5 in 1: Was hier noch so herumlag …

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich bin ja bekennender „completionist“, will sagen, ich habe die Angewohnheit, einmal angefangene Dinge auch zu beenden, bzw. zu vervollständigen, gleich wie lange das dann dauert. Gut, in letzter Konsequenz führt diese Angewohnheit dazu, dass ich mittlerweile sicherheitshalber Dinge meistens gar nicht erst anfange, aber das gehört hier eigentlich nicht her …

Was hier aber hergehört – einerseits aus Chronistenpflicht, andererseits, um meinen inneren „Monk“ zufriedenzustellen – sind wenigstens kurze Erwähnungen der Bücher, zu denen – aus welchen Gründen auch immer – im letzten Jahr keine Rezensionen erschienen sind. Teilweise liegt die Lektüre schon recht lang zurück, weswegen ich nicht wirklich ins Detail gehe. Zumindest versuche ich das … – sei es drum, auf der Liste der Unrezensierten sind im Einzelnen:

„Klonk“ von Terry Pratchett

„Klonk“, so viel sei der diesebezüglich möglicherweise unkundigen Leserschaft gesagt, ist das Geräusch von Zwergenaxt auf Trollkeule, damals, bei der historischen Schlacht im Koomtal. Passenderweise dreht sich dieses Buch inhaltlich auch um die Rivalität zwischen Zwergen und Trollen, gegen die die Rivalität zwischen Dortmundern und Schalkern einer Fanfreundschaft ähnelt. 

Ich glaube, entweder man liebt Terry Pratchetts Bücher, oder man kann mit ihnen so gar nichts anfangen. Ich persönlich gehöre glücklicherweise zur ersten Kategorie, aber auch für mich sind seine Bücher in etwa so wie Schokolade. Sehr lecker, aber bei übermäßigem Genuss wird einem übel. Deswegen liegen zwischen zwei Pratchett-Büchern bei mir gerne auch mal einige Jahre.

Nun wurde es mal wieder Zeit und es hat sich durchaus gelohnt. In gewohnt witziger Manier und mit gewohnt skurrilen Charakteren transportiert Pratchett seine Geschichte uralter Rivalität auf sehr erfrischende Art. Und – wie ich kürzlich mal an anderer Stelle sagte – mal ganz im Ernst: Jemand, der sich Figuren mit Namen wie Grinsi Kleinpo – im Original Cheery Littlebottom – einfallen lässt, muss ein Genie sein. Oder gewesen sein … *seufz* (Notiz für mich: Mail an den in Großbuchstaben sprechenden Mann mit Sense schreiben, mit dem Ziel, Pratchett wieder zu bekommen).

Fans seiner Bücher machen mit „Klonk“ nichts falsch, alle anderen steigen aber besser mit anderen Romanen in Pratchetts Scheibenwelt ein.

„Mutation – Alte Freunde und profitable Kriege“ von Ivan Ertlov

Dieser im Selbstverlag erschienene Science-Fiction-Roman hat eine durchaus gewollte, eindeutig trashige Komponente, die ihn zu einem sehr empfehlenswerten Äquivalent des Popcorn-Kinos macht, wenn man denn das Genre mag. Schon bei den Charakteren, insbesondere bei der Hauptfigur, greift Ertlov tief in die Klischeekiste, denn sein Protagonist ist ein ähnlich abgewrackter, zwielichtiger Einzelgänger-Raumpilot, wie man ihn aus „Star Wars“, Romanen von Kai Meyer oder unzähligen anderen Werken kennt. Aber ich mochte diese Mischung aus Han Solo und Ijon Tichy echt gerne. Und das gilt auch für das gesamte Buch, das mit einer überraschend spannenden Handlung ebenso punkten kann wie mit zuweilen etwas infantilem, phasenweise aber ganz großartigem Humor und modernen Popkultur-Anspielungen, beispielsweise findet man in Erlovs Buch auf der Venus das überaus schöne Summerglau-Valley …

Fans leicht trashiger Sci-Fi Bücher, die keine Lust mehr auf die siebenhunderste Wiederholung von „Spaceballs“ haben, sollten hier vielleicht mal einen Blick riskieren.

