Freitagsfragen #36

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Guten Morgen, werte Leserschaft,

ein neuer Freitag, eine neue Runde Freitagsfragen im Brüllmausblog. Wenden wir uns ohne lange Vorrede – ja, so etwas kann ich! – den Fragen und Antworten zu, welche da heute lauten:

1.) Womit fühlst Du Dich wohler: einer geplanten täglichen Routine oder der Freiheit und Spontaneität des laissez-faire?

Wer mich näher kennt, weiß genau, dass ich eine geplante tägliche Routine sehr zu schätzen weiß. Jegliche ungeplante Abweichung davon ist per se böse. ;-) Das war übrigens mal etwas anders. So mit Anfang  20, nach dem Schulabschluss und mitten in einer Ausbildung, die sich vom Wohlfühlfaktor nur unwesentlich oberhalb eines beliebigen von Dantes Höllenkreisen bewegte, habe ich mich durchaus gefragt, ob das jetzt immer so weiter geht. Schlafen, arbeiten, notwendige Dinge erledigen, da capo al fine. Und ich bin mir sicher, das ich nicht der Einzige bin, dem es im Laufe seines Lebens mal so ging.

2.) Fürchtest Du Dich vor dem Tod?

Huch, so persönlich heute? Normalerweise müsste ich die diesbezügliche Antwort mit dem Hinweis „So etwas geht niemanden etwas an!“ verweigern. Außerdem ist die Frage unpräzise. Wessen Tod? Meinen eigenen? Den von jemand anderem? Den in Großbuchstaben sprechenden von Terry Pratchett? Nun, zumindest Letzterer scheint eigentlich ein ganz entspannter Geselle zu sein. Auch wenn mir lieber wäre, er würde Terry Pratchett wieder hergeben …

Jedenfalls, einerseits ist es auffällig, wie oft diese, oder thematisch ähnliche, Fragen an Blogger gestellt werden. Dieses Thema scheint die Menschen also doch umzutreiben.

Und andererseits antworte ich auf solche Fragen meistens mit Zitaten. So hat – das erwähne ich öfter – Woody Allen, von dem man ansonsten halten mag, was man will, sinngemäß gesagt: „Meine Einstellung zum Tod hat sich auch in höherem Alter nicht verändert: Ich lehne ihn weiter vollumfänglich ab!“ Ein sehr geschätzter Bloggerkollege hat zu einer solchen Frage mal sinngemäß geschrieben, dass der Gedanke an die eigene physische Nicht-Existenz eigentlich für jeden ein bisschen gruselig sein sollte.

Und so wie diese beiden Herren sehe ich das auch. Um die Frage also konkret zu beantworten: Ja, durchaus, allerdings weniger vor meinem eigenen.

3.) Verbringst Du Qualitätszeit mit Dir selbst?

Zunächst mal weiß ich die Vermeidung der Verwendung eines Anglizismus in der Fragestellung zu schätzen! (Wobei dieser Einstiegssatz irgendwie an die Art von Sebastian Kurz erinnert, Fragen zu beantworten, aber sei´s drum, wenigstens rede ich nicht über die Balkan-Route.)

Und ja, ich verbringe durchaus Qualitätszeit mit mir. Wichtig dafür ist meines Erachtens, dass man auch halbwegs gut mit sich klarkommt. Und das tue ich.

Wäre ich zum Beispiel, ich weiß nicht, Jens Spahn vielleicht, dann käme ich mit mir so gar nicht zurecht. Mal wirklich, was sich unser angehender Gesundheitsminister da verbal vor einigen Tagen geleistet hat, wurde in den letzten Jahren eigentlich nur noch von Westerwelles „spätrömischer Dekadenz“ sowie jedem einzelnen Satz Sarrazins unterboten.

Ich möchte mich auch gar nicht mit den einzelnen Äußerungen an sich beschäftigen, wobei ich gute Lust hätte, Herrn Spahn meine Verachtung bezüglich jeder seiner Behauptungen ins Gesicht zu schleudern.

Mir geht es eher um drei Dinge.

Erstens finde ich es fürchterlich, mit welcher Selbstsicherheit, Gewissheit, von mir aus auch Arroganz, Menschen wie Spahn der Meinung sind, die Lebensrealität von ALG-II-Empfängern einschätzen zu können. Auch und gerade weil die eigene Lebensrealität von Herrn Spahn und Co. sich eben so deutlich von der des durchschnittlichen Leistungsempfängers unterscheidet.

