„Die Pest“ von Albert Camus

Buch: „Die Pest“

Autor: Albert Camus

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Taschenbuch, 350 Seiten

Der Autor: Albert Camus wurde am 7. November 1913 in ärmlichen Verhältnissen als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Mondovi, Algerien, geboren. Von 1933 bis 1936 studierte er an der Universität Algier Philosophie. 1934 trat er der Kommunistischen Partei Algeriens bei und gründete im Jahr darauf das «Theater der Arbeit». 1937 brach er mit der KP. 1938 entstand sein erstes Drama «Caligula», das 1945 uraufgeführt wurde. Camus zog 1940 nach Paris. Neben seinen Dramen begründeten der Roman «Der Fremde» und der Essay «Der Mythos von Sisyphos» sein literarisches Ansehen.

1957 erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. Am 4. Januar 1960 starb er bei einem Autounfall. Das Gesamtwerk von Albert Camus liegt im Rowohlt Verlag vor. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: Die Stadt Oran wird von rätselhaften Ereignissen heimgesucht. Die Ratten kommen aus den Kanälen und verenden auf den Straßen. Kurze Zeit später sterben die ersten Menschen an einem heimtückischen Fieber: Die Pest wütet in der Stadt. Oran wird hermetisch abgeriegelt. Ein Entkommen ist nicht möglich. Albert Camus’ erfolgreichster Roman gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. In ihm seziert er hellsichtig das menschliche Handeln im Angesicht einer Katastrophe. (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Um Albert Camus‘ „Die Pest“ mitten während eines Pandemiegeschehens zu lesen, muss man vermutlich entweder Zyniker sein oder aber einen eher schrägen Humor besitzen. Auf den Verfasser dieser Zeilen trifft zwar beides mehr oder weniger zu, relevant ist aber weder das eine noch das andere. Denn dass ich dieses Buch gelesen habe, lag in erster Linie daran, dass ich unlängst von einer ganz zauberhaften Person anlassbedingt und auf eigenen Wunsch hin mit einer erhöhten Anzahl an Büchern aus der Rubrik „Klassiker“ beschenkt worden bin. Und so zierte nun ganz plötzlich neben beispielsweise Shakespeare, Dickens und Dostojewski auch Camus mein Bücherregal. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank dafür.

Der Einstieg in das Buch gelingt vergleichsweise einfach, der Autor nimmt sich ein paar kurze Seiten, um dem Leser seinen Handlungsrahmen, die Stadt Oran, näher zu bringen. Dort hinein platziert er dann seinen Protagonisten, den Arzt Rieux und stellt ihm in der Folge eine Handvoll Mitstreiter an die Seite, bei der ich mich der Einfachheit halber auf die für mich wichtigeren beschränke. Schon sehr bald wird Rieux mit der Tatsache konfrontiert, dass auf offener Straße die ersten Ratten verenden. Dieser Umstand lässt sich früher oder später auch nicht mehr wirklich ignorieren, denn die Ursache für den Tod der Ratten greift nun auch auf den Menschen über und es gibt schnell die ersten Todesopfer. In der Folge wird die gesamte Stadt Oran abgeriegelt, niemand kommt mehr hinein oder heraus. Und mittendrin befinden sich Doktor Rieux und seine Freunde, um so gut als irgend möglich zu helfen oder aber wenigstens zu überleben.

Faszinierend dabei ist, wie sich die Ereignisse in Camus´ Buch mit denen decken, die man im aktuellen Pandemiegeschehen so betrachten muss. Menschen lehnen sich gegen die Abriegelung der Stadt auf, es gibt Demonstrationen, Tumulte und Krawalle, die Bewohner suchen verzweifelt Schuldige, während die Klügeren eher lösungsorientiert denken und auch die sonstigen Auswirkungen auf die Menschen kommen mir bekannt vor, etwa wenn der Autor schreibt „Nichts ist nämlich weniger aufsehenerregend als eine Seuche und schon durch ihre Dauer sind große Unglücke eintönig. In der Erinnerung jener, die sie miterlebt haben, scheinen die schrecklichen Tage der Pest nicht als grandiose und grausame hohe Flamme, sondern eher als ein endloser Leerlauf, der alles zermalmte.“ (S.204).  Lediglich den verstärkten Zustrom hin zur Religion, den nehme ich in der Realität nicht wahr, was wohl heimischen Zeiten und Sitten geschuldet ist, anderswo aber vielleicht auch tatsächlich so stattfindet oder stattfinden würde.

Der Autor schrieb seinen Roman aber natürlich nicht nur dazu, seine Handlung zu präsentieren, sondern nutzt verschiedene Stellen auch, insbesondere über seine Charaktere, um der Leserschaft ein besseres Bild über ihn und wie er die Welt sah zu vermitteln. Beispielsweise wenn er, noch recht früh im Roman, über die modernen hektischen Zeit und die anscheinend immer beliebter werdende sinnentleerte Jagd nach dem schnöden Mammon schreibt: „Unsere Mitbürger arbeiten viel, aber immer nur, um reich zu werden. (…) „heute ist ja nichts normaler als Leute von morgens bis abends arbeiten gehen zu sehen. (…) Aber es gibt Städte und Länder, wo die Leute hin und wieder eine Ahnung von etwas anderem haben. Im Allgemeinen ändert das ihr Leben nicht. Doch die Ahnung war da, und das ist immerhin etwas.“ (S. 8/9) Ich mag diese Stelle sehr. :-)

Auch über seine Figuren gelingt ihm die Verbreitung seiner Weltsicht recht gut. So lässt sein Protagonist keine Gelegenheit aus, um seine Abscheu gegenüber der Religion und dem Glauben kundzutun, sodass ich mich wiederum – natürlich ohne es zu wissen – zu dem Glauben veranlasst sehe, dass Camus kein allzu religiöser Mensch gewesen sein dürfte …

Auch sein sonstiges, zahlenmäßig überschaubares Figurenensemble weiß zu überzeugen. Das gilt für den Journalisten Rambert, der zum Zeitpunkt der Abriegelung eigentlich mehr oder weniger zufällig in der Stadt weilt und nun nicht mehr davonkommt. Das gilt aber insbesondere für Grand, einen ehemaligen Patienten von Rieux, der seit Ewigkeiten in einer Arbeit als kleines Licht in der Stadtverwaltung verharrt und der mindestens ebenso beharrlich auf seinem Vorhaben beharrt, ein Buch zu schreiben. Das Kuriose daran: Grand kommt nie über den ersten Satz hinaus. Eben diesen ersten Satz möchte er in absoluter Perfektion herausarbeiten, weswegen schon unzählige Papierseiten mit noch viel unzähligeren Varianten seines Einstiegssatzes gefüllt sind. Ich verstehe ihn so gut, den Monsieur Grand.

Hintergründig lässt sich, da ist sich die Literaturwissenschaft einig, und auch Camus äußerte sich entsprechend, sein Roman als Abrechnung mit dem Krieg lesen und als Schilderung dessen, was Krieg mit den Menschen, ihrer Ethik und Moral macht. Nun bin ich kein Literaturwissenschaftler, jedenfalls kein zu Ende studierter, deswegen wäre mir das so jetzt nicht aufgefallen, aber rückblickend wirkt diese Deutung absolut schlüssig. Ich persönlich habe den Roman tatsächlich ohne Gedanken an Kriege gelesen, sondern als ein Buch, das sich thematisch mit der Frage beschäftigt, wie Menschen denn in Ausnahmesituationen so ticken und wie weit her es dann noch mit ihrer Rationalität ist. Und ausgehend von diesem Ansatz muss ich sagen, dass „Die Pest“ ein ziemlich beeindruckendes Leseerlebnis darstellte, das ich allen, an denen dieser Roman bislang vorbeimarschiert ist, wärmstens empfehlen kann.

Demnächst in diesem Blog: „Insel“ von Ragnar Jónasson

„Natchez Burning“ von Greg Iles

Buch: „Natchez Burning“

Autor: Greg Iles

Verlag: Aufbau-Verlag

Ausgabe: Taschenbuch, 1024 Seiten

Der Autor: Greg Iles wurde 1960 in Stuttgart geboren. Sein Vater leitete die medizinische Abteilung der US-Botschaft. Mit vier Jahren zog die Familie nach Natchez, Mississippi. Mit der »Frankly Scarlet Band«, bei der er Sänger und Gitarrist war, tourte er ein paar Jahre durch die USA. Mittlerweile erscheinen seine Bücher in 25 Ländern. Greg Iles lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Natchez, Mississippi. Fünf Jahre hat er kein Buch herausgebracht, da er einen schweren Unfall hatte, nun liegen im Aufbau Taschenbuch seine Thriller „Natchez Burning“, „Die Toten von Natchez vor“ und „Die Sünden von Natchez“ vor. (Quelle: Aufbau-Verlag)

