Prangenten e.V. prangert an: Bier aus Kapseln!

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wer in den letzten Tagen aufmerksam das verfolgt hat, was das Privatfernsehen fälschlicherweise für Nachrichtensendungen hält, dem mag es bereits aufgefallen sein: Der südkoreanische Konzern LG plant, noch in diesem Jahr eine sogenannte „HomeBrew“-Maschine zum heimischen Bierbrauen auf den Markt zu bringen. Kapselbasiert. Bier aus Kapseln also!

Hält man sich an das Reinheitsgebot, so beschränkt man sich bei der Bierherstellung in erster Linie auf Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Von „Aroma-Hopfenöl“, wie in den Kapseln enthalten, steht da nix. Und von Alu-Einwegkapseln erst recht nichts. Möchte ich Alu in Lebensmitteln, dann esse ich Fisch!

Jetzt kann man das Deutsche Reinheitsgebot ja durchaus kritisch sehen, und nicht jedes sogenannte „Craft Beer“ ist per se schlecht, nur weil es sich nicht daran hält, aber dennoch vermittelt einem so etwas wie ein Reinheitsgebot doch eine gewisse, wenn auch trügerische, Sicherheit. Denn sind wir mal ehrlich: Nirgendwo wird so viel beschissen, wie im Bereich Lebensmittel, was eine extremst traurige Entwicklung ist, wenn man mal genauer darüber nachdenkt. Wer im Supermarkt seines Vertrauens ein x-beliebiges verarbeitetes Lebensmittel aus dem Regal nimmt, um die Zutatenliste zu lesen, braucht entweder ein abgeschlossenes Ökotrophologie-Studium oder eine gesunde Mischung aus Ignoranz und Indifferenz („Was da drin ist? Weiß ich nicht, ist mir auch egal.“).

Wie viel schöner ist es doch, sich da bei nach dem Reinheitsgebot gebrauten Bier auf der vermeintlich sicheren Seite zu wissen. Wobei: Genaugenommen bescheißen die großen Bierproduzenten dieser Welt bei der Bierherstellung auch. So fügen die meisten Großbrauereien dem Bier das putzige Kunststoffgranulat Polyvinylpolypyrrolidon (Gesundheit!) hinzu. Dieses Plastikzeug sorgt dafür, dass das Bier klar bleibt und man es anderthalb Jahre verscheuern kann. Würde man darauf verzichten, würde das Bier nach etwa drei Monaten trübe. Na, und das kann doch wirklich, wirklich keiner wollen. Segenswerterweise wird das PVPP natürlich auch wieder herausgefiltert. Also, bis auf „technisch unvermeidbare Rückstände“, die bleiben drin. In der Zutatenliste wiederfinden muss sich das Zeug aber wegen der Herausfilterung nicht. Schöne, neue Bier-Welt. Wenn ich Plastik in Lebensmitteln möchte, dann esse ich Fisch!

Von den Inhaltsstoffen abgesehen, bliebe bei LGs „HomeBrew“ aber ja immer noch die Alu-Geschichte. Ich begreife schon den Erfolg von Kaffeevollautomaten aus ökologischer Sicht nicht. Damit möchte ich natürlich niemandem seinen Kapsel-Kaffee madig machen. Wobei: Im Grunde meines Herzens möchte ich das doch! Es wird mir wohl nur nicht gelingen. Aber: Reichen 5.000 Tonnen Abfall aus Alu-Kapseln bereits im Jahr 2015 nicht? Müssen da jetzt noch x Tonnen aus der heimischen Bierherstellung dazukommen? Hach, die Archäologie der fernen Zukunft wird vermutlich ganz neue Wege gehen: Weltweit werden die Archäologen der Zukunft sich auf die Suche nach vergessenen Müllkippen machen, auf der Jagd nach dort unsachgemäß entsorgtem Aluminium. Oder Fisch.

Ein weiterer Punkt betrifft die Menge des produzierten Bieres. HomeBrew braucht zwei Wochen für „bis zu“ fünf Litern Bier. Den passionierten Biertrinker erkennt man also daran, dass er mindestens zwei von diesen Geräten zu Hause hat, damit der Nachschub nicht ausgeht. Den alkoholkranken Konsumenten daran, dass er vierzehn Exemplare besitzt, von denen er jeden Tag eines einschaltet. Wenigstens muss er dann aber nicht mehr jeden Tag zum Aldi, um sich mit Sechserträgern zu versorgen …

Nun muss man fairerweise zugeben, dass sich nicht jeder angesichts der HomeBrew-Maschine so schütteln muss, wie ich das tue. Die von mir ansonsten recht selten frequentierte Seite „ekitchen“ bezeichnet das Gerät sogar als „Ein Traum für alle Biertrinker“, denn „diese Maschine brüht das Kaltgetränk auf Knopfdruck“. Aha, sie brüht. Klingt widerlich. Ich persönlich mag eher Bier, das gebraut, statt gebrüht wurde …

Ach, lassen wir das.

