„Die Republik“ von Maxim Voland

Buch: „Die Republik“

Autor: Maxim Voland

Verlag: Piper

Ausgabe: Hardcover, 528 Seiten

Der Autor: Hinter Maxim Voland verbirgt sich ein deutscher Bestsellerautor. Seine Werke – bereits international bekannt. Sein Spektrum – vielfältig. Sein Roman „Die Republik“ – ein faszinierendes Gedankenspiel: Was wäre, wenn die Geschichte anders gelaufen wäre?
Maxim Voland plant bereits weitere Romane. (Quelle: Piper)

Das Buch:Europa, 1949: Die neu gegründete DDR umfasst nach einem unglaublichen Coup das gesamte deutsche Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin. Gegenwart: Die DDR ist führende europäische Macht – ein hochmoderner Überwachungsstaat mit einem glücklichen Volk. So scheint es. Während internationale Agentenorganisationen im autonomen West-Berlin ihre Pläne schmieden, wird die DDR von einem furchtbaren Vorfall erschüttert: Über den Platz der Akademie zieht eine Giftgaswolke und fordert zahlreiche Tote. Ein Unfall? Ein Anschlag? Welche Macht steckt dahinter? Ein desillusionierter Stasi-Oberst, der französische Dolmetscher Christopher und die junge DDR-Bürgerin Alicia geraten in eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes, die das Ende Europas bedeuten könnte … (Quelle: Piper)

Fazit: Mit Romanen im Stile von Robert Harris oder auch Philip K. Dick, die alternative Geschichtsverläufe zum Thema haben, kann man mich wirklich gut kriegen, behandeln diese Romane häufig eben spannende Was-wäre-wenn-Szenarien, die auf mich als halbstudierten Historiker einen gewissen Reiz ausüben. Allerdings habe ich bei diesem Genre eben auch ziemlich genaue Vorstellungen, wie ein entsprechendes Buch zu sein hat und was es behinhalten sollte und was eben nicht. Daher scheitert „Die Republik“ bei mir leider an meinen Erwartungen, mag für andere Leser aber durchaus eine gute Wahl darstellen.

Meine Schwierigkeiten mit dem Buch begannen schon bei den Charakteren, insbesondere bei der Agentin Harper. Innerhalb recht kurzer Zeit schafft es der Autor, diese Figur als frustrationsintolerante Person darzustellen, bei der es schon mal vorkommen kann, dass ein sie auf ihre „niedlichen Sommersprossen“ ansprechender Kollege „mit einem Schlag wegen seines Machospuchs die Nase gebrochen“ bekommt (S. 28), eine Person, die einen gewissen Hang zur zwanglosen One-Night-Stand-Promiskuität aufweist und die ingesamt so gewollt edgy und unangepasst rüberkommt, dass es manchmal etwas albern wirkt. Das männliche Pendant zu dieser Figur hätten sensiblere Lesergruppen dem Autoren vermutlich um die Ohren gehauen. Aber darum geht es mir nicht, mir geht es lediglich darum, dass Harper keine überzeugende Figur darstellt.

In abgeschwächter Form gilt das auch für den Dolmetscher Chris, der den Eindruck einer typischen Fitzek-Hauptfigur macht, die unbedarft und unabsichtlich in eine gefährliche Handlung hineinstolpert. Überhaupt hatte ich bei der Lektüre von Maxim Voland durchgehend das Gefühl, ich lese einen Fitzek. Schauen wir mal, wenn die Identität von Maxim Voland irgendwann geklärt ist, ob ich recht hatte.

Lediglich der Stasi-Oberst Gustav Kuhn weiß zu überzeugen. Dieser hat vom Regime die Nase voll und will beim Einsetzen der Handlung eigentlich rübermachen. Seine Hintergrundgeschichte ist schlüssig, seine Motive nachvollziehbar und insgesamt kann er bei mir durchaus Smypathiepunkte sammeln.

Ähnlich wie bei den handelnden Personen erging es mir auch in stilistischer Hinsicht, nur in abgeschwächter Form. Im Grunde kann man Maxim Voland hier wenig Vorwürfe machen, denn das Buch ist in einem äußert lesbaren Ton formuliert, von dem ich persönlich mich allerdings ein wenig unterfordert fühlte. Darüber enthielt das Buch aus meiner Sicht auch zu viele simple pew-pew-Schießereien, inklusive permanenter, für mich etwas befremdlicher Erwähnung der dabei verwendeten Schießeisen, bei denen es dann beispielsweise heißt „Die leblosen Körper der Männer und Frauen dampften in der Winterkühle, Blut sickerte über den Boden; zerplatzte Gedärme lagen wie Girlanden zwischen den Toten“ oder auch „Keuchend glitt er bäuchlings durch den Belag aus Blut, Dreck und Exkrementen und rutschte bis an die Kante; der stinkende, warme Dampf aus den Leichen gab ihm Deckung. Es roch wie in einer Schlachterei.“ (S. 314 und 315). Nun mag es zweifellose Leser geben, die diese eher rustikale Art der Darstellung mögen, nur gehöre ich nicht dazu. Insgesamt gilt für den stilistischen Bereich aber eindeutig, dass er eben Geschmackssache ist. Meiner wurde halt leider nicht getroffen.

