The Mystery Blogger Award

Hallo lieber Leserinnen und Leser!

Die sehr geschätzte Blog-Kollegin Wortgeflumselkritzelkram hat mich zwar nicht direkt für diesen Award nominiert, sondern viel mehr die Teilnahme für alle freigestellt. Also mache ich einfach mal mit. Vielen Dank an die edle Fragenspenderin.

mystery-blogger-award-logo

About The Mystery Blogger Award

This is an award for amazing bloggers with ingenious posts. Their blog not only captivates, it inspires and motivates. They are one of the best out there, and they deserve every recognition they get. This award is also for bloggers who find fun and inspiration in blogging and they do it with so much love and passion.

Okoto Enigma is the creator of the award. To motivate the Blogger please do visit her blog.

Da der Mystery Blogger Award ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum kommt, wurden die Regeln in Englisch verfasst:

The Rules of the Award | Die Regeln

  • Put the award logo/image on your blog. | Übernehme das Logo in deinen Blog.
  • List the rules. | Liste die Regeln auf.
  • Thank whoever nominated you and provide a link to their blog. | Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei.
  • Mention the creator of the award and provide a link as well. | Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei.
  • Tell your readers 3 things about yourself. | Erzähle den Lesern drei Dinge über dich.
  • You have to nominate 10 – 20 people. | Nominiere 10 bis 20 Personen.
  • Notify your nominees by commenting on their blog. | Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.
  • Ask your nominees any 5 questions of your choice; with one weird or funny question (specify) | Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
  • Share a link to your best post(s). | Teile einen Link zu deinen besten Posts.

 

Okay, also: Übernahme des Logos? Check!

Auflistung der Regeln? Check!

Dank an die nominierende Person? Check!

Nennung der Urheberin mit Link? Check!

Drei Dinge über mich selbst? Nun gut, dann wollen wir mal sehen, was mir dazu so einfällt…

Erstens: Vor 35 Jahren war die Markteinführung der CD, wenn ich richtig informiert bin. Anlass genug, mich mal zurück zu erinnern, was meine erste selbst erworbene CD denn war. Zwar bin ich schon alt genug, auch Vinylplatten besessen zu haben – meine erste Vinylplatte war „Trash“ von Alice Cooper, was man nicht unbedingt vermuten würde, wenn man mich kennt – aber hier soll es jetzt um die CD gehen. Soweit ich das richtig in Erinnerung habe, bin ich quasi sofort nach Erwerb meines CD-Players (JVC; gebraucht; funktioniert heute noch) losgezogen, um CDs zu kaufen. Und ich kam gleich mit mehreren nach Hause, insofern gab es eine „erste“ CD gar nicht. Jedenfalls, die Ausbeute meines ersten Einkaufs war: ein „Guns n´ Roses“-Livealbum, „Laughing on Judgement Day“ von Thunder sowie „Revenge“ von Kiss. Ich erkenne ein Muster: Sonst eher nicht so mein Beuteschema, hatte ich musikalisch wohl ein Faible für langhaarige Männer. Die drei erwähnten Alben höre ich übrigens heute noch gerne, was man von einigen anderen musikalischen Fehlgriffen von damals nicht behaupten kann.

Zweitens: Ich habe meinem Auto einen Namen gegeben. Seitdem frage ich mich, ob das ein verschrobener Spleen eines vereinzelten Spinners – also mir – ist, oder ob das andere Leute auch so machen.

Drittens: Ich habe einen absolut unterirdischen Orientierungssinn. Der macht sich naturgemäß besonders im Straßenverkehr bemerkbar. Wenn ich also beispielsweise als Beifahrer eine Strecke von A nach B fahre, so ist nicht gewährleistet, dass ich diese Strecke anschließend auch als Fahrer fehlerfrei fahren könnte. Wenn man mir eine mir unbekannte Strecke erklären möchte, so kann man das tun, sollte sich dann aber auch auf eine bestimmte Route beschränken. Sollte man so etwas sagen wie: „Du kannst aber auch anders fahren, nämlich…“ um mir dann zwei Alternativrouten zu erläutern, könnte es passieren, dass mein Hirn aus diesen drei Strecken eine macht und ich dann mehrere Stunden später weinend in der Dunkelheit und im strömenden Regen am Straßenrand sitze. 😉 Angeblich soll dieses Problem ja relativ untypisch für Männer sein, nur leider hilft mir persönlich das überhaupt nicht. 🙂

Die fünf von wortgeflumselkritzelkram gestellten Fragen lauten:

  • Kennst du noch den Starschnitt von Bravo? Hattest du jemals einen davon in deinem Zimmer hängen und wen?
  • Gibt es jemanden, den du gerne einmal interviewen würdest? Warum? Und was würdest du diesen Menschen fragen?
  • In welchem Film möchtest du gerne leben? Warum?
  • Glaubst du an einen tieferen Sinn und welches ist dieser wohl?
  • Du hast die Möglichkeit deinen Geist in den Körper eines anderen Menschen zu „transferieren“ – welchen Menschen nimmst du und warum?

 

Antwort 1: Ja, aber natürlich kenne ich den Starschnitt noch. Selbst hatte ich aber keinen in meinem Zimmer. Aber Poster hingen da eine ganze Menge: „Europe“, „Bon Jovi“, „Roxette“ usw. Ich hätte auch gerne Erika Eleniak aus „Baywatch“ an der Wand hängen gehabt – also, als Poster – das hat sich aber irgendwie nie ergeben…

Antwort 2: Aus aktuellem Anlass würde ich gerne Martin Schulz interviewen. Denn trotz des Duells mit der Kanzlerin und der gestrigen Fragerunde gibt es da immer noch Sachen, die ich gerne wissen würde. So würde ich ihn gerne nach der Inklusion – oder dem, was Frau Nahles und die Große Koalition dafür halten – befragen und wissen wollen, ob er sie für gelungen hält oder wo noch Verbesserungspotenzial ist. Auch andere Fragen aus dem Bereich der Sozialpolitik würde ich gerne stellen, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, weil sie nur einen vermeintlich kleinen Teil der Bevölkerung betreffen.

Alternativ könnte ich mir auch ein Gespräch mit der AfD-Spitze vorstellen, also Gauland, Weidel und Petry, und sei es auch nur, um sie zu fragen, ob sie den ganzen Mist, den sie erzählen, wirklich ernst meinen. Wahrscheinlich würde das aber damit enden, dass ich in wüste Beschimpfungen ausbreche. Und wenn dann noch Frau von Storch um die Ecke kommt… nee, vielleicht ist das doch keine gute Idee!

Antwort 3: Spontan habe ich an „Der Herr der Ringe“ gedacht, weil ich Fantasy-Welten mag. Aber dauernd Gefahr laufen, von marodierenden Orks in Kleinteile zerlegt zu werden, erscheint mir dann doch eher anstrengend. Also suche ich mir lieber etwas Ruhigeres. „Während Du schliefst“ beispielsweise. Sandra Bullock wollte ich immer schon mal kennenlernen.

Antwort 4: Diese Frage habe ich mir in jüngerer Vergangenheit selbst häufiger gestellt, was an meinem Alter liegen muss. Und nach jetzigem Stand würde ich die Frage mit „nein“ beantworten, einen tieferen Sinn sehe ich derzeit nicht. Ich bin aber für Anregungen offen. 🙂

Antwort 5: Spannende Frage! Nach langem Nachdenken komme ich zu dem Schluss, dass ich meinen Geist wohl in den Körper von Robert Bauer transferieren würde, seines Zeichens Verteidiger beim SV Werder Bremen. Warum? Nun, einerseits ist der Herr Bauer verglichen mit mir eine ganz ordentliche Kante, damit kann man eindeutig mehr Eindruck schinden, als mir das jetzt möglich ist. Zum Anderen ist der Gute gerade mal 22 Jahre alt, ich hätte also eine ganze Menge Jahre gewonnen. Und zum Dritten hätte ich dann das Vergnügen, für Werder Fußball spielen zu dürfen, was die mit gigantischem Abstand höchste Ehre ist, die einem Profifußballer zuteil werden kann. Auch wenn Serge Gnabry das anders sieht…

So weit, so gut! Auf Nominierungen verzichte ich ebenfalls, wer die Fragen beantworten möchte, der soll das gerne tun. Und auch eigene Fragen wollen mir jetzt nicht so wirklich einfallen, daher gebe ich die obenstehenden einfach weiter.

