3 in 1: Was hier noch so rumlag

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

aus der Tatsache, dass ich mich aus infektionstechnischen Gründen gerade in Isolation befinde – yay! -, könnte man ableiten, dass ich jetzt ja wenigstens viel Zeit zum Lesen und Schreiben hätte. Das stimmt zwar theoretisch, praktisch scheitert das aber bislang an meiner überschaubaren Aufmerksamkeitsspann… oh, seht mal: Glitzer!

Stattdessen bricht sich so langsam der Wunsch Bahn, die weltweite Fledermauspopulation in so einer Art Vendetta für alle Zeiten und vollständig vom Angesicht der Erde zu tilgen, da Noah das aus Gründen reiner Fahrlässigkeit ja nicht erledigt hat. Damit ich diesem Wunsch nicht nachkomme, und irgendwann als so eine Art moderne Version von Don Quichote, der statt mit Lanze mit einem Flammenwerfer gegen Fledermäuse statt Windmühlen kämpft, festgenommen werde und fürderhin in einer weitgehend gummierten Umgebung mein Dasein fristen muss, könnte es jedoch sinnvoll sein, die spärliche Kräfte im weitesten Sinne sinnvoll einzusetzen, und sich ein bisschen mit den Büchern zu beschäftigen, über die es noch zu schreiben gilt.

Nun liegt die Lektüre von einigen davon aus einer Vielzahl von Gründen schon so lange zurück, dass es wenig seriös wäre – oder auch nur irgendwie möglich – darüber tatsächlich detaillierte, aussagekräftige Texte zu verfassen. So ganz unerwähnt will ich sie aber nun auch nicht lassen, weswegen ich mir die drei am weitesten zurückliegenden Lektüren mal rausgegriffen habe, um wenigstens kurz ein paar Worte darüber zu verlieren. Auf gehts:

„Der unsichtbare Roman“ von Christoph Poschenrieder

Geschichte wird von Siegern geschrieben, so sagt man. Nun ist das aber natürlich kein Grund, warum die Verlierer das nicht auch einfach mal versuchen sollten. Das jedenfalls dachten sich vielleicht die Herren vom Auswärtigen Amt 1918, als sie dem Erfolgsautor Gustav Meyrink das Angebot unterbreiten, eine Art Propagandaroman zu schreiben, der die Schuld am Kriegsausbruch eindeutig den Freimaurern zuschiebt. Meyrink, literarisch nach einem einzigen Ausnahmeerfolg leicht in Vergessenheit geraten, nimmt das Angebot an, lässt sich kistenweise Unterlagen und Quellenmaterial aus dem Auswärtigen Amt schicken – und tut dann im weitesten Sinne erst mal nichts. Statt mit seiner literarischen Tätigkeit beschäftigt er sich mit Yoga, Übersinnlichkeitsgedöns und zahlreichen Mittagessen mit Erich Mühsam – dem, wie geneigte Leser vielleicht wissen, in der Folge ein sehr trauriges Schicksal drohen sollte -, um vielleicht irgendwie eine Inspiration, einen Flow zu bekommen.

Stattdessen landet der entschieden unpolitische Autor, dem es eigentlich widerstrebt, irgendwelchen Blödsinn in die Welt zu setzen und der das Angebot im Grunde nur aus simpler Geldnot angenommen hat, in der Mutter aller Schreibblockaden. Das und die Tatsache, dass Meyrink nicht gerade verschwiegen mit seinem Auftrag umgeht, lässt die Herren vom Auswärtigen Amt bald vollkommen zu recht vermuten, hier dem völlig falschen Menschen den Auftrag erteilt zu haben.

Zwischen den Kapiteln hat Christoph Poschenrieder Recherchenotizen eingefügt, die mal aus Briefwechseln von Meyrink, mal aus Dokumenten aus dem Auswärtigen Amt usw. bestehen, und die dem weitgehend auf historischen Tatsachen basierenden Roman zusätzliche Authentizität verleihen.

In Summe ist „Der unsichtbare Roman“ eine überaus lohnenswerte Lektüre, wenn man sich nur ansatzweise für historischen Themen interessiert.

„Die Herzen der Männer“ von Nickolas Butler

Gelegentlich kommt es vor – auch das letzte Mal zugegebenermaßen eine Weile zurückliegt -, dass mir ganz zauberhafte Menschen aus der Blogosphäre Bücher zuschicken – die ich dann nie lese. Und ähnlich wie im vorliegenden Fall stelle ich dann häufig fest, dass es ein Fehler war, eben diese Bücher so lange „auf Halde“ liegen zu lassen.

Nickolas Butler teilt seinen Roman in drei Teile und drei Zeitebenen, in denen er das Schicksal einiger Figuren, ausgehend vom jungen Nelson, auch „Trompeter“ genannt, über drei Generationen hinweg beleuchtet.

