„Der Store“ von Rob Hart

Buch: „Der Store“

Autor: Rob Hart

Verlag: Heyne

Ausgabe: Hardcover, 586 Seiten

Der Autor: Rob Hart hat als politischer Journalist, als Kommunikationsmanager für Politiker und im öffentlichen Dienst der Stadt New York gearbeitet. Er ist Autor einer Krimiserie und hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. »Der Store« ist sein erster großer Unterhaltungsroman. Derzeit ist er Verleger von MysteriousPress unter dem Dach von The Mysterious Bookshop in Manhattan. Rob Hart lebt mit Frau und Tochter auf Staten Island. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.

Paxton und Zinni lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Paxton hat dort eine Anstellung als Security-Mann gefunden, nachdem sein Unternehmen ausgerechnet von Cloud zerstört wurde. Zinnia arbeitet in den Lagerhallen und sammelt Waren für den Versand ein. Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Bis eine schreckliche Entdeckung alles ändert. (Quelle: Heyne)

Fazit: Rob Harts Debütroman wird Gemeinsamkeiten mit „Schöne neue Welt“, „1984“ oder, wenn wir uns auf einen neueren Titel – und einen, den ich wenigstens auch gelesen habe – beschränken wollen, mit „Der Circle“ von Dave Eggers nachgesagt.

Große Fusstapfen also, in die Rob Hart mit seinem Roman da treten könnte. Leider sind die Schuhe von „Der Store“ dafür zu klein. Viel zu klein.

Hart versetzt uns mit seinem Roman in ein Amerika der (vermutlich) nahen Zukunft. Weite Teile der Welt sind mittlerweile wüst, öd und leer, hier und da lässt sich eine Geisterstadt bestaunen. Leben und arbeiten findet nahezu ausschließlich beim Megakonzern Cloud statt, der zu diesem Zweck riesige Areale mit Arbeits-, sowie Wohn- und Freizeiteinrichtungen und allem, was man sonst noch so braucht, zupflastert, und von wo aus die bei Cloud hergestellten Waren per Drohnen in alle Welt geliefert werden.

In einem dieser Zentren arbeiten Paxton, der sein Geschäft gerade wegen der übermächtigen Konkurrenz durch Clord schließen musste, sowie Zinnia, deren Motive anfangs im Dunkeln bleiben. Diese beiden Figuren stellen die Protagonisten dar und in der Tat sind praktisch alle anderen Charaktere zu vernachlässigen, denn mehr als Staffage sind sie nur selten. Als einzige Ausnahme sei hier noch Gibson Wells genannt, der mittlerweile schwer erkrankte Gründer und Eigentümer von Cloud.

Abwechselnd aus Paxtons und Zinnias Sicht schildert Rob Hart den Alltag in der Cloud, der, wen wundert es, geprägt ist von Arbeit und ständiger Überwachung. Unterbrochen werden diese Kapitel von Blogeinträgen von Gibson Wells, in denen er mehr zur Hintergrundgeschichte von Cloud und seinen Motiven erzählt.

Und selten konnte man über Protagonisten so wenig schreiben wie hier. Paxton und Zinnia sind mit einer minimalen Hintergrundgeschichte ausgestattet, die sie nicht im geringsten greifbarer macht und beide sind mir von Herzen egal. Wells dagegen, ein wirtschaftsliberales Ekelpaket, irgendwo zwischen Jeff Bezos und Christian Lindner, kann man wenigstens noch leidenschaftlich verabscheuen. Er zeichnet sich durch absolute Selbstsicherheit einerseits und totale Ahnungslosigkeit bezüglich des Lebens und der Bedürfnisse normaler Menschen andererseits aus, wirkt aber in jeglicher Hinsicht überzeichnet, stellt man sich doch bald eine Art Karrikatur aus Don Vito Corleone und Ernst Stavro Blofeld vor.

Auch inhaltlich stolpert der Roman zu häufig. Nach einem noch recht gefälligen Einstieg verflacht der Spannungsbogen im Laufe der Handlung zusehends, um erst gegen Ende des Buches wieder anzusteigen. Bis dahin wird das Leben bei und für Cloud zwar anschaulich geschildert, die Spannung bleibt  dabei aber weitgehend auf der Strecke. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass dieser Eindruck auch damit zusammenhängt, dass mir die Charaktere schlicht wurscht waren.

Dabei fallen dem aufmerksamen Leser immer wieder kleinere Logiklöcher in der Handlung auf. Wie auch schon die Bloggerkollegin Nicole Plath in ihrer Rezension, so bin auch ich über die Frage gestolpert: „Wenn die Welt da draußen so lebensfeindlich ist und die meisten Menschen bei Cloud arbeiten: An wen liefern die Drohnen die ganzen Waren und wer bezahlt sie wovon?“ Die einzigen Nichtbewohner der Cloud, die uns Hart in seinem Roman präsentiert, sind nämlich ein paar aufmüpfige Revolutionshillbillies, die nicht den Eindruck machen, als könnten sie sich etwas von Cloud leisten …

Dazu schleichen sich immer wieder sprachliche Schnitzer ein, und auch wenn manche meine Kritik daran vielleicht als überzogen empfinden, so haben sie mich doch empfindlich gestört. Da ist schon mal die Rede davon, „neben jemand anders“  aufzuwachen statt neben jemand anderem, und „wo“ ist für mich immer noch ein Wort, das im Zweifelsfall mit Ortsbestimmung zu tun hat, weswegen Textstellen wie „Wo sie schon dabei war, (…)“ (S.314) oder „(…) den Ort hier in einem Moment zu erleben, wo niemand unterwegs war.“ einen Tritt in die Weichteile meines Sprachempfindens darstellen. Insgesamt wirkt „Der Store“ stilistisch nicht sonderlich aufregend oder anspruchsvoll.

Rob Hart wollte nach eigener sinngemäßer Aussage einen Roman schreiben, in dem er die aktuelle Situation der amerikanischen Arbeitnehmer anprangert. Und das ist ihm auch gelungen. Warum er dann sein Setting, das dazu noch unausgereift ist, in die Zukunft verlegen musste, erschließt sich mir jedoch nicht. Auch ein Gegenwartssetting hätte sich schließlich wunderbar geeignet, um das Thema aufzugreifen. So muss sich „Der Store“ vorwerfen lassen, seine Intention zwar zu erfüllen, aber keine Vision für die Zukunft zu bieten, nichts was – anders als z. B. bei „Der Circle“, unabhängig davon, was man sonst von dem Buch hält – nennenswert von heute abweicht.

Letztlich scheitert Harts Roman somit an so ziemlich allen möglichen Fronten. Aufgrund des relativ einfach gehaltenen Stils hat man es aber dennoch ziemlich schnell durchgelesen. Und wer mit „Der Circle“ Freude hatte, hat diese vielleicht auch mit „Der Store“. Ich hatte sie eher weniger.

