abc.Etüden KW 17/18 II

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

aus Gründen der Aktualität hätte ich eigentlich schon gestern schreiben müssen. Gestern war aber auch schönes Wetter aktuell. Da musste ich eine Entscheidung treffen. Aber da Entrüstung eigentlich kein Verfallsdatum hat, geht es heute mit der nächsten Etüde weiter. Die Etüden werden, wie gehabt, von Christiane organisiert, die Wortspende  hat Myriade beigesteuert.

 

„Guten Morgen.“

„Gut ist heute morgen gar nichts. Nicht mal der heutige Kalenderspruch.“

„Der lautet?“

Kleine Freuden sind die Blumen im Teppich des Lebens. Ich verabscheue Kalendersprüche. Und den Fatalismus des Herrn Schäuble, den verabscheue ich auch.“

„Was hat er getan?“

„Dem Tagesspiegel ein Interview gegeben.“

„Stimmt, da war was. Was hat er noch gleich gesagt?“

„Na, unter anderem: „Aber wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschränken sich gegenseitig. Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.“

„Oha.“

„Japp. Und: „Wir sterben alle. Und ich finde, Jüngere haben eigentlich ein viel größeres Risiko als ich. Mein natürliches Lebensende ist nämlich ein bisschen näher.“

„Oha.“

„Japp. Na gut, wir sterben alle. Wenn das so ist, lasst uns Airbags ausbauen und Antibiotika als Werkzeug des Teufels verbieten. Ist doch eh alles egal. Nehmen wir Drogen. Gehen wir bei rot über die Straße. Gehen wir raus und umarmen mal wieder Menschen.“

„Du wirst unsachlich.“

„Ja, und!? Die Stimmungslage im Land steht auf gläsernen Füßen. Meine Fresse, es stehen Menschen auf der Straße, die in zehnköpfiger Gruppenarbeit, wohlwollend gesagt, wohl in der Lage sind, nach etwa 20 Minuten Beratung zwei einstellige Zahlen zu addieren, und gröhlen: „Ich will mein Leben zurück.“ Wenn die so was lesen, fängt ihr Herz doch vor Freude an zu flattern. Und wenn die ihr Leben zurückfordern, fordere ich, auch mal unsachlich werden zu dürfen. Denn Schäuble hat unrecht. Indem man in erster Linie versucht, Menschenleben zu retten, rettet man auch die Würde eben dieser Menschen. Wenn ich im Flur eines überlasteten Krankenhauses dahinvegitiere, ist es mit meiner Würde nicht weit her.“

 

300 Worte.

28 Kommentare zu „abc.Etüden KW 17/18 II

    1. Oh ganz herzlichen Dank, und fröhliches Bergfest wünsche ich.

      Ich gebe allerdings zu, dass ich schon ganz zufrieden wäre, wenn es wenigstens mal eine Woche lang gar keinen Anlass zu einer Etüde gäbe. Nach dem was Boris Palmer gestern geblubbert hat, hätte ich eigentlich gleich die nächste schreiben müssen … :-)

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  1. Ich hätte das gerne, das er das wiederholt und zwar persönlich vor Eltern, die ein lungenkrankes Kind haben; jemand der Mitte dreißig Krebs hat und jemanden inkl. seiner liebenswerten aber halt schon 80jähringen Oma. Und dann will ich nochmal neu diskutieren. Grml.

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    1. Tja, aus Sicht eines diätenfinazierten Privatpatienten lässt sich die Situation vielleicht ruhiger betrachten, was weiß ich!? :-(

      Was mich am meisten ärgert, ist, dass Schäuble von Grundannahmen und Aussagen ausgeht, von denen nicht klar ist, wer die getätigt haben soll. Wenn er sagt. man könnte nicht „alles“ dem Schutz von Leben unterordnen, dann frage ich mich ernsthaft, wer das denn so gefordert haben soll und was denn dieses „alles“ bedeutet. Dass man jetzt nicht noch zwei Jahre lang die komplette Wirtschaft runterfahren kann, dürfte uns allen klar sein, das hat aber auch niemand gefordert.

