abc.Etüden KW 44/45 III

abc.etüden 2022 44+45 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

einer geht noch! Das reicht oftmals als Begründung für allerlei Unsinn. Dementsprechend reicht das – zumindest mir – auch für eine weitere der von Christiane organisierten Etüden, weiterhin zur Wortspende von Natalie und ihrem Blog Fundevogelnest. Auf gehts:

„Und, was gibt´s Neues?“

„In den Niederlanden hat man drei Klimaaktivisten, die sich am „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ festgeklebt haben, innerhalb gut einer Woche zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.“

„Oh, da bekommt das Wort „Haftstrafe“ ja eine völlig neue Bedeutung. Und hierzulande so?“

„Hat Justizminister Buschmann gesagt, er sei voller Vertrauen in die Justiz, dass sie das Strafrecht auch zur Anwendung bringe.“

„Ist das nicht, ich weiß nicht – eine Selbstverständlichkeit?“

„Schon …“

„Hm – sonst so?“

„Sonst so hat sich mittlerweile der Sprecher der „Letzten Generation“ geäußert.“

„Und was gesagt?“

„Unter anderem, dass man die Verantwortung für die Geschehnisse in Berlin nicht von sich weisen wolle.“

„Gut!“

„Und, ich zitiere, „aber wir wollen nicht mehr ignoriert werden.““

„Oh, mimimi – hörst du das?“

„Was!?“

„Das Lachen von Millionen lobbylosen Sozialleistungsbeziehern in diesem Land, für die „ignoriert werden“ zum Tagesgeschäft gehört!?“

„Jedenfalls: Bis zur Einführung eines 9-Euro-Tickets und eines Tempolimits werde man weitermachen.“

„Tja, angesichts eines gerade beschlossenen 49-Euro-Tickets, einer weiterhin starken Autoindustrie und eines FDP-geführten Verkehrsministeriums dürfte das ziemlich exakt … NIEMALS der Fall sein.“

„Stimmt.“

„Dann dürfen wir uns wohl die Frage stellen, welches Kunstwerk als Nächstes betroffen ist.“

„Hm – demnächst wird die Kunstsammlung von Paul Allen …“

„Wem?“

„Microsoft! Die wird also versteigert. Wert: Großzügig geschätzt eine Milliarde Dollar. Boticelli, Klimt, Cézanne, Monet, Gaugin. Da finden die bestimmt was …“

„Stimmt, hatte davon gehört. Soll der Erlös nicht wohltätigen Zwecken zugute kommen? Dann wäre Festkleben kontrapoduktiv …“

„Mag sein. Auf welches Kunstwerk tippst du denn?“

„Auf „Der Schildkrötenerzieher“!“

„Auf bitte was?“

„Auf „Der Schildkrötenerzieher“!. Von Osman Hamdi Bey, 1906, Öl auf Leinwand. Darauf ein Mann in einem Raum – vielleicht die Grüne Moschee in Bursa – und fünf Schildkröten nebst Salatblättern. Das Motiv steht für die Anpassung von Traditionalisten an die Moderne und kam 2004 für 3,5 Millionen Dollar unter den …“

„Ich flehe dich an: Hör auf!“

300 Worte.

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13 Kommentare zu „abc.Etüden KW 44/45 III

  1. Mitten im Kleben

    VON PIA ROLFS

    Früher suchten Menschen nur den Sinn des Lebens. Heute aber geht es auch um den Sinn des Klebens. Der liegt oft im Dunkeln wie der Klebestift in der Hülle. Warum nämlich Protestler den Drang verspüren, sich irgendwo festzukleben, bleibt rätselhaft. Möglicherweise sind sie als Schüler nicht oft genug kleben geblieben, um das als unangenehm zu empfinden. Oder sie haben Nachholbedarf, weil sie nie jemandem eine geklebt haben oder umgekehrt. Deswegen wollen sie jetzt endlich mitten im Kleben stehen. In der Entwicklungsstufe steht der selbstklebende Demonstrant allerdings unter dem Querzahnmolch. Letzterer kann durch Drüsen ein Sekret ausscheiden und damit die Mäuler seiner Angreifer verkleben. Das verschafft ihm Vorteile, der Protestler dagegen allen nur Nachteile. Da übt die Evolution wohl noch. Ungeachtet dessen greift die Klebensfreude um sich. So protestieren auch manche Politiker gegen ein Klima, das sie als feindlich empfinden, Und deswegen kleben sie an ihrem Stuhl.

    Entnommen dem Kreisanzeiger für Wetterau und Vogelsberg von heute
    zum Thema Kleben.

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  2. So habe ich einen Maler kennengelernt, von dem ich noch nie gehört habe. Leider gefallen mir weder die Schildkröten noch andere seiner Gemälde. Das Mädchen mit den Perlenohrringen ist doch hoffentlich nicht beschädigt worden ?

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    1. Jein – Rahmen und Rückseite des Gemäldes sind beschädigt worden. Die Genies haben zusätzlich noch Tomatensoße drauf geworfen – ich nehme an, einfach, weil sie gerade keine Pasta dazu hatten. Die Schadenshöhe kenne ich aber nicht. Wüsste nur, wem ich das in Rechnung stelle …

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      1. Das Geld ist eine Sache, das unersetzliche Kulturgut eine andere. Ich bin empört, weil ich das Bild sehr mag. Ich wüsste da ein paar andere Werke, bei denen es mich nicht erschüttern würde, wenn jemand Tomatensauce darüber gießen würde.

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    1. Wenn das Tagesgeschehen nur nicht immer Anlass zum Aufregen geben würde – für meinen Blutdruck kann das nicht gut sein. ;-) Danke dir. Und ja, die Herrschaften aus der Hölle, die sollten auch mal reaktiviert werden. Sobald sich ein Anlass dafür findet – und, wie gerade festgestellt, gibt es den ja immer -, werde ich mal schauen, was die so machen … :-)

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    1. Auch dir sei ganz herzlich gedankt. :-) Ja, was es nicht alles gibt. Ich hab auch mal aus lauter Jux und Dollerei gegoogelt, ob es Schildkröten-Gemälde gibt und dann spontan gedacht: „Ach, guck an …“ Da war dann klar, dass daraus was gemacht werden musste. :-)

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    1. Du würdest mich schamhaft erröten sehen, wenn du mich sehen würdest. :-) Danke sehr, das versüßt mir den Tag doch erheblich. Und ich möchte gar nicht ausschließen, dass da noch was kommt. Hängt eben davon ab, ob es in der Sache noch Weiteres zu vermelden gibt. Zu monothematisch möchte ich dann aber doch auch wieder nicht werden. :-)

      Gefällt 1 Person

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