Das Buch: Penn Cage, Bürgermeister von Natchez, Mississippi, hat eigentlich vor, endlich zu heiraten. Da kommt ein Konflikt wieder ans Tageslicht, der seine Stadt seit Jahrzehnten in Atem hält. In den sechziger Jahren hat eine Geheimorganisation von weißen, scheinbar ehrbaren Bürgern Schwarze ermordet oder aus der Stadt vertrieben. Nun ist mit Viola Turner, eine farbige Krankenschwester, die damals floh, zurückgekehrt – und stirbt wenig später. Die Polizei verhaftet ausgerechnet Penns Vater – er soll sie ermordet haben. Zusammen mit einem Journalisten macht Penn sich auf, das Rätsel dieses Mordes und vieler anderer zu lösen. (Quelle: Aufbau-Verlag)

Fazit: „Haha – niemals wieder wirst Du dieses Buch anfangen (…)“ war die Reaktion einer geschätzten Bloggerkollegin, nachdem ich seinerzeit verkündete, „Natchez Burning“ abgebrochen zu haben, durchaus aber die Möglichkeit in den Raum stellte, irgendwann, wenn ich mal ganz viel Zeit habe, einen zweiten Versuch zu unternehmen. Ebenso verkündete ich seinerzeit, dass ich zukünftig auch allgemein konsequent die Lektüre von Büchern abbrechen werde, wenn sie mir nicht gefallen. Ein Entschluss, den ich in der Folge dann doch nie in die Tat umsetzte. Ich lese halt Bücher zu Ende, was soll ich machen!? Wenn ich dereinst vor meiner Schöpferin stehe und Alanis mich fragt, was ich mit meiner Zeit angefangen habe, werde ich sagen müssen, dass ich unzählige Stunden darin investiert habe, Bücher zu Ende zu lesen, die ich nicht wirklich gut fand, und ob es das dann wert war, wird man sehen.

Aber zurück zur Ausgangsäußerung, mit der also angezweifelt wurde, dass ich jeeeemals wieder „Natchez Burning“ lesen würde. Nun ja, „Herausforderung angenommen!“, hätte Barney Stinson wohl gesagt, und so machte ich mich frohen Mutes erneut ans Werk. An dieses umfangreiche, sehr, sehr umfangreiche, viel  zu umfangreiche Werk …

Dabei waren die Gründe, die Lektüre seinerzeit abzubrechen, schon wirklich zahlreich. Dazu zählte in erster Linie die unheimlich redundante Erzählweise. Darüber schrieb ich in dem damaligen entsprechenden Beitrag:

„So erfährt der Leser im Prolog, was damals in den 60ern in Natchez passiert ist. Anschließend erzählt die damals beteiligte Person A der Person B, was damals in Natchez passiert ist, ergänzt um wenige Details. Der Leser weiß das aber ja bereits aus dem Prolog. Dann erzählt Person B dem Protagonisten Person C, was er im Gespräch mit Person A erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog und dem Gespräch zwischen Person A und Person B. Person C nun, man ahnt es bereits, erzählt zu Hause seiner bald Angetrauten, Person D, was er im Gespräch mit Person B erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog, dem Gespräch zwischen Person A und Person B sowie dem Gespräch zwischen Person B und Person C.“

Auch wenn diese redundante Erzählweise ihre Vorteile haben mag, sagte doch eine ganz zauberhafte Person hierzu sinngemäß, dass diese Art zu erzählen zumindest die Möglichkeit bietet, längere Lektürepausen zu machen, ohne etwas zu vergessen, weil einem die wesentlichen Handlungselemente ja zigmal vorgekaut würden – und das war auch tatsächlich so -, so muss man konstatieren, dass das im Grunde genommen aber wirklich einfach schlecht erzählt ist. Und das ist schade, denn einerseits hat das Buch dadurch einen Umfang bekommen, der die einen abschrecken und die anderen zur vorzeitigen Aufgabe animieren wird, und andererseits geht dadurch die eigentlich lesenswerte Geschichte etwas unter.

Nimmt man diese Redundanz nämlich weg, fällt auf, dass Greg Iles durchaus spannend erzählen kann. Und diese Feststellung beschränkt sich nicht nur auf die Geschichte, sondern insbesondere auch auf Dinge, die keine wesentlichen Handlungselemente sind, beispielsweise in Form einer immer wieder mal mehr, mal weniger subtil durchscheinenden Kritik am amerikanischen Justizsystem. Ich meine, mich sogar erinnern zu können, dass Iles an einer kurzen Stelle so nebenbei darauf hinweist, dass die Richter an hierarchisch untergeordneten Gerichten im Staat Mississippi noch nicht mal studierte Juristen sein müssen …

Auch bei der elementaren Handlung fällt auf, dass Iles durchaus komplexe, spannende Plots entwickeln kann, denn die Geschichte rund um die Morde an Schwarzen in den 60ern, die hat schon was. Nur leider hält der Autor seine Leserschaft offenbar für dusseliger als sie ist, sonst würde er seinen Plot ja nicht in wesentlichen Teilen dauernd wiederholen … – aber mittlerweile wiederhole ich mich auch, kommen wir also weg von der Geschichte und ihrer Redundanz und wenden uns den Charakteren zu.

Und da treffen wir auf strahlendes Licht, ebenso aber auch auf Schatten, die so dunkel sind wie Vantablack. Positiv zu erwähnen ist hier beispielsweise der Journalist Henry Sexton, der schon seit Jahrzehnten versucht, den Mördern aus den 60ern auf die Schliche zu kommen und der ein bisschen an Redford und Hoffman als Woodward und Bernstein erinnert.

Auf der genau gegenüberliegenden Seite gibt es da aber eben auch Tom Cage, Vater des Protagonisten, und Arzt in Natchez. Und ein begnadeter, so scheint es, vermutlich, weil in Mississippi wenigstens die Ärzte noch studierte Mediziner sein müssen, aber lassen wir das. Aber nicht nur das, Tom Cage scheint auch so eine Art lokaler Heiliger zu sein. Die Überidealisierung, die bei dieser Figur, insbesondere durch den Protagonisten Penn Cage, durchgeführt wird, die war schon schwer erträglich. Einen Konflikt der Hauptfigur zwischen seiner persönlichen Wahrnehmung des eigenen Vaters und dem möglichen Dreck, den besagter Vater seit den 60ern am Stecken haben könnte, hätte man auch gut – vermutlich sogar besser – darstellen können, wenn man aus dem erwähnten Vater nicht so eine Art Sankt Lukas, Schutzpatron der Kranken, gemacht hätte.

So wird über den später auf der Flucht befindlichen Tom Cage an einer Stelle sinngemäß gesagt, dass er an unzähligen Orten sein könne, weil sicherlich die Hälfte seiner Patienten – und damit viele hundert Leute – ihn aus Dankbarkeit bei sich aufnehmen würden … Jetzt stellen wir uns mal folgende Situation vor: Ihr sitzt zu Hause vor dem Fernseher und seht euch eine Diskussionsrunde auf arte an, da klingelt es an der Tür und dort steht euer Hausarzt und sagt: „Hallo! Sie wissen, wer ich bin? Ihr Hausarzt! Ich habe ihr/e (hier beliebiges Leiden einfügen) geheilt. Die Sache ist die: Ich bin auf der Flucht vor der Justiz. Dürfte ich eine Weile bei Ihnen bleiben?“ Ich wüsste ja, was ich täte, aber vermutlich sind die Menschen in Mississippi anders drauf …

Letztlich klingt das alles vielleicht deutlich negativer als es gemeint ist, denn hinter all den unnötigen Wiederholungen und den kitschig-überhöhten Idealistenfiguren verbirgt sich eben eine wirklich gute Geschichte von tragischer Aktualität. Ob es diese dann wert ist, sich durch über 1.100 Seiten zu arbeiten. muss jede/r für sich selbst wissen. Von mir gibt es dazu ein klares, definitives „Vielleicht!“ …

Demnächst in diesem Blog: „Die Pest“ von Albert Camus.

„Asymmetrie“ von Lisa Halliday

Buch: „Asymmetrie“

Autorin: Lisa Halliday

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch

Die Autorin: Lisa Halliday, aufgewachsen in Massachusetts, studierte in Harvard und lebt als freie Lektorin und Übersetzerin in Mailand. 2005 erschien ihre Kurzgeschichte „Stump Louie“ in der Paris Review. Für »Asymmetrie«, ihren ersten Roman, erhielt sie 2017 den Whiting Award for Fiction. (Quelle: Random House)

Das Buch: Sie ist fünfundzwanzig, er in den Siebzigern. Es beginnt auf einer Bank im Central Park. Hals über Kopf stürzt sich Alice in eine Lovestory mit dem berühmten Schriftsteller Ezra Blazer. Ein erotisches, tragikomisches Kammerspiel. Doch dann setzt eine ganz andere Erzählung ein: Amar, ein amerikanisch-irakischer Doktorand wird am Londoner Flughafen in Gewahrsam genommen und landet im Vakuum von Wartesälen und endlosen Verhören. Zwei so ungleiche Geschichten. Ein so kühner, provokanter Roman. (Quelle: Random House)

Fazit: In ihrem Debütroman verarbeitet Lisa Halliday literarisch ihre Liaison, die sie in ihren Zwanzigern mit dem deutlich älteren und skandalöserweise bis zu seinem Tod nicht mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Philip Roth führte. Und ich gebe zu, dass ich gewisse besorgte Vorbehalte gegen „Asymmetrie“ hatte, weil derartige Rückblicke in modernen Zeiten ja gerne mal zu einer Art über Twitter geführten Rachefeldzug gegen jemanden, der sich aufgrund des eigenen Ablebens nicht mehr wehren kann oder zu fragwürdigen Homestorys in ebenso fragwürdigen Mittags- und Vorabendformaten bei RTL verkommen. Aber für meine Vorbehalte, die augenscheinlich dadurch entstehen, dass ich irgendwie die falschen Medien konsumiere, kann Lisa Halliday nichts. Denn sie wählt einen anderen Weg. Einen behutsameren und literarisch ansprechenden Weg.

