abc.etüden KW 51/52

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

gestern verschickte die geschätzte Bloggerkollegin Christiane die nächste Schreibeinladung für die abc.etüden in den Kalenderwochen 51 und 52. Und da aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände in jüngerer Vergangenheit – und das bitte ich, durchaus als Euphemismus zu verstehen – mein Lesefluss vollständig zum Erliegen gekommen ist, kann ich meinem Kerngeschäft, den Rezensionen, derzeit nicht so nachgehen, wie ich das gerne möchte.

Als Ersatz versuche ich mich mal an einer weiteren Ausgabe der abc.etüden. Wir nähern uns mit großen Schritten den dunkelsten Tagen des Jahres und auch bei meinem Protagonisten aus meiner Etüden-Premiere scheint sich einiges verdunkelt zu haben. Grund genug, sich ihm nochmals zu widmen.

Das Beitragsbild stammt von Christiane, die Wortspende kommt diesmal von der lieben Kollegin dergl und die Wörter lauten:

Regenbogen
transparent
bluten

 

Frustriert schlug Matteo das Exemplar von Goethes „Italienischer Reise“ zu und ging wieder ins Haus. Die Worte des Dichterfürsten erreichten ihn heute nicht. Was nicht verwunderlich war, weilten seine Gedanken doch schon seit Tagen bei Agathe.

Erstmals gesehen hatte er sie beim Bäcker und war sofort verzaubert. Er staunte nicht schlecht, als er einige Tage später wieder auf sie traf, im Café beim angeregten Gespräch mit seinem Nachbarn Giorgio. Er setzte sich dazu, und erlebte einen wundervollen Vormittag.

Seitdem konnte er an nichts anderes mehr denken, als an Agathe. Eigentlich wollte er ihr das sagen, fürchtete sich aber vor ihrer Reaktion. Außerdem wusste er noch so gut wie nichts von ihr, außer, dass sie aus Deutschland kam und Literatur liebte. Und sie war augenscheinlich einige Jahre jünger als er, aber das hatte ihn noch nie gestört. Doch sonst wusste er nichts. Vielleicht war sie sogar verheiratet? Sicherlich war sie das, wie sollte es anders sein!? Er könnte Giorgio fragen, würde aber den Teufel tun!

Sein Herz begann zu bluten beim Gedanken, dass es bei diesem einen Vormittag im Café bleiben könnte. „Lieber Himmel!“, dachte Matteo, „ich bin 92 Jahre alt und benehme mich wie ein Pennäler!“

Frustriert betrat er das Wohnzimmer, zog die halbtransparenten Vorhänge zu und ließ sich aufs Sofa fallen. Sein Blick fiel auf den in allen Farben des Regenbogens schillernden Druck von Paul Klees „Burg und Sonne“.

„Nein, das ertrage ich jetzt nicht!“, dachte er und begann in seinem umfangreichen Drucke-Fundus zu wühlen. „Guernica?“ lachte er, „nein, so schlimm ist es auch wieder nicht!“

Kurz danach zierte Claude-Marie Dubufes „La Suprise“ die Stelle, die eben noch Klees Bild eingenommen hatte. „Besser!“, dachte Matteo, „viel besser!“. Auf dem Sofa ausgestreckt und in eine Decke eingewickelt starrte er auf das Bild und dachte: „Was mache ich denn nur?“

 

300 Wörter.

Ich wünsche allseits einen schönen Wochenbeginn.

Gehabt euch wohl.

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Prangenten e.V. prangert an: Straßenschilder!

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein paar Tage ist es her, dass der geschätzte Bloggerkollege René und ich den selbsternannten „non-profit-Haufen“ „Prangenten e.V.“ ins Leben gerufen haben. Mittlerweile sind schon mehrere Mitstreiter und Innen dazugekommen, was nichts anderes als einen Mitgliederzuwachs von mehreren hundert Prozent bedeutet. Ich bin versucht, Andrea Nahles eine Mail zukommen zu lassen, in der ich auf diesen Mitgliederzuwachs hinweise, aber ich fürchte, sie hat gerade schon genug Schwierigkeiten, da muss man ihr nicht mutwillig die Tränen in die Augen treiben.

Nun, sämtliche neuen Mitstreiter heiße ich an dieser Stelle schon mal herzlich willkommen. Herzlichen Dank an alle.

Für die, die es bislang nicht mitbekommen haben: Das Ziel von „Prangenten e.V.“ ist es, Dinge anzuprangern. Wann immer irgendwo, irgendwie, irgendetwas passiert, das es wert ist angeprangert zu werden, werden wir es tun! Und da wir den Worten auch irgendwann einmal Taten folgen lassen wollen, fange ich einfach schon mal an:

 

Autofahrer haben es ja manchmal wirklich nicht leicht. Und Autofahrer sind, aus meiner Sicht, eine ganz besondere Spezies. Diese besteht, nach meinen eigenen Erfahrungen, zu etwa einem Drittel aus Deppen. Als Beispiel sei dafür eine Fahrt zur Arbeit in der letzten Woche genannt, in der ich beispielsweise direkt nach dem Einbiegen auf eine Bundesstraße nach einer Ampel überholt wurde, ohne dass dem Nachfolgenden schon klar gewesen sein dürfte, ob ich nicht vielleicht auch rasen will, eine Fahrt, bei der ein mir Entgegenkommender zum Zwecke des Abbiegens meine Fahrbahn kreuzte, was kein Problem gewesen wäre, wenn ich nicht hätte stark abbremsen müssen, um eine Kollision zu vermeiden, und nein, ich war nicht zu schnell, eine Fahrt bei der mir auch der Klassiker begegnete, nämlich Menschen die beim Abbiegen erst bremsen und dann blinken. Der Fahrradfahrer, der mir auf der rechten Seite entgegenkam, und in mir den Gedanken „Entweder Du fährst auf der falschen Seite oder in die falsche Richtung!“ auslöste, ist zwar kein Autofahrer, sei an dieser Stelle aber mal erwähnt, um klarzustellen, dass Autofahrer nicht die einzige Verkehrsteilnehmergruppe sind, die zu nicht unwesentlichen Teilen aus Deppen  besteht.

