Freitagsfragen # 14

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

zum Schreiben von Rezensionen verspüre ich gerade nicht den geringsten Drang. Aber die Freitagsfragen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Besagte Freitagsfragen gehen heute übrigens bereits in die 14. Runde! Tempus fugit, könnte man sagen.

Nun denn, los gehts! Die heutigen Fragen lauten:

1.) Wie stellst Du Dir das Leben in 50 Jahren vor?

2.) Wie alt fühlst Du Dich?

3.) Was gibt Dir in schweren Zeiten Halt?

4.) Die Wahl der Qual: Lieber ein Date mit jemandem, der niemals lacht oder mit jemandem, der keine Konversation aufrecht erhalten kann?

Antwort zu 1.) Das Leben allgemein oder mein eigenes? Also, hinsichtlich meines eigenen will ich doch davon ausgehen, dass ich in 50 Jahren ganz gemütlich auf einer Wolke sitzend vollkommen entspannt die Spiele des SV Werder ansehen kann. Irgendwann zwischen „frohlocken“ und „Hosianna singen“, wird dafür schon Zeit sein…

Dort werde ich dann mit den geflügelten Fachkräften darüber fachsimpeln, dass die Bayern im Jahre 2017 niemals ihren Trainer entlassen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass sie damit eine Wachablösung an der Spitze des deutschen Fußballs zugunsten des SV Werder einleiten, der in den folgenden 50 Jahren 38 Meister- und 22 internationale Titel einfährt.

Alternativ hätte ich aber auch nichts dagegen, wenn ich in 50 Jahren Hugh Hefners Imperium übernommen hätte und an der Seite der Enkeltochter von Jennifer Lawrence oder der von Kat Dennings – oder beiden – das Leben genießen würde.

Wie ich mir das Leben allgemein in 50 Jahren vorstelle, hängt ganz entschieden von meiner Tagesform ab. Hätte ich eine gute Woche gehabt und heute eine entsprechende Laune, würde ich mich wahrscheinlich auf sowas beschränken wie: „Och, das wird schon!“ Da das nicht der Fall ist, ist meine Vorstellung eine etwas andere, nämlich folgende:

„Meine sehr verehrten Zuschauer, es ist Donnerstag, der 29. September 2067, sie sehen die Nachrichten im EDM, dem „Einzigen Deutschen Medium“, mein Name ist Heiner Bremer.

Berlin: Der Große Gauleiter Alexander III. hat die Bevölkerung erneut angemahnt, an den Feierlichkeiten zugunsten des morgigen „Pegida-Gedenktages“ teilzunehmen. Alexander III. sagte wörtlich: „Diese tapferen Männer und Frauen, die damals auf die Straße gingen,  haben es mit ihrem aufopferungsvollen Kampf vor nunmehr über 50 Jahren geschafft, uns vom Joch der Demokratie, der Bevormundung durch die EU und letztlich von der EU selbst zu befreien. Sie haben es uns ermöglicht, durch unseren erfolgreichen Wahlkampf unter dem Motto “ § 1: Jeder macht seins!“ im Jahre 2033 alleinverantwortlich für die Politik in unserem Lande zu sein. Dieses selbstlose Handeln vedient unseren vollen Respekt. Daher fordere ich Sie auf, an diesem schönen Gedenktag Bestandteil unserer Feierlichkeiten zu sein.“

Alexander III. teilte weiter mit, dass alle Arbeiter in Deutschland für morgen von ihrer Tätigkeit freigestellt werden. Das gilt auch für die Arbeitskräfte aus den Protektoraten Polen, Dänemark und Holland.

Karlsruhe: Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot des „Christopher Street Day“ bestätigt. Wie der vorsitzende Richter betonte: „Der deutsche Bürger hat verdient, von derlei Absonderlichkeiten verschont zu bleiben. So eine Veranstaltung hat in unserer heutigen Gesellschaft einfach keinen Platz mehr!“ Das Urteil im Verfahren über die Abschaffung der Inklusion soll am nächsten Montag erfolgen.

Menlo Park, Kalifornien, USA: Der Facebook-Vorsitzende Max Zuckerberg hat, ebenso wie sein Vater und Ehrenvorsitzende Mark Zuckerberg, die Proteste gegen Facebook zurückgewiesen. Die Proteste waren aufgekommen, nachdem Zuckerberg verkündete, im Einklang mit der US-Regierung beschlossen zu haben, den Zugang zu Krankenversicherung und Wahlrecht in den USA von einem Facebook-Account abhängig zu machen. Zuckerberg wörtlich: „Wer nicht bereit ist, am social life teilzunehmen, dem sollte auch nicht die Möglichkeit gegeben werden, am politischen Leben teilzunehmen oder gar dem Staat durch teure medizinische Behandlungskosten auf der Tasche zu liegen.“. Sollte Zuckerbergs Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, drohen die Gegner dieses Plans mit einer Klage vor dem Supreme Court, die allerdings nach Expertenmeinungen nur geringe Erfolgschancen hat.“

Saarbrücken: Der Bau der Mauer an der deutsch-französischen Grenze geht gut voran. Die automatisierten Arbeitskräfte, die die deutsche Regierung von Intel erworben hat, erweisen sich als eine gute Investition. Der Fortschritt des Mauerbaus – nach dem deutsch-französischen Krieg 2064-2065 in beiderseitigen Einvernehmen beschlossen – geht weit schneller voran als geplant und könnte schon bis Mitte des nächsten Jahres beendet sein.

Moskau: Die russische Armee hat die teilautonomen russischen Teilrepubliken Ukraine, Estland, Lettland und Litauen besetzt. Dort hat es in den vergangenen Wochen immer wieder vereinzelte Aufstände gegeben. Der russische Präsident Putin hat bezüglich dieses Vorgehens die volle Unterstützung unseres Großen Gauleiters Alexander der III., der zu diesem Thema sagte: „Wir werden diese Angelegenheit und das weitere Vorgehen in einer Woche beim 115. Geburtstag des russischen Präsidenten besprechen.“

Südostasien: Aus der nach dem kurzen amerikanisch-koreanischen Atomkrieg 2025 zur Sperrzone erklärten koreanischen Halbinsel kommt es in jüngerer Vergangenheit immer häufiger zu Übergriffen auf das chinesische Staatsgebiet durch sogenannte „Mutanten“. Diese scheinbar immer zahlreicher werdenden menschenähnlichen Wesen sind möglicherweise das Resultat des Atomkriegs, der mit der Auslöschung Nord- und Südkoreas endete und für den die US-Regierung nach wie vor jede Verantwortung von sich weist.

Abschließend das Wetter: Der deutsche Wetterdienst teilt mit, dass die Hurrikan-Serie in Deutschland langsam zu Ende geht. Der Große Gauleiter betont in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklung des Wetters in den letzten Jahren weiterhin nichts mit dem sogenannten Klimawandel zu tun hat. Dieser Auffassung sei auch sein Amtskollege US-Präsident Barron William Trump.

Damit verabschiede ich mich von Ihnen und wünsche Ihnen noch eine gute Nacht.“

 

Antwort zu 2.) Ich bin ein vierzigjähriger männlicher Single, wie alt soll ich mich schon fühlen? Irgendwo zwischen „prä-final“ und „jetzt is´ eh wurscht“?! :-)

Nein, mal im Ernst. Ich glaube, ich fühle mich so, wie man sich in meinem Alter eben fühlt. Einerseits sehe ich vieles entspannter als noch vor 20 Jahren, andererseits gibt es Situationen, in denen ich noch genau so unsouverän bin wie vor 20 Jahren – was mich ärgert. Und ich glaube, die selbe Antwort würde ich in 20 Jahren auch wieder geben.

 

Antwort zu 3.) In erster Linie gibt es da einen elitären Kreis von so 2-3 Leuten, denen ich jederzeit mein Leid klagen kann. Häufig passiert das auch nur aus dem Grund, eben klagen zu wollen, Lösungsansätze folgen dann später. ;-) Dieser elitäre Kreis hilft jedenfalls in schweren Zeiten enorm.