Sie teilt ihren Roman in drei Teile ein, in deren erstem wir die Protagonistin Mary-Alice kennenlernen, die in einer Literaturagentur arbeitet. Durch Zufall begegnet sie dem bekannten Schriftsteller Ezra Blazer, einer Art Dauernobelpreisanwärter. Und im Folgenden entspannt sich zwischen beiden eine hauchzarte Liebesgeschichte. Allerdings eine, die weder zum eingangs erwähnten Rundumschlag verkommt, noch eine, die eine total romantisierte, verklärte Version der Tatsachen darstellt. Stattdessen lässt Halliday ihre Protagonisten die Geschehnisse sehr reflektiert und realitätsgetreu schildern. Dass sich Mary-Alice Gedanken darüber macht, dass sie vielleicht Jahre ihres jungen Lebens an einen hinfälligen Greis verschwendet, wird dabei ebenso wenig verschwiegen, wie der Umgang mit Ezras körperlichen Malässen im späteren Bereich des Romans. Das alles hat, so unterstelle ich mal, eben nicht den Hintergrund, Philip Roth, um den es ja nun eigentlich geht, posthum bloßzustellen, sondern ganz klar zu machen, welche Schwierigkeiten eine solche Beziehung, bei aller sonstigen Freude darüber, sich überhaupt gefunden zu haben, mit sich bringt oder bringen kann.

Und wenn Ezra Blazer Mary-Alice Geld zusteckt, damit sie sich mal schön einkleiden kann oder ihr stapelweise Bücher in die Hand drückt, von denen er der Meinung ist, sie sollte sie mal gelesen haben, oder ihr gerade allgemein die Welt erklärt, dann könnte man denken, dass das etwas Gönnerhaftes hat, etwas von Gutsherrrenart, etwas in Richtung „Mansplaining“. Aber auch all das ist es meiner Meinung nach nicht, sondern es ist in erster Linie der Wunsch des Älteren, der jungen Frau einerseits etwas Gutes zu tun und sie andererseits an seiner Lebenserfahrung teilhaben zu lassen. Und daran ist erst meiner Meinung nach erst mal wenig auszusetzen.

Kaum hat man sich jedoch an die beiden und ihre sympathischen Turteleien gewöhnt, erzeugt Halliday einen gigantischen Bruch in ihrem Roman. Die Perspektive wechselt hin zu Amar Ala Jaafari, einem US-Amerikaner, dessen Eltern im Irak geboren und nach Amerika ausgewandert sind. Jaafari wird aus für ihn unklaren Gründen am Flughafen in London festgehalten, von wo aus er nach einem kurzen Aufenthalt eigentlich zu seiner Familie im Irak weiterfliegen möchte. Die zur Verfügung stehende Zeit nutzt Jafaari für ausgiebige Rückblicke auf seinen Lebensweg und den seiner Familie. Hierbei entwickelt sich dann nicht nur ein spannender Blick auf das Leben eines Einwanderers in zweiter Generation, der zwischen allen Stühlen sitzt, wie sein Erzählteil zwischen dem von Mary-Alice und Ezra und dem Abschlussteil, sondern auch auf den Irak, ein von Kriegen zerrüttetes Land in dem die Situation heute unsicherer ist als überhaupt irgendwann.

Dieser Bruch mag spannend sein, ist er zweifellos sogar, zumal er anschaulich die titelgebende Asymmetrie verdeutlicht, die ja nun nicht nur aufgrund des Altersunterschieds zwischen den Lebensrealitäten von Mary-Alice und Ezra besteht, sondern eben auch zwischen den beiden auf der einen Seite, die sich vornehmlich – von Ezras gesundheitlichen und somit durchaus existenziellen Problemen mal abgesehen – mit „first world problems“ beschäftigen, während auf der anderen Seite jemand sitzt, der anhand des Geburtslandes seiner Eltern und des Schicksals, das der im Irak verbliebene Teil der Familie erduldet, weiß, was wirkliche Probleme sind.

So richtig verziehen habe ich Halliday diesen Bruch aber dennoch nicht, und das aus ganz banalen Gründen: Ich wäre gerne weiter bei Mary-Alice und Ezra geblieben, hätte gerne weiter etwas über Literatur, Ezras Lesetipps, Buchauszüge aus diversen Werken der Weltliteratur, von Ahrendt über Camus und Joyce bis hin zu Mark Twain und über first world problems gelesen. Aber das ist ja nun mein eigenes first world problem.

Im abschließenden Teil kommt dann – und das finde ich wirklich klug und charmant gewählt – Ezra selbst im Rahmen eines Radiointerviews zu Wort, in dem er sozusagen einen Rückblick auf sein Leben führen soll.

Im Summe ergibt sich ein absolut runder Roman, der inhaltlich zwischen der Sinnsuche und Selbstfindung einer jungen Frau und den Problemen von Einwanderern in allen Ländern dieser Welt changiert und der es schafft, zwischen diesen Extremen in seiner Themenpalette nie den roten Faden zu verlieren. Ein überaus gelungener Debütroman.

Ich danke dem Bloggerportal und dem btb Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Demnächst in diesem Blog: „Natchez Burning“ von Greg Iles.

„Die Zeit der Ruhelosen“ von Karine Tuil

Buch: „Die Zeit der Ruhelosen“

Autorin: Karine Tuil

Verlag: Ullstein

Ausgabe: Taschenbuch, 505 Seiten

Die Autorin: Karine Tuil, geboren 1972, Juristin und Autorin mehrerer gefeierter Bücher, darunter der Roman „Die Gierigen“. Zuletzt erschien ihr vielbeachteter Roman „Die Zeit der Ruhelosen“, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Karine Tuil lebt mit ihrer Familie in Paris. (Quelle: Ullstein)

Das Buch: Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn – dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat. (Quelle: Ullstein)

Fazit; „Es ist für mich das Buch der Stunde.“, urteilt die von mir durchaus geschätzte Elke Heidenreich über diesen bereits 2018 in der deutschen Taschenbuch-Ausgabe erschienenen Roman. Nun mag man von solchen Autorinnen-Empfehlungen auf Buchrückseiten denken, was man mag, aber recht hat Frau Heidenreich damit trotzdem. Und heute sogar noch mehr als vor zwei Jahren.

Denn Karine Tuil beschäftigt sich in ihrem Roman unter anderem mit der Situation der französischen people of colour mit „afrikanischen Wurzeln“, wie es so schön heißt, mit den Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, wenn es um sozialen Aufstieg jeglicher Art geht und letztlich auch mit Rassismus sowie mit Antisemitismus.

Im Vordergrund der Handlung stehen in erster Linie vier Personen:

Osman Diboula, der sich während Ausschreitungen in der Banlieue als besonnener Vermittler zwischen Demonstranten und Politik hervorgetan hat und somit ins Blickfeld der Reichen und Mächtigen gekommen ist, was ihm letztlich sogar einen Job als Präsidentenberater verschafft.

Der Mobilfunk-Mogul François Vély, dem ein Fototermin zum Verhängnis wird. Vély ist Kunstliebhaber und als solcher im Besitz eines sogenannten „Black Woman Chair“ des Künstlers Bjarne Melgaard, auf dem er sich nichtsahnend ablichten lässt. (Den „Black Woman Chair“ kann man googeln und versteht dann vielleicht die Entüstung.) In der Folge prasselt ein veritabler, medialer Shitstorm ungekannten Ausmaßes über Vély herein, der sich plötzlich wegen seiner jüdischen Herkunft auch noch antisemitisch beleidigen lassen muss.

Die Journalistin Marion, die in ihrer Eigenschaft als zweite Ehefrau von Vély praktisch der Auslöser für die erster Ehefrau war, aus dem Fenster zu springen und die eine Affäre mit dem Soldaten Romain Roller anfängt.

Und eben dieser Romain Roller, nach einem Afghanistan-Einsatz kurzzeitig zum Kopf frei bekommen und Sau rauslassen in einer entsprechenden Freizeitanlage untergebracht, stellt den vierten der Hauptcharaktere dar.

Die Lebenswege dieser vier augenscheinlich so unterschiedlichen Menschen kreuzen sich auf verschiedene Art. Die Autorin springt in ihrer Erzählung beständig von Person zu Person, was dem Roman eine angenehme Dynamik verleiht und sie nutzt die Chance, über ihre Figuren die verschiedensten politischen und/oder gesellschaftlichen Ansichten zu äußern.