Zum Zweiten geht es mir massiv auf den Geist, wie nachhaltig es die papierne Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben sowie diverse Privatsender es geschafft haben – mit tendenziöser Berichterstattung ebenso wie durch Dauerberieselung mit den Prekariatsvoyeurismus bedienenden „Doku“-Sendungen – das Bild des herkömmlichen ALG-II-Empfängers nachhaltig zu beschädigen.

Entgegen der Meinung eines gewissen Teils der Bevölkerung ist eben nicht jeder Langzeitarbeitslose dumm, faul, alkoholabhängig und Kettenraucher! Nein, man kann langzeitarbeitslos und intelligent, interessiert, aufgeschlossen, fleißig und vieles mehr gleichzeitig sein.

Würde man das Bild, das die Medien in den letzten 16 Jahren von ALG-II-Empfängern gezeichnet haben, einer beliebigen Bevölkerungsgruppe überstülpen – Frauen, Männer, Flüchtlinge, Klavierstimmer – wäre der Aufschrei, zu Recht, gigantisch! Bezüglich der ALG-II-Empfänger darf man so ein Bild zeichnen, während der Aufschrei ausbleibt. Man hat halt keine Lobby!

Drittens ist es für mich auffällig, wie ausgeklügelt es die Politik in den letzten Jahren geschafft hat, dass sich die relativ Mittellosen untereinander an die Gurgel gehen, anstatt sich zusammenzutun und Änderungen einzufordern. Wer wenig hat, meckert über die, die weniger haben, die, die weniger haben über die, die nichts haben:

Die im ausgeprägt vorhandenen Niedriglohnsektor Beschäftigten schimpfen auf die ALG-II-Empfänger, weil sie, die Beschäftigten, arbeiten gehen und dennoch nur marginal mehr nach Hause bringen als Arbeitslose.

ALG-II-Empfänger schimpfen auf Flüchtlinge, weil die ja „alles bekommen“, man selbst aber den Antrag für einen neuen Herd abgelehnt bekommt.

Viel sinniger wäre es wirklich, sich zusammenzutun und gemeinsam Druck auf die Entscheidungsträger in der Politik auszuüben. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben. „Proximus sum egomet mihi“, wusste schon Publius Terentius Afer. Daran hat sich in den letzten 2.000 Jahren wohl nicht viel geändert.

Übrigens: Laut „Focus“ – auch vom „Focus“ kann man halten, was man will – stimmen übrigens über 63 % der FDP-Wähler Spahns Aussagen zu. Da sind wir wieder bei Lebensrealitäten …

Ach, ich beschließe den Herrn Spahn, seine Aussagen und alles, was damit zusammenhängt, einfach mal mit Humor zu nehmen. An anderer Stelle schrieb kürzlich jemand sinngemäß: „Es hat auch seine Vorteile, was der Herr Spahn da gesagt hat: Es macht einem nämlich deutlich, dass es immer noch genug Gründe gibt, die CDU mit Leidenschaft zu verabscheuen!“ :-)

Ich bin vom Thema abgekommen? Mir egal! :-)

4.) Die Wahl der Qual: Haarverlust oder Zahnausfall?

Ich bin Kassenpatient! Und nach meinen Äußerungen zu Herrn Spahn bezahlt mir keine Kasse der Welt mehr einen Zahnersatz! ;-) Ich nehme daher den Haarverlust.

 

Das war es auch schon wieder, liebe Leserinnen und Leser. Ich wünsche allseits noch einen schönen Freitag und ein anschließendes erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

10 Kommentare zu „Freitagsfragen #36

  1. Tja, leider stimmt es, daß sich die verschiedenen Grüppchen der Wenig-Habenden großteils lieber selbst die Augen auszustechen scheinen als zusammenzustehen. Habe die Tage bei GMX die Kommentare unter den Artikel zu Spahns Äußerung gelesen, die genau das deutlich zeigen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß der – in meinen Augen scheinheilige – Hinweis mancher Politiker (ist ja nicht nur Spahn), daß die Hartz IV-Zahlungen ja aus Steuern finanziert würden, u.a. auch das bewirken soll. Es wird so einiges aus Steuern finanziert, was ich nicht gut finde. Dann doch lieber denen helfen, die es (m.M.n.) wirklich gebrauchen könnten.

