Freitagsfragen # 63

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

schon ist wieder Freitag, schon ist wieder Zeit für die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Fühlst Du Dich wohl mit Dir?

Na, nun mal nicht persönlich werden. ;-)

Sagen wir mal, es gibt Tage, an denen ich mich unheimlich wohl mit mir fühle, es gibt Tage, da reicht es mir, wenn sich andere Menschen wohl mit mir fühlen und es gibt Tage, da gehe ich mir tierisch auf den Sack. Und im gewogenen Durchschnitt ist die Ente tot – will sagen, die letztendliche Wahrheit liegt in einer Mischung dieser drei Zustände, mit leichter Tendenz zum Negativen.

Wobei ich sagen muss, dass ich es aufgegeben habe, darüber zu lamentieren, wenn ich mich mal nicht so wohl mit mir fühle. Dafür bin ich zu alt, letztlich muss man mit dem arbeiten, was man hat. Oder eben auch nicht hat. Und schließlich war es entweder Brad Pitt oder Angelina Jolie – eine/r von den beiden – der bzw. die sinngemäß mal gesagt haben soll: „Natürlich sind auch wir nicht jeden Tag glücklich. Das wäre ja pervers.“ Das zu wissen entspannt doch zutiefst. ;-) Auch wenn „glücklich sein“ nicht bedeutungsidentisch mit „sich mit sich selbst wohl fühlen“ bedeutet.

Aber wer fühlt sich schon jeden Tag wohl mit sich? Gut, Pegidioten vielleicht. Oder Horst Seehofer.

Mit Sicherheit auch der Bundesrechnungshof.

Der hat heute früh doch tatsächlich verkündet, Zweifel am Vorschlag des Finanzministers Scholz zu haben, welcher vorsah, Länder und Kommunen in den Bereichen Bildung, sozialer Wohnungsbau und Nahverkehr stärker finanziell durch den Bund zu unterstützen. Der Bundesrechnungshof sagt nun, das stelle einen zu starken Eingriff in die „Kernkompetenz der Länder“ dar. Man müsse sicherstellen, dass die Kommunen ihr finanzielles Engagement angesichts der Zuschüsse nicht zurückfahren.

Das muss man sich mal vorstellen! „Tut mir leid, Frau X, aber eine freie Sozialbauwohnung haben wir nicht mehr. Mit Unterstützung des Bundes hätten wir ja welche bauen können, aber das Grundgesetz sagt, wir dürfen die nicht annehmen. Sieht also so aus, als müssten Sie weiter auf der Straße leben …“

Das ist der selbe Bundesrechnungshof, der im April 2018 angemahnt hat, dass Flüchtlingsunterkünfte – die der Bund zuvor kostenfrei den Ländern überlassen hat, übergangsweise – nur noch zu knapp 40 % belegt seien und die Länder nunmehr zunehmend eigene Immobilien nutzen sollten. Und außerdem sollten die Kommunen  jetzt auch bitte mal für die überlassenen Unterkünfte Miete zahlen, dem Bund entgingen so wichtige Einnahmen.

Irgendwie scheint der Bundesrechnungshof nicht so unbedingt ein Freund von Kommunen zu sein – auch, wenn das in der Natur der Sache liegt. Oder ein Freund von Menschen an sich. Im Bereich der Flüchtlingsunterbringung Verschwendung anzumahnen, ist schon grenzwertig widerlich.

Ganz ähnlich hat, wenn ich mich recht erinnere, der Bundesrechnungshof schon vor einigen Jahren argumentiert, als nach den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und im Kosovo die Flüchtlingszahlen wieder abgesunken waren. Reihenweise wurden Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge geschlossen, weil sie den Bund ja Geld kosten – wahrscheinlich ungefähr so viel wie der BER den Bund an einem üblichen Dienstagnachmittag kostet. Und dann rieb man sich im Jahr 2015 plötzlich verwundert die Augen …

Hach, ich rege mich schon wieder auf!