So ist und bleibt Vély, als Superreicher deutlich abgehoben von allen Normalsterblichen, der Meinung, dass Kunst Kunst bleiben müsse und er sich nichts vorzuwerfen habe. So sagt er in einem Anfall von „Man darf heute aber auch gar nichts mehr sagen!“ auf Seite 201: „Man kann heute offenbar nicht mehr mit den Codes von Rasse, Religion und Herkunft spielen, ohne gleich des Rassismus verdächtigt zu werden, man kann Sexualität und Erotik nicht mehr darstellen, ohne die Moral der Selbstgerechten auf den Plan zu rufen. Das ist intellektueller Totalitarismus!“

„Intellektueller Totalitarismus“ gefällt mir, den Begriff muss ich mir merken …

In die selbe Kerbe schlägt Osmans Mentorin Corsini, die sagt: „Ein Mann, der auf einem Kunstwerk sitzt – das mag ungeschickt sein, aber es handelt sich doch um Kunst, und Kunst ist von Natur aus provokativ und verstörend. (S.285)

Tuil lässt Nebenfiguren wie Aline, die an dieser Stelle nicht weiter interessieren soll, Dinge sagen wie: „Wir leben doch in einer Demokratie, oder nicht? Man kann ja wohl sagen, dass die Juden unangreifbar sind, deshalb ist man noch lange kein Antisemit.“ (S.230) und Osmans Frau, selbst mit „afrikanischen Wurzeln“ äußert sich zur Opferrolle: „Du siehst überall nur Herbwürdigung durch die Weißen. Vielleicht solltest du deinen Horizont mal etwas weiten. (…) Du hast dir eine Bemerkung anhören müssen, weil du scharz bist – ich höre den ganzen Tag sexistische Kommentaren und stelle mich trotzdem nicht als Opfer dar.“ (S.234)

Mittels dieser Textbeispiele soll verdeutlicht werden, dass Karine Tuil ihre Figuren durchaus diskutable Dinge sagen und durchaus provokante Sichtweisen vertreten lässt. Aber das ist einer der Gründe, die diesen Roman so spannend machen. Weil es zum Denken anregt, dazu den eigenen Standpunkt zu überprüfen. Und das alles gelingt der Autorin ohne eine oberlehrerinnenhafte Pose einzunehmen oder sich gar angreifbar zu machen, denn sie lässt ja schließlich nur ihre Figuren interagieren, und was kann eine Autorin schon dafür, was ihre Figuren sagen!? :-)

Eben diese Figuren treffen dann im späteren Verlauf aufeinder, Dramatik, Spannung und Tempo nehmen zu und lassen den Roman sicherlich auch für Leserinnen und Leser, die mit der eigentlichen Thematik nichts anfangen können, zu einem mehr als zufriedenstellenden Erlebnis werden.

Stilistisch kann man Karine Tuil ebenfalls keine Vorwürfe machen. Nach einem ersten Kapitel von etwa 13 Seiten, das in Präsentation und Wirkung an die ersten Minuten des Films „Der Soldat James Ryan“ erinnert, und in dem Tuil unablässig Sätze auf die Leserschaft abfeuert, in denen die Schrecken des Krieges und die Erfahrungen, mit denen die Soldaten in Afghanistan und anderswo konfrontiert werden und die man sich als pazifistischer Heimatfrontler nicht mal vorstellen kann, ist man fast schon froh, dass es danach in erzählerisch ruhigeres Fahrwasser geht, das hohe Niveau an sich hält aber an, die Autorin erzählt durchgehend lebhaft, realitätsnah, insbesondere was die Dialoge angeht, und temporeich.

In Summe ergibt sich das Bild eines Romans, den man – ganz einfach und knapp gesagt – tatsächlich mal gelesen haben sollte!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere 9,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Asymmetrie“ von Lisa Halliday.

„Liebe machen“ von Moses Wolff

Buch: „Liebe machen“

Autor: Moses Wolff

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 286 Seiten

Der Autor: Moses Wolff, geboren 1969, ist Autor, Schauspieler und Komiker. Er schreibt regelmäßig für das Satiremagazin „Titanic“ und ist Mitveranstalter der erfolgreichen Münchner Lesebühne „Schwabinger Schaumschläger Show“. 2015 erhielt er den Schwabinger Kunstpreis. Gemeinsam mit Arnd Schimkat hat er den mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle verfilmten Romans „Highway to Hellas“ verfasst. Moses Wolff wohnt in der Münchner Isarvorstadt. (Quelle: Piper)

Das Buch: Als die zwanzigjährige Dagmar in einer lauen Kölner Nacht im März 1970 aus dem Schlaf hochschreckt, ahnt sie nicht, dass in Hamburg ein junger Mann, Götz, ebenfalls wach liegt und denselben Traum träumt wie sie. Und vor allem ahnen weder Dagmar noch Götz, dass das Schicksal sie füreinander bestimmt hat … Noch im selben Jahr werden sie sich auf dem Oktoberfest begegnen, sich verlieben – und dann für lange Zeit aus den Augen zu verlieren, ohne zu wissen, wie nah sie sich eigentlich die ganzen Jahre über sind. (Quelle: Piper)

Fazit: Kennt ihr noch Prilblumen? Viele werden jetzt wissend nicken, weil sie entweder zu der Generation gehören, die selbst einstmals ihre Kinderzimmer, ihre Zimmertüren, Schränke, und eigentlich alles, was eine glatte Oberfläche hatte, mit diesen Teilen „verschönert“ haben oder aber zu deren Elterngeneration, die irgendwann später versucht haben, diese Aufkleber wieder von den eben genannten Gegenständen zu entfernen. Allerdings konnte man die Kleberückstände dieser Dinger von den Oberflächen leider schwerer entfernen als Andi Scheuer von seinem Ministerposten, weil dieses Zeug besser hielt, als modernster Zweikomponenten-Idiotenkleber der NASA …

Und Prilblumen – zusammen mit alten ARAL-Aufklebern auf einem Kofferradio – sind es auch, die das Cover von Moses Wolffs Roman „Liebe machen“ zieren. Der Kenner weiß anhand dieser Kombination: Es muss um die 70er gehen. Und das tut es auch.

Nun habe ich als 77er-Baujahr zugegebenermaßen eher so rudimentäre Erinnerungen an diese Zeit. Vielleicht wollte mein Hirn mich aber auch nur vor Schaden bewahren, denn bei „D.I.S.C.O.“ – halt, das war 1980 … – na, sagen wir stattdessen, bei allem von Boney M. setzt bei mir nach wie vor der natürliche Fluchtreflex ein, Demis Roussos sang immer irgendwie so, dass er mir leidtat und Tony Marshall habe ich noch nie begriffen.

Nee, irgendwie würde ich naturgemäß eher die späten 80er sowie natürlich die 90er als „mein Jahrzehnt“ bezeichnen. Da gabs auch Beispiele aus dem musikalischen Gruselkabinett, keine Frage, aber darum soll es ja jetzt nicht gehen, sondern eben darum, dass Moses Wolff mit seinem Roman angetreten ist, um meine Meinung über ein Jahrzehnt, das aus meiner Sicht in erster Linie durch musikalische Totalausfälle auffiel, zu revidieren, was ihm auf äußert charmante Art gelungen ist.

Zu Beginn des Romans lernen wir die Protagonisten Dagmar und Götz kennen, die in Köln bzw. Hamburg leben. Beide sind in Beziehungen, beide aber darin mehr oder weniger unzufrieden. Und so verwundert es nicht, dass sie sofort Feuer und Flamme sind, als sie sich 1970 auf dem Oktoberfest begegnen. Wobei „begegnen“ etwas hochgegriffen ist, sagen wie lieber, sie sehen sich. Nur um sich danach sofort wieder aus den Augen zu verlieren. Aber dieser flüchtige Moment hat Spuren hinterlassen, sodass beide den Versuch unternehmen, sich wiederzusehen.

Vorrangig beschäftigt sich Moses Wolff in seinem Roman also tatsächlich mit der Liebe. Dahinter steht allerdings ein Streifzug durch die deutsche Geschichte der letzten 50 Jahre. So widmet sich der Autor anfangs detailliert dem letzten Konzert von Jimi Hendrix auf Fehmarn, während in späteren Kapiteln beispielsweise die Anfänge der „Love Parade“ geschildert werden. Und immer wieder der Kölner Karneval und das Münchner Oktoberfest.

Und obwohl ich als Norddeutscher das Verkleiden und extensive Werfen von Süßwaren ebenso verzichtbar finde wie hunderttausendfache Druckbetankung in lokaler Tracht unter dem Deckmantel der kulturellen Tradition und ich mit der Musik von Jimi Hendrix ebenfalls wenig anfangen kann, weil er gelegentlich so klingt, als würde er ums Verrecken die Gitarre nicht auskriegen, gelingt Moses Wolff das Kunsstück, dass ich das Buch nicht entnervt weglege und „Nicht mein Thema!“ behaupte, sondern dass ich dranbleibe. Einerseits, weil ich wissen will, wie es sich mit Dagmar und Götz entwickelt, aber eben auch, weil ich wahnsinnig viel Wissenswertes aus der Zeit erfahre, was ich vorher noch nicht wusste.