Abseits von Charakteren und Stil lebt ein Buch wie „Die Republik“ natürlich in erster Linie von seiner Handlung und seinem Setting. Und hier kann der Roman erfreulicherweise am meisten punkten, auch wenn es trotzdem Anlass zur Kritik gibt. Zum einen ist die Handlung durchweg spannend, ideenreich und temporeich erzählt. Zum anderen ist das Setting als solches zwar ebenfalls spannend, auch weil immer die Frage im Raum steht, wie es denn überhaupt zur Übernahme des gesamten bundesdeutschen Gebiet durch die DDR kommen sollte, bzw. warum die Alliierten diesen Gebietsanspruch so widerstandlos geschehen ließen. Leider wird dieses Setting dann aber zu wenig mit Leben gefüllt, im Grunde besteht der Unterbau das Handlungsrahmens häufig lediglich in einer Art Namedropping von DDR-Begriffen wie der Hotelkette Interhotel. Einerseits hätte ich mir hier ein wenig mehr Unterbau für das Setting gewünscht, zum anderen muss erwähnt werden, dass die Art und Weise wie, bzw. wann, die oben genannte Frage nach dem Usprung des Settings beantwortet wird, aus meiner Sicht fast schon ein bisschen frech ist. Das mag bewusst so entschieden worden sein, erweckt aber leider den Eindruck, als wäre Maxim Voland bis zum Abschluss des Buches keine schlüssige Begründung für sein Setting eingefallen, als hätte man diese dann erst während es Lektorats drangeflanscht. Natürlich möchte und würde ich niemandem unterstellen, dass das wirklich so abgelaufen ist, ich sage nur wie es auf mich als Leser wirkt. Und auf mich wirkt diese Vorgehensweise eben eher unglücklich. Ein bisschen so also würde man die Identität des Mörders in einem Krimi beiläufig in der Danksagung kundtun.

Insgesamt hatten Maxim Voland und ich also wenig Glück miteinander. Das muss aber natürlich nicht heißen, dass es anderen Leserinnen und Lesern nicht vollkommen anders gehen könnte. Wer also auf eine wilde Mischung von Robert Harris, John le Carré und Fredrick Forsyth steht, dürfte mit „Die Republik“ sein Glück finden. Ich persönlich war leider eher enttäuscht.

Ich bedanke mich beim Piper Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Demnächst in diesem Blog: „Alphavirus“ von Peter Georgas-Frey.

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12 Kommentare zu „„Die Republik“ von Maxim Voland

  1. Es gab vor 6 oder 7 Jahren mal ein feature im WDR3-Radio mit dem Szenario, dass die DDR auf einer riesigen Erdölblase sitzt und sich damit alle Verhältnisse zwischen Ost- und Westdeutschland umkehren. Da die Autoren nur 55 Minuten zwischen den Nachrichtenblöcken hatten, mussten sie sehr konzentriert vorgehen

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  2. Hm…..ob ich mir deine Rezension ohne die Zitate wohl einfach kopieren darf? :-D Nein, natürlich nicht.
    Ich muss gestehen, das Buch hat mich stellenweise so angenervt, dass ich es abgebrochen habe auf Seite 270. Auf der einen Seite war es super actionreich, was ich in Büchern eher langweilig finde und durch die teilweise ewig unnötigen Ausführungen, fand ich es super langweilig. Nicht mal die eingebauten Lacher konnte ich noch lustig finde. :D Da hab ich sogar mehr Freude an einem Fitzek und die finde ich meistens auch nicht überzeugend.

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    1. Öhm, naja, äh … nein!? ;-) Ich fürchte, du musst deinen Unmut schon selbst in eigene Worte fassen. ;-) Ich kann verstehen, dass man diese Lektüre abbricht.

      Übrigens: Welche eingebauten Lacher!? Muss an mir vorbeigegangen sein … ;-)

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      1. Ich dachte es sollte lustig sein, als Harper zu ihrem Chef kommt, sie Tee und Whisky will, er aber so cool sagt, dass er nur letzteres vorbereitet hätte. Die Szene blieb mir nämlich so im Gedächtnis, weil es für mich so der Moment war, in dem ich beschlossen habe, dass ich es mit dem Buch nicht mehr so lange aushalte. 😂

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