„Die Kinder“ von Wulf Dorn – Gebt den Kindern das Kommando!

Buch: „Die Kinder“

Autor: Wulf Dorn

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 318 Seiten

Der Autor: Wulf Dorn, Jahrgang 1969, arbeitete zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman »Trigger« gelang ihm ein Sensationserfolg. Seitdem stehen seine Bücher auf internationalen Bestsellerlisten und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den französischen »Prix Polar«. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn. (Quelle: Heyne)

Fazit: Nachdem die Passempfänger der Washington Redskins am Sonntag Abend nach relativ kurzer Zeit beschlossen, ihre Arbeit weitestgehend einzustellen, habe ich wiederum nach nur unwesentlich längerer Zeit beschlossen, ihnen und ihren Teamkollegen den Großteil meiner Aufmerksamkeit zu entziehen und diese stattdessen Wulf Dorn und seinem Thriller „Die Kinder“ zu widmen. Durch die – übrigens vermeidbare – Niederlage der Redskins, die Tatsache, dass es sich bei diesem Thriller um ein ziemlich gutes Buch handelt, sowie den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich es auf diese Weise geschafft habe, endlich mal wieder ein Buch durchzulesen, ergibt sich für mich eine klassische win-win-win-Situation. 🙂

Wulf Dorn hält sich nicht lange mit Vorreden auf und lässt den Leser direkt mit hohem Tempo in seinen Thriller einsteigen: Patrick Landers ist auf der Landstraße unterwegs, als er an einem Unfallort vorbeifährt. Im demolierten Auto findet er seine Schwägerin vor – und im Kofferaum eine Leiche. Im Anschluss fährt Dorn die Schlagzahl ein wenig zurück und lässt seine Protagonisten Laura Schrader im Gespräch mit dem Psychologen Winter ihre skurrile Geschichte erzählen. Mehr zum Inhalt sei an dieser Stelle nicht gesagt, um mich nicht unnötig einem Spoiler-Vorwurf auszusetzen.

Dorn erzählt die Geschichte um Laura und die namensgebenden Kinder auf sehr überzeugende Weise. Er versteht es, eine – für mich – wirklich gruselige Stimmung und düstere Bilder zu erzeugen, die auch über die ganze Länge des Buches beibehalten werden. Unterbrochen wird die Handlung von kurzen Einschüben, die die Geschichte einzelner Kinder irgendwo auf der Welt erzählen. Diese kurzen Einschübe erzielen ihre Wirkung vor allem daraus, dass sie auf wahren Begebenheiten beruhen. So lassen die Geschichten über Kinderprostitution in Kambodscha, kleine Jungen in Terrorcamps im Irak oder müllsammelnde Elfjährige in Ghana den Leser immer wieder schaudern, auch wenn sich erst spät – vielleicht sogar zu spät – herausstellt, in welchem Zusammenhang diese Zwischenspiele überhaupt mit der eigentlichen Handlung stehen.

Den moralischen Zeigefinger, der sich in diesem Zusammenhang anbietet, beschränkt Dorn auf ein Minimum, lediglich die Werbebranche, die Menschen Dinge verkaufen will, die diese nicht brauchen, bekommt in Verbindung mit einer leisen Kapitalismuskritik ihr Fett weg.

Auf ein Minimum beschränkt Dorn auch die Darstellung seiner Charaktere. An sich ist die Gruppe an handelnden Personen zahlenmäßig recht überschaubar gestaltet, dennoch erfährt man nicht mehr als unbedingt nötig über Dorns Figuren. Es gibt Genres, in denen ich das deutlich kritisieren würde, aber wenn man berücksichtigt, dass „Die Kinder“ ein Thriller mit gerade mal 318 Seiten Umfang ist, der seine Prioritäten deutlich anders setzt, dann stört diese rudimentäre Ausarbeitung eigentlich kaum.

Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Thriller auf der düsteren Atmosphäre und einer Handlung, die den Leser lange im Unklaren lässt, wohin das Ganze denn nun führen soll. Und als solcher funktioniert „Die Kinder“ ziemlich gut! Dass mich der Thriller irgendwie an „Die Kinder des Zorns“ und diverse andere Horrofilme erinnert, tut der Sache keinen Abbruch.

Wer einen kurzweiligen Thriller lesen möchte, der – über weite Strecken – ohne bluttriefende Gewaltorgien auskommt und stattdessen mit Spannung und Atmosphäre punktet, liegt mit „Die Kinder“ genau richtig.

Werdenden Müttern respektive Vätern würde ich allerdings nicht unbedingt zu diesem Thriller raten. Und auch ich bin nach der Lektüre ungewöhnlich froh, keine Kinder zu haben. Ich würde meinen potenziellen Nachwuchs jetzt mit ganz anderen Augen betrachten. Und mit Misstrauen…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser, wenn ich mich denn mal entschließen könnte, diesen Krimi, dessen Handlung sich mit der Geschwindigkeit eines hufkranken schwedischen Elchs durch die Gegend mäandert, durchzulesen. Vielleicht aber auch „Konklave“ von Robert Harris. Ooooder es geht mit „Die Königschroniken – Ein Reif von Eisen“ von Stephan M. Rother mal wieder ins Fantasy-Genre. Schaun mer mal!

 

 

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„Wenn ich Dich hole“ von Anja Goerz – Folgenschwerer Einstieg

Buch: „Wenn ich Dich hole“

Autorin: Anja Goerz

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 251 Seiten

Die Autorin: Anja Goerz ist eine deutsche Radiomoderatorin und Autorin. Sie begann ihre berufliche Laufbahn mit einem Praktikum und einer anschließenden Ausbildung bei „Radio Schleswig-Holstein“. In den folgenden Jahren war sie unter anderem für „N-Joy“, „Sat. 1“, „Radio eins“, „NDR 2“ und „Bremen Zwei“ tätig.

Neben ihren Radiomoderationen betätigt sich Goerz auch schriftstellerisch, so erschien 2014 der „Spiegel“-Sachbuch-Bestseller „Der Osten ist ein Gefühl“. In diesem Jahr veröffentlichte sie mit „Wenn ich Dich hole“ ihren ersten Thriller.

Das Buch: Bendix Steensen sitzt fest. Wegen einer Unwetterwarnung sind in Heathrow sämtliche Flüge gestrichen. Die Anrufe seines neunjährigen Sohnes Lewe aus ihrem Haus in Niebüll werden immer panischer: Seit Stunden sind seine Mutter und seine Oma nun schon fort, am Handy meldet sich niemand, der Schneesturm da draußen macht ihm Angst – und plötzlich glaubt er, in dem abgelegenen Haus nicht mehr alleine zu sein. „Wann kommst Du nach Hause, Papa?“, hört Bendix noch, dann reißt die Verbindung ab. Er alarmiert die örtliche Polizei, doch ist sich nicht sicher, ob sie ihn ernst nimmt. Wo ist verdammt nochmal sein Frau? Was hat das alles zu bedeuten? Unterdessen haben Bendix´ Frau Insa und seine Mutter einen ganz anderen Kampf zu kämpfen. Und Lewe ist tatsächlich nicht mehr allein. Für Bendix beginnt eine atemlose Reise durch das Schneechaos nach Nordfriesland … (Quelle: Klappentext)

Fazit: In regelmäßigen Abständen passiert es doch tatsächlich mal, dass ich bei Gewinnspielen von Bloggerkolleginnen und -kollegen etwas gewinne. So war das auch bei „Wenn ich Dich hole“. Dieser Gewinn wurde mir von Susanne, die ihres Zeichens für den Blog „Wortgestalten“ verantwortlich zeichnet – schaut dort mal rein, es lohnt sich! -, zugeschickt. Deshalb an dieser Stelle nochmal ein ganz liebes Dankeschön an Susanne!

Die Myriaden an allerhöchstens mittelmäßigen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, haben mich in Verbindung mit dem grauen November und dem, was mir sonnigere Gemüter, als ich es bin, weiterhin beharrlich euphemistisch als „Wetter“ verkaufen wollen, was außerdem doch so schön gemütlich sei, weil es doch die Gelegenheit biete, sich mit Heißgetränken versorgt und in eine Decke gewickelt mit einem Buch aufs Sofa zu verziehen – eine Sicht der Dinge, die für mich doch verdächtig nahe an Unfug liegt, worüber man aber eigentlich gar nicht diskutieren kann, weil das Wetter des Einen eben die traurige, nasskalte Tristesse des anderen ist – wie kriege ich diesen „Satz“ bloß zu einem vernünftigen Ende? – jene Bücher und das „Wetter“ also haben mich momentan in etwas hineinmanövriert, dass ich im Brustton der Überzeugung als „Mutter der Leseflauten“ bezeichnen möchte, was sich beispielsweise dahingehend äußert, dass ich seit geschlagenen zwei Wochen in einem Nesser-Krimi herumblättere und mich mit der Geschwindigkeit der Kontinentaldrift durch „Die Kinder“ von Wulf Dorn kämpfe, weil ich mich alle zehn Seiten frage, was ich da gelesen habe, weil ich dann doch wieder irgendwie andere Dinge im Kopf habe, die eine dauerhafte Konzentration mindestens erschweren. Punkt, hurra! 🙂

Leider konnte diese Leseflaute auch durch „Wenn ich Dich hole“ nicht beendet werden, auch wenn das Buch durchaus so seine Stärken hat, denen aber eine fundamentale Schwäche gegenübersteht, zu der ich später komme.