Ein weiteres Drittel machen diese Asphalt-Rambos aus, denen Papi zum Führerschein einen nagelneuen 7er-BWM unter den Hintern schiebt. Diesen Papis sei an dieser Stelle nochmal gesagt: Das ist keine gute Idee!

Und dann bleiben als letztes Drittel noch Autofahrer wie ich. Und wie ihr alle, die ihr ähnlich unfehlbar seid wie ich. Menschen, die entspannt, besonnen, vorausschauend und fehlerfrei Auto fahren. *hüstel*

Diesen Menschen macht man seit Neuestem im in der Nähe meiner Heimtstadt gelegenen Mittelzentrum das Leben unnötig schwer. So wird dort seit geraumer Zeit an allen Ecken und Enden gebaut. Damit geht in den meisten Fällen eine alternative Straßenführung einher. Dieser alternativen Straßenführung – und eigener Dummheit – habe ich es übrigens zu verdanken, neulich mein neues Auto nicht unerheblich demoliert zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden, nichtsdestotrotz werde ich mir demnächst den für Straßenbauarbeiten verantwortlichen Menschen aus der Stadtverwaltung „ausleihen“,  und ihn oder sie am Ohrläppchen auf meine noch nicht vorhandene Anhängerkupplung tackern, um anschließend mehrere tausend Kilometer über diverse Schotterstraßen des Lipperlandes zu ballern. Ich wollte es nur schon mal gesagt haben …

Nun, und manchmal geht mit der alternativen Straßenführung auch eine zusätzliche Beschilderung einher, die nun aber seltsame Blüten getrieben hat, wie gestern im Lokalteil der hiesigen Tageszeitung zu lesen war.

Was war passiert?

Nun, man hat in einer Einbahnstraße gebaut. Und die dort tätigen Arbeiter haben daher hinter das Einbahnstraßenschild ein Sackgassenschild gestellt. Allerdings recht schräg, so dass es dem einen oder anderen Autofahrer erst auffiel, als er schon in die Straße reingefahren war. Und da fängt dann das Problem an. Man kann die Straße zwar be-, aufgrund der Bauarbeiten aber nicht durchfahren, man darf aber auch nicht wieder zurück fahren, weil man sich ja in einer Einbahnstraße befindet! Hätten diverse betroffene Fahrer nicht mutwillig gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen und die Straße im Rückwärtsgang wieder verlassen – sie würden dort heute noch stehen und kämen weder vor noch zurück.

Die zuständige Baufirma teilte übrigens mit, dass man das Sackgassenschild immer dann aufstelle, wenn Baumaterialien geliefert werden, was schon mal zwischen 10 Minuten und mehreren Stunden dauern könne, während denen dann die Durchfahrt nicht möglich ist. Ich bin ernsthaft versucht, darauf zu bauen, dass dort morgen früh wieder Material angeliefert wird, um dann „versehentlich“ in diese Straße einzubiegen, um dann meinen Chef anzurufen und zu sagen: „Ich weiß, dass ich eigentlich arbeiten müsste, aber was soll ich machen!? Ich komme hier nicht weg, ohne gegen geltende Gesetze zu verstoßen!“

Vielleicht ist das alles aber auch nur der subtile Versuch der Stadt, Fahrverbote durchzusetzen …

Neue Besen prangern gut. Wir stellen vor: Prangenten e. V.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

An dieser Stelle erlaube ich mir, in eigener Sache, einen Beitrag des geschätzten Bloggerkollegen René zu rebloggen, mit dem ich nun in Zukunft zusammen das oben genannte Projekt „Prangenten e.V“ hochziehen werde.

Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, dem empfehle ich also einen Besuch von Renés Blog. Zum Einen, weil er sozusagen, zugebenermaßen, das Mastermind hinter dieser Idee ist, zum Andere, weil sein Blog auch abseits davon sehr lesenswert ist.

Ein Blog von einem Freund oder How Überweiss changed my life...

„Ich prangere das an…“. Ausgehend von diesen anscheinend unscheinbaren Worten gebaren fraggle vom reisswolfblog und ich eine Idee. Weniger unscheinbar als mehr eine logische Konsequenz. „Es muss generell viel mehr angeprangert werden“ dachten wir uns, und gründeten spontan den Non-Profit-Haufen Prangenten e. V., den wir nun zu einem Projekt hochzustilisieren gedenken.

Denn es stehen ja Fragen im Raum wie „Wenn Katholiken auf die Straße gehen und demonstrieren, werden sie dann zu Protestanten?“. Oder „Sind die Wortführer eines Protestes dann Protestagonisten?“. Oder „Kann man Toastbrot eigentlich einfrieren?“. Solche und ähnlich bedeutungsschwangere Fragen müssen in das allgemeine Bewusstsein gezerrt, und in entsprechendem Rahmen beleuchtet werden. Und angeprangert im Moment des Zerrens.

Und so schaffen wir uns hier kurzerhand unsere eigene Plattform dafür. Ich freue mich sehr, dass fraggle den alleinigen Vorsitz, die Öffentlichkeitsarbeit und das Print-Marketing übernimmt, während ich den Protokollanten, stellvertretenden Kassenwart, 3. Vorsitz und 2. Assistenten des Chef-Archivars…

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abc-Etüden in Versen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

da es bis zur nächsten Rezension noch so ein, zwei Tage dauern dürfte, vertreibe ich mir derweil die Zeit mit einer kleinen, literarischen Fingerübung, von der ich in diesem Moment selbst noch nicht weiß, ob ich sie hinbekomme. Erneut folge ich der Schreibeinladung von Christiane, erneut kommt die Wortspende von Elke, erneut lauten diese Worte

Winterbaum
nasskalt
nachtrauern

und erneut versuche ich, diese in einen Text von 300 Worten einzufügen. Nun denn:

2018_4950_2_300

2018 in Versen

„Friederike“ hieß der Sturm,
knickte so manchen Winterbaum,
innen drin der Holzbohrwurm,
sich denkt: „Oha, war das ein Traum?“

Danach geht Martin Schulz von Bord,
ich sah es wirklich mit Bedauern,
die Nahles führt ab jetzt das Wort,
und wird dem Martin noch nachtrauern.

