Freitagsfragen #49

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich heute mal wieder eine Rezension schreiben, als mir plötzlich mit Überraschung und, zugegeben, leichter Freude, auffiel, dass heute ja Freitag ist und mit diesem, wie so häufig, die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog einhergehen. Und diese haben da natürlich Priorität, weswegen ich den geplanten Text auf morgen oder übermorgen verschieben werde, um damit zum wiederholten Male gegen meinen eigenen Grundsatz zu verstoßen, keine Beiträge mehr am Wochenende zu veröffentlichen. Auch wenn ich insgeheim prognostiziere, dass die Leserschaft nach dem vorgestrigen WM-Spiel eben auch am Wochenende wieder sprunghaft ansteigen dürfte. Aber das ist ein anderes Thema, über das ich mich jetzt nicht auslasse, weil ich mich sonst nur wieder aufrege. „Gomez trifft den Ball nicht!“ Ja, danke, Béla Réthy, diese Tatsache, einhergehend mit der unweigerlich in diesem Zusammenhang auftretenden Frage, was besagter Herr Gomez denn so beruflich macht, war für jeden Fußballfan weit und breit ersichtlich …

Kommen wir zu den Fragen und Antworten, diese lauten:

1.) In welche historische Zeit würdest Du gern einmal zurückreisen?

Bei genauerer Betrachtung eigentlich in keine. Und wenn, dann in eine, in der die medizinische Versorgung recht gut ist und wo in der Umgebung nicht gerade geschossen wird.

Erfahrungsgemäß landet man in der Vergangenheit aber entweder irgendwo, wo man bei einer Virusinfektion zur Ader gelassen wird oder einem bei einem Magenleiden dauerhafter Quecksilber-Genuss verschrieben wird oder aber irgenwo, wo gerade der strategisch wichtige Hügel 203 erorbert werden muss.

Sollte ich mich aber nun entscheiden müssen, dann würde ich gerne ins Jahr 1492 an Bord der „Pinta“ zurückreisen. Ich hätte Rodrigo de Triana angeboten, seine Deckswache im Krähennest zu übernehmen (in einem ersten Entwurf dieser Antwort wollte ich de Triana aus dem Ausguck werfen, aber wenn man berücksichtigt, dass Kolumbus ihn angeheuert hat, um ihn vor der Inquisition zu beschützen, wäre das ein arg zynischer Fortlauf seiner Lebensgeschichte, das kann ich ihm nicht antun), und wäre dann so gegen zwei Uhr morgens am 12. Oktober 1492 der Erste gewesen, der der Bahamas angesichtig wurde und demzufolge aus Leibeskräften „Terra“ gerufen hätte.

Über 500 Jahre später würde ich dann feststellen, dass keine Sau meinen Namen kennt und mir unsterblicher Ruhm verwehrt geblieben ist, weil der verschrobene Genuese selbigen vollständig für sich beansprucht. Nur in Triana hätte man eine Straße nach mir benannt und in Sevilla eine Statue aufgestellt. Gut, in meinem Fall hätte man beides wohl eher im Großraum Hannover getan. :-)

2.) Womit hast Du einmal richtig Glück gehabt?

Hm, ich habe mal Ende der 90er bei meiner ersten und einzigen „Oddset“-Wette 50 Mark gewonnen, zählt das?

Ansonsten versuche ich Glück gerade allenfalls als das möglichst dauerhafte Ausbleiben von Pech zu betrachten. Wenn Letzteres doch mal dauerhaft ausbliebe, dann würde mir diese Weltsicht sicherlich früher oder später gelingen.

3.) Selber fahren oder Beifahrer sein?

Selber fahren. Ich fürchte, ich bin ein unheimlich schlechter Beifahrer. Das beginnt damit, dass die Perspektive für mich, seit ich selber fahre, mittlerweile sehr ungewohnt ist und ich immer denke, dass Fahrer XY jetzt doch schon sehr nah an den parkenden Autos vorbeigefahren ist. Im schlimmsten Fall gebe ich dann schon mal ein stetig lauter werdendes „Uääähhh“ von mir, was die Person auf dem Fahrersitz meistens völlig zu Recht irritiert.

Ein weiterer Grund des selber Fahrens: Ich darf schimpfen! Das würde ich als Beifahrer niemals machen, als Fahrer darf ich – zumindest, wenn ich alleine unterwegs bin – meinem Vordermann schon mal Sätze entgegenbrüllen, bei denen das amerikansiche Fernsehen jedes zweite Wort ausgepiept hätte.

Beifahrer bin ich nur dann gerne, wenn die Strecke übermäßig lang ist oder aber, wenn ich die Strecke überhaupt nicht kenne. Gut, heutzutage gibt es Navigationssysteme, aber das Navigationssystem, dass einerseits meinen fürchterlichen Orientierungssinn ausgleicht und das andererseits nicht dauerhaft, so wie der Vordermann, von mir angeschrien wird, das muss erst noch erfunden werden.

4.) Die Wahl der Qual: Bei einer schönen Feier draußen fängt es plötzlich an zu regnen oder eine Geburtstagsfeier mit lauter Unbekannten?

