Hohoholidays …

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

„Jetzt ist ja gerade die stille Zeit. Ich persönlich freue mich, wenn es danach ruhiger wird.“, sagte man mir neulich. Und das deckt sich mit meiner Einschätzung.

Sollte also jemandem, wovon ich in der mir innewohnenden, grenzenlosen Selbstüberschätzung selbstredend ausgehe, bis zum Jahresende eine weitgehende Abwesenheit meiner Person in der Blogosphäre auffallen, so liegt das mitnichten daran, dass irgendetwas im Argen läge, sondern lediglich daran dass ich ebenfalls eine kurze, schnell vorübergehende stille Zeit einläute, in der Hoffnung, dass es anschließend ruhiger wird.

Mit anderen Worten: Mein Blog und ich machen Jahresendferien. Pünktlich zum neuen Jahr geht es dann an dieser Stelle mit den nächsten Rezensionen wieder los.

Ich wünsche daher allseits ein schönes Weihnachtsfest und vorausschauend auch schon mal einen guten Rutsch in ein Jahr 2020, das, da lehne ich mich im vollen Bewusstsein, das Universum damit zu provozieren, mal weit aus dem Fenster, nicht beschissener werden kann, als das nun bald abgelaufene.

Bis dahin gilt an dieser Stelle: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!

Gehabt euch wohl!

„Zeit der Mörder“ von Ulf Torreck

Buch: „Zeit der Mörder“

Autor: Ulf Torreck

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 576 Seiten

Der Autor: Ulf Torreck, geboren 1972 in Leipzig, arbeitete bereits früh als Barmann, später als Journalist und Filmkritiker. Nach längeren Aufenthalten in Südostasien, Frankreich, Irland und Großbritannien begann er, Novellen und Romane zu schreiben. Seit April 2011 veröffentlichte Ulf Torreck unter dem Pseudonym David Gray fünfzehn Thriller und Kriminalromane, die regelmäßig Spitzenpositionen in den E-Book-Charts erreichten. Für seine historischen Thriller »Das Fest der Finsternis« (ebenfalls bei Heyne erschienen) und »Zeit der Mörder« recherchierte Torreck mehrere Jahre lang und befasste sich intensiv mit den dunklen Seiten des Menschen. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Oktober 1947. In einem kleinen irischen Dorf erschießt der Maler Claas Straatmann einen Fremden, der in sein Haus eingebrochen ist. Alles deutet auf Notwehr hin. Doch die Aussage, die Straatmann bei dem jungen Inspector Lynch macht, führt zurück in eine dunkle Zeit. In Wahrheit heißt der vermeintliche Maler nämlich Carl von Maug und war während der deutschen Besetzung von Paris damit beauftragt, den furchtbarsten Serienkiller Frankreichs zu jagen. Die Geschichte, die er erzählt, reißt den Inspector in einen Strudel aus Hass und Gewalt. Doch Lynch kommt der Verdacht, dass Straatmann lügt… (Quelle: Heyne)

Fazit: Zugegeben, wenn im Klappentext eines Buches die Begriffe „Serienmörder“, „Hass“ und „Gewalt“ enthalten sind, ist absehbar, dass essentielle Bestandteile des Buches nun nicht gerade darin bestehen, dass die Protagonisten Pompons fuchtelnd gemeinsam „Do you hear the people sing“ aus „Les Misérables“ singen. Damit, dass „Zeit der Mörder“ phasenweise dann aber doch ziemlich harter Stoff ist, hätte ich allerdings dennoch nicht gerechnet, denn sonst hätte ich, das gebe ich gerne zu, von Anfang an wahrscheinlich von der Lektüre abgesehen. Warum Torrecks Roman dennoch ein sehr lesenswertes Buch ist, versuche ich im Folgenden nun mal zu erläutern.