Wolffs Figurenensemble ist dabei quantitativ überschaubar. Im Fokus stehen ganz klar die beiden Hauptfiguren. Und diese überzeugen vollumfänglich. Der unstete Freigeist Götz, der immer etwas Neues sehen, immer etwas Neues erleben möchte, ist genau so treffend gezeichnet wie die etwas zurückhaltende aber auch aufgeschlossene Dagmar. Im Hinblick auf die Nebenfiguren ist hier in erster Linie Dagmars zweiter Freund Hartmut zu erwähnen, der wahnsinnig verkrampft wirkt und sehr verklausuliert spricht und daher solche Dinge von sich gibt wie: „Ich würde vorschlagen, dass wir unsere gemeinsamen Empfindungen bündeln, indem wir uns körperlichen Dingen zuwenden. Ich möchte nun gerne ausgiebig Liebe mit dir machen.“ (S. 131) Herrlich! Großartiger Typ! :-) Heute würde man das kürzer formulieren. :-)

Stilistisch kann man Moses Wolff nichts vorwerfen, er schreibt launig und lebendig. Lediglich der Aufbau des Romans gibt Anlass zur Diskussion. Denn während der Autor sich den ersten Kapiteln bzw. den ersten Jahren der Handlung noch vergleichsweise detailliert widmet, und er in Jahresschritten vorgeht, werden diese Schritte im späteren Verlauf der Handlung immer größer und die behandelten Jahre immer kürzer abgehandelt. Nun mag das versinnbildlichen, dass für die Protagonisten die Zeit mit zunehmendem Alter auch immer schneller vergeht bzw. sie weniger davon zur Verfügung haben, dennoch hätte ich mir hier ein etwas ausgewogeneres Verhältnis gewünscht. Auch wenn ich mir natürlich der Tatsache bewusst bin, dass in erster Linie die 70er behandelt werden sollten und der Roman, hätte man sich auch den späteren Jahren der Handlung so detailliert zugewendet wie den früheren, in etwa den Umfang von Tolstois „Krieg und Frieden“ gehabt hätte.

Geblieben ist ein sehr charmanter Streifzug durch die Geschichte, ein vergleichsweise leichtes, aber an keiner Stelle seichtes Sommerbuch, das ich allen Prilblumenzeitgenossen wärmstens empfehlen kann. Selbst wenn sie Boney M. mögen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten. Und es wären 11, wenn es 11 gäbe.

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Zu oben genanntem Buch möchte ich übrigens noch anfügen, dass ich die darin enthaltene Verunglimpfung norddeutschen Bieres, namentlich „Astra“ und „Holsten“, niemals nicht so stehen lassen kann, während augenscheinlich das süddeutsche Bier – ausgeschenkt in, euphemistisch genannt, „Maßkrügen“, die angesicht ihrer Litergröße doch eigentlich auch nicht anderes sind als Mallorca-Sangria-Eimer aus Glas – dagegen jedoch als göttliches Mana dargestellt wird. „Astra“ ist eine norddeutsche über 100 Jahre alte Institution und mitnichten das „Lebenselixier der Gescheiterten“ wie es auf Seite 114 heißt, und Holsten, tja, wie wir alle wissen: Holsten knallt am dollsten! Das musste mal gesagt werden. ;-) Was die nächste Rezension angeht: Keinen Schimmer.

In eigener Sache

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

in jüngerer Vergangenheit – damit meine ich so etwa zwei Wochen – ist es hier vergleichsweise ruhig geworden. Ich musste nachdenken. Und zwar darüber, wie es hier so weitergeht. Und bevor jetzt die einen Schnappatmung der Enttäuschung kriegen und die anderen Sektkorken vor Freude knallen lassen: Keine Sorge, es geht weiter. Nur anders.

Anders in der Form, dass ich mir meinen heißgeliebten Reisswolfblog zukünftig tatsächlich ausschließlich für Buchrezensionen jeglicher Art vorbehalten werde. Damit aber ebenso liebgewordene Dinge wie die abc.Etüden oder die Freitagsfragen nicht ganz auf der Strecke bleiben, blieb eigentlich nur die einzig logische Lösung, für diese und weitere Texte, die ich in Zukunft in unweigerlich folgenden Anfällen der Logorrhö auf meine Mitmenschen loslassen werde, einen Zweitblog zu eröffnen.

Und daher präsentiere ich hiermit mit allem gebührenden Stolz meinen neuen Blog

Modern Wolfare

Da ich meinen neuen Blog zukünftig sicherlich das eine oder andere Mal für meine persönliche Art der modernen, literarischen Kriegsführung nutzen werde, erschien mir dieses dämliche Wortspiel, für das ich, nur so nebenbei bemerkt, unfassbar lange gebraucht habe und dementsprechend stolz drauf bin, nur zu logisch. :-)

Ich würde mich also freuen, wenn die eine oder der andere der mir hier folgenden Leserinnen und Leser gelegentlich auch dort einen Blick hineinwerfen würden.

Hier geht es dann in den nächsten Tagen – und von da an bis in alle Ewigkeit – mit den nächsten Rezensionen weiter.

Gehabt euch wohl!

 

„Der weiße Abgrund“ von Henning Boëtius

Buch: „Der weiße Abgrund – Ein Heinrich-Heine-Roman“

Autor: Henning Boëtius

Ausgabe: Hardcover

Verlag: btb

Der Autor: Henning Boëtius, geboren 1939, wuchs auf Föhr und in Rendsburg auf und lebt heute in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie und promovierte 1967 mit einer Arbeit über Hans Henny Jahnn. Boëtius ist Verfasser eines vielschichtigen Werkes, das Romane, Essays, Lyrik und Sachbücher umfasst. Sein Roman „Phönix aus Asche“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er außerdem durch seine Kriminalromane um den eigenwilligen niederländischen Kommissar Piet Hieronymus. (Quelle: Random House)

Das Buch: Paris, um 1850. Durch eine unheilbare Krankheit ans Bett gefesselt, versucht Heinrich Heine seinem bevorstehenden Tod ein letztes Werk abzutrotzen: seine Memoiren, die sein Opus magnum werden sollen. An den illustren Diners der Pariser Bohème kann er schon lange nicht mehr teilnehmen. Stattdessen empfängt er gelegentliche Besuche deutscher Exilanten oder französischer Künstlerfreunde. Dann sucht überraschend Elise Krinitz seine Bekanntschaft: eine junge Frau, die Heine bewundert und zugleich hofft, in ihm einen Mentor für ihre eigenen literarischen Ambitionen zu finden. Mit ihr, die er zärtlich-ironisch „Mouche“ nennt, hat er bald darauf eine zwar platonische, aber nicht minder leidenschaftliche „Affäre“. Seine Memoiren aber werden, nachdem Heine am 17. Februar 1856 stirbt, für alle Zeit verschollen bleiben. (Quelle: Random House)

Fazit: Meine Kenntnisse zu Heinrich Heine weisen beklagenswert große Lücken auf, sind im Grunde genommen eine einzige große Lücke. Zwar kenne ich vereinzelte Texte, wie natürlich das „Lied von der Loreley“ oder „Saphire sind die Augen dein“, und ich besitze ein ungelesenes Exemplar seiner gesammelten Werke, aber insgesamt weiß ich wenig.

Aber es gibt so eine Handvoll Dichter, Schriftsteller, Literaten, mit denen muss man sich in meiner Gegend schon allein aus lokalpatriotischen Gründen früher oder später beschäftigen, weil sie hier in der Gegend geboren wurden oder gelebt oder gewirkt haben. Und neben Wilhelm Busch und Hermann Löns und dem heute wohl weitgehend unbekannten Thomas Abbt ist da nun mal in erster Linie Heinrich Heine zu nennen, denn dessen Großvater wurde in meiner fürstentümlichen Heimat geboren, ein paar Steinwürfe entfernt. Allerdings hatte Heine selbst offensichtlich eher weniger Begeisterung für meine heimischen Gefilde übrig, schrieb er doch später in seinem „Wintermärchen“, dass ihm das halbe besagte Fürstentum „an den Stiefeln kleben“ geblieben sei, denn „So lehmigte Wege hab ich wohl/ Noch nie gesehen im Leben.“

Nun, diese Einschätzung sei ihm unbenommen, und vermutlich wüsste er heute auch zu schätzen, dass die einst so lehmigten Wege mittlerweile auch hier flächendeckend asphaltiert sind. All das ist jedenfalls kein Grund, sich nicht endlich doch mal intensiver mit Heine zu beschäftigen, und um nicht gleich mit den Gesammelten Werken zu beginnen, erschien mir ein Einstieg mit einem Roman gerade recht.

Und diese Entscheidung hat sich durchaus gelohnt.

Naturgemäß macht der Autor seinen berühmten Protagonisten zum Hauptelement des Romans, es gelingt ihm aber auch immer wieder, auch ein bisschen abzuschweifen und auf diese Weise ein spannendes, farbiges Sittengemälde der damaligen Zeit zu entwerfen, zumindest hinsichtlich der Pariser Bohème. Auf literarischen Salons und ähnlichen Gesellschaften begegnet die Leserschaft dabei einer Reihe Berühmtheiten. Und was müssen das für Zeiten gewesen sein!? Die Zeiten von George Sand und Louise Colet, von Franz Liszt, Frédéric Chopin und Hector Berlioz, von Flaubert, Baudelaire und Hugo. Und von Gérard de Nerval …

Heute? Die Zeiten von Mario Barth, den Kardashians, Kontra K und Apache 207. Irgendwas muss schiefgelaufen sein … – egal!