Das kommt drauf an. Ist es meine Feier, bei der es plötzlich regnet? Das fänd ich eher doof. Ist es nicht meine, könnte ich damit leben. Trotzdem würde ich wohl die zweite Alternative wählen, ich habe schon ausgesprochen nette Menschen auf Feiern kennen gelernt, bei denen ich, von Gastgeberin bzw. Gastgeber abgesehen, quasi keine Sau kannte.

 

So viel dazu. Kommt alle gut durch den Freitag und anschließend in ein schönes, sonniges Wochenende!

Gehabt euch wohl!

Advertisements

„Risiko“ von Steffen Kopetzky – Opulent

Buch: „Risiko“

Autor: Steffen Kopetzky

Verlag: Heine

Ausgabe: Taschenbuch, 733 Seiten

Der Autor: Steffen Kopetzky, geboren 1971, ist Verfasser zahlreicher preisgekrönter Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Von 2002 bis 2008 war er künstlerischer Leiter der Theater-Biennale Bonn. Er lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen an der Ilm. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Geheimexpedition des Deutschen Reichs an den Hindukusch: Nach einem Plan des Orientkenners Freiherr Max von Oppenheim ziehen zur Zeit des Ersten Weltkriegs sechzig Mann mit der Bagdadbahn, zu Pferd und auf Kamelen 5000 Kilometer durch Wüsten und Gebirge. Das Ziel: den Emir von Afghanistan und die Stämme der Paschtunen im Namen des Islam zum Angriff auf Britisch- Indien zu bewegen. (Quelle: Heyne)

Fazit: Nach Hohlbeins „Mörderhotel“ folgt nun mit Kopetzkys „Risiko“ schon wieder eine Rezension über ein auf historischen Tatsachen beruhendes Buch. Den historischen Hintergrund bildet diesmal die sogenannte „Niedermayer-Hentig-Expedition“, die im Jahr 1914 nach Afghanistan aufbrach, um dort den Emir Habibullah auf Seiten der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg zu ziehen.

„Mich hat dieses Buch in einen regelrechten Leserausch versetzt“, urteilt Denis Scheck über „Risiko“. Und auch wenn ich beileibe nicht immer die Meinung des Herrn Scheck teile, hier hat er vollumfänglich recht, denn mir ging es ähnlich. Gut, ich habe für „Risiko“ drei Anläufe gebraucht, weil immer etwas dazwischenkam. Meistens Bücher. Aber wenn man erst mal in diesem Buch drin ist, kann man sich ihm nur schwer entziehen.

Dabei erzählt Kopetzky seine Geschichte in jeder Hinsicht ausufernd. Der kurze und auf das Nötigste eingedampfte Erzählstil eines Ferdinand von Schirach – der hier nur exemplarisch genannt sei, weil er mir als stilistischer Gegenentwurf spontan einfiel – ist die Sache des Herrn Kopetzky nicht. Dabei bleibt sein Roman dennoch erstaunlich unkompliziert lesbar. Man merkt dem Autor aber durchaus eine gewisse Freude am Fabulieren an.

In einem historischen Roman, der zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielt, bietet es sich an, eine Reihe von berühmten Persönlichkeiten auftreten zu lassen. Und das tut Kopetzky natürlich auch. So taucht beispielsweise Alois Musil auf, Großcousin des Schriftstellers Robert Musil. Auch Albert Camus bekommt einen Auftritt, allerdings ohne Sprechrolle, im Jahr 1914 war er noch sehr klein, der Albert. Die Sprechrolle bekommt dafür sein Vater Lucien. Und auch der spätere Großadmiral Dönitz spielt für die Handlung eine nicht unerhebliche Rolle. Neben den berühmten Persönlichkeiten jener Zeit, lässt der Autor auch die passende zeitgenössische Literatur einfließen, indem er seine Hauptfigur Sebastian Stichnote Bücher wie „Der Tunnel“ von Bernhard Kellermann, „Auf zwei Planeten“ von Kurd Lasswitz oder den unvermeidbaren „Tod in Venedig“ von Thomas Mann lesen lässt.

Überhaupt, diese Hauptfigur. Im Rahmen der Expeditionsteilnehmer ist Sebastian Stichnote meines Wissens die so ziemlich einzige tragende Figur, die rein fiktiv ist. Und man muss ihn gern haben, den Stichnote. Er wirkt authentisch, macht im Verlauf des Buches durchaus eine gewisse Entwicklung durch und man nimmt als Leser Anteil an seinem Schicksal. Mehr kann man von einem Protagonisten eigentlich nicht wollen.

Bei den Nebenfiguren ist mir mit Arjona ausgerechnet die einzige Frau, die im Roman eine nennenswerte Rolle spielt – naturgemäß ist der Roman aufgrund seines Handlungsrahmens eher arm an Frauen – negativ aufgefallen. Dabei weiß ich noch nicht mal genau, was sie mir getan hat, aber irgendwie fand ich keinen Bezug zu ihr. Und auf die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen ihr und Sebastian hätte ich auch guten Gewissens verzichten können. Hinsichtlich der Nebenfiguren sticht vor allem der für die „NZZ“ schreibende Journalist Zickler heraus, dem der Autor meiner Meinung nach gerne mal einen ganzen Roman hätte widmen können.