Kurz darauf dann, ein Journalist,
entlassen aus Gefangenschaft,
warum er dort gefangen ist,
er oft gefragt, während der Haft.

Im Februar dann die Essener Tafel,
lehnt Nicht-Deutsche bei sich strikt ab,
ich frag mich: „Was soll das Geschwafel?
Sind Lebensmittel echt so knapp?“

In Leipzig stützt man Fahrverbote,
weil Diesel doch so schmutzig sind,
Der Wertverlust, der drohte?
Was soll´s – jetzt weht ein frischer Wind.

Im März stirbt dann ein Physiker,
den man weltweit schon kannte,
der, anders als Politiker,
Schwieriges anschaulich benannte.

Im Mai kam dann der nächste Sturm,
in Viersen wirbelt Wind,
im Baume sitzt der Holzbohrwurm,
und murmelt: „Menschenskind!“

12 Fußballer sind unter Tage
für 17 Tage eingesperrt,
ziemlich mies war ihre Lage,
und doch sind alle unversehrt.

In Russland war dann die WM,
Frankreich tanzt im Reigen,
über deutsche Leistung, ähm,
hüllen wir doch lieber Schweigen.

Im Juli wurd´ des Monds Gefunkel,
dazu muss ich was gestehen,
plötzlich und vollständig dunkel.
Davon hab ich nichts gesehen!

Darauf folgte die Hitzewelle,
landauf, landab war´s mächtig trocken,
fühlte sich an wie eine Schelle,
mein Hirn war schon ganz von den Socken.

Danach retten dann Demonstranten,
für länger den Hambacher Forst,
und kurz darauf ist´s überstanden:
Rücktritt vom Seehofer Horst!

Und noch ein paar weit´re Jahre,
dann geht auch die Kanzlerin,
Wer folgt ihr, welches Exemplare,
Grüner oder Grünerin?

Und neulich erst drei Konservative,
wollten den Parteivorsitz,
nur, aus meiner Perspektive,
sind die ja alle drei ein Witz.

Nun ist´s nasskalt,
das Jahr ist alt,
und mit Gewalt
das Neue kommt bald.

300 Wörter. Wenn man die Überschrift nicht dazuzählt. Puh, das war fast schon anstrengend. ;-)

Ich wünsche allseits noch einen guten Start in die Woche!

Gehabt euch wohl!

 

 

 

 

 

abc-Etüden-Premiere

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

in Ermangelung aktueller Freitagsfragen – ein Umstand, an dem sich auch bis zum Jahresende nichts mehr ändern wird -, habe ich mir gedacht, ich könnte ja, als eine Art literarisches Methadonprogramm für meine Leserschaft, mal den Versuch unternehmen, bei den abc-etüden mitzumachen, die von Christiane organisiert werden und bei denen es darum geht, drei vorgegebene Begriffe in einen Text mit maximal 300 Wörtern einzubinden, was mir naturgemäß schwerfallen dürfte, wie schon dieser Einleitungssatz beweist. Den Anreiz zu meinem Text lieferte der gestrige Beitrag der über alle Maßen geschätzten Bloggerkollegin wortgeflumselkritzelkram, der mir doch irgendwie zu, ich weiß nicht, düster(?) erschien. Die Wortspende kommt diesmal von Elke, und ihre Worte lauten

Winterbaum
nasskalt
nachtrauern

Also dann, auf geht´s!

2018_4950_2_300

 

„Wann wird´s mal wieder richtig Sommer…“, plärrte ein deutscher Uralt-Schlager aus dem Uralt-Radio. Matteo sah aus dem Fenster und lächelte. Er persönlich war froh, dass es mittlerweile endlich wieder richtig Winter wurde. Vorbei waren die Zeiten an denen die Winter mehr als mild waren, an seltenen Tagen bestenfalls nasskalt.

Und nicht nur die Winter wurden wieder schöner. Seit die Menschheit die Singularität erreicht hatte, war alles besser geworden. Matteo schaute aus seinem Küchenfenster auf die nahe Orangenplantage. Bald schon würden dort wieder die Roboter wuseln und ihrer Arbeit nachgehen. So wie überall. Matteo konnte sich noch gut an die alten Zeiten erinnern, als Flüchtlinge diese Arbeit für einen Hungerlohn ausgeführt hatten. Nein, nachtrauern würde er diesen Jahren nicht.

Natürlich brachte der Wegfall aller Arbeitsplätze Veränderungen mit sich. Und die Sonderlinge von „PEGRODA“ wurden nicht müde, dagegen zu prostestieren. Aber Logik war noch nie deren Stärke gewesen. „Robotisierung des Abendlandes“ – lächerlich. Aber irgendwen gab es ja immer, dem Veränderungen nicht gefielen.

Tatsächlich hatte sich für die Menschen vieles zum Guten gewendet. Die Umweltverschmutzung hatte seit Einführung emmissionsfreier, wirklich effektiver Antriebe merklich nachgelassen. Sämtliche Kunststoffe waren vollständig recyclebar. Und seit Einführung des weltweiten, bedingungslosen Grundeinkommens waren die Menschen endlich alle existenziellen Sorgen los und konnten tun, was sie immer schon tun wollten. Schreiben, reisen – was auch immer. Oder, so wie Matteo, Sprachen lernen. Er hatte sich an der Uni eingeschrieben und stand nun kurz vor seinem Bachelor in Deutsch und Literaturwissenschaften, mit 92 Jahren.

Matteo wandte seinen Blick von der Winterlandschaft vor seinem Küchenfenster ab und ging zur Haustür. Im Vorbeigehen warf er sich in seinen Wintermantel, griff sich die zerlesene Ausgabe von Goethes „Italienische Reise“ und verließ das Haus. An „seinem“ Winterbaum setzte er sich auf die Bank, schlug das Buch auf und begann zu lesen. So konnte man es aushalten.

 

300 Worte. Und gaaar nicht so einfach. ;-)

Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und ein anschließend hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl.

