„Wer auf dich wartet“ von Gytha Lodge

Buch: „Wer auf dich wartet“

Autorin: Gytha Lodge

Verlag: Hoffmann und Campe

Ausgabe: Taschenbuch

Die Autorin: Gytha Lodge ist eine britische Schriftstellerin und mehrfach ausgezeichnete Theaterautorin. Sie studierte Englische Literatur in Cambridge und Kreatives Schreiben an der University of East Anglia. Ihr Krimidebüt Bis ihr sie findet war international ein großer Erfolg und stand in Deutschland viele Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. (Quelle: Hoffmann und Campe)

Das Buch:  Abends, kurz vor elf. Aidan loggt sich ein, um mit seiner Freundin Zoe zu skypen. Doch als die Verbindung steht, sieht er nur ihr leeres Zimmer. Dann einen Schatten. Ist Zoe etwa nicht allein? Hilflos muss Aidan mitanhören, wie im Hintergrund gekämpft wird. Bis schließlich Stille herrscht… Als DCI Jonah Sheens und sein Team von der Kriminalpolizei Southampton Stunden später Zoes Wohnung betreten, finden sie die Leiche der jungen Frau. Was hat Aidan dazu gebracht, so lange zu zögern, bis er die Polizei gerufen hat? Und warum kannte er die Adresse seiner Freundin nicht? Niemand aus Zoes großem Freundeskreis weiß etwas Schlechtes zu sagen über die hilfsbereite junge Künstlerin. Tatsächlich scheinen sehr viele Menschen auf Zoes Unterstützung angewiesen gewesen zu sein. Schon bald stoßen die Ermittler auf ein Geflecht aus Abhängigkeiten, dunklen Geheimnissen und Missgunst. Verdächtige gibt es genug – doch wessen Motiv ist mörderisch genug? (Quelle: Hoffmann und Campe)

Fazit: Durch eine Rezension der zauberhaftesten aller Bloggerkolleginnen wurde ich seinerzeit auf Gytha Lodges Debütroman „Bis ihr sie findet“ aufmerksam, welcher mich nachhaltig beeindruckt hat. Nur umso verständlicher ist es wohl, dass ich den zweiten Fall rund um Ermittler DCI Jonah Sheens nicht ungelesen an mir vorbeigehen lassen konnte. Und das war eine wirklich kluge Entscheidung.

Denn eben jene Zoe, ja, eigentlich das gesamte Charakterensemble sowie dessen Konstellation zueinander, und ihre Entwicklung machen einen Großteil dessen aus, was diesen Krimi so lesenswert macht. Sinngemäß heißt es auf dem Buchrücken, Gytha Lodge würde ihre Figuren im Buch platzieren wie die Spielfiguren auf einem Schachbrett. Und ich finde diesen Vergleich sehr treffend. Stück für Stück lässt sie – um im Bild zu bleiben – ihre Figuren ihre Züge machen, wodurch immer wieder eine neue Spielsituation entsteht. Bezogen auf den Roman hat man also – zumindest mir ging das so – immer wieder neue Verdächtige und neue Vermutungen. Ich war beispielsweise irgendwann so ab Mitte des Buches absolut felsenfest davon überzeugt, dass ich bereits im Prolog auf einen unwiderlegbaren Hinweis zur Täterschaft gestoßen bin und ich rückte, egal wie viele Gegenbeweise es gab, bis zum Ende des Buches auch nicht mehr von meiner Vermutung zur Täterschaft ab, nur um dann mit dieser Vermutung eine krachende Bauchlandung hinzulegen. Täter raten kann ich halt einfach nicht … Die Auflösung selbst empfand ich als, sagen wir mal erzählerisch hinterhältig, aber nachvollziehbar.
Aber nicht nur die Interaktion der Charaktere – die übrigens, das sei hier nur kurz erwähnt, wie schon im Reihenauftakt netterweise im Buchumschlag nochmal kaurz aufgeführt sind – überzeugt vollständig, auch die Charaktere selbst sind nachvollziehbar dargestellt, wenn sie auch alle ein bisschen „obendrüber“, ein bisschen überzeichnet sind. Allen voran sei hier Zoe genannt, die innerhalb ihres Freundeskreises eine Mischung zwischen der Schweiz und Mutter Teresa zu sein scheint, die also niemandem zu nahe treten will, immer möchte, dass alle zu ihrem Recht kommen und die bis zur persönlichen Selbstaufgabe hilfsbereit erscheint. Erfahrungsgemäß ist es mittelfristig um das Nervenkostüm solcher Menschen nicht gut bestellt … Und auch wenn sowohl das Mordopfer als auch die Verdächtigen für mich zu den besseren Charakteren des Buches gehören, vernachlässigt die Autorin auch ihr Ermittlerteam nicht, das die Leserschaft ja nun mutmaßlich über mehrere Teile begleiten soll.
Im stilistischen Bereich lässt sich abseits des eigentlichen Aufbaus des Buches ebenfalls nicht viel kritisieren, deswegen kann ich mich in dieser Hinsicht recht kurz fassen. Lodge ist nach wie vor in der Lage, auf beeindruckende Weise Stimmungen zu erzeugen und erzählt insbesondere hinsichtlich der Dialoge vergleichsweise lebensnah.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Lodges zweites Buch allen passionierten Krimileserinnen und -lesern gefallen dürfte, die gerne vergleichsweise unblutige Krimis mit spannender Figurenkonstellation lesen. Und ausnahmsweise lehne ich mich mal weit aus dem Fenster, indem ich behaupte: Allen Leserinnen und Lesern, denen bereits „Bis ihr sie findet“ gefallen hat, werden mit hundertpozentiger Sicherheit auch an „Wer auf dich wartet“ ihre Freude haben.
Demnächst in diesem Blog: „In zwangloser Gesellschaft“ von Leonhard Hieronymi.

