„Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun“ – Juhu, Eskapismus!

Buch: „Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun“ (2015)

Autor: T.S. Orgel

Verlag: Heyne

Ausgabe: Broschiert, 606 Seiten

Die Autoren: Hinter dem Pseudonym „T.S. Orgel“stehen die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel. In einem anderen Leben sind sie als Grafikdesigner und Werbetexter beziehungsweise Verlagskaufmann tätig, doch wenn beide zur Feder greifen, geht es in phantastische Welten.

Für ihren Debütroman „Orks vs. Zwerge“ sind sie mit dem „Deutschen Phantastikpreis“ ausgezeichnet worden und haben sich damit in die Herzen der deutschen Fantasy-Leser geschrieben.

Mit „Die Blausteinkriege“ stellen sie nun ihre neueste Fantasy-Weltenschöpfung vor.

(Quelle: Klappentext; Homepage: Blausteinkriege.de)

Das Buch: Einst war das Kaiserreich Berun die mächtigste Nation auf dem ganzen Kontinent Talassa. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, Berun ist im Niedergang begriffen. Gefördert wird diese Entwicklung in erster Linie vom Kaiser selbst, einem vergnügungssüchtigen schwachen, und nichtsdestotrotz von sich selbst überzeugten Herrscher. Nicht zu vergleichen mit seinem ruhmreichen und beliebten Vater.

Und so verwundert es nicht, dass sich in den anderen Staaten erste Zeichen der Revolte zeigen. So probt der Fürst des im Süden gelegenen Kaiserreich-Protektorats Macouban den Aufstand. Auch das von unzivilisierte Kriegern bevölkerte Königreich Kolno zeigt sich von seiner schlechten Seite.

In dieser Situation treffen das Straßenmädchen Sara, der Schwertmann Marten und der Spion Thoren – auch „Puppenspieler“ genannt – aufeinander. Und kurz darauf finden sie sich mitten in einem gegen die Kaiserinmutter gerichteten Komplott wieder, dessen Gelingen das Kaiserreich vollends in die Knie zwingen könnte.

Fazit: Beseelt von dem Wunsch, mal wieder ein Fantasybuch zu kaufen, betrat ich vor einiger Zeit die Buchhandllung meines Vertrauens. Ohne großes Zögern – und das ist bei mir selten – entschied ich mich für den ersten Teil der „Blutsteinkriege“. Und das aus ganz oberflächlichen Gründen, nämlich zum Einen wegen der wunderschönen Gestaltung des Buches allgemein und des Covers im Besonderen.

Und zum Anderen, weil sich nirgendwo ein Tolkien-Vergleich auf Vorder- oder Rückseite finden ließ, was meinerseits für das Buch spricht – und zwar nicht, weil ich etwas gegen Tolkien einzuwenden hätte. Vielmehr, weil es vielleicht nur mir so gehen mag, ich aber das Gefühl habe, dass auf mindesten 75 % der derzeit erscheinenden Fantasy-Literatur in irgendeinem Zusammenhang – und sei er noch so an den Haaren herbeigezogen – der Name Tolkien abgedruckt ist. Mein Favorit in diesem Zusammenhang war folgende Außerung über ein Buch: „Es passt im Bücherregal wunderbar neben J. R. R. Tolkien!“

Aha…

Ich schätze mal, besagtes Buch passt auch wunderbar neben Johannes Mario Simmel oder Rosamunde Pilcher. Rein technisch gesehen. Vielleicht gäbe es aber doch Abstoßungsrektionen, man weiß es nicht…

Kommen wir von J.R.R zu Thomas und Stephan Orgel und ihrem Buch.

Mit „Die Blausteinkriege“ erfinden die beiden Autoren das Fantasy-Genre nicht neu. Aber trotzdem hat alles in diesem Buch Hand und Fuß, wie man so schön sagt.

Die Charaktere verbreiten sowohl Licht als auch Schatten. Während das Straßenmädchen Sara bei mir irgendwie nicht auf sonderlich viel Gegenliebe gestoßen ist – warum auch immer – und man den pflichtbewussten, der Kaiserinmutter treu ergebenen Thoren als Charakter so oder ähnlich auch schon öfter mal gelesen hat, hebt sich Marten erfreulich davon ab. Der junge Mann gehört eigentlich in die Kategorie „sorgloser Lebemann“, der auf unschöne Art in die Konflikte des Kaiserreichs gezogen wird. Er ist wortgewandt, fröhlich und verbreitet beim Leser gute Laune. Er ist es auch, der, meiner Meinung nach, im Laufe der Handlung die nachvollziehbarste Entwicklung durchlebt. Diese Entwicklung ist bei Sara zwar auch zu beobachten, geschieht dort aber noch viel plötzlicher. Eben noch war Sara ein junges, unsicheres Mädchen, kurz darauf… ach, Moment, das kommt erst in Teil II. 😉

Neben diesen drei Protagonisten haben die Autoren aber auch eine Reihe spannender Nebenfiguren erschaffen, allen voran einen Auftragsmörder und ehemaligen Feldscher, der sich „Meister Messer“ nennt. Ein sukurriler, verhaltensauffälliger Charakter, der im Gedächtnis bleibt und bei mir trotz seiner fragwürdigen Profession gut ankam. Man stelle sich eine coole Version von Grima Schlangenzunge mit „Hitman“-Qualitäten vor, dann ungefähr hat man Meister Messer.