 

 

„Drone“ von Bart-Jan Kazemier –

Buch: Drone“

Autor: Jan Kazemier

Verlag: Penguin

Ausgabe: Taschenbuch, 510 Seiten

Der Autor: Bart-Jan Kazemier, geboren 1979 in Groningen, Niederlande, hat Angewandte Linguistik studiert und unterrichtet heute an internationalen Bildungseinrichtungen. Er hat mehrere Dokumentarfilme produziert, die auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. „Drone“ ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint. (Quelle: Penguin)

Das Buch: Als Eliot Koler eine verschlüsselte Nachricht erhält, ist alles wieder da – das afghanische Dorf, die Explosion, die vielen Toten. Die Informationen, über die seine ehemalige Kollegin Miriam Veltman verfügt, sind brisant. Und endlich hat Eliot die Chance, die Wahrheit über den Einsatz zu erfahren. Aber noch bevor er Miriam treffen kann, ist sie tot. Denn die beiden stehen längst im Visier des Geheimdienstes und einer mächtigen Gegnerin in den höchsten Rängen der Politik. Doch Miriam hat ihm eine letzte Spur hinterlassen. Sie führt zu einer IT-Expertin, die im Nahen Osten verschollen ist. Nur sie kann entschlüsseln, was damals wirklich geschah … (Quelle: Penguin)

Fazit: Als ich zu „Drone“ griff, tat ich das in der Vermutung, mal wieder so etwas wie einen Politthriller in der Hand zu haben. Davon gibt es nämlich, zumindest innerhalb meines eigenen, kleinen, literarischen Mikrokosmos viel zu wenige Bücher in den letzten Jahren. Und so etwas in der Art bekam ich dann auch. Und noch ein bisschen mehr.

Zugegeben, es gibt Bücher, bei denen der Einsteig leichter fällt, als bei Kazemiers Thriller. Verschiedenste Rezensenten bezeichneten ich schon als „verwirrend“, was ich allerdings als arg übertrieben empfinde. Ja, es tauchen recht früh recht viele unterschiedliche Personen auf. Und nein, es wird nicht sofort klar, was diese Personen miteinander zu tun haben. Allerdings, so denke ich, sollte man als Leser vielleicht gerade zu Beginn eines solchen Buches etwas Geduld und vor allem das Vertrauen darin, dass der Autor schon noch in der Lage sein wird, einem die Zusammenhänge zu erklären, aufbringen. Leser von historischen Ken-Follett-Schinken, in denen das Personenregister länger ist als das Gesamtwerk von Ferdinand von Schirach, wissen, was ich meine.

Zumal die mögliche Irritation in den ersten Kapiteln sich bald in Wohlgefallen auflöst, die Handlung nachvollziehbarer und spannender wird.

Da haben wir also einerseits Eliot Koler, der der Spur nachgeht, die Miriam Veltman für ihn gelegt hat und die ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren wird. Und wir haben andererseits einen Handlungsstrang, der sich mit den politischen Entscheidungen zu Waffensystemen in den Niederlanden beschäftigt. So trocken Letzteres auch klingen mag, so spannend ist es aber, wenn man sich drauf einlässt. Die politischen Ränkespiele hinterließen bei mir eine ähnliche Gänsehaut, wie ich sie immer bekomme, wenn in den Nachrichten zu hören ist, „für dieses Gesetz war die Zustimmung des Bundesrates nicht nötig“, weil ich das einerseits mal anders gelernt habe und es andererseits ein bisschen nach der Dekret-Politik eines Donald J. Trump klingt, aber das würde jetzt zu weit führen.

Im personellen Fokus stehen hier im zweiten Handlungsstrang naturgemäß die involvierten Politiker, allen voran Ada Rodenburg, die ich hier aber alle mal weitgehend beiseite lassen möchte.

Der Protagonist des ersten Handlungsstrangs, Eliot Koler, ist Kazemier gut gelungen. Er wirkt zwar sehr ernst und hart, aber seine Persönlichkeit ist vor dem Hintergrund seiner Erlebnisse und seiner augenscheinlichen posttraumatischen Belaastungsstörung durchaus nachvollziehbar. Und trotz allem kann man als Leser einer Beziehung zu ihm aufbauen.

Auch stilistisch gibt es von meiner Seite keinen Grund zur Klage. Gefallen hat mir, neben dem Prolog, der die Tonbandaufnahme eines Militäreinsatzes in Afghanistan wiedergibt, auch, dass Kazemier sich für recht kurze Kapitel entschieden hat – genau 72 auf etwas über 500 Seiten – sowie die stetig wechselnden Erzählperspektiven und Schauplätze. Der Text an sich ist, meines Erachtens, recht unkompliziert zu lesen, ohne dabei anspruchslos zu wirken. Alles in allem also, wie gesagt, kein Grund zur Klage.

Wer Politthriller mag und dabei die Action nicht ganz vernachlässigen möchte, der könnte mit „Drone“ richtig liegen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,0 von 10 Punkten

Stil: 8,0 von 10 Punkten

Spannung 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Königschroniken III – Ein Reif von Silber & Gold“ von Stephan M. Rother.

 

Freitagsfragen #69

Freitagsfragen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, das war doch mal eine Woche, die wie im Fluge verging, oder!? Gut, ich weiß, dass es ganz zauberhafte Personen in meiner Leserschaft gibt, denen das nicht so ging, aber für mich persönlich ging die Woche doch recht schnell vorbei. Kaum war Montag, der Wecker klingelte und man schwor, dem Nächstbesten, der eine dumme Frage stellt – und früher oder später tut das immer jemand – mächtig eine zu paddeln, schon ist Freitag, der Wecker klingelt und man schwört, dem Nächstbesten, der usw.  …

Grund für dieses individuelle Zeitempfinden war sicherlich unter anderem auch meine Freizeitgestaltung. So durfte ich dem HSV dabei zusehen, wie er zu blöd zum Gewinnen war, hatte kurz darauf das zweifelhafte Vergnügen mir – wenigstens in netter Gesellschaft – „Phantastische Tierwesen etc. Teil 1“ ansehen zu „dürfen“ und konnte mich bei der dafür verantwortlichen Person mangels Anwesenheit selbiger nicht mal angemessen „bedanken“ und war gestern bei so einer Art „Abend der offenen Tür“ in der Buchhandlung meines Vertrauens, wo ich die letzten, noch in meinem Portemonnaie befindlichen Kröten in „Ready Player One“, die Bestellung des ersten Teils von Bernhard Hennens “ Die Phileasson Saga“ (Aventurien ftw!) sowie ein Geschenk, dessen Titel ich natürlich nicht verraten darf, weil es sonst witzlos wäre, investiert habe. Sollte mich also jetzt jemand fragen: „Haste ma´n Euro?“, wäre ich einerseits irritiert, könnte aber andererseits voller Überzeugung sagen: „Nö!“

