„Imperator“ von Kai Meyer und Lisanne Surborg

Buch: „Imperator“

Autoren: Kai Meyer, Lisanne Surborg

Verlag: Droemer Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 397 Seiten

Die Autoren:

Kai Meyer ist ein 1969 in Lübeck geborener Autor. Nach einem Studium – Film, Theater und Philosophie – arbeitete Meyer als Volontär bei einer Tageszeitung und schrieb während dieser Zeit an seinem ersten Buch. „Der Kreuzworträtsel-Mörder“ erschien dann 1993.Der Durchbruch gelang Meyer im Jahr 1994 mit seinem Roman „Die Geisterseher“ und vor allen Dingen mit „Die Alchimistin“. International erfolgreich war der Autor erstmals mit „Die fließende Königin“, dem ersten Teil der Merle-Trilogie.

Meyers Romane haben mittlerweile Millionen-Auflagen erreicht und erscheinen in über 30 Sprachen.

Der Autor lebt mit seiner Familie am Rande der Eifel.

Lisanne Surborg wurde 1993 in Gifhorn geboren. Sie studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft und arbeitet nebenbei beim Lokalradio mephisto 97.6 der Universität Leipzig. (Quelle: Thalia)

Das Buch: Rom in den Swinging Sixties – eine Stadt der Filmstars und Verbrecher, der Starlets und Geisterbeschwörer, des alten Adels und der korrupten Politik.

Die Studentin Anna schließt sich einer Gruppe Paparazzi an, um inkognito den Mörder ihrer Mutter zu jagen. Zugleich soll der Privatdetektiv Gennaro Palladino den Tod eines wahnsinnigen Malers aufklären.
Die Suche nach der Wahrheit führt Anna zusammen mit dem jungen Fotografen Spartaco durch Paläste und verlassene Villen, durch Filmstudios und verruchte Jazzclubs – und immer wieder auf die legendäre Via Veneto, den Brennpunkt des Dolce Vita. Während die High Society im Champagner badet und Regierungsgegner die Revolution planen, ziehen finstere Mächte die Fäden. Sie wollen die Auferstehung des antiken Rom – koste es, was es wolle. (Droemer Knaur)

Fazit: Ich meine, mich erinnern zu können, dass Kai Meyer im Vor- oder Nachwort einer limitierten und signierten Ausgabe seines Romans „Das Haus des Dädalus“ – welche hier zugegebenermaßen auch Erwähnung findet, damit ich explizit darauf hinweisen kann, ein Exemplar davon zu besitzen – mal erwähnt hat, dass er schon seit geraumer Zeit einen großen Hang zur Ewigen Stadt hat. Daher verwundert es nicht, dass es ihn, diesmal in Kooperation mit Lisanne Surborg, früher oder später wieder in literarischer Hinsicht dorthin zurückführt.

Viel mehr verwundert es – in erster Linie mich persönlich -, dass es sich bei „Imperator“ um ein Buch handelt, zu dem ich eigentlich gar nicht so viel sagen kann. Wer seit einiger Zeit über Bücher schreibt, wird dieses Phänomen kennen und es ist immer wieder ein eher unangenehmes Gefühl, wenn es auftaucht. Zumal es in der Vergangenheit Bücher von Kai Meyer gab, über die ich ganze Lobeshymnen hätten verfassen können, auch wenn die Mehrzahl davon bereits länger zurückliegt.

Und eigentlich macht das Autorenduo auch viel richtig.

Der stilistische Bereich ist ein Beispiel dafür, aber eben auch ein Beispiel für die Elemente, über die ich halt nicht viel sagen kann, außer: Surborg und Meyer gelingt es, eine gemeinsame Erzählerstimme zu finden, die zumindest mich persönlich voll und ganz überzeugt.

Auch hinsichtlich meines Eindrucks zu den Charakteren tue ich mich schwer. Anfangs dachte ich noch, der Privatdetektiv Gennaro Palladino könnte sich zu einer Figur entwickeln, für deren Schicksal ich ein verstärktes Interesse mitbringen könnte. Das macht er aber irgendwann selbst zunichte und in Sekundenbruchteilen entsteht der Eindruck eines doch eher gefühllosen, kaltblütigen Spinners, mit dem ich nicht mehr als unbedingt notwendig zu tun haben wollen würde.