Darüber hinaus besticht „Die Blausteinkriege“ dadurch, dass es in, meiner Meinung nach, genau dem Stil gehalten ist, in dem man Fantasy-Romane schreiben sollte. Die Sprache ist unkompliziert und dennoch bildhaft gehalten, so dass man sich zügig durch den Roman lesen kann während beständig ein Film vor dem inneren Auge des Lesers abläuft.

Die Handlung kann ebenfalls überzeugen, auch wenn sie an manchen Stellen ihre Längen und/oder andere Schwächen hat. So gleitet das Buch vorübergehend, wenn auch nur kurz, dezent ins Kitschige ab. An anderer Stelle wirkt es dann etwas übertrieben gewalttätig und blutig. Gut, diese Einschätzung überrascht einerseits wenig, wenn das Buch „Die Blausteinkriege“ heißt und andererseits würde diese Einschätzung George R. R. Martin in schallendes Gelächter ausbrechen lassen. Es kommt halt immer darauf an, womit man Dinge wie den Gewaltgrad vergleicht. Jedenfalls, insgesamt merkt man dem Buch an, dass es als erster Teil eines Mehrteilers eine einleitende Funktion hat, diese erfüllt es aber allemal besser als „Episode 7“. Und ja, der musste jetzt sein! 🙂

Etwas abseits der Handlung begeisterte mich vor allem die Welt, die die beiden Brüder erschaffen haben. So überraschen sie mit einer für das Fantasy-Genre eher ungewöhnlichen Idee: Während die Völker in den meisten Fantasy-Welten in irgendwelchen polytheistischen Gesellschaften leben, gibt es im vorliegenden Fall einfach mal keine Götter. Mehr noch, die Götter wurden vor langer Zeit von einer Heldengruppe umgebracht, die man „Die Reisenden“ nennt. Die Götter sind tot, Nietzsche hätte seine wahre Freude.

Auch andere kleine Ideen fügen sich passend in das geschaffene Gesamtkonstrukt ein.

Das einzige Problem dabei: Es könnte noch viel, viel, viel mehr sein. Hintergründe, Mythen, Legenden, all so etwas würde ich mir für die Unterfütterung der Kontinente Talassa und Vellarmo wünschen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8, 5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung:8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Die Blausteinkriege II – Sturm aus dem Süden“ ooooder „Die Suche“ von Nick Louth. Mal schauen.

 

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Buchdate #3: Die Auslosung und meine Empfehlungen

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Beim Buchdate handelt es sich um eine von wortgeflumselkritzelkram und Zeilenende ins Leben gerufene tolle Aktion, die bereits zweimal ohne meine Teilnahme stattfand. In der dritten Runde kam ich nun um eine Teilnahme nicht umhin. 😉

Wie das Ganze funktioniert, kann man hier nachlesen.

Während ich meinerseits von der lieben Li von Lebenslichtpfade bereits drei Buchvorschläge bekommen habe – den entsprechenden Beitrag findet ihr hier – besteht meine Aufgabe nun darin, Aequitas et Veritas drei Bücher zu empfehlen.

Damit man dabei nicht völlig daneben greift, kann man sich an einigen Informationen orientieren, die das zugeloste Buchdate gemacht hat. Von Aequitas et Veritas habe ich nun z.B. erfahren, dass die letzten drei gelesenen Bücher folgende waren:

„Die geheimen Schwestern“ von Anne Fortier, was ein tolles Buch gewesen sei.

„Die Spiegelstadt“ von Justin Cronin, was großartig gefallen habe

„Talon Band 1“ von Julie Kagawa, was eher keine Begeisterung auslöste.

Unter dem Punkt der „liebsten Genres“ wurden angegeben: „Historische (Liebes-)Romane, Krimis, Thriller, Dystopien, Klassiker“

Die genannten Lieblingsautoren und Innen sind: „Jane Austen, Bernard Cornwell, Diana Gabaldon“

Und unter dem Punkt „was ich gar nicht lesen möchte“ wurde von Aequitas et Veritas angegeben: „Bücher, bei denen man auch nach Beendigung nicht weiß, was man da gerade gelesen hat; dicke Schinken mit mehr als 600 Seiten; Philosophisches und Sachtitel im Allgemeinen; Jojo Moyes und ähnliche Romane, bei denen man irgendwann tränenüberströmt auf dem Sofa sitzt; „Shades of Grey“ und ähnlichen Schund“

Schreiten wir also nunmehr zur Tat:

Schon als ich meine Teilnahme zusicherte, war mir bewusst, dass der Teil der Buchvorschläge wohl der sein würde, der mir am schwierigsten fallen würde. Das bewahrheitet sich nun erwartungsgemäß. Einmal wegen meiner Eigenschaft als Entscheidungsneurotiker. Und zweitens wegen der oben gemachten Angaben, speziell die über die drei zuletzt gelesenen Bücher und die der Lieblingsautoren, denn:

„Die geheimen Schwestern“ liegt bei mir hier irgendwo rum, nachdem ich die Lektüre des Buches nach etwa 100 Seiten entnervt aufgegeben habe. Und bei „Die Spiegelstadt“ handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie deren Lektüre ich nach Teil 1 aufgegeben habe, zwar nicht entnervt, aber enttäuscht. 😉