 

17 Kommentare zu „Prangenten e.V. prangert an: Bier aus Kapseln!

  1. Da lobe ich mir doch unseren hessischen Apfelwein. Den kann man kalt und heiß trinken. Wenn man will kann man sogar Gelee daraus kochen. Er hat weniger Kalorien als Bier und kann die gleichen Kopfschmerzen verursachen. Wenn sich die Darmflora daran gewohnt hat, sinkt die Gefahr in die Hose zu scheissen erheblich. Ein wunderbares Getränk. Am Ende auch in Kapselform? Darüber muss ich mal ernsthaft nachdenken. ;)

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    1. Banause! Weintrinker! ;-)

      Bevor ich hier Affiliate Links für so einen Unfug einfüge, findet man an dieser Stelle eher welche für das Merchandise des FC Bayern München! :-)

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  2. Ich meine gelesen zu haben, dass die Markteinführung in Deutschland wohl noch nicht feststehen würde. Hat wahrscheinlich auch seinen Grund. Denn im Reinheitsgebot steht auch nichts von Aromaöl drinne, soweit ich mich erinnern kann. So unmöglich ich das selber finde, wird das bestimmt trotzdem irgendwo seinen Markt finden. Steht zu befürchten…

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    1. Das Ding muss in der Tat das Ergebnis einer vollkommen bescheuerten Bieridee sein! Aber nachdem Amazon darüber nachdenkt, in Deutschland eine Mikrowelle mit Sprachsteuerung (finde den Fehler!) zu vertreiben, wundert mich eigentlich nichts mehr.

      Respekt übrigens für die Bier-BRAUsetabletten – ich hätte sehr lange gebraucht, bis mir der eingefallen wäre. ;-)

      Gefällt 1 Person

  3. Bier aus Kapseln?
    Wo liegt den dieses Kapseln?
    Kapseln an der Schlei? ;-)
    ________________________
    Nein, ohne Jux:
    es ist gerade mit solchen Lebensmitteln wie Brot oder Bier,
    für deren Qualität wir in Deutschland bekannt sind,
    so verantwortungslos umgegangen wird.
    Es liegt schlussendlich an jedem selbst, ob er diesen Unsinn mitmacht.
    Einfach nicht kaufen.
    Obwohl: ich gestehe, eine kleine Kaffeekapselmaschine zu besitzen,
    und diese hin und wieder für den schnellen Kaffee zwischendurch auch nutze.
    Insofern halte ich meinen moralischen Zeigefinger lieber bedeckt.
    ;-)

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    1. Stimmt, da sind wie immer die Verbraucher in der Verantwortung. Dass sie dieser allerdings gerecht werden, wage ich ebenso anzuzweifeln, wie die Aussagen von FDP-Lindner, den ich liebevoll „das Hemd“ nenne, der kürzlich sinngemäß gesagt hat, dass er darauf vertraue, dass deutsche Ingenieure darauf achten würden, immer das ressourcenschonendste Produkt zu konstruieren. Hat wohl lange keinen Drucker mehr gekauft, der Lindner. :-)

      Generell soll halt jeder tun, was er möchte, und wenn das die Benutzung einer Kaffeekapselmaschine ist, dann ist das eben so. Man muss sich dann nur der Tatsache bewusst sein, welche Folgen das eigene Tun hat.

      Gefällt 3 Personen

  4. Da bin so ganz Deiner Meinung Fraggle. Wir müssen leider schon soviel Mist essen, weil wir eben keine Selbstversorger sind, da braucht nun wirklich keiner Kapselbier. Wobei wie groß soll so eine Kapsel denn sein ? Ich würde dieses Zeug für Kaffee, Bier und was auch immer verbieten. Dem Mensch scheint sehr gelegen daran zu sein, die Welt und sich selbst zu zerstören. So blöd ist das „intelligenteste“ Wesen auf diesem eigentlich schönen Planeten. Die könnten ja auch warten bis die Sonne explodiert und eh alles weg ist.

    Gefällt 2 Personen

    1. Stimmt, das Zeug braucht kein Mensch! Die Kapseln sind wohl in etwa so groß, wie die für den Kaffee, auch wenn wesentlich weniger Menschen also so eine Maschine nutzen, als es Besitzer von Kaffeevollautomaten gibt, dürfte der zusätzliche Müllberg nennenswert sein. Aber hey, irgendwann, wenn die Menschheit vor dem Abgrund steht, wird man sagen: „Aber es war doch alles so schön einfach und unkompliziert!“ Man wird auch sagen: „Es hat halt so gut geschmeckt!, das wiederum wird sich aber nicht auf diese Kapsel-Plörre beziehen … :-)

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