Ich wünsche allseits noch ein schönes „Bergfest“!

Gehabt euch wohl!

 

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„Der letzte Verrat“ von Nicola Moriarty – Chick-Lit?

Buch: „Der letzte Verrat“

Autorin: Nicola Moriarty

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 336 Seiten

Die Autorin: Nicola Moriarty lebt mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen – aber sehr eigensinnigen – Töchtern im Nordwesten von Sydney. Als jüngste Schwester der beiden bekannten Autorinnen Liane und Jaclyn Moriarty begann auch sie sehr früh zu schreiben und kann seither nicht mehr damit aufhören. (Quelle: Piper)

Das Buch: Jedes Geheimnis haben sie geteilt – den ersten Kuss, das erste Mal, die erste große Enttäuschung –, aber die einst vier besten Freundinnen haben sich aus den Augen verloren. Ein paar gemeinsame Tage in einem Strandhaus an Australiens Ostküste sollen Abhilfe schaffen. Bereits am ersten Abend erkennen Eden, Joni, Trina und Deb jedoch, dass sie nicht mehr viel voneinander wissen, darum soll jede in einem anonymisierten Brief ihre geheimsten Wünsche, Ängste und Obsessionen offenbaren. Doch es taucht ein fünfter Brief auf, der sich mit hasserfüllten Drohungen gegen eine von ihnen wendet. Plötzlich ist jedes Vertrauen verloren, stattdessen herrschen Angst und Zwietracht … (Quelle: Piper)

Fazit: Zugegeben, eigentlich wollte ich an dieser Stelle erst „Der Präsident“ von Sam Bourne rezensieren, und das wird auch sehr bald passieren. Der einfache Grund, warum ich „Der letzte Verrat“ vorgezogen habe, ist: Ich werde es sehr bald schon wieder vergessen haben und dann wird es schwierig, darüber zu schreiben.

Ein Freitagabend, ein Samstagmorgen haben gereicht, um dieses Buch durchzulesen. „Oh!“, wird man sagen. „So schnell?“, wird man fragen. „So gut war es?“, wird man anschließend fragen. Tragischerweise muss ich darauf mit: „Nein!“ antworten. Der ziemlich schnell gefasste Entschluss, dieses Buch zügig durchzulesen fußte auf der selben Prämisse, nach der man sagt, man solle Pflaster in einem Zug abziehen: Der Schmerz ist schneller vorbei!

Je länger ich über das Buch nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass es durchaus Menschen geben dürfte, denen so etwas gefallen kann. Nur für mich, nein, für mich war das gar nichts. Zu viel stieß mir bei der Lektüre sauer auf, angefangen bei den Charakteren. Da gibt es Joni, die die einzige der vier Freundinnen ist, die noch kinderlos ist. Dennoch hat sie eine schon fast gluckenhafte Art und versucht penetrant, der Kitt zu sein, der die soziale Gruppe zusammenhält. Insgesamt wirkt Joni wie die Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Die Charakterisierung ihrer Freundinnen geht auch nicht tiefer. Da gibt es die schöne Deb, die sportliche Trina und Eden, die irgendwie gar nichts ist. Bestenfalls erinneren die vier Protagonistinnen an Girlbands der 90er-Jahre. Girl Power!

Auch in stilistischer Hinsicht liegt einiges im Argen. Abseits der Dialoge lässt sich „Der letzte Verrat“ gut lesen, aber insbesondere die Dialoge sind teilweise geschrieben, wie in einer schlechten Soap Opera. Wobei sich mir gerade die Frage stellt, ob es auch gute Soap Operas gibt, aber das soll  uns an dieser Stelle mal nicht weiter beschäftigen.

Letztlich bleibt die Geschichte als solche. Und die klingt im Klappentext (siehe oben) eigentlich gar nicht so schlecht, besticht aber in erster Linie durch ihre Belanglosigkeit und extreme Langeweile.

Insgesamt hatte ich die Hoffnung, so etwas wie „Der Gott des Gemetzels“ zu bekommen, bekam aber eher eine überdimensionale Folge von GZSZ. Daher fasse ich mich, entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten, mal ganz kurz und belasse es bei: „Der letzte Verrat“ vermittelt weniger den Eindruck, ein Roman zu sein, es vermittelt vielmehr den Eindruck, bei allem Respekt, als sei es eine in einem Schreib-Workshop entstandene Schreib-Übung. Ob man diese Schreib-Übung zwingend hätte veröffentlichen müssen, lasse ich mal dahingestellt…

Wertung:

Handlung: 5,5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Demnächst gibt es dann tatsächlich „Der Präsident“ von Sam Bourne. Das gefiel mir auch besser…

Freitagsfragen # 11

Hallo, liebe Leserinnen und Leser!

„Was sind ihre nächsten beruflichen Ziele?“

„Freitag!“

Diesen netten Gag las ich kürzlich bei Captain Books und verbreite ihn seither, wo es nur geht. Umso mehr, als das berufliche Ziel „Freitag“ in dieser Woche auch bei mir Priorität hatte. Bevor ich dieses Ziel weiter verwirkliche, geht es aber erst mal an die nächsten Freitagsfragen im Brüllmausblog. An dieser Stelle mal ein viel zu selten geäußerter Dank an die Fragenstellerin! Schreiten wir zur Tat, die heutigen Fragen lauten:

1.) Du wachst eines Morgens in Neapel auf. Was ist geschehen?

2.)Was hast Du von Deinen Eltern gelernt?

3.) Du hast ab nächstem Montag 2 Wochen frei. Was fängst Du mit dieser Freizeit an?

4.) Die Wahl der Qual: Eine Woche lang kalte Nase oder nasse Füße?

 

Antwort zu 1: Eine Überdosis Limoncello? Nein, daran kann es nicht liegen, so etwas trinke ich nicht. Tja, also, mir fallen dafür nur zwei mehr oder weniger plausible Szenarien ein.

Erstens: Mein Chef hat mir Geld geschenkt. Viel Geld! So viel Geld, dass es sogar mal für einen Urlaub außerhalb der deutschen Grenzen reicht. Daher habe ich mich damit auf den Weg in den europäischen Süden aufgemacht und in Neapel habe ich dann Zwischenstation gemacht, um mir das Castel Nuovo, das Archäologische Nationalmuseum und – natürlich – den Vesuv anzusehen.

ooooder, und das ist das weitaus wahrscheinlichere Szenario,

zweitens: Es handelt es sich um einen Racheakt der allseits beliebten amerikanischen Schriftstellerin Diana Gabaldon an meiner Person. Frau Gabaldon war es schließlich leid, dass ich mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in eher despektierlicher Weise über ihr literarisches Schaffen äußere, daher hat sie mich statt ins Schottland des Jahres 1743 – schließlich besteht die Gefahr, dass es mir dort dann auch noch gefallen würde, es sind schließlich die britischen Inseln – ins Neapel des Jahres 2017 geschrieben. Und so werde ich also an einem handelsüblichen Montag in meiner Unterkunft in der Nähe des Museo di Capodimonte wach und wundere mich bei einem ersten Blick aus dem Fenster über die Leere in der Stadt. Auch bei einen kurzen Marsch durch die Straßen der Umgebung begegnet mir niemand. Erst als ich die ersten Ausläufer des pyroklastischen Sturms auf mich zukommen sehe, weiß ich, dass man die Stadt wohl aufgrund eines Ausbruchs des Vesuvs evakuiert hat. Nur mir hat wieder niemand Bescheid gesagt. Danke, Diana!