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    1. Genau so siehts aus! Von den Steuern werden auch – sagte der „Spiegel“ im November – 400 Millionen Euro an die AfD für die Abgeordneten im Bundestag und den Landtagen bis 2021 gezahlt, Das möchte ich ja auch nicht, muss aber damit leben, dass Vatter Staat das tut.

      Im Übrigen ist das Lesen von Kommentaren bei GMX noch schmerzhafter als bei der „Zeit“ und liegt nahe an Selbstkasteiung! ;-)

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      1. Nach guten 10 Monaten noch ’ne Antwort darauf (eigentlich versuchte ich zu googlen, ob Du mal meinen Lieblingsautor rezensiert hast): Ich bin halt Nostalgiker und daher immer noch bei GMX unterwegs. Ich schreibe! sogar noch gelegentlich Kommentare.

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        1. Unterwegs bin ich da auch noch, aber nur,weil da mein E-Mail-Account ist, alles andere halte ich nicht aus.

          Keine Ahnung, ob ich mal Deinen Lieblingsautor rezensiert habe. Wer isses denn? ;-)

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  2. Da ich weiß, dass das Universum mit meinem Dahischeiden beendet ist, ist der Tod mir egal. Ich stimme auch eher für den Haarausfall und meist bin ich mir selber genug. Wenn ihr wüsstet wie anstrengend es ist, mit mir zu sein :))).
    Die Sache mit dem ALG II ist schwierig zu beantworten. Entweder man trifft Menschen, die wie die Faust aufs Gretchen ins Klischee passen oder sie fallen nicht auf.

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    1. Das ganze Universum ist mit Deinem Dahinscheiden beendet? Komplett? ;-)

      Und ja, klar trifft man Menschen, die das Klischee erfüllen, denn in jedem Klischee steckt ein bisschen Wahrheit! Aber daraus eine Charakterisierung einer kompletten Gruppe abzuleiten, geht mir ein bisschen zu weit. Und dass die, die das Klischee nicht erfüllen, nicht auffallen, liegt daran, dass man sie weniger ins Licht der Öffentlichkeit zerrt. Mit einer Reportage über einen strebsamen, fleißigen Arbeitssuchenden lässt sich keine Quote machen, mit dem schon morgens saufenden und nur im Unterhemd herumlaufenden Gegenstück allerdings schon.

      Und diese Vorgehensweise lässt sich ja nicht nur auf ALG-II-Empfänger übertragen. Nehmen wir z.B. Behinderte ( und ich habe selbst einen GdB von 100, ich darf das also! :-) ). Wen sieht man aus dieser Gruppe in den Medien? Sportler und sonstige Berühmtheiten, die es irgendwie „geschafft“ haben. Verbunden mit Äußerungen wie „meistert sein Schicksal“, „hat nie aufgegeben“, „bewundernswert“ etc. Und diese Menschen respektiere ich auch auf ganzer Ebene. Aber durch diese Darstellung setzt sich bei Zuschauern die Meinung durch, alle Behinderten könnten „es schaffen“, sie müssten es nur wollen oder sich ein wenig anstrengen. Und das ist schlicht falsch! Denn die vielen Behinderten, die ganz normale Durchschnittsmenschen sind, mit der Bürokratie im Clinch liegen und von Nahles´ Bundesteilhabegesetz reden, die sieht man eben nicht.

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      1. Ja Komplett, so wie bei Zaphod Beeblebrox :)))
        Nein, ich schließe nicht auf eine ganze Gruppe. Durch den Beruf, den ich in einem früheren Leben ausübte, musste ich mich mit allen „Schichten“ auseinandersetzten.
        Und in jeder triffst du auf die Menschen, die jedes Klischee erfüllen und auf die, die sich normal (ist so ein blödes Durchschnittswort, mir fällt aber kein besseres ein) oder dem Bild das man hat, nicht erschließen. Der Stinkendreiche, der im ollen Golf vorfährt genauso wie den klassischen Hartzer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Wille zur Bildung sehr viel ausmacht, machen kann, im Verhalten sich selber und Dritten gegenüber.

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