Die Expedition selbst beginnt innerhalb der Handlung erst nach einigen hundert Seiten. Vorher erlebt der Leser an Stichnotes Seite den Beginn des Ersten Weltkriegs, an dem der Protagonist an Bord der „SMS Breslau“ zusammen mit der „SMS Goeben“ so einigen Anteil hat. Und auch sonst hat es Kopetzky bei der Schilderung der Geschehnisse nicht eilig. Er schweift gerne ab, beschreibt Nebenschauplätze und vermeintliche Nebensächlichkeiten. Das alles fügt sich aber zu einem großartigen Gesamtbild zusammen. Man muss als Leser eben etwas Zeit und Geduld aufwenden, wird dann aber mit einem der besten historischen Romane belohnt, die ich seit langer Zeit gelesen habe.

Kurz: Für jemanden, der gerne historische Romane liest, allgemein historisch interessiert ist, der gewisse Grundkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Ersten Weltkriegs mitbringt, vielleicht schon mal etwas von der Schlacht von Gallipoli gehört hat und der sich nicht scheut, Bücher mit einem Umfang von mehr als 700 Seiten zu lesen – für Leser wie mich also – ist „Risiko“ ein großer Wurf. Alle anderen sollten vielleicht besser die Finger davon lassen.

Abschließend sei gesagt, dass das namensgebende Spiel „Risiko“ übrigens auch im Buch auftaucht. Das schenke ich mir an dieser Stelle aber – ebenso, wie einige andere Dinge, über die ich noch schreiben wollte -, weil ich dann anfange, mich im Detail mit der historischen Korrektheit der geschilderten Ereignisse zu befassen. Und das würde dann einerseits den Rahmen sprengen und hätte andererseits für meine treue Leserschaft nur einen ausgesprochen begrenzten Mehrwert. :-)

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Hatte ich eigentlich schon über den zweiten Teil von „Die Blausteinkriege“ geschrieben …? Dann tue ich das wohl bald einmal. Oder über Schätzings „Die Tyrannei des Schmetterlings“. Man wird sehen.

Freitagsfragen #48

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ja, ich habe es geschafft! Also, noch nicht, denn ich schaffe noch. Aber gleich, da werde ich es geschafft haben. Werden. Oder so. Kurz gesagt: In dieser Woche gelingt mir die pünktliche Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog! Um es mit den Worten von Eric Allan Kramer, besser bekannt als „Little John“ aus „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen zu sagen“: „Bin ich gut? Ich bin gut!“ :-)

Auch diese Woche werde ich in Bälde geschafft haben. Es war eine gute Woche und es war eine schlechte Woche, es gabe gute Begebenheiten und es gab schlechte Begebenheiten, wodurch sich im gewogenen Durchschnitt absolute Mittelmäßigkeit ergibt. Aber hey, wenigstens hat die WM angefangen! :-)

Mittelmäßigkeit – hey, was ´ne Überleitung – befürchte ich auch für meine heutigen Antworten auf die Freitagsfragen. Üblicherweise springt mich – im übertragenen Sinne – immer mindestens eine der Fragen sofort an, was darin resultiert, dass ich fast umgehend weiß, was ich dazu schreiben werde. Heute ist das irgendwie nicht der Fall.

Abgesehen davon weise ich darauf hin, dass ich momentan „home office“ betreibe, was zumindest gestern allerdings irgendwie mehr „home“ als „office“ war, was bedeutet, dass ich heute viel zu tun habe. Und das wiederum bedeutet: Ich werde mich kurzfassen! Was? Hat da jemand gelacht? Ich kann das, wenn ich will! :-)

Schreiten wir zur Tat, die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Stehst Du für Dich ein?

Schwierige Frage. Ich erwähne gelegentlich, dass ich eher der indifferente Typ bin. Wenn ich aber davon überzeugt bin, dass das, was ich mache oder denke richtig ist und es mir wichtig genug ist, dass eine Diskussion darüber überhaupt lohnt, dann ja.

2.) Bist Du schon einmal alleine verreist?

Ich gehe ja nicht mal alleine ins Kino! Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass viele für mich potenziell interessante Filme an mir vorüberziehen. Meistens sehe ich mir die Filme noch nicht mal anschließend im Fernsehen an, denn Filme alleine im Fernsehen zu sehen, ist genau so ätzend, wie alleine ins Kino zu gehen.

Aber zurück zum Thema: Verreisen ist an sich nicht so mein Ding. Aus Gründen. Als ich zum letzten Mal verreist war, war die D-Mark noch gängiges Zahlungsmittel. :-) Und alleine würde ich das erst recht nicht tun, das stelle ich mir eher frustrierend vor.

Wenn ich so etwas täte, dann nur, indem ich mich für 6-12 Monate in eine kanadische Blockhütte zurückziehe, um dort den ersten, großen deutschen Vorkriegsroman zu schreiben …

3.) Was war die beste Entscheidung, die Du bisher getroffen hast?

