abc.Etüden KW 44/45 V

abc.etüden 2022 44+45 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich bin offensichtlich in so etwas wie einem Etüden-Flow, weswegen es in einer neuen Woche mit neuer Etüde zu einem neuen Thema weitergeht. Das einzig Unveränderte ist, dass die Etüden weiterhin von Christiane organisiert werden und die aktuelle Wortspende von Natalie und ihrem Blog Fundevogelnest stammt. Auf gehts:

„Heute dann aber Twitter!?“

„Nein. Heute reden wir mal wieder über Friedrich Merz.“

„Wieso?“

„Weil der sich weiter beharrlich weigert, das Bürgergeld mitzutragen.“

„Aha!?

„Aaaaber: Er hat sich bereit erklärt, der Erhöhung der Hartz-4-Sätze um 50 Euro zuzustimmen!“

„Wie großzügig!“

„Ja, oder!? Er wolle damit „mal ein bisschen die Schärfe aus dieser Diskussion herausnehmen“, hat er gesagt.“

„Was? Mittelschicht-Sozialtourismus-Merz will aus irgendwas Schärfe nehmen?

„Genau – leider bringt er sie dann selbst wieder rein.“

„Inwiefern?“

„Indem er darauf verweist, dass „Fachverbände und die kommunalen Spitzenverbände“ mit ihm der Meinung seien, dass das „System in die falsche Richtung führe und vor allem die falschen Anreize für den Arbeitsmarkt setze“.“

„Fachverbände? Welche denn? Die Drill-Instructor-Innung? Die Peitschenherstellergewerkschaft? Und überhaupt: Immer dieses „Anreize“, gleichbedeutend damit, dass man Arbeitssuchenden massive Faulheit zu- und jegliche Art der intrinsischen Motivation abschreibt, denn sonst bräuchten sie ja keine „Anreize“.

„Tja, mit Menschen ohne Lobby kann man es ja machen. Das weiß auch die CSU.“

„Wieso?“

„Die hat unlängst die Kampagne „Leistung muss sich lohnen!“ initiiert.“

„Und damit die Anhebung der Löhne im Niedriglohnsektor gefordert?“

„Ach, nicht doch – nein. Nein, Söder wies damit darauf hin, dass Menschen im Niedriglohnsektor, „wenn sie arbeiten, weniger haben, als wenn sie nicht arbeiten“. Unter Verwendung von Zahlen, die vorher in der AfD-Zeitung „Junge Freiheit“ genannt wurden.“

„Ja, aber das ist doch Blödsinn. Darin sind Freibeträge, Wohngeldanspruch, Kinderzuschläge usw. nicht berücksichtigt.“

„Natürlich nicht, sonst könnte man die sogenannten sozial Schwachen ja auch nicht so gut diskreditieren.“

„Ich fass es nicht: Zahllose Menschen flehen förmlich um eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, und die CDU/CSU macht eklige Symbolpolitik gegen „die da unten“.

„Tja, so ist es halt im Leben: Manchmal bist du Achilles, und manchmal bist du die Schildkröte. Wenn du – aus Gründen – aber immer die Schildkröte bist, brauchst du nicht auch noch die Union als Fressfeind.“

300 Worte.

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9 Kommentare zu „abc.Etüden KW 44/45 V

  1. Ich fasse es mal kurz: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, und dann gibt es Leute, die von „Werten“ faseln und niemals in einer vergleichbaren Situation waren.
    Danke dafür.
    Vormittagskaffeegrüße ⛅🍁☕🍪🍂👍

    Gefällt 2 Personen

  2. Wobei an der Behauptung, dass man mit Hartz-IV besser gestellt sei als im Niedriglohnsektor, durchaus etwas Wahres ist. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Meine letzten Arbeitsjahre verbrachte ich im Niedriglohnsektor und bekam so wenig Gehalt ausbezahlt, dass ich tatsächlich als „Hartzerin“ mehr verdient hätte. Ich bin dann aufgrund meiner Schwerbehinderung in Frührente gegangen, und habe mit Grundsicherung aufgestockt. Und bekam dann monatlich ca. 200 Euronen mehr als im Job bei einer 40-Stunden-Woche.

    Gefällt 1 Person

    1. Dann hättest du aber vermutlich schon während deiner Erwersbtätigkeit auch schon Anspruch auf Aufstockung, Wohngeld oder ähnliche Leistungen gehabt und hast diesen Anspruch einfach nicht geltend gemacht!?

      Mich stört dabei eben einerseits Söders Allgemeingültigkeitsanspruch zu seiner Aussage, der so einfach nicht haltbar ist und dass der Fokus in dieser Diskussion, wie immer eigenlich, nicht darauf gelegt wird, dass alle zu wenig bekommen, sondern dass behauptet wird, irgendjemand bekäme im Vergleich „zu viel“. Wenn man die Diskussion danach ausrichtet, wer hierzulande vermeintlich „zu viel“ bekäme, würden mir ganz andere Leute einfallen …

      Gefällt 1 Person

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