Ich danke dem Heyne-Verlag und dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich bei meiner Ausgabe um ein kostenloses Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein angesehener Mann“ von Abir Mukherjee.

„Runas Schweigen“ von Vera Buck

Buch: „Runas Schweigen“

Autorin: Vera Buck

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 624 Seiten

Die Autorin: Vera Buck, geboren 1986, studierte Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii. Während des Studiums schrieb sie Texte für Radio, Fernsehen und Zeitschriften, später Kurzgeschichten für Anthologien und Literaturzeitschriften. Nach Stationen an Universitäten in Frankreich, Spanien und Italien lebt und arbeitet Vera Buck heute in Zürich. Ihr Debütroman »Runa« wurde von der Presse hochgelobt und für den renommierten Glauser-Preis nominiert. (Quelle: Blanvalet)

Das Buch: Paris, 1884. In die neurologische Abteilung der Salpêtrière-Klinik wird ein kleines Mädchen eingeliefert: Runa, die allen erprobten Behandlungsmethoden trotzt und den berühmten Arzt und Hysterieforscher Dr. Charcot vor versammeltem Expertenpublikum blamiert. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er eine Patientin heilen, indem er eine Operation an ihrem Gehirn durchführt. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis … (Quelle: Blanvalet)

Fazit: Bereits im Jahr 2018 hat „Runas Schweigen“ den Weg in mein heimisches Domizil und dort dann recht schnell auf den Stapel ungelesener Bücher gefunden. Seitdem habe ich sicherlich vier oder fünf Versuche unternommen, es von selbigem zu befreien, blieb aber immer wieder stecken, mutmaßlich, weil ich Angst vor der eigenen Courage hatte, mich zwischenzeitlich fragte: „Was habe ich mir beim Kauf eigentlich gedacht?“, und das alles aufgrund des diffusen Verdachts, es bei „Runas Schweigen“ mit relativ harter Kost zu tun zu haben. Warum dieser Verdacht vollkommen berechtigt war, „Runas Schweigen“ aber trotzdem ein lesenswertes Buch ist, versuche ich im Folgenden nun mal aufzuschlüsseln.

Der Einstieg in das Buch, so seltsam das vor dem Hintergrund meiner o. g. Leseerfahrung klingen mag, gelingt recht problemlos und ziemlich schnell ist man drin in der Geschichte um Jori, sein Studium, und dem, was ihn dazu antreibt.

Allerdings verdunkelt sich die Stimmung schon kurz darauf, als erstmals die Zustände und Vorgänge in der Salpêtrière geschildert werden. Diese Düsternis verliert die Geschichte bis zu ihrem Ende auch nicht mehr, auch wenn sie durch einzelne Figuren etwas aufgelockert wird, aber dazu später, diese Düsternis tut ihr aber auch gut, macht sie die Geschichte doch umso glaubhafter.

Und es ist wahrlich nichts für schlechte Nerven, was Vera Buck da über die Zustände in psychiatrischen Kliniken im ausgehenden 19. Jahrhundert schreibt. Die geschilderten „Behandlungsmaßnahmen“ ermuntern zu durchgehendem Kopfschütteln, die Vorlesungen unter mehr oder weniger (eher weniger) freiwilliger Hilfe einzelner Patientinnen sind weniger Vorlesungen im wissenschaftlichen Sinn, sondern dienen eher der Befriedigung voyeuristischer Bedürfnisse testosterongesteuerter Jünglinge. Und das sind wahrlich noch nicht die anrührendsten und aufrüttelndsten Stellen des Buches, würde ich aber auf diese eingehen, würde man mir zu recht vorwerfen, zu spoilern.

Um die Charaktere zu beschreiben, wäre „Licht und Schatten“ wahrscheinlich die beste Formulierung. Dr. Charcot (eine historische Figur übrigens), Chef der Salpêtrière und gewissenloser Erfüller o.g. voyeuristischer Bedürfnisse, gefällt mir ausgesprochen gut. Er scheint ein mehr oder weniger gewissenloser Mensch seiner Zeit gewesen zu sein, dem nicht ansatzweise in den Sinn zu kommen scheint, dass das was man, als „Behandlung“ getarnt, mit den Patientinnen (denn es sind praktisch ausnahmslos Frauen in der Klinik) anstellt, nicht nur nicht gut sein kann, sondern dass man auch schlicht überhaupt keine Ahnung hat, was genau man da tut und was es soll.

Protagonist Jori ist zwar gut gezeichnet, macht im Buch eine, wenn auch vorhersehbare, so aber doch wenigstens nachvollziehbare Entwicklung durch, kann aber, zumindest für mich, nicht in Anspruch nehmen, ein großer Sympathieträger zu sein.

Gleiches gilt für Pauline, eine Figur, über die ich ebenfalls nicht zu viel erzählen kann und möchte, bei der es aber umso wichtiger gewesen wäre, den Leser für sie einzunehmen, mit ihr mitzufühlen, sie sympathisch zu gestalten. Leider trifft hiervon nichts auf sie zu.

Größter Gewinn im Bereich der Charaktere ist der ehemalige Polizist und jetztige Möchtegernverbrecher Lecoq. Dieser ältere Herr ist so weit jenseits aller Konventionen angelegt, dass es eine Freude ist. Als Anhänger der Phrenologie, oder Schädellehre, nach der angeblich anhand verschiedener Körpermerkmale Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften gezogen werden können, stellt Lecoq, damals noch in Polizeidiensten, plötzlich fest, dass er seine äußeren Merkmale eigentlich auf eine kriminelle Laufbahn hinweisen, woraufhin er den Polizeidienst quittiert, um seinem Schicksal gerecht zu werden und als Krimineller seinen Lebenslauf zu bestreiten, was ihm nur mehr oder weniger schlecht gelingt, zumal er nie wirklich die Finger von Ermittlungen jeder Art lassen kann. Eine solche Figur muss einem erst mal einfallen …

Vera Buck erzählt ihre Geschichte auf ansprechende Weise, ohne den Leser zu überfordern oder den Lesefluss unnötig zu verlangsamen. Im stilistischen Bereich gibt es also, kurz gesagt, aus meiner Sicht, wenig zu bemängeln oder zu bejubeln.

Wenn der Lesefluss stoppt, dann eben wohl deshalb, weil manche Passagen des Buches nur schwer erträglich sind. Wer sich davon nicht aufhalten lässt, dem präsentiert sich jedoch eine spannende und nicht zuletzt auch sehr lehrreiche Lektüre.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Store“ von Rob Hart.