In stilistischer Hinsicht beispielsweise gefällt mir „Wenn ich Dich hole“ durchaus. Das Buch ist zwar manchmal in einem arg umgangssprachlichen Ton gehalten, der mir nicht ganz so zugesagt hat, der Lesbarkeit des Textes tut das allerdings natürlich wieder gut. Sprachlich wird also niemand überfordert, außerdem enthält das Buch auf Seite 215 den wunderschönen Satz: „Die Rothaarige hatte ganz offensichtlich einen schlimmen Schaden.“ 🙂 Und ja, hat sie!

Auch die Figuren sind in der Überzahl gut gestaltet. Mich ließen Bendix´ Ehefrau Insa und seine Mutter zwar aus unerfindlichen Gründen seltsam kalt. Andererseits ist Bendix gut gelungen, seine Verzweiflung angesichts einer Situation, in der man einfach mal so gar nichts Sinnvolles tun kann, wird nachvollziehbar rübergebracht. Und mittels einer Reihe von Rückblenden wird auch plausibel erklärt, warum die oben genannte Rothaarige mit dem schlimmen Schaden eben diesen schlimmen Schaden hat. Auch der kleine Lewe überzeugt wenigstens insoweit, dass man als Leser mit ihm mitfiebern und – leiden kann.

Auf die Handlung und dadurch unmittelbar auf die Spannung des Thrillers wirkt sich allerdings leider die eingangs erwähnte Schwäche des Buches aus, nämlich der Prolog. In diesem wird leider schon so viel verraten, dass man sich die Handlung, wenn man schon mal in der Bibel das 1. Buch der Könige und dort wiederum im Kapitel drei die Verse 16 – 28 gelesen hat – und ja, das musste ich googeln -, wenigstens in groben Zügen vorstellen kann. Entsprechende Spannung oder Aha-Momente, wenn man beispielsweise mittels der Rückblenden neue Informationen über die Charaktere bekommt, bleiben somit leider weitgehend aus, weil man sich das alles so oder so ähnlich schon gedacht hat. Dass der Prolog so viel verrät, ist umso bemerkenswerter, da er gerade mal aus 88 Wörtern besteht. Und ja, das habe ich  gezählt. Und ja, ich habe zu viel Zeit. Ich lese schließlich weniger, da bietet sich schon mal die Gelegenheit, stattdessen Wörter zu zählen…

Abschließend kann man also sagen, dass Anja Goerz kein schlechtes Buch geschrieben hat, das aber deutlich besser sein könnte, wenn sie den Prolog weggelassen hätte. Auch, weil er eigentlich noch nicht mal relevant für das Buch ist, „Wenn ich Dich hole“ wäre also auch sehr gut ohne ihn ausgekommen. Den wesentlich wichtigeren Epilog hätte man dann eben einfach als normales, wenn auch sehr kurzes, letztes Kapitel einbinden können. Schade!

So, und bevor ich mir nachher in aller Ruhe den Sieg der Washington Redskins ansehe, werde ich jetzt versuchen, mich doch noch ein bisschen den Herren Nesser und/oder Dorn zu widmen. Das kann doch nicht so schwer sein…

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser oooder „Die Kinder“ von Wulf Dorn. Wenn ich eins von beiden dann doch mal irgendwann schaffe. „Demnächst“ kann also diesmal ein dehnbarer Begriff sein…

Freitagsfragen #19

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Freitag – yay – bedeutet meistens neue Freitagsfragen im Brüllmausblog. So auch diesmal – nochmal yay.

Die heutigen Fragen lauten:

1.) In welchen Punkten gleichst Du Deinen Eltern?

2.) Kannst Du gut vorlesen?

3.) Welche Tageszeit ist Dir am liebsten?

4.) Die Wahl der Qual: Würdest Du lieber 4 Jahre lang ins Gefängnis gehen für etwas, das Du nicht getan hast oder mit etwas Schlimmen davonkommen, jedoch immer mit der Angst leben, dass Du erwischt wirst?

 

Antwort zu 1.) Ich gleiche meinem Vater vermutlich in gar keinem Punkt. Zugegeben, man sagt mir in optischer Hinsicht eine gewisse Ähnlichkeit zu meinem Vater nach, aber das soll ja vorkommen.

Hmm, wenn ich so genauer nachdenke: Meine Angewohnheit, 98 % aller anderen Verkehrsteilnehmer für komplette Volltrottel zu halten, habe ich definitiv nicht von meiner Mutter. Vielleicht ist das noch ein Punkt, in dem ich meinem Vater gleiche. Um das zu beurteilen, fahre ich aber schon seit langer Zeit entschieden zu wenig mit ihm mit.

Vor dem Hintergrund, dass ich ansonsten nicht zu cholerischen Ausbrüchen neige, sei mir diese Angewohnheit übrigens gegönnt. Denn, ernsthaft, wenn jemand, so wie gestern, mit seinem SUV – ein Fahrzeugtyp, den ich im Übrigen für völlig verzichtbar halte, weil man auf einen X5 mit Allradantrieb, 3 Litern Hubraum, über 300 PS und einem Verbrauch von geschätzten sechs Milliarden Litern auf 100 Kilometern im Stadtverkehr sehr gut verzichten kann, es sei denn, man hat einen Arbeitsplatz in den höheren Lagen eines beliebigen Mittelgebirges – wenn also jemand schon so einen Panzer fährt, und sich dann dennoch mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne durch einen Kreisel quält, so dass ich kurz davon ausging, die ältere Dame mit ihrem Rollator auf dem Bürgersteig würde spaßeshalber zu einem Überholvorgang ansetzen, dann, ja, dann kann das schon mal meinen Unmut hervorrufen.

Wenn jemand, so wie vorhin, vor mir fährt als würde er gerade den „Schneewalzer“ hören, was für mich nur den Schluss zulässt, dass da jemand entweder sehr übermütig oder aber hackedicht unterwegs ist, während der hinter mir fahrende Sportsfreund – ein weiterer SUV, diesmal VW – das Wort „Abstand“ offensichtlich aus seinem Sprachgebrauch gestrichen hat, dann, ja, dann kann auch das meinen Unmut hervorrufen.

Wenn die freundlichen Abfallentsorgungstechniker mit ihrem Schlachtschiff in einer Kurve parken und die gegenüberliegende Fahrbahnseite parkende Autos beherbergt, so dass niemand, aber auch niemand, mehr vorwärts kommt, dann…

…ich schweife ab.

Jedenfalls, ich schätze, dass ich meiner Mutter in wesentlich mehr Punkten gleiche, ohne jetzt einzelne benennen zu  können oder zu wollen. Zwar gibt es Tausende Kleinigkeiten zu denen wir unterschiedliche Meinungen haben, aber insgesamt bin ich ihr schon deutlich ähnlicher als meinem Vater.

Und das trotz der Tatsache – und sind wir doch mal ehrlich, das ging uns allen so-, dass ich nie so werden wollte, wie meine Eltern. 🙂

 

Antwort zu 2.) Zur Beantwortung dieser Frage verweise ich erneut voller berechtigte, Stolz auf meinen triumphalten zweiten Platz beim Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen und den damit zusammenhängenden unermesslichem Ruhm und Reichtum im Jahre…, nun, es ist lange her. Dieser zweite Platz war eigentlich ein erster, weil in der Jury die Mutter der Erstplatzierten saß, was ich nach wie vor anprangere, weil das ungefähr so ist, als würde man Hellmut Krug ein Schalke-Spiel pfeifen lassen…

Also, ja, ich denke schon, dass ich das kann. Auch wenn sich die Gelegenheit dazu eher selten bietet, weil ich keine Kinder habe, denen ich vorlesen könnte und die Leute im Zug immer so befremdlich reagieren, wenn ich beginne, ihnen vorzulesen… 😉

 

Antwort zu 3.) Meine liebste Tageszeit ist von 0 Uhr am 01. April bis 24 Uhr am 31. Oktober. Alles, was zwischen dem 31.10. und dem 01.04. liegt, ist völlig verzichtbar. 🙂

Eigentlich habe ich so etwas wie eine liebste Tageszeit nicht. Müsste ich mich allerdings entscheiden, fiele die Wahl auf 3 Uhr nachts. Einmal, weil ich da im Normalfall schlafe. Und sollte ich das wider Erwarten nicht tun, genieße ich wenigstens die vollumfängliche Stille, die um diese Zeit herrscht. Für die Großstädter unter euch, die in Städten leben, die niemals schlafen: Stille, das ist das völlige Ausbleiben von Geräuschen. Ja, klingt völlig verrückt, es gibt aber Gegenden, wo es das gibt, vorzugsweise hier auf dem platten Land, wie man so schön sagt.