Antwort zu 2: Reizthema! Gut, ich könnte jetzt eine umfassende Eloge voller Pathos auf meine Eltern verfassen, die wäre aber nur zu etwa 50 % korrekt. Wäre ich in versöhnlicher Stimmung, was ich nicht bin – was, wie ich schätze, musikalisch induziert ist, da der Radiosender meines Vertrauens heute morgen „Last Resort“ von „Papa Roach“ spielte, eine Nummer, die mich neben alten „Linkin Park“- und „Nirvana“-Alben umgehend in schlechte Stimmung versetzen kann, was aber manchmal nötig ist – wäre ich also in solcher versöhnlichen Stimmung würde ich diese Eloge vielleicht sogar verfassen. So aber beschränke ich mich in der Frage, was ich von meinen Eltern gelernt habe auf das Nötigste indem ich sage:

Alles Wichtige im Leben habe ich von meiner Mutter gelernt, von meinem Vater weiß ich, wie man Verantwortung und anderen unangenehmen Dingen ausweicht. Nuff said!

Antwort zu 3: Zwei Wochen frei! Hach, was wäre das wieder mal schön! Ich würde in den ersten Tagen so zwei bis drei mir nahestehende ganz zauberhafte Personen besuchen, die es im Gegensatz zu mir vorgezogen haben, die heimische Pampa zu verlassen und die ich aus genau diesem Grund schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe.

In den restlichen, sagen wir zehn, Tagen würde ich das machen, was ich eigentlich während meines Urlaubs Ende Juli, Anfang August vorhatte: Da ich in letzter Zeit das habe, was Hubertus Meyer-Burckhardt mal so schön als „fast schon erotisches Verhältnis zum Alleinsein“ bezeichnet hat – die o.g. Personen sind davon explizit ausgenommen – würde ich mein Handy im Garten vergraben, den Stecker des Routers ziehen, die Türklingel außer Funktion setzen und mich hinlegen. Viele Leute neigen ja dazu, im Urlaub Dinge zu erledigen, die vorher liegen geblieben sind. Ich ziehe es vor, selbst liegen zu bleiben! Und dann würde ich mich zehn Tage lang nur mit meinen Stapeln ungelesener Bücher befassen und meine Liegestatt nur für das Nötigste verlassen.

Aber, wie so häufig, würde das wahrscheinlich nicht funktionieren, auch in meinem erwähnten Urlaub scheiterte dieser Vorsatz am „Kannste mal, haste mal, machste mal…?“ meines Umfelds und meiner Inkompetenz hinsichtlich des Wortes „nein“.

Aber hey, man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Antwort zu 4: Nun, ich fürchte, dass aus einer Woche nasse Füße ganz schnell eine Woche kalte Nase und Schlimmeres entstehen könnten. Das kann ja niemand wollen, also entscheide ich mich schweren Herzens für die kalte Nase. Da ich aus vergleichsweise viel Nase bestehe, ist das allerdings auch das kein Geschenk!

 

Nun denn, geneigte Leserschaft, damit lasse ich es auch schon bewenden. Ich wünsche allseits einen stressfreien Freitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende!

Gehabt euch wohl!

„Die Spur der Bücher“ von Kai Meyer – Rückkehr in die Welt der Bücher

Buch: „Die Spur der Bücher“

Autor: Kai Meyer

Verlag: Fischer FJB

Ausgabe: Hardcover, 442 Seiten

Der Autor: Kai Meyer ist ein 1969 in Lübeck geborener Autor. Nach einem Studium – Film, Theater und Philosophie – arbeitete Meyer als Volontär bei einer Tageszeitung und schrieb während dieser Zeit an seinem ersten Buch. „Der Kreuzworträtsel-Mörder“ erschien dann 1993.

Der Durchbruch gelang Meyer im Jahr 1994 mit seinem Roman „Die Geisterseher“ und vor allen Dingen mit „Die Alchimistin“. International erfolgreich war der Autor erstmals mit „Die fließende Königin“, dem ersten Teil der Merle-Trilogie.

Meyers Romane haben mittlerweile Millionen-Auflagen erreicht und erscheinen in über 30 Sprachen.

Der Autor lebt mit seiner Familie am Rande der Eifel.

Das Buch: London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

Fazit: So etwa knappe 10 Jahre stand ich mit den Neuerscheinungen meines einstigen Lieblingsschriftstellers eher auf dem Kriegsfuß. Zu jung war die Zielgruppe, an die sich Meyer in dieser Zeitspanne wandte, als dass seine Bücher für mich noch hätten interessant sein können.

Erst 2014 mit „Die Seiten der Welt“ änderte sich das. Ironischerweise handelte es sich dabei zwar ebenfalls um einen Jugendbuch-Dreiteiler, aber hey, darin ging es wenigstens um Bücher! Und auch wenn ich diese Trilogie – wie ich zu meiner eigenen Schande eingestehen muss – bis heute nicht komplett durchgelesen habe, gefiel mir das, was ich las, ausnehmend gut. Ehrensache, dass ich so schnell als nur irgend möglich auch „Die Spur der Bücher“ aufnahm.

Und man fühlt sich zu Beginn des Buches wieder sehr schnell heimisch in der Welt der Bibliomantik. Das liegt nicht zuletzt an Meyers eingängigem Stil sowie den gut geschriebenen Dialogen, das liegt aber auch an der Stimmung, die das Buch verbreitet und vereinzelten Textpassagen, die Buchliebhaber verständnisvoll aufseufzen lassen, so schon bei den ersten Sätzen des Buches:

„Sie wünschte sich den Geruch der Geschichten zurück, die Behaglichkeit der engen Buchläden ihrer Kindheit. Das Gefühl der Einbände unter den Fingerspitzen, wenn sie an den Regalreihen vorüberstrich. Die Gewissheit, dass ein einziger Griff genügte, um in eine andere, eine sichere Welt zu entfliehen.“ (S.9)

Hach ja, kann es einen besseren Einstieg in einen Roman über Bücher geben, als diesen? Ich denke, nein! 🙂

Darüber hinaus findet man sich in „Die Spur der Bücher“ auch zurecht, wenn man „Die Seiten der Welt“ nicht gelesen hat. Also, auch wer von Bibliomantik und der Spaltung von Seitenherzen noch nie etwas gehört hat, kann der Handlung dennoch folgen, wenn man ein paar Dinge, die – wie die genannten – nicht näher erklärt werden, halt einfach als gegeben hinnimmt.

Hinsichtlich der Charaktere könnte ich mich jetzt ausführlich über die Protagonistin Mercy und ihre Freunde auslassen, möchte das – obwohl sie alle recht gut gelungen sind – aber nicht tun. Denn die heimlichen Stars von Meyers Charakteren sind für mich seine magischen Wesen, namentlich seien da die Alexandrinische Flamme und der Veterator, man könnte auch Besserwisser sagen, genannt. Letzterer ist eine Art Papier-Version von Wikipedia und besitzt das Wissen von sämtlichen jemals geschriebenen Büchern. Darüber hinaus zeichnet er sich durch eher elaborierte, irgendwie aristokratische Art zu reden aus, die sehr unterhaltsam ist. Die Alexandrinische Flamme steht dem in Sachen Unterhaltungswert in nichts nach, fällt durch absolutes Selbstbewusstsein auf und hat eine recht weitschweifige Art, sich vorzustellen, die mich irgendwie an „Darkwing Duck“ erinnerte. Die Älteren werden sich erinnern: „Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert. Ich bin der eingewachsene Zehennagel im Fuße des Verbrechens. Ich bin der Hauch der Chance, die Du nicht hast.“ etc. pp.

