Gute Nachricht des Tages, 18. März 2020

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der geschätzte Bloggerkollege René hatte genug davon, dass es augenscheinlich nur noch schlechte Nachrichten in der Welt gibt und verbreitet jetzt in unregelmäßigen Abständen gute Nachrichten in selbiger. Ich persönlich finde das unterstützenswert, weswegen ich gelegentlich, so wie heute, helfend eingreife.

Während es René gelingt, Nachrichten ohne jeglichen Bezug zur aktuellen Krisensituation zu finden, haben meine momentan immer auch noch einen leichten Bezug dazu. Aber ich übe ja auch noch …

Die heutige gute Nachricht des Tages sind eigentlich gleich deren drei:

1. Heute ist Weltrecycling-Tag! Und vor dem Hintergrund, dass es derzeit möglich scheint, sehr einfach und unbürokratisch Gesetze zu erlassen, um Menschen, die die aktuelle Krise in existenzielle Schieflage bringt, zu helfen, erscheint es mir in meiner eigenen kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos ebenfalls möglich, die Bundesregierung mit genau der Argumentation der augenscheinlich einfach zu erlassenden Gesetze nach Überstehen der Situation dazu zu bringen, die Industrie zukünftig ebenso unbürokratisch und einfach zu verpflichten, nur noch Verpackungen aus nur einem Kunststoff zu produzieren, anstatt aus sieben verschiedenen, was das Recycling unmöglich macht.

Aber nicht nur die Industrie ist hierbei in der Pflicht. So hat die Stadt Kassel bereits letztes Jahr beschlossen, Biotonnen, in denen sich eine gewisse Menge „Fremdstoffe“ befinden, mit einer roten Karte zu versehen, und nicht zu leeren, bis die Fremdstoffe entfernt wurden. Hintergrund ist, dass von den jährlich etwa 11.000 Tonnen Biomüll, die die Stadt entsorgt, etwa 500 bis 600 Tonnen in der Verbrennungsanlage landen, weil man sie aufgrund der unsachgemäßen Entsorgung nicht recyclen kann. Das klingt nach nicht viel, sind aber immerhin noch so bummelig 5 Prozent.

Schlimmer sieht es bei den „Gelben Säcken“ bzw. bei der „Gelben Tonne“ aus. Eigentlich sind diese Kunststoffen, Metall und Verbundstoffen vorbehalten. Von den 2,6 Millionen Tonnen, die darin entsorgt werden, sind jedoch etwa 30 Prozent(!) nicht richtig entsorgter Restmüll.

Merke: Das beste Recyclingsystem nutzt nichts, wenn die Leute zu dämlich sind, es zu benutzen.

 

2. Die aktuelle Krise gibt die Möglichkeit, mal wieder etwas Gutes zu tun. Denn durch die asozialen, egozentrischen Hamsterkauf-Arschlöcher, die das Glück haben, dass ich mir trotz der frühen Stunde Mühe gab, sie mit der positivsten mir momentan möglichen Bezeichnung zu betiteln, sind in erster Linie die Tafeln in Schieflage geraten. Also die, die sich ohnehin um die Schwächsten der Schwachen kümmern. Allgemein wird Gustav Heinemann ja der Satz „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den schwächsten ihrer Glieder verfährt.“ zugeschrieben. Ich wüsste zu gerne, was er zu den Hamsterkäufern sagen würde, der Gustav …

Jedenfalls: Solltet ihr zu denen gehören, die kein unterirdisches Lager angelegt haben, in dem sie 14 Tonnen Nudeln, 37 Tonnen Mehl und 398 m³ Klopapier horten – Lager, die die Archäologen zukünftiger Generationen vor unlösbare Probleme stellen werden, sollten sie sie dereinst finden. Wahrscheinlich werden sie, die Archäologen, vermuten, dass unsere Gesellschaft, unsere Kultur auf kultischen Handlungen beruhte, bei denen Nudeln, Mehl und Klopapier eine Rolle spielen, weil Archäologen alles, was sie nicht umgehend verstehen, erst mal kultischen Handlungen zuschreiben. Ein Gedanke, der hier aber jetzt nicht weiter verfolgt werden soll, weil ich die Bilder kultischer Handlungen unter Einbeziehung von Nudeln, Mehl und Klopapier sonst niemals wieder los werde – solltet ihr also nicht zu diesen Leuten gehören und ein wenig mehr am Allgemeinwohl interessiert sein, dann lasst euch gesagt sein, dass die Tafeln sich derzeit über jede Spende freuen und sei sie noch so klein. Das muss im Übrigen nicht mal eine Dose Ravioli sein, nein, man freut sich auch über jede kleinste Geldspende, die zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs genutzt werden kann.

