensweise der Menschen so anpassen müssen, dass der Planet vielleicht die Gelegenheit bekommt, sich selbst ein wenig zu regenerieren. Es wäre ihm zu wünschen…

Sollte das oben erwähnte komplizierte Konstrukt aus knapp 200 Staaten gemeint sein, so habe ich erst recht keine Lösung. Vielleicht sollte man daher hierzulande erstmal anfangen und sich die Prioritätenfrage stellen: Wenn an einem Wochenende bundesweit über 100.000 Menschen auf die Straße gehen, um gegen TTIP und CETA zu demonstrieren – bei allem Respekt und Verständnis dafür -, weil sie Angst vor Chlorhühnchen und der Abschaffung des Reinheitsgebotes für das Bier und der Aufweichung des Verbaucherschutzes haben, dann ist das ja in Ordnung.

Ich persönlich würde mir aber wünschen, dass angesichts von über 1.000 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte im Jahr 2015 und fast 350 im ersten Quartal 2016 eben auch mal eine identische Zahl auf die Straße geht! Und zwar nicht die vom Ende des ganz linken Spektrums, deren Interesse ebenfalls vorzugsweise in Randale besteht, sondern ganz normale Menschen wie Du und ich.

Ich persönlich würde mir auch wünschen, dass man es länger thematisiert, wenn 80, nun, ich will sie mal wohlwollend „Menschen“ nennen, wenn also diese 80 „Menschen“ in Bautzen 20 Asylbewerber durch die Stadt jagen. Ich würde mir auch wünschen, dass diese Auseinandersetzung nicht mit einer Ausgangssperre nach 19 Uhr für die Flüchtlinge geendet hätte, womit man den rechten Vollschwachmaten, die immer wieder beharrlich behaupten, sie seien „das Volk“ (zu dem ich dann nicht gehören will, wenn sie es sind), den Eindruck vermittelt, die hätten da etwas ganz dolle richtig gemacht!

Ich persönlich würde mir auch wünschen , die verbliebenen 27 EU-Staaten bzw. deren Staats- und Regierungschefs und Innen würden mal begreifen, dass ein – vorübergehender – Zuzug von einigen Millionen Flüchtlingen in einen Wirtschaftsraum von über 330 Millionen Menschen (Euro-Zone) nicht den Untergang der westlichen Abendländer bedeutet, wenn, nein, falls man denn mal in der Lage wäre, sich über eine entsprechende Verteilung zu einigen.

Ich persönlich würde mir auch wünschen, dass irgendjemand zeitnah in der AfD das Amt von Frauke Petry übernimmt – nicht, weil ich mir davon einen Politikwechsel dieser monothematischen Vereinigung erhoffe, sondern, damit ich dieses affektierte Grinsen nicht mehr ertragen muss, das mich an jedem Wahlabend immer wieder meine gute Erziehung vergessen lässt!

Ich persönlich würde mir auch wünschen, dass der SV Werder Bremen am Mittwoch gegen Mainz gewinnt – aber ich bin ja kein Träumer! 🙂

4. Was müssen wir tun, um Kindern eine erfüllende Kindheit zu erhalten?

Das ist die perfekte Frage, um von mir als kinderlosem Single, der altersmäßig hart auf die „midlife-crisis“ zusteuert, beantwortet zu werden… 😉

Ich will mich einfach mal auf den banalen Punkt beschränken, dass für Kinder – seitens des Staates – genug Geld ausgegeben werden muss. Und zwar vor allem für die, die es am dringendsten nötig haben. Und das sind häufig Kinder alleinerziehender Elternteile. Da reicht das gut gemeinte und schlecht gemachte Teilhabe-Tralala noch nicht im Geringsten!

Aber so wirklich kinderfreundliche Politik gab es, wenn man mal ehrlich ist, hierzulande auch letztmals,…, ähm,…, das…war…irgendwann…! Also, es ist jedenfalls schon lange her!