„Propaganda“ von Steffen Kopetzky

Buch: „Propaganda“

Autor: Steffen Kopetzky

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Hardcover, 495 Seiten

Der Autor: Steffen Kopetzky, geboren 1971, ist Autor von Romanen, Erzählungen, Hörspielen und Theaterstücken. Sein letzter Roman «Risiko» (2015) stand monatelang auf der «Spiegel»-Bestsellerliste und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Von 2002 bis 2008 war Kopetzky künstlerischer Leiter der Theater-Biennale Bonn. Er lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen an der Ilm. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: John Glueck ist im Krieg. Tief in Deutschland, im dunklen Hürtgenwald in der Eifel, 1944. Vor kurzem noch war er Student in New York, voller Liebe zur deutschen Kultur seiner Vorfahren; dann, als Offizier bei Sykewar, der Propaganda-Abteilung der US-Army, traf Glueck in Frankreich sein Idol Ernest Hemingway. Für ihn zieht Glueck in den scheinbar unbedeutenden, doch von der Wehrmacht eisern verteidigten Hürtgenwald bei Aachen. Er entdeckt das Geheimnis des Waldes, als eine der größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs beginnt: die «Allerseelenschlacht» mit über 15 000 Toten. Was kann John Glueck noch retten? Sein Kamerad Van, der waldkundige Seneca-Indianer? Seine halsbrecherischen Deutschkenntnisse? Ein Wunder?

Niemand trat unverändert wieder aus dem «Blutwald» heraus, den die Ignoranz der Generäle zu einem Menetekel auch folgender Kriege machte. Zwanzig Jahre später, in Vietnam, erfährt John Glueck: Die Politik ist zynisch und verlogen wie eh und je. Er wird handeln, und sein Weg führt von der vergessenen Waldschlacht direkt zu den Pentagon-Papers. (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Für mich ist das bisherige Jahr 2019, das ja nun auch schon wieder zu fast drei Vierteln vorbei ist, wahrlich arm an Highlights, auch und gerade in literarischer Sicht. Zwar waren da viele gefällige Bücher dabei, aber nichts, was so herausgestochen hätte, dass ich davon auch noch geraume Zeit später erzählen wollen würde.

Würde man mich nach literarischen Highlights der Vorjahre fragen, so fielen mir spontan beispielsweise Klaus Cäsar Zehrers „Das Genie“ oder „Die Gestirne“ von Eleanor Catton ein. Aber eben auch der absolut großartige Roman „Risiko“ von Steffen Kopetzky.

Das schürt natürlich eine Erwartungshaltung an Kopetzkys neuen Roman, die Bücher nur selten zu erfüllen imstande sind. Im vorliegenden Fall allerdings schon, denn „Propaganda“, soviel sei hier jetzt schon verraten, ist für mich das bisherige Lesehighlight des Jahres 2019.

Allerdings hat Kopetzky mit Lesern wie mir auch leichtes Spiel, denn ich mag historische Romane, womit man es hier im weiteren Sinne zu tun hat. Noch mehr mag ich allerdings historische Romane, die auf tatsächlichen Begebenheiten basieren. Am liebsten allerdings sind mir historische Romane, die auf tatsächlichen Begebenheiten basieren und die gut recherchiert sind. Und eben Letzteres ist „Propaganda“.

Der Autor teilt seinen Roman in zwei Handlungsstränge, deren erster 1944 bis 1945 spielt und die Schlacht im Hürtgenwald zum Thema hat. Der zweite Handlungsstrang ist im Jahr 1971 angesiedelt und thematisiert den Vietnamkrieg sowie die Geschehnisse rund um die sogenannte „Pentagon-Papers“.

Kopetzky teilt seinen Roman in lediglich fünf große Abschnitte ein, den richtigen Moment zur Unterbrechung der Lektüre muss sich die Leserschaft also mangels kurzer, leicht verdaulicher Kapitel selbst suchen, allerdings wüsste ich ohnehin nicht, warum man die Lektüre unterbrechen sollte. Manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Zu der Reihe handelnder Personen, mit denen Kopetzky seinen Roman bevölkert, gehören ebenso wie schon in „Risiko“ eine ganze Reihe prominenter Personen, vorzugsweise aus der Literaturbranche, namentlich seien hier mal die Herren Hemingway oder Bukowski genannt. Im Grunde sehe ich so etwas in Romanen eher kritisch, weil die entsprechenden Figuren meist eher Mittel zum Zweck sind und ihren tatsächlichen Originalen nur schwerlich gerecht werden. Kopetzky allerdings lässt seine Figuren menscheln und beim Leser das Gefühl erzeugen, dass beispielsweise die genannten Autoren wirklich so waren, wie sie hier dargestellt werden.

Auch die nicht berühmten Persönlichkeiten im Buch können weitgehend überzeugen, allen voran natürlich Protagonist John Glueck. Hat man anfangs noch das Gefühl, es mit einer Person zu tun zu haben, die, mit Verlaub, einfach einen veritablen Schatten hat, entwickelt sich langsam durch die Erzählung seiner Lebensgeschichte ein gewisses Verständnis für Glueck, das sich – zumindest bei mir – letztlich in aufrichtige Sympathie verwandelte.

Bei den Nebenfiguren verzichtet Kopetzky zumeist auf eine detaillierte Vorgeschichte und bringt sie dem Leser durch ihre Handlungen näher. Mir gefällt der Ansatz in einem Buch, das so deutlich seinen Plot in den Vordergrund stellt, auch recht gut, zumindest habe ich trotz der kargen Charakterisierung einiger Personen nicht das Gefühl, etwas zu verpassen oder gar, dass mir wesentliche Informationen vorenthalten werden.

Der Autor bringt dem Leser seine Handlung auch stilistisch auf hohem Niveau näher. Er verzichtet zwar zum Teil auf die aus meiner Sicht eher ausufernde Schilderung diverser Begebenheiten, so wie das noch in „Risiko“ der Fall war, dafür schildert er einzelne Szenen in einer Eindrücklichkeit, die sehr zum Lesevergnügen beiträgt. Hart und schonungslos präsentiert Kopetzky der Leserschaft die Schlacht im Hürtgenwald, allerdings nicht, um Gewalt als banales Mittel zum Zweck einzusetzen, sondern, um die Sinnlosigkeit allen kriegerischen Tuns aufzuzeigen. Und gäbe es eine Liste der dämlichsten und sinnlosesten Militäroperationen aller Zeiten, würde die Schlacht im Hürtgenwald durchaus einen der vorderen Plätze einnehmen.

Der Autor nutzt die Thematik aber auch, um allgemein den Militarismus der USA aufs Korn zu nehmen. Im Wesentlichen ist „Propaganda“ wahrlich kein USA-freundliches Buch, verlässt aber nie den Boden der Sachlichkeit und darüber hinaus ist die Kritik angesichts der Tatsache, dass die Liste der US-Militäroperationen der letzten Jahrzehnte länger ausfällt als meine Abi-Klausur im Deutsch-LK vor gut 20 Jahren, wohl auch durchaus berechtigt.

