„Ruhet in Friedberg“ von Rudolf Ruschel

Buch: „Ruhet in Friedberg“

Autor: Rudolf Ruschel

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 304 Seiten

Der Autor: Rudolf Ruschel, Jahrgang 1986, geboren und aufgewachsen in Niederösterreich. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien, nebenbei Aushilfskraft bei einer Bestattung. Lebt heute als Autor und Texter in Hamburg. „Ruhet in Friedberg“ ist sein Debüt. (Quelle: Random House)

Das Buch: Österreich, Ende der 90er. Im Provinznest Friedberg, Heimat ewig gestriger Saufbrüder und anderer dubioser Gestalten, verplempern die unverbesserlichen Schlawiner Andi und Fipsi ihre Jugend. Doch ihr ruhiger Alltag als Aushilfen beim Bestatter endet jäh, als ein Bekannter zu Grabe getragen wird und sein Sarg scheinbar das Doppelte wiegt. Andi schöpft Verdacht: Will einer der Kollegen da etwas – oder jemanden – verschwinden lassen? Die Spur führt schnell zum cholerischen Vorarbeiter Macho – die Wahrheit ist aber weit schlimmer. Und kaum hat sich das ganze Ausmaß des Schlamassels gezeigt, häufen sich die Leichen und die Bestatter bekommen alle Hände voll zu tun…(Quelle: Random House)

Fazit: Nachdem wir uns nun alle kollektiv langweilen sollen, ist es umso wichtiger, eine ausreichende Zahl an Büchern im Haus zu haben. Und wenn draußen schon die Zeichen auf Apokalypse stehen, ist es vielleicht auch angeraten, sich literarisch mal mit etwas eher Heiterem zu beschäftigen. Nun führen heitere Bücher und ich ja eher so etwas wie eine friedliche Koexistenz, weil ich mich oftmals in meinem Vorurteil bestätigt sehe, dass humorvolle Bücher bei mir einfach nicht zünden. Warum bei „Ruhet in Friedberg“ aber alles ein bisschen anders ist, und auch wieder nicht, das versuche ich im Folgenden mal zu erläutern.

Was naturgemäß ziemlich zu Beginn auffällt, und mutmaßlich die Geister am meisten an der Lektüre von Ruschels Krimidebüt scheiden dürfte, ist der Erzählstil. Denn „Ruhet in Friedberg“ ist eher wie ein gut 300 Seiten langer Monolog gehalten. Es wirkt im Ton sehr umgangssprachlich und reißt durch das mehrfache, direkte Ansprechen des Lesers häufiger die vierte Wand ein. Diese Vorgehensweise wird erst sehr spät im Buch erklärt, ergibt dann auch Sinn, aber ich vermute, dass bis zu diesem Punkt schon der eine oder andere Leser aufgegeben haben wird. Zwar erwartete ich auch nichts, was erzählerisch eher in Richtung eines elaborierten Vortrags auf einem Philologen-Kongress geht, aber mir persönlich war der Erzählstil in Summe dann doch schon zu salopp.

Die Charaktere bereiten da deutlich mehr Vergnügen. Auch wenn es mir schwerfällt, im Detail überhaupt Nennenswertes über sie zu schreiben. Ihnen allen ist gemein, dass sie skurril, teils deutlich überzeichnet sind – was vor dem Hintergrund, dass das sicherlich absolut so gewollt ist, nicht als Kritik missverstanden werden soll – und viele davon haben ihr Päckchen zu tragen. Und trotz dieses Päckchens gelingt es Ruschel, dass man seine Charaktere nicht wirklich mögen kann, nicht wirklich mögen will. Warum, darüber sei an dieser Stelle der Mantel des Schweigens ausgebreitet, weil es zu viel vorweg nehmen würde. Belassen wir es also bei: Die Figuren machen durchaus Spaß.

Das gilt auch und gerade für die Handlung. Die ist ähnlich skurril wie die handelnden Personen, man könnte sie auch mit Fug und Recht absurd nennen, was beispielhaft nur daran verdeutlicht werden soll, dass die Geschehnisse dadurch so richtig ins Rollen kommen, dass einer der Protagonisten einer ganz harmlosen „Red-Shirt“-Nebenfigur durch eine fatale Feuerzeug-Schusswaffe-Verwechslung das Hirn reseziert, um es ungewollt auf den Lederbezügen einer Limousine zu verteilen. Und dann geht irgendwie alles ganz schnell. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn „Ruhet in Friedberg“ hat ein ziemlich hohes Erzähtempo. Gefühlt im Minutentakt folgt Leiche auf Leiche und man wähnt sich mitten in einem Shakespearschen Drama.

Darauf muss man sich einlassen, und wenn man das kann, dann verbringt man mit „Ruhet in Friedberg“ wohl durchaus eine vergnügliche Zeit. Und auch für mich, der ja nun mit humorvollen Büchern eher weniger anfangen kann, waren doch so einige Lacher dabei. Wer auf schwarzhumorige Krimis steht, der kann Ruschels Krimidebüt bedenkenlose eine Chance geben.

Ich bedanke mich beim btb Verlag sowie beim Bloggerportal für die Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Humor: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Feindesland“ von C. J. Sansom.

 

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