Falls auch das nicht hilft, versuche ich, mich mit dem „Es-ist-nur-eine-Phase“-Gedanken über Wasser zu halten. Sich das zu verdeutlichen, dass sowohl schlechte als auch gute Zeiten immer nur eine Phase sind, entspannt doch ungemein, wenn man das mal verinnerlicht hat. Mal schauen, wann das bei mir sein wird… :-)

Falls aber auch das nichts hilft, suhle ich mich halt einfach eine Weile in meinem Leid und konsumiere Songs mit Textstellen wie:

„It seems no one can help me now

I´m in too deep

There´s no way out

This time I had really led myself astray“

Lief heute morgen im Radio. Na, wer weiß es? Na? Naaaaa? ;-)

 

Antwort zu 4.) Menschen, die nicht lachen, sind mir suspekt. Menschen, die keine Konversation aufrecht erhalten können, sind dagegen vielleicht einfach nur schüchtern. Und das ist nicht schlimm. Dafür rede ich umso lieber. Gerne auch über mich. Gerne auch ausufernd. Ich entscheide mich also für das Date mit einer Frau, die keine Konversation aufrecht erhalten kann.

Interessant wäre dann die Antwort meines Dates auf die Frage: Lieber ein Date mit jemandem, der pausenlos über sich selbst quatscht oder mit jemandem, der auch mal in der Lage ist, die Schnauze zu halten? ;-)

 

Das war´s auch schon wieder.

Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

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Freitagsfragen # 13

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mit einer neuen Runde der Freitagsfragen im Brüllmausblog starte ich in diesen schönen Freitag, dem angeblich so ein, zwei weitere Tage folgen sollen, die man guten Gewissens als Spätsommer bezeichnen könnte. Grund genug für mich, zu sagen: Ich hab´s ja gesagt! :-) Jetzt mag man einwenden, dass heute ja bereits kalendarischer Herbstanfang ist, dieser Einwand würde von mir aber geflissentlich ignoriert.

Legen wir los, die heutigen Fragen lauten:

1.) Wie viele Jahre schon dauert Deine längste Freundschaft?

2.) Gilt für Dich die Redensart „Eine Hand wäscht die andere“?

3.) Könntest Du ein Jahr ohne andere Menschen aushalten?

4.) Die Wahl der Qual: Die Zahnpasta fällt ständig von der Zahnbürste oder komplexe, unmerkbare neue Passwörter ausdenken müssen?

 

Antwort zu 1.) Meine langjährigste Freundschaft dauert jetzt 33 Jahre und 21 Tage. Die zweitlängste besteht seit 27 Jahren und einem Monat, die drittlängste hält seit 25 Jahren, 4 Monaten und 21 Tagen. Ja, ich kann mir so etwas merken. ;-) Und da gibt es Menschen, die Probleme haben, ihren eigenen Hochzeitstag im Kopf zu behalten, pah! Ich gebe aber zu, dass ich für die beiden Erstgenannten googeln musste, nur die Dritte habe ich jederzeit im Kopf.

Die genannten Zeiträume deuten vor allem auf eines hin: Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu seyn – der muss sich in meinem Fall darauf einstellen, dass sich daran so schnell nicht wieder etwas ändert. Ich sage öfter: „Ich bin wie die Cholera, man wird mich einfach nicht los!“, allerdings würde ich diesen bösen, bösen Satz niemals in der Öffentlichkeit von mir geben…

Jedenfalls, was Freundschaften angeht, bin ich also relativ treu. Das bedeutet aber auch, das man mir schon schlimmes Ungemach zufügen muss, damit ich eine Freundschaft auf den Prüfstand stelle. Sollte man mir also einen Lungensteckschuss zufügen, um mich sodann in tiefdunkler Nacht und bei strömendem Regen mit gehässigem Gelächter im Straßengraben abzukippen und mit qualmenden Reifen die heimische Gemarkung fürderhin auf ewig zu verlassen, dann, ja, dann könnte man sich durchaus meinen Unmut zuziehen. Alles, was weniger schlimm ist, lässt sich besprechen.

Antwort zu 2.) Nein, eigentlich nicht. Ich mag diese Redensart nicht wirklich, weil sie die Ansicht vermittelt, dass für jede gute Tat eine Gegenleistung notwendig ist und/oder eingefordert werden kann. Wenn jemand von mir Unterstützung benötigt, die ich in der Lage bin, zu geben, dann schaue ich nicht erst in das Gefälligkeitenkonto der Person und sage: „Ja, nee, das geht jetzt nicht! Aus meinen Unterlagen geht hervor, dass ich Dir viermal geholfen habe, Du mir aber nur dreimal. Kurz: Du bist eigentlich dran!“

Andererseits: Sollte mir jemand Unterstützung verwehren, die ich umgekehrt aber schon häufig gegeben hätte, fände ich das durchaus etwas befremdlich und würde vielleicht so etwas sagen wie: „Aber ich hab Dir doch auch…“

Ach, ich weiß es nicht. Es ist Freitag und es ist noch früh. Zerebral laufe ich also auf Reserve.

Antwort zu 3.) Das kommt ganz auf die anderen Menschen an. Ein Jahr lang ohne Beatrix von Storch oder Erika Steinbach sehen zu müssen? Es wäre ein Fest, das unterschreibe ich sofort. Aber das wird wahrscheinlich nicht gemeint sein…

Ein Jahr lang ohne Menschen. Also, so ohne alle, ja!? Quasi eine Art „Cast Away“ in der niedersächsischen Pampa? Hmm, das käme auf einen Versuch an. Ich könnte Tom Hanks kontaktieren, der mich dann im Rahmen eines Bootcamps auf diese Situation… – Moment, Tom Hanks musste für „Cast Away“ 25 Kilo abnehmen! Nee, das kommt gar nicht infrage!

Dann also lieber so eine Art „I Am Legend“ in der niedersächsischen Pampa! Hat auch einen viel höheren Coolness-Faktor! Dafür könnte ich dann Will Smith kontaktieren – ich kenne ja Hanks und Smith recht gut durch Willis und Affleck, ich wollte es nur nochmal erwähnt haben – der mich dann ebenfalls in einem Bootcamp auf die Situation vorbereitet. Übungseinheiten: Montag bis Mittwoch Schäferhund-Dressur, Donnerstag bis Samstag Umgang mit der Wumme (nicht, dass ich die bräuchte, aber das hat sich Will Smith wahrscheinlich auch gedacht), Sonntag strategische Kriegsführung anhand der VR-Version von „Resident Evil 7“. Besonders die Sonntage werde ich verabscheuen!

Ach, lassen wir das!

Nein, mal im Ernst. Ein Jahr lang ohne Menschen würde ich im Leben nicht aushalten. Ich wüsste auch nicht, wer das überhaupt aushalten sollte. Klar, auch ich habe Phasen, in denen ich mir sage: „Jetzt lasst mich alle mal in Frieden, ich muss mal eine Weile mein eigenes Ding machen!“. Selbst wenn das eigene Ding darin besteht, gar nichts zu machen. Aber über einen so langen Zeitraum? Nääää! Selbst Menschen in Einzelhaft bekommen von Zeit zu Zeit andere Menschen zu Gesicht!

Antwort zu 4.) Öffnung der Zahnpastatube in den Mund – drücken – drücken einstellen – Zahnpastatube aus dem Mund entfernen und verschließen – Zahnbürste zum Einsatz kommen lassen – Problem gelöst!

Auch wenn ich bei Passwörtern kreativer bin als „12345“ oder „Hallo“, verabscheue ich es, mir dauernd neue Passwörter ausdenken zu müssen. Und da es für das Zahnpastaproblem eine praktikable Lösung gibt, entscheide ich mich dafür!

 

Das wär´s auch schon, liebe Leserinnen und Leser! Ich wünsche allseits noch einen schönen Herbstanfang!

Gehabt euch wohl!