Und die drei von Aequitas et Veritas genannten Lieblingsautoren und Innen werfen ebenfalls Probleme auf. Während ich Cornwell ebenfalls sehr gerne lese, setzt bei mir beim Namen Diana Gabaldon regelmäßig der Flucht- sowie Würgereflex ein. Idealerweise in dieser Reihenfolge. Was Jane Austen betrifft, so habe ich versprochen, nicht mehr über sie zu lästern, auch, weil ich ansonsten bei der nächstbesten sich bietenden Gelegenheit von einer ganz zauberhaften Person ausgeschimpft werde. 😉

Also, kurz gesagt, stellt das Ganze doch eine gewisse Herausforderung dar. Anfangs wollte sich bei mir so gar keine Idee einstellen, daher klagte ich mein Leid einer anderen, ebenfalls ganz zauberhaften Person, die mich tatkräftig unterstützte, indem sie spontan ein Buch vorschlug. Schließlich fielen mir dann doch auch noch drei Bücher ein, die es wert sind, empfohlen zu werden. Also werde ich das vorgegebene Regelwerk an dieser Stelle ein wenig beugen und vier Vorschläge machen. Mehr Auswahl ist schließlich immer besser, oder!? Ich als Eintscheidungsneurotiker weiß, wovon ich spreche.

Und nun, in medias res:

Vorschlag Nummer 1: „Corpus Delicti“ von Juli Zeh

Genre: Dystopie

Inhalt:

Deutschland in der Mitte des 21. Jahrhunderts. Die Menschen leben in einer Art Gesundheits-Diktatur, die sich die METHODE nennt. Alle Krankheiten sind vollständig ausgerottet, die Menschen leben in vollkommen keimfreien Häusern und meiden die freie Natur. Im Fokus der METHODE liegt das gesundheitliche Wohl des Einzelnen, woraus das Allgemeinwohl entstehen soll. Sie legitimiert sich durch den unbedingten Überlebenswillen jedes Einzelnen.

Diese Art des sorgenfreien Lebens hat allerdings seinen Preis: Der Staat führt peinlich genau Aufsicht über die Lebensweise seiner Einwohner. Die freie Wahl eines Lebenspartners ist illegal und gehört der Vergangenheit an, sie werden von der METHODE nach immunologischem Profil vorgeschlagen. Darüber hinaus sind die Menschen verpflichtet, sich sportlich zu betätigen, z.B. indem sie festgelegte Strecken auf dem Heimtrainer laufen. Sie müssen regelmäßig Schlaf- und Ernährungberichte abgeben sowie medizinische und hygienische Proben einreichen. Der Konsum von Zigaretten, Alkohol oder sonstigen gesundheitsschädlichen Substanzen ist verboten und wird von der METHODE juristisch verfolgt bzw. bestraft.

In dieser Welt lebt Mia Holl, Wissenschaftlerin und Vernunftmensch. Sie ordnet sich im System ein und hält es für gerecht, geradezu unfehlbar. Ihr Bruder Moritz sieht es ganz anders, er fühlt sich vom System eingeengt und wünscht sich die Freiheit, auch mal unvernünftige Dinge tun und Risiken eingehen zu dürfen.

Dann folgt der große Schock: Eine Frau wird umgebracht, die Behörden können am Mordopfer die DNA von Moritz Holl sicherstellen. Mia aber weiß intuitiv, dass ihr Bruder keinen Mord begangen haben kann, schließlich kennt sie ihn so gut wie niemanden sonst. Mia muss eine Entscheidung fällen: Entweder sie glaubt daran, dass ihr Bruder ein Mörder ist, oder aber die METHODE hat einen Fehler gemacht, somit ist sie nicht unfehlbar und das ganze System müsste hinterfragt werden.

An der Seite des Rechtsanwalts Rosentreter versucht Mia schließlich doch, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen.

Meine dazugehörige Rezension ist hier nachzulesen.

Dystopien sind eigentlich eher weniger mein Ding, „Corpus Delicti“ hat mich aber doch überzeugt. Und es hat mit 264 Seiten einen überschaubaren Umfang. 🙂

Vorschlag Nummer 2: „Anders“ von Anita Terpstra

Genre: Thriller

Inhalt:

Das Leben von Alma Meester an der Seite ihres Mannes Linc und ihren Kindern Iris, 15, und Sander, 11 Jahre alt, verläuft eigentlich in ruhigen geordneten Bahnen. Bis zu einem verhängnisvollen Abend im Ferienlager.

In Vierergruppen unternehmen die Kinder eine Nachtwanderung, Sander bildet zusammen mit seinem Freund Maarten, seiner Schwester Iris und deren Freund Christiaan eine dieser Gruppen. Und plötzlich sind Sander und Maarten verschwunden, Iris und Christiaan können nicht erklären, wie es dazu gekommen ist.

Eine große Suchaktion wird gestartet. Schließlich wird Maarten von Sanders Vater Linc tot aufgefunden. Der Junge wurde augenscheinlich missbraucht. Von Sander fehlt allerdings jede Spur, er bleibt verschwunden.

Sechs Jahre später meldet sich auf einer deutschen Polizeiwache ein junger Mann und behauptet, der verschwundene Sander Meester zu sein. Überglücklich können die Eltern ihren Sohn wieder in Arme schließen. Aber während Alma einfach nur froh ist, ihr Kind wieder zu haben, kommen Linc und Iris immer häufiger Zweifel. Ist das wirklich Sander, der da jetzt unter ihrem Dach wohnt?