Das dazu, starten wir nun, beschwingt durch Musik des Radiosenders meines Vertrauen (hat mal jemand versucht, zu „Mr. Brightside“ von „The Killers“ oder „Move“ von den „H-Blockx“ (gibt’s die eigentlich noch?) 50 zu fahren? Zu Ersterem ist das schwierig, zu Letzterem praktisch unmöglich!), in den Freitag. Und dazu gehört natürlich auch die Beantwortung der Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Und ihr müsst jetzt ganz stark sein, denn das hier werden die letzten Freitagsfragen sein!

 

 

Also, die letzten in diesem Jahr. ;-)

Deshalb fällt die Anzahl der Fragen in dieser Ausgabe auch vergleichsweise umfangreich aus. Die Fragen und Antworten lauten:

1| Fandest Du Deinen Urlaub in diesem Jahr ausreichend? Wie hast Du ihn verbracht?

Ist Urlaub jemals ausreichend? Aber im Vergleich zu den Vorjahren ging es schon. Sowohl letztes als auch vorletztes Jahr  habe ich meine zwei Wochen Sommerurlaub damit versaut, meinem Chef vorher zu sagen, er könne mich wegen betrieblicher Dinge, die aus seiner Sicht eigentlich noch unbedingt hätten erledigt sein sollen, gerne anrufen. Somit verging die jeweils erste Woche damit, darauf zu warten, dass das Telefon klingelt und die zweite damit, mich darüber zu ärgern, dass das Telefon nicht geklingelt hat. In diesem Sommer habe ich bei Urlaubsantritt sinngemäß gesagt: „Wer mich anruft, ist selbst schuld!“ und fuhr damit viel besser.

Verbracht habe ich, insbesondere den Sommerurlaub, so, wie ich das am liebsten mache, nämlich lesend. Gut, notfalls hätte ich die Bücher auch gegen Sandstrand, Hängematte, Caipirinha und Schauspielerinnen aus der Bacardi-Werbung eingetauscht, aber das ergab sich irgendwie nicht …

2| Was war in diesem Jahr das größte Ereignis und wie hat es Dich bereichert/ beeinflusst?

Kein Kommentar! Hach, das wollte ich immer schon mal schreiben … ;-)

Aber ernsthaft, über das ohne Zweifel und mit gigantischem Abstand für mich größte Ereignis des Jahres und wie es mich bereichert und beeinflusst hat, könnte ich jetzt Romane schreiben, werde das aber nicht tun, weil ich dann nicht nur über mich, sondern auch über ganz zauberhafte Personen meines Umfelds schreiben müsste.  Und das werde ich ganz sicher nicht tun!

Nehmen wir also das zweitgrößte Ereignis des Jahres: Ich bin seit etwa drei Wochen stolzer Besitzer – und mittlerweile auch Eigentümer – eines neuen Autos. Ich hätte zwar im Grunde nichts gegen einen Dodge Charger, nebst dem zugehörigen Tankwagen, gehabt, letztlich ist es dann aber eine Nummer kleiner geworden. Oder wie ich kürzlich sagte: „Man sieht sich zuerst die Autos an, die man gerne hätte. Dann die, von denen man glaubt, dass man sie sich leisten kann. Und schließlich landet man dann bei denen, die man sich tatsächlich leisten kann …“ :-)

Nun muss noch ein Name für das gute Stück gefunden werden, mir will aber noch nichts Kreatives einfallen …

3| Was lief in diesem Jahr nicht wie geplant und wie kann es im nächsten Jahr besser werden?

Zum Einen lief gesundheitlich in diesem Jahr so ziemlich nichts, wie geplant. Inwieweit man das auch immer planen kann … Ich bin aber guten Mutes, da im Wortsinne auf dem Weg der Besserung zu sein.

Zum Anderen kann ich auch da mein Auto anführen. Zwischen den ersten Anzeichen einer ernsten Erkrankung meines alten Autos und dem Erwerb des neuen lagen ganze zehn Monate! Zehn Monate, in denen ich teilweise meine alte Karre noch im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass sie auf jedem Meter jederzeit den Geist aufgeben kann, gefahren habe. Bis sie dann irgendwann wirklich gänzlich den Geist aufgab. Diese zehn Monate waren, auf gut deutsch gesagt, eine Scheißzeit, die sicherlich auf oben erwähnte Gesundheit keinen so wahnsinnig guten Einfluss hatte. Aber hey, das hat sich ja nun erledigt.

4| Was war in diesem Jahr neu? Was hast Du gelernt oder ausprobiert?

Ich habe es geschafft, deutlich entspannter zu leben als noch vor einem Jahr. Ich hielt schon 2017 für den Antichristen unter den Jahren, 2018 war dagegen aber so etwas wie sein Mentor. Wäre ich mit der selben Einstellung wie letztes Jahr durch das jetzige gegangen, wäre ich entweder irgendwann tot umgefallen oder wäre plündernd und brandschatzend durch deutsche Behörden gezogen oder hätte den Penner, dem ich vor Monaten mit meinem alten Auto am Kreisel fast reingefahren wäre, aus dem Auto gezogen, um ihn noch an Ort und Stelle den Göttern des Jähzorns zu opfern.

Und das kann ja niemand wollen – der Kreisel-Penner am allerwenigsten.

5| Was war die beste Nachricht?

Bezüglich dieser Frage verweise ich auf die erste Hälfte der Antwort auf Frage 2.

6| Hast Du bereits Pläne für 2019?

Nö! „Leben ist, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben.“ soll schon Henry Miller gesagt haben. Insofern würde ich mich schon freuen, wenn 2019 ein Jahr wird, in dem einfach einmal, nur einmal, alles so bleibt, wie es ist.