„Der Präsident“ von Sam Bourne – Erschreckend aktuell

Buch: „Der Präsident“

Autor: Sam Bourne

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 477 Seiten

Der Autor: Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Nach Stationen u.a. bei der BBC, der Washington Post, der New York Times, Newsweek und der Los Angeles Times, arbeitet er heute überwiegend als Redakteur und Kolumnist beim Guardian. Er schreibt regelmäßige Beiträge für die New York Times Review of Books und den Jewish Chronicle. Zudem präsentiert er die wöchentliche Radiosendung The Long View bei BBC Radio 4. Freedland ist Autor diverser Sachbücher und Thriller. Mit seinem Thrillerdebüt Die Gerechten war er monatelang Nummer 1 der Sunday-Times-Bestsellerliste mit über einer halben Million verkaufter Exemplare. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA zeigt sich, wen sich die Amerikaner da in dieses prestigeträchtge Amt geholt haben, als der neue Präsident mitten in der Nacht aufgrund einer unfreundlich formulierten „Verlautbarung“ aus Pjöngjang einen cholerischen Anfall bekommt und verlangt, in die Kommandozentrale des Pentagons durchgestellt zu werden. Er will den Angriff auf Nordkorea und China mittels des gesamten amerikanischen Atomwaffenarsenals befehlen – was nichts anderes als den Untergang für den Großteil der Menschheit bedeuten würde.

In quasi letzter Sekunde kann die Situation entschärft werden, der Präsident beruhigt sich. Doch für die Minister Kassian und Bruton ist klar: So kann es nicht weitergehen! Sie loten die Möglichkeiten aus, den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Man könnte medizinische Gründe anführen und ihn für unzurechnungsfähig erklären lassen. Man könnte ihn aber auch…

Maggie Costello ist seit Jahren Mitarbeiterin im Weißen Haus, steht dem Präsidenten aber ebenfalls mit tiefer Abneigung gegenüber. Nachdem der Leibarzt des Präsidenten tot aufgefunden wird,  soll sie im Auftrag des Präsidentenberaters Crawford „Mac“ McNamara Nachforschungen anstellen und gerät dabei Plänen für ein Attentat auf den Präsidenten auf die Spur. Soll sie schweigen und damit dazu beitragen, die Welt vom cholerischen Tyrannen zu befreien oder soll sie die Pläne vereiteln?

Fazit: Nein, ich werde mich jetzt nicht zu Donald J. Trump oder der Politik der USA äußern. Das wäre zu einfach, zu ausschweifend und würde wahrscheinlich eine vollkommen niveaulose Richtung einschlagen. Dass die derzeitige weltpolitische Lage – in der gefühlt zweimal pro Woche ein nordkoreanischer Marschflugkörper über den Pazifik fliegt und der amerikanische Präsident die Segnungen des Mediums Twitter für sich entdeckt hat, weil man für 140 Zeichen nicht lange nachdenken muss  – die Hauptursache für mich war, diesen Roman zu lesen, das gebe ich gerne zu.

Sam Bourne hält sich bei manchen seiner handelnden Personen sehr nah an die tatsächlich existierenden „Vorbilder“. Auch wenn auf 477 Seiten nicht einmal der Name des Präsidenten genannt ist, so weiß man doch, wen der Autor damit meint. Der Präsidentenberater McNamara wiederum erinnert den kundigen Leser an Steve Bannon – auch wenn der unter dem „hire & fire“ -Präsidenten schon wieder Geschichte ist; ein Schicksal, dass er mit den Herren Priebus, Spicer oder Flynn teilt, die aber wiederum allesamt wenigstens länger durchgehalten haben als Anthony Scaramucci…

Das Problem der auf realen Personen beruhenden Charaktere ist nur, dass sie deutlich überzeichnet sind. Ich gebe allerdings zu, dass das durchaus so gewollt sein kann, denn „Der Präsident“ trägt eindeutig auch satirische Züge. Aber wenn ein Präsidentenberater im Weißen Haus derartig sexistisch, rassistisch und ekelhaft herumprollt, wie das McNamara tut, dann ist das vielleicht doch schon etwas zu viel des Guten.

Die rein fiktiven Charaktere haben mich mehr überzeugt. Lediglich, dass die Minister Kassian und Bruton bei ihrem Versuch einen Staatsstreich zu planen quasi dauerhaft mit der Verfassung herumfuchteln, mit der das ja alles in Einklang gebracht werden müsse, wirkt etwas scheinheilig, haben die USA doch sonst eher weniger Probleme damit, Regierungen zu stürzen oder stürzen zu lassen. Nur eben in anderen Ländern. Ach, ich wollte mich ja gar nicht zur Politik der USA äußern…

Stilistisch habe ich an „Der Präsident“ wenig auszusetzen. Bourne erzählt spannend und temporeich, die überschaubaren Kapitellängen sind für das Tempo ebenfalls hilfreich.

Im Vordergrund des Buches steht allerdings, wie könnte es anders sein, diese bemerkenswerte „was-wäre-wenn“-Handlung. Eine Handlung die durchweg spannend ist, die den Leser aber auch dazu bringt, sich seine eigenen Gedanken zu machen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Über die Folgen, die ein solches Szenario hätte. Über die eigenen moralischen Grundsätze, den eigenen moralischen Kompass. Schließlich habe ich selbst schon mal gesagt: „Wo ist John Wilkes Booth, wenn man ihn mal braucht?“, wollte damit allerdings auch nur einen billigen Scherz machen. Kam nicht gut an…

Wer ein actionlastiges Buch erwartet, das man vielleicht mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmen könnte, der liegt bei „Der Präsident“ grundfalsch. Wer aber ein zwischen Politsatire und Thriller changierendes Lesevergnügen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Alles so hell da vorn“ von Monika Geier.

 

Freitagsfragen #12

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

schon wieder ist eine Woche fast vorbei. Hartnäckig hält sich bei mir die Hoffnung auf drei, vier Tage die man guten Gewissens als „Spätsommer“ bezeichnen könnte. Bis die es aber geschafft haben, sich gegen das, was sich da draußen euphemistisch „Wetter“ nennt, durchzusetzen, beschäftige ich mich mit der nächsten Ausgabe der „Freitagsfragen“ im Brüllmausblog. Die heutigen Fragen lauten:

1.) Ein Meteorit fällt vom Himmel und löscht in einer Stunde alles Leben auf der Erde aus. Was tust Du?

2.) Ein Nachbar, mit dem du außer „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ nie Worte gewechselt hast, bittet Dich um Hilfe: Er hat sich das Bein gebrochen und kann für die nächsten Wochen weder einkaufen noch den Haushalt schmeißen und hat sonst niemanden, der ihm helfen kann. Wie reagierst Du?

3.) Ein Komitee tritt an Dich heran: Du sollst den tollsten Menschen des Jahres bestimmen, der mit 100.000€ und ein bisschen Medienrummel mit 3 Interviews und einer Sondersendung inklusive Danksagung des Bundespräsidenten geehrt wird. Wer ist Dein Mensch des Jahres?

4.) Die Wahl der Qual: Ständig im Satz unterbrochen werden oder nach einer Umsortierung der Wohnung durch einen Fremden nichts mehr wiederfinden?

Antwort zu 1: Was ich tue? Meine Steuerklärung ausfüllen! Zu den Klängen von „How far we´ve come“ von „Matchbox Twenty“. Nimm das, Meteorit! Du bringst mich nicht aus der Ruhe! „I´m waking up at the start of the end of the world…“  *lalalaaa*

Nein! Natürlich nicht!

Sich in einer solchen Situation mit finanz- und verwaltungstechnischen Notwendigkeiten zu befassen, wäre ja seltsam. Ich nutze die verbleibende Stunde gänzlich anders:

Während die ganze Menschheit händeringend und Hilfe rufend im Kreis läuft – eine Handlungsweise die noch nie hilfreich für die Lösung eines Problems war -, bleibe ich ruhig und besonnen. Zuerst rufe ich mal meine guten Freunde Bruce Willis und Ben Affleck an – wir haben sowieso schon wieder viel zu lange nicht geplaudert – und schildere ihnen die Situation, auch wenn selbige den beiden bereits bekannt sein dürfte. Dann bitte ich sie schlicht, sich um die Angelegenheit zu kümmern, schließlich haben die Jungs das schon mal erfolgreich getan. Gut, die Vorlaufzeit ist diesmal vielleicht etwas kurz, aber es sind ja auch fast 20 Jahre nach deren letzter Weltenrettung vergangen, mittlerweile geht so etwas schneller.