„Die Phileasson-Saga III – Die Wölfin“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus

Während im ersten Band, wie üblich, die Charaktere und Schauplätze sowie der Ausgangspunkt der Handlung etabliert wurde und man im zweiten Band faszinierende Einblicke in die Geschichte des von mir so heiß und innig geliebten DSA-Universums erhielt, geht im dritten Band alles etwas gemächlicher zu. Das gilt für die Entwicklungen der bereits etwas ausgedünnten Charaktergruppen ebenso wie für die Handlung an sich. So wirklich warm wurde ich persönlich mit „Die Wölfin“ nicht, vermutlich auch, weil ich wenig mit Winter- und Schneesettings anfangen kann. Winter haben wir schließlich gerade selbst. Oder zumindest etwas, das sich für Winter hält. In der Hoffnung, dass Tempo, Action, Charakterentwicklung, die Geschichte selbst, im Grunde genommen also eigentlich fast alles, im nächsten Band wieder anziehen bzw. mehr zu überzeugen wissen, bleibe ich der Reihe natürlich treu, bis hier war Teil 3 aus meiner Sicht aber leider der schwächte der Saga.

„Nichts weniger als ein Wunder“ von Markus Zusak

Ach, du liebe Zeit, was soll ich bloß über dieses Buch schreiben!? Beginnen wir vielleicht mal chronologisch: Vor einer halben Ewigkeit, es muss so 15 Jahre her sein, bekam ich von einer ganz zauberhaften Person mit einer Trefferquote von ziemlich genau 100 %, wenn es um Buchgeschenke für mich geht, „Die Bücherdiebin“ geschenkt. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach kann man „Die Bücherdiebin“ nur mindestens großartig finden, weswegen ich nahezu aufgeregt war, als ich im Jahr 2018 von der Veröffentlichung dieses Buchs erfuhr. Ich holte es mir am Erscheinungstag – und kam dann leider nie wirklich in dieses seltsame Stück Literatur hinein.

In Zusaks Buch geht es um 5 Brüder, die in irgendeinem australischen Kaff ohne ihre Eltern aufwachsen, sich regelmäßig bis aufs Blut auf die Schnauze hauen und insgesamt eher als eine ziemlich disharmonische Gruppe zu funktionieren scheinen. Schon da habe ich mich gefragt, ob es in Australien keine Behörden gibt, die sich in solchen Fällen wenigstens im Ansatz für verantwortlich halten.

In dieser brüderlichen Harmonie – muhaha – vertreibt sich jeder die Zeit auf unterschiedlichste Weise. Einer veranstaltet Wettläufe gegen andere Jungen aus der Gegend, der nächste bändelt mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft an usw. usf. In eben diese brüderliche Idylle platzt nun der Vater der Kinder, der kundtut, er möchte eine Brücke über einen Fluss bauen und seine Söhne dafür um Unterstützung anfragt. Entrüstet lehnen alle ab. Alle bis auf einen.

In der Folge gehen dann die überschaubaren Ereignisse der verbliebenen Jungen weiter, während sich einer weiterer Handlungsstrang dem Fortschritt des Brückenbaus zuwendet.

Irgendwann aber war für mich der Punkt erreicht, an dem ich mich fragte, was mit der Autor nur damit sagen will. Nicht nur, dass er eine Atmosphäre schafft, die es mir unmöglich machte, dieses Buch mit auch nur dem Ansatz von Entspannung zu lesen, ich habe auch nicht den Hauch einer Ahnung, wohin er erzählerisch möchte, welche Aussage er verfolgt. Letztlich bekam das Buch dann an einer Stelle noch eine gruselig-verstaubte purity-ring-Komponente, die mich diesen Roman dann nach etwa zwei Dritteln unbeendet weglegen ließ.