Für mich einer der besten Thriller des letzten Jahres. Auch und gerade weil er auf die in diesem Genre mittlerweile so beliebte überzogene Gewaltdarstellung verzichtet und eine eher subtile Spannung aufbaut. Wer meine Rezension dazu lesen möchte, kann das hier tun.

Vorschlag Nummer 4: „Der Mann im Park“ von Pontus Ljunghill

Genre: Krimi

Inhalt:

1928: Die achtjährige Ingrid Bengtsson fasst schnell Vertrauen zu dem Mann, den sie im Park kennenlernt. Kein Wunder, behauptet dieser doch, Ingrids Vater zu kennen, den sie selbst nie kennengelernt hat, und ihn sogar zu ihr bringen zu können. Das wird Ingrid zum Verhängnis. Auf dem verlassenen Gelände der aufgegebenen Djurgardswerft wird das Mädchen ermordet aufgefunden.

John Stierna, junger aufstrebender Komissar der Kriminalpolizei, ermittelt in dem Fall. Er garantiert der verzweifelten Mutter des Mädchens, den Täter zu fassen. Die Ermittlungen schreiten routiniert voran, große Erfolge sind aber nach einigen Tagen und auch nach Wochen nicht zu verzeichnen. Und obwohl Stierna immer wieder das Gefühl hat, ganz nah am Mörder dran zu sein, wird dieser doch nie gefasst…

Knapp 25 Jahre später: Stierna hat sich mittlerweile aufgrund einer im Dienst erlittenen Schussverletzung, aber auch überdrüssig von der permanenten Konfrontation mit sinnloser Gewalt, die sein Beruf mit sich führte, in das Polizeimuseum versetzen lassen und feiert dort den letzten Tag seiner Dienstzeit.

Er nimmt sich anschließend für längere Zeit ein Zimmer in einem Gasthaus abseits jeglichen Trubels. Bei sich hat er die wichtigsten Unterlagen zum Fall Ingrid Bengtsson. Denn in wenigen Tagen läuft die Frist von 25 Jahren seit dem Mord ab, der Zeitraum nach dem ein Mord in Schweden verjährt ist…

In diesem Gasthaus spürt ihn der Journalist Börje Grönwall auf, der ein Buch über aufsehenerregende ungelöste Kriminalfälle schreibt und bittet Stierna, ihm vom Fall Ingrid Bengtsson zu erzählen. Stierna lässt die damaligen Ermittlungen Revue passieren. Wurde damals etwas übersehen? Vielleicht ist es ja doch noch möglich, den Täter zu fassen? Doch die Zeit wird langsam knapp…

Auch hier liegen die Stärken des Buches unter anderem in der subtilen Spannung und dem moderaten Gewaltgrad. Die spannende Hetzjagd nach dem Mörder eines jungen Mädchens hat mich wirklich begeistert und ich warte seitdem sehnsüchtig auf Pontus Ljunghills zweites Buch. Sieh zu, Pontus! 😉 Meine Rezension zu diesem Buch kann man hier nachlesen. Gerne hätte ich im Krimigenre auch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ vorgeschlagen – sowohl Buch als auch Schriftsteller empfehle ich seit der Lektüre jedem, der es nicht hören will -, das fiel aber aufgrund seines Umfangs von 727 Seiten aus dem Raster. Lesenswert ist es dennoch. 😉

Zusatzvorschlag Nummer 4: „Die sieben Schwestern“ von Lucinda Riley

Inhalt:

„Atlantis“ ist der Name des herrschaftlichen Anwesens am Genfer See, in dem Maia d’Aplièse und ihre Schwestern aufgewachsen sind. Sie alle wurden von ihrem geliebten Vater adoptiert, als sie noch sehr klein waren, und kennen ihre wahren Wurzeln nicht. Als er überraschend stirbt, hinterlässt er jeder seiner Töchter einen Hinweis auf ihre Vergangenheit – und Maia fasst zum ersten Mal den Mut, das Rätsel zu lösen, an dem sie nie zu rühren wagte. Ihre Reise führt sie zu einer alten Villa in Rio de Janeiro, wo sie auf die Spuren von Izabela Bonifacio stößt, einer schönen jungen Frau aus den besten Kreisen der Stadt, die in den 1920er Jahren dort gelebt hat. Maia taucht ein in Izabelas faszinierende Lebensgeschichte – und fängt an zu begreifen, wer sie wirklich ist und was dies für ihr weiteres Leben bedeutet … (Quelle: Amazon)

Da dieses Buch der Vorschlag oben erwähnter zauberhafter Person ist, kann ich dazu natürlich nichts sagen, wollte es der Vollständigkeit halber allerdings dennoch einfügen. Ein lieber Dank geht an dieser Stelle an die zauberhafte Person für die Hilfe. 😉

Nun denn, ich hoffe doch sehr, dass unter den Vorschlägen etwas dabei ist, das auf Zustimmung stößt. Ich bin gespannt, auf welches Buch die Wahl fällt.

Jetzt werde ich mir noch ein wenig Gedanken darüber machen, welches Buch ich mir aussuche. Die entsprechende Rezension dazu gibt es dann am 01.03.2017.

Bis demnächst, gehabt euch wohl!