Bruce sträubt sich ein wenig – was vielleicht verständlich ist -, aber letztlich erkläre ich ihm, dass man bei der Rettung der ganzen Menschheit keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen kann. Während sich die Herren um das Problem kümmern, flirte ich ein bisschen mit Liv Tyler, während im Hintergrund leise Musik von „Aerosmith“ läuft.

Später dann, Wochen und Monate nach der erneuten erfolgreichen Weltenrettung, dringt in die Öffentlichkeit durch, dass Willis und Affleck nur die Ausführenden eines ausgeklügelten Plans eines genialen Masterminds, also mir,  waren. Dass in der Folge dann Straßen, Plätze, Gebirgszüge, Weltwunder, Raumsonden, Himmelskörper und extraterrestrische Kolonien nach mir benannt werden, nehme ich ebenso zu ruhig und besonnen zur Kenntnis wie die Verleihung der Ehrendoktorwürde aller 9.516 weltweit vorhandenen Universitäten und meine Wahl in das Bundespräsidentenamt – dafür braucht es nicht mal mehr eine Grundgesetzänderung, weil ich dafür erschreckenderweise mittlerweile alt genug bin.

Nach Ablauf meiner Amtszeit wird mir der Trubel allerdings doch zu viel, weswegen ich, in der Hoffnung, dort meine Ruhe zu haben, nach Pitcairn auswandere. Vorher mache ich noch meine Steuererklärung.

Antwort zu 2: Das ist mal eine Frage, die direkt aus meinem Leben gegriffen zu sein scheint. Denn zu meinem Nachbarn sage ich noch nicht mal „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“. Das liegt einerseits daran, dass der Herr ein nicht sonderlich diskussionsfreudiger oder gar frustrationstoleranter, dafür aber recht cholerischer Spinner ist. Zweitens ist er im Besitz einer Wumme. Die Kombination „cholerischer Spinner“ + „Wumme“ ist keine gute! Grund genug, den Kontakt – und damit das Risiko, über den Haufen geschossen zu werden – auf ein notwendiges Minimum zu beschränken.

Insofern würde ich möglicherweise von seinem Beinbruch erfahren, aber wohl eher weniger davon, dass er sonst niemanden hat, der ihm helfen könnte. Erführe ich allerdings davon, bestünde theoretisch sogar die Möglichkeit, dass ich ihm anböte, zu hülfen, äh, helfen. Vielleicht. Sehr vielleicht.

Antwort zu 3.: Zugegeben, ich kenne in meinem Umfeld die eine oder andere Person, die das Geld und die damit verbundene Ehrung durchaus verdient hätte. Ich bezeichne die mir nahestehendsten Menschen innerhalb dieses Blogs allerdings immer nur kryptisch als die „zauberhaften Personen“, die sie sind, gedenke jetzt aber nicht, eine einzelne davon näher zu beschreiben oder gar an das Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Abseits der mir nahestehenden Menschen fällt mir gerade aber auch spontan niemand ein, der eine solche Ehrung verdient hätte. Ich bin sogar eher der Ansicht, dass die Anzahl der weltweiten Idioten in den letzten Jahren geradezu sprunghaft angestiegen ist.

Also, würde ich für die Ehrung und das Preisgeld einfach mal ganz unbescheiden mich selbst ins Spiel bringen, auch wenn ich mich im Rahmen meines Bundespräsidentenamtes selbst ehren müsste Aber hey, was Napoleon konnte…!

Was denn? Ich habe gerade die Menschheit gerettet, schon vergessen!? Okay, und Affleck. Und Willis. Wo immer der auch sein möge, der hat nach der zweiten Weltenrettung nie wieder angerufen. Und Affleck spricht nicht drüber. Ach, dem geht’s bestimmt gut…

Antwort zu 4.: Auch die Frage scheint direkt meinem Leben zu entstammen. Denn erstens verabscheue ich es zutiefst, unterbrochen zu werden. Wirklich, es macht mich rasend! Andererseits finde auch ohne Einfluss eines Fremden selten Sachen wieder, das bin ich also gewöhnt. In Anbetracht dieser Tatsachen entscheide ich mich also für Letzteres, auch wenn mir der Gedanke, eine mir fremde Person könnte meine Sachen durchwühlen, irgendwie unangenehm ist.

 

Soviel zu den heutigen Freitagsfragen. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start ins Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

The Mystery Blogger Award

Hallo lieber Leserinnen und Leser!

Die sehr geschätzte Blog-Kollegin Wortgeflumselkritzelkram hat mich zwar nicht direkt für diesen Award nominiert, sondern viel mehr die Teilnahme für alle freigestellt. Also mache ich einfach mal mit. Vielen Dank an die edle Fragenspenderin.

mystery-blogger-award-logo

About The Mystery Blogger Award

This is an award for amazing bloggers with ingenious posts. Their blog not only captivates, it inspires and motivates. They are one of the best out there, and they deserve every recognition they get. This award is also for bloggers who find fun and inspiration in blogging and they do it with so much love and passion.

Okoto Enigma is the creator of the award. To motivate the Blogger please do visit her blog.

Da der Mystery Blogger Award ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum kommt, wurden die Regeln in Englisch verfasst:

The Rules of the Award | Die Regeln

  • Put the award logo/image on your blog. | Übernehme das Logo in deinen Blog.
  • List the rules. | Liste die Regeln auf.
  • Thank whoever nominated you and provide a link to their blog. | Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei.
  • Mention the creator of the award and provide a link as well. | Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei.
  • Tell your readers 3 things about yourself. | Erzähle den Lesern drei Dinge über dich.
  • You have to nominate 10 – 20 people. | Nominiere 10 bis 20 Personen.
  • Notify your nominees by commenting on their blog. | Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.
  • Ask your nominees any 5 questions of your choice; with one weird or funny question (specify) | Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
  • Share a link to your best post(s). | Teile einen Link zu deinen besten Posts.

 

Okay, also: Übernahme des Logos? Check!

Auflistung der Regeln? Check!

Dank an die nominierende Person? Check!

Nennung der Urheberin mit Link? Check!

Drei Dinge über mich selbst? Nun gut, dann wollen wir mal sehen, was mir dazu so einfällt…

Erstens: Vor 35 Jahren war die Markteinführung der CD, wenn ich richtig informiert bin. Anlass genug, mich mal zurück zu erinnern, was meine erste selbst erworbene CD denn war. Zwar bin ich schon alt genug, auch Vinylplatten besessen zu haben – meine erste Vinylplatte war „Trash“ von Alice Cooper, was man nicht unbedingt vermuten würde, wenn man mich kennt – aber hier soll es jetzt um die CD gehen. Soweit ich das richtig in Erinnerung habe, bin ich quasi sofort nach Erwerb meines CD-Players (JVC; gebraucht; funktioniert heute noch) losgezogen, um CDs zu kaufen. Und ich kam gleich mit mehreren nach Hause, insofern gab es eine „erste“ CD gar nicht. Jedenfalls, die Ausbeute meines ersten Einkaufs war: ein „Guns n´ Roses“-Livealbum, „Laughing on Judgement Day“ von Thunder sowie „Revenge“ von Kiss. Ich erkenne ein Muster: Sonst eher nicht so mein Beuteschema, hatte ich musikalisch wohl ein Faible für langhaarige Männer. Die drei erwähnten Alben höre ich übrigens heute noch gerne, was man von einigen anderen musikalischen Fehlgriffen von damals nicht behaupten kann.

Zweitens: Ich habe meinem Auto einen Namen gegeben. Seitdem frage ich mich, ob das ein verschrobener Spleen eines vereinzelten Spinners – also mir – ist, oder ob das andere Leute auch so machen.