Hm, ich lamentiere eher gelegentlich darüber, dass die großen, bedeutsamen Entscheidungen in meinem Leben eher unbedacht, falsch oder schlichtweg dämlich waren. Was vermutlich dazu führte, dass ich der Entscheidungsneurotiker wurde, der ich heute bin. ;-) Entscheidungen zu treffen, fällt mir tatsächlich schwer. Man muss mir beispielweise im Restaurant nur eine Speisekarte in die Hand drücken, um mich für eine Dreiviertelstunde zu beschäftigen. In der Zwischenzeit könnte mein Gegenüber auch kurz weg gehen, einen Spaziergang machen oder einmal durch die Stadt fahren, mir würde es nicht auffallen. ;-)

Daher weiß ich nicht, ob ich so etwas wie die beste Entscheidung schon getroffen habe. Gute habe ich dagegen schon mehrfach getroffen. So kann ich mich beispielsweise nicht genug dafür beglückwünschen, meine Unterschrift unter meinen aktuellen Arbeitsvertrag gesetzt zu haben, auch wenn ich das mal anders gesehen habe.

Die eigentlich besten Entscheidungen sind aber wohl die, die – manchmal erst über fünf Ecken – dazu geführt haben, dass die mir nahestehenden zauberhaften Personen in mein Leben getreten sind, die mir heute selbiges bereichern. Exemplarisch – derlei Beispiele gäbe es noch mehrere – sei da mal eine „Tanz in den Mai“-Feier in der ersten Hälfte der 90er erwähnt, zu der ich eigentlich gar nicht hingehen wollte, ohne die ich aber eine mir heute sehr nahestehende Person niemals näher kennengelernt hätte.

4.) Die Wahl der Qual: Für ein Jahr ohne Waschmaschine oder ohne Warmwasser zum Baden/ Duschen?

Angesichts der Tatsache, dass es im Jahr 2016 330.000 Stromsperrungen in Deutschland gab, neben 44.000 Gas-Sperrungen im Jahr 2015, fürchte ich, dass es weit mehr Menschen gibt, die sich tatsächlich mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen, als uns lieb sein könnte. Wenigstens die Sperrungen von Wasser sind etwas erschwert, wenn auch nicht unmöglich. Das muss man sich mal vorstellen: Wir leben in einem Land, in dem es möglich ist, die Menschen schon bei einem Abschlagsrückstand von über 100 Euro ihrer Energie-Grundversorgung zu berauben! Ich finds gruselig!

Und bevor jemand die „Die-sind-alle-selber-schuld“-Karte zieht: Ich habe mal in einer Schuldnerberatung gearbeitet, ich weiß, dass nicht wenige Menschen Mitschuld an ihrer Strom- oder Gas-Abschaltung tragen, weil es Mittel und Wege und – mit Glück! – Hilfe gibt, diese abzuwenden. Aber ich weiß auch, was es nervlich mit jemandem macht, wenn man finanziell so, mit Verlaub, tief in der Scheiße steckt, dass man nicht mal mehr das Nötigste bezahlen kann und nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Ach, ich echauffiere mich schon wieder. Und komme außerdem von der Beantwortung der Frage ab.

Ich höre die ersten schon murmeln: „Er wollte sich kurz fassen!“

Daher: Ich denke, Not macht erfinderisch, man würde also wohl beides Szenarien überstehen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich Ersteres nehmen. Was spricht dagegen, mal wieder mit Waschbrett und Kernseife ans Weserufer zu gehen? ;-) Außerdem kann man Kleidung nachkaufen.

 

 

Das war es auch schon wieder, werte Leserschaft. Ich werde mich jetzt meinem Tagwerk zuwenden, bevor ich mich anschließend mit voller, nein, vollster Aufmerksamkeit für den Rest des Tages der WM zuwende.

Gehabt euch wohl!

 

„Mörderhotel“ von Wolfgang Hohlbein –

Buch: „Mörderhotel“

Autor: Wolfgang Hohlbein

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 847 Seiten

Der Autor: Wolfgang Hohlbein, am 15. August 1953 in Weimar geboren, lebt mit seiner Frau Heike und seinen sechs Kindern, umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere, in der Nähe von Neuss. Mitte der fünfziger Jahre kam Hohlbeins Familie in den Westen und schlug ihr Domizil in Krefeld auf. In Krefeld absolvierte Wolfgang Hohlbein seine Schule und später eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zeitweise hielt er sich durch Nebenjobs, wie etwa als Nachtwächter, über Wasser.

Laut einer Aufstellung in Focus (Nr. 40, November 2006) liegt die Gesamtauflage von Wolfgang Hohlbein bei 35 Millionen Exemplaren. Er ist damit „einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart“. Der Wegbereiter neuer deutscher Phantastik und Fantasy wurde bislang in 34 Sprachen übersetzt. Er hat bereits 160 Romane verfasst, den überwiegenden Teil alleine, etliche Kinder- und Jugendbücher gemeinsam mit seiner Frau Heike und einige wenige Erwachsenenromane mit Co-Autoren.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen hat Wolfgang Hohlbein erhalten. Vom „Preis der Leseratten“ 1983 bis zum „Bester Autor National“ Deutscher Phantastik-Preis 2004, dem „Sondermann-Preis“ auf der Buchmesse 2005 und dem „Nyctalus“ im November 2005.