„Finderlohn“ von Stephen King – Solider Mittelteil

Buch: „Finderlohn“ (2016)

Autor: Stephen King

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 556 Seiten

Der Autor: Stephen King ist ein 1947 in Portland, Maine, USA, geborener Schriftsteller. Er studierte Englisch an der Universität Maine und arbeitete vor Beginn seiner literarischen Karriere als Englischlehrer.

Bereits als Siebenjähriger schrieb er erste Geschichten. Ersten kommerziellen Erfolg hatte er 1974 mit dem Roman „Carrie“. Auch sein dritter Roman „Shining“ war ein großer Erfolg und wurde später von Stanley Kubrick mit Jack Nicholson verfilmt („Hier ist Jacky…“).

Bis heute hat Stephen King über 50 Romane und mehr als 100 Kurzgeschichten veröffentlicht. „Finderlohn“ ist der zweite Teil der „Mr. Mercedes Trilogie“, einem Ausflug Kings in das Krimi-Genre.

Das Buch:  1978: John Rothstein ist ein berühmter Bestsellerautor, der in den 60ern eine überaus erfolgreiche Trilogie veröffentlicht hat. Seitdem hat er jedoch keine weiteren Bücher folgen lassen und lebt zurückgezogen auf dem Land.

Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer des Schriftstellers, bricht mit Hilfe von zwei seiner Freunde in das Haus des Schriftstellers ein und tötet ihn. Das Gespann erbeutet eine Menge Bargeld und – für Morris viel wichtiger – eine große Zahl an Notizbüchern, die alles enthalten, was Rothstein in den letzten 16 Jahren aufgeschrieben, jedoch nie veröffentlicht hat.

Bellamy vergräbt die Beute, wird allerdings dummerweise kurz darauf für ein völlig anderes Verbrechen inhaftiert.

2009:  Der junge Peter Saubers findet Jahrzehnte später Bellamys Versteck. Mit dem gefundenen Geld hält er seine Familie mehrere Jahre über Wasser. Schließlich will er auch die Notizbücher zu Geld machen – und gerät auf diese Weise ins Visier von Morris Bellamy, der mittlerweile aus der Haft entlassen wurde und auf der Suche nach seiner Beute ist.

Nachdem Peter bewusst wird, in welche Gefahr er sich begeben hat, wendet er sich an Bill Hodges, den Detective a. D. aus „Mr. Mercedes“. Wird Hodges ihm helfen können?

Fazit: Ursprünglich sollte diese Rezension die Überschrift „Mittelteil von Dr. Schiwago“ erhalten. Mir fiel allerdings nicht die geringste Idee ein, wie man diese Überschrift in einen sinnvollen Zusammenhang mit dem Rest des Textes bringen könnte. Also musste der Dr. Schiwago weichen. Schade eigentlich, aber lassen wir das und wenden uns Mr. King zu.

Es gibt kaum einen Schriftsteller, zu dem ich ein dermaßen gespaltenes Verhältnis habe wie zu Stephen King. In seinen Glanzzeiten hat er mich mit Büchern wie „Friedhof der Kuscheltiere“, The Green Mile“ oder „Amok“ begeistern können. Dann wieder musste ich teilweise dunkelste literarische Stunden hinter mich bringen, wie z. B. in „Needful things – In einer kleinen Stadt“. Ein Buch, in dem auf nahezu 1.000 Seiten nicht das Geringste passiert! Und apropos dunkel, ja, auch die ersten beiden Teile von „Der dunkle Turm“ haben mich arg verschreckt. Ja, ich weiß, teert mich, federt mich, tragt mich auf Bahnschienen aus der Stadt, ist mir egal, ich kann mit „Der dunkle Turm“ einfach nichts anfangen. 😉

Mit „Finderlohn“ wandelt King glücklicherweise auf weniger dunklen Pfaden, denn richtig nennenswerte Schwächen hat das Buch eigentlich nicht.

Schon die Charaktere wissen mich zu überzeugen. Insbesondere Peter Saubers und Morris Bellamy werden sehr genau beschrieben, ihre – sehr genauen und auch wichtigen – Hintergrundgeschichten, ihre Gedanken, ihre Motivation zum Handeln.

Speziell Bellamy gefiel mir in diesem Bereich sehr gut, auch wenn er naturgemäß eine Schraube locker hat. Aber es ist spannend zu sehen, wie ein junger intelligenter Mann immer weiter abrutschen kann und wie er beharrlich die Schuld dafür immer und immer wieder anderen Menschen gibt: Seine Mutter, sein Freund Andrew, der Typ, der Morris eine Flasche Schnaps gekauft hat, als dieser noch minderjährig war – sie alle tragen Schuld an der Situation, in die er sich gebracht hat. Sogar der Schriftsteller Rothstein ist nach Bellamys Meinung dafür mitverantwortlich, obwohl sich die beiden bis zu jenem verhängnisvollen Abend 1978 noch nie begegnet sind. Selbst Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, liegt dem jungen Mann jedoch fern. Mit Morris Bellamy hat King eine Figur geschaffen, die mir überraschend gut gefiel.