Im späteren Verlauf wendet sich der Autor dann den letzten Lebensjahren Heines und inbesondere seiner Liaison mit seiner „Mouche“ Elise Krinitz zu. Und für unkundige Leser wie mich, die nicht über den gesamten Lebensweg Heines detailliert informiert sind, bietet diese Geschichte durchaus eine gewisse Faszination, auch befeuert durch die Geheimniskrämerei die rund um Elise Krinitz gemacht wurde und die sie auch selbst betrieb. Allein deswegen ist „Der weiße Abgrund“ einer dieser Romane, die – zumindest bei mir – unmittelbar nach der Lektüre intensives Google-Studium zur Folge haben. Ich mag so etwas.

Sprachlich bewegt sich Boëtius in seinem Roman auf einem durchgehend hohen Niveau. Es überfordert allerdings an keiner Stelle, zwischendurch schadet es allenfalls nicht, beispielsweise zu wissen, was ein Pleonasmus oder das Risorgimento ist.

Und kaum hat man sich so ein bisschen eingelesen und eingefühlt in diese letzte „Affäre“ Heines und Elises, da sind sie auch schon vorbei, diese überaus lesenswerten 192 Seiten.

Wer einen Hang zu Romanen über berühmte Personen hat oder allgemein ein Faible für Heinrich Heine selbst, der kann ebenso bedenkenslos zugreifen, wie alle, die einfach nur mal wieder einen farbenfrohen und sehr gut erzählten, auf historischen Tatsachen basierenden Roman lesen möchten.

Ich bedanke mich beim Bloggerportal sowie dem btb Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung naturgemäß nicht.

Wertung:

9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Och, mal schauen …

 

 

Freitagsfragen #108

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

juhu, es ist wieder Freitagsfragenzeit im Brüllmausblog. Und diesmal wird es viel Text, ich sags nur wieder vorher. Halten wir uns darüber hinaus aber nicht lange mit Vorreden auf, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Wie ordnest Du (Physisches oder mentales) Chaos?

Gegen ein gewisses physisches Chaos, ob im privaten oder beruflichen Umfeld, ist überhaupt nichts einzuwenden. Würde man mir ein starres Ordnungsprinzip aufzwingen, das unter anderem zum Inhalt hat, Dinge, die man gebraucht hat, sofort nach der Nutzung wieder dahin zu legen, wo man sie her hat, würde ich im Brustton der Überzeugung sagen: „So kann ich nicht arbeiten!“ Eine wie auch immer aussehende Planung zur Ordnung erübrigt sich beim phyischen Chaos also.

Was das mentale Chaos angeht, so mache ich gerade die spannende Erfahrung, dass mein eigenes mentales Chaos bzw. dessen Ordnung offenbar nachrangig zu behandeln ist, man das mentale Chaos des Gegenübers dagegen natürlich augenscheinlich prioritär zu betrachten hat, selbst wenn man bezüglich der Ursachen für letzteres Chaos eine leicht abweichende Meinung vertritt, aber das gehört hier eigentlich nicht her, also lassen wir das.

Zur Odnung des mentalen Chaos haben sich im Grunde mehrere Strategien durchgesetzt. Entweder ich ziehe mich in die metaphorische Höhle zurück und denke solange über die Ursachen für das Chaos nach, bis mir eine Lösung eingefallen ist.

Oder ich versuche, vorübergehend erst mal ein bisschen Abstand zu gewinnen, und dafür hat sich Lesen eigentlich immer bewährt.

Die dritte Möglichkeit ist, dass ich mit jemandem darüber rede. Dabei ist dann wichtig: Zumeist will ich nur drüber reden! Ich möchte dann ebenso wenig zuhören, wie ich an „Meiner Meinung nach solltest Du …“-Lösungsansätzen interessiert bin. Sollte ich das doch sein, frage ich nach.

Ja, ich bin schwierig. :-)

2.) Wofür trägst Du keine direkte Verantwortung, aber fühlst Dich dennoch verantwortlich?

Hach, für so vieles! Das ist dann zumeist aber weniger eine persönliche Art der Verantwortung, sondern eher die Frage, inwieweit meine Generation der etwa 40-jährigen es vergeigt hat. Wenn ich die Menge von Jungspunden bei den FFF-Demos sehe, frage ich mich schon: „Hätten wir das, meinetwegen auch zu anderen Themen, nicht vielleicht in den 90ern schon machen sollen?“

Zugegeben, auch damals gab es schon die eine oder andere Aktion, die Sinn hatte. Ich erinnere da mal an die ganzen Lichterketten in der ersten Hälfte der 90er, die aus gegebenen und tragischen Anlässen stattfanden. 1992 waren an einer solchen Lichterkettenaktion in München 400.000 (!) Menschen beteiligt. 400.000! In der Folge 300.000 in Essen, 250.000 in Hamburg, 100.000 in Nürnberg etc. pp.

Und heute? Da kann man froh sein, wenn sich ein paar Hundert Menschen an einer Gegendemo zu einem Neonaziaufmarsch beteiligen. Man kriegt heute keine 400.000 Menschen mehr auf die Straße, schon gar nicht – oder nicht mal – für das Anzünden einer Kerze.

Wann und warum ist das passiert?

In meiner Wahrnehmung hat man sich so etwa ab kurz vor der Mitte der 90er in eine Art Nachwende-Wohlfühloase zurückgezogen. Die Wende war vollbracht, das politische Tauwetter setzte sich fort, der Zweite Golfkrieg war vorbei, die Täter der Mordanschläge von Mölln waren dingfest gemacht und verurteilt – ja gut, ein 19-jähriger nach Jugendstrafrecht, der natürlich – ebenso wie sein eigentlich lebenslänglich verurteilter Kumpan – selbstredend lange schon wieder draußen ist, aber hey … – und wurden, ebenso wie die für die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen verantwortlichen geistig minderbemittelten Dorfdeppen, mittels der oben genannten Lichterketten in ihre Schranken gewiesen, die Lage war ruhig, der Weltfrieden schien in erreichbarer Nähe.

Und irgendwie ab da muss sich die Weltsicht durchgesetzt haben, dass es fürderhin nicht mehr nötig ist, auf die Straße zu gehen, nur weil einem etwas nicht passt …

Wirklich nennenswerte Demos in großer Zahl gab es, zumindest in meiner Wahrnehmung, dann erst wieder ab 2004 vor der bzw. gegen die Einführung des sogenannten „Hartz 4“. Und mal völlig davon abgesehen, dass dagegen jegliche Form des Protestes absolut gerechtfertigt ist, lernen wir daraus: Zu Demos geht der Deutsche nur noch, wenn es ihm an den Geldbeutel geht …

Denn im Jahr 2015 hat es nach BKA-Angaben über 1.000 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Im Jahr darauf lag die Zahl knapp unter 1.000. Nach 312 im Jahr 2017 sank die Zahl im Jahr 2018 auf etwa 150, woraufhin sich die „Welt“ zur Schlagzeile „Zahl der Anschläge auf Asylunterkünfte geht auch 2018 zurück“ hinreißen ließ. Ja, genau, ihr mich auch, „Welt“. Ich empfehle die Lektüre des genannten Artikels allein wegen der Kommentare darunter, die ein Gespür dafür vermitteln, welche Arschlöcher in diesem Land so rumlaufen und mag ihre Zahl noch so gering sein.

Wo war in dieser gesamten Zeit auch nur eine einzige entsprechende gesamtgesellschaftliche Reaktion in einer Größenordnung der Lichterketten von damals? Und wenn es sie nicht gab, warum dann nicht? Lief gerade das Dschungelcamp, oder was!? Ich verstehs nicht …

Mit solch weltbewegenden Fragen bin ich aber nicht alleine. Sehen wir mal nach:

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der „Fate LLP“, dessen Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan sich gerade auf die Suche nach seinem Assistenten, Prokuristen und allgemeinem Lakaien Lübke macht.