Bemerkenswert ist hierbei, dass Butler die Kunst vollbringt, alle drei Abschnitte weitgehend in ein und demselben Setting stattfinden zu lassen. So spielt der erste Teil des Romans ausnahmslos in einem Pfadfinderlager, der zweite weitgehend in einer Art Nachtclub etc. Dabei wird deutlich, dass Butler nicht nur ein Händchen für seine Setting hat, sondern auch eines für Szenen, Dialoge und Charaktere.

In Summe ist „Die Herzen der Männer“ ein Roman über Väter, Söhne, Vaterfiguren, darüber, was es braucht, damit Männer halbwegs rund ticken. Ein Roman, der zum alleinigen Verständnis des Mannes als solches nun zwar auch nicht ausreicht, einen guten Ansatz bietet er aber sehr wohl. Sehr lesenswert!

„Die Schatten von Edinburgh“ von Oscar de Muriel

Wenn meinen Aufzeichnungen Glauben zu schenken ist, soll ich „Die Schatten von Edinburgh“ angeblich im Juli gelesen haben, gebe aber zu, dass es mir viel länger her vorkommt. Nun könnte man mutmaßen, dass das nicht für das Buch spricht, aber eigentlich war die Lektüre von de Muriels Reihenauftakt eine ganz launige.

Man nimmt sich ein beliebtes historisches Setting – im vorliegenden Fall Großbritannien im Jahr 1888 – fügt zwei Ermittlerfiguren hinzu, die daherkommen wie Feuer und Wasser und lässt diese beiden einen „Locked-Room“-Fall lösen – und fertig ist ein gelungener Krimi.

Klingt simpel, weil es das ist. Mögen diese literarischen Inhaltsstoffe jeweils für sich allein genommen, nicht sonderlich revolutionär erscheinen, so muss man aber konstatieren, dass sie funktionieren. Das Zusammenspiel – nun, manchmal auch weniger „zusammen“ – der beiden Ermittler unterhält durchaus, der Kriminalfall kann ebenfalls überzeugen und das Jack-the-Ripper-Schwingungen verbreitende Setting tut dann sein übriges. Mag „Die Schatten von Edinburgh“ vielleicht kein Meilenstein in der Geschichte des Kriminalromans sein, so ist es doch mehr als ein solider Auftakt für eine Krimireihe, in die ich sicherlich gelegentlich immer mal wieder reinlesen werde.

Das solls an dieser Stelle für heute gewesen sein.

Gehabt euch wohl.

Werbung

20 Kommentare zu „3 in 1: Was hier noch so rumlag

    1. Herzlichen Dank! Ich gebe zu, dass ich mich angesichts der Tatsache, dass ich mich gedanklich schon auf eine angeratene, vierte Impfung vorbereitet habe – „Und nein, eine vorherige Infektion ist kein empfehlenswerter Ersatz dazu!“, sagte mein Hausarzt -, auch ganz besonders ärgere, dass es mich jetzt noch erwischt hat. Aber hey, wenn so Sachen wie Home Office oder auch nur im Büro Masken tragen wieder out sind, weil Menschen nicht dazu neigen, Dinge einfach zu tun, weil sie sinnvoll sind, sondern nur, wenn sie dazu gezwungen werden, und das mit dem „bleiben Sie bei Erkältungssymptomen zu Hause“ der letzten zweieinhab Jahre auch irgendwie verdrängt haben, tja, dann passiert eben so was …

      Ich drücke die Daumen, dass du unbeschadet durchkommst, und weise nur ganz nebenbei darauf hin, dass Paranoia selten ein guter Ratgeber ist. :-)

      Gefällt 2 Personen

      1. Danke fürs Daumendrücken. Leider hat mensch das ja nur bedingt in der Hand, wenn zumindest zu Hause im engsten Kreis die Maske mal wegbleiben darf und dieser engste Kreis seine Unberechenbarkeiten hat – Du sagst es, die Leute vergessen viel zu schnell alle Vernunft und tun, als wäre nicht nur nichts gewesen sondern als stände auch gerade keine Herbstwelle bevor, die sich auch schon deutlich genug in Zahlen abzeichnet. Aber naja, wem sag ich das. Die Infektion ist zwar nicht erstrebenswert, aber immunologisch hat sie wohl den gleichen Effekt wie die Boosterimpfung – behauptete zumindest der Hausarzt meines Vaters, als der sich letztes Jahr kurz vor dem Boosterimpftermin mit Delta angesteckt (und es mit erfreulich leichtem Verlauf hinter sich gebracht) hat. Die Paranoia meinte ich auch eher aus Sicht der Anderen, die mich gerne wie ein bemitleidenswertes Alien behandeln, wenn ich auf meiner Maske bestehe. Schone Dich und übersteh den Scheiß gut ohne Langzeitkrams!

        Gefällt 1 Person

    1. Glitzer! Ohne n – „Glitzer“ wie in „Gary Glitter“, wie in „Kandidat gewinnt Million beim Jauch“, wie in „Nagellack“ – Assoziationen zu mindestens diskussionswürdigen Vampirdefinitionen weise ich weit von mir. 😁 Danke dir! Macht überhaupt keinen Spaß bisher …

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..