abc.Etüden KW 36/37 III

abc.etüden 2022 36+37 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

aller guten Dinge sind drei, sagt der Volksmund. Und unter der Annahme, dass man meine Etüden auch unter diesen guten Dinge subsumieren könnte, ist es daher vollkommen logisch, dass hier nun mein dritter Beitrag zur aktuellen Runde der Etüden, weiterhin organisiert von Christiane und zur Wortspende des Etüdenerfinders Ludwig Zeidler, folgt. Diesmal in einer von mir lange vernachlässigten Form. Wenn ichs hinkriege. Man wird sehen.

 

Stelldichein

Die Sitze sind so anschmiegsam,
drum fahr‘ ich mit der Deutschen Bahn.

Im Bordbistro des Zuges sitzend,
um mich herum die Kellner flitzend,
wend‘ ich mich der Zeitung zu,
und flugs vorbei ist’s mit der Ruh‘,

Die Rechten sind nun auch in Schweden,
da hilft kein lamentieren oder reden,
Die Bahntickets sind wieder teuer,
und dann salbadert noch der Scheuer.

Ich will das alles ignorieren,
mich in mein Reiseziel verlieren,
bin auf dem Weg zur Stadt der Sünde,
nicht Las Vegas – Travemünde.

Derweil ganz vorn im Führerhaus,
tickt nun der Fahrzeugführer aus.
Ein Brechreiz bemächtigt sich bald seiner,
des armen Fahrzeugführers Heiner.

Er hat am Telefon den Jeff,
der seines Zeichens Stellwerkchef.
„Stell doch nun die Weiche um!“, ruft Heiner.
„Entweder du tust’s, oder keiner!“

Doch Jeff sitzt stehts am läng’ren Hebel,
hat auch meist den höh’ren Pegel,
und nach Tagen voller Suff,
ist er auch heut‘ Morgen druff.

Heiner schreit: „Stell um, die Weiche!“
Jeff: „Nur über meine Leiche!
Ich hasse meinen blöden Job!“,
beschied er Heiner ziemlich grob.

Drum fährt der Zug alsbald ’ne Kehre,
pflügt sich, fast wie eine Fähre,
’nen anderen Weg durchs Gleisenmeer,
Heiner wütet derweil sehr.

Im Bordbistro bleibt alles leise,
ich wende mich – nicht allzu weise -,
wieder meiner Zeitung zu,
der Blutdruck steigt quasi im Nu:

Es scheppert nun in Karabach,
eine mehr als traurig‘ Sach‘,
England hat jetzt einen König,
und die Russen rennen fröhlich.

Heiner – derweil auf allen vieren –
bereit, dem Jeff zu buchstabieren,
was genau er von ihm will,
doch im Telefon bleibt’s still.

So bleibt ihm nur, den Zug zu fahren,
sich weit’res Ungemach zu sparen,
zu seh’n, wohin die Reise führt,
ob nach Bremen, ob nach Hürth.

Im Bordbistro das Bier wird schal,
der Zug strandet in Wuppertal.

 

290 Wörter.

 

19 Kommentare zu „abc.Etüden KW 36/37 III

  1. Ich schmunzle mit, speziell über den ersten und den letzten Satz – du hattest ganz offensichtlich Spaß beim Fabulieren, was mich sehr freut. Ich frage mich allerdings, ob du anstelle der Apostrophe Akzentzeichen verwendet hast, rein optisch killt mich das ;-)
    Vormittagskaffeegrüße, wie immer mit Keks, aber noch nicht mit Lebkuchen ⛅☕🍪🍃👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Das, äääh, stimmt. Also, das mit den Akzentzeichen. :-) Keine Ahnung, warum. Ich werds ändern, wenn ich mal gaaanz viel Zeit hab. :-)

      Und ja, ich hatte tatsächlich Spaß. Hab das Reimen in der letzten Zeit viel zu sehr vernachlässigt.

      Vormittagskaffeegrüße zurück.

      Gefällt 2 Personen

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