„Das Erbe der Sterne“ von James P. Hogan – Oldschool mit Hindernissen

Buch: „Das Erbe der Sterne“

Autor: James P. Hogan

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 346 Seiten

Der Autor: James P. Hogan (1941-2010) wuchs im Londoner Westen auf. Sein erster Roman Das Erbe der Sterne erschien 1977. Sein wissenschaftlich-technisch orientierter Schreibstil fand großen Anklang, sodass Hogan mehrere Nachfolgeromane schrieb. Er wurde oft mit seinem Landsmann Arthur C. Clarke verglichen. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Frau Jackie, mit der er in dritter Ehe verheiratet war, in Florida und Irland. (Qelle: Heyne)

Das Buch: In einer felsigen Höhle auf dem Mond wird eine Leiche in einem roten Raumanzug entdeckt. Niemand weiß, wer der Mann ist. Niemand weiß, woher er kam. Niemand weiß, wer oder was ihn umgebracht haben könnte. Als Wissenschaftler die Leiche daraufhin genauer untersuchen, stellen sie fest, dass der verblichene Raumfahrer 50.000 Jahre alt ist. Er wurde also zu einer Zeit geboren, als es weder die Raumfahrt noch größere menschliche Aktivitäten auf der Erde gab. Es ist das größte Rätsel in der Geschichte des Universums… (Quelle: Heyne)

Fazit: „Das Erbe der Sterne ist ein abolutes Meisterwerk“ urteilte der große Isaac Asimov über James P. Hogans Erstlingsroman. Und wer wäre ich, der legendären Koryphäe der Science-Fiction zu widersprechen? Zumal er recht hat: „Das Erbe der Sterne“ ist tatsächlich ein kleines Meisterwerk, wenn auch – aus Sicht heutiger Lesegenerationen – mit Ecken und Kanten.

Und selbige beginnen bereits bei den Charakteren. Hogan hat nur eine recht überschaubare Anzahl an Protagonisten beisammen, wirklich viel Tiefe verleiht er ihnen aber nicht. Mich persönlich störte das weniger, eben weil der Autor den Fokus seines Romans erkennbar auf andere Dinge legte, und dann geht einem eben auf gerade mal 346 Seiten schnell der Platz aus für tiefschürfende Charakterstudien. Das mag man bemängeln, für mich fiel das nicht weiter ins Gewicht, zumal seine Figuren auch ohne detaillierten Hintergrund und Schilderung ihres Innen- und Seelenlebens jederzeit nachvollziehbar bleiben.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich – und ich gebe zu, dass ich das nur tue, damit sich nachher wieder keiner beschwert ;-) -, dass die heutige Leserschaft ein wenig über das in „Das Erbe der Sterne“ geschilderte Frauenbild stolpern könnte. Frauen spielen in Hogans Roman schlichtweg keine Rolle, die Anzahl weiblicher Sprechrollen beträgt – sofern ich mich nicht verzählt habe – ziemlich genau eine. Und diese Figur hat dann auch noch die eher klischeebehaftete Rolle einer Sekretärin inne, die zwar an einigen Stellen recht helle dargestellt wird, ansonsten aber eher die Funktion zu haben scheint, andere daran zu erinnern, dass es Zeit für das Mittagessen ist und die zwischendurch abfällig „Schätzchen“ genannt wird. Nun, das kann man natürlich kritisieren, allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang das Erscheinungsjahr des Romans ins Gedächtnis rufen: „Das Erbe der Sterne“ erschien erstmals 1977 – und da ging so was offensichtlich noch durch …

Das zweite Problem – ein für mich schon größeres – betrifft Hogans Stil in der ersten Hälfte des Romans. Dort verliert sich der Autor immer häufiger in technischen Schilderungen, zeilenweise in der Beschreibung und Erklärung bestimmter Legierungen und Ähnlichem – sogar Frank Schätzing würde sich gelangweilt abwenden. Das unterbricht den Lesefluss immer wieder auf unangenehme Weise, weil das für einen technisch (maximal) semi-interessierten Leser wie mich einfach keine Relevanz hat und man irgendwann versucht ist, vorzublättern, um die Stelle zu finden, an der die eigentliche Geschichte weitergeht.

Diese technische Detailverliebtheit gibt sich in der zweiten Hälfte des Romans allerdings spürbar und damit zieht auch das Lesetempo und – vor allem – die Geschichte wieder an.

Und gerade diese Geschichte hat es wirklich in sich. Ich gebe ja zu, dass ich zu den Menschen gehöre, die Science-Fiction lieber in visueller Form, sprich in Form von Filmen genießen. Mein Erfahrungshorizont an Science-Fiction-Literatur ist also ein ausgesprochen überschaubarer. Aber von diesem hebt sich „Das Erbe der Sterne“ äußerst wohltuend ab. Insbesondere, weil es ganz anders ist als aktuelles Pew-Pew-Raumschlachten-Gedöns. Und anders als sämtliche mehr oder weniger bekannten Space Operas ohnehin, wobei die durchaus ihre Berechtigung haben, als aktuelles Beispiel sei hier Kai Meyer genannt.

Hogan dagegen erzählt eine weitgehend actionfreie und nichtsdestotrotz – oder vielleicht gerade deswegen – umso interessantere, spannendere Geschichte. Eine Geschichte, auf die man sich aber einlassen muss, die man aufmerksam lesen sollte – von Technikgedöns der ersten Hälfte mal abgesehen. Wer das tut, der wird mit einer wendungsreichen Story belohnt, bei der man immer wieder kurz Pause macht, um nachzudenken. Und nachdenken kann nie schaden, habe ich mir sagen lassen. Eine Geschichte, die eigentlich nach einer Fortsetzung verlangt. Glücklicherweise hat Hogan seinerzeit auch mehrere davon geschrieben. „Die Riesen von Ganymed“ wird sich sehr bald in meinem Besitz befinden. Ich werde berichten …

Wertung:

Handlung: 10 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Drone“ von Bart-Jan Kazemeier.

9 Kommentare zu „„Das Erbe der Sterne“ von James P. Hogan – Oldschool mit Hindernissen

  1. Ich glaube, ich lese die letzten Seiten in einer Buchhandlung kurz drüber, bis ich die Stelle habe und dann kann es auch genau dort bleiben. :) Geld und Zeit gespart, für ein Thema, dass mich bis auf die Herkunft des rotgewandeten Typen überhaupt nicht interessiert.

    Gebe aber an dieser Stelle mal eine Vermisstenmeldung raus: Wo zur Hölle war Mr. Lübke als es um die Beantwortung der letzten Freitagsfragen ging? Ich hatte keine Pausenlektüre!!!! „maul“

    Gefällt 1 Person

    1. Das könntest Du tun, aber die letzten Seiten dürften dabei kaum ausreichend helfen. Zur Klärung der Herkunft des rotgewandeten Typen ist leider die Lektüre des gesamten Buches notwendig. ;-)

      Und Mr. Lübke ist gerade eben aufgetaucht, um das Versäumnis von letztem Freitag nachzuholen. Aber schön, dass es aufgefallen ist, das vermittelt mir ein gutes Gefühl. ;-)

      Liken

    1. Mich auch, deswegen habe ich es gelesen. :-) Und, weil man mir es geschenkt hat. ;-) Glücklicherweise beschäftigt sich die Story auch fast ausschließlich mit der Frage, wo der Typi hergekommen ist.

      Gefällt 2 Personen

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