5. Wie wichtig ist Bildung?

Ich könnte jetzt das Politikersprech von der Bildung als wichtigstem Rohstoff des Landes rausholen… Allerdings, ganz so verkehrt ist das ja nicht!  Ich könnte das jetzt auch näher ausführen, aber dann sprengt das den Rahmen, ich habe ja noch ein paar Fragen vor mir! 😉

6. Lieber Genuss oder Gesundheit – oder geht beides?

Genuss, tragischerweise eindeutig Genuss! Das äußert sich dann regelmäßig in der Frage, ob dieses Kilo letzte Woche schon da war, und der Überzeugung, dass das ja eigentlich nicht sein könne…

Ich geb´s zu, ich könnte und müsste ein wenig dagegen tun. Ich sage mir mir auch regelmäßg: „Morgen! Morgen fange ich an…!“ Aber…

7. Lieblingsautor oder Lieblingsbuch?

Puh, schwierige Frage!

Ein bestimmtes Lieblingsbuch habe ich persönlich nicht. Ich habe viele! 😉

Und der/die Lieblingsautor/in wechselt in regelmäßigen Abständen: Ende der 80er, Anfang der 90er war es Anna Müller-Tannewitz, die mit ihrem Jugendbuch „Die weißen Kundschafter“ den Grundstein für vieles bei mir gelegt hat.

Ende der 90er bis Anfang der 2000er wäre die Wahl eindeutig auf Kai Meyer und Tanja Kinkel gefallen. Bücher wie „Die Alchimistin“ oder „Das Haus des Dädalus“ von Meyer oder „Unter dem Zwillingsstern“ von Kinkel, die liebe ich noch heute.

Aktuell geht für mich nichts an David Mitchell, Joel Dicker und John Boyne vorbei.

8. Dein Lieblingsaphorismus?

So etwas habe ich eigentlich nicht. Wobei ich zugebe, dass ich gerne in der Lage wäre, bei jeder passenden Situation so etwas zu sagen wie: „Also, Kierkegaard hat dazu einmal so treffend gesagt:…“ 😉

Wenn ich einen oder zwei Aphorismen heraussuchen sollte, würde ich mich natürlich als Buchblogger auch für einen thematisch passenden entscheiden. So hat z.B. Schopenhauer mal gesagt:

„Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.“

Lord Thomas Babington Macaulay (1800-1859) hat gesagt:

„Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.“

Und beide haben recht!

Wenn ich so darüber nachsinne…ich glaube, einen Lieblingsaphorismus habe ich doch, wobei mir der Urheber unbekannt ist. Er lautet

„Schützt die Bäume, esst mehr Biber!“ 🙂

9. Welches Sachbuch liest du als nächstes?

Ich habe mir vor bald gut einem Jahr mal vorgenommen, „Die Entscheidung: Klima vs. Kapitalismus“ von Naomi Klein zu lesen, einfach, weil es im ZDF eine gute Kritik bekommen hat. Ich habe es gerade nochmal aus einem meiner SuB hervor gekramt – vielleicht schaffe ich es dieses Jahr…

10. Welches Ziel möchtest du in den nächsten zehn Jahren erreichen?

Tja, da könnte ich die Messlatte hochlegen und sagen: „In zehn Jahren will ich Eigentümer einer kleinen, aber gut gehenden Buchhandlung sein!“ Ich könnte die Messlatte noch höher legen und sagen: „In zehn Jahren möchte ich Sam Riley davon überzeugt haben, dass Alexandra Maria Lara nicht die richtige Frau für ihn ist. Um sie anschließend selbst zu heiraten!“

Aber eigentlich würde es mir gefallen, wenn ich in zehn Jahren noch mein Leben, meinen Blog und meinen Job hätte. Schließlich bringt das ganze Ziele setzen nichts, wenn man irgendwann Opfer eines Mofa fahrenden, unaufmerksamen „Pokémon Go“-Spielers wird…

11. Wie gehst du mit Kritik um?

Das kommt ganz immens darauf an, wie sie geäußert wird und darüber hinaus auch, von wem sie kommt. „Ich finde nicht gut, was Du machst!“ kommt bei mir naturgemäß weniger an als „Ich finde nicht gut, was Du machst, weil…!“

So, das soll es dann auch gewesen sein. Es wurde dann doch mehr Text, als ich vorher gedacht habe! 😉 Wer bis hierhin durchgehalten hat: Herzlichen Dank für die Aufmerksamtkeit!

Auf eine Nominierung meinerseits verzichte ich heute mal, da meine letzten Nominierungen kollektiv freudig zur Kenntnis genommen wurden und anschließend trotzdem irgendwie in Vergessenheit gerieten…

P.S.: Nochmal einen herzlichen Dank an Peter für die gestellten Fragen und die mir freundlicherweise zugeschickten Bücher!