„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg

Buch: „Krokodilwächter“

Autorin: Katrine Engberg

Verlag: Diogenes

Ausgabe: Taschenbuch, 504 Seiten

Die Autorin: Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, arbeitet für Fernsehen und Theater und ist als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin landesweit bekannt. Mit ›Krokodilwächter‹ hat sie in der Welt des skandinavischen Thrillers debütiert. ›Blutmond‹ ist der zweite Fall für Kørner und Werner. Sie lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen. (Quelle: Diogenes)

Das Buch: Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet?
Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter. (Quelle: Diogenes)

Fazit: Meine Einstellung zu Krimis und Thrillern, die nördlich von Flensburg spielen, ist der aufmerksamen Leserschaft hinlänglich bekannt, und muss an dieser Stelle nicht erneut erwähnt werden. Hinsichtlich meiner Beratungsresistenz, die dazu führt, dass ich mir trotzdem immer und immer wieder Krimis und Thriller, auf die genau das zutrifft, kaufe, halten wir es der Einfachheit halber genauso.

Denn manchmal, ja, manchmal, da ist dann eben doch ein Buch wie „Krokodilwächter“ dabei, bei dem ich nach Beendigung der Lektüre überrascht feststelle: „Eigentlich war das ziemlich gut!“

Dass Engbergs Debüt gut bei mir ankam, hat mehrere Gründe. Zum Einen wären da die Figuren. Zugegeben, hätte sich Engberg bei ihren Ermittlern nur auf Jeppe Kørner beschränkt, hätte ich mit hochrotem Kopf gerufen: „Seht ihr!? Ich fühle meine voreingenommene, vorurteilsbehaftete Weltsicht hinsichtlich Krimis und Thrillern, die nördlich von Flensburg spielen, bestätigt!“, auch wenn mir niemand dabei zugehört hätte. Denn Jeppe Kørner ist eigentlich nur wieder eine dieser typischen skandinavischen Polizei-Figuren, die dauergenervt sind, zerrüttete Familienverhältnisse haben oder zu viel Alkohol oder sonstwas konsumieren.

Nun ist da aber noch Anette Werner, die den genauen Gegenentwurf darstellt: Stabile Beziehung, mit beiden Beinen fest im Leben und insgesamt doch sehr zufrieden. „Halleluja!“, hätte ich – ebenfalls wieder nur für mich – ausrufen können, angesichts einer Figur, die – man glaubt es nicht – doch tatsächlich zufrieden ist. Also genau das, was ich für Charaktere des Genres immer gefordert habe.

Jetzt muss man zugeben, dass beide Figuren für sich alleine eher langweilig wären, aber das Zusammenspiel zwischen Jeppe Kørner und Anette Werner, das passt hervorragend. Sie sind sich nicht immer grün, haben gelegentlich auch mal Meinungsverschiedenheiten, kommen aber insgesamt gut miteinander aus und erinnerten mich ein bisschen an Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer aus dem Wiener „Tatort“ – nur mit dem Unterschied, dass ich als Nordlicht bei Engbergs Buch keinerlei sprachliche Verständnisprobleme habe.

Die Handlung – die ich selbst übrigens schon vor etwa zwanzig Jahren – in ganz ähnlicher Form – als Idee für eine Kurzgeschichte im Kopf hatte, die dann, wie alle meine anderen literarischen Highlights auch, nie das Licht der Welt erblickte und hier eigentlich nur erwähnt wird, damit ich es mal erwähnt habe -, die Handlung also kann qualitativ mit den Charakteren problemlos mithalten. Sie ist durchaus komplex, allerdings ohne, dass man den Überblick verliert und beinhaltet immer wieder Wendungen, die mich als Leser meine Meinung hinsichtlich der Täterschaft mehrmals überdenken ließen. Dass ich dann doch recht schnell die richtige Lösung in diesem Bereich hatte, tat der Spannung keinerlei Abbruch.

Wenn man dem Buch überhaupt einen Vorwurf machen wollen würde, dann liegt dieser im stilistischen Bereich. Zwar schreibt Engberg durchgehend gut, so sind beispielsweise die Dialoge recht lebensnah gehalten, allerdings dürfte es Leser geben, die Engbergs Art zu erzählen als etwas zu ausufernd empfinden. Und in der Tat hätten es ein paar Seiten weniger auch getan. Wobei ich damit naturgemäß weniger Probleme habe, es aber nicht unerwähnt lassen wollte.

Insgesamt bleibt ein sehr überzeugendes Krimi-Debüt – egal, wie beharrlich Diogenes auch das Wort „Thriller“ auf das Buch drucken mag -, das mit seinen Charakteren und seiner spannenden Handlung punktet, und das – abgesehen von der Schilderung des Mordgeschehens und des Tatorts, was aber wenigstens nicht effektheischend wirkt – erfreulich unblutig ist.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Verfolger“ von John Katzenbach.

 

2 Kommentare zu „„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg

  1. „erfreulich unblutig“ – na, das ist für einen skandinavischen Krimi ja mal eine Ausnahme.
    Ansonsten habe ich immer den Eindruck, kaum ist das Plastik vom Buch entfernt, tropft auch schon das Blut auf´s Hemd. Hm! Vielleicht ist darum Plastik ums Buch…? Ohje, und die Verlage wollen nun gänzlich auf Plastik verzichten: Was für eine Sauerei!!!

    Gefällt 1 Person

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