„Ritter dunklen Rufs“ von David Gemmell – Eigentlich nicht gut …

Buch: „Ritter dunklen Rufs“

Autor: David Gemmell

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 511 Seiten

Der Autor: David Gemmell war ein 1948 in London geborener englischer Autor. Nach einem eher unrühmlichen Abgang von der Schule – man warf Gemmell unerlaubtes Glücksspiel vor – und diversen daran anschließenden Aushilfstätigkeiten war er als freiberuflicher Journalist für verschiedene Tageszeitungen tätig.

In den 70ern befasste er sich mit Fantasy-Literatur, schrieb auch einen ersten Roman, der allerdings nie veröffentlicht wurde, weil Gemmell selbst ihn für zu schlecht hielt.

Ab 1986 war er dennoch ausschließlich als Autor tätig. Als sein bekanntestes Werk gilt die „Drenai“-Saga, welche aus elf Bänden besteht,

Gemmell starb am 28. Juli 2006 infolge einer Bypass-Operation.

Das Buch: Einst waren die neun Ritter der Gabala strahlende Verfechter der Gerechtigkeit. Doch in ihrem Stolz sind sie dem Bösen verfallen und terrorisieren nun das Reich. Nur Manannan, der schwächste von ihnen, glaubt noch an ihre alten Werte. Ausgerechnet seine Feigheit hat ihn vor der Finsternis bewahrt. Um seinen alten Gefährten entgegenzutreten, will er eine neue Gabala gründen. Doch als zukünftige Ritter stehen ihm nur Diebe, Mörder und Ausgestoßene zur Verfügung. Manannan weiß, dass er keine Chance hat. Und dennoch muss er es versuchen! (Quelle: Random House)

Fazit: Manchmal steht man so am Grabbeltisch der preisreduzierten Mängelexemplare und greift nichtsahnend zu einem großartigen Buch. Manchmal aber auch zu unheimlichem Mist. Und manchmal, ja, manchmal sogar zu beidem gleichzeitig. Ein Beispiel für Letzteres ist „Ritter dunklen Rufs“.

In der ersten Ausgabe erschien „Ritter dunklen Rufs“, – was im Übrigen dankenswerterweise mal eine halbwegs adäquate Übersetzung des englischen Originaltitels „Knights of Dark Renown“ ist, was, wie wir alle wissen, in Zeiten sinnfreier Untertitel keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt – in der deutschen Version bereits 1991. Es mag sein, dass dieses Buch damals – nur wenige Jahre nach der Zeichentrickserie „Masters of the Universe“, hach, was habe ich die geliebt – ganz gut funktioniert hat. Heute tut es das für mich eher nicht.

Dabei macht Gemmell gar nicht viel verkehrt. Sein Buch lebt lange Zeit davon, dass die Geschehnisse aus Sicht einer größeren Zahl an Hauptfiguren erzählt wird. Die Wechsel der Erzähler und der entsprechenden Szenarien sorgen für eine Dynamik, die lange Zeit gut trägt. Schade, dass dann aber im Laufe der Handlung alle Protagonisten, und seien sie auch noch so weit voneinander entfernt, plötzlich auf traumwandlerische Weise und ohne genauere Erklärung, zusammenfinden, damit die Handlung weitergehen kann.

Auch die Charaktere sind gar nicht mal so verkehrt, auch wenn sie teilweise den Charme einer „He-Man“-Folge verbreiten. Manche wirken wie Robin Hood für Arme, beispielsweise Llaw Gyffes, ja, mit Doppel-L, andere wie die verzweifelte rettungsbedürftige Prinzessin aus klischeehaften Fantasy-Schnulzen, aber dennoch kann man sich mit den meisten Figuren anfreunden.

Stilistisch kann man da schon mehr meckern. Ohne genau begründen zu können, woran es liegt, las sich „Ritter dunklen Rufes“ für mich, als würde man einen ganz schlechten Schwarzenegger-Film der 80er verschriftlichen. „Phantom-Kommando“ oder so. Das Buch bietet der Leserschaft keinerlei Schwierigkeiten, was ich zuallererst positiv herausheben möchte, überfällt den Leser aber plakativ mit seiner nicht sonderlich kreativen „Message“, die da sinngemäß lautet, dass das Böse nur dann böse ist, wenn man den entsprechenden Standpunkt hat, aus anderer Sicht aber eben nicht. Hach, wie im richtigen Leben, in dem gerade zuhauf Diplomaten ausgewiesen werden. :-)

Diese Message, die dem Leser mit der Subtilität eines Dampfhammers präsentiert wird, ist es aber, die mir die Lektüre dieses Romans verleidet hat.

Und das fand ich eigentlich schade. Trotz aller Schwächen habe ich „Ritter dunklen Rufs“ nämlich recht gerne gelesen. Klar, verstärktes genervtes Augenrollen konnte ich nicht vermeiden, aber so als Fantasy-Roman für zwischendurch taugt das Buch allemal. Obwohl es Vampire enthält …

Mittelfristig wird „Ritter dunklen Rufs“ aber meine einzige Erfahrung mit David Gemmell und seinen Büchern bleiben.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein Reif von Bronze“ von Stephan M. Rother. Die Fortsetzung von „Ein Reif von Eisen“ und so etwas wie mein Heiliger Gral der Fantasy-Literatur, neben den „Drachenlanze“- und „DSA“-Romanen.

7 Kommentare zu „„Ritter dunklen Rufs“ von David Gemmell – Eigentlich nicht gut …

  1. Oh wie schade, ich liebe die Drenai-Saga von David Gemmell! Die habe ich schon als Kind neben meinen ganzen Pferderomanen gelesen (was wohl viel über den Buchgeschmack meiner Familie und meine frühkindliche Prägung aussagt, was Literatur anbelangt). Da ich aber auch erst kürzlich eine eher fade Gemmell-Erfahrung hatte, kann ich deine Meinung verstehen. Diese war zudem sehr unterhaltsam zu lesen. Ich sollte wohl öfter hier vorbei schauen :-)

    Gefällt 1 Person

    1. Übers Vorbeischauen freue ich mich immer. ;-) Herzlichen Dank!

      Und ja, das Buch las sichleider, als könne man daraus allenfalls einen Film der Qualität von Uwe Bolls „Schwerter des Königs“ machen … :-)

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