 

Antwort zu 4.) Eigentlich würde ich da jetzt den Zusatzjoker ziehen und mit „Weder noch“. Ich würde sicherlich nicht freiwillig für vier Jahre in den Knast wandern, wenn ich unschuldig bin, warum sollte ich auch!? Andererseits liegt es aber auch weit außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass ich einmal etwas „Schlimmes“ tue. Daher schließe ich ebenso aus, mal in Angst leben zu müssen.

Sollte mein Nachbar – der hypothetische Freitagsfragen-Nachbar, mit dem Hamster, den dieser nie wieder haben wollte – allerdings mal herausfinden, dass sein Hamster Bekanntschaft mit meiner Mikrowelle gemacht hat, würde ich wahrscheinlich doch Hals über Kopf nach Chile auswandern und hoffen, dass er mich nie erwischt. Da sind schließlich schon ganz andere untergetaucht…

 

Nun denn, ich werde mich jetzt erst mal den notwendigen Tagwerk widmen, sowie dem Kaffee, der mir soeben in einer Weihnachtsmann-Tasse gebracht wurde. Eine eher mutige Entscheidung, mir so etwas hinzustellen…

Ich wünsche allseits einen schönen Freitag, an dem ja vielleicht doch nochmal irgendwann die Sonne aufgeht und ein erholsames anschließendes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

„Erlöse mich“ von Michael Robotham – Muss nich´

Buch: „Erlöse mich“

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 446 Seiten

Der Autor: Michael Robotham, geboren 1960 in New South Wales, ist ein australischer Schriftsteller. Er arbeitete in Sydney als Journalist und ging später nach London, wo er unter anderem für „The Daily Telegraph“, „Daily Mail“ und „Sunday Times“ schrieb. 1993 verabschiedete er sich vom Jounalistendasein und schrieb stattdessen als Ghostwriter Biografien für Prominente, unter anderem für Geri Halliwell. Die Älteren werden sich erinnern: Spice Girls, „Girl Power“ und so! Na ja… Durch den Erfolg der von ihm verfassten Biografien ermutigt, entschloss sich Robotham zum Wechsel in die fiktive Literatur. Im Jahr 2005 erschien sein erster Roman „Adrenalin“ (engl. „The suspect“) und wurde ein großer Erfolg. Seitdem erschienen noch neun weitere Romane, häufig mit dem Psychologen Joe O´Loughlin und dem Detective Inspector Vincent Ruiz als Protagonisten.

Das Buch: Seit ihr Mann Daniel vor einem Jahr spurlos verschwand, leidet Marnie Logan nicht nur unter der Ungewissheit, was mit Daniel geschehen ist, auch die finanziellen Nöte machen ihr zu schaffen. Immer wieder beschleicht sie die Angst, hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Deshalb sucht sie den Psychologen Joe O’Loughlin auf, der aber schnell den Verdacht hat, dass Marnie etwas verschweigt. Als ein Album mit Fotos alter Freunde entdeckt wird, das Daniel seiner Frau schenken wollte, kommt die grausame Geschichte dahinter heraus, die Joe zutiefst erschüttert. (Quelle: Goldmann)

Fazit: Unter normalen Umständen greife ich eigentlich nicht zu Büchern, die einen Titel tragen wie „Erlöse mich“, weil das irgendwie klingt, als würde ein präfinaler GI in einem zweitklassigen Antikriegsfilm einen letzten kitschbeladenen Dialog mit einem Kameraden führen, bevor er sein Leben aushaucht oder wie eine zwischen Buchdeckel gepresste bluttriefende Gewaltorgie. Da aber einerseits absehbar war, dass es sich bei „Erlöse mich“ weder um das Eine noch um das Andere handelt und ich andererseits vor geraumer Zeit bereits „Um Leben und Tod“ von Robotham gelesen habe, war das Risiko überschaubar.

So ganz zufrieden war ich mit meiner zweiten Erfahrung mit dem Werk des australischen Schriftstellers allerdings nicht. Das liegt weniger am durchaus überzeugenden Schreibstil, der mir mit seinen guten Dialogen und mit der Spannung, die Robotham bereits frühzeitig in seinem Psychthriller erzeugt gut gefallen hat. Schade, dass er diese Spannung nicht über einen längeren Zeitraum halten kann.

Zumindest die beiden ermittelnden Hauptfiguren joe O´Loughlin und Vincent Ruiz überzeugen ebenfalls. Man merkt, dass sich da zwei Charaktere schon länger kennen, die sich auch mal ohne große Worte verstehen. Schon nicht mehr so gut sieht das dann z. B. bei der Protagonistin Marnie Logan und ihren Kindern aus. Marnie selbst ist recht nichtssagend, auch ihr Handeln zu Beginn des Buches kann ich auch nach längerem Nachdenken nicht nachvollziehen, aber dazu später. Ihr junger Sohn Elijah – von dem so häufig festgestellt wird, dass er an einer Laktoseintoleranz leidet, dass es irgendwann störte und auch unfreiwillig komisch wirkte – ist bestenfalls als wunderlich zu bezeichnen und ihre Tochter ist zwar einerseits eine typische Teenie-Zicke, aber andererseits auch eigentlich ein ganz helles Köpfchen. Umso unverständlicher, dass sie im Laufe des Buches manchmal plötzlich auf eine naive bis blitzdumme Art handelt.

Der böse Antagonist wiederum überzeugt mich ebenfalls nicht wirklich, vor allem nicht, als der Leser erfährt, warum dieser Mensch denn nicht so ganz rund läuft. Die Begründung, warum in der Psyche dieses Menschen so einiges aus dem Ruder gelaufen ist, ist – ohne zu viel zu verraten – dermaßen ausgelutscht und überstrapaziert, dass ich nur noch resigniert die Augen verdrehen konnte.

Neben diesen unzugänglichen Figuren konnte ich auch mit der Handlung nicht viel anfangen, schon mit der Ausgangssituation zu Beginn nicht. Marnies Mann ist also von heute auf morgen verschwunden und niemand weiß, wo er ist. Was er Marnie hinterlassen hat, sind eine Menge Spielschulden bei einem ortsansässigen Kriminellen, die nun, nach dessen Meinung, auf Marnie übergegangen sind. Die wiederum geht aber nicht zur Polizei oder ähnliches, nein, Marnie geht im Auftrag dieses Kriminellen lieber anschaffen! Ich persönlich würde ja lieber in ein Zeugenschutzprogramm als anschaffen gehen, aber vielleicht habe ich da andere Maßstäbe als die Protagonistin.

Davon abgesehen plätschert die Handlung dieses Psychothrillers so dahin. Da hilft auch nicht, dass der Autor einem seiner Charaktere plötzlich eine psychische Erkrankung andichten möchte, die sogar nach Aussage des Roman-Psychologen in Romanen öfter vorkommt als in der Realität.

Nein, „Erlöse mich“ war über weite Strecken einfach mal ein Fehlgriff für mich, was bedeutet, dass ich meinem Instinkt hinsichtlich – meiner Meinung nach – bescheuerter Buchtitel vielleicht doch eher vertrauen sollte.

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Wenn ich Dich hole“ von Anja Goerz.

 

Freitagsfragen # 18

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sehr zu meiner Freude gibt es zum Ausklang dieser gnädigerweise kurzen Woche eine weitere Ausgabe der Freitagsfragen, proudly presented by Brüllmausblog. Ohne große Vorrede stürze ich mich mal in die Fragen, die heute lauten:

1.) Unabhängig vom jetzigen Partner: Würdest Du es (noch) einmal mit Deiner Jugendliebe probieren?

2.) Kannst Du Streit gut aushalten?

3.) Worauf verwendest Du viel Zeit?

4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber berühmt während Deines Lebens aber vergessen nach Deinem Tod oder unbekannt während Du lebst und unvergessen nachdem Du stirbst?

