„Der Reporter“ von John Katzenbach – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Buch: „Der Reporter“

Autor: John Katzenbach

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 427 Seiten

Der Autor: John Katzenbach, geboren 1950 in Princeton, New Jersey, ist ein amerikanischer Thriller-Autor. Er ist der Sohn einer Psychoanalytikerin und eines früheren US-Justizministers und war vor seiner Autorentätigkeit Gerichtsreporter für zwei amerikanische Zeitungen.

Bereits mit seinem Debüt „Das mörderische Paradies“ – später als „Der Reporter“ veröffentlicht – konnte er große Erfolge verbuchen und wurde für den „Edgar Award“ nominiert. Auch viele seiner nachfolgenden Werke, beispielsweise „Die Anstalt“ oder „Der Patient“ wurden zu Bestsellern. Insgesamt hat Katzenbach bislang 16 Romane veröffentlicht.

Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Amherst, Massachusetts.

Das Buch: Malcolm Anderson ist Polizeireporter in Miami, abgebrüht, mit allen Wassern gewaschen. Zunächst ist die ermordete junge Frau nur eine weitere gute Story. Doch alles wird anders, als der Mörder ihn anruft: Der Killer mag Andersons Storys, stellt weitere Morde in Aussicht und will ihm exklusiv Auskunft geben. Und er macht seine Ankündigung wahr. In den folgenden Wochen gibt es weitere Opfer, und jedes Mal bekommt Anderson einen Anruf. Er lässt sich auf das Spiel ein, macht durch seine Reportagen Schlagzeilen, erlangt Ruhm – und bemerkt nicht, dass er genau deshalb das nächste Opfer des Killers werden könnte … (Quelle: Droemer-Knaur)

Fazit: Ich bin bekennender Katzenbach-Fan! Nichtsdestotrotz versuche ich bei Rezensionen zu seinen Büchern so objektiv wie möglich zu sein, was nicht nur deswegen schwierig ist, weil ich bekennender Katzenbach-Fan bin, sondern vor allem deshalb, weil jede Rezension im Grunde genommen ein Stück weit subjektiv ist. Dennoch unternehme ich erneut den Versuch größtmöglicher Objektivität:

Es gibt so Dinge im Verlagswesen, die ich zwar von der Intention her verstehe, die ich aber nicht gut finden muss. Zum Einen neigen Verlage dazu, von einem plötzlich berühmt gewordenen Schriftsteller resp. Schiftstellerin alles zu veröffentlichen, was diese Person bis zur plötzlichen Berühmtheit geschrieben hat. Meine Befürchtung zum Beispiel ist, dass man sehr bald alle Einkaufszettel, To-do-Listen und angefangene Sudokus von George R. R. Martin wird lesen können.

Zum Zweiten neigen Verlage dazu, bereits erschienene Bücher mit neuem Titel wieder zu veröffentlichen, wenn der Autor, resp. die Autorin, den Verlag gewechselt hat. Ein Paradebeispiel hierfür bleibt für mich immer noch die Veröffentlichung des ehemals „Das Haus des Dädalus“ genannten Buches des von mir unermesslich geschätzten Kai Meyer – erwähnte ich eigentlich, dass ich mir kürzlich eines von nur 333 signierten Exemplaren eben dieses Buches gesichert habe und mich deswegen latent dekadent fühle? – unter dem neuem und völlig schwachsinnigen Titel „Die Vatikan-Verschwörung“.

Und zum Dritten sind da Neuauflagen, die den Anschein erwecken, es handele sich um eine Neuerscheinung. Gerade mit Katzenbach bin ich diesbezüglich schon mal ordentlich auf, äh, das Gesicht gefallen, weil ich mir ein mir bereits bekanntes Buch kaufte, welches unter neuem Titel – siehe oben – erschienen ist. Und im vorliegenden Fall war der Sachverhalt so ähnlich, unterschied sich aber wenigstens dahingehend von meiner vorherigen Erfahrung, dass ich bereits wusste, dass es sich um eine Neuauflage handelt, denn „Der Reporter“ ist eigentlich Katzenbachs Romandebüt.

Nun habe ich noch nichts zum vorliegenden Buch gesagt und werde das auch weiterhin hinausschieben, indem ich erst mal Denis Scheck zu Wort kommen lasse. Ich mag nämlich Denis Scheck. Ich habe bis heute aufgrund seiner Meinung von einer Lektüre von Jussi Adler-Olsens Thrillern abgesehen, weil diese, so Scheck, „so spannend wie eine vierundzwanzigstündige Live-Übertragung der WM im Pfahlsitzen“ seien, wiewohl mir zwischendurch von anderer Seite geraten wurde, den Versuch der Lektüre trotzdem zu unternehmen. An anderer Stelle bin ich weniger seiner Meinung, so hat er in einem Interview kürzlich verkündet, er würde lieber erneut eine Muschelvergiftung durchleiden, anstelle der Lektüre eines weiteren Buchs von Fitzek oder Ceolho! Nun, man darf ja auch unterschiedlicher Meinung sein …

Jedenfalls hat Herr Scheck in besagtem Interview sinngemäß auch gesagt, dass ein gutes Buch die Sicht des Lesers auf die Welt ändert und dass man ein gutes Buch niemals als der Mensch verlässt, der die erste Seite aufgeschlagen hat. Abgesehen davon, dass ich das fast schon poetisch finde, kommen wir damit nach langer Vorrede zu Katzenbachs „Der Reporter“, das eben ein genau solches Buch ist. Gehen wir also in medias res:

Ich mag keinen Sensations-Journalismus! Und wenn die papierne Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben, die von vielen fälschlicherweise als „Zeitung“ bezeichnet wird, titelt „Schließt ihn endlich für immer weg!“ unter Abdruck eines Fotos und des Klarnamens oder wenn Sendungen – auch des ÖR – am Vorabend von einem „Familiendrama“ berichten und sich Nachbarn in das Kamerabild drängen, um zu sagen, dass der Mörder von nebenan eigentlich „immer freundlich“ gewesen sei und man „nie gedacht“ habe, dass der sowas tut, allein um seine vermeintlichen 15 Minuten Ruhm zu haben, dann finde ich das, mit Verlaub, zum Kotzen!