Und habe mich bemerkenswert weit von der Fragestellung entfernt …

2.) Was wäre ein ehrlicher Werbe-Slogan für ein Produkt Deiner Wahl?

Werbung – noch so ein Reizthema für mich. Wann immer ich semi-talentierte Schauspieler – sagen wir besser Darsteller – sehe, die mir „Wir-kaufen-dein-Auto.de“ entgegenbrüllen, möchte ich den Fernseher einschlagen und die Internetseite dieser Firma auf alle Zeiten hacken und unbrauchbar machen!

Oder Kosmetik! Mal ganz ehrlich, liebe Frauen, ihr seid ja die primäre Zielgruppe: Wisst ihr, was diese ganzen Anglizismen in der Kosmetikwerbung bedeuten? Was ein ProCGen-Komplex ist? Oder Antioxidantien? Verhindern die, dass man rostet? Baking, so habe ich gerade gelernt, ist eine Schminktechnik, um den Concealer zu setten. Aha – das Einzige, was ich davon verstanden habe, ist Concealer …

Oder Lebensmittel! – Nein, das würde jetzt zu weit führen, da ich glaube, dass die Menschen in kaum einem Bereich so beschissen werden, wie bei Lebensmitteln. Was eigentlich sehr traurig ist, wenn man mal genauer darüber nachdenkt …

Oder zielgruppenbasierte Werbung. Gönnt Euch mal den Spaß, im öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramm eine Werbepause anzusehen. Da kann nur der Verdacht aufkommen, das Erste und das ZDF halten ihre Zuschauer für schwer krank – mindestens fünf von sechs Werbespots kommen aus dem Bereich der Pharmaindustrie.

Ich hatte ja auch mal eine ganz kurze Phase, in der ich darüber nachgedacht habe, im Bereich Werbung tätig zu werden. Letztendlich überzeugt man dort aber nur Menschen davon, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, von Geld, das sie nicht haben, um damit Menschen zu beeindrucken, die sie nicht mögen. Und das ist mindestens moralisch verwerflich.

Wenn die Werbung ehrlich wäre, würde sie beispielweise auch so etwas wie Geplante Obsoleszenz thematisieren.

Mein Werbespruch wäre daher zum Beispiel:

„Der neue Epson EcoTank ET 2710 – hält nicht ein Blatt länger als wir wollen!“

3.) Kannst Du Bäume, Vögel oder Pilze bestimmen?

Nun, ich kann einen Ahorn erfolgreich von einer Amsel und diese wiederum von einem Steinpilz unterscheiden. Aber ich gebe zu, dass ich in diesem Bereich – wie eigentlich in Allem, was die Naturwissenschaften betrifft – doch erhebliche Defizite aufweise. Bei Bäumen hätte ich noch eine gewisse Restchance, Vögel oder Pilze liegen außerhalb meines Kompetenzbereichs.

Ich versuche zum Beispiel herauszufinden, welches mistige gefiederte Drecksvieh das ist, das – vorzugsweise im Frühjahr bzw. Sommer – morgens um 4 Uhr im nachbarlichen Nussbaum sitzt und anfängt zu piepsen. Und zwar mit genau einem Ton! Immer und immer wieder. Nicht zwischendurch mal einen Halbton höher oder tiefer. Nicht mal einen Viertelton. Nein, immer der selbe! Ich habe da die Rotkehlchen in Verdacht, möchte aber keinen Vogel erschießen, bevor ich mir nicht sicher bin.

Letzteres war ein Spaß, stellt die Fackeln und Forken wieder weg.

4.) Die Wahl der Qual: Unberechtigt für einen Diebstahl festgenommen werden oder selber bestohlen werden?