Drittens: Ich habe einen absolut unterirdischen Orientierungssinn. Der macht sich naturgemäß besonders im Straßenverkehr bemerkbar. Wenn ich also beispielsweise als Beifahrer eine Strecke von A nach B fahre, so ist nicht gewährleistet, dass ich diese Strecke anschließend auch als Fahrer fehlerfrei fahren könnte. Wenn man mir eine mir unbekannte Strecke erklären möchte, so kann man das tun, sollte sich dann aber auch auf eine bestimmte Route beschränken. Sollte man so etwas sagen wie: „Du kannst aber auch anders fahren, nämlich…“ um mir dann zwei Alternativrouten zu erläutern, könnte es passieren, dass mein Hirn aus diesen drei Strecken eine macht und ich dann mehrere Stunden später weinend in der Dunkelheit und im strömenden Regen am Straßenrand sitze. ;-) Angeblich soll dieses Problem ja relativ untypisch für Männer sein, nur leider hilft mir persönlich das überhaupt nicht. :-)

Die fünf von wortgeflumselkritzelkram gestellten Fragen lauten:

  • Kennst du noch den Starschnitt von Bravo? Hattest du jemals einen davon in deinem Zimmer hängen und wen?
  • Gibt es jemanden, den du gerne einmal interviewen würdest? Warum? Und was würdest du diesen Menschen fragen?
  • In welchem Film möchtest du gerne leben? Warum?
  • Glaubst du an einen tieferen Sinn und welches ist dieser wohl?
  • Du hast die Möglichkeit deinen Geist in den Körper eines anderen Menschen zu „transferieren“ – welchen Menschen nimmst du und warum?

 

Antwort 1: Ja, aber natürlich kenne ich den Starschnitt noch. Selbst hatte ich aber keinen in meinem Zimmer. Aber Poster hingen da eine ganze Menge: „Europe“, „Bon Jovi“, „Roxette“ usw. Ich hätte auch gerne Erika Eleniak aus „Baywatch“ an der Wand hängen gehabt – also, als Poster – das hat sich aber irgendwie nie ergeben…

Antwort 2: Aus aktuellem Anlass würde ich gerne Martin Schulz interviewen. Denn trotz des Duells mit der Kanzlerin und der gestrigen Fragerunde gibt es da immer noch Sachen, die ich gerne wissen würde. So würde ich ihn gerne nach der Inklusion – oder dem, was Frau Nahles und die Große Koalition dafür halten – befragen und wissen wollen, ob er sie für gelungen hält oder wo noch Verbesserungspotenzial ist. Auch andere Fragen aus dem Bereich der Sozialpolitik würde ich gerne stellen, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, weil sie nur einen vermeintlich kleinen Teil der Bevölkerung betreffen.

Alternativ könnte ich mir auch ein Gespräch mit der AfD-Spitze vorstellen, also Gauland, Weidel und Petry, und sei es auch nur, um sie zu fragen, ob sie den ganzen Mist, den sie erzählen, wirklich ernst meinen. Wahrscheinlich würde das aber damit enden, dass ich in wüste Beschimpfungen ausbreche. Und wenn dann noch Frau von Storch um die Ecke kommt… nee, vielleicht ist das doch keine gute Idee!

Antwort 3: Spontan habe ich an „Der Herr der Ringe“ gedacht, weil ich Fantasy-Welten mag. Aber dauernd Gefahr laufen, von marodierenden Orks in Kleinteile zerlegt zu werden, erscheint mir dann doch eher anstrengend. Also suche ich mir lieber etwas Ruhigeres. „Während Du schliefst“ beispielsweise. Sandra Bullock wollte ich immer schon mal kennenlernen.

Antwort 4: Diese Frage habe ich mir in jüngerer Vergangenheit selbst häufiger gestellt, was an meinem Alter liegen muss. Und nach jetzigem Stand würde ich die Frage mit „nein“ beantworten, einen tieferen Sinn sehe ich derzeit nicht. Ich bin aber für Anregungen offen. :-)

Antwort 5: Spannende Frage! Nach langem Nachdenken komme ich zu dem Schluss, dass ich meinen Geist wohl in den Körper von Robert Bauer transferieren würde, seines Zeichens Verteidiger beim SV Werder Bremen. Warum? Nun, einerseits ist der Herr Bauer verglichen mit mir eine ganz ordentliche Kante, damit kann man eindeutig mehr Eindruck schinden, als mir das jetzt möglich ist. Zum Anderen ist der Gute gerade mal 22 Jahre alt, ich hätte also eine ganze Menge Jahre gewonnen. Und zum Dritten hätte ich dann das Vergnügen, für Werder Fußball spielen zu dürfen, was die mit gigantischem Abstand höchste Ehre ist, die einem Profifußballer zuteil werden kann. Auch wenn Serge Gnabry das anders sieht…

So weit, so gut! Auf Nominierungen verzichte ich ebenfalls, wer die Fragen beantworten möchte, der soll das gerne tun. Und auch eigene Fragen wollen mir jetzt nicht so wirklich einfallen, daher gebe ich die obenstehenden einfach weiter.

Ich wünsche allseits noch ein schönes „Bergfest“!

Gehabt euch wohl!

 

„Der letzte Verrat“ von Nicola Moriarty – Chick-Lit?

Buch: „Der letzte Verrat“

Autorin: Nicola Moriarty

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 336 Seiten

Die Autorin: Nicola Moriarty lebt mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen – aber sehr eigensinnigen – Töchtern im Nordwesten von Sydney. Als jüngste Schwester der beiden bekannten Autorinnen Liane und Jaclyn Moriarty begann auch sie sehr früh zu schreiben und kann seither nicht mehr damit aufhören. (Quelle: Piper)

Das Buch: Jedes Geheimnis haben sie geteilt – den ersten Kuss, das erste Mal, die erste große Enttäuschung –, aber die einst vier besten Freundinnen haben sich aus den Augen verloren. Ein paar gemeinsame Tage in einem Strandhaus an Australiens Ostküste sollen Abhilfe schaffen. Bereits am ersten Abend erkennen Eden, Joni, Trina und Deb jedoch, dass sie nicht mehr viel voneinander wissen, darum soll jede in einem anonymisierten Brief ihre geheimsten Wünsche, Ängste und Obsessionen offenbaren. Doch es taucht ein fünfter Brief auf, der sich mit hasserfüllten Drohungen gegen eine von ihnen wendet. Plötzlich ist jedes Vertrauen verloren, stattdessen herrschen Angst und Zwietracht … (Quelle: Piper)

Fazit: Zugegeben, eigentlich wollte ich an dieser Stelle erst „Der Präsident“ von Sam Bourne rezensieren, und das wird auch sehr bald passieren. Der einfache Grund, warum ich „Der letzte Verrat“ vorgezogen habe, ist: Ich werde es sehr bald schon wieder vergessen haben und dann wird es schwierig, darüber zu schreiben.

Ein Freitagabend, ein Samstagmorgen haben gereicht, um dieses Buch durchzulesen. „Oh!“, wird man sagen. „So schnell?“, wird man fragen. „So gut war es?“, wird man anschließend fragen. Tragischerweise muss ich darauf mit: „Nein!“ antworten. Der ziemlich schnell gefasste Entschluss, dieses Buch zügig durchzulesen fußte auf der selben Prämisse, nach der man sagt, man solle Pflaster in einem Zug abziehen: Der Schmerz ist schneller vorbei!

Je länger ich über das Buch nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass es durchaus Menschen geben dürfte, denen so etwas gefallen kann. Nur für mich, nein, für mich war das gar nichts. Zu viel stieß mir bei der Lektüre sauer auf, angefangen bei den Charakteren. Da gibt es Joni, die die einzige der vier Freundinnen ist, die noch kinderlos ist. Dennoch hat sie eine schon fast gluckenhafte Art und versucht penetrant, der Kitt zu sein, der die soziale Gruppe zusammenhält. Insgesamt wirkt Joni wie die Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Die Charakterisierung ihrer Freundinnen geht auch nicht tiefer. Da gibt es die schöne Deb, die sportliche Trina und Eden, die irgendwie gar nichts ist. Bestenfalls erinneren die vier Protagonistinnen an Girlbands der 90er-Jahre. Girl Power!

Auch in stilistischer Hinsicht liegt einiges im Argen. Abseits der Dialoge lässt sich „Der letzte Verrat“ gut lesen, aber insbesondere die Dialoge sind teilweise geschrieben, wie in einer schlechten Soap Opera. Wobei sich mir gerade die Frage stellt, ob es auch gute Soap Operas gibt, aber das soll  uns an dieser Stelle mal nicht weiter beschäftigen.