Kopetzky beschränkt sich aber nicht nur auf die schlechten Seiten der Geschichte, sondern hat immer wieder auch Positives zu bieten. Zum einen blitzt an einzelnen Stellen, nicht oft, immer wieder ein Humor durch, den man im Buch nicht erwartet und der, zumindest bei mir, deshalb umso besser funktioniert hat. So beispielsweise an der Stelle, als der hinsichtlich Fallschirmsprüngen deutlich unterqualifizierte John Glueck nach Frankreich versetzt wird um sich dort an die Fersen von Ernest Hemingway zu heften und über diesen zu schreiben. Glueck kann sein, Verzeihung, Glück kaum fassen, steigt mit einigen Soldaten in den Bomber, fliegt ab und sagt:

„Ich war berauscht wie nie. Nur einem Umstand hatte ich bisher keine Beachtung geschenkt: Bomber landen nicht.“ ( S. 128)

Ich find´s komisch!

Auch abseits des selten eingesetzten Humors erzeugt „Propaganda“ trotz der ernsten Themen streckenweise einen gewissen Wohlfühlfaktor, denn neben der eben geschilderten USA-Kritik ist „Propaganda“ vor allem eines: eine Liebeserklärung an die amerikanische Literatur, an die Literatur allgemein, des letzten Jahrhunderts. Oftmals wird, so ging es mir jedenfalls, durch die Erwähnung dieses Schriftstellers oder jenes Buches, der Leser dazu verleitet, sich die entsprechenden Werke ebenfalls anzusehen, sofern noch nicht geschehen.

Letztlich also hat Kopetzky einen Roman geschrieben, der mindestens mit seinem Vorgänger mithalten kann, ihn in Teilen sogar übertrumpft. Wer einen gut recherchierten Roman mit spannender Handlung, gefälligen Figuren und historischem Bezug auf stilistisch hohem Niveau lesen möchte, dem kann ich „Propaganda“ wärmstens ans Herz legen. Und wer das nicht möchte, lässt es halt, verpasst dann aber etwas.

Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Rowohlt-Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich hier um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstreden nicht.

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten (hier würde ich 11 geben, wenn ich könnte)

Gesamtwertung: 9,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Runas Schweigen“ von Vera Buck.

Freitagsfragen #90

Freitagsfragen Sommer

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zwischen mir und dem Live-Auftritt des großen Jochen Malmsheimer heute Abend (yay!) stehen nur noch der Rest von heute, sowie die Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Fangen wir also gleich mit Letzteren an, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Herbst ist da, der Sommer verging. Was ist das beste am Herbst?

Das Beste am Herbst ist eindeutig, dass er nicht der Winter ist!

Außerdem verging hier nix, außer mir gleich die Laune! „Sommer verging“, pfff. Herbstanfang kalendarischer Art ist erst in anderthalb Wochen, bis dahin ist offiziell SOMMER, nur damit das klar ist! Außerdem ist das eine Einstellungssache, denn „Sommer ist, was in Deinem Kopf passiert“, das wussten schon die seeligen „Wise Guys“.

Kurz, für mich ist Sommer, bis man mir schlüssig das Gegenteil beweist.

Nun gibt es ja diese eher romantische Fraktion, die den Herbst gaaaanz toll findet, wegen dieser schicken bunten Farben, und gemütlich, und Tee, und Wolldecke, und Buch, und Couch, und Kamin, und so …

AM ARSCH!

Ich verrate Euch, was der Herbst ist: Der Herbst ist kühl, der Herbst ist nass, der Herbst ist dunkel und der Herbst ist ungemütlich. Es gibt, verflucht nochmal, HERBSTSTÜRME! Was soll daran gut sein?

Hach, ich rege mich schon wieder auf …

2.) Zwei Drittel das Jahres sind bereits um. Was hast Du für das letzte Drittel geplant und was wünschst Du Dir für die Zeit?

Ich bin genügsam, überleben wäre daher erst mal toll. Aber mal im Ernst, ich habe tatsächlich nichts weit vorausgeplant, das weiteste am Horizont erkennbare geplante Ereignis ist ein „Schandmaul“-Konzert im Oktober, ansonsten fahre ich im Moment sozusagen auf Sicht.

Was ich mir sonst für diese Zeit wünsche, wäre eine Gesundheit jenseits jeglicher Fragilität sowie, verdammt nochmal, KEINE HERBSTSTÜRME!

Wuuusaaa ….

3.) Was ist Deine letzte kleine oder größere Errungenschaft?

Das kommt darauf an, was mit Errungenschaft gemeint ist. Ein käuflicher Erwerb von irgendwas? Oder eine Errungenschaft eher persönlicher Art?

Im ersten Fall wäre meine neueste Errungenschaft das PC-Spiel „GreedFall“, das ich mir vom Munde abgespart habe, indem in jüngerer Vergangenheit halbe Tage damit verbracht habe, Cents zweimal umzudrehen.

Meine größte Errungenschaft persönlicher Art ist wohl, dass ich neuerdings in der Lage bin, morgens im TV mit stoischer Ruhe den Unfug diverser Politiker zu ertragen, ohne den Blutdruck des HB-Männchens zu bekommen. Gestern war es Gauland, heute Söder.

Ersterer erzählte gestern ausschließlich Unfug, was in der Natur der Sache liegt und worauf daher an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll, ebenso wie auf diese indiskutable Hundekrawatte, die Herr Gauland weiterhin mit einer Beharrlichkeit trägt, die an die Abneigung des britischen Parlaments gegen alles erinnert.

Letzterer erzählte heute morgen Unfug, als er seinen Klimaschutzplan der CSU vorstellte und leicht irritiert schien, als man ihn dafür nicht feierte, wie den Gottkaiser Bayerns. Dabei plädierte Söder u.a. für eine Lösung der Klimaproblematik in Form des Emissionshandels. Ja sicher, weil der in der Wirtschaft in der Vergangenheit auch so super geklappt und mit dazu beigetragen hat, dass man nun steht, wo man eben steht.

Was will man aber auch von einer Partei erwarten, die, in Person von Herrn Scheuer, einen Verkehrsminister stellt, der im BR sagt:

„Wenn jemand ernsthaft verlangt, dass wir sofort Sprit- und Heizkosten drastisch erhöhen, Autos aus den Städten verbannen, große Autos am besten komplett verbieten, dann spüre ich vor allem eines: Arroganz und Verachtung gegenüber Lebensweisen, die sich von der eigenen unterscheiden.“

„Arroganz und Verachtung gegenüber Lebensweisen, die sich von der eigenen unterscheiden.“ – ich wiederhole das nur sicherheitshalber, weil es wichtig ist. Denn, wir erinnern uns, bei der Abstimmung im Bundestag zur sogenannten „Ehe für alle“ gab es 226 „Nein“-Stimmen, 225 davon aus der CDU/CSU-Fraktion.