 

Antwort zu 1.)

Ich bin eigentlich staatlich zertifizierter Single und kann mir eigentlich im Moment nicht vorstellen, mit überhaupt irgendwem überhaupt irgendwas zu probieren, aber: Das könnte ich mir tatsächlich durchaus vorstellen, wenn ich die Frage auf eine zugegeben recht frühe Jugendliebe beziehe, die ich übrigens dafür verantwortlich mache, dass ich heute noch bei der Haarfarbe rot umgehend in ein – abhängig von der Art des Rottons – variables Stadium der Willenlosigkeit gerate.

Aber wie das damals halt so war, man wechselte die Schule und verlor sich aus den Augen. Auch, weil das Ganze für mich wohl eher weniger ernsthaft war als für sie – wie ich mehrere Jahrzehnte später erfahren habe: Vor einigen Jahren begegnete ein Freund von mir der jungen Dame zufällig bei einer Veranstaltung. Man kam ins Gespräch, dabei erkundigte sie sich nach mir und meinte beiläufig, dass sie sich durchaus hätte vorstellen können, heute noch mit mir zusammen zu sein…

Wenn es einen Moment in meinem Leben gab, in dem ich buchstäblich sprachlos war, dann war es dieser!

Tja, hätte sie das doch nur damals schon gesagt! Ich betone ja immer wieder: Mädels, wenn ihr wollt, dass Männer wissen, was ihr denkt, dann sagt es ihnen. Vertraut nicht darauf, dass uns Andeutungen reichen, um zu erahnen, was ihr denkt. Wir können das nicht!

Antwort zu 2.)

Über das Thema könnte ich wahrscheinlich wissenschaftliche Arbeiten schreiben, die höchsten Standards genügen würden, ohne jemals Psychologie studiert zu haben…

Kurz gesagt: Nein, das kann ich nicht! Nicht im Geringsten!

Einerseits, weil es prägt, wenn man in jungen Jahren mitbekommt, wie sich zwei Menschen jeden Tag aufs Neue in die Haare kriegen. Andererseits, weil mir einfach nicht einleuchten will, warum sich Menschen nicht einfach vertragen können. Klar, Diskussionen, unterschiedliche Standpunkte und Meinungen, alles das ist wichtig. Mir erschließt sich nur nicht, warum man darüber nicht einfach vernünftig reden kann. Sobald jemand laut wird, steige ich aus. Unter anderem deswegen gehe ich in den meisten Fällen den Weg der größtmöglichen Indifferenz, was nicht immer auf Gegenliebe stößt. Das bedeutet übrigens nicht, dass ich nicht auch laut werden kann – allerdings immer als Zweiter. 😉

Hach ja, ich wäre der perfekte Paartherapeut! Nach einer halben Stunde Gezänk würde ich dem Paar: „Verdammte Hacke, jetzt vertragt euch endlich!“ entgegenbrüllen. Nach einer weiteren halben Stunde Gezänk würde ich die Tür abschließen und schreien: „Ihr kommt hier erst wieder raus, wenn ihr vernünftig miteinander redet!“ Und nochmal zwei bis drei Stunden später würden die beiden Hand in Hand und „Imagine“ singend hüpfenderweise meine Praxis verlassen. Ja, ich wäre richtig gut in dem Job! 🙂

 

Antwort zu 3.)

Die meiste Zeit verbringe ich statistisch gesehen wahrscheinlich bei der Arbeit. Irgendwas habe ich falsch gemacht…

Abseits der Arbeit verbringe ich viel Zeit mit bloggen, lesen, Baseball und – der wichtigste Punkt – im Gespräch mit und/oder in Anwesenheit von einer Handvoll ganz zauberhafter Personen. An schlechten Tagen wird meine Zeit damit verschwindet, über Dinge nachzudenken, die im hellen Lichte betrachtet die Gedanken nicht wert sind, aber wer kennt das nicht!?

 

Antwort zu 4.)

Im ersten Moment dachte ich, das sei mir recht egal, in beiden Szenarien bin ich schließlich tot, was ich im Übrigen alles andere als erstrebenswert finde.

Bei genauerer Betrachtung würde ich es aber vorziehen, bis zu meinem Ableben gänzlich unbekannt zu sein. Ich würde nämlich gerne auch in Zukunft noch in Ruhe meine Bücher kaufen, ohne kreischende Teenies oder nervige Autogrammjäger um mich herum zu haben.

Nein, da wäre es mir schon lieber, man würde nach meinem Dahinscheiden in meinem Schreibtisch meinen umfassenden Briefwechsel mit den Größen des Hollywood-Business, wie beispielsweise Jennifer Lawrence, Kat Dennings, Matt Damon, Bruce Willis, Tom Hanks und Will Smith finden, der dann posthum in einem Gesamtband herausgebracht wird und mir ebenso viel Ruhm und Ehre einbringt, wie das neben dem Briefwechsel befindliche Manuskript des großen Gesellschaftsromans des 21. Jahrhunderts, den ich nie veröffentlicht habe. Das Nobelpreis-Komitee wird deshalb seine Statuten verändern, um mir posthum den Nobelpreis für Literatur verleihen zu können!

 

Das war´s dann auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und ein erholsames Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

 

 

 

 

„Elite-Award“-Nachtrag

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Computer-Blogbuch der „U.S.S. Reisswolfblog“, Captain Fraggle, Sternzeit 0111,17. Nachtrag.

Durch beherztes Eingreifen des Crewmitglieds wortgeflumselkritzelkram – für Belobigung und Beförderung vorgeschlagen – stellte sich heraus, dass der unlängst an Flottenadmiral Zeilenende geschickte Bericht ebenso fehlerhaft war, wie der darauf folgende allgemeine Statusbericht. Dieser Nachtrag dient der Korrektur.

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

Tja, der war ich wohl etwas  unkonzentriert, als ich meine letzten Beiträge schrieb…

Meine Antworten auf die Freitagsfragen unter der Überschrift „Freitagsfragen am Samstag“ erschienen nachweisbar an einem Sonntag, was ich damit zu entschuldigen bitte, dass am Sonntag mein heißgeliebter SV Werder gespielt hat, für mich also ein gefühlter Samstag war. Wobei – „gespielt“ ist ein wenig hoch gegriffen, sagen wir lieber, das Team stand halt auf dem Platz. Also physisch. Mental war man wohl noch auf dem Bremer Freimarkt. Nun, das soll uns an dieser Stelle jetzt aber nicht weiter beschäftigen, weil es meiner Laune abträglich wäre.

Der Lapsus in meinem Beitrag zum „Elite-Award“ war da schon gravierender, habe ich doch in meiner Gedankenlosigkeit einfach mal die falschen Fragen beantwortet. Da ich die Antworten auf die eigentlich gestellten Fragen nicht schuldig bleiben möchte, gibt es jetzt also einen Nachtrag. Auf geht´s.

Frage 1: Die bequemste Art zu reisen?

Da ich aus einer Unzahl an Gründen wenig reise, bin ich für diese Frage genau der Richtige…

Mir persönlich geht es beim Reisen weniger um Bequemlichkeit, sondern darum, gut anzukommen. Reisen innerhalb Europas – zumindest wenn es sich dabei um das geografische Europa handelt und nicht um das sportliche Europa der FIFA, welches ja schnell mal bis Aserbaidschan reichen kann, weil für die FIFA Australien ja auch zu Asien gehört – würde ich daher wahrscheinlich tatsächlich mit dem Zug antreten, notfalls mit dem Fernbus, sehr notfalls sogar mit dem Auto.

Und ja, fliegen mag statistisch sicherer sein, als die drei oben genannten Alternativen, aber man kriegt mich in kein Flugzeug. Es sei denn man hätte mich  vorher mit verschreibungspflichtigen Medikamenten oder alkoholhaltigen Getränken ruhiggestellt, wovon ich jedoch abzusehen bitte.

Da es aber nun um Bequemlichkeit gehen soll: Ich stelle mir – auf eine sehr theoretische Art und Weise – Zeitreisen recht bequem vor. Zusammen mit dem Gepäck in die Wells`sche Zeitmaschine, Knopf drücken, schwupps, schon ist man woanders. Oder wannanders. Oder beides.

Frage 2: Warum ist überhaupt etwas und vielmehr nicht nichts?

Was weiß ich, bin ich Nihilist? Dabei fällt mir ein: Bildet mal einen Satz mit „Nihilist“!