Und genau um so etwas geht es in „Der Reporter“.

Katzenbach beschränkt die handelnden Personen auf ein Minimum, manche haben nicht mal Namen, wie beispielsweise „der Chefredakteur“. Und bezüglich des Hintergrunds der Charaktere fasst sich Katzenbach ebenfalls kurz. Lediglich Malcolm Anderson, seine Freundin sowie sein Kollege Porter werden überhaupt näher charakterisiert. Das finde ich persönlich aber nicht schlimm, weil das, was man erfährt, erstens absolut ausreichend und zweitens absolut stimmig ist.

Auch im Stil kann ich Katzenbach, bzw. seinen Übersetzern Anke und Eberhard Kreutzer – ein Hoch auf beide! – absolut nichts vorwerfen. „Der Reporter“ liest sich so, wie sich ein Thriller lesen sollte, die Dialoge haben meiner Meinung nach sogar Filmreife. Richtig, richtig gut!

Bleibt noch die Handlung selbst. Und das was darüber hinaus geht. Die Handlung, die für sich schon mehr als gut ist, wird von der Wirkung des Textes noch in den Schatten gestellt. Wenn die Reporter sich an Tatorten tummeln, schamlos Fotos von Mordopfern schießen und mit ihrer Berichterstattung der Mordserie vielleicht überhaupt erst Vorschub geben, dann regt das zum Denken an.

Die handelnden Personen hinterfragen sich durchaus auch, wenn auch selten. Sie kommen aber meistens sinngemäß zu dem Schluss, dass das doch alle so machen würden. Tja, so ein das haben alle anderen auch so gemacht, was ich explizit nicht als Zitat verstanden haben will, hat Frank Plasberg bezüglich der Geschehnisse in Gladbeck auch gesagt. Ich glaube nicht, dass es das besser macht. Und ich glaube nicht, dass eine solche Berichterstattung heute nicht mehr passieren würde. Wahrscheinlich wären aber heute weniger Journalisten am Start, sondern mehr Privatpersonen, die die Geschehnisse über diverse Hetzwerke live verbreiten würden.

Hach, jetzt habe ich vergleichsweise wenig über „Der Reporter“ gesprochen. Dabei lohnt es sich doch so sehr! Mich zumindest hat es nicht als den Menschen verlassen, als der ich die Lektüre begonnen habe. Und das ist für einen Thriller doch schon mal eine beachtliche Leistung!? Unbedingt lesen!

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Spannung: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich bin in der gruseligerweise schon morgen anfangenden Woche beruflich arg eingespannt, wahrscheinlich sogar ohne Internet-Anbindung, was meines Erachtens ein schwerer Verstoß gegen diverse Menschenrechte darstellt. Sollte ich also in der Zwischenzeit Zeit für das Lesen finden, was ich spontan als unwahrscheinlich bezeichnen würde, dann gäbe es bald „Schwarzer Sold“ von Adrian Selby. Es ist mal wieder Zeit für Fantasy!

12 Kommentare zu „„Der Reporter“ von John Katzenbach – Alter Wein in neuen Schläuchen?

  1. Darf man bei einer Rezension, ob des Vortextes, schmunzeln?
    In dem Fall ja. Danke und bin gespannt auf das Buch, mein Dealer freut für die dreißig Pfennig, die er vom Verlag für den Verkauf behalten darf. ;))

    Gefällt 1 Person

    1. Nun, ich weiß nicht, vielleicht sollte ich beleidigt sein, wenn man mein „Kerngeschäft“ nicht schätzt, aber eigentlich bin ich so pragmatisch, dass ich sagen kann:

      Mir ist völlig wurscht, weswegen Du meine Rezensionen liest, Hauptsache, Du liest sie! ;-) Warum liest Du dann aber!? :-)

      Übrigens: Es ging um ein ziemlich gutes Buch von John Katzenbach. ;-)

      Liken

      1. Nein, tatsächlich schätze ich durchaus sowohl die Buchbesprechung als auch das Drumherum, das immer interessante und / oder witzige Aspekte im näheren oder weiteren Zusammenhang mit dem Buch behandelt. Ich klicke die immer mit dem Gedanken an, was gibt es hier wohl wieder neben der eigentlichen Rezension lustiges, spannendes oder interessantes.
        Mit anderen Worten, genau mein Ding 😊
        Aber keine Sorge, die Bücher gehen dabei keinesfalls unter 😉

        Gefällt 2 Personen

        1. Das klingt super, Kommentare wie der Deine sind auch genau mein Ding. Danke! :-)

          Auch wenn ich zugeben muss, dass meine Frage, warum Du liest wohl ein bisschen „fishing for compliments“ war. ;-)

          Gefällt 1 Person

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