Inzwischen fördert Hohlbein auf verschiedene Weise selbst Nachwuchstalente.

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Chicago, 1893. Die neunzehnte Weltausstellung öffnet ihre Tore. Millionen Besucher strömen in die Stadt und suchen ein Hotel. Herman Webster Mudgett besitzt ein solches. Es ist eines der erstaunlichsten Häuser am Platz: Es hat Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer. Viele Menschen gingen in dieses Hotel. Nur wenige verließen es wieder. Zumindest lebend …

(Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Nach über zwei Monaten ohne Rezension wird es Zeit, dass mein Blog mal zu seinem „Kerngeschäft“ zurückkehrt. Einmal, weil ich wieder viel Lust dazu habe und zum Zweiten, weil mein Hang zur Benutzung von Post-Its genau so begrenzt ist, wie meine Gedächtniskapazität und bevor etwas in Vergessenheit herät, sollte man es lieber aufschreiben.

Kommen wir also zu Hohlbeins „Mörderhotel“.

Ich habe ja – irgendwann erwähnte ich das bereits – einen gewissen Hang zum „True Crime“-Genre. Wann immer ich also, Filme, Serien oder Dokumentationen sehe, die reale Verbrechen zum Inhalt haben, interessiert mich das. Das kann man übrigens gerne spleenig finden, weil es das ist. Und so sah ich, irgendwann vor ein paar Jahren, eine Dokumentation über Herman Webster Mudgett, dem Mann, der sein Hotel zur Zeit der Weltausstellung 1893 zu einer wahren Todesfalle ausgebaut hat. Entsprechend begeistert war ich, als mir dieses Thema in Buchform in Hohlbeins „Mörderhotel“ begegnete.

Hohlbein teilt seine Handlung in Kapitel auf, die sich unregelmäßig abwechselnd mit Herman Webster Mudgetts Vergangenheit bis zum 1893 einerseits beschäftigen und andererseits mit den aktuellen Geschehnissen des Jahres 1893 in dem die junge Arlis Christen in Chicago ankommt, die nach ihrer Schwester sucht, welche für Mudgett gearbeitet haben soll und von der Arlis schon länger kein Lebenszeichen mehr bekommen hat. Zusammen mit Mudgetts Freund Henry Howard Holmes sowie dem Versicherungsdetektiv Geyer versucht sie, die Spur ihrer Schwester aufzunehmen.

Während der Lektüre fiel mir wieder einmal das auf, was mir eigentlich immer auffällt, wenn ich Hohlbein lese, nämlich dass er wohl nicht mehr der größte Stilist auf Gottes weiter Erde werden wird. Aber er schreibt so, dass man als Leser an keiner Stelle vor Problemen steht, man Sätze nicht wiederholt lesen muss, um deren Bedeutung zu erfassen. Und das finde ich völlig in Ordnung so, wären verschachtelte Sätze bis zur Unkenntlichkeit der Satzbedeutung und geschliffenste, hochgestochene Formulierungen für das Genre, in dem Hohlbein sich umtut, doch eigentlich auch völlig fehl am Platze. Und nein, damit habe ich nichts gegen das Genre gesagt. Vom stilistischen Standpunkt her, geht „Mörderhotel“ also vollstens in Ordnung.

Auch die Charaktere haben es mir angetan. Ich beschwere mich ja häufiger über die „Bösen“ in Büchern, habe hier aber recht wenig Grund dazu. Zwar erfindet der Autor mit seinem Mudgett das Schurken-Rad auch nicht neu, aber dadurch, dass er ihm in zahlreichen Rückblenden ein Gesicht, eine detaillierte Geschichte gibt, hebt sich Mudgett doch vom sonstigen Einheitsbrei ab.

Auch der Versicherungsdetektiv Geyer kann bei mir punkten. Irgendwie wirkt er auf mich wie eine Mischung aus Columbo und Hercule Poirot, aber das wird ein sehr subjektiver und exklusiver Eindruck sein, den ich da habe. :-)

Auch an Arlis – obwohl ich sie etwas zickig fand – und Peitzel, Mudgetts Assistenten, habe ich wenig zu kritisieren.

Die Handlung hat Hohlbein gut konstruiert und zusammengefügt. Manche Szenen in der Gegenwart erhalten erst durch – teilweise viel später – eingestreute Rückblenden ihre genaue Bedeutung oder ihren genauen Sinn bzw. verdeutlichen den Hergang der Ereignisse. Dadurch hat der Leser (generisches Maskulinum) häufig Aha-Erlebnisse, die die Lektüre deutlich unterhaltsamer machen.