„In Kairo, da sprach der Tourist:
„Wenn das mal nicht der Nihilist!““

Gut, oder!? Ich hätte auch noch einen mit „Meerrettich“:

„Des Rettungskreuzers Käpt´n spricht:
„Zwei barg ich schon, Meerrettich nicht!““

Oder, für die in ländlichen Gebieten Wohnenden unter euch, einer mit „Fiesta“:

„Der Bauer schreit: „Hurra, hurra,
die Kuh, die kalbt, das Fiesta!““

Die sind leider nicht von mir, sondern Bestandteil des Buches „Bilden Sie mal einen Satz mit“, für das Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer herausgeberisch verantwortlich zeichnen. Ich kann´s wärmstens empfehlen. Nun, da ich auch meinem bloggerischen Kerngeschäft nachgekommen bin, widme ich mich mal wieder der Ausgangsfrage.

Tja, wenn ich so aus dem Fenster sehe und mir nochmal den vergangenen Sonntag und dieses „Spiel“ ins Gedächtnis rufe, dann frage ich mich auch, warum nicht einfach mal nichts ist. Ich würde das Nichts für die Monate November bis März vorschlagen, da passiert eh nichts Gutes. Das Seiende kann dann im April wieder zurückkehren.

Ach, angesichts der Tatsache, dass sich von Platon über Kant, Hegel, Heidegger bis zu Sartre allerhand klügere Köpfe über dieses Fachgebiet Gedanken gemacht haben, wird es nicht verwundern, dass ich nichts bahnbrechend Neues dazu beizutragen habe. Daher halte ich es mit Parmenides von Elea und sage, dass es unmöglich ist, sich mit dem Nichtseienden zu befassen, weil man in dem Moment, in dem man Aussagen über das Nichtseiende macht, es zu etwas Seienden macht.

„Der heutige „Telekolleg Philosphie“ wurde Ihnen präsentiert von zwei Tassen Kaffee!“

 

3. Dein bestes Rezept für eine Torte?

Jemand anderen backen lassen!

 

4. Das liebst Ding auf Deinem Schreibtisch?

Mein PC-Monitor! Ohne ihn wäre ein großer Teil meiner Freizeitgestaltung gar nicht möglich. Ich hoffe, dass er noch lange nicht das Schicksal meiner Schreibtischlampe teilt, die kürzlich den Geist aufgab und die ich eigentlich mal dringend ersetzen müsste. Ein neuer Monitor wäre nämlich ungleich teurer und würde so gar nicht in meine Finanzplanungen passen.

 

5. Die fünf meistgenutzten Smartphone-Apps?

Wenn man chip.de vertrauen kann, dann sieht die Reihenfolge folgendermaßen aus:

Platz 5: eBay-App, weil man offensichtlich auch unterwegs Dinge kaufen können muss.
Platz 4: YouTube-App, was ich daran merke, dass mir dauernd Handys mit neuen ganz, ganz tollen Videos ins Sichtfeld gehalten werden, was ich aus mehr als einem Grund verabscheue.
Platz 3: Google Maps, was mich in Erstaunen darüber versetzt, dass es den Falk-Verlag noch gibt, wenn auch unter anderem Namen
Platz 2: Facebook
Platz 1: WhatsApp

Ich bin mir schon bewusst, dass die Frage wahrscheinlich auf die fünf von mir selbst am meisten genutzten Apps abzielte, aber dann wäre die Antwort kurz ausgefallen: Keine, weil ich mein Handy ausschließlich offline nutze. Ja, so etwas gibt es noch und nein, ich bin nicht zu blöd für die Nutzung von Apps, ich brauche sie nur nicht.

 

6. Was passiert Dir in Deinen Träumen regelmäßig?

Da gibt es tatsächlich nichts, was so regelmäßig wiederkehren würde, dass ich es mir gemerkt hätte. Abgesehen davon bin ich vorsichtig damit geworden, über Inhalte von Träumen zu sprechen, nachdem ich vor einiger Zeit kundtat von einem Wirbelsturm geträumt zu haben, worauf mir mitgeteilt wurde, dass es sich dabei um den „worst case“ der Traumdeutung handele, der allgemein große persönliche Katastrophen ankündige – ich warte immer noch darauf… 🙂

 

7. Wo bist Du so richtig elitär?

Sprache! Ich war schon in der Schule ein eifriger Streiter für den Genitiv, bis mich ein Deutschlehrer mit der Meinung: „Der Genitiv ist eigentlich für´n Arsch!“ in eine tiefe Sinnkrise stürzte.

Wenigstens habe ich mittlerweile aufgehört, andere Menschen zu verbessern. Wenn mir aber in der Zeitung oder im Fernsehen – in Medien, die sich mit Sprache also auskennen sollten – sprachliche Fehltritte begegnen, bekomme ich schon noch Schnappatmung. Gerade neulich erst in einer nachmittäglichen Sendung des ZDF, als es in der Unterzeile unter dem Namen der eingeblendeten Person hieß: „Hofft auf ein großen Gewinn“! Einen großen Gewinn, verdammte Axt! Ach, lassen wir das, ich rege mich schon wieder auf…

 

Das war´s dann auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen freien, Feier-, Urlaubs- oder Arbeitstag, je nachdem, was zutrifft.
Gehabt euch wohl!

Freitagsfragen am Samstag

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

im Brüllmausblog werden in schöner Regelmäßigkeit die Freitagsfragen gestellt. Am Freitag vor einer Woche fielen diese jedoch aus nachvollziehbaren Gründen aus. Auch vorgestrigen Freitag waren sie nicht gesehen. Mit einer zweitägigen Verspätung erscheinen sie jetzt am Sonntag sehr zu meiner Freude doch noch, weshalb ich mich natürlich umgehend mit ihnen beschäftige. Auch wenn ich mich bei dieser Ausgabe vielleicht ein bisschen kürzer fassen werde, weil mein ursprünglicher Plan eigentlich war, mir den Sieg der New England Patriots anzusehen.

Eine von mir unermesslich geschätzte Blogger-Kollegin wies mich übrigens unlängst darauf hin, dass ich in meinem gestrigen Beitrag zum „Elite-Award“ zwar brav Fragen beantwortet habe, es sich dabei aber um eben die Fragen handelte, die der mich nominierende Zeilenende in seinem diesbezüglichen „Elite-Award“-Beitrag selbst beantwortet hat, aber eben nicht um die von ihm an mich und alle anderen Nominierten gestellten Fragen. Da ich dieser bestechenden Logik nichts entgegenzusetzen habe, wird auch noch ein entsprechendes Update erscheinen, aber ich muss euch was das angeht, mindestens auf morgen vertrösten, weil Tom Brady sonst schneller fertig ist, als ich es bin. 🙂

Schreiten wir zur Tat, die heutigen Fragen lauten:

1.) Welches Buch, welcher Film, welche Serie, welche Musik hat oder haben Dich in jungen Jahren begleitet und geprägt?

2.) Kannst Du über Dich selbst lachen?

3.) Würdest Du gern viele Höhepunkte erleben, auch wenn das hieße, dass Du ebenso viele Tiefpunkte durchleben müsstest?

4.) Die Wahl der Qual: Nach Eiern stinken wenn Du rülpst oder eine gut sichtbare grüne Wolke erscheinen, wenn Du furzt?

 

Antwort zu 1.)

Im Hinblick auf Bücher hat mich in jungen Jahren „Die weißen Kundschafter“ von Anne Müller-Tannewitz sehr geprägt. Dieses Buch – es war das erste Buch der Kategorie „Wälzer“, das ich durchgelesen habe, auch wenn das rückblickend gar nicht so wälzer-mäßig daherkommt – hat den Grundstein für meine Liebe zu Büchern und zur Geschichte gelegt. Sicher, vorher habe ich schon Dinge wie „TKKG“ oder „Die drei ???“ gelesen, die waren für meine weiteres Leben allerdings eher bedeutungslos.

Später hat mich dann die Buchreihe aus dem DSA-Universum gepackt (Das Schwarze Auge) und den Grundstein für meine Vorliebe zum Fantasy-Genre gelegt.

Mit Filmen und Serien hatte ich schon in jungen Jahren eher weniger am Hut, gebe aber zu, dass ich die Serie „Anna“ mochte… Hey, ich war 10 Jahre alt! Außerdem finde ich Patrick Bach bis heute cool, jawohl! Mit schlanken 18 Jahren fand ich – und finde bis heute – „Before sunrise“ ganz großartig. Hach, Julie Delpy… 🙂

Musikalisch hat mich damals viel mehr geprägt, als dass ich die Möglichkeit hätte, das hier in einem überschaubaren Zeitrahmen aufzulisten. Ihr wisst ja – Tom Brady, und so…

 

Antwort zu 2.)

Ja, das kann ich durchaus. Sogar recht gut, denke ich. Ich würde das noch weiter ausführen und mit Beispielen untermauern, wenn mir die entsprechenden einfielen…

 

Antwort zu 3.)

