Montägliche Freitagsfragen # 103

Freitagsfragen Sommer

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

bereits zu Beginn des viel zu früh verschiedenen, letzten verlängerten Wochenendes wurden im Brüllmausblog erneut die Freitagsfragen gestellt. Nun habe ich mir einfach mal die Freiheit genommen, die Blogosphäre für einige Tage Blogosphäre sein zu lassen und schreite erst mit mehrtägiger Verspätung zur Beantwortung der Fragen. Es wird übrigens ein vergleichsweise langer Text, ich sags nur vorher … Auf gehts, die Fragen und Antworten lauten:

1.) Maifeiertag! Hat er eine Bedeutung für Dich?

Nein, eigentlich nicht. Aber offensichtlich geht es vielen Menschen da anders, nur so ist zu erklären, warum sich in München, Hamburg oder Berlin Hunderte von Menschen ums Verrecken – und das ist kein zynischer Wortwitz – nicht davon abhalten lassen wollten, ihr Demonstrationsrecht auszuüben. Und während das in München noch weitgehend gesittet ablief, war das in Berlin und insbesondere natürlich wieder mal in Hamburg etwas anders.

Ich verstehe es tatsächlich nicht so wirklich.

Berlins Innensenator Geisel sprach in dem Zusammenhang von „schlichter und geballter Unvernunft“. Für mich persönlich geht das allerdings über Unvernunft weit hinaus und mehr in Richtung vorsätzlicher Dummheit.

Er sprach darüber hinaus davon, dass unter den Demonstranten offensichtlich „eine ganze Menge erlebnisorientierter Menschen“ gewesen seien. Na, wenn es diesen Menschen um Erlebnisse geht, dann hätte ich da einige Ideen. Eine Gefängniszelle für eine Nacht von innen sehen, soll ja ein recht eindrückliches Erlebnis sein. Ein anderes wäre gemeinnützige Arbeit zum Mindestlohn, der diesen Herrschaften natürlich nicht ausgezahlt wird, sondern dazu genutzt wird, die Kosten für den Polizeieinsatz, die Straßenreinigung, den Schadenersatz für die abgefackelten Mülltonnen, Autos und sonstiges anderer Leute Eigentum, und alles was sonst noch so anfällt, zu decken.

Ja, ich bemühe mich zusehends, Hinter- und Beweggründe von Menschen zu verstehen, die dazu geführt haben, dass sie tun, was sie eben tun. Aber Verständnis hat eben auch Grenzen.

Die mit Bierflaschen ausgestatteten Jungspunde, die man auf Fotos der Demos so sieht, sind offensichtlich alt genug zum Saufen, dann sind sie auch alt genug, die Tragweite ihres Handelns zu verstehen. Und nur, weil die ärgsten Konsequenzen für jegliche Art unangebrachten Verhaltens dieser Jungspunde mutmaßlich bislang darin bestanden, auf ihr Zimmer oder ohne Abendessen ins Bett geschickt zu werden, im schlimmsten Fall vielleicht darin, das Shirt mit Blumenprints am nächsten Schultag in der Montessori-Schule nicht tragen zu dürfen, heißt das ja nicht, dass man sie nicht tatsächlich mal mit den Folgen ihres Handelns konfrontieren dürfte.

2.) Wie war Dein April und worauf freust Du Dich im Mai?

Mein April war … erschreckend ereignislos. Und ich vermute, dass das nicht nur mir so geht. Da viele Menschen nach wie vor maximal zum Einkaufen das Haus verlassen, beginnt man, rund um seinen Einkauf abendfüllende Erzählungen zu spinnen, beispielsweise wie man auf dem Weg von der Fleisch- an die Käsetheke dem Hausmeister seiner alten Schule begegnet ist. Ein epochales Ereignis! Ein fiktives ebenfalls, ich wollte nur verdeutlichen, dass in der meisten Menschen Leben derzeit wohl vergleichsweise wenig Berichtenswertes passiert.