Beide Charaktere lockerten die Handlung deutlich auf. Besagte Handlung vermochte mich übrigens erst in der zweiten Hälfte so wirklich zu überzeugen, macht dann aber doch Lust auf mehr. Und mehr wird glücklicherweise auch erscheinen: Die Fortsetzung „Das Paket der Bücher“ wird im Herbst 2018 geliefert. Für mich jedenfalls war diese Vorgeschichte aus der Welt der Bibliomantik ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Und jetzt, ja, jetzt warte ich voller Ungeduld auf die Fortsetzung von Meyers „Die Krone der Sterne“. Nach seiner eigenen Aussage wurde das Manuskript für Teil zwei gerade gestern beim Verlag abgegeben. Wenn ich nicht wüsste, dass es nichts bringt, würde ich bei den Verantwortlichen des Fischer-Verlags per Mail darauf insistieren, das Manuskript nur grob quer zu lesen, dem Autoren einen absurd hohen Scheck auszustellen und dann ab dafür in die Druckerei! Aber so werde ich wohl leider noch eine Weile warten müssen…

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Präsident“ von Sam Bourne

„Spectrum“ von Ethan Cross – Django zahlt nicht, Django hat Monatskarte!

Buch: „Spektrum“

Autor: Ethan Cross

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 510 Seiten

Der Autor : Ethan Cross ist das Pseudonym eines amerikanischen Thriller-Autors, der mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Shih Tzus in Illinois lebt. Nach einer Zeit als Musiker nahm Ethan Cross sich vor, die Welt fiktiver Serienkiller um ein besonderes Exemplar zu bereichern. Francis Ackerman junior bringt seitdem zahlreiche Leser um ihren Schlaf und geistert durch ihre Alpträume. Mittlerweile ist Ethan Cross nicht nur internationaler Bestsellerautor, sein blutrünstiger Serienkiller Ackerman junior hat auch Gesellschaft bekommen: 2017 veröffentlichte Ethan Cross Spectrum, den ersten Thriller um den autistischen FBI-Berater August Burke. Auch dieses Buch wurde zum Bestseller und begeistert Leser weltweit. Neben der Schriftstellerei verbringt Ethan Cross viel Zeit damit, sich sozial zu engagieren, wobei ihm vor allem das Thema Autismus sehr am Herzen liegt. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank – das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur – und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern. (Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Wie befinden uns auf Seite 18 des Thrillers „Spectrum“. Zu diesem frühen Zeitpunkt der auf Seite 7 beginnenden Handlung haben bereits 300 Bewohner eines Squatter-Camps in Südafrika ihr Leben sowie ihre Köpfe und Gliedmaßen verloren und einem unbescholtenen Banker – soll es ja geben -, ausgestattet mit einer nur kurzen Sprechrolle, werden auf unschöne Art und Weise ein Daumen und ein Augapfel entfernt. Die Frage, ob es für diesen Vorgang auch eine schöne Art und Weise gibt, lasse ich einfach mal im Raum stehen. Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls denkt sich der leicht verstörte Rezensent: „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl. Ob das jetzt immer so weiter geht?“ Nun, nein, glücklicherweise nicht, aber wirklich überzeugen konnte mich „Spectrum“ leider trotdem nicht. Und was ein Squatter-Camp ist, musste ich googeln…

Beginnen wir aber zunächst mal mit dem Positiven, mit dem Protagonisten. August Burke ist tatsächlich anders. Erfrischend anders. Burke hält nicht viel vom Umgang mit „normalen“, oder besser: neurotypischen Menschen. Er versteht sie nicht, er findet sie anstrengend und er fühlt sich durch sie unter Druck gesetzt. Andererseits ist Burke aber auch hochintelligent und damit wie geschaffen für eine Beratertätigkeit für das FBI. Die innere Zerrissenheit des Protagonisten, der seine Mitmenschen für alles andere als normal hält, sich aber auch immer wieder gezwungen fühlt, sie zu studieren, um selbst ein „passendes“ Verhalten an den Tag zu legen und keinen allzu seltsamen Eindruck zu machen, all das wird von Ethan Cross überraschend gut dargestellt. Denn, machen wir uns nichts vor, vielschichtige (Ermittler-)Figuren mit Tiefgang sind sonst die Sache des Thrillers nicht.

Cross verzichtet folgerichtig in seinen restlichen dramatis personae auch weitgehend auf einen solchen Tiefgang. Da hätten wir zum Beispiel den SWAT-Chef Nic Juliano, der eigentlich noch am wenigsten stört. Lediglich sein erstes Auftauchen, der Leser befindet sich auf Seite 19, sorgte für Stirnrunzeln, als der junge Mann mit seinem schwarzen Maserati GranTurismo MC Stradale (sic!) nicht einfach so um die Kurve fährt, nein er driftet. Kurz macht sich im Rezensenten die Befürchtung breit, bei „Spectrum“ so etwas wie eine Mischung zwischen einen handelsüblichen Quentin-Tarantino-Film und „Fast and Furios 39“ vor sich zu haben. Eine Sorge, die glücklicherweise unbegründet ist. Aber wie gesagt, Nic ist eigentlich, abgesehen von seinem ersten Auftritt, noch ganz gut erträglich.

Schwieriger wird es da schon mit dem Söldner namens Krüger. Krüger heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Idris Madeira und ist ein unbescholtener Familienvater. Um die Familie über Wasser zu halten, mordet er halt ein wenig. Krüger könnte ein spannender Charakter sein, denn einerseits hat er einen sehr individuellen Moralbegriff. So blickt er mit Verachtung auf Geschäftshochhäuser, in denen ja Umsätze erzielt werden, mit denen man in Afrika viele Familien versorgen könnte – findet aber auch nichts wirklich Schlimmes am Töten. Darüber hinaus ist auch Krüger/Madeira ein innerlich zerrissener Charakter. Cross macht deutlich, dass Madeira fürchtet, seine Killer-Identität könne irgendwann einmal die Oberhand über ihn gewinnen. So eine Art „Jekyll and Hyde“-Problematik. Das ist eigentlich ein spannender Ansatz. Leider wird diese innere Zerrissenheit immer und immer und immer wieder wiederholt, in gefühlt jeder zweiten Szene, in der der Killer auftaucht, so dass man als Leser irgendwann nur noch grummelt: „Alter, ich weiß es!“

Völlig ins Abseits geschossen hat Cross seine Charaktere dann aber mit der südafrikanischen Polizistin Isabel Prize. Die junge Frau ist nach dem eingangs erwähnten Massaker im Squatter-Camp auf einer Art Rachefeldzug. Ein bisschen wie Django – nur dass sie keinen Sarg hinter sich herzieht… Und so klingt sie dann auch: „(…) wenn ich schon untergehe, dann werde ich diesen Hurensohn, der meinen kleinen Jungen auf dem Gewissen hat, mit in die Hölle nehmen. (S. 123) Oder: „Du bist ein guter Mann und sogar noch ein viel besserer Vater. Aber ich bin nicht wie du. Ich vergesse und ich vergebe nicht.“ (S. 181)

Diese und ähnliche Sätze gaben mir immer wieder das Gefühl, mich in einem ganz schlechten Actionfilm der 80er zu befinden. Eigentlich ist das Buch sogar recht gut geschrieben, aber der gewollt harte Ton zieht es irgendwie dann doch leicht ins Lächerliche. Da werden Frauenwitze gemacht. Da werden Schwulenwitze gemacht. Und den Satz, den ich jetzt partout nicht wiederfinde, der aber sinngemäß lautete: „Erklären Sie es uns, als wären wir zwei geisteskranke Vierjährige.“, den muss man wohl auch nicht verstehen.

