„Der Verfolger“ von John Katzenbach

Buch: „Der Verfolger“

Autor: John Katzenbach

Verlag: Droemer Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 492 Seiten

Der Autor: John Katzenbach, geboren 1950, war ursprünglich Gerichtsreporter für den »Miami Herald« und die »Miami News«. Bei Droemer Knaur sind inzwischen zahlreiche Kriminalromane von ihm erschienen, darunter die Bestseller »Die Anstalt«, »Der Patient«, »Der Professor« und »Der Psychiater«. Zweimal war Katzenbach für den Edgar Award nominiert. Er lebt mit seiner Familie in Amherst im Westen des US-Bundesstaates Massachusetts. (Quelle: Droemer Knaur)

Das Buch: Fünf Jahre lang hatte er geglaubt, er wäre diesem perfiden Killer endgültig entkommen. „Rumpelstilzchen“ hatte sich der Mann genannt, den er bei einer Schießerei auf Leben und Tod schließlich erledigt hatte. Vermeintlich.
Denn wie aus dem Nichts taucht in der Praxis des Psychiaters Dr. Frederick Starks in Miami auf einmal genau dieser Killer auf. Und seine Drohung ist unmissverständlich: Wenn Starks ihm nicht helfe, den Unbekannten aufzuspüren und zu töten, der seit einiger Zeit ihn und seinen Bruder, einen erfolgreichen Anwalt, mit Morddrohungen überziehe, werde er ihn umbringen. Dem Psychiater bleibt keine Wahl. Unversehens findet er sich in ein albtraumhaftes Katz-und-Maus-Spiel verstrickt, in dem alle Beteiligten, auch er selbst, nur die Auslöschung ihres Widersachers im Sinn haben. Nichts ist, wie es scheint, bei dieser mörderischen Verfolgungsjagd, Starks‘ Leben steht auf Messers Schneide … (Quelle: Droemer Knaur)

Fazit: Menschen, die gerne lesen, machen – so jedenfalls meine These –  früher oder später alle unabhängig voneinander die eine oder andere gleiche Erfahrung durch, beispielsweise folgende: Irgendwann hat man eine gewisse Anzahl an Autorinnen und Autoren – nennen wir diese meinetwegen der Einfachheit halber „Lieblingsautoren“ – von denen man jede Neuerscheinung blind kauft, ohne sich vorher auch nur im Ansatz mit dem Inhalt eines neues Buches zu beschäftigen.

Und jahrelang geht das auch meistens gut. Irgendwann dann aber hat man eine dieser Neuerscheinungen in der Hand und denkt sich nach der Lektüre: „Hm, irgendwie ist das nichts mehr für mich.“ Meistens wird dieser Eindruck von folgenden Büchern untermauert – die man sich aber natürlich wieder blind gekauft hat, weil Schaden nur selten klug macht.

Auch ich habe diese Erfahrung bei verschiedenen Autoren gemacht. Bei Kai Meyer ging mir das beispielsweise so. Oder bei Sebastian Fitzek, dessen Bücher ich weiterhin recht gerne lese, der mich aber nie wieder so überzeugt hat, wie mit seinem Debüt „Die Therapie“. Und so – jedenfalls fürchte ich das nach der Lektüre von „Der Verfolger“ – geht es mir wohl auch so langsam mit den Büchern von John Katzenbach.

Zugegeben, in der Vergangenheit hat Katzenbach mehr als nur einen Roman geschrieben, die ich der Kategorie „großartig“ zuordnen würde, als das wären „Der Reporter“, „Die Anstalt“ oder „Das Tribunal“ – Letzteres übrigens unbedingt lesen – in den letzten Jahren jedoch war ein eindeutiger Abwärtstrend meiner Zufriedenheit mit Katzenbachs Bücher zu beobachten. Schon „Der Wolf“ konnte mich nicht überzeugen, „Der Psychiater“ hat mich phasenweise schwer genervt und „Die Grausamen“ hat mich nur vorübergehend mit Katzenbach versöhnt, auch weil er mit diesem Buch auf Krimi- statt auf Thriller-Pfaden wandelt.

Somit war es nur folgerichtig, dass ich mit „Der Verfolger“ nun leider überhaupt nicht zurecht kam. Dabei ist einiges im Katzenbachs neuestem Psychothriller gar nicht mal so verkehrt. Die Figuren zum Beispiel. Dr. Frederick „Ricky“ Starks war schon in „Der Patient“ ein recht gut gelungener Protagonist, der kein Musterbeispiel an detaillierter Ausarbeitung darstellt, der aber wenigstens sympathisch rüberkommt und damit eines der Kriterien erfüllt, die so ein Protagonist im Bereich Pyschothriller meiner Meinung nach haben muss, nämlich, dass man mit ihm mitfiebern kann.

Das gilt naturgemäß für die Antagonisten deutlich weniger, deren Mastermind, in „Der Patient“ noch als „Rumpelstilzchen“ bekannt, wirkt sogar ein wenig überzeichnet, ein wenig zu irre. Aber gut, wer braucht in Psychothrillern auch zerebral rund laufende Antagonisten …?

Auch in stilistischer Hinsicht unterscheidet sich Katzenbachs neuestes Buch nicht nennenswert von seinen anderen Büchern, zumindest denen neueren Datums. Daher gibt es in diesem Bereich auch wenig zu meckern, „Der Verfolger“ lässt sich angenehm lesen.

Leider scheitert das Buch – und zwar in vollem Umfang – an der Handlung, die derartig an den Haaren herbeigezogen wirkt, dass es irgendwie traurig ist, wenn man sich vor Augen hält, zu welchen spannenden Plots der Autor sonst in der Lage ist. Ich habe nichts gegen überraschende Wendungen, aber vieles in „Der Verfolger“ ist schlichtweg nicht „überrschend“ sondern einfach „unglaubwürdig“. Und wenn man im Laufe der Buches dauernd auf Ereignisse stößt, die einem ob ihrer überkonstruierten Aberwitzigkeit nur noch ein resigniertes, sarkastisches „Ja, sicher!“ entlocken, dann läuft irgendwas grundverkehrt.

Kurz: Das war nix mit dem neuen Katzenbach. Und ich hätte gewarnt sein müssen. Denn ich habe schon vor der Lektüre Rezensionen gelesenen, die genau die selben Dinge bemängeln wie ich auch. Aber wie gesagt: Schaden macht nur selten klug.

Wertung:

Handlung: 3,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 4 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Verschwinden der Stephenie Mailer“ von Joël Dicker.

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