Positiv hervorheben muss man in diesem Bereich dagegen den Fotografen Spartaco. Eigentlich ein Adelsspross, hauptsächlich allerdings als Freizeitrevoluzzer unterwegs, weiß man bei ihm nie so ganz genau, ob er seine revolutionären Ideen nun deshalb in die Welt hinausträgt, weil er wirklich von ihen überzeugt ist oder doch nur, um seinen Vater zu ärgern. Tatsächlich ist Spartaco die einzige der Hauptfiguren, an deren Schicksal über das Buch hinaus ich gesteigertes Interesse hätte.

Denn seine Mitstreiterin Anna bleibt im Vergleich zu ihm wiederum eher blass, tragischerweise ohne jetzt konkret festmachen zu können, woran das liegt. Vielleicht daran, dass sie in ihrer Handlungsmotivation zu eindimensional ausgelegt ist bzw. dargestellt wird.

Alles andere als eindimensional ist allerdings die Handlung selbst. Die Story rund um die Nachwehen der Mussolini-Ära und die augenscheinliche mangelnde Aufarbeitung selbiger hat etwas und bietet mehr als nur ein gutes Grundgerüst für die Fortsetzungen zu sein, denn „Imperator“ ist ja „nur“ ein Reihenauftakt. Das einzige, was mich massiv gestört hat, waren ausgerechnet die phantastischen Elemente, in denen die Figuren mit ihrer Kindheit konfrontiert werden. Ich fand schon Pennywise in Stephen Kings „Es“ irgendwie albern und hier verhält es sich nicht wesentlich anders, was die Wirkung der besagten phantastischen Elemente auf mich angeht. Selbstredend ist das ein sehr subjektives Problem und für andere Teile der Leserschaft kann dieser Teil des Buches das Grauen persönlich darstellen, für mich war es leider nichts.

Das große Highlight des Buches liegt dagegen in seinem unverbrauchten Setting. Nun kann ich wegen der Gnade der späten Geburt und allgemein mangelnder entsprechender Ortskenntnis nicht beurteilen, ob das Autorenduo das Flair von Ort und Zeit wirklich adäquat eingefangen haben, aber die erzeugte Stimmung ist jedenfalls mehr als überzeugend. Das Umfeld abgehalfterter, amerikanischer Schauspieler, die sich in Italien niederlassen, um dort in Serie fragwürdige B-Movies zur Sicherung ihres Status zu drehen, das hat halt einfach was.

Deswegen habe ich mich letztlich ganz gerne in der Welt von „Imperator“ aufgehalten, ob ich den Fortgang der Reihe weiter verfolgen werde, weiß ich allerdings noch nicht so genau. Vielleicht, wenn ich irgendwann mehr über den Reihenauftakt sagen kann.

Meyer- bzw. Surborg-Fans können sicherlich bedenkenlos zugreifen, für alle anderen ist die Lektüre ein wohlwollendes „Kann“ aber kein ultimatives „Muss“.

Ich danke dem Droemer Knaur Verlag für die freundliche Übersendung des kostenlosen Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein kostenloses Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Demnächst in diesem Blog: „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman. Ich stelle eine ultimative Lobhudelei in Aussicht.

5 Kommentare zu „„Imperator“ von Kai Meyer und Lisanne Surborg

    1. In den meisten Fällen – abgesehen von T.S.Orgel – glaube ich, ein relativ gutes Gespür zu haben, was dir gefallen könnte und was nicht. Hier muss ich aber gestehen, recht unschlüssig zu sein. Ich kann zu
      deinen Überlegungen also nichts wirklich Sinnstiftendes beitragen. :-)

      Gefällt 1 Person

        1. Huch, wie konnte das an mir vorbeigehen!? Hm, wobei ich mir gerade die Frage stelle, ob das nicht vielleicht eher wieder in Richtung Jugendbuch geht, womit ich raus wäre …

          Aber zumindet mal danke für die Info, zauberhafteste aller Bloggerkolleginnen! :-)

          Gefällt mir

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