Anderswo ist das anders. Sehen wir mal nach:

Wie befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer sich in alkoholinduzierter, aufgeräumter Stimmung in seinem Büro befindet und singt, was seinen Assistenten und Prokuristen Lübke auf den Plan ruft.

„Jooohnny Walker, Du hast mich nie enttäuscht. Johnny, Du bist mein bester Freund. Hicks.“

„Chef?“

„Aaaah, Lübke, wie schön, dass sie da sind!“

„Mit Verlaub, Chef, aber … trinken Sie?“

„Jepp!“

„Aber … es ist gerade mal acht Uhr morgens durch …“

„Na und? Manchmal ist es zum Trinken nie zu früh. Kommen Sie, setzen Sie sich, nehmen Sie sich ein Glas, heute wird nicht gearbeitet.“

„Ja, aber was ist denn los?“

„Wir sind am Arsch, Lübke, das ist los!“

„Inwiefern?“

„Na, wir sind pleite! Konkurs! Insolvent, zahlungsunfähig, illiquide, bankrott, ruiniert. Aus die Maus, Ende Gelände, Tschö mit ö, Schicht im Schacht, Schluss im Bus, Ruhe in der Truhe, das war´s, Lars …“

„Zugegeben, ich habe die aktuellen Quartalszahlen gesehen …“

„Na, dann wissen Sie ja, was ich meine. Dieser Klopapier-Deal …“

„Ich habe Ihnen von Anfang an gesagt, dass …“

„Ja, ja, hinterher hat man es immer vorher gewusst, schon klar. Das hilft mir nicht, Lübke! Dabei klang die Idee doch so gut: Wir kaufen über Mittelsmänner sämtliche Klopapier-Bestände, die wir bekommen können, schüren so einerseits die Panik und andererseits den Bedarf. Die Klopapier-Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr hinterher, weil die Menschen weniger Altpapier produzieren – und dann, wenn die Menschen aus lauter Verzweiflung schon bereit sind, sich eine Geigenfeige zu kaufen, um die Blätter fremd zu entzwecken, äh, zweckzuentfremden, dann …“

„Eine was?“

„Eine Geigenfeige. Ficus lyrata. Schnauze, weiter im Text! Dann also kommen wir aus der Hecke gesprungen und sagen: WIR haben noch Schachtpappe! Und alles, was wir dafür wollen, ist die Weltherrschaft! Ich sage Ihnen, Lübke, die hätten uns die Weltherrschaft mit Kusshand gegeben. Aber dann …“

„Tja, dann ist die Klopapierproduktion wider Erwarten nicht komplett zusammengebrochen. Und jetzt stehen wir da …“

„Mit Kosten für Klopapier in Millionenhöhe. Ich habe immer noch keine Ahnung, was ich dem Rechnungswesen sagen soll, wie sie das verbuchen sollen.“

„Liebhaberei?“

„Bei Klopapier? Das glaubt uns das Finanzamt nie.“

„Einen Versuch ist es wert.“

„Ich hab zwar keine Hoffnung, aber: Versuchen Sie ihr Glück. Sonst noch was?“

„Ja, ich habe in Zusammenarbeit mit der Marketing-Abteilung ein Konzept entwickelt, das uns retten könnte!“

„Und das sagen Sie erst jetzt! Details, Lübke, sofort!“

„Nun, wir orientieren uns an der Pharmaindustrie.“

„Inwiefern?“

„Na, während der deutsche Staat beispielsweise im Jahr 2018 insgesamt 104,8 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben hat, sehen die Pharmaunternehmen Kosten für Forschung und Entwicklung jetzt nicht als soooo unbedingt nötig an. Eine Studie der Uni Harvard ergab, dass von den 100 größten Pharmaunternehmen 89 mehr für Marketing ausgeben als für Forschung und Entwicklung. 58 dieser Unternehmen sogar dreimal so viel, 27 Firmen tatsächlich zehnmal so viel. Die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente, die den Menschen zugute kommen, müssen offensichtlich eher vom Staat – und damit von diesen Menschen selbst – aufgebracht werden. Vielleicht gäbe es sonst auch bald keine neuen Antibiotika mehr, die Pharma-Riesen Novartis, Sanofi, AstraZeneca und zuletzt Johnson & Johnson haben sich bereits aus der Entwicklung neuer Antibiotika verabschiedet und …“

