„Agathe“ von Anne Cathrine Bomann

Buch: „Agathe“

Autorin: Anne Cathrine Bomann

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 156 Seiten

Die Autorin: Anne Cathrine Bomann, geboren 1983, arbeitet als Psychologin. Sie lebt in Kopenhagen mit ihrem Freund, einem Philosophen, und dem Hund Camus. Eine Saison lang spielte sie Tischtennis in Fontenay-sous-Bois, einem Vorort von Paris. Dort lebte sie in der 9, Rue des Rosettes, genau wie die Hauptfigur aus »Agathe«. (Quelle: Random House)

Das Buch: Ein alternder Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis für immer hinter sich schließen. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Und die Gespräche mit Agathe verändern alles für ihn. Ist es jemals zu spät, um Nähe zuzulassen? (Quelle: Random House)

Fazit: Zugegeben, bei „Agathe“ handelt es sich jetzt nicht um die im Rahmen meiner letzten Rezension in Aussicht gestellte „abgedrehte Science-Fiction“. Vermutlich könnte sogar kaum ein Buch weiter davon entfernt liegen als „Agathe“. Aber ich habe kurzerhand beschlossen, erst über die mir zur Verfügung gestellten schon gelesenen (und noch ungelesenen) Rezensionsexemplare zu schreiben. Die Science-Fiction läuft dann schon nicht weg. Das nur zur Vorrede, wenden wir uns nun Anne Cathrine Bormanns Roman zu.

In dessen Handlung befinden wir uns im Frankreich der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Protagonist des Buches ist ein auf die Pensionierung zusteuernder Psychiater. Dieser hat anscheinend aber schon vor geraumer Zeit die Lust an seiner Tätigkeit verloren, nimmt seine Patienten – in manchen Fällen auch vollkommen zu recht – nicht im Geringsten mehr ernst, sehnt sich daher seinen Ruhestand herbei und zählt die Tage, Patienten, Sitzungen, die ihm bis dahin noch bevorstehen. „Die Zeit lief durch mich hindurch wie Wasser durch einen rostigen Filter, den niemand Lust hat zu wechseln“, sagt er denn auch auf Seite 18.

Andererseits bringt ihn der anstehende Ruhestand in ein nicht unbedeutendes Dilemma, denn so richtig weiß der Protagonist gar nicht, was er zukünftig mit seiner Zeit anfangen soll. Im Wesentlichen verbringt er seine spärliche Freizeit bislang allein zu Hause, da er keine Familie hat und auch so etwas wie ein Freundeskreis scheint nicht zu existieren. Und dort hört er dann gerne klassische Musik, denn „abgesehen von einem unkultivierten Interesse an klassischer Musik, lag mir wenig mehr am Herzen als guter Tee und der Anspruch, meine Arbeit ordentlich zu erledigen.“ (S. 68)

In dieser Situation tritt die titelgebende Agathe auf den Plan. Sie möchte eine Therapie bei ihm beginnen, er lehnt aber mit Hinweis auf seinen baldigen Ruhestand und die überschaubare Anzahl bis dahin möglicher Termine ab. Aber Agathe ist anders als seine anderen Patienten. Sie ist, laienhaft und uneuphemistisch ausgedrückt, ein schwerwiegender Fall, hat Aufenthalte in geschlossenen, pychiatrischen Einrichtungen hinter sich und neigt dazu, sich physisch selbst zu verletzen. Und vor allem lässt sie sich nicht abwimmeln. Schließlich gibt der Psychiater nach.

In der Folge entspannt sich ein feines Zusammenspiel zwischen den beiden Charakteren, das dazu führt, dass der Protagonist seinen bisherigen Lebenswandel zu überdenken beginnt und das daher schon sehr bald die Frage aufwirft, wer hier eigentlich wen therapiert.

Und sehr viel mehr lässt sich über den schmalen Band auch nicht sagen, ohne zu viel zu verraten oder selbst die Wortzahl des Buches zu überschreiten.

„Agathe“ ist eines jener Bücher, die sich gut an einem regnerischen Nachmittag lesen lassen – was ich weiß, weil ich genau das getan habe – und die einen mit einem durchaus wohligen, angenehmen Gefühl zurücklassen. Bomanns Roman ist Wohlfühlliteratur im besseren Sinne, streift den Kitsch hier und da nur hauchzart und wer beispielsweise Bücher von Paulo Coehlo mag, der wird auch hier vermutlich auf seine Kosten kommen.

Und das ist alles, was ich darüber sagen kann. :-)

Demnächst in diesem Blog: „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ von Oliver Hilmes.

8 Kommentare zu „„Agathe“ von Anne Cathrine Bomann

  1. Hallo,

    Ah, Du hast auch die Agathe gelesen. Es stimmt, Agathe ist anders als die anderen Patienten des Psychiaters. Ich fürchte, ich habe in meiner Rezension zu Agathe die Wortanzahl des Buches fast überschritten 😉 Grüße

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    1. Zumindest geht deine Rezension, die mir, nebenbei bemerkt, sehr gut gefallen hat, im Hinblick auf Agathe und insbesondere auf den Therapeuten sehr viel mehr in die Tiefe als meine. Ich habe diese Tiefe aber bewusst gescheut, weil aus meiner Sicht ein bisschen der Zauber des Büchleins verloren geht, wenn man zu viele inhaltliche Details beleuchtet. :-)

      Liebe Grüße zurück

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    1. Kann ich verstehen, auch wenn ich selbst ihn „nur“ unter „gut“ einsortieren würde. :-) Ich glaube, das ist auch eine Frage davon, wie sehr man sich in diesem Moment auf ein derartiges Buch einlassen kann.

      Gefällt 1 Person

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