Dabei ist die Geschichte um Peter Saubers und seinen Verfolger auch stilistisch gut umgesetzt, allerdings beinhaltete die Art des Erzählens ein elementares Problem für mich: Bei „Finderlohn“ handelt es sich um den zweiten Teil eines Dreiteilers, der sogenannten „Mr. Mercedes-Trilogie“ bestehend aus „Mr. Mercedes“, „Finderlohn“ und „Mind Control“(Gerade bei letzerem hat der Heyne-Verlag mal wieder alles gegeben, als man dort den englischen Originaltitel „End of Watch“ in einen anderen englischen Titel für die deutsche Ausgabe „übersetzte“…). Da es sich nun um einen zweiten Teil handelt, bleiben üblicherweise diverse Hinweise auf den ersten Teil nicht aus. Hier allerdings erzählt King quasi nochmal die komplette Handlung von Teil 1 in einer Kurzfassung, die zumindest mir jegliche Motivation geraubt hat, diesen ersten Teil jetzt noch nachzuholen. Allerdings kann Mr. King nichts dafür, dass einer seiner Leser so paddelig ist, mit dem zweiten Teil in eine Trilogie einzusteigen, außerdem ergibt diese Art des Erzählens vor dem Hintergrund, dass beide Bücher inhaltlich zusammenhängen, durchaus Sinn. Jedenfalls, wer sich mit dem Gedanken trägt, „Finderlohn“ zu lesen, dem sei erst die Lektüre von „Mr. Mercedes“ angeraten.

Die Geschichte selbst gehört sicherlich nicht zu den originellsten und spannendsten, die man im Krimibereich finden könnte, aber sie bleibt über die komplette Länge des Buches unterhaltsam und meistens spannend. Auch da gibt es also nichts zu meckern.

Kurz gesagt: Wer die Bücher von Stephen King gerne liest, kann mit „Finderlohn“ eigentlich nicht das Geringste falsch machen. Und für wen Reihen wie „Der dunkle Turm“ zu abgedreht sind, weil sie den Eindruck erwecken, als hätten Kubrick und Tarantino während eines gemeinsamen Alkoholrausches die Handlung ausbaldowert und Stephen King anschließend mit Waffengewalt gezwungen, sie aufzuschreiben – für Leute wie mich also – ist „Finderlohn“ eine erfreuliche Abwechslung in Kings Schaffen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun“. Endlich wieder Fantasy! 🙂 Der zweite Teil liegt schon neben mir und wartet darauf, gelesen zu werden. Also: Ich muss weg! 🙂

„Gefrorener Schrei“ von Tana French – Ein Hoch auf Misanthropie?

Buch: „Gefrorener Schrei“ (2016)

Autor: Tana French

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 653 Seiten

Die Autorin: Tana French, geboren 1973, ist eine amerikanisch-italienische Krimi-Autorin. Sie wuchs in Irland, Italien und Malawi auf. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin absolvierte French eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitete für Theater, Film und Fernsehen. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Dublin. Seit 2008 hat French insgesamt 6 Bücher veröffentlicht, für die sie bereits vielfach ausgezeichnet wurde.

Das Buch: Aislinn Murray ist jung, hübsch – und tot. Zu Hause hatte die junge Frau bereits alles für ein romantisches Abendessen vorbereitet. Kein Wunder also, dass die Polizei schnell von einer Beziehungstat ausgeht. Die beiden Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran  – dem kundigen Leser der Tana French-Romane bereits aus „Geheimer Ort“ bekannt – werden auf den Fall angesetzt und sollen die Theorie der Beziehungstat untermauern und den Schuldigen schnellstmöglich verhaften.

Nach kurzer Zeit kommen den beiden jungen Detectives jedoch bereits erste Zweifel. Kann es sich tatsächlich um eine Beziehungstat handeln? Hat sich Aislinn Murray nicht vielleicht doch eher in zwielichtigen Kreisen herumgetrieben, was ihr schließlich zum Verhängnis wurde?

Darüber hinaus wird im Laufe der Ermittlungen immer offensichtlicher, dass jemand innerhalb der Mordkommission die Arbeit der beiden Polizisten behindert. Nur deshalb, weil Conway es als einzige Frau im Team schwer hat, akzeptiert zu werden?

Die Ermittler sehen sich gezwungen, ihren eigenen Weg zu gehen, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Fazit: Tja, das Leben besteht aus Phasen. Derer gibt es gute und weniger gute. Allen gleich ist jedoch die Eigenschaft, dass sie vorbeigehen. Deshalb nennt man sie ja auch Phasen. Abgeleitet übrigens vom altgriechischen φάσις (phásis) für „Erscheinung, Aufgang eines Gestirns“. Nur damit die Nicht-Altgriechen unter euch hier auch was lernen.

Deshalb gehen auch Phasen vorbei, in denen einem das Lesen, das darüber Schreiben, das Leben, das Universum und der ganze Rest als solches relativ sinnfrei erscheinen. Und deshalb wiederum fange ich jetzt auch so langsam wieder mit Rezensionen an. Allerdings mit angepasstem Tempo. Ursprünglich hatte ich mir ja das Ziel von etwa einer Rezension pro Woche gesetzt. Wohin diese Zielsetzung allerdings führt, habe ich vor einiger Zeit bemerkt. Ich weiß jetzt auch, was George R. R. Martin meinte, als er genervt sinngemäß sagte: „Jedes Mal, wenn jemand fragt, wie lange es bis zum neuen Buch dauert, bringe ich einen Stark um!“ 😉 Kurz gesagt: Mein Beitragstempo werde ich ein wenig individualisieren, frei nach dem Motto: „It´s done, when it´s done!“

Nun aber genug von meinen persönlichen Befindlichkeiten, kommen wir zu einer meiner liebsten Autorinnen, zu Tana French:

Im englischen Original heißt Frenchs neues Buch „The Trespasser“, was man seitens des Verlages eher mutig mit „Gefrorener Schrei“ übersetzt hat. Über diese Praxis schimpfe ich regelmäßig, tue es deshalb diesmal nicht, sondern erwähne es nur. Wenigstens war man bei der deutschen Namensgebung konsequent, was bedeutet, dass der Titel „Gefrorener Schrei“ vor dem Hintergrund der Lektüre nicht den geringsten Sinn ergibt!

