Freitagsfragen #62 am Donnerstag

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

das schöne an einem eigenen Blog ist, dass man dort tun und lassen kann, was man will. Vor allem etwas zu lassen, hat manchmal seinen Reiz. Und so habe ich in einer Mischung aus mangelnder Kreativität und Unlust, welche vermutlich aus der mangelnden Kreativität entstanden ist, am letzten Freitag auf die Freitagsfragen im Brüllmausblog verzichtet.

Da ich nun aber erschreckt festgestellt habe, dass morgen ja schon wieder Freitag ist – so ein Feiertag bringt das ganze Zeitgefühl durcheinander – und ich nicht weiter in Verzug geraten möchte, gibt es heute also die Freitagsfragen von letzter Woche. Und morgen dann die aktuellen. Vielleicht. ;-)

Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Was hast Du diese Woche gelernt?

Die Erkenntnis der zurückliegenden Woche, eigentlich der zurückliegenden zwei, war vor allem eine, die ich aber nicht exklusiv habe:

Begeben wir uns deshalb – einmal noch – in die Hölle, den Firmensitz der „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan in seinem Büro seinem schändlichen Tagwerk nachgeht, als sein Assistent und Prokurist Lübke den Raum betritt.

„Guten Morgen, Chef!“

„Ah, guten Morgen, Lübke! Nun, wie ist das werte Befinden?“

„Gut, Chef, danke der Nachfrage! Ähm, falls ich fragen darf: Wo waren Sie eigentlich letzten Freitag?“

„Zu Hause, Lübke. Ich hatte keine Lust.“

„Und da bleiben Sie einfach zu Hause?“

„Na, jetzt hören Sie mal! Das ist mein Laden, hier mache ich, was ich will und wann ich will! Themawechsel: Was macht eigentlich dieser Reisswolfblog-Spinner?“

„Ach, der … – nichts Neues, Chef. Der war seit Donnerstag letzter Woche kaum vom PC und seinen Büchern wegzukriegen. Nicht mal seinen üblichen Blogbeitrag am letzten Freitag hat er geschrieben. Unter anderem, weil ihm partout keine Antwort auf die Frage „Was hast Du diese Woche gelernt?“ einfallen wollte.“

„Dabei wäre die Antwort so einfach gewesen …“

„Nämlich?“

„Nun, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich gesagt, dass ich in der letzten Woche – oder in den letzten zwei – gelernt habe, dass kein Fehlverhalten dieser Welt so groß sein kann, dass man deswegen mit Karacho auf die Schnauze fällt, wenn – und dieses „wenn“ ist wichtig, Lübke – wenn man sich in einer ausreichend unantastbaren Stellung befindet.“

„Und woher rührt diese Erkenntnis?“

„Ach, der Beispiele gäbe es viele. Nehmen wir nur mal den Verfassungsschutzhoschi, der …“

„Ach, nicht der Maaßen schon wieder, Chef. Die Angelegenheit ist erledigt, der Mann wurde weggelobt, die Allgemeinheit hat wieder Ruh´.“

„Stimmt schon, Lübke. Und er verdient in seinem neuen Amt auch nur noch 200 Euro mehr als vorher. Also nur etwa die Hälfte des ALG-II-Regelbedarfs. Nicht der Rede wert. Deswegen war das in der Zeitung auch kaum mehr eine Nachricht wert. Der entsprechende Artikel hatte in etwa die Größe einer handelsüblichen Visitenkarte.“

„Die Leute sind halt froh, dass das Thema vorbei ist …“

„Ja, und auch ich erwähne ihn nur der Vollständigkeit halber. Aber, Lübke, isses nicht irgendwie witzig, dass man diese Spinner von „Revolution Chemnitz“ verhaftet hat, kaum nachdem Herr Maaßen aus seinem Amt gelobt wurde? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Plötzlich klingelt das Telefon.

„Wer stört? – Ah, Herr Wöller. Was kann ich für Sie tun? Was? Oh, aber nicht der Rede wert. Nein, wirklich, keine Ursache, das habe ich gern getan. Ja, der Dank ist ganz meinerseits. Auf Wiederhören.“

„Wer war das?“

„Der sächsische Innenminister. Er hat sich für den Tipp zu den Spinnern von „Revolution Chemnitz“ bedankt …“

„SIE haben den Behörden einen Tipp gegeben?

„Tja, Lübke, ganz ernsthaft: Es gibt Menschen, deren verachtenswerte Ideologie ist sogar mir zuwider. Wie viel Scheiße muss ich im Hirn haben, um … ach, lassen wir das. Jedenfalls, wenn sonst niemand etwas tut, muss ich halt hilfreich eingreifen.