„Spectrum“ bemüht sich, gerade im sprachlichen Bereich bzw. den Dialogen, ganz dolle hart und cool zu wirken. Dabei hätte es das gar nicht nötig, die Geschichte um die Geiselnahme in einer Bank und das, was die Bankräuber darin gesucht haben, verdient zwar keine Innovationspreise, ist aber durchaus phasenweise spannend. Mit dem Großteil des Personals und mit dem Stil sorgt Cross aber leider dafür, dass „Spectrum“ für mich mehr Ärgernis als spannendes Leseerlebnis war.

Wertung:

Handlung: 7 von  10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Spur der Bücher“ von Kai Meyer.

Freitagsfragen # 10

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich ist mir zur Zeit – jaha, „zur Zeit“, zwei Worte, „Zeit“ groß, ich bin bei dieser Schreibweise renitent – gar nicht nach bloggen, aber für die Freitagsfragen im Brüllmausblog mache ich natürlich eine Ausnahme.

Die heutigen Fragen beschäftigen sich mit Hobbys, beziehungsweise mit dem, welches man am meisten ausübt. In meinem Fall also lesen. Auch wenn ich im Laufe meiner Bloggerei eigentlich schon fast alles dazu gesagt habe.

1.) Wie bist Du zu Deinem Hobby gekommen?

2.) Was fasziniert Dich an Deinem Hobby?

3.) Jemand möchte Dein Hobby ausprobieren. Was rätst Du?

Antwort zu 1: Tja, wie kommt man dazu? Vielleicht aus Mangel an Alternativen? Für Sportarten beispielsweise bin ich physisch nicht geschaffen. Im musisch-künstlerischen Bereich bin ich – ich erwähne das gelegentlich – ebenso untalentiert wie im handwerklichen – wie Myriaden entäuschter Musik-, Kunst-, Werken- und Textillehrer und Innen bestätigen können. Ein Instrument spielen oder die Malerei fiel damit ebenso aus wie Laubsägearbeiten und häkeln. Was blieb denn da noch im ländlichen Niedersachsen der 80er-Jahre? Wir hatten doch nichts! 😉

Nein, mal im Ernst, ich bin zum Lesen gekommen, wie man eben zum Lesen kommt. Meine Mutter hat mir als Kind vorgelesen, später griff ich selbst zum Buch und habe bemerkt, dass es mir gefiel. Zumindest fiel es mir einfacher, mich in der Schule freiwillig zu melden, um einen Text vorzulesen als mich freiwillig zu melden, um an der Tafel 4x+2=18 nach x aufzulösen.

Antwort zu 2: Diesbezüglich könnte ich ins Detail gehen, worauf ich aber verzichten möchte, da mein Blog einen begrenzten Speicherplatz hat. Lesen hat einfach zu viele positive Aspekte, um alle im Detail zu beleuchten. Beispielsweise mag ich dieses Hobby, weil man es zwar allein ausüben, aber anschließend trotzdem mit anderen Gleichgesinnten darüber reden kann.

Der für mich wichtigste Punkt ist aber weiterhin, – und auch das erwähnte ich schon einmal – dass ich beim Lesen am besten abschalten und entspannen kann. Egal, ob ich lesenderweise durch unwirtliche Fantasy-Landschaften streife, an Bord von James Cooks „Endeavour“ den Pazifik bereise oder an der Seite von Edward Cullen… – na gut, Letzerer nicht, aber ich will sagen: Während ich bei den Geschehnissen eines Buches praktisch „dabei“ bin, bin ich aber auch ziemlich weit entfernt vom „hier“. Und das kann manchmal wirklich wohltuend sein.

Antwort zu 3: Wenn jemand nicht liest, hat er oder sie meistens gute Gründe dafür. dann würde ich auch nicht missionierend tätig werden. Wer sich aber tatsächlich mit dem Gedanken trägt, damit anzufangen, dem kann ich nur raten: einfach anfangen. Sicherlich sollte man sich vorher darüber Gedanken machen, was einem denn gefallen könnte. Wenn jemand „Arielle, die Meerjungfrau“ als Lieblingsfilm angibt, würde ich ihm oder ihr nicht gerade „Evil“ von Jack Ketchum als erste Lektüre empfehlen, das könnte abschrecken. Und wer Mühe hat, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, dem würde ich auch von „Krieg und Frieden“ abraten. Generell glaube ich aber zwei Dinge:

Erstens, dass es für jeden Menschen das passende Buch gibt!

Zweitens, auch wenn es pathetisch klingt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn mehr Leute lesen würden.

 

Damit will ich es auch schon wieder bewenden lassen. Jetzt verziehe ich mich wieder mit „Der Präsident“ von Sam Bourne in meine Leseecke, in der Hoffnung, das in der Nachbarschaft stattfindende Zeltfest und die daraufhin mitten in der folgenden Nacht durch die heimische Gemarkung streifende Unzahl volltrunkener Minderjähriger mittels dieser Lektüre besser ausblenden zu können. Siehe Antwort zu 2. 😉

Ich wünsche allseits noch einen schönen restlichen Freitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer – Frühkindliches Erziehungstrauma

Buch: „Das Genie“

Autor: Klaus Cäsar Zehrer

Verlag: Diogenes

Ausgabe: Gebunden, 645 Seiten

Der Autor: Klaus Cäsar Zehrer, geboren 1969 in Schwabach, ist promovierter Kulturwissenschaftler und lebt als freier Autor, Herausgeber und Übersetzer in Berlin. Er veröffentlichte u.a. zusammen mit Robert Gernhardt die Anthologie ›Hell und Schnell‹, das Standardwerk der deutschsprachigen komischen Lyrik. ›Das Genie‹ ist sein erster Roman. (Quelle: Diogenes)

Das Buch: Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat William von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Durch Anwendung der Sidis-Methode könnten alle Kinder die gleichen Fähigkeiten entwickeln wie sein Sohn, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit. Er weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Ver­fügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstel­lungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Fazit: Ich habe lange überlegt, was ich denn an „Das Genie“ so kritisieren könnte, bis ich zu dem Schluss kam: Herzlich wenig! Denn – das darf ich vorwegnehmen – Klaus Cäsar Zehrer hat einen wunderbaren, beeindruckenden Debütroman geschrieben.

Der Autor beleuchtet die Lebensläufe des Psychologen Boris Sidis sowie seines Sohnes William James Sidis. Boris wandert 1886 aus der Ukraine in die USA aus, nachdem er bereits als 17-Jähriger festgenommen wurde, weil er ukrainischen Bauern und deren Angehörigen unerlaubt Schulunterricht erteilt und sich auch sonst für deren Bildung stark gemacht hat.

Unter diesen Eindrücken hat sich bei ihm ein grundliegendes Misstrauen gegenüber der Macht des Staates sowie eine Abneigung gegen Krieg im Speziellen und das Militär im Allgemeinen verankert. Gleichwohl verliert er diesbezüglich nicht den realistischen Blick auf die Welt. „Lachen besiegt gar nichts. Wäre das Lachen stärker als die Gewalt, dann würden sie keine Soldaten in den Krieg schicken, sondern Spaßmacher.“ (S. 78)

Dennoch fehlt dem jungen Hochbegabten das Verständnis für das Leben der „normalen“ Menschen. Mehr noch, er lehnt diese „normalen Leute“ sogar ab. „Wie angepasst sie sind (…) Sie machen immer nur das, was andere von ihnen verlangen. (…).“ (S 157) Nein, einer von diesen normalen Leuten soll sein Sohn nicht werden. Er soll es einmal besser haben als sein Vater. „Wir müssen darauf achten, dass er eine starke und selbständige Persönlichkeit wird, die sich niemals von anderen herumkommandieren lässt.“ (S. 157)

Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen, kann man da nur sagen.