„Ach, hier sind Sie, Lübke. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Sie mal in der Cafeteria treffe. Was machen Sie denn hier? Sie sitzen hier mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter vor ihrem Glas mit … was immer das ist und …“

„Glühwein.“

„Im Sommer?“

„Ja, im Winter kriegt man das Zeug ja nicht mehr weg!“

„Auch wieder wahr. Was betrübt sie denn so, Lübke?“

„Ach, haben Sie sich mal Gedanken gemacht, inwieweit wir hier verantwortlich sind für all das Schlechte da draußen?“

„Nun … ja! Das ist immerhin … ähm, Teil des Jobs!?“

„Ja, eben. Und hatten sie dabei nie irgendwelche moralischen Bedenken?“

„Bedenken? Nein! Sehen Sie es mal so: Ohne uns hätten Typen wie der RWB-Spinner …“

„Der wer?“

„Na, der Reisswolfblog-Spinner, kurz RWB-Spinner. Ich bin dazu übergegangen, das abzukürzen, einfach, weil es schmissiger ist. Und außerdem dem RWBS – ha, noch kürzer – viel Tipperei erspart. Darüber hinaus kürzt man heutzutage zeitgemäß sowieso viel ab, so werden Serien und Bands zu „TBBT“ und „NKOTB“.“

„NKOTB und „zeitgemäß“ in einem Satz und Kausalzusammenhang zu benutzen, würde ich schon fast als verwegen bezeichnen.“

„Es geht ums Prinzip, Lübke! Und um auf ihre Ursprungsfrage zurückzukommen: Warum sollten wir ein schlechtes Gewissen haben!? Sehen, der „Bis-zur-letzten-Patrone“-Innenminister hat doch auch keins, wenn es um das Fehlverhalten von Polizisten geht. Deswegen weigert er sich doch standhaft, eine Untersuchung durchzuführen, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf. Und solange der Innenhorst so drauf ist, mache ich mir gar keine Gedanken. Außerdem …“

„Ja, Chef, was außerdem?“

„Außerdem macht der Job doch auch irgendwie Spaß, oder nicht!? Wenn sich alle darüber aufregen, dass die Welt so schlecht geworden ist, und man dabei seine Hand im Spiel hatte, das hat doch was, oder nicht!? Glauben Sie denn, ohne mein Eingreifen hätte der FC Bayern München acht Meisterschaften in Folge erreicht?“

„Das waren Sie?“

„Ja, sicher!“

„Das heißt, der vielbeschworene Fußballgott ist in Wahrheit …“

„Genau!“

„Das erklärt vielleicht auch die Saison des SV Werder … Hm, das wusste ich nicht …“

„Sie wissen vieles nicht, Lübke. Einfach, weil ich vieles rein zu meinem Privatvergnügen mache. Nehmen Sie „Wirecard“, oder wie ich sie nenne: Firma, die nur eine gute Woche zwischen Bilanzerstellung und Insolvenzantrag braucht. Seit 2019 schon wusste man im Bundesfinanzministerium, dass die BaFin gegen Wirecard ermittelt. Jetzt raten Sie mal, wer denen das gesagt hat …!“

„Oha.“

„Ja, genau. Oder hier, der Gouverneur von Georgia, Brian Kemp. Der hat kürzlich den Bürgermeistern und Bürgemeisterinnen in seinem Staat verboten, in ihren jeweiligen Städten eine Maskenpflicht einzuführen. Glauben Sie, der ist wirklich so dämlich, das aus eigener oder politischer Überzeugung zu tun?“

„Ist Gourverneur Kemp Republikaner?“

„Nun … ja!?“

„Dann ja, dann glaube ich, dass der wirklich so dämlich ist.“

„Punkt für Sie – aber Fakt ist, dass ich, sagen wir, Druckmittel  besitze, um Gourverneur Kemp tun und lassen zu können, wozu immer ich Lust habe.“

„Und welcher Art sind diese Druckm…“

„Das wollen Sie nicht wissen!“

„In was haben Sie denn noch alles ihre Hände drin?“

„Och, beispielsweise in hessischen Polizeicomputern oder im thüringischen Landesverfassungsgericht …“

„Wahnsinn …Auch in Regierungen? Bolsonaro?“

„Nein, der ist leider wirklich irre. Aber sonst … ja, in einigen.“

„Und all das belastet Sie nicht im Geringsten?“

„Ach, wo kämen wir denn da hin!? Manche Bloggerkolleginnen des RWBS glauben ja, ich sei das Resultat eines fehlgeschlagenen Experiments, aber Fakt ist, Lübke, Fakt ist, dass ich ein knallhartes Bewerbungsverfahren durchlaufen musste, dass es ein unbarmherziges Auswahlverfahren gab, bis mir Luzifer den Laden hier überschrieben hat.“

„Wie gehts dem eigentlich?“

„Och, ganz gut, der regiert halt sein Land. Fun fact ist, dass gemäß einer aktuellen Umfrage viele der Kirchgänger unter seinen Untertanen der Aussage zustimmen, er sei „der von Gott Gesalbte„. Schon witzig irgendwie …

„Nun ja …“

„Ach, Lübke, nicht so negativ. Und werden Sie endlich Ihre Gewissensbisse los. Sehen Sie es doch mal so: Wir machen hier einen wichtigen Job!“

„Inwiefern?“

„Na, wenn wir nie dafür sorgen würden, dass mal etwas Schlechtes passiert, wenn immer alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre, dann würde sich doch bald niemand mehr für irgendwas engagieren, niemand würde mehr darauf drängen, Missstände aus der Welt zu bringen, alle würden Dinge wie Demokratie als gegeben ansehen, für die sich nicht nur nicht kämpfen lohnt, sondern für die man nicht mal mehr einzutreten bräuchte. Würden Sie in einer solchen Welt leben wollen?“

„Hm, so gesehen …“

„Na also! So, und jetzt nehmen Sie sich den Rest des Tages frei und genehmigen sich, wenn Sie möchten, noch den einen oder anderen Glühwein, ich bin für den Rest des Tages sowieso anderweitig beschäftigt.“

„Womit denn?“

„Na, gleich habe ich eine Videokonferenz mit den sparsamen Vier, um den EU-Gipfel vor die Wand zu fahren und dann …“

„Ja …?“

„… dann muss ich mir noch überlegen, wie ich es schaffe, Kai Havertz doch noch zum FC Bayern München zu transferieren …“

3.) Wie isst Du Spaghetti?

Mit ´nem Akkuschrauber? ;-) Nein, handelsüblich mit der Gabel, gerne aber auch unterstützt durch einen Löffel.

4.) Die Wahl der Qual:
Würdest Du lieber in einem defekten Skilift oder einem Aufzug feststecken?

Puh, das finde ich beides ganz übel. Aber vor dem Hintergrund, dass ich es mit Kälte nicht so habe – und ein Skilift vorzugsweise in eher kühlen Gefilden steht – und mit Höhe noch sehr viel weniger und ich eigentlich so etwas wie einen Skilift ohnehin nur für eine mindestens siebenstellige Geldsumme oder aber durch Androhung körperlicher Gewalt betreten würde, nehme ich mal den Aufzug.

 

Das war es dann auch schon wieder.

Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und ein anschließendes, möglichst schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl.

Bleibt gesund.

 

 

„Das Maurerdekolleté des Lebens“ von Matthias Thurau

Buch: „Das Maurerdekolleté des Lebens“

Autor: Matthias Thurau

Verlag: Selfpublishing

Ausgabe: Taschenbuch, 50 Seiten

Der Autor: Matthias Thurau ist Autor und Bloggerkollege aus Dortmund. Seinem Debütroman „Sorck“ folgte der Gedichtband „Alte Milch“, unlängst gesellte sich zu der Liste der Veröffentlichungen „Das Maurerdekolleté des Lebens“ hinzu. Wer mehr über Autor und Werke wissen möchte, dem sei ein Besuch seines im Übrigen überaus lesenswerten Blogs „Papierkriegblog“ empfohlen. Auch wenn der demnächst umzieht.

Das Buch: Theo, ein Mann auf dem Weg zu seinem neuen Job. Eine Kreuzung, an der er sich entscheiden muss: 3 Möglichkeiten, 3 Lebenswege, 3 Geschichten. Durch Labyrinthe, Wälder und die graue Großstadt. Welcher Weg ist der richtige? Was wird er unterwegs finden? Und wie groß ist seine Entscheidungsfreiheit wirklich?

Fazit: Wir alle haben uns wohl irgendwann im Leben schon mal gefragt: „Wo, um alles in der Welt, muss ich im Leben falsch abgebogen sein, um hier zu landen?“, alternativ auch: „Was wäre, wenn ich damals dieses oder jenes getan hätte?“ Diesen Fragen geht der Autor hier auf den Grund, denn bei „Das Maurerdekolleté des Lebens“ handelt es sich um drei Kurzgeschichten, die alle dieselbe Ausgangslage und mit Theo denselben Protagonisten haben, sich dann aber in drei völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln. Vom Ansatz her erinnerte mich das „Maurerdekolleté“ daher ein wenig an eine sehr zusammengedampfte Version von Paul Austers „4 3 2 1“.

Und die Umsetzung ist Matthias Thurau durchaus gut gelungen.

Zum Einen wäre da die Sprache zu nennen. Schon Thuraus Debütroman „Sorck“ gefiel mir unter anderen angesichts einer gewissen sprachlichen Viruosität sehr gut und auch im Maurerdekolleté macht der Autor deutlich, dass er über einen mal mindestens grundsoliden mal auch schon sehr ausgefeilten Stil verfügt.

Im Vordergrund steht in einem solchen Werk wie diesem hier aber natürlich die Frage der Aussage, die der Text treffen möchte.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, bietet sich ein Blick in die erste der drei Kurzgeschichten an. Protagonist Theo macht sich mit wenig mehr als einem Apfel bewaffnet auf den Weg, um seinen neuen Job anzutreten. Schon die Tatsache, dass er weder weiß, was er dort eigentlich tun soll, noch um welche Zeit er anzutreten hat, vermitteln etwas Surreales. Dieser Eindruck verstärkt sich dann immer mehr, und die Geschichte bekommt spätestens, wenn die Hauptfigur in unterirdischen Wäschereien und vielerlei noch seltsameren Gebäuden landet, etwas sehr Kafkaeskes.