18 Kommentare zu „„Wer auf dich wartet“ von Gytha Lodge

  1. Ähm. Ich habe von der Dame gefühlt noch nie was gehört, und „Gytha“ gehört für mich auf die Scheibenwelt …
    Allerdings erinnerte ich mich, das Cover des ersten Buches schon mal gesehen zu haben, also irre ich mich einfach. Da ich bei dieser schönen Gelegenheit dann auch gleich überprüft habe, ob die Bücherhallen die Dame führen (jawohl, sehr erfreulich), kann ich dir sagen, dass ich es zum Lesen vorgemerkt habe. Wann auch immer das sein wird 😁
    Montagabendgruß 😁🌞🍷👍

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    1. Das freut mich sehr. Für den Fall der wann auch immer beginnenden Lektüre wünsche ich dann schon mal vorsorglich viel Vergnügen.

      Gytha in Verbindung mit der Scheibenwelt musste ich jetzt googeln … ich lese nur alle Jubeljahre mal Pratchett … ;-)

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  2. Hach….. ich brauchte ein wenig, bis ich mich angesprochen fühlte. Dann aber zog ich befremdlich Blicke auf mich, weil ich breit grinsend durchs Zimmer hoppste😚😂 bedankt.
    Von Herzen! Auch dafür, dass du mich auf dieses buch aufmerksam gemacht habe – das ist komplett an mir vorbei gegangen. Dann mache ich mal fix auf zum Buchladen 😚🙈

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          1. Ja … genau das meine ich. Die Hälfte davon kann ich in meinem Alter nicht mehr genau erkennen und von der anderen Hälfte weiß ich nicht, was sie mir sagen sollen … ;-)

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          2. Hm….ich denke…. abalysiere…bin geschickt/überrascht….. schaue dich mit grossen Rehaugen an…. sage lieber nichts mehr…. hoffe, du weisst, dass das hier Spass ist …. und freu mich, dass ich etwas verrückt bin. ..
            Jetzt alles klar?🌞🐳

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    1. Dass du länger brauchtest – trotz einer Formulierung, mit der ich eigentlich immer dich meine -, liegt bestimmt daran, dass heute Montag ist. :-) Und viel Vergnügen beim Hopsen, befremdliche Blicke hin oder her.

      Und ja, ich dachte mir, dass dieses Buch für dich von Interesse sein dürfte. Na, dann freu ich mich – und die Menschen im Buchladen deines Vertrauens auch. :-)

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