Genug davon. Und auch genug vom Verfassungsschutzhoschi – auch wenn seine Aussagen in etwa so hilfreich waren wie die des Innenministers, dessen Antworten Teile der Bevölkerung verunsichern könnten.“

„Na, den sind wir ja nun los!“

„Japp – und haben ihn ersetzt durch Horst „die Axt“ Seehofer. Oder, wie ihn der „Spiegel“ so schön nannte, „Die graue Renitenz“. Ein weiterer Rückschritt in diesem Amt. Wobei ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht hätte, dass das möglich wäre… Aber der Seehofer ist ein weiteres gutes Beispiel für meine eingangs genannte These. Auch der darf sich, vor dem Hintergrund der Wahl in Bayern, benehmen wie die sprichwörtliche Axt im Walde, die die Interessen eines – gesamteuropäisch gesehen – doch vernachlässigbaren Bundeslandes vor die Interessen der Republik stellt.“

„Die Bayern-Wahl haben wir ja auch bald hinter uns …“

„Ja, aber den Seehofer nicht, Herrje!“

„Herr was?“

„Ähm, vergessen Sie es! Was man dagegen nicht vergessen darf ist, warum der Horst sich so benimmt, dass nur noch 28 Prozent der Wähler ihn für eine gute Besetzung halten. Im Übrigen 61 Prozent der AfD-Wähler, was mir persönlich sehr intensiv zu Denken gäbe. Jedenfalls, der Horst benimmt sich ja nur so, weil er die Felle der absoluten Mehrheit in Bayern wegschwimmen sieht. Die neuesten Umfragewerte sehen die CSU nur noch bei 35 Prozent. „NUR“ NOCH! Jede andere Partei in jedem anderen Bundesland der Welt würde diese Zahl feiern, bis der Arzt kommt. Nur in Bayern reicht so etwas nicht …“

„Nun ja, Stoiber hatte 2003 noch 60 Prozent …“

„Und schon DAS habe ich seinerzeit nicht verstanden! Aber Herrgott nochmal …“

„Herr wer?

„SCHNAUZE, LÜBKE! Ich meinte: Man tut in Bayern so, als wäre es der Untergang des christlichen Abendlandes, wenn die CSU mal nicht die absolute Mehrheit hat. Ja, meine Fresse, dann muss man wohl mal eine Koalition bilden. Aber das kennt man dort ja kaum noch – vom Kabinett Seehofer I zusammen mit der FDP mal abgesehen. Muss eine fürchterliche Zeit gewesen sein …

Lübke gähnt.

„Können wir uns nicht mal mit anderen Leuten als nur Seehofer und Maaßen beschäftigen? Das finde ich auf Dauer ermüdend.“

„Klar, beschäftigen wir uns von mir aus mit der Autoindustrie! Auch die sind ein prächtiges Beispiel dafür, dass man den größten maximal möglichen Scheiß mit den Leuten abziehen kann, ohne dass es Konsequenzen hat. Seit drei Jahren geht dieser Diesel-Kasperkram! Und jetzt hat man sich seitens der Politik zu einer Lösung durchgerungen, ohne dass im Einzelnen klar ist, wie diese nun aussieht und die Hersteller sagen: „Schön, dass ihr eine Lösung gefunden habt. Schade nur für euch, dass uns das scheißegal ist!“

Was lernen wir also nun aus alldem?

Wir lernen, dass man zwar als Pfleger, der 15 Jahre in einer Klinik tätig war, seinen Job verlieren kann, wenn man vermeintliche Klinik-Brötchen ist. Wir lernen, dass man zwar als Kapitän eines Seenotretters in Malta vor Gericht landen kann, weil das Schiff angeblich unter falscher Flagge unterwegs ist – pfff, Malta – so eine Art Seehofer der EU-Staaten …

Wir lernen aber auch, dass man sich dagegen in Deutschland beschissen benehmen, schwere Fehler im Job machen oder allgemein bescheißen kann, wenn man nur als Person oder Unternehmen wichtig genug ist, ohne folgenschwere Konsequenzen befürchten zu müssen.

Und da das so ist, Lübke, gehe ich jetzt meine Sekretärin begrapschen. Wegtreten!“

 

2.) Wenn Du Dich in 3 Worten beschreiben solltest, welche wären das?

Eigentlich ganz okay.

 

3.) Was hat Dich heute zum Lächeln gebracht?

Hm, erschreckenderweise noch so ziemlich genau gar nichts. Heute ist irgendwie kein heiterer Tag. Aber es ist ja auch noch nicht mal Mittag.

 

4.) Die Wahl der Qual: Eine Woche lang nicht sprechen können oder eine Woche lang nicht hören können?

Eine Woche lang nicht sprechen können, wäre die Hölle! Ich könnte ja nicht mal Menschen in ihrem Redefluss unterbrechen! Nein, das wäre nichts für mich. Eine Woche nicht hören können, stelle ich mir ebenfalls extrem unangenehm vor, allerdings doch vergleichsweise erträglich, vor allem, wenn ich von Anfang an wüsste, dass es nur für eine Woche sein wird.

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, das war es auch schon wieder.