„Lübke, kommen Sie zum Punkt oder lassen Sie mich trinken!“

„Verzeihung. Also: Wir orientieren uns an der „Marketing-ist-alles-Pharmaindustrie“.“

„Und?“

„Und wir rufen eine Preisverleihung ins Leben. Wöchentlich.“

„Und dann?“

„Dann? Na, dann sind wir im Gespräch. Wöchentlich. Das ist Marketing! Wer wöchentlich im Gespräch bleibt, der ist in, zieht Kunden an, macht Umsätze und letztlich wieder Gewinne.“

„Lübke, die Idee ist total dämlich!“

„Dämlicher als der Klopapier-Deal?“

„Punkt für Sie! Also, Preisverleihung. Wofür? Und wie soll der Preis heißen?“

„Na, wir vergeben den Preis wöchentlich an die Person oder Personengruppe, die in dieser Woche das Dümmste und/Menschenverachtendste gesagt oder getan hat.“

„Passt zu unserer Unternehmensphilosophie!“

„Eben!“

„Und wie soll das Ding heißen?“

„Na, ich dachte ja erst an „Kackbratze der Woche“, aber das klingt wenig verkaufsfördernd. Wir nennen das Ding die „Steile These in gold“.“

„Sen-sa-tio-nell!“

„Ja, oder!?“

„Ja, aber: Kommen denn da in nur einer Woche genug Nominierungen zusammen?“

„Aber hallo! Wir haben gerade die Nominierungsphase abgeschlossen und haben schon jetzt mehr als genug Kandidaten aus der letzten Woche. Die Nominierten bis jetzt sind Wolfgang Schäuble für „Aber wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig.“ und für „Wir sterben alle.“, Christian Linder, angesprochen auf die Lockerung der Corona-Beschränkungen, für „Die Dankbarkeit hält sich in Grenzen, weil die Einschränkungen der Freiheit insgesamt nicht mehr verhältnismäßig sind und mögliche Öffnungen verzögert werden.“, Boris Palmer für „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“ oder die 5.000 Bekloppten, die in Stuttgart gegen die Corona-Beschränkungen und für ihre Grundrechte demonstriert haben bei einer Veranstaltung, die von einem IT-Unternehmer organisiert wurde, dessen Firma eine App für Eltern zur Ortung ihrer Kinder entworfen hat – Realsatire in meinen Augen – und auf der ein gewisser Ralf Ludwig auftrat, Mitglied der neu gegründeten Partei „Widerstand 2020″, und der die Leute bei der Kundgebung aufforderte, sich generell und im Falle der Entwicklung eines Impfstoffs nicht impfen zu lassen. Von sich dort tummelnden Verschwörungstheoretikern und Menschen, die sich ernsthaft in einer Diktatur wähnen, mal ganz abgsehen.“

„All das in nur einer Woche?“

„Jepp.“

„Beängstigend. Egal. Und wer wählt nun den Sieger aus?“

„Nun, Sie natürlich.“

„Oh, wie nett. Tja, dann … Schäuble ist raus, der hat im selben Interview auch kluge Dinge gesagt. Dass Lindner Unfug redet, ist auch nichts Neues, der ist auch raus. Die 5.000 Idioten finde ich tatsächlich beängstigend, denen sollte man aber in erster Linie ärztliche Hilfe und keine Preise zukommen lassen, nachher glauben die noch, die hätten etwas richtig gemacht. Also, meine Stimme geht an Palmer.“

„Gute Wahl. Ich gebe dann mal und bereite die Preisverleihung vor.“

„Machen Sie´s so! Und: Gute Arbeit, Lübke.“

„Danke.“

„Jooohnny Walker, immer braungebrannt. Jooohnny Walker, mit dem Rücken an die Wand …“

 

3.) Wie ist Deine aktuelle Stimmung?