Torreck teilt seinen Roman in zwei Handlungsstränge, die in zwei unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Während im Irland des Jahres 1947 die Ermittlungen bzw. das Verhör vom Maler Claas Straatmann geschildert werden, wendet sich der zweite Handlungsstrang im Jahr 1943 in Frankreich den Ereignissen zu, die letztendlich zur Erschießung des Einbrechers 1947 geführt haben.

Im Mittelpunkt steht in beiden Handlungsebenen eben jener Claas Straatmann, bei dem es sich eigentlich um Carl von Maug handelt, einen Obersturmbannführer, der als Nachfolger des wegen Bestechlichkeitsvorwürfen abberufenen Kurt Lischka nach Paris versetzt wird, um dort unter anderem die Arbeit zwischen deutschen und französischen Polizeibehörden zu koordinieren.

Dabei geht von Maug seiner Tätigkeit nur semi-begeistert nach, denn er möchte, vor dem Hintergrund der Entwicklungen des Zweiten Weltkriegs und in völliger Gewissheit, dass Deutschland diesen verlieren wird, vor allem eines: sich zu Tode trinken, um nicht unbedingt miterleben zu müssen, was nach der Niederlage Deutschlands so kommt. Diesem Vorhaben wiederum kommt von Maug allerdings vollständig begeistert nach.

Das ändert sich erst, als deutlich wird, dass in Paris wohl ein Serienmörder umgeht, dem man tunlichst das Handwerk legen sollte, denn der französische Widerstand könnte diesen Umstand ausnutzen, um die Bevölkerung gegen die Besatzer aufzubringen, da diese eben augenscheinlich nicht mal imstande sind, die Bevölkerung vor einem solchen Widerling zu beschützen.

Also macht sich von Maug mit Unterstützung seines Adjutanten Heiliger sowie dem französischen Ermittler Perreau ans Werk …

Torrecks Stärke liegt in erster Linie in der Stimmung, die sein Roman erzeugt. Es gelingt ihm mittels eines eher reduzierten, sachlichen Stils eine düstere Atmosphäre zu erzeugen, die der Roman über seine gesamte Länge halten kann und die dazu führte, dass vor meinem inneren Auge seltsamerweise immer eine Art Schwarz-Weiß-Film ablief.

Der reduziert-sachliche Ton erstreckt sich auch auf die Charaktere des Romans. Torreck zeichnet keine komplizierten Psychogramme – das passiert tatsächlich nur im Hinblick auf die Frage nach der Urheberschaft der Mordserie -, aber seine Charaktere wirken stimmig und lebendig. Der einzige kleine Kritikpunkt, den ich hierbei anbringen möchte, liegt in der Person des Protagonisten Carl von Maug. Jener von Maug ist, ich erwähnte es, stark alkoholsüchtig. Irgendwann jedoch beschließt er, die Sauferei sein zu lassen. Löblich! Nur gelingt ihm das verdächtig einfach. Vor dem Hintergrund der sonstigen Atmosphäre wäre es viel passender gewesen, die mit dem Entzug verbundenen Schwierigkeiten stärker in den Vordergrund zu stellen. Das ist aber letztlich Jammern auf hohem Niveau.

Die Geschichte bezieht ihre Spannung zu großen Teilen aus der Frage, was man aus den Einlassungen des Carl von Maug nun glauben kann und was nicht. Vor dem Hintergrund entwickelt sich eine spannende Mörderjagd, bei der man als Leser nie so ganz sicher sein kann, ob das alles nun tatsächlich so stattgefunden hat, wie von Maug das behauptet. Eine Mörderjagd übrigens, bei der ich natürlich auch mitgeraten und auf die wirklich größtmögliche Art danebengelegen habe … Nicht, dass das neu wäre, aber so daneben lag ich selten.

