„Abels Auferstehung“ von Thomas Ziebula – Gelungene Fortsetzung

Buch: „Abels Auferstehung“

Autor: Thomas Ziebula

Verlag: Wunderlich

Ausgabe: Hardcover, 462 Seiten

Der Autor: Thomas Ziebula ist freier Autor und schreibt vor allem Fantasy- und historische Romane. 2001 erhielt er den Deutschen Phantastik-Preis, 2020 den Goldenen Homer. Seine erste Krimi-Reihe um Inspektor Paul Stainer vereint auf beeindruckende Weise Thomas Ziebulas Leidenschaft für deutsche Zeitgeschichte, spannende Kriminalfälle und seine Liebe zu Leipzig, das bis heute seine Lieblingsstadt in Deutschland ist. Der erste Band der Reihe um Inspektor Stainer, „Der rote Judas“, stand auf der Shortlist für den Crime Cologne 2020. Der Autor lebt in der Nähe von Karlsruhe. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: Leipzig 1920: Nach dem Tod seiner Frau stürzt sich Inspektor Paul Steiner in die Arbeit – daran mangelt es nicht in der politisch aufgeheizten Stadt. Die Ermittlungen im Morf an einem jungen Soldaten führen Stainer in das Milieu schlagender Studentenverbindungen; der Fall scheint eindeutig. Bis in Basel ein weiterer toter Soldat aus dem Rhein geborgen wird. Haben die Morde miteinander zu tun? Ein Zigarettenetui, das der Tote bei sich trug, führt auf eine neue Fährte – die der drei Adamek-Brüder: Adrian ist im Krieg gefallen, Konrad führt ein unaufgeregt bürgerliches Leben, doch Roman benimmt sich verdächtig. Stainer folgt der Spur, ohne zu bemerken, wie sich an anderer Front ein Gewitter aufbaut … (Quelle: liebevoll abgetippter Klappentext)

Fazit: Man kann den hehren Vorsatz verfolgen, die jeweils einzelnen Bände einer Buchreihe nicht in Relation zueinander zu setzen, sondern jeweils als eigenständiges Buch zu betrachten, ohne sein Hauptaugenmerk darauf zu legen, was der Autor in diesem oder jedem Band der Reihe vielleicht besser oder schlechter gemacht hat als im vorliegenden. So ganz gelingen will mir das allerdings nie, weswegen sich auch Thomas Ziebulas „Abels Auferstehung“, die Fortsetzung seiner Reihe rund um den Inspektor Paul Steiner den Vergleich mit „Der rote Judas„, dem Auftakt der Reihe, gefallen lassen muss. Auch und gerade, weil eben jener Auftakt seinerzeit so gelungen war.

Glücklicherweise kann man konstatieren, dass es Ziebula gelingt, den Großteil der Stärken des ersten Teils zumindest in ähnlicher Form zu übernehmen. Das beginnt schon beim Setting. Im ersten Teil wurde dieses Setting unter anderem durch Erwähnung politischer und sonstiger historischer Ereignisse mit Leben gefüllt. Im zweiten Teil wurde die Einordnung in den historischen Kontext auf den ersten Blick zwar in meiner Wahrnehmung deutlich zurückgefahren, was ich eigentlich ziemlich schade fand, bei genauerer Betrachtung findet sie aber eben doch statt, nur eben in Form von Ereignissen, die eher regionale Bedeutung, insbesondere für die Stadt Leipzig haben. Und so erwähnt Ziebula dann eben weniger die große Weltpolitik, sondern beispielsweise mehr die Rolle und Situation der Straßenbahnfahrerinnen in Leipzig, die in Kriegszeiten diese Aufgabe von den Männern übernommen haben, nun aber eben wieder von diesen aus ihrem Beruf gedrängt werden sollen. Im Zuge der Gesamthandlung ergibt diese regionalere Sichtweise durchaus Sinn und der Roman fühlt sich dadurch nicht weniger lebendig an als sein Vorgänger.

Auch das Figurenensemble wurde logischerweise in den zweiten Band übernommen und war schon im Auftakt eine große Stärke des Autors. Insbesondere gilt das nach wie vor für den Protagonisten. Jener Paul Steiner wurde bezüglich des ersten Bandes von mir mit dem Kriegheimkehrer Beckmann aus Borcherts „Draußen vor der Tür“ verglichen und diesen Eindruck habe ich immer noch. Nicht nur die Figur an sich, sondern auch ihre Entwicklung gefiel mir gut. Trug Stainer im ersten Teil noch eine überhebliche „Ich kann jederzeit aufhören, wenn ich will!“-Einstellung hinsichtlich seiner Alkoholsucht vor sich her, scheint er nun bereit zu sein, sich einzugestehen, dass hier ein Problem vorliegen könnte. Ebenso verhält es sich mit den ihn darüber hinaus plagenden Schwierigkeiten, die man heute wohl als „Flashbacks“ und „posttraumatische Belastungsstörung“ bezeichnen würde. Für mich persönlich würde sich das Weiterlesen der Reihe allein deshalb lohnen, weil ich wissen möchte, wie die weitere Entwicklung Stainers so voranschreitet.