Daher, merke: SUV fahren ist eine schützenswerte Lebensweise, homosexuell sein scheinbar eher nicht …

Hach, ich rege mich nicht mehr auf …

4.) Die Wahl der Qual: In einem fremden Land mit einer Sprache, die Du nicht sprichst auf Dich allein gestellt sein oder völlig unvorbereitet eine Rede vor großem Publikum halten müssen?

Das kommt einerseits auf die Sprache sowie auf den Inhalt der Rede an. Grundsätzlich finde ich beide Szenarien allerdings nicht schlimm. Sprachen kann man lernen. Sofern es nicht Französisch ist, denn they tried to teach me french, but they failed! Der Einfachheit halber würde ich mich aber für die Rede entscheiden. Einerseits konnte ich schon immer recht gut sinnfrei schwafeln, andererseits müsste ich dafür nicht das Land verlassen.

 

So, das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag sowie einen anschließenden guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt Euch wohl!

„Der Widersacher“ von Emmanuel Carrère

Buch: „Der Widersacher“

Autor: Emmanuel Carrère

Verlag: Matthes & Seitz

Ausgabe: Hardcover, 195 Seiten

Der Autor: Emmanuel Carrère, 1957 in Paris geboren, lebt als Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor in Paris. Er veröffentlichte seit 1982 zahlreiche Romane. Für Limonow wurde er 2011 mit dem Prix Renaudot und dem Prix de la langue française ausgezeichnet. 2014 erhielt er den Prix littéraire du journal Le Monde. Sein wegweisendes Werk wird in mehr als 30 Sprachen übersetzt. (Quelle: Matthes & Seitz)

Das Buch: Jean-Claude Romand scheint sein Leben im Griff zu haben. Nachbarn und Bekannte schätzen den erfolgreichen Arzt, seine Bescheidenheit und seine Intelligenz. Doch plötzlich ermordet er seine Frau und seine beiden kleinen Kinder, seine Eltern und deren Hund.

Emmanuel Carrère beginnt, die Hintergründe dieser wahren Geschichte zu recherchieren und verstrickt sich selbst darin. Schonungslos legt er den Blick auf die Abgründe unserer Psyche dar.

Fazit: Dass ich in den Besitz von „Der Widersacher“ gelangte, ist der Freundlichkeit des Bloggerkollegen Marc zu verdanken, seines Zeichens Mastermind hinter dem sehr lesenswerten Blog „Lesen macht glücklich“ und Mitglied des neuen Teams von „We read Indie„. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Übersendung des Buches.

Und nun in medias res.

Ich gebe ja zu, dass ich bekennder True-Crime-Fan bin. Von „Medical Detectives“ über „Akte Mord“ bis „Homicide Hunter“ ist kaum eine einschlägige Sendung vor mir sicher. Daher müsste „Der Widersacher“ doch eigentlich genau mein Buch sein. Und doch lässt es mich zwiespältig zurück.

Denn es ist durchaus ein Unterschied, ob man sich einen mehrminütigen Bericht in „Medical Detectives“ ansieht, der so sicher wie das Amen in der Kirche damit abschließt, dass wieder mal festgestellt wird, wie geil doch die Forensik ist und dass wir ohne sie alle völlig verloren wären oder ob man einen solchen Tatsachen-Roman (oder wie auch immer man das Genre nennen mag, in das man „Der Widersacher“ einordnen kann) liest.

Dieser Unterschied in meiner Wahrnehmung ist vielleicht auch auf die Geschichte selbst zurückzuführen, die eben weit über „Da ist halt einer durchgedreht“ hinausgeht, die nachhaltig im Kopf bleibt und bei der man immer wieder fassunglos den Kopf darüber schüttelt, dass das alles tatsächlich passiert sein soll.

Da ist also dieser Jean-Claude Romand, Medizinstudent, zurückhaltend, ambitioniert. Aber irgendwann kommt das zweite Studienjahr und Romain besteht eine Prüfung nicht, ohne die er nicht Arzt werden kann. Gegenüber Familie und Freunden behauptet er aber, dass er sie bestanden habe, rettet sich so ins nächste Studienjahr, meldet sich nochmals für die selbe Prüfung – und geht dann nicht hin. Im nächsten Jahr das selbe Spiel. Irgendwann behauptet er, das Studium abgeschlossen zu haben.

Er heiratet und gibt seiner Frau und seinen Eltern gegenüber an, bei der WHO zu arbeiten und im Bereich der Arteriosklerose-Forschung tätig zu sein. Die Zeit seiner „Arbeitstage“ verbringt er allerdings mitnichten bei der WHO – und wenn, dann nur, um dort im Eingangsbereich Broschüren zu lesen -, sondern in Kneipen, auf Parkplätzen, in Wäldern, in Hotelzimmern.

Während dieser Zeit lebt die Familie in erster Linie vom Einkommen seiner Frau und dem Erlös aus dem Verkauf seiner Studentenwohnung.

Irgendwann behauptet er gegenüber Familie, Freunden und Bekannten, über die WHO Zugang zu diversen sehr rentablen Anlagefonds zu haben, woraufhin diese ihm gutgläubig Geld geben. Viel Geld. Geld, das natürlich nie in irgendwelchen Fonds angelegt wird, sondern von dem Romands lebt. Bis nach Jahren ( Romand kann die Fassade ganze 18 Jahre aufrecht halten) sich die Unzufriedenheit der vermeintlichen „Anleger“ häuft und diese ihr Geld zurückhaben wollen.

Romand sieht keinen anderen Ausweg mehr, als einen mehrfachen Mord – während er sich mit Schlaftabletten, die schon längst abgelaufen sind, das Leben nehmen will und somit seine Wahnsinnstat als Einziger überlebt.

Der Autor zeichnet in seinem Buch nicht nur den Verlauf der Geschehnisse auf, die zu der Tat führten, sondern schildert auch den Prozess, sowie den schriftlichen Austausch zwischen ihm und Romand. Während des Prozesses wird deutlich, dass Romands ganz offensichtlicht gestörtes Verhältnis zur Wahrheit in seiner Kindheit verborgen liegt. An dieser Stelle hatte ich die große Sorge, dass das Buch etwas Relativierendes bekäme, indem es möglicherweise Verständnis für Romand (wenn auch nur unterschwellig) hervorrufen möchte. Aber das tut es nicht. Glücklicherweise.

Denn Emmanuel Carrère ist sich der Verwantwortung bewusst, die er hat, wenn er in seinem Buch den Täter so offensichtlich in den Mittelpunkt rückt. Daher beschränkt er sich auch meistens darauf zu berichten, nicht darauf, zu bewerten. Und auf diese Weise gelingt es ihm, die Kindheit des Täters zwar zu thematisieren, ihn aber trotzdem als das dastehen zu lassen, was er, Romand, aus meiner Sicht ist. Ein , mit Verlaub, mieser, feiger, frustrationsintoleranter, weinerlicher Dreckspenner!