Letztlich bleibt ein spannendes Buch, dass sich trotz seines Umfangs recht schnell lesen lässt und über (fast) die volle Distanz gut unterhalten kann. Fast. Denn da sind wir schon bei einem von nur zwei Kritikpunkten, die ich anzubringen habe: „Mörderhotel“ ist einfach zu lang. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal über ein Buch sage. Aber es enthält Szenen, die dem Buch bzw. dem Handlungsrahmen möglicherweise mehr Tiefe, mehr Farbe verleihen sollten, beispielsweise im „Ferris wheel“. Allerdings tragen die, in einem ansonsten recht handlungsgetriebenen Buch, kaum zur Geschichte bei. Man hätte sie also entweder deutlich kürzen, wahlweise aber auch in Einzelfällen einfach ganz weglassen können, ohne dass ich das Gefühl bekommen hätte, dass da jetzt etwas fehlt.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Tatsache, dass man am besten ohne Vorkenntnisse der historischen Begebenheiten an dieses Buch herangeht, denn wenn man sich mit der Thematik auskennt, dann funktioniert die eine große Überraschung des Buches nicht, der große Plottwist ist also für die Katz. Robert Harris bespielsweise schaffte es seinerzeit mit „Intrige“, einen Roman zu schreiben, der auch dann spannend blieb, wenn man sich mit der Thematik auskannte. Hohlbein schafft das nur bedingt. Gern gelesen habe ich „Mörderhotel“ allerdings trotzdem.

Da wir in sensiblen Zeiten leben, möchte ich abschließend aber noch erwähnen, dass man dieses Buch lieber an sich vorbeiziehen lässt, wenn man Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung – abgeschnittene Gliedmaßen, gekochte Leichen und ähnliche Späße – hat. In dem Fall sollte man aber generell vom Werk Wolfgang Hohlbeins Abstand nehmen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Risiko“ von Steffen Kopetzky.

Freitagsfragen # 47 zum Wochenstart

paper-2655579_1920

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, was die Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog angeht, zeichne ich mich in letzter Zeit nicht sonderlich durch Pünktlichkeit aus. Die heutige Verspätung ist einerseits der doch recht späten Veröffentlichung der aktuellen Ausgabe geschuldet und zum anderen meinem Vorsatz, am nunmehr schon hinter uns liegenden Wochenende mal gar nichts zu machen. Also, so überhaupt nichts. Das war auch dringend nötig, um mich von der mistigen letzten Woche zu erholen und auf die aktuelle mistige Woche vorzubereiten. :-)

Aber genug der Vorrede, gehen wir nun frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Man möchte einen achten Wochentag einführen und hat Dich beauftragt, Dir Gedanken darum zu machen. Wie soll er heißen, was macht ihn aus, diesen neuen Wochentag?

Mein zusätzlicher Tag würde sich zwischen Sonntag und Montag einsortieren und man würde ihn ganz simpel „Feiertag“ nennen. Die meisten Leute hätten an diesem Tag frei, die Geschäfte wären geschlossen und der Begriff „verlängertes Wochenende“ würde langsam aus dem Sprachgebrauch verschwinden, weil man ab sofort ja immer ein verlängertes Wochenende hätte.

Zusätzlich dazu würde ich alle gesetzlichen Feiertage in allen Bundesländern streichen. Somit müsste ich mich nicht mehr damit rumärgern, dass beispielsweise Bayern mehr Feiertage hat als Niedersachsen. Von den lokalen Feiertagen ganz zu schweigen, wenn man in, was weiß ich, Unterschleißheim den Ortsheiligen Sankt Ignazius von Feldmoching-Hasenbergl feiert, weil jener im Jahre des Herrn 843 an einem sonnigen Freitag auf dem Weg zum Fischmarkt die Katze „Betsy“ der Äbtissin Gundlinde von Oberpetting vom Baum gerettet hat.

2.) Zuhause ist…

… ein Begriff, dessen Bedeutung uns Herr Seehofer sicherlich im Rahmen eines von seinem Heimatministerium entworfenen 11-Punkte-Plans bald erläutern wird. Sicherlich enthält dieser 11-Punkte-Plan auch eine „Obergrenze“ für die Anzahl der Menschen, die gleichzeitig zu Hause sein dürfen. Die AfD wird den 11-Punkte-Plan reflexartig als „Vogelschiss“ bezeichnen, bevor man sich dort bewusst wird, dass man mit dem Innenminister eigentlich weitgehend einer Meinung ist.

Lassen wir das.

Zu Hause ist eigentlich grundsätzlich da, wo ich mich gerade am wohlsten fühle. Dass kann tatsächlich „zu Hause“ in seiner Wortbedeutung sein, es gibt aber auch eine Reihe von Personen, an deren Heimstatt ich mich ebenfalls „ganz wie zu Hause“ fühle.

3.) Hast Du Angst vorm Älterwerden?

Jein. Grundsätzlich ist älter werden ja nichts Schlechtes. Die Alternative wäre ja halt, nicht mehr älter zu werden. Und das muss ja nicht sein. Nein, ich hätte im Gegenteil nichts dagegen, außerordentlich langlebig zu sein. Wie ich am Freitag gesehen bzw. erfahren habe, war Chewbacca schon 190 Jahre alt, als er zum ersten Mal den „Millenium Falcon“ geflogen ist. Und so etwas würde ich für mich durchaus auch erstrebenswert finden. Einerseits hätte ich dann noch so etwa 150 Jahre Zeit, mir meine Flugangst abzugewöhnen und die Wissenschaft andererseits hätte noch 150 Jahre Zeit, Raumfahrzeuge für interstellare Reisen zu entwickeln. Und dann schaffe ich den Kossal-Flug in unter 11 Parsec.

