abc.Etüden KW 23/24 V

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zwischen mir und einem schönen Wochenende sowie sich einer daran anschließenden ganzen Woche Urlaub steht nur noch der Rest von heute. Und eine weitere Etüde. Die Etüden werden von Christiane geleitet. Die Wortspende kommt von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten.

 

„Hoch die Hände, Woch…“

„Schnauze!“

„Ui, wieder verengte Pupillen? Was ist passiert?“

„Einmal, nur einmal möchte ich erleben, dass es in Justiz oder Politik eine Abweichung von der üblichen Vorgehensweise gibt. Aber nein, es bleibt alles beim alten. Deshalb leben wir jetzt auch in einem Land, in dem Küken schreddern weiterhin erlaubt, aber „Containern“ weiterhin verboten bleibt.“

„Du …“

„Man darf also weiter Küken töten, muss aber sofort damit aufhören, sobald es andere technische Möglichkeiten gibt – wann immer das sein mag.“

„Also …“

„Und die Medien behaupten dann, das Gericht habe den Geflügelproduzenten eine Frist zur Abkehr von der bisherigen Praxis gesetzt. Überraschung: Eine Frist ohne Nennung eines entsprechenden Termins IST keine Frist, das ist höchstens eine Absichtserklärung.“

„Aber …“

„Stell Dir das mal auf Deinem nächsten Einkommensteuerbescheid vor: „Nachzahlung zahlbar möglichst sofort – oder aber, wann immer es Ihnen möglich ist. Wir bitten untertänigst um Entschuldigung für Ihre Unannehmlichkeiten. Ihr Finanzamt.“ Das wird wohl nicht passieren.“

„Jetzt aber ich: Wirst Du Dich jetzt zum Umweltschützer aufschwingen? Du isst doch selbst Fleisch!“

„Ja, und!? Ich fahre auch ein Auto, und darf gleichzeitig den Diesel-Beschiss der Autoindustrie anprangern. Es kotzt mich so an, dass anscheinend allenthalben gefordert wird, dass man nur gegen etwas sein darf, wenn man selbst lebt wie ein selbstversorgender Einsiedler in einem Bunker aus nachwachsenden Rohstoffen.“

„Aber …“

„Und immer wieder wird die Verantwortung des einzelnen Menschen hervorgehoben, jeder müsse sein Konsumverhalten …“

„Aber das stimmt doch!“

„Ja, na sicher stimmt das! Aber die Industrie darf währenddessen weiter schalten und walten, oder was!? Die tun immer so, als würden Klimaschutzmaßnahmen direkt und unabwendbar in die Pleite der Firmen führen. Stattdessen kauft man sich dann Emissionszertifikate! Kein, Wunder – ist ja auch billiger! Dabei haben beide Seiten einen Teil der Verantwortung und sollten dieser auch nachkommen!“

„Ich glaube, ich …“

„Hiergeblieben! Ich bin noch nicht fertig, verstanden!?“

 

300 Worte.

15 Kommentare zu „abc.Etüden KW 23/24 V

  1. Man müsste über Containern nicht nachdenken, wenn das oberste Gebot nicht „Produizieren!“ wäre. Las wäre es so toll Dinge für den Müll herzustellen. Bei Fleisch ist das besonders wiederlich.
    Btw gibt es mittlerweile einige Höfe, die das mit den Küken nicht mehr mitmachen. Zb Spitz und Bube. Bei Rewe gibt es die und werden gerne genommen.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

    1. Japp, das Prinzip ist das selbe.

      Und da Firmen auf Sachspenden Umsatzsteuer zahlen müssen – also Kosten für Waren haben, mit denen sie ihrerseits keinerlei Umsätze erzielen – wundert das ja auch nicht. Wenn es billiger ist, Gegenstände zu verschrotten als sie zu spenden, läuft etwas grundverkehrt!

      Gefällt 3 Personen

  2. Mal abgesehen vom Schreddern – wie ekelhaft ist es denn, vorher zu schauen, ob männlich oder weiblich????? Stell dir mal vor, das würde man beim Menschen machen (tschüss Fragglechen ….)…. Jaja …. es sind nur Küken – trotzdem :-(
    Trotzdem – schönes Wochenende – genieß das Leben ;-)

    Gefällt 3 Personen

  3. Trotz allem grinse ich bei diesem Dialog.
    Dass das Shreddern (der Begriff fiel nicht) weiterhin erlaubt ist (eine Sauerei) habe ich mitbekommen, die Ablehnung des Containerns nicht – schade (und so dumm). Ach ja.
    Geld regiert die Welt, heute mehr denn je. Wobei ich mich immer frage, ob unsere Vorfahren das nicht auch schon gesagt haben.
    Dir ein schönes Wochenende UND einen guten Start in den Urlaub, den wohlverdienten!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke Dir!

      Ja, der Hamburger Justizsenator wollte Containern legalisieren lassen und ist damit krachend gescheitert. Die Union war dagegen.

      Stattdessen soll es großen Anbietern leichter gemacht werden, übrig gebliebene Lebensmittel zu spenden, beispielsweise an die Tafeln. Das wird super klappen, wenn die Läden vor der Frage stehen, das Zeug einfach in den Container hinter dem Gebäude zu kippen, oder die Spende mit Übergabe Transport etc. zu bewerkstelligen …

      Auch bei dem Thema wird übrigens häufig auf die Verantwortung der Kundschaft hingewiesen. Wenn man in einer Bäckerei fragt, warum zehn Minuten vor Ladenschluss das Brotregal noch pickepackevoll sein muss – mit Brot, das 10 Minuten später entsorgt wird – dann heißt es: „Der Kunde will das so!“
      Also, ich will das nicht …

      Gefällt 4 Personen

      1. Ich will das auch nicht. Ich verstehe das System und die Notwendigkeit zumindest zum Teil, aber es ist SO VIEL!
        Ich habe gerade letztes Wochenende zugesehen, als eine hiesige Bäckerfiliale (eine halbe Stunde vor Ladenschluss) ihre Auslagen leer räumte. Ja, eben war der Kram noch ziemlich viel Geld wert, jetzt wurde er mit Schwung in große Plastikkisten geworfen/gelegt. Überall. In allen Filialen. In der ganzen Stadt.
        Und auch ja, es war viel. Schräges Gefühl, zu wissen, dass das wegkommt. Mein inneres Kind schreit, dass das doch alles „noch gut“ sei. Und ich mache mir Gedanken, wenn ich mal nach drei Tagen ein Brötchen wegwerfe.
        Da macht einer unserer Senatoren endlich mal was, wohinter man stehen kann, und dann das. Na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.

        Gefällt 3 Personen

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