Im Laufe der Lektüre wurde mir zunehmend deutlich, dass sich „Gefrorener Schrei“ teils deutlich von den früheren Büchern von French unterscheidet, insbesondere von den älteren. Und ich weiß nicht, ob mir diese Entwicklung wirklich zusagt…

Schon öfter war die Ermittlungsarbeit in ihren Büchern eigentlich eher schmückendes Beiwerk. Im Fokus der Autorin standen häufig ihre Figuren und das Milieu in dem sie sich bewegen. Bereits bei „Geheimer Ort“ oder „Totengleich“ – im Übrigen ähnlich schwachsinnige Titelübersetzungen – war das ähnlich, dort jedoch bot die Handlung noch wesentlich mehr Spannung als bei „Gefrorener Schrei“. Selten war die Liste der Verdächtigen so kurz, selten die Ermittlungen so belanglos, selten die Lösung so offensichtlich. Allerdings war ebenso selten zu merken, dass die Autorin offenbar eigentlich gar keine Krimis schreiben möchte. Angeblich hat Tana French in einem Interview mal sinngemäß gesagt: „Ich weiß halt nicht, wie ich die Handlung ins Rollen bringen soll, ohne eine Leiche einzubauen.“ Das merkt man diesem Buch deutlich an.

Aber die große Stärke liegt bei Frenchs Büchern häufig ja ohnehin abseits der Handlung. So bringt der Stil die Atmosphäre des Buches gewohnt gut zur Geltung, allerdings wirken manche Dialoge gewollt lässig und cool. Aber vielleicht reden Polizisten in Irland untereinander so, wer weiß!?

Die Stärke der bisherigen Bücher – die Charaktere – sind in „Gefrorener Schrei“ allerdings tragischerweise der größte Schwachpunkt, was mir die Lektüre gründlichst vermiest hat. Allen voran möchte ich an dieser Stelle Detective Antoinette Conway erwähnen. Die Gute liefert sich mit ihrem Kollegen unterhaltsame Wortgefechte, was aber über den Großteil des Buches der einzige Punkt ist, der sie irgendwie sympathisch wirken lässt. Ansonsten ist die Gute eine misanthropische, egozentrische, kaltherzige, von sich selbst überzeugte  Besserwisserin! Ich habe eine derartige Abneigung gegen diese Figur entwickelt, dass ich seitenweise über sie schreiben könnte. Hier ein paar Beispiele:

Aislinn Murrays Vater verließ die Familie von heute auf morgen, als Aislinn noch ein kleines Kind war. Naturgemäß beschäftigt Aislinn das auch noch im Erwachsenenalter. Conway sagt dazu: „(…) weil sie sechsundzwanzig Jahre alt war und heulend hinter Daddy hergelaufen ist, damit er alles für sie in Ordnung bringt. Das ist erbärmlich. (Seite 261)

Über Aislinns lebenslange Suche nach ihrem Vater sagt sie: „Dann hätte sie ihre Zeit eben nicht so verbringen sollen. Die Detectives haben sie nicht dazu gezwungen. Leg Dir ein Hobby zu. Fang an zu stricken.“ (Seite 293)

Auf Seite 285 sagt sie einfühlsam über das Mordopfer: „Die blöde Kuh hätte es echt nötig gehabt, sich in den Griff zu bekommen.“ und „Ich habe keine Lust, Aislinn für irgendetwas Anerkennung zu zollen oder mich überhaupt für sie zu interessieren(…)“

Und, zu guter Letzt, über den Verdächtigen, der ein Profil bei einem Online-Dating-Portal hat, was Conway offensichtlich missfällt: „Solche Leute kotzen mich an. Wie sie alle auf und abspringen und mit ihren Armen wedeln und fürs Internet mit ihren total süßen kleinen Popos wackeln: Ich, schau mich an, hab mich gern, bitte, oh bitte, begehr´ mich!!!“ (…) „Kein Mensch braucht eine Beziehung!“ (Seite 213)

Zu all diesem Geschwurbsel sage ich : Leck mich, Conway!

Ich habe im Rahmen einer anderen Rezension mal sinngemäß geschrieben, dass mir Charaktere nicht sympathisch sein müssen, sie müssen nur nachvollziehbar sein. Und das stimmt auch weiterhin. Aber Conway ist nicht nur unsympathisch, sind ist auch schwer nachvollziehbar.

Einerseits wirkt sie wie ein 12 Jahre altes frustriertes Ghetto-Kid, dem man den Lutscher weg genommen hat, wofür es jetzt auf die Fresse gibt, weil man ja das härteste, gnadenloseste, stärkste Ghetto-Kid „in da hood“ ist. Andererseits jammert sie dauernd darüber, dass ihr die Kollegen permanent Steine in den Weg legen, ungeachtet der Tatsache, dass diese ewige „Niemand-mag-mich“-Jaulerei alles andere als die Stärke ausstrahlt, die Conway doch so gerne vermitteln möchte. Nein, da passt was nicht.