Lediglich habe also eigentlich nur den eingangs erwähnten Gewaltgrad zu kritisieren. Ich muss nicht unbedingt in allem Detailreichtum lesen, wie ein Mörder seine Opfer zu bizarren Bildkompositionen drapiert. Oder wie er einzelne Körperteile seiner Opfer zu aussagekräftigen Formen und Bildern anordnet bzw. zusammenfügt. Für mich ist das einfach eine Nummer obendrüber und die Handlung hätte auch gut funktioniert, wenn man das etwas weniger plastisch geschildert hätte. Das ist allerdings mein persönliches Problem, weil ich eben Gewaltdarstellung in Büchern, bei der ich das Gefühl habe, dass sie eben um ihrer selbst Willen eingearbeitet ist, nicht sonderlich mag.

Wer damit kein Problem hat, bekommt einen spannenden Roman mit einem Handlungsrahmen, der vergleichsweise unverbraucht ist.

Ich bedanke mich beim Heyne Verlag sowie dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplares. Dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Könige der Finsternis“ von Nicholas Eames ooooder aber „Scherben der Ahnen“ von Stephan Linnenbank. Je nachdem, welches von beiden ich eher durchgelesen habe, wird es also so oder so auf Fantasy hinauslaufen.

„Das rote Halsband“ von Jean-Christophe Rufin

Buch: „Das rote Halsband“

Autor: Jean-Christophe Rufin

Verlag: Penguin Verlag

Ausgabe: Taschenbuch, 170 Seiten

Der Autor: Jean-Christophe Rufin, geboren 1952, ist Arzt und Schriftsteller, Mitbegründer und ehemaliger Vizepräsident von Ärzte ohne Grenzen und war Staatssekretär im französischen Verteidigungsministerium und beim Roten Kreuz. 2007 wurde er französischer Botschafter im Senegal. Er schrieb zahlreiche sehr erfolgreiche, preisgekrönte Romane. Für Rouge Brésil erhielt er 2001 den Prix Goncourt. Seit 2008 ist er Mitglied der Académie francaise. (Quelle: Penguin)

Das Buch: Sommer 1919: In einer kleinen französischen Stadt sitzt der Kriegsheld Jacques Morlac in Untersuchungshaft. Er wurde eingesperrt, weil er den ihm verliehenen Tapferkeitsorden seinem Hund ans Halsband heftete, statt die Ehrung anzunehmen. Warum hat er das getan? Und warum will er nun seinen treuen Gefährten, der sich vor dem Kerker die Seele aus dem Leib bellt, nicht zu sich lassen? Auch der Mutter seines kleinen Sohnes, die seine Rückkehr sehnsüchtig erwartete, verweigert er das Wiedersehen. Keine leichte Aufgabe für den jungen Richter Lantier de Grez, Morlacs dunkles Geheimnis aufzudecken … (Quelle: Penguin)

Fazit: Bevor angesichts einer deutlich verminderten Zahl an Beiträgen an dieser Stelle und in der jüngeren Vergangenheit der Verdacht aufkommt, mein Blog würde so langsam dem Ende entgegensiechen – ähnlich wie frecherweise und zu meiner grenzenlosen Verstimmung mein favorisierter Fußballverein am gestrigen frühen Abend –  ist es wohl an der Zeit, sich mal wieder mit einer Rezension hervorzutun. Kommen wir also weg von meinem gestern erlittenen Ungemach und wenden uns Jean-Christophe Rufin und seinem Roman „Das rote Halsband“ zu.

Angesichts des überschaubaren Umfang von 170 Seiten, empfinde ich es als vergleichsweise schwierig, etwas über das Buch zu erzählen, ohne zuviel zu verraten und den Lesegenuss, denn die Lektüre von Rufins kleinem Roman war tatsächlich ein solcher, nachhaltig zu beschädigen, ein Versuch sei mir dennoch gestattet.

Inhaltlich beschäftigt sich der Autor mit dem Phänomen des Krieges und dem, was ihn, den Krieg, zu einer so dummen Idee macht. Punkt. Mehr kann, will und darf ich eigentlich schon gar nicht verraten.