Aus dieser Motivation heraus beginnt Boris, seinen Sohn, bereits wenige Wochen nach dessen Geburt, ganz strukturiert zu fördern. Mit Erfolg, wie es scheint. Der Junge kann mittels Buchstabenbauklötzchen bereits im Alter von zwei Jahren schreiben, wenig später flüssig Texte aus der Zeitung lesen. Auch Fremdsprachen und Naturwissenschaften sind später kein Problem für ihn. Die „Sidis-Methode“, wie Boris seine Art der frühkindlichen Förderung nennt, scheint erfolgreich zu sein. Das Wunderkind wird berühmt – und mit ihm der stolze Vater.

Aber irgendwann wird es dem jungen William James Sidis zu bunt und er bricht mit seiner Familie und versucht, sein eigenes Leben zu leben. Nur eines hat William eben nie gelernt: Den Umgang mit den „normalen“ Menschen.

Und so stößt William mit seiner nüchternen Weltsicht auf vielerorts auf Ablehnung, wenn er beispielsweise sagt: „Ich habe nie verstanden, wozu Kunst gut sein soll. Ich weiß nicht, warum Leute die Mühe auf sich nehmen, ein Lied zu singen, anstatt den Text aufzusagen. Man könnte eine Menge Zeit sparen und außerdem die Worte leichter verstehen.“ (S. 352) Ich gebe zu, an der Stelle hat es mich ein bisschen geschüttelt…

Eine solche Geschichte, wie die, die Zehrer in „Das Genie“ erzählt, hängt stark von den Charakteren ab. Und zum Glück sind ihm – nicht nur – Sidis senior und Sidis junior glänzend gelungen. Immer wieder steht man als Leser teilweise kopfschüttelnd vor Vater oder Sohn, manchmal möchte man sie schütteln, ihnen helfen oder auch – ganz selten – mal gepflegt eine scheuern. Und manchmal, ganz unerwartet, nickt man mit dem Kopf, weil sie in ihrer nüchternen Weltsicht etwas sehr treffend formulieren.

Apropos „treffend formulieren“: Ich kann gar nicht genau beschreiben, woran es lag, aber Zehrers Stil entwickelte bei mir das, was ich mal ausnahmsweise als Sogwirkung beschreiben möchte – fast hätte ich sogar gesagt, dass ich das Buch „kaum aus der Hand legen konnte“, aber man sollte es mit Allgemeinplätzen nicht übertreiben. Jedenfalls habe ich bei „Das Genie“ ein selbst für mich schnelles Lesetempo an den Tag gelegt. An Zehrers Stil kann man mithin nichts kritisieren, er liest sich leicht und dennoch nicht anspruchslos und besticht durch hervorragend geschriebene Dialoge.

Darüber hinaus ist die Handlung „von überraschender Aktualität“, wie Benedict Wells sagt. Und das stimmt durchaus, denn diese Geschichte von Förderung und Überforderung lässt sich durchaus in moderne Zeiten übertragen, in denen Schüler und Innen immer häufiger Stresssymptome aufweisen, der Anteil an Abiturienten und Innen innerhalb eines Jahrgangs im Laufe der letzten 10 Jahre von 40 auf über 50 % gestiegen ist und 900 Millionen Euro jährlich in Nachhilfe investiert wird. Der Leistungsgedanke kann den Nachfolgegenerationen anscheinend nicht früh genug vermittelt werden…

Apropos genug: Genug der Lobhudelei! Denn schon in einem kitschigen Buch aus den 90ern stand – wenn ich mich recht entsinne – „Manche Dinge verlieren ihren Reiz, wenn man zu viel darüber redet“

Deshalb schließe ich jetzt mit der gutgemeinten Aufforderung, das Buch dringend zu lesen und mit meinem Lieblingszitat aus „Das Genie“: „Wenn gezielt versucht wird, den Charakter und Willen eines Menschen zu brechen, nur damit er die Erwartungen der Außenwelt erfüllt, wenn er systematisch verbogen werden soll zu einem Wesen, dass seinem innersten Selbst entfremdet ist, dann ist das Folter auf psychischer Ebene.“ (S. 455)

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 10 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ausnahmsweise kann ich das nicht sagen, weil ich es selbst noch nicht weiß…

„Niemandsland“ von Philip Dröge – Wenn zwei sich streiten,…

Buch: „Niemandsland“

Autor: Philip Dröge

Verlag: Piper

Ausgabe: Hardcover, 285 Seiten

Der Autor: Philip Dröge ist ein niederländischer Autor von historischen Büchern. Er schreibt für verschiedene Zeitungen und tritt regelmäßig im Radio und im Fernsehen auf in Diskussionsrunden zu geschichtlichen und geographischen Themen. Seine Bücher über den Vulkan Tambora und das Miniaturland Moresnet waren Bestseller in den Niederlanden. (Quelle: Piper)

Das Buch: Europa nach den Napoleonischen Kriegen. Vertreter aus allen möglichen europäischen Ländern treffen sich ihn Wien, um die Grenzen der europäischen Staaten nach der Niederlage Napoleons neu zu verhandeln. Dabei soll auch die Grenze zwischen den Niederlanden und Preußen eindeutig geklärt werden.

Nach Unterzeichnung der Schlussakte machen sich Landvermesser beider Staaten zusammen auf den Weg, um die verhandelte Grenze metergenau zu ziehen. Dabei stoßen sie auf Ungereimtheiten. So entspricht die in den Unterlagen festgehaltene Westgrenze Preußens in der Nähe von Aachen nicht der Ostgrenze der Niederlande, was dort eigentlich der Fall sein müsste. Auf diese Weise entsteht ein 3,4 Km² großes Stück Land, das nun offiziell weder zu Preußen noch zu den Niederlanden gehört.

Eigentlich wäre dieses Versehen wohl reicht leicht zu beseitigen. Allerdings befindet sich auf diesem kleinen Gebiet eine ertragreiche Zinkmine. Und auf diese wollen die Niederländer nicht verzichten, die Preußen hätten sie aber ebenfalls gerne.

Bis auf Weiteres wird eine Entscheidung über den Landstrich auf Eis gelegt, er bekommt eine gemeinsame Verwaltung und die Bezeichnung „Neutral-Moresnet“. Dieses Gebiet mit seinem ungeklärten Status sollte über 100 Jahre Bestand haben.

Fazit: Ich lese eigentlich relativ selten Sachbücher, musste in diesem Fall aber einfach eine Ausnahme machen, weil mich das skurrile Thema ansprach. Ich behaupte, durchaus geschichtlich interessiert zu sein, aber von Neutral-Moresnet hatte ich trotzdem noch nie etwas gehört. „Ein staatenloses Gebiet in der Nähe von Aachen, das über 100 Jahre Bestand gehabt haben soll?“, dachte ich. „Davon hätte ich doch gehört!“, dachte ich weiter. „Kann es so etwas geben?“

Ja, kann es, denn Philip Dröge beschränkt sich in seinem Buch ausschließlich auf historische Tatsachen, die nur in selten Fällen behutsam dramatisiert wurden, wenn es notwendig erschien. Dabei sind – soweit ich das beurteilen kann – die Hintergründe für „Niemandsland“ sehr gut recherchiert worden.

In einzelnen Anekdoten führt der Autor den Leser durch die etwa 100-jährige Geschichte des kleinen Landstrichs. Anhand dieser Anekdoten wird die Geschichte Neu-Moresnets erläutert aber auch auf die einzelnen Probleme eingegangen, die durch eine solche Staatenlosigkeit auftreten: Welches Zahlungsmittel hat man? Welche Steuern werden erhoben? Und nicht zuletzt, wie sieht es mit der Gesetzgebung aus? In letzter Frage hat man sich beispielsweise für die Einführung des „Code Napoleon“ aus dem Jahre 1815 entschieden. Dass diese Gesetzgebung unverändert über fast 100 Jahre angewendet wurde, führte im Laufe der Zeit zu weiteren Problemen.