      Oder hier: „Wir dürfen nicht allein den Virologen die Entscheidungen überlassen, sondern müssen auch die gewaltigen ökonomischen, sozialen, psychologischen und sonstigen Auswirkungen abwägen.“, hat er gesagt. Auch hier wieder: Das passiert doch auch gar nicht, oder hatten wir eine Revolution und die Herren Drosten, Kekulé und Wieler sind jetzt Bundespräsident, Bundestagspräsident und Kanzler, oder was!?

      Und das Allerschlimmste ist, dass er im selben Interview sogar Dinge sagt, die richtig klug sind! :-)

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      1. Das Problem scheint auch zu sein, dass er sich nicht traut zu sagen, dass er keine Ahnung hat. Niemand weiß so genau was richtig ist oder wie lange das dauert, aber das will niemand hören. Leute tätigen Pauschalaussagen immer dann, wenn sie keine Ahnung haben oder Angst. Manchmal ist es wohl besser still zu sein.

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  2. Noja. Nachdem ich sowieso nix mitbekomme, was da so rumgecovitiert wird, kann ich nur sagen, daß du eine Woche abgerissen hast in der Gültigkeit der aktuellen Etüderei und eine dazugetan, die es noch gar nicht gibt. Demnach kann die Realität nicht gar so schlimm sein und Herr Schäuble, den Namen hab‘ ich schonmal gehört, wird schon recht haben – in seiner Theorie der Einfaltsicht…
    Schöne Woche dir und allen anderen, die ebenfalls bereits diese als eine der Zukunft erleben dürfen.Hold on guys, Perry Rhodan is near !

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          1. Ach, das ist immerhin kreativ – mich nervt viel mehr die jährliche Falschzeitumstellung, die wir uns gefallen lassen müssen; und kaum jemand findet sie gut, zumindest in meinem Dunstkreis und der Eine der sie gut findet kapiert halt nicht, daß ihn niemand daran hindert, freiwillig eine Stunde früher aufzustehen, um die Vögel tirillieren hören zu können ;-) …

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          2. Ich gestehe, dass mir die Frage der Zeitumstellung vor dem Hintergrund drängender Probleme immer schon mehr oder weniger egal war und wohl auch weiterhin sein wird. Ich verbuche die Umstellung unter „Is´ eben so …“ :-)

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  3. Die Frage ist natürlich, ob die angesprochene/beschriebene Klientel fähig ist, den Tagesspiegel zu lesen und zu verstehen, und da zweifle ich. Aber natürlich weiß ich auch, dass es schon „Übersetzer“ geben wird. 😏
    Die Leute benehmen sich jetzt schon bescheuert, es wird mit Maske nicht besser werden, die Zahlen werden in die Höhe schießen. Nun. 😖
    Dir dennoch einen unverdrossenen Tag und eine gute Woche!
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🌞☕🍪👍

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    1. Deswegen wollte ich nach „Wenn die so was lesen“ noch ein „was sie natürlich nicht tun“ einfügen, aber da kam mir die Wortbegrenzung dazwischen.

      Kann man die allgemein mal zur Diskussion stellen? ;-)

      Und ja, die Zahlen werden wieder in die Höhe gehen, aber nach Schäuble ist das ja nicht schlimm, wir sterben doch sowieso alle … :-(

      Auch Dir noch einen schönen Tag und eine ebensolche Woche.

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      1. Kaffee noch nicht auf, viel Arbeit, die wartet, kurze Nacht, Montag morgen und manchmal reichen auch wenige Worte, um alles zu sagen. Aber gut: ich gebe dir voll und ganz recht und frage mich, warum es immer wieder Menschen gibt, gerade auch in höheren Positionen, auf die viele Menschen ihr Augenmerk richten, die solchen Bullshit von sich geben und damit Bewegungen fördern, die kein Mensch braucht. Ich danke dir deshalb sehr für diesen Text….. besser? 😗😁
        Sonst so? Siehe oben🙄 aber ganz gut. Und selber?

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        1. Ja, besser. :-) Aber ich hab Dich auch in wenigen Worten verstanden und habe für genannte Situation selbstredend vollständiges Verständnis.

          Selbst? Joah, geht. Ich hatte ein vergleichsweise arbeitssames Wochenende. Und ich fürchte, die Woche geht so weiter.

          Ich würde vorschlagen, wir trinken erst mal einen Kaffee …!? :-)

          Gefällt 1 Person

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