In eigener Sache

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich hab da mal ´ne Frage. Wir müssen reden quasi. Also – jetzt nicht eigentlich „wir“. Mehr nur ich. Ihr müsst nur zuhören. Also – genau genommen „müsst“ ihr das im eigentlichen Sinne natürlich auch nicht. Es wäre halt schön, wenn ihr würdet. Falls ihr aber Besseres …

Ich fang nochmal an …

Was war passiert? Nun, in erster Linie habe ich am Wochenende Post bekommen. Jetzt mag das erst mal nichts Ungewöhnliches sein. Wenn die Post aber unverlangt und augenscheinlich von einer mir unbekannten Person kommt, dann bin ich schon skeptisch. Zu Recht, wie sich herausstellte, denn nach kurzer Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Schreibens stellte ich fest, dass dieser in erster Linie rassistischer Natur war und aus Kopien fragwürdiger „Quellen“ bestand, beispielsweise einem bekannten Artikel aus der „Daily Express“ vom 24. März 1933, dem „Weltalmanach“ von 1947/48 und ähnlichem Zeug. Und anhand dieser Quellen wurde dann allerlei rassistisches Geschwurbsel behauptet, das von bekannten geschichtsrevisionistischen Verschwörungserzählungen bis hin zur handfesten Holocaust-Leugnung reicht.

Diesem Dreck beigefügt war eine Art „Beipackzettel“ im Umgang mit dem Inhalt des Schreibens. Es wurde darum gebeten, die Kopien erneut zu kopieren – es wurde übrigens auch geraten, im Falle der Existenz eines Hochleistungskopierers am Arbeitsplatz „Überstunden“ in Abwesenheit der Kollegen einzulegen … –  und diese dann anonym in den Briefkästen der „Lieblingsfeinde“, wie Lokalpolitikern, Journalisten, Sozialarbeitern, Pastoren und ähnlichen „charakterlichen Minusvarianten“ (O-Ton) zu deponieren. Das darin darüber hinaus enthaltene „white supremacy“-Geschwafel, gegen das das sonstige Geblubber der AfD wirkt wie eine altruistische NGO auf Kohlfahrt, erspare ich euch.

Nun wirft so ein Schreiben natürlich Fragen auf. Die Frage, woher die urhebenden Schergen meine Adresse haben, beantwortet sich recht schnell von allein, schließlich ist das Telemediengesetz hinsichtlich einer Impressumpflicht recht deutlich und die DSGVO hat zusätzlich vieles verschlimmbessert. Kurz: Jeder Idiot – und somit selbst Rassisten – kann im Internet meinen Namen und meine Anschrift erfahren, ob ich das nun will oder nicht. Übrigens ein Punkt, den sich viele, die so polemisch die Klarnamennennung im Internet fordern, mal durch den Kopf gehen lassen sollten. Das kommt dann nämlich dabei raus, herzlichen Dank auch …

Zudem kommt natürlich die Frage auf, warum gerade ich solche Post bekomme? Wer den Eindruck hat, dass derartiger geistiger Auswurf bei mir auf fruchtbaren Boden fällt, hat entweder nie etwas gelesen, was ich geschrieben habe, oder aber es nicht verstanden. Letzteres möchte ich ausdrücklich nicht ausschließen, weil Rassisten per se nicht sonderlich helle sind und die Tatsache, dass ich ein-, zweimal über den gesprochenen gender gap gewettert habe – und das mit Wonne sicherlich auch zukünftig noch tun werde -, vielleicht bei den Urhebern des Schreibens den Eindruck erweckt hat, ich könnte einer von ihnen sein. Das bin ich nicht!