Aus dem eigentlichen Versuch, die Hintergründe der Tat zu erfahren, die seelischen Abgründe des Täters zu durchleuchten, ist letztlich also so etwas wie eine Dokumentation geworden. Eine, die der Tat nicht den Schrecken nimmt, die dafür aber auch nichts Reißerisches an sich hat. Das kann man so machen.

Und dennoch lässt mich dieses Buch, wie erwähnt, zwiespältig zurück. Vielleicht, weil Opfer von Straftaten in der heutigen Zeit ohnehin schon selten eine Stimme bekommen. Und hier eben auch nicht. Oder kaum. Aber für meine Vorbehalte kann Carrère nichts.

Und wer sich dem Thema gewachsen fühlt, dem kann ich auch zur Lektüre raten, denn ein intensives Leseerlebnis sind diese knapp 200 Seiten allemal. Wer allerdings lieber etwas Fröhliches liest, liegt hier grundfalsch.

Oh, und: Gerade in diesem Jahr ging die Lebensgeschichte von Romand übrigens weiter. 1996 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, hätte 2015 zu ersten Mal entlassen werden können und kam letztlich im Juli dieses Jahres aus dem Gefängnis. Zuflucht fand er in der Benediktinerabtei Fontgombault, wo man ihn vorerst für zwei Jahre aufgenommen hat. Romand, der in der Haft „zu Gott gefunden“ hat, sei nach Aussage des Abtes ein Suchender und man wolle vor dem Gebot der Gnade auch einem Mörder mit Barmherzigkeit begegnen, wenn er seine Taten bereue.

Ich persönlich habe ja eine eher spezielle Meinung bezüglich der Gnade gegenüber solchen Straftätern, die überraschenderweise alle früher oder später zu Gott finden (hätten sie das mal früher getan …). Aber das würde jetzt zu weit führen …

Wertung:

7,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Propaganda“ von Steffen Kopetzky.

 

 

 

„Leviathan“ von Paul Auster

Buch: „Leviathan“

Autor: Paul Auster

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 335 Seiten

Der Autor: Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University und verbrachte nach dem Studium einige Jahre in Frankreich. International bekannt wurde er mit seinen Romanen „Im Land der letzten Dinge“ und der New-York-Trilogie. Sein umfangreiches, vielfach preisgekröntes Werk umfasst neben zahlreichen Romanen auch Essays und Gedichte sowie Übersetzungen zeitgenössischer Lyrik. (Quelle: Rowohlt)
Das Buch: Der Schriftsteller Peter Aaron setzt sich hin, um die Lebensgeschichte seines Freundes Ben Sachs aufzuschreiben. Aber wo anfangen? Er könnte mit dem Mord beginnen. Oder besser damit, dass ein Terrorist Anschläge auf Freiheitsstatuen
überall im Land verübt? Dass eine Frau ein Adressbuch findet und sich eine neue Identität zulegt? Egal: Aaron will die Wahrheit ans Licht bringen, bevor das FBI seine eigenen Schlüsse zieht. (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Gut zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Paul Auster mit seinem monumentalen Roman „4 3 2 1“ von sich reden machte. Und auch wenn er das nicht zum ersten Mal tat, also von sich reden machen, – hatte Auster zu diesem Zeitpunkt doch bereits zahllose Preise und diverse Ehrendoktorwürden eingeheimst – muss ich gestehen, dass er erst mit diesem Roman so richtig auf meinem persönlichen Radar erschienen ist. Die allenthalben wohlwollende bis ekstatische Beurteilung seines Buches führte schließlich dazu, dass auch ich es mir – trotz meines immensen Respekts vor dem Buch, angesichts seines Umfangs von mehr als 1.000 Seiten – im letzten Jahr organisierte. Nur um letztlich erfolgreich und vollumfänglich daran zu scheitern. Zweimal.

Aber meine Neugier war geweckt, denn eines machten die ersten etwa 250 Seiten von „4 3 2 1“ (ungefähr der Ort meines zweiten Scheiterns) deutlich: Auster kann schreiben. Und auf der Suche nach einem etwas verträglichen Einstieg in Austers Werk landete ich schließlich bei „Leviathan“. Welch glücklich Geschick!

Dabei könnte, wer – etwa so wie ich eigentlich – kurze Kapitel bevorzugt, bereits zu Beginn abgeschreckt werden, denn Auster teilt seinen Roman in lediglich fünf große Abschnitte ein, deren erster bereits etwa 75 Seiten umfasst. Auch auf mich hätte das abschreckend gewirkt, aber da wäre ja nun die eben erst erwähnte Tatsache: Auster kann schreiben!

Und kaum, dass man sich versieht, ist man mitten drin in der Handlung, die im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knalleffekt startet, nämlich damit, dass sich jemand versehentlich an einer Landstraße in die Luft gesprengt hat. Angesichts der genannten Umstände ist sich der Protagonist Peter Aaron, der seine Initialen wohl nicht zufällig mit denen des Autors teilt, sicher, dass es sich bei dem Unfallopfer nur um seinen Schriftstellerfreund Benjamin Sachs handeln kann. Flugs setzt er sich an den Schreibtisch und beginnt, die Geschichte um diesen Sachs aufzuschreiben.

Sie beginnt, wie so viele Geschichten, in einer Bar. Dort lernen sich Sachs und Aaron kennen und – mangels alternativer Ideen und vor dem Hintergrund der widrigen Wetterverhältnisse – betrinken sich zum Kennenlernen. Kann man machen.

Doch so heimelig bleibt es nicht und die Handlung wendet sich schließlich immer mehr Benjamin Sachs und seinem langsamen Abstieg zu. Seinem beruflichen, sozialen, in erster Linie aber seinem mentalen Abstieg. Auster präsentiert dem Leser einzelne Begebenheiten, deren Bedeutung sich für das Leben Sachs´ teils erst später erschließen. Teils auch viel später.

Dabei ist es als Leser immer wieder spannend, die beschriebenen Ereignisse sowie die Schlüsse, die Peter Aaron daraus zieht, zu hinterfragen, denn Einblick in diese Ereignisse bekommen wir eben nur aus Aarons Sicht. Und wie aussagekräftig kann eine Einzelmeinung schon sein? Vielleicht misst er einer Begebenheit viel zu viel – oder zu wenig – Bedeutung zu. Vielleicht sieht er Verbindungen, wo keine waren?

Diese Feststellung gilt natürlich auch für die Charaktere, die wir ebenfalls alle nur aus Aaron Blickwinkel kennenlernen. Und wenn man als Leser den Eindruck bekommt, dass bestimmte Personen Bejamin Sachs gut (manchmal vielleicht zu gut) oder auch schlecht getan haben, dann folgt man damit nicht mehr als nur Aarons Denkweise. Auch hier kann man sich folglich nach Herzenslust Gedanken machen, ob der Eindruck, den Aaron von den handelnden Personen vermittelt, der richtige ist, oder ob man das etwas anders sieht.