Sachbüchern wird ja häufig nachgesagt, dass sie eher trocken seien. Hiervon bildet „Niemandsland“ eine wohltuende Ausnahme. Die Erzählweise anhand einzelner Begebenheiten in der Geschichte Neutral-Moresnets verleiht dem Buch etwas romanhaftes und trägt sehr zur Lesbarkeit bei. Auch das erzählerische Augenzwinkern, dass der Autor angesichts der Unfähigkeit oder des Unwillens zweier Staaten, einen unhaltbaren Zustand zu beenden, immer wieder einfließen lässt, gefällt sehr.

Wer an skurrilen Episoden der Weltgeschichte seine Freude hat oder allgemein historisch interessiert ist, der wird sich von „Niemandsland“ gut unterhalten fühlen.

Und nun bitte ich, mich zu entschuldigen, ich muss mal eben in die obere Etage, um dort vom Fenster aus die erneute Unabhängigkeit meines schönen Landkreises zu proklamieren, der immerhin in der Zeit von 1918 bis 1946 ein Freistaat war, jawohl! 😉

Wertung

8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer.

„Ulldart – Die komplette Saga 1“ von Markus Heitz – Wie man Fantasy-Romane schreibt

Buch: „Ulldart – Die komplette Saga 1“

Autor: Markus Heitz

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 1419 Seiten

Der Autor: Markus Heitz ist ein 1971 in Homburg/Saar geborener deutscher Schriftsteller. Nach seinem Abitur an einer katholischen Privatschule und dem anschließenden Wehrdienst, studierte Heitz Germanistik und Geschichte auf Magisterabschluss.

Nach seinem Studium war er als freier Journalist bei der Saarbrücker Zeitung tätig, bevor im Jahr 2002 sein erstes Buch „Die dunkle Zeit – Schatten über Ulldart 1“ erschien. Dafür erhielt Heitz den Deutschen Phantastik-Preis für das beste Romandebüt. Besagten Preis gewann er in verschiedensten Kategorien auch in den Jahren 2005 – 2007 sowie 2009 – 2012.

Seit seinem großen Erfolg mit seinem Buch „Die Zwerge“ ist Heitz ausschließlich als freier Autor tätig.

Das Buch: Auf dem Kontinent Ulldart liegt das Königreich Tarpol, das vom „Kabcar“ Grengor regiert wird. Dessen Sohn Lodrik soll einmal die Königswürde übernehmen. Schade nur, dass der Junge so gar nicht den Vorstellungen seines Vaters entspricht. Weder an den Staatsgeschäften, noch an körperlicher Ertüchtigung oder einer Ausbildung im Schwertkampf ist Lodrik sonderlich interessiert. Sein vorrangiger Fokus liegt fast ausschließlich auf der möglichst umfangreichen Nahrungsaufnahme.

Grengor braucht dringend eine Idee, wie er seinen Sohn doch noch zu einem würdigen Thronfolger machen kann. In dieser Situation kommt ihm sehr gelegen, dass der Mönch Caradz eine seiner wiederkehrenden Visionen hat, die seine Ordensbrüder so interpretieren, dass beim Tode Lodriks die längst vergessene „Dunkle Zeit“ wiederkehren soll.

Die Mönche informieren den Kabcar Grengor, der in der Vision wiederum die Lösung für seine Probleme liegt. Er entscheidet, dass Lodrik in der weit entfernten Provinz Granburg den Posten des Gouverneurs übernehmen soll. So ist der Junge einerseits fern vom intriganten Hofe und möglichen Attentätern, die die „Dunkle Zeit“ wieder anbrechen lassen wollen, andererseits muss sich Lodrik notgedrungen erstmals wirklich mit den Staatsgeschäften auseinandersetzen. An der Seite seines Leibwächters Waljakov und seines Beraters Stoiko macht sich Lodrik auf den Weg, nicht ahnend, welche Gefahren ihm in seinem neuen Amt drohen.

Fazit: Wer meine Rezensionen aufmerksam verfolgt, weiß es vielleicht bereits, anderen sei es an dieser Stelle nochmal gesagt: Ich habe ein eher gespaltenes Verhältnis zu Markus Heitz. So sehr ich auch seine Bücher aus dem Bereich der „klassischen“ Fantasy mag – „Ulldart“, „Die Zwerge“ und „Wédora“ beispielsweise – so sehr habe ich allerdings auch Schwierigkeiten mit vielen seiner anderen Bücher, die ich allgemein eher despektierlich als „Untoten-Gedöns“ zusammenfasse.

Umso begeisterter war ich, als ich nun sah, dass die ersten drei Bände von „Ulldart – Die dunkle Zeit“ in einem Einzelband erschienen sind. Dass ich da sofort zugriff, wird nicht verwundern. Und das, obwohl ich den Großteil der Reihe vor über 10 Jahren bereits schon mal gelesen habe. Menschen, die mit unserer schönen Sprache ähnlich pfleglich umgehen, wie Pete Doherty mit seiner Gesundheit, würden diesen Vorgang der erneuten Lektüre wohl einen „reread“ nennen, ich sehe allerdings davon ab.

Es soll ja Menschen geben, die behaupten, das Fantasy-Genre habe nie Klassiker hervorgebracht. Zumindest im Bereich der deutschsprachigen Fantasy ist „Ulldart“ allerdings ein solcher, wenigstens für die Heitzsche Fangemeinde. Heitz schrieb die Reihe noch vor seinem riesigen Erfolg mit „Die Zwerge“, sie ist sein Erstlingswerk. Ein wenig merkt man das den Büchern auch an. Stilistisch hat Heitz im Laufe der Zeit einen Schritt nach vorne gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass „Ulldart“ schlecht geschrieben wäre. Es lässt sich erfreulich leicht lesen und ist damit auch für eine jüngere Leserschaft geeignet. Auch der, im Gegensatz zu seinen anderen Büchern, überschaubare Gewaltgrad trägt dazu bei. Die im Text manchmal auftauchenden Druckfehler verzeihe ich da ebenso gerne wie den im Buch immer wieder eingestreuten Humor, den ich allerdings nur selten als zündend und in manchen Fällen auch eher als albern bezeichnen würde. Eine Ausnahme bildet da die Szene, in der ein Hofnarr sich bei seinem König beschwert, dass man ihm während seiner Balljonglage eine Katze zugeworfen habe, um zu sehen, ob er in der Lage sei, diese zusätzlich zu den Bällen in der Luft zu halten. Ich habe eine blühende Fantasie, daher fand ich das durchaus komisch! Nicht? Na gut, man muss dabei gewesen sein…

Abseits des Stils habe ich an „Ulldart“ allerdings kaum etwas zu kritisieren. Heitz füllt seine Bücher, wie sich das für eine anständige Fantasy-Reihe gehört, mit einem großen Sammelsurium der unterschiedlichsten Figuren. Und trotzdem habe ich hinsichtlich der Personen immer den Überblick behalten und war nur ganz selten auf einen Blick in das Personenverzeichnis angewiesen. Heitz´ Charaktere weisen genug Eigenheiten auf, um sie jederzeit zuordnen zu können. Im Fantasy-Genre zeichnen sich die Charaktere ja häufig dadurch aus, dass sie erschreckend nichtssagend sind. Davon bietet „Ulldart“ glücklicherweise eine wohltuende Abwechslung. Lediglich der Antagonist könnte etwas detaillierter gezeichnet sein.