Die Stärken von „Das rote Halsband“ liegen dabei sowohl in der Geschichte, als auch in den Charakteren, dem Stil, in dem der französische Autor seine Geschicht erzählt sowie der Wirkung, die diese auf den Leser erzielt. Man könnte also annehmen, dass ich nicht viel zu kritisieren habe und überraschenderweise stimmt das tatsächlich.

Rufins Geschichte ist nicht überragend komplex – wie auch, auf nur 170 Seiten ? -, dafür aber sehr charmant und anrührend. Der Autor bedient sich dabei eines Stils, den man guten Gewissens als reduziert bezeichnen kann. Einerseits passt das zum Romanumfang, andererseits hat der Roman dennoch, oder gerade deswegen, eine nicht unerhebliche sprachliche Schönheit. Der Übersetzerin Natalie Lemmens gebührt hierfür ein großes Lob!

Auch hinsichtlich der Charaktere scheint Reduktion oberste Prämisse gewesen zu sein. Rufin beschreibt seine Charaktere nicht ausufernd, lässt sie keine seitenweisen inneren Monologe führen, gibt ihnen keine umfangreiche Vorgeschichte, nein, er lässt seine Charaktere sich selbst beschreiben, durch das, was sie tun und in erster Linie durch das, was sie sagen. Und das reicht vollkommen aus!

Insgesamt, und man verzeihe mir die Kürze meiner Einlassungen, da ich nun schon zum Schluss komme, hat Rufin einen wirklich lesenswerten, charmanten Roman mit großer Aussage geschrieben. Für mich ein Lesehighlight in diesem an Lesehighlights so armen Jahr. Ein Buch, das, nur so nebenbei bemerkt und wenn ich so drüber nachdenke, ziemlich gut unter den Weihnachtsbaum passen könnte. Ich wollte es nur gesagt haben …

Ich bedanke mich beim Penguin Verlag sowie beim Bloggerportal für die freundliche Übersendung des  Rezensionsexemplars. Dass es sich hierbei um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Zeit der Mörder“ von Ulf Torreck

 

06 – Der Termin | Adventüden — Irgendwas ist immer

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

in aller mir zur Verfügung stehenden Bescheidenheit weise ich darauf hin, dass bei der geschätzten Kollegin und Etüdenorganisatorin Christiane heute mein Beitrag zu den Adventüden erschienen ist. Ein herzliches Dankeschön, liebe Christiane, für die Organisation der ganzen Aktion. Nebenbei sei mir noch gestattet, zu erwähnen, wie großartig ich doch den Begriff „Adventüden“ finde. :-)

Wer also wissen will, welchem Unbill sich der heute zelebrierte Süßigkeitenlieferant manchmal ausgesetzt sieht und warum durchaus die Möglichkeit besteht, dass alle Kalenderhersteller des Landes ihre gesamte Produktion für 2020 wegwerfen und neu produzieren müssen, schaut mal dort vorbei. Ich würde mich freuen.

Gehabt euch wohl.

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen. Der Termin (fraggle, reisswolfblog) »Ah, der 15-Uhr-Termin! Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lübke, Prokurator, Geschäftsführer und Personaler der Fate LLP, mit Sitz in der Hölle und im Besitz von Herrn S. Atan, der leider verhindert ist, weswegen ich dieses Einstellungsgespräch mit Ihnen […]

über 06 – Der Termin | Adventüden — Irgendwas ist immer

Prangenten e.V. prangert an: Mangelndes Sprach – und Demokratieverständnis

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die Stammleserschaft weiß es längst, den anderen sei es hier nochmal gesagt, nämlich, dass der geschätzte Bloggerkollege René und ich vor ziemlich genau einem Jahr – genau eine Woche fehlt übrigens noch zum einjährigen Jubiläum – den non-profit-Haufen „Prangenten e.V.“ hochgezogen haben, mit dem Ziel, alles was es landauf, landab anzuprangern gibt, auch anzuprangern. Anfänglich zugegebenermaßen ins Leben gerufen, um selbiges eher mit einem Augenzwinkern zu tun, nehme ich mir in jüngerer Vergangenheit die Freiheit heraus, verstärkt Dinge anzuprangern, die mir tatsächlich ernstlich auf den, sagen wir vorsichtig Keks gehen. Auch heute wieder:

 

Wer aufmerksam die Medien verfolgt, dem wird vielleicht schon bekannt sein, dass der MDR jüngst Uwe Steimle gefeuert hat. Vor dem Hintergrund der Ewigkeit und der Sinnlosigkeit allen irdischen Seins könnte man das mit der Nichtbeachtung strafen, die dieser Sachverhalt eigentlich verdient hat, wenn da nicht Steimles Reaktion wäre, die eigentlich nicht unwidersprochen bleiben darf.

Was war nun im Einzelnen passiert?

Uwe Steimle ist Schauspieler, Kabarattist, wenn man den Begriff wohlwollend auslegt, und Satiriker, zumindest selbsternannter. Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit als Ermittler im „Polizeiruf 110“. Als 2008 bekannt wurde, dass die Reihe mit Steimle nicht fortgesetzt werden soll, vergriff sich der Schauspieler erstmalig im Ton und sprach von „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“. Er forderte sogar eine Art Sondersendung am Sonntagabend, in der er mit dem damaligen ARD-Programmdirektor über das Thema diskutieren wollte. Eine völlig angemessene Reaktion, schließlich fordere ich meinen Chef auch immer auf, sich mit mir auf dem Marktplatz auf Apfelsinenkisten zu stellen, und es auszudiskutieren, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Gleich, nachdem ich ihm vorgeworfen habe, mich mundtot zu machen …

Auch in der Folge hat sich Steimle häufig diskussionswürdig verhalten, bezeichnete beispielsweise den jetzigen Außenminister Maas, den man auch gar nicht mögen muss, als „Arsch“ und „Flachzange“, weil dieser es doch tatsächlich gewagt hatte, etwas Negatives über die Pegidioten und deren peinliche Veranstaltungen zu sagen. Er verbreite falsche Gerüchte über Flüchtlinge und verglich die Rassisten von „Revolution Chemnitz“ mit der Olsen-Bande.

Während dieser Zeit stand Steimles Haus- und Hofsender, der MDR, immer hinter seinem Künstler, egal, wie streitbar er auch war.

Nun aber hat Steimle vor einigen Wochen der Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die sogar von der „Welt“ – und das will was heißen – schon vor 10 Jahren als „Sprachrohr der Neuen Rechten“ bezeichnet wurde, ein Interview gegeben, in dem er – die Lektüre des Interviews empfehle ich übrigens, allerdings nur unter vorheriger Einrichtung von Sicherheitmaßnahmen, wie einem Eimer, einer Tüte oder einem sonstigen Behältnis, welches für die Aufnahme des Mageninhaltd geeignet erscheint – unter anderem Dinge gesagt hat wie

„(…) glauben Sie zum Beispiel bitte nicht, wir hätten einen staatsfernen Rundfunk!“

denn

„Inzwischen weiß jeder, daß etwa Atlantikbrücke-Mitglied Claus Kleber der Karl-Eduard von Schnitzler der BRD ist, zusammen mit seiner Marionetta Slomka.“

Auch da gab es seitens des Senders lediglich einen obligatorischen Schuss vor den Bug.

Angesichts dieser Reaktion stellt der Schauspieler in einem weiteren Interview, diesmal bei der „Neuen Thüringer Zeitung“ klar, er sei „entsetzt und traurig“, dass sich der Sender nicht schützend vor ihn stelle.

Nachdem also Steimle seinem eigenen Haus- und Hofsender, genauer gesagt seinem Arbeitgeber (!), mangelnde Staatsferne vorgeworfen hat, und dann noch beleidigt darüber war, dass man ihm dafür nicht huldigt, war für den Sender jetzt der Ofen aus: Steimle wird gefeuert, seine aktuelle Sendereihe im nächsten Jahr nicht fortgesetzt.