Und bevor jemand fragt: Ja, ich war Freitag im Kino. :-)

Aber mal im Ernst, mehr Sorgen als vor dem Älterwerden an sich habe ich vor den Auswirkungen des selben.

4.) Die Wahl der Qual: Hättest Du lieber farbwechselnde Haut, die Deine Emotionen anzeigt wie ein Gefühlsring oder dass Dir Tattoos auf der Haut auftauchen, die Deine Gedanken verbildlichen?

Hui, schöne Frage! :-)

Ich schätze, ich würde mich für den Farbenwechsel entscheiden. Dass die Menschen wissen, was ich denke, das möchte ich nicht. Sollte jemand angesichts meiner – mutmaßlich tiefroten – Hautfarbe bemerken, dass ich höchstgradig in Rage bin und dieser Jemand Gefahr läuft, gleich aufs Maul zu kriegen, das könnte dagegen hilfreich sein. Für beide Seiten. :-)

 

Das war es auch schon wieder.

Ich wünsche allseits eine schöne, nicht zu stressige Woche.

Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen # 46

paper-2655579_1920

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, habe ich gesagt, dass ganz, ganz schnell Freitag sein wird? Habe ich es gesagt? Und schon ist er da!

Wer nicht mehr da ist – also „da“ sind sie schon noch, Personenpermanenz und so, aber hier vor Ort sind sie nicht mehr -, das sind die Westfalen. Und der Wasserhahn funktioniert auch wieder mit einer zufriedenstellenden Temperatur. Außerdem ist in wenigen Stunden Wochenende, das ich damit einläuten werde, mir „Slade House“ von David Mitchell aus der Buchhandlung meines Vertrauens abzuholen, sofern die überaktiven Straßenbauplaner dieser Stadt es irgendwie zulassen, einen Parkplatz in angemessener Entfernung zu besagter Buchhandlung zu bekommen. Man wird sehen.

Alles das ist Grund genug, mich nun in relativer Freitagsentspannung der neuen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog zu widmen. Übrigens, wie oben zu sehen ist, mit neuem Logo! Ich mochte das alte Logo, aber Veränderungen sollen von Zeit zu Zeit ja gut sein und auch „Malibu Stacy“ brauchte schließlich irgendwann einen neuen Hut.

Die aktuellen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist etwas, das Du an anderen Generationen nicht verstehst oder nachvollziehen kannst?

Sollte ich ältere Generationen kritisieren, könnte mir das als Respektlosigkeit ausgelegt werden, bei Kritik an der jüngeren Generation könnte man mir unterstellen, dass ich der Meinung unterliege, dass früher alles besser gewesen sei. Beides stimmt nicht, so viel kann ich vorweg sagen.

Was die ältere Generation angeht, so habe ich da weniger zu kritisieren, als ich eigentlich dachte. Eigentlich wollte ich auf die Artikel von vor etwa einem Monat verweisen, nach denen die Zustimmung junger Europäer zwischen 16 und 26 Jahren so hoch ist wie letztmals – überspitzt gesagt – nach dem Kartoffelkrieg 1778/1779. Der älteren Generation haben wir dagegen den Brexit zu verdanken, 63 % der 65 Jahre alten und älteren Briten haben sich dafür entschieden. Gut, das lag auch daran, dass die Jüngeren gedacht haben: „Wird schon passen, da muss ich nicht hingehen!“ Aber das ist wieder ein anderes Thema.

In Deutschland, so dachte ich, würde der Anteil der AfD-Wähler auch eher im höheren Altersspektrum zu finden sein. Die Statistik spricht aber dagegen, die höchsten Wähleranteile hatte diese, nennen wir sie wohlwollend „Partei“, sogar unter den 35 bis 44 Jahren alten Menschen, also quasi „meiner“ Generation. Ich nehme das mit Verwunderung zur Kenntnis, kann bezüglich „meiner“ Generation aber nur sagen: Ich war es nicht!

Auch bei diesen „besorgten Bürgern“ der Pegida-Aufmärsche, so dachte ich, hätte ich in erster Linie ältere Menschen erblickt. Und in der Tat gibt es eine Studie aus dem Jahr 2016, wonach über die Hälfte der Pegida-Anhänger 56 Jahre alt und älter sein soll. Der Haken dabei: Die Studie ist nicht repräsentativ. Also lässt sich mein Eindruck wieder nicht verifizieren.

Was sich aber verifizieren lässt, ist, dass der Anteil der konservativen Wählerschaft von CDU/CSU mit zunehmendem Alter ansteigt. Aber dafür kann ich ja niemanden kritisieren, das muss jeder selbst wissen, vielleicht denke ich in 25 Jahren ähnlich und wähle auch die …, nein, warte, ich kann es doch ausschließen! :-)

Kurz: Mal eben googeln kann den persönlichen Eindruck revidieren, womit mir eigentlich nur bleibt, dass ich der älteren (britischen) Generation den Brexit in die Schuhe schieben kann. „Unserer“ älteren Generation kann ich so ziemlich gar nichts in die Schuhe schieben. Ich bin desillusioniert.