Das einzige Manko – allerdings leiden wir hier auf vergleichsweise hohem Niveau – des zweiten Teils bietet ausgerechnet die Geschichte selbst. Diese setzt nahezu unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils ein – den man übrigens für die Lektüre nicht unbedingt gelesen haben muss, weil Ziebula gekonnt wesentliche Stichpunkte rekapituliert; sinnvoll wäre die vorherige Lektüre allerdings dennoch – und man trifft auch wieder auf altbekannte Figuren.

Die Story wirkt etwas geerdeter als im ersten Teil, und vielleicht war es eben das, was sie für mich schlicht weniger spannend machte. Natürlich kann man sich nicht immer mit den Großen in Politik und Militär anlegen und es darf auch gerne mal eine bodenständigere Handlung sein, aber irgendwie hat mich eben diese Handlung im zweiten Teil nicht vollständig überzeugt. Nun sollte man eine solche Einschätzung anschaulich begründen können, fatalerweise kann ich das aber nicht. Im Gegensatz zum ersten Teil – und obwohl dort sogar verhältnismäßig früh klar war, mit wem sich Stainer da angelegt hat und im Groben auch, welchen Fortgang die Ereignisse gehen dürften – hat mich die Handlung des zweiten Teils irgendwie nicht so wirklich erreicht. Ich schiebe das aber einfach mal auf meine schon während der Lektüre im Entstehen begriffene Leseflaute, die mit mangelnder Begeisterung für eigentlich alles einherging bzw. -geht. Mein Eindruck zur Handlung ist daher als ein vollständiger subjektiver zu sehen und es ist durchaus wahrscheinlich, dass andere Leser einen vollständig anderen Eindruck zu Story haben.

Insgesamt hat mich Thomas Ziebula allerdings eindeutig gut genug unterhalten, um der Reihe die Treue zu halten. Und wer Krimis mit historischen Flair mag, der liegt mit „Abels Auferstehung“ nicht verkehrt.

Ich danke dem Wunderlich Verlag für die Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Demnächst in diesem Blog: „Das Geheimnis von Zimmer 622“ von Joël Dicker. Ein neuer Joël-Dicker-Roman, yaaaaay! ;-)

6 Kommentare zu „„Abels Auferstehung“ von Thomas Ziebula – Gelungene Fortsetzung

  1. Liest sich interessant an, was du darüber schreibst, und auch deine Besprechung des ersten Buches hatte mir schon total gefallen. Wenn er mir unterkommt (und ich gestehe, dass das vermutlich in den Bücherhallen sein könnte), werde ich zugreifen. 🤔😉👍
    Viel mehr freut mich, dich überhaupt wieder zu lesen, und ich hoffe, dass du bei Joel Dicker wieder zur alten Form auflaufen kannst. 😁
    Morgenkaffeegrüße, verschneit bzw. vergraupelt 😁🌤️☕🥐👍

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    1. Sollte dem so sein, also solltest du zugreifen, wäre ich immer über eine Rückmeldung froh, ob es dir denn dann gefallen hat oder du mich ob meiner Empfehlung zum Teufel wünschst. ;-) Letzterer kam blogtechnisch in jüngerer Vergangenheit auch irgendwie zu kurz … ;-)

      Sofern Joel Dicker wieder zu seiner alten Form aufgelaufen ist – was ich dir schon sagen könnte, da ich das Buch schon gelesen habe, was dann aber ja langweilig wäre -, steht zu hoffen, dass das auch bei mir der Fall sein wird.

      Ich nehme übrigens freudig zur Kenntnis, dass du dich überhaupt an meine Besprechung des ersten Teils erinnerst. :-)

      Liebe Morgenkaffeegrüße zurück

      Gefällt 1 Person

      1. Bei mir hatte dein Vergleich mit Babylon Berlin angedockt, von dem ich die eine oder andere Minute beim Durchzappen gesehen habe – ich verfolge die Story nicht, finde es aber sehr bildgewaltig. Also erinnerte ich mich mich eben, „Ah, das“ gedacht zu haben. In den Bücherhallen sind beide aktuell ausgeliehen, sonst hätte ich es mir bei meinem nächsten Ausflug zur Zentralbibliothek mitgebracht.
        😁🌤️☕🥐👍

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