Ich schätze, das ist der ganz normale Lauf der Dinge. Mal geht´s Dir schlecht, mal geht´s Dir wieder gut. (Jetzt habe ich „Kopfhaut“ von „Die Ärzte“ im Kopf – die Älteren werden sich erinnern)

Das Leben besteht nun mal aus Phasen und das ist auch eine Art Mantra, das ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufe, wenns mal wieder schlecht läuft. Um also die Frage zu beantworten: Klar würde ich gerne viele der in letzter Zeit arg raren Höhepunkte erleben, die Tiefpunkte kommen dann schon von ganz allein.

 

Antwort zu 4.)

Bitte? Ähm, na gut, dann nehme ich Ersteres. Das kann man mit ein bisschen Glück noch wegwedeln, bevor Menschen im unmittelbaren Umfeld umkippen. Grüne Wolken kann man dann weniger gut kaschieren. Man kann auch weniger überzeugend behaupten, man sei es gar nicht gewesen. 😉

 

Nun denn, der unlängst einem Quarterback-Sack zum Opfer gefallene Tom Brady befindet sich im zweiten Quarter und ich muss mir dringend ansehen, wie er das verkraftet.

Gehabt euch wohl!

Der „Elite-Award“

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Liebe Leserinnen und Leser,

die geschätzten Blogger-Kollegen Zeilenende und Aushilfsjedi haben einen Award ins Leben gerufen, den „Elite-Award„. Und wie das bei Awards so ist – außer bei mir, aber dazu später – wird auch die/der eine oder andere Kollegin bzw. Kollege – boah, ich finde gendern so anstrengend – nominiert. In diesem Fall hat es mich getroffen. Und zwar auf außerordentlich charmante Weise. Behauptete der geschätzte Kollege Zeilenende doch, mein Blog sei sein momentaner Lieblingsblog.

Nachdem ich ob dieser Aussage den halben Tag im Kreis grinste, werde ich jetzt mal versuchen, meiner Nominierung gerecht zu werden. Außerdem gestatte ich mir, Zeilenendes Worte hier mal wiederzugeben, weil ich sie so nett finde:

„Dann trifft es halt den guten fraggle, dessen Rezensionen ich ohnehin liebe und der mir darüber hinaus in letzter Zeit den Gefallen tut, mit seinem Schandmaul auch über andere Dinge als nur gute oder schlechte Bücher zu schreiben. Beim fraggle krieg ich Information und Unterhaltung, Bösartigkeit und Harmonie, Rezensionen und Geschichte. Auch wenn ich das schwarze Layout vermisse.“

Abgesehen davon, dass noch niemals jemand mein Blog-Schaffen besser und treffender in Worte gefasst hat *hüstel*, erröte ich angesichts dieser Worte immer noch schamhaft und bedanke mich ganz herzlich. Und was das schwarze Layout angeht: Ich vermisse es auch, wollte aber nicht das Risiko eingehen, irgendwelche astronomisch hohen Rechnungen von Augenärzten und/oder Optikern bezahlen zu müssen, nur weil meine Leserschaft ganz plötzlich schlecht sieht. Außerdem vermisse ich Seamus in Zeilenendes Blog auch, das gleicht sich wieder aus. 🙂

Schreiten wir also nunmehr zur Tat.

Die Regeln sind denkbar einfach:

  • Danke der Person, die Dich für den Elite Award nominiert hat und verlinke sowohl ihren Blog als auch die Webseite der Elite(dieelitepodcast.wordpress.com) in Deinem Artikel.
  • Schreibe diese Regeln in Deinen Elite Award Blog Artikel.
  • Beantworte die 5 fixen Standard-Elite-Fragen zu Verschwörungen (nachzuhören in Folge 22 von Die Elite), sowie die 7 variablen Fragen, die der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt.
  • Nominiere mind. 5 max. 13 weitere Blogger für den Elite Award
  • Stelle eine neue Liste mit 7 variablen Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen.
  • Informiere Deine nominierten Blogger über den Blog Artikel.

 

Also, der nominierenden Person gedankt und alle Links eingefügt? Check!

Die Regeln des Blogs eingefügt? Check!

Die fünf fixen und sieben variablen Fragen beantwortet? Dazu komme ich gleich!

5-13 weitere Blogger und Innen nominiert? Nein, und ich bitte diesbezüglich um Einverständnis, denn meine bisherigen Nominierungen haben sich bis dato dadurch ausgezeichnet, dass sie weitestgehend ignoriert wurden. Ich habe zwar gelernt, das nicht mehr persönlich zu nehmen, verzichte aber trotzdem auf Nominierungen.

Neue Liste mit sieben Fragen? Erübrigt sich wegen fehlender Nominierung.

Die nominierten Blogger informiert? Erübrigt sich ebenfalls.

Kommen wir zu 5-Elite-Standard-Fragen, die da lauten:

1. Was ist Deine Lieblingsverschwörung?

Bei Verschwörungstheorien ist man bei mir an der völlig falschen Adresse. Mir wollte noch nie nicht einleuchten, warum es manchen Menschen leichter fällt, ein kompliziertes Konstrukt aus abstrusten Annahmen eher zu glauben, als das, war wirklich passiert ist. Sollte ich mich aber nun mal für eine Verschwörung entscheiden, dann wäre das vermutlich die „Bielefeld-Verschwörung“, die seit der ersten Hälfte der 90er durchs Land geistert. Angesichts der Tatsache, dass gerade die geheimen Akten bezüglich JFK freigegeben wurden und ich den Oliver-Stone-Film von ´92 nach wie vor großartig finde, hätte ich mich auch dafür entscheiden können. Aber – nein, Bielefeld liegt da in Führung. 🙂

2. Warum?

Warum? Warum „warum“? Nun, wenn ich die Frage, so wie es wohl gemeint ist, auf die Eingangsfrage beziehe, dann: Weil ich es witzig finde! 🙂 Und weil ich über kaum einen Landstrich so gerne Witze mache, wie über Ostwestfalen-Lippe. Einmal, weil es von hier aus nicht weit entfernt ist. Zum Zweiten, weil dort die schlechtesten Austofahrer der Welt beheimatet sind – das Kennzeichen „LIP“ ist für hier beheimatete Autofahrer gleichbedeutend mit „Oha, halten wir mal sicherheitshalber 10 Meter zusäzlichen Dummheitsabstand“. Und zum Dritten, weil ich mich nicht immer nur über Bayern und die dortigen Politiker lustig machen kann.

3. Wenn Du einen Tag die Weltherrschaft hättest, was würdest Du tun?

Bayern fluten? 😉 Nein! Nein, nein, so etwas würde ich nie tun! Tja, aber was würde ich denn tun? Wenn ich die Weltherrschaft hätte, würde das ja einerseits bedeuten, dass Staatsparlamente eher schmückendes Beiwerk sind  und ich mich andererseits gegen Pinky und den Brain durchgesetzt habe. Das hätte schon was! Ach, wahrscheinlich würde ich ein Dekret erlassen, dass alle EU-Staaten zwingt, eine an ihrer Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft angelehnte Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen. Einmal, weil die existierende Regelung eine Art Treppenwitz der Zeitgeschichte ist, zum Zweiten, weil mir Menschen wie Viktor Orbán massiv auf – Verzeihung – den Sack gehen und zum Dritten, weil nach einer angemessenen Lösung der „Flüchtlingskrise“ wahrscheinlich auch Menschen wie Beatrix von Storch wieder in der Versenkung verschwinden, in die sie gehören.

4. Wie hat die Erkenntnis, dass es tatsächlich eine geheime Weltverschwörung gibt, Dein Leben nachhaltig verändert?

Ich habe lange überlegt, aber hierzu fällt mir irgendwie keine, wie auch immer geartete, sinnvolle Antwort ein. Nicht, dass ich zwischendurch auch sinnfreie Antworten geben würde. Und dennoch… Nein, mir will nichts einfallen.

5. Wenn es eine Zahl gibt, der Du etwas mystisches anhaften dürftest (außer den Klassikern 5, 7, 11, 13, 23, 42, 666), welche wäre das und warum?

Das wäre eindeutig die Zahl 1986, und zwar als Jahreszahl! Als damals der Ball gegen die Hand von Sören Lerby sprang – auch wenn Paule Breitner das anders gesehen hat – und es deshalb einen völlig berechtigten Elfmeter für meinen heißgeliebten SV Werder gab, da war noch alles gut. Als Michael Kutzop aber den fälligen Elfmeter gegen den Pfosten senste, so, dass Jean-Marie Pfaff sich nicht mal groß bewegen musste bzw. konnte, da war dann nicht mehr alles gut. Im Grunde genommen hat das heutige Elend des SV Werder damals schon seinen Anfang genommen…

Die Fragen der Elite: 
1. Wie kamst Du zum Bloggen und worüber schreibst Du?