Letztlich bleibt die Geschichte als solche. Und die klingt im Klappentext (siehe oben) eigentlich gar nicht so schlecht, besticht aber in erster Linie durch ihre Belanglosigkeit und extreme Langeweile.

Insgesamt hatte ich die Hoffnung, so etwas wie „Der Gott des Gemetzels“ zu bekommen, bekam aber eher eine überdimensionale Folge von GZSZ. Daher fasse ich mich, entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten, mal ganz kurz und belasse es bei: „Der letzte Verrat“ vermittelt weniger den Eindruck, ein Roman zu sein, es vermittelt vielmehr den Eindruck, bei allem Respekt, als sei es eine in einem Schreib-Workshop entstandene Schreib-Übung. Ob man diese Schreib-Übung zwingend hätte veröffentlichen müssen, lasse ich mal dahingestellt…

Wertung:

Handlung: 5,5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Demnächst gibt es dann tatsächlich „Der Präsident“ von Sam Bourne. Das gefiel mir auch besser…

Freitagsfragen # 11

Hallo, liebe Leserinnen und Leser!

„Was sind ihre nächsten beruflichen Ziele?“

„Freitag!“

Diesen netten Gag las ich kürzlich bei Captain Books und verbreite ihn seither, wo es nur geht. Umso mehr, als das berufliche Ziel „Freitag“ in dieser Woche auch bei mir Priorität hatte. Bevor ich dieses Ziel weiter verwirkliche, geht es aber erst mal an die nächsten Freitagsfragen im Brüllmausblog. An dieser Stelle mal ein viel zu selten geäußerter Dank an die Fragenstellerin! Schreiten wir zur Tat, die heutigen Fragen lauten:

1.) Du wachst eines Morgens in Neapel auf. Was ist geschehen?

2.)Was hast Du von Deinen Eltern gelernt?

3.) Du hast ab nächstem Montag 2 Wochen frei. Was fängst Du mit dieser Freizeit an?

4.) Die Wahl der Qual: Eine Woche lang kalte Nase oder nasse Füße?

 

Antwort zu 1: Eine Überdosis Limoncello? Nein, daran kann es nicht liegen, so etwas trinke ich nicht. Tja, also, mir fallen dafür nur zwei mehr oder weniger plausible Szenarien ein.

Erstens: Mein Chef hat mir Geld geschenkt. Viel Geld! So viel Geld, dass es sogar mal für einen Urlaub außerhalb der deutschen Grenzen reicht. Daher habe ich mich damit auf den Weg in den europäischen Süden aufgemacht und in Neapel habe ich dann Zwischenstation gemacht, um mir das Castel Nuovo, das Archäologische Nationalmuseum und – natürlich – den Vesuv anzusehen.

ooooder, und das ist das weitaus wahrscheinlichere Szenario,

zweitens: Es handelt es sich um einen Racheakt der allseits beliebten amerikanischen Schriftstellerin Diana Gabaldon an meiner Person. Frau Gabaldon war es schließlich leid, dass ich mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in eher despektierlicher Weise über ihr literarisches Schaffen äußere, daher hat sie mich statt ins Schottland des Jahres 1743 – schließlich besteht die Gefahr, dass es mir dort dann auch noch gefallen würde, es sind schließlich die britischen Inseln – ins Neapel des Jahres 2017 geschrieben. Und so werde ich also an einem handelsüblichen Montag in meiner Unterkunft in der Nähe des Museo di Capodimonte wach und wundere mich bei einem ersten Blick aus dem Fenster über die Leere in der Stadt. Auch bei einen kurzen Marsch durch die Straßen der Umgebung begegnet mir niemand. Erst als ich die ersten Ausläufer des pyroklastischen Sturms auf mich zukommen sehe, weiß ich, dass man die Stadt wohl aufgrund eines Ausbruchs des Vesuvs evakuiert hat. Nur mir hat wieder niemand Bescheid gesagt. Danke, Diana!

Antwort zu 2: Reizthema! Gut, ich könnte jetzt eine umfassende Eloge voller Pathos auf meine Eltern verfassen, die wäre aber nur zu etwa 50 % korrekt. Wäre ich in versöhnlicher Stimmung, was ich nicht bin – was, wie ich schätze, musikalisch induziert ist, da der Radiosender meines Vertrauens heute morgen „Last Resort“ von „Papa Roach“ spielte, eine Nummer, die mich neben alten „Linkin Park“- und „Nirvana“-Alben umgehend in schlechte Stimmung versetzen kann, was aber manchmal nötig ist – wäre ich also in solcher versöhnlichen Stimmung würde ich diese Eloge vielleicht sogar verfassen. So aber beschränke ich mich in der Frage, was ich von meinen Eltern gelernt habe auf das Nötigste indem ich sage:

Alles Wichtige im Leben habe ich von meiner Mutter gelernt, von meinem Vater weiß ich, wie man Verantwortung und anderen unangenehmen Dingen ausweicht. Nuff said!

Antwort zu 3: Zwei Wochen frei! Hach, was wäre das wieder mal schön! Ich würde in den ersten Tagen so zwei bis drei mir nahestehende ganz zauberhafte Personen besuchen, die es im Gegensatz zu mir vorgezogen haben, die heimische Pampa zu verlassen und die ich aus genau diesem Grund schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe.

In den restlichen, sagen wir zehn, Tagen würde ich das machen, was ich eigentlich während meines Urlaubs Ende Juli, Anfang August vorhatte: Da ich in letzter Zeit das habe, was Hubertus Meyer-Burckhardt mal so schön als „fast schon erotisches Verhältnis zum Alleinsein“ bezeichnet hat – die o.g. Personen sind davon explizit ausgenommen – würde ich mein Handy im Garten vergraben, den Stecker des Routers ziehen, die Türklingel außer Funktion setzen und mich hinlegen. Viele Leute neigen ja dazu, im Urlaub Dinge zu erledigen, die vorher liegen geblieben sind. Ich ziehe es vor, selbst liegen zu bleiben! Und dann würde ich mich zehn Tage lang nur mit meinen Stapeln ungelesener Bücher befassen und meine Liegestatt nur für das Nötigste verlassen.

Aber, wie so häufig, würde das wahrscheinlich nicht funktionieren, auch in meinem erwähnten Urlaub scheiterte dieser Vorsatz am „Kannste mal, haste mal, machste mal…?“ meines Umfelds und meiner Inkompetenz hinsichtlich des Wortes „nein“.

Aber hey, man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Antwort zu 4: Nun, ich fürchte, dass aus einer Woche nasse Füße ganz schnell eine Woche kalte Nase und Schlimmeres entstehen könnten. Das kann ja niemand wollen, also entscheide ich mich schweren Herzens für die kalte Nase. Da ich aus vergleichsweise viel Nase bestehe, ist das allerdings auch das kein Geschenk!

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, damit lasse ich es auch schon bewenden. Ich wünsche allseits einen stressfreien Freitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende!

Gehabt euch wohl!

„Die Spur der Bücher“ von Kai Meyer – Rückkehr in die Welt der Bücher

Buch: „Die Spur der Bücher“

Autor: Kai Meyer

Verlag: Fischer FJB

Ausgabe: Hardcover, 442 Seiten

Der Autor: Kai Meyer ist ein 1969 in Lübeck geborener Autor. Nach einem Studium – Film, Theater und Philosophie – arbeitete Meyer als Volontär bei einer Tageszeitung und schrieb während dieser Zeit an seinem ersten Buch. „Der Kreuzworträtsel-Mörder“ erschien dann 1993.

Der Durchbruch gelang Meyer im Jahr 1994 mit seinem Roman „Die Geisterseher“ und vor allen Dingen mit „Die Alchimistin“. International erfolgreich war der Autor erstmals mit „Die fließende Königin“, dem ersten Teil der Merle-Trilogie.

Meyers Romane haben mittlerweile Millionen-Auflagen erreicht und erscheinen in über 30 Sprachen.

