„Die Königschroniken – Ein Reif von Silber & Gold“ – „Und kaum, dass es beginnt …“

Buch: „Die Königschroniken – Ein Reif von Silber & Gold“

Autor: Stephan M. Rother

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Taschenbuch, 382 Seiten

Merke: Es handelt sich um den dritten Teil einer Reihe, daher können Spuren von Spoilern enthalten sein, auch wenn ich diese zu vermeiden versuche!

Der Autor: Stephan M. Rother, 1968 in Wittingen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie. 1997 erfolgte seine Graduierung zum Magister Artium. Seit Mitte der Neunziger trat Rother als „Magister Rother – Deutschlands erster, bester und einziger Standup Historian“ auf den Bühnen Deutschlands auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich Rother auf das Schreiben verlegt, seither hat er zahlreiche Romane veröffentlicht, die häufig im Mittelalter spielen. Der Autor lebt, nach eigener Aussage, mit seiner Frau und fünf Katzen „am Rande des Wahnsinns und der Lüneburger Heide“.

Das Buch: Es ist dunkel geworden im Kaiserreich der Esche. Das Getreide will nicht mehr reifen, das Vieh bringt missgebildeten Nachwuchs zur Welt, und Bestien aus grauer Vorzeit suchen das Reich heim.

In den Provinzen wütet das Feuer der Rebellion. Als der Senschall aufbricht, um die Aufstände niederzuschlagen, bleibt die Esche in den Händen von Leyken zurück.

Sölva ist die letze Erbin Morwas und des großen Otta. Doch die Stämme von Ord zögern, einer Frau zu folgen. Vor allem der Jarl von Thal als mächtigster Mann der Tieflande erhebt Anspruch auf die Krone, während sein Sohn Bjorne sich auf die Seite Sölvas stellt.

Das Geschick der Welt liegt in den Händen zweier Frauen – einer aus dem Norden, einer aus dem Süden … (Quelle: Klappentext)

Fazit: Pünktlich zum Verkaufsstart des dritten Teils stand ich in der Buchhandlung meines Vertrauens, um seiner habhaft zu werden. Danach jedoch lag das Buch unerklärlicherweise eine ganze Weile herum, bevor ich es dann doch gelesen habe. Und wie das in solchen Fällen häufig ist, ärgere ich mich nun im Nachhinein. Nicht über das Buch, sondern viel mehr darüber, es nicht schon längst gelesen zu haben.

Schon der Einstieg in den dritten Teil der Königschroniken-Reihe ist Stephan M. Rother aus dreierlei Gründen gut gelungen. Zum Ersten, weil das erste Kapitel aus der Sicht meines Lieblingscharakters Pol erzählt wird, was zugebenermaßen ein eher subjektives Qualitätsmerkmal darstellt. Zum Zweiten, weil es auf unaufdringliche Weise einige Ereignisse der bisherigen Teile rekapituliert – eine Vorgehensweise, die sich auch in den aus Sicht der anderen Charaktere erzählten Kapiteln durch das ganze Buch zieht – , sodass man sich nie lange fragen muss, wer nun dieser Charakter wieder ist und was nun jener Person früher widerfahren ist.

Und zum Dritten, weil sich der Autor bereits hier mit dem beschäftigt, was die Königschroniken-Reihe für mich so lesenswert macht: mit Fragestellungen und Sachverhalten, die unsere reale Welt betreffen und über die reine Handlung des Dreiteilers hinausgehen.

So stellt sich Pol zu Beginn beispielsweise die Frage, ob es den Menschen wirklich schlechter ging, bevor man ihnen eine (neue) Religion brachte. In diesem Zusammenhang fiel mir ein Zitat ein, dass allgemein Desmond Tutu zugeschrieben wird: „Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land.“

Anschließend wendet sich der Autor leider von Pol ab, dessen Kapitel, meiner Meinung nach, durchaus ausführlicher hätten werden können. Gegen Ende.

Da wir schon bei Charakteren sind: Während ich die Charakterschilderung und -entwicklung im ersten, und mit Einschränkungen im zweiten, Teil noch kritisiert habe, hat sich diese Kritik weitestgehend in Wohlgefallen aufgelöst. Die Handlung wendet sich in erster Linie den beiden Protagonistinnen Sölva und Leyken zu. Und mit ihnen hat Rother durchaus starke Frauenfiguren geschaffen, die zu gefallen wissen. Und, sind wir mal ehrlich, starke Frauenfiguren sind immer noch nicht so wirklich gang und gäbe innerhalb des Fantasy-Genres. Wenigstens verzichtet man heute weitgehend auf Amazonen in semi-sinnvoller Kleidung wie Ketten-Bikinis und ähnlichem Unsinn …

Dabei schildert Rother die Geschehnisse in gewohnt gefälligen Stil. Auch der dritte Teil besticht durch seine bildhafte Sprache, die es mir ermöglicht hat, diesmal insbesondere die Szenen in der Rabenstadt sehr plastisch vor mir zu sehen. Darüber hinaus könnte ich mich hinsichtlich des Stils nur wiederholen, weswegen ich es mit diesen kurzen Einlassungen bewenden lasse.

Außerdem dürfte die Handlung ohnehin der wichtigste Gesichtspunkt für diesen Dreiteiler sein. Und auch diese überzeugt vollkommen, auch wenn ich anmerken muss, dass ein weiterer Teil – wie ursprünglich geplant – der Reihe durchaus gut getan hätte. Ich persönlich hatte gelegentlich das Gefühl, dass gewisse Aspekte der Handlung eigentlich ausführlicher hätten erzählt werden sollen – ich verweise hier nochmal auf den Handlungsstrang von Pol, nur, um das nochmal anzuprangern :-) -, die Seitenzahl dafür letztlich aber nicht ausreichte.

Letztlich lässt der Autor inhaltlich trotzdem wenig Wünsche offen und führt die Geschichte zu einem Ende, über das ich inhaltlich natürlich kein einziges Wort verliere, von dem ich mir aber noch nicht ganz sicher bin, ob ich es als Geniestreich oder als Frechheit empfinde. ;-) Momentan neige ich aber zu Ersterem.

Kurz: Wer mal wieder eine deutschsprachige Fantasy-Reihe lesen möchte, die sowohl in der Handlung als auch im Stil und den Charakteren Stärken besitzt, die einen nicht mit ihrem Umfang erschlägt und die durch ihren Handlungsrahmen sowie einige kreative Ideen überzeugt, die ich so noch nirgends gefunden habe, der kommt an der „Königschroniken“-Reihe meines Erachtens nicht vorbei.

Sollte der Autor irgendwann mal wieder einen literarischen Ausflug ins Kaiserreich der Esche unternehmen: Ich bin dabei!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „NSA“ von Andreas Eschbach.

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