Ich wäre an Tana Frenchs Stelle dafür, Conway schnellstmöglich wieder in den Streifen-, oder noch besser: Innendienst –  zu versetzen und im nächsten Buch mit einem anderen Team neu durchzustarten – gerne auch mal wieder mit einer spannenderen Kriminalermittlung!

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 3 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Finderlohn“ von Stephen King.

 

Challenge? Ich?

Schönen guten Abend allerseits,

für gewöhnlich stehe ich sogenannten „Challenges“ von Buchbloggern und Innen eher ablehnend gegenüber. Zumindest, was meine eigene Teilnahme an derlei „Events“ betrifft.

Einmal – natürlich – wegen des Anglizismus! 😉 Warum man so etwas nicht mehr „Herausforderung“, „Aufgabe“ oder – ein ganz verwegener Vorschlag – „Kampfansage“ nennen kann, erschließt sich mir beharrlich nicht. Aber da ich ja weiß, dass ich mit dieser Meinung mittlerweile recht allein stehe und der Kampf gegen „Service Points“ und ähnliche Überflüssigkeiten ohnehin verloren ist – vor Jahrzehnten schon -, thematisiere ich das jetzt einfach mal nicht weiter.

Der zweite Grund für meine eher ablehnende Haltung ist, dass mir solche Challenges inhaltlich oft einfach nicht zusagen. Beispielsweise könnte das Ziel, bis Jahresende mindestens X verschiedene Bücher lesen zu wollen, bei mir zu einer herbstwinterlichen Form von binge-reading ( jaaaahaa, ich weiß, ein Anglizismus!) führen, sobald ich merke, dass ich den selbst gesetzten Zielen hinterherhinke, die an amerikanische Blaubeerkuchen-Wettessen-Wettbewerbe erinnert. Meine geneigten Leser und Innen werden sich erinnern, dass ich mir in jüngerer Vergangenheit bereits genug Druck mit dem Schreiben von Rezensionen machte. Auf zusätzlichen Druck hinsichtlich irgendwelcher Leseziele sollte ich vor dem Hintergrund meiner geistigen Gesundheit also verzichten! 🙂

Dennoch stolpere ich durchaus manchmal über Challenges, die ich im Grundsatz interessant finde. Kürzlich zum Beispiel stieß ich bei „wortgeflumselkritzelkram“ auf die schöne Idee der Buchweltreise. Ziel des Ganzen ist, mit seinen gelesenen Büchern nacheinander praktisch alle Staaten der Welt abzudecken, sei es, weil die Handlung in einem bestimmten Land spielt, sei es weil die/der Autor/in aus diesem Land kommt. Eine sehr interessante und ambitionierte Aufgabe, wie ich finde. Kurz dachte ich über eine Teilnahme nach, entschied mich aber doch dagegen, weil es mich in der Wahl meiner Bücher – ob bewusst oder unbewusst – zu sehr einschränken dürfte. Und es könnte zu unagenehmen Nebenwirkungen kommen: Man stelle sich vor, mir fehlte nur noch Schottland und beim einzigen Buch, was im überschaubaren Buchhandel des nahegelegenen überschaubaren Mittelzentrums diesbezüglich erhältlich wäre, handelte es sich um einen Teil irgendeiner obskuren Schottland-Sage von Diana Gabaldon! Das kann nun wirklich niemand wollen.

Nun aber – der langen Rede kurzer Sinn – bin ich auf eine Challenge gestoßen, die meine vollste Zustimmung gefunden hat und bei der ich doch tatsächlich teilnehmen werde: Die Sparschwein-Challenge, zu finden im sehr lesenswerten Blog „Tirilu„.

Kurz gesagt: Für jedes gelesene Buch wandert ein kleiner Geldbetrag in ein Glas. Oder wie in meinem Fall in ein Sparschwein. „Wie´s der Beelzebub will“, wie Malmsheimer sagt, befand sich unter vielen zauberhaften Adventskalendergeschenken nämlich ein eben solches, dass sich zu diesem Behufe gar formidabel eignen sollte.

Da ich mich strikt an die Vorgaben halte, wird das Sparschwein für jedes gelesene Buch, das zeitlich noch zu „Neuheiten“ zählt, mit 1 Euro gefüttert. Jedes gelesene SuB-Buch (Bücher, die sich länger als 2 Monate in meinem Besitz befinden) schlägt mit 2 Euro zu Buche. Und bei SuB-Senioren, also Bücher, die schon länger als zwei Jahre ihrer fachgerechten Nutzung harren, freut sich das Sparschwein über 3 Euro.

Schauen wir mal, welche Summe so im Laufe des Jahres zusammenkommt. Vielleicht ist mir bis zum Jahresende auch eine sinnvolle Verwendung für diese Summe eingefallen, Anregungen werden gerne entgegengenommen. 🙂

Die ersten 2 Euro haben übrigens gerade den Weg ins Sparschwein gefunden… 😉

Nun denn, ich verabschiede mich jetzt wieder in die Pause und mache es mir mit „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau gemütlich.

Bis irgendwann!