Nicht nur inhaltlich überzeugt Austers Roman, auch sprachlich ist „Leviathan“ gut gelungen. Nach 335 Seiten hat man das Gefühl, einen sprachlich anspruchsvollen Roman gelesen zu haben, der den Leser allerdings an keiner Stelle überfordert.

Im Grunde das einzige Manko, das ich an Austers Roman feststellen kann, ist, dass er zu wenig im Unklaren lässt. Wie ich weiter oben schon erwähnte, könnte man nach der Lektüre wunderbar darüber nachdenken, inwieweit die Erzählweise die Perspektive und die Objektivität einschränkt. Inwieweit ist die Erzählweise eines Dritten verlässlich, da ich doch nur selbst angemessen über mich berichten kann, weil ich mich einerseits am besten kenne und andererseits immer dabei war, egal, wo ich war!?

Auster allerdings enthebt den Leser der Verantwortung derartiger Geistestätigkeit, indem er das Thema der Erzählperspektive und die Probleme der selben bereits im Text selbst behandelt.

Gleiches gilt für die Interaktionen der Figuren untereinander. Man könnte nach der Lektüre herrlich darüber philosphieren, welch kleine, vielleicht sogar unbedachte Handlungen Auswirkungen teils drastischer, teils gar tödlicher Art, auf andere Menschen haben können und ob man sich dieser Verantwortung jederzeit bewusst ist.

Aber auch hier gilt: Auster behandelt dieses Thema bereits innerhalb des Romans.

Fast wirkte es ein bisschen so, als traue der Autor seiner Leserschaft nicht zu, die Quintessenzen des Romans zu begreifen, wodurch er sich gezwungen sah, ebenjene Leserschaft mit der Nase drauf zu stoßen. Das kann man machen, schade ist es dennoch.

Geblieben ist trotzdem ein stilistisch ansprechender, gut konstruierter und spannender Roman, der wunderbar als Einstieg in das Werk Paul Auster taugt, der allerdings etwas zu wenig im Dunkeln lässt.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Anspruch: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung:  8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Widersacher“ von Emmanuel Carrère.

Freitagsfragen #89

Freitagsfragen Sommer

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

erneut liegt zwischen mir und dem Wochenende lediglich der Rest von heute sowie die Beantwortung der aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog, die sehr zu meiner Freude auch wieder das aktuelle Logo verwenden. Nachdem diverse Weltuntergangsapologeten auch in der Blogosphäre nachdrücklich und im Brustton der Überzeugung seit einigen Tagen skurrile Thesen vertreten, wie beispielsweise die, dass der Sommer angeblich vorbei sei – was eine haltlose Unterstellung sein muss! -, schadet es nicht, wenigstens durch das Logo noch etwas Sommerliches zu verbreiten.

Starten wir nun also mit den Fragen und Antworten. Wobei ich, das kann ich vorweg schon mal sagen, zugeben muss, dass mich einige der heutigen Fragen relativ inspirationsbefreit zurücklassen, was mitnichten an den Fragen liegt, sondern eher daran, dass ich derzeit inspirativ etwas unterzuckert bin. Ich bin geneigt, diesen Umstand den o.g. Weltuntergangsapologeten in die Schuhe zu schieben, mir fällt nur noch keine schlüssige Argumentation dafür ein. Vermutlich, weil ich inspirativ unterzuckert bin. Rekursion!

Wie auch immer, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was war Dein letztes Missgeschick?

Ich könnte jetzt so etwas antworten wie: „Das Leben, das Universum und der ganze Rest!“, um damit ein kollektives „Ooooohhh!“ des Bedauerns hervorzurufen, aber das glaubt mir ja eh niemand.

Tja, ich muss leider gestehen, dass mir hier so gar nichts einfallen will. Zumindest nichts, was dazu geeignet wäre, hier kundgetan zu werden.

2.) Kannst Du über Dich lachen?

Das ist doch sehr situationsabhängig. Lege ich mich beispielsweise unabsichtlich der Länge nach auf die Schnauze und breche mir die Haxen, ist mir allgemein eher nicht nach Lachen, so belustigend es in diesem Moment für die Allgemeinheit auch sein mag.

Allgemein kann ich die Frage aber bejahen. Gerade vorgestern erst musste ich im Nachhinein über mich lachen, die Geschichte kann ich hier aber nicht erzählen, ohne mich des eventuellen Vorwurfs Einzelner aussetzen lassen zu müssen, ein böser Mensch zu sein. ;-)

3.) Du hast einen Tag lang Narrenfreiheit und kannst nicht bestraft werden für das, was Du an diesem Tag tust. Was machst Du an diesem Tag?

Es mag langweilig sein, aber auch an Tagen, an denen ich Narrenfreiheit hätte, würde ich nichts tun, das eine Bestrafung nach sich ziehen könnte. Ich lese jeden Tag in der Zeitung (die Älteren erklären den Jüngeren jetzt bitte, was das ist), von Dingen, die tatsächlich bestrafenswert sind und frage mich darob in schöner Regelmäßigkeit: „Warum machen die das!?“

Beispielsweise werden derzeit im heimischen Landkreis an unterschiedlichsten Stellen immer wieder Autoreifen in größerer Stückzahl abgeladen (an vier Orten insgesamt etwas über 500 Stück). Zusätzlich dazu hier mal ein paar Eternit-Platten, die angesichts des darin genialerweise verbauten Asbests nun überhaupt nichts in der Botanik verloren haben, sowie dort mal ein wenig Haus- und Sperrmüll. Und abgesehen davon, dass das eine einzige Sauerei ist, frage ich mich dann eben halt: „Warum machen Menschen das!?“

Mir ist in meiner kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos jegliches bestrafenswerte Handeln leider fremd, deshalb … halt, Moment …  eine Idee habe ich. Auch wenn ich für die nicht bestraft, sondern mit den höchsten Auszeichnungen aller etwa 200 Staaten bedacht werden müsste:

Zu erst mal würde ich Lübke anrufen, den Assistenten von S. Atan, seines Zeichens Eigentümer und Geschäftsführer der in der Hölle ansässigen „Fate LLP“. Denn Lübke hat Verbindungen und wollte immer schon mehr als ein Lakai sein. Mit seiner Hilfe würde ich das britische Trinkwasser mit einem starken Narkotikum versetzen, das die Briten, sagen wir, 48 Stunden schlafen lässt. Mit einem Heer von Hackern, das Lübke angeheuert hat, würden wir dann daran gehen, die Internetauftritte aller britischen Zeitungen zu maipulieren, dahingehend, dass wir Artikel über die Pläne für ein zweites Referendum einstreuen. Und dann, am Morgen des Aufwachens der narkotisierten Briten, würde ich über Reuters im Vereinten Königreich die Nachricht streuen, dass dieses Referendum an eben diesem Abend stattfindet. Die möglicherweise verwirrten, aber eben auch brexitgeplagten Briten würden scharenweise in die Wahllokale rennen, sich für einen Verbleib in der EU entscheiden, dieser lächerliche Parlamentsaffentanz der letzten Monate bzw. Jahre hätte ein Ende und allen wäre gedient.