Ich wünsche allseits noch einen schönen Restdonnerstag und einen entspannten Brückentag für die, die einen solchen haben.

Gehabt euch wohl!

9 Kommentare zu „Freitagsfragen #62 am Donnerstag

  1. Ja, das mit dem Blog ist so eine Sache … mir fällt es ähnlich schwer, vor allem, weil ich derzeit irgedwie fremdbestimmt unterwegs bin … ich habe das Gefühl hinterherzuhinken, ich schaff das alles nicht mehr und dadurch habe ich keine Lust und Einfälle schon gleich garnicht … ein Teufelskreis. Aber jetzt muss ich mich wieder um meine Kalender kümmern, die immer noch nicht fertig sind … ach, der Tag könnte ruhig 48 Stunden haben und die Woche 14 Tage lang sein. Ich fürchte aber, dass das irgendwann auch voll wäre. … der Weltschmerz über die politischen Entscheidungen … Maaßen wird doch nicht rausgeschmissen und bekommt später mal eine fette Pension, die von der Leyen hat sich mit dem Bundeswehreinsatz im Moor auch nicht gerade beliebt gemacht, aber nachträglich ordentlich in Szene gesetzt, was mich entsetzt und Seehofer war schon in den 1990er Jahren ein Auslaufmodell … alles in der Gesundheitsreform gegen die Bevölkerung entschieden (mit Blühm: „Die Renten sind sicher“) und über das Debakel im Hambacher Forst will ich gar nicht erst sprechen/schreiben … das ist alles nicht mehr meine Welt, weil es von einer anderen ist, aber sicher nicht von meiner ruhigen, beschaulichen und friedlichen.

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    1. Das Moor! Ich habe den Beschuss des knochentrockenen Moores vergessen! Ärgerlich … ;-)

      Solche Phasen, in denen man nicht so genau weiß, wo einem der Kopf steht, und man keine Ahnung hat, wie man eigentlich alles so auf die Reihe kriegen soll, kenne ich natürlich auch zu Genüge. Mein Blog ist dann meistens das Erste, was weggestrichen wird. Da trenne ich dann das Existenzielle vom reinen Vergnügen. Mittelfristig funktioniert das meistens und dann kehren auch die Einfälle zurück.

      Was den Weltschmerz über die politischen Entscheidungen angeht, so muss ich den wohl gelegentlich äußern. Erst wenn ich das nicht mehr tue, wäre Grund zur Besorgnis, würde es dann doch darauf hindeuten, dass es mir egal wäre.

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  2. Ich hoffe mal, dass ich dieses „einmal noch“ zu Beginn irgendwie falsch verstehe. Bestimmt meintest du das nur auf heute bezogen ….. Ansonsten hatte ich schon Entzugserscheinungen, wollte dich aber auch nicht unter Druck setzen oder so, deshalb verzichtete ich auch auf Nachfragen meinerseits, wo denn nun und überhaupt……
    Ansonsten überlege ich jetzt gerade verzweifelt, wie ich dich nun zum lächeln bringen könnte, aber Witze erzählen (oder schreiben) kann ich nicht – das habe ich leider von meinem Vater geerbt, der immer erst die Pointe erzählt, dann seine Frau fragend anschaut und von ihr wissen möchte, wie der Witz denn nun überhaupt ginge und so …..
    Und da mir ansonsten eigentlich auch nicht zum Lachen ist, da ich gleich zu einem Vorgespräch ins KH muss (aber nichts wirklich schlimmes), morgen schon wieder zum Zahnarzt darf und immer noch die Maler im Haus habe (dieser Dreck ….) lasse ich es jetzt und wünsche dir einfach einen wunderschönen Tag. Und weißt du was: Morgen ist schon Wochenende :-)

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    1. Nein, nein, das hat Du nicht falsch verstanden. Irgendwann hat sich das Pferd mal totgeritten. ;-) Und, zugegeben, es fällt mir zunehmend schwer, etwas zum Setting Passendes zu schreiben. Aber schön, dass die Abwesenheit meiner Freitagsfragen aufgefallen ist. Mein Ego kann das gebrauchen. :-)

      Ich wünsche Dir ein möglichst ereignisloses Vorgespräch und allgemein alles Gute in diesem Zusammenhang. Auch was den Zahnarztbesuch angeht.

      Den Job der Maler hättest Du nicht selbst übernehmen können? ;-)

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      1. Da ich weiss, dass ich immer wieder erheiterndes von dir zu lesen bekomme, lasse ich Teil 1 mal weitestgehend unkommentiert 😉😎
        Danke für deine Wünsche – ereignislos wird es wohl nicht, da ich ja weiss, dass ich mich einem Eingriff unterziehen muss. Doof und überflüssig, aber is halt so….
        Da die Versicherung den Maler bezahlt – man erinnere sich: Rohrbruch – werde ich den Job bestimmt nicht übernehmen. Vor allem hasse ich tapezieren 😎

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