7| Worauf freust Du Dich im neuen Jahr?

Auf die Meisterschaft des SV Werder Bremen! :-) Ja, gut, das wird wohl nichts. Nicht mal im Tischtennis dürfte das umsetzbar sein. Und das war jetzt nicht abwertend gemeint, liebe Tischtennis-Gemeinde.

Ach, ich habe nichts Spezielles, worauf ich mich im nächsten Jahr freue. Das vorerst Beste am Jahr 2019 dürfte die Tatsache sein, dass 2018 dann vorbei ist.

 

So weit, so gut, das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Ich habe noch produktive Dinge zu erledigen.

Vor dem Hintergrund der letzten Freitagsfragen des Jahres, habe ich übrigens kurz darüber nachgedacht, ebenfalls eine Dezemberpause einzulegen. Man wird sehen. Sollte mein Level auf der nach oben offenen Glöckchengebimmel-Skala in absehbarer Zeit sprunghaft nach oben steigen und eine Pause wünschenswert bis notwendig machen, lasse ich es euch wissen.

Gehabt euch wohl!

„Hologrammatica“ von Tom Hillenbrand

Buch: „Hologrammatica“

Autor: Tom Hillenbrand

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Ausgabe: Taschenbuch, 559 Seiten

Der Autor: Tom Hillenbrand, geboren 1972, studierte Europapolitik, volontierte an der Holtzbrinck-Journalistenschule und war Redakteur bei SPIEGEL ONLINE. Seine Sachbücher und Romane haben sich bereits hunderttausende Male verkauft, sind in mehrere Sprachen übersetzt und standen auf der SPIEGEL-Bestseller- sowie der ZEIT-Krimi-Bestenliste.  (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Das Buch: Ende des 21. Jahrhunderts arbeitet der Londoner Galahad Singh als Quästor. Sein Job ist es, verschwundene Personen wiederzufinden. Davon gibt es viele, denn der Klimawandel hat eine Völkerwanderung ausgelöst, neuartige Techniken wie Holonet und Mind Uploading ermöglichen es, die eigene Identität zu wechseln wie ein paar Schuhe. Singh wird beauftragt, die Computerexpertin Juliette Perotte aufzuspüren, die Verschlüsselungen für sogenannte Cogits entwickelte – digitale Gehirne, mithilfe derer man sich in andere Körper hochladen kann. Bald stellt sich heraus, dass Perotte Kontakt zu einem brillanten Programmierer hatte. Gemeinsam waren sie einem großen Geheimnis auf der Spur. Der Programmierer scheint Perotte gekidnappt zu haben. Je tiefer Singh in die Geschichte eintaucht, umso mehr zweifelt er daran, dass sein Gegenspieler ein Mensch ist … (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Fazit: Wohin ich auch blickte, in letzter Zeit begegnete mir überall Tom Hillenbrand. Gut, das ist jetzt überspitzt formuliert und – natürlich – im übertragenen Sinne gemeint, aber eigentlich stimmt es. Zum Einen lag das daran, dass sein Roman „Der Kaffeedieb“ ein langes, tristes Dasein auf meinem SuB führte. Ein Umstand, dem ich mittlerweile damit Abhilfe geschaffen habe, indem ich es einfach gelesen habe, die Rezension folgt demnächst.

Kurz darauf fiel mir „Hologrammatica“ in die Hände, ein Buch, das ich – ich gebe es zu – zu großen Teilen wegen seines Covers erworben habe. Dazu später mehr.

Kaum hatte ich es gelesen, begegnete mir das Buch wieder, indem es Fortsetzungsroman der hiesigen Tageszeitung war bzw. ist.

Und seit dem 08.11. findet sich bereits Hillenbrand neuester Streich, der kulinarische Krimi „Bittere Schokolade“ in den Regalen gutsortierter Buchhandlungen. Ich sags ja: Hillenbrand, wohin immer ich blickte.

Aber kommen wir nun wieder zu „Hologrammatica“. Schon in der Buchhandlung stand meine Meinung zur äußeren Aufmachung fest: „Das Cover ist entweder im Drogenrausch entstanden oder aber dazu gedacht, während eines solchen betrachtet zu werden. Sollte das Cover Rückschlüsse auf den Inhalt zulassen, dann wird mir dieser Kopfschmerzen bereiten.“

Nun, dem war glücklicherweise nicht so. Hillenbrand entwirft in seinem Buch eine spannende Zukunftsvision. Mitteleuropa ist aufgrund des fortschreitenden Klimawandels für viele Menschen unbewohnbar geworden. Es hat eine starke Migrationsbewegung aus Europa in die weiten Gebiete Sibiriens eingesetzt, wo man es immer noch relativ gut aushalten kann. Die Weltbevölkerung ist zahlenmäßig massiv eingebrochen.

Doch die Großstädte Europas – beispielsweise Paris – sehen immer noch aus, wie geleckt. Die Lösung: Hologramme. Stellt eine Häuserfassade ein optisches Ärgernis dar, so wird einfach eine Hologrammfassade eingefügt – fertig. Man braucht nicht mal mehr technische Geräte, um diese Hologramme sehen zu können. Der Eiffelturm beispielsweise ist schon lange ein eben solches Hologramm, das echte Original wurde schon vor Jahren von Terroristen gesprengt. Dafür gibt es jetzt einen Kanye-West-Airport…

In dieser Situation wird Protagonist Galahad Singh, so etwas wie ein Detektiv, von einer Anwältin aufgesucht und beauftragt, die Computerexpertin Juliette Perotte zu finden. Nicht nur dieser Anfang erinnert irgendwie an einschlägige hard-boiled-Krimis, auch die Hauptfigur Singh tut sein Übriges dazu. Singh ist nie um einen lässigen Spruch verlegen, macht die bösen Buben schon mal mit einen fröhlichen „Hey, Heckenpenner!“ auf sich aufmerksam – „Heckenpenner“, ein Wort, das aus meinem Sprachschatz schon verschwunden war, aber durch diese Szene spontan den Wiedereinstieg in die Liste meiner Lieblingsbeleidigungen geschafft hat -, wirkt dabei aber nie übertrieben cool oder gar lächerlich.