Der Autor lebt mit seiner Familie am Rande der Eifel.

Das Buch: London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

Fazit: So etwa knappe 10 Jahre stand ich mit den Neuerscheinungen meines einstigen Lieblingsschriftstellers eher auf dem Kriegsfuß. Zu jung war die Zielgruppe, an die sich Meyer in dieser Zeitspanne wandte, als dass seine Bücher für mich noch hätten interessant sein können.

Erst 2014 mit „Die Seiten der Welt“ änderte sich das. Ironischerweise handelte es sich dabei zwar ebenfalls um einen Jugendbuch-Dreiteiler, aber hey, darin ging es wenigstens um Bücher! Und auch wenn ich diese Trilogie – wie ich zu meiner eigenen Schande eingestehen muss – bis heute nicht komplett durchgelesen habe, gefiel mir das, was ich las, ausnehmend gut. Ehrensache, dass ich so schnell als nur irgend möglich auch „Die Spur der Bücher“ aufnahm.

Und man fühlt sich zu Beginn des Buches wieder sehr schnell heimisch in der Welt der Bibliomantik. Das liegt nicht zuletzt an Meyers eingängigem Stil sowie den gut geschriebenen Dialogen, das liegt aber auch an der Stimmung, die das Buch verbreitet und vereinzelten Textpassagen, die Buchliebhaber verständnisvoll aufseufzen lassen, so schon bei den ersten Sätzen des Buches:

„Sie wünschte sich den Geruch der Geschichten zurück, die Behaglichkeit der engen Buchläden ihrer Kindheit. Das Gefühl der Einbände unter den Fingerspitzen, wenn sie an den Regalreihen vorüberstrich. Die Gewissheit, dass ein einziger Griff genügte, um in eine andere, eine sichere Welt zu entfliehen.“ (S.9)

Hach ja, kann es einen besseren Einstieg in einen Roman über Bücher geben, als diesen? Ich denke, nein! :-)

Darüber hinaus findet man sich in „Die Spur der Bücher“ auch zurecht, wenn man „Die Seiten der Welt“ nicht gelesen hat. Also, auch wer von Bibliomantik und der Spaltung von Seitenherzen noch nie etwas gehört hat, kann der Handlung dennoch folgen, wenn man ein paar Dinge, die – wie die genannten – nicht näher erklärt werden, halt einfach als gegeben hinnimmt.

Hinsichtlich der Charaktere könnte ich mich jetzt ausführlich über die Protagonistin Mercy und ihre Freunde auslassen, möchte das – obwohl sie alle recht gut gelungen sind – aber nicht tun. Denn die heimlichen Stars von Meyers Charakteren sind für mich seine magischen Wesen, namentlich seien da die Alexandrinische Flamme und der Veterator, man könnte auch Besserwisser sagen, genannt. Letzterer ist eine Art Papier-Version von Wikipedia und besitzt das Wissen von sämtlichen jemals geschriebenen Büchern. Darüber hinaus zeichnet er sich durch eher elaborierte, irgendwie aristokratische Art zu reden aus, die sehr unterhaltsam ist. Die Alexandrinische Flamme steht dem in Sachen Unterhaltungswert in nichts nach, fällt durch absolutes Selbstbewusstsein auf und hat eine recht weitschweifige Art, sich vorzustellen, die mich irgendwie an „Darkwing Duck“ erinnerte. Die Älteren werden sich erinnern: „Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert. Ich bin der eingewachsene Zehennagel im Fuße des Verbrechens. Ich bin der Hauch der Chance, die Du nicht hast.“ etc. pp.

Beide Charaktere lockerten die Handlung deutlich auf. Besagte Handlung vermochte mich übrigens erst in der zweiten Hälfte so wirklich zu überzeugen, macht dann aber doch Lust auf mehr. Und mehr wird glücklicherweise auch erscheinen: Die Fortsetzung „Das Paket der Bücher“ wird im Herbst 2018 geliefert. Für mich jedenfalls war diese Vorgeschichte aus der Welt der Bibliomantik ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Und jetzt, ja, jetzt warte ich voller Ungeduld auf die Fortsetzung von Meyers „Die Krone der Sterne“. Nach seiner eigenen Aussage wurde das Manuskript für Teil zwei gerade gestern beim Verlag abgegeben. Wenn ich nicht wüsste, dass es nichts bringt, würde ich bei den Verantwortlichen des Fischer-Verlags per Mail darauf insistieren, das Manuskript nur grob quer zu lesen, dem Autoren einen absurd hohen Scheck auszustellen und dann ab dafür in die Druckerei! Aber so werde ich wohl leider noch eine Weile warten müssen…

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Präsident“ von Sam Bourne

„Spectrum“ von Ethan Cross – Django zahlt nicht, Django hat Monatskarte!

Buch: „Spektrum“

Autor: Ethan Cross

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 510 Seiten

Der Autor : Ethan Cross ist das Pseudonym eines amerikanischen Thriller-Autors, der mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Shih Tzus in Illinois lebt. Nach einer Zeit als Musiker nahm Ethan Cross sich vor, die Welt fiktiver Serienkiller um ein besonderes Exemplar zu bereichern. Francis Ackerman junior bringt seitdem zahlreiche Leser um ihren Schlaf und geistert durch ihre Alpträume. Mittlerweile ist Ethan Cross nicht nur internationaler Bestsellerautor, sein blutrünstiger Serienkiller Ackerman junior hat auch Gesellschaft bekommen: 2017 veröffentlichte Ethan Cross Spectrum, den ersten Thriller um den autistischen FBI-Berater August Burke. Auch dieses Buch wurde zum Bestseller und begeistert Leser weltweit. Neben der Schriftstellerei verbringt Ethan Cross viel Zeit damit, sich sozial zu engagieren, wobei ihm vor allem das Thema Autismus sehr am Herzen liegt. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank – das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur – und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern. (Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Wie befinden uns auf Seite 18 des Thrillers „Spectrum“. Zu diesem frühen Zeitpunkt der auf Seite 7 beginnenden Handlung haben bereits 300 Bewohner eines Squatter-Camps in Südafrika ihr Leben sowie ihre Köpfe und Gliedmaßen verloren und einem unbescholtenen Banker – soll es ja geben -, ausgestattet mit einer nur kurzen Sprechrolle, werden auf unschöne Art und Weise ein Daumen und ein Augapfel entfernt. Die Frage, ob es für diesen Vorgang auch eine schöne Art und Weise gibt, lasse ich einfach mal im Raum stehen. Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls denkt sich der leicht verstörte Rezensent: „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl. Ob das jetzt immer so weiter geht?“ Nun, nein, glücklicherweise nicht, aber wirklich überzeugen konnte mich „Spectrum“ leider trotdem nicht. Und was ein Squatter-Camp ist, musste ich googeln…

Beginnen wir aber zunächst mal mit dem Positiven, mit dem Protagonisten. August Burke ist tatsächlich anders. Erfrischend anders. Burke hält nicht viel vom Umgang mit „normalen“, oder besser: neurotypischen Menschen. Er versteht sie nicht, er findet sie anstrengend und er fühlt sich durch sie unter Druck gesetzt. Andererseits ist Burke aber auch hochintelligent und damit wie geschaffen für eine Beratertätigkeit für das FBI. Die innere Zerrissenheit des Protagonisten, der seine Mitmenschen für alles andere als normal hält, sich aber auch immer wieder gezwungen fühlt, sie zu studieren, um selbst ein „passendes“ Verhalten an den Tag zu legen und keinen allzu seltsamen Eindruck zu machen, all das wird von Ethan Cross überraschend gut dargestellt. Denn, machen wir uns nichts vor, vielschichtige (Ermittler-)Figuren mit Tiefgang sind sonst die Sache des Thrillers nicht.