Und Thurau füllt diesen ersten Teil mit einer Fülle von Themen, die man der kurzen Geschichte gar nicht zutrauen würde. Und gemäß der Aussage des Autors lässt sich dieser erste Teil – eigentlich das gesamte Buch – als Gesellschaftskritik lesen. Und ja, genau so habe ich das auch getan bzw. verstanden, werden doch, zumindest nach meinem Verständnis „Arm-Reich-Konflikte“ ebenso thematisiert, wie die mit teilsweise übertriebener Vehemenz geführte „Rechts-Links-Diskussion“ in der sich alle, die eine liberale Einstellung vertreten als linksgrün-versiffte Gutmenschen und alle mit einer konservativen Weltsicht als Nazis beschimpfen lassen müssen.

Daran schließt sich der zweite Teil an, der meines Erachtens nicht nur eine individuelle Sinnsuche beschreibt, sondern sich thematisch auch damit befasst, was passieren kann, wenn man es sich in einst angenehmen Umständen bequem gemacht hat, aber keine Konsequenzen folgen ließ, als sich diese Umstände änderten, weswegen man nun selbst mit anderen Konsequenzen leben muss.

Der abschließende Teil steht für mich thematisch unter der Frage, wie man sich gelegentlich auch selbst im Wege stehen und sich eben diese Wege verbauen kann.

Das Schöne an den drei kurzen Geschichten ist, dass sie auch eine gänzlich andere Lesart zulassen, man sich an meiner Deutung also keineswegs orientieren muss.

Wer sich mit dem überaus lesenswerten Büchlein auseinandersetzen möchte, kann das mittels eBook schon für sehr schlankes Geld – wesentlich weniger als man beispielsweise für Überflüssigkeiten wie eine BVB-Aktie berappen müsste – beim großen A oder bei Thalia tun.

Wertung:

9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Zeit der Ruhelosen“ von Karine Tuil

 

„Die Nadel“ von Ken Follett

Buch: „Die Nadel“

Autor: Ken Follett

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 414 Seiten

Der Autor: Ken Follett wurde 1949 in Cardiff, Wales, geboren und lebt heute mit seiner Familie in London. „Die Nadel“ war sein erster internationaler Thriller. (Quelle: Klappentext)

Das Buch: April 1944: Die Invasion der Alliierten steht unmittelbar bevor. Vor der schottischen Küste wartet ein deutsches U-Boot auf einen Spion. Man nennt ihn „Die Nadel“. Wenn er durchkommt, könnte er mit seinem Wissen über die Pläne der Briten den gesamten Verlauf des Krieges ändern. Dieser Mann hat bereits mehrmals getötet. Zwischen ihm und seinem Erfolg steht nur noch Lucy, eine junge Engländerin. Sie allein könnte ihn aufhalten. Und so entbrennt ein psychologischer Krieg zwischen dieser einsamen Frau und einem zu allem entschlossenen Mann. (Quelle: Klapptentext)

Fazit: Mehr als zehn Jahre bevor Ken Follett mit „Die Säulen der Erde“ meinen persönlichen Heiligen Gral der historischen Romane schrieb, konnte er mit „Die Nadel“ seinen ersten großen Erfolg verbuchen. Grund genug, mir dieses Buch, das zusammen mit ein, zwei anderen Follett-Romanen im Rahmen einer kleinen „Ken-Follett-für-schlankes-Geld-abgreifen“-Aktion bereits vor geraumer Zeit bei mir eingezogen ist, genauer unter die Lupe zu nehmen und der Faszination, die das Buch auf die Leserschaft gehabt haben muss, näher auf den Grund zu gehen. So richtig nachvollziehen kann ich diese Faszination letztlich allerdings nicht. Aber wenigstens habe ich damit, wie derzeit geplant, meinen Stapel ungelesener Bücher verkleinern  können …

In so ziemlich allen Bereichen weist „Die Nadel“ Schwächen auf, die mal mehr und mal weniger ins Gewicht fallen. So war es beispielsweise meines Erachtens noch nie Ken Folletts Stärke, bis heute nicht, sich lebensechte Figuren einfallen zu lassen. Seine Charaktere wirken häufig wie klischeehaftes Schema-F-Personal, meist charakterisiert durch eine einzige hervorstechende Eigenschaft. Wenn man mal ehrlich ist, gilt das auch für eben genannten „Heiligen Gral“, und es gilt für „Die Nadel“ eben auch.

Weder der Spion Faber, genannt „Die Nadel“, noch seine Gegenspieler Perci Goodliman, eigentlich Historiker, nun aber ernannter Spion-Jäger, weil … ich weiß nicht, warum …, oder auch der ihm an die Seite gestellte Frederick Bloggs – immerhin schon mal Polizist und beim MI5 angestellt – wirken überzeugend, sondern bleiben über die gesamte Länge des Buches blass. So blass, dass ich jetzt kurz nach der Lektüre nochmal nach den Namen blättern musste. Und dann hätten wir noch die eine oder andere wirklich zweifelhafte Frauenfigur, aber dazu kommen wir noch.

Inhaltlich macht „Die Nadel“ über weite Strecken der ersten  Hälfte dagegen sogar verhältnismäßig viel Spaß. Der namensgebende Spion Faber muss aus seinem Unterschlupf fliehen, weil seine angetrunkene Vermieterin mit derm Vorsatz, Faber ins Bett zu kriegen, ohne Voranmeldung seine Wohnung betritt und Faber am Radio überrascht. Er tötet die Frau und tritt seine Flucht an. In der Folge entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, während dessen Faber weiter seiner Tätigkeit nachgeht und ihm seine Verfolger immer knapp auf den Fersen sind und das Ganze vermittelt den angenehmen Charme einer spannenden Partie des uralten Brettspiels „Scotland Yard“. Das meine ich positiv …

Dann aber, ziemlich genau an dem Punkt, an dem Faber auf der Insel landet auf der sich Lucy befindet, wendet sich das Ganze und wird skurril bis albern.

Follett mutet seinem Protagonisten zu Beginn dieses Abschnitts schon ein hartes Schicksal zu, heißt es doch bei dessen unfreiwilligem Eintreffen auf der Insel nach einem Schiffbruch „Einen Meter vor dem Ende der Rampe hatte er einen leichten Herzanfall und verlor das Bewusstsein, doch seine Beine machten noch zwei Schritte, bevor er auf den durchweichten Grasboden knallte.“ (S. 221)

Keine guten Karten also für den „psychologischen Krieg“, den der Klapptentext da ankündigt, und der nun zwischen ihm und Lucy stattfinden soll. Allerdings besteht dieser „Krieg“ lange Zeit eher darin, dass die beiden – der Herzanfallpatient sowie die ganz offensichtlich sexuell frustierte und seit Jahren in liebloser Ehe auf dieser einsamen Insel dahinschmachtende Frau – bei jeder sich bietenden Gelegenheit miteinander ins Bett springen. Bei allem Respekt davor, dass man Prioritäten setzen muss, und bei manchen Leuten sehen diese Prioritäten offensichtlich eher anders aus, aber wenn ich persönlich gerade erst am Vortag einen Herzanfall(!) erlitten hätte, wäre es in erster Linie mein Anliegen, mich darum zu kümmern und nicht, mein Herz-Kreislauf-System in neue, ungeahnte Höhen zu treiben, denn genau das tut Faber wohl, und auch nicht zu knapp, denn dabei zeigt er ihr – detailliert beschrieben – augenscheinlich Sachen von denen sie nicht wusste, dass … denn er ist auf diesem Gebiet offensichtlich eine Koryphäe, die in der Lage ist, seine Gespielin in ganz neue Sphären der Lust … blaaaaaa!

Wir haben also im ganzen Buch gerade mal zwei Frauenfiguren, von Klein- und Kleinstrollen mal abgesehen, und beide werden augenscheinlich in erster Linie davon angetrieben, dass sie dringend vögeln wollen. Man mag dem Roman das Erscheinungsjahr 1978 zugutehalten und man sollte da vielleicht auch keine modernen Maßsstäbe ansetzen, aber dennoch: Einerseits könnte man das aus gutem Grund heutzutage nicht mehr so machen und andererseits war das aber auch für damalige Verhältnisse schon unfassbar schlecht geschrieben.

Neben der ganzen Vögelei hat die zweite Hälfte des Buches dann in Sachen Spannung auch deutlich weniger zu bieten, weil die wiederkehrenden Sexzesse halt Platz wegnehmen, den man sinnvoller hätte nutzen können. Irgendwann wünscht man sich dann nur noch, die Fallschirmspringer der 1st Airborne Division der Briten würden auf der Insel landen, und selbige mittels Verwendung eines Atomsprengkopfes in die Luft jagen, um dem Treiben unserer Turteltauben Einhalt zu gebieten.

Am wenigstens kann ich noch über Folletts Schreibstil meckern, das konnte ich aber wohl noch nie.

Nur leider fällt das in Summe dann auch nicht mehr wirklich ins Gewicht.

Schade eigentlich.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 3 ,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Maurerdekolleté des Lebens“ von Matthias Thurau ooooder „Die Zeit der Ruhelosen“ von Karine Tuil.