Dadurch, dass er als Ich-Erzähler fungiert, erfahren die Leser natürlich insbesondere viel über ihn selbst, andere Personen fallen dafür vergleichsweise ab. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn Singh allein entschädigt für vieles.

Stilistisch bewegt sich Hillenbrand auf recht hohem Niveau. Allein durch diverse Wortschöpfungen, an die man sich erst nach und nach gewöhnt, verlief mein Einstieg etwas schwierig, im Laufe der Handlung wurde es allerdings besser. Trotzdem sollte man, meiner Meinung nach, „Hologrammatica“ möglichst aufmerksam lesen.

Nähere Details über die Handlung zu erzählen, verbietet sich bei diesem Buch irgendwie. Jede Information könnte eine zu viel sein, eine, die zu viel verrät. Deshalb muss man sich wohl auf mein Urteil verlassen, wenn ich sage: Trotz der sympathischen Hauptfigur und des gelungenen Schreibstils ist die Handlung der eigentliche Star des Buches. Und mehr verrate ich ausnahmsweise nicht. :-)

Wer „Hologrammatica“ eine Chance geben will, muss sich auf eine wilde Genre Mischung, eine Art Sci-Fi-hard-boilded-Cyberpunk-Thriller-Dystopie-Dingens einlassen. Wer das tut, wird mit einem spannenden Buch mit originellem Setting, spannender Handlung und coolem Protagonisten belohnt.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Bevor ich nun mit Stephan M. Rothers „Ein Reif von Silber & Gold“ zur Gemütlichkeit übergehe – man reiche mir eine Kaffeeetasse – soll noch kurz erwähnt sein, dass es demnächst mit „Drone“ von Bart-Jan Kazemier weitergeht.

Das ist Sparta!

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ja, ich gebe zu, ich habe mich auf obige, vollkommen bescheuerte Überschrift auf eine infantile Art gefreut, die für einen zerebral runder laufenden Menschen vermutlich nur schwer nachzuvollziehen ist. Was mit besagter Überschrift gemeint ist?

Nun, wenn ich die Statistikseite meines Blogs öffne, steht dort oben rechts das schöne Wort „Follower“. Und daneben, fast im Stile einer ägyptischen Kartusche stilvoll eingerahmt, steht seit gestern: „300“!

Gut, WordPress weigert sich noch, mir diese Zahl mittels Übersendung eines bunten, hier einfügbaren „300“-Bildchens zu bestätigen, das liegt aber wohl nur daran, dass man dort meine E-Mail-Follower nicht in die Berechnung mit einbezieht. Ich prangere das an, WordPress! Aus Gründen! Aber lassen wir das, das hier soll ja kein Pamphlet werden. ;-)

Tja, 300 also. Da gilt es, in erster Linie mal wieder „Danke“ zu sagen. Vielen herzlichen Dank an jede/n Einzelne/n fürs Folgen meines Blogs! Insbesondere natürlich an die Handvoll ganz zauberhafter Menschen, die das schon seit Anbeginn meines Blogschaffens und vor allem – ganz wichtig – seit jeher auch außerhalb meines Blogs tut! Aber auch an die, die später dazu gekommen sind. An die, die hier immer alles lesen. An die, die gelegentlich hier lesen. An die, die nach dem Folgen nie wieder kamen. Und auch an die, die mir folgten, merkten, dass mein Blog doch nicht den eigenen Vorlieben entspricht und dann zu faul waren, mir wieder zu „entfolgen“! ;-)

Tja, nun spricht meinem eigentlichen, schon nach den ersten 100 Followern geplanten Vorhaben ja wirklich nichts mehr entgegen. Also: Auf zu den Thermopylen! ;-) Ich würde dann schon mal einen Öltanker oder Ähnliches in Richtung Griechenland chartern, wir treffen uns im Bremer Hafen. Nicht in Bremerhaven, wer dort wartet, muss hier bleiben. Wer in Hamburg wartet, wird eingesammelt, aber dann kielgeholt. Ach, und falls jemand einen Xerxes kennt, wäre ich für eine Rückmeldung dankbar. Ansonsten versuche ich, telefonisch einen solchen ausfindig zu machen. Um vollständige Anwesenheit wird gebeten, Darum und Uhrzeit werden später bekannt gegeben.

Ha, ich stelle mir gerade vor, wie „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer mit erkennbarer, zunehmender Irritation eine Meldung von seinem Zettel oder Teleprompter abliest, nach der sich angeblich 300 in antike, griechische Rüstungen gewandete Spinner an einem geschichtsträchtigen Ort in Griechenland versammelt haben, um … – ja, warum eigentlich? „Der genaue Hintergrund der Versammlung ist ungeklärt.“, wird Hofer sagen. „Erste Vermutungen, wonach es sich um eine drogeninduzierte Massenhysterie handeln könnte, haben sich nicht bestätigt.“, wird er fortfahren. „Wahrscheinlicher ist es, dass es sich um eine sektenartige Gemeinschaft auf der Suche nach ihrem Anführer handelt. Immer wieder ist hierbei von einem gewissen „Xerxes“ die Rede. Die Ermittlungen werden fortgeführt. Das griechische und das deutsche Auswärtige Amt haben einen Krisenstab eingerichtet. Interpol wurde eingeschaltet.“ :-)

Hm, bei genauerer Betrachtung könnte das ganze Unterfangen relativ schnell in griechischen Arrestzellen landen. Und wer will darin schon sitzen!? Also, ich würde mir den Spaß ja erlauben, aber meiner getreuen Gefolgschaft kann ich das nicht antun. Wir lassen das also fürs Erste. Außerdem ergeben sich sicher noch andere Möglichkeiten. Bei 333 Followern könnte man beispielsweise nach Issus fahren …  Oder bei 753 nach Rom. Wir werden sehen, wie es weitergeht … :-)

Ich wünsche euch allseits noch einen guten Start in eine hoffentlich schöne Woche.

Gehabt euch wohl!