Bezüglich der jüngeren Generation gibt es natürlich auch das Eine oder Andere, was ich nicht nachvollziehen kann:

Sie geht, nach meinem Eindruck, wenn es gegen etwas, was sie betrifft, zu protestieren gilt, kaum noch auf die Straße. Und wenn doch, dann macht sie Hamburg kaputt, was ich nicht mal im weitesten Sinne als Protest verstanden wissen möchte.

Über den Umgang mit Sprache, insbesondere im Internet, lohnt es sich wohl kaum noch, zu lamentieren, aber wenn ich Dinge lese wie – sinngemäß – „was wilstn du alda hier is das internet hier daaf jeder schreiben wiea will“, dann möchte ich reflexartig entgegenbrüllen: „Verflucht, nein! Orthografie und Interpunktion gelten auch im Internet!“ Ich vermute allerdings, dass es sich bei diesen Sprachmisshandlern um Einzelfälle handelt. Viele Einzelfälle. Viele, viele Einzelfälle. Aber eben Einzelfälle. Vermute ich.

Was mich aber am meisten besorgt, ist, dass es in meiner Wahrnehmung den Anschein hat, als würde man meiner Nachfolgegeneration und noch jüngeren Vertretern mit Vehemenz jegliche Eigenverantwortung abtrainieren. Das wiederum ist aber eben ein Problem der zugehörigen Elterngeneration, also im weiteren Sinne meiner eigenen. Klar sollte niemand seinem Kind sagen: „Nein, Ben, Du kannst nicht Präsident werden, Du bist zu blöd dafür!“ und kein Vater wird beim Elternsprechtag sagen: „Mein Sohn ist nicht faul – der ist nur dumm!“ Aber es kann eben auch nicht jeder eine hochbegabte „special snowflake“ sein. Wenn man das aber von seinem Kind annimmt, unterliegt selbiges einem (Leistungs-)Druck, dem es kaum gerecht werden kann. Und wenn es dann in der Schule leitungsmäßig auf die Schnauze fällt, was ist dann? Dann müssen Andere daran schuld sein, vorzugsweise Lehrer und Innen. Was macht man dann? Man klagt gegen Schulnoten! Hätte ich das meinen Eltern vorgeschlagen, würden die sich noch heute, über 20 Jahre später, die Lachtränen aus dem Gesicht wischen. In anderen Elternhäusern hätte man – was damals schon genau so indiskutabel war, wie heute und vor zwei Generationen ! – vielleicht noch eine getäfelt gekriegt.

Heute dagegen sind Klagen gegen Schulnoten salonfähig geworden. Was lernt das Kind daraus? Dass andere Menschen für sein eigenes Handeln verantwortlich sind!

Hach ja, ich habe schon öfter, nein, oft darüber geschrieben, werde aber nicht müde, es immer wieder und wieder zu tun. :-)

Hm, als ich so über diese Frage 1.) nachdachte, war mein Gedankenkonstrukt im Kopf irgendwie viel strukturierter als das, was jetzt hier steht. Aber sei es dumm. Dennoch: Spannende Frage!

2.) Reparieren oder neukaufen?

Eindeutig reparieren! Oder besser: reparieren lassen! Meine Einstellung dazu hat einen ganz einfachen Hintergrund, nämlich den finanziellen. So lange sich etwas günstig und mit wenig Aufwand reparieren lässt, warum sollte ich mir etwas Neues kaufen? Ich hatte noch Ewigkeiten einen Röhrenfernseher, als die schon lange nicht mehr produziert worden sind und ich war zufrieden damit.

Was bringen mir vier Kilometer Bildschirmdiagonale, wenn das Programm doch weiterhin das selbe ist? „Die Helene Fischer-Show“ auf Großbildleinwand bleibt eben immer noch „Die Helene Fischer-Show“!

Im Zusammenhang mit dieser Frage fällt mir gerade die sogenannte „Abwrackprämie“ von 2009 ein. Man bekam damals doch tatsächlich Geld, wenn man seinen völlig funktionsfähigen fahrbaren Untersatz verschrottete, um einen neuen zu kaufen. Ökologischer Irrsinn! Das sollte aber u. a. die Schadstoffemissionen senken – 9 Jahre später gibt es die ersten Fahrverbote für Diesel …

Zur Senkung von Schadstoffemissionen hätte ich persönlich eine wirklich waghalsige Idee: Vielleicht sollten sich die Ingenieure der Autohersteller einfach mal hinsetzen und darüber nachdenken, wie sie Motoren herstellen, die auch ohne Software-Beschiss die Grenzwerte einhalten!?

3.) Meer oder Berge?

Eindeutig Meer! Es geht nichts über einen Besuch an der Nordsee, unabhängig vom Wetter. Ich nehme aber auch gerne jedes andere Meer.

4.) Die Wahl der Qual: Jede Woche in eine andere Stadt umziehen müssen oder niemals die Stadt verlassen können, in der Du geboren wurdest?

Das ist diesmal ganz einfach: Ich nehme Letzteres! Ich wohne – von einem kurzen Intermezzo abgesehen – schon mein ganzes Leben hier, bin hier also groß geworden. Wobei… groß…, sagen wir lieber, ich bin hier aufgewachsen. Na ja, gewachsen… sagen wir, ich bin hier älter geworden!

 

So weit, so gut, werte Leserschaft. Ich wünsche allseits einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!