Am wichtigsten ist natürlich nun die Frage: Was mache ich denn nun? Das Schreiben ist mit Absender- und Adressat-Aufklebern versehen, ich könnte mich also ganz kollegial an die vermeintliche Absenderin wenden und darum bitten, dass sie ihren geistigen Auswurf bitte zukünftig für sich behalten möge. Nun kann aber ja niemand so blöd sein – und die Tatsache, dass Rassisten, wie erwähnt, per se nicht ganz helle sind, ist in dieser Einschätzung bereits berücksichtigt -, Holocaust-Leugnungen unter Angabe des eigenen Namens per Post zu verschicken, denn ich bin zwar kein Jurist, aber § 130 StGB ist auch mir bekannt, und den werden auch diese Handlampen kennen. Viel mehr glaube ich angesichts der Tatsache, dass es sich um Adressaufkleber – somit also nichts Handschriftliches – handelt, dass auch die angebliche Absenderin nichts von ihrem Glück weiß und man an ihre Adresse auf ganz ähnliche Weise gekommen ist, wie an meine. Dann wäre es vielleicht angeraten, sie dahingehend zu informieren.

Ich könnte den ganzen Mist auch einfach im Garten abfackeln, dann bekäme das Ganze angesichts der Tatsache, dass die Schwachmaten, die dahinterstehen, vermutlich einen Hang zur Verbrennung von Druckerzeugnissen haben, sogar noch eine fancy Metaebene.

Natürlich könnte ich das Ganze auch an die dafür wohl zuständigen Stellen weiterleiten, allerdings würde ich mich ungern weiter exponieren und ins Visier dieser Deppen begeben, zumal der oben erwähnte „Beipackzettel“ auch zahlreiche Verweise auf rechte Blogs – auch bei WP – wie „PI-News“ und ähnliches Geschwurbsel enthält, mein Beitrag möglicherweise also ohnehin nicht unbeachtet bleiben könnte.

Falls also jemand Ideen zur weiteren Vorgehensweise hat oder gar mit eigenem Erfahrungswerten aufwarten kann, wäre ich für eine kurze Rückmeldung dankbar.

Gehabt euch wohl.

40 Kommentare zu „In eigener Sache

    1. Ich habe das Pamphlet der Einfachheit halber bei der Polizei abgegeben, von da wird es an die für den Staatsschutz zuständigen Kollegen weitergeleitet. Angesichts der Tatsache, dass sich herausgestellt hat, dass weder Absenderin noch Absendeadresse tatsächlich existieren – das hätte mich auch gewundert -, wird es ohnehin schwierig, da irgendwas herauszubekommen, eine Anzeige ergab für mich daher wenig Sinn.

      Gefällt 1 Person

  1. Lies mal bei Jürgen auf dem Blog „Linsenfutter“ nach – ich nehme an, dass das, was Dir gerade passierte auch das ist, wovon er schreibt. Er hat das alles angezeigt und die Sache läuft. Es tut mir von Herzen leid, dass Dir das passiert ist. Pass gut auf Dich auf.
    Herzliche Dir, Evelyn

    Gefällt 2 Personen

    1. Ganz herzlichen Dank für den Hinweis. Der Fall dort scheint ja ganz ähnlich gelagert zu sein. Und ich denke, ich werde auch ähnlich reagieren. Gut zu wissen, dass man mit so etwas nicht ganz allein dasteht. Danke dir!

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  2. Oh je… ich kann nicht viel beitragen. Ich finde zwar auch, dass dies zur Anzeige gebracht gehört, aber ich verstehe Deine Bedenken. Schwierig… persönlich würde ich das Ding vermutlich einfach wegschmeißen, denn ich kann mir die abenteuerlichsten Konsequenzen vorstellen und als alleinstehende Frau muss man besonders vorsichtig sein.
    Ich drücke die Daumen, dass Du die richtige Lösung für Dich findest.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich kann mir aber eben auch die abenteuerlichsten Konsequenzen vorstellen, WENN ich das Ding einfach nur wegschmeiße. :-) Beispielsweise weiß ich nicht, inwieweit ich ggf. verpflichtet bin, so etwas zu melden, sofern ich Kenntnis davon bekomme.

      So einfach unwidersprochen hinnehmen und gar nichts tun, entspricht auch überhaupt nicht meinem Naturell … :-)

      Ich werde morgen mal sehen, was ich in die Wege leiten kann.

      Vielen lieben Dank!

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