 

 

„Das Atelier in Paris“ von Guillaume Musso

Buch: „Das Atelier in Paris“

Autor: Guillaume Musso

Verlag: Pendo

Ausgabe: Taschenbuch, 460 Seiten

Der Autor: Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt. (Quelle: Piper)

Das Buch: Ein abgelegenes kleines Ateleier am Ende einer Allee, mitten in Paris: Hier hat sich die Londoner Polizistin Madeline eingemietet, um eine Weile abzuschalten. Doch plötzlich sieht sie sich Gaspard gegenüber, einem mürrischen amerikanischen Schriftsteller. Offenbar gab es einen Irrtum, denn auch er hat das Atelier gemietet, um in Ruhe schreiben zu können. Der Ärger legt sich, als die beiden erkennen, an welche besonderen Ort sie geraten sind. Das Atelier gehörte einst einem gefeierten Maler, von dem aber nur noch drei Gemälde existieren sollen – alle drei verschollen und unermesslich wertvoll. Als sie sich gemeinsam auf die Suche nach den Bildern begeben, wird ihnen schnell klar, dass den Maler ein grausames Geheimnis umgibt …

Für Madeline und Gaspard beginnt eine spannenden Jagd, die sie von Paris nach New York führt und sie nicht nur mit ungeahnten menschlichen Abgründen, sondern auch mit ihren eignenen Dämonen konfrontiert. (Quelle: Piper)

Fazit: Ich glaube, aus mir wäre ein guter Kunsthistoriker geworden. Wenn ich denn Kunstgeschichte studiert hätte. Dann, ha, dann würde ich jetzt – wahrscheinlich auch hier sitzen und diese Rezension schreiben. Nun ja. Übrig geblieben ist allerdings eine Leidenschaft für Bücher, die irgendwie mit Gemälden oder Malerei zu tun haben. Gut, da war in der Vergangenheit unheimlich viel, unheimlich unfassbarer Unfug dabei, aber zwischendurch hat man dann ja doch mal Glück. Und selbiges hatte ich mit „Das Atelier in Paris“.

Dabei ist die Suche nach den Bildern, auf die ich mich so freute, verhältnismäßig schnell vorbei. Dann jedoch legt Mussos Handlung erst so richtig los. Es gilt, ein Geheimnis aus der Vergangenheit zu lösen und die Zeit ist dabei nicht unbedingt auf Seiten der Protagonisten. Und so nimmt denn die Handlung im Laufe der Zeit passend dazu immer mehr Tempo und Spannung auf, bis die Ereignisse zu einem von mir natürlich nicht näher beschriebenen, aber zufriedenstellenden, in sich logischen Ende kommen.

Achtung: Der folgende Absatz könnte für Menschen, die die Definition von „Spoiler“ eher eng fassen, einen Spoiler beinhalten. Im Zweifelsfall ist folgender Absatz also einfach zu überspringen.

Allerdings hätten ein paar Seiten weniger, speziell die ganz am Ende, dem Buch gutgetan, denn zu einem Zeitpunkt, an dem alles eigentlich schon geklärt ist, driftet das Buch ganz ohne Not mit quietschenden Reifen und einem Drehzahlmesser im roten Bereich in Richtung Kitsch ab. Und das hätte nun wirklich nicht sein müssen, wirkt auch zu konstruiert. Abgesehen von diesen letzten Seiten überzeugt die Handlung aber voll und ganz.

Ende der eigentlich überflüssigen Spoilerwarnung

Stilistisch werde ich Guillaume Musso nicht nachhaltig im Gedächtnis behalten. Sein Buch ist halt „flüssig geschrieben und gut zu lesen“, wie ich, sehr zu meinem Leidwesen, häufiger lesen darf, denn das ist etwas, was ich beim Text eines Menschen, der damit Geld verdienen will, eigentlich voraussetze und nicht sonderlich erwähnenswert finde. Aber sei es drum, kurz gesagt: stilistisch solide.

Das einzige kleine Ärgernis sind für mich die beiden Protagonisten Madeline und Gaspard. Er ist Alkoholiker, allerdings natürlich vollkommen davon überzeugt, jederzeit aufhören zu können. Ansonsten ist er halt misanthropisch veranlagt und hält sich für etwas Besseres. So ist auf Seite 45 zu lesen: „Der Alkohol löste im Grunde kein Problem, doch er bot die Möglichkeit, die Mittelmäßigkeit zu ertragen, die nach seinem Empfinden die Menschheit infiziert hatte.“ Oh, bitte! Das ist die wohl blasierteste Begründung für Alkoholismus, die ich je gehört habe. Gaspard wirkt ein bisschen wie Jack Nicholson in „Besser geht´s nicht“, nur in ätzend. Hm, was macht eigentlich Helen Hunt heute? Ich schweife ab …

Seine Mitstreiterin Madeline kann man ebenfalls kritisch beäugen. Sie möchte nämlich unbedingt schwanger werden. So weit, so nachvollziehbar. Allerdings ist sie derzeit gar nicht in einer Beziehung. Der sonst dafür notwendige Vorgang wird durch eine entsprechende medizinische Behandlung an einer spanischen Klinik ersetzt. Das potenzielle Kind dient dabei so einer Art Selbstfindung. Und das wiederum – man mag mich konservativ nennen – finde ich irgendwie verwerflich. Abgesehen davon, dass ein Kind in meiner kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos eigentlich zwei Elternteile beliebigen Geschlechts ab Werk haben sollte, darf man diesen Grund für einen Kinderwunsch doch arg hinterfragen. Wer zur Selbstfindung aufbricht, sollte es vielleicht lieber erst mal mit einem Dackel probieren. Oder einem Goldfisch. Nein, noch besser: mit einem Kaktus.

Skurrilerweise macht das Zusammenspiel der beiden Charaktere durchaus Spaß, wenn man mal beschlossen hat, dass man sie ja beide nicht mögen muss.

Abschließend sei gesagt, dass „Das Atelier in Paris“ sicherlich nicht mein letzter Musso-Roman sein wird. Angesichts der Tatsache, dass der Franzose mittlerweile – von mir gänzlich unbemerkt – 14 Bücher veröffentlich hat, steht allerdings die Frage im Raum, ob ich die letzten gut 10 Jahre unter einem Stein gelebt habe …

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Hologrammatica“ von Tom Hillenbrand.