Inhaltlich bietet „Ulldart“ alles, was man sich von einer guten Fantasy-Reihe erwartet: Neid, Missgunst, Intrigen, Liebe, Verrat, Krieg und vieles mehr. Für Leser klassischer Fantasy-Romane ist der Kontinent Ulldart jederzeit eine literarische Reise wert. Schade, dass ich jetzt bis zum 01.03.2018 warten muss, bis Band 2 der Sammlerausgabe erscheint…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkte

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer oder „Niemandsland“ von Philip Dröge.

„Das böse Buch“ von Kai Erik – Alles, nur nicht böse!

Buch: „Das böse Buch“

Autor: Kai Erik

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 383 Seiten

Der Autor: Kai Erik ist ein 1982 im finnischen Esse geborener Schriftsteller, Comedian und Kolumnist. „Das böse Buch“ ist Eriks dritter Roman, mit dem er erstmals auch außerhalb seines Heimatlandes für Aufsehen sorgte.

Das Buch: Kann ein Buch böse sein? Oh ja! Leander Granlunds Gedichte haben bisher jedem Unglück gebracht, der mit ihnen in Berührung kam. Mickel Backman ist daher zu Tode erschrocken, als ihn ein Student in einer Vorlesung auf das ominöse Manuskript anspricht. Es ist offenbar aufgetaucht – und hat den Studenten in eine tiefe Depression gestürzt. Auch Mickel Backmans Leben gerät aus den Fugen, weil die Erinnerung an ein schlimmes Unglück zurückkehrt. Damals, als das Buch von ahnungslosen Menschen gelesen wurde…

(Quelle: Lübbe)

Fazit: Ich habe aus unerfindlichen Gründen eine Vorliebe für Bahnhofsbuchhandlungen. Wann immer sich die Möglichkeit ergibt und ich noch etwas Zeit bis zum Anschlusszug habe, stöbere ich ein wenig in einer solchen. Bei meinem letzten Besuch las ich mich ein bisschen durch die Titel der „Mord-und-Totschlag-Abteilung“, wo sich Bücher fanden wie „Der Tag an dem Du stirbst“, „Und morgen bist Du tot“, „Wenn er mich findet, bin ich tot“, „Die Stille vor dem Tod“ oder auch „Ich töte Dich“. Ich befand mich also offensichtlich im El Dorado des morbiden Literatur-Schwachsinns.

Und da fasste ich einen Entschluss, der da ungefähr lautete: „Ich kaufe jetzt unter diesen ganzen bescheuerten Titeln genau das Buch mit dem für mich bescheuertsten Titel von allen!“ Gesagt – getan, die Wahl fiel auf „Das böse Buch“. Ich war mir ziemlich sicher, hier einen erneuten Übersetzungslapsus seitens des Lübbe-Verlags vor mir zu haben, der dem Versuch geschuldet ist, das Buch für den deutschen Markt kompatibler zu machen, damit es sich besser in o.g. Titel einreiht. Allerdings heißt der Roman im Original „Onda boken“, was, wenn ich richtig liege, ziemlich genau das selbe bedeutet. Sei´s drum.

Zumindest der Klappentext las sich schon einmal gar nicht so schlecht und vermittelte mir den Eindruck, es mit einer Handlung zu tun zu haben, die an den Roman und die dazugehörige Verfilmung „The Ring“ erinnert. Leider täuschte dieser Eindruck auf ganzer Linie.

Dabei gelingt der Einstieg in das Buch sogar recht gut: Während einer Vorlesung an der Uni kommt das Gespräch auf das unveröffentlichte Werk des Schriftstellers Leander Granlund. Der Student Pasi Maars möchte über ihn seine Seminararbeit schreiben. Und nicht nur durch die übernervöse Reaktion des Dozenten Mickel Backman ist sofort die Neugier des Lesers geweckt: Was hat es mit Granlunds Werk und dem ominösen Manuskript auf sich?

Leider verlässt der Autor an dieser Stelle längerfristig diesen Handlungsstrang und beschäftigt sich mit allerlei anderen Dingen. Tatsächlich wird Granlunds Manuskript auf den ersten ungefähr 200 Seiten nur etwa dreimal erwähnt! Stattdessen berichtet Kai Erik in der Zwischenzeit detailliert über die privaten Probleme von Backman. Darüber hinaus begleitet der Leser in dieser Zeit den Studenten Pasi und seinen Kumpel Calle bei diversen Sauftouren und Drogenexzessen. Diese Vorgehensweise ist in erster Linie eines: hochgradig langweilig!

Erst nach etwa zwei Dritteln der Handlung konzentriert sich Kai Erik wieder auf das ursprüngliche Thema, die Handlung zieht deutlich an Tempo an, in Rückblenden werden dem Leser endlich Antworten auf Fragen gegeben, die dieser schon auf Seite 22 hatte. Letztlich führt er das Ganze auch zu einem zufriedenstellenden Ende. Aber bis zu diesem hat „Das böse Buch“ leider eine große Menge Potenzial verschenkt, denn bis zum Schluss wird nicht klar, was es denn nun sein will. Ein Horror-Thriller? Dafür fehlt zu viel. In erster Linie Spannung! Ein Roman über Depressionen und/oder Suizid? Dafür geht er nicht tief genug in die Thematik. Ja, selbst eine Art coming-of-age-Geschichte aus der Sicht des Studenten Calle könnte „Das böse Buch“ sein. Letztlich ist es von allem ein bisschen und nichts davon richtig.

Wenn die Geschichte wenigstens erinnerungswürdige Charaktere hätte. Aber auch da sieht es eher düster aus. Mickel Backman hat im Laufe seines Lebens so einiges durchgemacht und nie geschafft, ein paar Begebenheiten wirklich zu verarbeiten. Das klingt nach tragischem Schicksal, letztlich wirkt Backman aber wie ein rückgratloser Jammerlappen.

Pasi Maars könnte der spannendste Charakter des Buches sein, bleibt aber leider der blasseste. Klar wird, dass seine Beschäftigung mit Granlunds Werk sich nicht positiv auf seine Psyche auswirkt, aber welcher Mensch Pasi vorher war, ob er früher schon Erfahrungen mit Depressionen hatte – oder ob sie weniger im Gegenstand seiner Seminararbeit und mehr in seinem regelmäßigen Drogen- und Alkoholkonsum begründet liegen – all das bleibt im Dunkeln.

Der Student Calle ist unter den wenigen wichtigen Charakteren des Buches noch das größte Ärgernis. Er ist etwa 27 Jahre alt und studiert seit Jahren sinnlos durch die Gegend. Er hat kein Ziel und kann sich einfach nicht für eine Fachrichtung entscheiden. Als ihm aber aufgrund seiner fehlenden Leistungsnachweise – die wiederum ein Resultat seines mangelnden Engagements sind – die finanziellen Leistungen gestrichen werden, da setzt er sich nicht etwa hin und überlegt, in welche Richtung er sein Studium denn nun lenken könnte und wie er schnellstmöglich die geforderten Nachweise nachholen kann. Nein, Calle weist die Schuld an dieser Entwicklung von sich und schiebt sie den bösen Menschen zu, die ihm die Bezüge gestrichen haben: „Aber die Macht hatte ja schon immer gerne die Dinge bestimmt und reguliert, an denen sie selbst keinen Anteil hatte.“ (S. 91). Ach ja, und er beginnt, Bücher aus der Universitätsbibliothek zu stehlen und zu verkaufen! Weil das ja auch viel einfacher ist, als ein ernsthaftes Studium…

Dafür habe ich wenigstens recht wenig am Stil Eriks auszusetzen. Zuweilen rutscht die Sprache in einzelnen Sätzen aber ins Derbe bis Vulgäre ab. Damit hätte ich eigentlich keine Probleme, wenn es sich nahtlos in den restlichen Text einfügen würde. So aber wirkt es ein bisschen arg bemüht. Letztlich ist das aber noch das geringste Problem, das „Das böse Buch“ hat.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ulldart – Die komplette Saga 1“ von Markus Heitz.