Nun, zum Bloggen kam ich durch eine Art Übersprungshandlung. Ich lag lesend auf dem Bett und dachte mir ganz plötzlich sinngemäß: Du wirst dauernd gefragt, wie viel Du denn so liest! Jetzt hast Du doch einen Internet-Anschluss ( ich bin diesbezüglich Spätstarter), also kannst Du das doch im Rahmen eines Blogs festhalten. Und damit gleich Leute behelligen, die es nicht interessiert! Komm, trau Dich!

Na ja, und das tat ich dann auch! Sofort!

Worüber ich schreibe? Bücher! So habe ich jedenfalls angefangen, nutze aber auch jede Gelegenheit, mich abseits dieser Thematik über das aktuelle Weltgeschehen zu äußern. Deshalb habe ich schon sehr zeitnah darüber nachgedacht, mal einen Zweitblog zu starten, in dem ich dann weniger monothematisch unterwegs sein kann und in dem ich dann auch mal behaupten kann, dass Frau von Storch mindestens  =)(/&/)/U“(/?=!() ist!

2. Wie wichtig sind Dir Kommentare?

Och, ich könnte jetzt behaupten, dass mir Kommentare schietegal wären, das wäre aber gelogen. Nein, ich ertappe mich selber gelegentlich – selten – dabei, dass ich den „Like“-Button – „“Like“-Button sind gleich zwei der von mir so verabscheuten Angliszismen – mal anklicke, um mir selbst zu signalisieren: „Hab ich gelesen!“. Das kommt, wie gesagt, selten vor. Und daher gehe ich davon aus, dass das auch andere Blogger und Innen so machen. Ein Kommentar aber zeugt davon, dass sich die Leserin oder der Leser durchaus mit dem Inhalt auseinandergesetzt hat. Insofern: Ja, Kommentare sind mir durchaus wichtig. Und die meisten davon beantworte ich sogar. Notiz für mich: Du hast heute zwei Kommentare noch nicht beantwortet! Na vielleicht morgen…

3. Wie kamst Du auf den Namen Deines Blogs?

Tja, der Name meines Blogs „reisswolfblog“ ist einerseits das Ergebnis eines langen Denkprozesses, andererseits ist es aber auch nur ein Wortspiel, das auf meinem Nachnamen basiert. Und nein, ich heiße nicht „reiss“ mit Nachnamen. Alles das könnte die geneigte Leserschaft schon wissen, hätte ich mittlerweile ein Impressum. Notiz für mich: Leg Dir endlich mal ein Impressum zu, damit Beatrix von Storch, Alice Weidel oder Alexander Gauland wenigstens wissen, wohin sie ihre Klage schicken können…

4. Wie vernetzt Du Dich mit anderen Bloggern?

Vernetzung ist für mich in mehrerer Hinsicht ein Frendwort. Gut, ich folge Blogs. Einige davon,  und – man fasst es nicht- sogar andere, folgen mir. Fertig, aus! Ich nutze kein Facebook, Twitter, Instagram, noch nicht mal WhatsApp! Wer also einen vernetzten Blogger sucht, ist bei mir an der völlig falschen Adresse.

5. Dein Lieblingsblog außer deinem eigenen?

Hmmm, schwierige Frage. Ja, „schwierig“, nicht „schwer“.  Ich kriege immer die Krise, wenn es heißt: „Wir haben jetzt eine schwere Frage für Sie!“ Es mag richtig sein, widerspricht aber meinem Sprachgefühl. Sei´s drum!

Mich für einen einzigen Blog entscheiden, fällt mir zugegebenermaßen recht schwer. Dass unter anderem Zeilenende und wortgeflumselkritzelkram zu meinen bevorzugten Kollegen und Innen gehören, nimmt nicht wunder.

Sollte ich aber gezwungen sein, ab morgen nur noch einem einzigen Blog zu folgen, dann wäre das vermutlich der von Seppo, einfach weil, ach, weil halt!

6. Mit Redaktionsplan oder Freischnauze?

So etwas wie einen Redaktionsplan kenne ich gar nicht. Ich lese – ich prokrastiniere – ich lese – irgendwann schreibe ich…

7. Was möchtest Du gerne gefragt werden?

Tja, da könnte ich jetzt die Antwort des Kollegen Zeilenende kopieren, was ich aber natürlich nicht tue. Ich habe ja schon eingangs kopiert. 🙂 Trotzdem: Fragt mich alles, ich liebe das Beantworten von Fragen. Manchmal brauchts einen oder zwei Tage, aber anworten tue ich eigentlich immer. Meistens auch ohne tun-Konstruktion…

 

Das soll es dann auch mal wieder gewesen sein. Nochmals vielen Dank an den Kollegen Zeilenende! Ich wünsche allseits noch ein schönes Restwochenende. Hatte ich erwähnt, dass ich einen Brückentag habe…? 😉

 

Gehabt euch wohl!

„Die Petrusmünze“ von Daniel Holbe – Luft nach oben

Buch: „Die Petrusmünze“

Autor: Daniel Holbe

Verlag: atb

Ausgabe: Taschenbuch, 364 Seiten

Der Autor: Daniel Holbe, Jahrgang 1976, lebt mit seiner Familie in der Wetterau unweit von Frankfurt. Einem großen Publikum wurde er bekannt, als er in den Romanen „Todesmelodie“ und „Teufelsbande“ die Figuren des verstorbenen Krimiautors Andreas Franz weiterleben ließ. Zuletzt veröffentlichte er die Bestseller „Schwarzer Mann“ und „Der Fänger“.Im Aufbau Taschenbuch ist sein Thriller „Die Petrusmünze“ lieferbar. (Quelle: Aufbau Verlag)

Besondere Sympathien gewinnt Holbe bei mir dadurch, dass er einen von zwölf Thrillern zu einem Buch mit dem wunderschönen Titel „Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um“ geschrieben hat. Wer mich kennt, weiß warum! 🙂

Das Buch: Die deutsche Historikerin Marlene Schönberg erhält einen geheimnisvollen Anruf. Ein Mann erklärt, er besitze Informationen über eine Reliquie, die den Vatikan ins Wanken bringen könnte. Als Marlene den Mann besuchen will, findet sie sich vor einem Gefängnis in Marseille wieder. Robert Garnier steht in Verdacht, seinen Vater vor dem Papstpalast in Avignon getötet zu haben. Zusammen mit seinem Anwalt beginnt Marlene zu ermitteln: Es geht um eine Münze – die Petrusmünze, an der man den wahren Papst erkennt. Ein erster fehlgeschlagener Anschlag auf sie verrät Marlene, dass sie auf der richtigen Spur ist.  (Quelle: Klappentext)

Fazit: „Die Petrusmünze“ ist nicht nur Holbes erstes Buch, dessen Erstauflage bereits 2009 erschien, es ist auch das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe. Und es lässt mich mit durchaus gemischten Gefühlen zurück.

Der Autor gestaltet den Einstieg in das Buch auf die denkbar schwierigste Art und Weise. Zu Beginn wechselt „Die Petrusmünze“ ständig zwischen verschiedenen Zeitebenen, Orten und handelnden Personen. Dazu sind die Kapitel eingangs sehr kurz, so dass ich mich permanent auf eine neue Situation einstellen musste, ohne dass so etwas wie Lesefluss aufkam. Für das Erkennen von Zusammenhängen war das eher hinderlich und erinnerte mich so ein bisschen an den Schnitt des Videos zu „Live and let die“ von Guns ´N Roses aus den 90ern, in dem gefühlt sieben Einstellungen pro Sekunde auftauchten – die Älteren werden sich erinnern.

Im späteren Verlauf ändert sich das dann glücklicherweise und man merkt, dass sich Daniel Holbe da mit einer sehr spannenden Geschichte beschäftigt. Diese ist – und das sagt der Autor auch selbst – von Dan Browns Büchern inspiriert und das merkt man auch. Im Gegensatz zum großen Vorbild ist hier allerdings alles eine Nummer kleiner – zum Glück. Hier geht es nicht um weltumwälzende Revolutionen religiöser Art, hier geht es mehr um die Rolle der katholischen Kirche in der Geschichte und um Ansprüche, die daraus vermeintlich entstanden sind.