Bücher nicht zu beenden, liegt eigentlich nicht in meiner Natur – man denke nur an die Eingangszeilen dieses Beitrags -, hier hatte ich aber irgendwie keine andere Möglichkeit. Und für gewöhnlich habe ich, wenn ich ein Buch dann doch mal abbreche, ein ungutes Gefühl, vielleicht, weil ich unterbewusst doch wissen will, wie das Ganze endet und ob ich nicht vielleicht doch etwas verpasst habe. Hier allerdings nicht, leider. Die letzten etwa 200 Seiten sind mir schlicht vollkommen wurscht, was letzten Endes dazu führt, dass „Nichts weniger als ein Wunder“ für mich persönlich eine der herbsten literarischen Enttäuschungen der letzten Jahre darstellt.

„Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler

Ich gebe zu, dieses Buch hätte eigentlich eine eigenständige, eine anständige Rezension verdient, denn Seethalers Roman ist ein ganz wunderbares Buch. Auf nicht mal 200 Seiten schafft der Autor das, was sein Buchtitel ankündigt, nämlich wirklich „Ein ganzes Leben“ darzustellen. Herausgekommen ist ein leiser, nahezu poetischer und wirklich schöner Roman, über den ich mehr Worte verlieren könnte, als er letztendlich selbst enthält. Ich könnte etwas über den bodenständigen Protagonisten schreiben, der ein eher seichtes Gemüt ist, über die Landschaftsbeschreibungen, und das wohlige Gefühl, das die Lektüre auslöst. Ich könnte es aber auch dabei belassen, zu sagen: Unbedingt lesen!

 

Demnächst in diesem Blog: Eine Lobhudelei zu John Boyne neuem Roman „Die Geschichte eines Lügners“.

14 Kommentare zu „5 in 1: Was hier noch so herumlag …

  1. Schön mal wieder von Dir zu lesen, obwohl Du die letzten Monate nicht wirklich untätig warst. Habe ich eigentlich die Rezensionen von Karsten Dusse überlesen, oder stand der gar nicht auf Deiner Leseliste?

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, das gebe ich mehr als vollumfänglich zurück, es ist mehr als schön, mal wieder von DIR zu lesen! :-) Nein, untätig war in tatsächlich nicht, ich habe mir nur gegen Ende des letzten und Anfang dieses Jahres eine kleine und dringend notwendige Auszeit gegönnt.

      Den Karsten Dusse musst du allerdings woanders herhaben, weder „Achtsam morden“, noch seine anderen Bücher standen oder stehen bei mir auf dem Plan …

      Liken

      1. Ganz ehrlich – da verpasst Du echt was! Ich dachte ja erst, das wäre so ein Esotherikquatsch, aber der ist richtig herrlich böse auf eine feine sarkastische Art. Dazu aber durchaus auch humorvoll… ;)

        Gefällt 1 Person

      1. Öhm, ich möchte ja nicht sagen: „Frag nicht!“, aber frag nicht. ;-)

        Heute ist mein letzter Urlaubstag, technisch gesehen war das eigentlich schon der letzte Freitag, und morgen geht mein Arbeitsjahr wieder los. Wäre schön gewesen, wenn sich mein Urlaub auch wie ein solcher angefühlt hätte, das Universum war aber dagegen …

        Und selbst so? Im Juni fragen? ;-)

        Gefällt 2 Personen

          1. Hm, meine WP-Glocke tut es augenscheinlich mal wieder nicht … Guten Morgen erst mal. Nein, prickelnd ist es nicht, aber schlechter als letztes Jahr kann … ach, ich sags lieber nicht. ;-)

            Gut zu wissen, dass bei dir wenigstens auch positive Dinge zu vermelden waren. Ich frag dann halt in 5 Monaten nochmal … :-)

            Gefällt 1 Person

        1. Ha, da kann ich diesmal mithalten, denn ich habe in diesem Jahr ebenfalls exakt 4 Bücher gelesen. Aus den Autoren der Bücher könnte man eine Frage aus einem Intelligenztest machen: Welcher der folgenden Autoren passt nicht in die Reihe? Stefan Zweig, Albert Camus, F. Scott Fitzgerald oder John Katzenbach!? ;-) Bei mir klassikert es in literarischer Hinsicht in diesem Jahr vermutlich ganz erheblich. :-)

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.