Cross verzichtet folgerichtig in seinen restlichen dramatis personae auch weitgehend auf einen solchen Tiefgang. Da hätten wir zum Beispiel den SWAT-Chef Nic Juliano, der eigentlich noch am wenigsten stört. Lediglich sein erstes Auftauchen, der Leser befindet sich auf Seite 19, sorgte für Stirnrunzeln, als der junge Mann mit seinem schwarzen Maserati GranTurismo MC Stradale (sic!) nicht einfach so um die Kurve fährt, nein er driftet. Kurz macht sich im Rezensenten die Befürchtung breit, bei „Spectrum“ so etwas wie eine Mischung zwischen einen handelsüblichen Quentin-Tarantino-Film und „Fast and Furios 39“ vor sich zu haben. Eine Sorge, die glücklicherweise unbegründet ist. Aber wie gesagt, Nic ist eigentlich, abgesehen von seinem ersten Auftritt, noch ganz gut erträglich.

Schwieriger wird es da schon mit dem Söldner namens Krüger. Krüger heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Idris Madeira und ist ein unbescholtener Familienvater. Um die Familie über Wasser zu halten, mordet er halt ein wenig. Krüger könnte ein spannender Charakter sein, denn einerseits hat er einen sehr individuellen Moralbegriff. So blickt er mit Verachtung auf Geschäftshochhäuser, in denen ja Umsätze erzielt werden, mit denen man in Afrika viele Familien versorgen könnte – findet aber auch nichts wirklich Schlimmes am Töten. Darüber hinaus ist auch Krüger/Madeira ein innerlich zerrissener Charakter. Cross macht deutlich, dass Madeira fürchtet, seine Killer-Identität könne irgendwann einmal die Oberhand über ihn gewinnen. So eine Art „Jekyll and Hyde“-Problematik. Das ist eigentlich ein spannender Ansatz. Leider wird diese innere Zerrissenheit immer und immer und immer wieder wiederholt, in gefühlt jeder zweiten Szene, in der der Killer auftaucht, so dass man als Leser irgendwann nur noch grummelt: „Alter, ich weiß es!“

Völlig ins Abseits geschossen hat Cross seine Charaktere dann aber mit der südafrikanischen Polizistin Isabel Prize. Die junge Frau ist nach dem eingangs erwähnten Massaker im Squatter-Camp auf einer Art Rachefeldzug. Ein bisschen wie Django – nur dass sie keinen Sarg hinter sich herzieht… Und so klingt sie dann auch: „(…) wenn ich schon untergehe, dann werde ich diesen Hurensohn, der meinen kleinen Jungen auf dem Gewissen hat, mit in die Hölle nehmen. (S. 123) Oder: „Du bist ein guter Mann und sogar noch ein viel besserer Vater. Aber ich bin nicht wie du. Ich vergesse und ich vergebe nicht.“ (S. 181)

Diese und ähnliche Sätze gaben mir immer wieder das Gefühl, mich in einem ganz schlechten Actionfilm der 80er zu befinden. Eigentlich ist das Buch sogar recht gut geschrieben, aber der gewollt harte Ton zieht es irgendwie dann doch leicht ins Lächerliche. Da werden Frauenwitze gemacht. Da werden Schwulenwitze gemacht. Und den Satz, den ich jetzt partout nicht wiederfinde, der aber sinngemäß lautete: „Erklären Sie es uns, als wären wir zwei geisteskranke Vierjährige.“, den muss man wohl auch nicht verstehen.

„Spectrum“ bemüht sich, gerade im sprachlichen Bereich bzw. den Dialogen, ganz dolle hart und cool zu wirken. Dabei hätte es das gar nicht nötig, die Geschichte um die Geiselnahme in einer Bank und das, was die Bankräuber darin gesucht haben, verdient zwar keine Innovationspreise, ist aber durchaus phasenweise spannend. Mit dem Großteil des Personals und mit dem Stil sorgt Cross aber leider dafür, dass „Spectrum“ für mich mehr Ärgernis als spannendes Leseerlebnis war.

Wertung:

Handlung: 7 von  10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Spur der Bücher“ von Kai Meyer.

Freitagsfragen # 10

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich ist mir zur Zeit – jaha, „zur Zeit“, zwei Worte, „Zeit“ groß, ich bin bei dieser Schreibweise renitent – gar nicht nach bloggen, aber für die Freitagsfragen im Brüllmausblog mache ich natürlich eine Ausnahme.

Die heutigen Fragen beschäftigen sich mit Hobbys, beziehungsweise mit dem, welches man am meisten ausübt. In meinem Fall also lesen. Auch wenn ich im Laufe meiner Bloggerei eigentlich schon fast alles dazu gesagt habe.

1.) Wie bist Du zu Deinem Hobby gekommen?

2.) Was fasziniert Dich an Deinem Hobby?

3.) Jemand möchte Dein Hobby ausprobieren. Was rätst Du?

Antwort zu 1: Tja, wie kommt man dazu? Vielleicht aus Mangel an Alternativen? Für Sportarten beispielsweise bin ich physisch nicht geschaffen. Im musisch-künstlerischen Bereich bin ich – ich erwähne das gelegentlich – ebenso untalentiert wie im handwerklichen – wie Myriaden entäuschter Musik-, Kunst-, Werken- und Textillehrer und Innen bestätigen können. Ein Instrument spielen oder die Malerei fiel damit ebenso aus wie Laubsägearbeiten und häkeln. Was blieb denn da noch im ländlichen Niedersachsen der 80er-Jahre? Wir hatten doch nichts! ;-)

Nein, mal im Ernst, ich bin zum Lesen gekommen, wie man eben zum Lesen kommt. Meine Mutter hat mir als Kind vorgelesen, später griff ich selbst zum Buch und habe bemerkt, dass es mir gefiel. Zumindest fiel es mir einfacher, mich in der Schule freiwillig zu melden, um einen Text vorzulesen als mich freiwillig zu melden, um an der Tafel 4x+2=18 nach x aufzulösen.

Antwort zu 2: Diesbezüglich könnte ich ins Detail gehen, worauf ich aber verzichten möchte, da mein Blog einen begrenzten Speicherplatz hat. Lesen hat einfach zu viele positive Aspekte, um alle im Detail zu beleuchten. Beispielsweise mag ich dieses Hobby, weil man es zwar allein ausüben, aber anschließend trotzdem mit anderen Gleichgesinnten darüber reden kann.

Der für mich wichtigste Punkt ist aber weiterhin, – und auch das erwähnte ich schon einmal – dass ich beim Lesen am besten abschalten und entspannen kann. Egal, ob ich lesenderweise durch unwirtliche Fantasy-Landschaften streife, an Bord von James Cooks „Endeavour“ den Pazifik bereise oder an der Seite von Edward Cullen… – na gut, Letzerer nicht, aber ich will sagen: Während ich bei den Geschehnissen eines Buches praktisch „dabei“ bin, bin ich aber auch ziemlich weit entfernt vom „hier“. Und das kann manchmal wirklich wohltuend sein.

Antwort zu 3: Wenn jemand nicht liest, hat er oder sie meistens gute Gründe dafür. dann würde ich auch nicht missionierend tätig werden. Wer sich aber tatsächlich mit dem Gedanken trägt, damit anzufangen, dem kann ich nur raten: einfach anfangen. Sicherlich sollte man sich vorher darüber Gedanken machen, was einem denn gefallen könnte. Wenn jemand „Arielle, die Meerjungfrau“ als Lieblingsfilm angibt, würde ich ihm oder ihr nicht gerade „Evil“ von Jack Ketchum als erste Lektüre empfehlen, das könnte abschrecken. Und wer Mühe hat, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, dem würde ich auch von „Krieg und Frieden“ abraten. Generell glaube ich aber zwei Dinge:

Erstens, dass es für jeden Menschen das passende Buch gibt!

Zweitens, auch wenn es pathetisch klingt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn mehr Leute lesen würden.

 

Damit will ich es auch schon wieder bewenden lassen. Jetzt verziehe ich mich wieder mit „Der Präsident“ von Sam Bourne in meine Leseecke, in der Hoffnung, das in der Nachbarschaft stattfindende Zeltfest und die daraufhin mitten in der folgenden Nacht durch die heimische Gemarkung streifende Unzahl volltrunkener Minderjähriger mittels dieser Lektüre besser ausblenden zu können. Siehe Antwort zu 2. ;-)

Ich wünsche allseits noch einen schönen restlichen Freitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!