Ich finde beides nicht erstrebenswert. Außerdem ist das wieder eine typische „Das kommt darauf an“-Frage. Was wurde mir denn gestohlen? Ein Zehner an der Kinokasse? Damit kann ich leben. Oder war jemand in meiner Abwesenheit in meinen vier Wänden? Dann gehe ich lieber in den Knast.

Na, schweren Herzens entscheide ich mich für die Festnahme. Ich habe tatsächlich ein gewisses Vertrauen in unseren Rechtsstaat – das scheint ja immer seltener der Fall zu sein – und bin mir sicher, das würde sich schnell aufklären lassen.

 

Das war es auch schon wieder, liebe Leserinnen und Leser,

ich verabschiede mich in mein restliches Tagwerk, wünsche allseits einen schönen Restfreitag – den ich persönlich vor allem damit verbringen werde, auf die fürchterliche Flickwerk-Vergabe der Fußballübertragungsrechte zu schimpfen – und anschließend ein möglichst schönes Wochenende.

Gehabt Euch wohl!

 

34 Kommentare zu „Freitagsfragen # 63

    1. Das mag sein, aber ich halte meinen ab Werk verbauten Radar zur Erkennung von Manipulationsversuchen eigentlich für absolut aureichend. Und ich würde in der Werbebranche innerhalb kürzester Zeit entweder schwersten Alkoholismus oder massivste Magenprobleme entwickeln. Oder beides. :-)

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  1. Ich bin äußerst beeindruckt, dass du – im Gegensatz zu mir – weißt, was ein Concealer (schreibt man was, so? Ich hab jetzt grad keine Lust, den Text nochmal durchzuscrollen) ist.
    Die anderen erwähnten Kosmetik Fachbegriffe sind mir allerdings ebensowenig wenig bekannten 😉
    Ich benutze aber auch nur „herkömmliches“ Shampoo 😂
    Schönes Wochenende 😊

    Gefällt 1 Person

    1. Ich gebe zu, ich war selbst erstaunt, aber es kommt halt mal vor, dass mir Dinge geläufig sind, bei denen ich mich selbst frage: „Warum in aller Welt weiß ich so was?“ :-)

      Dir auch ein schönes Wochenende.

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  2. Ich habe auch eine Freitagsfrage: Das Rotkehlchen oder was auch immer das für ein Viech ist oder meinen Dauertinnitus?

    Letzterer übertönt das Viech garantiert, weil er ALLES übertönt (ich muss auch einen visuellen Wecker nutzen), reißt dich garantiert schon früher als vier aus dem Schlaf (es gibt Menschen, die nicht planmäßig eh um vier aufstehen? *wunder, kopfkratz*), wenn du überhaupt irgendwann pennen konntest. Außerdem ist er nicht abstell- oder heilbar.

    Ich rate dir also zu dem Viech. Du kannst ihm auch gerne erklären wo ungefähr Düsseldorf liegt, ich bin die mit dem großen Baum vor dem Balkon. Hier kann das Viech lärmen wie es will, hört eh keine/r (Tinnitus! Das Kind!).

    Gefällt 2 Personen

      1. Dann schick uns den Vogel und nimm dafür die Nachbarn, die immer irgendein Programm/Serie gucken mittags um zwölf, die man bis hierhin mitbekommt. Mangels Richtungshören allerseits wissen wir nicht um welche Nachbarn es sich handelt, können es als nicht mal ansprechen. Der Musik nach ist das irgendwas aus Richtung Fantasy/Sci-Fi. Auf jeden Fall nervt es. Es gibt Menschen, die mittags eine halbe Stunde an Maschinen angeschlossen werden, die wollen dabei ihre Ruhe haben.

        Gefällt 2 Personen

    1. Gut zu wissen, dann lade ich schon mal die Wumme durch. ;-)

      Und hey, keine Ursache, das zu wissen hebt meine Stimmung nun wieder deutlich. Kopf hoch, der Tag geht auch vorbei.

      Oder wie ein Freund von mir sagen würde: Keep going! :-)

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