Oh, und bevor man mir jetzt mit Detail- und Logikfragen kommt: Der Plan ist noch „work in progress“.

4.) Die Wahl der Qual: ein großer Systemcrash legt alle öffentlichen Computer lahm. Alle Dateien können gerettet werden – außer Deine! Willst Du lieber komplett aus dem System gelöscht und gezwungen werden, eine neue Identität anzunehmen und noch einmal von vorn anzufangen, oder dass sämtliche Deiner Daten, auch der sensiblen wie Krankenakten und polizeilich erfasste Daten (inklusive Ordnungswidrigkeiten, KFZ-Kennzeichen etc) veröffentlicht und für alle zugänglich gemacht werden?

Nun, es gibt ja Leute, die behaupten beharrlich, sie hätten „nichts zu verbergen“ und Daten würden „nun mal gesammelt“ und man könne „nichts dagegen tun“. Seltsamerweise sind diese Menschen dem Vorschlag, dann doch wenigstens proaktiv zu handeln und ihre gesamten Daten inklusive Bankverbindung und Patientenakte an die Tür der örtlichen Kirche zu nageln, überraschenderweise weniger zugeneigt.

Ich persönlich sehe das wesentlich kritischer. Meine Daten gehören mir und niemandem sonst und sofern ich nicht die Zustimmung dazu gebe – was man ja leider in den meisten Fällen doch an irgendeiner Stelle tut oder tun muss -. haben diese in den Händen Dritter nichts verloren.

So weiß ich beispielsweise, dass auch bei Blogs Daten erhoben werden. Und Leser dieser Blogs wissen das allgemein auch. Und sofern man nichts dagegen hat, ist das dann auch okay. Wenn aber ein Verein wie WhatsApp in seinen AGB die Berechtigung hat, das Telefonbuch des Nutzers auszulesen und diese Telefonnummern und Namen, da sie, also WhatsApp, ja nun IM Zuckerberg gehören, an Facebook weiterzuleiten, was dazu führt, dass beide Firmen auch Daten von Menschen haben, die weder das eine noch das andere nutzen, dann kann das in meiner kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos nicht rechtens sein. Nicht hier, nicht in den USA und auch in nicht in China. Aber was weiß ich schon …

Ich würde also spontan vorziehen, eine neue Identität anzunehmen, wenn, und das ist wichtig, wenn ich persönlich Einfluss darauf hätte, wie diese aussieht. Dann würde ich mich in nahezu jeglicher Hinsicht neuorientieren und beruflich einen ganz anderen Weg einschlagen. Gut, die Herrschaften im Vorstand von (hier beliebiges Dax-Unternehmen einfügen) würden sich wundern, wer denn der unbekannte Typ ist, der da ganz plötzlich aufschlägt, aber meine Identität ist ja nun eben hieb- und stichfest, weswegen ich nun zwei Jahre im Vorstand des Unternehmens tätig wäre, mich mit Floskeln wie „Ich brauche mehr Details!“, „Schreiben Sie´s auf, ich kümmere mich später darum!“ oder „Das ist nur Ihre Meinung!“ über Wasser halte, und mich dann mit der gescheffelten Kohle (der Durchschnittsverdienst eines Vorstandsmitglieds eines Dax-Unternehmens betrug im Jahr 2018 3,51 Millionen Euro) zur Ruhe setze und dem Luxus hingebe, morgens aufzustehen und tun zu können, wozu immer ich Lust habe.

 

Das war es dann auch schon wieder.

Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und ein anschließendes schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

abc.Etüden KW 36/37 I

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die Sommerpause der abc.Etüden ist vorbei, es geht wieder los in eine neue Runde. Auch wenn, vielleicht auch gerade weil, ich mich in jüngerer Vergangenheit bei den Etüden eher vornehm zurückgehalten habe, wird es mal wieder Zeit, mich zu betätigen. Die Etüden werden, wie immer, von Christiane organisiert, die Wortspende stammt von Ludwig Zeidler. Legen wir los:

„Na, wie ist die montägliche Stimmung?“

„Hm, ambivalent, könnte man sagen!“

„Weil?“

„Na, einerseits bin ich ganz erleichtert, dass die AfD bei den gestrigen Wahlen nirgendwo stärkste Kraft war.“

„Und andererseits?“

„Andererseits ärgere ich mich, dass ich über so etwas erleichtert sein muss, sowie über die Berichterstattung der Springer-Presse. Ach was, über die Springer-Presse im Ganzen!“

„Weil?“

„Na hier, der Artikel der „Welt“ präsentiert das „ehrliche“ Wahlergebnis in Sachsen – unter Einberechnung der Nichtwähler in das Gesamtergebnis!“

„Und Du findest das falsch, diese zu berücksichtigen?“

„Na, die hätten ja alle berücksichtigt werden können. Im Rahmen ihrer Stimme. Wenn sie denn wählen gegangen wären …! Aber eine nennenswerte Gruppe dazuzuzählen, die von ihrem Recht nicht Gebrauch gemacht, sich bewusst entschieden hat, nicht am politischen Leben teilzunehmen, mutmaßlich, weil sie zu faul, zu dumm, zu uninteressiert sind oder sich ihrer Desillusionierung hingeben – und nur Letzteres würde ich ansatzweise als Grund durchgehen lassen – nur, …“

„Du beschimpfst gerade eine ganze Menge Leute. “

„ICH HAB DOCH GESAGT, DASS ICH MICH ÄRGERE!“

„Du hast auch gesagt, Du wärst erleichtert. Merkt man gar nicht. Wenn die Sachsen wüssten, wie Du über sie …“

„Ach, das hat doch mit den Sachsen nichts zu tun. In unserem schönen Niedersachsen lag die Wahlbeteiligung 2017 noch niedriger und über die heimischen Wahlverweigerer würde ich das selbe sagen. Es geht  ums Prinzip: Wer eine Stimme hat, soll sie abgeben oder wird eben nicht gehört! Das sollte auch der „Welt“ bewusst sein. Und dann ist da noch der Fall Jatta!

„Das ist mal ´n Themenwechsel …“

„Isses nicht, betrifft wieder Springer. Bild und Sport-Bild. Die haben dem Spieler beide vieles vorgeworfen. Nun werden die Ermittlungen eingestellt. Gibt es eine Richtigstellung? Nein, nur einen ätzenden Bild-Artikel, eine Art journalistischer Verzweiflungtat, in der die Verantwortung für schlechte Recherche auf andere abgeschoben wird!“

„Unfassbar! Kein Wort der Entschuldigung?“

„Nein!“

„Widerlich!“

„Exakt!“

 

 

300 Worte