 

3. Wer sich derzeit in selbstgewählter oder verordneter „Isolationshaft“ befindet, oder wer jemanden kennt, der das tut, kann sich trotz dieses Umstands den Tag etwas heiterer gestalten, denn in der „Zeit“ erscheint momentan unter dem Titel „Der Quarantänetröster“ eine regelmäßige Kolumne, die sehr lesenswert ist und die die schlechte Laune vielleicht wenigstens für kurze Zeit vertreiben kann. Wer also immer schon mal wissen wollte, was eine Quarantäne mit Alpaka-Zucht zu tun hat, und warum es gut oder schlecht ist, einen Westflügel zu haben, der ist dort an der richtigen Stelle. Apropos richtige Stelle: An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die ganz zauberhafte Person, die mich gestern auf die Kolumne aufmerksam gemacht hat.

 

In diesem Sinne: Spread the word.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Weitermachen.

12 Kommentare zu „Gute Nachricht des Tages, 18. März 2020

  1. Danke für den Tipp mit dem Quarantänetröster, da schaue ich mal rein, denn ja, ich will wissen, was die Alpakas da zu suchen haben. Abgesehen davon werde ich versuchen das Bild von Archäologen aus dem Kopf zu bekommen, die sich die verschiedensten kultischen Handlungen mit Nudeln, Mehl und Klopapier vorstellen. Wobei ich mich frage, was Seife und Vitaminpräparate – der neueste Hype der an mir vorüberschoß – damit jetzt auch noch zu tun haben?!?

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    1. Sehr gerne. Ich mag de Texte des Quarantänetrösters.

      Wo innerhalb von kultischen Handlungen der Nutzen von Seife und Vitaminpräparaten liegt – hamstern die Leute das jetzt tatsächlich? -, will ich mir so genau gar nicht vorstellen … :-)

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    1. Dass da der Herdentrieb mitspielt, kann ich mir durchaus vorstellen, denke aber doch, dass die hysterischen Klopapier-Hamsterer eher eine Minderheit darstellen, die der vergleichsweise entspannten Mehrheit das Zeug wegkaufen. Nun müsste diese Minderheit ja nun im Laufe der Zeit feststellen, dass die Welt eben noch NCIHT untergegangen und der Klopapierbestand weiterhin gesichert ist und könnte nun daran gehen, das hysterische Einkaufen einzustellen. Aber: Weit gefehlt. Analog dazu: Wenn ein ein kleiner Teil der Herde wegen vermeintlicher Gefahr wegläuft, die große Mehrheit aber entspannt weiteräst, und dann nichts passiert, dann müsste diese Minderheit irgendwann doch begreifen, dass die vermeintliche Gefahr durch den Säbelzahntiger eben nicht besteht und selbst entspannt weiteräsen …!? Ach, es bleibt ein Mysterium … ein Fall für Aiman Abdallah und „Galileo Mystery“ … :-)

      Herzlichen übrigens für den Lacher anlässlich des Schabowski-Moments. ;-)

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  2. Ich frage mich wirklich wie das angefangen hat mit dem Klopapier. Nudeln als haltbare Nahrung ok. Ich meine beim Quarantänetröster werden in den Kommentaren diverse Ideen diskutiert worum es gerade Klopapier wurde…aber, da ich ja Arzt bin dem nichts menschliches fremd ist, wenn ich das Verdauungssystem richtig erinnere, dann wird Klopapier nur nach Nahrungsausnahme benötigt. Und stopfen Kohlenhydrate nicht?

    So viele Fragen und so unsinnig viele kursierende Antworten dazu ;-)

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    1. Ich kann es Dir leider auch nicht sagen, hatte nur gestern in einer zu vernachlässigenden Sendung eines zu vernachlässigenden Senders eine Psychologin gehört, die irgendwas von Kontrolle und dem Bedürfnis nach Sicherheit angesichts der Ungeschütztheit auf der Toilette (sic) sagte … ich habe dann nicht weiter zu gehört …

      Was die Auswirkungen von Kohlenhydraten auf die Verdauung angeht, bin ich überfragt, ich bin halbstudierter Geisterwissneschaftler. Als solcher weiß ich allenfalls, DASS ES „SICH ERINNERN“ HEISST, VERDAMMTE AXT! ;-)

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      1. Ungeschütztheit auf der Toilette? Es ist so ein absurder, an den Haaren herbeigezogener Unsinn…dann noch eher „Herdentrieb“, weil irgendwann mal einer damit angefangen hat :-)

        Und wie kann sich wohl das Verdauungssystem erinnern? :-)

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    1. Auch hysterisches Lachen wirkt befreiend. Denke ich. :-)

      Und ja, warum nicht. Das „rituelle Nudelopfer“ zum Beispiel, bei dem eine große Menge Fussili verbrannt werden. Alternativ wird eine ähnlich große Menge Farfalle in eine große Mehlwolke geworfen und angezündet. Das Klopapier braucht man dann zur Brandwundversorgung …

      Und das sind nur die am wenigsten verstörenden Möglichkeiten, die mir da gerade spontan einfallen.

      ;-)

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