Der Schauspieler zeigt nach dieser Reaktion, dass er das Beleidigtsein aber noch viel besser beherrscht, sagt er doch zu seinem Rauswurf:

„Ich wurde entfernt, das ist eindeutig Berufsverbot, Zensur ersten Grades!“

und

„Eine Demokratie, die der freien Meinungsäußerung keinen Raum lässt, muss sich fragen lassen, ob sie noch eine Demokratie ist“

Berufsverbot, Zensur, Meinungsfreiheit:  Steimle braucht nur zwei Sätze, um zu verdeutlichen, dass er drei  wichtige bis tragende Begriffe unseres Grundgesetzes nicht begriffen hat.

Ein Rauswurf bei einem Arbeitgeber IST kein Berufsverbot, es ist ein Rauswurf, mehr nicht. Und im vorliegenden Fall auch noch mehr als gerechtfertigt. Wenn ich in meinem Büro aufspringe und lauthals „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle, wird mein Arbeitgeber sicherlich auch erst mal irritiert sein, belässt es aber, falls ich ganz viel Glück habe, dabei, weil er meint, dass ich vielleicht Montag habe oder es allgemein gerade nicht so leicht oder was auch immer. Wenn ich ihn aber dann zum Mitsingen auffordere, er das nicht tut, und ich meinen Unmut darüber äußere, ihn in der Folge meinetwegen als illoyalen, blöden Sack beschimpfe, dann, ja dann verliere ich wohl meinen Job. Das bedeutet aber nicht, dass man mir verbietet, weiterzuziehen und zu versuchen, meinen Job ein paar Häuser weiter fortzusetzen. Bis ich dann wieder „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle …

Wenn mir mein Arbeitgeber in diesem, zugegeben, abstrusen Szenario, allerdings kurzerhand verbietet, weiter Siegerkranz-Lieder zu singen, ist das genausowenig Zensur, wie es das ist, wenn der MDR seine Arbeit mit ihm beendet. Das ist eine reine Personalentscheidung, sicherlich auch eine wirtschaftliche, hat aber mit einer Zensur nicht das Geringste zu tun. Genauso wie ich als Arbeitnehmer das Recht habe, mich bei jedem Arbeitgeber der Welt zu bewerben, so hat der Arbeitgeber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn tätig ist.

Und was die Meinungsfreiheit angeht, so findet sich auf der Facebook-Seite des Schauspielers ein Bild mit der Text:

„Solidarität mit Uwe Steimle -„Steimles Welt“ wurde eingestellt. Teile dieses Bild, wenn auch DU der Meinung bist, dass das eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist“.

Ich werde aufgefordert, meine Meinung (!) darüber abzugeben, ob  man die Meinungsfreiheit einschränkt … – kannste Dir nich ausdenken, so was …! In einer Welt, in der gerichtlich festgestellt wurde, dass Frau Künast sich online aufs Übelste beleidigen lassen muss, wir behauptet, dass der „Meinungsfreiheit keinen Raum“ gelassen wird. Kannste Dir ebenfalls nich ausdenken, so was …!

Nein, was Menschen wie Steimle, der noch 2009 für „Die Linke“ Mitglied der Bundesversammlung war, in der Zwischenzeit also eine bemerkenswert lange Strecke in der deutschen Parteienlandschaft zurückgelegt haben muss, beklagen, hat mit mangelnder Meinungsfreiheit nichts zu tun.

Das, was Leute wie Steimle wollen, ist, rassistischen Unfug absondern zu dürfen. Und das, was Menschen wie Steimle fordern, ist, dass ihr rassistischer Unfug nicht nur unwidersprochen bleibt, nein, sie wollen dafür auch noch Zustimmung, wollen auch noch Lob dafür bekommen.

Das sag ich mal spontan: Nö!

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.