Ein Teil dieser Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern. Hach, den wollte ich immer schon mal wieder bringen. :-)

Nein, aber mal im Ernst, kein Grund zur Sorge. Ich bewege mich stimmungsmäßig nicht zwischen Axt und Benzin, sondern eher zwischen glazialem Gleiten und Kontinentaldrift, will sagen, alles kommt mir derzeit sehr lange, langsam und in der Folge langweilig vor. Ja, man könnte sagen, dass ich mich derzeit häufig eher langweile.

Als passioniertem Leser mit umfangreichem Stapel ungelesener Bücher sollte mir dieses Gefühl unbekannt sein, aber nicht mal zum Lesen kann ich derzeit so richtig Begeisterung aufbringen.

Aber ich denke, das gibt sich. Spätestens, wenn im Laufe der Woche das Wetter wieder besser wird.

4.) Die Wahl der Qual: Eine Woche ohne Salz kochen müssen oder eine Woche lang nur Bohnen essen dürfen?

Nun, dass man ohne Salz kochen muss, bedeutet ja nicht, dass man anschließend nicht nachwürzen darf, oder!? :-) Falls doch, würde ich trotzdem die salzarme Kost wählen, kein Verdauungstrakt sollte dazu gezwungen werden, sich eine Woche lang nur mit Bohnen beschäftigen zu müssen.

 

Das war es dann auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen guten Start in die Woche.

Bleibt gesund.

Gehabt euch wohl.

 

18 Kommentare zu „Montägliche Freitagsfragen # 103

  1. Ich hatte Geburtstag, viel zu Hause gewesen und die Zeit richtig gut genutzt wegen dieser Ausnahmesituation. Der Mai war hervorragend und ich wünsche euch einen schönen Start in den Juni und diese letzte Mai Woche
    Liebe Grüße Manuela

    Gefällt 1 Person

  2. Ich gebe zu, es wäre schwieriger gewesen, da auch noch „Katamaran“ unterzubringen, aber kann ich die Preisverleihung dann bitte als Etüde bekommen????? Büüüttttttöööö? 😏😁
    Danke, sehr gelacht. Schöne Woche dir.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁☕👍🌞

    Gefällt 2 Personen

    1. Das ist gar keine so schlechte Idee … Auch wenn ich dann natürlich Vorkenntnisse hinsichtlich der handelnden Personen bei der Leserschaft voraussetzen müsste, um nicht unnötig Worte für deren Einführung zu verballern. :-)

      Der Dank ist wie immer ganz meinerseits. Es freut mich, wenns gefällt.

      Gefällt 2 Personen

  3. Ja, für Palmer hätte ich auch gestimmt… ansonsten befürchte ich, dass du auch in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren keine Schwierigkeiten haben wirst, diesen Preis zu verleihen (geiler Name übrigens)…
    Mecker nicht über Langeweile – du weisst, es gibt Schlimmeres 😉
    Und wie immer ein Dank für das Lächeln in meinem Gesicht.😁
    Hab eine gute Woche🌧☔✍🌞🌼🍪🌻🎈

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, Palmer ist meilenweit über sein Ziel hinausgeschossen, welches auch immer das war … und Mangel an Nominierungen wird es tatsächlich nicht geben, das ist ja das Schöne an dieser Idee – man kann inhaltlich immer wieder darauf zurückkommen, gerade wenn einem sonst nichts einfällt … ;-)

      Und ich meckere nicht, ich nörgele. Das ist ein elementarer Unterschied! Meckern ist: „Früher war alles besser!“, nörgeln ist substanzloses „Mimimi …“ :-)

      Der Dank, nämlich der fürs Lesen, ist ganz meinerseits.

      Auch Dir eine schöne Woche.

      Gefällt 2 Personen

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