Die Geschichte basiert auf der Grundlage des Großen Abendländisches Schismas, als es im 14. Jahrhundert ganz plötzlich zwei – später sogar drei – Päpste gab. Ich hätte es positiv empfunden, wenn der Autor den Leser diesbezüglich mit etwas mehr Informationen versorgt hätte. Die gegebenen reichen, um der Handlung zu folgen, aber nicht immer ist weniger mehr. Insgesamt aber überzeugt die Story durchaus, und das nicht nur weil sie spannend ist, sondern auch, weil sie interessante Fragen zur Verantwortung der Kirche für in der Vergangenheit begangenes Unrecht aufwirft.

An manchen Stellen allerdings meldete sich meine linke Gehirnhälfte und brachte die Logik hinsichtlich einiger Szenen sowie des Handelns der Protagonistin zur Sprache. So zum Beispiel an der Stelle, an der sich ein Charakter wegen einer Schusswunde behandeln lässt. Der „eilig herbeigerufene Arzt“ kümmert sich um die Wunde und verschwindet – das war´s. Jetzt bin ich mit der französischen Justiz nicht vertraut – wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt der Handlung in Frankreich – aber wenn ich hierzulande angeschossen werde und ich marschiere damit zum Hausarzt, um mich nur mal kurz tackern zu lassen, dann lässt der mich sicherlich nicht einfach wieder gehen! Klar, Probleme mit den Behörden wären der Dynamik der Handlung eher abträglich, aber dennoch…

Darüber hinaus hat sich mir während der Lektüre nie erschlossen, wieso die Polizei denn nun Robert Garnier verdächtigt, seinen Vater getötet zu haben. Es mag möglich sein, dass ich es überlesen habe, aber meines Wissens wird nirgendwo ein Motiv genannt, mir selbst fiele auch keines ein.

Auch die Protagonistin muss man nicht immer nachvollziehen können. Dass diese Hals über Kopf nach Frankreich reist, weil sie jemand, den sie nicht kennt, aus einem französischen Gefängnis anruft und um Hilfe bittet, erschließt sich mir einfach nicht. Gut, sie ist von ihrem Job gelangweilt – den ich übrigens jederzeit gegen meinen eigenen eintauschen würde. Aber reicht das, um sich stante pede auf eine Reise zu begeben, ohne zu wissen, warum eigentlich? Meiner Meinung nach nicht. Auch dass die studierte Historikerin später ohne jegliche Skrupel Löcher in historische Gebäude hämmert und später an einer Buddelei teilnimmt, die jedem anständigen Raubgräber die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen würde, muss ich nicht verstehen.

Auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptpersonen kommt irgendwie aus dem Nichts und hätte überhaupt nicht sein müssen. Dass ich dagegen den im Buch vorkommenden Charakter Anton Schönberg beharrlich mit Arnold Schönberg verwechselt und deswegen gruseligste Erinnerungen an die Zwölftonmusik hatte – nein, dafür kann Daniel Holbe nun wirklich nichts, das ist mein eigenes Problem.

Während man also einige fehlenden Hintergrundinformationen in der Handlung sowie die Tatsache, dass die Charaktere mich durch die Bank kalt gelassen haben, bemängeln kann, ist Daniel Holbe allerdings stilistisch über jeden Zweifel erhaben. Er schreibt schnörkellos und temporeich mit überzeugenden Dialogen. Und das ist letztlich auch der Grund, warum „Die Petrusmünze“, trotz aller Kritikpunkte, zwar das erste aber nicht das letzte Buch ist, das ich von ihm gelesen habenn werde. Auch wenn das nächste dann vermutlich ein Krimi sein wird.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Erlöse mich“ von Michael Robotham

 

P.S.: Das war mein 200. Beitrag! *Konfetti* 🙂

„Im finsteren Eis“ von Bracken MacLeod –

Buch: Im finsteren Eis

Autor: Bracken MacLeod

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 414 Seiten

Der Autor: Bracken MacLeod arbeitete als Anwalt, Philosophielehrer und Martial-Arts-Trainer. Doch sein Herz gehört dem Schreiben. Zahlreiche seiner Kurzgeschichten sind in renommierten Genremagazinen erschienen, in Amerika gilt MacLeod schon jetzt als eine der aufregendsten Neuentdeckungen in der Spannungsliteratur. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes „Arctic Promise“ plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses … (Quelle: Heyne)

Fazit: Eben noch hatte ich einen halbwegs brauchbaren Einstieg in diese Rezension, dann schrie mich zum wiederholten Male Trude Herr aus dem TV an, um mir mitzuteilen, dass sie keine Schokolade wolle. Und schon war der geschliffen formulierte Einstieg aus dem Kopf verschwunden.

Aber da wir schon bei Einstiegen sind, beschäftigen wir uns mal mit dem in MacLeods „Im finsteren Eis“. Der gelingt nämlich erfreulich gut. Zu Beginn stellt der Autor der Leserschaft seinen Protagonisten vor, den Seemann Noah Cabot. Und Cabot hat es nicht leicht an Bord der „Arctic Promise“. Die Mehrheit der Besatzung beäugt ihn skeptisch, weil sie ihn für den Unfalltod eines Kollegen verantwortlich macht. Darüber hinaus steht die „Arctic Promise“ unter dem Kommando William Brewsters, und der wiederum ist Noahs Schwiegervater und ebenfalls nicht gerade begeistert von Cabot.

Insgesamt erfährt der Leser recht viel über den jungen Noah Cabot – den ich übrigens beharrlich „John“ nennen möchte, obwohl dieser John Cabot eigentlich Giovanni Caboto hieß, ebenfalls Seefahrer war und im 15. Jahrhundert den Sankt-Lorenz-Strom befuhr, nur damit ihr hier auch was lernt -, man erfährt also recht viel, auch was Cabots Leben vor der Seefahrt angeht. Insgesamt ist dem Autoren der Protagonist ziemlich gut gelungen. Hätte sich MacLeod doch nur ähnlich intensiv mit seinen anderen Charakteren oder gar seiner Geschichte beschäftigt…

Neben Cabot gibt es eigentlich nur noch zwei weitere wichtige Charaktere. Zum Einen seinen bereits erwähnten Schwiegervater, zum Anderen den Bootsmann Serge Boucher. Alle anderen Männer der Schiffbesatzung vermischten sich für mich während der Lektüre nach einer Phase des „Wer war das noch gleich?“ der Einfachheit halber zu einem einzigen großen Charakter namens „Schiffsbesatzung“.

Neben dem guten Einstieg hinsichtlich der Charaktere gelingt Bracken MacLeod dies auch im Hinblick auf den Stil und die Handlung. MacLeod kann tatsächlich richtig gut schreiben, er hat ein Händchen dafür, Stimmungen gut herüberzubringen. Das gilt für die langsam angespannter werdende Atmosphäre auf dem Schiff genaus so wie für seine Beschreibungen der rauen Umgebung, in der sich die Mannschaft der „Arctic Promise“ befindet. Gelegentlich hatte ich beim Lesen irgendwie das Gefühl, dass mir gerade kälter ist, als mir angesichts der Außentemperatur sein sollte.

Leider ist es sehr schwierig, ein ganzes Buch nur mit einem Händchen für Stimmungen zu füllen, irgendwann sollte dann auch mal die Handlung zum Tragen kommen und da liegt leider das große Problem des Buches. Bis zu dem Zeitpunkt als die Mannschaft zu dem vermeintlichen Schiff aufbricht, dass die Seeleute am Horizont sehen, bietet „Im finsteren Eis“ solide bis gute Unterhaltung. Dann jedoch driftet der Roman irgendwie in eine Art Mystery-Thriller ab. Das letzte Viertel des Buches erinnert schließlich an eine im ewigen Eis stattfindende Version von „Resident Evil VII“. „Muss man mögen“, um es mal mit den Worten von Vince Ebert zu sagen…

Die Wendung in die Mystery-Richtung, die das Buch nimmt, die muss ja keine schlechte sein, aber es wäre so schön gewesen, wenn der Autor sein Szenario am Ende des Buches irgendwie aufgeklärt oder erklärt hätte – wenigstens im Ansatz, gegen die eine oder andere offene Frage ist ja nichts einzuwenden. Aber nein, das Buch endet ohne eine einzelne Erklärung, was, zum Geier, denn da jetzt auf den vorhergehenden gut 400 Seiten passiert ist. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass MacLeod der berechtigten Meinung war, eine ganz brauchbare Geschichte im Kopf zu haben. Also hat er einfach mal angefangen, drauflos zu schreiben, in der sicheren Annahme, ihm würde im Laufe der Zeit schon noch ein überzeugender Schluss einfallen. Leider war das nicht der Fall.

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Das hätte Brecht vermutlich zu „Im finsteren Eis“ gesagt. Schade!

Wertung:

Handlung: 5,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnöchst in diesem Blog: „Die Petrusmünze“ von Daniel Holbe.